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Filmkritik: “Plague” (2014)

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PLAGUE

Story

 
 
 
Eine mysteriöse Infektion hat die Menschen in Zombies verwandelt. Zwei Überlebende müssen bald am eigenen Leibe erfahren, dass im postapokalyptischen Australien weitaus schlimmere Bedrohungen warten, als untote Menschenfresser.
 
 
 


 
 
 

PLAGUE – Kritik

 
 
 
Achtung, Achtung – die Zombies sind los! Mittlerweile ist das in der Horrorfilmwelt nichts Ungewöhnliches mehr, denn Zombiefilme zu drehen hat sich seit einigen Jahren mal wieder zum begehrten Sport unter Nachwuchsregisseuren gemausert. Ob günstig fabriziert, tiefgründig, blutig oder künstlerisch wertvoll; Zombies lassen sich auch knapp ein viertel Jahrhundert nach Romeros NIGHT OF THE LIVING DEAD gut vermarkten – egal wie einfältig sie von untalentierten Filmemachern auch in Szene gesetzt werden. Einen etwas anderen Zombiefilm bringen die beiden Australier NICK KOZAKIS und KOSTA OUZAS in die Heimkinos. Die lassen zwar auf dem Cover ihres ersten Spielfilmes mit fressgeilen Monstern werben; der Film schlägt aber eine andere Richtung ein. Horror aus Australien steht auf dem Programm hinter dem sich aber keine Gore- und Splattergranate versteckt, wie man es wohl bei Filmen dieser Art erwarten würde. PLAGUE ist mehr Drama als Horror und deckt auf, was viel unberechenbarer und grausamer ist als Horden untoter Furien: der Mensch selbst.
 
 
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Eine ansteckende Infektion macht in Australien die Runde und hat die Bevölkerung in hungrige Kreaturen verwandelt. Einige Überlebende konnten sich in einem Schuppen vor der Seuche in Sicherheit bringen. Doch das Versteck wird von Infizierten entdeckt und die Flucht vor bereits toten Menschenfressern beginnt von Neuem. Während die Gruppe ihr Lager aufbricht, entscheidet Evie (TEGAN CROWLEY) zurückzubleiben und auf den Liebsten (SCOTT MARCUS) zu warten nichtsahnend, dass ihr bald der Sensenmann höchstpersönlich auf den Leib rücken wird. Das Paar bekommt unerwarteten Besuch von einem hilfsbereiten Fremden (STEVEN KENNEDY), der Unterstützung anbietet und Medikamente besorgt. Doch die Nettigkeiten sind nur Fassade. Als mit dem Unbekannten die Hormone durchgehen, zeigt der sein wahres Gesicht und entpuppt sich als erbarmungsloser Psychopath.
 
 
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Die Regisseure NICK KOZAKIS, KOSTA OUZAS sowie Produzent ALEXANDER OUZAS glauben, dass das Zombie-Genre weit mehr zu bieten hat, als stumpfe Fress- und Gewaltmomente. So nutzen sie den Zombiefilm als Möglichkeit, um menschliche Verhaltensweisen zu studieren und der Gesellschaft den Spiegel vorzuzeigen. In ihrem PLAGUE zeigen sie auf, dass Menschen in Extremsituation zu Einzelkämpfern werden. Grundlegende Vorstellungen über Ethik und Moral geraten da schnell ins Abseits, wenn Überlebensinstinkte geweckt werden und sich jeder selbst der Nächste ist. Dass in PLAGUE die dunkle Seite des Menschen in Mittelpunkt gerückt wird und die Zombies nur als Alibifunktion herhalten müssen, um menschliche Abgründe aufdecken zu können, scheint ein gewagtes Experiment zu sein. Glücklicherweise trägt der Mut zum unkonventionellen Kino Früchte, denn PLAGUE ist trotz überschaubaren Zombieangriffen ein nicht uninteressanter Film. Inmitten eines Weltuntergangszenarios werden essentielle Fragen gestellt. Kannst Du Freunden trauen? Hält Liebe im Chaos Bestand? Was würdest Du für das Leben nahestehender Menschen opfern? Die Realität ist bitter, denn die Protagonisten im Film werden vor schwere Entscheidungen gestellt, die am Ende zu denken geben und verstören.
 
 
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PLAGUE beschönigt nichts und schließt auch mit keinem kitschigen Happy End ab. Ganz im Gegenteil, die Macher stoßen mit einem bitterbösen Finale vor den Kopf, das in seiner Radikalität ein unangenehmes Baugefühl beim Zuschauer verursacht. Der dürfte wohl am Ende selbst überrascht sein, dass PLAGUE trotz kaum vorhandener Splatterszenen weitaus beängstigender ausfällt, als manch ultra-brutale Zombiegurke. Das mag vor allem an der beunruhigenden Atmosphäre liegen, die sich wie ein Pfaden durch den gesamten Film frisst. Der Ton des Films ist deprimierend, ausweglos und bedrückend, so dass bereits nach wenigen Minuten einleuchten dürfte, dass die Geschehnisse in PLAGUE kein gutes Ende nehmen werden. Letztendlich gehört der australische Genrebeitrag zu einem der besseren Zombiefilme, weil er den Virusausbruch aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet. Zombies haben Sendepause und kaum Screentime. Stattdessen wird Aufmerksamkeit auf die Protagonisten gerichtet, die diesmal nicht typischen Heldenbildern entsprechen. Kurioserweise besitzt PLAGUE nämlich keine Helden, auch wenn zu Beginn Sympathien zu den Hauptdarstellern vorgeheuchelt werden. Ihre selbstsüchtigen Entscheidungen bewirken das Gegenteil und das macht den Film besonders und einzigartig. Gerade weil PLAGUE ein vollkommen anderer Zombiefilm ist, sei er an dieser Stellen den Freunden psychologischen Horrors ans Herz, denn wir meinen: sehenswert!

 
 


 
 
 

PLAGUE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Unberechenbarer und kaltblütiger als jeder Zombie ist die Bestie Mensch: Bitterböses, postapokalyptisches Weltuntergangsszenario mit ungemütlicher, gesellschaftskritischer Botschaft, die zu denken geben dürfte. PLAGUE ist der etwas andere Zombiefilm, der sich jedoch weniger mit Zombies beschäftigt. Vielmehr rücken die australischen Regisseure NICK KOZAKIS und KOSTA OUZAS den Mensch selbst in den Mittelpunkt, der sich im Ausnahmezustand nur noch auf sich verlässt. Soziale Bindungen haben in Extremsituationen kaum noch Stellenwert, denn wenn es ums Überleben geht ist sich jeder selbst der Nächste. Mit schmalen 150.000 Dollar ist den Nachwuchsregisseuren ein verstörender Genre-Beitrag gelungen, der menschliche Abgründe zu Tage bringt und all jene ansprechen soll, die nach Neuerungen im Zombiefilm suchen. Die andere Herangehensweise ist die Quintessenz von PLAGUE. Denn statt den Streifen mit langen Fressmomenten zu füllen, wird der Zuschauer mit grundlegenden, moralischen Fragen konfrontiert. Auch wenn es kaum Untote zu sehen gibt, wirkt da Gezeigte hart und unbequem. Weil die Macher auch ohne Gewalt verstören können, vergeben wir auch hier das Prädikat: “Geheimtipp”.
 
 
 


 
 
 

PLAGUE – Zensur

 
 
 
Es gibt einen kurzen Fressmoment zu sehen in dem ein Charakter von Zombies zerfleischt wird. Ansonsten ist die Gewalt hier vorwiegend psychischer Natur. Dennoch kommt hin und wieder das Schrottgewehr zum Einsatz. Einmal wird einem Protagonisten die Gesichthälfte weggeschossen. In einer anderen Szene bahnt sich Munition durch den Bauch einer Filmfigur. Weil PLAGUE mehr Drama statt Horror ist und sich die gezeigte Gewalt in Grenzen hält, darf man von einer deutschen FSK16 ausgehen.
 
 


 
 
 

PLAGUE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dead Within (2014)
 
Chrysalis (2014)
 
The Dead 2: India (2013)


Filmkritik: “Anarchy Parlor” (2015)

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ANARCHY PARLOR

Story

 
 
 
Sechs amerikanische Rucksacktouristen (darunter Jordan James Smith aus ZOMBIE NIGHT und Anthony Del Negro aus DEAD SOULS sowie DEEP IN THE DARKNESS) reisen für Party, Sex und Alkohol nach Litauen und treffen dort auf einen geheimnisvollen Tattoo-Künstler, der sich im Keller seines Studios mit fragwürdigen Machenschaften etwas Geld dazuverdient.
 
 
 


 
 
 

ANARCHY PARLOR – Kritik

 
 
 
Was ist die Erfolgsformel für Horrorfilme? Natürlich Sex, Gewalt und reichlich Blut. Zutaten, die in ANARCHY PARLOR sehr zeigefreudig zum Einsatz kommen und ein nervenstarkes Filmpublikum ansprechen sollen. Die Aufmerksamkeit jener soll geweckt werden, die bereits mit Roths HOSTEL ihren Spaß hatten. Der brutale Folterstreifen sorgte vor zehn Jahren für allerhand Furore und macht das Foltern im Kino massentauglich. Seither finden Hobbysadisten immer öfters Torture Porn in den Händlerregalen – wenn auch in Deutschland nicht immer ungeschnitten. ANARCHY PARLOR macht da weiter, wo sich HOSTEL im Jahr 2011 mit einem überflüssigen Video-Sequel von der Mattscheibe verabschiedet hat. Die beiden Regisseure DEVON DOWNS und KENNY GAGE haben sich nämlich sehr offensichtlich bei gleichem Gewaltkonzept bedient, mit dem es bereits ELI ROTH (CABIN FEVER und AFTERSHOCK) gelang ziemlich viele Dollar in die leeren Kinokassen zu schwemmen.
 
