Filmkritik: „Dark Stories to Survive the Night“ (2019)

dark-stories-to-survive-the-night-2019-poster
 
 
 

DARK STORIES TO SURVIVE THE NIGHT

(DARK STORIES)

Story

 
 
 
Der Anthologien-Horror geht in die nächste Runde. In „Dark Stories to Survive the Night“ werden fünf gruselige Geschichten erzählt, um die Nacht zu überleben.

 
 
 


 
 
 

DARK STORIES TO SURVIVE THE NIGHT – Kritik

 
 
Horror-Anthologien gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Manchmal mit originellen Grundprämissen, manchmal auch einfach nur so. „Dark Stories to Survive the Night“ macht einen ziemlich unspektakulären Eindruck und glänzt nicht unbedingt mit großer Vielfalt, macht aus den doch sehr simplen Geschichten aber stets etwas Eigenständiges und kommt sympathisch daher.
 
 
dark-stories-to-survive-the-night-2019-bild-1
 
 
Wie sich das gehört, gibt es eine Rahmenhandlung. In dieser geht es um Christine, die eines Tages ein Paket mit einer unheimlichen Puppe erhält. Diese führt ein beängstigendes Eigenleben und bedroht sofort das Leben von Christine. Um die Puppe hinzuhalten, erzählt Christine ihr fünf Gruselgeschichten, aber am Ende kommt alles ganz anders, als gedacht. Der finale Twist lässt sich dabei zwar schon etwas vorhersehen, wirkt aber dennoch nicht schlecht. Allgemein ist die Rahmenhandlung zwar konstruiert, erfüllt jedoch ihren Zweck. Man hätte dem zwischendurch ruhig etwas mehr Aufmerksamkeit schenken dürfen, denn lediglich zu Beginn und am Ende geschieht hier etwas, doch alles in einem ist die Rahmenhandlung in Ordnung und kommt zum Schluss mit einem kleinen Augenzwinkern daher. Mit Kristanna Loken gibt es hier auch eine etwas bekanntere Darstellerin zu sehen und wie man die Puppe dargestellt hat, weiß ebenfalls zu gefallen. Zwar hat man es sich hier relativ leicht gemacht, aber im Endeffekt ist das doch besser, als billige CGI-Effekte zu servieren.
 
 
dark-stories-to-survive-the-night-2019-bild-2
 
 
Ansonsten lebt „Dark Stories to Survive the Night“ natürlich von seinen fünf Geschichten. Der Anfang führt den Zuschauer in ein Museum, in dem die Gemälde ein erschreckendes Eigenleben führen. Schuld daran sind Ghouls und obwohl an diesen Geschöpfen mittlerweile nichts mehr originell erscheint, wirkt die Geschichte halbwegs kreativ. Man hat das schon recht verspielt umgesetzt, dient mit etwas albernem Humor und die Stimmung ist harmlos-gruselig, so dass man sich schon fast wie in einer Episode von „Gänsehaut“ vorkommt. Handwerklich ist das solide gemacht, die Effekte können sich sogar sehen lassen, die Schauplätze wirken authentisch und über die Darsteller kann man sich nicht beklagen. Außerdem wird mit einer netten Pointe gedient, so dass man für diese Episode gerne sechs Punkte springen lassen kann!
 
 
dark-stories-to-survive-the-night-2019-bild-3
 
 
Weiter geht es mit einer Geschichte, die in einem Park spielt. Hier geht es um Geister. Die Stimmung wird deutlich düsterer, aber die Episode ist gleichzeitig etwas langweiliger. Selbst wenn die Laufzeit (wie im Durchschnitt alle Folgen) nur 15 Minuten beträgt, lässt man sich insgesamt etwas zu viel Zeit. Dafür geht es etwas surrealer zur Sache und vom Handwerk her ist auch hier alles im grünen Bereich. Die Pointe ist ebenfalls passabel. Fünf Punkte dafür!
 
 
dark-stories-to-survive-the-night-2019-bild-4
 
 
Wenn es in der nächsten Episode dann um einen Zombie geht, darf man zurecht befürchten, dass man nun langweiligen Einheitsbrei serviert bekommt. Doch dies umgeht man gekonnt, weil man das Geschehen mit reichlich verschrobenem Humor angereichert hat. So fühlt man sich schon eher wie in einer Horrorkomödie. Dabei darf es mal etwas blutiger werden und die Effekte können sich echt sehen lassen. Das wird gut gespielt, ist relativ kreativ gestaltet und sogar etwas actionreicher, so dass man hier von einem kleinen Highlight sprechen kann, welches sich sieben Punkte verdient hat.
 
