Filmkritik: „Head of the Family“ (1996)

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HEAD OF THE FAMILY

(THE BRAIN)

Story

 
 
 

Lance und Loretta haben ein Problem. Das Gangsterpärchen bumst hinter dem Rücken von Lorettas Biker-Ehemann gar ehebrecherisch herum. Dieser, Howard heißt er, ist ein deutlich böserer Hund im Gangsterpark und so müssen die beiden genügend Kohle auftreiben, um die Gegend verlassen zu können. Als sie durch Zufall beobachten, wie vorm Haus der Familie Stackpool offenbar ein Kidnapping stattfindet, erwacht in den Kleinkriminellen der Erpresser-Instinkt. Wenn sie sich da aber nicht die Falschen ausgesucht haben. Stackpools kamen nämlich als mutierte Fünflinge zur Welt und gehorchen den Anweisungen ihres Oberhaupts, das aus einem Riesenhirn mit verkümmerten Gliedmaßen besteht; und diese Anweisungen beinhalten übergeschnappte Experimente an menschlichen Versuchskaninchen im Keller.


 
 
 


 
 
 

HEAD OF THE FAMILY – Kritik

 
 
 
Geile Idee, so zwischen Schwarmintelligenz und außerirdischer Unerklärlichkeit. Manipuliert vom Kopf, beziehungsweise Gehirn des Titels, verfügt jedes Familienmitglied über eine distinktive Eigenschaft. Stärke, erotische Anziehungskraft, besondere Wahrnehmungsfähigkeiten. Jeder Faktor tritt nur in einem der Stackpooles auf und dient dem Mutanten-Familienkollektiv zum Anlocken menschlicher Beute. Perverser Dirigent des Irrsinns ist natürlich das Gehirn, Myron.
 
 
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Wie bereits in vergangenen Kritiken festgestellt, erleben wir im Zuge diverser schöner Heimkino-Veröffentlichungen dieser Tage eine neue, positivere Würdigung der Filme von Charles Band. Nicht, dass man in den schrägen Regiewerken des hauptberuflichen Produzenten und Chefs der Full Moon Studios jetzt plötzlich die Handschrift eines verkannten Genies erkennen würde. Dieser Trend zum Filmgeschichte Umschreiben auf der Grundlage persönlicher Befindlichkeiten und Vorlieben ist eine seltsame Erscheinung, wie sie im postmodernen Internet, gerne in Deutschland, praktisch täglich durchs Dorf getrieben wird. Aber nichtsdestoweniger zu verkennen ist: Band verfügt ohne Zweifel über einen wiedererkennbaren Stil, in dem sich selbstbewusste Genrekenntnis und schwarzer Humor zu verrückten Trashperlen verbinden, die man sich ohne Reue ins Regal stellen darf. Furchtlos-geschmackloser Gaga-Horror, wie er einst etwa in New York bei TROMA FILMS leichthändig vom Band lief. Bei ihrem ersten Erscheinen, in der Endzeit des Mediums Videokassette, ist Bands Filmen bloß das Schicksal belächelter Staubfänger vergönnt. Vermutlich waren die Low-Budget Science-Fiction und Horrorfilme des Kaliforniers nicht deutlich genug einer Sparte zuzuordnen, um den Videothekaren aus den Pranken gerissen zu werden wie vergleichbarer Stoff. THE BRAIN, wie der heute vorliegende THE HEAD OF THE FAMILY auf Video hieß, geht es 1996 nicht anders, war die Kassette doch recht schnell auf den Wühltischen heute nicht mehr existierender Kaufhausketten zu finden.
 
 
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Ungerecht, denn der Film, vom Full-Moon-Direktor unter dem Pseudonym Robert Talbot gedreht, ist mal wieder ein Juwel nach Tradition der beliebten GESCHICHTEN AUS DER GRUFT. Also eine gute, altmodische Moralgeschichte, in deren Verlauf sich dumme Kleinkriminelle mit den falschen Angehörigen des gesellschaftlichen Rands angelegt haben. Meist sind die Opfer, wenn man sie so nennen mag, bevor der Spieß mit Schmackes umgedreht wird, in diesen Stories arm, Einwanderer, geistig nicht ganz auf der Höhe oder einfach Freaks. Bei THE HEAD OF THE FAMILY können wir das Häkchen ruhigen Gewissens hinter dieser letzten Option setzen. Das Superhirn und sein degenerierter Clan sind perfekte Außenseiter, vom ebenso hinterhältigen wie tumben Gaunerpärchen zu finanziellen Melkkühen erklärt. Wie bei den Vorbildern aus der Gruft und deren Ahnen, den EC COMICS des späteren MAD-Magazin-Erfinders William Gaines so üblich, wünscht man nach einer gewissen Zeit den von Raffgier getriebenen Protagonisten ein möglichst grausiges und farbenfrohes Ende. Natürlich enttäuscht auch das Riesenhirn die blutrünstigen Impulse des Publikums nicht. Schließlich steckt in den überdimensionalen Windungen der Denkmaschine genug Bosheit für eine ganze Familie.
 
