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Filmkritik: „The Windmill Massacre“ (2016)

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THE WINDMILL MASSACRE

(THE WINDMILL)

Story

 
 
 
Tod allen Sündern. Einige Touristen bekommen es in THE WINDMILL MASSACRE mit einem übermenschlichen Killer zu tun. Der hat kein Erbarmen mit seinen selbstsüchtigen Opfern und bestraft sie für ihre Vergehen.

 
 
 


 
 
 

THE WINDMILL MASSACRE – Kritik

 
 
 
Komm, wie fahren nach Amsterdam: Aus dem Land der Tulpen, Coffeeshops und Windmühlen kommt mal wieder ein Horrorfilm, der wegen seines ansprechend zusammengeschnittenen Trailers zuletzt im Internet für Aufsehen gesorgt hat. Das ist dahingehen lobenswert, weil die Mehrheit aller Horrorproduktionen immer noch in den Vereinigten Staaten entstehen, wo man schon lange nicht mehr darüber nachdenkt, was Horrorfans eigentlich wollen. Dort werden nahezu im Akkord anspruchslose Horrorfilme gedreht, die die stets gleichen Geschichten nur mit ausgetauschter Besetzung erzählen – Hauptsache der Umsatz stimmt. Umso schöner zu sehen, dass sich auch andere Länder am Drehen von Horrorfilmen beteiligen. So hat vor allem Europa in den letzten Jahren mächtig Gas gegeben und einiges an Horrormaterial drehen lassen, das sich durchaus gegen die graue Masse aus Übersee behaupten konnte. Ob das auch für den niederländischen THE WINDMILL MASSCRE gilt, bei dem es sich nach DE POEL und SNEAKWEEK schon um den dritten Horrorfilm aus Holland handelt, den wir im Jahr 2016 auf FILMCHECKER vorstellen?
 
 
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Diese Windmühlen malen kein Korn, sondern die Knochen der Sünder. THE WINDMILL MASSACRE folgt der traumatisierten Jenny. Die ist wegen eines Schicksalsschlags von Amerika nach Amsterdam geflüchtet und schlägt sich nun als Au-pair und Kindermädchen bei einer gutbetuchten Familie durch. Leider ist bald Schluss mit lustig, denn der Vater ihrer Gastfamilie konfrontiert das Mädchen mit zwei Pässen und unterschiedlichen Identitäten. Aus Angst vor Konsequenzen und der Polizei sucht Jenny das Weite. In einem Reisebus mit Touristen wähnt sie sich in Sicherheit. Der klappert das niederländische Hinterland ab und fährt ländliche Sehenswürdigkeiten an, damit sich die Gäste von den Wahrzeichen des Landes ein Bild machen können. Was die Teilnehmer dieser Tourismusattraktion aber noch nicht wissen ist, dass bald ihr letztes Stündlein geschlagen hat. Weil der Bus eine Panne hat und nicht weiterfahren kann, sucht man Zuflucht in einer nahe gelegenen Windmühle. Leider bietet das morsche Gemäuer keinen Schutz, sondern bringt den Tod, denn hier treibt der geheimnisvolle Miller sein Unwesen – eine Kreatur, um die sich schaurigen Legenden ranken.
 
 
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Das ist nicht die Hölle, das ist Holland. Hinter dem holländischen Genrebeitrag steckt zumindest jemand, der schon Erfahrungen mit Horrorfilmen hat. Regisseur NICK JONGERIUS fungierte bereits als Produzent für den Found-Footage-Horror FRANKENSTEIN’S ARMY und den Gruselausflug HAUS DER TOTEN SEELEN. Nach Regiearbeiten fürs niederländische Fernsehen und einigen Kurzfilmen probiert der sich nun auch im Regieführen von Horrorfilmen aus. Entstanden ist durchaus atmsphärische Horrorware, die wegen der düsteren Kulisse ab und an Gänsehaut entstehen lässt. Trotz netter Optik, blutigen Spezialeffekten und ansprechend geschminktem Bösewicht verbirgt sich hinter THE WINDMILL MASSCRE aber nichts Großes. Der Film spult ab, was man in nahezu jedem Slasher-Film zu sehen bekommt. Ein (diesmal nichtmenschlicher) Killer macht Jagd auf Touristen und tötet sie nacheinander auf unterschiedliche Weise. Warum er das macht, wird vor jedem Mord erläutert. Die Opfer haben Dreck am Stecken und einige Leichen im Keller. Für ihre Sünden müssen sie daher bestraft werden – blutig und abwechslungsreich. Demzufolge steht das Ausradieren von Sündern im Fokus. Sonderlich geistreich ist das nicht – dafür aber immerhin kurzweilig.
 
 
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Nicht überall wo mit einem Massaker geworben wird, gibt’s auch wirklich ein Massaker zu sehen. THE WINDMILL MASSACRE tischt groß auf, wird aber den Versprechungen keinesfalls gerecht. So lassen im Film Protagonisten zwar ihr Leben; hierbei jedoch von einem Massaker zu sprechen, wirkt reichlich übertrieben. Vielmehr weckt der reißerisch gewählte Titel den Anschein, als ob man Verkäufe ankurbeln wollte. Mit THE WINDMILL (so wie der Streifen anfangs heißen sollte) hätte man da wohl kaum Interesse beim Horrorfan geweckt. Ein Massaker im Titel macht da schon neugieriger. Trotz irreführendem Filmtitel und fehlender Schlachtorgie ist THE WINDMILL MASSACRE nicht unbedingt schlecht. Der Film erinnert in seiner Machart und Ausstattung an diverse Eigenproduktionen des amerikanischen TV-Senders SYFY – freilich ohne die schlechte Effekte, welche man zwangsläufig mit den SYFY-Filmen in Verbindung bringt. Hier wäre unter anderem der SYFY-Horrorfilm SCARECROW zu nennen, der dieser holländischen Gruselproduktion nicht unähnlich ist und ebenso kurzweilige Schauer mit einem nett animierten Filmmonster bot. Wer sich dessen bewusst ist und Erwartungen herunterschraubt, könnte auch mit THE WINDMILL MASSACRE seinen Spaß haben. Demzufolge ist dieser Streifen für Slasher-Fans durchaus einen Blick wert. Wer jedoch seinen Kopf gebrauchen möchte, sollte besser nach anderen europäischen Horrorfilmen Ausschau halten. THE WINDMILL MASSACRE kopiert zu engstirnig diverse Slasher-Vorbilder, von denen viele leider dann doch aus den USA kommen. Intelligentes Horrorfutter sieht anders aus.
 
 
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THE WINDMILL MASSACRE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Für Fans der HATCHET-Reihe durchaus einen Blick wert, auch wenn THE WINDMILL MASSACRE nicht das Massaker zelebriert, das im Titel versprochen wird. Der niederländische Horrorbeitrag gefällt durch düstere Kulisse und geheimnisvollen Filmbösewicht, der kaum Worte verschwendet und schnell zur Tat schreitet. Leider ist THE WINDMILL MASSACRE letztlich aber auch nur ein weiterer Slasher-Streifen von der Stange, in dem es eigentlich nur ums Ausradieren von Filmfiguren geht. Mehr Witz, Hirn und Abwechslung hätten THE WINDMILL MASSACRE sichtlich gut getan. Stattdessen wandelt der Horrorfilm mal wieder auf bekannten Slasher-Pfaden und quält mit Klischees, Vorahnungen und Stereotypen. Trotzdem will man mit THE WINDMILL MASSACRE nicht zu hart ins Gericht gehen. Der blutige Gruseltrip ist ins sich stimmig und hat durchaus seine Momente. Zudem unterhält der Streifen trotz der bekannten Slasher-Rezeptur kurzweilig. Das ist etwas, das vielen Meuchelschockern neueren Datums nicht unbedingt gelingen möchte. Fortsetzung wir hören dich tapsen.
 
 
 


 
 
 

THE WINDMILL MASSACRE – Zensur

 
 
 
Trotz angedeutetem Massaker im Titel ist THE WINDMILL MASSACRE keine Splatter-Orgie. Ein paar kurze Gewaltmomente gibt es dennoch zu sehen. So werden mit einer Sense Füße abgetrennt, Köpfe eingetreten und abgeschlagen. Außerdem wird ein Gesicht mit einem Messer verunstaltet und sogar in einen Brustkorb gerammt. Klingt hart, ist es aber nur bedingt. Eine FSK16 könnte möglich sein.
 
 
 


 
 
 

THE WINDMILL MASSACRE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hatchet (2006)
 
Scarecrow – Das Grauen stirbt nie (2013)
 
The Devil’s Nightmare (1971)
 


Filmkritik: „Das Engelsgesicht“ (1982)

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DAS ENGELSGESICHT

(THE BEAST WITHIN)

Story

 
 
 
Caroline und ihr Mann Eli haben, natürlich irgendwo in den amerikanischen Hinterlands, Mississippi, eine Autopanne. Eli wandert los und sucht eine Tanke. Ein Unglück kommt selten allein und so werden wir Zeuge des Überfalls einer verwilderten Waldmensch-Bestie. Ein rechter Hoden-Bigfoot offenbar, legt er sich die arme Caroline doch gleich sexuell aufs Tablett. Michael, der aus der Vergewaltigung durch den geilen Sasquatch hervorgegangene Junge, wächst den Umständen entsprechend normal auf. Seine Herkunft verschweigt man ihm verständlicherweise. Als Michael in die Klauen der Pubertät gerät, spürt er, dass da etwas nicht stimmt in ihm. Träume, in denen er – schwer symbolisch – einen Keller verbarrikadiert, aus dem ein Monster flüchten will, plagen ihn. Als er mit seinen Eltern in die Nähe der Ereignisse vor seiner Geburt reist, versucht er, seine Herkunft zu ergründen. Gleichzeitig will das innere Monster des Originaltitels raus aus seinem Gefängnis. Michael wird zum Amok-Untier und sucht eine Frau, an die er seine Saat und den Fluch des Hillbilly-Sexmonsters weitergeben kann.

