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Filmkritik: „Sie sind verdammt“ (1963)

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SIE SIND VERDAMMT

(THE DAMNED | THESE ARE THE DAMNED)

Story

 
 
 
Simon, ein amerikanischer Tourist, tatsächlich hat er nach einer Scheidung seine bürgerliche Existenz in den Staaten quasi aufgelöst, lässt sich in London nieder, wo er das attraktiv-freche Straßenmädchen Joan kennenlernt. Wie bestellt lockt ihn das Mädel in einen schlechteren Teil der Stadt. Hier lauert eine Bande grober Rockabilly-Rabauken, „Teddy Boys/Teds“, wie man in damals in England gesagt hat. Simon bekommt die Fresse voll und wird ausgeraubt. Chef der Bande ist der brutale King (der brutale Oliver Reed), passenderweise Bruder von Joan. Der in einem nicht näher bezeichneten Armeejob tätige Bernard und seine Freundin, die Abstrakt-Künstlerin Freya, kümmern sich um den blessierten Touristen. Um King zu provozieren, besucht Joan Simon auf seinem Mietboot und bricht mit ihm auf eine quasi-romantische Reise ins Ungewisse auf. Die Teds machen sich auf die Jagd, King als furcht einflößender Häuptling des Rocker-Stamms ist angegriffen. Hier beginnt der zweite und insgesamt wichtigere Handlungsstrang von „Sie sind verdammt“ seine Entfaltung. Sie legen an Land an und verstecken sich im Atelier Freyas, auf das sie zufällig stoßen. In der Nacht stürzen die beiden, weiterhin auf der Flucht vor King, von einer Klippe. Ihre Retter sind merkwürdige Kinder, die in einer weitläufigen futuristischen Militäreinrichtung leben und die beiden Verletzten mitnehmen. Bernards kameraüberwachte und streng geheime Militäranlage. Es stellt sich heraus, dass die Kinder, emotionslos, kühl und wenig lebendig, fast wie künstliche Menschen wirkend, eine ausgeklügelte, genetisch modifizierte Züchtung der Regierung sind. In ihnen liegt die Hoffnung, nach dem Dritten Weltkrieg den Homo sapiens am Leben zu erhalten. In der täglichen Kommunikation mit einem per Monitor zugeschalteten Wissenschaftler der Armee werden sie gedrillt auf „den Tag, an dem ihr alles verstehen werdet“.
 
 
 


 
 
 

SIE SIND VERDAMMT – Kritik

 
 
 
Für filmische Reaktionen auf die Tagespolitik, die sogenannte Realität also, war Hammer Films nicht unbedingt bekannt. Ist schon was anderes als heimelig-schaurige Vampir-Filme. Dementsprechend obskur auch „Sie sind verdammt“. Für die Story über die irre Bedrohung des Kalten Krieges holte man sich dann auch den fast genrefremden Joseph Losey auf den Regiestuhl. Eine Konstellation, die man sich so nicht ausdenken könnte. Joseph Losey (1909-1984), ein in Europa und den USA gleich-heimischer Regisseur (in Wisconsin geboren) dreht einen finsteren Science-Fiction-Schocker für Hammer Films! Zugegebenermaßen hatte man schon bei harmloseren Weltraumfilmen der Studio-Frühzeit zusammengearbeitet. Joseph Losey war einer der wenigen Filmemacher seiner Generation, deren Status als Auteur und Favorit der Kritik noch zu Lebzeiten anerkannt war. Schon früh unterhielt sich Losey offen mit der Presse über seine Filmideen und Einflüsse aus der Kinogeschichte. 1977 war er sogar an einem in Deutschland erschienenen Büchlein über sein Werk beteiligt. Sein bekanntester Film ist die äußerst giftige Charakterstudie „Der Diener“ (1963), in dem der immer traurig dreinschauende Schauspieler Dirk Bogarde als Butler die traditionell festgelegten Beziehungen zwischen Personal und Geldadel pervertiert. Sehr gut, genau wie sein 1951 veröffentlichtes Remake von Fritz Langs Weimarer Klassiker „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“. In „Sie sind verdammt“ verwebt Losey die Science-Fiction der viele Jahrzehnte reale Angst vorm alles zerkrümelnden Atomschlag gekonnt mit den rüden, irgendwo aber noch im britischen Realismus fußenden Jugendbanden-Aggressionen der ersten Filmhälfte. Erinnert ein wenig an Lindsay Andersons bekannteren „If…“ (1968) und dessen überbordende Gewaltfantasien unter Internatsschülern in England. Kings fiese Teddys spiegeln anschaulich auf der kleinsten Ebene wider, aufgrund welcher negativer Charaktereigenschaften die Menschheit überhaupt darüber nachdenken muss, sich um ein Leben nach der Bombe zu kümmern. D.H. Lawrence´ in Deutschland recht unbekannter Endzeit-Roman „The Children Of Light“ galt als dem Film Vorlage. Sein bedrückender Ton, etwa, wenn die Kinder ihre Betreuer in den Strahlenschutzanzügen als „Schwarzen Tod“ bezeichnen, macht auch „Sie sind verdammt“ aus.
 