 
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HEAD OF THE FAMILY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Weiter geht es mit der Wiederentdeckung der Welt der Full Moon Studios. Neben zahlreichen PUPPETMASTER-Episoden und anderen Trash-Franchises, gibt es da auch noch Verrücktheiten wie THE HEAD OF THE FAMILY. 1996 entstanden, dreht Firmenchef Charles Band eine schwarze Komödie mit Horror-Background, die man sich in dieser Form von TROMA in deren bester Verfassung gewünscht hätte. Früher unter ferner liefen im unteren Regal der Videothek versteckt, braucht der Film heute keinen Vergleich mit neueren, teureren Genre-Produktionen mehr zu scheuen.
 
 
 


 
 
 

HEAD OF THE FAMILY – Zensur

 
 
 
HEAD OF THE FAMILY (deutscher Titel: THE BRAIN) wurde in Deutschland von VPS auf VHS veröffentlicht. Danach folgte eine ungeschnittene DVD von CMV LASERVISION, die keine FSK-Freigabe hatte, sondern nur juristisch geprüft wurde. Der Anbieter WICKED VISION ließ den Streifen im Dezember 2019 neu prüfen und erhielt für die ungeschnittene Fassung eine FSK16. Diese wurde nun erstmalig in Deutschland auf Blu-ray veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

HEAD OF THE FAMILY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Wicked Vision Media (Scanavo Box)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Head of the Family; USA 1996

Genre: Horror, Klassiker, Trash, Komödie

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1,78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 72 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Scanavo Box

Extras: Wendecover mit Original-Artwork, Audiokommentar mit Darsteller J. W. Perra, „Bride of the Head”-Promo, Originaltrailer

Veröffentlichung: 06.12.2019

 
 

Head of the Family [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

HEAD OF THE FAMILY – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei Wicked Vision Media)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
The Brain That Wouldn’t Die (1958)
 
They Saved Hitler’s Brain (1968)
 
Re-Animator (1985)
 

Filmkritik: „Creepozoids – Angriff der Mutanten“ (1987)

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CREEPOZOIDS – ANGRIFF DER MUTANTEN

(CREEPOZOIDS | CREEP ZONE)

Story

 
 
 

Wir schreiben mal wieder die Saure-Gurken-Zeit kurz nach dem Ende der Welt, 1998 ist das in diesem Falle: Geknallt hat es aber schon früher, 1992 das ist, und die große Pest der Menschenwelt ist der tödliche, säurehaltige Regen, der die Überlebenden in die Knie und in den Schutz unterirdischer Bunkeranlagen zwingt. So geht es auch dem Grüppchen der Protagonisten in CREEPOZOIDS. Ungut allerdings, dass ausgerechnet in diesem aufgetanen Schutzkeller die Armee vorm Krieg blutrünstige Mutanten gezüchtet hat.


 
 
 


 
 
 

CREEPOZOIDS – Kritik

 
 
 
David DeCoteau, geboren Anfang der 1960er im Staate Oregon, gehört in jene gleiche Riege amerikanischer Trash-Horror-Regisseure der 1980er wie etwa Fred Olen Ray, Kenneth J. Hall oder Jim Wynorski. Zusammen mit dem stets umtriebigen Produzenten und Gelegenheitsregisseur Charles Band, oft direkt unter der Fahne von dessen Firmen Empire Video und Full Moon Studios, führen diese leidenschaftlichen Kinofans im Regiestuhl zur Blüte der VHS-Ära die Independent-Film-Tradition ihrer Vorgängergeneration, der eines Roger Corman nämlich, fort und pfeffern eine schräge und am absoluten Ausgabenlimit entstandene Videoperle nach der anderen auf den hungrigen Markt. In den USA durchaus mit Erfolg, anders jedoch hier: Damals wusste man das als durchschnittliche bundesrepublikanische Videotheken-Hyäne oftmals gar nicht so zu schätzen. Lieber geierte man dem x-ten italienischen Metzel-Aufguss oder anderen Irrlichtern hinterher und konnte mit den eigentlich erfrischend straighten Ami-Schlockern der oben genannten Herren und ihrer noch unbekannteren Kollegen nicht wirklich viel anfangen. Heute, nach zahllosen Genre-Trends aus Gedärm, Blut und als Ernsthaftigkeit missverstandener Einfallslosigkeit, dafür umso mehr. Die Filme dieser Regisseure werden weder jemals im Oscarrennen auftauchen, noch die Top-Ten der bestialischsten Gore-Bomben erobern. Ist aber auch nicht nötig.
 
 
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Auch CREEPOZOIDS – was für ein perfekter Titel eigentlich! – sieht man natürlich sein recht überschaubares Budget an. Nicht umsonst wählt Charles Bands Produktionsteam einen räumlich limitierten Drehort wie den Bunker aus und verpasst dem Film durch die kleine Besetzung eine beinahe kammerspielartige Erscheinung. Die Überlebenden des Atomschlags und seiner ätzenden Regengüsse müssen sich gegen ein rumpeliges, irgendwie aus einer anderen Zeit des Science-Fiction-Kinos gefallenes Monster und dazu so manches Riesen-Ungeziefer verteidigen. Eine der gehetzten Post-Nuke-Damen wird von Kim McCamy gespielt. Der Name muss jetzt nicht sofort die Lampen aufleuchten lassen. Unter dem Namen Ashlyn Gere allerdings, ist Kim eine der am meisten gebuchten Pornodarstellerinnen der späten Achtziger und frühen Neunziger. Ihr zur Seite steht die Spät-Scream-Queen Linnea Quigley, die der Horrorfan immer gerne sieht.
 
