FILMCHECKER – Die Seite im Netz für Horror. ☠☠☠ Kritiken zu den besten Horrorfilmen ☣☣☣ Slasher, Folterfilme, Thriller, Splatterfilme, Gruselfilme.

Beiträge mit Schlagwort “harte Horrorfilme 2015

Filmkritik: „Scherzo Diabolico“ (2015)

Scherzo-Diabolico-poster
 
 
 

SCHERZO DIABOLICO – BLUTIG UND BÖSE

Story

 
 
 
Einem fleißigen Rechtsanwalt platzt der Kragen. Weil er im Job nur ausgenutzt wird und auch zuhause mit der Familie keinen Frieden findet, schmiedet er einen diabolischen Plan. Mit unvorhersehbaren Folgen.

 
 
 


 
 
 

SCHERZO DIABOLICO – Kritik

 
 
 
Die Sprache des Horrors ist in jedem Land gleich und kennt somit keine Grenzen. So auch in Mexiko, das sich seit einigen Jahren überraschend konstant darin übt, beunruhigende Geschichten in Kinos und Wohnzimmer in aller Welt zu bringen. Dass das Land von Tequila und Tortillas nicht nur Horror-Eintagsfliegen hervorbringt, hat man mit Filmen wie Guillermo Del Toros Debüt CRONOS, THE DEVIL’S BACKBONE oder WIR SIND WAS WIR SIND bewiesen. Letzterer überrumpelte selbst Hollywood, so dass ein amerikanisches Remake her musste, das aber in den heimischen Kinos nicht den erhofften Erfolg brachte. Wen wundert’s? Zuletzt hat Mexiko dank des Regisseurs ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO Horror-Aufsehen erregt. Der Mexikaner landete mit HERE COMES THE DEVIL gleich mal einen Indie-Horror-Hit, der bei anspruchsvollen Festivalbesuchern bleibenden Eindruck hinterließ. Ob das auch mit der bitterbösen Parabel SCHERZO DIABOLICO wiederholt werden kann, für die ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO ebenso verantwortlich zeichnet?
 
 
Scherzo-Diabolico-bild-1
 
 
Eigentlich ist Rechtsanwalt Aram ein Arbeitnehmer aus dem Bilderbuch. Stets pünktlich am Arbeitsplatz, schuftend wie kein anderer. Vom Chef erhält er keine Anerkennung. Noch nicht mal für Überstunden, die er fast tagtäglich abreißt. Auch zu Hause herrscht nicht gerade eitel Sonnenschein. Arams Ehefrau ist von der Feigheit ihres Gatten alles andere als erfreut und bestraft den Liebsten mit Sexentzug – weil der nicht den Mut besitzt, eine Entlohnung für die Mehrarbeit einzufordern. Doch damit soll nun Schluss sein. Aram schmiedet einen hinterlistigen Plan. Er beschattet die Tochter des Kanzleiboss Granovsky und entführt das ahnungslose Mädchen in der Hoffnung, dass der Vorgesetzte die Arbeit vernachlässigt und entlassen wird. Tatsächlich trägt das fiese Vorhaben Früchte. Granovsky ist psychisch am Ende und muss die Firma verlassen. Seinen Platz nimmt Aram ein, der nun hofft, dass sich das Schicksal zum Besseren wenden wird. Leider kommt natürlich alles anders. Wie im Horrorbereich üblich, haben die Opfer das letzte Wort. Die lassen Arams Demütigungen nicht auf sich sitzen und dürsten nach Rache – am liebsten blutig und kompromisslos.
 
 
Scherzo-Diabolico-bild-3
 
 
Einmal Horror immer Horror. Ein schnell improvisiertes Sprichwort, dass sich aber immer wieder bewahrheitet. Nach HERE COMES THE DEVIL, THE ABCS OF DEATH und LATE PHASES bleibt der Mexikaner ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO dem Genre treu und unterhält nach gefräßigen Werwölfen, unartigen Kindern und perversen Serienkillern zur Abwechslung mit Rachegelüsten der makabren Sorte. Wie bereits der Titel SCHERZO DIABOLICO vermuten lässt, geht es im gleichnamigen Film selbst reichlich zynisch und schwarzhumorig zu. Im Verlauf der Handlung werden die Rollen neu verteilt und unerwartete Wendungen nehmen ihren Lauf. So brennen dem Filmhelden später die Sicherungen durch. Der anfangs rechtschaffene und sympathische aber bereits desorientierte Hauptcharakter wird zum Handlanger des Bösen. Um eigene Interessen durchsetzen zu können und endlich mal auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen, handelt er gegen das Gesetz. Leider ist und bleibt Protagonist Aram der geborene Pechvogel. Mit seinem Vorhaben setzt er eine Kettenreaktion in Gang, die nur zu Chaos führen kann. Ihm ereilt eine bitterböse Strafe, weil er gewissenlos gehandelt hat. Eine gewisse Ironie lässt sich nicht von der Hand weisen – das gibt SCHERZO DIABOLICO in der letzten halben Stunde auch dem Zuschauer unverblümt zu verstehen.
 
 
Scherzo-Diabolico-bild-2
 
 
Trotz ambitionierter Machart und bitterböser Geschichte über selbstsüchtiges Streben nach Macht und Erfolg, ist SCHERZO DIABOLICO ein zweischneidiges Schwert. Nach den erwähnten Arbeiten von Regisseur ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO, die auf vielen Filmfesten (darunter auch dem FANTASY FILMFEST) Lob einheimsen konnten, entpuppt sich SCHERZO DIABOLICO als kleine Enttäuschung. Grund: es dauert zu lange, bis es für Horrorfans endlich interessant wird. Zudem ist diese mexikanische Thriller-Produktion nur auf ein möglichst reißerisches Finale aus, in dem viel flüssiges Rot auf Boden und Wände klatscht. Im Gegensatz zu dem, was der Regisseur bisher auf die Leinwand gebracht hat, fehlen SCHERZO DIABOLICO schlichtweg Einzigartigkeit und Raffinesse. Gewalt allein macht eben keinen Horrorfilm herausragend. So geht es im Finale drunter und drüber. Im dort zelebrierten Racheakt wird Exploitation pur gezeigt – quasi so, wie man sie in den deutschen Bahnhofskinos der 1970er und 80er zu sehen bekam. Köpfe werden zermatscht aber auch Waffen und Baseballschläger kommen zum Einsatz. Im Vergleich zur eher zurückhaltend und bedacht inszenierten ersten Filmhälfte ist das Gezeigte äußerst grenzwertig und nicht für jedermann geeignet. Horrorfans wird’s nicht stören. Immerhin: Weil’s übertrieben blutig wird, fällt gar nicht auf, dass Gründe und Auslöser für die im Film dargestellte Selbstjustiz dünn, fadenscheinig und unglaubhaft sind. Psychologen dürften da wohl das kalte Grausen bekommen. Egal – im Horrorfilm ist eben alles möglich und ist es auch noch so dämlich.
 
 
Scherzo-Diabolico-bild-4
 
 
 


 
 
 

SCHERZO DIABOLICO – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Auch in Mexiko wird blutig gerächt: Bitterböses Rachefilmchen mit äußerst brutalem Finale, das Liebhabern reißerischer Exploitation-Schocker feuchte Höschen bescheren wird. Splatterfans kommen in SCHERZO DIABOLICO definitiv auf ihre Kosten. Hier wird ein schmuddeliger Mexiko-Look mit deftigen Gewalteskapaden vermengt, welche von klassischen Klavierstücken begleitet werden. Letztere bieten Symbolcharakter und sind Auslöser für eine Tat, die eher zartbesaitete Zuschauer verstört in den Kinosessel pressen wird. Leider tut sich der mexikanische Rachethriller schwer mit dem Erzählen seiner Geschichte. Die braucht lange, bis sie an Fahrt gewinnt und lässt Horrorfans ungeduldig auf das warten, was sich Regisseur ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO für sein Finale hat einfallen lassen. Eine Spirale der Gewalt wird in Gang gesetzt, die schwarzhumorig und grotesk zeigt, was rücksichtloses Gieren nach Macht bewirken kann. Das ist zwar reichlich unglaubwürdig, wird aber den meisten Zuschauern egal sein – schließlich spritzt Blut. Kann man gucken, muss man aber nicht.
 
 
 


 
 
 

SCHERZO DIABOLICO – Zensur

 
 
 
Überraschend blutig geht es in SCHERZO DIABOLICO zu. Das hätte man gar nicht erwartet, weil der Film eher zurückhaltend und behäbig beginnt. Im letzten Akt geht es drunter und drüber. Ein gekidnapptes Opfer dreht vollkommen durch und töte alles, was in die Quere kommt. Da werden Köpfe zermatscht und die Kamera hält drauf. Da die FSK immer große Probleme mit Selbstjustiz in Filmen besitzt, gab es anfangs bedenken. Dennoch hat der Film in der ungeschnittenen Version eine Erwachsenenfreigabe erhalten: keine Jugendfreigabe.
 
 


 
 
 

SCHERZO DIABOLICO – Deutsche Blu-ray

 
 
 
scherzo-diabolico-bluray

(c) Donau Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Scherzo Diabolico; Mexiko | USA 2015

Genre: Horror, Thriller, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Keepcase mit Wechselcover

Extras: Musikvideo

Release-Termin: 30.09.2016

 

Scherzo Diabolico – Blutig und böse [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

SCHERZO DIABOLICO – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken & Packshot liegen bei DONAU FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bound to Vengeance (2015)
 
I Spit on Your Grave 3 (2015)
 
Evangeline – Rache ist stärker als der Tod (2013)
 
Big Driver (2014)
 
Daddy’s Little Girl (2012)
 


Filmkritik: „Green Room“ (2015)

green-room-kinoplakat
 
 
 

GREEN ROOM – ONE WAY IN. NO WAY OUT

Story

 
 
 

Auf der Tournee der Ain’t Rights ist Chaos vorprogrammiert. Die Band, die aus jungen Punkrockern und Rebellen besteht, zieht eine Schneise aus Alkoholmissbrauch und schlechtem Verhalten durch die ländlichen USA. Als obskure Punk-Band ohne Social-Media-Auftritt sind sie stolz darauf, abseits des Radars zu leben und zu musizieren. Nach der jüngsten verkaterten Nacht finden sie sich allerdings etwas zu weit neben dem verhassten Mainstream wieder. Ein Kontakt hat ihnen einen lukrativen Auftritt organisiert, der allerdings auch seine Schattenseiten mit sich bringt. Dass die Location mitten im verlassenen Nirgendwo einer Waldlichtung liegt, ist noch das kleinste Problem. Die Spannung steigt merklich, als die rotzigen Punker vor einer Meute Skinheads spielen müssen, die von der Message der Ain’t Rights offenbar nicht begeistert sind. Gerade noch so kommt die Band mit dem Schrecken davon, doch dann werden die Mitglieder unfreiwillig Zeuge einer unfassbaren Tat hinter der Bühne. Kein gutes Omen für die Musiker, die nun um ihr Leben bangen müssen. Eingeschlossen in den ranzigen Mauern des Hinterwald-Nazi-Clubs beginnt ein blutiges Duell ums Überleben: Punks gegen Skinheads.