 
 
 


 
 
 

DAS ENGELSGESICHT – Kritik

 
 
 
Da schleicht doch tatsächlich mal eine wahre Feinigkeit von Veröffentlichung auf uns zu! THE BEAST WITHIN ist ein bei Grusel-Wüterichen meiner Altersklasse sehr geschätzter Horror-Reißer. Der wehrlose Film ist, hier wie andernorts, über die Jahre vielfach zu schändlichen Bootleg-Unehren gekommen. Dabei hat er viel mehr zu bieten, als die zeitliche Nähe zu diversen berüchtigten Slasher-Titeln andeutet. Ein Drehbuch von Tom FRIGHT NIGHT Holland erweitert die Wahrnehmung dessen, was der jugendliche Internet-Kritiker von heute reflexhaft „Body Horror“ nennt. Diesmal geht es jedoch nicht nur um die Angst vorm körperlichen Verfall und schlussendlich vorm Tod. DAS ENGELSGESICHT zeigt, wie bereits das nicht zu vermeidende Mutieren des Menschen, physisch und psychisch, durch die Pubertät eine monströse Erfahrung sein kann. Das seit Franz Kafka bekannte Motiv der Verwandlung in ein menschengroßes Insekt funktioniert hier im Film als überspitzte Darstellung der zu erleidenden Pubertäts-Veränderungen. Zusammen mit Regisseur Philip Mora, dessen Werksverzeichnis auch mal ein bis zwei Bücher und Retrospektiven wert wäre, so gnadenlos vielseitig, wie der Kerl aktiv war, bringt Holland eine höchst eigensinnige Film-Vision zum Erstrahlen. DAS ENGELSGESICHT schnappt sich eine im Kern dem Bildungsroman – heute würde man coming-of-age-Story – verpflichtete Handlung und jagt sie durch einen Filter, der sich gleichzeitig aus amerikanischen Monsterfilmen der Fünfziger und Sechziger, zeitgenössischem Splatter-Horror und der Autoren-Intelligenz seiner Macher speist. Natürlich ist die Idee eines durchschnittlichen College-Jacken-Rüpels, dem durch Schändung seiner Gene ein gar blutrünstig´ Rieseninsekten-Dasein blüht, purer Trash-Mumpitz. Die am Rande angeschnittene Geschichte über das mörderische Vater-Monstrum und dessen Verknüpfung mit dem Städtchen, kommt leider nicht wirklich überzeugend zur Geltung. Ungeachtet dessen mühen sich Holland und Mora, die Leiden des jungen M. sichtbar zu machen. Sogar Mitgefühl in der armen Wurst wird im Zuschauer geweckt, da das Gefühl des Sich-nicht-Wohlfühlens in der eigene Haut wohl von jedem nachvollzogen werden kann. Mit dieser Manipulation seines Publikums hat auch David Cronenberg erfolgreich gearbeitet, dem DAS ENGELSGESICHT mit Sicherheit nicht fremd war, als er ein paar wenige Jahre später sein glibberiges Remake des Fifties-Schlocks DIE FLIEGE in Angriff nahm.
 
 
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So ist, da wiederholen wir uns gern, DAS ENGELSGESICHT keine Splatter-Nummernrevue. Keine Abfolge möglichst übersteigerter Hinrichtungsarten dämlicher Nebencharaktere. Nein, dieses Einmaleins des Früh-Achtziger-Slashers wird bei Philip Mora nicht aufgesagt. Die trotzdem beinharten und betont unappetitlichen Effekte sind gekonnt in die Stimmung des Films eingebettet, intensivieren sie sogar. Handwerklich hat man sich nämlich nicht lumpen lassen. F/X-Maitre Tom Burman, zuvor schon beim äußerst gelungenen Bergarbeiter-Horror BLUTIGER VALENTINSTAG tätig, zieht alle Register. Burman betreibt inzwischen schon seit Jahrzehnten eine der führenden Herstellerfirmen von Bühnenblut, Latex-Rohmasse und anderen Chemikalien für die Welt des Films.
 
 
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Welcher unglücklich verliebte Knabenfreund sich seinerzeit ungestraft den schwülstigen deutschen Titel aus den Fingern (oder anderswo) saugen durfte, ist im Staube der Geschichte aufgegangen. Jedenfalls lief der Film anno 1982 im Kino ungeschnitten, und sogar die Videokassette war frei von zensierenden Eingriffen. Das war 1985 einem anderen Jugendschutz-Eiferer dann doch zuviel der Demokratie und DAS ENGELSGESICHT war bis einschließlich 2010 weg vom Markt – offiziell. Als in Deutschland das Pay-TV seine Hochzeiten hatte, also nach Ende der Neunziger etwa, lief der Film sogar mal ohne entstellende Schnitte auf einem der damaligen Spielfilmkanäle. Immer, wenn ich solch einen absurden und eigentlich therapiebedürftigen Sachverhalt behördlicher Bevormundung schildere, wird mir leicht schwindlig. Auch nach Jahrzehnten des Schreibens über Filme noch. Puh!
Jetzt jedenfalls befinden wir uns im Jahr 2016 und THE BEAST WITHIN kommt in den Genuss einer Veröffentlichung durch Label-Menschen, die Filme lieben und etwas von deren optimaler Behandlung verstehen.
 
 
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DAS ENGELSGESICHT – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Die Handlung stimmt, Charakterentwicklung und Atmosphäre sind vorbildlich ausgearbeitet. Dazu schleimig-saftige Splatter-Fiesheiten und ein guter Schuss Trashiness. Philip Moras DAS ENGELSGESICHT füllt eine Lücke im Kanon des Genrefilms der so wichtigen achtziger Jahre. Für fortgeschrittene Horror-Maulwürfe ist das hier selbstverständlich eine Pflicht-Ausgrabung, Neulingen mit Sinn fürs Ungewöhnliche sei dieser Film ebenfalls empfohlen.
 
 
 


 
 
 

DAS ENGELSGESICHT – Zensur

 
 
 
DAS ENGELSGESICHT wurde bereits damals von WARNER für den Videomarkt ungeschnitten veröffentlicht – wurde aber wenig später indiziert. Das lag vor allem an einigen teils äußerst blutigen Szenen und den strengen Zensurauflagen, die während der 1980ern in Deutschland üblich waren. Für die TV-Auswertung wurden demnach einige Schnitte vorgenommen, damit der Film überhaupt im Fernsehen gezeigt werden konnte. Die Veröffentlichung von OFDB FILMWORKS im Medabook ist nun die erste legale digitale Veröffentlichung von DAS ENGELSGESICHT. Diese ist selbstverständlich ungeschnitten. Davor gab es den Streifen nur auf DVD von RABBIT. Bei dieser Veröffentlichung handelte es sich um eine illegale Veröffentlichung im Bootleg.
 
 
 


 
 
 

DAS ENGELSGESICHT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) OFDB FILMWORKS – Mediabook A (auf 1000 Stück limitiert)

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(c) OFDB FILMWORKS – Mediabook B (auf 1000 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Beast Within; USA 1982

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch (Linear PCM 2.0), Englisch (Linear PCM 2.0)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: 2 Mediabook-Auflagen jeweils limitiert & nummeriert auf 1.000 Exemplare

Extras: Audiokommentar von Ingo Strecker und Daniel Perée vom Wicked-Vision Magazin (deutsch), Intro mit Regisseur Philippe Mora, Within The Beast Within (ca. 33 Min.), Storyboarding „The Beast Within“ (ca. 14 Min.), Philippe and his Beasts: ausführliche Karriere-Featurette über den Regisseur, 2 Radio-Spots,
deutscher und englischer Trailer, Bildergalerie, Booklet mit einem Text von Thorsten Hanisch

Release-Termin: 21.09.2016

 

The Beast Within – Das Engelsgesicht – Mediabook Cover A [1 Bluray & 2 DVDs] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

The Beast Within – Das Engelsgesicht – Mediabook Cover B [1 Bluray & 2 DVDs] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

DAS ENGELSGESICHT – Trailer

 
 

 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und Abbildungen liegen bei OFDB FILMWORKS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Ding mit den 2 Köpfen (1972)
 
Howling III (1987)
 
American Werewolf (1981)
 


Filmkritik: „Abattoir“ (2016)

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ABATTOIR

Story

 
 
 
Auf der Suche nach Antworten zu mysteriösen Mordfällen, verschlagt es eine neugierige Reporterin in ein verschlafenes Dorf, wo es nicht mit rechten Dingen zugeht.

 
 
 


 
 
 

ABATTOIR – Kritik

 
 
 
Und wieder ein Mysteryfilm mit Geisterzutat. Das ist Anbetracht der Menge jener Art von Streifen mittlerweile nichts Besonderes mehr. Weitaus interessanter ist da schon eher, wer es sich auf dem Regiestuhl gemütlich gemacht hat. DARREN LYNN BOUSMAN ist wieder da und wechselt die Fronten. Der ist eigentlich für blutige Hausmannskost berüchtigt und hat zuvor die Teile zwei, drei und vier der nicht gerade zimperlichen SAW-Reihe fürs Multiplex inszeniert. Vermutlich hatte er es aber wohl satt den immer gleichen Käse fürs gewalterprobte Publikum zu drehen. Daher verirrt er sich nun mit ABATTOIR ins subtile Filmfach – kann aber scheinbar trotzdem nicht das mit dem Blut und der Gewalt lassen. Der Schuster bleibt halt bei seinen Leisten. ABATTOIR basiert auf den gleichnamigen Graphic Novels des horrorkundigen Filmemachers. Leider ist der Sprung auf die Leinwand nicht sonderlich erwähnenswert, denn irgendwie vermisst man in der Kinoadaption das zügige Tempo und die knallharte Kompromisslosigkeit der früheren Werke des Regisseurs. Das verursacht keine Begeisterungsstürme – vor allem nicht beim Zuschauer, der eine gewisse Kaltschnäutzigkeit erwartet, die er mit den Werken des DARREN LYNN BOUSMAN in Verbindung bringt. Da kann man nur hoffen, dass beim nächsten Film alles besser wird. Schenkt man Interviews und Berichten im Internet Glauben, soll ABATTOIR unter dem Titel THE DWELLING fortgesetzt werden. Hoffentlich dann aber auch in der für Bousman bekannten Gangart – denn ABATTOIR ist im Gegensatz zu dem was man sonst von ihm gesehen hat Kinderfasching.
 
