Filmkritik: „Stay Out Stay Alive“ (2019)

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STAY OUT STAY ALIVE

Story

 
 
 

Fünf Freunde erleben in einer alten Mine einen Goldrausch und müssen dort um ihr Leben bangen.

 
 
 


 
 
 

STAY OUT STAY ALIVE – Kritik

 
 
 
Schilder auf denen ein „Betreten verboten“ vermerkt ist, sind im Horrorfilm immer so eine Sache. Grundsätzlich handelt es sich dabei um Dekoration, werden die darauf vermerkten Hinweise in der Regel missachtet. Die Einsicht kommt meistens zu spät. Weil die Warnung nicht ernst genommen werden, wird mit dem Tod bestraft. Protagonisten in Genrefilmen lernen eben nicht dazu. Genau diese Erfahrung müssen auch unsere neunmalklugen Helden in STAY OUT STAY ALIVE machen, die sich mal wieder über jedwede Verbote hinwegsetzen und am Ende die Konsequenz dafür erhalten. Die amerikanische Indie-Produktion über Naivität, Moral und Habgier geht auf das Konto von DEAN YURKE. Der zeichnete bisher für unzählige visuelle Effekte in vielen bekannten Hollywood-Streifen verantwortlich. Darunter: THE AVENGERS, diverse STAR WARS- und auch HARRY POTTER-Filme. Als Regisseur betritt er nun Neuland und ist damit nicht allein. Im Horrorfilm-Geschäft ist es mittlerweile keine Seltenheit mehr, dass Kreativlinge der Filmbranche auch in anderen Bereichen Erfahrungen sammeln.
 
 
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In diesem Film geht es um fünf junge Menschen, die sich zu einem Ausflug in einen amerikanischen Nationalpark begeben, um dort ein paar alte Minen zu erkunden. Die Gegend hat eine tragische Vergangenheit. Während der Zeit des Goldrausches in der Mitte des 19. Jahrhundert kam es hier zu Auseinandersetzungen zwischen amerikanischen Ureinwohnern und Minenarbeitern. Seither ist die Gegend verflucht. Doch das kümmert unsere Freunde nicht. Die setzen sich den Anweisungen von Park-Rangerin Susanna hinweg und erkunden trotz Warnungen das Naturschutzgebiet auf eigene Faust. Die Strafe folgt auf dem Fuß. Einer der Freunde verunglückt in einer der Minen. Doch der Unfall hat auch etwas Gutes. In diesem verlassenen Schacht gibt es Gold in Hülle und Fülle. Das spornt die Kumpels an, doch etwas länger zu verweilen. Das Wohl des verletzten Freundes ist schnell Nebensache. Viel wichtiger ist das Gold und vor allem das, was man damit anfangen kann. Ein verhängnisvolles Unterfangen, das den jungen Leuten das Leben kosten wird.
 
 
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STAY OUT STAY ALIVE beruht – so erklärt man im Vorspann – auf wahren Begebenheiten. Der Streifen wurde vom Mariposa-Indianerkrieg und einem daraus resultierenden Fluch inspiriert. Das ist zwar alles weit hergeholt, lässt sich aber besser verkaufen. Weitaus weniger dick aufgetragen ist die Botschaft des Films. Die handelt einmal mehr von der Bestie Mensch, die – sobald mit Extremsituationen konfrontiert – ihr wahres Gesicht offenbart. Genau das passiert auch in STAY OUT STAY ALIVE. Rasch ist man vom schnellen Reichtum fasziniert, der die Protagonisten verändert. Da ist sich bald jeder selbst der Nächste. Freundschaften oder gar ein Menschenleben haben auf einmal kaum noch Gewichtung. Dass das im Chaos enden wird, dürfte abzusehen sein.
 
 
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STAY OUT STAY ALIVE ist kein Horrorfilm im klassischen Sinne. Vielmehr verbirgt sich hinter dem reißerischen Titel ein Psychothriller, der den Zuschauer den Spiegel vor Augen halten will. Ein zynisches Lehrstück über menschliche Schwächen, das vor allem dank gut ausgewählten Jungdarstellern nachwirkt. Frische Gesichter, die dazu auch noch was können. Das ist normalerweise in Indie-Produktionen mit so einem kleinen Budget nicht die Regel. Die talentierten Akteure stemmen das kammerspielartig ausgelegte Survival-Stück allein auf ihren Schultern und bekommen kurz Unterstützung von Horrorikone BARBARA CRAMPTON. Die war in den 1980/90er in einige sehr bekannten Horrorfilmen zu sehen und scheint sich zu ihren Anfängen zurückzubegeben. Zuletzt sah man sie verstärkt in Genre-Produktionen. Darunter: dem gefeierten WE ARE STILL HERE – aber auch im hundsmiserablen Splatter-Trash DEATH HOUSE.
 
 
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STAY OUT STAY ALIVE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Eine ungemütliche Parabel über Habgier, Neid und Raffsucht. Wenn fünf junge Leute alte Minen erkunden, erwartet man eigentlich so Filme wie THE DESCENT in denen boshafte Kreaturen nach dem Leben der Helden trachten. Dass sich Horror aber auch ohne Monster in Höhlen entfalten kann, beweist STAY OUT STAY ALIVE. Darin springen sich Freunde wegen gefundenem Gold an die Gurgel, weil niemand was abgeben möchte. Der Film kommt fast ohne Spezialeffekte aus und geht es weitaus psychologischer an. Regisseur DEAN YURKE streift menschliche Urängste, thematisiert aber auch die dunkle Seite des Menschen, welche in jedem von uns schlummert. Entstanden ist ein kleiner Indie-Beitrag, der vor allem von der Tatsache zerrt, wie und ob das hier alles gut enden wird. Der Film entfaltet eine bemerkenswerte Dynamik. Schnell kippt die Stimmung, es werden Konflikte geschnürt und es kommt zum unausweichlichen Showdown. Angesichts der Tatsache, dass das alles nur für etwas Gold passiert, schockiert – ist aber nicht weit hergeholt. STAY OUT STAY ALIVE ist eine zynische Geschichte, wie sie tagtäglich so ähnlich überall auf der Welt passiert. Da kommt mal wieder zum Vorschein, dass der Mensch für ein paar Taler mehr in der Tasche dem Teufel gern seine Seele verkauft.

 
 
 


 
 
 

STAY OUT STAY ALIVE – Zensur

 
 
 
STAY OUT STAY ALIVE hat eigentlich keine Gewalt zu bieten. Eine Spitzhacke wird in einen Körper gehauen und ein Gewehrschuss wird ausgelöst – das war’s. Ansonsten klemmt sich eine Protagonistin das Bein ein. Der Rest ertrinkt. Hierzulande ist definitiv eine FSK16 möglich. Vielleicht sogar auch eine FSK12. Insofern es der Überlebensthriller überhaupt nach Deutschland schafft.
 
 
 


 
 
 

STAY OUT STAY ALIVE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Brainstorm Motion Pictures LLC)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Hole (2001)
 
Die Höhle – Überleben ist ein Instinkt, keine Wahl (2014)
 
Beneath – Abstieg in die Finsternis (2013)
 

Filmkritik: „Mary“ (2019)

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MARY

Story

 
 
 

Ein Familienvater bringt eine alte Yacht wieder auf Vordermann und fühlt sich von deren Galleonsfigur plötzlich magisch angezogen. Ein Schelm, wer da Böses vermutet.


 
 
 


 
 
 

MARY – Kritik

 
 
 
Auf einer kleinen Segelyacht auf offenem Meer festzusitzen dürfte Horrorvorstellung genug sein. So gab es schon einige Filmemacher, die daraus brauchbares Psychomaterial fabriziert und damit Zuschauer wie Protagonisten an ihre Grenzen getrieben haben. Zuletzt gelang das ROB GRANT mit HARPOON ganz gut. Darin sorgte ein Motorschaden dafür, dass sich drei Freunde auf hoher See an die Gurgel gingen. Doch auch anderer Filme nutzten das begrenzte Set eines Bootes dafür, um klaustrophobische Stimmung heraufzubeschwören und mit psychologischen Horror Herzrasen zu verursachen. Darunter TODESSTILLE oder TRIANGLE – um nur einige sehenswerte Thriller zu nennen. Irgendwo zwischen genannten Produktionen befindet sich auch MARY. Der macht sich ebenfalls die Tatsache zu Eigen, dass aus einem Kutter schnell ein verzwicktes Gefängnis werden kann, wenn man weit draußen auf dem Meer umhertreibt, wo Hilfe lang auf sich warten lässt. Was den Streifen aber von all den oben erwähnten Produktionen unterscheidet, ist der paranormale Einschlag, den sich Drehbuchautor ANTHONY JASWINSKI ausgedacht hat. Letzterer hatte vor einiger Zeit zwei gute Drehbücher abgeliefert und bescherte mit THE SHALLOWS sowie KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN kurzweiligen Adrenalinkick. Da kann eigentlich nichts mehr schiefgehen? Denkste! Offenbar verließen Jaswinski beim Drehbuch zu MARY die Geister. Kaum Spannung und alles schon unzählige Male gesehen. Auch Autoren haben mal nen schlechten Tag.
 