 
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SIE SIND VERDAMMT – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Nicht nur, weil der Film zur magischen Kategorie „nach dem Titel hat sich eine Punkband benannt“ gehört, ist „Sie sind verdammt“ ein wunderbares Scheibchen Plastik. Obwohl „The Damned“ schon was Größeres waren. Ein ungewöhnlicher und entdeckenswerter Film, bei dem man nicht darauf käme, es mit einer Produktion aus dem Hause Hammer zu tun zu haben. Ein faszinierender Mix aus britischer Tristesse und Science-Fiction, die zwischen verrückt und nachvollziehbar oszilliert.
 
 


 
 
 

SIE SIND VERDAMMT – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung auf DVD ist genauso ungeschnitten, wie die bisher im TV ausgestrahlten Fassungen des Films. Auf dem Cover der DVD-Erstveröffentlichung ist ein blauer FSK-Flatschen ausgedruckt. Der ist auch berechtigt, denn nach deftigen Gewaltmomenten sucht man vergebens – es handelt sich schließlich um einen Film von 1963.
 
 
 


 
 
 

SIE SIND VERDAMMT – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Explosive Media | Sony (DVD KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Damned | These are the Damned; USA 1963

Genre: Horror, Science Fiction

Ton:Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono), Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono)

Untertitel: Keine

Bild: 2.2.35:1 anamorph 16:9, PAL

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Bildergalerie seltener Artworks, Original Kinotrailer, Trailershow

Release-Termin: 28.08.2015

 

Sie sind verdammt (DVD Erstveröfentlichung) ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

SIE SIND VERDAMMT – Trailer

 
 

 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Packshot, Abbildungen und Szenenbilder liegen bei EXPLOSIVE MEDIA | SONY)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Dorf der Verdammten (1960)
 
Das Dorf der Verdammten (1995)
 


Filmkritik: „Die Frau in Schwarz 2“ (2014)

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DIE FRAU IN SCHWARZ 2

Story

 
 
 
Es ist das Jahr 1941 und London wird vom himmlischen Feuer der deutschen Kriegsmaschinerie in Schutt und Asche gelegt. Eine Gruppe von Kindern verlässt unter der Aufsicht von Eve Parkins (Phoebe Fox) und Jean Hogg (Helen McCrory) die Stadt und flüchtet in die Marschen, wo in einem verlassenen Herrenhaus fernab von Bomben und Tod der Alltag aufrecht erhalten werden soll. An Stelle des gewünschten Friedens finden sie den rachsüchtigen und nicht sehr gastfreundlichen Geist der Frau in Schwarz vor, der sich mit dem Besuch nicht einverstanden zeigt. Einzig der stille Waisenjunge Alfie (Alfie Simmons) scheint einen wackeligen Draht zur verstorbenen Frau zu haben. Gemeinsam mit dem Piloten Edward (Oaklee Pendergast) versuchen Eve und Jean, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen.
 
 
 


 
 
 

DIE FRAU IN SCHWARZ 2 – Kritik

 
 
 
Zwei Jahre zuvor war der Vorgänger „Die Frau in Schwarz“ eine der ersten Bemühungen von Daniel Radcliffes, seiner bis dahin typischen Rolle des Zauberlehrlings Harry Potter zu entfliehen. Als seichter Horrorschocker, der seine Wirkung hauptsächlich über clevere Jump-Scares und eine diesige, viktorianische Atmosphäre entfaltete, funktionierte der erste Teil überraschend gut. Die Geschichte des jungen Anwalts Arthur Kipps, der sich dem tödlichen Geist alleine stellen musste, ist ein gelungenes, gruseliges Kammerspiel, das zu den besten Exemplaren zählt, die in den letzten Jahren produziert wurden.
 
 
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Im zweiten Teil springt die Handlung 40 Jahre nach vorne und nimmt Platz vor der vielversprechenden, angsterfüllten Kulisse des Zweiten Weltkrieges. In bester Sequel-Manier sind die Einsätze in „Die Frau in Schwarz 2“ noch höher, dieses Mal ist es eine Gruppe aus Kindern und Erziehern, die im Spuk-Domizil Unterschlupf suchen und ins Visier des Todesengels geraten. Wie es oft der Fall ist, bringt das Aufblasen des Plots nicht den gewünschten Effekt und der Film versinkt im Fahrwasser seines zumindest etwas originellen Vorgängers.
 
 
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Aus seinem Kriegs-Setting, das wenigstens zu Beginn des Films noch stimmig wirkt, holt der Film im weiteren Verlauf leider nichts heraus, was ihn zu einer arg herkömmlichen und uninspirierten Grusel-Story macht. Wo in Teil 1 mit Daniel Radcliffe ein sympathischer Protagonist die Leinwand beherrschte, bleibt in der Fortsetzung eine ungeordnete Gruppe von Charakteren übrig, die durchweg uninteressant und farblos bleiben. Eine mögliche Ehrenrettung durch ähnlich einprägsame Schockmomente wie im Vorgänger bleibt leider aus. Regisseur Tom Harper verlässt sich auch hier auf den inszenatorischen Basis-Level, auf dem er seine müden, extrem vorhersehbaren Jump-Scares einfängt
 
 
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DIE FRAU IN SCHWARZ 2 – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
Mit der exakt selben Backstory wie im ersten Teil hätte man sich eine Fortsetzung erhoffen können, die mindestens auf einem gleichen Level spielt, wie der Vorgänger. Leider werden diese Hoffnungen enttäuscht und stattdessen wird ein laues „Feuerwerk“ aus abgetretenen, langweiligen Schockszenen abgefeuert, die von einem stark durchschnittlichen Drehbuch und einem beinahe unerträglich kitschigen Ende abgerundet werden.
 