 
 
 


 
 
 

GREEN ROOM – Kritik

 
 
 
Schon mit seinem Zweitwerk „Blue Ruin“ etablierte der amerikanische Indie-Regisseur Jeremy Saulnier seine Visitenkarte. Der Film um einen ängstlichen Mann und dessen Wunsch nach blutiger Rache lief auf dem Filmfestival in Cannes und avancierte in Filmkreisen schnell zum Geheimtipp – vor allem unter Freunden rabiater Thriller. Mit dem Stichwort „rabiat“ lässt sich Saulniers Stil und vor allem seine Art und Weise, filmische Gewalt zu inszenieren, gut umschreiben. In seinen Filmen verfängt er sich nicht im Gemetzel, häuft keine riesigen Bodycounts an und vergießt auch keine grotesken Mengen an Kunstblut. Seine Form von Gewalt ist eine, die nicht bei den Augen aufhört, sondern direkt an die Nieren geht. Die filmischen Gewaltspitzen erzielen mit ihrer nüchternen, distanzierten Inszenierung nicht selten den Effekt, dass man als Zuschauer solidarisch mitleidet – und das nicht gerade wenig.
 
 
green-room-2015-bild-1(1)
 
 
Natürlich ist das subtile Gewaltkonzept auch in Saulniers neuen Film „Green Room“ präsent, wobei diesmal von allem etwas mehr geboten wird, denn wer erfolgreich polarisierende Horrorfilme drehen möchte, muss sich auch in Sachen Filmgewalt weiterentwickeln. War es in “Blue Ruin” noch eine intimen Geschichte über einen Mann und seine Rachegelüste, die es verstand zu beunruhigen, ist es in “Green Room” gleich ein ausgewachsener Kleinkrieg zwischen Links und Rechts, der an die Substanz geht. Auf der einen Seite die Vertreter des ansässigen Hakenkreuz-Fanclubs, auf der anderen Seite eine chaotische Gruppe junger Musiker, deren Sounds sich aus linken Parolen und viel Geschrei zusammensetzen. Dadurch, dass Saulnier mit seinen beiden Parteien in Extreme abschweift, entwischt ihm das feine Gespür für Charaktere, das noch in „Blue Ruin“ Programm gewesen war. Weder die Nazis noch die Steinewerfer sind wirklich sympathisch, ein tatsächliches Drama ergibt sich in „Green Room“ keineswegs. Abgesehen von den Auftritten der Schauspieler Macon Blair (der Protagonist aus „Blue Ruin“) und Patrick Stewart (der übrigens mit voller Kraft gegen seinen Typ spielt), bleiben die Figuren weitgehend blass und das schauspielerische Talent ungenutzt. Vor allem die Darsteller Imogen Poots und Anton Yelchin gehören zu den größeren Talenten ihrer Altersklasse. Leider können sie ihre schauspielerischen Fähigkeiten im Film kaum unter Beweis stellen.
 
 
green-room-2015-bild-2(1)
 
 
Was bleibt ist ein gemeiner, stylischer aber doch irgendwie generischer Thriller. Wenn man von der effektiven und expliziten Inszenierung der Gewalt im Film absieht, ist Saulniers dritter Spielfilm dennoch kaum mehr als ein gewöhnlicher Slasher-Film, in dem die Figuren in schöner Regelmäßigkeit ins Jenseits befördert werden. Nichts davon macht den Streifen jedoch schlecht. Ganz im Gegenteil – Fans der härteren Gangart werden gut unterhalten, denn mit beunruhigenden Bildern zieht der Film trotz Oberflächlichkeiten schnell in den Bann. „Green Room“ ist ein weiterer Erfolg für Jeremy Saulnier, der seinen Status als stilsicherer und mutiger Indie-Regisseur zementiert. Er liefert dem hungrigen Horrorpublikum einen spannenden und kurzweiligen Thriller, der zwar hinter den Erwartungen zurückbleibt, aber trotzdem eine Menge Spaß bereitet. Packende und harte Unterhaltung ist garantiert.
 
 
green-room-2015-bild-3(1)
 
 
 


 
 
 

GREEN ROOM – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Im Horrorthriller „Green Room“ verlegt „Blue Ruin“-Regisseur Jeremy Saulnier sein Talent in ein abgelegenes Nazi-Clubhaus, füllt das mit Skinheads sowie Punks und strickt daraus ein Pulverfass. Auf der Drehbuch-Ebene lässt der Film zwar zu wünschen übrig. Auf seiner Plus-Seite glänzt der Streifen durch grobe Inszenierung von Gewalt – was mit Sicherheit Fans härterer Filmproduktionen zusagen dürfte. Zudem bleibt der Film wegen charismatischer Auftritte von Macon Blair und Patrick Stewart im Gedächtnis. „Green Room“ ist ein durchgestylter, schmutziger, schneller und rücksichtsloser Thriller, für den man ohne Bedenken eine Empfehlung aussprechen kann.
 
 
 


 
 
 

GREEN ROOM – Zensur

 
 
 
Der Film lief bereits im Frühsommer 2016 über UNIVERSUM FILM ungeschnitten in den deutschen Kinos. Da der Film mitunter recht hart ans Eingemachte geht, hat „Green Room“ in ungeschnittener Form eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten. Allerdings werden die brutalen Exzesse zu keiner Zeit so grotesk oder übertrieben zelebriert, dass sie eine Indizierung oder Freigabeverweigerung der später erscheinenden Heimkinoveröffentlichung rechtfertigen. Diese ist ebenfalls ungeschnitten und besitzt den roten FSK-Flatschen: keine Jugendfreigabe!
 
 
 


 
 
 

GREEN ROOM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
green-room-bluray

(c) UNIVERSUM FILM

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Green Room; USA 2015

Genre: Horror, Thriller, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailershow, Featurettes

Release-Termin: 07.10.2016

 

Green Room [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

GREEN ROOM – Trailer

 
 

 
 
 

Timo Löhndorf

Mehr Kritiken von Timo gibt es auf dasnapalmduo.de zu lesen

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Universum Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blue Ruin (2013)
 
Don’t Breathe (2016)
 
The Invitation (2015)
 


Filmkritik: „Last Girl Standing“ (2015)

last-girl-standing-2015-poster
 
 
 

LAST GIRL STANDING

Story

 
 
 

Eine junge Frau (Akasha Villalobos) erlebt nach einem Massaker an ihren Freunden die Hölle auf Erden. Als einzige Überlebende sieht sie sich fünf Jahre später mit gleichem Killer konfrontiert, der ihr einst alles genommen hat, was ihr lieb und heilig gewesen ist.

 
 
 


 
 
 

LAST GIRL STANDING – Kritik

 
 
 
Was passiert eigentlich mit Überlebenden von Horrorfilmen nach dem Abspann? Eine interessante Frage, mit der sich bisher noch kein Horrorfilm ernsthaft auseinandersetzen wollte. Zeit, dass sich jetzt Regisseur BENJAMNIN R. MOODY damit beschäftigt. Der hat bisher nur Kurzfilme und Folgen für TV-Serien gedreht und feiert mit LAST GIRL STANDING sozusagen sein Spielfilmdebüt, das von seiner Frau RACHEL MOODY gleich mitproduziert wurde. Entstanden ist ein ungewöhnliches Filmexperiment, das sich bei genauer Betrachtung als interessanter Mix aus Slasher und Drama entpuppt, weil er Regeln moderner Meuchelfilme geschickt auf den Kopf stellt und den Mut wagt, etwas Neues zu erzählen. So geht es gleich mit Trommel- und Paukenschlägen los. Regisseur BENJAMNIN R. MOODY geht es clever an und beginnt dort wo eigentlich Slasherfilme gewöhnlich enden. So sieht sich Filmheldin Camryn (Akasha Villalobos) gleich zu Beginn mit einem maskierten Killer konfrontiert, der bereits dutzende Menschen auf dem Gewissen hat und nun hinter der letzten Überlebenden her ist. Die weiß sich jedoch zu wehren und bringt den Serienmörder zu Strecke ohne zu ahnen, dass der eigentliche Horror erst nach ihrem Triumph über das Böse beginnen wird.
 
 
Last-Girl-Standing-2015-bild-1
 
 
Fünf Jahre nach den Ereignissen wird Camryn von den schrecklichen Erlebnissen des Massakers eingeholt. Sie arbeitet nun in einer Wäscherei und ist schwer gezeichnet. Trotzdem erhält sie Rückhalt von Arbeitskollegen und Vorgesetzten, die Verständnis für das psychische Ungleichgewicht der jungen Frau haben. Leider beginnt für die Heldin der Albtraum von Neuen, denn plötzlich ist das Böse wieder da. Der maskierte Killer heftet sich ein weiteres Mal an die Fersen der Überlebenden und scheint ein makabres Spiel mit seinem traumatisierten Opfer spielen zu wollen. Das beginnt allmählich den Verstand zu verlieren und sieht die Freunde in Gefahr. Doch, ist der Mörder wirklich zurück oder spielt die Psyche der Traumatisierten nur Streiche?
 
 
Last-Girl-Standing-2015-bild-2
 
 
Man sollte sich nicht vom amateurhaft zusammengeschnippelten Trailer im Anhang abschrecken lassen, denn LAST GIRL STANDING schaut – trotz Low-Budget-Status – besser aus, als man nach der Sichtung des Werbefilmchen vermuten würde. Das sind gute Voraussetzungen. Doch lohnt der etwas andere Slasher überhaupt gesehen zu werden? Wir meinen nur bedingt, denn trotz gutem Ansatz, hat LAST GIRL STANDING mit dem unausgegorenen Drehbuch und einem fehlenden Spannungsbogen zu kämpfen. Der Zuschauer begleitet eine von Qualen und Albträumen zerfressene Frau durch den Alltag, die ihr Leben offensichtlich nicht mehr auf die Reihe bekommt, weil Erlebtes prägt und nicht mehr loslassen kann. So sieht sich die Hauptprotagonistin von einem Killer verfolgt, den sie eigentlich vor Jahren in die ewigen Jagdgründe befördert hat. Um die Handlung voranzutreiben, beginnt Regisseur BENJAMNIN R. MOODY den Zuschauer taktisch zu verwirren. Der wird auf falsche Fährten gelockt und kann – wie die Filmheldin – bald nicht mehr differenzieren, ob der Killer im Film real ist oder nur der Gedankenkraft einer traumatisierten Frau entspringt. Leider wird das Verwirrspiel erschwert, weil die von AKASHA VILLALOBOS verkörperte Filmfigur keineswegs zugänglich ist. Das ist für einen Slasher unverzeihlich, weil das soganannte Final Girl gleichzeitig Identifikationsfigur für den Zuschauer sein soll. In LAST GIRL STANDING wirkt die Hauptdarstellerin nicht sonderlich sympathisch und ist nahezu im gesamten Film damit beschäftigt, wie ein verschrecktes Reh hektisch durch die Kulisse zu hetzen, weil sie meint vom ultimativ Bösen verfolgt zu werden. Das nervt spätestens nach der dritten Wievderholung, denn die künstlich heraufbeschworene Hektik soll den sonst eher behäbig erzählten Film von seiner Lethargie befreien.
 
 
Last-Girl-Standing-2015-bild-3
 
 
Immerhin gibt’s für die Gewaltfraktion was zu sehen. Nach dem zeigefreudigen Einstieg und einem deftigen Massaker, endet der Film quasi so wie er begonnen hat. Nach langer Warterei wird der Zuschauer kurz vor der Zielgeraden mit einem unvorbereiteten Twist konfrontiert, der zu Recht das Prädikat „Makaber“ tragen darf. Leider passt das reißerische und übertrieben blutige Finale nicht zum Rest des eher ernst erzählten Films, der seine Heldin immer weiter in den psychischen Abstieg treibt und es kurz vor dem Abspann nicht gut mit ihr meint. So gibt es in den letzten 15 Minuten harte Spezialeffekte zu sehen damit übertriebenes Töten zelebriert werden kann. Der ernste Tenor des Streifens wird dadurch zerstört, weil ausuferndes Blutgesudel eher unfreiwillig komisch wirkt. Zudem verliert das anfänglich aufgegriffene Thema von Traumverarbeitung und ihre Folgen an Bedeutung und wird stattdessen ins Absurdum getrieben. LAST GIRL STANDING wird die Geister scheiden, denn trotz der guten Idee dahinter harmoniert die Kombination aus Horror und Drama in diesem Fall nicht sonderlich gut. Etwas mehr Liebe im Detail und Feinschliff am Drehbuch hätte nicht geschadet.