 
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Abermals reisen einige amerikanische Studenten nach Osteuropa in die hinterste Walachei, um dort nicht etwa die litauische Kultur kennenzulernen, sondern ausgelassen zu feiern. Schnell rückt eine geheimnisvolle Fremde in den Mittelpunkt, die zwei der Freunde in ihr Tattoo-Studio lockt. Dort wartet “der Künstler” (in seiner Gelassenheit sehr beängstigend: ROBERT LASARDO) auf die unvorsichtigen Touristen und bringt sie mit Hilfe von Drogen unter seine Kontrolle. Als man wieder zu sich kommt, passiert das Unvorstellbare. Den Protagonisten wird die Haut bei lebendigem Leibe abgezogen. Die soll als Leinwand verwendet werden, um darauf Portraits malen zu können – ein Luxus den sich Gutbetuchte des Landes gönnen. Was folgt, war bereits in HOSTEL Programm. Die übrigen Kumpels gehen dem Verschwinden ihrer Freunde auf dem Grund und geraten ebenso in die Fänge des geheimnisvollen Künstlers, welcher sich mit Häutungen ein lukratives Nebengeschäft aufgebaut hat und den Horrorfan mit unappetitlichen Szenen beglückt.
 
 
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Die sind im Übrigen nicht ganz ohne, denn wie bereits im genannten Folter-Hit wird dem möglichst zeigefreudigen Quälen viel Zeit eingeräumt. So werden die wenigen Häutungsszenen in ANARCHY PARLOR geradezu genüsslich zelebriert und unnötig lang hinausgezögert, um all die Filmfans zufriedenstellen zu können, denen es nicht blutig genug in Horrorfilmen zugehen kann. Immerhin befinden sich die gezeigten Grausamkeiten technisch auf sehr beachtlichem Niveau, denn was hier an abartigen Spezialeffekten geboten wird, setzt einen gesunden Magen voraus. Bei so viel Liebe zum groben Handwerk dürfte er vermutlich nicht verwundern, dass mehr Leidenschaft in die Ekeleffekte investiert wurde und die eigentliche Handlung zu kurz kommt. Regisseur KENNY GAGE hat sich mal wieder am Drehbuch ausprobiert. Auf seinem Mist wuchs bereits der Frauen-Prügler RAZE, mit dem deutschen Zensurbehörden zu Recht keinen Spaß verstanden. Wer den Streifen gesehen hat, dürfte sich ein Bild von jener Richtung machen können, die ANARCHY PARLOR einschlägt. Das bedeutet stumpfe Gewalt, sinnfreie Handlung und schablonenhafte Figuren, die sich nicht sonderlich klug verhalten.
 
 
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Die Logikbarrieren sind offensichtlich. Schenkt man einigen Festivalberichten Glauben, konnten sich Besucher ein lautes Lachen während der Sichtung nicht verkneifen, weil der Film sich damit brüstet auf wahren Begebenheiten zu beruhen, obwohl die Geschichte nur so vor Unglaubwürdigkeit strotzt. So handeln amerikanische Protagonisten aus Prinzip nicht klug und Osteuropäer werden mal wieder als ungebildete Schlächter deklariert, denen Gewalt und Gewissenlosigkeit des schnöden Mammons wegen keine Fremdwörter sind. Wer über engstirniges Schubladendenken hinwegsehen kann und eine Vorliebe für schroffe Tortur-Orgien besitzt, wird dennoch gut unterhalten werden, schließlich wird sich in ANARCHY PARLOR nicht mit Nebensächlichkeiten aufgehalten. Recht früh wird der Fleischwolf angeworfen damit der Film im Blut ersäuft. Die meisten Horrorfans dürften damit wohl kein Problem haben.
 
 
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ANARCHY PARLOR – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
HOSTEL 2.0. – ANARCHY PARLOR ist ein äußerst harter Vertreter skrupelloser Folterfilme, der einen gesunden Magen und Nerven wie Drahtseile voraussetzt. Was in diesem Film an perversen Schlachtmethoden gezeigt wird ist nicht leicht zu verdauen, denn einmal mehr verkommt der menschliche Körper zur lukrativen Hehlerware. Statt amerikanische Touristen zu foltern oder ihrer Organe zu berauben, hat man es diesmal auf deren Haut abgesehen. Diese wird ihnen recht schmerzhaft mit Hilfe von erschreckend realistisch in Szene gesetzten Spezialeffekten vom Körper gezogen damit darauf Bilder gemalt werden können. Trotz Echtheitshinweis zu Beginn des Streifens ist das was in ANARCHY PARLOR gezeigt wird ziemlich haarsträubend. Die Handlung ist unglaubwürdig und die Figuren handeln mehr nach Regeln moderner Horrorfilme, statt nach gesundem Menschenverstand. Die beiden Regisseure DEVON DOWNS und KENNY GAGE fackeln nicht lang und klären zügig auf, was in ihrem gemeinsamen Horrorwerk Programm ist. Das ist die Zurschaustellung von Gewalt in ihrer Reinform – mehr nicht. Aufmerksame Zuschauer werden übrigens schnell erkennen, wer die Macher inspiriert haben dürfte. Kein geringerer als ELI ROTH stand Pate, der mit dem überbewerteten Folterkrimi HOSTEL den wohl bekanntesten Streifen seiner bisherigen Karriere zimmerte. Da wundert es wohl niemanden, dass ANARCHY PARLOR verdächtig ähnlich nach gleichem Schema abgespult wird und es die Regisseure darauf abgesehen haben, Zuschauer mit harter Gewalt zu verstören. Immerhin stimmt der Gewaltpegel, mehr darf man von ANARCHY PARLOR jedoch nicht erwarten.
 
 
 


 
 
 

ANARCHY PARLOR – Zensur

 
 
 
Aufgrund der sehr drastischen Häutungsszenen wird es ANARCHY PARLOR hierzulande bei deutschen Zensurbehörden sehr schwer haben eine Freigabe zu erhalten. Zudem wird kurz vor Ende auch noch in die Köpfe diverser Teenager geschossen, so dass wir davon ausgehen, dass der Film in Deutschland nur geschnitten erscheinen wird.
 
 


 
 
 

ANARCHY PARLOR – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hostel (2005)
 
Hostel 2 (2007)
 
Caged (2010)
 
Territories (2010)
 
An American Terror (2014)
 
The Scarehouse (2014)
 
Blood Widow (2014)
 
Daddy’s Little Girl (2012)
 
Omnivoros – Das letzte Ma(h)l (2013)
 
Young, High and Dead (2013)
 
Slasher in the Woods (2013)
 


Filmkritik: ” Evangeline” (2013)

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EVANGELINE

Story

 
 
 
Die fromme Evangeline erlebt das erste Jahr am College. Leider verläuft das nicht wie erwartet, denn die Studentin gerät mit der Bestie Mensch in Kontakt und durchlebt eine unerwartete Metamorphose.
 
 
 


 
 
 

EVANGELINE – Kritik

 
 
 
Spätestens seit den auf Hochglanz getrimmten Rape-and-Revenge-Remakes zu in Deutschland beschlagnahmten Klassikern wie I SPIT ON YOUR GRAVE und LAST HOUSE ON THE LEFT hat verrohende Gewalt gegenüber unschuldigen Frauen im Mainstream-Kino Einzug gehalten. Beide Filme erhielten viel Lob und legten die Messlatte in puncto Sadismus weit nach oben. Dass sich im Zuge der aktuellen Rachewelle auch die Macher kleinerer Produktionen am finanziell lukrativen Trend orientieren würden war abzusehen. Mit harten Revenge-Streifen wie RUN! BITCH RUN!, CHAOS oder IF A TREE FALLS wurde die Reihe grausamer Quälfilme im Indie-Bereich fortgesetzt, schließlich lässt sich mit Exploitation nach wie vor immer noch genügend Zaster verdienen, um diese Filme rechtfertigen zu können. Ein weiterer im Bunde jener kontroversen Filmgattung ist EVANGELINE. Auch hier sieht eine Frau rot und fordert Vergeltung um jeden Preis. Der unabhängige Rache-Horror aus dem weit entfernten Kanada wurde bereits im Jahr 2013 von Filmfest zu Filmfest gereicht, kam aber erst zwei Jahre später in die Gunst einer internationalen Heimkinoauswertung. Meist sind verspätete Veröffentlichungen kein gutes Omen, deuten die nicht selten auf minderwertiges Filmvergnügen hin, das dem Publikum einfältig Zeit und Geld rauben möchten. Im Fall von EVANGELINE kann jedoch Entwarnung gegeben werden, denn trotz Low-Budet-Status gehört der Rachefilm zu den besseren Machwerken seiner Art – auch wenn in diesem Streifen der menschenverachtenden Zurschaustellung perverser Quälmethoden nur wenig Beachtung geschenkt wird.
 
 
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Der erste Tag am College. Für Evangeline (KAT DE LEIVA) ein neuer Lebensabschnitt an den sie sich erst einmal gewöhnen muss. Auf einer Verbindungsparty lernt sie den attraktiven Michael (RICHARD HARMON) kennen – eine schicksalhafte Begegnung wie sich bald herausstellen wird. Der Mädchenschwarm lädt die unerfahrene Studentin in das väterliche Jagdhaus ein, heuchelt Interesse vor und mixt der ahnungslosen Evangeline Drogen in den Begrüßungsdrink. Als sie wieder zu sich kommt, wird sie von ihrem Peiniger durch den Wald gehetzt und zu Tode geprügelt. Drei Obdachlose finden den leblosen Körper und bringen das Mädchen wieder zu Kräften. Doch auch hier ist die Traumatisierte nicht sicher. Als sie flüchtet und in die Hände eines Serienkillers läuft, gerät Evangeline außer Kontrolle.
 
 
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Regisseurin KAREN LAM macht in ihrem EVANGELINE die dunkle Seite des Menschen zu Thema, die sowohl in Täter wie Opfer schlummert. In drei verschiedenen Handlungssträngen kommt die fromme Titelheldin mit der Bestie Mensch in Berührung und wird nach allen Regeln des Exploitationkinos vergewaltigt, verprügelt und gedemütigt. Das passiert meist im Off, fühlt sich aber dennoch unbequem an, weil man einerseits um morbide Atmosphäre bemüht gewesen ist. Andererseits gehört die Figur der Evangeline – Dank der glaubhaften Schauspiels von KAT DE LEIVA – zu einer dieser fragilen Charaktere, denen man solche Erlebnisse als Letztes wünschen würde. Natürlich wirkt das Gezeigte reichlich konstruiert, schließlich kann es nicht als Zufall gewertet werden, dass die Hauptdarstellerin im Film gleich dreimal nacheinander dem Sensenmann begegnet. Vielmehr war Regisseurin KAREN LAM um einen möglichst schrecklichen Untergang ihrer Heldin bestrebt, die nach drei traumatisierenden Überfällen in einer Art innerlichem Fegefeuer gefangen ist und letztendlich als Rachegeist wiedergeboren wird – der ähnlich gestrickte SAVAGED aus gleichem Jahr lässt grüßen.
 