 
 


 
 
 

DIE FRAU IN SCHWARZ 2 – Zensur

 
 
 
Der Film ist in Deutschland ungeschnitten ab 12 freigegeben. Zu schneiden gibt es sowieso nichts, da der Film keine nennenswerten Gewaltszenen bietet. Aufgrund der Extras ziert die Heimkinofassung jedoch der blaue FSK16-Sticker.
 
 
 


 
 
 

DIE FRAU IN SCHWARZ 2 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Concorde Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Woman in Black 2: Angel of Death; Großbritannien | Kanada 2014

Genre: Horror, Grusel

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: Film: FSK 12 (ungeschnittene Fassung) | Blu-ray aufgrund einiger Trailer: FSK16

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Alle Extras in HD: Featurettes, Interviews, entfallene Szenen, dt. und Original-Kinotrailer

Release-Termin: 16.07.2015

 

Die Frau in Schwarz 2 – Engel des Todes [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

DIE FRAU IN SCHWARZ 2 – Trailer

 
 

 
 
 

Timo Löhndorf

Mehr Kritiken von Timo gibt es auf dasnapalmduo.de zu lesen

Die Rechte aller Grafiken in dieser Review liegen bei Concorde Home Entertainment

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
The Woman in Black (2012)

Oculus (2013)

Ouija (2014)


Filmreview: „The Quiet Ones“ (2014)

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THE QUIET ONES

Story

 
 
 
Psychologie-Professor Joseph Coupland (Jared Harris) führt zusammen mit drei Studenten an einer Art erwachsener Wednesday Adams (Olivia Cooke) Experimente durch, die scheinbar vom Geist eines Kindes besessen ist. Mit verschiedenen Tests wollen sie beweisen, dass das Leiden der Patientin auf ein psychischen Traumata zurückzuführen ist und das Geisterwesen allein ihrer Phantasie entspringt …
 
 
 


 
 
 

THE QUIET ONES – Kritik

 
 
 
Irgendwie erzielt die Wiederbelebung der glorreichen HAMMER STUDIOS nicht den Erfolg, den die Produktionsschmiede während ihrer Blütezeit in den 50er- und 60er Jahren verzeichnen konnte. Bis in die späten 70er hinein wurden dort nämlich Horrorfilme am laufenden Band produziert und verhalfen Legenden wie CHRISTOPHER LEE und PETER CUSHING zu Weltruhm. 1979 lief das letzte hauseigene Schaffen über die Leinwand – danach war Schluss. Dreißig Jahre nach Werkstattschließung wurden die Pforten der HAMMER STUDIOS dank Produzent JOHN DE MOL (ja, der BIG BROTHER-Schöpfer ist gemeint) erneut geöffnet und eine Reihe Gruselstreifen gedreht, die aber bisher nicht den Profit brachten, den man sich vielleicht erhofft hatte.
 
Während WAKE WOOD (2008), THE RESIDENT (2009) und das unnötige Remake LET ME IN (2010) hierzulande direkt auf dem Heimkinomarkt verramscht wurden, konnte zumindest THE WOMAN IN BLACK (2011) reichlich Zaster in die Kinokassen schwemmen, was aber vermutlich hauptsächlich an Darsteller DANIEL „POTTER“ REDCLIEF gelegen haben dürfte, der mit seiner Rolle im britischen Gothic-Grusler das ihm auferlegte Image des Zauberlehrlings loswerden wollte. Nun geht HAMMER FILMS in eine weitere Runde. Weil Geister und Wackelkamera seit PARANORMAL ACTIVITY und THE CONJURING immer noch genügend Leute in die Kinos locken können, dürfte es wohl keinen Horrorfan überraschen, dass auch die Macher von HAMMER FILMS auf den Geister, Exorzismus und Found-Footage-Zug springen, um den lukrativen Horror-Trend mitmachen zu können. Leider hat Regisseur JOHN POGUE so ziemlich alles vermasselt, was man bei einem solchen Film falsch machen kann. Für den hiesigen Rechteinhaber ASCOT ELITE daher Grund genug, dass vergeigte Machwerk ohne den Umweg ins Kino direkt in die Händlerregal zu stellen, damit sich Horrorfans das teure Eintrittsticket für THE QUIET ONES sparen können.
 
Übeltäter JOHN POGUE, der bisher nur das leidlich unterhaltsame Video-Sequel QUARANTÄNE 2 – TERMINAL (2011) fabriziert hat, verlagert die Handlung seines aktuellen Machwerks in die 70er und erzählt die Geschichte von Oxford-Professor Joseph Coupland (JARED HARRIES), der fest davon überzeugt ist, dass Geisterwesen nur Manifestation der Psyche sind. Drei seiner Stundenten sind von der radikalen Theorie derart fasziniert, dass sie den Lehrer bei seinen unorthodoxen Experimenten unterstützen. Auf einem Anwesen außerhalb von London soll die These an Patientin Jane Harper (OLIVIA COOKE) bewiesen werden. Die scheint Anzeichen von Besessenheit zu besitzen, quasselt permanent von einer imaginären Freundin namens Eve und start Löcher in die Luft. Während die Arbeiten akribisch mit der Kamera dokumentiert werden, ist es Student Brian McNeil (SAM CLAFLIN), der die zahlreichen Test bald zu hinterfragen beginnt. So ganz Unrecht hat er mit seiner Feststellung nämlich nicht, denn Professor Jared Harris verliert schon bald das Wohl seiner Probandin aus den Augen und hat nur noch ein Ziel: Seine Theorie zu beweisen.
 
