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Filmkritik: ” The Last House on Cemetery Lane” (2015)

The Last House on Cemetery Lane-2015
 
 
 

THE LAST HOUSE ON CEMETERY LANE

Story

 
 
 
Ein erfolgreicher Drehbuchautor von Horrorfilmen zieht sich in ein einsames Landhaus zurück und darf sich – was für eine Überraschung – als Geisterjäger beweisen.

 
 
 


 
 
 

THE LAST HOUSE ON CEMETERY LANE – Kritik

 
 
Liest man einen Filmtitel wie THE LAST HOUSE ON CEMETERY LANE hat man hohe Erwartungen, weil sofort Horrorstreifen wie Wes Cravens Rape-and-Revenge-Thriller THE LAST HOUSE ON THE LEFT oder der Fulci-Klassiker HOUSE BY THE CEMETRY ins Gedächtnis zurückkehren. Die haben vor mehr als 30 Jahren Horrorgeschichte geschrieben und gehören mittlerweile zur Grundausstattung jedes eifrigen DVD-Sammlers. Der hier vorgestellte THE LAST HOUSE ON CEMETERY LANE spielt – trotz ähnlicher Titelkreation – leider in einer ganz anderen Liga und ist mit den genannten Kultwerken keineswegs zu vergleichen. Anders als es der Filmtitel vermuten lässt, hält der Zuschauer einen günstig gedrehten Low-Budget-Indie in den Händen über den in wenigen Wochen keiner mehr sprechen wird. Drei Schauspieler, ein abgelegenes Häuschen und genug Langeweile – das sind die Grundzutaten für dieses unabhängige Mystery-Drama, das vermutlich mit kleiner Crew in irgendeiner Wohnung eines Mitarbeiters gedreht wurde und durch langatmige Inszenierung zum Abschalten animieren möchte. Viel gequasselt wird in THE LAST HOUSE ON CEMETERY LANE. Hier geben sich lange Dialoge und seichte Rätselkost die Waage. Letztere wird immer wieder künstlich heraufbeschworen damit dem Zuschauer nicht bereits schon zu Beginn die Augen zufallen. Dennoch dürfte hier paranormaler Hokuspokus allein nicht ausreichen, um den Gruselfreund am Einschlafen zu hintern. Wir wetten, dass die Mehrheit der Hobbygeisterjäger vor den Bildschirmen zu Hause das Ende dieser Indie-Produktion nicht wach erleben werden, schließlich gehört THE LAST HOUSE ON CEMETERY LANE zu den zähsten Genre-Werken des aktuellen Kinojahrs.
 
 
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Im Film bezieht Drehbuchautor John Davies (gespielt von LEE BANE) ein altes Anwesen auf Zeit, um wieder Energie für ein neues Horrorprojekt tanken zu können. Doch viel Freude an der neuen Bleibe hat er nicht. Im zweiten Stock wohnt eine blinde Greisin, die nie vor die Zimmertür geht und nachts spielt aus unerklärlichen Gründen ein Plattespieler alter Songs, damit Autor John aus dem Schlaf gerissen wird. Als er die Bekanntschaft mit der liebenswerten Nachbarin Cassie macht, häufen sich die mysteriösen Ereignisse. Für den genervten Mieter Grund genug, dem Geheimnis des Hauses auf den Grund zu gehen. Ist die alte Frau im zweiten Stock für den Schabernack verantwortlich oder sind hier vielleicht doch finstere Mächte am Werk?
 
 
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Einschlummern ganz ohne Pharmazeutika! Hinter dieser natürlichen Einschlafhilfe verbirgt sich ANDREW JONES. Der übernahm bereits in einigen Horrorfilmen die Regie und inszenierte günstige Werke wie THE NESTING 2, in denen er mit wenig Kapital versuchte, passable Genre-Unterhaltung für Horrorfans abzuliefern. Leider hat das bisherige Vorhaben nie Früchte getragen, denn die meisten seiner Arbeiten blieben durch semiprofessionelle Machart in Erinnerung und konnten sich nicht gegen den Strom ähnlich gestrickter Billigproduktionen behaupten, die tagtäglich in den Verkauf gebracht werden. Den Geisterfilm THE LAST HOUSE ON CEMETERY LANE dürfte da gleiches Schicksal ereilen, denn auch das neue Projekt aus der Mache des Regisseurs quält mit ungeschliffenem Indie-Look, der unweigerlich an Direct-To-Videofilme neueren Datums erinnert. Inhaltlich schaut es da nicht anders aus. Hier wird Mystery-Schauer von der Stange serviert, von dem man sich vor einigen Jahren bereits sattgesehen hat nachdem der damals noch kleine HALEY HOEL OSMENT in THE SIXTH SENSE (1999) dem Zuschauer einzutrichtern versuchte, dass er doch toten Menschen sehen könne.
 
 
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81 Minuten können lang sein vor allem dann, wenn eine Auflösung künstlich hinausgezögert wird, die bereits nach der Halbzeit klar sein dürfte. In THE LAST HOUSE ON CEMETERY LANE wird Horror auf Sparflamme gekocht und das ist auch das größte Problem dieses Gruseldramas, schließlich erwartet man von subtilen Schauergeschichten auch ein gewisses Maß an Gänsehautmomenten und Schreckeffekten. Statt mit konventionellen Mitteln zusammenzucken zu lassen, plätschert die Handlung ermüdend daher und macht aus knapp zwei Stunden belangloses Geister-Gepoltere einen quälend langen Film, der den Eindruck erweckt man habe hier eine Woche vorm Fernseher gesessen. THE LAST HOUSE ON CEMETERY LANE ist kein sehenswerter Film und das perfekte Geschenk für Freunde, Kollegen oder Bekannte, die man nicht sonderlich mag. Wir von FILMCHECKER raten ab und empfehlen: im Händlerregal stehen lassen!
 
 


 
 
 

THE LAST HOUSE ON CEMETERY LANE – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Wenn der Sandmann dreimal klingelt, war vermutlich THE LAST HOUSE ON CEMETERY LANE im Blu-ray-Player. Dieser Streifen ist kein Film für Freunde von “LAST HOUSE”-Werken, bei denen schon der Titel Programm ist. THE LAST HOUSE ON CEMETERY LANE ist Einschlafkino der üblen Sorte, für das man zwar gute Schauspieler gewinnen konnte, deren Talent hier sprichwörtlich für nichts verbraten wird. Die Geschichte ist wenig überraschend und orientiert sich in ihrer Machart an so erfolgreiches Kultkino wie THE SIXTH SENSE, wo subtil erschreckt und mit wendungsreichem Finale verblüfft wird. Originell ist hier gelinde gesagt nichts. Außer vielleicht die Idee, unbeliebten Freunden oder Kollegen zur Abwechslung Filme zu schenken, die man nicht mal mit der Kneifzange aus dem Müllcontainer fischen würde. Finger weg, denn nach dem Kauf dieses Films ist Frust vorprogrammiert.
 
 


 
 
 

THE LAST HOUSE ON CEMETERY LANE – Zensur

 
 
 
THE LAST HOUSE ON CEMETERY LANE ist ein Geisterdrama mit viel Geschwafel, Liebesgezwitscher und seichtem Grusel. Am Ende gibt es eine Tote zu beklagen – das war’s. Eigentlich könnte man den Film ab 12 Jahren freigeben. Aufgrund der Axtszene am Ende wird’s wohl eine FSK 16 draus.
 
 
 


 
 
 

THE LAST HOUSE ON CEMETERY LANE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Sixth Sense (1999)
 
The Others (2001)
 


Filmkritik: “The Atticus Institute” (2015)

The-Atticus-Institute-2015
 
 
 

THE ATTICUS INSTITUTE

Story

 
 
 
“…Auf dieser Welt gibt es Dinge, die wir nicht erklären können und Judith Winstead ist eines dieser Dinge …”

Parapsychologen untersuchen die telekinetischen Fähigkeiten von Testobjekt Judith Winstead und entdecken, dass im Körper der Frau das Böse schlummert.

 
 
 


 
 
 

THE ATTICUS INSTITUTE – Kritik

 
 
 
Dass mit Dämonen und Geistern nicht gut Kirschen essen ist und es im Horrorfilm immer wieder übermütige Protagonisten geben muss, die das Böse unnötig herausfordern, scheint eine der vielen Absurditäten im Genre zu sein, die sich in nahezu jedem Film dieser Art wiederholen. Seit jeher ist der Mensch vom Unerklärlichen fasziniert, was auch der Grund dafür sein dürfte, weshalb paranormal angehauchte Gruselwerke so viel Zuspruch erhalten und nicht mehr von der Bildfläche verschwinden wollen. Paranormales geht immer. Ob als Komödie, Drama oder im längst totgefilmten Found-Footage-Stil; seit PARANORMAL ACTIVITY im Kino zum Renner wurde, haben Filme mit unerklärlichen Phänomenen Hochkonjunktur.
 
 
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Ein weiterer in der Runde dieser Unbehagen verursachenden Mystery-Grusler ist das Schauererlebnis THE ATTICUS INSTITUTE in dem drei Filmzutaten miteinander kombiniert werden, die momentan die Horrorlandschaft dominieren. Regisseur CHRIS SPARLING hat vor einigen Jahren an den Drehbüchern zu BURIED (2010) und ATM (2012) geschrieben und vereint in seiner zweiten Regiearbeit Dämonen- und Exorzismus-Genre mit der Wackelkamera-Methode, damit alles authentischer wirkt. In dem als Dokumentarfilm getarnten Gruseltrip wird die telepathisch veranlagte Judith Winstead (sehr beängstigend verkörpert von RYA KIHLSTEDT) von Wissenschaftlern in einem kleinen Forschungslabor bei Pennsylvania untersucht. Sie kann Dinge mit der Kraft ihrer Gedanken bewegen und verhält sich im Vergleich zu gleichaltrigen Geschlechtsgenossinnen nicht sonderlich normal. Es sind die späten 70er und die Erforschung paranormaler Ereignisse steckt noch in den Kinderschuhen, so dass es selbst erfahrenen Forschern nicht immer auf Anhieb gelingt Betrüger oder Scharlatane zu entlarven. Die meist abwesend und aggressiv auftretende Frau scheint da jedoch aus einem anderen Holz geschnitzt zu sein. Ihre Präsenz verursacht bei Experten Gänsehaut und in Experimenten bestätigt sich die Vermutung, dass ihre Fähigkeiten nicht menschlicher Natur sein können. Schnell wird das Militär auf die sonderbare Gabe aufmerksam und erweckt im Körper der hilflosen Frau das Böse, das von der Regierung nun gezähmt werden möchte, um es für eigene Belange nutzen zu können.
 