 
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David DeCoteau, liefert nach diesem Debütfilm unter anderem den herrlich gaga betitelten SORORITY BABES IN THE SLIME BALL BOWL-A-RAMA und Charles-Band-Auftragsarbeiten wie den dritten Teil der beliebten Reihe um den bösen PUPPET MASTER ab. Mittlerweile wird der Wahl-Kanadier für ein anderes Spartenprogramm geschätzt: Seit Mitte der Neunziger entstanden unter seiner Regie an die siebzig Softsex-Filme für den schwulen Markt, gerne im Gewand der Horror-Persiflage.
 
 


 
 
 

CREEPOZOIDS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Die beliebte Rubrik „Filme, die so heute nicht mehr aussehen würden“ mal wieder. Man muss CREEPOZOIDS, diesen würzigen Mix aus Fifties-Sci-Fi und hochhaariger Eighties-Video-Verrücktheit beinahe mit dem Wort unschuldig bedenken – und das ist ausschließlich lobend gemeint. Ein Film aus einer Zeit, in der die Video-Pioniere unter den Genrefilm-Produzenten Filme, maßgeschneidert für ein Publikum drehen konnten, ohne dieses Publikum für blöde zu verkaufen. Hach, Nostalgie, Du Dämon.
 
 
 


 
 
 

CREEPOZOIDS – Zensur

 
 
 
Wie so viele Horrorstreifen aus den 1980ern verschwand auch CREEPOZOIDS – ANGRIFF DER MUTANTEN auf dem Index. Der Streifen wurde 1988 in Deutschland auf VHS in der ungeschnittenen Fassung veröffentich und im gleichen Jahr indiziert. Nach diversen deutschen Veröffentlichungen auf DVD (u.a. einer um vier Minuten gekürzten FSK16-Fassung fürs Kaufhaus) hatte man 2013 Erbarmen. Man strich CREEPOZOIDS vom Index und hob die Indizierung auf. Nun hat sich das Label WICKED VISION MEDIA dem Klassiker angenommen und die erste deutsche HD-Fassung veröffentlicht. Diese ist ungeprüft (daher erst für Erwachsene geeignet) und komplett ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

CREEPOZOIDS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Wicked Vision Media (limitiertes Mediabook – Cover A – auf 222 Stück limitiert)

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(c) Wicked Vision Media (limitiertes Mediabook – Cover B – auf 222 Stück limitiert)

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(c) Wicked Vision Media (limitiertes Mediabook – Cover C – auf 222 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Creepozoids; USA 1987

Genre: Horror, Klassiker, Trash, Science Fiction, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.77:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 72 Min.

FSK: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: 24-seitiges Booklet mit Texten von Michael Humberg und Christoph N. Kellerbach, Audiokommentar mit Regisseur David DeCoteau, Originaltrailer, Bildergalerie, Bonusfilm: „Shadowzone“ (85 Min., Deutsch/Englisch), Trailer zu „Shadowzone“, Hauptfilm auf DVD

Veröffentlichung: Mediabook: 06.12.2019

 
 
Wicked Vision Media hat drei limitierte Mediabooks mit zusätzlichem Booklet zum Film veröffentlicht. Der Kult-Trash wurde vom 35mm Kamera-Negativ neu abgetastet, aufwendig restauriert und feiert im Mediabook seine europäische HD-Premiere. Übrigens spendiert das Label Wicked Vision Media allen Käufern dieser Veröffentlichung ein zusätzliches Extra. Neben CREEPOZOIDS befindet sich zusätzlich auch noch das B-Movie SHADOWZONE von 1990 als HD-Upscale auf der Blu-ray. Beide Streifen liegen natürlich ungeschnitten vor.

 
 

Creepozoids [Blu-ray + DVD im Mediabook Cover A] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

Creepozoids [Blu-ray + DVD im Mediabook Cover B] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

Creepozoids [Blu-ray + DVD im Mediabook Cover C] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

CREEPOZOIDS – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei Wicked Vision Media)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Mutant – Das Grauen im All (1982)
 
Astaron – Brut des Schreckens (1980)
 
Planet des Schreckens (1981)
 

Filmkritik: „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ (2018)

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PUPPET MASTER: DAS TÖDLICHSTE REICH

(PUPPET MASTER: THE LITTLEST REICH)

Story

 
 
 
In der Neuauflage zu „Puppet Master“ findet zum 30. Todestag vom Puppenschöpfer Toulon ein Gemetzel bei einer Convention statt. Die mordenden Puppen sind zurück und sie wollen Blut sehen.

