Filmkritik: „The Prodigy“ (2019)

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THE PRODIGY

Story

 
 
 

Hinter lieben Kinderaugen verbirgt sich das Böse. Miles ist zwar hochintelligent, hat aber auch eine dunkle Seite. Offenbar stimmt was mit dem Jungen nicht, was die Eltern vor große Probleme stellt.

 
 
 


 
 
 

THE PRODIGY – Kritik

 
 
 
Besessene, fehlgeleitete oder einfach nur böse Kinder sind im Horrorfilm schon lange nichts Seltenes mehr. Die lassen sich mindestens genauso oft blicken, wie maskierte Serienkiller, rastlose Geister oder nimmersatte Zombies. Ein großer Unterschied zwischen genannten Konsorten ist aber, dass Kinder die boshaften Gedanken ziemlich gut verbergen können. Da werden schon mal hinter der Fassade von Unschuld und Reinheit perfide Pläne geschmiedet. Bis Erwachsene das hinterlistige Spiel begriffen haben, sind schon die ersten Leichen zu beklagen. Der Horrorfilm THE PRODIGY macht da keine Ausnahme. Die Handlung orientiert sich an so Werken wie DAS OMEN, JOSHUA oder MIKEY. Neu ist Gebotenes demnach nicht. Trotzdem ist THE PRODIGY ganz solide.
 
 
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Endlich haben sich die Sarah (TAYLOR SCHILLING) und John (PETER MOONEY) einen großen Wunsch erfüllt. Sohn Miles (JACKSON ROBERT SCOTT) wird geboren und ist das ganze Glück der noch jungen Familie. Doch je älter Miles wird, um so mehr bereitet der Junge Probleme. In der Schule verprügelt er die Mitschüler und auch sonst verhält sich das Kind alles andere als normal. Der hochbegabte Bursche faselt nachts in fremden Sprachen, malt seltsame Bilder und beginnt die Autorität der Eltern zu missachten. Gott sei Dank gibt es Spezialisten. Die unterziehen Test und setzen Miles sogar in Hypnose. Die Ergebnisse sind besorgniserregend. Was man nämlich in psychologischen Sitzungen über den Jungen herausfindet, lässt nicht nur den Therapeuten das Blut in den Andern gefrieren.
 
 
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THE PRODIGY erzählt die allseits bekannte Geschichte über einen Jungen, der offenbar von bösen Mächten manipuliert wird. Das ist zweifelsohne nicht gerade etwas, was man zum ersten Mal auf TV oder Kinoleinwand zu sehen bekommt. In der Tat hält sich THE PRODIGY arg an der Checkliste für Filme, in denen Kinder mörderischen Unfug aushecken. Was THE PRODIGY aber ganz passabel macht, ist die Aufklärung des gesamten Spuks. Die Erklärungsansätze sind relativ unverbraucht und sorgen für manch schaurige Szene. Eine derer ist bereits im Trailer zu sehen und sorgt für Puls. Da läuft der kleine Miles in Todesangst auf die Mutter zu und will in ihren Armen Schutz suchen. Die hält die Arme offen und staunt nicht schlecht, als aus dem Sohn plötzlich ein erwachsener Mann wird. Mit dem richtigen Lautstärkepegel vorausgesetzt reisst es dem Zuschauer da aus seinem Sessel.
 
 
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Überhaupt geht Regisseur NICHOLAS MCCARTHY in Sachen Schocks bedacht um. Die sind rar gesät, aber umso intensiver, wenn sie dann doch einmal den Weg in den Film finden. Da zucken selbst alteingesessene Filmkenner wie wir zusammen. Gleiches trifft auch auf die Atmosphäre zu. Schnell entsteht ein unbehagliches Gefühl, was vor allem durch die verstörende Handlung des kleinen Hauptdarstellers entsteht. Der legt sein kindliches Wesen ab und faselt plötzlich wie ein Erwachsener. Als wäre das nicht alles befremdlich genug, beginnt er Intrigen zu spinnen und Menschen zu bedrohen. Dass die Hemmschwelle zum Mord nicht weit ist, dürfte an der nötigen Schockwirkung liegen, auf die solche Art von Filmen hinarbeitet.
 
 
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Dennoch, so technisch bedacht der Film auch ist und so gut die wenigen Akteure vor der Kamera schauspielern – THE PRODIGY kann die bedacht aufgebaute Spannung in der ersten Filmhälfte nicht auf Dauer halten. Während man anfangs noch sehr darum bemüht ist, das Geheimnis über das merkwürdige Verhalten des kleinen Miles zu hüten, wusste man nicht nachdem es gelüftet wurde, wie man THE PRODIGY zu einem befriedigenden Ende bringen sollte. Wir sehen zwar wie und was die bösen Mächte mit dem Jungen veranstalten. Zu was das alles genau führen soll bleibt ungewiss. Offenbar war das auch Regisseur NICHOLAS MCCARTHY bewusst. Der löst das Problem im Eiltempo und verpasst dem Film knapp zehn Minuten vor Schluss einen hektischen und dann doch sehr konsequenten Abschluss. Manch Zuschauer dürfte sich da etwas überfordert fühlen – zumal das Finale nichts für jene ist, die gern alles durch die rosarote Brille sehen wollen.
 
 
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THE PRODIGY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Bitterböser Horrorthriller mit Anlehnung an DAS OMEN, der einige tiefsitzende Schockmomente parat hält. Letztere waren offenbar so krass, dass man einige derer aus dem Film schneiden musste. So zumindest erklärte es Regisseur NICHOLAS MCCARTHY in Interviews mit der amerikanischen Filmpresse kurz vor Kinostart seines Horrorfilms. Bei einer Preview kam es zu furchtbaren Schreiattacken im Publikum, weshalb man sich dazu entschloss einige Schockszenen zu entfernen. Ob der Filmemacher das nur aus PR-Zwecken erwähnte oder ob THE PRODIGY wirklich so viele böse Momente besaß, dürfte wohl allein der Regisseur wissen. Immerhin weiß der britische Filmschaffende was er tut. NICHOLAS MCCARTHY kennt sich nämlich im Genre aus. Der konnte mit THE PACT und AT THE DEVIL’S DOOR bereits beweisen, dass er sich in Sachen Horror gut auskennt. Seine Souveränität im Umgang mit schaurigen Bildern ist auch in THE PRODIGY unverkennbar. Der Film erfindet zwar das Rad nicht neu, ist aber ein solider Vertreter jener Gattung Filme, wo es hinterlistige Gören mit Erwachsenen nicht gut meinen. Aus technischer Hinsicht kann man nicht meckern. Nur im Finale schwächelt der Streifen etwas. Da drücken wir mal ein Auge zu!
 
 
 


 
 
 

THE PRODIGY – Zensur

 
 
 
THE PRODIGY hat kaum Splatterszenen zu bieten. Man bekommt die verwesten Überreste eines Hundes zu sehen. Weiterhin sieht man eine abgetrennte Hand. Ein Mann und zwei Frauen werden zudem erschossen. Hierzulande hat es für die THE PRODIGY eine FSK16 gegeben.
 
 
 


 
 
 

THE PRODIGY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) SPLENDID FILM (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Prodigy; Kanada | USA 2019

Genre: Grusel, Thriller, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2,39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 92 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow, Audiokommentar von Regisseur Nicholas McCarthy, Promos, Galerie

Release-Termin: 07.06.2019

 

The Prodigy [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE PRODIGY – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Teufelskind Joshua (2007)
 
Das Omen (1976)
 
Omen IV: Das Erwachen (1991)
 

Filmkritik: „Isabelle“ (2018)

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ISABELLE

(THE WANTING | ISABELLE’S WANTING)

Story

 
 
 

Ein bleiches Mädchen bringt durch das ständige Beobachten der neuen Nachbarn genau jene um den Verstand. Letztere fühlen sich so langsam genervt – zumal ihnen der Neuanfang am Rande der Stadt alles andere als einfach fällt.

 
 
 


 
 
 

ISABELLE – Kritik

 
 
 
Wer sich mit Horrorfilmen auskennt weiß schon lange, dass reißerisch gestaltete Filmplakate schon lange nicht mehr die Qualität eines Horrorfilms widerspiegeln. Da wird gern mal mit Blut, Gedärm oder entstellten Fratzen geworben, um die Neugierde des Zuschauers zu wecken. Leider wird so nur vom eigentlichen Inhalt abgelenkt. Bei den meisten neueren Horrorfilmen sieht es damit mau aus. Zum Leidwesen des Käufers. Dem wird einmal mehr bewusst, dass man sich nicht vom Filmplakat leiten lassen soll. In der Regel steckt nämlich genau bei jenen Covergestaltungen Schund dahinter, die auf Biegen und Brechen um die Gunst des Käufers buhlen. Gute Horrorfilme habe ausgefeilte Poster-Kreationen nicht nötig.
 
 
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Bei der folgenden Genre-Produktion mit dem Titel ISABELLE trifft genau diese Formel zu. Da schaut eine verängstigte Frau vom Cover und suggeriert so dem Zuschauer, dass er hier wohl einen der gruseligsten Filme der letzten Jahre zu sehen bekommt. Die Realität sieht anders aus. Der von ROBERT HEYDON inszenierte Horrorstreifen hat zwar mit ADAM BRODY (aus FINAL DESTINATION 3) und SHEILA MCCARTHY (aus STILL/BORN) bekannte Gesichter zu bieten. In Sachen Grusel wird aber nur beliebige Standardware geboten, die eher ermüden lässt, statt den Zuschauer vor Angst um den Schlaf zu bringen. Vielleicht wäre eine gelangweilte Frau auf dem Poster aufschlussreicher gewesen, statt den Käufer mal wieder mit Fehlinformationen hinter das Licht zu führen. Dann hätte der Zuschauer auch direkt verstanden, was ihn erwarten wird.
 