 
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Eine Seefahrt, die ist lustig. Eine Seefahrt bringt den Tod. In MARY dreht sich alles um Vater David (GARY OLDMAN), der ein runtergekommenes Segelschiff bei einer Auktion ersteigert und es wieder fahrtüchtig machen will. Gattin Sarah ist zwar nicht sonderlich begeistert, aber gibt letztendlich klein bei. Einige Wochen später erstrahlt das Boot in neuem Glanz und soll auch gleich ihr erstes Ziel ansteuern. Ausgerechnet zum Bermudadreieck zieht es den Besitzer. Der pfeift auf Warnungen und steuert samt Familie sowie Bekannten der Gefahr entgegen. Doch das Teufelsdreieck im Atlantik soll das kleinere Übel bleiben. Auf der restaurierten Yacht geht es bald nicht mit rechten Dingen zu. Der Freund der älteren Tochter scheint von unsichtbaren Mächten besessen und auch Nesthäkchen Mary verhält sich auf einmal alles andere – nur nicht normal. Da bekommt es das Familienoberhaupt verständlicherweise mit der Angst zu tun. Alles nur Einbildung oder waschechter Spuk? MARY nimmt zwar das Finale vorweg, rekonstruiert anschließend die Ereignisse in Rückblenden.
 
 
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Etwas Originalität wäre schön gewesen. MARY ist vorhersehbare Gruselware von der Stange, die kein Geheimnis um ihren dünnen Plot macht. Viel zu früh lüftet Regisseur MICHAEL GIO des Pudels Kern und tut sich damit keinen Gefallen. Ja, das Boot ist von einem boshaften Geist besessen, der nur ein Ziel kennt: die Besitzer ins Unglück stürzen. Das passiert Schritt für Schritt ohne dass jemand etwas davon bemerkt. Erst sind es grauenvolle Visionen und Albträume, die Mutter Sarah den Verstand rauben. Später malt der jüngste Spross schaurigen Bilder, auf denen eine dunkle Gestalt zu sehen ist, die schreckliche Dinge anstellt. Viele Zufälle – aber niemand wird stutzig. Willkommen zu einem weiteren dummen Horrorfilm des Jahres 2019.
 
 
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MARY ist eine Aneinanderreihung von Horrorfilm-Klischees, die man in beinahe jedem Geisterfilm zu sehen bekommt. Visionen, Spuk, Besessenheit und 10-kleine-Jägermeister-Prinzip. Am Ende sind fast alle tot. Neue Ideen? Fehlanzeige! Stattdessen läuft alles so ab, wie man es eben aus den vielen Gruselfilmen kennt, die seit den Erfolgen von RING, THE CONJURING oder auch PARANORMAL ACTIVITY viel zu oft über die Mattscheibe geflimmert sind. Das ist ermüdend, zumal sich Drehbuchschreiber ANTHONY JASWINSKI nicht einmal um eine kreative Auflösung bemüht hat. Viele Fragen, kaum Antworten. Stattdessen ein offenes Ende, das im Horrorfilme neuerdings zum guten Ton gehört. Da fragt man sich zu Recht, was Oscar-Gewinner GARY OLDMAN in diesem drittklassigen Horrorfilm zu suchen hat. Der hat im Jahr 2018 eine Oscar-Auszeichnung für seine Hauptrolle in DIE DUNKELSTE STUNDE erhalten und schreit sich nun – mehr schlecht, als recht – durch einen beliebigen Geisterfilm, denn man Stunden später schon wieder vergessen hat. Na hoffentlich hat er sich da nicht unter Wert verkauft.
 
 
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MARY – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Plumpes Drehbuch mit null Ideen. MARY ist ein erschreckend vorhersehbarer Film, der nicht ansatzweise seine Schauspieler fordert – ganz geschweige sein Publikum. Das Drehbuch liest sich, als habe sich jemand in einer Nacht- und Nebelaktion dazu entschlossen eine Geistergeschichte zu Papier zu bringen, damit daraus ein Gruselstreifen gedreht werden kann. Klingt nach einer weiteren NETFLIX-Produktion – ist aber keine. So hat man in Gedanken erfolgreiche Gruselfilme abgespult und all jene Gruselzutaten zusammengekritzelt, an die man sich erinnern konnte. Etwas AMITYVILLE hier, etwas RING dort – fertig ist Geister-Horror nach Schema F. Damit sich der geistlose Geister-Unsinn von der Masse abhebt, entschied man sich den Ort des Geschehens auszutauschen. So spukt es diesmal nicht in einer Irrenanstalt oder in einem abgelegenen Landhaus – der schnarchende Tod geht diesmal auf einem Kutter umher. Liest sich, wie eine weitere Version des Horrorklassikers DEATH SHIP von 1980. Der war auch keine Sternstunde des Horrorkinos, schlägt MARY aber um Längen. Muss man nicht gesehen haben – auch wenn Schauspieler GARY OLDMAN dabei ist, der sich am Set verirrt haben muss und eine millionenschwere Hollywood-Produktion mit einem Low-Budget-Schnarcher verwechselt hat.
 
 
 


 
 
 

MARY – Zensur

 
 
 
MARY ist ein subtiler Gruselfilm und hat kaum Gewalt zu bieten. Letztere spielt sich im FSK16-Bereich ab. Man darf genau mit dieser Freigabe rechnen.
 
 
 


 
 
 

MARY – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei RLJE Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Triangle – Die Angst kommt in Wellen (2009)
 
Ghost Ship (2002)
 
Dead Water (2019)
 
Deadwater (2008)
 
Death Ship (1980)
 

Filmkritik: „Girl on the Third Floor“ (2019)

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GIRL ON THE THIRD FLOOR

Story

 
 
 

Kleines Heim in idyllischer Lager macht es seinen neuen Bewohnern nicht leicht. Es hat ein Faible für moralische Prüfungen und nimmt die neuen Eigentümer hart in die Mangel.


 
 
 


 
 
 

GIRL ON THE THIRD FLOOR – Kritik

 
 
 
Was wäre das Horror-Genre nur ohne seine Spukhäuser. Seit Jahrzehnten tummeln sich darin paranormale Quälgeister, die nur ein Ziel haben: den noch lebenden Bewohnern das Leben zur Hölle zu machen. Ob luxuriöses Apartment in der Großstadt, familiengerechte Herberge in familienfreundlicher Gegend oder stattliches Herrenhaus irgendwo auf dem Land – Dämonen und Geister sind nicht wählerisch und nehmen was kommt. Das freut den Zuschauer, der sich vor allem dann besonders die Hände reibt, wenn sogenannte Haunted-House-Horrorfilme auch noch auf wahren Begebenheiten beruhen. So hat beinahe jedes tatsächlich existierende und halbwegs bekannte Spukhaus bereits eine eigene Verfilmung erhalten. Darunter so furchteinflößende Schauerbuden wie die Horror-Behausung im idyllischen Amityville oder das unheimliche Winchester-Haus in San Jose. Letzteres wird sogar heute noch als eines der nennenswertesten Wahrzeichen Kaliforniens gehandelt. Sachen gibts über die kann man nur mit dem Kopf schütteln.
 
 
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Nicht minder gruselig, aber leider ohne realen Background ist das Heim im nun vorgestellten GIRL ON THE THIRD FLOOR. Auch dieser Streifen macht es den meisten Spukhausfilmen gleich und klappert die Mehrzahl der gängigen Haunted-House-Klischees ab. Wir sehen: knarzende Türen, unheimliche Schatten und seltsame Erscheinungen. Nichts Neues also von der Gruselhaus-Front. Ungewöhnlich ist hingehend die Besetzung. Wrestler CM Punk hat die Hauptrolle übernommen und meistert seine Aufgabe zu aller Überraschung erstaunlich gut. Der verkörpert im Film den arbeitslosen Don, der in der Vergangenheit nicht immer ehrenhaft gehandelt hat. Doch damit soll nun endlich Schluss sein. Zusammen mit der schwangeren Gattin will der einen Neuanfang starten und bezieht ein Haus in guter Lage, dass er ganz allein beginnt zu renovieren. Bald geht es aber dort nicht mit rechten Dingen zu. Erst läuft Glibber aus Wänden, Steckdosen und Wasserhähnen. Später schaut eine mysteriöse Schönheit vorbei, die dem neuen Eigentümer den Kopf verdreht. Der landet mit der attraktiven Femme fatale im Bett, ohne zu ahnen, dass er damit eine unheimliche Kette von Umständen in Gang tritt, die ihm den Verstand rauben wird.
 
 
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GIRL ON THE THIRD FLOOR ist weder Fisch noch Fleisch, weder Rohrkrepierer noch Glücksgriff. Der Grund: alles schon mal irgendwie so ähnlich gesehen. Déjà-vu-Gefühle bleiben da nicht aus. Dennoch sind ein paar gute Ideen vorhanden. So beginnt alles haargenau so wie in jedem Spukhausfilm. Eine kleine Familie mit Hoffnungen wagt einen Neuanfang, bezieht ein Haus und nimmt Warnungen der Nachbarn nicht ernst. Als habe man es kommen gesehen, werden Konflikte innerhalb der Familie geschürt und es kommt zu ersten schaurigen Vorkommnissen. Vorhersehbar und platt. Doch Regisseur Travis Stevens erweitert seine Gruselgeschichte durch nette Einfälle, die so auch hätten einem Film aus der Mache von DAVID CRONENBERG entspringen können. Letzterer machte sich bekanntlich durch Body-Horror in Horrorfan-Kreisen einen Namen. Ähnliche Motive finden auch in GIRL ON THE THIRD FLOOR Verwendung. So führt das Haus selbst im Film ein illustres Eigenleben und wird als lebendes Wesen dargestellt, dessen Lebenssaft in Form von Schleim aus den Wänden fließt. Als wäre das alles nicht schon surreal genug, muss Antiheld Don auch noch feststellen, dass hinter dünnen Wänden Fleisch pulsiert. Verrückt und eklig ist das schon irgendwie.
 