 
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In einem Interview erklärte die Filmmacherin, dass sie in ihren Filmen bevorzugt das Monster in uns erkundet und stets versucht Gewalt zwischen den Geschlechtern zu analysieren. Ihre Leidenschaft zum psychologischen Horror fand sie bereits in Kindstagen. Lams Vater war großer Kung-Fu-Fan und liebte die kontroversen Charles Bronson-Filmen, die in den 80ern so ihre Probleme mit deutschen Zensurbehörden bekamen, weil darin Selbstjustiz nicht immer zimperlich praktiziert wurde. Die Leidenschaft zum Rachefilm übertrug sich auch auf die Tochter, die in ihren Werken stets versucht weibliche Gewalt und ihre Indikatoren zu erforschen. Im Horrorfilm EVANGELINE wird die Psychoanalyse natürlich auf die Spitze getrieben, denn als großer Fan asiatischer Horrorfilme bereichert LAM ihren sehenswerten Indie um fernöstliche Geistermythologie und lässt ihre Titelheldin von den Toten auferstehen. So bezieht sie sich auf japanische Folklore die besagt, dass ein Verstorbener in der Welt der Lebenden als rachsüchtiger Geist fortbestehen muss, wenn ihm keine standesgemäße Beerdigung zuteil wurde.
 
 


 
 
 

EVANGELINE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Die weibliche Version von THE CROW. Ein ungemütlicher und erbarmungsloser Rache-Thriller mit Elementen fernöstlicher Folklore, der sich trotz der Zurschaustellung von Selbstjustiz auch mit der Psyche des Opfers beschäftigt. Wer mit Filmen wie I SPIT ON YOUR GRAVE 2 oder LAST HOUSE ON THE LEFT etwas anfangen kann, wird wohlmöglich auch von EVANGELINE nicht enttäuscht werden, auch wenn der Gewalt- und Härtegrad deutlich herabgedreht wurde, um auch zartbesaitete Horrorfans ansprechen zu können. Wie bereits im Rape-and-Revenge-Streifen SAVAGED geht es in dieser Indie-Produktion übernatürlich zu. Regisseurin KAREN LAM lässt ein Mädchen von den Toten auferstehen, das als Rachegeist zurückkommt, um sich an “bösen Jungs” zu rächen. Das wird in EVANGELNE weitestgehend psychologisch gehandhabt, denn LAM ist kein Freund perverser Schlachthausfilme. Durch ungelöste Mordfälle an Frauen in British Columbia inspiriert, erforscht sie in ihrem übernatürlichen Rachestreifen das Monster im Menschen und die Gewalt zwischen den Geschlechtern. Überraschenderweise funktioniert das Experiment. EVANGELINE ist trotz Low-Budget-Status unangenehm bedrückend und als durchweg gelungen zu betiteln. Regisseurin KAREN LAM hat hier einen sehenswerten Film gedreht, der mal wieder aufzeigt, dass man nicht viel Geld benötigt, um das Horror-Publikum zu unterhalten. Wer daher eine Leidenschaft für Filme hat, in denen Frauen erst durch die Hölle gehen, um anschließend rot zu sehen, kann bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

EVANGELINE – Zensur

 
 
 
Auch wenn EVANGELINE ein Rachefilm ist, in dem eine Frau durch die Hölle geht, bleiben die harten Momente aus. Die meisten Grausamkeiten sind psychischer Natur und werden entweder angedeutet oder passieren im Off. Weil hier dennoch Selbstjustiz vollzogen wird und die deutsche FSK damit keinen Spaß versteht, dürfte EVANGELINE hierzulande erst ab 18 Jahren sein: Keine Jugendfreigabe.
 
 


 
 
 

EVANGELINE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Big Driver (2014)
 
Autumn Blood (2013)
 
Hidden in the Woods (2012)
 
Savaged (2013)
 
Black Rock (2012)
 
Girls against Boys (2012)
 
Die Fremde in Dir (2007)
 
Death Wish (1974)


Filmkritik: “Hungerford” (2014)

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HUNGERFORD

Story

 
 
 
Die kleine Stadt Hungerford bekommt überraschend Besuch aus dem All und der ist nicht friedlich gestimmt. Kleine gemeine Alienkäfer kriechen in die Körper der Bewohner und funktionieren sie zu aggressiven Killermaschinen um. Zum Glück hat Cowen Rosewell soeben ein Uni-Bewerbungsprojekt gestartet und hält die nächsten sieben Tage auf Film fest. Er nimmt auf, was sich in den Strassen und Gassen der Stadt ereignet. Zusammen mit seinen Freunden sucht er nach der Ursache allen Übels und weiß sich mit Ungezieferspray gegen ungebetenen Besuchern zur Wehr zu setzen.
 
 
 


 
 
 

HUNGERFORD – Kritik

 
 
 
Eigentlich ist HUNGERFORD ein weiter Found-Footage unter so vielen, wäre da nicht die Tatsache, dass Co-Autor, Hauptdarsteller und Regisseur DREW CASSON gerade einmal 19 Jahre alt ist. Während Gleichaltrige gerade die Schule abzuschließen und versuchen ihren Weg zu finden, hat der Engländer bereits ein souveränen inszeniertes Horrordebüt abgeliefert, das die Möglichkeiten des nicht mehr ganz so frischen Found-Footage-Genres aufzeigt. CASSON hat verstanden wie es geht. Der Found-Footage-Stil ist hier nur Beiwerk. Vielmehr konzentriert er sich auf Geschichte und Figuren, statt die für das Genre beliebten Klischees abzuarbeiten. HUNGERFORD ist zur Abwechslung keine dieser vorhersehbaren Zeiträuber, die bereits erahnen lassen, was passieren wird. Der Film lässt sich Zeit und versorgt den Zuschauer immer nur häppchenweise mit Informationen. Da gibt es zu Beginn eine Explosion zu sehen, die die Menschen in Aufruhr bringt. Später legen Bewohner seltsames Verhalten an den Tag, das auf eine Zombieinvasion schließen lässt. Doch nachdem man seltsame Wundmale im Nacken vermeintlich Infizierter entdecken und daraus riesige Parasiten krabbeln ist klar: die Ursache hierfür ist nicht durch Menschenhand gemacht.
 
 
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Verwirrende Fährten und unerwartete Wendungen. HUNGERFORD zollt Filmen wie DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN und INVASION VOM MARS Tribut. Findige Zuschauer dürften schnell die vielen Anspielungen an diverse Science-Fiction-Klassiker entdecken. Die wurden mit reichlich Sinn für Ironie in die Handlung integriert, was HUNGERFORD positiv aus der Masse an beliebigen Schüttelfilmen hervorstechen lässt. Für einen Low-Budget-Film agieren zudem die Darsteller äußerst authentisch und erfahren, scheinen sogar des Öfteren zu improvisieren – und das ausnahmsweise richtig gut. Anders als in den meisten amerikanischen Horrorfilmen entsprechen die keinen Stereotypen, sondern benehmen sich nachvollziehbar und sympathisch. Leider hat HUNGERFORD wie so viele ambitionierte Indie-Produktionen ein großes Problem mit dem Kapital. Knapp 20.000 Britische Pfund soll der Streifen gekostet haben. Geld, das wohl nur für einen kleinen Teil der vielen Ideen ausgereicht haben muss. Immer wieder zwängt sich der Gedanke auf, dass mehr möglich gewesen wäre, wenn mehr Budget zur Verfügung gestanden hätte. So mussten viele Spezialeffekte aus dem Boden gestampft werden – gut erkennbar an den Kokons in den Endszenen des Films. Die haben nämlich eine gewisse Ähnlichkeit mit Kunst-Spinnennetzen aus dem Halloween-Shop und rauben dem Film die Illusionen.
 
 
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Trotzdem, HUNGERFORD ist ein spannendes Science-Fiction-Spektakel mit wenig Geld, das sich wegen seines knappen Budgets nicht in die Schranken weisen lässt. Das ehrgeizige Projekt ist zwar nicht perfekt besitzt aber das, was vielen Found-Footage-Filmen neueren Datums fehlt: Charme und Unterhaltungswert. Da sieht man gern über einige holprig umgesetzte Spezialeffekte hinweg.
 
 


 
 
 

HUNGERFORD – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Der kleine Bruder von COLVERFIELD – Schweißtreibender Found-Footage-Wahnsinn der besseren Sorte. Man nehme eine Priese CLOVERFIELD, mische etwas INVASION OF THE BODY SNATCHERS dazu, würze das Ganze mit THE CRAZIES nach und schmecke mit Found-Footage ab. Fertig ist HUNGERFORD – ein weiterer Nachzügler der lukrativen Schüttelfilme, die seit BLAIR WITCH PROJECT und PARANORMAL ACTIVITY nahezu wöchentlich in die Händlerregale gebracht werden. Im Unterschied zu den meisten desaströsen Schundproduktionen dieser Art ist HUNGERFORD eine seltene Randerscheinung, die ausnahmsweise wirklich sehenswert ist. Regisseur DREW CASSON verrät nämlich nicht zu viel und lässt den Zuschauer im Dunkeln tappen. Der weiß nie mehr als die Protagonisten und folgt den Helden sprichwörtlich auf Schritt und Tritt. Dass der nervende Wackelstil diesmal nicht plakativ zum Einsatz kommt gefällt. Der unliebsame Schüttelgimmick wird dezent eingesetzt und kommt nur sehr selten zum Einsatz, schließlich richtet CASSON das Hauptaugenmerk auf Charaktere und Geschichte, statt HUNGERFORD in Found-Footage-Klischees zu ertränken. Das macht sich bezahlt, denn HUNGERFORD ist einer der wenigen Filme jener Gattung, die so geschickt zusammengeschnippelt wurden, dass man unbedingt wissen will wie es ausgeht. Das Spiel mit der Spannungsschraube beherrscht der erst 19-jährige Regisseur sicher. Da kann man gespannt darauf sein, was der Britte in Zukunft drehen wird, schließlich gehört HUNGERFORD in die Kategorie: Horror-Geheimtipp!
 
