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Filmkritik: „Get Out“ (2017)

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GET OUT

Story

 
 
 
Albtraum Schwiegereltern: Im spannenden Horrorthriller GET OUT soll ein Farbiger die künftigen, weißen Schwiegereltern kennenlernen. Doch der Besuch verläuft anders als geplant und entwickelt sich rasch zum Albtraum.

 
 
 


 
 
 

GET OUT – Kritik

 
 
 
Kann es vielleicht sein, dass es auch dem Mainstream-Publikum dringend nach Neuerungen im Horror-Genre dürstet? Anders lässt sich wohl nicht erklären, warum sich ausgerechnet ein eher unscheinbarer Thriller wie GET OUT in kürzester Zeit zum Publikums-Hit mausern konnte. Bereits wenige Wochen nach dem amerikanischen Kinostart befand sich der Streifen auf Rekordkurs und spielte soviel Geld ein, wie es schon lange zuvor keinem R-Rated-Horrorstreifen mehr gelungen ist. Dabei war GET OUT für das eher für konventionelles Horrorkino berüchtigte Filmstudio BLUMHOUSE PRODUCTIONS ein Schnäppchen. Der Streifen kostet gerade einmal fünf Millionen Dollar und spielte in den weltweiten Kinos sensationelle 193 Mio. Dollar (Stand April 2017) ein. Demzufolge gehört GET OUT schon jetzt zum kommerziell zweiterfolgreichsten R-Rated-Horrorfilm aller Zeiten. Ob es dem Mystery-Horror gelingen wird den Kultfilm DER EORZIST vom Thron zu stoßen? Der steht mit 204 Millionen Dollar Einspielergebnis auf dem Siegertreppchen und konnte – zumindest finanziell – bis dato von noch keinem R-Rated-Horror geschlagen werden.
 
 
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Hollywood kann auch anders. Der Horrorfilm GET OUT erzählt diesmal eine überraschend unverbrauchte Geschichte und macht sogar vor Rassismus-Kritik nicht halt. Wo Afroamerikaner normalerweise für schräge Späße sorgen und danach möglichst schnell ableben sollen, übernimmt der farbige DANIEL KALUUYA die Hauptrolle und erlebt dabei die Hölle auf Erden. Er verkörpert den smarten Chris im Film, der nun schon einige Monate mit der attraktiven Rose (ALLISON WILLIAMS) zusammen ist. Da will man endlich den nächsten Schritt wagen. Chris soll die Eltern seiner Freundin kennenlernen und reist deshalb mit der Angebeteten ins ländliche Amerika, wo die Eltern schon sehnsüchtig auf den potenziellen Schwiegersohn warten. Zwar ist die Begrüßung herzlich, doch Chris entwickelt bald ein mulmiges Bauchgefühl. Nicht nur, dass zwei Afroamerikaner die Haus- und Gartenarbeit übernehmen müssen. Auch Mutter und Vater der neuen Freundin sorgen mit unnatürlichen Freundlichkeit und ihrer offenen Art gegenüber farbigen Mitmenschen für Skepsis. Offenbar ist die auch berechtigt, denn bei einer skurrilen Feier überschlagen sich Ereignisse und Chris bemerkt schnell, dass diese Familie etwas verborgen hält, von dem niemand wissen darf.
 
 
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Komiker auf Abwegen. Weitaus interessanter als der unvorhersehbare Plot, ist die Tatsache, wer da hinter der Kamera steht. JORDAN PEELE zeichnet in diesem Falle verantwortlich. Der wollte offenbar etwas Neues ausprobieren und wechselte die Seiten. Statt als Comedy-Star (unter anderem in KEY & PEELE) vor der Kamera zu stehen, hat er es sich für GET OUT erstmals dahinter gemütlich gemacht und schlägt ungewöhnlich ernste Töne an. Damit erfüllte er sich einen langjährigen Traum. In Interviews lies er nämlich verlauten, dass er schon immer mal selbst einen Film drehen wollte. Mit GET OUT wurde ihm die Möglichkeit eröffnet für den er sich laut eigener Aussage vom Science-Fiction-Horror DIE FRAUEN VON STEPFORD inspirieren lies – einem Klassiker von 1975, in dem sonderbare Dinge in einer Vorortgemeinde New York Citys geschehen. So mysteriös wie die Vorlage, ist selbstverständlich auch GET OUT geworden. Der entwickelt sein ganzes Gruselpotenzial nur dann, wenn man so wenig wie möglich über die Handlung in Erfahrung bringt. Die geht nämlich erfrischend neue Wege und hebt sich damit vom üblichen Horror-Blödsinn ab, der mit den immer gleichen Geschichten dem Zuschauer das Geld aus der Brieftasche ziehen möchte. GET OUT hat zur Abwechslung keine Killer, Monster, Zombies der Geister in petto. Der Horror manifestiert sich auf anderem Wege und das ist auch gut so. Lang wird verschleiert, in welche Richtung GET OUT tendieren wird. Regisseur JORDAN PEELE gibt nur wenig Anhaltspunkte und hält damit die Spannung konstant. Erst kurz vor der Zielgeraden wird des Rätsels Lösung gelüftet und das Finale – zur Freude Liebhaber härterer Hausmannskost – im Blut ersäuft. Somit werden Mystery-, Grusel- und Splatterfans gleichermaßen zufriedengestellt. GET OUT ist eine Runde Sache und dürfte gelangweilte Horror-Zuschauer wieder wachrütteln. Daher die Bitte an Hollywood: Gern öfters mal was Neues ausprobieren und jenseits der üblichen Horror-Pfade wandeln. Dann machen auch Genre-Pfade endlich wieder Spaß.
 
 
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GET OUT – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Gute Schauspieler, eine unverbrauchte Story, reichlich Spannung und etwas Blut – GET OUT bringt all das mit, was man von guten Horrorfilmen erwartet. Da will man gar nicht so recht glauben, dass genau jene Genre-Schmiede GET OUT fabriziert hat, die sonst immer vorhersehbare und klischeebehaftete Gruselstreifen ohne Überraschungen dreht. Mystery-Horror at its Best wird geboten, denn Regisseur JORDAN PEELE schwört das Grauen langsam herauf und lässt dann unverhofft die Katze aus dem Sack. Damit bringt er frischen Wind in ein Film-Genre, das mit generischen Geschichten selbst eingefleischten Fans die Freude am Filmeschauen genommen hat. GET OUT ist ein satirisch angehauchter, beinahe selbstironischer Mystery-Psychothriller, dem es spielerisch gelingt eine beklemmende Stimmung heraufzubeschwören, die ein Gefühl der Paranoia (bei Zuschauer und Identifikationsfigur) entstehen lässt. Das presst in den Kinosessel – vor allem dann, wenn es für den Filmheld am Ende gilt dem Albtraum zu entkommen. Trotz unscheinbarem Filmtrailer und ebenso nichtssagendem Poster: GET OUT ist so etwas wie ein Hollywood-Geheimtipp. Hoffentlich vermasselt die Traumfabrik den positiven Gesamteindruck nicht und schiebt eine erzwungene Fortsetzung nach. Angesichts der rekordverdächtigen Einspielergebnisse dürfte das aber wohl nicht wundern.
 
 
 


 
 
 

GET OUT – Zensur

 
 
 
Erst im Finale geht es Schlag auf Schlag und etwas Gewalt gibt es zu sehen. Eine Schädeldecke wird aufgesägt, ein Körper wird von einem Hirschgeweih durchbohrt, Gewehrmunition kommt zum Einsatz und ein Schädel wird mit einem Gegenstand eingeschlagen. In Amerika gab es dafür ein Rated R – was hierzulande mit einer Erwachsenenfreigabe gleichzusetzen wäre. Doch in Deutschland ging die FSK dann doch nicht so weit. GET OUT läuft in deutschen Kinos mit einer Freigabe ab 16 Jahren. Ungeschnitten versteht sich.
 
 
 


 
 
 

GET OUT – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Universal Pictures Deutschland)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Birthday (2004)
 
Die Frauen von Stepford (1975)
 
Awaiting (2015)
 
The Harvest (2013)
 


Filmkritik: „We Go On“ (2016)

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WE GO ON

Story

 
 
 

Miles Grissom hat Angst vorm Sterben und vor allem vor dem was danach kommt. Deshalb zahlt er viel Geld an denjenigen, der ihm zeigen kann, was auf der Schwelle zum Tod passieren wird. Gott sei Dank steht immer Mutter Charlotte (ANNETTE O’TOOLE aus SMALLVILLE) zur Seite, die ihren Sohnemann vor Betrügern und Unachtsamkeit beschützt. Der muss bald am eigenen Leibe erfahren, dass mit dem Tod gern auch mal Geschäfte gemacht werden.

 
 
 


 
 
 

WE GO ON – Kritik

 
 
 
Was passiert eigentlich, wenn wir tot sind? Gibt es mit bereits verschiedenen Menschen ein Wiedersehen im Jenseits oder irren wir als verbitterte Geisterwesen rastlos auf Erden umher? Werden wir in einer anderen Lebensform wiedergeboren oder verharren wir bewegungslos in einer Holzkiste bis unsere Körper zu Staub zerfallen sind? Der Indie-Gruselstreifen WE GO ON geht diesem Thema auf den Grund und versucht Antworten auf eine Frage zu finden, die bereits seit Menschengedenken gestellt wird. Dabei hebt sich der Streifen mit seinem erfrischenden Konzept wohlwollend von der austauschbaren Geister- und Spukmassenware ab, die nahezu täglich in TV oder Kino zu sehen ist. Was hier gezeigt wird ist vom Ablauf ungewöhnlich unkonventionell und macht deshalb neugierig, weil WE GO ON nicht so schnell durchscheinen lässt, wohin die Reise führen wird. Das verwundert, vor allem deshalb, weil dieser tiefgründige Genre-Beitrag von Filmemachern inszeniert wurde, die vor einigen Jahren mit eher unbedachtem Horrorstoff von sich hören lassen haben. Mit dem Debütstück YELLOWBRICKROAD bekleckerten sich JESSE HOLAND und ANDY MITTON im Jahr 2010 nicht sonderlich mit Ruhm und lieferten langweiligen Mystery-Unsinn ab, der zu Recht von Kritikern verrissen wurde. Jetzt ist aber alles anders. Die beiden Newcomer scheinen nach einigen Regie-Arbeiten, wie CHILLING VISIONS – 5 SENSES OF FEAR dazugelernt zu haben. Entstanden ist sehenswertes Indie-Gruselkino, das den Zuschauer auf unbekannte Genre-Territorien lotst und dabei auch noch eine unverbrauchte Geschichte zu erzählen hat. Wem es daher dringend nach Neuerungen im Genre und gut durchdachten Handlungsaufbau dürstet, ist mit WE GO ON gut beraten.
 
