Filmkritik: „The Shed“ (2019)

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THE SHED

Story

 
 
 

Ein Vampir verschanzt sich in einem Schuppen und stellt damit das Leben eines Teenagers auf den Kopf.


 
 
 


 
 
 

THE SHED – Kritik

 
 
 
Normalerweise verstecken sich Vampire in Särgen, bevor die Sonne aufgeht. Da wird bis zur Abenddämmerung darin verweilt, um sich vor schmerzenden Sonnenstrahlen zu schützen. Mittlerweile ist das Schnee von gestern. Moderne Vampire geben sich mit modrigen Holzkisten nicht mehr zufrieden. Viel zu unbequem und beengend. Das haben auch Macher von Vampirfilmen erkannt, die ständig nach kreativen Lösungen suchen, um das Treiben blutlechzender Dracula-Monster an die heutige Zeit anzupassen. Schluss mit Friedhof, Gruft und Särgen. Blutsauger in aktuellen Horrorfilmen mieten sich abgedunkelte Altbauwohnungen und schlafen in weichen Himmelbetten. Luxus, den der Filmbösewicht in THE SHED wohl auch gern hätte. Der ist schlecht organisiert und hat die Zeit nicht im Blick. Prompt ist es hell und nur ein klappriger Schuppen in Sicht. Gemütlich ist anders.
 
 
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Teenagers Stan hat es nicht leicht. Die Eltern sind unter tragischen Umständen gestorben. Seither ist der Heranwachsende den Launen des cholerischen Großvaters ausgesetzt, der mit seinem Enkel so gar nicht warm werden möchte. Doch der aggressive Vaterersatz ist nur eines der vielen Probleme im Leben von Stan. Auch in der Schule läuft es nicht gut. Zusammen mit Kumpel Dommer wird er von Mitschülern gemobbt. Kann es da noch schlimmer kommen? Natürlich! Eine blutrünstige Vampirbestie nistet sich im Schuppen des Großvaters ein. Die hat mit niemandem erbarmen, der ihr Versteck entdeckt. Leider kommt die Erkenntnis für Großvater Ellis zu spät. Der nimmt die Warnungen des Enkels nicht ernst, schaut im Schuppen nach dem Rechten und wird dafür mit dem Tod bestraft. Da ist Stan nun allein. Der steht unter Schock und macht es sich zur Aufgabe, dass der Bretterverschlag von niemand weiterem betreten wird. Eine gute Sache. Bis plötzlich alles aus dem Ruder läuft.
 
 
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Regisseur und Drehbuchautor FRANK SABATELLA liefert mit THE SHED den zweiten Langfilm ab und macht seine Arbeit ganz ordentlich. Mit kleinem Budget hat er einen soliden Horrorfilm inszeniert, der sich so weit wie möglich vom Vampirmythos entfernt. Anders wie in den üblichen Dracula-Plagiaten wird das Böse hier nicht als charismatischer Frauenverführer in Szene gesetzt, der das weibliche Geschlecht bezirzt und anschließend mit Leidenschaft aussaugt. Der Vampir in THE SHED ist eine zombiegleiche Tötungsmaschine – hässlich, aggressiv und erbarmungslos. Das bekommen auch einige der Figuren im Film zu spüren, die sich furchtlos in den Schuppen begeben und dort in Stücke gerissen werden. Splatterfans wirds freuen, denn Streifen wie 30 DAYS OF NIGHT, VAMPIRE NATION oder DAYBREAKERS lassen grüßen.
 
 
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Interessanterweise besteht THE SHED aus zwei Teilen. Während sich die erste Hälfte damit beschäftigt, wie der unwillkommene Gast von Filmheld STAN in Zaum gehalten wird und nicht aus seinem Versteck flüchten kann, geht die zweiten Filmhälfte weitaus deftigere Wege. Dann nämlich kann sich das Böse einen Weg in die Freiheit bahnen und beginnt das Gute zu terrorisieren. So wird aus subtilem Schrecken plötzlich eine actionreiche Überlebenshatz – etwas zu hektisch aber dafür atmosphärisch. Regisseur FRANK SABATELLA knippst das Licht aus und reduziert die Beleuchtung. Eine gute Methode, um Unbehagen entstehen zu lassen. Da wird unser Held im Dunkel vom Bösen umzingelt und muss seinen Mut zusammennehmen. Als habe man es geahnt, ist in THE SHED auch Liebe im Spiel. Wie es sich für einen Film mit einem Außenseiter gehört, darf ein attraktives Mädchen nicht fehlen, in das sich der introvertierte Sonderling verguckt hat. Da THE SHED auf ein Happy End hinausläuft, ist selbstverständlich klar, dass sich beide am Ende in den Armen liegen. Auch im Horror-Genre ist man vor Kitsch nicht gefeit.
 