 
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Düsterer Videolook und dreckige Bilder. Auch ABATTOIR erinnert visuell so ziemlich an die bisherigen Schocker des Herrn Bousmann und erzählt die Geschichte von Journalistin Julia, die hier versucht ein Mysterium zu lüften. Die Familie ihrer Schwester wurde von einem Fremden kaltblütig abgeschlachtet. Die Polizei steht vor einem Rätsel – vor allem auch deshalb, weil wenige Stunden später der gesamte Tatort aus dem Haus gerissen wurde. Weil man keine Erklärungen für die Tat findet, beginnt die attraktive Mittdreißigerin auf eigene Faust zu recherchieren. Schnell findet Julia eine erste Spur. Offensichtlich verschwinden seit Jahren immer häufiger Schauplätze grausamer Verbrechen. So verschlägt es die Journalistin auf der Suche nach Antworten in ein kleines Dorf in dem Prediger Crone für Zucht und Ordnung sorgt. Leider sind die Bewohner nicht sonderlich kommunikativ. Das hat auch seine Gründe, denn hinter der Fassade friedliebender Bürger versteckt sich das ultimativ Böse.
 
 
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ABATTOIR (was so viel heißt wie Schlachthaus) bewegt sich irgendwo zwischen Sekten, Geister- und Kleinstadt-Horror, macht aber nicht sonderlich Laune. Statt den Zuschauer mit Terror, Adrenalin und Hektik zu quälen – so wie man es bisher aus der Bousman’schen Tortur-Werkstatt vorgesetzt bekommen hat – bereitet dieser Streifen in erster Linie nur eines: Langeweile. Der US-amerikanische Regisseur versucht es mit Langsamkeit und stetig steigenden Spannungsbogen. Leider gelingt es dem Filmemacher nur mühsam den Film voranzutreiben und die Handlung irgendwie interessant zu gestalten. Demzufolge braucht ABATTOIR erschreckend lang bis er endlich in die Gänge kommt und seine Richtung gefunden hat. Spätestens dann überzeugt der Horrorthriller aber mit tricktechnisch gutem CGI-Finale und netten Einfällen. Nach vermeintlich ergebnisfreier Suche nach Antworten und teils spannungsfreier Detektivarbeit schöpft Bousman endlich aus den vollen und zeigt einmal mehr, wieso die SAW-Filme so erfolgreich wurden. Die Helden und auch der Zuschauer werden durch eine Art surreale Geisterbahn gejagt, in der vor allem Bousmans Gespür für abrupte Schnitte zum Tragen kommt. Das macht den Film hektisch und rasant – kommt aber 70 Minuten zu spät. Letztendlich bleibt ABATTOIR weit hinter den Erwartungen zurück. Trotz aller Bemühungen schafft es der Streifen zu keiner Minute zu fesseln. Das ist dahingehend schade, weil die Idee mit den verschollenen Tatorten und die letztendliche Auflösung durchaus ihren Reiz haben. Demzufolge kann man Bouman dann doch eher raten bei dem bleiben, was er wirklich kann. Das sind nun mal in erster Linie keine atmosphärischen und gut durchdachten Gruselschauer, sondern reißerische Horrorfilme, die sich mit den Abgründen der menschlichen Seele beschäftigen.
 
 
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ABATTOIR – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Eine surreale Geisterbahn, die irgendwie nicht so recht an Fahrt zulegen will. ABATTOIR ist eine kleine Enttäuschung, denn nach den durchaus unterhaltsamen SAW-Streifen zwei, drei und vier hat man dann doch schon etwas mehr Fingerspitzengefühl in Sachen Horror von Regisseur DARREN LYNN BOUSMAN erwartet. Wo die reißerischen SAW-Ableger trotz gleicher Machart irgendwie doch noch mitfiebern ließen, herrscht in ABATTOIR Leere. Der Film ist unglaublich ereignisarm und hätte auch gut und gerne als 30-minütige Gruselepisode irgendeiner Horror-TV-Sendung abgehandelt werden können. Stattdessen wird eine im Grunde genommen gar nicht mal so uninteressante Geschichte zwanghaft auf 90 Minuten geblasen und verursacht gähnende Langeweile. Viel passiert nicht – zumindest bis kurz vor Ende. Dann wird der Zuschauer immerhin durch eine spukreiche Jahrmarkt-Attraktion gejagt. Ob das aber das Sehen dieses eher mittelprächtigen Gruselstreifens rechtfertig, muss jeder selbst entscheiden. Wer jedoch gerade wegen DARREN LYNN BOUSMAN am Steuer einen „krassen“ Film erwartet, dürfte sehr schnell enttäuscht werden.
 
 
 


 
 
 

ABATTOIR – Zensur

 
 
 
Zwar ist ABATTOIR kein SAW, aber es gibt dennoch einige recht krude Morde zu sehen. So gibt es in einem Zusammenschnitt sämtliche Verbrechen zu sehen, die sich in diversen Zimmern zugetragen haben, welche dann auf mysteriöse Weise verschwunden sind. Dennoch halten sich die Schauwerte in Grenzen und rechtfertigen eine FSK16. Nach der Deutschlandpremiere auf dem FANTASY FILMFEST 2016 erscheint der Streifen im Herbst 2016 auf DVD und Blu-ray.
 
 
 


 
 
 

ABATTOIR – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Constantin Film | Highlight Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Conjuring – Die Heimsuchung (2013)
 
100 Feet (2007)
 
100 Ghost Street – The Return of Richard Speck (2012)
 


Filmkritik: „Saint Ange – Haus der Stimmen“ (2004)

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SAINT ANGE – HAUS DER STIMMEN

Story

 
 
 
1958 in den Französischen Alpen – das Waisenhaus Saint Ange wird abgewickelt. Die ihre Schwangerschaft versteckende junge Hilfskraft Anna merkt bereits bei ihrer Ankunft, während der sie ein kleines Mädchen vor den „unheimlichen Kindern“ warnt, dass hier die Geister der Vergangenheit gegenwärtig sind. Wird sie Licht in das Dunkel bringen und ihre Bestimmung finden?
 
 
 


 
 
 

SAINT ANGE – Kritik

 
 
 
PASCAL LAUGIER, der mit MARTYRS 2008 viel Aufmerksamkeit bekam, drehte bereits vier Jahre zuvor eine Art Gruselspukdrama, dass selbst den geneigten Betrachter auf eine harte Probe stellt. Allerdings völlig anders als er es im späteren Seh- und Fühlgewohnheiten brechenden polarisierend grenzaustestenden Horrorfilm tat. Bereits nach der immerhin noch in gewissem Maße Neugier weckenden Eröffnungssequenz, während der ein Junge tragisch zu Tode kommt, wird deutlich, dass hier weder mit Tempo noch harten Schauwerten zu rechnen ist. In betulich kammerspielartiger Atmosphäre wird man in den folgenden quälend langen Minuten Anna dabei begleiten, im Heim ihrer Arbeit nachzugehen, währenddessen sie lediglich von einer Köchin/Pflegerin und einem Fahrer unterstützt wird. Anweisungen erhält sie von der – optisch Fräulein Rottenmeier ähnlichen – strengen Leiterin, bei der sie auf kein Verständnis für ihre Leidensbiografie hoffen darf und die anscheinend etwas zu verbergen hat. Eine Annäherung erfolgt nur zur offensichtlich verwirrten und deshalb unvermittelbaren letzten Bewohnerin Judith (welche aus gegebenem Anlass an JANE BIRKIN erinnert), die der festen Überzeugung ist, dass noch andere Kinder irgendwo im verlassenen Heim leben würden. Und wie sollte es anders sein, wird auch Anna in zunehmender Intensität mit überirdischen Kontaktversuchen konfrontiert, die sie zu einer Spurensuche motivieren, die sie immer tiefer in das dunkle Geheimnis um Saint Ange hineinzieht.
 
 
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SAINT ANGE – HAUS DER STIMMEN wirkt ambitioniert, aber krankt in erster Linie daran in keinem Genrebereich eine Bindung zum Zuschauer aufzubauen. Der überschaubare Cast um die arg unnahbare Anna wirkt unsympathisch und ermöglicht im Grunde wohl nur den sensibelsten Betrachtern den Aufbau von Empathie. Dabei ist das nicht vorhandene Identifikationspotential für die Wirkung des Films mindestens ebenso fatal wie die Vorhersehbarkeit des simpel gestrickten dramatischen Verlaufs. Die Bilder sind kameratechnisch professionell schön, aber ebenso Leere verströmend wie das dem Lauf der Zeit zum Opfer fallende Anwesen. Dafür wird man mit einem aufdringlich orchestralen Score konfrontiert, der auf Teufel komm raus versucht, dem eher tristen Geschehen eine melodramatische Richtung zu geben. Alles zieht sich gefühlt endlos in die Länge und selbst der an sich atmosphärische Schauplatz wirkt mit der Zeit zu Tode erkundet. Eingestreute hinlänglich vertraute Erschreckszenen wie Stimmengewisper, Traumsequenzen, schlagende Türen oder herabfallende Gegenstände reißen mittlerweile wohl auch niemanden mehr vom Hocker. Storyverlauf, Dialoge, Figurenentwicklungen oder Szenenwechsel fallen überdies derart minimalistisch aus, dass Langeweile in einer neuen Dimension zu ertragen ist. Wenn man akzeptiert hat, dass man sich eher in einem Drama als in einem Grusel-, geschweige denn Horrorfilm befindet, bestünde zumindest die theoretische Möglichkeit, emotionaler in den bemühten Storyverlauf und das theatralische Finale einzusteigen, das letzten Endes leider vor allem Potential zum müden Abwinken in sich birgt.
 
 
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SAINT ANGE – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Irgendwie wirkt SAINT ANGE – HAUS DER STIMMEN wie eine nett bilderte, handwerklich zwar saubere, aber im Grunde überflüssige Alternativversion vom später entstandenen spanisch-mexikanischen Beitrag DAS WAISENHAUS von JUAN ANTONIO BAYONA, die man, falls man diesen Film kennen sollte, getrost abhaken kann. Somit bleibt lediglich Irritation über das Gesehene zurück, das in keinem Genre wirklich mit neuen Ideen zu punkten vermag und den Eindruck vermittelt, sich bewusst jeder Erwartungshaltung zu entziehen, wobei auch die wohl als hochdramatischer Abschluss konzipierten letzten pathetischen Szenen nur wenig herausreißen können. Einige Fragen bleiben auch nach dem Abspann offen und dürften so immerhin den geneigten Konsumenten zum Weiterdenken verführen. Laugier beweist zumindest bereits das in ihm steckende und sich in seiner weiteren beruflichen Entwicklung offenbahrende Potential.
 