 
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THE ATTICUS INSTITUTE gehört zur Gattung “Mockumentary”, was ein Filmgenre bezeichnet, in dem die Geschehnisse in einen gestellten Dokumentarfilm verpackt werden. Hier bekommt der Zuschauer auf echt getrimmte Interviews mit Angehörigen und Professoren vor die Linse, die von schrecklichen Ereignissen berichten und das grausames Vorgehen des Militärs beschreiben, das in diversen Experimenten versucht, den Willen eines widerspenstigen Dämons zu brechen. Der Hauptteil der Handlung wird jedoch von Hindergrundmaterial, Aktenaufzeichnungen und Archivaufnahmen getragen, in denen unmenschliche Versuche an einer labilen Frau protokolliert werden. Die sollen dazu dienen, um das Böse heraufbeschwören zu können, das sich hartnäckig in Protagonistin Judith Winstead versteckt hält. Lang dauert es jedoch nicht, bis der dämonischen Präsenz der Geduldsfaden reißt. Ganz unerwartet verwandelt sich die anfänglich verwirrte Patientin in eine unkontrollierbare Furie und scheint sichtlich Spaß daran zu haben Zuschauer, Militär und Professoren ausgiebig in Sachen Terror zu unterrichten – Mord und Totschlag inklusive.
 
 
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In Judith schlummert das Grauen, was angesichts des reichlich spektakulär geschnittenen Trailers niemand verwundern dürfte, zeigt der nämlich die besten Szenen am Stück und nimmt dem Zuschauer die Spannung. Demzufolge raten wir von der Sichtung des Trailers ab, der mal wieder viel zu viel verrät und dem Fan solcher Streifen das Filmsehen vermiest. Immerhin bahnt sich der Schrecken langsam seinen Weg durch die finsteren Versuchsräume und garantiert zumindest in den ersten dreißig Minuten wohlig altmodisches Gänsehautfeeling, was vor allem durch die auf alt getrimmten Videobänder verstärkt wird, die immer mal wieder längst vergessene VHS-Zeiten wach werden lassen. Leider kann Schocktherapie-Macher CHRIS SPARLING das hohe Grusel-Niveau der ersten halben Stunde nicht konstant halten, denn nach einem spannenden Einstieg dümpelt der Film lustlos auf der Stelle und quält mit immer haarsträubenderen Experimenten, die nur unnötig das Tempo bremsen. Was folgen wird ist vorhersehbar, denn die Absurdität der im Film gezeigten Ereignisse lässt darauf schließen, dass der jähzornige Dämon letztendlich nur mit einem Exorzismus bekämpft und die Menschheit so gerettet werden kann. Doch die Austreibung fruchtet nur bedingt und gipfelt mal wieder im ach so überraschenden Schlussgag, mit dem sich Horror-Regisseure in letzter Zeit scheinbar gegenseitig selbst übertrumpfen möchten.
 
 
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Dass THE ATTICUS INSTITUTE trotz Found-Footage-Gewand weitestgehend nach Film ausschaut, muss man Regisseur CHRIS SPARLING hoch anrechnen. Die für diese Art von Filmen bekannten und gehassten Kameraausfälle, Wackelattacken und Bildstörungen bleiben aus, so dass THE ATTICUS INSTITUTE auch bei Gegnern von pseudodokumentarischen und auf echt getrimmten Schüttelfilmen Eindruck hinterlassen dürfte. Im Rahmen des Found-Footage-Genres gehört dieser Besessenheits-Spuk zu den besseren Vertretern jener Gattung Filme. Zumal es einige gut platzierte Schreckmomente schaffen, den Puls mutiger Filmfreunde nach oben zu treiben. Zusammen mit den gelungenen Spezialeffekten garantiert THE ATTICUS INSTITUTE auf jeden Fall kurzweilige Mystery-Unterhaltung von der man dennoch nichts Großes erwarten sollte.
 
 
 


 
 
 

THE ATTICUS INSTITUTE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Unheimliche Schocktherapie, die den Puls des Zuschauers nach oben treiben wird. In THE ATTICUS INSTITUTE sind dämonische Kräfte am Werk, die dem Mensch mal wieder klar machen wollen, dass man das Tor zur dunklen Seite besser verschlossen halten sollte. Regisseur CHRIS SPARLING kombiniert Exorzismus-, Dämonen- sowie Found-Footage-Genre und macht daraus eine finstere Geschichte im Mockumentary-Stil, die sich am derzeit immer noch beliebten Paranormal-Trend orientiert. Das anfänglich subtile Gruselkino verwandelt sich recht zügig zum schreckintensiven Besessenheits-Thriller, der leider im späteren Verlauf eine ziemlich absurde Metamorphose durchlebt. Immerhin beweist SPARLING ein gutes Gespür für treffende Schockmomente. Trotz Vorhersehbarkeit sitzen die sicher und machen THE ATTICUS INSTITUTE zur Mutprobe unter zartbesaiteten Gemütern. Abschließend bleibt zu erwähnen, dass man sich gegen nervige Found-Footage-Klischees entschieden hat, die man vermutlich von pseudodokumentarischen Horrorflicks erwartet. THE ATTICUS INSTITUTE schaut mehr nach Film aus, weil man bewusst auf Kameraausfälle, Wackelattacken und Bildstörungen verzichtet hat. Für den als Dokumentation getarnten Mystery-Grusler eine Bereicherung, können so auch Gegner mittlerweile nicht mehr ganz so beliebter Schüttelfilme endlich mal wieder in den Genuss gut getrickster Horrorware kommen.
 
 
 


 
 
 

THE ATTICUS INSTITUTE – Zensur

 
 
 
THE ATTICUS INSTITUTE ist typischer Mystery-Horror ohne großes Blutvergießen. Zu sehen gibt es nicht viel Gewalttätiges. Die vermutlich blutigste Szene ist die, in der die Besessene allein mit ihrer Gedankenkraft das Herz eines aufgeschnittenen Frosches zerfetzt. Ansonsten ist der Horror hier hauptsächlich subtiler Natur. Eine FSK16 dürfte genügen.
 
 
 


 
 
 

THE ATTICUS INSTITUTE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Taking of Deborah Logan (2014)
 
The Dyatlov Pass Incident (2013)
 
The Vatican Exorcisms (2013)
 
The Bay (2012)
 
The Dinosaur Project (2012)


Filmkritik: “Haunting of Cellblock 11″ (2014)

haunting-of-cellblock-11-2014
 
 
 

HAUNTING OF CELLBLOCK 11

Story

 
 
 
Das Filmteam einer Reality-Show reist zu einem verlassenen Gefängnis, um dort paranormalen Erscheinungen auf den Grund gehen zu können. Die lassen nicht lang auf sich warten, denn die Geister der hier Inhaftierten bemächtigen sich den Crew-Mitgliedern und haben nur einem Ziel: Rache.

 
 
 


 
 
 

HAUNTING OF CELLBLOCK 11 – Kritik

 
 
 
Kommt ein Horrorfilm gut beim Publikum an, kann man davon ausgehen, dass entweder eine Fortsetzung oder zig ähnlich gestrickte Plagiate folgen werden, die sich quasi der gleichen Gewinnformel bedienen, um beim Zuschauer landen zu können. HAUNTING OF CELLBLOCK 11 ist so ein Machwerk, bei dem der Zuschauer das Gefühl nicht loswerden möchte, gleichen Film bereits dutzende Male gesehen zu haben. Kein Wunder, Regisseur ANDREW P. JONES hat sich für seinen billig gewerkelten Geisterfilm scheinbar ziemlich einfallslos von der Found-Footage-Hatz GRAVE ENCOUNTERS inspirieren lassen, die im Jahr 2011 ein Überraschungshit war und seither unzählige Hobby-Geisterjäger in beachtlicher Regelmäßigkeit durch verlassene Krankenhäuser, Psychiatrien und Gefängnisse irren lässt, um paranormale Aktivitäten auf Film bannen zu können. Leider hatte JONES keine Muße, um sich selbst Gedanken über einen spannenden Plot zu machen, so dass er ganz einfältig besagte Gruselware kopiert und daraus einen vollkommen überflüssigen Film inszeniert hat, auf den die Filmwelt eigentlich verzichten kann. Ähnlich wie in GRAVE ENCOUNTERS steht auch in HAUNTING OF CELLBLOCK 11 (der übrigens anfänglich APPARITIONAL heißen sollte) ein Filmteam im Mittelpunkt, das stets auf der Suche nach paranormalen Ereignissen ist, um daraus eine Folge der beliebten Reality-Show “Ghost Sightings” machen zu können. Leider waren die zuletzt untersuchten Fälle nicht sonderlich spektakulär, was Produzentin Ms. Simon (Ein Wiedersehen mit Altstar DEE WALLACE) Sorgen bereitet. Sie trommelt die Crew zusammen und fordert bessere Recherchen, damit die Zuschauer der Serie reißerische Geschichten zu sehen bekommen und die Sendung nicht abgesetzt werden muss. Als ob der Zufall es wolle meldet sich sofort ein älterer Herr, der das Filmteam zu einem verlassenen Gefängnis führt, in dem es nicht mit rechten Dingen zugeht. Bevor das Gebäude geschlossen wurde, soll hier ein Arzt grausame Experimente an Inhaftierten durchgeführt haben, um deren Psyche zu heilen. Legenden, die sich bald als wahr herausstellen, denn es dauert nicht lang bis das Team auf die rastlosen Seelen jener stößt, die durch die Hand eines skrupellosen Arztes ihr Leben lassen mussten. Was folgt, ist wenig einfallsreich. Die Geister bemächtigen sich der Körper der unwissenden Geisterjäger und wollen nur eins: ihren Peiniger ausfindig machen und sich an ihm rächen.
 
Alles bleibt so wie es ist. HAUNTING OF CELLBLOCK 11 ist ein Low-Budget-Grusler ohne nennenswerte Höhepunkte, der aber immerhin vom lästigen Found-Footage-Stilmittel Abstand hält, das seit PARANORMAL ACTIVITY vor allem in Geisterfilmen immer wieder Verwendung findet. Das ist aber auch der einzig Positive, was der Gefängnis-Spuk zu bieten hat, denn im Grunde genommen klappert JONES all jene Etappen gängiger Gruselware ab, die der Zuschauer in jedem aktuellen Geisterfilm zu sehen bekommt. Ob finsteres Gebäude mit dunklen Gängen, modernes Equipment, um Spuk orten zu können oder bedenkliche Warnungen verängstigter Einheimischer, die das Filmteam vor drohendem Unheil bewahren möchten; HAUNTING OF CELLBLOCK 11 ist derart vorhersehbar, dass schnell die Lust am Gruseln vergeht, weil sich die Geschehnisse nach Schema F abspielen und schlichtweg kreative Gedankenblitze fehlen. Derart Ideenarmut stößt bitter auf und wirft die Frage in den Raum, warum Filmemacher eigentlich immer wieder gleiche Geschichten auf Film bannen müssen, deren Verläufe sich bereits nach Sichtung des Trailers erahnen lassen. Auch hier dürfte ein lukrativer Umsatz die Antwort liefern, schließlich entstehen derart unbrauchbare Streifen nicht aus Liebe zum Horrorfilm. Wäre das der Fall, hätte Regisseur ANDREW P. JONES vermutlich bedeutend mehr Herzblut investiert und einen halbwegs vernünftigen Grusler abgeliefert. Demzufolge sei an dieser Stelle all jenen Horrorfans vom Blindkauf abzuraten, die sich von HAUNTING OF CELLBLOCK 11 einen unheimlichen Gruselabend versprechen, schließlich regiert in diesem Schauerstreifen schlicht und einfach die nur eins: die Langeweile.
 