 
 


 
 
 

HUNGERFORD – Zensur

 
 
 
Für einen Found-Footage-Streifen geht es doch recht blutig zu, wobei gerade gegen Ende einige Köpfe weggeschossen werden – CGI sei Dank. Man darf davon ausgehen, dass HUNGERFORD hierzulande erst für Volljährige geeignet sein wird: keine Jugendfreigabe.
 
 


 
 
 

HUNGERFORD – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Cloverfield (2008)
 
Starship Troopers (1997)
 
Invasion vom Mars (1986)
 
Invasion of the Body Snatchers (1978)
 


Filmkritik: “The Asylum” (2015)

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THE ASYLUM

(BACKMASK / EXETER)

Story

 
 
 
Einige Kids werden in einer heruntergekommen Psychiatrie – wie hätte es auch anders sein sollen – mit dem Bösen konfrontiert und müssen um ihr Leben bangen.
 
 
 


 
 
 

THE ASYLUM – Kritik

 
 
 
Herr Nispel ist wieder am Start. Der deutsche Regisseur konnte sich in Hollywood mit Remakes bekannter Action- und Horrorfilme einen Namen machen. Leider blieb die letzte Regiearbeit weit hinter den Erwartungen zurück. Seine Neuinterpretation von CONAN DER BARBAR fand nach niederschmetternden Kritiken auch bei Zuschauern wenig Anklang. Der Film floppte und konnte seine Produktionskosten von 90 Millionen Dollar nicht wieder einspielen. Vermutlich einer der vielen Gründe, weshalb MARCUS NISPEL nun wieder kleine Brötchen bäckt und versucht mit günstigem Horrorquatsch an die einstigen Kassenerfolge anzuknüpfen. Weil ihm Horror bisher das meiste Lob eingebracht hat, ist die aktuelle Arbeit natürlich auch wieder im Genre angesiedelt und nennt sich vielversprechend THE ASYLUM (in Amerika auch unter EXETER bekannt). Ein gute Entscheidung, konnte doch Nispel mit seiner gelungenen Neuauflage zu THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE unter Beweis stellen, dass er weit mehr kann, als nur ansprechende Musikvideos für bekannte Künstler zu drehen.
 
 
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BACKMASK – so wie THE ASYLUM anfangs noch heißen sollte – rückt mal wieder unartige Kids in den Mittelpunkt, die in einer leerstehenden Psychiatrie die Party ihres Lebens feiern wollen. In dem Gebäude fanden einst beunruhigende Dinge statt. Patienten wurden darin wie Gefangene behandelt und mussten fragwürdige Experimente über sich ergehen lassen. Ein großes Feuer machte dem unmenschlichen Treiben ein Ende und die Einrichtung zur Ruine. Jahre nach den Vorfällen will Gemeindepfarrer Conway (STEPHEN LANG aus A GOOD MARRIAGE) die Anstalt wiedereröffnen und sucht Hilfe für sein Vorhaben bei Investoren und Gemeindemitgliedern. Teenager Patrick (KELLY BLATZ) stellt sich für den Wiederaufbau zur Verfügung und nutzt die Gelegenheit, um die ehemalige Klinik zum Feiertempel umfunktionieren. Bei Drogen und Alkohol wird Musik rückwärts abgespielt, weil darin satanische Botschaften zu hören sein sollen. Letztendlich keine gute Idee, wird durch die Naivität der Halbstarken das Böse freigesetzt. Plötzlich sind Ausgänge verschlossen und Freunde verwandeln sich in aggressiven Furien, weil sie von einer fremden Macht kontrolliert werden, die kein Erbarmen mit neunmalklugen Kids besitzt.
 
 
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Da macht Herr Nispel nun schon etwas Eigenes und versemmelt es auch noch. Statt bereits Dagewesenes erneut aufzuwärmen, zeichnet er diesmal selbst fürs Drehbuch verantwortlich und kann das Kopieren trotzdem nicht lassen. Bei genauerem Hinsehen ist THE ASYLUM nämlich nichts anderes, als eine hektisch geschnittene Aneinanderreihung bekannter Szenen aus beliebten Horrorklassikern, denen die unverkennbare Handschrift des Regisseurs aufgedrückt wurde. Schaut man sich die bisherigen Werke Nispels an bedeutet das mal wieder “Style over Substance”, denn statt sich mit Figuren und Geschichte zu beschäftigen, gibt es durchgestylte Bilder am Fließband zu sehen, die in ihrer Hochglanzästhetik dann doch mehr an aktuelle Musikclips erinnern. Bei einem so ausgeprägten Gespür fürs Visuelle kommen Story und Charaktere leider zu kurz. Letztere geben sich derart arrogant, nervtötend und unzugänglich, dass man ihnen ein schnelles Ablebend wünscht, damit die Nerven des Zuschauers geschont werden.
 
 
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Wenn aus besessenen Freunden lechzende Monster werden, die man sich nur durch möglichst kreatives Töten vom Hals halten kann, ist EVIL DEAD nicht weit. Raimis EVIL DEAD und Friedkins DER EXORZIST mussten wie so oft im Horrorfilm Pate stehen. MARCUS NISPEL vermischt Exorzismus- mit Besessenheitsthematik und bereichert THE ASYLUM um Splatter-Exzesse, durch die bereits der erste EVIL DEAD Anfang der 1980er zu Bekanntheit gekommen ist. Vor allem für Gorefans eine gute Nachricht, bekommen die hier ein paar deftige Filmtode zu sehen, die makaber und unerwartet ihren Lauf nehmen. Leider ist das aber auch das Einzige, was zu erwähnen wäre, denn sonderlich gehaltreich ist Nispels neuer Streich leider nicht. Zwar gefallen einige Zitate aus genannten Filmen (es gibt den bekannten Spiderwalk aus dem EXORZIST zu sehen); dem Streifen mangelt es aber an Einzigartigkeit, um im Gedächtnis bleiben zu können. Bleibt zu erwähnen, dass die Pechsträhne Nispels auch mit THE ASYLUM fortgeführt wird. Da kann man dem Regisseur nur nahelegen, dass er sich endlich mal dazu durchringen sollte, nicht immer Remakes und Plagiate bereits erfolgreicher Hits zu fabrizieren. In einer Zeit in der Horrorfans immer kritischer die filmischen Vergewaltigung liebgewonnener Klassiker beobachten, sollte man sich dreimal überlegen, ob man sich die Fanmeute zum Feind machen möchte – schließlich sind das die, die letztendlich die Filme kaufen sollen.
 
 
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THE ASYLUM – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
EVIL DEAD meets THE EXORZIST – Eine visuell beeindruckende und rasant inszenierte Splatter-Geisterbahn mit deftigem Blutzoll. Dennoch gilt im Falle von THE ASYLUM die Devise: außen hui, inner pfui. Statt wahllos alte Kultfilme neu aufzulegen, macht der Frankfurter Regisseur MARCUS NISPEL was Neues. Er nimmt sich einfach zwei bekannter Horrorklassiker, beraubt ihnen der besten Szenen und macht daraus ein Machwerk, in dem EVIL DEAD den EXORZISTEN trifft. Kopieren und nacheifern scheint Nispels Leidenschaft zu sein, was ihm so langsam leider nicht mehr so recht gelingen möchte. Nach dem CONAN-Remake-Flop ist THE ASYULM nämlich der nächste Streifen aus der Mache des für Musikvideos bekannten Regisseurs, an den sich in zehn Jahren keiner mehr erinnern wird. Nach einem starken Einstieg wird es eintönig und der Film konzentriert sich ausschließlich auf das Ausradieren seiner stereotypen und unsympathischen Figuren. Fans fürs grobe Handwerk dürfte das vermutlich kaum stören, dürften die mit den abwechslungsreichen Todesszenen ihre Freude haben. Klammert man jedoch die makabren Gewaltmomente aus, bleibt nur noch Hochglanzästhetik und sonderbarer Humor, der zu keiner Minute zünden möchte. Demzufolge sollte man nach der gelungenen Neuverfilmung des Terrorklassikers THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE (2003) die Erwartungen herabschrauben. Auch wenn THE ASYLUM visuell an den Terrorausflug erinnert; zwischen den beiden Filmen liegen Welten. Übrigens, die Titelschmiede verwirrt. THE ASYLUM wird auch als BACKMASK und EXETER vermarktet. Wenn man da nicht durcheinander kommt.
 
 
 


 
 
 

THE ASYLUM – Zensur

 
 
 
Ähnlich wie in EVIL DEAD werden hier aus Freunden besessene Furien, die nur eines im Sinn haben: töten. Die Kids wissen sich aber zur Wehr zu setzen und gehen nicht zimperlich gegen die besessenen Freunde vor. Es werden Zahnbürsten in Augen gerammt, ein Kronleuchter zerquetscht Körper und spitzes Mordwerkzeug kommt ebenfalls zum Einsatz. Schnell Schnitte sorgen dafür, dass sich die Effekte nicht so schnell entlarven lassen. Blutig geht es allemal zu, so dass THE ASYLUM oder EXETER – so wie er in Amerika heißt – in Deutschland mit dem roten Freigabesticker in den Handel kommen wird. EUROVIDEO hat sich hierzulande übrigens die Rechte gesichert.
 
 


 
 
 

THE ASYLUM – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

Die Rechte aller für die Review verwendeten Bilder liegen bei Eurovideo Medien

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Gallows Hills (2013)
 
Evil Dead (2013)
 
Besessen – Der Teufel in Mir (2012)
 
Speak No Evil (2013)
 
Beneath (2013)
 
The Quiet Ones (2014)
 
Here Comes the Devil (2012)
 
Evil Dead (1981)
 
Der Exorzist (1973)
 


Filmkritik: “The Drownsman” (2014)

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THE DROWNSMAN

Story

 
 
 
Die hübsche Madison hat panische Angst vor Wasser und das nicht ohne Grund. Nach einer Nahtoderfahrung wird sie von einem Geist verfolgt, der sich Wasser zu Eigen macht, um sie und ihre Freunde zu töten.
 