 
 
 


 
 
 

PUPPET MASTER: DAS TÖDLICHE REICH – Kritik

 
 
 
Zu Beginn eine Retrospektive: 1989 drehte David Schmoeller mit „Puppet Master“ ein kleines B-Movie um mordende Puppen und unter der Produktion von Charles Band, dem Experten, wenn es um kleine, mordende Wesen geht, avancierte sich der gar nicht mal besonders gute Film zum Kult. Ziemlich schnell folgten zwei weitere Teile, von denen gerade Teil 3 „Toulon’s Revenge“ als kleines Highlight bezeichnet werden darf. Ähnlich wie bei Reihen namens „Freitag der 13.“ oder „Halloween“ wurde aus „Puppet Master“ ein Name und die 90er waren das produktivste Jahrzehnt dieser Reihe. Aus den sowieso nie besonders teuren Filmen wurden aber schon bald ziemlich billige Videothekenableger, die mit den Originalfilmen nicht mehr besonders viel zu tun hatten. Beim vierten Teil ging dies noch gut und der fünfte Teil „The Final Chapter“ deutete schon damals ein Ende der Reihe an, ehe man den Fan-Wünschen ein paar Jahren später nachkam und mit „Curse of the Puppet Master“ 1998 einen sechsten Teil herausbrachte. Hier und beim Nachfolger war aber nichts mehr vom einstigen Charme vorhanden und die Krone setzte dem Ganzen dann „The Legacy“ von 2003 auf, der eigentlich nur aus Rückblicken bestand. Mit „Puppet Master vs. Demonic Toys“ gab es eine billige Fernseh-Spin-Off-Fortsetzung und danach war erst mal einige Jahre Ruhe, bis sich 2010 erneut etwas tat. Mit „Axis of Evil“ bekam die Nazi-Thematik mehr Platz eingeräumt und die Qualität stieg sogar etwas an. Bei den beiden Nachfolgern „Axis Rising“ und „Axis Termination“ führte sogar Charles Band höchstpersönlich Regie. Während er das beim ersten Teil gut gemacht hat, war das bisher letzte Lebenszeichen der Puppen eher mau, doch diese Reihe scheint absolut nicht totzukriegen zu sein, denn 2018 war es soweit und ein weiterer Teil, insgesamt also bereits der 13., wurde herausgebracht. Man hat es dieses Mal allerdings mit keiner Fortsetzung zu tun, sondern mit einer kompletten Neuausrichtung und genau das hat diese Reihe auch mal gebraucht. Mit „Puppet Master: Das tödlichste Reich“ bekommt man wohl den bisher besten Teil dieser langlebigen Reihe geboten.
 
 
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Die größte Änderung ist, dass Toulon hier als Bösewicht dargestellt wird. Ansonsten ist eigentlich alles beim Alten geblieben und trotzdem weicht die Erzählweise von den anderen Teilen deutlich ab. Nachdem man anfangs kurz den bösen Toulon in der Vergangenheit sehen durfte, wechselt das Geschehen in die Gegenwart und da geht es um Edgar, der sich gerade erst scheiden hat lassen. Er findet im Zimmer seines verstorbenen Bruders eine Puppe, die er mit zu einer Convention nimmt, denn der 30. Todestag von Toulon wird gerade gefeiert. Erst mal bei der Convention angekommen, entwickelt nicht nur die eine Puppe ein bedrohliches Eigenleben und es dauert nicht lange, da häufen sich die Leichen. Der Hintergrund ist dabei sicherlich nicht besonders wichtig und viel Story hat „Das tödlichste Reich“ auch gar nicht zu erzählen, eine solche stand bei dieser Reihe aber sowieso nie großartig im Vordergrund. Trotzdem ist das Drehbuch, welches sogar von S. Craig Zahler geschrieben wurde, brauchbar und es tut mal gut, dass hier ein Neustart gewagt wurde. Wie schon in einigen Vorgängern wird das Szenario stark mit den Nazis verknüpft und selbst wenn der Fokus mehr auf Splatter liegt, bekommt die Geschichte hinterher noch eine ganz solide Dynamik.
 
 
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Regie durfte das Duo Tommy Wiklund und Sonny Laguna führen. Man sieht natürlich, dass hinter „Das tödlichste Reich“ nicht das große Geld steckt, aber das war bei dieser Reihe nie der Fall. Allerdings sieht der Film schon deutlich aufwendiger aus, als die Vorgänger, die Charles Band (hier selbstverständlich wieder als Produzent mit an Bord) gedreht hat. Nach einer recht ausgiebigen, aber irgendwie sympathischen Einleitung, wird in der zweiten Hälfte vordergründig gemetzelt und hier kann der Film durchaus punkten, denn er bietet reichlich Splatter, welcher erfreulicherweise sogar fast komplett von Hand gemacht wurde. Der Gorehound kommt da definitiv auf seine Kosten und an nackter Haut mangelt es ebenfalls nicht. Die Kulissen sind dabei nicht unbedingt sehr aufwendig, erfüllen ihren Zweck aber vollkommen und es ist zudem schön, dass man die Titelmelodie leicht beibehalten hat. Bereits der liebevoll gestaltete Vorspann zeigt, dass man sich hier doch Mühe gegeben hat, um die Fans zu bedienen und die bekommen hier das volle Programm. Ist man nur auf mordende Puppen aus, wird man auf jeden Fall ordentlich bedient und im letzten Drittel wird das Ganze auch noch ein wenig aufwendiger.
 