 
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Apropos eklig: in Sachen Schauwerte wird einiges geboten. GIRL ON THE THIRD FLOOR hat handgemachte Spezialeffekte zu bieten, die im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut gehen. Da werden Murmeln zweckentfremdet und wandern plötzlich durch den Körper unseres Hauptdarstellers. Zartbesaitete schauen zu Recht weg – vor allem auch deshalb, weil Filmfigur Don mit spitzem Hilfsmittel versucht, die Glaskugeln wieder loszuwerden. Doch das ist nicht alles. Eine obskure Geister-Gestalt mit deformiertem Körper spukt durch das Anwesen. Die erinnert mehr an SILENT HILL, statt an Haunted-House-Horror – verursacht dennoch Unbehagen. Leider ist die nur eine Randfigur und wird beiläufig erwähnt. Damit geht es ihr wie der gesamten Geschichte. Von allem etwas – aber nicht genug. GIRL ON THE THIRD FLOOR hat gute Ansätze, die aber oft viel zu schnell wieder fallengelassen werden. Anfangs noch um Spannung und Atmosphäre bemüht, lüftet Regisseur TRAVIS STEVENS zu früh das Geheimnis des mysteriösen Anwesens und findet nicht mehr auf den rechten Weg zurück. Da überschlagen sich die Ereignisse und es wird ziemlich wirr. Mehr Geheimniskrämerei wäre angebracht gewesen bevor man die Katze aus dem Sack gelassen hätte. Trotzdem: für eine erste Regiearbeit mit überschaubarem Budget ganz solide.
 
 
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GIRL ON THE THIRD FLOOR – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Moralischer Selbstfindungstrip der schaurigen Sorte. GIRL ON THE THIRD FLOOR ist ein Low-Budget-Spuk, der durch hohen Standard überrascht. Spezialeffekte, Set und Schauspieler sind über jeden Zweifel erhaben. Was leicht übel aufstößt, ist die etwas undurchdachte Geschichte, die sich annähernd wirr über die Zielgerade schleppt. Regisseur TRAVIS STEVENS erzählt hier von einem Haus, das ein Eigenleben führt und seine Bewohner „prüft“. Dass da nicht jeder den Test besteht, dürfte im Horror-Genre nichts ungewöhnliches sein. Übrigens ist TRAVIS STEVENS ein Filmemacher mit Horrorfilm-Erfahrung. Der war bisher als Produzent von Genre-Ware tätig und finanzierte so Streifen wie 68 KILLS, STARRY EYES, AGGRESSION SCALE und WE ARE STILL HERE mit. Letzterer ist auch im Spukhaus-Genre beheimatet und leider aber auch weitaus besser als die erste Regiearbeit von Stevens, der mit GIRL ON THE THIRD FLOOR sein Regiedebüt feiert.
 
 
 


 
 
 

GIRL ON THE THIRD FLOOR – Zensur

 
 
 
GIRL ON THE THIRD FLOOR ist keine Splattergranate. Trotzdem sind einige Spezialeffekte nicht ganz ohne. So gelangt eine Murmel unter die Haut des Protagonisten und sucht sich ihren Weg nach draußen. Der versucht diese mit einem Teppichmesser loszuwerden. Unblutig ist das nicht. Weiterhin gibt es eklige Flüssigkeiten zu sehen, die aus allen erdenklichen Hausöffnungen austreten. Ein paar schaurige Monster runden den Gruselcocktail ab. Hierzulande passt das alles noch für FSK16.
 
 
 


 
 
 

GIRL ON THE THIRD FLOOR – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Dark Sky Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Amityville: The Awakening (2017)
 
Ouija: Ursprung des Bösen (2016)
 
The Axe Murders of Villisca (2016)
 
Amityville Horror (1979)
 
Amityville Horror – Eine wahre Geschichte (2005)
 
The Remains (2016)
 
Conjuring – Die Heimsuchung (2013)
 
Winchester (2018)
 

Filmkritik: „Ashes“ (2018)

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ASHES

Story

 
 
 

Nach dem Tod der Tante scheint es im Leben einer großen Familie drunter und drüber zu gehen. Da passieren plötzlich mysteriöse Dinge, die die Angehörigen um den Verstand bringen.

 
 
 


 
 
 

ASHES – Kritik

 
 
 
Der Amerikaner BARRY JAY liebt Horror. Der gründete 1998 ein Fitnessunternehmen, das bis heute weltweit mehrere Filialen besitzt und ordentlich Geld auf das Bankkonto des Geschäftsmanns spült. Ein Segen für den selbsternannten Horrorfilmfan, der schon als Kind eine Leidenschaft fürs Genre entwickelte. Mittlerweile sind Träume Realtität. Durch die Einnahmen kann der erfolgreiche Tausendsassa nämlich sein Hobby finanzieren. Dazu gehören das Schreiben und Produzieren von Horrorfilmen. So entstand bereits Brauchbares. Zuletzt der Fanfilm NEVER HIKE ALONE für den BARRY JAY das Budget beisteuerte und der als liebevolle Hommage an die beliebte FREITAG DER 13.-Filmreihe sogar Preise abstauben konnte. Doch das Finanzieren von Filmen allein reicht dem ambitionierten Cineasten schon lange nicht mehr. Der probiert sich seit einiger Zeit auch im Führen von Regie aus. ASHES gehört zu einer dieser Regiearbeiten, die mehr kann, als das billige Poster verspricht.
 
 
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Eigentlich ist die Familie in ASHES ein ganz heiterer Haufen. Drei Generationen leben hier unter einem Dach, kommen sich aber so gut wie nie in die Quere. Das ändert sich schon bald, denn ein Schicksalsschlag zieht schnell weite Kreise. Tante Marion (MELINDA DEKAY) stirbt ganz unverhofft – doch so keiner ist wirklich traurig darüber. Ganz unbegründet ist das natürlich nicht. Zu Lebzeiten war die alte Frau mit ihren Marotten eher Ballast und mauserte sich schnell zum Gespött der Familie. Umso verständlicher die Tatsache, dass nun keiner weiß, was mit der Asche der Verstorbenen gemacht werden soll. Vergraben will man die Überreste nicht und auch im Haus will sich partout kein Platz dafür finden. Da passieren bald seltsame Dinge. Die Großmutter erleidet einen Schlaganfall, die älteste Tochter verliert das ungeborene Kind und auch Mutter Ellyn leidet unter Albträumen. Da fällt der Verdacht bald auf höhere Mächte. Schnell ist man überzeugt davon, dass sich offenbar die verstorbene Tante aus dem Jenseits für die vielen Schandtaten rächen möchte, die ihr die Familienmitglieder einst angetan haben. Ein Hexenbrett soll die Bestätigung liefern. Doch wie so oft im Horrorfilm kommt alles ganz anders.
 
 
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Eine schrecklich nette Familie. Könnte man meinen, wenn man die ersten 30 Minuten von ASHES verfolgt. Darin bekommt man sympathische und teils durchgeknallte Persönlichkeiten vor die Linse, von denen man meinen könnte sie schon eine Ewigkeit zu kennen. Die sprechen in Interviews über paranormalen Erfahrungen und nehmen die Sache spaßig. Doch denen vergeht schon bald das Lachen. Aus ALLE UNTER EINEM DACH wird plötzlich PARANORMAL ACTIVITY und der Ton ändert sich schlagartig. Was als schwarze Komödie beginnt, entwickelt sich abrupt zum spaßfreien Horrorszenario. Spuk, Besessenheit und jede Menge Tohuwabohu – ASHES gehört wohl zu den eigensinnigsten Horrortrips der aktuellen Saison, weil man einen solch unvorbereiteten Richtungswechsel nicht kommen gesehen hat. Für günstigen Videomarkt-Horror ungewöhnlich experimentell und mutig.
 
 
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Drehbuchautor und Regisseur BARRY JAY holt alles aus dem mageren Budget von knapp $200,000 heraus. Die Schauspieler agieren für eine Low-Budget-Produktion bemerkenswert souverän und auch in Sachen Dramaturgie tut sich was. Aus einer kleinen, beinahe schon trivialen Geschichte entwickelt sich ultimativer Horror, der sich kontinuierlich steigert und in einem lauten Effektgewitter endet. Dabei versucht der Filmemacher Hintergründe möglichst lang zu verschleiern. Was hat es mit den seltsamen Vorkommnissen auf sich? Gibt es plausible Erklärungen oder steckt hinter dem ganzen Gruselschabernack vielleicht doch eine übernatürliche Präsenz. ASHES macht seine Sache gut und liefert brauchbaren Schauer, der übrigens von wahren Ereignissen inspiriert wurde.
 
 
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Nun ja, ganz so reißerisch wie im Film hat sich alles natürlich nicht zugetragen. Vielmehr erklärte Drehbuchautor und Regisseur BARRY JAY, dass der Tod seiner Tante Marion die Idee für ASHES geliefert hat. Wie im Film kam der Tod der Familienangehörigen ganz überraschend. Die Schwester des Filmemachers war die nächste Verwandte, bekam die Asche ausgehändigt – konnte aber mit den Überresten nichts anfangen, weil sie zu der Tante keine enge Verbindung hatte. Demzufolge versteckte sie die Asche in einer Kommode. Es folgten seltsame Ereignisse, die aber weitaus harmloser waren, als im Film geschildert. Offenbar beflügelten diese die Fantasie des Regisseurs. Letzterer setzte sich an einen Tisch und schrieb die Geschichte zu ASHES. Dabei ließ er sich von seinen Lieblingsfilmen DRAG ME TO HELL und EVIL DEAD inspirieren. Von letztem hagelt es Verweise im Film. So sehen wir immer wieder ähnliche Kamerafahrten wie im Kult-Horror aus der Mache von SAM RAIMI. Der damals noch unbekannte Filmemacher baute irre Kamerafahrten in seine Splatter-Orgie ein, die bis heute viele Nachahmer gefunden haben. So dürfte es wohl so einige Dämonenfilme geben, die nicht mindestens über jene kurze Szene verfügen, in der ein Dämon in Egoansicht durch Hütten oder Wälder saust. ASHES zumindest kopiert fleißig, verleugnet aber nicht die Leidenschaft seines Machers zum Horror-Genre. Eine ehrliche und ambitionierte Regiearbeit.
 
