Filmkritik: „Hell Is Where the Home Is“ (2018)

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HELL IS WHERE THE HOME IS

(TRESPASSERS)

Story

 
 
 

Ein blutig-unterhaltsames Gemetzel: Zwei Paare mieten im Internet eine moderne Villa für das Wochenende an. Keine gute Idee, denn bald werden die jungen Leute dort von Fremden überrascht, die es nicht gut mit den ahnungslosen Mietern meinen.

 
 
 


 
 
 

HELL IS WHERE THE HOME IS – Kritik

 
 
 
Wenn es in Horrorfilmen am späten Abend an Haustüren klopft oder klingelt, stellen sich Zuschauer in Alarmposition. Nicht ohne Grund, denn in den meisten dieser Filme stattet dann nämlich der Tod einen Besuch ab. HELL IS WHERE THE HOME IS ist der gefühlt tausendste Schocker dieser immer wieder gleich aufgebauten Art von Filmen in denen ahnungslose Personen von bösen Menschen in den eigenen vier Wänden terrorisiert werden. Regisseur ORSON OBLOWITZ erfindet mit seinem Beitrag zum Home-Invasion-Filmfach das Rad nicht neu. Trotzdem sorgt er mit seinem Film für etwas Abwechslung in dem er an unerwartete Wendungen denkt und sich so einige Meter von den üblichen Pfaden des Home-Invasion-Genres entfernt. Zwar nicht viel – aber immerhin.
 
 
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Eine Nacht mit unerwartetem Ausgang. Vier Freunde haben sich eine Villa übers Wochenende gemietet. Darin will man es sich gut gehen lassen und einige Probleme klären. Doch statt klärende Gespräche zu führen, wird lieber Koks geschnüffelt und durch die Betten gesprungen. Eine trügerische Idylle, die bald ihren Zenit erreicht. Die beiden befreundeten Paare bringen nämlich Konfliktpotenzial mit. Das bekommt auch eine mysteriöse Besucherin zu spüren, die zu unchristlicher Stunde an der Türe klingelt. Die Fremde gibt sich als Nachbarin aus und bittet um Hilfe. Das glauben die Freunde aber nicht. Die vermuten böse Intensionen und treten so eine Kette von Umständen in Gang, die für reichlich Kunstblut sorgt.
 
 
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HELL IS WHERE THE HOME IS bietet blutigen Nachschub für Liebhaber fieser Home-Invasion-Thriller, wobei sich der Film dann doch etwas sehr viel Zeit damit lässt, genanntem Subgenre die Weichen zu ebnen. Wir erleben, wie es in vier Freunden brodelt. Die sehen zwar makellos aus, haben es aber faustdick hinter den Ohren. Hinter der perfekten Fassade verbergen sich dunkle Geheimnisse und skrupellose Persönlichkeiten. Eine Tatsache mit der sich HELL IS WHERE THE HOME IS keinen Gefallen tut. Die fehlerbehafteten Figuren treten nämlich alles andere, nur nicht sympathisch in Erscheinung. Das ist für einen Horrorfilm nicht unbedingt förderlich, der das Publikum dazu auffordert mit den Protagonisten durch die Hölle zu gehen. Weil die Figuren nur selten zugänglich sind und man sich nicht mit ihnen identifizieren kann, leidet man nicht mit. So bleibt das Schicksal der Helden weitestgehend egal. Keine guten Voraussetzungen, um einem Horrorthriller bis zum Abspann zu folgen.
 
 
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Offenbar hat das selbst Drehbuchautor COREY DESHON erkannt. Der versucht im letzten Moment die Kurve zu bekommen und bereichert seine Geschichte um jede Menge Schmuddelkram. Ein paar nicht minder skrupellose Gesellen statten den jungen Leuten einen Besuch ab und machen den Mittdreißigern das ohnehin schon vermasselte Leben zur Hölle. Die Richtungswechsel wirken konstruiert, bietet aber die Möglichkeit jede Menge Gewalt zu zelebrieren. Da werden die Frauen des makellosen Viergespanns gequält, Macheten in Köpfe geschlagen und Kamerastative zweckentfremdet – die Feuerlöscherszene aus IRREVERSIBEL lässt grüßen. Das Blut fließt reichlich und entschädigt für manch müden Hänger in der ersten Filmhälfte.
 
 
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HELL IS WHERE THE HOME IS – der übrigens anfangs noch den weitaus passenderen Titel TRESPASSERS (deutsch: Eindringlinge) trug – ist keine Sternstunde des Home-Invasion-Genres. Dennoch liefert er solide Unterhaltung für jene, die gern ahnungslosen Menschen dabei zusehen, wie sie von zwielichtigen Gestalten gequält, überfallen und getötet werden. Der Film verfügt über einen stimmigen Synthesizer-Soundtrack, wie man ihn vor allem in vielen italienischen Horrorfilmen der 1980er ganz ähnlich gestrickt zu hören bekam. Zudem überzeugt der Film durch durchdachte Kamerafahrten und atmosphärische Kameraeinstellungen. Letztere werden gern mal in sattes Blau oder Rot getaucht. Ob da jemand Altmeister DARIO ARGENTO nacheifern wollte? Zumindest stehen die stilistischen Spielereien dem Schocker ganz gut und lassen ihn wertiger erscheinen, als er letztendlich ist. Für einen ungemütlichen Winterabend mit der schreckhaften Freundin ganz brauchbar, denn trotz Schwächen wird man solide unterhalten!
 