 
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Das Leben geht manchmal seltsame Wege. So auch für den attraktiven Miles (absolut glaubwürdig: CLARK FREEMAN), der nach einem schweren Autounfall plötzlich mit vielen Ängsten zu kämpfen hat. Vor allem das Sterben bereitet dem Leidgeplagten große Sorgen und das, was danach kommt oder auch nicht. Um sich die begründete Angst vor dem Tod nehmen zu lassen, gibt der Angsthase eine Anzeige in der Tageszeitung auf. Darin verspricht er demjenigen 30.000 Dollar, der ihm einen Beweis liefert, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Natürlich melden sich gleich dutzende Menschen, die meinen Geister oder Engel gesehen zu haben. Doch schnell wird klar, dass es sich bei den meisten derer um Spaßvögel und Betrüger handelt, die nur auf schnelles Geld aus sind. Immerhin können drei Kandidaten Interesse wecken. Darunter ein Wissenschaftler, ein Medium und der Inhaber eines geheimnisvollen Holzkästchens – HELLRAISER lässt grüßen. Leider erhält der Fragesteller auch dort nicht die Antworten, die er sich anfangs erhofft hat. Da klingelt unverhofft das Telefon und ein mysteriöser Anrufer will den skeptischen Miles eines Besseren belehren. So wandelt unser ängstlicher Held bald auf Spuren des Außerweltlichen und kommt der Totenwelt näher, als es ihm lieb sein dürfte. Manchmal ist es eben besser, bestimmte Türen nicht zu öffnen.
 
 
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Die Geister, die er rief, wird er nicht wieder los. Hinter WE GO ON verbirgt sich ein origineller Mystery-Beitrag, der das Thema ‚Leben nach dem Tod‘ aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet. Statt schockiert, gegruselt und erschreckt, wird hier endlich mal wieder „erzählt“. Die Regisseure JESSE HOLAND und ANDY MITTON fokussieren sich auf Protagonisten, deren Ängsten und Schicksale und setzen in ihrem clever gestrickten Mysterdrama eine Kette von Umständen in Gang, die Zuschauer und Filmhelden am Ende gewünschte Erleuchtung bringen wird. Dabei erweisen sich die zugänglichen und sympathischen Hauptfiguren als eigentliche Geheimzutat. Aus denen geht die gesamte Geschichte hervor und man wünscht ihnen nichts Böses. Weil die sich rational und menschlicher verhalten, wachsen sie schnell ans Herz. Etwas, was man in vielen schnell abgedrehten und austauschbaren Genre-Produktionen neueren Datums vermisst. WE GO ON ist kein Film fürs breite Publikum. Der günstige produzierte Mysterystreifen protokolliert in ruhigen und zurückhaltenden Bildern die berechtigte Angst vorm Tod, belehrt aber am Ende fast schon ermahnend, dass die Furcht vor dem Ableben unbegründet ist und man besser das Leben in vollen Zügen genießen soll. Der langsame Handlungsaufbau und der gemächliche Erzählstil sind jedoch Fluch und Segen zugleich. Weil sich WE GO ON leider viel Zeit für Geschichte und Figuren lässt und dabei auch kaum Horrorelemente zu bieten hat, dürfte sich manch Mainstream-verwöhnter Filmfan schnell gelangweilt fühlen. Angesichts der Flut an sich ständig wiederholender Grusel- und Horrorgeschichten ist das egal, schließlich steckt in WE GO ON das, was in vielen aktuellen Produktionen fehlt: Herzblut und Originalität.
 
 
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WE GO ON – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Eine emotionale Suche nach Antworten. WE GO ON ist einer der emotionalsten und tiefgründigsten Gruselstreifen der letzten Jahre, der viele neuere Horror-Produktionen in den Schatten stellt. Das Szenario ist originell und die ungewöhnlichen Figuren wachsen schnell ans Herz. Trotz Geisterthematik ist WE GO ON aber kein Gruselfilm von der Stange. Schockmomente gibt es hier kaum zu sehen und auch sonst wird eher Unkonventionelles geboten. Überhaupt verbirgt sich hinter dem unaufgeregten Film mehr Drama über den Kampf gegen Ängste, das gerade wegen seiner hervorragend gewählten Schauspieler von aufgeschlossenen Genre-Fans vorgemerkt werden sollte. Statt eindimensionaler Massenware wird Grusel mit Hirn aufgetischt, der zum Miträtseln animiert und trotz ruhiger Inszenierung stets spannend bleibt. Die Wendungen, die WE GO ON im Verlauf der Handlung einschlägt, sieht man nicht kommen. Da kann sich der selbsternannte Mystery-Guru Hollywoods M. NIGHT SHYAMALAN (THE VILLAGE, SPLIT, THE VISIT) gern mal eine Scheibe von abschneiden. Der hat mit seinen haarsträubenden und überraschenden Filmauflösungen zuletzt eher für lautes Gelächter gesorgt, statt für verblüffte Gesichter. Wie’s richtig geht zeigen deshalb die Regisseure JESSE HOLAND und ANDY MITTON mit WE GO ON. Trotz mangelnder Effekthascherei – und vielleicht auch gerade deshalb – ist dieser Gruseltrip einer der unheimlichsten Filme, die wohl je gedreht wurden. Von uns gibt es daher das Prädikat: Geheimtipp!
 
 
 


 
 
 

WE GO ON – Zensur

 
 
 
WE GO ON hat eigentlich kaum Gewalt oder Schauwerte zu bieten. Man sieht eine halb verweste Leiche und eine Schusswunde. Das war’s. Hierzulande reicht das für FSK16. Ob sich aber ein deutsches Label erbarmen und diesen originellen Gruselfilm hierzulande veröffentlichen wird, dürfte hingegen fraglich sein. Hier sollte man sich mal überraschen lassen.
 
 
 


 
 
 

WE GO ON – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Sixth Sense (1999)
 
Wait Till Helen Comes (2016)
 
Jack Goes Home (2016)
 
The Suffering (2016)
 
Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt (1999)
 


Filmkritik: „Shut In“ (2016)

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SHUT IN

Story

 
 
 
Nach einem tragischen Verkehrsunfall versucht Kinderpsychologin Mary den Tod ihres Mannes zu verarbeiten, während sie zudem die Pflege ihres in eine Art Wachkoma gefallenen Stiefsohnes übernimmt. An einem eingeschneiten Ort, bei dem das Wort Abgeschiedenheit noch untertrieben scheint, beginnt die Überforderte, nachdem sich unheimliche Ereignisse mehren, zunehmend an ihrem Verstand zu zweifeln …

 
 
 


 
 
 

SHUT IN – Kritik

 
 
 
„Shut In“, was übersetzt soviel wie „ans Haus bzw. Bett gefesselt“ bedeutet, gehört zu den Filmen, die nur dann Spaß machen, wenn man wenig bis nichts über sie weiß. Diesem Umstand wird versucht beim Schreiben der Kritik zu entsprechen. Doch soviel sei verraten: Sechs Monate nach dem traumatischen Ereignis wird Mary noch immer von Gewissensbissen geplagt. Nachdem sie sich in der Vergangenheit weder als neue Mutter noch Therapeutin dem enthemmt pubertierenden Stiefsohn aus gewachsen fühlte, zehrt nun auch dessen tägliche Betreuung nach einer schweren Behinderung an den Nerven. Obendrein wird die psychotherapeutische Praxis weiter betrieben, in der sie ein junger Patient (dargestellt durch Jacob Tremblay, der bereits in „Before I Wake“ als Unheil ankündigendes aber knuffig ins Herz spielende Kind brilllierte) auch an ihre beruflichen Grenzen stoßen lässt. Als dessen Therapie beendet wird und der neunjährige Junge trotzdem in der Nacht unvermittelt vor ihrer Tür steht, beschließt sie ihm auch gegen übergeordnete Entscheidungen zu helfen. Doch dazu kommt es nicht, denn ebenso plötzlich ist er wieder verschwunden. Erneut psychisch erschüttert, da sie davon ausgehen muss, dass der kleine Kerl in der eisigen Einsamkeit erfroren ist, verliert sie zunehmend die Kontrolle über ihre Wahrnehmungen. Als optische und akustische Halluzinationen sie zu quälen beginnen, stellt sich unabwendbar die Frage, ob sie noch „Herrin ihrer Sinne“ ist.
 
 
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Die horrorerprobte Naomi Watts (Ring / Ring II / Kinder des Zorns IV) schlägt sich tapfer und erotisch ansprechend durch die bereits auf den ersten Blick hochwertig wirkende Produktion. Optik, Cast, Score usw. stimmen und auch wenn sich die Handlung langsam entwickelt, entsteht keine Langeweile. Dafür sorgen recht wirkungsvoll gesetzte kleine Schreckmomente, die eine ansprechend bedrohliche Stimmung untermalen. Doch reicht die Story, die wohl über mehrere Jahre auf der sogenannten Black List für „die besten unverfilmten Drehbücher“ stand, aus, um Horrorfans bei der Stange zu halten? „Shut In“ gelingt es lange Zeit, den Zuschauer ebenso wie seine gebeutelte Hauptprotagonistin in die Irre zu führen. Was ist Wahn? Was Wirklichkeit? Oder bekommt man es am Ende gar mit einem übernatürlichen Phänomen zu tun?
 
