Filmkritik: „The Pool“ (2014)

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THE POOL

(DE POEL)

Story

 
 
 

Zwei Familien suchen Erholung in der freien Natur. Doch der erquickliche Campingurlaub wird zum Horrortrip, denn bald mehren sich die unheimlichen Ereignisse.

 
 
 


 
 
 

THE POOL – Kritik

 
 
 
Heute werfen wir mal einen Blick rüber zu unseren holländischen Nachbarn. Dort hat man an einem schönen Beispiel für raffinierten Psycho-Horror getüftelt, der gerade aufgrund seiner einfachen aber umso intelligenteren Machart nicht unerwähnt bleiben sollte. THE POOL (im Original DE POEL) heißt der Ausflug ins Horrorfach, der vor allem deshalb so besonders ist, weil er in den Niederlanden entstanden ist – einem Land also, in dem gefühlt alle zehn Jährchen mal ein Horrorfilm gedreht wird. Zuletzt hat man dort mit FRANKENSTEIN’S ARMY für Aufsehen gesorgt. Das Found-Footage-Spektakel blieb vor allem wegen seiner grotesken Filmmonster in Erinnerung, die sich durch ein bizarres Kriegs-Szenario metzelten, in dem sich meterhohe Leichenberge stapelten. Umso verwunderlicher, dass die ruppige Monsterhatz und der eher psychologische THE POOL mehr Gemeinsamkeiten besitzen, als man anfangs annehmen würde. Hinter THE POOL und FRANKENSTEINS ARMY verbirgt sich nämlich ein und derselbe Autor. Der heißt CHRIS W. MITCHELL und versucht sich nun nach einigen Kurzfilmen und verfassten Drehbüchern auch mal selbst im Filmemachen. Erstaunlich gut ist sein Vorhaben gelungen – auch wenn die Schauspieler des Debüts zur Abwechslung mal nicht den amerikanischen Schönheitsidealen entsprechen. Hier zählt der Inhalt!
 
 
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Zwei Familien und ein See. THE POOL berichtet von zwei Familien, die sich aufmachen, um ihren Urlaub zu genießen. Der soll fernab der gewohnten Großstadthektik stattfinden. Irgendwo im Wald hat man ein schönes Plätzchen Erde, gelegen an einem traumhaften See, entdeckt und die Zelte ausgepackt. Die ersten Stunden versprechen Erholung pur. Es wird gebadet, gekocht und geruht. Doch die Idylle ist trügerisch. Am folgenden Morgen setzt sich ein sonderbarer Strudel bizarrer Ereignisse in Gang. Erst verderben Lebensmittel unter mysteriösen Umständen und Familienmitglieder werden von Albträumen aus dem Schlaf gerissen. Später erkrankt einer der Anwesenden und stirbt. Leider kann keine Hilfe gerufen werden. Die Handys haben keinen Empfang und alle Wege weg vom Camp führen letztendlich zurück ins Camp. Was passiert hier und welch furchtbares Geheimnis umgibt diese friedliche Gegend? Die Antworten darauf sind alles andere als erfreulich.
 
 
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Sind wir hier auf den Privaten? Nein, THE POOL ist keine Horror-Version des ehemaligen Quotenhits DIE CAMPER, der mit tumbem Humor und sattsam bekannten Alltagssituationen auf RTL die Zuschauer erfreute. Ganz im Gegenteil. Zu lachen haben die Protagonisten des besprochenen Filmalbtraums leider herzlich wenig. Ihnen blüht ein schreckliches Schicksal, dem am Ende leider nur einer entgehen kann. Regisseur CHRIS W. MITCHELL geht es in seinem ersten Langfilm clever an. Der hält sich bedeckt, was Erklärungen angeht, gibt nur wenig preis und lässt sich bis kurz vorm Abspann mehrere Interpretationsmöglichkeiten offen. Im Lager kommt rasch schlechte Stimmung auf. Weil Lebensmittel verdorben sind und sich die Eheleute beim Fremdgehen beobachten, gibt es bald Ärger. Aber es kommt noch dicker. Zwei Brüder balzen um ein Mädchen, was zusätzlich Konflikte schürt und die Gemüter erhitzt. Stress bringt die Familien gegeneinander auf die Barrikaden und seltsame Visionen treiben Familienvater Lennaert regelrecht in den Wahnsinn. Der ist bald nicht mehr Herr der eigenen Sinne und legt schrecklich aggressives Verhalten an den Tag. Was folgt erinnert ein wenig an die Stephen-King-Adaption THE SHINING vom Altmeister STANLEY KUBRICK. Der Wald wird zum klaustrophobischen Gefängnis, aus dem es kein Entkommen gibt. Die Tatsache zerrt an den Nerven der Protagonisten, die einander nicht mehr ver- sondern misstrauen. Das ist kein guter Ausgang für ein gemütliches Beisammensein – vor allem dann, wenn Freunde plötzlich zu Feinden werden und sich gegenseitig ausradieren.
 