 


 
 
 

HELL IS WHERE THE HOME IS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Wendungsreicher Home-Invasion-Schocker mit makabren Überraschungen. HELL IS WHERE THE HOME IS nimmt sich ziemlich viel Zeit, bis er endlich mal zum Punkt kommt. Dafür bricht der Albtraum dann umso schonungsloser über die Protagonisten herein. Zwar leidet der Streifen unter seinen unnahbaren Helden, denen man schon recht früh einen möglichst grausamen Tod wünscht. Dafür wird er Zuschauer mit einigen blutigen Finessen in der zweiten Filmhälfte entschädigt, die definitiv nichts für zimperliche Gemüter sind. Was man HELL IS WHERE THE HOME IS gutheißen muss ist die Tatsache, dass hier alles etwas anders kommt, als erwartet. Das wirkt zwar manchmal etwas konstruiert, gestaltet sich aber als cleverer Schachzug, um auch jene ansprechen zu können, die nahezu alle Home-Invasion-Thriller der letzten Jahre gesehen haben und müde von den immer gleichen Abläufen geworden sind. HELL IS WHERE THE HOME IS ist ein bitterböser Home-Invasion-Horror, der keine Gefangenen macht. Wer es etwas härter im Film bevorzugt, ist hier an der richtigen Adresse.
 
 
 


 
 
 

HELL IS WHERE THE HOME IS – Zensur

 
 
 
HELL IS WHERE THE HOME IS hat in der zweiten Filmhälfte einige Gewaltszenen zu bieten. Eine Machete wird in einen Kopf geschlagen und Messer in Körper gerammt. Außerdem wird vor Gesichtern mit einem Eisengegenstand auf Pistolenmunition geschlagen, bis diese gezündet wird. Die makaberste Szene ist diese, in der eine Filmfigur mit dem Gesicht auf einen Gegenstand fällt und sich dieser durch ihr Auge bohrt. Hierzulande dürfte es für diesen Thriller eine Erwachsenenfreigabe geben. Das deutsche Label Pierrot Le Fou hat sich die Auswertungsrechte für Deutschland gesichert und wird den Film im Dezember 2019 im Mediabook veröffentlichen.
 
 
 


 
 
 

HELL IS WHERE THE HOME IS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei PIERROT LE FOU | IFC FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ghostland (2018)
 
Kidnapped (2010)
 
Mother’s Day (2010)
 
You’re Next (2011)
 

Filmkritik: „The Bad Man“ (2018)

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THE BAD MAN

Story

 
 
 

Ein morbider Filmalbtraum aus Sex und Gewalt: Ein Paar bekommt es mit einem Psychopathen zu tun, der sie im eigenen Heim terrorisiert und erniedrigt.

 
 
 


 
 
 

THE BAD MAN – Kritik

 
 
 
Man stelle sich vor: es ist Weihnachten, man hat es sich richtig gemütlich zu Hause gemacht und will gemeinsam die Feiertage verbringen. Da klingelt es an der Haustür und ein Fremder bittet um Hilfe. Leider ist der Unbekannte aber nicht auf Frieden aus, sondern verfolgt nur ein Ziel: irgendwie in die Wohnung seines Opfers kommen und es darin terrorisieren. Ein Albtraum, den nun schon so einige Filmschaffende zum Thema ihrer Schocker gemacht haben. Da gab es FUNNY GAMES, der ähnliches Szenario abspielte und ganz nebenbei den Zuschauer als heimlichen Mittäter filmischer Grausamkeiten entlarvte. Aber auch im kommerziellen und glattgebügelten KNOCK KNOCK musste Schauspieler KEANUE REEVES schnell feststellen, dass nicht jede Schönheit ein Engel ist, der um Hilfe bettelnd an der Haustür steht. Der ließ zwei attraktive Damen ins sichere Heim, ohne zu ahnen, dass er da das personifizierte Böse in die eigenen vier Wände geholt hat. Heutzutage kann man eben niemandem mehr trauen.
 
 
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Das Home-Invasion-Genre erlebt seit Jahren ein Revival und scheut nicht davor, den Zuschauer mit polarisierenden Inhalten zu konfrontieren. Dabei gilt die Devise: je härter desto besser, denn offenbar erhalten Filme nur noch dann Aufmerksamkeit, wenn sie mit möglichst kontroversen Inhalten aus der Masse an Horrorkram hervorstechen können. Das gelang einigen Streifen immerhin ganz gut, weshalb nun auch der amerikanische Regisseur SCOTT SCHIRMER versucht mit genannter Erfolgsformel Zuschauer zu gewinnen. Der erhielt durch seinen brutalen Erstling vor einigen Jahren viel Lob in der Horrorszene, weil er mit dem etwas anderen Coming-of-Age-Film FOUND vor allem durch Extreme in Erinnerung blieb. Nun will es das kreative Multitalent ein weiteres Mal wissen und hat einen Horrorfilm gedreht, mit dem er abermals anecken wird. THE BAD MAN nennt sich das Terrorstück, das dem Mainstream-Publikum souverän den Mittelfinger entgegenstreckt und zweifelsohne polarisieren will. Diesmal geht es Schirmer aber etwas anders an. Der verzichtet weitestgehend auf Brutalitäten und macht eher von psychologischer Gewalt Gebrauch. Wer meint, dass das harmlos ist, irrt gewaltig. THE BAD MAN ist kein Kinderfasching.
 