 
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Den positiven Gesamteindruck runden die soliden Darsteller dann ab. Thomas Lennon funktioniert als Identifikationsfigur für den Zuschauer und spielt das ganz sympathisch. Als Toulon gibt es nun sogar Udo Kier zu sehen, der zwar leider nur am Anfang einen kurzen Auftritt hat, aber perfekt in diese Rolle passt. Mit Barbara Crampton ist sogar jemand mit dabei, der schon im Original mitgespielt hat und Matthias Hues passt ebenfalls in dieses Werk hinein. Es gibt eine ganze menge Rollen und selbst wenn man hier nicht das beste Schauspiel erwarten sollte, so ist doch alles zweckdienlich und es wird niemals nervig. So viel Qualität gab es in dieser Reihe jedenfalls nicht immer, aber „Das tödlichste Reich“ hat sowieso nicht mehr besonders viel mit seinen Vorgängern zu tun. Weder besitzt er diese 80er Jahre Atmosphäre aus der Anfangszeit, noch die 90er-Jahre-Billigfilm-Stimmung. Erst recht besitzt er nicht die günstige Inszenierungskunst von Charles Band und eigentlich kann man sich hier seit langer Zeit mal wieder wie in einem ernsthaften Film vorkommen, der natürlich nicht ernst wirken möchte, der es aber eben zulässt, dass man nicht sofort nur an den billigsten Trash denken muss. Das ist nicht immer höchst unterhaltsam, meist aber doch erfreulich amüsant und wer mit dieser Reihe aufgewachsen ist, wird hier einen nachvollziehbaren Sprung in die Gegenwart erleben, der sich qualitativ deutlich von den letzten Vorgängern abhebt. Das offene Ende deutet ja eine Fortsetzung schon ganz klar an und wahrscheinlich wird „Puppet Master“ in ein paar Jahrzehnten die langlebigste Filmreihe aller Zeiten sein. An diesem Rekord wird dann auch niemals mehr jemand etwas ändern können!
 
 
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PUPPET MASTER: DAS TÖDLICHE REICH – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
„Puppet Master: Das tödlichste Reich“ ist natürlich nicht mehr als ein kleiner B-Horrorfilm, doch er stellt tatsächlich den besten Teil der Reihe dar und sollte Fans der früheren Werke dieser Reihe durchaus gefallen. Die Puppen morden sich kräftig durch den Film und sorgen für viel Splatter, so dass jeder Gorehound auf seine Kosten kommt. Nebenbei ist die Geschichte als Neustart ganz in Ordnung und die Darsteller erledigen ihre Arbeit solide. Das ist relativ simpel gemacht, besitzt aber dennoch eine gewisse Qualität und ist einfach recht unterhaltsam. Wer noch nie etwas mit diesen Filmen zu tun hatte, kann eine gewisse Euphorie vielleicht nicht nachvollziehen, doch gerade wenn man alle Teile gesehen hat, wird man überrascht sein, denn „Das tödlichste Reich“ ist ein durchaus brauchbarer Film geworden und er wird mit Sicherheit nicht der letzte Teil der Reihe bleiben!
 
 
 


 
 
 

PUPPET MASTER: DAS TÖDLICHE REICH – Zensur

 
 
 
„Puppet Master: Das tödlichste Reich“ ist schon sehr zeigefreudig. Damit hatte wohl auch die FSK Probleme, weshalb man dort die Freigabe verweigerte. Doch der deutsche Rechteinhaber Pierrot Le Fou hat Erfahrung mit „schwierigen“ Filmen. Das Label scheute nicht den Gang zur Juristenkommission SPIO/JK und wurde belohnt. Die Prüfinstanz erteilte dem Film in der Uncut-Fassung die leichte SPIO/JK-Freigabe „keine schwere Jugendgefährdung“. Sammler von Uncut-Fassungen können daher bedenkenlos zugreifen, wenn sie den Splatter-Spaß im Handel finden.
 
 
 


 
 
 

PUPPET MASTER: DAS TÖDLICHE REICH – Blu-ray

 
 
 
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(c) PIERROT LE FOU (Blu-ray KeepCase-Version)

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(c) PIERROT LE FOU – Uncut #16 (auf 3000 Stück limitiertes Mediabook mit DVD + Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Puppet Master: The Littlest Reich; Großbritannien | USA 2018

Genre: Horror, Splatter

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: SPIO JK geprüft: keine schwere Jugendgefährdung (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | limitiertes Mediabook

Extras: Interviews (u. a. mit Udo Kier Jenny Pellicer Thomas Lennon), Drehtagebuch, „Die Ankunft der Killerpuppen“, Trailer | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, Booklet, Poster

Release-Termin: Mediabook: 12.07.2019 | KeepCase: 06.09.2019

 

Puppet Master: Das tödlichste Reich [Mediabook mit DVD + Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

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PUPPET MASTER: DAS TÖDLICHE REICH – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

Die Rechte aller für die Review verwendeten Bilder liegen bei PIERROT LE FOU

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Puppetmaster (1989)
 
Puppetmaster II (1990)
 
Puppetmaster 3 (1991)
 
Puppetmaster IV (1993)
 
Puppet Master V (1994)
 
Curse of the Puppetmaster (1998)
 
Retro Puppetmaster (1999)
 
Puppet Master: The Legacy (2003)
 
Dämonische Spiele – Puppet Master vs. Demonic Toys (2004)
 
Puppet Master: Axis of Evil (2010)
 