 
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Diese Unklarheit hat durchaus ihren Reiz und auch die Twistauflösung nach cirka der Hälfte der Laufzeit funktioniert durchaus erfreulich. Leider begibt sich der Streifen danach aber eher in arg konventionelle, das heißt schon wiederholt gesehene Gefilde, ohne neue Akzente zu setzen. Dass sich dabei unlogische Situationen häufen, sei verziehen, wenn man bedenkt in welchem Genre man sich befindet. In puncto Body Count, Tempo und bebildertem Schrecken hätte man die Handbremse allerdings durchaus mehr lockern können, wenn nicht müssen, um Begeisterungsstürme auszulösen. Das relativ unaufgeregte Ende hätte zudem eindeutig etwas mehr Innovation vertragen, um nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben. Zudem wirkt die Schlussszene unangenehm harmonisch und, nachdem was sich zuvor an Grauen ereignet hat, auch deplatziert unglaubwürdig.
 
 
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SHUT IN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
„Shut In“ ist für einen kuschlig stimmungsvollen Schmusegruselabend nahezu prädestiniert, während er als Partyhorror mit Kumpels wohl nicht die erste Wahl sein dürfte. In der ersten Hälfte begeistert die Geschichte mit einer cleveren Grundidee, welche sich bis zum Abschluss immer mehr in vorhersehbaren Entwicklungen verliert, was verdammt schade ist. Wer gepflegtem psychologischen Nervenkitzel ohne allzu laute Töne etwas abgewinnen kann, müsste an dem atmosphärischen Kammerspiel dennoch seine Freude haben.
 
 
 


 
 
 

SHUT IN – Zensur

 
 
 
Neben dosierten Gewaltspitzen wie Messerattacken oder Schlägen an den Kopf bewegt sich das Gezeigte in einem Bereich, der die FSK friedlich gestimmt hat. Der Streifen lief in den Kinos bereits mit FSK16. Das hat sich auch bei der Heimkinoauswertung nicht geändert. „Shut In“ hat den blauen FSK16-Flatschen bekommen.
 
 
 


 
 
 

SHUT IN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Universum Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Shut In; USA | Kanada | Frankreich 2016

Genre: Horror, Thriller, Grusel

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow, Interviews mit Cast & Crew

Release-Termin: 21.04.2017

 

Shut In [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

SHUT IN – Trailer

 
 

 
 
 

Andy78

(Rechte für Grafiken liegen bei Universum Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Babadook (2014)
 
The Noonday Witch (2016)
 
Babycall (2011)
 


Filmkritik: „From a House on Willow Street“ (2016)

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FROM A HOUSE ON WILLOW STREET

(HOUSE ON WILLOW STREET)

Story

 
 
 

Vier Kleinkriminelle planen einen großen Coup. Leider müssen sie schnell einsehen, dass es auch Dämonen missfällt, wenn man gegen Gesetze verstößt.

 
 
 


 
 
 

FROM A HOUSE ON WILLOW STREET – Kritik

 
 
 
Wenn vermeintliche Bösewichte selbst zu Gejagten werden. Das ist guter Stoff für fiese Horror-Unterhaltung von der man sich doch gern berieseln lassen möchte – vor allem wenn ein „Haus“ im Titel auf bösartige Gruselunterhaltung hoffen lässt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass in unscheinbaren Häusern an reißerisch bezeichneten Straßen und Plätzen nicht selten das Böse zu Hause ist. So passiert im Mysterythriller THE HOUSE ON PINE STREET, dem Rache-Schocker LAST HOUSE ON THE LEFT oder dem Psychopathen-Grusler HOUSE AT THE END OF THE STREET, wo sich in abgelegenen Anwesen schockierende Dinge ereignet haben. Auch FROM A HOUSE ON WILLOW STREET lockt mit vielversprechender Titelgebung und springt auf den „House“-Zug auf. Doch diesmal sollte man nicht zuviel erwarten. Professionelle Optik macht das Fan-Herz weich. Forscht man aber tiefer, tritt schnell Ernüchterung ein, denn FROM A HOUSE ON WILLOW STREET ist weit weg von perfekt. Regisseur ALASTAIR ORR zeichnet verantwortlich. Der kommt aus Südafrika und hat scheinbar Gefallen am Horrorfach gefunden – zumindest legt das die bisherige Filmografie nahe. Mit einem hastig zusammengeschnippelten Trailer soll neugierig auf FROM A HOUSE ON WILLOW STREET gemacht werden. Leider verbrät man darin gleich die besten Szenen, weshalb enttäuschte Gesichter vorprogrammiert sind. Nach der Dschungel-Kreaturen-Gurke INDIGENOUS liefert Filmemacher ALASTAIR ORR Horrorstoff ab, der dem Vorgängerfilm des Regisseurs intellektuell das Wasser reichen kann. Das bedeutet: Abermals kämpfen dumme Protagonisten gegen das Böse auf Erden und schlagen es trotz geistiger Umneblung am Ende in die Flucht. Neu ist im direkten Vergleich das Gespür für’s Visuelle. Der dreckige und semiprofessionelle Videolook aus INDIGENOUS musste weichen. Dafür sind in FROM A HOUSE ON WILLOW STREET nun makellose Hochglanzaufnahmen zu sehen, die es gut und gerne mit Horrorproduktionen großer Studios aufnehmen können. Doch machen mehr Budget und professionelles Equipment aus einem sonst eher einfallslosen Drehbuch sehenswertes Horrorkino?
 
 
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Kidnapping ist kein Kavaliersdelikt. Das müssen auch die Helden (darunter SHARIN VINSON) in FROM A HOUSE ON WILLOW STREET feststellen, die die Tochter einer gut betuchten Familie entführen wollen. Es sind Diamanten, auf die es die Bande abgesehen hat und welche nun als Lösegeld gefordert werden. Doch weil es sich hier um einen Horrorfilm handelt, darf man davon ausgehen, dass alles anders kommen wird. Die Entführung läuft zwar nach Plan, nur die Eltern der Geisel reagieren weder auf Anrufe oder Botschaften. Sind die etwa nicht daheim? Um auf Nummer sich zu gehen, begibt man sich noch einmal zum Tatort, um nach dem Rechten zu sehen. Was man jedoch nach akribischer Suche im Elternhaus findet, lässt den Kleinganoven das Blut in den Adern gefrieren. Die Eltern liegen verstümmelt in ihren Betten und im Keller findet man von Rohren durchbohrte Exorzisten. Wer hat diese grausamen Taten begangen? Schnell wird klar, dass hier wohl höhere Mächte am Werk sein müssen, denn die entführte Katherine (CARLYN BURCHELL) beginnt plötzlich zu schweben und faselt boshafte Verse.
 
 
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Guter Start, der Rest: Naja. Eigentlich hätte aus FROM A HOUSE ON WILLOW STREET fesselnder Horror werden können, der bis in den Schlaf verfolgt. Leider macht die zweite Filmhälfte aus diesem Horrorthriller dann doch nur eine übertriebene Gruselachterbahn ohne tieferen Sinn, die aber immerhin ohne Längen abgehandelt wird. Während Regisseur ALASTAIR ORR in den ersten 45 Minuten Spannung durch mysteriöse Vorfälle aufbaut, die auf subtilen Grusel mit Hirn hoffen lassen, lösen sich Vorfreuden spätestens ab der Halbzeit in Luft auf. Genau das Gegenteil flimmert nämlich über die Mattscheibe und dürfte Feingeister die Haare zu Berge stehen lassen. So wird aus einer unheimlichen Entführung plötzlich vorhersehbarer Dämonen-Nonsens, der sich zu sehr den Konventionen des Horrorkinos unterwirft und sich in einem faden Brei aus Klischees und Effekthascherei verfängt. Eine enttäuschende Wendung, weil einfallslose CGI-Effekte und austauschbare Besessenheitsthematik aus FROM A HOUSE ON WILLOW STREET belanglosen Horror-Blödsinn macht, an den sich bereits Stunden nach Sichtung niemand mehr erinnern wird. Hier hätte man mehr draus machen können, zumal dem Drehbuch in den letzten Zügen auch noch die Ideen ausgehen und die immer gleichen Spezialeffekte aus der Effektkiste gekramt werden. Da schweben besessene Zombie-Freunde durch die Luft und dämonische Wurmparasiten krabbeln aus Mündern, weil sie nach neuen Wirtskörpern suchen. Weil die immer gleichen Effekte zelebriert werden und die Helden auch noch spannungsarm vor einem Dämon in Menschengestalt flüchten müssen, versinkt FROM A HOUSE ON WILLOW STREET schnell in der Belanglosigkeit. Das hat man irgendwie alles schon mal besser gesehen, wobei wir an dieser Stelle noch einmal die Horrorstreifen DON’T BREATH und THE AUTOPSY OF JANE DOE in Erinnerung rufen möchten. Bei genauerer Betrachtung ist FROM A HOUSE ON WILLOW STREET nichts anderes, als ein Mix genannter Grusel-Hits. Leider erreicht der Film nicht mal annähernd jene Qualitäten. Spezialeffekte und Action sind eben nicht immer alles. In Zeiten permanenter Ideenarmut sind es clevere Geschichten, die vor allem das Horror-Genre dringend nötig hat.
 