 
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Eine Geschichte über sexuelle Devianz: Eigentlich wollten Mary (ELLIE CHURCH aus HEADLESS und HARVEST LAKE) und PJ (JASON CROWE aus KILL, GRANNY, KILL!) nur das alte Hotel der verstorbenen Großmutter auf Vordermann bringen und das Weihnachtsfest gemeinsam darin feiern. Doch ganz unverhofft kloppt es an der Tür und ein Gast (ARTHUR CULLIPHER aus FOUND) fragt nach einem Zimmer. Kein Problem für Mary. Die lässt den Fremden herein, bezieht ein Bett und kocht für den Durchreisenden Spaghetti. Leider hat man keinen Schimmer, wenn man sich da ins Haus geholt hat. Gast Lawrence ist nämlich ein ganz durchtriebener Psychopath. Der kleistert sich Schminke ins Gesicht, überfällt die neuen Hoteleigentümer und spielt als Clown mit seinen Opfern perverse Spiele. Mary muss sich in ein Puppenkostüm zwängen und PJ soll fortan als Hund sein Dasein fristen. Was folgt, ist für das Paar eine Tortur. Der im Titel angesprochene Peiniger denkt sich nämlich nicht nur abartiger Dinge aus, um den Willen seiner Opfer brechen zu können. Ach die sexuelle Dominanz über die Gepeinigten lässt den Psychopathen zu Hochtouren auffahren. Harter Tobak – nicht nur für die Leidtragenden.
 
 
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Hilfe, ist das ein Amateurfilm? Nicht ganz. Auch wenn THE BAD MAN recht günstig ausschaut, handelt es sich hier um eine routiniert durchinszenierte Produktion von Jemanden, der sein Handwerk versteht. Bei den Darstellern handelt es sich um richtige Schauspieler und auch hinsichtlich psychischer Gewalt hat Regisseur und Drehbuchautor SCOTT SCHIRMER weder Kosten noch Mühen gescheut, um Zuschauer wie Protagonisten durch die Hölle gehen zu lassen. THE BAD MAN ist keine Schlachtplatte. Mit allergrößter Ruhe frisst sich hier psychischer Terror nahezu minütlich durch eine rudimentäre Handlung, die in einem grotesken Finale mündet, wie man es schon lange nicht mehr auf der Mattscheibe zu sehen bekommen hat. Was unsere Helden nämlich nicht wissen ist, dass sie unter den Mitgliedern einer obskuren Fetisch-Organisation versteigert werden sollen. Bis die Handlung jedoch ihren Höhepunkt erreicht hat und die Auktion beginnen kann, werden die Opfer erst einmal ausreichend schikaniert, gedemütigt und psychisch gequält. Eine anstrengende Angelegenheit für die Gequälten genauso wie für den Zuschauer. Weil THE BAD MAN nämlich fast keinen Spannungsbogen besitzt fühlen sich die quasi aneinander gereihten Perversionen ziemlich unerträglich an. Dabei vermischt SCOTT SCHIRMER psychologische Gewalt mit Sex in einem Fetisch-Kontext, der nicht Jedermanns Sache sein dürfte.
 
 
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In Interviews gab Schirmer einige interessante Hintergründe zum Film bekannt, den er mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne auf KICKSTARTER fertigstellen konnte. Wieder einmal besetzte er Rollen mit Schauspielern, mit denen er bereits zuvor gedreht hatte. Eine sichere Bank für den Filmschaffenden, dem nur zehn Tage Drehzeit zur Verfügung standen, um den vierten Langfilm auf Zelluloid bannen zu können. Interessanterweise hat THE BAD MAN trotz Quälthematik Hintergrund. So gab Schirmer zu verstehen, dass er nicht nur im Filmfach, sondern auch Soziologie studiert habe. Schaut man sich dessen Werke mit diesem Hintergrund erneut an, macht vieles Sinn. Fast alle bisherigen Werke handeln von sexuellem Verlangen – meist in Verbindung mit Gewalt. Auf die Frage nach dem Grund, erklärte Schirmer, dass ihn eben beides fasziniert und er es deshalb ergründen möchte. Ein interessanter Ansatzpunkt, der auch in THE BAD MAN aufgegriffen wird. Darin setzt er seine Erkundung der dunklen Seite von Sex und Sexualität fort, die er bereits in FOUND begonnen hatte. Experimentalfilm-Liebhaber und Fans obskurer Filmexperimente wird das freuen. Der breiten Masse ist das aber nix. Die dürfte mit THE BAD MAN so gar nichts anfangen können. Dafür ist der Streifen einfach zu speziell.
 
 
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THE BAD MAN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Obskurer Terrorfilm mit Fetisch-Elementen, der so einige Zuschauer verstören wird. THE BAD MAN ist ein grotesker Psychotrip, der vor allem durch eines in Erinnerung bleibt: der Freude am Demütigen und Quälen von Menschen. Damit verbringt der Film knapp 90 Minuten, bevor er seine Opfer aufatmen lässt. Das mag sich für Fans zweifelhaft brutaler Horrorfilme erstmal interessant anhören. Aber die werden hier so ziemlich enttäuscht die Glotze abschalten. THE BAD MAN besteht fast ausschließlich aus einer Aneinanderreihung von Szenen, in denen die Opfer psychisch gebrochen werden sollen und dadurch dem Wahnsinn verfallen. Dabei fällt vor allem die Kombination aus Sex mit psychologischer Gewalt ins Gewicht. Bis auf das fast schon surreal anmutende Ende, gibt es im Film keine physische Gewalt zu sehen. Stattdessen wird der Zuschauer auf eine beinahe schon befremdliche Reise sexueller Abnormitäten geschickt, die einmal mehr zeigt, dass sich Menschen immer noch wie Tiere verhalten, wenn es um Sex geht.
 