 
 
 


 
 
 

LAST GIRL STANDING – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Mutiger Indie-Horrorfilm, der das Slasher-Genre versucht neu zu erfinden – aber irgendwie an der Unentschlossenheit scheitert, was er denn nun eigentlich sein möchte. So konfrontiert der Streifen den Zuschauer mit der Frage, was mit Überlebenden in Horrorfilmen nach dem Abspann passiert. Wo in den meisten Slasher-Streifen ein Happy End über die Mattscheibe flimmert, meint es LAST GIRL STANDING nicht sonderlich gut mit seiner Hauptfigur. Die hat nach dem Endkampf mit dem Bösen nichts zu lachen und leidet unter einem Trauma, das den Alltag der Überlebenden zur Hölle macht. LAST GIRL STANDING hat gute Ansätze, denn die etwas andere Betrachtungs- und Herangehensweise bringt neuen Wind in das mittlerweile nicht mehr ganz so frische Slasher-Genre. Dennoch ist das, was in LAST GIRL STANDING gezeigt wird nicht das Gelbe vom Ei. Der Film scheint sich nicht so recht entscheiden zu können, in welche Schublade er gesteckt werden möchte. So pendelt der Streifen unentschlossen zwischen erschütterndem Drama und deftigem Splatter-Horror, lässt die Hauptprotagonistin am seelischen Ungleichgewicht zerbrechen und gleichzeitig durch die blutige Slasher-Hölle gehen. Irgendwie passt das nicht zusammen. Weitaus problematischer sind die unvorbereiteten Gewalteskapaden. Während es der Film in der ersten Stunde versucht psychologisch durchdacht anzugehen, regnet es kurz vor der Zielgeraden Blut und Innereien. Weil’s zu viel des Guten ist, wirkt’s unfreiwillig komisch, denn der überzogene Gewaltrausch raubt dem Film die zuvor langsam aufgebaute (psychologische) Ernsthaftigkeit. Verflickst und zugenäht!
 
 
 


 
 
 

LAST GIRL STANDING – Zensur

 
 
 
Ja, im Prolog und im Finale geht es ziemlich rabiat zur Sache. Dabei werden allerhand Gegenstände durch menschliche Körper gejagt und gemordet, als gäbe es keinen Morgen mehr. Hierbei macht LAST GIRL STANDING dem Slasher alle Ehre. Auch wenn viele blutige Details gezeigt werden, darf man von einer ungeschnittenen Freigabe in Deutschland ausgehen – für Erwachsene versteht sich.
 
 
 


 
 
 

LAST GIRL STANDING – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Jinga Films und wurde vonn der Filmwebseite entnommen)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Final Girl (2014)

The Final Girls (2015)

Antisocial Behavior (2014)

The Babadook (2014)


Filmkritik: „The Lesson“ (2015)

the-lesson-2015
 
 
 

THE LESSON

Story

 
 
 

Ein Lehrer sieht rot: Mr. Gale wird von seinen Schülern im Unterricht so lange schikaniert, bis ihm die Sicherungen durchbrennen. Mit Folterspielchen will er zwei besonders unbelehrbare Exemplare zurück auf den Pfad der Tugend bringen.

 
 
 


 
 
 

THE LESSON – Kritik

 
 
 
Wenn alle Stricken reißen, mach was mit Folter, schließlich kommt brutale Menschenquälerei beim Horrorpublikum immer gut an. Ähnliches dürfte sich wohl auch Regisseurin RUTH PLATT gedacht haben, die sich mit dem Spielfilm THE LESSON in einem Subgenre behaupten muss, das in erster Linie von männlichen Kollegen dominiert wird. Die Regie-Newcomerin war in der Filmbranche bisher stets als Schauspielerin (in DER PIANIST und diversen TV-Serien) unterwegs, wollte aber wohl auch mal etwas anderes ausprobieren und nahm so auf dem Regiestuhl Platz. Entstanden ist kontroverser Torture-Horror mit gesellschaftskritischen Ansätzen, der sich nicht ausschließlich auf brutales und zeigefreudiges Misshandeln hilfloser Menschen konzentriert. RUTH PLATT beweist Mut zum Analysieren, denn neben Foltern und Quälen versucht die Autorin und Filmemacherin die Wurzeln der Gewalt zu erforschen – wenngleich nicht sonderlich tiefgründig.
 
 
The-Lesson-bild-1
 
 
Wenn Schüler nicht mehr bloß Mitschüler mobben. Im ersten eigenen Spielfilm der Regisseurin wird ein brisantes Thema unter die Lupe genommen, mit dem sich wohl immer häufiger auch Lehrer in Brennpunkt-Gegenden konfrontiert sehen. Dort ist es nicht selten, dass auch Dozenten, Lehrer und Pädagogen ins Visier respektloser Schüler geraten, die die Autorität der Schutzbeauftragten mit Füßen treten. So auch geschehen zu Jugendzeiten der Filmemacherin. Die berichtete in einem Interview, dass sie sich für das Filmdebüt von Erlebnissen aus der eigenen Schulzeit inspirieren lies. RUTH PLATT erinnerte sich an einen Vorfall bei dem ein Lehrer von Schülern in einem Schrank eingeschlossen wurde und in Tränen ausbrach. Schon damals stellte sie sich die Frage, was Schüler zu solch Verhalten getrieben haben könnte. Weiterhin beunruhigte ein Zeitungsartikel. Darin lass der Regie-Neuling von einem Lehrer, der zuvor nie straffällig gewesen war und einem Schüler unerwartet schwere Kopfverletzungen zugefügt hatte. Das rief Interesse für Ursachenforschung hervor. Demzufolge setzte sich Platt an einen Tisch und begann an einem Drehbuch zu schreiben, in dem sie mögliche Indikatoren und Auswirkungen für solche Taten genauer unter die Lupe nehmen wollte.
 
 
The-Lesson-bild-3
 
 
In THE LESSON erteilt ein Lehrer (ROBERT HANDS) zwei Schülern mit problematischem Elternhaus die Lektion ihres Lebens. Die nehmen die Schule nicht sonderlich ernst, treiben in der Freizeit nur Unfug und schikanieren im Unterricht mit unbändiger Unverfrorenheit Lehrer Mr. Gale. Der hat irgendwann die Nase voll. Er entführt die beiden Teenager, verschleppt sie in den Keller seines Hauses und erteilt ihnen dort schmerzhaften Privatunterricht. Die müssen sich ihrem Schicksal beugen und zur Abwechslung genau zuhören, was der Lehrer zu sagen hat. Das ist auch zwingend notwendig, denn Ungehorsamkeit wird in THE LESSON mit Nagelpistole und Bohrmaschine bestraft. Werden die Burschen die etwas andere Schulstunde heil überstehen und fürs Leben lernen?
 
 
The-Lesson-bild-2
 
 
Von unterprivilegierten Familien Großbritanniens, Schwächen im britischen Bildungssystem und Problemen des Erwachsenwerdens. THE LESSON greift gesellschafskritische Debatten auf und bietet viel Zündstoff – reist kontroverse Problematiken jedoch nur oberflächlich an und untersucht nichts detaillierter. Während fiesen Bestrafungs- und Foltermomenten vergisst Regisseurin RUTH PLATT verdächtig schnell, dass sie eigentlich analysieren wollte. So verpufft die Intension der Filmemacherin zügig. Dabei war sie anfangs doch so ambitioniert darum bestrebt, die Entstehung aggressiven Verhaltens von Lehrern wie Schülern zu studieren. Immerhin kommt sie zur Erkenntnis, dass Boshaftigkeit nicht angeboren ist. So wachsen die Teenager im Film in familiär verkorksten Verhältnissen auf und sind erschreckend oft auf sich allein gestellt, so dass sie sich letztendlich selbst erziehen müssen – ohne Regeln, Normen und Werte. Ein Teufelskreis, denn der Film stellt klar, dass fehlgeleitetes und aggressives Verhalten nur Reflektion einer fehlerbehafteten und inkonsequenten Erziehung ist, das früher oder später für Chaos sorgt, weil es jene ansteckt, die in gutbehüteten Familien aufgewachsen sind. Leider werden die guten Ansätze im Film zu Gunsten zeigefreudiger Folterei rasch abgehandelt. Demzufolge ist THE LESSON dann doch mehr Horror statt ernstzunehmendes Gesellschaftsdrama mit dem man sich im Anschluss auseinandersetzen möchte. Ob Gezeigtes mindest der Gewaltfraktion zusagen dürfte, bleibt fraglich. Zwar gibt es einige schmerzhafte Bestrafungen zu sehen; reichen dürfte das aber den meisten Gorebauern weniger, denn in THE LESSON wird eindeutig zu viel gequasselt. So entpuppt sich das Debüt als unausgegorener Schnellschuss, der sich nicht so recht entscheiden kann, in welche Genre-Schublade er gesteckt werden möchte. Immerhin: Technisch ist trotz ungeschliffenem Indie-Look zumindest schon mal Potenzial vorhanden und auch die Schauspieler waren gut gewählt. Trotzdem ist THE LESSON weit entfernt von jenem Ausnahmefilm, der bei der Regisseurin großen Eindruck hinterlassen hat: FUNNY GAMES.
 
 
The-Lesson-bild-3
 
 
 


 
 
 

THE LESSON – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Kontrovers, ungemütlich und brisant. Regie-Neuling RUTH PLATT versucht im ersten Spielfilm die Ursachen dafür zu ergründen, was Schüler dazu treibt Lehrer zu schikanieren und wie es dazu kommen kann, dass Lehrer plötzlich rot sehen. Einige Interpretationsansätze sind ganz interessant; dennoch stiert THE LESSON zu angestrengt Richtung Torture-Genre und zeigt schmerzhafte Quälerei von Minderjährigen. Im Geschrei der Opfer verliert die anfänglich aufgegriffene Gesellschaftskritik ihre Wichtigkeit. Das macht THE LESSON austauschbar, denn aus der Idee über Ursachenforschung von Mobbing und Gewalt wird schnell 08/15-Folterblödsinn für die, die so etwas mögen. Anfänglich Drama mit Hintergrund, später Gewalt-Horror ohne Sinn. Passt vorn und hinten nicht zusammen.
 
 
 


 
 
 

THE LESSON – Zensur

 
 
 
Wie es sich für Folterfilme gehört, gibt es auch in THE LESSON diverse Gemeinheiten zu sehen. Die Opfer müssen jede Menge Quälerei über sich ergehen lassen. So werden Nägel in Hände geschlagen. Mit einer Nagelpistole werden zudem Nägel in Körper und Hälse geschossen. Selbstverständlich kommen auch andere Werkzeuge zum Einsatz. Zwar halten sich die Gewaltakte in Grenzen; weil im Film aber Heranwachsende von Schutzbefohlenen gequält werden, hat die FSK dem Film eine Erwachsenenfreigabe spendiert. Ungeschnitten, keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

THE LESSON – Deutsche Blu-ray

 
 
 
the-lesson-bluray

(c) MFA Film Distribution (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Lesson; Großbritannien 2015

Genre: Horror, Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: ohne Bonusmaterial

Release-Termin: 03.03.2017

 

The Lesson [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE LESSON – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei MFA Film Distribution)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Big Bad Wolves (2013)
 
The Tortured – Das Gesetz der Vergeltung (2010)
 
Hard Candy (2005)
 


Filmkritik: „Southbound“ (2015)

Southbound-2015-poster
 
 
 

SOUTHBOUND – HIGHWAY TO HELL

Story

 
 
 

Auf dem Highway ist die Hölle los. Das bekommt auch eine Gruppe Durchreisender am eigenen Leib zu spüren, als sie auf einem Highway-Abschnitt durch die Mojave-Wüste schreckliche Dinge erleben.