 
 


 
 
 

THE DROWNSMAN – Kritik

 
 
 
Urängste haben im Horrorfilm immer wieder einen besonderen Stellenwert, denn daraus lassen sich die wohl besten Geschichten machen. Eine dieser Urängste wird im Film THE DROWNSMAN zum Thema gemacht: nämlich die vom Wasser und dem Ertrinken. Die hübsche Madison (MICHELLE MYLETT – die Heldin aus ANTISOCIAL) hat eine unbeschreibliche Furcht vor Wasser. Ob im Waschbecken, in Form einer Pfütze oder als Getränk – kaum mit dem Nass in Berührung gekommen, wird die Mittzwanzigerin von Angstattacken heimgesucht, die ihr unbeschreibliche Qualen bereiten. Doch die Phobie ist nicht unbegründet. Ein Trauma ist für die Leiden verantwortlich. Vor genau einem Jahr fiel die bis dahin lebensfrohe Frau in einen See und drohte zu ertrinken. Auf der Schwelle zum Tod begegnete sie einem unheimlichen Fremden, der sie fortan in ihren Träumen besucht. Für Madison kein einfaches Los, denn real wirkende Träume und Visionen machen ihr das Leben zur Hölle. Doch wozu hat man Freunde, wenn sie in schweren Zeiten nicht zur Seite stehen würden. Die besten Freundinnen sind zur Stelle und wollen der Traumatisierten helfen. Madison soll sich ihrer Angst stellen. Bei einer Séance inklusive Schaumbad, sollen Fragen geklärt und Leiden beseitigt werden. Was die Freundinnen leider nicht ahnen: mit dem Kontakt zu den Toten wird eine Tür geöffnet durch die das Böse aus Madisons Visionen und Träumen in unsere Welt schlüpfen kann. Was folgt ist vorprogrammiert. Die Mädchen werden vom Geist eines unaufhaltsamen Serienmörders verfolgt (RY BARRETT ebenfalls aus ANISOCIAL), der mit den naiven Protagonistinnen ein Hühnchen zu rupfen hat.
 
 
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Pitschnasse Haare, starrer Blick und ständig tropfendes Wasser. Nein, das hier ist keine weitere Fortsetzung des japanischen Kassenschlagers RINGU, in dem ein wütender Kindergeist aus Brunnen, Waschmaschinen und TV-Geräten krabbelt und tödlichen Unfug treibt. Der hier besprochene Streifen kommt aus Kanada und hat mit dem bekannten RING-Franchise nichts am Hut, obwohl der Film bei genauer Betrachtung dem genannten Gruselexport aus Japan nicht unähnlich ist. Ein toter Serienkiller sucht sich in THE DROWNSMAN einen Weg aus dem Reich der Toten in die Welt der Lebenden, um das auszuleben, was Kultkiller wie JASON VOORHEES, VICTOR CROWLEY und MICHAEL MEYERS stets von Neuem vorantreibt: Rache. Statt die Leidenschaft fürs Töten mit Machete und Küchenmesser auszuleben, geht Filmmörder Sebastian in THE DROWNSMAN wesentlich unkonventioneller vor. Er meuchelt nicht, sondern ertränkt. Das Element Wasser spielt in diesem Horrorstreifen eine wesentlich Rolle, das dem Killer als Brücke in unsere Welt dient. Ähnlich wie die Dunkelheit in DER FLUCH VON DARKNESS FALLS oder erschreckende Albträume in A NIGHTMARE ON ELM STREET kann das Böse in THE DROWNSMAN nur dann nach seinen Opfern krallen, wenn die mit Wasser in Berührung kommen. Das sorgt zwar für etwas Abwechslung und schnellen Herzschlag; neu erfunden wird das Slasher-Genre dadurch jedoch nicht.
 
 
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Eigentlich ist THE DROWNSMAN kaum der Rede wert, denn die Handlung ist derart klischeebehaften und überschaubar, dass sie auf einem Bierdeckel Platz finden würde. Die Darstellerinnen strotzen nicht gerade vor Talent und agieren reichlich unsicher, dass man meinen könne, sie ständen das erste Mal vor der Kamera. Zudem hat man ausufernde Gewaltmomente gänzlich aus dem Drehbuch radiert, damit sich der Schrecken auf subtile Weise entfalten kann. Trotz quälender Vorhersehbarkeit überrascht der Film durch eine souveräne technische Inszenierung, die THE DROWNSMAN dann doch wertiger erscheinen lässt, als er letztendlich ist. Die Kulisse ist minimalistisch aber finster, eine auf Hochglanz gebügelte Optik rückt die vielen (Er)Schreckmomente ins rechte Licht. Somit ist passable Gruselunterhaltung garantiert, die sich kurzweilig ihren Weg durch den übernatürlichen Slasher bahnt. Regisseur CHAD ARCHIBALD und Produzent von Filmen wie IF A TREE FALLS, ANTISOCIAL und SEPTIC MAN hat vorausschauend gearbeitet. Nicht nur, dass er beim Drehbuchschreiben an das offene Ende gedacht hat. Ganz nebenbei war er darum bestrebt ein neues Franchise zu kreieren, dass Potenzial haben könnte in Serie zu gehen. Mit der imposanten Figur des DROWNMAN hat er einen interessanten Mythos und gleichzeitig einen neuen unkaputtbaren Filmkiller geschaffen, der genügend Potenzial besitzt, um in mehreren Fortsetzungen sein Unwesen treiben zu können. Sichtlich von Cravens NIGHTMARE ON ELM STREET inspiriert, erinnert THE DROWNSMAN an die vielen schwarzhumorigen Abenteuer eines gewissen FREDDY KRUEGER, der in sieben Albträumen, einer TV-Serie und dem obligatorischen Remake sein Unwesen trieb. Der schlich sich in die Albträume vorlauter Teenager, um sie dort einen Kopf kürzer machen zu können. Ganz ähnlich geht es THE DROWNSMAN zu. Bösewicht Sebastian ist zwar nicht zu scharfzüngig wie sein kreativer Metzelkollege aus der Elm Street, hat es aber ebenso faustdick hinter den schmutzigen Ohren. Die dampfenden Rohre und lodernden Flammen aus Freddys Welt wurden durch speiende Wasserfontänen ersetzt, die es dem Killer ermöglichen ahnungslose Opfer aus unserer in seine feuchte Welt zu zerren. Kaum kommt eine der Figuren mit Wasser in Berührung findet sie sich im Folterkeller des Drownsman wieder und muss dort ums Überleben wimmern und schwimmen. Das passiert atmosphärisch, abwechslungsreich und tricktechnisch ganz ordentlich, so dass THE DROWNSMAN definitiv Lust auf mehr macht. In diesem Fall darf die Fortsetzung gern kommen – wir sind bereit.
 
 
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THE DROWNSMAN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
A NIGHTMARE UNDERWATER. Ein freucht-gruseliges Albtraumszenario, das sich menschliche Urängste zunutze macht, um maximales Unbehagen heraufbeschwören zu können. Auch wenn der Plot so ziemlich offensichtlich an Cravens Klassiker NIGHTMARE ON ELM STREET erinnert ist THE DROWNSMAN besser als man bei einer solch erfolgreichen Vorlage vermuten würde. Macher CHAD ARCHIBALD hat einen soliden Horrorbeitrag ohne Längen auf Zelluloid gebracht, der unbeschwert mit dem Element Wasser spielt und ganz nebenbei für ein paar fiese Schreckmomente sorgt, die trotz Vorhersehbarkeit ordentlich zusammenschrecken lassen. Die Quintessenz des Streifens ist jedoch Filmmonster Sebastian. Der wortkarge, mürrische und imposante Bösewicht hat gute Chancen in die Reihe beliebter Filmmeuchler aufgenommen zu werden. Da kann man nur hoffen, dass der Film trotz schauspielerischer Defizite und simpler Geschichte gut angenommen wird, damit eine Fortsetzung folgen kann, schließlich hat Regisseur CHAD ARCHIBALD mit seinem THE DROWNSMAN das erreicht, von dem manch anderer Filmschaffender nur träumen kann: unterhaltsames Horrorkino, das den Zuschauer packt und nicht mit Langeweile quält.
 
 
 


 
 
 

THE DROWNSMAN – Zensur

 
 
 
Blut oder Gewalt gibt es im Film nicht zu sehen. Der Filmmörder reißt seine „Beute“ unter Wasser oder sperrt sie in Behälter, die sich dann mit Wasser füllen. Demzufolge wird THE DROWNSMAN bereits für Jugendliche ab 16 Jahren geeignet sein.
 
 


 
 
 

THE DROWNSMAN – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Fluch von Darkness Falls (2003)
 
Dream Demon (1988)
 
A Nightmare on Elm Street (1984)
 
Ring – Remake (2002)


Filmkritik: “Greatful Dead” (2013)

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GREATFUL DEAD

(GUREITOFURU DEDDO)

Story

 
 
 
Die attraktive Nami (Kumi Takiuchi) hat ein ungewöhnliches Hobby: sie beobachtet gern heimlich einsame Menschen, weil sie sich als Kind oft selbst allein gefühlt hat. Als ihr ein besonders einsames Exemplar vor’s Fernglas kommt, passiert das, womit niemand gerechnet hat. Nami verwandelt sich zur unberechenbaren Stalkerin, die jeden Schritt ihres Beobachtungsobjektes überwachen muss …
 
 
 


 
 
 

GREATFUL DEAD – Kritik

 
 
 
Die kleine Nami möchte nicht mehr von allen ignoriert und alleingelassen werden. Die Mutter hat sich aus dem Staub gemacht, um den Kindern in der Dritten Welt helfen zu können. Der Vater zerbricht am Verlust und verkriecht sich in seine Kammer, um im Selbstmitleid zu verfließen. Für die große Schwester eine kaum ertragbare Situation, mit der sie sich nicht auseinandersetzen möchte. Sie zieht zu ihrem Freund und erhofft dort ein geregeltes Leben in Familie. Zurück bleibt einsam Nesthäkchen Nami, die in der Schule Mitschüler verprügeln und im Shoppingkanal wahllos Elektrogeräte bestellen muss, um von den Eltern endlich wahrgenommen zu werden. Zehn Jahre später ist Nami zu einer attraktiven Frau herangewachsen – fühlt sich aber immer noch unbeachtet. Statt sich mit Gleichaltrigen zu verabreden, bespitzelt sie lieber einsame Menschen mit dem Fernglas, um deren Tagesabläufe zu studieren. Als ihr der verbitterte Herr Shiomi vor das Fernrohr kommt, sieht sie in ihm einen Seelenverwandten und beginnt den Rentner zu überwachen. Weil GREATFUL DEAD nun mal in Horror-Genre verwurzelt ist, dürfte klar sein, dass die Geschehnisse bald eine unerwartete Wendung nehmen werden. Der gebrechliche Alte bekommt Besuch von einer charmanten Haustürpredigerin, schöpft neuen Lebensmut und verbringt plötzlich viel Zeit mit Familie und Kirche. Für Nami eine nicht hinnehmbare Situation. Sie heuert einen Killer an, der dafür sorgen soll, dass sich der Greis endlich wieder einsam fühlt.
 