 
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ASHES – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein wilder Mix aus Mockumentary, schwarzer Komödie und Hexenbrett-Horror. Der Produzent des Jason-Voorhees-Fanfilms NEVER HIKE ALONE dreht nun selbst Filme. Herausgekommen ist ASHES – ein unabhängiger Schauertrip, der wilde Wendungen und makabere Späße in petto hat. ASHES zeigt, wie das Verhältnis einer Familie durch mysteriöse Ereignisse auf eine Probe gestellt wird. Das Gebotene ist zwar nicht frei von Fehlern und hat ab und an Längen. Dafür entschädigen gute Schauspieler und ein effektreiches Finale. Wer auf Geisterkram mit Besessenheitsunsinn steht, dürfte an ASHES Gefallen finden.
 
 
 


 
 
 

ASHES – Zensur

 
 
 
ASHES hat kaum Gewaltszenen zu bieten. Eine Figur schneidet sich die Pulsadern in der Badewanne auf. Ansonsten spielt sich gewalttechnisch alles eher im Hintergrund ab. ASHES legt Wert auf subtilen Schauer. Ein Grund, der dem Filme eine FSK16 bescheren könnte – insofern der Streifen in Deutschland überhaupt ausgewertet werden sollte.
 
 
 


 
 
 

ASHES – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Killer Therapy)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Ouija Experiment (2011)
 
I am ZoZo (2012)
 
The Midnight Game (2013)
 

Filmkritik: „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ (1999)

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ECHOES – STIMMEN AUS DER ZWISCHENWELT

(STIR OF ECHOES)

Story

 
 
 

Nachdem ein Familienvater sich hypnotisieren ließ, wurde eine Tür in ihm geöffnet und nun wird er von Visionen geplagt, die mit einem schrecklichen Ereignis zusammenhängen.

 
 
 


 
 
 

ECHOES – Kritik

 
 
 
1999 gab es gleich zwei richtig starke Geisterhorrorfilme. Doch während „The Sixth Sense“ ein ungemeiner Erfolg wurde, konnte „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ sich nicht zum Kultfilm entwickeln. Das ist eigentlich unberechtigt, bekommt man hier doch einen wirklich guten Film geboten, der nicht zum Spuk-Einheitsbrei gehört.
 
 
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Familie Witzky lebt ein zufriedenes Leben. Eines Abends lässt sich Vater Tom auf einer Party zum Spaß hypnotisieren, doch etwas geht dabei schief. Plötzlich wird Tom von Visionen und Erscheinungen geplagt. Noch beunruhigender ist jedoch, dass selbst der kleine Sohn scheinbar Dinge sieht, was für ihn aber normal erscheint. Umso länger die Visionen von Tom andauern, desto mehr steigert er sich in einen Wahn hinein, denn er will unbedingt wissen, was hier Sache ist.
Das Drehbuch basiert auf einem Roman und erzählt eine ganz normale Geistergeschichte. Nichts an „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ ist besonders kreativ oder originell. Dafür funktioniert die Story aber ausgesprochen gut, denn sie ergibt einen Sinn, wird schlüssig aufgelöst und lässt den Zuschauer schön miträtseln. Es gibt nämlich immer wieder Anhaltspunkte, um darauf zu kommen, was hier gespielt wird und da braucht es am Ende gar keinen großen „Wow“-Effekt, um überzeugen zu können. Die kleinen Details werden schön eingebaut und am Ende ist das einfach ein Drehbuch, welches von vorne bis hinten bestens funktioniert.
 
 
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Es liegt allerdings besonders an Kevin Bacon, dass „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ so gut funktioniert, denn der liefert hier sehr gut ab. Bacon stellt seinen Wahn ideal dar, bleibt dabei jedoch stets sympathisch und manche Szenen sind schon sehr intensiv gespielt. Doch auch Kathryn Erbe macht als seine Film-Ehefrau eine durchaus gute Figur. Sogar der kleine Zachary David Cope ist für sein Alter echt gut und spielt das niemals nervig. In Nebenrollen überzeugen Illeana Douglas und Kevin Dunn. Die Besetzung nimmt die gute Figurenzeichnung dankend an, denn in diesem Film gibt es nicht zu viele Klischees. So ist es schön, dass Tom trotz seines Wahns niemals gewalttätig wird und Maggie sich der Sache nicht komplett verschließt. Die Charaktere handeln glaubwürdig und das macht ein Mitfiebern für den Zuschauer erst so gut möglich. Eine gute Entscheidung war es auch, dass Jake als kleines Kind zwar mit eingebaut wurde, der Fokus jedoch nicht so sehr auf ihm liegt. Wenn es dann zur Auflösung kommt, kann man die Figuren noch immer halbwegs nachvollziehen und das ist erfreulich.
 
 
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Daneben lebt „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ aber auch von der durchaus passenden Inszenierung. Hier wird nicht so viel Wert auf Schockeffekte gelegt, selbst wenn man sich ab und zu mal erschrecken kann. Die Atmosphäre, welche aufgebaut wird, hat es in sich, denn obwohl es niemals zu nervenzerreißend wird, besitzt der Film seine düstere, unheimliche Stimmung, die gekonnt ausgebaut wird. Regisseur David Koepp inszeniert das Treiben relativ ruhig, baut aber auch immer mal kleine Spielereien mit ein. Wie man z.B. die Hypnose bildlich dargestellt hat, ist sehr gelungen. Doch auch die kleinen Visionen wurden stark bebildert. Obwohl man es dabei mit einem Horrorfilm zu tun hat, legt es der Film gar nicht so sehr auf Horror an. Es gibt nämlich einige Drama-Elemente und im Endeffekt ist das sogar eher ein Krimi. Der Aufbau funktioniert bestens und die 90 Minuten Laufzeit vergehen sehr schnell. Es gibt keine große Einleitung und hinterher wird immer mehr an der Spannungsschraube gezogen, bis es im Finale sogar noch eine kleine Portion Action gibt. Nebenbei ist erfreulich, dass hier ohne viele Effekte ausgekommen wird und der Score rundet das positive Gesamtbild ordentlich ab.
 
 
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ECHOES – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
„Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ darf sich kleiner Klassiker des Geisterhorrors nennen, denn er funktioniert selbst 20 Jahre nach Erscheinen noch wunderbar. Die Handlung wird schlüssig und interessant erzählt, die Darsteller sind toll und die Figurenzeichnung kommt ohne Unglaubwürdigkeiten aus. Zusätzlich wurde alles schön unheimlich inszeniert und eine richtige Stärke ist die Atmosphäre, denn diese reicht von entspannt bis hin zu richtig unheimlich. Es ist kein lauter Spuk, sondern eher ein subtiler, der edel erzählt wird. Selbst nach mehrmaligem Schauen unterhält das noch sehr gut und wirklich kein Fan vom Grusel sollte „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ verpasst haben!
 
 
 


 
 
 

ECHOES – Zensur

 
 
 
„Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ ist eher ein subtiler Gruselfilm. Deshalb erhielt der Film bereits für die Kinoauswertung eine ungeschnittene FSK16. Gleiches folgte für die Auswertung auf DVD. Die nun erhältliche Blu-ray besitzt auch den blauen FSK16-Sticker.
 
 
 


 
 
 

ECHOES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) KOCH FILMS (Mediabook – Cover A)

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(c) KOCH FILMS (Mediabook – Cover B)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Stir of Echoes; USA 1999

Genre: Horror, Mystery, Thriller,

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 109 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook mit 2 Cover-Auflagen

Extras: Booklet, Audiokommentar, Interviews, Making of, Trailer

Release-Termin: 11.07.2019

 

Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt – Mediabook A [Blu-ray + DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt – Mediabook B [Blu-ray + DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

ECHOES – Trailer

 
 


 
 

Benjamin Falk

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei KOCH FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Echoes 2 – Stimmen Aus Der Zwischenwelt (2007)
 
Paranormal Resurrection (2014)
 
Schatten der Wahrheit (2000)
 
Jessabelle (2014)
 
White Noise (2005)
 

Filmkritik: „Isabelle“ (2018)

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ISABELLE

(THE WANTING | ISABELLE’S WANTING)

Story

 
 
 

Ein bleiches Mädchen bringt durch das ständige Beobachten der neuen Nachbarn genau jene um den Verstand. Letztere fühlen sich so langsam genervt – zumal ihnen der Neuanfang am Rande der Stadt alles andere als einfach fällt.

 
 
 


 
 
 

ISABELLE – Kritik

 
 
 
Wer sich mit Horrorfilmen auskennt weiß schon lange, dass reißerisch gestaltete Filmplakate schon lange nicht mehr die Qualität eines Horrorfilms widerspiegeln. Da wird gern mal mit Blut, Gedärm oder entstellten Fratzen geworben, um die Neugierde des Zuschauers zu wecken. Leider wird so nur vom eigentlichen Inhalt abgelenkt. Bei den meisten neueren Horrorfilmen sieht es damit mau aus. Zum Leidwesen des Käufers. Dem wird einmal mehr bewusst, dass man sich nicht vom Filmplakat leiten lassen soll. In der Regel steckt nämlich genau bei jenen Covergestaltungen Schund dahinter, die auf Biegen und Brechen um die Gunst des Käufers buhlen. Gute Horrorfilme habe ausgefeilte Poster-Kreationen nicht nötig.
 