 
 
 


 
 
 

SOUTHBOUND – Kritik

 
 
 
Man nehme makabre Kurzgeschichten, lasse sie von bekannten Genre-Regisseuren verfilmen und knüpfe sie mit einer plausiblen Rahmenhandlung zusammen, auf dass alles Hand und Fuß bekommt. Fertig ist gruseliger Anthologien-Spaß, wie er seit ein paar Jahren wieder schwer im Kommen ist. Einer der Gründe, warum sich Episoden-Horror aktuell wieder großer Beliebtheit erfreut, ist der überraschende Erfolg der V/H/S-Trilogie (Besprechungen zu Teil 2 und 3), die praktisch die Rückkehr gruseliger Kurzgeschichtensammlungen eingeläutet hat, um einer neuen Generation von Horrorfans beweisen zu können, dass auch knapp erzähltes Grauen ein flaues Gefühl in der Magengegend bescheren kann. Umso erfreulicher, dass sich die Macher genannter Anthologien-Serie ein weiteres Mal zusammengetan haben. Offensichtlich hatte man noch so manche Idee im Kopf, die man dem Zuschauer nicht vorenthalten wollte. So reihte man für SOUTHBOUND erneut deftig gewürzte Horror-Episoden aneinander, welche aber diesmal ohne das Found-Footage-Stilmittel auskommen mussten – Gott sein Dank!
 
 
southbound-bild-1
 
 
Mit dabei sind DAVID BRUCKNER und die vier kreativen Köpfe von RADIO SILENCE. Die hatten bereits jeweils ein Segment in V/H/S verfilmt und wollen noch einmal mit gleicher Rezeptur ähnliche Erfolge feiern. Neu auf dem Regiestuhl ist ROXANNE BENJAMIN. Die trat zuvor als Produzentin der Trilogie in Erscheinung und feiert mit einem selbst inszenierten Segment in SOUTHBOUND ihr Regiedebüt. Löblicherweise hat man sich bei dem neuen Horrorprojekt für herkömmlichen Filmlook entschieden und die wackelige Handkamera-Optik weggelassen. Deren exzessiver Einsatz hatte vielen V/H/S-Fans auf den Magen geschlagen, weil konfuse Kameraführung für Kopfschmerzen und Schwindel sorgten. Die wurde aus dem Film verbannt, was aber nicht heißen soll, dass SOUTHBOUND nun weniger Unruhe verursacht. Ganz im Gegenteil. Auch wenn vom Schüttelstil Abstand gehalten wurde, setzt auch das neue Werk der V/H/S-Macher einen gesunden Magen voraus. Das hat auch einen Grund, denn im Film geht es zur Freude der Gorehounds keineswegs zimperlich zu – Halleluja.
 
 
southbound-bild-2
 
 
SOUTHBOUND erzählt von der unheilvolle Reise diverser Reisender, die auf einen Highway-Abschnitt in der Mojave-Wüste mit seltsamen Vorkommnissen konfrontiert werden. So müssen zwei blutverschmierte Männer gegen fliegende Skelette kämpfen, die den Flüchtenden ans Leder wollen. Als wäre das nicht bereits sonderbar genug, verirrt sich eine Mädchenband nach einer Autopanne in das Haus ominöser Herrschaften, die – trotz spießiger Attitüde – nichts Gutes im Schilde führen. Weiter geht es mit einem tragischen Autounfall, dessen Verursacher von Mitarbeitern der Notrufzentrale am Telefon aufgefordert wird, das Leben des Unfallopfers durch eine wichtige Operation zu retten. In der Halbzeit legt sich ein bewaffneter Mann mit einer Gruppe Einheimischer an, der in einem staubigen Wüstenkaff nach der eigenen Schwester sucht. Den krönenden Abschluss bildet Home-Invasion-Horror der etwas anderen Sorte. Hier überfallen maskierte Einbrecher eine nichtsahnende Familie ohne zu wissen, dass sie mit der schrecklichen Tat das Tor zu Hölle öffnen.
 
 
southbound-bild-3
 
 
SOUTHBOUND ist ein makabrer Mix aus THE TWILIGHT ZONE und OUTER LIMITS, der genau das besitzt, was man von einem Horrorfilm neueren Datums erwartet. So gibt es neben schwarzem Humor und abgefahrenen Ideen selbstverständlich auch jede Menge Blut, handgemachte Effekte und viel unappetitliches Zeug zu sehen, das genau den Nerv des Horrorfilmfans treffen dürfte. Abwechslungsreichtum wird in diesem Episodenfilm groß geschrieben. Die Macher vermischen unterschiedliche Subgenres und vereinen Mystery-Schauer, Okkult-Horror, Home-Invasion-Thriller und Elemente des Road Movies zu schwer unterhaltsamer Horror-Unterhaltung, die kaum Längen hat. Die Segmente sind kurz und knackig, konzentrieren sich aufs Wesentliche und beeindrucken mit teils überraschendem Ausgang. Hin und wieder bleibt einem sogar das Lachen im Halse stecken, weil Gezeigtes dann doch mehr verstört als zu fesseln. So sei an dieser Stelle die Episode THE ACCIDENT genannt, in der ein übel zugerichtetes Unfallopfer nach einer grausigen Operation von seinen Leiden befreit wird. Der Goregehalt dieses Segments ist hoch, der Blutzoll deftig. Ungeübte Zuschauer halten sich am besten die Augen zu.
 
 
southbound-bild-4
 
 
Trotz unterschiedlicher Inszenierungsstile und des Gebrauchs verschiedener Subgenres wirken die einzelnen Segmente aus einem Guss. Das rührt vor allem daher, weil die Geschichten nahtlos ineinander übergehen und miteinander verknüpft sind. Alle Hauptfiguren der jeweiligen Episoden verbindet ein Schicksal. So stehen Themen wie „Schuld“ und „Vergeltung“ im Mittelpunkt der Segmente, die dem Zuschauer kurzweiliges Grauen bescheren werden. Letztendlich ist SOUTHBOUND gerade wegen der außergewöhnlichen atmosphärischen Wüstenkulisse ein Highlight unter der mittlerweile stattlichen Anzahl mehr oder weniger gelungener Horror-Anthologien. Demzufolge sprechen wir auch eine Empfehlung aus. Wer es kurz, knackig und blutig will, sollte diesen vom Teufel heimgesuchten Highway einen Besuch abstatten. Absolut sehenswert!
 
 
 


 
 
 

SOUTHBOUND – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Rabenschwarz, abwechslungsreich und ganz schön blutig. Mit makabrem Horror kriegt man den Zuschauer. Nach V/H/S nun SOUTHBOUND, der vom gleichen Team gemacht wurde und dann doch irgendwie in der Summe mehr überzeugt, als die stark verwackelten Videokassetten-Anthologien. Der Grund liegt in der anderen Machart und den kruden Spezialeffekten, die da ziemlich unverfroren auf der Mattscheibe zelebriert werden. Die Episoden sind abwechslungsreich, rasant und packend inszeniert. Zudem laufen die Segmente nahtlos ineinander und machen erst am Ende Sinn, wenn man dem Zuschauer die Auflösung präsentiert. Wer eine Vorliebe für fiese Scherze hat, ist mit SOUTHBOUND gut beraten. Wie in den vielen Folgen der beliebten GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Reihe mündet jede Story in einem fiesen Finale. Umso trauriger, dass der spannende wie zynische SOUTHBOUND bereits nach 90 Minuten zu Ende ist. Aber kein Grund zur Panik. Man darf davon ausgehen, dass eine teuflische Fortsetzung folgen wird. Mit noch mehr Blut und Innereien könnte es DIE Kurzgeschichtensammlung werden, an der sich alle künftigen Filme dieser Art messen lassen müssen.
 
 


 
 
 

SOUTHBOUND – Zensur

 
 
 
Kein Film für Zartbesaitete. Gerade in der dritten Episode wird es sehr unangenehm. Dort wird ein Körper aufgeschnitten und daran eine makabre Operation vorgenommen. Weiterhin gibt es aufgeschlitzte Münder, zerfetzte Köpfe, abgeschossene Hände und diverse Stichwunden zu sehen. Hierzulande hat der Film ungeschnitten eine Erwachsenenfreigabe erhalten: Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

SOUTHBOUND – Deutsche Blu-ray

 
 
 
southbound-bluray

(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray)

southbound-mediabook

(c) Tiberius Film (limitiertes Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Southbound; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow, Audiokommentar | zusätzlich im Mediabook: 24-seitiges Booklet

Release-Termin: 13.10.2016 (BD KeepCase | Mediabook)

 

Southbound [Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Southbound [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

SOUTHBOUND – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
V/H/S 2 (2013)
 
V/H/S 3 – Viral (2014)
 
The ABC’s of Death (2012)
 
Still 2 (2014)
 
Tom Holland’s Twisted Tales (2013)
 
P.O.E. Project of Evil (2012)
 
The Penny Dreadful Picture Show (2013)
 
5 Senses of Fear (2013)
 
Phobia 2 (2009)
 
Sanitarium (2013)
 
Scary or Die (2012)


Filmkritik: „Baskin“ (2015)

Baskin-2015
 
 
 

BASKIN

Story

 
 
 
Fünf Polizisten in der türkischen Provinz freuen sich auf eine ruhige Nachtschicht, doch der Hilferuf einiger Kollegen verheißt nichts Gutes. Etwas später stehen die Fünf vor der verlassenen Ruine eines ehemaligen Polizeireviers. Auf der Suche nach ihren Kollegen begeben sie sich immer tiefer in das Kellergewölbe eines schaurigen Gebäudes. Raum für Raum entdecken sie grausame und blutige Rituale. Schon bald ist klar, dass sich die Polizisten in der buchstäblichen Hölle verlaufen haben. Ein Karussell aus grotesker, widerwärtiger Szenerie setzt sich in Bewegung und ein unerbittlicher Überlebenskampf der fünf Gesetzeshüter beginnt.

 
 
 


 
 
 

BASKIN – Kritik

 
 
 
In diesen Tagen stammen die großen Filme des Horrorgenres vor allem aus den USA, England, Spanien oder dem asiatischen Raum. Insofern ist BASKIN vom türkischen Regisseur Can Evrenol ein echter Exot. Das Filmland Türkei hat sich in der Vergangenheit quasi nur selten auf der internationalen Horror-Bühne gezeigt. Macher Evrenol korrigiert diesen Missstand und rückt direkt einen der grausamsten Spielorte seit Menschengedenken in den Mittelpunkt seines Schauerwerks: die Hölle. Doch es handelt sich bei BASKIN nicht ausschließlich um einen visuell beachtlichen, brutalen Ritt durchs Inferno.
 
 
baskin-2015-bild-1
 
 
Zunächst nimmt sich der Film (übrigens ein Regiedebüt) genügend Zeit, um seine Charaktere vorzustellen. Der Haufen aus fünf Polizisten ist eine heterogene und authentische Gruppe aus Männern, die je nach Einstellung des Zuschauers mehr oder weniger sympathisch wirkt. Anders als in populären Horrorfilmen neueren Datums handelt es sich hier nicht um dumme Teenager, knapp bekleidete Frauen oder stereotype Charaktere, die durch ein Blutbad geschickt werden. Diese Reife schlägt sich auch im Ton des Films nieder. BASKIN verzichtet auf unnötigen Humor, Seitenhiebe oder metaphysische Kommentare über das Genre. Er ist von der ersten bis zur letzten Sekunde ein abgrundtief ernster und böser Film, der keine Gefangenen nimmt.
 
 
baskin-2015-bild-2
 
 
Ein weiteres, sehr positives Herausstellungsmerkmal ist die Machart des Films, die weit über dem Standard westlicher Horror-Produktionen liegt. Mit einem sicheren Blick für Farben, Licht und ansprechende Bildgestaltung zeigt BASKIN direkt zu Beginn die Kompetenz, die hinter der Kamera Platz genommen hat. Die Ankunft der fünf Protagonisten im verlassenen Höllenhaus stellt einen Gangwechsel des Films dar, von hier an begibt sich der Film in eine stete Abwärtsspirale aus Wahnsinn, Blut und Gewalt. So bleibt eine spannende Sequenz in Erinnerung, in der die Polizisten vorsichtig in den Keller besagtem Hauses vordringen. Erfahrene Zuschauer dürften sich hierbei sofort an den spanischen Zombie-Hit [REC] zurückerinnert fühlen, in dem sich ein Kamerateam durch ähnliches Szenario bewegte und zusammen mit einer Spezialeinheit ein Hochhaus untersuchte, in dem ein tödlicher Virus die Runde machte. Was folgt ist ein bizarres Ritual, an dem die übrig gebliebenen Gesetzeshüter teilnehmen müssen. Hier hat man vollständig auf digitale Effekte verzichtet und dank liebevoller Handarbeit eine schleimige, dreckige und fast greifbare Atmosphäre geschaffen, die im Genre Ihresgleichen suchen dürfte. So lässt die exzellente Arbeit von Masken- und Szenenbildnern BASKIN zu einer der besten beklemmenden Höllenvision werden, die man in jüngerer Vergangenheit im Horrorkino zu sehen bekommen hat.
 
 
baskin-2015-bild-3
 
 
Leider hat auch BASKIN mit einigen Problemchen zu kämpfen. Zu den wenigen Wermutstropfen des Films gehört ein Subplot, in dem einer der Protagonisten näher vorgestellt wird. Es ist offensichtlich, dass dieser Charakter und seine Umstände der Schlüssel für die Geschehnisse des Streifens ist. Leider bleiben die exakten Hintergründe etwas schwammig und nur schwer nachvollziehbar – bedauerlich!
 