 
 


 
 
 

HAUNTING OF CELLBLOCK 11 – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
“A wie austauschbar” und “B wie billig”. In HAUNTING OF CELLBLOCK 11 mangelt es an allem. Ob ausreichend Budget, gute Ideen oder neue Geschichten – dieser Film macht dem Low-Budget-Sektor alle Ehre und raubt dem Zuschauer vor allem eins: die Geduld. Regisseur ANDREW P. JONES hat mit seinem Geisterfilm ein weiteres Plagiat des erfolgreichen GRAVE ENCOUNTERS fabriziert nur mit dem Unterschied, dass man zur Abwechslung Abstand vom allmählich überdrüssigen Found-Footage-Filmstil nimmt. Das ist dann aber auch die einzige Neuerung, die HAUNTING OF CELLBLOCK 11 zu bieten hat. Ansonsten verläuft dieser ideenlose Einheitsbrei nach der gängigen Zutatenliste für Geister-Horror. Wer sich daran schon sattgesehen hat, dürfte sich schnell gelangweilt fühlen, weil dieser austauschbare Gefängnisspuk nichts zu bieten hat, was man nicht schon in gefühlt Tausenden dieser angeblich gruseligen Machwerke gesehen hat. Wir von FILMCHECKER meinen: verschwendete Zeit!
 
 
 


 
 
 

HAUNTING OF CELLBLOCK 11 – Zensur

 
 
 
HAUNTING OF CELLBLOCK 11 ist ein typischer Vertreter der Gattung subtiler Geister-Horror. Demzufolge gibt es hier kaum schaufreudige Gewaltakte zu sehen. Ein Mann jagt sich eine Gewehrkugel in den Kopf. Ein anderer Hauptdarsteller tötet sich selbst und springt von einem Geländer hinab in die Tiefe. Wo kaum Gewalt stattfindet, darf meist mit einer FSK16 gerechnet werden.
 
 
 


 
 
 

HAUNTING OF CELLBLOCK 11 – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Grave Encounters (2011)
 
Grave Encounters 2 (2012)
 
Hollows Grove (2014)
 
SX TAPE (2013)
 
House of Dust (2013)
 


Filmkritk: “Lemon Tree Passage” (2013)

Lemon-Tree-Passage-2013
 
 
 

LEMON TREE PASSAGE

Story

 
 
 
Einige Mittzwanziger gehen in Australien auf Geisterjagd. Auf der “Lemon Tree Passage Road” im Osten des Kontinents wollen sie einer urbanen Legende auf den Grund gehen und machen dabei Bekanntschaft mit dem Sensenmann.

 
 
 


 
 
 

LEMON TREE PASSAGE – Kritik

 
 
 
Urbane Legenden sind für viele Regisseure immer wieder ein gefundenes Fressen, um daraus lukrative Horrorfilmen machen zu können. Schließlich giert man in einer Zeit permanenter Ideenarmut nach jedem halbwegs vernünftigen Gedankenblitz, damit dieser zu Geld gemacht werden kann. Neben bekannten Legenden, wie die der “Bloody Mary” oder dem “Unbekannten Anrufer” (natürlich beide von Hollywood bereits verfilmt) tauchen immer wieder neue, moderne Mythen auf, die sich Dank des Internets zügig verbreiten und Stoff für gruselige Horrorfilme liefern. Auch DAVID CAMPBELL hat sich für seinen LEMON TREE PASSAGE von einer dieser neumodischen Sagen inspirieren lassen, die seit geraumer Zeit durch die sozialen Netzwerke spukt. Hierzulande ist sie jedoch kaum jemanden ein Begriff. In Australien dagegen hat sich die Legende von der LEMON TREE PASSAGE unter Jugendlichen zu einer beliebten, aber auch äußerst gefährlichen Mutprobe entwickelt. Glaubt man den Erzählungen, spukt es auf der “Lemon Tree Passage Road” zwischen Newcastle und Sydney gewaltig. Laut Aussage der örtlichen Polizei wird in der Gegend allgemein behauptet, dass ein weißes Licht im Rückspiegel erscheint, wenn man dort eine Geschwindigkeit von mehr als 180 km/h erreicht. Grund hierfür soll angeblich ein verunglückter Motorradfahrer sein, der auf genau jener Straße sein Leben lassen musste und nun versucht Rasern gleiches Schicksal zu ersparen, in dem er sie mit einem Lichtsignal warnt. Mittlerweile hat sich die Legende zu einem ernstzunehmenden Problem für die ansässige Polizei entwickelt, da immer wieder unerfahrene Jugendliche den Nervenkitzel suchen und mit überhöhtem Tempo über die Straßen fegen, um den angeblichen Geist heraufzubeschwören und dessen Erscheinen auf Film zu bannen zu können. Viele der jungen Fahrer unterschätzen jedoch die Gefahr, was die Polizei immer wieder vor ungeahnte Herausforderungen stellt, schließlich wird durch die rücksichtslose Raserei nicht nur das eigene, sondern auch das Leben anderer Verkehrsteilnehmer unnötig in Gefahr gebracht.
 
Nachwuchsregisseur DAVID CAMPBELL ist noch unerfahren im Filmemachen und hat mit LEMON TREE PASSAGE seinen ersten Langfilm inszeniert, der den Vergleich zu Mainstream-Produktionen mit ähnlichem Thema (u.a. DÜSTERE LEGENDEN) nicht scheuen braucht. Für Indie-Verhältnisse schaut sein Debüt nämlich ganz ordentlich aus, was kaum erahnen lässt, dass CAMPBELL bisher nur wenig Regie-Erfahrung sammeln konnte. Viel mit dem eigentlichen (Internet)Mythos der LEMON TREE PASSAGE hat sein erster Spielfilm jedoch nicht gemein, denn CAMPBELL nutzt die moderne Legende nur als Aufhänger um darum eine Geschichte über Rache und Vergeltung zu weben. Im Mittelpunkt stehen die amerikanischen Rucksacktouristen Maya, Toby und Amelia, die am australischen Strand einige adrette Australier kennenlernen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Die erzählen den Durchreisenden von genau jener urbanen Legende, die seit einigen Jahren an der Ostküste Australiens die Runde macht. Selbstverständlich lässt man es sich nicht nehmen den mysteriösen Gegebenheiten auf den Grund zu gehen, steigt ins Auto und gibt Gas. Umso größer die Überraschung als tatsächlich ein unheimlicher Lichtkegel erscheint, der den Fahrenden vor drohender Gefahr warnen möchte. Leider nehmen die sechs Mittzwanziger die Warnungen nicht ernst, so dass wenig später einer nach dem anderen auf grausame Weise sein Leben lassen muss. Doch wer steckt hinter den schrecklichen Morden? Ist hier der Geist des verunglückten Motorradfahrers am Werk oder wird der verursachte Schrecken durch menschliche Hand verursacht?
 
Mystery-Horror vom Feinsten: Macher DAVID CAMPBELL scheint reichlich Gruselfutter mit unerwarteten Wendungen studiert zu haben, denn LEMON TREE PASSAGE ist einer dieser Horror-Flicks, der mal wieder mit obligatorischem Twist aufwartet, der nun mal heutzutage zum Horrorfilm gehört, wie das Salz in die Suppe. CAMPBELL streut reichlich falsche Fährten, um den Zuschauer vorerst im Glauben zu lassen, dass hier der rachsüchtige Geist eines wütenden Motorradfahrers sein Unwesen treibt. Letztendlich wird der Horrorfan aber eines Besseren belehrt, schließlich wäre eine solche triviale Auflösung vermutlich auch etwas zu unspektakulär gewesen, um Horror-Fans vor der Glotze begeistern zu können. Die Protagonisten müssen sich einer weitaus unberechenbareren Bedrohung stellen, die es am Ende zu besiegen gilt, was aber nicht ganz einfach ist, weil das Böse in LEMON TREE PASSAGE nicht irdischer Natur ist und nach Vergeltung dürstet.
 
Letztendlich überrascht jedoch, wie gut der finstere und ansprechend inszenierte Mix aus Besessenheits-, Spuk- und Rachefilm funktioniert, auch wenn zu Beginn mal wieder davon berichtet wird, dass die Geschehnisse im Film von wahren Begebenheiten inspiriert wurden. Das ist natürlich vollkommener Quatsch und schürt nur falsche Erwartungen, weil die Legende von der LEMON TREE PASSAGE schlichtweg dem Aberglauben zuzuordnen ist. Immerhin dürfte sich der Echtheits-Slogan auf dem Poster verkaufsfördernd auswirken. Einige verwackelte Amateur-Aufnahmen auf Youtube von vermeintlichen Geisterlichtern auf der “Lemon Tree Passage Road” dürften zudem ihr Übriges dazu beitragen, dass der Film auch hierzulande unter Gruselfans auf großes Interesse stoßen wird.
 
 
 


 
 
 

LEMON TREE PASSAGE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Garantiert kein Film für Angsthasen: Souverän inszeniertes Gruselkino mit hervorragender Schaueratmosphäre und unerwarteter Wendung. Regieneuling DAVID CAMPBELL greift mit seinem Debütwerk eine moderne Legende auf, die seit einigen Jahren an Australiens Ostküste die Runde macht und nutzt sie als Grundlage, um daraus einen Gruselstreifen über Rache und Vergeltung zu machen. Der Zuschauer wird hier abermals auf falsche Fährten gelockt, damit die Spannungsschraube konstant fester gedreht werden kann. Die Auflösung ist letztendlich nicht sonderlich innovativ, macht den Streifen aber dadurch nicht schlechter. Mystery- und Gruselfans kommen hier definitiv auf ihre Kosten, denn für ein Erstlingswerk wurde LEMON TREE PASSAGE handwerklich beachtlich umgesetzt, was neugierig auf das machen wird, was CAMPBELL in Zukunft inszenieren wird.
 
 
 


 
 
 

LEMON TREE PASSAGE – Zensur

 
 
 
LEMON TREE PASSAGE ist ein subtiler Geisterfilm, in dem kaum reißerische Gewaltakte gezeigt werden. Ein Protagonist jagt sich einer Gewehrkugel in den Kopf, ein anderer nimmt sich mit Auspuffabgasen das Leben. Zudem wird eine Heldin von einem heranfahrenden Auto zerquetscht und einen Selbstmord durch Erhängen gibt es auch zu sehen. Das reicht alles für eine ungeschnittene FSK16.
 