 
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In THE POOL wird psychologischer Horror mit übernatürlichem Grauen vermischt, was den Zuschauer schon fordert. Der wird im Film ziemlich geschickt auf falsche Fährten geführt und mit immer neuen Informationen gefüttert, die aber irgendwie nicht plausibel erscheinen wollen. Mal streift der Film subtile Mystery, mal wird es psychologisch. Nur, in welche Schublade will der Film gesteckt werden? Für die Antwort darauf muss sich der Zuschauer bis zur letzten Einstellung gedulden. Erst dort ergibt das Puzzle einen Sinn, wenn CHRIS W. MITCHELL mit nur einem Kameraschwenk ohne Brimborium erklärt, warum in THE POOL zuviel Wirbel gemacht wird.
 
 
 


 
 
 

THE POOL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
12 Points goes to The Netherlands. Holland kann nicht nur Käse und Tulpen. Auch im Horrorfach gibt es Potenzial. Das beweisen uns die Nachbarn eindrucksvoll mit THE POOL (Originaltitel: DE POEL), der ziemlich geschickt eine unheimliche Geschichte erzählt, die dezent mit Horrorelementen verfeinert wird und einen gemütlichen Campingausflug zum Albtraum werden lässt. Schwarzer Humor soll auflockern, schlägt einem aber spätestens in der letzten halben Stunde böse auf den Magen. Dort überschlagen sich die Ereignisse und führen zur Katastrophe, was vor allem einem starken Schauspieler-Ensemble zu verdanken ist, dessen Mitglieder im Vergleich zu vielen amerikanischen Berufskollegen zur Abwechslung mal was können. Regisseur CHRIS W. MITCHELL verriet, dass er sich von namhaften Horrorfilmen inspirieren ließ. So haben Klassiker wie THE SHINING, THE BLAIR WITCH PROJECT oder der immer noch sträflich wenig bekannte australische Natur-Thriller LONG WEEKEND maßgeblichen Einfluss beim Schreiben des Drehbuchs genommen. Zwar ist THE POOL noch weit von genannten Kultkandidaten entfernt. Trotzdem stemmt sich der Psychothriller souverän gegen die nicht mehr aufzuhaltende Flut an unnötigen No-Budget-Produktionen, die tagtäglich irgendeinen Weg von Amiland nach Europa suchen. Im Vergleich zu all den miserablen Low-Budget-Gurken aus Übersee kann THE POOL nämlich was – nämlich gruseln. Ein Psycho-Horror-Geheimtipp mit reichlich fies gelegten Fährten! Definitiv sehenswert.
 
 
 


 
 
 

THE POOL – Zensur

 
 
 
THE POOL ist trotz überschaubarer Horror-Elemente eher psychologischer Natur. Ein Hals wird aufgeschnitten. Zudem verwest eine Leiche im Zelt und wird wenig später verbrennt. Außerdem fällt eine Filmfigur mit dem Kopf auf einen Zelthaken und ein faulender Finger wird abgehakt. Hierzulande dürfte es für den holländischen Genre-Beitrag eine FSK16 geben.
 