 
 


 
 
 

BASKIN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
BASKIN ist handgemachter Horror der besten Sorte. Er ist ein blutiges, schmutziges und widerwärtiges Horrorstück aus einem Land, das man in erster Linie nicht mit Horrorfilmen in Verbindung bringen würde. Der türkische Genrebeitrag beeindruckt mit starker Inszenierung und kompetenter Machart, die vielen westlichen Filmemachern klarmacht, worauf es beim Drehen von Horrorfilmen eigentlich ankommt. Ohne nennenswerte Schwächen befindet sich BASKIN auf dem besten Wege zum zukünftigen Kultklassiker, schließlich gelingt es Regisseur Can Evrenol mit Leichtigkeit das Publikum mit unbequemer Atmosphäre zu schockieren. Empfehlenswert.
 
 
 


 
 
 

BASKIN – Zensur

 
 
 
Seine inoffiziele Deutschland-Premiere feierte der Film im Rahmen des 1. SHIVERS-Festivals in Konstanz und wurde dort vom Publikum positiv aufgenommen. Gewalttechnisch gibt es Einiges zu sehen. In der zweiten Hälfte geht es ordentlich zur Sache und Regisseur Can Evrenol spart nicht mit starken Gewaltspitzen, die sich sogar mit sexuellen Aspekten vermischen. Da es sich nicht um eine Horrorkomödie, sondern um einen waschechten Horrorthriller handelt, hat die fragwürdige Vermischung von Sex und Gewalt von der FSK eine Erwachsenenfreigabe erhalten. „Baskin“ ist in Deutschland mit rotem KJ-Flatschen in den Handel gekommen.
 
 
 


 
 
 

BASKIN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
baskin-bluray

(c) Capelight Pictures (normale Blu-ray im Keepcase)

baskin-mediabook

(c) Capelight Pictures (Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Baskin; Türkei | USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Türkisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 97 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover und Schuber | Mediabook

Extras: Making of, Der Kurzfilm „Baskin“ (2013), Trailer | zusätzlich im Mediabook: 24-seitiges Booklet

Release-Termin: 29.04.2016

 

Baskin (Blu-Ray im KeepCase) auf AMAZON bestellen

Baskin (Limitiertes Mediabook) auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

BASKIN – Trailer

 
 

 
 
 

Timo Löhndorf

Mehr Kritiken von Timo gibt es auf dasnapalmduo.de zu lesen

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Capelight Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bone Tomahawk (2015)
 
Hellbound: Hellraiser 2 (1988)


Filmkritik: „I Spit on Your Grave 3“ (2015)

i-spit-on-your-gave-3-vengeance-is-mine-2015
 
 
 

I SPIT ON YOUR GRAVE: VENGEANCE IS MINE

(I SPIT ON YOU GRAVE 3)

Story

 
 
 
Jennifer Hills (SARAH BUTLER) – das Vergewaltigungsopfer aus dem I SPIT ON YOUR GRAVE-Remake – rächt sich an den Peinigern vergewaltigter Frauen einer Selbsthilfegruppe.
 
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOU GRAVE 3 – Kritik

 
 
 
Wer öfter Kritiken auf FILMCHECKER liest, dürfte vermutlich mitbekommen haben, dass wir keine Freunde brutaler Gewaltfilme sind, in denen aus reiner Sensations- und Geldgeilheit Menschen gequält, gedemütigt und gerichtet werden. So hatten in der Vergangenheit vor allem Rape-and-Revenge-Streifen das Nachsehen, die wegen ihrer sadistischen Zurschaustellung frauenverachtender Quälerei keine lobenden Worte erhalten haben. Einer, dem besonderes Augenmerk geschenkt wurde, war I SPIT ON YOUR GRAVE 2. Hier wurde die Messlatte in punkto Sadismus besonders nach oben geschoben, was den Streifen vor allem bei jenen interessant machen konnte, die die Qualität eines Horrorfilms allein vom Gewaltpegel abhängig machen. Für Macher STEVEN R. MONROE ein ganz großer Coup. Dem gelang mit der kontroversen Neuauflage eines in Deutschland immer noch beschlagnahmten Racheklassikers und deren ultrabrutaler Fortsetzung der Sprung in die Liga der gefragtesten Horror-Regisseure. Trotz zweifelhaftem Ruhm gelang ihm immerhin das Kunststück, die schmuddeligen Revenge-Streifen von einst wieder ins Kino zu bringen. So war das Subgenre des groben Rachefilms in den siebziger und achtziger Jahren eine sichere Bank in Hollywood und bediente gnadenlos das niedere Auge-um-Auge-Bedürfnis des kleinbürgerlichen Zusehers. Meir Zarchis I SPIT ON YOUR GRAVE war seinerzeits nur die B-Movie-Überspitzung zahlreicher konservativen Reißer, die vor allem CHARLES BRONSON und Kollegen über Nacht zu gefragten Schauspielern machten.
 
 
i-spit-on-your-gave-3-vengeance-is-mine-bild2
 
 
Dass aufgrund des finanziellen Erfolgs der neuen I SPIT-Streifen ein weiterer Ableger gedreht werden musste, war logische Konsequenz. Der ist nun unter dem Titel I SPIT ON YOUR GRAVE: VENGEANCE IS MINE erschienen und wirbt reißerisch im Namen mit vielversprechender „Rache“. Die zweite Fortsetzung knüpft direkt an die Geschehnisse des Remakes aus dem Jahr 2010 an und rückt Hauptdarstellerin Jennifer Hills (SARAH BUTLER aus TERROR Z) erneut in den Fokus. Die nennt sich jetzt Angela und versucht nach einer grausamen Vergewaltigung zu ihrem alten Leben zurückzufinden. Hilfe verspricht sie sich in einer Selbsthilfegruppe für Vergewaltigungsopfer, in der sie die schrecklichen Erlebnisse besser verarbeiten lernen will. Doch die zermürbte Protagonistin wird von ihrer Vergangenheit eingeholt. Als sie in der Gruppe die selbstbewusste Marla (JENNIFER LANDON) kennenlernt, scheint das Leben endlich wieder einen Sinn zu ergeben. Die Frauen schließen Freundschaft und verbringen viel Zeit miteinander, in der die taffe Marla Unterricht im schlagfertigen Umgang mit allzu aufdringlichen Männern erteilt. Doch die Ereignisse nehmen eine unerwartete Wendung. Die rebellische neue Freundin wird tot aufgefunden. Zurück bleibt eine desorientierte Angela, der der Boden erneut unter den Füßen weggezogen wird. Die versucht den Täter zur Verantwortung zu ziehen, scheitert aber an einem maroden Justizsystem. Umso einleuchtender die Entscheidung das Gesetz ein weiteres Mal selbst in die Hand zu nehmen. Weil die Polizei kein ernsthaftes Interesse besitzt, gemeldeten Vergewaltigungen nachzugehen, übernimmt Angela kurzum deren Arbeit in Eigenregie. Im Namen aller missbrauchten Frauen mutiert sie zur Super-Rächerin, um Vergeltung für all jene einzufordern, die ebenso vergewaltigt und von der Justiz im Stich gelassen wurden.
 
 
i-spit-on-your-gave-3-vengeance-is-mine-bild1
 
 
Das Thema Vergewaltigung ist brisant. Immer mehr Frauen gehen an die Öffentlichkeit, um zu berichten, was aus Angst oder Scham lang geheim gehalten wurde. So brachen amerikanische Studentinnen 2014 ihr Schweigen und entfachten damit eine Debatte über sexuelle Übergriffe an Universitäten. Die wurde zusätzlich durch einen Report des Pentagons verschärft, in dem von acht Prozent mehr gemeldeten Vergewaltigungen unter Militäranghörigen berichtet wurde. Trotz heißer Diskussionen und schärferer Gesetze werden die meisten Täter nie vor Gericht gebracht. Der Anteil verurteilter Sexualstraftäter ist im Verhältnis zu den Anzeigen der Opfer gesunken, was vor allem daraus resultiert, weil nicht immer an einer ernsthaften Verfolgung und Aufklärung der Taten gearbeitet wird. Immer noch scheinen sexuelle Übergriffe auf Frauen verharmlost, nicht ernst genommen zu werden, was dazu führt, dass Sexualverbrechen nicht genauer untersucht oder Akten mangels Beweise ganz geschlossen werden. Für die Opfer ein Albtraum, die mit den tragischen Erlebnissen allein fertig werden müssen. Der Staat unterstützt nur die wenigsten bei der Trauma-Verarbeitung. Ein Grund mehr, warum vielen nur der Weg zum Psychologen oder die Flucht in Selbsthilfegruppen bleibt, um sich dort die Last irgendwie von der Seele reden zu können.
 
 
i-spit-on-your-gave-3-vengeance-is-mine-bild3
 
 
I SPIT ON YOUR GRAVE 3 beteiligt sich an der kontroversen Debatte und greift genau jene Hilflosigkeit vieler Frauen auf, die sich von Justiz und Behörden im Stich gelassen fühlen. Filmheldin Angela sitzt in ähnlicher Zwickmühle und nimmt das Gesetz selbst in die Hand, weil ihr die Tatenlosigkeit des Rechtssystems ein Dorn im Auge ist. Was folgt, ist für die Gewaltfraktion interessant. Die fehlgeleitete Protagonistin bestraft all jene mit dem Tod, die Frauen quälen oder missbrauchen und dafür nicht verurteilt werden. Interessanterweise schlägt I SPIT ON YOUR GRAVE 3 einen Richtungswechsel ein. Statt möglichst viel perverses Material auf Film zu bannen und sich ausschließlich auf das exploitative Zelebrieren von Gewaltmomenten zu beschränken, hat dieser Ableger auch etwas zu erzählen. Die Weiterentwicklung war bitter nötig, stieß bereits I SPIT ON YOUR GRAVE 2 an seine Grenzen. Er hatte eigentlich die gleiche Geschichte zu erzählen, wie der Vorgängerfilm. Somit dürften sich vor allem jene vor den Kopf gestoßen fühlen, die sich vom neusten Ableger ein ähnlich gestricktes Gewaltepos versprochen haben, in dem ausschließlich gefoltert, gedemütigt und vergewaltigt wird.
 