 
 


 
 
 

LEMON TREE PASSAGE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
House of Dust (2013)
 
Still 2 (2014)

Zimmer 205 – Traust du dich rein? (2011)

 
Grave Halloween (2013)


Filmkritik: “Hollows Grove” (2014)

hollows-grove-2014
 
 
 

HOLLOWS GROVE

Story

 
 
 
Die Crew einer Reality-TV-Show macht in einem verlassenen Waisenhaus Jagd auf Geister, die über den unangemeldeten Besuch jedoch gar nicht erfreut sind und die unwillkommenen Gäste mit dem Tod bestrafen …

 
 
 


 
 
 

HOLLOWS GROVE – Kritik

 
 
 
So langsam glaubt jeder semiprofessionelle Filmemacher Horrorabfall drehen zu müssen, der sich der nicht mehr der ganz so frischen Found-Footage-Machart bedient. Zwar ist die Umsetzung solcher Filme immer noch finanziell lukrativ, weil wenig Produktionsbudget benötigt wird, um sie drehen zu können. Dennoch bringen es nur noch wenige von ihnen zum Erfolg, weil es schlichtweg zu viele von ihnen gibt, die sich dazu auch noch kaum voneinander unterscheiden. Mit schnell heruntergekurbelten Found-Footage-Gruslern den Fuß ins Horrorgeschäft zu bekommen ist schwer geworden, denn mittlerweile haben sich Filmfans am auf authentisch getrimmten Wackel-Wahn sattgesehen und winken nicht selten ab, wenn von neuen Schüttel-Schockern die Rede ist. Der Grund hierfür ist in der offensichtlichen Ideenarmut zu suchen, schließlich haben die immer gleichen Handlungsverläufe, Schreckmomente und Stilmittel dazu beigetragen, dass das einst durch BLAIR WITCH PROJECT gefeierte Sub-Genre nur noch eins verbreitet: Kopfschmerzen und Langeweile.
 
Auch wenn im Grunde genommen niemand mehr Found-Footage-Filme sehen will, scheint es da draußen trotzdem noch Regisseure zu geben, die noch nicht davon Wind bekommen haben, dass der Schüttelfilm-Zug längst ohne sie abgefahren ist. Einer derer ist CRAIG EFROS. Der Regie-Newcomer hat mit seinem HOLLOWS GROVE einen dieser überflüssigen Nachzügler gedreht, der dem schlechten Ruf jener totgedrehten Filmgattung gerecht wird. Neues sucht man nämlich in seinem Filmdebüt vergebens. Stattdessen vereint er wahllos all jene Stilmittel und Filmelemente in einem Streifen, die aus dem Found-Footage-Genre das gemacht haben, was es heute ist: eine cineastische Plage, die man partout nicht mehr loswird.
 
HOLLOWS GROVE ist ein einfältiges GRAVE ENCOUNTERS-Plagiat, in dem einige Hobby-Geisterjäger ein verlassenes Waisenhaus für ihre Reality-Show auf paranormale Aktivitäten untersuchen. Mit an Bord der Dokumentarfilmer Harold (MATTHEW CAREY), der die Dreharbeiten einer Folge der beliebten TV-Serie begleiten möchte, um darüber eine eigene Dokumentation drehen zu können. Selbstverständlich ranken düstere Legenden um das Gebäude, die vom mysteriösen Selbstmord zweier Krankenschwestern berichten und einem kleinen Mädchen, dass eine Leidenschaft für das Durchschneiden von Kehlen besaß. Anfänglich noch guter Dinge und zu pubertären Späßen aufgelegt, beginnt die Gruppe das verlassene Anwesen nach Geistern abzugrasen und finden die Erkundungstour plötzlich gar nicht mehr lustig, als eine Katze kopfüber gegen die Wand geschleudert wird und verendet. Was folgt ist wenig originell. Da rütteln Kochtöpfe in der Küche, spielen Plattenspieler ohne Strom und bewegen sich Dreiräder wie von Geisterhand durch lange Hausflure. Unartige Geistergören sind in HOLLOWS GROVE am Schaffen und möchten garantiert nicht nur spielen.
 
80 Minuten Film können lang sein, vor allem dann, wenn man das Gezeigte schon unzählige Male gesehen hat. HOLLOWS GROVE erzählt die gleiche Geschichte, die in Found-Footage-Werken immer wieder über Bildschirm und Leinwand flimmert sobald rastlose Geister ihr Unwesen treiben. Die einzige Neuerung besteht diesmal darin, dass die Kulisse ausgetauscht wurde, damit dem Zuschauer etwas Abwechslung geboten wird. Ansonsten bleibt alles beim Alten und die wenigen Protagonisten arbeiten sich Schritt für Schritt von Zimmer zu Zimmer nur um Ende feststellen zu müssen, dass die hier festsitzenden Seelen den unangemeldeten Besuch so schnell wie möglich loswerden wollen. Sobald der erste Tote zu beklagen ist, gerät auch die Kameraführung aus dem Ruder und der rote Faden (insofern es bis dahin überhaupt einen gegeben hat) verliert sich im hektischen Geschrei der noch lebenden Helden. Die sehen plötzlich die Hand nicht mehr vor Augen, weil die Geisterkinder ununterbrochen das Licht an- und ausknipsen, um sich im Schutz der Dunkelheit an ihre Opfer heranschleichen zu können. Für den Zuschauer ein Geduldsspiel, lässt sich mangels schlechter Ausleuchtung und wilder Wackelei bald kaum noch Erkennen, was da eigentlich überhaupt in HOLLOWS GROVE passiert.
 
Regisseur CRAIG EFROS hat mit seinem Erstling eine vollkommen spannungsarme Horror-Gurke inszeniert, die auch kein einziges Found-Footage-Klischee auslässt. Wie eh und je wird hier unentwegt gewackelt, gelaufen, gerannt und geschrieen, damit die Nerven des Horrorfans überstrapaziert werden. Bei so überraschungsarmer Horror-Ware fragt man sich ohnehin, was Altstar LANCE HENRIKSEN (IT’S IN THE BLOOD, DAS HALLOWEEN MONSTER, ALIEN und GINGERCLOWN) dazu getrieben hat in HOLLOWS GROVE einen Nebenrolle zu übernehmen und sogar noch den Allerwertesten in die Kamera zu strecken. Wir werden es vermutlich nie erfahren.
 
 
 


 
 
 

HOLLOWS GROVE – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Schockintensive Geisterjagd vor gespenstiger Kulisse. Unerwartete Schreckmomente sind aber auch das einzige, was HOLLOWS GROVE überhaupt nennenswert macht. Regisseur CRAIG EFROS hat mit seinem Schauerdebüt einen der langweiligsten Vertreter Gattung “Found-Footage” gedreht, der erst in den letzten zehn Minuten aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Bis dahin gibt es schläfrigen Budenzauber von der Stange, der mal wieder von den gleichen Spukklischees Gebrauch macht, die man in nahezu jedem Gruselfilm zu sehen bekommt. Da bewegen sich Gegenstände von Geisterhand und unangenehme Gerüche deuten darauf hin, dass in HOLLOWS GROVE irgendwas nicht so läuft, wie man es sich gern gewünscht hätte. Der Überraschungserfolg GRAVE ENCOUNTERS hat wahrscheinlich mächtig Eindruck hinterlassen, denn im Grunde genommen ist EFROS Spielfilmdebüt nichts anderes als die langweiligere Light-Variante besagter Geisterhatz aus dem Jahre 2011. Auch hier erkundet eine TV-Crew ein unheimliches Gebäude mit mysteriöser Vergangenheit und wird am Ende für die ungefragte Schnüffelei mit dem Tode bestraft. Von den Qualitäten eines GRAVE ENCOUNTERS und dessen Fortsetzung ist HOLLOWS GROVE dennoch Lichtjahre entfernt, dazu fehlen dem Streifen einfach die guten Ideen, um aus der Masse an vielen unbrauchbaren Found-Footage-Streifen hervorstechen zu können. Dennoch: Wer immer noch nicht die Nase voll hat, sich die ständig gleichen Filme mit dem allmählich nervenden Schüttel-Gimmik anzuschauen, dürfte auch HOLLOWS GROVE auf seine Filmliste setzen. Wir meinen jedoch, dass dieser Film dahin gehört, wo er wohl am besten aufgehoben wäre: in der Mülltonne.
 
 
 


 
 
 

HOLLOWS GROVE – Zensur

 
 
 
In HOLLOWS GRAVE werden Protagonisten aus Fenstern geschleudert, Kehlen durchgeschnitten und Helden bei lebendigem Leibe verbrannt. Man darf von einer ungeschnittenen FSK 16 ausgehen, denn sonderlich brutal anzuschauen ist das hier Gezeigte nicht.
 
 
 


 
 
 

HOLLOWS GROVE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Raised by Wolves (2014)

The Possession of Michael King (2014)

 
Grave Encounter 2 (2012)
 
SX Tape (2013)
 
Grave Encounters (2011)
 
Paranormal Activity (2007)
 


Filmkritik: “The Houses October Built” (2014)

the-houses-october-built-2014
 
 
 

THE HOUSES OCTOBER BUILT

Story

 
 
 
Die fünf Freunde Bobby (Bobby Roe), Zack (Zack Andrews), Jeff (Jeff Larson), Brandy (Brandy Schaefer) und Mikey (Mikey Roe) beschließen eine Rundreise durch die Staaten zu machen, um die gruseligsten Horror-Attraktionen zu finden, die alljährlich im Oktober Hochkonjunktur haben. Doch die Reise wird bald zum Horrortrip, denn unter den Betreibern amerikanischer Geisterbahnen befinden sich auch einige Zeitgenossen, denen das Erschrecken ahnungsloser Besucher allein nicht mehr ausreicht …

 
 
 


 
 
 

THE HOUSES OCTOBER BUILT – Kritik

 
 
 
Es grenzt fast schon an Ironie, dass aus wirklich jeder halbwegs vernünftigen Idee – und sei sie auch noch so absurd – ein Horrorfilm gemacht werden muss. Diesmal sind es Geisterbahnen in Amerika, die für Gruselunterhaltung herhalten müssen. Die von Privatleuten betriebenen Spukhäuser erfreuen sich dort vor allem während der Halloween-Zeit großer Beliebtheit, weil sie oft ziemlich professionell aufgezogen werden und nur ein Ziel verfolgen: viel Geld mit dem Erschrecken anderer Leute verdienen. Der Horror-Thriller THE HOUSES OCTOBER BUILT nimmt sich diesem typisch amerikanischen Grusel-Phänomen an. Dem folgen alljährlich Millionen Mutige in den Staaten, die in den zu Horrorkabinetten umgebauten Scheunen und Fabrikhallen den ultimativen Adrenalinkick suchen. Allmählich reichen jedoch wandelnde Skelette und lautes Kettengerassel nicht mehr aus, um Besucher zu Tode zu ängstigen. Wie im Horrorfilm des 21. Jahrhunderts gängig, macht man mittlerweile auch im wahren Leben von reißerischen Erschreckmethoden Gebrauch und lässt Motorsägen schwingende Irre und foltergeile Psychopathen auf nichtsahnende Gäste los.
 