 
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Nervige Stalkerin: In ISABELLE zieht es werdende Eltern in ein gemütliches Häuslein in ruhiger Gegend. Eigentlich das Beste, was der schwangeren Larissa und dem Gatten Matt passieren konnte. Würde da nicht plötzlich ein schrecklicher Schicksalsschlag ereilen. Der ungeborene Sohn stirbt ganz unerwartet und das junge Paar fällt in ein tiefes Loch. Kein guter Start in das gemeinsame Leben, was sich vor allem bei Larissa bemerkbar macht. Die hat mit Depressionen zu kämpfen und sieht sich plötzlich von der schaurigen Nachbarstochter verfolgt. Letztere sitzt im Rollstuhl und beobachtet die neuen Nachbarn von ihrem Dachfenster aus. Da überkommt der traumatisierten Larissa ein unangenehmes Gefühl. Zurecht, denn es dauert nicht lang, bis das bleiche Mädel von Gegenüber auch noch in der Wohnung der jungen Eltern auf Entdeckungsreise geht – unaufgefordert versteht sich. Alles nur Einbildung und doch real? Eine Frage, der Ehemann Matt auf den Grund gehen muss. Ob er schnell professionelle Hilfe finden wird?
 
 
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ISABELLE ist kein cleverer Horrorfilm. Der Gruselstreifen versucht erst gar nicht, dass Beste aus der dünnen Story zu machen. Wo man in Filmen wie THE HOUSE ON PINE STREET oder DARK CIRCLES ähnliche Themen aufgriff und den Zuschauer durch falsche Fährten an der Nase herumführte, geht man in ISABELLE den Weg des geringsten Widerstandes und fällt gleich mit der Tür ins Haus. Dabei entpuppt sich bereits der Trailer als katastrophale Spannungsbremse. Der verrät gleich mal genau jenen Plot, der anfangs noch verschleiert wird und den Zuschauer vor der Glotze halten soll. So ist Regisseur ROBERT HEYDON kläglich darum bemüht ein Mysterium um die Geschehnisse in ISABELLE zu weben. Unsere Filmheldin verliert ihr neugeborenes Kind und beginnt plötzlich Dinge zu sehen, die gar nicht da sind. Alles nur Folgen eines schwerwiegenden Traumas oder ist Larissa auf einmal empfänglich für paranormale Ereignisse? Der Sprung vom Psychothriller zum Geisterfilm ist kurz und macht aus ISABELLE ziemlich austauschbaren Gruselbrei, der sich wirklich jedem Klischee bedient, das man nun schon in gefühlt 1000 Filmen über zornige Geister zu sehen bekommen hat. Das ist angesichts der Tatsache ermüdend, weil es mittlerweile einfach zu viele Gruselproduktionen gibt, in den es spukt oder poltert. Weil die nach immer gleichen Schema abgehandelt werden, hat sich allmählich ein Sättigungsgefühl eingestellt. Das macht sich auch im Falle von ISABELLE bemerkbar. Ja, hier ist ein böses wütendes Geistermädchen am Werke, das dem Gör aus dem japanischen RING-Universum Konkurrenz machen will. Will das jemand sehen? Wir meinen: nein! Etwas mehr Grips und Einfallsreichtum tut beim Gruselhandwerk zwingend Not.
 
 
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ISABELLE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein weiterer Versuch dem aus TV-Geräten und Brunnen krabbelnden Mädchen der Horrorfilm-Reihe RING den Rang abzulaufen. Der Gruselfilm ISABELLE ist ein solider Gruselfilm für Anfänger – mehr aber auch nicht. Regisseur ROBERT HEYDON versucht mit ausgelutschten Rezepturen des Geisterfilm-Genres irgendwie Spannung aufzubauen. Vergebens! Der Streifen verrät viel zu früh, dass die stalkende Nachbarstochter eigentlich ein Geist ist und einen Weg sucht, trotz Geisterhülle irgendwie unter den Lebenden verweilen zu können. Für die Filmhelden Grund genug, nach den sterbliche Überresten der toten Stalkerin zu suchen, um dem Geist ins Reich der Toten abschieben zu können. Ja, jetzt haben wir den wenig überraschenden Plot aufgelöst. Den vorausahnen zu können ist aber auch keine Kunst. Erfahrene Zuschauer wittern bereits nach wenigen Minuten die Fährte. Der dumm geschnittene Trailer verrät den Rest. Wer sich den angeschaut hat, kann sich Sichtung des eigentlichen Films sparen. ISABELLE ist paranormale Dutzendware – ohne echten Spannungsbogen. Austauschbar, beliebig, unnötig.
 
 
 


 
 
 

ISABELLE – Zensur

 
 
 
ISABELLE hat kaum Gewalt zu bieten. Eine Filmfigur erstickt, weil man ihr eine Plastiktüte über den Kopf zieht. Weiterhin bringt sich ein Charakter selbst um und eine Protagonistin stürzt aus dem Fenster. Das ist alles sowas von FSK16 – man glaubt es kaum.
 
 
 


 
 
 

ISABELLE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei The Wanting Film Inc.)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Jessabelle – Die Vorhersehung (2014)
 
Gallows Hill (2013)
 
Haunt – Das Böse erwacht (2013)
 
Dark Circles (2013)
 
The House on Pine Street (2015)
 

Filmkritik: „We Have Always Lived in the Castle“ (2018)

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WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE

(WIR HABEN IMMER SCHON IM SCHLOSS GELEBT)

Story

 
 
 

Wenn eine heile Welt zerstört wird und dennoch neue Möglichkeiten eröffnet: Zwei Geschwister erleben in einem alten Anwesen die Hölle. Glattgebügelte Romanverfilmung mit guten Darstellern.

 
 
 


 
 
 

WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE – Kritik

 
 
 
Wenn STEPHEN KING in höchsten Tönen über Literatur spricht, dürften Leseratten hellhörig werden. Es kommt nämlich nicht so oft vor, dass sich der Schreiberling so lobend über Schriftsteller äußert und sich von Selbigen auch noch fürs eigene Schaffen inspirieren lässt. In diesem Fall richtet sich das Lob an die bereits 1965 verstorbene Autorin SHIRLEY JACKSON. Die Queen des Horrors – so wie man sie heute oft bezeichnet – veröffentlichte im Jahr 1948 eine Kurzgeschichte mit dem Titel THE LOTTERY im NEW YORKER. Leider kam die düstere Erzählung gar nicht gut an. Viele Leser kündigten ihr Zeitungsabonnement und sendeten der Schriftstellerin Hassbriefe. Doch die Kontroverse spornte die fantasiebegabte Autorin nur weiter an. Das Resultat sind viele Horrorromane und -geschichten, über die man auch heute noch spricht. Neben dem Roman SPUK IN HILL HOUSE – der mittlerweile schon mehrfach verfilmt wurde (unter anderem als Serie von NETFLIX) – hat es auch WIR HABEN IMMER SCHON IM SCHLOSS GELEBT zu beachtlichem Erfolg geschafft. Der Mysterythriller wurde drei Jahre vor dem Tod der Autorin veröffentlicht und gilt bis heute als Jacksons bester Roman. Das sah man offenbar auch in Hollywood so. Weil die NETFLIX-Adaption von SPUK IN HILL HOUSE gute Resonanz erhielt, nahm man sich WIR HABEN IMMER SCHON IM SCHLOSS GELEBT vor und adaptierte das Buch unter dem Originaltitel für die Leinwand.
 
 
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Die Spielfilmumsetzung mit dem Titel WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE handelt von den Geschwistern Merricat und Constance Blackwood. Die leben nach einem Schicksalsschlag zurückgezogen mit Onkel Julian in einem alten Anwesen weit weg von der Stadt und verlassen so gut wie kaum noch das Haus. Das hat auch seinen Grund. In der Kleinstadt ist man nämlich fest davon überzeugt, dass die ältere Constance die Eltern mit Arsen vergiftet hat. Seither werden die Blackwoods von den Einwohnern verachtet – jeder Besuch der Außenseiter im Städtchen verbreitet bei den Menschen Wut und Hass. Doch damit haben sich die Schwestern über die Jahre abgefunden und beginnen mit der Situation zu leben. Leider kommt bald Unordnung in den zurückgezogenen Alltag. Die introvertierte Merricat wird plötzlich von schrecklichen Vorahnungen geplagt. Letztere Bewahrheiten sich auch schnell. Da klopft es unerwartet an der Tür und Cousin Charles will nach dem Rechten sehen. Von dem hat man seit Ewigkeiten nichts mehr gehört. Umso merkwürdiger sein plötzliches Interesse für die Verwandten. Er beginnt die Schwestern zu manipulieren und sorgt für Probleme, die schnell zu Chaos führen und eine Katastrophe heraufbeschwören.
 
 
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Immer der Nase nach. WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE hält sich erstaunlich nah am Roman und scheut – bis auf eine kleine Änderung in der letzten Szene – Abkürzungen und Umwege. Kenner des Buches werden daher kaum Überraschungen erleben und trotzdem nicht enttäuscht werden. Was die Verfilmung nämlich auszeichnet, ist die Tatsache, dass der Streifen richtig gute Schauspieler besitzt – darunter namhafte Größen Hollywoods wie CRISPIN CLOVER und TAISSA FARMIGA. Letztere hat man nun schon in einigen Genre-Produktionen zu sehen bekommen. Darunter so Filme wie MINDSCAPE, THE NUN und THE FINAL GIRLS. Bereits dort konnte sie mit facettenreichem Schauspiel überzeugen. Das prägt sich auch durch die Rolle der stillen Einzelgängerin in WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE ins Gedächtnis. Anfangs noch in einer Traumwelt verharrend, wird ihre Figur bald aus dem sicheren Kosmos gezogen und in eine ungewisse Zukunft geworfen, die den Filmcharakter über sich hinauswachsen lässt. Da passieren plötzlich Ereignisse die alle Beteiligten an die Grenzen bringen. Die dabei von Regisseurin STACIE PASSON entwickelt Dynamik ist bemerkenswert. Was zu Beginn noch ein verträumtes Familienmärchen vermuten lässt, entwickelt sich schnell zu einem ausgeklügelten Psychothriller über Manipulation und Hass. Das dadurch heraufbeschworene Unheil wird auf die Spitze getrieben und endet mit einem lauten Knall. Weil das cineastische Pulverfass ohne Gewalt auskommt und das Chaos allein durch Dialoge und durch das Miteinander der Protagonisten heraufbeschworen wird, gehört WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE zu einem der interessantesten Genre-Beiträge der letzten Jahre.
 