Puppet Master X: Axis Rising (2012)
 
Puppet Master: Axis Termination (2017)
 
Demonic Toys (1992)
 
Dolls (1987)
 
Robert – Die Puppe des Teufels (2015)
 

Filmkritik: „Demonic Toys“ (1992)

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DEMONIC TOYS

Story

 
 
 

Ein Polizeieinsatz gegen Waffenschmuggler artet mächtig aus. Die Bösewichte befreien einen alten Dämon, dessen schwarzmagische Kräfte herkömmliche Spielzeuge zu Mordinstrumenten machen. Für seine eigene Reinkarnation pickt sich der Teufel das heranreifende Baby im Bauch der diensthabenden Polizistin Judith heraus. Jetzt ist die Arme bis über ihre kosmetisch gestrafften Ohren damit beschäftigt, sich das schlachtbereite Spielzeug vom Halse und den ätherischen Fiesling von der Schwangerschaftskugel zu halten.

 
 
 


 
 
 

DEMONIC TOYS – Kritik

 
 
 
Peter Manoogians „Demonic Toys“ ist ein Schüsselchen routinierten Low-Budget-Kartoffelsalats aus dem reichhaltigen Fundus von Phantastik-Film-Knallfröschen der berühmt-berüchtigten „Full Moon Studios“ aus Hollywood. Der karge Lagerhallen-Drehort spart Geld und das knackige Drehbuch hält sich nicht lange mit Petitessen wie Logik oder Stringenz auf, stammt es doch aus der Feder des Studiochefs höchstselbst: Charles Band.
 
 
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Als Charles, flankiert vom im höchsten Maß business-erfahrenen Vater Albert und Bruder Richard, seines Zeichens als Filmkomponist tätig, die „Full Moon Studios“ gründet, ist im Bereich des Popkultur-Horrorfilms gerade sowas wie ein Maskottchen-Fieber angesagt. Joe Dantes einflussreiche „Gremlins“ verbinden 1984 amerikanische Monsterfilm-Traditionen mit der Ironie eines langjährigen Genre-Liebhabers und – nicht zuletzt – einer schier endlosen Vermarktbarkeit. Zu den Nachzüglern der erst kuscheligen und dann schleimigen Mini-Ungeheuer gehören später zum Beispiel die populären „Critters“ (1986). Bei „Full Moon“ ist man jedoch schneller am Ball und präsentiert schon 1985 den ersten Teil der boshaften „Ghoulies“. Die flauschigen „Zone Troopers“ im gleichnamigen, bizarr-fantastischen Film laufen ebenfalls 1985 auf und beschäftigen sich nebenbei erstmals mit einem von Bands liebsten Filmcharakteren: Nazis.
 
 
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Ab 1989 produziert man die „Puppet Master“-Reihe, die ihre Inspirationen aus den bitterbösen EC-Comics und weiterhin dem Horrorkino des just zu Ende gehenden Jahrzehnts bezieht. Diese besessenen Spielzeuge sind teils „Gremlins“, teils „Chucky – Die Mörderpuppe“ und stehen am Anfang einer bis in die Gegenwart anhaltenden Veröffentlichungs-Lawine aus Puppen-Trash, Monsterspielzeug-Trash, Lebkuchenmann-Trash, Haschischpfeifen-Trash und beliebig geschnitzten Kombinationen dieser Zutaten.
In einigen Szenen der „Demonic Toys“ ist im Hintergrund auf Fernsehern dann auch ein Film der „Puppet Master“-Reihe zu sehen. 2005 wirft Charles Band – inzwischen in der kuschelweichen Welt der Retro-Phänomene angelangt – die beiden Filme in einen Topf und präsentiert „Puppet Master vs. Demonic Toys“. Mit der Continuity der Vorgängerfilme hat der allerdings nichts zu tun.
 
 
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Regisseur Manoogian und sein Impresario Charles Band kennen sich seit den 1980ern. „Empire“, das war Bands Firma vor „Full Moon“ übernimmt unter anderem den Vertrieb von Manoogians bestem Film, dem Alien-Gladiatoren-Beklopptheits-Fest „Steel Arena – Todematch der Giganten“ (1989). Den kann man sich übrigens so vorstellen wie die großen Monsterpuppen der „Fraggles“ als blutgierige Cagefighter. Ja, tatsächlich. They don’t make em like that anymore!
 
 
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DEMONIC TOYS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Tempus Fungus! Die Zeit verpilzt. Oder so ähnlich. Zu seiner Erscheinungszeit 1992 war der passionierte Videothekenregal-Abgraser einem „Demonic Toys“ gegenüber noch eher negativ eingestellt. Zu ähnlich sahen sich die all schrägen Puppen-Horror-Trasher aus der Terrorschmiede des Charles Band, zu hoch der Output seiner Full Moon Studios. Fast 30 Jahre und 5000 beschissene Zombiefilme mit digitalen Splatter-FX später und man möchte der Famiglia Bandinelli und ihren Monstern aus Plastik eine Schachtel Entschuldigungs-Konfekt zukommen lassen.
 