Dunkle Flure, nostalgisches Filmmaterial und typisch britisches Gruselflair; eigentlich hätte alles so schön werden können. Wäre da nicht Regisseur JOHN POGUE gewesen, der die eigentlich guten Voraussetzungen für einen Grusler wie diesem im Keim ersticken lässt. THE QUIET ONES ist eine jener modernen Interpretationen altmodischer Geistergeschichten, die einfach keine Angst einjagen wollen, was wohl daran liegen dürfte, dass POGUE immer dann Szenen abrupt enden lässt, wenn es gerade unheimlich und spannend werden will. Für einen Horrorfilm ist derart Vorangehensweise fatal; vor allem dann, wenn es sich ausgerechnet auch noch um Spuk- und Geisterhorror handelt. An beinahe jeder Gruselszene lässt sich die Unfähigkeit seines Machers erkennen. So werden plumpe Spuk-Klischees wie so oft wenig überraschend abgeklappert und plötzlich endende Szenenabläufe oder minderwertige CGI-Effekte verderben beinahe jeden Gruselmoment. Immerhin gefällt der eigentlich unbeliebte Found-Footage-Gimmick, der ja im Horrorfilm zum unverzichtbaren Übel geworden ist und nahezu in jedem zweiten Gruselfilm Verwendung findet. Im Falle von THE QUIET ONES bewirkt der aber ausnahmsweise Atmosphäre, die sich ohnehin recht mager durch die halbherzig geschriebene Geschichte zieht. Zwischen seltsamen Tests und immer wieder gleichen Szenenabläufen, die vermutlich ins Drehbuch geschrieben wurden, damit man auf Spielfilmlänge kommt, gesellt sich schick aufbereitetes 16mm Bildmaterial, das quasi aus Brains Kamera stammt, der die Experimente auf Film festhält. JOHN POGUE schafft das, was bisher nur wenigen Wackelcam-Machern gelungen ist. Er verknüpft das normal gefilmte Geschehen mit krisseligen 16mm-Schnipseln, ohne dass das Found-Footage-Gebräu zu sehr auf den Zünder geht. Dass auf authentisch getrimmte Doku-Material hat Charme, vor allem dann, wenn Professor Joseph Coupland seinen Schülern ältere s/w-Aufnahmen seiner Patienten im Hörsaal vorführt und sich geisterhafte Dinge auf den alten Filmausschnitten ereignen.
 
Leider ist Found-Footage auch das einzige, was POGUE gut beherrscht, denn trotz visuellen Schmankerl und vernünftig agierenden Schauspielern ist THE QUIET ONES eine absolute Enttäuschung und wird dem Namen HAMMER FILMS nicht einmal ansatzweise gerecht. Das ist deshalb recht schade, weil dem Macher JOHN POGUE eine spannende Vorlage zur Verfügung gestanden hat. THE QUIET ONES ist nämlich eine von ach so vielen Horror-Gurken, die zu Beginn damit werben, dass die Schreiberlinge des Films von wahren Begebenheiten inspiriert wurden. Den Horrorstoff für diesen überraschungsarmen Exorzismus-Hochglanz-Spuk lieferte das PHILIP EXPERIMENT, welches von Professor DR.GEORGE OWEN 1972 im kanadischen Toronto tatsächlich durchgeführt wurde und aus einem parapsychologischen Forscherteam bestand, das allein mit Gedankenkraft den Geist des fiktiven Charakters PHILIP AYLESFORD entstehen lies. So interessant die Grundlage, so unausgegoren die Umsetzung. Statt auf amateurhaftes Pixelgewitter und unerfahren Regisseure zu setzen, wäre es für Produktionshaus HAMMER FILMS von Interesse nach wirklich guten Regisseuren zu suchen, die zur Abwechslung auch mal Ahnung haben, wie man gute Horrorfilme macht. Denn im Vergleich zu den klassischen Hammer-Streifen sind die bisher neu entstandenen Filme unter dem Banner HAMMER FILMS sehr liebloser und vor allem austauschbarer Kommerzmüll.
 
 
 


 
 
 

THE QUIET ONES – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Was waren das für Zeiten, als HAMMER FILMS noch gute Filme hervorbrachte. Die Reanimation des Produktionshauses durch JOHN DE MOL hat dem Studio nicht gut getan, denn seit der Wiedereröffnung der legendären Horror-Schmiede gehen keine wirklich guten Filme mehr in Produktion, die an die einstigen Erfolge anknüpfen können. THE QUIET ONES verspricht im Trailer viel, hält aber wenig. QUARATNÄNE 2-Verbrecher JOHN POGUE bedient sich wie vieler seiner Kollegen der Found-Footage-Rezeptur und köchelt Geister- und Besessenheits-Thematik auf kleiner Flamme. Bescheidene Computereffekte, magerer Gruselgehalt und klischeehafte Spukeffekte sind das Ergebnis mit dem vermutlich nicht mal Fans paranormaler Geschichten zufrieden sein dürften. Immerhin hat Regisseur JOHN POGUE den Wackelcam-Gimmick gut im Griff. Damit dürfte er für die Zukunft gut gerüstet sein, schließlich dürfte Found-Footage auch in den kommenden Jahren die Filmlandschaft verpesten und mit wackeligen Bildern Kopfschmerzen bereiten.
 