 
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Bei der folgenden Genre-Produktion mit dem Titel ISABELLE trifft genau diese Formel zu. Da schaut eine verängstigte Frau vom Cover und suggeriert so dem Zuschauer, dass er hier wohl einen der gruseligsten Filme der letzten Jahre zu sehen bekommt. Die Realität sieht anders aus. Der von ROBERT HEYDON inszenierte Horrorstreifen hat zwar mit ADAM BRODY (aus FINAL DESTINATION 3) und SHEILA MCCARTHY (aus STILL/BORN) bekannte Gesichter zu bieten. In Sachen Grusel wird aber nur beliebige Standardware geboten, die eher ermüden lässt, statt den Zuschauer vor Angst um den Schlaf zu bringen. Vielleicht wäre eine gelangweilte Frau auf dem Poster aufschlussreicher gewesen, statt den Käufer mal wieder mit Fehlinformationen hinter das Licht zu führen. Dann hätte der Zuschauer auch direkt verstanden, was ihn erwarten wird.
 
 
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Nervige Stalkerin: In ISABELLE zieht es werdende Eltern in ein gemütliches Häuslein in ruhiger Gegend. Eigentlich das Beste, was der schwangeren Larissa und dem Gatten Matt passieren konnte. Würde da nicht plötzlich ein schrecklicher Schicksalsschlag ereilen. Der ungeborene Sohn stirbt ganz unerwartet und das junge Paar fällt in ein tiefes Loch. Kein guter Start in das gemeinsame Leben, was sich vor allem bei Larissa bemerkbar macht. Die hat mit Depressionen zu kämpfen und sieht sich plötzlich von der schaurigen Nachbarstochter verfolgt. Letztere sitzt im Rollstuhl und beobachtet die neuen Nachbarn von ihrem Dachfenster aus. Da überkommt der traumatisierten Larissa ein unangenehmes Gefühl. Zurecht, denn es dauert nicht lang, bis das bleiche Mädel von Gegenüber auch noch in der Wohnung der jungen Eltern auf Entdeckungsreise geht – unaufgefordert versteht sich. Alles nur Einbildung und doch real? Eine Frage, der Ehemann Matt auf den Grund gehen muss. Ob er schnell professionelle Hilfe finden wird?
 
 
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ISABELLE ist kein cleverer Horrorfilm. Der Gruselstreifen versucht erst gar nicht, dass Beste aus der dünnen Story zu machen. Wo man in Filmen wie THE HOUSE ON PINE STREET oder DARK CIRCLES ähnliche Themen aufgriff und den Zuschauer durch falsche Fährten an der Nase herumführte, geht man in ISABELLE den Weg des geringsten Widerstandes und fällt gleich mit der Tür ins Haus. Dabei entpuppt sich bereits der Trailer als katastrophale Spannungsbremse. Der verrät gleich mal genau jenen Plot, der anfangs noch verschleiert wird und den Zuschauer vor der Glotze halten soll. So ist Regisseur ROBERT HEYDON kläglich darum bemüht ein Mysterium um die Geschehnisse in ISABELLE zu weben. Unsere Filmheldin verliert ihr neugeborenes Kind und beginnt plötzlich Dinge zu sehen, die gar nicht da sind. Alles nur Folgen eines schwerwiegenden Traumas oder ist Larissa auf einmal empfänglich für paranormale Ereignisse? Der Sprung vom Psychothriller zum Geisterfilm ist kurz und macht aus ISABELLE ziemlich austauschbaren Gruselbrei, der sich wirklich jedem Klischee bedient, das man nun schon in gefühlt 1000 Filmen über zornige Geister zu sehen bekommen hat. Das ist angesichts der Tatsache ermüdend, weil es mittlerweile einfach zu viele Gruselproduktionen gibt, in den es spukt oder poltert. Weil die nach immer gleichen Schema abgehandelt werden, hat sich allmählich ein Sättigungsgefühl eingestellt. Das macht sich auch im Falle von ISABELLE bemerkbar. Ja, hier ist ein böses wütendes Geistermädchen am Werke, das dem Gör aus dem japanischen RING-Universum Konkurrenz machen will. Will das jemand sehen? Wir meinen: nein! Etwas mehr Grips und Einfallsreichtum tut beim Gruselhandwerk zwingend Not.
 
 
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ISABELLE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein weiterer Versuch dem aus TV-Geräten und Brunnen krabbelnden Mädchen der Horrorfilm-Reihe RING den Rang abzulaufen. Der Gruselfilm ISABELLE ist ein solider Gruselfilm für Anfänger – mehr aber auch nicht. Regisseur ROBERT HEYDON versucht mit ausgelutschten Rezepturen des Geisterfilm-Genres irgendwie Spannung aufzubauen. Vergebens! Der Streifen verrät viel zu früh, dass die stalkende Nachbarstochter eigentlich ein Geist ist und einen Weg sucht, trotz Geisterhülle irgendwie unter den Lebenden verweilen zu können. Für die Filmhelden Grund genug, nach den sterbliche Überresten der toten Stalkerin zu suchen, um dem Geist ins Reich der Toten abschieben zu können. Ja, jetzt haben wir den wenig überraschenden Plot aufgelöst. Den vorausahnen zu können ist aber auch keine Kunst. Erfahrene Zuschauer wittern bereits nach wenigen Minuten die Fährte. Der dumm geschnittene Trailer verrät den Rest. Wer sich den angeschaut hat, kann sich Sichtung des eigentlichen Films sparen. ISABELLE ist paranormale Dutzendware – ohne echten Spannungsbogen. Austauschbar, beliebig, unnötig.
 
 
 


 
 
 

ISABELLE – Zensur

 
 
 
ISABELLE hat kaum Gewalt zu bieten. Eine Filmfigur erstickt, weil man ihr eine Plastiktüte über den Kopf zieht. Weiterhin bringt sich ein Charakter selbst um und eine Protagonistin stürzt aus dem Fenster. Das ist alles sowas von FSK16 – man glaubt es kaum.
 
 
 


 
 
 

ISABELLE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei The Wanting Film Inc.)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Jessabelle – Die Vorhersehung (2014)
 
Gallows Hill (2013)
 
Haunt – Das Böse erwacht (2013)
 
Dark Circles (2013)
 
The House on Pine Street (2015)
 

Filmkritik: „The Wind“ (2018)

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THE WIND

Story

 
 
 

Ein Siedler-Paar erlebt im Westen Amerikas den blanken Horror, als man in der verlassenen Prärie versucht ein neues Leben zu beginnen.

 
 
 


 
 
 

THE WIND – Kritik

 
 
 
Frauen, die Horrorfilme drehen sind immer noch eine Randerscheinung. Aber es gibt sie. Die sind nicht weniger kreativ im Angstverursachen, wie die männlichen Filmkollegen und machen auch in Sachen Filmgewalt keine Gefangenen. So gehen Kultfilme wie FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE oder SLUMBER PARTY MASSACRE auf das Konto genau jener Regisseurinnen. Aber auch in Schockern jüngeren Datum sitzen immer häufiger Frauen auf dem Regiestuhl. Mit Erfolg. So erhielt Horror-Ware wie RAW, BRAID oder DER BABADOOK international viel Lob von Fans und Kritikern. Letztere waren mindestens genauso vom psychologischen Grauen in THE WIND angetan. Auch für diesen Film übernahm eine Frau das Ruder. Newcomerin EMMA TAMMI drehte zuvor Dokumentationen und hat nun zum ersten Mal für einen Spielfilm Regie geführt. In Anbetracht dessen, was einem sonst an Debüt-Werken im Horrorfilm-Sektor zugemutet wird, ist THE WIND eine regelrechte Offenbarung. Der Streifen schaut hochwertig aus und ist alles andere – nur kein Einheitsbrei. Wem es daher im Horror-Genre nach Anspruch dürstet, ist hier goldrichtig.
 
 
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Das ländliche Amerika irgendwann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Lizzy Macklin (CAITLIN GERARD) und Gatte Isaac (ASHLEY ZUKERMAN) lassen sich auf einem unbesiedelten Stück Land nieder, um dort den amerikanischen Traum zu leben. Doch so weit weg von der Zivilisation passieren bald seltsame Dinge. Die treusorgende Ehefrau beginnt plötzlich eine unheimliche Präsenz zu spüren, die offenbar vom Wind getragen wird. Doch der Liebste tut die Bedenken als Aberglauben ab und schenkt den Sorgen seiner Frau noch wenig Beachtung. Da bekommt das Paar Besuch. Zwei neue Nachbarn stellen sich vor und wollen in der Nähe auch ein neues Leben beginnen. Eigentlich eine schöne Sache, wären da nicht Lizzys Ängste, die die Leidgeplagte an ihre Grenzen gehen lässt. Letztere ist fest davon überzeugt, dass etwas Böses sie heimgesucht hat. Da entwickelt sich Furcht mit einem Male zu Wahn und bringt alle Beteiligten in große Gefahr.
 