Hinter dem Filmprojekt steckt BOBBY ROE, der scheinbar eine Schwäche für diese beliebten Gänsehaut-Attraktionen besitzt und hier eine als Dokumentarfilm getarnte Horrorfilmgurke unter die Leute bringt. Zuschauer, die sich im Genre etwas auskennen, dürften vermutlich bereits ahnen was er mit THE HOUSES OCTOBER BUILT fabriziert hat, schließlich kann Horror in Verbindung mit Dokumentarstil meist nur eines bedeuten: Found-Footage. Grauenhaft geht es in diesem Grusler zugange, wobei hier aber nicht die zugrundeliegende Geschichte gemeint ist. ROES Wackeldesaster bringt nach all den unglaublichen miserablen Schüttelfilmen das Fass zum Überlaufen, denn dem Regisseur gelingt das Kunststück, dass es dem Zuschauer unmöglich gemacht wird der ohnehin kaum vorhandenen Handlung zu folgen. Selten hat man cineastische Sternstunden zu sehen bekommen in denen man das Gefühl nicht loswerden will, als würde man das Geschehen aus der Sicht eines an Parkinson erkrankter Kameramanns zu sehen bekommen. Die Kameraführung in THE HOUSES OCTOBER BUILT ist katastrophal, denn in diesem Film scheint es kaum eine Szene zu geben, in der nicht der unsäglich nervige Schüttel-Look Verwendung findet.
 
Fünf Freunde ziehen los, um das Fürchten gelehrt zu bekommen. Sie reisen von Stadt zu Stadt, um sich von den Qualitäten berüchtigter Horrorhäuser zu überzeugen, die um Halloween Hochkonjunktur feiern. Zwar wird in den privaten Schauer-Einrichtungen reichlich geschrien; den Jungs reicht das dort Gebotene jedoch nicht aus – sie wollen die härtesten, schockierendsten und furchterregendsten Geisterbahnen im Lande aufspüren. Die Suche nach Nervenkitzel erreicht bald eine sonderbare Wendung, denn auf ihrer Reise passieren plötzlich seltsame Dinge. Einige der grotesken Kreaturen besuchter Attraktionen scheinen der Gruppe zu folgen und daran interessiert zu sein, dieses Halloween für alle unvergesslich zu machen. Was folgt entwickelt sich für die Clique zum Albtraum, denn einige Schausteller jener besuchten Geisterbahnen scheint das Erschrecken von Besuchern allein nicht auszureichen. Sie wollen terrorisieren und töten, koste es was es wolle.
 
THE HOUSES OCTOBER BUILT dürfte wohl als sparsamste Schauerproduktion in die Geschichte des Horrorfilms eingehen. Regisseur BOBBY ROE hat nämlich tatsächlich existierende Horror-Attraktionen aufgesucht und die Macher gefragt, ob er deren Lokalitäten und verkleidete Mitarbeiter für seinen Found-Footage-Quatsch verwenden kann. Schenkt man ROE Glauben, waren alle Betreiber derart begeistert von diesem Projekt, dass man ohne Probleme einwilligte und als Statist teilnahm – natürlich ohne bezahlt zu werden. Gänzlich ohne Hintergedanken dürfte das Mitmachen nicht gewesen sein, schließlich hat man ganz unauffällig Werbung für die jeweiligen Attraktionen betrieben, die in Zukunft mit noch mehr Besuchern rechnen dürfen. Trotzdem, auch wenn man in THE HOUSES OCTOBER BUILT ziellos von einer Jahrmarktattraktion zu nächsten läuft, ist das Konzept hinter diesem Gruselmurks erheblich unausgegoren. Wir folgen fünf Protagonisten, die nur mit einer Kamera ausgerüstet von Geisterbahn zu Geisterbahn reisen, dort angekommen durch finstere Gänge laufen und von plötzlich auftauchenden Berufserschreckern überrascht werden. Da sprinten verkleidete Clownskiller durch Flure, geistern Kinder mit Porzellanköpfen durch dunkle Räume und ein Mann im Hasenkostüm jagt den Freunden einen furchtbaren Schrecken ein. ROE hat hier wahllos Szenen zusammenschneiden lassen, die mit einem Horrorfilm nur wenig am Hut haben. Stattdessen präsentiert er ein Best-of aller Grusel-Etappen, die man in Amerikas Horrorhäusern zu sehen bekommt. Immerhin kommt der Streifen so dem Doku-Konzept weitaus näher, als manch andere pseudo-dokumentarische Found-Footage-Produktion, die dem Zuschauer vorgaukelt echt zu sein.
 
Lohnt THE HOUSES OCTOBER BUILT denn nun gesehen zu werden? Wir meinen nein, denn auch wenn im Film des Öfteren echte Interviews mit Besuchern und Initiatoren von Horrorhäusern eingeblendet werden und viele der tatsächlich existierenden Gruselattraktionen unheimlicher ausgestattet sind, als manch fiktiver Horrorfilm, fehlt hier eine richtige Handlung, die sich ihren Weg durch den gesamten Film bahnt. Dieser wird erst kurz vor Ende Beachtung geschenkt, wenn sich der Streifen zu konfusem Terrorkino entwickelt und sich die Freunde mit einer ominösen Bande gerissener Schausteller konfrontiert sehen, die Erschrecken mit Töten verwechseln. Ob der Zuschauer nach 90 Minuten ultimativer Wackelei überhaupt noch Lust hat, dem Treiben folgen zu wollen, dürfte fraglich sein. Wir vermuten, dass die meisten Filmfans ohnehin schon nach 10 Minuten ausgeschaltet haben, schließlich dürfte THE HOUSES OCTOBER BUILT als jener Found-Footage-Film gehandelt werden, der mit der nervigsten Kameraführung den Spaß am Horror verdirbt.
 
 
 


 
 
 

THE HOUSES OCTOBER BUILT – Fazit

 
 
 4 Punkte Final
 
 
 
Die ultimative Lektion in Sachen Horror, was in THE HOUSES OCTOBER BUILT hauptsächlich auf die unerträgliche Wackelei gemünzt ist, die das Schauen dieses neuen Found-Footage-Machwerks für den Zuschauer unzumutbar macht. Regisseur BOBBY ROE (der im Film übrigens auch gleich selbst spielt) verdeutlicht in seinen konfus gedrehten Horrorfilm, welch groteske Geldschneiderei mit dem Halloween-Brauch in Amerika veranstaltet wird. Da wird nicht nur mit Partys, Kostümen und Süßigkeiten Asche gemacht; mittlerweile haben auch 2500 private Schausteller den schnellen Dollar gewittert und bauen Scheunen und Fabriken zu Horror-Häusern um, in denen sich alljährlich 30 Millionen Amerikaner gegen Geld erschrecken lassen können. Leider ist die Konkurrenz unter den Attraktionen hart, so dass man sich immer perfidere Methoden einfallen lassen muss, um die Sensationsgeilheit manch Besuchers befriedigen zu können. Schenkt man den Aussagen im Film Glauben gab es sogar schon Betreiber, die ihre Gäste mit Terrormacherei unabsichtlich in den Tod getrieben haben. Genau jene Thematik liegt THE HOUSES OCTOBER BUILT zugrunde, die aber hier weitaus unspektakulärer abgehandelt wurde, als sich die Idee dahinter liest. Statt einen packenden Horrortrip zu inszenieren, hat BOBBY ROE vielmehr einen wirren Streifen gedreht, der sich im Grunde genommen als Werbefilm für die Berüchtigsten dieser Horrorhäuser entpuppt. Eine vernünftige Handlung wird gänzlich aus den Augen verloren und scheint in THE HOUSES OCTOBER BUILT eher nur lästiges Beiwerk zu sein. Stattdessen bekommt der Zuschauer ein nicht enden wollende Abfolge loser Best-of-Momente zu sehen, die einem als Gast in den diversen Attraktionen geboten werden. Immerhin kommt THE HOUSES OCTOBER BUILT so dem allmählich nervendem Found-Footage-Filmstil näher, als manch andere Produktion gleichen Kalibers, die dem Zuschauer weismachen will, dass gebotene Gruselware absolut authentisch und wahr ist. Als Amateur-Reportage über die vielen Geisterbahnen in Amerika geht ROES Filmprojekt deshalb in Ordnung – als Horrorfilm ist THE HOUSES OCTOBER BUILT jedoch eine filmische Katastrophe. Übrigens ist das Konzept hinter diesem Film nicht gänzlich neu. Bereits im vergangenen Jahr warf man den THE BATES HAUNTING auf den internationalen Filmmarkt, der sich auch eine beliebte Gruselattraktion Amerikas zu eigen machte. Wer sich von den Qualitäten amerikanischer Horrorhäuser ein Bild machen möchte, sollte lieber zu diesem Horrorstreifen greifen, denn der ist bei Weitem besser als THE HOUSES OCTOBER BUILT.
 
 
 


 
 
 

THE HOUSES OCTOBER BUILT – Zensur

 
 
 
Auch wenn in THE HOUSES OCTOBER BUILT Kettensägen schwingende Berufserschrecker durchs Bild sausen, gibt es hier weder Gewalt noch Blut zu sehen. Am Ende bekommt der Zuschauer etwas seichten Terror geboten, der hierzulande FSK16-tauglich sein dürfte.
 
 
 


 
 
 

THE HOUSES OCTOBER BUILT – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Bates Haunting (2012)
 
Jack the Reaper – Jahrmarkt des Grauens (2011)
 
Gingerclown (2013)
 
Killer Holliday (2013)
 
Dark Ride (2006)
 
Das Kabinett des Schreckens (1981)
 


Filmkritik: “The Taking of Deborah Logan” (2014)

The-Taking-of-Deborah-Logan-2014
 
 
 

THE TAKING OF DEBORAH LOGAN

Story

 
 
 
Einige Studenten wollen eine Dokumentation über Alzheimer drehen und begleiten die daran erkrankte Deborah Logan. Leider ist die betagte Frau keine gewöhnliche Alzheimer-Patientin, wie sich bald herausstellen wird. Ihr Krankheitsverlauf scheint reichlich ungewöhnlich und den Ärzten völlig fremd zu sein …

 
 
 


 
 
 

THE TAKING OF DEBORAH LOGAN – Kritik

 
 
 
Es mag ja immer noch Horrorfans geben, die mit dem Begriff “Found-Footage” (auf Deutsch: gefundenes Filmmaterial) nichts anzufangen wissen. Dabei findet jene Filmmethodik seit einigen Jahren verstärkt im Horrorfilm Verwendung und hat mittlerweile vielen Fans den Spaß am Schauen von Genre-Filmen genommen, weil nahezu jede zweite Horror-Produktion im kostengünstigen Wackel-Look gedreht wird. Alles soll so authentisch wie möglich über Leinwand und Bildschirm flimmern, denn vorgeheuchelte Echtheit scheint viele Zuschauer immer noch mehr zu beunruhigen, als unkonventionelle und fantasiereiche Gruselgeschichten. Das haben auch große Filmstudios gewittert, die nach dem kommerziell erfolgreichen THE BLAIR WITCH PROJECT (1999) ähnliche Filme am Fließband produzierten, in denen Protagonisten nur mit einer Handkamera ausgerüstet auf Geister, Alien- und Monsterjagd gehen mussten. Unzählige dieser pseudo-authentischen Videodokumente sind so in den letzten 15 Jahren entstanden, von denen jedoch nur ganz wenige überhaupt dem Medium “Film” gerecht werden konnten, weil die meisten von ihnen einfach nur billig abgedrehte Zeiträuber gewesen waren.
 