 
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Macher FRANK SABATELLA ist ein echtes Arbeitstier und schreibt oder dreht nicht nur selbst Genre-Schocker. Der war schon als Schauspieler im Slasher THE RANGER zu sehen und hat seine Leidenschaft für Horrorfilme zum Beruf gemacht. In Interviews verriet der Regisseur, dass er ein Kind der 1980er ist. Der wurde mit vielen modernen Schockern groß, die im Jahrzehnt der 99 Luftballons in Videotheken verliehen wurden und über Mattscheiben flimmerten. THE SHED beruht auf einer Kurzgeschichte, die von einem Freund von der Filmhochschule Anfang der 2000er geschrieben wurde. Die hinterließ derart Eindruck, dass Sabatella selbst Jahre nach Entstehung immer noch so fasziniert von der Erzählung war, dass er unbedingt daraus einen Film drehen wollte. Gesagt, getan. Das Ergebnis überrascht mit guten Schauspielern und durch souveräne Inszenierung. Darüber hinaus, überzeugt THE SHED durch praktische Effekte. Da fliegen Köpfe durch die Luft und Arme werden abgerissen. Hoch lebe die blutige Handarbeit.
 
 
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THE SHED – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Coming-of-Age-Drama meets Horror. THE SHED ist eine der besseren Indie-Horrorproduktion des Filmjahres 2019, die das brisante Thema vom Mobbing als Horrorfilm verpackt. Zu sehen gibt es Old-School-Horror, der ein wenig an die 1980er erinnert. Ein jugendlicher Außenseiter muss das Böse bekämpfen und bekommt am Ende das Mädchen seiner Träume. Dazwischen Schulsorgen, Raufereien und Proletengehabe. Klingt nach einer Menge Pickelkram und Horrorklischees – ist aber ganz passable Horrorunterhaltung. THE SHED beginnt mit viel Drama und Sorgen – endet im fulminanten Splatterrausch. Das hat man nicht kommen gesehen, zumal sich FRANK SABATELLA ziemlich viel Zeit mit Charakterisierung lässt, um seinen Filmhelden so sympathisch wie möglich zu gestalten. Das Resultat ist um Längen besser als das, was uns der Regisseur vor einigen Jahren mit seinem Regiedebüt BLOOD NIGHT – THE LEGEND OF MARY HATCHET zugemutet hatte. Offenbar hat Sabatella diesmal vor den Dreharbeiten Hausarbeiten gemacht. Auf die Frage, von welchen Filmen er sich für die Arbeit zu THE SHED inspirieren ließ, fielen nämlich Titel bekannter Kultfilme wie THE LOST BOYS, NEAR DARK und FRIGHT NIGHT. Große Klassiker, die ausreichend analysiert wurden – aber natürlich überlegen sind. Macht aber nichts. THE SHED ist stimmig, professionell gemacht und hin und wieder sogar richtig spannend. Ob da Regisseur MIKE MENDEZ seine Finger mit im Spiel hatte? Der fungierte hier als Produzent und ist unter Horrorfilmfans kein Unbekannter. Mendez ist selbst Horrorfilmemacher und war 1996 mit seinem kontroversen MIKE MENDEZ‘ KILLERS in aller Munde.
 
 
 


 
 
 

THE SHED – Zensur

 
 
 
THE SHED hat einige Gewaltmomente zu bieten. Meist passieren die aber im Off und man sieht nur das Ergebnis diverser Morde. Im Finale wird etwas Splatter gezeigt. Da aber alles bei Nacht passiert, werden die Gewalteskapaden in Dunkelheit gehüllt. Hierzulande dürfte THE SHED ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE SHED – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei RLJE Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis (1987)
 
Fright Night – Remake (2011)
 
Vampire Nation (2010)
 

Filmkritik: „The Stranger“ (2014)

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ELI ROTH PRÄSENTIERT THE STRANGER

(EL EXTRANJERO)

Story

 
 
 
Als der mysteriöse Martin in ein kleines Städtchen einkehrt, entfacht er mit seiner Anwesenheit eine grausame Kette furchtbarer Gewalt.
 