 
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Ein Grusel-Western, den man mehrdeutig interpretieren kann. Sind hier wirklich dämonische Kräfte am Werk, die der Hauptdarstellerin zu schaffen machen oder macht THE WIND Einsamkeit zum Thema, welche die Filmheldin an ihre psychischen Grenzen bringt? Regisseurin EMMA TAMMI macht es so Filmen wie THE NOONDAY WITCH oder THE HOUSE ON PINE STREET gleich. Auch dort vermischte man menschliche Ängste mit übernatürlichem Hokuspokus, hielt sich aber mit Antworten zurück, um das Kopfkino des Zuschauers zu aktivieren. Ein cleverer Schachzug, der den metaphernreichen THE WIND aus dem Strudel an immer trivialer werdenden Spuk-, Dämonen- und Geisterfilmen hervorstechen lässt. So bleibt lang unklar, worauf Filmemacherin EMMA TAMMI hinauswill. Die hat sich bei ihrem Debüt-Stück für eine nicht-lineare Erzählweise entschieden, um den Zuschauer zu fordern. Was anfängt wie eine bloße Ansammlung von Momenten, entwickelt sich schnell zu einem beunruhigenden Filmalbtraum, der in den letzten 20 Minuten auf Hochtouren läuft. Dann laufen die Geschehnisse aus dem Ruder und steuern auf ein Desaster hin, das nicht unberührt lässt.
 
 
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THE WIND ist ein gutes Beispiel dafür, mit welch einfachen Mitteln sich ein unheilvolles Gefühl der Unruhe und Bedrohung auf Zelluloid bannen lässt. Der Film besitzt weder Spezialeffekte, noch reißerische Gewaltszenen. Stattdessen folgt Regisseurin EMMA TAMMI den Gruselregeln der alten Schule, lässt lieber Bilder sprechen und übergibt hervorragenden Darstellern das Zepter. Die Protagonisten haben kaum etwas zu sagen und Dialoge sind aufs Wesentliche reduziert. So kann sich der Zuschauer ganz auf die Geschehnisse konzentrieren und der hervorragenden Hauptdarstellerin folgen, die den Film fast ganz allein auf ihren Schultern tragen muss. Die verfällt in einen von Trauer getriebenen Wahnsinn und kann bald nicht mehr zwischen Gut und Böse entscheiden. Hierbei erweist sich Schauspielerin CAITLIN GERARD als perfekte Wahl. Die geht in ihrer Rolle als gequälte Lizzy derart auf, dass man sich schnell mit ihr verbunden fühlt und Verständnis für ihre Ängste entwickelt. Apropos Angst: mit Genrefilmen kennt sich die attraktive Amerikanerin aus. CAITLIN GERARD schrie sich bereits durch die Horrorstreifen THE AWAKENING, SMILEY und INSIDIOUS 4. Die Filme sind keine Glanzleistungen. THE WIND kommt dieser Bezeichnung schon ein Stück näher, weil er den Zuschauer mit Köpfchen das Fürchten lehren möchte und nicht durch den Dauereinsatz von Schockmomenten und Horrorfilm-Klischees.
 
 
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THE WIND – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Intelligenter Grusel-Western mit Arthaus-Flair und hervorragender Hauptdarstellerin. Der wortkarge THE WIND erinnert ein wenig an den gleichnamigen Stummfilm mit LILLIAN GISH aus dem Jahre 1928. Regisseurin EMMA TAMMI beteuerte in Interviews aber, dass ihr Langfilm-Regiedebüt rein gar nichts mit genanntem Klassiker zu tun hat. Ihr THE WIND ist eine nicht-lineare Erzählung über Verlust, Paranoia, Angst und Zorn, die schnell eine ganz eigene Dynamik entwickelt, sodass ein Desaster unvermeidbar bleibt. Was langsam brodelt, entwickelt sich schnell zum Psycho-Trip. Dabei werden mit Absicht Grenzen zwischen Realität und Aberglauben verwischt, um den Zuschauer – wie die Filmheldin – zu verunsichern. Was passiert in THE WIND wirklich? Folgt der Film eine psychisch labilen Frau, die im Wahn ihr eigenes Grab schaufelt? Oder sind hier wirklich paranormale Kräfte am Werk, die es mit der Hauptfigur gar nicht gut meinen. Die Antwort darauf ist mehrdeutig auslegbar.
 
 
 


 
 
 

THE WIND – Zensur

 
 
 
THE WIND hat nur wenige Gewaltmomente zu bieten. Diese werden zudem nicht selbstzweckhaft eingesetzt. Ein Säugling wird tot zur Welt gebracht, eine Protagonistin wird erschossen, ein anderer Protagonist wird erstochen. Hierzulande wird THE WIND vermutlich eine FSK16 erhalten. Diese Freigabe ist angemessen.
 
 
 


 
 
 

THE WIND – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC MIDNIGHT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Noonday Witch (2016)
 
Der Babadook (2014)
 
The Disappointments Room (2016)
 
The Hole in the Ground (2019)
 
Dark Circles (2013)
 

Filmkritik: „The Mermaid – Lake of the Dead“ (2018)

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THE MERMAID – LAKE OF THE DEAD

(RUSALKA: OZERO MYORTVYKH)

Story

 
 
 

Aufdringliche Geister-Stalkerin aus dem Wasser: Nachdem Roman versehentlich eine gruselige Meerjungfrau geküsst hat, wird er sie nicht mehr los.

 
 
 


 
 
 

THE MERMAID – Kritik

 
 
 
Geister, Dämonen und irgendwie kein Ende. Seit Jahren sind manche Bösewichte irgendwie nicht mehr von der Mattscheibe wegzudenken. Seit THE CONJURING, THE RING (das amerikanische Remake ist gemeint) und PARANORMAL ACTIVITY ein kleines kommerzielles Revival des angestaubten Spuk- und Geister-Genres eingeläutet haben, wimmelt es im Lichtspielhaus und auf dem Heimkinomarkt nur so vor heimtückischen Geister-Kreaturen, die vor allem eines wollen: Angst einjagen. Längst ist hierbei nicht mehr nur Amerika mit Gruselware am Start. Auch Länder, die man nicht einmal annähernd mit Horrorfilmen in Verbindung bringen würde, drehen mittlerweile fleißig Schauerstoff, der sogar über deren Landesgrenzen hinaus Aufmerksamkeit findet und exportiert wird. Neuerdings hier ganz groß dabei: Russland. Dort scheint man auf den Gruselgeschmack gekommen zu sein und beweist mit teuren Produktionen, dass man weit mehr kann, als Wodka brauen und Pelmeni kochen. So konnten wir uns bereits selbst schon ein Bild von den Qualitäten russischer Gruselunterhaltung machen. Filme wie THE BRIDE, DISLIKE oder PARANORMAL DRIVE schnitten bei unseren Filmvorstellungen ganz passabel ab. Deshalb gibt es nun für alle jene mit THE MERMAID – LAKE OF THE DEAD Nachschub, die horrorfilmtechnisch gern auch mal über den internationalen Tellerrand schauen wollen.
 
 
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Visuell ansprechend in Szene gesetzter Grusel-Radau. Roma und Marina haben viel vor. Die wollen ihre Liebe mit einer Heirat besiegeln und den Bund der Ehe eingehen. Bevor es aber ernst wird, will man noch mal die Sau herauslassen. Deshalb wird der zukünftige Gatte von seinen Kumpels entführt und zu einem Haus am See gefahren. Dort soll eine Sause stattfinden. Doch Roma findet keinen Gefallen an strippenden Mädchen und sinnlosem Besäufnis. Deshalb verkrümelt er sich an den angrenzenden See und geht eine Runde schwimmen. Keine gute Idee, denn im Wasser lauert das Böse. Ein Geisterwesen bezirzt den jungen Mann und zieht ihn in seinen Bann. Das Resultat: ein mysteriöser Kuss, der den Schmachtenden verflucht. Fortan klammert sich die boshafte Meerjungfrau an die Fersen ihres Opfers und sorgt für Angst und Schrecken. Gott sei Dank liebt Marina ihren Bald-Ehemann. Die versucht einen Weg zu finden, um den Liebsten aus den Klauen des Teufels zu befreien. Keine leichte Angelegenheit, denn der Geist ist zäh.
 
 
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Und wieder richten sich alle Augen nach Russland. Dort kopiert man nämlich fleißig, und zwar die Erfolgsformeln der Traumfabrik. THE MERMAID – LAKE OF THE DEAD ist konventionelle Unterhaltung, wie man sie gern mal von Hollywood aufgetischt bekommt. Das bedeutet: durchgestylte Bilder, makellose Optik und nicht sonderlich viel Hirn. THE BRIDE-Regisseur SVYATOSLAV PODGAYEVSKIY hat für seinen Mainstream-Horror bei den ganz großen des Hochglanz-Horrors stibitzt und daraus Gruselunterhaltung für Jedermann gedreht, die nicht sonderlich innovativ ist, aber mit Atmosphäre punkten kann. Diesbezüglich wird groß aufgefahren, was den Film immerhin vor dem Untergang bewahrt. Blickt man nämlich unter die makellose Fassade bleibt nicht viel übrig, was Erwähnung finden könnte. THE MERMAID spielt seine Handlung ziemlich gradlinig ab. Das hat zur Folge, dass die Ereignisse relativ vorhersehbar bleiben und erfahrene Horrorfilmkenner unterfordert werden. So heftet sich im Film ein Geist an die Fersen ahnungsloser Mittzwanziger und sorgt Dank creepy Momente aus dem Computer dafür, dass der Zuschauer auch mal im Sessel zusammenzucken kann. Der Rest des Streifens ist Geister-Allerlei. Das bedeutet, dass herausgefunden werden muss, welches Jenseitswesen hier lästig Menschen belästigt, warum es das tut und wie man dem Spuk ein Ende bereiten kann. Zusammengefasst: Detektiv-Arbeit mit Erschreckbonus. Klingt wie Grusel von der Stange – und das ist es letztendlich auch. Bis Hollywood wieder Nachschub in Sachen Horror liefert, genügt THE MERMAID – LAKE OF THE DEAD zur Überbrückung allemal. Man macht nichts falsch, wenn man die Scheibe an einem frostigen Winterabend in den Player schiebt. Da hat man schon Schlechteres aus dem Geister-Sektor gesehen.
 