 
dark-stories-to-survive-the-night-2019-bild-5
 
 
In der vierten Geschichte geht es um einen Dämon, um genauer zu sein, um einen Djinn. Auch dies macht überhaupt keinen originellen Eindruck und die Story ist viel zu simpel, um sie als gut zu bezeichnen. Dies wird jedoch mit einer guten Atmosphäre ausgeglichen und der Horror spielt hier eine deutlich größere Rolle, als noch in der vorherigen Episode. So kommt ein angenehmer Schauer auf. Die Darsteller spielen gut, die Charaktere wirken recht sympathisch und das Ende ist dann schön böse, so dass immerhin sechs Punkte drin sind.
 
 
dark-stories-to-survive-the-night-2019-bild-6
 
 
In der finalen Episode geht es dann um Aliens, was sicherlich nicht sofort begeisternd klingt. Die Herangehensweise ist allerdings selbst in dieser Geschichte etwas anders. Von allen Stories ist diese wohl am dialoglastigsten und es dauert ziemlich lange, bis mal etwas geschieht. Das Ende haut einen nicht unbedingt vom Hocker, aber die Schauplätze machen etwas her und das Schauspiel lässt sich erneut als durchaus solide bezeichnen. Außerdem darf man hier auch mal erwähnen, dass die deutsche Synchronisation gut gelungen ist. Zwar ist der Abschluss etwas schwach, aber er langweilt kaum und bringt es so noch mal auf gut gemeinte fünf Punkte!
 
 


 
 
 

DARK STORIES TO SURVIVE THE NIGHT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
„Dark Stories to Survive the Night“ erfindet das Rad nicht neu, bedient den Anthologien-Horror aber auf angenehme Art und Weise. Die Grundprämissen der Geschichten sind überhaupt nicht originell, jedoch hat man stets etwas recht Eigenständiges daraus gezaubert und zum Glück hat man nicht vergessen, dass böse Pointen bei Kurzgeschichten gut wirken können. Aus rein handwerklicher Sicht ist dieses französische Exemplar absolut sauber gemacht und dass hier nicht das große Budget hinter steckt, bemerkt man als Zuschauer selten, denn alle Schauplätze und Effekte sehen völlig brauchbar aus. Viel Gewalt braucht man zwar nicht zu erwarten, aber langweilig wird es deshalb trotzdem so gut wie nie. Selbst die Rahmenhandlung ist nicht schlecht geraten und unterdurchschnittlich wird es mit keiner Episode. Das Niveau reißt nie ganz nach oben aus, pendelt sich jedoch in einem passablen Rahmen ein. Die Darsteller sind brauchbar, der Score hört sich solide an und die rund 100 Minuten Laufzeit sind ziemlich flott vergangen. Sicher nicht der nächste, große Wurf in Kurzfilmsammlungen, aber für Fans von solchen absolut zu gebrauchen und atmosphärisch irgendwie echt sympathisch!
 
 


 
 
 

DARK STORIES TO SURVIVE THE NIGHT – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Dark Stories to Survive the Night“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

DARK STORIES TO SURVIVE THE NIGHT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
dark-stories-to-survive-the-night-2019-bluray

(c) SPLENDID FILM (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Dark Stories; Frankreich 2019

Genre: Horror, Drama, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Französisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Polnisch

Bild: 2.00:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 102 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailershow, Trailer

Release-Termin: KeepCase: 24.09.2021

 

Dark Stories to Survive the Night [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

DARK STORIES TO SURVIVE THE NIGHT – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Geschichten aus der Gruft (1989–1996)
 
The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte (2019)
 
Stephen King’s Katzenauge (1985)
 

Filmkritik: „Seance“ (2021)

seance-2021-poster
 
 
 

SEANCE

Story

 
 
 
An einer Mädchenschule macht das Gerücht des Geistes eines verstorbenen Mädchens den Umlauf. Als wirklich Menschen sterben, scheint an der Sache etwas dran zu sein.