 
 


 
 
 

THE STRANGER – Kritik

 
 
 
Wenn HOSTEL- und CABIN FEVER-Macher ELI ROTH Filme dreht, dann sind viele Horrorfans nicht sonderlich darüber erfreut. Seit jeher gelingt es dem amerikanischen Regisseur mit seinen Werken zu polarisieren und die Fangemeinde in zwei Lager zu spalten. Das ist auch kein Wunder, denn Roths Filme fallen immer wieder durch trivialen Humor in Kombination mit plakativer Gewalt und hanebüchenen Geschichten negativ auf. Trotz viel Kritik an seinem bisherigen Schaffen muss man ELI ROTH an dieser Stelle auch einmal Lob aussprechen. Statt immer nur Schlamassel zu drehen ist er stets daran interessiert noch unbekannte und junge Regisseure zu unterstützen, damit die ihre filmischen Visionen auf Zelluloid bannen können, um sie einem interessierten Publikum zugänglich zu machen. Auch im Falle des chilenischen Horrordramas THE STRANGER hatte der gewalterprobte und kontroverse Regisseur seine Finger im Spiel. Diesmal fungierte er jedoch ausschließlich als Produzent und überlies dem uruguayischen Newcomer GUILLERMO AMOEDO das Regiezepter, der bereits schon an Drehbüchern zu Roth-Streifen wie KNOCK KNOCK (2015), THE GREEN INFERNO (2013) und dem miserablen AFTERSHOCK (2012) tüftelte. Auch für THE STRANGER schrieb er das Drehbuch, konnte es letztendlich mit kleinem Budget endlich auch einmal selbst für die Leinwand adaptieren. Ganz nebenbei ist im dabei das Kunststück gelungen seinen spendablen Geldgeber in den Schatten zu stellen, kann THE STRANGER nämlich als wohl bester Horrorfilm bezeichnet werden, an dem Roth bisher in irgendeiner Weise beteiligt gewesen ist.
 
 
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Die Idee zum Film kam Amoedo, als er sich selbst ein Urteil über das hochgelobte Vampirdrama LET THE RIGHT ONE IN machen wollte. Der Regisseur erklärte in einem Interview, dass er kein großer Fan des klassischen Blutsauger-Genres ist. Dennoch gefiel ihm jene charakterstarke Richtung, die der Film einschlug und entschied kurzerhand selbst an einer tiefgründigen Vampirgeschichte zu schreiben, in der das Zwischenmenschliche ausführlich untersucht werden sollte.
 
 
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THE STRANGER erzählt die Geschichte des mysteriösen Martin (CRISTÓBAL TAPIA MONTT), der auf seiner Suche nach Frau Ana in ein kleines Städtchen einkehrt und in eine Begegnung mit Folgen involviert wird. Im Ort herrscht ein rauher Ton und die Bewohner der Stadt leiden unter der harten Hand des korrupten Polizisten De Luca (LUIS GNECCO). Dessen Sohn ist über die Ankunft des Fremden nicht sonderlich erfreut und lässt Fäuste sprechen. Was folgt ist nicht sonderlich gastfreundlich: Martin wird brutal zusammengeschlagen und eigenhändig vom Polizist De Luca im Wald verscharrt. Leider wird die grausame Tat vom pubertierenden Graffiti-Künstler Peter (NICOLÁS DURÁN) beobachtet. Der gräbt den Fremden aus und pflegt ihn zuhause gesund. Eine Rettung mit Folgen, denn die Täter sind über die Hilfsaktion nicht sonderlich erfreut. Um die Tat zu vertuschen und den guten Ruf zu bewahren, veranstalten sie eine Hetzjagd auf ihr Opfer unwissend, dass sie dadurch eine Kette der Gewalt in Gang setzen. Was niemand ahnt: Martin ist etwas anders und besitzt eine außergewöhnliche Gabe. Die gerät jedoch bald außer Kontrolle und hinterlässt eine blutige Spur der Verwüstung.
 