 
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WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE schafft es, ohne blutige Bilder ein beklemmendes Gefühl zu erzeugen. Mit einem Minimum an Handlung wird ein Maximum an Spannung bewirkt. Das ist große Kunst, die Autorin SHIRLEY JACKSON besonders gut beherrschte. Dennoch geizt der Streifen – wie bereits das Buch – mit Antworten. Die Geschichte nimmt sonderbare Wendungen und auch die wenigen Hauptfiguren scheinen – vermutlich auch der Isolation wegen – nicht immer von Sinnen zu handeln. Die befremdlich wirkende Handlung dürfte manch Zuschauer verwirren. Ein Blick auf die Biografie von Schriftstellerin SHIRLEY JACKSON sorgt für Aufschluss und bringt Licht ins Dunkel. Die macht in ihren Werken oft Außenseiter zum Thema, die von engstirnigen Kleinstadtbewohnern verfolgt werden. Das ist auch in WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE der Fall. Dort entwickelt die Abneigung gegenüber den Außenseitern eine besorgniserregende Wendung. Erst sind es nur Beschimpfungen, die unsere Filmhelden über sich ergehen lassen müssen. Im späteren Verlauf werden die Figuren beinahe schon wie Vieh von den Menschen des Ortes gejagt. Parallelen zum Leben von Autorin SHIRLEY JACKSON sind nicht von der Hand zu weisen. Die lebte einst selbst in einem dieser Kleinode an denen die Menschen nach eigenen Regeln leben. So wurde sie in der Kleinstadt North Bennington im amerikanischen Bundesstaat Vermont regelmäßig selbst mit reflexhaften Antisemitismus und Anti-Intellektualismus konfrontiert. Genau jenes verträumtes Städtchen ist Schausplatz in vielen Werken der Schriftstellerin. Offenbar hatte Jackson so versucht einschneidenden Erlebnisse durch das Schreiben von Romanen zu verarbeiten, wenngleich sie in WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE die Folgen vergifteter Gedanken dann doch befremdlich intensiv auf die Spitze treibt. Immerhin war sie nicht die Erste die Erlebtes in Schriftform aufarbeitet hat.
 
 
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WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Subtiler Psychothriller – hervorragend gespielt. WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE ist eine längst überfällige Romanverfilmung und handelt von einem Mädchen, das in einer Traumwelt lebt, alles Fremde hasst und versucht, die schräge Idylle mit allen Mitteln vor Veränderung zu schützen. WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE entpuppt sich als finsteres Panorama, das Elemente aus Psychodrama, Krimi und Märchen vereint. Statt den Holzhammer zu schwingen, wird das Grauen in erster Linie durch Dialoge und mysteriöse Stimmung erzeugt. Gorebauern kommen hier nicht auf ihre Kosten. Ebenso nicht Leute, die sich gern von unterbelichteter Kommerzware berieseln lassen, die der Streaming-Anbieter NETFLIX am Fließband produziert. Dazu ist der Erzählstil äußerst unkonventionell und manch Frage bleibt am Ende unbeantwortet. Etwas Kopf und ein wenig Fantasie für die Eigeninterpretation sollten schon vorhanden sein, denn im Falle von WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE kommt das Grauen auf leisen und anspruchsvollen Sohlen. Sollte nach der Sichtung dennoch Verwirrung die Folge sein, hält Wikipedia einige Antworten parat. Dabei scheint folgende Information besonders wertvoll für den Aufschluss der Handlung zu sein: „… Typisch für Jacksons Werk ist die Erschaffung einer Atmosphäre des Befremdlichen sowie die tiefe Vertrautheit mit der Alltäglichkeit des Bösen und dessen Auswirkungen auf die Dorfgemeinschaft, die Familie und das Individuum. Was WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE jedoch von ihren anderen Werke unterscheidet, ist die gleichzeitige Ergründung von Liebe und Hingabe, allem die Handlung durchziehendem Unbehagen zum Trotz …“
 
 
 


 
 
 

WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE – Zensur

 
 
 
WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE hat bis auf eine Szene am Ende keine Gewalt zu bieten. Der Streifen fokussiert eher subtile und psychologische Angst. Liebhaber für blutige Handarbeit werden vermutlich enttäuscht sein. Hierzulande dürfte WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE wegen besagter Gewaltszene am Ende eine ungeschnittene FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei One Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bis das Blut gefriert (1963)
 
In einer kleinen Stadt (1993)
 

Filmkritik: „The Convent“ (2018)

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THE CONVENT

(HERETIKS)

Story

 
 
 

Eine der Hexerei beschuldigte Frau landet in einem Kloster und erlebt dort das Grauen auf Erden.

 
 
 


 
 
 

THE CONVENT – Kritik

 
 
 
Die Zeit der Inquisition war nicht unbedingt eine Sternstunde der Geschichte. Da wurden unschuldige Frauen, Männer und sogar Kinder der Hexerei beschuldigt und anschließend zum Tode verurteilt, weil man der Meinung war, dass jene ahnungslosen Seelen mit dem Teufel im Bunde standen. Ein trauriges Kapitel, das natürlich auch im Horrorfilm aufgearbeitet werden musste. Das Resultat: so reißerischer Exploitation wie DER HEXENJÄGER, HEXEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT oder HEXEN – GESCHÄNDET UND ZU TODE GEQUÄLT. Darin wurden geschichtliche Fakten zur Nebensache. Stattdessen wurde gefoltert, ermordet, vergewaltigt und gedemütigt. Die Kamera hielt stets darauf. Ende der 1960er und zu Beginn der 1970er war das schon harter Tobak.
 
 
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Der Horrorfilm THE CONVENT ist auch einer dieser Streifen, der das Thema Inquisition als Alibi nutzt, um Horror zeigen zu können. Da kommt natürlich gleich Freude bei Liebhabern blutiger Exploitationfilme auf. Denen sei gesagt, dass THE CONVENT weitestgehend von der Zurschaustellung grausamer Gewalt absieht und eher eine atmosphärische Geschichte vor Mittelalter-Kulisse erzählt, die sich Elementen aus Okkult- und Dämonen-Horror bedient. Weil seit dem CONJOURING-Spinoff THE NUN auch Nonnen wieder in Mode sind, gibt es die gleich mit dazu. Letztere beweisen in diesem Horrorstreifen Talent fürs Quälen ahnungsloser Novizinnen. Da werden Erinnerung an Nunsploitation-Streifen der 70er Jahre wach. Darin wurde tabuloser Sex und unmenschliche Gewalt hinter Kirchentüren zelebriert. THE CONVENT schlägt ähnliche Richtung ein. Auch hier werden junge Nonnen-Anwärterinnen von Obernonnen schikaniert, bestraft und gebrochen. Nur mit schonungslosen Sexszenen geizt der Streifen – leider!
 
 
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Vom Regen in die Traufe. Die junge (HANNAH ARTERTON) ist ein Pechvogel, wie er im Buche steht. Die wird wegen Hexerei angeklagt, weil sie den Tod der Mutter vorausgeahnt hat. Nun soll das junge Ding auf dem Scheiterhaufen brennen. Ihr Schicksal scheint besiegelt. Da taucht eine geheimnisvolle Nonne (CLAIRE HIGGINS) auf, die eine religiösen Zufluchtsort in der Nähe leitet. Die wortgewandte Alte überzeugt das Gericht und darf die Beschuldigte mit in das von ihr geführt Konvent nehmen, wo sie den Weg zurück zu Gott finden soll. Doch dort soll der Horror für die ahnungslose erst beginnen. Nicht nur, dass sich der Neuling den harten Regeln der Ordensgemeinschaft unterwerfen muss. Hinter den dicken Mauern dieses Klosters herrscht offensichtlich das Böse. Da passieren plötzlich seltsame Dinge und macht Bekanntschaft mit einer bösartigen Präsenz. Als wäre das nicht alles schon schaurig genug, verhalten sich auch die Leiterinnen des Klosters seltsam. Offenbar wissen die, was hier passiert. Ein Rätsel, das nun auch lösen muss.
 
 
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Nein, THE CONVENT ist kein Remake, Reboot oder Sequel vom grotesken Kirchen-Splatter aus der Mache des MIKE MENDEZ, welcher 2000 unter gleichem Titel in den Lichtspielhäusern gezeigt wurde. Der hier besprochene THE CONVENT – der anfangs noch HERETIKS hieß – hat mit der spaßigen Genre-Produktion überhaupt nichts zu tun und will auch sonst nicht spaßig sein. Regisseur PAUL HYETT zeichnet verantwortlich. Der überraschte 2012 mit dem unangenehmen THE SEASONING HOUSE und lies anschließend in HOWL Werwölfe folgen. Spielfilm Nummer drei geht düstere Wege, ist Okkult-Horror der alten Schule und eigentlich bis Filmmitte ganz brauchbar. So muss eine junge Novizin herausfinden, welche geheimnisvollen Legenden um ein düsteres Konvent ranken, in dem immer mal wieder unschuldige Nonnen verschwinden. Weil die Heldin lang im Dunkeln tappt und THE CONVENT auch sonst ein großes Geheimnis über mysteriöse Vorkommnisse hinter Klostermauern macht, bleibt THE CONVENT spannend. Danach wird es leider dämlich.
 
 
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Leider kann der Spannungsbogen nicht lang gehalten werden. Spätestens nach der Halbzeit vertrödelt dieser gotisch angehauchte Kloster-Horror zu viel Zeit mit dem Abhandeln von Dämonen-Klischees, bedient sich bei dazu noch bei anderen Horror-Subgenres und verkommt so zu Dutzendware. Da werden nicht nur vorhersehbare Schreckmomente und fast schon grotesk anmutende Blutmanschereien abgehakt, die gar nicht zum restlichen Film passen. Auch dem Dämonen-Make-up mangelt es an Glaubwürdigkeit. So trägt das Böse im Film eigensinnige Kontaktlinsen, die leuchten. Ähnliche Anfertigungen hatten wohl feiernde Techno-Anhänger zu Loveparade-Zeiten in den Augen. Furchterregend ist etwas anderes.
 