 
 
 


 
 
 

SEANCE – Kritik

 
 
Man muss entweder sehr selbstbewusst sein oder von vornherein wissen, dass man nichts zu bieten hat, wenn man einen Film so wenig originell auf den Namen „Seance“ tauft. Immerhin gibt es nicht gerade wenige, billige Horrorfilmchen, die sich mit diesem Titel schmücken. Im Falle der 2021er Variante kann der geneigte Fan jedoch aufatmen. Hier bekommt man es nämlich nicht mit einem billigen, lieblosen Werk zu tun, sondern mit einem schön unaufgeregten, dafür aber ziemlich atmosphärischen Vertreter, der seine Zutaten sogar einigermaßen originell mischt.
 
 
seance-2021-bild-1
 
 
Camille ist neu an der renommierten Mädchen Academy Fairfield. Ihren Platz verdankt sie dem Tod einer anderen Schülerin, welcher unter ominösen Umständen geschah. An der Schule gibt es das Gerücht eines Geistes, weil ein Mädchen sich einst selbst umgebracht hatte. Als eine Mädchen-Clique einen Streich spielen will und den Geist beschwört, rechnet noch niemand damit, dass dies wirklich funktioniert. Doch die Nacht hat ihr Opfer und so kann Camille die Schule besuchen. Auch sie soll bald bemerken, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Das klingt zunächst wie eine total altbackene, ausgelutschte Geschichte, die man im Horrorbereich so schon etliche Male zu sehen bekommen hat und mit der man wohl 2021 niemanden mehr abholen dürfte. Doch weit gefehlt, denn bei „Seance“ macht alles einen falschen Anschein und so kann man sich auf ein paar gute Wendungen gefasst machen. Das ist zwar im Endeffekt nicht wirklich glaubwürdig und wirkt etwas konstruiert, doch da die Ideen gelungen sind, wiegt diese Tatsache in diesem Falle nicht so schwer. Außerdem ist es doch ziemlich clever, wie man mit der Erwartungshaltung des Publikums spielt.
 
 
seance-2021-bild-3
 
 
So macht alles von Anfang an den Eindruck eines gruseligen Geisterfilms und den bekommt man letztendlich ja auch, aber es gibt noch ein paar weitere Zutaten, die anfangs so nicht zu erwarten sind. So fühlt man sich im Endeffekt fast schon wie in einer Art Slasher und auch ein paar kleine Krimi-Anteile sind vorhanden. Alles in einem kann man „Seance“ wohl am besten als Mysteryfilm bezeichnen. Die Atmosphäre funktioniert dabei wunderbar. Von Anfang an wirkt die Stimmung unheilvoll und gruselig. Zwar kommen ein paar Szenen nicht ohne die bekannten Jump-Scares aus, aber dieses Stilmittel wird nicht zu übertrieben und eher zweckdienlich eingesetzt. Der größte Nervenkitzel bleibt aus, denn dafür ist der Film insgesamt doch zu entspannt, aber diese Atmosphäre kann den Zuschauer durchaus einlullen, wenn er eine Affinität zu diesem Genre besitzt.
 
 
seance-2021-bild-2
 
 
Regisseur Simon Barrett, der vor allen Dingen durch die oftmalige Zusammenarbeit mit Adam Wingard bekannt ist und oftmals Drehbücher schreibt, führte hier zum ersten Mal bei einem Langfilm selbst Regie und man merkt ihm seine Erfahrung in diesem Genre durchaus an. So sind die ganzen Grusel-Szenen gekonnt aufgebaut und clever gestaltet. Sowieso ist die handwerkliche Arbeit hübsch anzuschauen. Die Kulissen wirken simpel, aber zweckdienlich und dass alles etwas kleiner gehalten wurde, ist im Falle von „Seance“ sympathisch. Hochwertige Arbeit steckt nämlich dennoch dahinter, was alleine die Optik beweist. Wenn Barrett, der übrigens auch hier selbst das Drehbuch verfasste, hinterher sogar noch Action-Elemente mit einbaut, wirkt das unerwartet und gibt abermals eine frische Dynamik her. Da gibt es sogar noch ein paar blutigere Szenen, mit denen vorher so nicht zu rechnen war. Dennoch ist die Freigabe ab 16 Jahren völlig berechtigt und die Effekte sehen allesamt brauchbar aus.
 