 
 


 
 
 

SAINT ANGE – Zensur

 
 
 
Ein genähtes Knie, ein Schlag gegen den Kopf oder ein Sturz auf das Waschbecken haben der FSK sicher keine schlaflosen Nächte bereitet. Und auch wenn ungeborenes Leben in Gefahr gerät, insidemäßige Brutalität gibt es (erfreulicherweise?) noch nicht zu sehen. Somit sind keine Schnitte zu beklagen. SAINT ANGE – HAUS DER STIMMEN hat von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

SAINT ANGE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Media Home Entertainment (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Saint Ange; Frankreich 2004

Genre: Horror, Drama, Fantasy

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Making of, Geschnittene Szenen

Release-Termin: 22.09.2016

 

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SAINT ANGE – Trailer

 
 

 
 

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(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei KOCH MEDIA HOME ENTERTAINMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Waisenhaus (2007)
 
The Devil’s Backbone (2001)
 


Filmkritik: „The Noonday Witch“ (2016)

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THE NOONDAY WITCH

(POLEDNICE)

Story

 
 
 

Eine junge Mutter wagt mit der kleinen Tochter in der ländlichen Idylle Tschechiens einen Neuanfang. Doch schaurige Legenden machen das neue Leben zu Hölle.

 
 
 


 
 
 

THE NOONDAY WITCH – Kritik

 
 
 
Horror ist eine Sprache, die man überall auf der Welt versteht. Ob Europa, Asien, Südamerika oder Australien – auf jedem Kontinent unserer Erde beherrscht man die Gabe des Angstmachens und Zuschauer wagen sich freiwillig in Kinos, damit dort Nerven gekitzelt werden können. Auch wenn die meisten Horrorfilme immer noch in den USA verbrochen werden, entstehen dennoch viele Überraschungen fernab der Traumwelt. So erblicken immer mal wieder Horrorstreifen das Licht der Kinowelt aus Ländern, von denen man derart Filmware überhaupt nicht erwarten würde. Für Horrorfilme unbekannt, aber nicht unbegabt mischt nun auch Tschechien mit auf dem internationalen Gruselmarkt. Mit THE NOONDAY WITCH (im Original: POLEDNICE) wurde dort überzeugendes Filmhandwerk produziert, das schon auf einigen Festivals gezeigt wurde und viel Zustimmung erhielt. Da kann man nur hoffen, dass im Publikum keine amerikanischen Filmproduzenten saßen. Anderenfalls dürfte ein Remake nicht lang auf sich warten lassen. Ein solches Vergehen hätte THE NOONDAY WITCH nun wirklich nicht verdient.
 
 
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Das Gruseldrama THE NOONDAY WITCH basiert auf einem Gedicht des tschechischen Dichters KAREL JAROMIR ERBEN. Der veröffentlichte die Ballade von der POLEDNICE (übersetzt: Mittagshexe) bereits 1853 in seiner Balladensammlung KYTICE und lies sich hierfür von der slawischen Sagenwelt inspirieren. Darin taucht immer wieder die Figur der Mittagshexe auf, die vor allem an heißen Sommertagen erscheint, um den Menschen den Verstand zu rauben oder deren Kinder zu stehlen, die sie hinterlistig durch Wechselbälger vertauscht. Historiker vermuten, dass die Legenden deshalb entstanden, weil während der Erntezeit viele Knechte und Mägde auch in der Mittagshitze aufs Feld geschickt wurden und dort einen Hitzeschaden erlitten. Bis heute halten sich die Erzählungen über die Mittagshexe vor allem im ländlichen Tschechien hartnäckig – wohl ach deshalb, weil Kunst und Kultur immer mal wieder Sagen des Landes aufgreifen, um sie künstlerisch zu verarbeiten. So geschehen durch den Komponisten ANTONÍN DVORÁK. Der nahm sich 1894 im Orchesterwerk POLEDNICE die Thematik von der Mittagshexe erneut vor. Dabei entstand eine sinfonische Dichtung, die bis heute – zu Recht – zu einem der wichtigen Nationalgüter Tschechiens gehört.
 
 
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Wer jetzt aber glaubt, dass das Genre-Drama des jungen, tschechischen Regisseurs JIRI SADEK geifernde Kreaturen durch Kornfelder metzeln lässt, wird enttäuscht. THE NOONDAY WITCH nutzt die die Sage von der Mittagshexe nur als reißerischen Aufzieher, um den Zuschauer auf falsche Fährten zu locken. Im Film wird eine junge Mutter mit seltsamen Vorkommnissen konfrontiert, die darauf schließen lassen, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Ein tragisches Schicksal vereint Mutter Eliska (ANNA GEISLEROVÁ) und die kleine Tochter Anetka (KAROLINA LIPOWSKÁ). Ein Umzug aufs Land steht bevor, der nicht ohne Grund erfolgt. Der Vater ist gestorben und ein Neuanfang steht bevor. Doch davon ahnt die aufgeweckte Anetka nichts. Die erkundigt sich beinahe täglich bei der Mutter, wenn denn der Vater nachkommt. Leider weicht die Mutter bei jeder Frage aus und suggeriert dem Mädchen Hoffnung, das auf eine baldige Rückkehr des Familienoberhauptes hofft. Doch die ländliche Einöde entpuppt sich schnell als trügerisches Idyll. Die Neuhinzugezogenen werden zwar von den Einheimischen mit offenen Armen empfangen; zur Ruhe kommt die kleine Familie jedoch nicht. Der Grund: Eine verwirrte alte Frau verbreitet im Dorf Angst. Die hat vor vielen Jahren unter tragischen Umständen den Sohn verloren und ist fest davon überzeugt, dass die sogenannte Mittagshexe für die Ereignisse verantwortlich ist. Was bei Mutter Eliska anfangs Sorgen bereitet, wird bald zur Paranoia. Will hier wirklich eine bösartige Kreatur der Tochter was Böses?
 
 
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Wenn der Verlust eine geliebten Menschen aus der Bahn wirft und das Leben verändert. Viel mit Horror hat THE NOONDAY WITCH nicht am Hut. Hinter dem plakativen Titel verbirgt sich bei genauerer Betrachtung das Psychogramm einer überforderten Alleinerziehenden, die zwar ihr Kind schützen möchte, aber genau das Gegenteil bewirkt. Macher JIRI SADEK hat hier Psycho-Horror unter der schwülen Mittagssonne Tschechiens inszeniert, der Themen wie Verlust und Verlustangst fokussiert. Dabei fungiert die titelgebende THE NOONDAY WITCH nur als Metapher, um das seelische Ungleichgewicht einer orientierungslosen Frau zu unterstreichen, die allmählich den Bezug zur Realität verliert. Damit tritt JIRI SADEK in die Fußstapfen, des australischen THE BABADOOK, der im Grunde genommen von der Machart nicht unähnlich ist. Auch hier sieht sich eine alleinerziehende Frau missverstanden und verliert im Alltagswahnsinn ihren Verstand. Was folgt wird für Mutter als auch den Zuschauer zur psychischen Tortur. International gab’s für diesen intelligenten Angstmacher viel Lob.
 
 
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Gleiches bekommt THE NOONDAY WITCH auch von uns, denn der tschechische Regisseur JIRI SADEK macht seine Sache ganz gut. Hinter strahlendem Sonnenschein und goldenen Kornfelder bahnt sich Psycho-Horror schleichend seinen Weg durch den Film, um am Ende ganz unvorbereitet zuzuschlagen. Das gelingt ohne Computereffekte, effekthascherische Bilder und theatralische Musik, denn Sadek vertraut allein auf gute Schauspieler und authentische Inszenierung. Letztere scheint die Quintessenz dieses gut durchdachten Psychostücks zu sein, denn von Stereotypen ist diesmal weit und breit keine Spur. Stattdessen gibt’s Psychograuen hinterm Hoftor mit glaubhaft agierenden Protagonisten vor authentischer Kulisse. Allein deshalb wirkt THE NOONDAY WITCH schon irgendwie besorgniserregend, weil sich ein solches Drama mit Sicherheit auch genau so auch auf deutschen Dörfern zutragen könnte. Sieben blutige Filmklappen haben sich unsere Nachbarn darum redlich verdient. Wir hätten gern mehr von solchen kleinen unscheinbaren Geschichten im Abo!
 
 


 
 
 

THE NOONDAY WITCH – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Die tschechische Antwort auf THE BABADOOK. Bemerkenswert authentisches Verwirr- und Psychospiel vor der sommerlichen Dorfidylle Tschechiens. Horror ist vermutlich der falsche Ausdruck für THE NOONDAY WITCH, der im Original eigentlich POLEDNICE heißt. Regisseur JIRI SADEK vermischt hier den psychischen Abstieg einer alleinerziehenden Mutter mit tschechischer Folklore und hat ein kleines aber feines Psychodrama inszeniert, das sich vor internationaler Konkurrenz nicht verstecken braucht. Nein, strahlender Sonnenschein und goldene Kornfelder sind nicht gerade Erfolgsgaranten für unbequeme Genrefilme. Dennoch gelingt dem tschechischen Regisseur genau dieses Kunststück in eben dieser Kulisse maximales Unbehagen entstehen zu lassen. Zu verdanken hat er das den hervorragend ausgewählten Schauspielern und einigen falsch gelegten Fährten. THE NOONDAY WITCH befindet sich weit weg von Glanz und Gloria. Das ist aber auch gut so, denn gerade deswegen wirkt der Streifen authentisch und realitätsnah. Ziemlich bemerkenswert, was da bei den Nachbarn entstanden ist. Wer demnach Anspruch im Genre sucht, sollte sich diesen Streifen unbedingt vormerken. Der ist im Übrigen nichts für jene ist, denen es im Kino hektisch, schnell und blutig zugehen muss. All das ist THE NOONDAY WITCH nämlich nicht.
 