 
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THE MERMAID – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Schon wieder Horror aus dem Hause Blumhouse? Nein, diesmal nicht. Auch wenn die glattgebügelten Bilder und die makellosen Jungdarsteller genau jene Vermutung aufkommen lassen, handelt es sich bei THE MERMAID – LAKE OF THE DEAD um Horror made in Russland. Regisseur und Drehbuchautor SVYATOSLAV PODGAYEVSKIY kopiert fleißig amerikanische Kinoerfolge und hat seinen ganz eigenen Gruselhit gedreht, der so amerikanischen Blockbustern wie THE CONJOURING oder INSIDIOUS in nichts nachsteht. Tiefgang sucht man zwar vergebens und auch die Story ist weit weg davon innovativ zu sein. Dennoch sorgen die stimmungsvollen Bilder und einige Schockmomente für kurzweilige Gruselunterhaltung ohne Längen. Nett, aber nichts worüber man morgen noch spricht!
 
 
 


 
 
 

THE MERMAID – Zensur

 
 
 
THE MERMAID – LAKE OF THE DEAD ist ein Gruselfilm, was bedeutet, dass hier kaum blutige Schauwerte geboten werden. Ein Grund, warum THE MERMAID hierzulande mit FSK16 in den Handel gebracht wurde. Diese Freigabe ist vollkommen in Ordnung, da eher auf Jump Scares gesetzt wird, statt die Geschehnisse im Blut zu ersäufen.
 
 
 


 
 
 

THE MERMAID – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) SPLENDID FILM (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Rusalka: Ozero myortvykh; Russland 2018

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Russisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,39:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 30.11.2018

 

The Mermaid – Lake of the Dead [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE MERMAID – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Nymph (2014)
 
Mermaid’s Song (2015)
 
Siren – Serie (2018)
 
The Ring (2002)
 

Filmkritik: „Haunting on Fraternity Row“ (2018)

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HAUNTING ON FRATERNITY ROW

(THE PARTY CRASHER)

Story

 
 
 

In HAUNTING ON FRATERNITY ROW gerät eine Studentenparty aus dem Ruder, weil ein Dämon das Zepter in die Hand nimmt.

 
 
 


 
 
 

HAUNTING ON FRATERNITY ROW – Kritik

 
 
 
Vermutlich kennt jeder folgendes Phänomen: man sieht einen hektisch zusammengeschnittenen Trailer, bei dem reichlich geschrien und getötet wird. Das macht Lust auf mehr. Hat man dann aber den fertigen Film im Player, ist von angepriesenem Mord- und Totschlag kaum noch etwas zu sehen. Die Filmindustrie schummelt, wo es nur geht, damit im Zuge der immer träger werdenden Kaufbereitschaft des Filmfans überhaupt noch Heimkinomedien und Kinokarten verkauft werden können. Ganz vergönnen kann man die zweifelhaften Marketingmethoden nicht. In einer Zeit, in der der Streaming-Markt boomt und Zuschauer lieber auf der Couch sitzen bleiben, statt Media Markt oder Lichtspielhaus zu besuchen, wird nach Tricks gesucht den Kauf neuer Filme irgendwie schmackhaft zu machen. Leider hat nicht selten der zahlungswillige Zuschauer den Nachteil. Der kauft die Blu-ray oder ein Kinoticket und ist enttäuscht, weil der zuvor im Trailer angepriesene Blut- und Schockrausch nahezu kaum vorhanden ist. Gleiche Erfahrung haben wir mit HAUNTING ON FRATERNITY ROW gemacht. Der Trailer suggeriert einen intensiven Horrortrip mit viel Geschrei. Nach dem muss man im fertigen Film genauer suchen. Offenbar haben schlitzohrige Schnittmeister die besten Szenen in knapp zwei Minuten Werbefilm gepackt. Verflixt und zugenäht.
 
 
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Im Haus einer Studentenverbindung wird eine groß angekündigte „Winter Luau“-Party gefeiert, die vielen Studenten im Gedächtnis bleiben soll. Doch die Vorbereitungen zur Sause offenbaren ein düsteres Geheimnis. Durch einen Unfall entdeckt man im Keller des Wohnheims einen geheimnisvollen Raum, der viele Fragen aufwirft. Wurden hier etwa geheimnisvolle Rituale abgehalten? So in etwa! Was die Studenten nämlich nicht wissen ist, dass sie mit der Öffnung des Zimmers einen Dämon befreit haben, der sich nun unter die Partygäste gemischt hat. Der will nicht feiern, sondern töten. Was folgt, ist ein folgenschweres Massaker, das im Chaos endet. Wer wird diese Party wohl überleben? Wir zumindest verraten es an dieser Stelle nicht.
 
 
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Du hast eine Vorliebe für MTV-Reality-Shows in denen verzogene Gören feiern, saufen und grölen? Dann könnte HAUNTING ON FRATERNITY ROW nach Deinem Geschmack sein. Der Film ist nichts anderes als der hyperaktive Zusammenschnitt einer mehr als dummen Party während der sauf- und paarungsbereite Studenten mit paranormalen Dingen konfrontiert werden. Dabei wird von Found-Footage-Stilmitteln Gebrauch gemacht, die aber im Verlauf schnell an Bedeutung verlieren. So bekommt der Zuschauer anfangs noch das zu sehen, was die Partygänger mit Smartphones und Handkameras filmen. Später scheint sich aber die Kamera aus unerklärlichen Gründen zu verselbständigen, sodass unklar bleibt, wer denn nun eigentlich das Bewegtmaterial zur Party liefert. Regisseur BRANT SERSEN nimmt es mit der Found-Footage-Rezeptur nicht so genau und das ist offenbar auch das Beste, was er machen konnte. Weil sich plötzlich die Kamera löst und die Ego-Perspektive vernachlässigt, ist HAUNTING ON FRATERNITY ROW zumindest einfacher zu verdauen, als manch anderer Streifen dieses Sub-Genres. Gut für den Zuschauer. Dieser muss diesmal weitestgehend auf jene Stilelemente verzichten, die das Found-Footage-Genre so berüchtigt und unbeliebt gemacht haben. Das bedeutet, dass Bild-Ausfälle, Störgeräusche oder Wackelattacken aus dem Drehbuch verbannt wurden. Ist HAUNTING ON FRATERNITY ROW daher auch gleichzeitig sehenswert? Wir meinen: Nein!
 
 
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HAUNTING ON FRATERNITY ROW hat ein großes Problem mit seinen Figuren. Gute Filme zeichnen sich dadurch aus, dass ein sympathischer Protagonist den Zuschauer an die Hand nimmt und durch den Film führt. Von zugänglichen Figuren ist aber in diesem Horrorstreifen weit und breit keine Spur. Der Zuschauer bleibt sich selbst überlassen und muss sich durch eine sperrige Handlung quälen, die in erster Linie mit unwichtigen Szenen gefüllt wurde. Da wird sich die Birne weggekokst, gesoffen und mit Mädels geflirtet. Halbstarke Anmachsprüche runden den Partygau ab. Irgendwie bleibt im Trubel der Gruselfaktor auf der Strecke, der bei genauer Betrachtung erst in den letzten 15 Minuten Gewichtung erhält. Eine enttäuschende Prämisse mit dem sich HAUNTING ON FRATERNITY ROW wohl keine Freunde machen wird. Warum? Der Film ist zu viel PROJEKT X statt PARANORMAL ACTIVITY und hat auch sonst keinerlei Spannungsbogen zu bieten. Bevor hier überhaupt irgendwann der Horror losbricht, dürfte der Zuschauer entweder eingeschlafen sein oder seine Klamotten gepackt haben, um selbst auf der nächsten Party zu tanzen. Ein einfältiges Stück Zelluloid und definitiv nur etwas für Hardcore-Found-Footage-Liebhaber.
 
 
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HAUNTING ON FRATERNITY ROW – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
PROJEKT X trifft auf PARANORMAL ACTIVITY. Klingt gut, oder? Ist es aber nicht. Bei diesem Schnarcher handelt es sich im wahrsten Sinne des Wortes, um die geistloseste Party ever. Durch knapp 80 Minuten Film muss sich der Zuschauer im Falle von HAUNTING ON FRATERNITY ROW quälen, bis hier überhaupt mal etwas Nennenswertes passiert, was der Bezeichnung „Horrorfilm“ gerecht werden kann. Bis dahin muss man Sprüche primitiver Alpha-Männchen und das Gegacker nicht sonderlich heller Blondinen ertragen. Ein paar wenig zeigefreudige Fummelszenen und etwas Party-Pop-Musik gibt’s obendrein. HAUNTING ON FRATERNITY ROW ist typischer Filmschrott für die Generation NETFLIX, der es nach anspruchslosen Filmen dürstet, nur mit dem Ziel, die Zeit irgendwie über die Runden zu bekommen. Dass einem hier Horror untergejubelt wird, der noch nicht mal einen Spannungsbogen oder gar sympathische Figuren besitzt, dürfte wohl jenem Zuschauer-Klientel erst gar nicht auffallen. Nein, HAUNTING ON FRATERNITY ROW ist weit weg davon ein guter Film zu sein. Hier hat alles den Anschein, als haben die Macher eine Villa gemietet, Mucke aufgedreht und die Darsteller sich selbst überlassen. Die Handlung ist rudimentär und selbst Schocks sind Mangelware. Gute Voraussetzungen also, um von HAUNTING ON FRATERNITY ROW die Finger zu lassen. Den hat übrigens Regisseur BRANT SERSEN (SANATORIUM) mit einem für Indie-Horror ordentlichen Budget auf die Beine gestellt. Sage und schreibe fünf Millionen Dollar Produktionsbudget standen zur Verfügung, um was Gruseliges zu inszenieren. Wer den Streifen gesehen hat, dürfte sich zu Recht fragen, in was denn die Kohle investiert wurde. Die für Horrorfilme wichtigen Gewaltszenen fehlen fast gänzlich, die Schauspieler agieren eher zweckmäßig und für das Set hätte eine mit Lichterketten geschmückte Garage ausgereicht. Zum Vergleich: Ein Film, wie CULT OF CHUCKY musste mit gleichem Budget haushalten. Ratet mal, welcher der beiden Filme das Rennen macht.
 