 
 


 
 
 

DEMONIC TOYS – Zensur

 
 
 
„Demonic Toys“ wurde im Jahr 1993 in der ungeschnittenen Fassung indiziert. Es folgten ungeprüfte DVD-Veröffentlichungen wobei einer derer sogar für eine FSK16 heruntergeschnitten wurde. Im Dezember 2016 wurde „Demonic Toys“ vom Index genommen. Leider ist die nun erhältliche, ungeschnittene Blu-ray von WICKED VISION weiterhin ungeprüft. Würde der Streifen heutzutage neu von der FSK geprüft werden, dürfte er locker eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DEMONIC TOYS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) WICKED VISION MEDIA (Scanavo-Box)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Demonic Toys; USA 1992

Genre: Horror, Trash

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD Master Audio 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 83 Min.

FSK: ungeprüft

Verpackung: Scanavo-Boxen mit Wendecover

Extras: Wendecover mit Original-Artwork, Audiokommentar mit Daniel Perée & Marco Erdmann, Videozone, Interview mit Charles Band, Deutscher Trailer, Originaltrailer, Bildergalerie

Release-Termin: 24.05.2019

 

Demonic Toys (Full Moon Selection Nr.4) [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
Anbieter Wicked Vision feiert die HD-Premiere von „Demonic Toys“ in einer neuen Sammler-Reihe. Unter dem Banner „Full Moon Classic Selection“ werden ab sofort diverse Produktionen der trashigen FULL MOON Schmiede in bester Qualität und zu einem erschwinglichen Preis veröffentlicht. Alle Veröffentlichungen werden nicht wie gewohnt im Mediabook veröffentlicht. Stattdessen setzt das Label dieses Mal auf Scanavo-Boxen mit Wendecover-Motiv. Auf Bonusmaterial muss selbstverständlich auch nicht verzichtet werden. Dass die Film ungeschnitten veröffentlicht werden, liegt auf der Hand. Sammler greifen schnell zu.

 
 
 


 
 
 

DEMONIC TOYS – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei WICKED VISION MEDIA)

 
 
Ähnche Filme:
 
Puppet Master (1989)
 
Tod im Spielzeugland – Dollman vs. Demonic Toys (1993)
 
Blood Dolls (1999)
 
Chucky – Die Mörderpuppe (1988)
 

Filmkritik: „Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes“ (1989)

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KANNIBALINNEN IM AVOCADO-DSCHUNGEL DES TODES

(CANNIBAL WOMEN IN THE AVOCADO JUNGLE OF DEATH)

Story

 
 
 

Die US-Regierung hat mal wieder Probleme. Mitten im Kalten Krieg und noch viel mittenererer im Regenwald von, ähm, Kalifornien ist die für das Volk lebenswichtige Avocado-Ernte bedroht. Oder geht es doch um mehr? Der wilde Amazonenstamm der Piranhas schneidet den entsandten Vertretern Washingtons den Weg ans Obst und bei der Gelegenheit auf gleich die Hälschen ab. Üble Kannibalinnen sind’s tatsächlich, die sich als neue Königin ausgerechnet eine Professorin für Feminismus-Studien (Adrienne Barbeau) ausgesucht haben. Diese Frau Doktor Kurtz ist kurzerhand übergeschnappt und so schickt man ihre Ex-Kollegin Margo Hunt (Shannon Tweed), auch am „Spritzer College“, jawohl, tätig, in die Tropen und der männerhassenden Neu-Primitiven auf die Spur.

 
 
 


 
 
 

KANNIBALINNEN IM AVOCADO-DSCHUNGEL DES TODES – Kritik

 
 
 
Was einst, wohl allein seinem geilen Titel geschuldet, in den VHS-Tauschlisten eines jeden Splatter-Bürschchens von Logales bis Madero zu finden war, dürfte exakt die Mitglieder dieser Fraktion so richtig ordentlich enttäuscht haben. „Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes“ ist viel weniger, wie man vermuten könnte, ein amerikanisches Pendant zu den besonders aus guter italienischer Herstellung berühmt-berüchtigten Gedärm-Manschereien in Spielfilmlänge. Nein, das Menschenfresser-Kino der europäischen Bahnhofslichtspiele der siebziger Jahre, diese „Cannibal Holocausts“ und „Mondo Cannibales“ wird höchstens am Rande touchiert. Tatsächlich ist dieser Dschungelfilm eine gar mal nicht so tumb orchestrierte Persiflage von Francis Ford Coppolas filmgewordener Größenwahns-Psychose „Apocalypse Now“ (aus Colonel Kurtz wird Frau Professor Kurtz), die ihrerseits ja eine in die Zeit des Vietnamkriegs verpflanzte Adaption von Joseph Conrads Afrika-zur-Kolonialzeit-Roman „Herz der Finsternis“ ist. Dieses verlockende Setting der Suche nach dem zu den primitiven Wurzeln der Menschheit zurückgekehrten Aussteiger verwendet Autor und Regisseur J.F. Lawton als Hintergrundkulisse für giftige Satire in Richtung wichtigtuerischer Feministinnen, wie sie in den 1980ern in ihrer ganzen zensurfreundlichen Zelotenhaftigkeit präsent waren. Ein 2019 gedrehter Film mit einer solchen Prämisse würde vermutlich zur medien-sozialen Hinrichtung aller Beteiligten führen.
 