 
i-spit-on-your-gave-3-vengeance-is-mine-bild4
 
 
Der frische Wind ist dem Newcomer R.D. BROWNSTEIN zu verdanken, der für I SPIT ON YOUR GRAVE: VENGEANCE IS MINE verantwortlich zeichnet. Der macht aus schonungslosem Rape-and-Revenge gesellschaftskritische Thriller-Ware, die deutlich gehaltvoller ist, als man es von einem Film dieses Subgenres erwartet hätte. Statt dummer Gewalt dominiert im Film das Drama um Angela, die mit inneren Dämonen ringen muss und am Ende den Kampf gegen den Hass verliert. Was folgt ist das Resultat eines mangelhaft funktionierenden Justizsystems. Die verwirrte Filmheldin verwandelt sich zur Killermaschine, die im Racherausch nicht mehr zwischen guten und bösen Jungs unterscheiden kann. Doch damit nicht genug. BROWNSTEIN treibt seine Figur weiter in den Abgrund, bis die letztendlich selbst zur boshaften Kreatur mutiert, die weder Skrupel noch Moral kennt. Letztendlich vermittelt I SPIT ON YOUR GRAVE 3 eine wichtige Botschaft. So hebt BROWNSTEIN am Ende den Zeigefinger und mahnt vor unermüdlichen Streben nach Rache und Vergeltung, schließlich bringt grenzenloser Hass niemals gewünschte Genugtuung, sondern immer nur weiteres Chaos.
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOU GRAVE 3 – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
WENIGER I SPIT ON YOUR GRAVE – dafür mehr DEATH WISH und DIE FRAU MIT DER 45ER MAGNUM. I SPIT ON YOUR GRAVE: VENGEANCE IS MINE ist der beste Teil der gesamten Filmreihe, insofern man die Qualität von Horrorfilmen nicht unbedingt am Härtegrad festmacht. Zuschauer, die die Vorgänger gerade wegen der Gewalt in den Himmel gelobt haben, werden vom neuesten Ableger reichlich enttäuscht werden. Bis auf zwei kurze (aber heftige) Gewaltmomente hält sich Teil drei zurück mit der Zuschaustellung reißerischer Exploitation-Momente. Stattdessen wurde diesmal ein Drehbuch mit richtigen Dialogen verfilmt, das sogar gesellschaftskritische aber auch moralische Ansätze besitzt. So setzt sich der Streifen mit dem Thema Rache auseinander, klärt aber auf, dass Genugtuung nie zu Gerechtigkeit führt, welche man sich von Vergeltung erhofft. Das Gegenteil ist der Fall, denn die Filmheldin wird durch rastloses Rächen nur noch weiter in den Abgrund gerissen. Hier erinnert der Film an Abel Ferraras in Exploitationfan-Kreisen geschätzten, unterkühlt-brutalen DIE FRAU MIT DER 45ER MAGNUM. Newcomer R.D. BROWNSTEIN macht mit dem Richtungswechsel alles richtig und hat mit I SPIT ON YOUR GRAVE 3 einen Film gedreht, dem es zur Abwechslung gelingt wirklich zu polarisieren. Der Streifen ist mehr Drama als Horror und regt mit brisanter Thematik zum Nachdenken an. Das ist bisher noch keinem Streifen der Reihe gelungen. Somit wird der Film vermutlich all jene ansprechen, die bisher so rein gar nichts mit der Filmserie anfangen konnten. Auch wenn sich der aktuelle Ableger deutlich von seinen Vorgängern abhebt, kann man nur hoffen, dass man die Grab-Serie damit ruhen lässt. Jeder weiterer Rache-Quatsch wäre überflüssig und unnötig.
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOU GRAVE 3 – Zensur

 
 
 
Auch wenn I SPIT ON YOUR GRAVE: VENGEANCE IS MINE in Sachen Gewalt nicht die Härte der Vorgängerfilme erreicht, gibt es 2-3 kurze Szenen, die es in sich haben. So wird ein männliches Geschlechtsteil bearbeitet und die Analpenetration mit einem Rohr geht durch Mark und Bein. Auch wenn Gewalteinsätze überschaubar sind, hat I SPIT ON YOUR GRAVE: VENGEANCE IS MINE hierzulande ebenso Probleme mit der FSK bekommen. Der Film ist in Deutschland geschnitten erschienen. Das ist kein Wunder, weil die Prüfbehörde so ihre Probleme mit Selbstjustiz in Filmen besitzt. Natürlich gibt es für Horrorfans eine Alternative. Rechteinhaber ILLUSIONS UNLTD. hat I SPIT ON YOUR GRAVE 3 – wie bereits die Teile zuvor – ungeschnitten im deutschsprachigen Ausland veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOU GRAVE 3 – Österreichische Blu-ray

 
 
 
i-spit-on-your-grave-3-bluray-uncut

(c) ILLUSIONS UNLTD. (KeepCase im Schuber – ungeschnittene Fassung)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

 

Originaltitel: I Spit on Your Grave III: Vengeance Is Mine; USA 2015

Genre: Horror, Drama, Thriller

Ton:Deutsch DTS HD 5.1, Englisch DTS HD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 91 Min. (ungeschnittene Fassung)

FSK: AT-Import – ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: AT-Import – KeepCase im Schuber (nur Erstauflage)

Extras: „Back to the Cabin“ – Interview mit Sarah Butler zu Teil 1 (2010), Sarah Butler Interview (2015), Trailer

Release-Termin: ungeschnittener AT-Import: 28.01.2016

 

I Spit on your Grave 3: Vengeance is mine – Unrated [Blu-ray / DVD] ungeschnitten auf BEYOND MEDIA bestellen

 

I Spit on your Grave 3: Vengeance is mine – Unrated [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
Der auf ungeschnittene Horrorware spezialisierte Rechteinhaber ILLUSIONS UNLTD. aus Österreich sorgt für zufriedene Gesichter. Das ist auch kein Wunder, denn das Label veröffentlicht den dritten Teil ebenso wie die Vorgänger in ungeschnittener Filmfassung und deutscher Sprache. Damit die Optik im Sammlerregal einheitlich bleibt, wurde auch die Blu-ray zu I SPIT ON YOU GRAVE 3 in einen stabilen Schuber gesteckt, der selbstverständlich nur bei der Erstauflage mit an Bord ist. Sammler sollten sich demnach beeilen, denn lange wird es diese Auflage aufgrund der hohen Nachfrage dieser Filmreihe nicht geben. Bleibt noch zu erwähnen, dass Bild und Ton tadellos sind. Leider mangelt es der Veröffentlichung an Bonusmaterial. Bis auf einige Interviews sucht man nach Extras vergebens. Schade. Dennoch dürfte das Fans der Reihe nicht stören. Denen dürfte es weitaus wichtiger sein, den Film ungeschnitten ihr Eigen zu nennen.
 
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOU GRAVE 3 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
i-spit-on-your-grave-3-bluray-cut

(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray – geschnittene Fassung)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: I Spit on Your Grave III: Vengeance Is Mine; USA 2015

Genre: Horror, Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras: Sarah Butler Interview (2015), Trailer

Veröffentlichung: 07.03.2016

 
 
 

I Spit On Your Grave 3 – Mein ist die Rache [Blu-ray] auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOU GRAVE 3 – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Savaged (2013)

Bait (2014)

Bound to Vengeance (2015)

Evangeline (2013)

Girls against Boys (2012)

Big Driver (2014)

Autumn Blood – Zeit der Rache (2013)

I Spit on your Grave 2(2013)

Last House on the Left (2009)

I Spit on your Grave (2010)

Extremities (1986)

Straw Dogs (2011)

Eden Lake (2008)


Filmkritik: „Headless“ (2015)

headless-2015-poster
 
 
 

HEADLESS

Story

 
 
 
Ein Spin-Off des erfolgreichen Indie-Horrorfilms FOUND: Ein Serienkiller macht Jagd auf junge Frauen, um sie zu köpfen und ihre abgetrennte Schädel zu penetrieren.
 
 
 


 
 
 

HEADLESS – Kritik

 
 
 
Jeder alteingesessene Horrorfan weiß, dass Fortsetzungen spätestens dann folgen müssen, wenn Horrorfilme mehr einspielen, als sie in der Herstellung gekostet haben. Gleiches Schicksal ereilt nun auch den Überraschungshit FOUND, der nicht nur von Kritikern gelobt und auf Filmfestivals ausgezeichnet wurde. Reichlich Aufmerksamkeit erhielt der Streifen vor allem wegen seiner drastischen Zurschaustellung von Gewalt, die in einigen Ländern dafür sorgte, dass FOUND nur geschnitten oder erst gar nicht veröffentlicht wurde. HEADLESS heißt nun der Nachfolger, der gleichen Erfolg verbuchen soll und vermutlich weitaus mehr Zensurprobleme nach sich ziehen wird, als der von SCOTT SCHIRMER inszenierte Low-Budget-Indiefilm aus dem Jahr 2012. Letzterer überließ die Regie seinem Kollegen ARTHUR CULLIPHER, der für die diversen Gore-Effekte in FOUND verantwortlich zeichnete und in HEADLESS seinem Fach alle Ehre macht. Was hier mit einfachen Mitteln an Perversion auf Zelluloid gebracht wird, stellt die in FOUND zelebrierten Gewaltmomente deutlich in den Schatten. Treu dem Fortsetzungscredo „mehr Gewalt, mehr Blut, mehr Tote“ wird in HEADLESS ein Gorefest der Extraklasse verbraten, das dem eher unerfahrenen Teil des Publikums tüchtig auf den Magen schlagen dürfte.
 
 
headless-bild-1
 
 
HEADLESS ist keine Fortsetzung im herkömmlichen Sinne. Regisseur ARTHUR CULLIPHER hat hier jenen Streifen in Spielfilmlänge gedreht, den sich der kleine Marty mit seinem Klassenkameraden im Horrorfilm FOUND angesehen hat. Das Film-in-Film-Konzept ist nicht neu. Bereits das von den Regisseuren Robert Rodriguez und Quentin Tarantino umgesetzte GRINDHOUSE-Double-Feature bestehend aus DEATH PROOF und PLANET TERROR wurde um Werbeclips fiktiver Horrorfilme bereichert, die erst Jahre später zu abendfüllender Horrorware gemacht wurden nachdem sich ein regelrechter Hype um die erfundenen Filmtrailer entwickelt hatte. Innerhalb des immer noch beliebten Grindhouse-Stils macht es sich auch HEADLESS-Regisseur ARTHUR CULLIPHER bequem. Der hat nicht nur aus einem in Wirklichkeit nicht existenten VHS-Video ein Splatter-Erlebnis geschaffen; er gaukelt dem Zuschauer zudem vor einen Film aus dem Jahr 1978 zu sehen in dem Gewalt und Sex eine wesentliche Rolle spielen. Neben nackter Haut und genügend Splatter hat HEADLESS aber auch eine Geschichte zu erzählen. Die handelt von einem namenlosen Serienmörder, der es auf junge Frauen abgesehen hat. Mit Skelettmaske vermummt folgt er einem imaginären Alter-Ego, das ihn zu schrecklichen Taten anstiftet. So werden Frauen geköpft, ihre Augen verspeist und die abgetrennten Köpfe penetriert. Die Ursachen sind – wie meistens – in der Kindheit zu suchen. Unter dem harten Regime einer dominanten Mutter wurde der Killer als Kind in einen Käfig gesperrt und von Mutter aber auch Schwester schikaniert und gedemütigt. Jahre später wird er von einem unbändigern Hass auf Frauen getrieben, den auch bald die Mitarbeiterinnen einer Rollschuhbahn zu spüren bekommen. Die sehen sich bald im ungemütlichen Heim des Mörders wieder, der in seinem Wohnzimmerregal eine stattliche Sammlung enthaupteter Frauenschädel ausgestellt hat.
 
 
headless-bild-3
 
 
HEADLESS ist kein Film für kommerzverwöhnte Mainstream-Zuschauer, denn die Produktion befindet sich auf gehobenem Amateur-Niveau und hatte kaum Budget zur Verfügung. Das kam teils per Crowdfunding zusammen und ließ wenig Spielraum für Experimente zu. Vor allem bei den schauspielerischen Leistungen fällt das magere Kapital negativ ins Gewicht. Das laienhafte Schauspiel sorgt nicht selten für unfreiwillige Komik, denn die Akteure kreischen und winseln derart übertrieben und situationsfremd, dass es sogar zur Übersteuerung der Heimkinoboxen kommt. HEADLESS-Drehbuchautor NATHAN ERDEL erklärte in Interviews mit der Genre-Presse, dass er sich beim Schreiben von Filmen wie THE LAST HOUSE ON DEAD END STREET und THE HEADLESS EYES inspirieren lies – schmuddlige Werke, die in jenem Jahrzehnt entstanden, in dem auch HEADLESS spielen soll. So ist es demnach keine Wunder, dass der Film auch so ausschaut, als wäre er in jener Zeit entstanden, erinnert er in seiner schonungslosen Gewaltverliebtheit an ruppigen B-Horror der späten 1970er und den frühen 1980er. Dennoch, trotz aller Liebe zur Old School besitzt HEADLESS nur wenig Substanz. Der Film fokussiert sich all zu krampfhaft auf das Zeigen von Gewalt. Dabei war man offensichtlich bestrebt, die Gewaltschraube stetig fester zu ziehen, so dass der Film fast ausschließlich aus einer Aneinanderreihung drastischer Bilder besteht. Dass dem erfahrenen Zuschauer aufgrund mangelnder Abwechslung schnell die Augen schwer werden, ist da nur die logische Konsequenz. Schnell hat man sich an den immer gleichen Szenenabläufen sattgesehen.
 