 
 


 
 
 

THE QUIET ONES – Zensur

 
 
 
THE QUIET ONES ist ein stilvoll gedrehter Horrorfilm der alten Schule, bei dem das Augenmerk eher auf Atmosphäre und Gruselfeeling liegt und der keine Zeit mit unnötigen Blut-Albereien vergeudet. Demnach ist das Gezeigte eher subtiler Natur und nicht sonderlich grausam anzusehen. Es gibt Verbrennungen an der Hand und eingeätzte Wundmale zu sehen. In den letzten Minuten sterben einige der Protagonisten im hektisch geschnittenen Bilderhagel, wobei der Höhepunkt eine ziemlich schlecht animierte CGI-Verbrennungs-Sequenz sein dürfte. Hierzulande hat das für FSK16 gereicht.
 
 
 


 
 
 

THE QUIET ONES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
The-Quiet-Ones-Bluray

(c) Ascot Elite

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Quiet Ones; USA/UK 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Featurette, Film Clip, B-Roll, Soundbites: Jared Harris, Sam Claflin, Erin Richards, Rory Fleck-Byrne, Olivia Cooke, John Pogue, Ben Holden, and Simon Oakes., UK Trailer, 2 US Trailer, TV Spots, Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 12.08.2014

 
 
 

The Quiet Ones [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE QUIET ONES – Trailer

 
 
 

 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Der letzte Exorzismus 2 (2013)
 
Possession – Das Dunkle in Dir (2012)
 
Besessen – Der Teufel in Mir (2012)


Filmreview: „Chillerama“ (2011)

Chillerama
 
 
 

Chillerama

Story

 
 
 
Der Besitzer eines heruntergekommenen Autokinos lädt zur letzten Vorstellung ein. Unter dem Motto „Chillerama“ führt er seinem Publikum drei äußerste kurzweilige, wie geniale Trash-Kurzfilme seinen umfangreichen Archivs vor.
 
 
 
 
Geschichte 1)
„WADZILLA“
Parodie auf die diversen „Godzilla“-Streifen: Ein etwas schräger Zeitgenosse will seine Impotenz mit einem neuartigen Medikament kurieren. Dumm nur, dass seine Spermien nach Einnahme der Medizin nicht aktiver werden, sondern eher an Größe gewinnen und „Godzilla“-artig das New York der 50er Jahre heimsuchen.
 
 
 
 
Geschichte 2)
„I WAS A TEENAGE WEREBEAR“
„Twilight“-Parodie im 60er Jahre Musical-Gewand: Junger Bursche wird von einem schwulen Werwolf gebissen und mutiert zunehmend zu einem schwulen Leder-Fetisch-Burschen
 
 
 
 
Geschichte 3)
„THE DIARY OF ANNE FRANKENSTEIN“
„Anne Frankenstein“, eine Nachkommin des berühmten Dr. Frankenstein, wird zusammen mit ihrer Familie von Hitlers Gehilfen aufgespürt und kaltblütig ermordet. Das penibel geführte Tagebuch der „Anne Frank“-enstein umfasst die Aufzeichnungen des Doktors und ebenso wie sich ein künstlicher Mensch erschaffen lässt. Kaum in den Händen Hitlers versucht dieser das Experiment in die Tat umzusetzen und erschafft seinen ganz eigenen „Golem“.
 
 
 
 


 
 
 

Chillerama – Kritik

 
 
 
Aktuelle Projekte, in denen sich die ganz Großen der Horrorfilmszene die Klinke in die Hand geben und gemeinsam an einem Horrorprojekt werkeln, scheinen derzeit absolut in Mode zu sein, denn nach den beliebten TV-Serien „Masters of Horror“, „Tales from the Crypt“ und zuletzt in der Indie-Überraschung „The Theatre Bizarre“ laden nun in „Chillerama“ vier weitere hochmotivierte und vor allem horrorfilmerprobte Genre-Regisseure (Joe Lynch – „Wrong Turn 2“, Adam Green – „Hatchet“, Tim Sullivan – „2001 Maniacs“, Adam Riefkin ) zum munteren Stelldichein, um erneut die gierige Horror-Fanbase mit neuem frischen Filmstoff zu versorgen. Dass das Ganze liebenswert in einer munter-grotesken Hommage an das schnöde Autokino der 70er und 80er verpackt wurde und mit dreckig-abgewetzten Grindhouse-Look überrascht, ist nur einer der vielen tollen kleinen innovativen Einfälle mit denen „Chillerama“ den Nerv ausgehungerter Filmfreunde trifft.
 
Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt und drei vollkommen abgefahren Kurzgeschichten flimmern über die Autokino-Filmleinwand, welche letztendlich in einem arg absurden Finale gipfeln, dass in seiner fragwürdigen Darstellung vermutlich seinesgleichen suchen dürften. Dabei wirken die Übergänge zu den jeweiligen Geschichten erstaunlich fließend und homogen, sodass die knapp 120 Minuten Filmlaufzeit kaum Zeit für eine kurze Verschnaufpause bieten.
 