 


 
 
 

THE CONVENT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Was atmosphärisch beginnt, endet in einer klischeebeladenen Dämonen- und Zombie-Achterbahn mit schlechten Effekten. Als Liebhaber des klassischen britischen Horrors wollte Regisseur PAUL HYETT genau dieser Film-Epoche eine moderne, härtere und stilvolle Note verleihen. Das ist leider nur bedingt gelungen. Atmosphärisch fährt die dritte abendfüllenden Spielfilm-Produktion des Filmemachers groß auf. Leider wird THE CONVENT ab der Halbzeit ziemlicher Käse. Da wird alles abgefeuert, was das Horror-Genre so hergibt. Regisseur PAUL HYETT wirft Elemente aus Grusel, Zombie, Okkult, Dämonen und Kloster-Horror in einen Topf, rührt um und würzt mit miesen Effekten nach. Das Gebräu ist keine Glanzleistung in Sachen Schrecken. Vielmehr endet THE CONVENT in einer beinahe schon lächerlichen Farce in der nach Dämonen-Beschwörung und bestrafungsgeilen Nonnen plötzlich die Zombies aus ihren Gräbern steigen. Was für ein Quark. Von Regisseur PAUL HYETT hätte man was Besseres erwartet.
 
 
 


 
 
 

THE CONVENT – Zensur

 
 
 
THE CONVENT ist eigentlich ein unheimlicher Gruselfilm, der eher Wert auf unheimliche Atmosphäre liegt. Eigentlich! Wären da nicht einige zufällig eingestreute Splatter-Szenen, die blutige Schauwerte zeigen. Da reißt sich eine Nonne selbst die Augäpfel aus den Augenhöhlen. In einer anderen Szene werden Nonnen zu Zombies umfunktioniert und radieren sich gegenseitig aus. Da fließt das Blut munter über die Mattscheibe. Hierzulande dürfte THE CONVENT dennoch eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE CONVENT – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Nun (2018)

The Crucifixion (2017)

Der Exorzist III (1989)

The Rite – Das Ritual (2011)

Incarnate – Teuflische Besessenheit (2016)

Filmkritik: „I Trapped the Devil“ (2019)

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I TRAPPED THE DEVIL

Story

 
 
 

Zwei entfremdete Brüder treffen am Heiligen Abend aufeinander und erleben ein Weihnachtsfest voller Angst.

 
 
 


 
 
 

I TRAPPED THE DEVIL – Kritik

 
 
 
Horrorfilme, die an Heiligabend spielen, bilden nicht erst seit gestern ein eigenes Genre. Bereits in den 1970ern wurde Weihnachten in Filmen wie BLACK CHRISTMAS oder UNTER MORDVERDACHT zum bluttriefenden Grauen deklariert, wo statt gefeiert grausam gestorben werden musste. Was in den 1970ern aber noch die Ausnahme war, hat sich mittlerweile im Horror-Genre fest etabliert. So vergeht nahezu kein Jahr an dem nicht mehrere Horrorfilme gedreht werden, die das Weihnachtsfest zum Thema schrecklicher Ereignisse machen. I TRAPPED THE DEVIL ist einer derer. Kurioserweise handelt es sich hier um einen Genre-Beitrag, der zwar zur Weihnachtszeit spielt, aber kaum Weihnachtsstimmung aufkommen lässt. Stattdessen wird der Zuschauer in einen Albtraum aus Wahn, Paranoia und Okkult-Horror gezogen, der vor allem durch eines auffällig wird: klaustrophobische Bilder und ungemütliche Atmosphäre.
 
 
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Wenn Weihnachten eine unerwartete Richtung einschlägt. Eigentlich möchten Matt und Frau Karen nur die Festtage mit der Familie verbringen. Doch es kommt alles ganz anders. Die beiden wollen Matts psychisch labilen Bruder besuchen, um ihm am Weihnachtsabend Gesellschaft zu leisten. Leider ist Bruderherz Steve über den unangemeldeten Besuch alles andere als erfreut. Die miese Weihnachtsstimmung hat auch ihren Grund. Steve hat nämlich andere Sorgen. Der hat im Keller einen Menschen eingesperrt, von dem er fest davon überzeugt ist, dass es sich dabei um den Leibhaftigen persönlich handelt. Letzterer soll angeblich für die vielen Negativschlagzeilen in den Tageszeitungen verantwortlich zeichnen. Eine gewagte Theorie, die bald absurde Ausmaße annimmt und die Frage in den Raum stellt, ob der paranoide Bruder damit Recht behält oder alles doch nur einem kranken Geist entspringt.
 
 
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Handwerklich souverän inszenierter Gruselfilm mit kleinen Schwächen. Die Geschichte hinter I TRAPPED THE DEVIL erinnert ein wenig an die 41. Episode der beliebten THE TWILIGHT ZONE mit dem Titel THE HOWLING MAN von 1959. Auch dort drehte sich alles um einen eingesperrten Mann, der angeblich deshalb hinter verschlossenen Mauern sein Dasein fristen musste, weil man fest der Überzeugung war es hier mit dem Teufel zu tun zu haben. Was dort aber in knapp 30 Minuten über die Mattscheibe lief, wird in I TRAPPED THE DEVIL in Spielfilmlänge abgehandelt. Das ist dahingehend problematisch, weil nicht viel Story geboten wird. Regisseur JOSH LOBO lässt die überschaubare Handlung zu häufig um die Frage kreisen, was denn nun eigentlich des Pudels Kern seines ersten Spielfilms ist. Wer befindet sich tatsächlich im Keller und haben die wüsten Verschwörungstheorien überhaupt Gewichtung mit denen der Zuschauer hier konfrontiert wird? Um genau jene Fragen wird ein großes Mysterium gesponnen, für welches das Publikum viel Geduld mitbringen muss. Die Auflösung flimmert nämlich erst eine Minute vorm Abspann über den Bildschirm.
 
 
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Viel Substanz besitzt I TRAPPED THE DEVIL keineswegs. Die Geschichte tritt nämlich zugunsten Atmosphäre in den Hintergrund. Hier erhalten unbequeme Bilder und angespannte Stimmung Hauptaugenmerk. Regisseur JOSH LOBO versucht mit gruseligen Kameraeinstellungen und farblich stimmiger Ausleuchtung (da werden Bilder in stechendes Rot getaucht – DARIO ARGENTO lässt grüßen) eine Atmosphäre der Angst zu schaffen, die bis zum erlösenden Abspann aufrechterhalten werden soll. In der Tat schafft sie das problemlos. Schnell ist man mittendrin und sitzt angespannt vor dem Fernseher, um genau jene Auflösung zu ergründen, die I TRAPPED THE DEVIL ansteuern möchte. Leider wird die Antwort auf die entscheidende Frage so nur künstlich hinausgezögert. Die Hinhalte-Technik macht nämlich schnell müde. Ein langsamer Erzählfluss tut da sein Übriges. Regisseur JOSH LOBO nimmt sich viel Zeit, um Charaktere zu beleuchten und Stimmung durch visuelle Stilelemente aufzubauen. Die eigentliche Handlung kommt dabei aber nur schleppend in Fahrt. Das macht den visuell starken und schauspielerisch gut besetzten I TRAPPED THE DEVIL zu einem zweischneidigen Schwert. Filmfans mit Hang zum Mainstream werden da schnell das Interesse verlieren.
 
 


 
 
 

I TRAPPED THE DEVIL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Der wohl gruseligste Weihnachtsfilm, der jemals gedreht wurde. I TRAPPED THE DEVIL ist ein schauriges und vor allem mehrdeutiges Gruselerlebnis, das das Gruselhandwerk der alten Schule zurück auf die Mattscheibe bringt. Hier übernehmen leise Töne die Oberhand. Mit gerade einmal drei Hauptdarstellern wird hier eine subtile und gleichzeitig klaustrophobische Geschichte erzählt, die sich in nur drei Zimmern abspielt. Die überschaubare Kulisse nutzt alle Möglichkeiten des subtilen Angstkinos aus. Da sorgen mysteriöse Stimmen für Gänsehaut, eine befremdliche Ausleuchtung schwört Unbehagen herauf und unbeantwortete Fragen treiben die Spannung voran. Leider hat dieses Debüt-Stück eines ambitionierten Nachwuchsregisseurs einen Haken. I TRAPPED THE DEVIL wird derart langsam erzählt, dass man Probleme bekommen könnte der Handlung zu folgen, wenn man nicht ausgeschlafen ist. Hinzukommt, dass der Streifen in der ersten halben Stunden mit Leerlauf zu kämpfen hat, weil der dünne Plot auf 83 Minuten Laufzeit gestreckt werden musste. Zwar sind alle Zutaten für gruseliges Gänsehautkino vorhanden. Dennoch benötigt der Film lang bis diese zu einem Ganzen finden. Dafür ist das Finale stark. I TRAPPED THE DEVIL ist unausgereiftes Indie-Kino, das aber immer noch weit besser ist als das, was einem mittlerweile alles im Horror-Genre zugemutet wird.
 
 
 


 
 
 

I TRAPPED THE DEVIL – Zensur

 
 
 
I TRAPPED THE DEVIL ist eher ein ruhig erzählter Gruselthriller ohne großartige Gewaltausbrüche. Erst am Ende wird ein Messer in einen Körper gestoßen und eine Waffe kommt auch zum Einsatz. Hierzulande dürfte das alles für eine ungeschnittene FSK16 reichen.
 
 
 


 
 
 

I TRAPPED THE DEVIL – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Rite – Das Ritual (2011)
 
Erlöse uns von dem Bösen (2014)
 
Lost Souls – Verlorene Seelen (2000)
 

Filmkritik: „Body at Brighton Rock“ (2019)

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BODY AT BRIGHTON ROCK

Story

 
 
 

Frau gegen Natur: Die Mitarbeiterin eines Nationalparks verläuft sich im Wald und muss eine ganze Nacht dort verweilen, bis Hilfe eintrifft. Da werden wenige Stunde zu einer gefühlten Ewigkeit, weil die Fantasie der Hauptdarstellerin boshafte Streiche spielt.