 
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FROM A HOUSE ON WILLOW STREET – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Eine kurzweilige und atmosphärische Gruselachterbahn, die kaum Verschnaufpausen bietet. Leider hat FROM A HOUSE ON WILLOW STREET nur ein Problem: Hier fehlen Ideen. Der Streifen schaut zwar mit seinem permanent düsteren Look und den teils gut getricksten Spezialeffekten hervorragend aus. Blickt man aber hinter die Fassade, ist dieser komplett in Südafrika gedrehte Dämonen-Spuk nichts anderes, als ein hirnloser Okkult-Zirkus voller Schocks, der sich in erster Linie ans Mainstream-Publikum richtet. Was stark und unheimlich beginnt, katapultiert sich nach 45 Minuten selbst ins Aus. Geschichte und Figuren bleiben flach. Dafür wird Wert auf Spezialeffekte aus dem Computer gelegt. Was man hier geboten bekommt ist weit weg von clever. Ein bösartiger Dämon will die Menschenwelt beherrschen, benötigt aber fünf Seelen um auf Erden zu wandeln. Natürlich ist das konventioneller Blödsinn, der möglichst viele Schreckmomente abhaken möchte und mit permanent gruseliger Stimmung so etwas wie Spannung heraufbeschwören will. Leider verhalten sich die Figuren dämlich und auch der Dämon in Menschengestalt ist trotz magischer Fähigkeiten nicht die hellste Kerze auf der Torte. Dumme Handlungen gestalten das Treiben vorhersehbar. Das macht diesen Streifen zum Spannungskiller, der trotz netter Optik keinen Preis für Originalität gewinnen dürfte. Bei so einfältiger Gruselmacherei will man fast schon Mitleid mit Hauptdarstellerin SHARIN VINSON haben, die sich bereits mit Horrorfilmen auskennt und in YOU’RE NEXT oder BAIT 3D zu sehen war. Auch diese Popcornstreifen waren nicht sonderlich helle, hatten aber immerhin fiese Morde in petto. Letztere sucht man in FROM A HOUSE ON WILLOW STREET übrigens vergebens. Der Film hat nämlich kaum Schauwerte zu bieten, was vermutlich jene enttäuschen wird, die sich nach Sichtung des ansprechend geschnittenen Trailers ein Splatter-Feuerwerk erhofft haben.
 
 
 


 
 
 

FROM A HOUSE ON WILLOW STREET – Zensur

 
 
 
Was Gewalt angeht hält sich FROM A HOUSE ON WILLOW STREET sehr zurück. Es gibt kurz verstümmelte und übel zugerichtete Leichen zu sehen. Ansonsten verwandeln sich die wenigen Protagonisten im späteren Verlauf – ähnlich wie im Kult-Splatter EVIL DEAD – in willenlose Dämonen-Zombies. Wer jetzt aber denkt, dass die brutal morden, irrt gewaltig. In FROM A HOUSE ON WILLOW STREET sind die verwandelten Kleinganoven nur Handlanger eines Oberdämons, die Angst und Schrecken verbreiten sollen. Wegen der gelungenen Make-up und Spezialeffekte sowie verstörender Visionen dürfte es für den Streifen ohne Probleme eine FSK16 geben. FROM A HOUSE ON WILLOW STREET wird im Herbst 2017 nach Deutschland gebracht. TIBERIUS FILM besitzt die deutschen Auswertungsrechte.
 
 
 


 
 
 

FROM A HOUSE ON WILLOW STREET – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Don’t Breath (2016)
 
The Autopsy of Jane Doe (2016)
 
The Badger Game (2014)
 
Demonic (2015)
 
Evil Dead (2013)
 


Filmkritik: „House – Willkommen in der Hölle“ (2016)

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HOUSE – WILLKOMMEN IN DER HÖLLE

(HUSET)

Story

 
 
 

Norwegen im Winter 1942: Zwei Soldaten irren mit einem Gefangenen durch die Wälder. Erschöpft erreichen Sie ein Haus in dem es nicht mit rechten Dingen zugeht.

 
 
 


 
 
 

HOUSE – Kritik

 
 
 
Sind günstig produzierte Horrorfilme eigentlich zwangsläufig schlecht? Wenn man sich die vielen schnell heruntergekurbelten Low-Budget-Gurken der letzten Jahre anschaut, liegt der Verdacht leider nahe. Statt mit wenige Kapital stimmige Geschichten zu erzählen, wird in der Regel lieblose Dutzendware mit miserablen Effekten und untalentierten Schauspielern geboten. Der Grund hierfür ist ganz einfach. Weil technische Ausrüstung immer erschwinglicher wird, greifen immer mehr Hobby-Gruselfans selbst zur Filmkamera, schließlich kosten Digicams nicht mehr die Welt und liefern gestochen scharfe HD-Bilder. Talent ist dabei genauso nebensächlich, wie Kreativität und gute Drehbücher. Eine Entwicklung, die man einfach nicht mehr hinnehmen sollte, schließlich rauben schlechte Filme nur unnötig Lebenszeit, die woanders besser investiert wäre. Dass es aber auch anders geht, zeigt der folgende Horrorstreifen. Mit gerade einmal 100.000 Euro gibt’s hier das zu sehen, was sogar immer mehr großen Produktionen nur selten gelingt. HOUSE – WILLKOMMEN IN DER HÖLLE ist ein kleiner, aber interessanter Horror-Beitrag mit stimmungsvoller Optik und klug gestrickter Geschichte. Da sollte man sich nicht vom kleinen Budget abschrecken lassen, denn das sieht man dieser deutsch-skandinavischen Koproduktion keineswegs an.
 
 
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In diesem Gruselfilm irren zwei NS-Soldaten mit einem norwegischen Gefangenen durch die verschneiten Wäldern Skandinaviens und versuchen einen Weg zurück zur Einheit zu finden. Doch statt auf Kameraden zu treffen, stößt man nur auf ein verlassenes Haus irgendwo im Nirgendwo. Weil man vom ziellosen Umherirren müde geworden ist, tritt man erschöpft ein. Doch die Hauseigentümer scheinen nicht daheim zu sein. Obwohl der Ofen brennt und warmes Essen auf dem Herd steht ist keine Menschenseele zu sehen. Erste Erkundungstouren bleiben ohne Ergebnis. Nur ein altes Gästebuch lässt darauf schließen, dass hier gern mal Besucher vorbeischauen. Als hätte man es geahnt passieren bald seltsame Dinge. Aus dem Radio ertönen plötzlich mysterlöse Stimmen, lautes Poltern reißt die Zuflucht suchenden Soldaten aus dem Schlaf und seltsame Visionen bereiten Sorgen. Als man aufbrechen möchte und nach langem Fußmarsch wieder vor gleichem Haus steht, bricht Panik aus. Offenbar stimmt mit dieser Behausung etwas nicht, weil die Hütte seine Gäste nicht gehen lassen will. Ein Grund mehr, um der Sache auf den Grund zu gehen. Was die Männer aber dabei finden, lässt ihnen das Blut in den Adern gefrieren.
 
 
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Kampf gegen unsichtbare Feinde. Die besten Horrorfilme sind die, deren Handlungsstränge man nicht voraussehen kann. Das ist auch in HOUSE – WILLKOMMEN IN DER HÖLLE der Fall, der natürlich nichts mit der legendären HOUSE-Filmserie zu tun hat, deren erster Teil von STEVE MINER in den 1980er inszeniert wurde. Hinter dem hier vorgestellten Gruselstreifen verbirgt sich ein atmosphärischer Gänsehauttrip, der auf falsche Fährten lockt und mit überraschender Ausflösung verblüfft. HOUSE (im Original übrigens HUSET) streift kurz das Spuk- und Geistergenre – geht aber in eine andere Richtung. Das lässt den Film aus der Masser hervorstechen, vor allem wegen der für Horrorfilme noch unverbrauchten Nazi-Thematik. Doch was ist des Pudels Kern? Erst nach und nach ergeben die Ereignisse im Film einen Sinn. So sorgen anfangs noch flackernde Kerzen und schwingende Lampen für ungute Vorahnungen. Später ereilen den drei Hauptdarstellern unheimliche Visionen die nahestehende (tote) Menschen aus der eigenen Vergangenheit zeigen. Die stiften Verwirrung – nicht nur bei den Figuren im Film. Regisseur REINERT KIIL lässt Zuschauer und Protagonisten lang im Dunkeln tappen und baut dank schlechter Ausleuchtung gruselige Atmosphäre auf. Die kommt dem Spannungsaufbau zugute, der für eine derart kleine Produktion bemerkenswert ist. Bei einem so ambitionierten Projekt sieht man gern über einige Markel hinweg. So musste wegen Budgetmangel offenbar auf Nachdrehs verzichtet werden. Wenn man aufmerksam dem mysteriösen Treiben lauscht, hört man des Öfteren Versprecher von Schauspieler FREDERIK VON LÜTTICHAU. Die halten sich jedoch in Grenzen und stören kaum. Eine Nachsynchronistation hätte in diesem Falle Wunder aber bewirken können. Trotz kleiner Mängel ist HOUSE – WILLKOMMEN IN DER HÖLLE mit seinem düsteren Digitallook weit weg von schlecht. Da kann man gern mal einen Blick riskieren – insofern man eine Schwäche für subtil und ruhig erzählte Gruselgeschichten besitzt.
 
 
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HOUSE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Soldaten im Fegefeuer. Dieser Indie-Grusel ist klein und günstig produziert, aber wurde dennoch äußerst atmosphärisch inszeniert. Mit kleinen Geldbeutel hat der als Requisiteur der DEADS SNOW-Filme bekannte REINERT KIIL mit HOUSE – WILLKOMMEN IN DER HÖLLE einen Gruselfilm gemacht, der vor allem Zuschauern gefallen dürfte, die einen Vorliebe für subtile Streifen im skandinavischen Look besitzen. Die Winterkulisse ist kühl und trist – die Geschichte verschachtelt und intelligent. Da riskiert man doch gern einen Blick. Wer’s aber hektisch und effektlastig mag, wird enttäuscht werden. HOUSE bevorzugt die leisen Töne und beschwört Grauen langsam herauf. So könnte der Film jenen Gefallen, die an so Gruselstoff wie SO FINSTER DIE NACHT, NIGHTWATCH, SENSORIA oder BABYCALL Gefallen gefunden haben.
 
 
 


 
 
 

HOUSE – Zensur

 
 
 
HOUSE – WILLKOMMEN IN DER HÖLLE hat eigentlich keine Gewaltmomente zu bieten. Deshalb hat der Streifen von der FSK auch eine Freigabe ab 16 Jahren in der ungeschnittenen Fassung erhalten.
 
 
 


 
 
 

HOUSE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Donau Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Huset; Norwegen 2016

Genre: Horror, Grusel, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Hinter den Kulissen

Release-Termin: 24.03.2017

 

House – Willkommen in der Hölle [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

HOUSE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Donau Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Warhouse – Kriegszustand (2013)
 
So finster die Nacht (2008)
 


Filmkritik: „The Devil’s Candy“ (2015)

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THE DEVIL’S CANDY

Story

 
 
 

Eine kleine Familie zieht auf’s Land. Doch im neuen Heim geht es bald nicht mit rechten Dingen zu, denn Vater Jesse beginnt plötzlich mysteriöse Stimmen zu hören.