Die einzelnen Episoden in „Chillerama“ sind bewusst billig inszeniert, die Effekte sind bewusst merklich schlecht umgesetzt und die Protagonisten agieren bewusst übertrieben mies, ganz so wie es in all den minderwertig trashigen Grindhouse-Werken seiner Zeit üblich gewesen ist. Natürlich ist die gesamten Inszenierung vortrefflich schräg und so genial übertrieben dargestellt, dass man sich als Horrorfilmfreund bereits nach nur wenigen Filmminuten in dieser urkomischen Auto-Kinovorstellung heimisch fühlt und man sich ein herzlich-lautes Lachen nicht mehr verkneifen kann. Das Ideenfeuerwerk mit dem die vier Regisseure zu Gange gehen, bildet den eigentlichen Reiz von „Chillerma“, denn sie haben es adäquat geschafft, in fast jeder zweiten Einstellung muntere Schenkelklopfer zu verstecken, die gänzlich fast jedes Subgenre vergangener Tage liebevoll persiflieren, aber niemals dreist, billig, belehrend oder niveaulos wirken.
 
Ob „Godzilla“, die „Twilight“-Movies, Filmwerke der Hammer-Studios, Romero´s „Zombie“ oder gar die Kult-Trash-Schmiede „Troma“ – hier wird sich vor jedem erdenklichen Horrorschnipsel der letzten 8 Jahrzehnte liebevoll verbeugt und dieser zugleich herzlichst umarmt, dass man diesen kleinen, ziemlich charmanten Streifen einfach dafür lieben muss. Dass sich bei all den munteren Gags, frischen Ideen und ironischen Anspielungen auch einige unschöne Schnitzer in das Drehbuch geschlichen haben, mag man „Chillerama“ verzeihen, zumal der Indie-Hit bis nach Abschluss der ersten drei Horrorgeschichten eigentlich alles richtig macht. Erst gegen Ende verläuft sich dieses kleine Genre-Juwel in eine vollkommen kontroverse Richtung und fährt ein wahrhaft-dämliches Arsenal an derb-dummen Sex- und Fäkalwitzchen auf, welche zwar einerseits immer noch kurzweilig und blendend zu unterhalten wissen, aber im Gegensatz zur grandiosen Ideenflut der drei ersten Kurzgeschichten regelrecht verblassen und das Niveau gehörig gen Keller zerren.
 
„Chillerama“ ist eine wahrlich kleine Überraschung geworden. Vier bekannte Genre-Regisseure basteln an einem gemeinsamen Film, der unter dem Deckmantel des derzeit aktuell so beliebten Grindhouse-Phänomens, drei vollkommen absurde Trash-Geschichten erzählt, die in ihrer Darstellung frischer und innovativer nicht hätten daherkommen können. Dabei ist der gesamte Film eine einzige schrullige und liebenswerte Trash-Hommage an das gesamte Horrorkino der vermutlich letzten 80 Jahre Filmgeschichte. Dass das arg hohe Niveau und die Rate an ironische Seitenhiebe nicht gänzlich bis zum Schluss konstant gehalten werden kann, enttäuscht etwas, denn das Ende fügt sich mit all seinen unpassenden Sex-, Kotz- und Kotwitzchen nicht wirklich passend in die Filmhandlung ein und wäre vermutlich produktiver in einem weiteren Sequel des „American Pie“-Universum aufgehoben.
 
Nichts desto trotz, „Chillerama“ ist eine echte Gag-Granate geworden, die so charmant zu überzeugen weiß, dass man sich als Horrorfilmfreund nach Sichtung wehmütig nach einer Fortsetzung sehnt. Der Film hat all das, was einen waschechten „Grindhouse“-Knaller der Neuzeit ausmacht: prallbrüstige Amazonen, abgefahrene Ideen, einen perversen Fake-Trailer und absurden Spaß ohne Ende. Hoffen wir doch, dass „Chillerama“ auch in hiesigen Gefilden die Aufmerksamkeit ernten wird, die er letztendlich gerechterweise verdient hat, denn dieser kleine, überraschend gute Genre-Beitrag ruft einmal mehr den schnöden und schmuddeligen Geruch heruntergekommen Bahnhofskinos in unser aller Gedächtnis zurück.
 
 
 


 
 
 

Chillerama – Fazit

 
 
 
10 Punkte Final
 
 
Herrlich abgefahren, grandios und unglaublich frisch – Eine Ideenflut der Extraklasse. Eine schräge Hommage an das großartige Horrorkino der letzten 80 Jahre. Das ist alles wunderbar unterhaltsam und immens „geil“ – leider!!!!
 
 
 


 
 
 

Chillerama – Zensur

 
 
 
In „Chillerama“ ist alles derart offensichtlich ironisch dargestellt, dass man den Film in keiner Minute ernst nehmen kann. Demnach ist der muntere Horrorspaß ungeschnitten überraschenderweise bereits ab „FSK 16“ geeignet.
 
 
 


 
 
 

Chillerama – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Chillerama; USA 2011

Genre: Komödie/Trash/Horror/Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 7.1 / Engl. DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1080p/24, 1:1,85

Laufzeit: ca. 120 Min.