 
 
 


 
 
 

BODY AT BRIGHTON ROCK – Kritik

 
 
 
Es gibt Regeln, die gilt es zu befolgen – nicht nur im Horrorfilm. Eine derer erlernt man bereits im Kindesalter. Da wird immer wieder davon gepredigt, dass man bei Waldspaziergängen besser nicht vom Wegesrand abkommt, um sich nicht zu verlaufen. Eine wichtige Regel, die im Thriller BODY AT BRIGHTON ROCK missachtet wird. Die Strafe folgt auf dem Fuß. Für den cineastischen Denkzettel zeichnet ROXANNE BENJAMIN. Die scheint eine Leidenschaft für Horror-Anthologien zu besitzen, hatte sie bei jeder wichtigen Kurzgeschichtensammlung der letzten Jahre ihre Hände mit ihm Spiel, die im Horrorfilm-Bereich Erfolg verbuchen konnte. So drehte sie nicht nur Segmente für SOUTHBOUND und den ausschließlich von Frauen inszenierten XX. Auch als Produzentin verdiente sich die Filmemacherin und verhalf so Kult-Horror wie V/H/S und V/H/S 2 zu Ruhm. Mit BODY AT BRIGHTON ROCK muss sie nun unter Beweis stellen, dass sie auch mehr als Episoden für Horror-Anthologien kann. BODY AT BRIGHTON ROCK ist der erste Langfilm der Regisseurin und geht in eine andere Richtung. Statt grafischen Horror auf die Leinwand zu bringen, ergründet die Regisseurin menschliche Ängste. Deftige Schocks und grausame Gewalt haben Sendepause. Dafür wird es leise, zurückhaltend und psychologisch. Ob der Richtungswechsel eine gute Entscheidung war.
 
 
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Als frisch ausgebildete Mitarbeiterin des Nationalparks Brighton Rock hat man es nicht leicht. Man muss immer pünktlich auf der Arbeit erscheinen und stets höflich seinen Vorgesetzten gegenübertreten. Etwas, mit dem Wendy (KARINA FONTES) so ihre Probleme hat. Die hat zwar bisher wenig Erfahrung in ihrem Beruf sammeln können, will aber allen zeigen, dass sie auch anspruchsvolle Aufgaben bewältigen kann. Sie tauscht einfach den zugeteilten Aufgabenbereich mit einer Mitarbeiterin, sodass letztere in Ruhe mit einem Kollegen flirten kann. Eine Fehlentscheidung, wie sich bald herausstellen wird. Wendy muss nämlich in die Wälder, um dort ein paar Informationsblätter auszutauschen. Eigentlich eine nicht sonderlich schwere Arbeit, würde unsere Heldin nicht so leichtfertig mit ihren Arbeitsutensilien umgehen. Sie verliert nämlich schnell die Orientierung, weil sie ihre Parkkarte verloren hat. So läuft Wendy immer tiefer in den Park hinein und weiß bald nicht mehr wo sie ist. Da ist guter Rat teuer, zumal die junge Frau auch noch auf eine Leiche trifft, die hier wohl schon längere Zeit liegen muss. Gott sei Dank wurde ein Funkgerät eingepackt. Mit dem fordert sie Hilfe an. Die Sache hat nur einen Haken. Bis man die Position geordert hat und eintreffen wird, wird die Nacht hereingebrochen sein. Deshalb will man mit der Suche bis zum nächsten Morgen warten. Eine Tatsache, die von unserer unsicheren Hauptdarstellerin einiges abverlangt. Kaum sieht man die Hand vor Augen nicht, bekommt es Wendy mit der Angst zu tun. Offenbar ist die junge Dame nicht allein in den Wäldern. Da wird aus einem verängstigten Reh plötzlich eine mutige Kampfamazone. Respekt!
 
 
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Survival-Thriller mit Verwirrungstaktik. BODY AT BRIGHTON ROCK deklariert mal wieder Urängste zum Mittelpunkt. Da werden Themen wie Angst vor der Dunkelheit, Orientierungslosigkeit und Furcht vor dem Unbekannten in den Fokus gerückt, damit eine verzweifelte Protagonistin über sich hinauswachsen kann. Die erlebt hier die Lektion ihres Lebens und muss eine Nacht voller Terror überstehen, die immerhin den Mut der verschreckten Heldin fordert. Da lassen schaurigen Legenden die Fantasie durchgehen, welche davon berichten, dass es in der Gegend spuken soll. Aber auch Mutter Natur macht es der Heldin nicht leicht. Letztere sieht sich plötzlich mit einem Grizzly konfrontiert, der offenbar seit Tagen nichts mehr gefressen hat. Aber damit soll es nicht enden. Auch ein Fremder schleicht sich unerwartet an und entfacht eine Aura des Bösen. Was der hier mitten in der Wildnis im Schilde führt? Erfahrene Filmkenner haben da gleich den Klassiker BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE im Gedächtnis.
 
 
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BODY AT BRIGHTON ROCK versucht den Zuschauer an der Nase herumzuführen in dem er einfach verschiedene Genre-Rezepturen vereint. Da werden mehrere Richtungen eingeschlagen, die lang offen lassen, worauf der Film eigentlich hinauswill. Das Regie-Debüt von ROXANNE BENJAMIN lässt sich nicht unbedingt in eine Schublade stecken. Der Überlebensthriller streift Zombie-, Tier-Horror und Geisterstreifen, rückt aber am Ende erst mit der Sprache heraus, was sich hier nun wirklich ereignet. Das lässt den Film hervorstechen, weil er sich so souverän gegen Genre-Konventionen auflehnt. Demzufolge ist BODY AT BRIGHTON ROCK auch nichts fürs Massenpublikum. Der Streifen richtet sich eher an jene, die gern mutiges Indie-Kino sehen wollen, das sich weg von den Produktionen großer Studios bewegt. Dort wird viel zu oft das gedreht, was von der Allgemeinheit einfach verstanden und schnell konsumiert werden kann. Mit sowas gibt sich das Multitalent ROXANNE BENJAMIN nicht zufrieden. Die dreht und produziert das, was sie gern sehen möchte und nicht andere. So sollte es öfters sein.
 
 


 
 
 

BODY AT BRIGHTON ROCK – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Eine Geschichte, die seine Protagonistin dabei begleitet ihre Ängste zu überwinden. BODY AT BRIGHTON ROCK ist einer dieser Filme, die mit der Wahrnehmung seiner Figuren spielen. Was ist hier real und was spielt sich nur im Kopf der Charaktere ab. Mit genauer jener Frage hält sich dieser Survival-Thriller über Wasser für den sich Regisseurin ROXANNE BENJAMIN von den Büchern des CHRISTOPHER PIKE inspirieren ließ. BODY AT BRIGHTON ROCK erzählt nicht nur von einer mutigen Frau, die über sich hinauswächst, sondern verbeugt sich auch gleich mal von den glorreichen 1980ern. Allein das macht den Streifen schon sympathisch – auch, wenn am Ende so einige Fragen offen bleiben und die Hauptfigur doch etwas blass hinter der zugegebenermaßen interessant zusammengeflickten Geschichte bleibt.
 
 
 


 
 
 

BODY AT BRIGHTON ROCK – Zensur

 
 
 
BODY AT BRIGHTON ROCK hat kaum Gewaltmomente zu bieten. Man bekommt kurz eine Leiche zu sehen, die schon längere Zeit auf dem Waldboden liegt. Weiterhin fällt ein Mann von einem Felsen und ein Grizzly verwundet unsere Heldin am Fuß. BODY AT BRIGHTON ROCK dürfte ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

BODY AT BRIGHTON ROCK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Magnet Releasing)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Desolation (2017)
 
Backcountry – Gnadenlose Wildnis (2014)
 
Girl in Woods (2016)
 
Borderline (2017)
 
The Ritual (2017)
 

Filmkritik: „The Dark“ (2018)

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THE DARK

Story

 
 
 

In der Gegend, die von den Einheimischen als Teufelsgrube bezeichnet wird, geht der Horror um. Hier verschwinden Menschen spurlos und niemand weiß warum. Legenden erzählen, dass dort eine gefräßige Bestie ahnungslose Wanderer reißt. Schaurige Geschichten, die nicht weit hergeholt sind. An diesen Ort hat sich Teenagerin Mina zurückgezogen, die gern mal Eindringlinge verspeist, wenn sie ihr zu nahe kommen.

 
 
 


 
 
 

THE DARK – Kritik

 
 
 
Ungewöhnliche Freundschaften sind im Horrorfilm nichts Neues. Im Genre findet gern mal zusammen, was nicht zusammengehört. Da knüpfen Menschen unvoreingenommen Bande mit Vampiren, Geistern, Monstern oder Zombies und wundern sich dann, wenn die anfängliche Harmonie plötzlich in Chaos oder Terror umschlägt. Erfahrene Horrorfilm-Kenner haben da vermutlich Klassiker wie GREMLINS, KING KONG oder FRANKENSTEIN vor Augen. Aber ein Blick über den Tellerrand verrät: da gibt es weitaus mehr. Einer dieser Filme ist der Folgende. Auch THE DARK führt zwei Außenseiter zusammen, die so einiges gemeinsam haben, aber am Ende wegen ihrer Ungleichheit vor dem sprichwörtlichen Scherbenhaufen stehen. Leider ist der Findungstrip nicht sonderlich herausragend. Zwar wird atmosphärisch groß aufgefahren und auch die Hauptdarsteller meistern ihre Sache ganz gut. Der düstere Coming-of-Age-Grusler hat aber wenig Interesse an seinen Figuren und will lieber mit reißerischen Horrorszenen schocken. Das ist leider etwas platt.
 
 
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Teenagerin Mina (NADIA ALEXANDER) hat in ihrem jungen Leben viel Leid ertragen müssen. Die wurde als Kind missbraucht, erschlagen und anschließend im Wald vom Peiniger verscharrt. Doch das Mädchen hat überlebt – wenn auch schwer verletzt. Seither haust sie in einem leerstehenden Holzhaus inmitten einer Gegend, in der schon viele Menschen auf mysteriöse Weise verschwunden sind. Da parkt plötzlich ein Auto vor der Hütte. Sind das etwa Einbrecher? Mitnichten! Ein blinder Junge (TOBY NICHOLS) hat sich im Fahrzeug versteckt, der mit Mina das gleiche Schicksal teilt. Auch er hat Schreckliches erlebt und scheint von den Erlebnissen traumatisiert zu sein. Man nähert sich an und fühlt sich einander verbunden. Was folgt, ist eine Freundschaft, die gegenseitig Trost spendet und zusammenschweißt.
 