 
 


 
 
 

THE BAD MAN – Zensur

 
 
 
THE BAD MAN ist keine Gewalt- und Ekelgranate. Der Horror und die Folter hier ist eher psychischer Natur. Beide Opfer werden im Film vergewaltigt. Das wird aber nur angedeutet – nicht explizit gezeigt. Erst am Ende fließt etwas Blut. Ein Kopf wird eingeschlagen und Munition eines Gewehrs bohrt sich durch Körper. Hierzulande steht THE BAD MAN mit rotem FSK-Flatschen in den Händlerregalen. Leider musste Anbieter INDEED FILM einige Gewaltkürzungen vornehmen, damit der Streifen von der FSK eine Freigabe bekommen konnte.
 
 


 
 
 

THE BAD MAN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Indeed Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Bad Man; USA 2018

Genre: Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD 2.0, Englisch DTS-HD 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung)

Verpackung: Keepcase mit Wechselcover

Extras: Deleted Scene, Behind the Scenes, Trailer

Release-Termin: 26.04.2019

 

The Bad Man [Blu-ray] auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE BAD MAN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei INDEED FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hate Crime (2013)
 
Funny Games (1997)
 
In Their Skin (2012)
 
Kidnapped (2010)
 
Bajo la Rosa (2017)
 

Filmkritik: „Bajo la Rosa“ (2017)

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BAJO LA ROSA

(UNDER THE ROSE)

Story

 
 
 

Du kannst auch FUNNY GAMES 2 zu mir sagen. Eine Familie kämpft um das Überleben der entführten Tochter mit allen Mitteln. Das nutzt der Täter aus, um mit den Angehörigen ein krankes Spiel zu spielen.

 
 
 


 
 
 

BAJO LA ROSA – Kritik

 
 
 
In Zeiten ultra-brutaler Gewalt im Kino scheint es nicht mehr viel zu geben, was das Publikum schockieren könnte. Da wird beinahe schon routiniert gequält, gefoltert und schikaniert, als gäbe es keinen Morgen mehr. Doch immer mehr Zuschauern reicht der stumpfsinnige Gewaltkick allein nicht mehr aus. Offenbar ist man der Meinung schon alles gesehen zu haben und sucht nach neuen Extremen. So müssen größere Tabubrüche und gewagtere Grenzüberschreitungen her, damit die gewünschte Schockwirkung erzielt werden kann. Eine Mammutaufgabe, der mittlerweile nur noch wenige Regisseure gewachsen sind. Viele derer scheitern kläglich. Dennoch gibt es Filmemacher, die mit kontroversen Inhalten verstören wollen und darin so ziemlich gut sind. Zu einem derer gehört JOSUÉ RAMOS. Der ist noch recht neu im Filmbusiness und hat mit BAJO LA ROSA (internationaler Titel: UNDER THE ROSE) gleich mal ein Brett von Film gedreht, das dort trifft, wo es am meisten weh tut. Dabei nutzt er weder ausufernde Gewalt, noch waten die Figuren in Blut. Da fragt sich manch einer zu Recht, wie es BAJO LA ROSA auf die Liste der härtesten Genre-Filme 2018 schaffen kann. Manchmal ist eben weniger mehr.
 
 
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Wenn Eltern für das Leben ihres Kindes alles tun. Eigentlich führt Familie Castro ein Bilderbuchleben. Geld ist vorhanden, die Kinder sind strebsam und auch zwischen den Eltern herrscht grenzenlose Harmonie. Bis eines Tages die kleine Sara verschwindet und einen Strudel von Umständen entfacht. Das Mädchen wurde entführt – aber der Kidnapper fordert kein Lösegeld. Stattdessen will der ein Spiel spielen. Wird die Aufgabe binnen sechs Stunden gelöst, lässt man das Kind frei. Ist man der Herausforderung nicht gewachsen, muss Sara ihr Leben lassen. Doch was genau wird im Spiel gespielt? So ganz sicher sind sich die unfreiwilligen Teilnehmer darüber nicht. Man soll sich die Wahrheit sagen. Doch was ist damit gemeint? Eine Frage, die in den nächsten Stunden den Zusammenhalt einer ganzen Familie auf die Probe stellen wird. Harter Stoff – versprochen!
 