 
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ELI ROTH scheint in Chile ein neues Zuhause gefunden zu haben, denn hier hat er viele der letzten Genre-Filme produzieren lassen. Nach Folterei, Kannibalen und Todesviren hetzt er diesmal Blutsauger auf den Zuschauer und lässt den Vampirmythos durch Regisseur GUILLERMO AMOEDO quasi rundum erneuern. THE STRANGER nimmt Abstand von klassischen Vampirfilmen in denen Fledermäuse, Knoblauch und spitze Eckzähne Gänsehaut bescheren. Vielmehr konzentriert sich Filmemacher GUILLERMO AMOEDO auf zwischenmenschliche Konflikte und berichtet in seiner emotionalen Geschichte von Liebe und Verlust, Familie und Zugehörigkeit sowie Gewalt und Erlösung. Die für dieses Subgenre bekannten Klischees kommen nur selten zum Tragen. Stattdessen betrachtet Amoedo die Blutsauger-Thematik aus einem ganz anderen Blickwinkel und macht sie nur zum Beiwerk. Eine gute Entscheidung, lebt THE STRANGER von der Prämisse, dass der Zuschauer lang darüber im Unklaren gelassen wird, welch finsteres Geheimnis Außenseiter Martin verbirgt und was ihn dazu veranlasst hat in einem kleinen Städtchen nach der Gattin zu suchen. Die andere Vorgehensweise ist löblich und macht THE STRANGER zum Geheimtipp für all jene, die einfach nicht mehr die immer gleichen Horrorgeschichten sehen können und wollen.
 
 
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THE STRANGER – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Mysteriös, geheimnisvoll und vollkommen anders: THE STRANGER ist einer der nennenswertesten Vampirfilme der letzten Jahre und der wohl beste Streifen, an dem HOSTEL-Regisseur ELI ROTH bisher beteiligt gewesen ist. Der Zuschauer bekommt hier eine ungewöhnliche Vampir-Rachegeschichte zu sehen, die den Blutsauger-Mythos aus einer ganz anderen Sicht betrachtet. Umso besser ist es, wenn man vorab nicht allzu viel über den gelungenen Horrorfilm in Erfahrung bringt, um sich die Spannung nicht nehmen zu lassen. Weit entfernt von traditionellem Vampir-Gruslern verteilt Regisseur GUILLERMO AMOEDO die klassischen Rollen von Gut und Böse neu und bringt in seinem selbst geschriebenen THE STRANGER einmal mehr zum Ausdruck, dass der Mensch selbst grausamer und unberechenbarer ist als jeder blutdurstige Vampir. Letzterer kann im Film ebenso als Metapher gesehen werden, um die abwertende und distanzierte Haltung des Menschen vor dem Unbekannten zu symbolisieren. Wer händeringend nach interessanten Horrorgeschichten sucht, sollte sich THE STRANGER nicht entgehen lassen. Auch wenn mit ELI ROTH als Produzenten auf dem Kinoplakat geworben wird – die blutige Handschrift des polarisierenden Foltermeisters sucht man in diesem Film vergebens. Wir meinen: Pflichtprogramm für Fans mutiger Indie-Horrorfilme fernab des Mainstreams.
 
 


 
 
 

THE STRANGER – Zensur

 
 
 
Die gezeigte Gewalt in THE STRANGER hält sich in Grenzen. Dennoch gibt es etwas Blut zu sehen. Neben angefressenen Hälsen und Tierkörpern, werden im Off Protagonisten bei lebendigem Leibe verbrannt. Der Film hat ungeschnitten eine Erwachsenenfreigabe von der FSK erhalten : Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

THE STRANGER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (normale Blu-ray im Keepcase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: El extranjero; Chile 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Welcome to Chilewood (6:24 Min.), Kurzfilm „The Fourth Horseman“ (10:46 Min.), Bildergalerie, Trailer Deutsch & Englisch, Theatrical Trailer US & Chile, Trailershow

Release-Termin: 04.05.2016

 

The Stranger [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE STRANGER – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen & Packshot liegen bei TIBERIUS FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
So finster die Nacht (2008)
 
Let Me In (2010)
 
Near Dark (1987)