 
headless-bild-2
 
 
Auch wenn sich Macher ARTHUR CULLIPHER hinsichtlich der Splatter-Einlagen richtig austoben konnte, enttäuscht HEADLESS im direkten Vergleich zum Vorgängerfilm FOUND auf ganzer Linie. Der dreckige Retro-Mix aus MANIAC und TEXAS CHAINSAM MASSACRE macht nur bedingt Spaß, denn der Streifen wirkt lieblos und erzwungen. Fast schon möchte man meinen, dass man nach dem Überraschungserfolg von FOUND schnell noch die besten Szenen des Indies wiederverwerten und daraus krampfhaft einen Film machen musste, um erneut die Kassen klingeln zu lassen. HEADLESS bietet gerade einmal Stoff für einen Kurzfilm. Warum man auf Heller und Pfennig was fürs Abendprogramm drehen musste, dürfte in der Profitgeilheit gewinnorientierter Produzenten zu suchen sein. So darf man davon ausgehen, dass auch in Zukunft mehr aus dem erfolgreichen FOUND-Universum kommen wird und das Franchise so lang mit Fortsetzungen und Prequels vorangetrieben wird, bis keiner mehr den Killer mit der blutigen Totenkopfmaske sehen möchte. Wer von FOUND begeistert war und demnach einen ähnlich guten Film erwartet, sei an dieser Stelle vorgewarnt, denn HEADLESS ist alles andere als herausragende Horrorunterhaltung. Ein enttäuschendes Spin-Off und wie der Titel es hätte besser nicht umschreiben können: kopflos!
 
 
headless-bild-4
 
 


 
 
 

HEADLESS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein dreckiger, tabuloser, schonungsloser und rabiat-blutiger Mix aus MANIAC und TEXAS CHAINSAW MASSACRE, der in Sachen Gewalt Fanherzen schneller schlagen lässt. HEADLESS erinnert in seiner Machart an reißerische Horrorstreifen, die Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre in den berüchtigten Grindhouse-Kinos liefen und vor allem durch das Zeigen drastischer Gewalt in Kombination mit schlechten Schauspielern und reichlich Sex zu beachtlicher Popularität kamen. Auf gleicher Welle schwimmt auch HEADLESS, der viele böse Szenen aneinanderreiht, damit pubertierende Jugendliche auf dem Schulhof was zu erzählen haben. Sieht man jedoch von den wirklich fragwürdigen Mordszenen ab, bleibt nicht mehr viel übrig, womit HEADLESS überzeugen kann. Die technische Standart ist bescheiden und das Schauspiel eine Katastrophe. Dafür sind die handgemachten Gore- und Splatter-Effekte für Indie-Verhältnisse durchaus sehenswert. Leider besitzt HEADLESS kaum Substanz, so dass man sich schnell an den bösen Momenten satt gesehen hat, die sich ständig wiederholen damit man Spielfilmlänge ereicht. Mehr als Stoff für einen Kurzfilm bietet die rudimentäre und wortkarge Handlung nämlich nicht, die zudem weder Identifikationsfiguren, noch einen Spannungsaufbau besitzt. Wer demzufolge nach dem Ausnahmefilmchen FOUND ähnlich Großes erwartet, sollte mit dem Schlimmsten rechnen. Kein Wunder, ist HEADLESS weit davon entfernt ein guter Horrorfilm zu sein und das obwohl er doch vielversprechend von den Machern als „lost slasher film from 1978“ beworben wird.
 
 


 
 
 

HEADLESS – Zensur

 
 
 
HEADLESS ist in Sachen Gewalt weitaus zeigefreudiger als der Vorgängerfilm FOUND – MEIN BRUDER IST EIN SERIENKILLER. Es werden Kehlen durchgeschnitten, Beine und Köpfe mit einer Machete abgeschlagen und Augäpfel aus Augenhöhlen gerissen, damit sie verspeist werden können. Weitaus derber sind die äußerst langen Penetrationsszenen in denen der Serienkiller die abgetrennten Schädel seiner Opfer penetriert. Die Effekte sind zwar simpel aber ziemlich hart anzusehen. Demnach wird die FSK mit HEADLESS keinen Spaß verstehen, so dass der Streifen in Deutschland keine Freigabe in ungeschnittener Form erhalten wird.
 
 


 
 
 

HEADLESS – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Found – Mein Bruder ist ein Serienkiller (2012)
 
Alexandre Aja´s Maniac (2012)
 
The Orphan Killer (2011)
 
Carl (2012)
 
Maniac (1980)
 


Filmkritik: „Rache – Bound to Vengeance“ (2015)

Bound-to-Venegance-2015
 
 
 

RACHE: BOUND TO VENGEANCE

Story

 
 
 
Die junge Eva kann sich aus den Fängen eines Menschenhändlers befreien und versucht alle jene Mädchen zu retten, die dieses Schicksal mit ihr teilen.
 
 
 


 
 
 

RACHE: BOUND TO VENGEANCE – Kritik

 
 
 
Auch Jahrzehnte nach den Anfängen schmuddeligen Exploitationkinos erfreut sich diese Spezies aus dem Reich der Filme enormer Beliebtheit. Nach der Genre-Blütezeit, irgendwann in den 1970ern und 80ern hat die exploitative Darstellung von Gewaltszenarien allerdings in der Gegenwart ein neues Level erreicht. Was noch vor 40 Jahren schockieren konnte, entlockt Filmfans jüngeren Semesters nur noch ein müdes Lächeln. Für eine neue Generation ambitionierter Regisseure Grund genug den Begriff Exploitation neu zu definieren und ihre Werke mit Grausamkeiten auszustatten, die sich mittlerweile kaum noch in Worte fassen lassen. Zu den besonders abscheulichen Varianten des Exploitationfilms gehört zweifelsohne das Rape-and-Revenge-Genre. Das erlebt seit Filmen wie dem Remake zu THE LAST HOUSE ON THE LEFT oder I’LL NEVER DIE ALONE ein kleines Comeback und macht mit jedem weiteren Vertreter gelangweilte Horror-Zuschauer munter. Auch der gebürtige Mexikaner JOSÉ MANUEL CRAVIOTO mischt mit seinem RACHE – BOUND TO VENGEANCE kräftig im Bereich der Frauen-Rachefilme mit. Zwar wird die Gewaltschraube etwas langsamer gedreht, was aber nicht heißen soll, dass dieser Film Abstand von reißerisch gefilmten Hinrichtungsmethoden hält. Ganz im Gegenteil, RACHE – BOUND TO VENGEANCE ist ebenso hart anzusehen – wenn auch auf eine andere Weise.
 
 
Bound-to-Venegance-2015-bild-1
 
 
Quälende sechs Monate wurde die 21-jährige Eva (TINA IVLEV) in einem Keller als Sexsklavin gehalten und missbraucht. Bis sich die verstörte Frau aus den Fängen ihres Entführers (RICHARD TYSON) befreien kann und entkommt. Auf ihrer Flucht entdeckt sie im Haus des Täters mysteriöse Aufzeichnungen und Fotos verzweifelter Frauen, die unwissendlich einem Menschenhändler in die Arme gelaufen sind. Mit vorgehaltener Waffe stellt sie ihren schwerverletzten Schänder zur Rede. Der geht mit seinem Opfer eine Abmachung ein und verspricht die geheimen Aufenthaltsorte aller festgehaltenen Frauen zu nennen, insofern er ärztliche Versorgung erhält. Eva willigt ein und begibt sich auf eine entsetzliche Reise voller Gefahren – nur mit einem Ziel vor Augen: die entführten Frauen zu retten.
 
 
Bound-to-Venegance-2015-bild-3
 
 
In der Masse an immer wieder gleichen Rape-and-Revenge-Streifen nimmt RACHE – BOUND TO VENGEANCE eine Sonderstellung ein. Der Film setzt da an, wo Exploitation-Heuler wie I SPIT ON YOUR GRAVE oder zuletzt SAVAGED mittels kontroverser Gewalteinlagen Hobbysadisten Freudentränen beschert haben. Statt brutale Vergewaltigungen zu zelebrieren, abartiges Frauenschänden zu zeigen oder sich detailliert mit schonungslosen Rachedarstellungen zu beschäftigen, findet Regisseur JOSÉ MANUEL CRAVIOTO andere Wege, menschliche Abgründe zu portraitieren. Was wäre, wenn es dem Opfer nach Monaten schrecklicher Qualen gelingen würde, die Kontrolle über seinen Peiniger zu erlangen? Filmheldin Eva dürstet nicht nach blutiger Vergeltung. Sie wird zur Retterin und nutzt die Hilflosigkeit ihres Schänders aus, sein Leben zu zerstören und das Anderer zu retten. Dass bei einem derart selbstlosen Vorhaben nicht alles nach Plan läuft, ist im Horrorfilm nichts Ungewöhnliches mehr. Macher JOSÉ MANUEL CRAVIOTO verteilt während der temporeichen Rettungsaktion die klassischen Rollen von Gut und Böse neu. So wird das Opfer zum Täter und der Täter am Ende selbst zum Opfer ohne das der für seine grausamen Taten mit dem Tod bestraft werden muss.
 
 
Bound-to-Venegance-2015-bild-2
 
 
RACHE – BOUND TO VENGEANCE ist einer der wenigen Rachefilme, in denen die Handlung weitestgehend unvorhersehbar bleibt. Cravioto spickt sein Horrorfilmdebüt mit vielen Wendungen, die selbst Protagonistin Eva im Rettungsrausch nicht kommen sieht. Gänzlich unfreiwillig wird sie selbst zur Killerin und treibt jene in den Tod, die sich eigentlich retten wollte. Mehr über die schweißtreibend inszenierte Handlung zu verraten wäre fatal, sticht RACHE – BOUND TO VENGEANCE gerade deswegen hervor, weil der Film doch etwas anders verläuft, als man es von Streifen dieses zweifelhaften Sub-Genres erwarten würde. Trotz Blick für finstere Bildsprache und dauerhaft unwohliger Atmosphäre beweist Cravioto ein deutlich ausgeprägtes Gespür für schwarzen Humor. In einem Film mit ohnehin schon diskussionswürdiger Thematik eine gewagte Haltung. Dennoch gelingt es JOSÉ MANUEL CRAVIOTO – vielleicht auch gerade deshalb – den Zuschauer da zu packen, wo es am meisten wehtut – ganz ohne lang ausgewalzte Todes- und Quälmethoden. Rache – BOUND TO VENGEANCE ist ein Film über den man mit Sicherheit noch lange sprechen wird. Zurecht!
 