Viel Geld verdienen mit wenig Aufwand – eine wirtschaftliche Formel, die bei ausgefuchsten Produzenten auf Interesse stößt. Seit jeher ist das Wackelfilm-Genre für schnellen Geldsegen berüchtigt, lässt sich doch mit nur wenig Budget maximaler Umsatz generieren. So entstanden bereits Filme dieser Art, die allein mittels Handy gedreht wurden (HOOKED UP aus dem Jahr 2013) und trotzdem zahlungswillige Kunden zum Kauf anregen konnten. Eine groteske und beunruhigende Tatsache, verursachen doch viele dieser Werke durch hektische Schüttel-Attacken Schwindelgefühl und Augenkrebs statt Gänsehaut. Regieneuling ADAM ROBITEL mischt jetzt auch mit auf dem Wackelfilm-Markt und sorgt mit THE TAKING OF DEBORAH LOGAN für Nachschub in jenem Sub-Genre, das sich wie ein Virus durch die gesamte Filmlandschaft frisst. Vorab sollte man jedoch wissen, dass sein Debüt zu den wenigen positiven Randerscheinungen gehört, die der Found-Footage-Markt seit Bestehen hervorgebracht hat. THE TAKING OF DEBORAH LOGAN gehört nämlich zu dieser Art Schüttelfilme, in denen das Stilmittel mit Bedacht eingesetzt und für den Zuschauer somit weniger als störend empfunden wird.
 
Der unheimliche Schauerflick erzählt von einer Gruppe Medizinstudenten, die sich für ihre Diplomarbeit etwas ganz besonderes haben einfallen lassen. Sie wollen die Auswirkung von Alzheimer in Form einer Dokumentation untersuchen und haben in der betagten Deborah Logan eine Teilnehmerin gefunden, die zusammen mit der fürsorgenden Tochter in einem rustikalen Anwesen auf dem Land lebt. Weil das Mutter-Tochter-Gespann dringend Geld benötigt, um das Gebäude unterhalten zu können, folgt ihnen fortan die Kamera auf Schritt und Tritt, um die Stadien der Krankheit auf Film festhalten zu können. Doch der Verlauf führt zu ungeahnten Komplikationen, denn die Symptome weichen deutlich vom üblichen Krankheitsverlauf ab. Alles hat den Anschein, als wäre die Rentnerin von etwas Bösem besessen, das den Körper der Greisin benutzt, um dunkle Machenschaften in die Tat umsetzen zu können. Was folgt ist nichts für schwache Nerven, den Deborah handelt plötzlich wie von Sinnen und lässt sich bei ihrem dämonischen Amoklauf von Nichts und Niemanden aufhalten.
 
Selbstverständlich wird die Alzheimer-Thematik in diesem Gänsehaut-Kino nur als Vorwand benutzt, um ein unheimliches Gruselsüppchen für Horrorfans kochen zu können, das von den gängigen Regeln der Found-Footage-Filmgattung Gebrauch macht. Schnell rückt die eigentliche Krankheit der Protagonistin in den Hintergrund und aus dem körperlichen und geistigen Verfall der Titelfigur wird ein gar gruseliges Schreckensszenario, wie man es leider viel zu selten auf der Mattscheibe zu sehen bekommt. Plötzlichen Erinnerungslücken folgen schmerzliche Selbstverstümmelungsversuche und telepathische Fähigkeiten lassen natürlich erahnen, dass Deborah Logan keine gewöhnliche Alzheimer-Betroffene ist. Die quasselt plötzlich in Sprachen, die sie nie erlernt hat und entführt eine minderjährige Krebspatientin aus dem Krankenhaus, um mit ihr durch dunkle Wälder zu hetzen und in ihrer Gegenwart seltsame Rituale durchführen zu können. Regisseur ADAM ROBITEL hält sich an die Wackelcam-Erfolgsformel und erzählt das Geschehen aus der bekannten Sicht von Hand, Überwachungs- und Handykameras. Eigentlich nicht der Rede Wert, würde nicht ein merkliches Gefühl von Unbehagen durch den gesamten Film schleichen, das aus 08/15-Found-Footage-Terror ziemlich angsteinflößenden Horrorstoff macht. Einen Großteil dessen ist der fragilen Hauptdarstellerin JILL LARSON zu verdanken, die für ihre Rolle als besessene Alzheimererkrankte an ihre Grenzen geht und dem Zuschauer das Blut in den Adern gefrieren lässt. Die schreit, windet und lechzt sich prächtig durch das Szenario und durchlebt im Verlauf des Streifens eine erschreckende Metamorphose von der gesitteten Rentnerin hin zur Marionette des Bösen.
 
Apropos Metamorphose: Macher ROBITEL dürfte von der schauspielerischen Wandlungsfähigkeit seiner Hauptdarstellerin derart fasziniert gewesen sein, dass er hin und wieder vergisst von billigen Kamera-Spielereien Gebrauch zu machen, für die das Found-Footage-Genre berüchtigt ist. Sein Spielfilmdebüt kommt fast gänzlich ohne nervende Bildstörungen, verzehrtem Kamerabild und plötzlichem Totalausfall des Filmausrüstung aus, was dem Erzählfluss durchaus förderlich ist und den Streifen mehr nach Film aussehen lässt. Das macht THE TAKING OF DEBORAH LOGAN vermutlich auch bei Gegnern jener Filmgattung interessant, die hier eine in finstere Bilder getauchte Wandlung einer hilflosen Mittsiebzigerin zu sehen bekommen, deren körperliche Veränderung von sehenswerten Make-up-Künsten begleitet wird.
 
Leider vermasselt das etwas wirre und hastig gedrehte Finale den positiven Gesamteindruck. Das verliert sich nämlich mal wieder im regelrechten Schüttelrausch, was ein Folgen des Geschehen unmöglich macht. Da wird planlos durch die Dunkelheit geflitzt und der Zuschauer bekommt eine Aneinanderreihung plumper Schreckeffekte geboten, die den zuvor stetig steigenden Gruselfaktor im Nu zunichte machen – absolut bedauerlich.
 
 
 


 
 
 

THE TAKING OF DEBORAH LOGAN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Kein Film, den man sich allein im Dunkeln anschauen sollte. Auch unter Found-Footage-Streifen mag es hin und wieder Filme geben, denen es trotz der bekannten Wackel-Klischees gelingt Angst einzujagen. Mit seinem Spielfilmdebüt hat ADAM ROBITEL einen sehenswerten Beitrag der Gattung “pseudodokumentarisches Found-Footage” abgeliefert, der bei Weitem besser ist, als der Ruf des allmählich nicht mehr ganz so beliebten Schüttel-Genres. Atmosphäre und wohldosierter Schauer sind die Geheimzutaten dieses Horrorfilms, denn ROBITEL gelingt es eine merklich unangenehme Stimmung entstehen zu lassen, die sich fast bis zum Ende durch den Film zieht. THE TAKING OF DEBORAH LOGAN ist einer jener Streifen, der nicht gleich mit der Tür ins Haus fällt und den Zuschauer lange im Unklaren darüber lässt, welche Richtung er letztendlich einschlagen wird. Das Unheil wird langsam heraufbeschworen, was vor allem durch die erwähnenswerte Schauspieldarbietung von JILL LARSON gelingt, die im Film eine alte Dame verkörpert und eine beunruhigende Wandlung durchlebt. Die kommt schleichend und treiben die Spannung voran, schließlich will der Zuschauer wissen, was es mit dem merkwürdigen Verhalten der fragilen Alten auf sich hat. Dass Macher ROBITEL vom berüchtigten Wackel-Chaos fast gänzlich die Finger lässt und die Handlung mit “ruhiger” Kamera einfängt, erntet Pluspunkte. So kann sich der Zuschauer auf ein stimmiges, verstörendes und beunruhigendes Gänsehaut-Erlebnis freuen, das wieder Lust auf mehr Found-Footage-Horror macht.
 
 
 


 
 
 

THE TAKING OF DEBORAH LOGAN – Zensur

 
 
 
THE TAKING OF DEBORAH LOGAN ist eher subtiler Found-Footage, der sich in Sachen Gewalt an der beliebten PARANORMAL ACTIVITY-Reihe orientiert. Viel Gemetzel gibt es demnach nicht zu sehen, wobei der körperliche Verfall der Hauptdarstellerin wohl immer noch das Härteste ist, was der Film zu bieten hat. Demzufolge wird THE TAKING OF DEBORAH LOGAN in Deutschland bereits für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben werden.
 
 
 


 
 
 

THE TAKING OF DEBORAH LOGAN – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Raised by Wolves (2014)
 

The Possession of Michael King (2014)

 


Filmkritk: “The Canal” (2014)

The-Canal-2014
 
 
 

THE CANAL

DU KANNST DEM BÖSEN NICHT ENTKOMMEN

Story

 
 
 
David hat eigentlich alles zum Glücklichsein: eine liebende Frau, einen aufgeweckten Jungen und einen erfüllten Job. Letzterer stellt das geregelte Leben auf den Kopf, denn durch die Arbeit als Film-Archivar kommt ihm eine Filmrolle in die Hände, auf der er Unfassbares zu sehen bekommt ….

 
 
 


 
 
 

THE CANAL – Kritik

 
 
 
Vergilbte Foto-Dokumente und Bewegtaufnahmen, die aus den Anfangszeiten des Films stammen haben ihren ganz eigenen nostalgischen Charme, der im Horrorfilm neuerdings immer dann Verwendung findet, wenn es möglichst gruselig werden soll. Zuletzt hat die Kombination aus längst nicht mehr gebräuchlichem Schmalfilm und Hollywoods makellosem Digitallook im Horror-Hit SINISTER funktioniert, der für lange Schlangen an Kinokassen und bei Zuschauern für Angstschweiß gesorgt hat. Der dramenerprobte IVAN KAVANAGH versucht sich jetzt an ähnlicher Mixtur. Auch er macht in seinem Film THE CANAL von abgegriffenen Fotos und veraltetem Filmmaterial Gebrauch, damit er dem Zuschauer mit einer atmosphärischen Geisterjagd gut dosierte Gänsehaut-Attacken bescheren kann.
 
In Kavanaghs THE CANAL gerät der Film-Archivar David (RUPER EVANS) in einen Strudel seltsamer Vorkommnisse, die mit einer alten Filmrolle aus dem Jahre 1902 beginnen, auf der er eine erschreckende Entdeckung macht. In dem darin enthaltenem Tatortfilm der Polizei erkennt er jenes Gebäude wieder, das er mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn vor einigen Jahren bezogen hat. Eigentlich nicht der Rede wert, hätte darin nicht ein Mann seine Frau ermordet und die Leiche im Kanal nebenan beseitigt. Was folgt überrascht wenig, denn auch Davids Frau verschwindet nach einem Schäferstündchen mit dem geheimen Liebhaber spurlos und wird einige Tage später aus dem gleichen Gewässer gefischt. Für den sorgenden Ehemann ein herber Schicksalsschlag für den er eine unheimliche Präsenz verantwortlich macht, die ihn seit geraumer Zeit verfolgt. Handelt es sich hier um den Geist eines unberechenbaren Mörders oder entspringen die seltsamen Vorkommnisse vielleicht doch nur allein der Phantasie eines scheinbar gestörten Mannes?
 