 
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THE DARK fällt mit ungewöhnlicher Prämisse auf. So sehen wir gleich zu Beginn Schauspieler KARL MARKOVICS durch Wälder streifen, den man sonst eher aus deutschsprachigen Filmen und Vorabendserien kennt. Handelt es sich hier etwas um eine Produktion „made in Germany“? Nicht ganz. THE DARK ist eine österreichische Produktion, die wohl aus Kostengründen in den kanadischen Wäldern gedreht wurde. Damit man den Streifen besser international vermarkten kann, wurde auch gleich in englischer Sprache gedreht. So lässt sich THE DARK auch in jene Länder verkaufen, wo das Synchronisieren von Filmen nicht unbedingt die Regel ist.
 
 
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Zwei Regisseure zeichnen verantwortlich. Die Österreicher JUSTIN P. LANGE und KLEMENS HUFNAGL treten mit ihrem Horror-Drama in die Fussstapfen von so Filmen wie THE WILDLING oder SO FINSTER DIE NACHT. Letzterer thematisierte auf sensible Weise eine ebenso ungewöhnliche Freundschaft zwischen Menschen, die sich einander fremd aber dennoch vertraut sind. Von der Feinfühligkeit und Sensibilität jenes schwedischen Ausnahmefilmes ist THE DARK aber weit entfernt. Der Film versucht zwar die Seelenwelt seiner beiden emotional gebeutelten Hauptdarsteller zu ergründen, verirrt sich aber leider viel zu oft in der dunklen Welt des Horrorfilms. Statt Charaktere gründliche zu analysieren, will man lieber dem gerecht werden, was Fans eben von Horrorfilmen erwartet. Das sind nun mal nicht tiefgründige Charakterstudien und Anspruch, sondern Schockmomente, Gewalt und ungemütliche Bilder.
 
 
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Genau diese Tatsache macht den THE DARK trivial und beliebig. Der Coming-of-Age-Horror beschäftigt sich zu oft mit totgefilmten Klischees des Horror-Genres. Die kommen immer dann zum Einsatz, wenn ausgerechnet das emotionale Seelenwohl der beiden Hauptdarsteller beleuchtet werden soll und sich die Figuren versuchen einander anzunähern. Da wird in einem Moment in Rückblenden davon berichtet, wie Antiheldin Mina als Kind vom Freund der Mutter sexuell missbraucht wird. In der nächsten Szene befinden wir uns wieder in der Gegenwart und wir bekommen zu sehen, wie die leidgeplagte Teenagerin zwei Männer kaltblütig ermordet. Die Holzhammertaktik ist nicht sonderlich feinfühlig und erschwert es dem Zuschauer unnötig, sich mit den beiden Opfern in irgendeiner Weise zu identifizieren.
 
 
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Offenbar war der störende Gewaltrausch nötig, um etwas Drive in die Handlung zu bringen. THE DARK verfügt nämlich über ein sehr gemächliches Erzähltempo, das vor allem Zuschauern Probleme bereiten dürfte, die sich sonst eher von stylischen Horror-Schockern aus der BLUMHOUSE-Schmiede (GET OUT, THE PURGE, WIR) berieseln lassen. Die werden vermutlich auch gerade deshalb mit dem zäh und behäbig inszenierten THE DARK nicht sonderlich warmwerden. Da machen ein paar Splatter-Szenen die Kuh auch nicht mehr fett. So tut es dann doch schon in der Seele weh zu sehen, wie hier zwei talentierte Jungdarsteller verheizt werden. NADIA ALEXANDER und TOBY NICHOLS verkörpern zwei traumatisierte Einzelgänger und erweisen sich als Glücksgriff. Leider wird von ihnen nicht viel abverlangt. Deshalb kann man für die beiden nur hoffen, dass die in Zukunft mehr Glück bei der Auswahl ihrer Rollen haben, die die bemerkenswerten Talente fördern und fordern.
 
 


 
 
 

THE DARK – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Im Gegensatz zu Deutschland wird in Österreich das Drehen von Horrorfilmen vorangetrieben und von staatlicher Seite gefördert. Die Liste von Horrorstreifen aus dem Nachbarland liest sich daher lang. So entstanden dort Filme wie BLUTGLETSCHER, ICH SEH ICH SEH oder auch IN 3 TAGEN BIST DU TOT. Einige der vielen Produktionen aus dem Nachbarland fanden sogar auch international Erwähnung. Letzteres trifft auch auf THE DARK zu, der sich am Ende als doch zähes und nicht immer feinfühliges Horror-Coming-Of-Age-Drama entpuppt, das seine zwei Helden nicht unbedingt ernst nehmen möchte. Die haben Schlimmes erlebt und sind schwer traumatisiert. Trotzdem jagt man beiden Figuren durch den Horror-Klischee-Sumpf und reißt sie auch noch durch ein blutiges Szenario, das vor allem auch mit der Glaubwürdigkeit so seine Probleme hat. Da kommt es immer mal wieder zu eigensinnigen und vor allem makabren Zufällen, die erfahrene Zuschauer mit dem Kopf schütteln lassen. Beispiel gefällig? Ein junger Mann flüchtet vor der entstellten Hauptdarstellerin Mina und hetzt orientierungslos durch die Wälder. Letztere ist außer Kontrolle und will den Flüchtenden in Stücke reißen. Als der eine verlassene und kaum befahrene Straße sieht und selbige überqueren möchte, kommt just in diesem Augenblick ein Fahrzeug auf ihn zu und überfährt das bemitleidenswerte Opfer. So konstruiert wirkende Verläufe gibt es in THE DARK ziemlich oft. Leider passt dieser ganze Splatter-Quatsch irgendwie nicht zum sonst kontroversen Thema dieses eher als Coming-of-Age-Drama konzipierten Films.
 
 
 


 
 
 

THE DARK – Zensur

 
 
 
THE DARK hat einige Gewaltszenen zu sehen. Diese sind aber sehr kurz – dennoch schnell geschnitten. Oft kommt eine Axt zum Einsatz. In einer Szene wird aber auch ein junger Mann von einem Auto überfahren. Sollte THE DARK eine Heimkinoauswertung erfahren, dürfte er ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE DARK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei FILMLADEN FILMVERLEIH)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
So finster die Nacht (2008)
 
Let Me In (2010)
 

Filmkritik: „The Wind“ (2018)

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THE WIND

Story

 
 
 

Ein Siedler-Paar erlebt im Westen Amerikas den blanken Horror, als man in der verlassenen Prärie versucht ein neues Leben zu beginnen.

 
 
 


 
 
 

THE WIND – Kritik

 
 
 
Frauen, die Horrorfilme drehen sind immer noch eine Randerscheinung. Aber es gibt sie. Die sind nicht weniger kreativ im Angstverursachen, wie die männlichen Filmkollegen und machen auch in Sachen Filmgewalt keine Gefangenen. So gehen Kultfilme wie FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE oder SLUMBER PARTY MASSACRE auf das Konto genau jener Regisseurinnen. Aber auch in Schockern jüngeren Datum sitzen immer häufiger Frauen auf dem Regiestuhl. Mit Erfolg. So erhielt Horror-Ware wie RAW, BRAID oder DER BABADOOK international viel Lob von Fans und Kritikern. Letztere waren mindestens genauso vom psychologischen Grauen in THE WIND angetan. Auch für diesen Film übernahm eine Frau das Ruder. Newcomerin EMMA TAMMI drehte zuvor Dokumentationen und hat nun zum ersten Mal für einen Spielfilm Regie geführt. In Anbetracht dessen, was einem sonst an Debüt-Werken im Horrorfilm-Sektor zugemutet wird, ist THE WIND eine regelrechte Offenbarung. Der Streifen schaut hochwertig aus und ist alles andere – nur kein Einheitsbrei. Wem es daher im Horror-Genre nach Anspruch dürstet, ist hier goldrichtig.
 
 
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Das ländliche Amerika irgendwann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Lizzy Macklin (CAITLIN GERARD) und Gatte Isaac (ASHLEY ZUKERMAN) lassen sich auf einem unbesiedelten Stück Land nieder, um dort den amerikanischen Traum zu leben. Doch so weit weg von der Zivilisation passieren bald seltsame Dinge. Die treusorgende Ehefrau beginnt plötzlich eine unheimliche Präsenz zu spüren, die offenbar vom Wind getragen wird. Doch der Liebste tut die Bedenken als Aberglauben ab und schenkt den Sorgen seiner Frau noch wenig Beachtung. Da bekommt das Paar Besuch. Zwei neue Nachbarn stellen sich vor und wollen in der Nähe auch ein neues Leben beginnen. Eigentlich eine schöne Sache, wären da nicht Lizzys Ängste, die die Leidgeplagte an ihre Grenzen gehen lässt. Letztere ist fest davon überzeugt, dass etwas Böses sie heimgesucht hat. Da entwickelt sich Furcht mit einem Male zu Wahn und bringt alle Beteiligten in große Gefahr.
 
 
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Ein Grusel-Western, den man mehrdeutig interpretieren kann. Sind hier wirklich dämonische Kräfte am Werk, die der Hauptdarstellerin zu schaffen machen oder macht THE WIND Einsamkeit zum Thema, welche die Filmheldin an ihre psychischen Grenzen bringt? Regisseurin EMMA TAMMI macht es so Filmen wie THE NOONDAY WITCH oder THE HOUSE ON PINE STREET gleich. Auch dort vermischte man menschliche Ängste mit übernatürlichem Hokuspokus, hielt sich aber mit Antworten zurück, um das Kopfkino des Zuschauers zu aktivieren. Ein cleverer Schachzug, der den metaphernreichen THE WIND aus dem Strudel an immer trivialer werdenden Spuk-, Dämonen- und Geisterfilmen hervorstechen lässt. So bleibt lang unklar, worauf Filmemacherin EMMA TAMMI hinauswill. Die hat sich bei ihrem Debüt-Stück für eine nicht-lineare Erzählweise entschieden, um den Zuschauer zu fordern. Was anfängt wie eine bloße Ansammlung von Momenten, entwickelt sich schnell zu einem beunruhigenden Filmalbtraum, der in den letzten 20 Minuten auf Hochtouren läuft. Dann laufen die Geschehnisse aus dem Ruder und steuern auf ein Desaster hin, das nicht unberührt lässt.
 