 
seance-2021-bild-4
 
 
Auf die Darsteller kann man sich zum Glück ebenfalls verlassen, denn hier liefert jeder das ab, was von ihm erwartet wird. Im Mittelpunkt steht dabei ganz klar die coole Suki Waterhouse, die gar nicht mal so viel machen muss, um zu gefallen. Das liegt aber auch an der gelungenen Figurenzeichnung. Die Hintergründe werden zwar nur angedeutet, dennoch wirkt ihr Charakter von Anfang an markant genug. Das ist bei den anderen Figuren ebenfalls geglückt. Es bleibt alles ziemlich oberflächlich, aber es ist einprägsam genug, um den Zuschauer damit über die angenehme Laufzeit von rund 90 Minuten zu unterhalten. Hier verstecken sich absolut keine Längen, denn selbst wenn der Aufbau ruhig und entspannt ist, ist immer etwas los und in der letzten halben Stunde ändert sich die Tonart sowieso noch mal grundlegend. Begleitet wird das Treiben von sehr dezenten Melodien, die passend sind. Der Score hat schon fast etwas Retro-artiges.
 
 


 
 
 

SEANCE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
„Seance“ ist deutlich besser, als sein einfallsloser Titel vermuten lässt. Außerdem ist er origineller, als man hätte denken können, denn das ausgelutschte Geistergenre wird hier von anderen Zutaten ergänzt und insgesamt ist die Story zwar sicher kein Geniestreich, aber sie wirkt dennoch durchdacht und niemals lieblos. Besonders die handwerkliche Arbeit weiß dabei zu gefallen, denn die Inszenierung macht nichts verkehrt und die Optik weiß zu überzeugen. Zusätzlich sind die Darsteller allesamt brauchbar, die deutsche Synchronisation klingt gut und sogar die Figurenzeichnung ist einigermaßen gelungen. Ansonsten bekommt der Zuschauer noch eine schaurige Atmosphäre, die auf ihre eigene Art und Weise angenehm und entspannt wirkt. Der größte Nervenkitzel bleibt aus und wirklich glaubwürdig ist das Szenario niemals, aber dafür wird man hier kurzweilig unterhalten. Wer auf Gruselfilme abfährt, sollte „Seance“ also nicht verpassen!
 
 


 
 
 

SEANCE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Seance“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

SEANCE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
seance-2021-bluray

(c) Weltkino Filmverleih (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Seance; USA 2021

Genre: Horror, Drama, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 99 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Featurette, Trailer

Release-Termin: KeepCase: 22.10.2021

 

Seance [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SEANCE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Weltkino Filmverleih)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Woods (2006)
 
Düstere Legenden (1998)
 
The Ring (2002)
 

Filmkritik: „The Banishing – Im Bann des Dämons“ (2020)

the-banishing-2020-poster (1)
 
 
 

THE BANISHING – IM BANN DES DÄMONS

(THE BANISHING)

Story

 
 
 
Die Geschichte eines jungen Vikars, der in den 1930ern mit seiner Familie in ein prunkvolles Anwesen mit düsterem Geheimnis zieht.

 
 
 


 
 
 

THE BANISHING – Kritik

 
 
Wer in den Zweitausendern bereits Horrorfan war, der hat definitiv schon den Namen „Christopher Smith“ gehört, zeichnet sich dieser britische Regisseur doch verantwortlich für den hochgelobten U-Bahn-Horror „Creep“, die höchst vergnügliche, sowie überraschend kaltschnäuzig-harte Backwoods-Torture-Dekonstruktion & Horrorkomödie „Severeance“, sowie den originellen, spannenden Zeitschleifen-Thriller „Triangle“, der nicht immer logisch verläuft, aber mit einem guten Cast und spannenden Szenario punkten kann. Alles Filme mit eigener Handschrift also, die sich technisch sehen lassen und inhaltlich auf originelle, spritzige, kurzweilige Weise punkten konnten. Wagt ein solcher, genreerprobter Regisseur sich nun an einem scheinbar allzu konventionellen Haunted-House-Streifen, Jahre nachdem der große Hype um „The Conjuring“ etc. zumindest ein wenig abgeklungen ist, erwartet man demnach also einen neuen „Severance“, einen überraschenden Film mit eigenen Ideen, alles andere jedenfalls als eine Fließbandproduktion.
 