 
 


 
 
 

HAUNTING ON FRATERNITY ROW – Zensur

 
 
 
HAUNTING ON FRATERNITY ROW, der anfangs eigentlich mal THE PARTY CRASHER heißen sollte, ist gewalttechnisch kaum der Rede wert. Am Ende sieht man ein paar Protagonisten, denen vom Dämon die Augen herausgerissen wurden. Das sieht teils aus, als habe man über die Gesichter der Opfer einen Snapchat-Filter gelegt und lockt wohl keinen Horrorfilmfan vorm Ofen hervor. Weiterhin gibt es eine aufgeschnittene Kehle zu sehen und etwas „Kleinkram“. Hierzulande dürfte HAUNTING ON FRATERNITY ROW eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

HAUNTING ON FRATERNITY ROW – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Monster Project (2017)
 
Grave Encounters (2011)
 
The Entity (2015)
 

Filmkritik: „The Witch in the Window“ (2018)

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THE WITCH IN THE WINDOW

(THE VERMONT HOUSE)

Story

 
 
 

Ein unerwarteter Hauskauf, Familienprobleme und Geister: THE WITCH IN THE WINDOW handelt von einem Haus auf dem Lande, in dem es mal wieder poltert und spukt.

 
 
 


 
 
 

THE WITCH IN THE WINDOW – Kritik

 
 
 
Wenn es nach der Werbung hiesiger Baumärkte geht, gibt es wohl nicht schöneres, als eigene vier Wände. Da haben findige Marketingexperten sicherlich recht. Dumm nur, wenn man die neue Bleibe auch noch mit Geistern teilen muss. Da stellt sich logischerweise die Frage, ob man trotzdem bleiben oder das Traumhaus wieder verkaufen soll? Antworten darauf sucht nun Regisseur ANDY MITTON. Der gehört zu jenen Filmemachern, die aus Liebe zum Gruselfach im Horror-Genre verharren. Sieht man sich sein bisheriges Schaffen an, zeigt sich schnell, dass der außer Horrorzeug bisher noch nichts anderes gedreht hat. Neben dem unsagbar schlechten Mystery-Unsinn YELLOWBRICKROAD und einem Beitrag zur Horror-Anthologie CHILLING VISIONS: 5 SENSES OF FEAR fiel der Regisseur zuletzt mit WE GO ON positiv auf. Leider war Letzterer wohl eher eine Eintagsfliege. Der neue Ausflug ins Gruselfach mit dem Titel THE WITCH IN THE WINDOW ist leider nicht so pralle und enttäuscht durch halbgare Gruselei, die eher langweilt, statt schlaflose Nächte zu bereiten.
 
 
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Vater Simon ist in Schnäppchenlaune. Irgendwo in der Einöde hat er ein günstiges Häuslein gekauft, das er nun auf Vordermann bringen will. Dazu nimmt er Sohnemann Finn mit auf die Baustelle, der das Familienoberhaupt unterstützen soll. Eigentlich eine gute Sache, um den Sprössling von den zerrütteten Familienverhältnissen abzulenken. Die Eltern verstehen sich nämlich nicht mehr so gut und das merkt auch der Nachwuchs. Doch Vater Simon hofft das Beste. Leider durchkreuzen seltsame Ereignisse bald eifrige Pläne. Im renovierungsbedürftigen Heim passieren plötzlich seltsame Dinge. Offenbar hat eine ehemalige Bewohnerin nicht mit der Welt der Lebenden abgeschlossen. Die spukt durch die Räume und jagt dem neuen Eigentümer damit einen Heidenschreck ein. Der ist auch begründet. Nachbar Louis hat die Geisterfrau zu Lebzeiten gekannt. Der hat einiges zu berichten und das ist alles andere als beruhigend.
 
 
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Eigentlich hätt’s die Hexe gar nicht gebraucht. THE WITCH IN THE WINDOW ist nämlich bei genauerer Betrachtung eher ein Drama in dem ein Vater versucht seine kleine Familie zusammenzuhalten. Die Ehe befindet sich auf einem Scheideweg und der pubertierende Sohnemann Finn bekommt langsam davon Wind, dass es außerhalb des sicheren Familienlebens auch noch eine andere, weitaus unsichere Welt gibt, vor der ihn die Eltern beschützen wollen. Das da plötzlich der Geist einer knochigen Alten Wege kreuzt, fühlt sich angesichts der ohnehin schon problematischen Familienverhältnisse irgendwie aufgezwungen an. In der Tat ist das aber auch so. Der Horror-Part wirkt überflüssig, zumal die Horror-Elemente rar verstreut wurden, dass Grusel-Fans vor lauter Dialogen schnell müde werden. Viel Grusel-Feeling wird nämlich nicht geboten. Stattdessen wird reichlich gequasselt und sich irgendwie durchs Drehbuch gehangelt. Demzufolge rückt der Gruselpart in den Hintergrund. Der ist minimalistisch und besitzt – bis auf eine kurze Szene – weder Schreckmomente noch Geschrei. Offenbar ist das gewollt. Regisseur ANDY MITTON will nicht plakativ Erschrecken. Der fokussiert problematische Familienverhältnisse und versucht am Ende eine nahezu schon träumerische Lösung zu finden, um sich entfremdete Eltern wieder einander näher zu bringen. Soweit, so gut – wäre da nicht das reißerische Filmplakat und der auf Horror getrimmte Trailer. Beides erweckt falsche Erwartungen beim Zuschauer. THE WITCH IN THE WINDOW ist weit weg von konventioneller Gruselware und dürfte so viele Horrorfilm-Liebhaber – vor allem der sehr langsamen und beinahe ereignislosen Erzählweise wegen – enttäuschen. Drama und Grusel-Combo. Eigentlich ein Mix, der schon so einigen Gruselfilmen zum Erfolg verholfen hat. Im Falle von THE WITCH IN THE WINDOW zündet der Genre-Cocktail nicht sonderlich gut. Der Grund: beide Komponenten passen so gar nicht zusammen und wurden auch noch langweilig zu einem zähen Gruselbrei vermischt. Muss man nicht sehen.
 
 
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THE WITCH IN THE WINDOW – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Familiendrama unter dem Deckmantel eines Gruselfilms. THE WITCH IN THE WINDOW ist ein Mix aus Drama und Geisterfilm, bei dem aber die Geisterproblematik eher Alibi-Funktion besitzt und sich auch noch dazu überflüssig anfühlt. Letztere hätte man auch aus dem Film streichen können. THE WITCH IN THE WINDOW hätte so die gleiche Botschaft vermitteln können. Trotz 77 Minuten Laufzeit ist der Film ziemlich lang geraten. Der Grund: Geschwätzig- und Ereignislosigkeit. Die Inszenierung ist schleppend und sonderlich viel passiert auch nicht. Eine Bewährungsprobe für jene, die sich von THE WITCH IN THE WINDOW den Grusel-Overkill versprochen haben. Viel Grusel wird nicht geboten. Ein großes Problem, zumal der Streifen im Titel, Trailer und auf dem Plakat mit einer Hexe wirbt. Hat man den Film gesehen, wird man schnell feststellen, dass die Hexe nicht im Mittelpunkt steht, sondern schwierige Familienverhältnisse. Statt satanische Hexenferse und schauderhafte Erscheinungen sorgt sich Regisseur ANDY MITTON lieber um zwischenmenschliche Konflikte. Kein Grusel-Hokuspokus, sondern deprimierendes Familien-Tralala. THE WITCH IN THE WINDOW ist ein waschechter Blender und ein langweiliger auch noch obendrauf. Wer die Sichtung übersteht, ohne eingeschlafen zu sein, erhält von uns einen Preis. Immerhin erwähnenswert: die gute Kameraarbeit. Die allein reicht aber nicht aus, um eine Empfehlung aussprechen zu können.
 
 
 


 
 
 

THE WITCH IN THE WINDOW – Zensur

 
 
 
THE WITCH IN THE WINDOW ist ein Mysterydrama mit wirklich keinerlei Gewalt. Es gibt einen Schreckmoment zu sehen – das war’s. Explizite Schauwerte hat der Streifen gar nicht und gruselt in erster Linie auf subtilem Wege. Hierzulande könnte man diesen Film sogar schon ab 12 Jahren freigeben.
 
 
 


 
 
 

THE WITCH IN THE WINDOW – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Uncork’d Entertainment | One Bad House Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Devil in the Dark (2017)
 
The House on Pine Street (2015)
 
I Remember You (2017)