 
 
 


 
 
 

THE DEVIL’S CANDY – Kritik

 
 
 
Rockmusiker und Metalheads sind ungepflegt, aggressiv und ständig betrunken. Ein Vorurteil mit dem schon so einige Filme in der letzten Zeit aufgeräumt haben. Dass Liebhaber und Macher lauter Gitarrenklänge eigentlich nur selten den Klischees entsprechen – wie sie zum Beispiel Regisseur ROB ZOMBIE in seinen Horrorwerken beinahe übertrieben zelebriert – hat sich auch unter Filmfans rumgesprochen. So dürften zuletzt Streifen wie METALHEAD und DEATHGASM in Erinnerung geblieben sein, die gezeigt haben, dass Anhänger jener Musikgattung im Grunde genommen anständige Leute sind. Selbiges ist natürlich auch im Okkult-Schocker THE DEVIL’S CANDY der Fall, der sich mit Figuren auseinandersetzt, die eine Leidenschaft für Heavy Metal hegen. Auch hier wird dem Zuschauer die Voreingenommenheit genommen, denn Regisseur SEAN BYRNE hält Abstand von Vorurteilen und zeigt tugendhafte Charaktere, die eben ab und an mal Metallica hören. Knapp sechs Jahre hat sich der ambitionierte Filmemacher für den nächsten Ausflug ins Horror-Genre Zeit gelassen. Das lange Warten verwundert, hat doch SEAN BYRNE mit dem Debütwerk THE LOVED ONES vor Jahren bitterböse Horror-Unterhaltung abgeliefert, die vor allem wegen ihres rabenschwarzen Humors von Kritikern und Fans gelobt wurde. Offenbar wollte der Regisseur keine Eintagsfliege abliefern und hat sich Zeit für Qualitätsarbeit gelassen. Eine im Grunde genommen hervorragende Einstellung. Dennoch ist THE DEVIL’S CANDY nicht das geworden, was man nach dem gefeierten Erstling erwartet hat. Dazu fehlt es dem Streifen an Neuerungen, Ideen und Tiefe. Trotzdem ist THE DEVIL’S CANDY weit weg von schlecht, denn dank düsterer Aufmachung und guter Darsteller wird kurzweiliges Horror-Futter geboten, das kaum Längen besitzt.
 
 
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Schönes Landleben und mehr Inspiration. Um kreativer arbeiten zu können, zieht der Künstler und Heavy Metal begeisterte Jesse Hellman (ETHAN EMBRY aus LATE PHASES) zusammen mit Frau und Tochter in ein abgelegenes Landhaus, das günstig zu haben war. Die Gründe für den niedrigen Kaufpreis lassen der Familie die Haare zu Berge stehen. Darin soll der psychisch kranke Ray Smilie (PRUITT TAYLOR VINCE aus 13 SINS) die eigenen Eltern ermordert haben, weil es ihm Satan höchstpersönlich befohlen hat. Doch die neuen Eigentümer lassen sich nicht die Freude am Heim durch gruseligen Geschichten nehmen. Familienvater Jesse zieht sich in den Schuppen zurück, um Geld mit gemalten Bildern zu verdienen, während sich Tochter Zooney an der neuen Schule mehr schlecht als recht durchschlagen muss. Leider wird aus Glück bald Angst. Der neue Hausherr hört plötzlich Stimmen und malt in Trance Werke, die einen kalten Schauer einjagen. Darauf sind schreckliche Visionen zu sehen, die nichts Gutes erahnen lassen. Doch verstörende Gemälde sind bald das kleinere Übel. Der verwirrte Elternmörder steht nämlich bald wieder vor der Tür und hat keine Blumen dabei. Der hat seine Pflicht zu erfüllen und will Satan zufriedenstellen. Leider hat der labile Eigenbrötler nicht mit dem engen Zusammenhalt der Familie Hellman gerechnet. Mit vereinten Kräften nimmt man den Kampf gegen das Böse in Menschengestalt auf. Blut ist eben immer noch dicker als Wasser.
 
 
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Behutsamer Aufbau von unheimlicher Atmosphäre nach altmodischer Machart. Trotz lauter Gitarren-Sounds und ein wenig Hardrock ist THE DEVIL’S CANDY kein hektisch und reißerisch erzählter Horrorstreifen, der im Blut watet. Davon gibt es nämlich so gut wie gar keins im Film zu sehen, denn Regisseur SEAN BYRNE verzichtet auf Holzhammermethoden und versucht Unbehagen durch gruselige Atmosphäre zu erzeugen. Dementsprechend dunkel ist das Szenario auch, das anfangs einen weiteren Spukhaus-Grusler vermuten lässt, sich später aber zum dichten Serienkiller-Thriller entwickelt. Das Böse manifestiert sich diesmal nicht – wie man wohl meinen würde – als spukender Geist, sondern ist als unbeholfener Fettsack unterwegs, der von der Stimme des Teufels zu schrecklichen Taten angestiftet wird. Dabei macht SEAN BYRNE von interessanten Interpretationsansätzen Gebrauch. Statt den Teufel am Ende höchstpersönlich als fiese Kreatur durchs Bild sausen zu lassen, verzichtet der Filmemacher auf schauriges Kreaturen-Design. So erklärt ein TV-Pfarrer im Film, dass Satan keiner Gestalt bedarf. Der Teufel schlummert in jedem von uns und wird einzig durch grauenhafte, hasserfüllte Taten am Leben erhalten. Das macht THE DEVIL’S CANDY weitaus beängstigender, weil hier ein unscheinbarer Außenseiter plötzlich grausame Verbrechen an Kindern ausübt, die gerade wegen ihrer zurückhaltenden Zeigefreudigkeit das Kopfkino des Zuschauers in Gang setzen. Dennoch: Trotz guter Besetzung, verstörender Atmosphäre und stetig ansteigendem Spannungsbogen verrennt sich auch dieser Satanismus-Grusler zunehmend in Klischees und Ungereimtheiten, die man leider zu oft in Horrorfilmen zu sehen bekommt. Da handeln Protagonisten im Finale unverständlich und können trotz schwerer Verletzungen plötzlich Treppen und Leitern hinaufzusteigen, wie junge Hüpfer. Zudem ertappte man sich nicht nur einmal im Schlusskampf dabei, wie man den Figuren zurufen möchte, dass sie doch weglaufen sollen. Auch wenn am Ende mal wieder Antworten ausbleiben und man sich fragt, was der Bezug zu Heavy Metal eigentlich soll, wird mit THE DEVIL’S CANDY immerhin souverän inszenierte Genre-Unterhaltung geboten, die besser ist, als der übliche Indie-Horror-Blödsinn der letzten Jahre. Kein Horror-Hit – dafür aber spannend und verstörend. Für einen verregneten Sonntag reicht’s.
 
 
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THE DEVIL’S CANDY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Spannender und technisch souverän gedrehter Satanismus-Grusel mit düsterer Stimmung und hervorragenden Darstellern. Leider hat auch dieser geradlinig erzählte Okkultismus-Serienkiller-Streifen kaum Neuerungen zu bieten. Trotzdem schafft es Regisseur SEAN BYRNE eine permanent bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen, die letztendlich die Quintessenz dieses Okkult-Horrors ist. Zieht man den bitterbösen und rabenschwarzen THE LOVED ONES des Filmemachers zum Vergleich heran, liegen dazwischen Welten. THE DEVIL’S CANDY ist bierernst und hat keine makaberen Einfälle zu bieten. Zudem hält sich der Regisseur diesmal mit detaillierten Gewalttaten im Großformat zurück. Statt Gewalt zu zeigen, wird Kopfkino zelebriert. Wer meint, dass THE DEVIL’S CANDY deshalb harmlos ist, wird schnell eines Besseren belehrt. Der Film ist hochgradig verstörend, was in erster Linie am finsteren Look und den guten Leistungen von PRUITT TAYLOR VINCE liegt. Der spielt im Film derart glaubwürdig einen psychisch verwirrten Killer, der gerade wegen seiner unsicheren Art hochgradig beängstigend wirkt. THE DEVIL’S CANDY ist zwar kein Meilenstein des Horrorkinos, dafür aber schwer unterhaltsam und packend inszeniert.
 
 
 


 
 
 

THE DEVIL’S CANDY – Zensur

 
 
 
Ein Film vom Fantasy Filmfest 2016, der dort mit viel Lob aufgenommen wurde. THE DEVIL’S CANDY ist – auch wenn darin Metal-Klänge ertönen und Metalheads um ihr Leben kämpfen – keineswegs blutig. Ein Killer hat es auf kleinen Kinder abgesehen, die er dem Teufel opfert. Die Taten passieren im Off. Trotzdem hat der Streifen kurioserweise hierzulande eine Erwachsenenfreigabe (keine Jugendfreigabe) erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE DEVIL’S CANDY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Devil’s Candy; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2.40:1 (1920 x 1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 80 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow,

Release-Termin: 26.05.2017

 

Devil’s Candy [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

THE DEVIL’S CANDY – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Lords of Salem (2012)
 
Die Prophezeiung (2000)
 
Here Comes the Devil (2012)


Filmkritik: „Devil in the Dark“ (2017)

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DEVIL IN THE DARK

Story

 
 
 

Die zwei Brüder Adam (ROBIN DUNNE) und Clint (DAN PAYNE aus CABIN IN THE WOODS) werden in den Wäldern Kanadas mit der Vergangenheit konfrontiert und müssen gleichzeitig ums Überleben kämpfen.