 
the-banishing-2020-bild-1
 
 
Wie unfassbar enttäuschend also, genau diese zu bekommen – denn jeglichen Esprit, jede Eigenständigkeit, aber auch nur grundlegende Idee von Grusel, Spannung, Horrorelementen oder Kurzweil geht diesem sterbenslangweiligem Totalausfall derart verloren, dass ich nicht fassen konnte, dass wir es hier mit dem selben Regisseur zu tun haben. Zugegeben, das Script wurde hier von ganzen drei unbekannten, sowie auch augenscheinlich unbegabten Autoren verbrochen und dürfte das Hauptproblem sein, nicht etwas die Inszenierung – doch diese absolut totgeguckte Geistergeschichte überhaupt in dieser Form anzunehmen und als Projekt umsetzen zu wollen, ist an sich schon fraglich. Die quälenden 97 Minuten dieses unfreiwilligen Genre-Abgesangs starten mit einer großen, alten, blutbefleckten Bibel, die von einem Vikar umgeblättert und im Gebet rezitiert wird. Es dröhnt charakterlos und gewollt unheimlich, dann hört er dumpfe Schläge und läuft in einen Raum, in dem er sich selbst sieht – dabei, wie er eine junge Frau ersticht. Aha. Lautes Telefonklingeln wird als Szenenübergang abgespielt, erzählt dabei aber nichts, John Lynch, der schon in Smiths mediokren „Black Death“ mitspielen durfte, mimt den Bischof Malachi, der zum prunkvollen Anwesen des Vorfalls anreist, und den Vikar erhängt, seine Frau ermordet vorfindet.
 
 
the-banishing-2020-bild-2
 
 
„Clean all that you can, burn the rest“, lässt er es raunen, dann folgt die Titlecard und schleppend langsame Opening Credits vergehen, in dem ein älteres Paar zu Klaviermusik tanzt, die aus einem Grammophon tönt. „A Christopher Smith Film“ steht auf dem Bildschirm, aber irgendwie beißt sich der moderne HD-Look ganz gewaltig mit der angestrebten Zeit der Handlung und irgendwie hab ich nach diesen ersten sechs Minuten bereits das Gefühl, dass diese Reise sich recht ermüdend gestalten könnte. Drei Jahre später, so informiert uns eine Texttafel, zieht der Vikar Linus mit seiner Familie in die Villa ein und besichtigt sie ohne jegliche Musik. Die Tochter findet natürlich eine unheimliche Puppe, seufz, aber immerhin fallen hier bereits das gekonnte Framing, die lobenswerte Lichtsetzung, die gekonnte Cinematographie auf, da hier durch Kostüme, Tapeten, einfallendes Licht und gekonnte Schattensetzung immer wieder Bilder geschaffen werden, in die man zu gern eintauchen würde. Was in dieser hübsch eingefangenen Langeweile erzählt wird ist dabei nur derart generisch und oft gesehen, dass es schnell in den Hintergrund rückt.
 
 
the-banishing-2020-bild-3
 
 
Marianne würde gerne mit ihrem Mann schlafen, dieser aber „braucht Zeit“ und hat Schuldgefühle Gott gegenüber, in einer ästhetischen, aber ebenfalls klischiert inszenierten Sequenz wird Marianne beim Kämmen beobachtet und lünkert durch die Wand sich selbst an, in dem altertümlichen Flur einer Psychiatrie umherlaufend. Von Jumpscares, einer wahren Bedrohung, subtil aufgebauter Atmosphäre, Rätsel- oder Verlaufsspannung zu dem Zeitpunkt keine Spur, aber wir befinden uns ja auch keine 20 Minuten im Film. Linus gibt, wie erwartet, den Rationalisten und redet von Mäusen oder Ratten, die für die Stimmen und Visionen verantwortlich sein sollen, dann startet durch einen letzten Charakter der „eigentliche Plot“. Denn abseits zahlreicher WWII-Anspielungen inkl. Propaganda im Kino und mehrerer Dialogfetzen über die Ausweglosigkeit der Situation, die sich nie sinnvoll in den Film fügen oder wirkliche Aussagekraft besitzen, darf Sean Harris, bekannt etwa aus Prometheus, Mission Impossible oder Harry Brown, sich noch als pseudomysteriöser Heide mit femininen Touch blamieren, der erzwungene Konfrontationen mit Linus heraufbeschwört um auch nur irgendein Konfliktpotential in den Film zu bringen. Das einzig fehlende Element, das vielleicht noch für irgendeine Anspannung oder Fragezeichen sorgen konnte, wird nun in Rekordzeit auch noch ausbuchstabiert, das Haus ist auf den Ruinen eines alten Ordens gebaut, der natürlich an Folter und das Bestrafen von Sündern geglaubt hat, Unrecht ist geschehen, yadda yadda, jetzt spukt es halt.
 