 
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Let’s talk about your secrets! Viel über den heftigen Plot zu verraten ist im Falle von BAJO LA ROSA fatal. Der Film orientiert sich in seiner Machart an den 1997 gedrehten Psychothriller FUNNY GAMES, wo zwei Fremde eine unschuldige Familie terrorisieren und quälen. Ganz ähnlich geht es auch in dieser spanischen Produktion zu, wobei hier aber hauptsächlich terrorisiert wird und das auf psychischem Wege. JOSUÉ RAMOS hat mit seinem zweiten Spielfilm einen unscheinbaren Plot zu Papier gebracht, dessen kranken Verlauf man anfangs nicht kommen sieht. Was nämlich ganz unscheinbar beginnt, steigert seine Intensität beinahe minütlich. Dabei sucht der geheimnisvolle Fremde aus einem ganz bestimmten Grund diese Familie auf. Es ist nicht die Lust am Töten. Dieser Mann hat andere Intensionen, welche sich nach und nach offenbaren. Da tun sich Abgründe auf, Opfer werden zu Tätern und umgekehrt. Doch nicht nur der Rollentausch kommt unvorbereitet. Auch die Auflösung trifft wie ein Schlag, ist unangenehm aber befreiend zugleich. BAJO LA ROSA ist der ideale Film für jene, die mit der nicht minder kontroversen DVD-Reihe KINO KONTROVERS so ihre Freude hatten. Darin erscheinen anspruchsvolle Genre-Filme, die nur ein Ziel haben: zu polarisieren. Auch dem von JOSUÉ RAMOS geschriebenen und inszenierten Psychothriller gelingt das zweifelsohne spielerisch. Nicht umsonst avancierte dieser Schocker zu einem der erfolgreichsten spanischen Festival-Exporte aller Zeiten. Wer das nicht glaubt, sollte sich diesen Film vormerken. Aber: Wer hier den ultimativen Gewalt-Overkill mit Blutrausch erwartet, dürfte bitter enttäuscht werden.
 
 
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BAJO LA ROSA – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Abartig, krank und nichts für sensible Gemüter. BAJO LA ROSA ist ein Brett von Film – und das ganz ohne ausufernde Gewaltausbrüche und Gore-Effekte. Der kontroverse Streifen ist im Psychothriller-Fach zu Hause und überzeugt vor allem durch ein grandioses Zusammenspiel seiner Figuren. Die werden von Schauspielern verkörpert, die so erfahren agieren, dass BAJO LA ROSA unerbittlich authentisch wirkt. Die Gefühlsausbrüche und das Geschrei im Film fühlen sich erschreckend echt an und gehen deshalb durch Mark und Bein. Zuschauer ohne stahlharte Nerven werden da schnell das Weite suchen, zumal Regisseur JOSUÉ RAMOS das Publikum knapp 100 Minuten durch die emotionale Psycho-Hölle gehen lässt und Kompromisse scheut. Überraschenderweise wird hier die Schockwirkung ohne den Holzhammer bewirkt. Im Film wird viel gesprochen, Gewalt wird kaum eingesetzt. Was dadurch aber zutage gefördert wird, ist keineswegs Kinderfasching. BAJO LA ROSA ist ein polarisierendes Stück Kino für jene, die auch im Home-Invasion-Genre einen gewissen Anspruch erwarten. Der Aufbau ist ruhig und lange Kameraeinstellungen ohne Schnitte dürften vor allem Zuschauer überfordern, die es sonst eher hektisch, schnell und reißerisch bevorzugen. Genau dieses Publikum setzt daher mal aus und wartet besser auf den nächsten hier vorgestellten Horrorschocker, denn BAJO LA ROSA sollte ausschließlich von interessierten und aufgeschlossenen Filmfan gesehen werden.
 
 
 


 
 
 

BAJO LA ROSA – Zensur

 
 
 
Schockieren und das ohne Gewalt? BAJO LA ROSA ist so ein Film, der kaum Schauwerte zu bieten hat. Das dialoglastige Schockwerk hat nur wenige Szenen zu bieten, die Lebenssaft zeigen. Zähne werden gezogen, sexuelle Erniedrigung ist Teil einer Szene und ein Protagonist verliert sein Geschlechtsteil. Wer aber jetzt glaubt, dass die Kamera die Gewalt reißerisch einfängt, irrt gewaltig. Die blendet weg, wenn es für Fans deftiger Gewaltszenen interessant wird. So vernimmt man nur Wimmern und Geschrei, während die Grausamkeiten ihren Lauf nehmen. Dabei fokussiert die Kamera die Gesichter der Betroffenen, was das Kopfkino des Zuschauers ankurbelt. Ein perfider aber auch genialer Schachzug, denn gerade durch diese Minimalisierung wirkt Gezeigtes doppelt so hart. Man darf – gerade wegen der polarisierenden Handlung – von einer Erwachsenenfreigabe ausgehen.
 
 
 


 
 
 

BAJO LA ROSA – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei JRS FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Funny Games (1997)
 
Kidnapped (2010)
 
Hate Crime (2013)
 

Filmkritik: „Freehold“ (2017)

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FREEHOLD

(TWO PIGEONS)

Story

 
 
 

Ein Fremder versteckt sich in einer Wohnung, die ihm nicht gehört und macht dem Mieter dieses Apartments das Leben zu Hölle.

 
 
 


 
 
 

FREEHOLD – Kritik

 
 
 
Für die meisten Leser von FILMCHECKER dürfte das eigene Zuhause wohl einer der Plätze sein, an dem Fremde unerwünscht sind. Umso erschreckender der Gedanke daran, dass tagtäglich skrupellose Menschen weltweit in genau jene Behausungen eindringen, um den friedlichen Rückzugsort zu verwüsten und so sichere Wände zum Horrorheim machen. Genau jene Thematik liegt dem makabren Thriller FREEHOLD zugrunde, der anfangs eigentlich mal TWO PIGEONS heißen sollte. Hier bricht ein knochiger Mann in eine Wohnung ein, die ihm nicht gehört. Der will dort aber nicht Schmuck und Geld stehlen, sondern hat andere Intensionen. Hinter dem etwas anderen Home-Invasion-Film steckt mal wieder ein Neuling, der bisher nur mal Folgen für eine TV-Serie gedreht hat. Nun will Regisseur DOMINIC BRIDGES ins Filmbusiness einsteigen und feiert mit dem bitterbösen FREEHOLD sein Regiedebüt. Feingeister sind hier fehl am Platz. Ob jene Tatsache Gutes verheißt?
 