 
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GREATFUL DEAD ist äußerst morbide Unterhaltung, die sich ausgefuchste Köpfe in Japan einfallen lassen haben. Dort beweist man in bescheidener Regelmäßigkeit, dass man ein Händchen für sonderbare Filmstoffe besitzt, die immerhin westlichen Filmschaffenden ein gutes Beispiel sein sollten, wie man sehenswerte Horrorfilme macht. In diesem skurrilen Filmerlebnis darf der Zuschauer einem bitterbösen Schlagabtausch der Generation beiwohnen, der – wie sollte es auch anders sein – in viel Geschrei und deftigen Kills mündet. Was der Zuschauer anfangs noch nicht weiß: hinter dem unschuldigen Gesicht der Antiheldin verbirgt sich das unberechenbare Böse. Protagonistin Nami ist nämlich kein Engel, sondern eine traumatisierte Stalkerin, die nach Jahren der Abweisung gelernt hat mit Einsamkeit umzugehen. Schnell wird klar, dass die jahrelange Ignoranz von Mutter und Vater Spuren hinterlassen hat. In ihrer eigenen Welt fühlt sie sich verstanden, lebt und handelt nach ganz eigenen Regeln. Doch was für die Heldin normal zu sein scheint, wirkt auf das Publikum befremdlich, schließlich hat Nami über die Jahre eine äußerst fragwürdige Methode entwickelt Liebe und Zuneigung zum Ausdruck zu bringen.
 
 
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Makaber und rabenschwarz: GREATFUL DEAD ist ein schrulliges Kinoerlebnis, das diverse Genres miteinander vereint. Der japanische Regisseur EIJI UCHIDA mixt auf erfrischende Weise Elemente aus Horrorfilmen, Thriller, Komödien und Dramen zu einem unterhaltsamen Cocktail, der mit einem gewissen Augenzwinkern genossen werden sollte. Auch wenn GREATFUL DEAD ernste Themen, wie Anonymität und Einsamkeit der heutigen, schnelllebigen Gesellschaft erforscht, hat Macher EIJI UCHIDA seinen sehenswerten Stalker-Streifen mit reichlich Selbstironie ausgestattet, damit es auch etwas zu Schmunzeln gibt. Wenn sich Alt und Jung die Augen auskratzen, unerwartete Wendungen ihren Lauf nehmen und Sympathiepunkte neu verteilt werden, kann man UCHIDA für diesen unterhaltsamen und dennoch ungewöhnlichen Terror-Flick nur beglückwünschen. Hauptdarstellerin KUMI TAKIUCHI erweist sich übrigens als Glücksgriff. Sie konnte sich gegen 500 andere Bewerberinnen behaupten und erhielt die Rolle der traumatisierten und bemitleidenswerten Antiheldin. Dass die junge Japanerin zuvor noch nie vor der Kamera gestanden haben soll, mag man gar nicht glauben, scheint ihr doch die Rolle der Psychopathin wie auf dem Leib geschneidert zu sein.
 
 
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GREATFUL DEAD – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Da sind sie wieder: die seltenen acht Filmklappen, die dieser Film zu recht verdient hat. GREATFUL DEAD ist großartiges, rabenschwarzes Horrorkino aus Fernost, in dem weder die Geschichte noch ihre Figuren zu kurz kommen. Japan beweist mal wieder, dass man in puncto Einfallsreichtum westlichen Filmschaffenden haushoch überlegen ist. Abermals traut man sich das Unkonventionelle und trifft damit den Nerv der Horrorfans. Auch wenn es in GREATFUL DEAD äußerst makaber und bitterböse zugeht, gibt es auch reichlich zu Schmunzeln, denn Regisseur EIJI UCHIDA achtet darauf, dass sich die eigentlich ernste Thematik nicht zu sehr auf das Gemüt des Zuschauers legt. GREATFUL DEAD besitzt eine brisante soziale Botschaft und erforscht die Folgen einer rasch alternden Bevölkerung, die in einer schnelllebigen und anonymen Gesellschaft immer häufiger mit Einsamkeit zu kämpfen hat. Dass jedoch die Einsamkeit schon längst nicht mehr ausschließlich ein Problem der Alten ist, wird anhand der zermürbenden Charakterstudie von Antiheldin Nami deutlich. Die ist als traumatisierte Psychopathin in ihrem Vorgehen zwar abgebrüht, aber dann doch wieder zu menschlich, dass man ihr das abnormale Verhalten nicht übel nehmen möchte. Dass Schauspielerin KUMI TAKIUCHI bisher noch nie vor der Kamera gestanden hat, ist ein Segen. Die spielt trotz Unerfahrenheit so natürlich, dass man Regisseur EIJI UCHIDA für diese Besetzung nur beglückwünschen kann. Bei so morbid-kreativem Horrorstoff dürfte es wohl niemanden überraschen, wenn Hollywood Interesse an einem amerikanischen Remake bekunden würde, schließlich ist GREATFUL DEAD ein sehenswertes Thriller-Erlebnis, das wir auch jenen Filmfans empfehlen können, die sonst so ihre Probleme mit Horrorware aus Fernost besitzen.
 
 
 


 
 
 

GREATFUL DEAD – Zensur

 
 
 
Auch wenn es im Film des Öfteren was zu Lachen gibt, kommen auch Gewaltfreunde auf Ihre Kosten. Es gibt einen Fall kopfüber in Reißzwecken zu sehen, Protagonisten werden erschlagen oder mit einem Besen durchbohrt. Insofern der Film hierzulande ausgewertet werden sollte, wird der blaue FSK16-Flatschen auf das Heimkinocover gedruckt.
 
 


 
 
 

GREATFUL DEAD – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Devil May Call (2013)

Come Back to Me (2014)

Crush – Gefährliches Verlangen (2013)

Stalker (2011)

Misery (1990)

One Hour Foto (2002)

Swimfan (2002)

Obsessed (2009)

The Roommate (2011)

Captivity (2007)

Mr. Brooks – Der Mörder in Dir (2007)

Eine verhängnisvolle Affäre (1987)


Filmkritik: “The Redwood Massacre” (2014)

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THE REDWOOD MASSACRE

Story

 
 
 
Wenn Jason Voorhees auf Leatherface trifft, erlebt man vermutlich THE REDWOOD MASSACRE. Dieser britische Slasher berichtet einmal mehr von abenteuerlustigen Campern, die den Schauplatz eines Vebrechens aufsuchen und feststellen müssen, dass der Killer von einst immer am Leben ist.

 
 
 


 
 
 

THE REDWOOD MASSACRE – Kritik

 
 
 
Mit THE REDWOOD MASSACRE wird die lange Liste günstig gedrehter Backwood-Slasher um einen weiteren Vertreter bereichert und erfüllt Liebhaber grober Schlachtfilme mit Freude, schließlich darf sich endlich mal wieder ein Film mit „Massaker“ im Titel brüsten in dem es dann auch wirklich deftig zur Sache geht. Umso verwunderlicher, was die Prüfer der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK) dazu bewegt haben muss THE REDWOOD MASSACRE ungeschnitten für deutsche Horrorkonsumenten freizugeben. Vermutlich saß wohl selbst ein Anhänger der ungemütlichen Filmunterhaltung im Prüfgremium und hatte Erbarmen mit deutschen Slasher-Fans, die sich gierig die Hände nach möglichst blutigen Meuchelwerken reiben – insofern sie denn ungerupft in die Händlerregale kommen.
 
 
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Besser gut kopiert als schlecht selbst gemacht: Regisseurs DAVID RYAN KEITH bedient sich reichlich unverfroren bei den ganz Großen. So muss neben Cunninghams Schitzerepos FREITAG DER 13. auch Hoopers Terrororgie TEXAS CHAINSAW MASSACRE für nicht sonderlich klug gestrickte Low-Budget-Schlitzerei herhalten, die dann wenig eigenständig nach Schema F abgehandelt wird. Kluge Wendungen und kreative Todesarten sind Mangelware. Stattdessen lässt der Britte einen übermenschlichen Killer nach amerikanischem Vorbild auf abenteuerlustige Touristen los, die genau dort campen und feiern wollen, wo sich vor vielen Jahren ein grausames Blutbad ereignet hat. Anfangs noch zu Scherzen aufgelegt, geht es denn Endzwanzigern bald an den Kragen. Der Übeltäter von damals ist zurück und macht das, was er wohl am besten kann: töten, sägen und zerstückeln. Der fleischgewordene Albtraum aus LEATHERFACE und JASON VOORHEES hat unbeschreiblichen Blutdurst und ein ausgeprägtes Verlangen nach unmenschlicher Folterei. Mit spitzem Werkzeug jagt er seine Beute durch die Wälder und stapelt Menschen in seiner Hütte, die irgendwie niemand zu vermissen scheint.
 
 
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Nicht über Filmfehler nachdenken und sich vom Blutrausch berieseln lassen. THE REDWOOD MASSACRE ist erwartungsgemäß nichts Hochgeistiges, sondern will vor allem jene ansprechen, deren Herz bei Old-School-Slashern schneller zu schlagen beginnt. Ganz wie in den guten alten Zeiten ist man um dreckige Atmosphäre und möglichst unangenehme Spezialeffekte bemüht, die übrigens alle handgemacht sind. Schauspieler und Geschichte kommen leider zu kurz und erhalten keine Tiefe – ein Manko, das in einer Zeit ewig gleicher Horrorstreifen den meisten Meuchelfilmen das Genick bricht. Auch THE REDWOOD MASSACRE ereilt gleiches Schicksal, denn die austauschbare Handlung und die schablonenhaften Figuren dürften dafür sorgen, dass dieses Massaker so schnell aus den Köpfen der Horrorfans verschwunden sein wird, wie die meisten Gewinner deutscher Castingshows.
 