 
the-banishing-2020-bild-4
 
 
Die Hintergrundgeschichte wurde also erzählt, die Stimmen und komischen Geräusche wurden etabliert, der scheinbare Antagonist offenbart, was gibt es jetzt noch über 70 Minuten lang zu tun? Zeit füllen, ganz einfach. Durch ein Kind, das ganze drei Mal verloren geht und unpointiert wieder auftaucht, durch ganze drei Szenen in denen im Dunkeln mit Taschenlampe durch den Keller gelaufen wird, durch ganze drei Szenen auch, ich lüge euch nicht an, in denen die belanglose, unoriginelle und oft gehörte Hintergrundgeschichte um irgendwelche Mönche, Erbsünden oder falsch gelagerte Kadaver durchgekaut, vertieft und wiederholt wird. Zieht man diese Szenen ab, hat man einen blassen und langweiligen, generischen Horrorfilm mit hübschen Bildern und ohne jegliche Herausstellungsmerkmale, so aber wird „The Banishing“ durch massive Repetition und Überlänge tatsächlich zum Ärgernis. Im alten Spiegel gibt es einen erwarteten, aber halbwegs funktionierenden Schreckmoment, auch bannt der Film nach etwa einer geschlagenen Stunde Laufzeit tatsächlich so etwas wie ein alptraumhaftes, gruseliges Bild zwischen seine austauschbaren Dialoge – doch für diese zwei Stellen gelungenen Horrors hagelt es auch unfreiwillig komische Momente mit schlechten Dialogen, schlechten Reaktionen und unglaubwürdigem Schauspiel.
 
 
the-banishing-2020-bild-5
 
 
Linus macht im Laufe des Films natürlich einen „Shining“-Verlauf inklusive Eifersucht, lauten Ausrastern und einschleichendem Wahnsinn durch, der wenig bedrohlich, spannend oder überzeugend gespielt ist, die Tochter baut kommentarlos einen Kellerraum mit kapuzetragenden Kultisten in ihr Puppenhaus, der Doktor verstummt ganz plötzlich und mysteriös, sobald er von der Adresse des geplagten Paares erfährt, wie in jedem Horrorfilm.
Nach etwa 50 Minuten war der Zeitpunkt gekommen, an dem ich innerlich mit diesem Film abgeschlossen habe, als weitere ungruselige Schluchzer und Schreie aus der Klischeekiste in die Wohnung gedröhnt sind, nur um weitere dunkle Ecken abzulaufen. Gezwungene Nazi- Verbindungen zu den offensichtlichen Antagonisten helfen niemandem, subtile Andeutungen in den Dialogen sind auch nicht genug, wenn es keinen subtilen Horror oder irgendeine Art von Anspannung gibt, die nicht von der Überlänge des Films selber, seiner fehlenden Eigenständigkeit oder dem endlosen Überprüfen der Laufzeit herrühren.
 
 
the-banishing-2020-bild-6
 
 
Das totlangweilige Editing, unmotivierte Colourgrading und die Trivialität, mit der hier prinzipiell vielleicht mal gruselig gewesende Tropen, die aber durchaus noch funktionieren könnten, inszeniert, nein, lieblos abgefilmt werden, sind dabei der endgültige Todesstoß – so etwa, wenn das Auftauchen einer prinzipiell tödlichen Entität mit einem alltäglichen „Have you seen a monk?“ abgetan wird, oder ein absurdes Konzept, das anfänglich wie eine falsche Fährte wirkte, später wirklich als „Grund“ oder Teil des Plots angeführt wird. Ein Haunted House, das Leute warum auch immer korrumpiert, in den Wahnsinn stürzt oder umbringt, ist seit etwa 200 Jahren im Horror etabliert und bedarf deutlich mehr als ein paar hübscher Bilder, um Zuschauer jetzt noch zu locken – erst Recht, wenn eine Stunde in dieser unoriginellen Suppe drin noch immer neue Exposition, dafür am Ende nicht einmal ein vernünftiges Finale folgt. „This House is cursed, Mrs. Forster“ – nach 75 Minuten Laufzeit, als sei das nicht allen schon von Beginn an klar gewesen. So sehr gelangweilt habe ich mich zuletzt bei „Inner Ghosts“ z.B., gerade im dritten Akt, was für ein überlanger, quälend spannungsloser, belangloser, unorigineller, endlos kopierender, konfrontationsloser Bockmist, bar jedes Mehrwerts, jeder Existenzberechtigung. Eine handvoll hübscher Aufnahmen und ein pseudomotiviertes Ende mit „Hänschen Klein“-Soundtrack retten hier überhaupt gar nichts mehr.
 