 
 


 
 
 

THE NOONDAY WITCH – Zensur

 
 
 
THE NOONDAY WITCH bzw. POLEDNICE hat weder Gewalt noch bildliches Grauen zu bieten. Der Horror ist subtiler Natur und entsteht im Kopf des Zuschauers. Demnach könnte der Film sogar eine FSK12 erhalten. Wer sich von der niedrigen Freigabe abgeschreckt fühlt, dürfte aber ein gutes Psychodrama verpassen.
 
 
 


 
 
 

THE NOONDAY WITCH – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Julie Vrabelová / Barletta Production)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Babadook (2014)

Darling (2015)

Dark Circles (2013)

Rosemaries Baby (1968)

The House on Pine Street (2015)

Demon Baby (2014)

Shining (1980)


Filmreview: „The Suffering“ (2016)

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THE SUFFERING

Story

 
 
 

Auf dem Grundstück eines älteren Herrn geht es nicht mit rechten Dingen zu. Das muss auch Nachlassbewerter Henry Dawles erfahren, der Dinge sieht, die ihm offenbar den Verstand rauben wollen.

 
 
 


 
 
 

THE SUFFERING – Kritik

 
 
 
Wenn regelmäßig schlechte Billigfilme über die Mattscheibe flimmern, wird selbst der geduldigste Filmkritiker allmählich müde, diese immer wieder nach Schema F gedrehten Low-Budget-Gurken zu rezensieren. Das hat zur Folge passiert, dass man mit der Zeit jede mit kleinem Geld gedrehte Produktion über einen Kamm schert, was leider all den Filmemachern gegenüber unfair ist, die mit viel Herzblut bei der Sache sind. Ganz ähnlich erging es uns mit THE SUFFERING. Nach Sichtung des Trailers vermuteten wir anspruchsloses Videofutter, das sich nur unwesentlich von den meisten semiprofessionellen Produktionen dieser Art zu unterscheiden schien. Deshalb blieb THE SUFFERING lange Zeit unbeachtet. Letztendlich ist der Film dann doch im Player gelandet und hat uns sogleich eines Besseren belehrt. Hinter diesem Genrefilm steckt nämlich weit mehr als nur herzlose Dutzendware. Schnell zieht einen der Streifen mit seiner mysteriösen Machart in den Bann und lässt so schnell nicht wieder los. Ein Geheimnis soll entschlüsselt werden und das entfacht schnell die Neugier des Zuschauers. Auf einer Farm geht es nicht mit rechten Dingen zu, was Regisseur ROBERT HAMILTON in viele unheimliche Bilder verpackt. Der Mann lässt bewusst lang Fragen offen und sorgt für ausreichend Verwirrung. Das zögert die Spannung hinaus und kommt dem Film zugute.
 
 
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Der Mix aus Gruseldrama, Psychothriller und Mysteryfilm berichtet vom Leidensweg des Henry Dawles (NICK APOSTOLIDES). Der wird vom betagten Mr. Remiel beauftragt dessen Nachlass zu bewerten, was sich aufgrund der Größe des Grundstücks bald als unterschätzte Herausforderung entpuppt. Weitaus herausfordernder als die antiken Gegenstände des älteren Herren zu bewerten, sind die seltsamen Vorkommnisse im Haus, die sich mit der Ankunft des attraktiven Mittdreißigers ereignen. Erst entdeckt Henry auf dem Dachboden des Gästehauses eine verweste Leiche. Später macht er schmerzhafte Bekanntschaft mit einer abgemagerten Kreatur, die ihn erst zu Boden schlägt und anschließend das Weite sucht. Leider schenkt der Hausherr dem Gast keinen Glauben und macht sich stattdessen Sorgen über dessen doch besorgniserregenden Geisteszustand. So Unrecht hat er mit seiner Feststellung nicht, denn Henry beginnt schon bald grausige Stimmen zu hören und scheint dem Wahnsinn nahe. Alles Einbildung oder doch Realität? Die Antwort darauf wird erst in den letzten Minuten gelüftet.
 
 
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Und das ist auch gut so. THE SUFFERING lebt von der Prämisse, dass der Zuschauer möglichst lang im Unklaren gelassen wird. Da ein paar Visionen, dort seltsame Kreaturen, die den Leidgeplagten durch ein Maisfeld jagen. Offensichtlich wollen die Ereignisse in THE SUFFERING keinen Sinn ergeben. Das ist so gewollt, denn Regisseur ROBERT HAMILTON zielt auf einen Überraschungstwist ab. Die Auflösung scheint absurd, aber genial zugleich, denn THE SUFFERING greift gegen Ende sogar auf religiöse Metapher zurück und macht den Streifen so zur runden Angelegenheit. Die Spannung wird konstant gehalten, denn in diesem Mysterythriller ist immer etwas los. Der Held wird mit allerhand seltsamen Ereignissen konfrontiert, die ihn an seinem Verstand zweifeln lassen. Weil man die Zusammenhänge verstehen will, fesselt der Streifen gerade deshalb vor den Fernsehapparat und belohnt mit schaurigen Kameraeinstellungen und düsterer Bildsprache. Daher werden Fans reißerisch gefilmter und hektisch geschnittener Kommerzware an dieser Stelle gewarnt. THE SUFFERING bringt langsam erzähltes und subtil inszeniertes Gruseln in die Heimkinos. Das bedeutet, dass sich Macher ROBERT HAMILTON mehr auf Aufbau von Unbehagen konzentriert, statt seine Geschichte mit oberflächlichen Schocks zu überfrachten oder gar im Blut zu ersäufen. Wer mit dieser Vorkenntnis an den Film herangeht, wird mit einer gut durchdachten Horrorgeschichte belohnt, die so einige Überraschung parat hält.
 
 
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THE SUFFERING – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Überraschend sehenswerter Horror-Indie mit unerwarteter Auflösung, die zur Abwechslung mal wirklich das Prädikat „originell“ tragen darf. Nein, THE SUFFERING ist keine weitere überflüssige Horrorverfilmung eines erfolgreichen Videospiels. Regie-Newcomer ROBERT HAMILTON macht was ganz Eigenes und hat nach ein paar Kurzfilmen den ersten Langfilm inszeniert, mit dem er genau ins Schwarze trifft. Er vermischt in THE SUFFERING psychologischen Schauer mit rätselhafter Mystery und verfeinert den Gänsehaut-Cocktail mit verstörenden Horror-Elementen, die es in sich haben. Entstanden ist ein außergewöhnlicher Gruselstreifen, der vor allem wegen der zermürbenden Atmosphäre und dem gut durchdachten Handlungsaufbau in Erinnerung bleibt. Das Sahnehäubchen bildet ein Plottwist mit Aha-Moment vom dem der SIXTH SENSE und THE VILLAGE-Macher M. NIGHT SHYAMALAN noch etwas lernen kann. Der ist ebenso für seine unerwarteten Überraschungs-Twiste berüchtigt. Leider wirken die mittlerweile derart konstruiert, dass er mit seinen haarsträubenden Filmenden schon länger keinen mehr hinterm Ofen hervorlocken kann. Wer was auf Horrorfilme hält, sollte sich demnach Macher ROBERT HAMILTON auf die Beobachtungsliste setzten. Hat man den cleveren THE SUFFERING gesehen, kann man es gar nicht mehr abwarten zu erfahren, was der Neuling als nächstes fabrizieren wird. Ist das von ähnlicher Qualität wie das Debüt, stehen uns vielversprechende Horrorfilmzeiten ins Haus. Die hat das immer müder werdende Horror-Genre auch dringend nötig.
 
 
 


 
 
 

THE SUFFERING – Zensur

 
 
 
Gewalt spielt im Film keine sonderlich große Rolle. THE SUFFERING ist eher subtiler Natur und lebt von unheimlichen Bildern und schauriger Stimmung. Dennoch gibt es einige kurze Schauwerte zu bestaunen. Eine verweste Leiche wird gefunden, Menschen mit entfernten Augen gibt es zu sehen und am Ende schießt sich eine Figur mit einem Schrotgewehr den Kopf weg. Hierzulande reicht das alles für eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

THE SUFFERING – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Last Will and Testament of Rosalind Leigh (2012)
 
The Awakening (2011)
 
The Abandoned (2015)


Filmkritik: „The Remains“ (2016)

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THE REMAINS

Story

 
 
 

Eine Familie wird in ihrer neuen Bleibe von paranormalen Ereignissen gequält. Wetten hier spukt’s?


 
 
 


 
 
 

THE REMAINS – Kritik

 
 
 
Es gibt Genres innerhalb der Grenzen der Horrorfilmwelt, die wohl nie in Vergessenheit geraten werden. Besonders die Gattung der Spuk- und Geisterfilme will einfach nicht von der Bilderoberfläche verschwinden und erlebt Revival nach Revival – obwohl die meisten Werke dieser Art im Grunde genommen stets ähnlich gemustert konzipiert sind. Mittlerweile haben sich diese Streifen zu einer regelrechten Plage entwickelt, die gerade aufgrund der Erfolge von Film-Reihen wie THE CONJURING oder INSIDIOUS vor allem von kleinen Produktionsstudios in Auftrag gegeben werden. Die investieren meist nicht viel und hoffen auf maximalen Gewinn. Leider scheint die Rechnung oft aufzugehen. Anders lässt sich nicht erklären, warum der Videomarkt Jahre nach Hits wie THE AMITYVILLE HORROR oder POLTERGEIST immer noch regelmäßig von günstig gedrehtem Geisterquatsch geschändet wird. Auch der US-Reißer THE REMAINS orientiert sich beim Erschrecken an Klischees und Handlungsverläufen vieler bekannter Gruselfilme, die man in den letzten Jahrzehnten bis zum Erbrechen zu sehen bekommen hat. Ein altes Haus mit mysteriöser Vergangenheit macht den neuen Bewohnern das Leben schwer. Die Kinder sind empfänglich für die stattfindenden Spukaktivitäten und das Familienoberhaupt wittert flugs, dass die gesamte Familie in großer Gefahr schwebt. Vergleicht man THE REMAINS mit mindestens zehn weiteren aktuellen Spukfilmen, merkt man, dass sich die Geschichten der Hälfte dieser Streifen aufs Haar gleichen. Das kann mit Sicherheit kein Zufall sein.
 