 
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THE REDWOOD MASSACRE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Blutreicher Splatter-Exkurs im englischen Hinterland. Die FSK schien bei der Beurteilung ihrer Freigabe nicht ganz bei Sinnen gewesen zu sein, denn der Blutgehalt von THE REDWOOD MASSACRE ist dermaßen hoch, wie schon lange nicht mehr in einem von der Behörde geprüften Horrorfilm. So dürfte es Willkür gewesen sein, dass dieser Slasher ungeschnittenen durch die Prüfung gewandert ist – ganz zur Freude der Fanmeute, die bedenkenlos zugreifen kann. Der Britte DAVID RYAN KEITH macht es bekannten Kultmeuchlern gleich. Nach amerikanischem Vorbild und in bekannter FREITAG DER 13.-Manier wird menschliches Kanonenfutter durch den Fleischwolf gejagt, damit sich der Zuschauer am langsamen Ableben erfreuen kann. Sonderlich neu ist das nicht und das ist das eigentliche Problem dieses britischen Low-Budget-Massakers. Viel zu oft hat man seit Bestehen des Slasher-Genres derart Verbrechen zu sehen bekommen, so dass sich schnell Langeweile breit macht, weil auch THE REDWOOD MASSACRE nur die fürs Subgenre bekannte Klischeeliste abharkt. Die Protagonisten verhalten sich dämlich, der wortkarge Killer tötet skrupellos und die obligatorische Screamqueen nimmt am Ende den Kampf gegen ein maskiertes Monster ufn, das selbstverständlich am Ende in die Kamera blinzelt, damit eine Fortsetzung kommen kann. Aufgrund der routinierter Machart, vielen blutigen Kills und einigen atmosphärischen Einstellungen gibt es trotzdem noch fünf Klappen. Allen Anhängern des rauen 80er-Slashers dürfte die mangelnde Abwechslung vermutlich keine Sorgen bereiten.
 
 
 


 
 
 

THE REDWOOD MASSACRE – Zensur

 
 
 
Ein recht blutiger Vertreter im Slasher-Genre in dem sogar auch etwas gefoltert wird. Hierzulande gab’s dafür erstaunlicherweise den roten 18er-Flatschen von der FSK – ungeschnitten!
 
 
 


 
 
 

THE REDWOOD MASSACRE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Redwood Massacre; Großbritannien 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1

Laufzeit: ca. 100 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Making of

Release-Termin: 24.04.2015

 

The Redwood Massacre [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE REDWOOD MASSACRE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

Die Rechte aller für die Review verwendeten Bilder liegen bei MARITIM PICTURES

 
 
 
Ähnche Filme:
 
See No Evil 2 (2014)

Wolf Creek 2 (2014)

Hatchet 3 (2013)

Freitag der 13. (2009)


Kritik: “Always Watching: A Marble Hornets Story” (2015)

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ALWAYS WATCHING: A MARBLE HORNETS STORY

Story

 
 
 
Einige sensationshungrige Reporter entdecken bei Dreharbeiten in einem Keller merkwürdige Videobänder einer spurlos verschwundenen Familie, auf denen eine dürre Kreatur im Anzug ihr Unwesen treibt. Das Filmteam wittert eine packende Story und forscht nach.
 
 
 


 
 
 

ALWAYS WATCHING: A MARBLE HORNETS STORY – Kritik

 
 
 
Was lehrt uns das Horror-Genre immer wieder? Dass man besser nicht die Nase in fremde Angelegenheiten steckt, denn Neugierde wird oft in dieser Art von Filmen mit einem schrecklichen Ableben bestraft. Manchmal ist es besser, wenn man nicht im Leben fremder Menschen herumschnüffelt, denn gerade im Horrorkino ist das Böse begierigen Hobbydetektiven meist stets einen Schritt voraus – eine Weisheit, die den Freunden in ALWAYS WATCHING – A MARBLE HORNETS STORY womöglich das Leben gerettet hätte. Die drei Sensationsreporter gehören zu einem regionalen Nachrichtenteam und sind stets auf der Jagd nach möglichst reißerischen Titelgeschichten, um das Interesse der Zuschauer für sich gewinnen zu können. Während den Dreharbeiten zu einer Reportage über Zwangsvollstreckungen entdeckt man bei Streifzügen durch ein verlassenes Haus eine Kiste Videobänder im Keller. Auf denen beobachten die Freunde mysteriöse Dinge. Eine gesichtslose Gestalt im schwarzen Anzug scheint sich an die Fersen jener Familie geheftet zu haben, die bisher im Haus gewohnt hat. Schnell kommt man zu dem Schluss, dass die ehemaligen Eigentümer nicht von der Bank vertrieben wurden, sondern aus Angst vor einer unheimlichen Kreatur freiwillig das Weite gesucht haben. Was folgt, wird für das Reporter-Team kein gutes Ende nehmen. Sie wittern eine Topstory und versuchen das Geheimnis der Videobänder zu entschlüsseln, nichtsahnend, dass sie bald selbst ins Visier des “Operators” geraten, der den Freunden die letzten Stunden ihres noch jungen Lebens zur Hölle machen wird.
 
 
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Sie sind wieder da: verwackelte Filmaufnahmen, die aus der Ego-Perspektive Horrorgeschichten erzählen. Was täte die Menschheit nur ohne die fiesen Schüttelorgien, die Zuschauer seit BLAIR WITCH PROJECT und PARANORML ACTIVITY regelmäßig zur Verzweiflung treiben? Vermutlich würden Hersteller von Kopfschmerzmedikamenten dann weitaus weniger Umsätze erzielen. Jegliche Kritik über die nicht enden wollende Flut an Found-Footage-Streifen scheint vergebens zu sein, denn die schwindelerregenden Filmdokumente werden wohl auch in den kommenden Jahren nicht von der Bildfläche verschwinden und weiterhin polarisieren. ALWAYS WATCHING – A MARBLE HORNETS STORY ist waschechter Found-Footage, wie es im Buche steht und basiert auf der bekannten Webserie MARBLE HORNETS. Das Fanprojekt erfreute sich zwischen 2009 und 2014 im Netz großer Beliebtheit und machte sich dem Internet-Mythos des Slender Mans zu eigen. Weil sich um die Web-Reihe über Jahre eine internationale Fangemeinde gebildet hat, war es nur eine Frage der Zeit, bis das Konzept der Serie ausgeschlachtet und irgendwie gewinnbringend auf die Leinwand gebracht werden musste.
 
 
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Zugegeben, die Macher der Kinoversion wissen wie sie Found-Footage-Fans zufriedenstellen müssen, denn ALWAYS WATCHING – A MARBLE HORNETS STORY ist weitaus besser, als der schlechte Ruf jener Gattung Filme. Im Unterschied zur erfolgreichen Internetvorlage geht es in der Spielfilmumsetzung wesentlich flotter zugange, so dass kaum Zeit zum Verschnaufen bleibt. In einer Art Detektivspiel werden die neugierigen Protagonisten von einer Station zur nächsten getrieben und finden Anhaltspunkte, um das mysteriöse Verschwinden der eigentlichen Videotape-Eigentümer rekonstruieren zu können. Verfolgt werden sie dabei von einer gesichtlosen Kreatur im Anzug, die nur auf Videomaterial oder durch die Kamera selbst gesehen werden kann und selbstverständlich nichts Gutes im Schilde führt. Was in ALWAYS WATCHING – A MARBLE HORNETS STORY passiert ist letztendlich nicht sonderlich originell. Zu sehen gibt es die fürs Genre bekannten, stets trivialen Schreckmomente (Stichwort: Filmhund!), die trotz Vorhersehbarkeit dennoch zusammenschrecken lassen. Zudem fehlen ebenso wenig Ton- und Bildausfälle, die immer dann auftreten, wenn das Böse mit seinen Opfern abrechnen möchte.
 
 
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Was den Film aber trotzdem über weite Strecken interessant macht, ist der zugrundeliegende Mythos des beängstigenden Slender Mans – ein fiktives Wesen, geschaffen in der modernen Internetkultur, das dank kreativer Nutzer durch Fotos, Videos, Computerspielen und dem Web selbst zu beachtlicher Popularität gekommen ist. Im Film wird die Kreatur schlicht als “Operator” betitelt. Glücklicherweise wird über deren Herkunft kaum ein Wort verloren, so dass sich immer noch genügend Grauen im Kopf des Zuschauers entwickeln darf, damit dieser Gänsehaut bekommt. Vermutlich dürfte das Kopfkino aber nicht lang Bestand haben. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass finanziell lukrative Horrorfilme in Serie gehen und ihrer Illusionen beraubt werden müssen. Da ALWAYS WATCHING – A MARBLE HORNETS STORY genug Potenzial und Substanz für weitere Fortsetzungen besitzt, dürfte es nicht verwundern, wenn auch dieses Franchise so lang gemolken wird, bis es keiner mehr sehen möchte.
 
 
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ALWAYS WATCHING: A MARBLE HORNETS STORY – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Gänsehautverursachender Angstmacher: ALWAYS WATCHING – A MARBLE HORNETS STORY ist über weite Strecken wirklich gruselig und macht jene Filmfans hellhörig, die sich immer noch nicht an Found-Footage-Streifen sattgesehen haben. Zugegeben, viel Neues gibt es hier nicht zu sehen. Dafür orientiert sich der auf der berüchtigten Webserie MARBLE HORNETS basierende Horrorbeitrag zu sehr am Einmaleins für Wackelfilme aus der Egoperspektive. Interessant macht den Film aber das eigensinnige Filmmonster, über das nicht viele Worte verschwendet wird. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass fehlende Erklärungen meist das Kopfkino des Publikums beansprucht. Das ist auch in ALWAYS WATCHING – A MARBLE HORNETS STORY der Fall und wirkt weitaus verstörender, als den Film bis ins Detail zu analysieren und zu erklären, damit der Filmfan ruhig schlafen kann. Kurzum: dieser Streifen gehört zu den besseren Vertretern der Schüttelschocker.
 