 
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Manche Leute bekommen das, was sie verdient haben. In FREEHOLD geht es um zwei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Während der eine ein Leben mit all seinen Vorzügen genießt, hat es sich der andere zur Aufgabe gemacht dessen Leben zu zerstören. Orlan hat offenbar alles verloren, was ihm lieb und teuer war. Deshalb schwört er Rache. Er schleicht sich heimlich in die Wohnung des Womanizer Hussein ein, um ihm dort das Leben zur Hölle zu machen. Während das ahnungslose Opfer schläft, kriecht Orlan aus seinem Versteck und huscht nachts durch das fremde Apartment, um perfide Pläne auszuhecken. So füllt der ungebetene Gast Chemikalien ins Shampoo seines Opfers, versendet Bilder seines Gemächts an den Arbeitgeber des Gepeinigten und treibt das Leben des taffen Hussein so allmählich ins Chaos. Was folgt sind keine rosigen Aussichten für den eigentlichen Mieter. Der versteht bald die Welt nicht mehr, verliert Freundin und Job und zweifelt am eigenen Verstand. Ob der Denkzettel auch ankommt? Am Ende weiß der Zuschauer mehr.
 
 
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Kein Horrorfilm, sondern eher eine schwarze Komödie mit Ekelgarantie, die aber ein Problem hat. Der Streifen ist in Anbetracht der überschaubaren Grundidee ein klein wenig zu lang geraten und hat viel Leerlauf zu bieten. Die Geschichte vom ungebetenen Hausgast, der unter der Couch haust und sich wie ein Geist durch die Wohnung bewegt, passt auf einen Bierdeckel. Dennoch versucht Regisseur DOMINIC BRIDGES die Geschehnisse auf Spielfilmlänge zu blasen, damit FREEHOLD zumindest auf 80 Minuten Laufzeit kommt. So gehen schnell die Ideen aus, wie man Opfer Hussein und dessen Leben so manipulieren könnte, damit der an seinen Verstand zweifelt und die Beziehung zu seiner Freundin gegen die Wand fährt. Um dem Fan sonderbarer Späße dennoch Schauwerte bieten zu können, wird von der Ekelkeule Gebrauch gemacht. Der heimliche Untermieter Orlan putzt sich die Ohren mit der Zahnbürste seines Opfers, rotzt in dessen Mundwasser, uriniert auf Besteck und zieht sich die Unterhosen des Wohnungseigentümers an. Das ist teilweise schon arg grenzwertig und weit weg von gutem Geschmack – zumal die perfiden Einfälle des unsichtbaren Wohnungsbesetzers immer radikaler werden und Zuschauer mit empfindlichen Magen und hohem Reinheitsempfinden vor Herausforderungen stellt. Dass eine Konfrontation beider Seiten unausweichlich ist, dürfte auf der Hand liegen. FREEHOLD lässt die beiden Parteien am Ende aufeinandertreffen, hält sich bis dahin aber mit Antworten über Hintergründe zurück. Erst im Finale wird erklärt, warum sich der hagere Orlan zum erfinderischen Psychopathen entwickelt. Dessen Gründe wirken plausibel.
 
 
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Letztendlich ist FREEHOLD ganz nett. Der Gedanke, dass sich Fremde in Abwesenheit die eigene Wohnung zu eigen machen ist erschrecken und ungemütlich. Daraus zieht der makabre Psychospaß seinen Reiz, der laut Filmposter von namhaften amerikanischen Filmseiten und Zeitschriften großes Lob erhielt. In diesem Fall ist das aber reines Marketing. Auch wenn sich die Geschichte hinter FREEHOLD interessant anhört, eignet sich der Streifen gerade mal als kurzer Mitternachtssnack. Viel Tiefgang hat der Film nicht. Vermutlich dürfte er daher auch nur einmal im Player landen. Ein zweites Mal muss man FREEHOLD – trotz zynischem Ende – nicht unbedingt sehen.
 
 


 
 
 

FREEHOLD – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Eklig, makaber und rabenschwarz. FREEHOLD ist der etwas andere Home-Invasion-Thriller, der vermutlich das Interesse aller Freunde des schlechten Geschmacks auf den Plan rufen dürfte. Die werden aber wohl auch die einzigen sein, die FREEHOLD ohne Würgereflex überstehen werden, denn was in diesem erstaunlich unblutigen Rachefilm gezeigt wird, befindet sich weit unter der Gürtellinie. Regisseur DOMINIC BRIDGES versucht im ersten Spielfilm mit Ekelmomenten zu schockieren. Diese gehen diesmal aber nicht in die Richtung Splatter und Gore. FREEHOLD polarisiert mit Körperflüssigkeiten und der Tatsache, welch abartige Gedanken in so manchem Drehbuchschreiber schlummern. Dennoch ist der erste Spielfilm von DOMINIC BRIDGES nicht unbedingt schlecht. Das Kammerspiel ist im Provozieren von Ekel richtig erfinderisch und hat mit Schauspieler JAVIER BOTET auch noch einen charismatischen Darsteller in petto, der hier den mysteriösen Untermieter verkörpert. Botet hat schon in vielen namhaften, spanischen Horrorstreifen mitgespielt. Darunter MAMA, diversen [REC]-Filmen und MAD CIRCUS. Zudem war er auch schon in amerikanischen Horror-Blockbustern zu sehen. So übernahm er in CONJURING 2 den Crooked Man, flüchtet in ALIEN: COVENANT vor Aliens und bekam das kalte Grausen im Gruselstreifen DON’T KNOCK TWICE. Offenbar ist der spanische Schauspieler Horrorfan mit Leib und Seele. Da hat er mit allen Lesern von FILMCHECKER wohl etwas gemeinsam.
 