 
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THE REMAINS zieht alle Register klassischen Spuks. Eine Familie hat hier ein viktorianisches Gebäude bezogen und hofft nach dem plötzlichen Tod der Mutter nur das Beste. Leider passieren bald merkwürdige Ereignisse. Türen fallen grundlos ins Schloss, seltsame Stimmen sind zu hören und plötzliches Chaos in der Wohnung wirft Fragen auf. Nein, an Spuk ist erstmal nicht zu denken, obwohl die Bewohner von schrecklichen Albträumen geplagt werden und in regelmäßigen Abständen schaurige Schatten durch die Wohnung wandeln sehen. Als man auf dem Dachboden Gegenstände aus dem letzten Jahrhundert entdeckt und ausmisten möchte, spitzt sich die Lage zu. Die Kinder werden krank und der Vater zieht schließlich in Betracht, dass mit der neuen Bleibe etwas nicht stimmt. Eine kurze Recherche im Internet gibt Aufschluss. Dieses Haus ist geprägt von seiner düsteren Vergangenheit, was nichts Gutes verheißt. Und so kommt, was kommen muss. Budenzauber wird entfacht und ein effektreiches Spukfinale soll knapp 90 Minuten vorhersehbare Langeweile ungeschehen machen. Leider vergebens.
 
 
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Eigentlich hat THE REMAINS all das, was ein Spuk -und Geisterfilm mitbringen sollte. Damit langweilt er leider auch schon wieder, weil sich der Streifen zu verkrampft am Gruselstandard orientiert und frische Ideen vermissen lässt. So macht Regisseur THOMAS DELLA BELLA den Fehler, dem Zuschauer bereits im Prolog die Spannung zu rauben. Während einer unachtsamen Geisterbeschwörung dringen böse Mächte in die Welt der Lebenden ein und haben sich in genau dem Haus manifestiert, das in THE REMAINS den Ort des unheimlichen Geschehens abgibt. Angesichts der Tatsache, dass das so in fast jedem Film dieser Art der Fall ist, besteht Verwechslungsgefahr. Nein, dieser Gruselschnarcher besitzt weder Eigenständigkeit noch Höhepunkte. Das einzige, was in Erinnerung bleibt, sind die fiesen Schockmomente. Hier waren die Tontechniker äußerst hinterlistig und haben die akustische Untermauerung der Schrecksequenzen besondern laut abgemischt. Dafür schmoren sie hoffentlich in der Hölle, denn die laute Abmischung reisst nicht nur einmal unsanft aus dem Tiefschlaf und sorgt so für Augenringe. Letztendlich ist THE REMAINS ein Gruselfilm der beliebigen Sorte. Das ist aufgrund der technischen Ausstattung ziemlich bedauerlich. Der Geisterfilm sieht alles andere als kostengünstig aus und verfügt zudem über manche atmosphärische Szene. Übrigens hat Regisseur THOMAS DELLA BELLA bereits an einigen Horrorproduktionen mitgewirkt. So war er als Produktionsassistent an THE DARKNESS beteiligt. Dabei handelt es sich um einem Film aus den kommerziell gar nicht mal so unerfolgreichen Blumhouse-Studios von Jason Blum – dem sogenannten Boxoffice-Guru Hollywoods. Besser hätte er sich von dem einige Tipps eingeholt. Dann wäre aus THE RAMAINS zumindest ein Film mit hohem Unterhaltungswert geworden.
 
 
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THE REMAINS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein neuer THE AMITYVILLE HORROR? Nein, bloß irgendein anderer austauschbarer Film, über den morgen niemand mehr sprechen wird. Hier gilt: Kennste andere, kennste auch diesen. Wer schon einige Spuk- und Geisterfilme über alte Häuser gesehen hat, in denen es nicht mit rechten Dingen zugeht, dürfte die Handlung von THE REMAINS bereits kennen, ohne den Streifen überhaupt gesehen zu haben. Der Film bietet nämlich nichts Neues und klappert ganz belanglos die gängigen Klischees dieser Rubrik ab. An Überraschungen oder gar Neuerungen mangelt es und Schocks werden gezielt mit lauten Soundeinspielungen bewirkt. Das macht THE REMAINS austauschbar und langweilig, weil die meisten Handlungsverläufe vorhersehbar sind. Unterm Strich bleibt nichts, was Erwähnung finden könnte. Außer vielleicht die Tatsache, dass man Lebenszeit auch auf anderem Wege verschwenden kann als die gefühlt tausendste Kopie anzusehen.
 
 
 


 
 
 

THE REMAINS – Zensur

 
 
 
Gewalt gibt es hier eigentlich kaum zu sehen. Die hätte man von einem Spuk- und Geisterfilm wohl auch nicht erwartet. Der Vater schlägt in einer Vision mit einem Gegenstand auf ein schlafendes Familienmitglied ein bis der Kopf blutet. Am Ende bekommt er von seinen besessenen Kindern selbst eine Tracht Prügel. THE REMAINS dürfte ohne Probleme eine FSK16 erhalten und soll im Herbst 2016 von SPLENDID FILM ausgewertet werden.
 
 
 


 
 
 

THE REMAINS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Amityville Horror (1979)

Haunt – Das Böse erwacht (2013)

The Conjuring (2013)

The Dead Room (2015)

Das Haus der Dämonen (USA 2009)

Amityville Horror – Eine wahre Geschichte (2005)


Filmkritik: „Shelley“ (2016)

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SHELLEY

Story

 
 
 

Wenn die Leihmutterschaft unerträglich wird: Eine Gastarbeiterin trägt für Geld das Baby ihrer Arbeitgeberin aus und erlebt in dieser Zeit die schlimmsten Schrecken auf Erden.

 
 
 


 
 
 

SHELLEY – Kritik

 
 
 
Wenn die Schwangerschaft zum Horror wird – ein Thema, mit dem sich schon viele Filmemacher beschäftigt haben. Der wohl bekannteste dieser Riege ist zweifelsohne ROMAN POLANSKI, der mit ROSEMARY’S BABY vielen werdenden Müttern manche schlaflose Nacht bereitet hat. Der polnischstämmige Franzose hatte vor fast 50 Jahren erreicht, was vielen ambitionierten Newcomern heutzutage nur mühsam gelingt. Statt plumper Effekthascherei und plakativem Erschrecken ließ er den eigentlichen Horror im Kopf des Zuschauers entstehen. Dafür wurde er seinerzeit zu Recht gelobt. In der Gegenwart sieht das leider ganz anders aus. In Zeiten hektisch geschnittener Gewaltepen mutet subtile Angstmacherei vielen altbacken an. Demzufolge macht sich Kopf-Horror allmählich rar im Genre-Kino, was aber neugierige Nachwuchsregisseure nicht davon abhält, mit dieser Art des filmischen Grauens zu experimentieren. Der Däne ALI ABBASHI ist so ein Fall. Der zitiert nicht nur fleißig aus dem anfangs erwähnten Okkult-Klassiker, sondern macht bereits auf dem Filmplakat darauf aufmerksam, vor welchem Klassiker er sich verneigen möchte. Kenner sehen die Parallelen. Vergleicht man das Plakat zum Filmdebüt SHELLEY und das des Schauermärchens ROSEMARY’S BABY ist eine gewisse Ähnlichkeit nicht von der Hand zu weisen. Doch nicht nur werbetechnisch besitzen beide Genrewerke Gemeinsamkeiten. Auch inhaltlich folgt Regisseur ALI ABBASHI den von Polanski diktierten Pfaden. Das bedeutet: leise Töne und langsame Inszenierung dafür maximalen Horror. Kann das in einer schnelllebigen Zeit wie der Heutigen noch funktionieren?
 
 
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Wie in ROSEMARY’S BABY verfallen in SHELLEY Protagonisten allmählich dem Wahnsinn. Doch bevor der eintritt, ist es ein langer Weg. SHELLEY rückt zwei Frauen in den Mittelpunkt, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Die eine kommt aus Rumänien und will als Gastarbeiterin in Dänemark schnelles Geld verdienen, um sich in der Heimat ein Haus kaufen zu können. Die andere ist Selbstversorgerin und lebt mit dem Mann in einer Hütte am See – ganz ohne Strom und Moderne. Weil man Unterstützung im Haushalt und Garten benötigt, nimmt man die Gastarbeiterin auf und entlohnt sie für anfallende Arbeiten. Schnell entsteht eine innige Freundschaft zwischen den beiden Frauen, weshalb sich Louise (ELEN DORRIT PETERSEN) der neuen Seelenverwandten anvertraut. Sie erklärt dem Hausmädchen auf Zeit, dass sie keine Kinder bekommen kann. Nach einer Fehlgeburt musste ihr die Gebärmutter entfernt werden. Doch eingefrorene Eizellen könnten immer noch eine Leihmutterschaft ermöglichen. Weil Gastarbeiterin Elena (COSMINA STRATAN) viel Geld wittert, schlägt sie vor, das Kind auszutragen. Doch die Schwangerschaft verläuft nicht ohne Probleme. Bald schon passieren seltsame Dinge, was die werdende Mutter veranlasst zu glauben, dass die Frucht in ihrem Leib das Böse beherbergt. Ob sie damit Recht behält?
 
 
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Von der Angst über Nachwuchs, der im Körper heranwächst und der Besessenheit endlich Mutter zu werden. SHELLEY ist zweifelsohne Gruselvergnügen alter Schule, das sogar noch Hirn hat. Statt nur plump zu kopieren, kombiniert Macher ALI ABBASHI souverän und lässt dabei etwas Eigenes entstehen. So ist SHELLEY eigentlich ein Film, der zwei Geschichten und Schicksale vereint. Was nämlich anfangs eine neumodische ROSEMARY’S BABY-Interpretation vermuten lässt, ist weit mehr als das. Der Psychothriller wird gegen Ende zum waschechten Okkult-Grusler und wandelt auf den Spuren des Teufelsjungen Damien aus DAS OMEN. Spätestens hier macht ALI ABBASHI Nägel mit Köpfen, was Kennern der Polanski-Vorlage vielleicht etwas zu kommerziell geraten sein dürfte. Hat der damals den Zuschauer selbst darüber entscheiden lassen, ob der Teufel im Bunde oder alles nur Einbildung war, bezieht Abbashi in SHELLEY klare Stellung. Hier ist wirklich das Böse zuhause und die Tatsache verursacht Gänsehaut. Die wird mit einfachen Mitteln bewirkt, was den Film für all jenen interessant machen dürfte, die sich gern das Fürchten fernab der Traumfabrik lehren lassen möchten. SHELLEY funktioniert auch trotz der eindeutigen Erklärungen gerade wegen seiner eigensinnigen Machart. Lange Kameraeinstellungen gesellen sich zu gut durchdachtem Erzählstil. Der ist in erster Linie ruhig und macht zudem von wenig Musikeinsatz Gebrauch. Langsam bahnt sich das Grauen seinen Weg durch den Film – nur um am Ende gnadenlos zuzuschlagen. So überschlagen sich im Finale die Ereignisse und es kommt zu folgenschweren Entschlüssen. Angesichts mangelnder Schocks und Gewaltexzesse ist die dort verursachte Stimmung des Unbehagens bemerkenswert. Spätestens an dieser Stelle sollte man dem dänischen Newcomer für seine Arbeit beglückwünschen, denn Gänsehaut mit einfachen und unkonventionellen Mitteln zu bewirken, kann nicht jeder.
 