 
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THE WIND ist ein gutes Beispiel dafür, mit welch einfachen Mitteln sich ein unheilvolles Gefühl der Unruhe und Bedrohung auf Zelluloid bannen lässt. Der Film besitzt weder Spezialeffekte, noch reißerische Gewaltszenen. Stattdessen folgt Regisseurin EMMA TAMMI den Gruselregeln der alten Schule, lässt lieber Bilder sprechen und übergibt hervorragenden Darstellern das Zepter. Die Protagonisten haben kaum etwas zu sagen und Dialoge sind aufs Wesentliche reduziert. So kann sich der Zuschauer ganz auf die Geschehnisse konzentrieren und der hervorragenden Hauptdarstellerin folgen, die den Film fast ganz allein auf ihren Schultern tragen muss. Die verfällt in einen von Trauer getriebenen Wahnsinn und kann bald nicht mehr zwischen Gut und Böse entscheiden. Hierbei erweist sich Schauspielerin CAITLIN GERARD als perfekte Wahl. Die geht in ihrer Rolle als gequälte Lizzy derart auf, dass man sich schnell mit ihr verbunden fühlt und Verständnis für ihre Ängste entwickelt. Apropos Angst: mit Genrefilmen kennt sich die attraktive Amerikanerin aus. CAITLIN GERARD schrie sich bereits durch die Horrorstreifen THE AWAKENING, SMILEY und INSIDIOUS 4. Die Filme sind keine Glanzleistungen. THE WIND kommt dieser Bezeichnung schon ein Stück näher, weil er den Zuschauer mit Köpfchen das Fürchten lehren möchte und nicht durch den Dauereinsatz von Schockmomenten und Horrorfilm-Klischees.
 
 
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THE WIND – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Intelligenter Grusel-Western mit Arthaus-Flair und hervorragender Hauptdarstellerin. Der wortkarge THE WIND erinnert ein wenig an den gleichnamigen Stummfilm mit LILLIAN GISH aus dem Jahre 1928. Regisseurin EMMA TAMMI beteuerte in Interviews aber, dass ihr Langfilm-Regiedebüt rein gar nichts mit genanntem Klassiker zu tun hat. Ihr THE WIND ist eine nicht-lineare Erzählung über Verlust, Paranoia, Angst und Zorn, die schnell eine ganz eigene Dynamik entwickelt, sodass ein Desaster unvermeidbar bleibt. Was langsam brodelt, entwickelt sich schnell zum Psycho-Trip. Dabei werden mit Absicht Grenzen zwischen Realität und Aberglauben verwischt, um den Zuschauer – wie die Filmheldin – zu verunsichern. Was passiert in THE WIND wirklich? Folgt der Film eine psychisch labilen Frau, die im Wahn ihr eigenes Grab schaufelt? Oder sind hier wirklich paranormale Kräfte am Werk, die es mit der Hauptfigur gar nicht gut meinen. Die Antwort darauf ist mehrdeutig auslegbar.
 
 
 


 
 
 

THE WIND – Zensur

 
 
 
THE WIND hat nur wenige Gewaltmomente zu bieten. Diese werden zudem nicht selbstzweckhaft eingesetzt. Ein Säugling wird tot zur Welt gebracht, eine Protagonistin wird erschossen, ein anderer Protagonist wird erstochen. Hierzulande wird THE WIND vermutlich eine FSK16 erhalten. Diese Freigabe ist angemessen.
 
 
 


 
 
 

THE WIND – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC MIDNIGHT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Noonday Witch (2016)
 
Der Babadook (2014)
 
The Disappointments Room (2016)
 
The Hole in the Ground (2019)
 
Dark Circles (2013)
 

Filmkritik: „The Axiom“ (2018)

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THE AXIOM

Story

 
 
 

Fünf Freunde geraten auf der Suche nach einer vermissten Bekannten in eine Parallelwelt, wo sie ums Überleben kämpfen müssen.

 
 
 


 
 
 

THE AXIOM – Kritik

 
 
 
Mal wieder ein Indie-Filmemacher, der es wissen will. Seit einigen Jahrzehnten bietet das Horror-Genre ambitionierten Nachwuchsregisseuren die Möglichkeit mit Low-Budget-Produktionen im Filmbusiness Fuß zu fassen. Darunter nicht Wenige, denen mit kreativem Schrecken der große Coup gelungen ist und die es damit sogar bis nach Hollywood geschafft haben. Zu solchen Glückspilzen gehören SAM RAIMI oder PETER JACKSON. Die experimentierten in den Anfangsjahren mit Filmblut, Horror und Gewalt. Mittlerweile drehen sie millionenschwere Blockbuster für die ganze Familie, die man hin und wieder auch schon mal mit einem Oscar auszeichnet. Ganz klein und doch noch so viel vor hat auch NICHOLAS WOOD. Der hat mit dem Langfilmdebüt THE AXIOM einen gelungenen Erstling auf Zelluloid gebannt, mit dem der noch unerfahrene Filmemacher seine Leidenschaft zum Horror-Genre ausdrücken möchte. Von Unerfahrenheit spürt man aber im Debütwerk nichts. THE AXIOM glänzt durch sympathische Figuren, einer guten Handlung und souveräner Inszenierung. Das sah man auch auf diversen Filmfestivals so. Dort nahm man den Streifen mit ins Programm – darunter auch die deutschen Kollegen vom HARD:LINE FILMFESTIVAL im Jahr 2018.
 
 
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Schwester wo bist du? Genau jene Frage stellen sich McKenzie und Martin. Seit sich die Schwester der beiden aufgemacht hat, um sich in einem Nationalpark die Füße zu vertreten, hat man nichts mehr vom geliebten Familienmitglied gehört. Ob da etwas passiert ist? Zumindest will man nach dem Rechten sehen und kommt mit einem sonderbaren Landsmann über die sozialen Medien in Kontakt, der angeblich weiß, wo sich die verschollen geglaubte Schwester befinden soll. Ein Grund die Koffer zu packen und mit Freunden zum Cinder Park zu reisen. Hier will der ominöse Leon auf die Suchenden warten. Doch kaum angekommen faselt der mysteriöse Fremde kryptisches Zeug, berichtet von einem geheimnisvollen Portal in den Wäldern und rüstet die Freunde mit seltsamen Fläschchen aus, die angeblich drohendes Unheil abwenden sollen. Brauchbares Equipment oder nur fauler Hokuspokus? Die Antwort auf diese Frage wartet nicht lang. Weil THE AXIOM nun mal ein Horrorfilm ist und dazu auch noch schaurige Gestalten auf dem Filmplakat abgebildet sind, dürfte klar sein, dass diese Suche alles andere als gemütlich werden wird.
 
 
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Handwerklich ganz gut – nur im Finale happerts. Wir von FILMCHECKER haben in den letzten Jahren reichlich Billig-Trash gesehen, der allein schon mit schludrigem Video-Look und schlechten Schauspielern unbeabsichtigt Gänsehaut verursacht hat. THE AXIOM ist zwar auch unabhängiges Horrorkino, das mit kleinem Kapital umgesetzt wurde, kann sich aber immerhin durch eine gewissen Professionalität behaupten. Stimmige Kamerafahrten und eine unheimliche Geschichte treiben diesen Mysteryfilm voran, der nie zu viel verrät, damit das Geheimnis über das Verschwinden der gesuchten Mary lang bewahrt werden kann. Demzufolge tappen Protagonisten und Zuschauer lang im Dunkeln, weil NICHOLAS WOOD immer nur kleine Anhaltspunkte verteilt, um die Katze möglichst lang im Sack zu lassen. Ein geschickter Schachzug, der THE AXIOM über weite Strecken spannend macht. Da tauchen plötzlich seltsame Kreaturen auf, die Sonne will irgendwie nie untergehen und die Freunde verhalten sich plötzlich wie von Sinnen. Was kann das alles für Ursachen haben? Nach dem Abspann ist man nicht unbedingt schlauer.
 
 
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Regisseur und Drehbuchautor NICHOLAS WOOD treibt es nämlich irgendwann zu weit. Nach einem überraschendem Twist gipfeln die absurden Vorkommnisse in einem Finale, das sich nicht nur in effekthascherischen Schocks verrennt. Auch die Erklärungsnot macht dem Zuschauer zu schaffen. Da will plötzlich kaum noch etwas Sinn ergeben und der Filmemacher scheut sich vor Antworten. Offenbar war Wood zu sehr darum bemüht seinen ersten Langfilm mit Pauken und Trompeten zu beenden. Das Resultat ist eine haarsträubende Auflösung, wie man sie in solch abstruser Weise schon lange nicht mehr auf der Mattscheibe hatte. Das schmälert das sonst doch ganz passable Gruselvergnügen, das zumindest über weite Strecken schon irgendwie an EVIL DEAD erinnert.
 
 
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THE AXIOM – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Sonntagsfahrt mit Bruchlandung. THE AXIOM ist ein atmosphärischer Haunted-Place-Mysterythriller, der in der ersten Filmhälfte wegen seiner undurchsichtigen Handlung ganz kurzweilig geraten ist. Offenbar scheint Regisseur und Drehbuchautor NICHOLAS WOOD nicht nur eine Schwäche für Horrorfilme zu haben. Auch überraschende Filmwendungen dürften eine Leidenschaft des ambitionierten Regie-Newcomers sein. In Sachen Kreativität kann man Wood nichts vorwerfen. Leider ist die Phantasie im Falle von THE AXIOM mit dem noch jungen Filmemacher durchgegangen. Die Auflösung des vorliegenden Films gehört nämlich mit zum Haarsträubendsten, was man in den letzten Jahren auf der Mattscheibe hatte. Fragen über Fragen und doch so wenige Antworten. Vielleicht hat der kreative Neuling plausiblere Erklärungen für eine Fortsetzung aufgehoben. Irgendwie legt es THE AXIOM darauf an irgendwann fortgesetzt zu werden. Hier wäre weniger mehr gewesen, zumal der sinn- und logikfreie Twist den Eindruck erweckt, als habe man hier versucht zwei verschiedene Filme in eine Handlung pressen wollen. Schade.
 