 
 


 
 
 

ALWAYS WATCHING: A MARBLE HORNETS STORY – Zensur

 
 
 
Splatter und Gore ist hier Mangelware. Ein Held erhängt sich selbst und wandelt später als lebender Toter durch den Film. Ein anderer Protagonist wird mit einem Gewehr erschlagen. Da in ALWAYS WATCHING kaum Gewalt gezeigt wird, darf man sich über eine ungeschnittene FSK16 freuen.
 
 


 
 
 

ALWAYS WATCHING: A MARBLE HORNETS STORY – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Marble Hornets (2009 – 2014)
 
The Slender Man (2013)
 
Smiley (2013)
 
The Den (2014)
 


Filmkritik: “Forbidden Zone” (1980)

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FORBIDDEN ZONE

(TOTALER SPERRBEZIRK)

Story

 
 
 
Ein Abbruchhaus in Venice Beach: Der stilecht in rassistisches Blackface-Make-Up gepackte Zuhälter Huckleberry P. Jones muss ein Paket mit Heroin verstecken und öffnet aus Versehen eine geheime Tür im Keller. Dahinter liegt die FORBIDDEN ZONE. Die sechste Dimension ist das. Vier und fünf werden einfach übersprungen. Huckleberry sieht zu, dass er Land gewinnt. Verständlich. Der recht depressive, schwedischstämmige Teerfabrikarbeiter Mister Hercules kauft das Haus. Mit ihm ziehen seine ebenso dauergeschlauchte Frau, der meistens stumme, ab und an jiddisch murmelnde Großvater, die nach einem Schüleraustausch zur Französin gewordene Tochter Susan (jetzt Frenchy) und ihr Bruder Flash in das sehr spezielle Haus ein. Frenchy hat auf dem Schulhof – da redet man über so was – von der sechsten Dimension gehört. Das erzählt sie am Frühstückstisch, nachdem erst mal ein völlig durchgedrehtes Jazzstück aufgeführt worden ist und sich die Familienmitglieder in ausreichendem Maß gegenseitig auf die Köpfe geschlagen haben. In ihrer Schilderung des Schulalltags liefert die Französin eine Playback-Performance von Josephine Bakers hübschem Comedy-Liedchen „La Tonkinoise“ ab. Vor einer Schulklasse, die komplett aus Freaks besteht. Unter anderem Blaxploitation-Zuhälter, glatzköpfige Mutanten, und der Führer. Wieder daheim geht sie in den Keller und stürzt sich in jugendlichem Leichtsinn und dem Morgenmantel, den sie grundsätzlich trägt, mitten hinein ins Dimensionsportal. Dieses Portal ist ein riesiger gemalter Verdauungstrakt, der die Reisenden an ihrem Ziel auch dementsprechend ausscheidet. Als Kackawürste mit braunen Kissen. Drüben angekommen wandert Frenchy planlos umher und betrachtet sich die Musiknummern, die von den zahlreichen Bewohnern des Schattenreichs aufgeführt werden. Sowohl die Nummern, als auch ihre „Stars“, sind alle jenseits von Gut und Böse. Flash und der Großvater begeben sich auf Rettungsmission. Chef in der Zone ist König Fausto, gespielt von Hervé Villechaize, dem Zwerg aus „Fantasy Island“ und dem James-Bond-Film „Der Mann mit dem goldenen Colt“. Er sitzt an einer Banketttafel, über der nackte Menschen als Kronleuchter angebracht sind. Fausto ist immer scharf und freut sich über Frischfleisch aus der Welt oberhalb des Kellers. Seine Frau Doris (Susan Tyrell, Warhol-Schauspielerin und Exfreundin des kleinwüchsigen Potenzgenerals) ist die klassische böse Märchenkönigin und seine Tochter ein über-kalifornisches Surfergirl, das grundsätzlich mit nackten Möpsen rumrennt und kreischt. Hier sind ohne Zweifel Tabletten im Spiel. Sofort macht sich Eifersucht auf Frenchy breit, die allein schon aufgrund des verwandten Akzents des Königs Aufmerksamkeit sicher hat. Die schäumende Queen Doris lässt sie einkerkern. Dort verwest auch die rechtmäßige Königin der sechsten Dimension – Fausto und Doris sind nur Emporkömmlinge. Ihr Töchterchen soll Frenchy angemessen foltern und dann auf dem elektrischen Stuhl oder dem Richtblock des Henkers enden lassen. Das Rettungskommando für das Rettungskommando lässt nicht lange auf sich warten. Pa Hercules selbst und Frenchys pickliger Schulkumpel Squeezit transportieren sich in die sechste Dimension. Sie besuchen den Teufel, der gerade mit seiner Jazz Big Band Probe hat und bitten ihn um Hilfe. Der sitzt da einfach in einer der vielen Höhlen an seiner Heimorgel. Natürlich.

 
 
 


 
 
 

FORBIDDEN ZONE – Kritik

 
 
 
Kennen sie die schwarzweißen Zeichentrickfilme der Fleischer Studios? „Betty Boop“, die bekannteste Schöpfung der nach New York ausgewanderten Österreicher, doch bestimmt? Diese recht krude animierten und nach viel Substanzenmissbrauch ihrer Zeichner hergestellten Cartoons sind schwindelerregend verrückt. Viele der Filmchen wurden über die Jahre wegen zu offener Rauschgiftreferenzen, Sex- und Gewaltszenen oder rassistischer Figuren Opfer von Verbotskampagnen. FORBIDDEN ZONE ist die 1980 entstandene Realfilmversion dieser Cartoons aus den Zwanziger bis Vierziger Jahren. Bloß noch brutaler, noch sexbesessener, noch bedrogter und noch überzogener. Oh, und als Halbplayback-Musical. Während der Realfilmszenen werden immer wieder animierte Hintergründe verwendet. Die Schauspieler hat man hierfür fotografiert und von Hand eingefügt.
 
 
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Was für Gastauftritte! In einem Flashback auf Squeezits unglückliche Kindheit taucht kein geringerer als Joe Spinell aus Ekel-Kult-Horrorfilm „Maniac“ natürlich, auf, der sich über den schmächtigen Sohn seiner Affäre lustig macht. Der Teufel ist Danny Elfman, Bruder des Regisseurs und Begründer der „Mystic Knights Of The Oingo Boingo“, jener durchgedrehten Theatergruppe hinter THE FORBIDDEN ZONE. Satan ist hier ein fracktragender Bandleader, der mit seinem Orchester eine ordentliche Version von Cab Calloways Hot-Jazz-Standard „Minnie The Moocher“ zum Besten gibt und gleichzeitig Squeezit den Kopf abschlägt. Der wird dann in ein Hühnchen verwandelt, sein Kopf schwebt frei durch den Rest des Films. Zu dem Zeitpunkt ist das Hirn von sechzig Minuten Laufzeit bereits so weichgekocht, dass man diese Szene als völlig normal empfindet. Der Mensch ist an sich einfach nicht gebaut für eine spirituelle Kleinhirn-Grillparty wie THE FORBIDDEN ZONE, sollte sich aber weiterentwickeln. Später wurde Elfman natürlich zu einem der erfolgreichsten Komponisten für Film- und Fernsehsoundtracks, Standardkomponist für die Filme Tim Burtons und Schreiber der „Simpsons“-Titelmelodie. Die Musik, zum Teil Playback, zum Teil eigene, sehr geile Songs, variiert zwischen altem Jazz für große Orchester und dem hektischen, perkussiven New Wave, den Danny Elfman bis in seine Soundtracks immer wieder aufgreifen sollte. Oingo Boingo, seine Band in den Achtzigern, war aus den Mystic Knights hervorgegangen.
 
 
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Richard Elfman, Dannys Bruder, ist seit Jahren schon ein mittelhohes Tier bei den Geldverdienern von Scientology. Interessante Gedankengänge bei dem Mann. Von Gehirnzellen zu Marmelade verarbeitendem Filmgut zur Vereinigung fürs Abkochen selbstoptimierungsgeiler Finanzjongleure. Ganz groß. Mit Punkten nicht zu bewertendes Kino, weil nicht mit anderen Filmen zu vergleichen..
 
 
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FORBIDDEN ZONE – Fazit

 
 
 
10 Punkte Final
 
 
 
FORBIDDEN ZONE sollten Personen meiden, die von sich behaupten, geistig voll bei der Sache zu sein. Allen anderen eröffnet sich eine phantasievoll gedrechselte Klapsenwelt, die in der Filmgeschichte keine Parallelen hat und sogar musikalisch richtig knallt. „The Rocky Horror Picture Show“ nachdem man an einer psychedelischen röte geleckt hat. Gerüchten zufolge gibt es Menschen, die FORBIDDEN ZONE nicht gut finden. Sollte das stimmen, sind das zweifelsohne kranke Perverse, die eingeschläfert werden müssten. Dieser Film sollte in Schulen zum Pflichtprogramm gehören.
 
 
 


 
 
 

FORBIDDEN ZONE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von FORBIDDEN ZONE ist für Jugendliche geeignet. Auf der erhältlichen DVD befindet sich die ungeschnittene Fassung: FSK16.
 
 
 


 
 
 

FORBIDDEN ZONE – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) CMV (Kleine Hardbox Cover A)

 
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(c) CMV CMV (Kleine Hardbox Cover B)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Forbidden Zone; USA 1980

Genre: Komödie

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0

Untertitel: Keine

Bild: 1,78:1 (anamorph / 16:9)

Laufzeit: ca. 70 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Kleine Hardbox – in 2 verschiedenen Covermotiven erhältlich

Extras: Entfernte Szenen ( 5:44 ), Original Trailer ( 0:45 ), Japanische Promotion ( 3:51 ), Dokumentation “A Look into Forbidden Zone” ( 35:46 ), Outtakes ( 10:49 ), Musikvideo “Private Life” von Oingo Boingo ( 3:40 ), Zwei Szenen aus “The Hercules Family” ( 5:25 ), Audiokommentar eines nicht näher vorgestellten Sprechers, kolorierte Version

Release-Termin: 24.01.2014

 

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FORBIDDEN ZONE – Trailer

 
 

 
 
 

Christian Ladewig

Die Rechte aller für die Review verwendeten Bilder liegen bei CMV

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Rocky Horror Picture Show (1975)
 
Eraserhead (1977)
 
Fantasia (1940)
 
Charlie und die Schokoladenfabrik (2005)
 


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