 


 
 
 

THE BANISHING – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
Herr, hab Erbarmen. Religiöser Haunted-House-Standardhorror mit guten Bildern und inhaltichen Abgründen der Unoriginalität. Für wirklich niemanden zu empfehlen.
 
 


 
 
 

THE BANISHING – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „The Banishing – Im Bann des Dämons“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren. Die Freigabe ist gerechtfertigt, denn hinter diesem Gruselstreifen verbirgt sich eher subtiler Schauer und kein Splatter-Spaß.
 
 
 


 
 
 

THE BANISHING – Deutsche Blu-ray

 
 
 
the-banishing-2020-bluray

(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Banishing; Großbritannien 2020

Genre: Horror, Grusel, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 97 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase

Extras: Original Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 24.06.2021

 

The Banishing – Im Bann des Dämons [Blu-ray im KeepCase] auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE BANISHING – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Inner Ghosts – Schlüssel zur Hölle (2018)
 
The Awakening (2011)
 
The Turning (2020)
 

Filmkritik: „Playhouse: Spielplatz des Teufels“ (2020)

playhouse-spielplatz-des-teufels-2020-poster
 
 
 

PLAYHOUSE: SPIELPLATZ DES TEUFELS

(PLAYHOUSE)

Story

 
 
 
Ein Autor sucht in einem alten, schottischen Schloss nach neuer Inspiration, doch er stößt eher auf etwas Böses.

 
 
 


 
 
 

PLAYHOUSE – Kritik

 
 
Mit „Playhouse – Spielplatz des Teufels“ gibt es den nächsten kleinen Grusler, der sich am subtilen Horror versucht und eine Geschichte serviert, die der geneigte Fan so schon etliche Male gesehen hat. Wirklich abholen, kann man damit wohl niemanden mehr, also muss die Inszenierung hohe Qualitäten aufweisen. Da dies ebenfalls nicht der Fall ist, kann man hier leider nur von einem unterdurchschnittlichen Exemplar sprechen.
 
 
playhouse-spielplatz-des-teufels-2020-bild-4
 
 
Der Bühnenautor Jack Travis ist bekannt für seine Horrorstücke. Um neue Inspiration zu finden, kauft er ein altes, schottisches Schloss und zieht dort mit seiner Tochter Bee ein. Die ist davon allerdings eher weniger begeistert und langweilt sich an dem abgelegenen Ort sehr. Also wird das Schloss erkundet und dabei macht Bee eine Entdeckung. Die Geschichte vom Schloss besitzt eine Tragödie und scheinbar hat der Teufel höchstpersönlich seine Finger mit im Spiel. Die Story ist vor allen Dingen eines: Ziemlich öde. Da gibt es völlig bekannte Zutaten und selbst wenn man bemüht war, diese etwas eigenständiger zusammenzusetzen, so hat es nicht wirklich funktioniert. Es fehlt der Handlung zudem jedoch auch etwas an Fokus, denn in der Mitte entscheidet sich die Story plötzlich zwei neue Hauptfiguren zu integrieren und stößt dem Zuschauer damit ziemlich gegen den Kopf. Das macht dann eher einen zerfahrenen, als einen cleveren Eindruck. Davon abgesehen, hat das Drehbuch insgesamt einfach zu wenig zu bieten, aber aus den vorhandenen Zutaten hätte sich durchaus etwas machen lassen.
 