FSK: FSK 16

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailer zum Film in Deutsch und Englisch, diverse Trailer aus dem Hause „Sunfilm“, Audiokommentar, The Making of the Diary of Anne Frankenstein, I was a Teenage Werebear – Behind thr Scenes, I was a Teenage Werebear – Deleted Scenes, Zom-B-Movie – Deleted Scenes, Famous Monsters Interview, Salfen Comic-Con Interview, Wadzilla – Deleted Scenes, Musicvideo: Psycho Charger „Chillerama“ – alles Extras leider ohne dt. Untertitel

 
 
 
Zu einem derart, in der Horrorfilmszene umjubelten Projekt wie „Chillerama“, gehört natürlich auch eine astreinen HD-Auswertung. Das sah auch „Sunfilm“ so und hat dem kleinen Meisterwerk eine durchaus ansprechende Blu-ray spendiert, über deren Umfang der Filmfreund nicht meckern kann. Die Scheibe ist vollgestopft mit interessantem und vor allem witzigem Bonusmaterial, sodass der Zuschauer nach Sichtung des Hauptfilmes noch damit beschäftigt sein dürfte, sich durch den umfangreichen Extrasektor zu klicken. Leider muss der Fan hier, wie eigentlich bei „Sunfilm“ üblich, auf notwendige Untertitel beim Boni verzichten. Somit werden hier gute Englischkenntnisse vorausgesetzt. Über die HD-Auswertung lässt sich nicht meckern. Die ist für einen derart Film traumhaft. Es rumpelt und donnert erstaunlich räumlich durch die Boxen und Freunde mit einem Heimkinosystem, werden sich vermutlich vollends wohl in ihrem ganz persönlichen Autokino fühlen. Zudem erfreut die gute Synchronisation. Trotz mangelnder Untertitel: gutes Release, „Sunfilm“ – weiter so!
 
 

Chillerama (Uncut) [Blu-ray] bei AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

Chillerama – Trailer

 
 
 

 
 

Hellraiser80

Ähnliche Filme:
 
 
The Theatre Bizarre (2011)

Little Deaths (2011)

The Road (2012)


Filmreview: „The Woman in Black“ / „Die Frau in Schwarz“ (2012)

 

Der unerfahrene Anwalt Arthur Kipps (Daniel Radcliffe) wird von seiner Kanzlei beauftragt, in einem kleinen britischen Ort, den Besitz einer verstorbenen Witwe aufzulösen und das einst von ihr bewohnte Anwesen zu verkaufen. Aber irgendetwas scheint nicht mit dem Dorf, den Bewohnern und dem verlassenen Haus der verstorbenen Witwe zu stimmen.

Bei seinen Recherchen nach dem Erbe der Verstorbenen wird er immer wieder von einer seltsamen, in schwarz gekleideten, Dame verfolgt.

Um weitere Informationen über das Herrenhaus und der verdächtigen schwarz gekleideten Frau zu erhalten, wendet er sich an die Bewohner des Dorfes. Aber dort stößt er mit seinen Nachforschungen auf Unverständnis, denn im Dorf geht das Gerücht umher, dass der rachsüchtige Geist der „Frau in Schwarz“ sich die Kinder derer holt, denen er sich offensichtlich zuletzt gezeigt hat.

 

 

Jungschauspieler haben es heutzutage nicht leicht, vor allem gerade dann, wenn sie zuvor immense Erfolge mit überaus prägnanten Filmrolle feiern konnten.

Ob nun Macaulay Culkin in seiner Rolle als Lausbube „Kevin“, Henry Thomas als „Elliot“ im Spielberg Klassiker „E.T. – Der Außerirdische“, oder Linda Blair als vom Teufel besessenes Mädchen im Horrorfilm „Der Exorzist“, ihnen allen gelang es bis heute nicht an die weltweiten Erfolge von einst anzuknüpfen.

Auch Schauspieler „Daniel Radcliffe“ schrieb in der Rolle als Zauberlehrling „Harry Potter“ Filmgeschichte und seit seinem letzten und abschließenden „magischen“ Potter-Kino-Auftritt ist es erstaunlicherweise recht ruhig um das britische Nachwuchstalent geworden.

Dass Radcliff nun seine Rückkehr zurück auf die Leinwand mit einem altmodischen Horrorfilm feiert verblüfft ein wenig, erwartet man doch, gerade nach einem derart kindlich orientieren Effektspektakel wie „Harry Potter“, keinen ernsthaften und ruhig erzählten Gruselfilm für Erwachsene.

Aber indirekt freut es trotzdem, dass sich Radcliff mit „The Woman in Black“ für einen ernsteren und erwachseneren Leinwandauftritt entschieden hat und demnach nun versucht sein Zauberer- und Heldenimage abzustreifen.

Sicherlich ist dieser Wandel wichtig gewesen und sicherlich dürfte es auch nach „The Woman in Black“ enorm viel Arbeit für Radcliff bedeuten, sich als ernstzunehmenden Schauspieler in der Filmwelt zu etablieren, ohne im Schatten seines bisherigen Erfolges als Hogwarts Zauberlehrling unterzugehen.

Sein aktueller Film „Die Frau in Schwarz“ legt zumindest schon einmal einen soliden Grundstein für das Leben nach „Harry Potter“, und anhand der weltweit positiv zu bewertenden Kinoeinspielergebnisse seines aktuellen Genrebeitrages „The Woman in Black“ dürfte sich Daniel Redcliff in seinem Vorhaben wohlmöglich bestätigt fühlen.