Schattenhafte Gestalten, langsame Kamerafahrten, verstörende Schnitte und morbide Atmosphäre – auch Irland hat den Geisterzug gewittert, springt auf und versucht sich im atmosphärischen Gruseln. Entstanden ist ein verzwicktes Verwirrspiel, das den Zuschauer lang in Unklaren darüber lässt, wer oder was für den Tod der geliebten Ehegattin verantwortlich gemacht wird. RUPERT EVENS spielt in THE CANAL einen von Verlustängsten geplagten Familienvater, der an seinen Ängsten zu zerbrechen droht. Erst zwingt ihm sein Misstrauen dazu Gattin Alice nachzustellen; später versucht er fast schon paranoisch nach den Ursachen für deren Ableben zu forschen und scheint dabei allmählich den Bezug zur Realität zu verlieren. Was ist Fiktion, was ist Realität? Ist hier wirklich ein Geist am Werkeln oder hat David die schreckliche Tat am Ende doch selbst begangen? Regisseur IVAN KAVANAGH versteht es den Zuschauer an der langen Leine zu halten, auch wenn der Filmemacher des Öfteren so seine Probleme damit hat, die Auflösung des Geschehens geheim zu halten. Erfahrene Horrorfans werden leider ziemlich früh die Fährte wittern, was den Streifen dadurch jedoch nicht schlechter macht. Immer wieder wird der Zuschauer Zeuge seltsamer Zwischensequenzen, in denen Held David in eine düstere Welt transferiert wird, wo er Dinge erlebt, die er nicht erklären kann. Das verwirrt bald nicht nur den gebeutelten Filmcharakter; auch der Freund schauderhafter Filmware erkennt bald nicht mehr die Grenzen zwischen Realität und Hirngespinst, die gegen Ende nahtlos ineinander überlaufen.
 
Macher und Drehbuchautor IVAN KAVANAGH legt Wert auf Gänsehaut mit Stil, denn THE CANAL gefällt vor allem wegen der unkonventionellen Optik. Immer wieder streut er surreale Farbspielereien in die verzwickte Handlung, die nicht selten an Streifen des italienischen Giallo-Mitbegründers DARIO ARGENTO erinnern. Da werden Szenen in allarmierendes Rot getaucht und in einer heruntergekommenen Toilette erlebt David den ultimativen Farben-Flash. Für sein visuelles Gespür unheilvoller Bilder kann man KAVANAGH nur loben, denn die sind zweifelsohne die Quintessenz dieses sehenswerten Gruselstücks aus dem europäischen Nordens. Da kann man nur hoffen, dass Hollywood nicht auf den Trichter kommt und sich die Remake-Rechte unter den Nagel reißt. Verwundern würde ein auf Hochglanz polierter Mainstreamstreifen aus Übersee niemanden, schließlich leitet die amerikanische Filmindustrie seit einigen Jahren unter chronischen Ideenmangel.
 
 
 


 
 
 

THE CANAL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Gänsehautgarantie mit Anspruch. Regisseur IVAN KAVANAGH konnte noch nicht viele Erfahrungen im Horror-Genre sammeln, denn bisher hat er sich vornehmlich im Dramensektor ausgetobt. Da verwundert es wohl auch niemanden, dass sein THE CANAL kein plumper Horrorfilm geworden ist, der wahllos Schocks und Blut aneinanderreiht, um sich über Wasser halten zu können. KAVANAGH geht es ruhig an, vermischt Drama mit Horror und bewahrt den Anspruch, nach dem man im Horrorfilm leider oftmals vergebens sucht. Entstanden ist ein atmosphärisches Verwirrspiel auf visuell hohem Niveau, das Dank hervorragender Schauspielleistungen und durchdachter Inszenierung bis zum Ende spannend bleibt. Durch den Einsatz eines unheilvollen Klangteppichs und verstörende Zwischensequenzen (deren Farbspielereien oftmals an den jungen DARIO ARGENTO erinnern) bewirkt der visuelle Geschichtenerzähler KAVANAGH eine morbide Gruselstimmung, die sich durch den gesamten Film zieht. Leider ist es in THE CANAL jedoch so, dass die Auslösung des Treibens von erfahrenen Horrorfans schon recht früh gewittert werden dürfte, was auf die Horror-Unerfahrenheit des Filmemachers zurückzuführen ist, der für sein Gruselstück auch gleich das Drehbuch geschrieben hat. Trotzdem, man sollte mit Kavanaghs psychologischen Thriller nicht zu sehr ins Gericht gehen, denn immerhin gehört der irische Grusel-Beitrag zu den besseren Genre-Filmen, die das eher durchwachsene Horror-Jahr 2014 dem Liebhaber unheimlicher Filme beschert hat.
 
 
 


 
 
 

THE CANAL – Zensur

 
 
 
THE CANAL ist ein eher ruhig erzählter Film, der sich vernehmlich dem subtilen Horror widmet, der von seiner düsteren Atmosphäre zehrt. Demzufolge gibt es hier keine Blut- oder Gewaltorgien zu sehen, was dem Streifen hierzulande eine FSK16 beschert hat.
 
 
 


 
 
 

THE CANAL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
the-canal-bluray

(c) Universum Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Canal; Irland 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.35:1 (@24 Hz)

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailershow, Interviews

Release-Termin: 10.03.2015

 

The Canal [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE CANAL – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Cannibal (2013)
 
Warhouse – Kriegszustand (2013)
 
The House of the End Times (2013)
 
Found (2012)
 


Filmkritik: “Exists” (2014)

exists-2014
 
 
 

EXISTS

DIE BIGFOOT-LEGENDE LEBT!

Story

 
 
 
Fünf Freunde reisen zu einer Hütte in die Wälder, um sich eine Auszeit zu gönnen. Doch von Entspannung keine Spur, haust doch hier draußen ein Bigfoot, der auf Fremde gar nicht gut zu sprechen ist …

 
 
 


 
 
 

EXISTS – Kritik

 
 
 
Wenn Regisseure mit Erstlingswerken Erfolge feiern konnten und es ihnen später partout nicht gelingen will daran anzuknüpfen, ist es keine Seltenheit, dass jene Filmemacher noch einmal gleiche Erfolgszutaten hervorkramen, die das Debüt zum Kassenmagneten gemacht haben. EDUARDO SÁNCHEZ war mal ganz groß im Geschäft. Mit BLAIR WITCH PROJECT gelang es ihm nicht nur das mittlerweile unzumutbare Found-Footage-Genre salonfähig zu machen; zusammen mit Regie-Kollege DANIEL MYRICK drehte er zudem den rentabelsten Low-Budget-Horrorschocker aller Zeiten und bot unzähligen Filmschaffenden kreativen Input, die die Filmwelt mit ähnlichen Streifen verseuchen mussten. Leider gelang es dem gebürtigen Kubaner mit Folgewerken wie ALTERED (2006) und LOVELY MOLLY (2011) nicht, gleiche Aufmerksamkeit zu erhaschen, die ihm sein gefeiertes Debüt-Stück eingebracht hat, so dass er nun noch einmal die Wackelkamera hervorholen muss, um dem Zuschauer damit auf den Zünder zu gehen. Leider hat der Filmemacher aber vermutlich noch nicht verstanden, dass sich Found-Footage im Laufe der letzten Jahre zu einer regelrechten Plage entwickelt hat, mit der man sich unter Horrorfans keine Freunde macht. Trotzdem bleibt SÁNCHEZ dem altbewährten Schema treu und nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise voller Gefahren, auf der vor allem eines nicht fehlen darf: viel Kameragewackel.
 
EXISTS ist typisches Schüttel-Futter für all jene, die sich an der Shaky-Cam-Methodik nicht sattsehen können. In diesem Film wird das Geschehen erneut aus der Sicht von Helm, Handy- und Handkameras mit Infrarotfunktion protokolliert, wobei man aber immerhin sagen muss, dass SÁNCHEZ in Sachen Found-Footage ein sicheres Händchen beweist und sein Wackel-Debakel recht kurzweilig inszeniert hat. Ein neuer Horror-Hit ist ihm mit EXISTS dennoch nicht gelungen, dazu ist die Wackel-Expedition zu beliebig und bedient sich zu verkrampft jenen Rezepturen, die das Found-Footage-Genre in den letzten zehn Jahren zu dem gemacht hat, was es heute ist: eine nervende Abfolge der immer wieder gleichen Schreckmomente und Storyverläufe.
 
Wie schon im bekannten BLAIR WITCH PROJECT treibt es abermals fünf Freunde in die Wälder, die dort jedoch nicht nach der Hexe von Blair suchen, sondern ein entspanntes Wochenende in einer abgelegenen Hütte irgendwo im Südosten von Texas verbringen wollen. Auf dem Weg zur Wochenendsause wird das Auto von einem Tier gestreift, so dass die Gruppe einen Fußmarsch einplanen muss, um die morsche Unterkunft erreichen zu können. Selbstverständlich ist den Mittzwanzigern das Böse auf den Fersen, das sich in EXISTS als wütender Bigfoot entpuppt, der über den unangemeldeten Besuch rein gar nicht erfreut ist. Der aggressive Sasquatch beginnt die Freunde zu terrorisieren, zerstört das Auto und macht der Bande die kommenden Stunden zur Hölle. Leider sind Telefone – wie so oft im Horrorfilm – kaum von Nutzen, weil schlechter Empfang den Notruf unmöglich macht. So holt Matt seine Videokamera aus der Tasche und bannt jene Kreatur auf Film von der man glaubte, sie würde ausschließlich urbaner Legenden entspringen.
 
Kennste einen, dann kennste alle. Es sind immer wieder die gleichen Geschichten, die sich nach ähnlichem Schema mit nur anderen Bedrohungen abspielen. EXISTS macht da keine Ausnahme und folgt den allseits bekannten Regeln, mit denen gefühlt tausende ähnlicher Produktionen schnell Kasse machen wollten. Schreien, rennen und trotzdem permanent die Kamera aufrecht halten, damit jede Einzelheit des Überlebenskampfes von verängstigten Protagonisten auf Film festgehalten werden kann. Seit jeher sollte man bei Found-Footage-Streifen die Logik ausklammern, denn meist ist hier der Wille sensationsgeile Bilder von Geistern, Monstern und Aliens auf Film zu bannen stärker, als sich selbst in Sicherheit zu bringen. Was EXISTS dennoch ertragbar gestaltet ist das flotte Tempo mit der die minimalistische Geschichte an den Horrorfan gebracht wird. Die bietet zwar kaum Überraschungen und macht von wirklich jedem Found-Footage-Klischee Gebrauch; hat aber mit einem äußerst schlecht gelaunten Bigfoot ein ansprechendes Filmmonster in petto, das sich sogar ziemlich oft vor der Kamera zeigt.
 