 
playhouse-spielplatz-des-teufels-2020-bild-3
 
 
Gerade wenn man hört, dass die Kulisse ein altes, schottisches Schloss sein soll, wird schon Vorfreude geweckt, doch „Playhouse – Spielplatz des Teufels“ nutzt dies überhaupt nicht aus. Schloss ist dann sicherlich auch etwas übertrieben. Mit verlassenen Gemäuern kann man im Spukgenre viel erreichen, doch hier bleibt die Optik eher nichtssagend. Sicherlich fehlte es da auch am gewissen Kleingeld, aber für einen Gruselfilm sind die Schauplätze absolut nicht atmosphärisch genug. Dass es dennoch zu ein paar ganz guten Szenen kommt, ist dem Regie-Bruder-Duo Fionn und Toby Watts eigentlich hoch anzurechnen. Sie gaben mit dem Film ihr Debüt, schrieben auch das Drehbuch und was sie bei der Story versemmelt haben, machen sie mit einer halbwegs gelungenen Inszenierung wieder gut. Schön ist, dass „Playhouse – Spielplatz des Teufels“ niemals reißerisch wird, keine Jumpscares besitzt und sich daran versucht, eine beklemmende Atmosphäre aufzubauen. Dies gelingt zwar nicht so richtig, aber das Ganze ist doch erfreulich düster und besitzt ein paar gelungene Szenen. Das rettet dann auch vor einer Totalkatastrophe.
 
 
playhouse-spielplatz-des-teufels-2020-bild-1
 
 
Der Unterhaltungswert ist nämlich leider trotzdem nicht gerade gut, weil hier insgesamt doch deutlich zu wenig los ist. Da wird viel um den heißen Brei geredet, aber Horror lässt sich nur vereinzelt mal blicken. Das Ganze ist zu dialoglastig, was auch deshalb stört, weil die Figurenzeichnung langweilig ist. Die Charaktere wirken unglaubwürdig und konstruiert. Für die Darsteller ist das natürlich schade, denn diese machen ihre Sache doch ganz in Ordnung. Vor allen Dingen Grace Courtney und Helen Mackay können einigermaßen überzeugen, wohingegen die Leistung von James Rottger etwas austauschbar bleibt und man William Holstead den Autor niemals abkauft. Immerhin darf er etwas Overacting betreiben. Die restliche Besetzung bleibt überschaubar und wie bereits erwähnt, ist es etwas ungünstig gestaltet, dass der Fokus ab der Mitte des Filmes gar nicht mehr so sehr auf den anfänglichen Hauptfiguren liegt. So ergibt sich zwar ein wenig Abwechslung, aber viel kurzweiliger macht das den seichten Spuk auch nicht. Effekte braucht der Film dabei nicht viele, aber die vorhandenen sind okay. Den Score kann man sich ebenfalls anhören, selbst wenn er nichts Besonderes ist.
 
 
playhouse-spielplatz-des-teufels-2020-bild-2
 
 


 
 
 

PLAYHOUSE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
Wenn ein Autor sich in ein Spukschloss begibt, ist das Resultat genausowenig originell, wie es sich anhört. „Playhouse – Spielplatz des Teufels“ besitzt eine zu ideenarme Story, die zudem nicht optimal geschrieben wurde. Das altbekannte Problem der langweiligen Figurenzeichnung gesellt sich ebenfalls mit hinzu und die Schauplätze sind leider ziemlich öde. Das ist gerade deshalb schade, weil die Inszenierung teilweise doch etwas taugt und die Darsteller ihre Sache gar nicht mal schlecht machen. Leider bringt dies dem Unterhaltungswert nicht viel, denn es sind zu viele Längen vorhanden, es geht zu selten zur Sache und Spannung entsteht so kaum. Immerhin sind ein paar Szenen aber etwas gruselig. Wer sich leicht schreckhaft nennt, kann sich „Playhouse – Spielplatz des Teufels“ also mal anschauen, alle anderen können es auch sein lassen, denn es gab schon deutlich gelungenere Beiträge zum Gruselfilm!
 
 


 
 
 

PLAYHOUSE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Playhouse: Spielplatz des Teufels“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

PLAYHOUSE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
playhouse-spielplatz-des-teufels-2020-bluray

(c) White Pearl Movies (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Playhouse; Großbritannien 2018

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 87 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase

Extras: Original Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 09.07.2021

 

Playhouse: Spielplatz des Teufels [Blu-ray im KeepCase] auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

PLAYHOUSE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Amityville Horror – Eine wahre Geschichte (2005)
 
Shining (1980)