 
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SHELLEY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Altmodisch – aber oho: Wenn subtiles Angstkino der 1960er in die Gegenwart transferiert wird. Dann entsteht so etwas wie SHELLEY, der souverän zeigt, dass subtil erzählte Horrorfilme auch genauso gut heute funktionieren. Weniger Schocks auf der Mattscheibe, dafür mehr Grauen im Kopf. Das sind die eigentlichen Intensionen, die der dänische Regisseur ALI ABBASHI verfolgt und damit alles richtig macht. SHELLEY ist so nichts für jene, die Herzflattern und Adrenalinkick beim Schauen von Horrorfilmen voraussetzen. Dieser Film beschreitet den Weg des Grauens langsam und wirft somit Ritalin-Patienten vollkommen aus der Bahn. Das Böse wird im Film vielerorts nur angedeutet. Dennoch entsteht schnell eine fesselnde Aura des Unbehagens. Ist die Heldin im Film nur dem Wahnsinn nahe oder sind hier wirklich teuflische Mächte am Werk? Wo sich ROMAN POLANSKI in ROSEMARY’S BABY eindeutige Erklärungen verkniff, macht SHELLEY Nägel mit Köpfen. Das ist aber auch das einzige was man dem Film vorwerfen könnte. Der Rest ist über jeden Zweifel erhaben – insofern man überhaupt etwas mit langsam erzählten Gruselstreifen anfangen kann, in denen sich das Grauen langsam den Weg bahnt. Langsamkeit ist nämlich in SHELLEY Programm und zeigt mal wieder, dass gut durchdachte Geschichten, talentierte Schauspieler und lobenswerte Kameraarbeit plakative Schocks und Gewaltmomente überflüssig machen.
 
 
 


 
 
 

SHELLEY – Zensur

 
 
 
Gewalt spielt in SHELLEY kaum eine Rolle. Eine versuchte Abtreibung wird angedeutet und gegen Ende wird der Kopf eines Protagonisten mit der Autotür zermatscht. Das sieht man aber nicht, da die Kamera wegblendet. SHELLEY dürfte in Deutschland wohl mit einer FSK16 davonkommen.
 
 
 


 
 
 

SHELLEY – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Devil Incarnate (2013)
 
Bleed (2016)
 
The House on Pine Street (2015)
 
Delivery: The Beast Within (2013)
 
Devil’s Due – Teufelsbrut (2014)
 
Unborn – Kind des Satans (1991)
 
Rosemaries Baby (1968)
 


Filmkritik: „Paranormal Drive“ (2016)

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PARANORMAL DRIVE

(MARSHRUT POSTROEN)

Story

 
 
 

Psychothriller oder Geisterdrama? Niemand weiß es so genau. In PARANORMAL DRIVE stimmt was nicht mit dem neu gekauften BMW eines Ehepaares. In dem Wagen spielen sich plötzlich ganz seltsame Dinge ab.

 
 
 


 
 
 

PARANORMAL DRIVE – Kritik

 
 
 
Böse Autos, die mordend über Landstraßen fegen, gibt es im Horror-Genre immer wieder mal zu sehen. Der wohl bekannteste Film dieser Art dürfte die von JOHN CARPENTER inszenierte Stephen-King-Verfilmung CHRISTINE gewesen sein, in der ein gut polierter Oldtimer ein blutiges Eigenleben führt. Doch es geht noch weiter. Nach thematisch ähnlich gelagerten Streifen wie WRECKER, BLOOD CAR, HYBRID oder dem sehr speziellen Tschechoslowaken DER AUTOVAMPIR erweitert nun ausgerechnet Russland die faszinierende Riege unberechenbarer Killerautos im Film um einen weiteren Kandidaten. Der wurde im eigenen Land unter dem Titel MARSHRUT POSTROEN ins Multiplex gebracht und verschlang eine Million Russische Rubel an Produktionsbudget. Zieht man das Einspielergebnis zum Vergleich heran, kann MARSHRUT POSTROEN dann doch schon als finanzieller Erfolg bezeichnet werden. 58 Millionen Russische Rubel Gewinn erzielte der Streifen allein im Entstehungsland. Eine beachtliches Ergebnis, von dem manches Filmstudio in Hollywood nur träumen kann. Garantieren viele Kinogänger auch gleichzeitig einen guten Horrorfilm? Im Falle von PARANORMAL DRIVE (so der ebenso sympathische wie einfallsreiche internationale Titel) dürfte der eine oder andere russische Gruselfan enttäuscht das Kino verlassen haben. Der Grund liegt mal wieder an der Unentschlossenheit der Macher. OLEG ASSADULIN hatte sich vor einiger Zeit schon einmal im Horrorgenre ausprobiert. PHOBOS nannte sich der etwas holprig inszenierte Mysteryt-Triller in dem sich sieben Freunde versehentlich selbst in einem geheimnisvollen Bunker eingeschlossen hatten. Holprig und unüberlegt geht es auch im aktuellen Werk zu. Hier sind nicht die Schauspieler das Problem, sondern das Drehbuch. Die Handlung passt auf einen Bierdeckel, wurde aber mit Effekten und JumpScares auf Spielfilmlänge aufgeblasen. Nur Spuk- und Geisterfans mit Liebe für oberflächliche Schocks könnte das gefallen. Wer’s gut überlegt und atmosphärisch aufgebaut braucht, kommt hier leider zu kurz.
 
 
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Eigentlich will sich das Paar Andrey und Olga (scheinbar gibt es in Russland nur diesen einen Frauennamen) bloß den Wunsch vom neuen Auto erfüllen. Dass der Gatte beim Autohändler mit dem neuen Fahrzeug ein richtiges Schnäppchen macht, kommt natürlich gelegen, denn man will verreisen und benötigt jeden Rubel. Doch das neue Auto bereitet technische Probleme. Erst ist es ein elektrischer Schlag am Lautstärkeregler des Radios. Später kommen ominöse Geräusche und plötzlicher Benzinverlust dazu. Leider treten bald Zweifel auf, ob der Autokauf doch nicht zu übereilt abgeschlossen wurde. Hinzu kommt, dass sich das Paar in einer Ehekrise befindet und man in Erwähnung zieht, nicht doch die Scheidung einzureichen. So kommt, was unweigerlich kommen muss. Die Fahrt zum Flughafen wird zum blanken Horror. Etwas Böses scheint das Steuer übernommen zu haben und will die Beziehung der beiden auseinandertreiben. Was Andrey und Olga nicht wissen: Der Vorbesitzer des Fahrzeugs hat nach einem Ehekrach die Liebste ermordet und deren Einzelteile im Kofferraum durch die Gegend kutschiert. Da liegt der Verdacht nahe, dass es sich der Geist der Ermordeten auf dem Rücksitz gemütlich gemacht hat.
 
 
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Entscheiden Sie sich jetzt. Was Regisseur und Drehbuchautor OLEG ASSADULIN mit PARANORMAL DRIVE abliefert, ist weder Fisch noch Fleisch. Der Gute scheint sich irgendwie nicht so recht schlüssig darüber gewesen zu sein, was er denn nun für einen Film drehen wollte. Was anfänglich einen Geisterstreifen vermuten lässt, verwandelt sich in den letzten zehn Minuten zum Psychothriller. Da werden plötzlich Themen wie Schizophrenie und Wahnsinn gestreift und lassen den bis dato akribisch auf Spuk getrimmten Horrorfilm löchrig und vor allem unplausibel erscheinen. Seit dem Erfolg des Mystery-Thrillers THE SIXTH SENSE gehören unerwartete Filmauflösungen in Horrorstreifen wieder zum guten Ton. Das ist auch gut so, insofern Filmwendungen Hand und Fuß haben. Im Falle des russischen PARANORMAL DRIVE ist das leider nicht so, denn der plötzliche Twist verwirrt unnötig und wirft mehr Fragen auf, als dass er Antworten geben kann. Demzufolge sollte man doch besser einige Kilometer weiter gen Osten schauen. Dort liegt nämlich jenes Land von dem sich der russische Geister-Psycho-was-auch-immer-Streifen hat inspirieren lassen: Japan. Da werden zwar Geisterfilme en masse produziert – tragen aber dann auch wirklich das Prädikat: unheimlich. Meistens. Davon ist PARANORMAL DRIVE leider weit entfernt. Gruselig sind hier nur die ständigen Streitereien zweier Eheleute, deren Beziehung schon bessere Tage erlebt hat. Kann man aber auch günstiger haben. Einfach mal das Ohr an die Wohnungstür des Nachbars halten und aufmerksam lauschen. Spätestens dann ist man garantiert mittendrin statt nur dabei.
 