 
 


 
 
 

FREEHOLD – Zensur

 
 
 
FREEHOLD oder TWO PIGEONS ist kein Horrorfilm und hat auch keine Gewalt zu bieten. In einer Szene schneidet sich einer der Protagonisten mit Absicht in den Finger und verteilt sein Blut über sein schlafendes Opfer. Weil die Situation im Film und die Ekelszenen definitiv nichts für Kinder sind, dürfte FREEHOLD wohl eine FSK16 erhalten – insofern man den Streifen überhaupt in Deutschland veröffentlichen wird.

 
 
 


 
 
 

FREEHOLD – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Mallinson Film Productions)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Crazy Murder (2014)
 
Home Invasion – Dieses Haus gehört mir (2013)
 
Sleep Tight (2011)
 

Filmkritik: „Jackals“ (2017)

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JACKALS

Story

 
 
 

Ein Film, dessen Handlung angeblich auf wahren Begebenheiten beruhen soll – aber natürlich! Der spielt im Amerika der 1980er, wo eine Familie von einer Sekte terrorisiert wird.

 
 
 


 
 
 

JACKALS – Kritik

 
 
 
Killer, die mit Tiermasken verhüllt Menschen in einem abgelegenen Haus terrorisieren. Das muss freilich eine Fortsetzung zum Horrorthriller YOU’RE NEXT sein, der 2011 auf Filmfestivals gefeiert wurde und sich durch blutige Splatter-Einlagen einen Namen machen konnte. Was aber auf den ersten Blick den Anschein eines weiteren Ablegers besagtem Gewalt-Trips macht, ist bei genauerer Betrachtung ein ganz anderer Film – wenngleich nicht unbedingt besser. KEVIN GREUTERT tobt sich hier aus. Der konnte sich bereits als Regisseur mit Filmen wie JESSABELLE, SAW 6 und dem dreidimensionalen SAW 7 im Horror-Genre einen Namen machen. Mit JACKALS führt er die Liste an stimmungsvollen Horrorstreifen fort und macht es dabei THE STRANGERS gleich – einem Home-Invasion-Schocker von 2008 bei dem er damals noch am Schnittpult gesessen hatte. Darin wurde ein Pärchen von Fremden terrorisiert, die am Ende ihr Leben lassen musste. Ähnlich läuft auch die Handlung von JACKALS ab, der das Home-Invasion-Genre nicht revolutioniert. Statt frischer Ideen wird Standardkost abgeliefert, die kaum Überraschungen zu bieten hat. Angesichts vieler namhafter Horrorstreifen an denen Filmemacher KEVIN GREUTERT beteiligt gewesen ist, enttäuscht der abgelieferte Kinoalbtraum. Bevor GREUTERT nämlich als Regisseur für Angst und Schrecken sorgte, war er als Cutter für viele bekannte Horrorfilme im Einsatz. Darunter: SAW 1-5, THE COLLECTION und dem Mystery-Grusler VISIONS. Bei so umfangreichem Portfolio hat man große Erwartungen.
 
 
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Die Handlung von JACKALS ist übersichtlich und nicht sonderlich neu. Eine Familie macht sich Sorgen. Sohn Justin (BEN SULLIVAN) ist in die Fänge einer mysteriösen Sekte geraten, von der man im Film leider kaum etwas erfährt. Darum hat man jemand kontaktiert, der sich mit so etwas auskennt. Jimmy Levine (STEPHEN DORFF) ist Sekten-Kenner und soll die Gehirnwäsche des manipulierten Sohnemanns rückgängig machen. Er entführt den Mittzwanziger und bringt ihn ins Haus seiner Familie. Dort beteuert das Entführungsopfer niemand der Anwesenden zu kennen und gibt sich als jemand anderes zu erkennen. Das hat auch seinen Grund, denn bald schleichen unheimliche Gestalten übers Grundstück, die sich Tiermasken ums Gesicht gebunden haben und den Entführten zurückholen wollen. Doch so schnell gibt man nicht auf. Man fordert das Böse zum Kampf heraus und gibt sich siegessicher. Leider versammeln sich immer mehr Fremde vorm Haus, die langsam keine Lust mehr haben Spiele zu spielen.
 