 
 
 


 
 
 

DEVIL IN THE DARK – Kritik

 
 
 
Wenn nach der Sichtung eines Horrorfilms Fragen entstehen, weil man Gesehenes nicht einordnen kann, ist das schon einmal ein gutes Zeichen. In der Regel werden so die grauen Zellen des Zuschauers beansprucht, der sich auch nach dem Abspann mit Eindrücken auseinandersetzen muss, um plausible Antworten zu finden. Wenn man aber einen Horrorstreifen gesehen hat, der trotz akribischer Analyse irgendwie gar keinen Sinn ergeben will, ist das alles andere als erbaulich. Offenbar hat dann der Regisseur sein Ziel verfehlt, der mit undurchsichtiger Handlung eher die Wut des Zuschauers schürt, statt ihn spannend zu unterhalten. Ganz ähnliches Desaster ist dem Regisseur TIM BROWN mit DEVIL IN THE DARK passiert – einem Mystery-Scharcher dessen Geschichte in den letzten Minuten sonderbare Wege geht. Dabei hat der Filmemacher eigentlich schon Erfahrung im Angstmachen sammeln können. Auf seine Kappe gehen Filme wie BITE und ANTISOCIAL 2 für die er zwar nicht auf dem Regiestuhl gesessen hat, aber immerhin als Geldgeber in Erscheinung getreten ist. Nun versucht sich TIM BROWN als Multitalent. Für den zweiten Spielfilm mit dem Titel DEVIL IN THE DARK zeichnet er neben der Produzententätigkeit ebenso als Regisseur verantwortlich. Entstanden ist ein Gruseldrama, bei dem nicht immer eindeutig ist, was man da eigentlich zu sehen bekommt.
 
 
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Wenn ein Vater seinem Kind nicht die Beachtung schenkt, welche es sich erhofft hat. Das Gruseldrama DEVIL IN THE DARK erzählt das Schicksal zweier Brüder, die nach 15 Jahren aufeinandertreffen, um jene Route durch die Wälder zu laufen, die auch der verstorbene Vater mit ihnen an Kindstagen gegangen ist. Leider ist das Verhältnis zwischen den Geschwistern angespannt. Der Vater hatte sie zu Lebzeiten nicht gleichwertig behandelt, was zu Spannungen geführt hat. Diese halten die beiden Männer auch Jahre nach dem Tod des Familienoberhaupts auf Distanz, was den Jagdausflug in den kanadischen Wäldern nicht gerade einfach gestaltet. Doch Familiendiskrepanzen sind bald das kleinere Übel. Im Schutze der Dunkelheit geht nämlich etwas Böse auf Beutezug. Eine unheimliche Kreatur will den Brüdern nichts Gutes und heftet sich an die Fersen der Männer. Bald wird klar, dass dieses Wesen kein Unbekannter ist. Bereits in der Kindheit haben die Brüder Adam (ROBIN DUNE) und Clint (DAN PAYNE) mit der finsteren Gestalt Bekanntschaft gemacht. Dass sie nun ausgerechnet als Erwachsene wieder auf den grotesken Bösewicht stoßen kann doch kein Zufall sein. Oder etwa doch?
 
 
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Was wie Werbung für Urlaub in den kanadischen Wäldern anmutet, hat mit Erholung nichts zu tun. Die Naturkulisse ist nur Schein, denn DEVIL IN THE DARK entpuppt sich als fast schon klaustrophobisches Gruseldrama in dem der Wald zur Falle, aber gleichzeitig auch zur Erlösung wird. Was wie beliebiges Gruselfutter beginnt, ist mehr Familiendrama statt Horror und begleitet zwei Brüder auf eine Reise in die kanadische Wildnis, auf der die entfremdeten Geschwister wieder zueinander finden werden. Während sich der eine vom verstorbenen Vater stets unverstanden gefühlt hat, sieht der andere im Familienoberhaupt sein Vorbild. Dass unterschiedliche Sichtweisen bereits an Kindertagen zu Spannungen und Rangkämpfen zwischen den Brüdern geführt hat, wird in Rückblenden geschildert. Doch alles wendet sich zum Guten. Die Geschwister sprechen sich aus und nähern sich an. Ein Happy End wäre somit vorprogrammiert gewesen, würde Regisseur TIM BROWN am Ende nicht einen unnötigen Rattenschwanz anhängen, der bei genauerer Betrachtung zu Verständnisproblemen führt. Da heftet sich plötzlich eine Kreatur an die Fersen der beiden Wanderer und zerrt den jüngeren Adam in seinen Bau. Der ältere Clint ringt mit der Angst und eilt dem Bruder herbei. Was folgt erschließt sich nicht wirklich. Fungiert die schlecht animierte Kreatur nur als Metapher für verdrängte Kindheitserlebnisse und die unterdrückte Emotionen der Hauptprotagonisten oder will hier einfach nur ein Walddämon Angst und Schrecken verbreiten. Aufgrund eines abrupten Endes und dem – in Horrorfilmen gern mal eingesetzten – Plottwist werden neue Fragen aufgeworfen, die in erster Linie eines gut können: verwirren. Weil Regisseur TIM BROWN mit einem offenen Ende nicht die erhofften Antworten bietet, die das Publikum wohl erwartet hat, dürften die meisten Zuschauer DEVIL IN THE DARK als Blödsinn abstempeln. Demzufolge ist dieser Mystery-Thriller definitiv nichts für jene, die Antworten auf dem Silbertablett serviert bekommen haben wollen. Mit denen hält man sich nämlich zurück, was zu einem mehr als unbefriedigendem Filmerlebnis führt.
 
 
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DEVIL IN THE DARK – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Unheimliches Mystery-Drama mit fast schon surrealem Einschlag. DEVIL IN THE DARK zeigt schöne Landschaftsaufnahmen, hat gute Darsteller zu bieten und beginnt auch vielversprechend. Doch je näher sich der Streifen der Zielgeraden nähert, umso mehr enttäuscht der gebotene Mix aus Drama, Grusel und Mystery zunehmend. So wird die Handlung in den letzten dreißig Minuten immer verworrener, was das Folgen der Handlung unnötig erschwert. Weil Regisseur TIM BROWN mehrere Interpretationen zulässt, offenbar von Metaphern Gebrauch macht und sich einen Deut darum schert Antworten zu liefern, dürfte das DEVIL IN THE DARK bei den meisten Zuschauern durchfallen. Apropos durchfallen: Auch wenn dieser Streifen im Horror-Genre verwurzelt ist, hat DEVIL IN THE DARK mit Horror nur wenig am Hut. Der Film fokussiert sich in erster Linie auf das Verhältnis zweier entfremdeter Brüder, die sich durch eine bewegte Vergangenheit kämpfen. Demzufolge passt der Streifen eher ins Dramenfach – auch wenn am Ende schlechtes CGI in Form einer ominösen Waldkreatur über die Mattscheibe flimmert. Manchmal ist es eben doch besser, wenn man dem Zuschauer einfach gestrickte Geschichten erzählt, die er auch versteht und deuten kann.
 
 
 


 
 
 

DEVIL IN THE DARK – Zensur

 
 
 
In DEVIL IN THE DARK werden kaum Schauwerte geboten. Der Film lebt in erster Linie von seiner unheilvollen Atmosphäre. Einer der Brüder stürzt von einer Klippe. Am Ende sehen wir eine von Elchgeweihen durchbohrten Körper. Demzufolge dürfte DEVIL IN THE DARK ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DEVIL IN THE DARK – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei eOne Entertainment | Momentum Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Witch (2015)
 
It’s in the Blood (2012)
 
The Monster (2016)
 


Filmkritik: „The Institute“ (2017)

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THE INSTITUTE

Story

 
 
 

Baltimore im 19. Jahrhundert: In einer Anstalt geht der Teufel um. Hier führt Dr. Cairn (James Franco) unethische Experimente an seinen Patienten durch, die im Keller des Rosewood Institut vielen Insassen den Tod kosten.

 
 
 


 
 
 

THE INSTITUTE – Kritik

 
 
 
ANGELINA JOLIE tut es, KEVIN COSTNER hat Spaß daran und MEL GIBSON ist darin nicht untalentiert. Wenn Schauspieler nach neuen Herausforderungen suchen, ist es mittlerweile keine Seltenheit mehr, dass sie sich zur Abwechslung gern mal hinter der Kamera austoben. Auch Tausendsassa JAMES FRANCO ist so ein Kandidat, der sich seit Jahren als Allroundtalent ausprobiert. Der ist nicht nur als Schauspieler unterwegs, sondern führt immer öfter Regie und produziert so ziemlich fleißig. Mit THE INSTITUTE zeigt er einmal mehr, das man auch mehrere Zügel in der Hand halten kann. Darin ist der extrovertierte Amerikaner nicht nur als Schauspieler unterwegs, sondern hat ebenso Regie geführt und als Geldgeber fungiert. Entstanden ist ein düsterer Psychothriller vor historischer Kulisse, der trotz JAMES FRANCO an Bord nicht die Ausnahmequalitäten besitzt, die man vom Multitalent eigentlich erwartet hätte. Letzterer spielt zwar mit, scheint aber reichlich gelangweilt gewesen zu sein. Von dessen gewohnt schauspielerischen Qualitäten ist kaum etwas zu verzeichnen. Wohlmöglich hat er bereits zu Beginn der Dreharbeiten geahnt, dass THE INSTITUTE kein guter Film werden wird.
 
 
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Ein finsterer Anstalts-Krimi, der im Amerika des letzten Jahrhunderts spielt. Darin lässt sich die gutbetuchte Isabel Porter (ALLIE GALLERIN) nach dem Tod ihrer Eltern vom Bruder in eine Nervenheilanstalt einliefern. Die junge Frau hat Schuldgefühle entwickelt und fühlt sich wegen ihrer Trauer nicht mehr im Leben sicher. Weil ihr im Rosewood Institut die Sorgen genommen werden sollen, begibt sie sich freiwillig in die Obhut von Dr. Cairn (James Franco). Leider ist der Arzt alles andere als um die Gesundheit seiner Patienten bemüht. Dieser nimmt fragwürdige Heilungsmethoden vor und verursacht dadurch bewusst den Tod seiner ahnungslosen Insassen. Auch Isabel macht bald mit der Skrupellosigkeit des ominösen Psychiaters Bekanntschaft. Der beginnt die verunsicherte Frau zu manipulieren und verpasst ihr eine Gehirnwäsche. Was aber niemand ahnt: Im Keller der Psychiatrie passieren weit schlimmere Dinge. Dort werden groteske Rituale und Opfer-Zeremonien durchgeführt, die auch bald der verängstigten Isabel Porter zum Verhängnis werden.
 