EXISTS ist ziemlich ruppiger Bigfoot-Terror, in dem nicht lang gefackelt wird. Regisseur EDUARDO SÁNCHEZ kommt recht schnell zum Punkt und lässt seine jungen Protagonisten nacheinander durch die Hand der launischen Kreatur über die Klinge springen. Die geht nicht zimperlich mit ihren Opfern um und wütet sich unerbittlich durch die überschaubare Filmhandlung bis auch der Letzte der Freunde den Tod gefunden hat. Lobenswerterweise wurde viel Herzblut in das Design des Monsters investiert, dessen Auftritte durch lautes Gebrüll und Gegrunze reichlich bedrohlich und furchterregend über den Bildschirm flimmern. Zwar steckt auch hier ein Mann im Monsterkostüm; die gebotenen Effekte können dennoch überzeugen, weil durch hektische Schwenks und bewusst eingesetzte Unschärfe manch Manko im Design der Kreatur im Verborgenen bleibt. Hinzukommt, dass EXISTS von permanenter Hektik vorangetrieben wird, so dass dem Zuschauer kaum Zeit bleibt, sich über Fehler im Film den Kopf zu zerbrechen.
 
EXISTS ist kein anspruchsvolles Horror-Kino, was womöglich auch niemand erwartet hat. Trotzdem bleibt auch das neuste Schaffen aus der Mache von Regisseur EDUARDO SÁNCHEZ weit hinter den Erwartungen zurück, weil der Streifen einfach nichts Neues zu bieten hat, was man nicht schon in den letzten 15 Jahren Found-Footage-Grauen entweder im Kino oder auf dem heimischen Fernsehapparat gesehen hat.
 
 
 


 
 
 

EXISTS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Bigfoot-Terror par excellence. EXISTS ist ein reichlich ruppiger und gnadenloser Monster-Heuler, der sich der mittlerweile nicht mehr ganz so beliebten Found-Footage-Machart bedient. Hier läuft ein äußerst schlechtgelaunter Sasquatch unter lautem Gebrüll Amok und gibt erst Ruhe, nachdem auch der letzte menschliche Eindringling im Revier das Zeitliche gesegnet hat. Regisseur EDUARDO SÁNCHEZ ist nach dem gefeierten BLAIR WITCH PROJECT geübt im Umgang mit der Wackelkamera, vergisst aber seinem Schüttel-Ausflug um neue Ideen zu bereichern. Was in EXISTS gezeigt wird, hat man schon dutzende Male gesehen. Trotzdem überzeugt der Überlebenstrip, weil SÁNCHEZ mehrfach den Hektik- und Panikhebel in entscheidenden Momenten umlegt. Der hilft dem Streifen über manch Längen hinweg und machen EXISTS zu einer kurzweiligen Monster-Hatz, die zudem um einige ansprechend platzierten Gewaltspitzen bereichert wurde. Wer nichts mit Found-Footage anfangen kann, wird auch hier dankend abwinken. Zuschauer, die stattdessen nicht genug von jener zwiespältigen Filmware haben können, werden SÁNCHEZ für seinen temporeichen Schüttel-Streifen in den Himmel loben. Trottdem: Kann man sehen – muss man aber nicht!
 
 
 


 
 
 

EXISTS – Zensur

 
 
 
EXISTS geht in die Richtung Terrorfilm nur mit dem Unterschied, dass statt Einbrecher oder Hobby-Sadisten diesmal ein wütender Bigfoot das Morden beginnt. Wirklich explizites Gemeuchel gibt es zwar nicht zu sehen, was aber nicht bedeutet, dass EXISTS nicht hart anzusehen ist. Zwar geschehen die meisten Gewaltakte im Off und schnelle Schnitte lassen nur erahnen was in puncto Gewalt auf der Mattscheibe passiert; trotzdem hat das alles für eine ungeschnittene FSK16 gereicht – ungeschnitten!
 
 
 


 
 
 

EXISTS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
exists-die-legende-lebt-bluray

(c) WVG Medien GmbH / Entertainment One

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Exists; USA 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Französisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Französisch, Niederländisch

Bild: 1.78:1

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailershow

Release-Termin: 27.03.2015

 

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EXISTS – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Jungle (2013)
 
Wer – Das Biest in Dir (2013)
 
Willow Creek (2013)
 
The Dyatlov Pass Incident (2013)
 


Filmkritik: “Treehouse” (2014)

Treehouse-2014
 
 
 

TREEHOUSE

Story

 
 
 
Zwei Brüder entdecken im Wald ein Baumhaus und machen darin eine erschreckende Entdeckung, die ihr Leben verändern wird…

 
 
 


 
 
 

TREEHOUSE – Kritik

 
 
 
Es gibt tausende unheimlicher Orte, an denen Protagonisten in Horrorfilmen effektvoll ihr Leben lassen können. Ein Baumhaus dürfte hierbei jedoch die Ausnahme bilden, was Regisseur MICHAEL BARTLETT dazu veranlasst hat, einen klaustrophobischen Terror-Trip in einer knarrenden Bretterhütte inmitten der Krone eines Baumes zu drehen. Das Horror-Genre ist dem Filmemacher heilig, denn hier ist BARTLETT kein Unbekannter. Einige kleine Indie-Produktionen gehen auf seine Kappe, wobei HOUSE OF LAST THING (Deutschlandstart: November 2014) wohlmöglich zu den bisher besten Werken seines bisher eher durchschnittlichen Schaffens gehört. BARTLETT scheint darum bestrebt zu sein, sich im Genre ausprobieren zu wollen. Nach Zombie-Action, paranormalen Found-Footage-Gewackel und Spukhaus-Horror macht er einen Abstecher ins Suspense- und Terrorfach, wo er auch gleich seine Fähigkeit des Falsche-Fährten-Legens unter Beweis stellt.
 
Etwas Böses macht in TREEHOUSE die Runde, das für das Verschwinden diverser Kinder in einem kleinen Städtchen verantwortlich gemacht wird. Entgegen aller Warnungen machen sich die Geschwister Killian (J. MICHAEL TRAUTMANN) und Crawford (DANIEL FREDRICK) hinaus in den Wald, um dort mit Feuerwerk im Gepäck einen lustigen Abend mit Freunden verbringen zu können. Natürlich wäre TREEHOUSE kein Horrorfilm, würde nicht eine unerwartete Wendung für eine Katastrophe sorgen. Die beiden Brüder entdecken auf einem Baum eine Hütte, klettern hinein und finden dort die verstörte Elizabeth (DANA MELANIE) vor, die ebenfalls zu jenen Kindern gehört, die von ihren Eltern seit einiger Zeit als vermisst gemeldet wurden. Die versteckt sich hier vor einer finsteren Bedrohung, die sogleich die Witterung aufgenommen hat und ihre Kreise unterhalb der Hütte zieht. Für die Kids folgt eine Nacht voller Schrecken, denn ein Hinabsteigen ist unmöglich, ohne vom gewalttätig Bösen am Fuße des Baumes in Stücke gerissen zu werden.
 
Was da letztendlich auf die ahnungslosen Filmhelden unter der Holzhütte lauert, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten, schließlich lebt TREEHOUSE von der Prämisse, dass erst kurz vor Ende verraten wird, gegen was die Kinder am Ende den Kampf aufnehmen müssen. BARTLETT macht fast alles richtig und hält die Spannung konstant, weil er dem Zuschauer keine Anhaltspunkte darüber gibt, mit welcher unbekannten Bedrohung sich die Protagonisten konfrontiert sehen. Hier ein Schatten, da seltsame Geräusche aus dem Walkie-Talkie – erst im Finale gibt das Treiben einen Sinn, was BARTLETT leider mit konventionellem Rache-Quatsch enden lassen muss, der zudem im Kitsch zu ertrinken droht. Angsthase Killian – der jüngere der beiden Brüder – wächst über sich hinaus, erlernt über Nacht das Mutigsein und gewinnt auch noch das Herz der verängstigten Elizabeth, die von ihrem Retter am Ende auch noch geküsst werden darf. Bei einer derart stereotypen Charakterentwicklung kringeln sich manch Filmkritiker schon mal die Zehennägel. Macht aber nix, schließlich gehören derart Oberflächlichkeiten nun mal zum Horrorfilm wie Lacher in eine Komödie.
 
Von einem der hinausging, um das Mutigsein zu erlernen: TREEHOUSE ist nicht perfekt, dazu verliert BARTLETT zu oft den Spannungsbogen aus den Augen, weil er selbigen immer wieder durch fehlplatzierte Rückblenden unterbricht. In denen berichtet er von der schicksalhaften Vergangenheit seines fragilen Hauptcharakters Killian, der unter der strengen Autorität seines Vaters zu leiden hatte. Immerhin entschädigt das Finale. Hier zieht der Regisseur noch einmal alle Register gängiger Terrormacherei und lässt eingeschüchterte Helden zum Tötungswerkzeug greifen. Die bis dato unbekannte Bedrohung erhält ein Gesicht und bekommt einen nicht unblutigen Denkzettel verpasst. Selbstverständlich hat man Filme wie TREEHOUSE schon oft auf dem Bildschirm gehabt. Trotzdem; die Art wie BARTLETT mit der Erwartung der Zuschauer spielt und gekonnt falsche Fährten legt, hebt TREEHOUSE über den Horror-Durchschnitt.
 
 
 


 
 
 

TREEHOUSE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Klaustrophobischer, wendungsreicher und ungemütlicher Terror-Thriller, der diesmal nicht auf den Erdboden stattfindet, sondern in den Bäumen. In TREEHOUSE verwandelt sich der vornehmlich kindliche Tummelplatz zum Schutzort für einige nichtsahnende Teenager, die sich darin vor einer unbekannten Bedrohung in Sicherheit wähnen. Gruselige Momente auch ohne Blutvergießen lautet die Devise, denn in Sachen schaufreudiger Gewalt hält sich der Film ausnahmsweise zurück. Stattdessen wird weitestgehend von psychologischem Horror Gebrauch gemacht, den Regisseur MICHAEL BARTLETT hin und wieder ganz gut in Szene zu setzen versteht. Trotzdem bleibt TREEHOUSE nur ein weiterer solide inszenierter Horror-Thriller, der vor allem wegen seiner unerwarteten Auflösung in Erinnerung bleibt. Die orientiert sich mal wieder am gängigen Rache-Kino und bietet immerhin reichlich Adrenalin. TREEHOUSE ist kein Horror-Hit, zeigt aber das versteckte Talent BARTLETTS, das nach einigen eher durchschnittlichen Horrorfilmen scheinbar endlich zu Tage kommt. Man darf gespannt sein, was der Regisseur in Zukunft inszenieren wird – TREEHOUSE schlägt schon mal die richtige Richtung ein.
 
 
 


 
 
 

TREEHOUSE – Zensur

 
 
 
TREEHOUSE ist eher psychologischer Horror und zeigt sich eher zurückhaltend mit Gewalt. Die reduziert sich auf das Finale und protokolliert hauptsächlich die Resultate einiger Gewaltmomente. Probleme mit der FSK dürfte es nicht geben, so dass TREEHOUSE mit großer Wahrscheinlichkeit schon für Jugendliche ab 16 Jahre geeignet sein dürfte.
 
 
 


 
 
 

TREEHOUSE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Community of Fear (2012)
 
F (2010)
 
Them (2006)
 
The Strangers (2008)
 


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