 
 


 
 
 

THE POOL – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Shining (1980)
 
Darling (2015)
 
Black Mountain Side (2014)
 

Filmkritik: „Gallows Hill“ (2013)

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GALLOWS HILL

(THE DAMNED)

Story

 
 
 
Ein Unwetter macht fünf Reisenden einen Strich durch die Rechnung. Sie suchen Unterschlupf in einem verlassenen Hotel und stoßen dort auf das ultimativ Böse …
 
 
 


 
 
 

GALLOWS HILL – Kritik

 
 
 
Wirft man den Namen VICTOR GARCIA in die Horror-Runde, dürften sich bei dem ein oder anderen wutentbrannten Horrorfan zügig die Zehennägel krümmen. Seitdem der Regisseur eine besondere Leidenschaft für billige Videofortsetzungen erfolgreicher Horror-Hits entwickelt hat, läuten bei Freunden düsterer Unterhaltung die Alarmglocken sobald ein weiteres Werk bei ihm in der Mache ist. Für die, die vielleicht nicht so mit Filmen bewandert sind: GARCIA lies nach Ajas Hochglanz-Remake MIRRORS im Jahr 2010 ein überflüssiges Video-Sequel folgen und ist zudem für die Zelluloid-Katastrophen HELLRAISER: REVELATIONS (2012) und RETURN TO HAUNTED HILL (2007) verantwortlich. Umso verwunderlicher, dass der gebürtige Spanier mit seinem neusten Horror-Flick etwas Eigenständiges gedreht hat, bei dem zur Abwechslung kein bekanntes Filmfranchise dahintersteckt. Anders als erwartet, macht GARCIA jetzt was Eigenes. Sein neuster Streifen erzählt von Besessenheit und Geistern und orientiert sich – welch Zufall – erneut bei einem ganz großen Klassiker der Horrorfilmwelt: EVIL DEAD. Sein GALLOWS HILL (der international unter THE DAMNED vermarktet wird) ist quasi eine Light-Version des berüchtigten Originals, dem im vergangenen Jahr eine Neuverfilmung zuteil wurde, die international reichlich Kasse machen konnte. GARCIA bereichert sich der Erfolgszutaten des EVIL DEAD Remakes und ändert diese ein klein wenig ab, damit nicht so offensichtlich ins Gewicht fällt, dass selbst kaum Ideen vorhanden gewesen waren. So wurde aus der klapprigen Hütte im Wald ein finsteres Hotel und das Buch der Toten wurde durch einen wütenden Geist ersetzt, der von den Protagonisten unbeabsichtigt aus seinem Gefängnis befreit wird und sich den Körpern seiner Retter bemächtigt.
 
Macher VICTOR GARCIA entführt den Zuschauer nach Kolumbien wo eine Gruppe von fünf Menschen nach einem Autounfall Zuflucht in einem geschlossenen Hotel suchen. Der Besitzer tut sich anfangs schwer die Hilfesuchenden aufzunehmen, lässt sich jedoch erbarmen und bietet den fünf Durchreisenden Unterschlupf. Schon bald vernimmt die Gruppe beunruhigende Stimmen, die aus dem Kellergeschoss dringen und zum Erkunden der Herberge einladen. Die Schnüffeleien führen zum Erfolg: In einem kleinen Raum unter dem Haus befreien die Gäste ein kleines Mädchen, dass sich hier unten sich selbst überlassen wurde. Der Hausherr findet die Rettungsaktion jedoch gar nicht erfreulich, haust doch in dem Kinderkörper der Geist einer bösen Hexe, die sich nun freigelassen den Körper der Zufluchtsuchenden bemächtigt, um sie gegeneinander aufzubringen. Was folgt, kennt man bereits aus Filmen wie Carpenters THE THING oder Rodriguez THE FACULTY: Niemand ist sich seines Lebens mehr sicher, schließlich bleibt meist gut verschleiert, in welchem Körper der Geist als nächstes schlummert.
 