 
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Es gibt wohl kaum eine Szenerie, die besser für einen Horrorthriller geeignet wäre, als eine schlecht ausgeleuchtete Psychiatrie im 19. Jahrhundert. Diesmal wandeln aber nicht rastlos Geister durch Gänge, weil ihnen zu Lebzeiten schreckliche Dinge angetan wurden. In THE INSTITUTE ist es der Mensch selbst, der hinter dem Schleier der Medizin lieber skrupellos Menschenleben auslöscht, statt zu helfen. So werden hier junge Frauen durch fragwürdige Methoden in einen Zustand verwandelt, der sie in willenlose Sklaven umfunktioniert. Ganz zur Bespaßung einer gutbetuchten Elite, die sich regelmäßig in den Hallen der Anstalt trifft, um darin fragwürdigen Freizeitbeschäftigungen nachzugehen. Was sich hier liest, wie eine Vorgeschichte zum Folterfilm HOSTEL beruht übrigens auf wahren Begebenheiten. So gibt es diese ominöse Einrichtung im amerikanischen Maryland wirklich. Mittlerweile wurde das berüchtigte ROSEWOOD CENTER aber geschlossen. Trotzdem wissen nur die wenigsten, was sich zu Beginn des letzten Jahrhunderts dort abgespielt haben soll. Wohlhabende Familien aus der Gegend sorgten seinerzeit für einen Skandal. Die haben Klinikpatientinnen adoptiert, waren aber nicht an deren Wohl interessiert. Statt sie als vollwertiges Mitglied in die Familie aufzunehmen, wurden sie sexuell missbraucht, zur Prostitution gezwungen oder als Sklavinnen umfunktioniert. Ein bitteres Kapitel in der amerikanischen Geschichte, welches in THE INSTITUTE aber zu keinem Zeitpunkt die Ernsthaftigkeit erhält, die es wohl verdient hätte. Stattdessen gibt es haarsträubenden Sekten-Horror zu sehen, dessen Auflösung derart unglaubwürdig ist, dass man es gesehen haben muss, um es glauben zu können. Wer es demnach plausibel bevorzugt, sollte daher unbedingt Abstand halten, denn mit diesem Film hat sich der werte Herr Franco nicht sonderlich mit Ruhm bekleckert. Ein enttäuschender Zeiträuber.
 
 


 
 
 

THE INSTITUTE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
HOSTEL im 19. Jahrhundert. THE INSTITUTE beruht auf tatsächlichen Vorfällen, die sich zu Beginn des letzten Jahrhunderts in einer amerikanischen Nervenheilanstalt zugetragen haben sollen. Viel mit den wahren Hintergründen im sogenannten ROSEWOOD CENTER hat dieser Psychothriller nicht gemein. Stattdessen verkommt THE INSTITUTE zu stumpfsinniger Unterhaltung, die man nicht sonderlich ernst nehmen kann. Beinahe möge man meinen, hier eine Parodie zu sehen, denn die Handlung ist derart abstrus, dass man gar nicht glauben möchte, dass JAMES FRANCO verantwortlich zeichnet. Der macht nach THE ADERALL DIARIES und THE COLOR OF TIME das dritte Mal gemeinsame Sache mit Regisseurin PAMELA ROMANOWSKY und liefert einen düsteren Anstalts-Horror ab, der ausschließlich atmosphärisch überzeugen kann. Die Szenarie ist auf Unheil gebürstet und die bewusst schlechte Ausleuchtung tut ihr übriges. Eigentlich gute Voraussetzungen für einen sehenswerten Horrorthriller. Wenn da nur nicht das selten dämliche Drehbuch wäre, das weder Spannung, Glaubwürdigkeit oder Höhepunkte besitzt. Immerhin gibt es am Ende etwas Blut zu sehen, damit sich 90 Minuten Warterei zumindest für Hardcore-Allesseher gelohnt haben. Trotzdem gibt es weit bessere Möglichkeiten als anderthalb Stunden Lebenszeit mit Warten zu vergeuden.
 
 
 


 
 
 

THE INSTITUTE – Zensur

 
 
 
THE INSTITUTE hält sich hinsichtlich Schauwerten zurück. Erst gegen Ende gibt es einen kurzen Gewaltrausch-Rausch zu sehen. Da werden Kehlen durchgeschnitten, Menschen vergiftet und Messer während eines Rituals in Körper gerammt. Trotzdem dürfte der Film hierzulande problemlos den blauen FSK16-Flatschen erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE INSTITUTE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Abbildungen liegen bei Momentum Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Raven – Prophet des Teufels (2012)
 
From Hell (2001)
 


Filmkritik: „The Creature Below“ (2016)

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THE CREATURE BELOW

Story

 
 
 

Eine Meeresbiologin macht Bekanntschaft mit einem seltsamen Wesen aus dem Meer, das sie im heimischen Keller großzieht. Mit fatalen Folgen.

 
 
 


 
 
 

THE CREATURE BELOW – Kritik

 
 
 
Nicht alles was günstig ist, muss zwangsläufig auch gleich schlecht sein. Low-Budget-Horror eilt in der Regel seinem Ruf voraus, was aber oftmals ungerechtfertigt ist, denn die Vergangenheit hat gezeigt, dass man auch mit überschaubarem Budget sehenswerte Grusler inszenieren kann. THE CREATURE BELOW ist so ein Kandidat, der auf den ersten Blick einen unnötigen Zeiträuber vermuten lässt. Der Trailer zeigt schlechte Computereffekte, die man sonst eigentlich in Produktionen der Trash-Schmieden THE ASYLUM zelebriert und auch das reißerische Plakat zum Film erinnert eher an grauenhaften B-Movie-Trash aus dem Hause SYFY. Doch wer nicht voreingenommen ist, könnte positiv überrascht werden, denn THE CREATURE BELOW verblüfft mit stimmungsvoller Kreaturen-Gruselei, wie man sie gern mal in den 1980ern zu sehen bekommen hat. Zudem hagelt es auch noch Umweltbotschaft – wenngleich eher subtil. Mut soll belohnt werden und den hat dieser britische Horror-Indie zweifelsohne. Der gruselt mit Old-School-Horror und ist darin gar nicht mal so untalentiert. Da schaut man doch gern über kleine Schwächen hinweg, die eben auf Budgetmangel zurückzuführen sind.
 
 
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Meeresbiologin Olive Crown (ANNA DAWSON) hat offenbar keinen guten Tag. Bei einem Tauchgang in den Tiefen des Atlantischen Ozeans macht die Forscherin Bekanntschaft mit einer mysteriösen Wasserkreatur, die ihr Leben verändern wird. Doch kaum gesehen, verliert die Frau das Bewusstsein und muss von der Crew an Bord geholt werden. Weil jegliches Tauchequipment nun auf dem Meeresboden sein Dasein fristet und Olive keinen blassen Schimmer hat, was ihr da im Wasser zugestoßen ist, verliert sie ihren Job und wird nach Hause geschickt. Doch die Wissenschaftlerin findet im Taucherhelm ein seltsames Ei, was sie heimlich aus dem Labor schleust und im Keller der eigenen vier Wände ausbrütet. Was da schlüpft, überrascht nicht. Ein krakenähnliches Wesen macht es sich einem Aquarium bequem und will gefüttert werden. Doch mit Plankton oder Meeresgetier will sich die Kreatur nicht zufriedengeben. Es ist menschliches Blut, was dem Meeresbewohner offenbar zu schmecken scheint, weshalb sich die Biologin überlegen muss, wie sie an den Lebenssaft kommt. Doch je mehr sich Olive mit dem Wesen beschädigt, umso stärker werden die Muttergefühle. Dass da die Katastrophe nicht weit ist, dürfte wohl jeder Leser rasch erahnen.
 
 
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Handgemachter Glibber und Krakenmonster aus Gummi. Die Effekte in THE CREATURE BELOW sind simpel, dafür aber wirkungsvoll. Regisseur STEWART SPARKE bewirkt mit schlecht ausgeleuchteter Kulisse und dreckig-farblosem Look schnell eine Aura der Bedrohlichkeit, die ein merklich ungutes Magengefühl entstehen lässt. Doch das minimalistisch ausgeleuchtete Szenario hat noch andere Vorteile zu bieten. Wegen Mangel an Licht schaut die Filmkreatur weitaus furchterregender aus, als sie letztendlich ist. Da bekommt der Zuschauer mal ein Krakenbein zu Gesicht oder die Kamera zoomt so stark heran, dass nur ein Monsterauge zu sehen ist. Weil es dem Set an Licht mangelt, fällt so schnell gar nicht auf, dass die Filmkreatur mit einfachsten Mitteln gebaut wurde. Ein raffinierter Taschenspielertrick, der gern in Low-Budget-Produktionen Verwendung findet, um Illusionen vorzugaukeln. Im Falle von THE CREATURE BELOW eine gut funktionierende Prämisse, die den Film nach deutlich mehr aussehen lässt, als er letztendlich gekostet hat. Demzufolge sollte man sich nicht von den missratenen Computereffekten zu Beginn des Streifens blenden lassen. Horrorfan und Filmemacher STEWART SPARKE hat hier eine Lovecraft’sche Symbiose aus BASKET CASE und HELLRAISER mit zynischem Ausgang geschaffen, die – gerade wegen ihrer boshaften Art – an die Folgen der beliebten GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Serie erinnert. Wer eine Vorliebe für handgemachtes Monsterkino besitzt sollte diesem kleinen Creature-Feature daher unbedingt eine Chance geben. Die hat dieser kleinen Grusel-Indie nämlich definitiv verdient.
 