 
 


 
 
 

THE AXIOM – Zensur

 
 
 
THE AXIOM ist kein harter Horrorfilm. Eine Frau wird mit einer Kette erdrosselt, ein Messer wird in einen Körper gerammt und eine Axt sorgt dafür, dass ein Protagonist seine Gedärme verliert. Hierzulande dürfte THE AXIOM eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE AXIOM – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Curtain (2015)
 
Evil Dead (2013)
 
Bornless Ones (2016)
 
Cabin of the Dead (2012)
 

Filmkritik: „St. Agatha“ (2018)

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ST. AGATHA

Story

 
 
 

Eine schwangere Frau erlebt in einem abgelegenen Kloster die Hölle auf Erden. Mit der hier lebenden Schwesternschaft ist nicht zu spaßen, denn wer hier Zuflucht sucht, hat nach ganz eigenen, grausamen Regeln zu leben.

 
 
 


 
 
 

ST. AGATHA – Kritik

 
 
 
Nonnen im Genre-Kino. Da schwant alteingesessenen Horrorfilmkennern Schlimmes. Dass nicht ohne Grund, sind doch christliche Ordensgemeinschaften im Horrorfilm eng mit so Themen wie Exorzismus, Besessenheit und Dämonologie verwachsen, die in der Vergangenheit beinahe schon inflationär im Genre verwendet wurden. Da erfreut es zu sehen, dass ausgerechnet DARREN LYNN BOUSMAN was anderes ausprobiert. Der ist eigentlich für härtere Filmkost bekannt und hat sich mit den Regiearbeiten zu SAW 2-4 ein Denkmal gesetzt. Wer die gesehen hat, weiß dass hier vor allem der Fokus auf möglichst perfide Gewalt lag. Von der distanziert sich der Regisseur nun mit ST. AGATHA. Eine Wende, die bereits in der Vorgängerarbeit ABATTOIR eingeschlagen wurde. Interessanterweise beweist Bousman auch darin Talent und versucht sich im Nonnen-Horror ST. AGATHA vermehrt in Sachen psychologischer Gewalt. Statt grafisch vor der Linse Gliedmaßen abzutrennen oder Körper zerschneiden zu lassen, versucht er im hier vorgestellten Genrefilm seine Opfer psychisch zu brechen. Damit tritt ST. AGATHA in ähnliche Fußstapfen, wie der kürzlich besprochene GHOSTLAND. Gar nicht mal so übel!
 
 
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Die Wege Gottes sind oft unergründlich. Das muss auch die attraktive Mary erfahren, die das Glück nicht gepachtet hat. Die hat unter tragischen Umständen den jüngeren Bruder verloren und trägt nun auch noch ein Kind im Leib, das so nicht geplant war. Eigentlich keine große Sache, wäre da nicht die Tatsache, dass der Kindesvater ein hinterlistiger Betrüger ist, der der werdenden Mutter rein gar nichts bieten kann. Für die Mittellose ein Grund sich in die Hände Gottes zu begeben. Sie erhält die Adresse eines abgelegenen Klosters, das alleinstehenden schwangeren Frauen Zuflucht bietet. Doch das Frauenhaus entpuppt sich bald als Vorhof zur Hölle. Hier führt Mutter Oberin (CAROLYN HENNESY) ein hartes Regime, das die gestrandeten Frauen vor Angst erzittern lässt. Wer den Regeln nicht folgt, wird bestraft – bitter und grausam. Ein großes Problem für die unwissende Mary. Die ahnt schnell, dass diese Schwesternschaft nicht ehrenhaft handelt. Deshalb gerät sie schnell in den Fokus der Obernonne, die ein talentiertes Händchen dafür hat, rebellische Neuankömmlinge zu brechen.
 
 
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Der Meister blutiger Bilder ist zurück und kann auch überraschend anders. DARREN LYNN BOUSMAN bezeichnet ST. AGATHA selbst als Nunsploitation, was dahingehend aber nur bedingt richtig ist, weil der Film – bis auf eine kurze Einstellung – keinerlei Sex zeigt. Sein neuer Streich ist eine Mischung aus diversen Subgenres des Horrorkinos. So bedient sich der Regisseur von Elementen aus Sektenfilmen, Psychothrillern, Folterfilmen und reißerischen Frauengefängnis-Streifen. Letztere feierten vor allem in den 1970ern Dank so Exploitationkrachern wie ILSA – SHE WOLF OF THE SS oder DAS HAUS DER PEITSCHEN zweifelhafte Erfolge. Natürlich ist ST. AGATHA nicht annähernd aus deren Holz geschnitzt. CAROLYN HENNESY geht zwar als Mutter Oberin im Film mit aller Härte gegen ihre Schützlinge vor und kennt beim Bestrafen weder Gnade noch Erbarmen; Bousman verzichtet aber weitestgehend auf reißerisch zelebriertes Erniedrigen seiner hilflosen Oper und aktiviert stattdessen das Kopfkino des Zuschauers, in dem er nur kurz andeutet oder die grausamen Bestrafungsmethoden im Off abhandelt. Das funktioniert dahingehend ganz gut, weil so mehr Raum für subtile Angstmacherei bleibt. So wird gern mal in der Horror-Klischee-Kiste gekramt, um unheilvolle Stimmung zu erzeugen. Da poltert es ungewöhnlich laut im Obergeschoss, Türen und Treppen knarren und mysteriöses Flüstern erzeugt zusammen mit dem düsteren Set gern mal wohlige Schauer. Schnell entsteht so eine ungemütliche und angespannte Atmosphäre, die zusätzlich durch die Anwesenheit des Filmbösewichts verstärkt wird. Das bereichert den Horrorthriller ungemein.
 
 
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Leider ist nicht alles Gold, was glänzt. Der Nonnen-Grusler hat auch mit vielen Ungereimtheiten zu kämpfen. So bleiben am Ende viele Fragen offen. Woher kommen die geheimnisvollen Stimmen im Keller? Wer ist die Dame im Dachboden, die ständig für lautes Poltern sorgt? Und welche Rolle spielt ein zwielichtiger Priester, der von den Nonnen regelmäßig Geld erhält? Offenbar sind sich da zu viele Drehbuchschreiber in die Quere gekommen und haben den Überblick verloren. Vier Autoren sollen am Skript gearbeitet haben, was dahingehend grotesk anmutet, weil ST. AGATHA dann doch reichlich konventionell und nicht sonderlich tiefgründig abgehandelt wird. Vermutlich brauchte die Filmheldin einen Feinschliff. In Form von zwanghaft eingebundenen Rückblenden erhält die mehr Tiefgang. Darin wird erklärt, was Mary dazu getrieben hat sich in die Hände eines ominösen Klosters zu begeben und wie es zu der ungewollten Schwangerschaft gekommen ist. Weil die wahllos eingefügten Rückblenden gern mal den Spannungsbogen ausbremsen und nicht unbedingt wichtig für das Verständnis der Handlung sind, entpuppen sie sich schnell als Störfaktor in einem sonst gar nicht mal so üblen Horrorfilm. ST. AGATHA gehört daher neben den SAW-Filmen zu den besten Arbeiten, die Regisseur DARREN LYNN BOUSMAN bisher hervorgebracht hat. Mal schauen, wie es in Zukunft mit dem Filmemacher weitergehen wird.
 
 
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ST. AGATHA – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Wenn Nonnen hinter düsteren Klosterwänden gequält, eingeschüchtert und gebrochen werden. Der neue Film von Regisseur DARREN LYNN BOUSMAN ist ein gemeines Stück Horrorkino, das vor allem von seiner beunruhigenden Atmosphäre lebt, die durch ein schauriges Set und einen skrupellosen Oberbösewicht bewirkt wird. ST. AGATHA erinnert stark an die Frauengefängnis-Streifen der 1970er, wo so polarisierende Filme wie ILSA – SHE WOLF OF THE SS oder DAS HAUS DER PEITSCHEN zweifelhafte Erfolge feierten. Darin wurden (meist weibliche) Gefangene von einem Oberschurken aus Freude misshandelt und erniedrigt. Das ist auch in ST. AGATHA Programm, nur mit dem Unterschied, dass Bousman dann doch etwas zurückhaltender die Bestie Mensch thematisiert. Der eher sonst für deftiges Gewaltkino bekannte Filmemacher geht es diesmal etwas subtiler an und setzt vermehrt auf düstere Kulissen und ungemütliche Stimmung. Die fürs Genre-Kino beliebten Schauwerte spielen hier eine untergeordnete Rolle. Stattdessen wird auf psychologische Gewalt gesetzt. Funktioniert ganz gut. ST. AGATHA ist ein stimmungstechnisch und handwerklich souverän inszenierter Thriller, der aber mit Drehbuchschwächen zu kämpfen hat. Wer daher nicht zu viel erwartet, dürfte unterm Strich kurzweilig unterhalten werden.
 
 
 


 
 
 

ST. AGATHA – Zensur

 
 
 
ST. AGATHA mach eher von psychischer Gewalt Gebrauch. Einige Gewaltszenen gibt es aber. So fällt eine der Filmfiguren in eine Bärenfalle, einer anderen wird die Zunge abgeschnitten. Weiterhin wird eine Protagonistin mit einer abgetrennten Nabelschnur (!) erdrosselt und andere sterben durch einen Rattengift-Cocktail. Hierzulande hat es für den Film eine FSK16 geben. Wegen höher eingestuftem Bonusmaterial befindet sich aber auf der deutschen DVD- und Blu-ray-Veröffentlichung ein roter FSK-Sticker.
 
 
 


 
 
 

ST. AGATHA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) I-ON NEW MEDIA (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: St. Agatha; USA 2018

Genre: Horror, Thriller, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Wegen Bonus ist die Blu-ray: keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 31.05.2019

 

St. Agatha [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

ST. AGATHA – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Packshot + Grafiken liegen bei I-On New Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die unbarmherzigen Schwestern (2002)
 
The Nun (2018)
 
The Bad Man (2018)
 
Ghostland (2018)