GARCIA schafft mit GALLOWS HILL das, was vermutlich kaum jemand vermutet hätte. Nach seinen bisher missglückten Ausflügen ins Horror-Geschäft hat der Spanier doch noch einen brauchbaren Streifen abgeliefert, der um Welten besser ist als das, mit dem er die Filmwelt bisher gequält hat. Trotz dreistem Ideenraub beweist der Regisseur, dass er ein talentiertes Händchen für stimmige Bilder besitzt. Düstere Flure, spartanisch eingerichtet Zimmer, vergilbte Tapeten und lichtarme Settings lassen schnell unangenehme Atmosphäre aufkommen, die dem Streifen einen soliden Gruselpegel bescheren. GARCIA fällt nicht gleich mit der Tür ins Haus. Die Geschichte entwickelt sich gemächlich und überrascht dennoch mit einem stetigen Spannungsaufbau, der gekonnt verschleiert, worauf GALLOWS HILL nun eigentlich hinauslaufen will. Ist das Gröbste abgehakt, geht’s dennoch zur Sache und das Tempo wird konsequent angezogen. Ein höherer Splatter-Zoll hätte dem Treiben hierbei sichtlich besser gestanden. Denn anders als im blutreichen Teufelstanz von SAM RAIMI hält sich GARCIA dezent zurück mit der Zurschaustellung splattriger Raffinessen. Die Gewalt hält sich in Grenzen. Neben einigen Verwandlungs-CGI’s und Gewehreinschüssen ist von gewinnbringender Filmgewalt kaum etwas zu verzeichnet. Somit eignen sich GALLOWS HILL vor allem für zartbesaitete Gemüter, die sich einen kurzweiligen Gruselabend bescheren wollen, ohne gleich mit permanentem Brechreiz rechnen zu müssen. Auch wenn GALLOWS HILL des Öfteren an EVIL DEAD erinnert: Für Fans der härteren Filmgattung ist GALLOWS HILL leider vollkommen unbrauchbar.
 
 
 


 
 
 

GALLOWS HILL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein kurzweiliges Gruselvergnügen für Fans klassisch erzählter Angstmacher. GALLOWS HILL hat all das, was konventionell erzählte Horrorfilme benötigen: Ein Haus mit einem düsteren Geheimnis, zahlreiche Schreckmomente und wohlige Gruselatmosphäre, die sich langsam ihren Weg durch eine stimmig inszenierte Geschichte bahnt. Eine überschaubare Anzahl unappetitlicher Szenen runden das gelungene Gesamtpaket ab und machen aus dem Geister-Besessenheits-Flick einen soliden Grusler ohne Längen. Nach überflüssigen Videofortsetzungen bekannter Horror-Hits hätte vermutlich niemand daran geglaubt, dass der Spanier VICTOR GARCIA doch noch einen halbwegs brauchbaren Film drehen würde. Seine Light-Version des kultigen EVIL DEAD ist nämlich ein stimmig-kurzweiliges Horrorfilmchen geworden, das sich geradezu für einen Gruselabend mit Freunden eignet – mehr aber auch nicht. Immerhin stimmt die Richtung. Die sollte GARCIA auf jeden Fall für künftige Werke beibehalten. Dass er einen Blick für stimmige Bilder besitzt, lässt sich nämlich nicht von der Hand weisen. Kombiniert er den mit interessanteren und vor allem weniger abgedroschenen Filmthemen, dürfte einen neuer Schauer-Hit ins Haus stehen.
 
 
 


 
 
 

GALLOWS HILL – Zensur

 
 
 
GALLOWS HILL (oder THE DAMNED so wie er im Ausland vermarktet wird) ist kein sonderlich blutiger Film. Es gibt einige Gewehreinschüsse zu sehen, ein spitzer Gegenstand wird durch das Auge eines Protagonisten gejagt und einem Filmcharakter wird das Genick gebrochen. Hierzulande hat es der Film dennoch ungeschnitten mit FSK16 in den Handel gebracht. Demnach kann der Filmfan bedenkenlos zugreifen, ohne Angst haben zu müssen, geschnittens Filmmaterial zu erwerben.
 
 
 


 
 
 

GALLOWS HILL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Sunfilm / Tiberius Film GmbH

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Gallows Hill; USA 2013

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 7.1, Englisch DTS-HD MA 7.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 @24 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Making of, Interviews, Trailer

Release-Termin: 04.12.2014

 

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GALLOWS HILL – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
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