 
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PARANORMAL DRIVE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Wenn die Fahrt zum Flughafen mit dem neuen Auto zum Albtraum wird. PARANORMAL DRIVE ist genauso einfallslos, wie die enervierend plumpe Titelkreation für den internationalen Filmmarkt. PARANORMAL DRIVE heißt im russischen Original eigentlich MARSHRUT POSTROEN. Weil das aber keiner versteht, musste etwas Auffälligeres her. „Paranormal“ heißt das Zauberwort, mit dem sich sichere Umsätze generieren lassen, denn seit PARANORMAL ACTIVITY vor fast zehn Jahren Traumsummen an den Kinokassen erwirtschaftete, geht in der Horrorwelt ohne als paranormal verkaufte Phänomene offensichtlich nur noch wenig. Leider verbirgt sich hinter PARANORMAL DRIVE eine Mogelpackung. Der Film beginnt wie jeder 08/15-Spukhausfilm, nur mit dem Unterschied, dass sich unerklärliche Ereignisse diesmal in einem Auto abspielen. Leider schlägt der Streifen in den letzten Filmminuten eine ganz andere Richtung ein und sorgt so für unangenehme Verwirrung. Nur Regisseur und Drehbuchautor OLEG ASSADULIN allein weiß, warum Protagonisten im Film handeln, wie sie handeln. Da funktionieren plötzlich Bremsen nicht mehr, ist Benzin aus unerklärlichen Gründen knapp und Fahrer schlafen am Steuer ein, fahren aber trotzdem weiter. Normalsterbliche Reisende hätten da wohl gleich den ADAC-Pannennotdienst gerufen oder ein Nickerchen am Rastplatz gemacht. Nicht in PARANORMAL DRIVE. Hier werden mysteriöse Ereignisse von genervten Eheleuten weggestritten. Was für ein Blödsinn.
 
 
 


 
 
 

PARANORMAL DRIVE – Zensur

 
 
 
PARANORMAL DRIVE bzw. MARSHRUT POSTROEN – wie er in Russland vermarktet wird – ist ziemlich harmlos. Es gibt Dutzende plakativ eingesetzte Schockmomente zu sehen. Die Grausamkeiten reduzieren sich auf eine Nagelschere, die einem Protagonisten in den Hals gerammt wird. Zudem wird einer Verkäuferin in den Kopf geschossen und die Heldin verletzt sich am Finger. PARANORMAL DRIVE ist ein sicherer FSK16-Kandidat.
 
 
 


 
 
 

PARANORMAL DRIVE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Christine (1983)
 
Hybrid 3D (2010)
 
The Car – Der Teufel auf Rädern (1977)
 
Der Autovampir (1981)
 
Blood Car (2007)


Filmkritik: „Satanic“ (2016)

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SATANIC

Story

 
 
 

Vier Freunde sind am Thema Satanismus interessiert und öffnen durch Neugierde und Unachtsamkeit einer höheren Macht die Pforte zur Welt der Lebenden.

 
 
 


 
 
 

SATANIC – Kritik

 
 
 
Wenn das Drehen von Serien allein irgendwann keine Erfüllung mehr mit sich bringt, macht man eben Horrorfilme – und sind die Drehbücher dahinter auch noch so mies. Ganz ähnlich dürfte sich das Regisseur JEFFREY G. HUNT gedacht haben. Der fabriziert seit 2006 Serienfolgen am Fliessband und hat so Episoden zu TV-Hits wie CSI: NY, HAWAII FIVE-0 oder FRINGE beigesteuert. Offensichtlich hat’s ihn mit der Zeit gelangweilt, weshalb er nun seinen ersten Film gemacht hat. Jetzt kann er auch dem Publikum zeigen, über welche Untiefen der Ozean der Langeweile doch verfügt. Mit SATANIC hat sich der serienerprobte Hunt leider keinen Gefallen getan. Das verfilmte Drehbuch aus der Feder von ANTHONY JASWINSKI muss Ausschuss gewesen zu sein. Hier stimmt leider gar nichts und das von der ersten Minute an. Bei einer so desaströsen Grundlage wundert es schon sehr gewaltig, dass der Drehbuchautor ebenso für die Skripts zu THE SHALLOWS und KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN verantwortlich zeichnet. Zieht man die genannten Horrorempfehlungen zum Vergleich heran, will man irgendwie nicht so recht glauben, dass die gleiche Person auch den äußerst beliebigen SATANIC verbrochen haben soll. Vermutlich litt ANTHONY JASWINSKI aber wohl einfach nur unter einen Schreibblockade und musste unter Zeitdruck abliefern. Nur so lässt sich der Schlamassel erklären, der dem Zuschauer mit SATANIC zugemutet wird.
 
 
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Vier Mittzwanziger wollen ein paar okkulte Orte und Sehenswürdigkeiten Amerikas abklappern und bleiben in Los Angeles hängen, wo sie in den Hollywood Hills auch auf den Pfaden der brutalen Manson Morde wandeln. In einem okkultistischen Laden wittern die vier den Höhepunkt ihrer Reise. Der Ladenbetreiber macht einen verdächtigen Eindruck, weshalb die Freunde auf den Ladenschluss warten und ihm folgen. Er führt die Gruppe unwissend zu einem geheimnisvollen Ort, wo Satanisten ein mysteriöses Ritual durchführen, bei dem die attraktive Alice geopfert werden soll. Doch dazu kommt es nicht. Die Freunde unterbrechen versehentlich die Zeremonie und machen die Sektenmitglieder zornig. Was bleibt ist die Flucht, die immerhin heil im Hotelzimmer und mit verlorenem Telefon endet. Am nächsten Tag meldet sich ein ehrlicher Finder zurück. Es ist das vermeintliche Opfer Alice, die viel zu erzählen hat. Prompt werden im Hotelzimmer Beschwörungsrituale gehalten und ein Hexenbrett kommt zum Einsatz. Wenig später öffnet sich das Tor zu Hölle und die gute ist Alice tot. Was folgt braucht hier wohl nicht weiter erläutert werden, denn der Ausgang von SATANIC ist austauschbar. Die neunmalklugen Protagonisten haben durch Neugierde und Unachtsamkeit etwas Böses befreit, dass nun Jagd auf Menschen macht. Wetten, dass keiner der Freunde überleben wird?
 
 
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Mit Sicherheit hat jeder Filmfan schon einmal folgende Streifen im Player gehabt. Filme, die so furchtbar langweilig sind, dass einem deshalb die Augen schwer werden und die einen gegen Ende aus dem Schlaf reißen, weil Tontechniker dreist an den Lautstärkereglern gedreht haben. SATANIC reiht sich in die Reihe jener fiesen Muntermacher ein, die wohl einzig deshalb gemacht wurden, um den Zuschauer zu ärgern. Regisseur JEFFREY G. HUNT macht alles falsch, was man beim Drehen von Horrorfilmen falsch machen kann. Er war wohl um Neuerungen bemüht, verzettelt sich aber ziemlich früh mit seinem Plan, wie er den Zuschauer Unbehagen bescheren möchte. Konfus und unüberlegt geht es nämlich in SATANIC zugange, der nicht nur elendig langweilig ist, sondern ebenso gemein blendet, weil er falsche Erwartungen schürt. So streift der Film früh das Okkult-Fach und lässt das Publikum im Glauben, dass sich hier vier Freunde bei einem skrupellosen Satanismus-Kult unbeliebt machen. Doch während man Satanisten zu Beginn heimlich beim Opferritual über die Schulter schaut, haben die Macher dann doch andere Pläne. SATANIC hat wenig mit Sekten oder Ritualen am Hut. Vielmehr verliert sich der Streifen im Dämonen- und Geistergenre, lässt Protagonisten unbedacht mit Hexenbrettern spielen, damit finstere Mächte den Weg in die Menschenwelt finden. Bekanntes Terrain also, wie es in letzter Zeit erschreckend oft über die Bildschirme geflimmert ist. Leider lässt sich der Film zu lange damit Zeit, um endlich mal in die Gänge zu kommen. Erst nach einer knappen Stunde Laufzeit beginnt das große Sterben und den neugierigen Freunden geht’s an den Kragen. Bis es jedoch soweit ist, wird viel Sitzfleisch und Geduld vorausgesetzt. Für einen Horrorfilm sind das keine guten Voraussetzungen – vor allem dann nicht, wenn langes Warten müde macht. Demzufolge sollte man ausgeschlafen sein und Erwartungen herunterschrauben, denn so satanistisch wie es der Filmtitel suggeriert, ist SATANIC keineswegs. Möge Regisseur JEFFREY G. HUNT für diesen Zeiträuber in der Hölle schmoren und sich beim Satan höchstpersönlich für diesen Schnellschuss entschuldigen.
 
 
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SATANIC – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Hier sparste Dir die Schlaftablette. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn Regisseur JEFFREY G. HUNT einen harten Sektenthriller über einen satanischen Kult auf Film gebannt hätte, wie sie derzeit wieder in Mode kommen. Dann wären alle glücklich gewesen. Doch statt Satanisten beim Opfern zu begleiten und die Geschehnisse im Blut zu ersäufen, wird es mal wieder 08/15. Böse Mächte aus einer anderen Welt wollen vier unschuldigen Mittzwanzigern an den Kragen. Ein Hexenbrett hier, ein paar paranormale Momente dort – fertig ist SATANIC, ein Schnarcher vor dem Herrn. Der Spannungsbogen fehlt gänzlich – Schockmomente ebenso. Die hat man versucht irgendwie in den letzten zehn Minuten abzuhaken. Leider verfehlen die ihre Wirkung, denn offensichtlich geraten Drehbuch und Geschehnisse am Ende vollkommen außer Kontrolle, so dass ein Folgen nahezu unmöglich gemacht wird. Auch wenn SATANIC in visueller Hinsicht vielen billigen Videoproduktionen um Längen voraus ist, kann dieser Film leider gar nichts. Ein treffender Beweis dafür, dass immer noch gute Geschichten und Ideen mehr wert sind, als glattgebügelte Optik und nett getrickste Spezialeffekte.
 
 
 


 
 
 

SATANIC – Zensur

 
 
 
Wer glaubt, dass in SATANIC die Post abgeht, irrt sich gewaltig. Die wohl grausamsten Szenen beschränken sich auf einen Kehlenschnitt sowie einer gebrochenen Nase. Am Ende sieht man in einer Szenen kurz, wie eine Frau mit einer Zimmerdecke verschmolzen ist. Ebenso wurden einer Protagonistin die Arme abgetrennt und der Mund zugenäht. Klingt zwar alles ziemlich reißerisch, ist aber Kinderfasching. SATANIC dürfte in Deutschland eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

SATANIC – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Magnolia Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Demonic (2015)
 
The Ouija Experiment (2011)
 
The Midnight Game (2013)