 


 
 
 

RACHE: BOUND TO VENGEANCE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Hart, dreckig, schonungslos und makaber. Dieser Film bleibt zurecht im Gedächtnis und ist Pflichtprogramm für Horrorfans, die es nach packenden und originellen Schockern dürstet! Umso verwunderlicher, dass hinter diesem schroffen Stück Zelluloid mal wieder ein Neuling steckt, der in gerade einmal 20 Tagen einen Film abgedreht hat, über den man noch lange sprechen wird. RACHE – BOUND TO VENGEANCE erinnert in seiner bildgewaltigen Ungemütlichkeit an das französische Terrorkino, das vor gut zehn Jahren Aufsehen erregte und dessen bis dato letzter erfolgreicher Film MARTYRS hieß. Die Parallelen kommen nicht von ungefähr. In einem Interview erklärte Regisseur JOSÉ MANUEL CRAVIOTO, dass er sich ausgiebig von jener Reihe derber Horrorfilme aus Frankreich inspirieren ließ. Sein Ziel war es amerikanische Exploitationer der 70er mit dem grenzüberschreitenden französischen Terrorkino zu vereinen und daraus einen schockierenden Streifen zu machen, der dem Publikum im Gedächtnis bleibt. Gelungen ist ihm das definitiv. RACHE – BOUND TO VENGEANCE wirkt nach, denn das düstere Szenario des Films hält viele Überraschungen parat, die der Zuschauer so nicht wird kommen sehen. Trotz Rachefilm haben obligatorische Vergewaltigungen und perverse Rachepraktiken Sendepause. Vielmehr wird die Geschichte einer verstörten und unnahbaren Heldin in den Mittelpunkt gerückt, die lieber retten will statt nach Vergeltung zu fordern. Zimperlich geht die Rettungsaktion nicht vonstatten, denn Macher Cravioto hat Gefallen an schwarzem Humor und erfreut mit zynischem Blutzoll. Wer die tägliche Ration Nervenkitzel benötigt ist demnach hier genau richtig. Dieser Film fordert einiges vom Zuschauer ab und lässt ihm kaum Zeit zu verschnaufen. Wir meinen: So und wirklich nur so muss adrenalinförderndes Horrorkino aussehen.
 
 


 
 
 

RACHE: BOUND TO VENGEANCE – Zensur

 
 
 
RACHE – BOUND TO VENGEANCE ist garantiert nichts für zartbesaitete Zuschauer. Es gibt Kopfschüsse zu sehen, eine Protagonistin wird aufgespießt und die verstörende Atmosphäre hat dazu beitragen, dass der Film hierzulande keine Jugendfreigabe erhalten hat. Das ist etwas verwunderlich, da ähnlich gestrickte Filme in letzter Zeit ziemlich viele Probleme mit der FSK bekommen haben. Erfreulicherweise ist RACHE – BOUND TO VENGEANCE in Deutschland ungeschnitten erschienen. Wer es härter mag, kann daher bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

RACHE: BOUND TO VENGEANCE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
bound-to-vengeance-bluray

(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray)

bound-to-vengeance-mediabook-bild

(c) Tiberius Film (limitiertes Mediabook mit Blu-ray und DVD)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Some Kind of Hate; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 79 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Trailer | zusätzlich im Mediabook: 24-seitiges Booklet

Release-Termin: 01.09.2016 (BD KeepCase)

 

Rache – Bound to Vengeance (Uncut) [KeepCase Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

Rache – Bound to Vengeance [Limitiertes Mediabook mit Blu-ray und DVD] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

RACHE: BOUND TO VENGEANCE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshots liegen bei Tiberius Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Evangeline (2013)
 
Big Driver (2014)
 
Autumn Blood – Zeit der Rache (2013)
 
Hidden in the Woods (2012)
 
Girls against Boys (2012)
 
I Spit on your Grave 2 (2013)
 


Filmkritik: „Killer Ink“ (2015)

anarchy-parlor-2015
 
 
 

KILLER INK – DEIN ERSTES TATTOO WIRST DU NIE VERGESSEN

(ANARCHY PARLOR)

Story

 
 
 
Sechs amerikanische Rucksacktouristen (darunter Jordan James Smith aus ZOMBIE NIGHT und Anthony Del Negro aus DEAD SOULS sowie DEEP IN THE DARKNESS) reisen für Party, Sex und Alkohol nach Litauen und treffen dort auf einen geheimnisvollen Tattoo-Künstler, der sich im Keller seines Studios mit fragwürdigen Machenschaften etwas Geld dazuverdient.
 
 
 


 
 
 

KILLER INK – Kritik

 
 
 
Was ist die Erfolgsformel für Horrorfilme? Natürlich Sex, Gewalt und reichlich Blut. Zutaten, die in KILLER INK (im Original: ANARCHY PARLOR) sehr zeigefreudig zum Einsatz kommen und ein nervenstarkes Filmpublikum ansprechen sollen. Die Aufmerksamkeit jener soll geweckt werden, die bereits mit Roths HOSTEL ihren Spaß hatten. Der brutale Folterstreifen sorgte vor zehn Jahren für allerhand Furore und macht das Foltern im Kino massentauglich. Seither finden Hobbysadisten immer öfters Torture Porn in den Händlerregalen – wenn auch in Deutschland nicht immer ungeschnitten. KILLER INKmacht da weiter, wo sich HOSTEL im Jahr 2011 mit einem überflüssigen Video-Sequel von der Mattscheibe verabschiedet hat. Die beiden Regisseure DEVON DOWNS und KENNY GAGE haben sich nämlich sehr offensichtlich bei gleichem Gewaltkonzept bedient, mit dem es bereits ELI ROTH (CABIN FEVER und AFTERSHOCK) gelang ziemlich viele Dollar in die leeren Kinokassen zu schwemmen.
 
 
anarchy-parlor-bild-1
 
 
Abermals reisen einige amerikanische Studenten nach Osteuropa in die hinterste Walachei, um dort nicht etwa die litauische Kultur kennenzulernen, sondern ausgelassen zu feiern. Schnell rückt eine geheimnisvolle Fremde in den Mittelpunkt, die zwei der Freunde in ihr Tattoo-Studio lockt. Dort wartet „der Künstler“ (in seiner Gelassenheit sehr beängstigend: ROBERT LASARDO) auf die unvorsichtigen Touristen und bringt sie mit Hilfe von Drogen unter seine Kontrolle. Als man wieder zu sich kommt, passiert das Unvorstellbare. Den Protagonisten wird die Haut bei lebendigem Leibe abgezogen. Die soll als Leinwand verwendet werden, um darauf Portraits malen zu können – ein Luxus den sich Gutbetuchte des Landes gönnen. Was folgt, war bereits in HOSTEL Programm. Die übrigen Kumpels gehen dem Verschwinden ihrer Freunde auf dem Grund und geraten ebenso in die Fänge des geheimnisvollen Künstlers, welcher sich mit Häutungen ein lukratives Nebengeschäft aufgebaut hat und den Horrorfan mit unappetitlichen Szenen beglückt.
 
 
anarchy-parlor-bild-3
 
 
Die sind im Übrigen nicht ganz ohne, denn wie bereits im genannten Folter-Hit wird dem möglichst zeigefreudigen Quälen viel Zeit eingeräumt. So werden die wenigen Häutungsszenen in KILLER INK geradezu genüsslich zelebriert und unnötig lang hinausgezögert, um all die Filmfans zufriedenstellen zu können, denen es nicht blutig genug in Horrorfilmen zugehen kann. Immerhin befinden sich die gezeigten Grausamkeiten technisch auf sehr beachtlichem Niveau, denn was hier an abartigen Spezialeffekten geboten wird, setzt einen gesunden Magen voraus. Bei so viel Liebe zum groben Handwerk dürfte er vermutlich nicht verwundern, dass mehr Leidenschaft in die Ekeleffekte investiert wurde und die eigentliche Handlung zu kurz kommt. Regisseur KENNY GAGE hat sich mal wieder am Drehbuch ausprobiert. Auf seinem Mist wuchs bereits der Frauen-Prügler RAZE, mit dem deutschen Zensurbehörden zu Recht keinen Spaß verstanden. Wer den Streifen gesehen hat, dürfte sich ein Bild von jener Richtung machen können, die KILLER INK einschlägt. Das bedeutet stumpfe Gewalt, sinnfreie Handlung und schablonenhafte Figuren, die sich nicht sonderlich klug verhalten.
 
 
anarchy-parlor-bild-2
 
 
Die Logikbarrieren sind offensichtlich. Schenkt man einigen Festivalberichten Glauben, konnten sich Besucher ein lautes Lachen während der Sichtung nicht verkneifen, weil der Film sich damit brüstet auf wahren Begebenheiten zu beruhen, obwohl die Geschichte nur so vor Unglaubwürdigkeit strotzt. So handeln amerikanische Protagonisten aus Prinzip nicht klug und Osteuropäer werden mal wieder als ungebildete Schlächter deklariert, denen Gewalt und Gewissenlosigkeit des schnöden Mammons wegen keine Fremdwörter sind. Wer über engstirniges Schubladendenken hinwegsehen kann und eine Vorliebe für schroffe Tortur-Orgien besitzt, wird dennoch gut unterhalten werden, schließlich wird sich in KILLER INK nicht mit Nebensächlichkeiten aufgehalten. Recht früh wird der Fleischwolf angeworfen damit der Film im Blut ersäuft. Die meisten Horrorfans dürften damit wohl kein Problem haben.
 
 
anarchy-parlor-bild-4
 
 


 
 
 

KILLER INK – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
HOSTEL 2.0. – KILLER INK (OT: ANARCHY PARLOR) ist ein äußerst harter Vertreter skrupelloser Folterfilme, der einen gesunden Magen und Nerven wie Drahtseile voraussetzt. Was in diesem Film an perversen Schlachtmethoden gezeigt wird ist nicht leicht zu verdauen, denn einmal mehr verkommt der menschliche Körper zur lukrativen Hehlerware. Statt amerikanische Touristen zu foltern oder ihrer Organe zu berauben, hat man es diesmal auf deren Haut abgesehen. Diese wird ihnen recht schmerzhaft mit Hilfe von erschreckend realistisch in Szene gesetzten Spezialeffekten vom Körper gezogen damit darauf Bilder gemalt werden können. Trotz Echtheitshinweis zu Beginn des Streifens ist das was in KILLER INK gezeigt wird ziemlich haarsträubend. Die Handlung ist unglaubwürdig und die Figuren handeln mehr nach Regeln moderner Horrorfilme, statt nach gesundem Menschenverstand. Die beiden Regisseure DEVON DOWNS und KENNY GAGE fackeln nicht lang und klären zügig auf, was in ihrem gemeinsamen Horrorwerk Programm ist. Das ist die Zurschaustellung von Gewalt in ihrer Reinform – mehr nicht. Aufmerksame Zuschauer werden übrigens schnell erkennen, wer die Macher inspiriert haben dürfte. Kein geringerer als ELI ROTH stand Pate, der mit dem überbewerteten Folterkrimi HOSTEL den wohl bekanntesten Streifen seiner bisherigen Karriere zimmerte. Da wundert es wohl niemanden, dass KILLER INK verdächtig ähnlich nach gleichem Schema abgespult wird und es die Regisseure darauf abgesehen haben, Zuschauer mit harter Gewalt zu verstören. Immerhin stimmt der Gewaltpegel, mehr darf man von KILLER INK jedoch nicht erwarten.
 
 
 


 
 
 

KILLER INK – Zensur

 
 
 
Aufgrund der sehr drastischen Häutungsszenen hatte es KILLER INK hierzulande bei deutschen Zensurbehörden sehr schwer gehabt eine Freigabe zu erhalten. Zudem wird kurz vor Ende auch noch in die Köpfe diverser Teenager geschossen, so dass der Film in Deutschland nur in geschnitter Form veröffentlicht wurde.
 
 
 


 
 
 

KILLER INK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
killer-ink-bluray

(c) Tiberius Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Anarchy Parlor; Litauen 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | 24 Hz

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras: Trailer

Veröffentlichung: 04.08.2016

 
 
 

Killer Ink – Dein erstes Tattoo wirst Du nie vergessen [Blu-ray] auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

KILLER INK – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei TIBERIUS FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hostel (2005)
 
Hostel 2 (2007)
 
Caged (2010)
 
Territories (2010)
 
An American Terror (2014)
 
The Scarehouse (2014)
 
Blood Widow (2014)
 
Daddy’s Little Girl (2012)
 
Omnivoros – Das letzte Ma(h)l (2013)
 
Young, High and Dead (2013)
 
Slasher in the Woods (2013)