 
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Als Persiflage auf andere popkulturelle Phänomene seiner Entstehungszeit rattern die „Kannibalinnen“ nicht ganz so stramm auf zwölf Zylindern wie die artverwandten Filme „Kentucky Fried Movie“ oder „Amazonen auf dem Mond“. Eher schon sind die Avocados im selben Beet zu finden wie die berüchtigten „Killertomaten“. Das heißt, man achtet die Vorbilder, über die man sich lustig macht, trotzdem noch irgendwo. Das merkt man als so etwas freundlich gesonnener Zuschauer und das tut gut! Mit an Bord als sexistische Witze reißender Dschungel-Guide ist der junge Bill Maher, heute einer der, wenn nicht sogar der bedeutendste US-amerikanische Links-Intellektuelle im Fernsehprogramm.
 
 
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Nicht zuletzt aufgeführt gehört selbstverständlich die erotische Kante des knackigen Filmchens hier. John Carpenters Ex-Frau und Muse Adrienne Barbeau spielt die Marlon-Brando-Rolle der Professorin Kurtz und erfüllt einmal mehr die harmlosen Nackedei-Wünsche eines Genre-Publikums. Verfolgt wird sie von Dr. Hunt. Die wiederum spielt keine Geringere als Shannon Tweed, damals ein enorm angesagtes Ex-Playmate und mittlerweile bekannter als die langjährige Gattin des KISS-Chefs und Profi-Kapitalisten Gene Simmons. Über jene Version von leichter Ferkelei im Film, für die seinerzeit Damen wie Shannon, gerne in Filmen von Meistern wie Jim Wynorski oder Fred Olen Ray, ihre nicht wirklich hübsch aufgeschraubten Silikon-Hupen während heißer Duschen oder in seidigen Laken präsentieren, könnte man Seiten füllen. Eine typisch amerikanische Harmlosigkeit, fast bubenhaft verschämt, nie derb oder allzu pornographisch. „Wholesome“ nennen die das dort. Könnte man grob mit „gesund“ übersetzen. Frauenzuchthaus-Exploitation funktioniert ähnlich.
 
 
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KANNIBALINNEN IM AVOCADO-DSCHUNGEL DES TODES – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Sowas könnte man sich nicht ausdenken. Außer, wenn man für „Family Guy“ arbeiten würde vielleicht. J.F. Lawton, seines Zeichens der Drehbuchautor hinter einem der entsetzlichsten Schmierig-Feelgood-Schmonzetten der Kinogeschichte – „Pretty-Würg !-Woman“ – schreibt und inszeniert nur ein Jahr vor diesem Mega-Hit mit Julia Roberts eine schneidige Parodie auf Abenteuer- und Dschungelfilme. Einige der Pointen sind naturgemäß nicht so schön gealtert, andere sitzen noch immer. Puritanische Verbotsmeierinnen gibt es heute schließlich mehr denn je. Obendrauf noch softe Erotik, wie sie in den frühen 90ern das amerikanische Kabelfernsehen über Wasser gehalten hat. Nettes Paket. Hashtag Menschenfleischmetoo.
 
 
 


 
 
 

KANNIBALINNEN IM AVOCADO-DSCHUNGEL DES TODES – Zensur

 
 
 
KANNIBALINNEN IM AVOCADO-DSCHUNGEL DES TODES erschien 1989 als Videopremiere bereits ungeschnitten mit FSK16. Das hat sich mit der DVD-Auswertung im Jahr 2008 und ebenso bei der nun erhältlichen HD-Veröffentlichung nicht geändert. Auch die von WICKED VISION veröffentlichte Blu-ray ist ungeschnitten und bereits ab 16 Jahren freigegeben.
 
 
 


 
 
 

KANNIBALINNEN IM AVOCADO-DSCHUNGEL DES TODES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) WICKED VISION MEDIA (Scanavo-Box)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Cannibal Women in the Avocado jungle of Death; USA 1989

Genre: Action, Komödie, Trash

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: FSK16 – ungeschnittene Fassung

Verpackung: Scanavo-Boxen mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Deutscher Trailer

Release-Termin: 06.05.2019

 

Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes (Full Moon Classic Slection Nr.2) [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
Anbieter Wicked Vision feiert die HD-Premiere von „Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes“ in einer neuen Sammler-Reihe. Unter dem Banner „Full Moon Classic Selection“ werden ab sofort diverse Produktionen der trashigen FULL MOON Schmiede in bester Qualität und zu einem erschwinglichen Preis veröffentlicht. Alle Veröffentlichungen werden nicht wie gewohnt im Mediabook veröffentlicht. Stattdessen setzt das Label dieses Mal auf Scanavo-Boxen mit Wendecover-Motiv. Auf Bonusmaterial muss selbstverständlich auch nicht verzichtet werden. Dass die Film ungeschnitten veröffentlicht werden, liegt auf der Hand. Sammler greifen schnell zu.

 
 
 


 
 
 

KANNIBALINNEN IM AVOCADO-DSCHUNGEL DES TODES – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei WICKED VISION MEDIA)

 
 
Ähnche Filme:
 
Amazonen auf dem Mond oder Warum die Amis den Kanal voll haben (1987)
 
Elvira, Herrscherin der Dunkelheit (1988)
 
Stay Tuned – Höllische Spiele (1992)