Vergleicht man Radcliffs aktuelles schauspielerisches Auftreten mit denen der nunmehr acht Harry Potter Streifen so fällt direkt auf, dass Radcliff ausreichend dazugelernt hat.

Sein Schauspiel erweist sich als souveräner und ernsthafter, hätte aber intensiver und ausdrucksstärker sein können. Das macht aber nichts, da definitiv die superbe und stark gotisch angehauchte Grundstimmung des Filmgeschehens im Mittelpunkt steht und die ist, gelinde gesagt, aller erste Sahne.

Liebhaber für reißerische und effektüberladene Horrorfilme sind hier eindeutig fehl am Platz, handelt es sich bei „The Woman in Black“ um einen atmosphärisch dichten Gruselfilm, der vordergründig von seiner tollen Kulisse und den vielen kleinen liebevollen Details lebt.

Die liebevolle Aufbereitung des Films scheint nicht von ungefähr zu kommen, versucht das neu gegründete Produktionslabel „Hammer Film“ mit seinen aktuellen Produktion an die einstigen Erfolge der großen „Hammer-Studios“ anknüpfen, die in den 50er und 60er Jahren das europäische Horrorkino maßgeblich mitprägten. In den 70ern erlosch der Erfolg der „Hammer-Filme“ und das Studio verschwand in der Versenkung. Nun fast 30 Jahre später, versucht der niederländische  Produzent John de Mol dem Namen „Hammer“ neues Leben einzuhauchen. Unter dem „Hammer-Banner“ produzierte das neu gegründete Studio bereits das, nur mäßig erfolgreiche Remake des schwedischen Horrordramas „So finster die Nacht“, konnte sich aber bisher auf dem internationalen Markt noch nicht wirklich etablieren.

Mit „The Woman in Black“ dürfte sich der bisher bescheidene Erfolg des Labels schlagartig ändern, denn die mollig gruseligen, düsteren und grotesken Bilder des aktuellen Geisterfilmes brennen sich wohlmöglich in die Köpfe aller Horrorfilmliebhaber.

Schon allein die Idee, dass das (very british entworfene) Herrenhaus nur tagsüber bei Ebbe zu erreichen ist (der Wohnsitz der Verstorbenen befindet sich auf einer kleinen Insel) sorgt definitiv schon bei der „Erstbesichtigung“ für ausreichend Gänsehaut, dass man als Zuschauer nur gespannt darauf sein kann, was sich die Filmemacher im Verlauf der weiteren Handlung noch so haben alles einfallen lassen. Der dichte Nebel, die trostlosen Farben und eine handvoll Schreckmomente vervollständigen den positiven Gesamteindruck.

Die überaus virtuose Bildsprache von „The Woman in Black“ erinnert in ihrer Darstellung sehr der, des Tim Burton Klassikers „Sleepy Hollow“, kommt aber erfreulicherweise weniger märchenlastiger daher.

Leider schwächelt der Film, trotz großartiger Bildkompositionen, zumindest auf dramaturgischer Ebene ein wenig. „Die Frau in schwarz“ scheint in der ersten Filmhälfte ein wenig vor sich herzuträumen und der Film verliert hin und wieder gehörig an Fahrt.

Gerade zum Ende hin, erwartet der Filmfan bei derart kreativen Machwerk eigentlich ein deftiges und, vor allem, laut-tobendes Finale.

Leider kann der Film hierbei, trotz makabrem Schlussgag, nicht wirklich überzeugen.

Trotz plausibler Auflösung hält sich der Film in seiner Darstellung von Schreck- und Spezialeffekten sehr züchtig zurückhaltend, was einwenig altbacken wirkt, aber scheinbar als herzliche Hommage an die alten „Hammer-Filme“ gelten soll.

Mit „The Woman in Black“ macht das Horrorfilmgenre zumindest eine positive Kehrtwende.

Nach reißerischen und überaus brutalen Horrorschockern, die vorwiegend mit der Holzhammertaktik überzeugen wollen, versucht Regisseur James Watkins („Eden Lake“) zurück zu den Wurzeln des Horrorfilmgenres zu finden.

Optisch ist es ihm definitiv glaubhaft gelungen.

Die hervorragenden düster-gotischen Bildkompositionen lassen die minimalen Schwächen in Dramaturgie und Story schnell vergessen.

Hoffen wir, dass die Rückkehr zum atmosphärisch dichten und optisch phantasievollen verpackten Horrorfilm Schule macht, „The Woman in Black“ legt, zumindest hierbei, die Meßlatte weit nach oben.

 

 

 

Fazit           Bildsprache: 10/10               –          der Rest: 6/10

 

Liebhaber atmosphärisch dichten Gruselvergnügens kommen hier vollends auf ihre Kosten.

The Woman in Black“ bietet liebvoll-schauderhaftes Retro-Gruselfeeling, dass hoffentlich demnächst Schule machen wird – Super!

 

FSK-Prognose:  Es gibt keinen Bluteffekt im Film. Gewalt wird vorwiegend eher angedeutet, als explizit gefeiert. Da es aber auch eine kurze Verbrennungsszene im Film zu sehen gibt, dürfte eine gerecht Altersfreigabe mit FSK16 wahrscheinlich sein.

 

 

Hellraiser80