 
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THE CREATURE BELOW – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein düsterer Grusel-Mix aus BASKET CASE und HELLRAISER mit einer Prise H.P.LOVECRAFT. THE CREATURE BELOW stand zwar nicht viel Budget zu Verfügung. Dafür wurde trotzdem genug Herzblut investiert, weshalb der Streifen weit mehr taugt, als die meisten B-Movies neueren Datums. Das Creature-Feature sticht mit ungeschliffenem Indie-Look hervor und zitiert gut und gerne. Darunter Altmeister wie FRANK HENENLOTTER oder JOHN CARPENTER. Letzterer stand hier wohl für den Soundtrack Pate, denn THE CREATURE BELOW erinnert mit seinem monotonen Bass-Grummeln an die Werke des erwähnten Kult-Regisseurs. In Interviews mit der Presse erklärte THE CREATURE BELOW-Filmemacher STEWART SPARKE, dass er eine Leidenschaft für Horrorfilme besitzt, die von starken Frauen getragen werden. So zählte er Filme wie THE SHALLOWS, YOU’RE NEXT, THE BABADOOK und UNDER THE SKIN auf, in denen Frauen nicht von Männern gerettet werden mussten, sondern sich selbst zu helfen wussten. Demzufolge verwundert es nicht, dass die Vorliebe für Frauenpower auch im ersten Langfilm Verwendung findet. So macht es THE CREATURE BELOW genannten Filmen gleich und lässt eine selbstbewusste ANNA DAWSON zur aggressiven Furie mutieren, die im unfreiwilligen Mutter-Wahn den Verstand verliert. Übrigens outete sich Regisseur STEWART SPARKE – wen wundert’s – als großer Fan des Schriftstellers H.P.LOVECRAFT. Mit dessen Büchern kam er zwar erst vor einigen Jahren in Berührung. Diese hatten ihn aber derart fasziniert, dass er die Werke nach eigener Aussage regelrecht verschlungen hat. So kommt es nicht von ungefähr, dass sich THE CREATURE BELOW anfühlt, als würde man ins Lovecraft’sche Albtraum-Universum eintauchen. Wer es ungeschliffen mag, sollte unbedingt einen Blick wagen. Puristen, Erbsenzähler und Fans makelloser Hollywood-Blockbuster werden mit diesem Low-Budget-Horror dagegen wohl gar nichts anfangen können.
 
 
 


 
 
 

THE CREATURE BELOW – Zensur

 
 
 
Gewalt hat THE CREATURE BELOW kaum zu bieten. Einige Protagonisten werden an das Wesen verfüttert. Aber die Kamera blendet weg, wenn das Monster zuschlägt. Man darf davon ausgehen, dass dieses Creature-Feature eine FSK16 erhalten wird – insofern sich überhaupt ein Filmlabel traut diesen kleinen Indie hierzulande zu veröffentlichen.
 
 
 


 
 
 

THE CREATURE BELOW – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Abbildungen liegen bei Dark Rift Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
H.P. Lovecrafts Necronomicon (1994)
 
Dagon (2001)
 
Basket Case – Der unheimliche Zwilling (1982)
 


Filmkritik: „Don’t Knock Twice“ (2016)

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DON’T KNOCK TWICE

Story

 
 
 
Nach der leichtsinnigen Aktivierung eines alten Fluches müssen Mutter und Tochter, die sich bereits vor Jahren voneinander entfremdet haben, lernen zusammenzustehen und einander zu vertrauen, um zu überleben …
 
 
 


 
 
 

DON’T KNOCK TWICE – Kritik

 
 
 
Ja, es gibt sie noch: die kleinen, aber feinen Produktionen, die das Herz des klassischen Horrorfans höherschlagen lassen. Auch ohne ein Aufgebot an Leere und Ideenlosigkeit kaschierenden Effekten, Gewalt und Ekel gelingt es DON’T KNOCK TWICE bereits ab dem stimmungsvollen feurigen Vorspann, Interesse an der urbanen Legende um eine alte Hexe zu wecken, an deren Tür man besser nicht zweimal klopfen sollte. Dass sich Protagonisten im Horrorgenre einen Dreck um Verbote scheren und entsprechend unbedarft Verse in Spiegel sprechen, verbotene Zimmer öffnen oder lebensgefährliche Videos konsumieren, ist sicher nicht neu, aber bringt eben doch immer wieder Spaß. Zu Zeiten der Gebrüder Grimm konnten böse alte Hexenweiber, nach dem sie Kinder mittels Lebkuchenhäuschen anlockten, um ihren kannibalistischen Neigungen nachzugehen, noch per Tritt in den lodernden Ofen dauerhaft aus dem Verkehr gezogen werden. Doch derart einfach sind sie heutzutage nicht mehr totzukriegen. So tauchen sie äußerst flott und kampfkunsterprobt im Actionsplatter HÄNSEL & GRETEL: HEXENJÄGER, hinterhältig und gut getarnt nach der Weltherrschaft strebend wie bei HEXEN HEXEN oder in verruckelten BLAIR WITCH-Found-Footage-Streifen immer wieder auf. Einigkeit besteht unter ihnen aber in dem Fakt, dass sie nicht zu unterschätzen sind und wahrhaft Böses im Schilde führen. „Einmal klopfen – Schlaf besiegen. Zweimal dann der Gruft entstiegen …“
 
 
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Nachdem Heimkind Chloe mit ihrem Freund in tiefer Nacht leichtsinnig ihr Glück herausfordert, indem sie an die Tür einer dämonenfütternden Hexe pochen, merken die Teenager recht schnell, das die Legende um verschwundene Kinder mehr Wahrheitsgehalt aufweist, als ihnen lieb sein kann. Mehrfache bedrohliche Erscheinungen später, flüchtet die überzeugend renitent und verängstigte Chloe (LUCY BOYNTON aus FEBRUARY) zu ihrer inzwischen cleanen Mutter (der aus OCULUS und BATTLESTAR GALACTIKA kampferprobten KATEE SACKHOFF), in dem Irrglauben bei ihr in Sicherheit zu sein. Doch da es auch im schicken heimischen Anwesen Türen gibt, lässt das Grauen nicht lange auf sich warten und es klopft erneut an. Erschwert wird der Überlebenskampf dabei zusätzlich durch ungelöste Konflikte zwischen Mutter und Tochter, denen es schwerfällt, unbefangen aufeinander zuzugehen. DON’T KNOCK TWICE ist eine britische Produktion, die es einem nicht unbedingt leicht macht, da sie sich ungewohnt viel Zeit nimmt, um Stimmungen zu erzeugen und das Innenleben ihrer Figuren zu visualisieren. So wird auch vor dem ein oder anderen Dialog nicht zurückgeschreckt. Dabei fährt Regisseur CARADOG W. JAMES (ebenfalls Regie in THE MACHINE) allerdings sehr charmant eine Menge an dem auf, was treue Horrorfans an ihrem Genre so lieben. Ein bedrohlicher Klangteppich untermalt farblich stumme, perfekt durchkomponierte Bilder, die mit einer beeindruckenden Intensität bestechen. Dankenswerterweise hat der überzeugend agierende Cast auch eine ebenso hochwertige Synchro erhalten, was leider nicht selbstverständlich ist.
 
 
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Es ist tatsächlich bewundernswert, wie geschickt es verstanden wird, das Gezeigte auch bei niedrigem Budget hochwertig und wahrhaft unheimlich aussehen zu lassen. Dies gilt ebenso für die atmosphärischen märchenhaften Schauplätze, wie die wirkungs- und liebevoll in Szene gesetzte Kreatur. Das Böse, das THE RING-Samantha nicht unähnlich sieht, beweist, dass man keinesfalls immer einen Rechner benötigt, um eine beeindruckende Ausstrahlung zu erreichen. Wohldosierte Schreckmomente, die sich eindrucksvoll in die ruhigen Sequenzen „sprengen“, runden schließlich das Gesamtbild positiv ab. Zwar lässt das Tempo mitunter etwas zu wünschen übrig und auch die kurzen Rückblicke erscheinen überflüssig, aber trotzdem darf man sich in nahezu jeder Szene entsprechend an einer erzählenden experimentierfreudigen Kameraführung, dem durchdachten Spiel mit Licht und Schatten oder einem lebendigen Score erfreuen. DON’T KNOCK TWICE hat, wenn man sich auf ihn einzulassen versteht, hinter seiner Fassade deutlich mehr zu bieten, als man nach der ersten Sichtung vermuten könnte. So werden erahnte Storyentwicklungen bezüglich der Unterscheidung nach Freund und Feind geschickt konterkariert und ermöglichen auch nach dem Abspann noch eine rege Diskussion über das Gesehene. Erfreulich auch, dass die Logik beim „Getwiste“ nicht auf der Strecke bleibt und man zum Spinnen so manchen Gedankenspiels animiert wird.
 
 
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DON’T KNOCK TWICE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Die eigentliche Qualität des engagierten Films erschließt sich womöglich erst auf den zweiten Blick. Gerade wenn man es gewohnt ist, schnelle Bilder und eine vorangepeitschte, prall aufgemotzte Handlung vorgesetzt zu bekommen, die sich nicht genügend Zeit für das lässt, was eigentlich wichtig ist: das Zelebrieren der Schönheit in all ihren Formen, die dem Filmen innewohnt, wenn man mit Leidenschaft und Visionen bei der Sache ist. DON’T KNOCK TWICE dürfte die breite Masse wohl nicht erreichen, dafür kommt er dann doch zu sperrig und speziell daher. Aber es wäre ihm zu wünschen, dass er viele Sympathiepunkte bei horroraffinen Schöngeistern sammeln kann.
 
 


 
 
 

DON’T KNOCK TWICE – Zensur

 
 
 
Da sich die Aktivitäten von Dämon und Hexenhelferin eher in der Phantasie des Zuschauers manifestieren, mussten keine verunstaltenden Schnitte vorgenommen werden. DON’T KNOCK TWICE hat keine harten Schauwerte zu bieten und wurde von der FSK bereits ab 16 Jahren freigegeben.
 
 
 


 
 
 

DON’T KNOCK TWICE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Don’t Knock Twice; Großbritannien 2016

Genre: Horror, Thriller, Grusel

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 1.78:1 (1920 x 1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 97 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover und O-Card mit Hologramm-Effek

Extras: Deutscher Trailer, Englischer Trailer, Trailershow

Release-Termin: 24.02.2017

 

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DON’T KNOCK TWICE – Trailer

 
 

 
 

Andy78

(Rechte für Abbildungen und Szenenbilder liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
From Hell (2001)
 
Der Fluch von Darkness Falls (2003)
 
Der Fluch – The Grudge (2004)
 
It Follows (2014)
 
Im Bann der Hexe (2013)