 
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HALLOWEEN lässt grüßen. JACKALS kopiert nämlich die Eingangssequenz des legendären Kultklassikers aus der Mache von JOHN CARPENTER und lässt einen Killer durch ein Haus schleichen, während das Szenario aus der Sicht des Mörders protokolliert wird. Der bringt hinterlistig seine Familie um die Ecke und streift sich am Ende eine Tiermaske über das Gesicht. Doch der Prolog in dem ein Sektenmitglied die Lieben ermordet ist nur Irreführung. JACKALS ist nicht im Slasher-Genre beheimatet. Hier gibt es Home-Invasion-Schauer von der Stange zu sehen, der zwar durchaus atmosphärisch groß auffährt, aber im Grunde genommen wie jeder Film genanntem Subgenres abläuft. Killer wollen Unschuldige töten – Opfer dagegen überleben. Leider endet die Flucht aus dem umzingelten Heim im Desaster, denn die maskierten Mörder sind überall und lassen kaum Zeit für Spielchen zu. Weil Opfer in Panik seltsam handeln, ist der Ausgang klar. JACKALS wird zum „Du-bist-der-Nächste“-Reigen bei dem nach und nach alle Filmhelden ihr Leben lassen müssen. Ein weitaus fairer Überlebenskampf mit unerwarteten Wendungen hätte diesen Zu-Hause-Horror weitaus spannender gestaltet. So ist JACKALS nur Dutzendware, die man sich an einem verregneten Herbstsonntag in den Player schiebt. Aufgrund beliebiger Inszenierung dürfte sich aber Tage nach Sichtung wohl kaum noch ein Zuschauer an diesen Horrorstreifen erinnern können. Manchmal ist es eben besser, wenn man den Grips anstrengt und sich Geschichten ausdenkt, die so auf der Mattscheibe noch nicht zu sehen waren.
 
 
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JACKALS – Fazit

 
 
 

5 Punkte Final

 
 
 
THE STRANGERS meets YOU’RE NEXT. Solider Horrorthriller – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wäre JACKALS in jener Zeit entstanden, zu der der Film spielt, wäre der Home-Invasion-Schocker vermutlich ein Kassenschlager geworden. Leider kommt JACKALS knapp 30 Jahre zu spät und kann mit seiner Terror-Thematik bei Horrorfans nur ein müdes Lächeln entlocken. Der Grund: Mittlerweile sind einfach zu viele Filme über Mattscheiben geflimmert in denen Psychopathen Familien in den eigenen vier Wänden terrorisiert haben. Weil JACKALS auch noch haargenau so abläuft wie die meisten Streifen dieser Art, bleibt Schock-Potenzial aus. Schnellen Herzschlag kann dieser Psychothriller kaum bewirken – dazu ist er zu vorhersehbar. Demzufolge besser noch einmal jenen Streifen in den Player legen vor dem sich JACKALS offensichtlich verbeugt: THE STRANGERS. Der ist trotz überschaubarer Handlung wirklich sehr unangenehm – auch heute noch.
 
 
 


 
 
 

JACKALS – Zensur

 
 
 
JACKALS hält sich mit Gewalt erstaunlich zurück. In Anbetracht dessen, dass Regisseur KEVIN GREUTERT mit SAW 6 und 7 recht harte Horror-Vertreter ins Kino gebracht hat, ist das was JACKALS zeigt Kinderfasching. Hände werden angezündet, Bauch und Hälse aufgeschlitzt. Zudem wird mit spitzen Stichwaffen in Körper eingestochen. Man darf von einer FSK16 ausgehen.
 
 
 


 
 
 

JACKALS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte führ Grafiken liegen bei TAP Inc.)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
You’re Next (2011)
 
Wolves at the Door (2016)
 
The Strangers (2008)
 
The Purge – Die Säuberung (2013)
 
Home Sweet Home (2013)
 
Funny Games (1997)
 

Filmkritik: „Wolves at the Door“ (2016)

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WOLVES AT THE DOOR

Story

 
 
 

Der „Sommer der Liebe“ von 1969 entwickelt sich für eine Gruppe junger Leute zum Albtraum. Die wollten eigentlich nur etwas feiern, werden aber von unheimlichen Gestalten terrorisiert, die offenbar den Tod ihrer Opfer fordern. Leider ergeben sich diese ihrem Schicksal ohne Gegenwehr. Das macht das Auslöschen dieser unschuldigen Leute für die Täter leichter.

 
 
 


 
 
 

WOLVES AT THE DOOR – Kritik

 
 
 
Filme, die auf wahren Begebenheiten beruhen gehen immer. Vor allem jene, denen brutale Morde zugrunde liegen und deshalb zu trauriger Berühmtheit kommen. Auf genau dieser Schiene fährt der Horrorthriller WOLVES AT THE DOOR, der mit reißerischer Handlung um die Gunst des Zuschauers buhlen will. Abermals ist Hollywood dreist und versucht mit einem der grausamsten Kapitel in der amerikanischen Geschichte Geld zu machen. Es sind die schrecklichen Verbrechen der sogenannten Manson Familie, die im Jahre 1969 ganz Amerika in Schockstarre versetzten. Kein Geringerer als der Kriminelle CHARLES MANSON zeichnete damals verantwortlich. Der war in den 1960ern Anführer einer sektenähnlich strukturierten Hippie-Kommune in Südkalifornien und stiftete seine Anhänger zum Mord an. Die machten sich auf in die Hollywood Hills, um dort ein Massaker anzurichten. Sie töteten mehrere Menschen auf grausame Weise – darunter die hochschwangere Gattin von Kultregisseur ROMAN POLANSKI. Weil der spektakuläre Mordfall um die ganze Welt ging und knapp 50 Jahre später immer noch für Gesprächsstoff sorgt, mussten die Geschehnisse noch einmal glattpoliert fürs Kino aufbereitet werden damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Dabei entstanden ist effekthascherischer Unfug, der sich einen Deut um Wahrheitsgehalt schert und nicht grundlos an Kinokassen scheiterte. Statt Ereignisse historisch korrekt aufzuarbeiten, hat man aus den schrecklichen Taten einen Horrorfilm für die jüngere Zielgruppe gemacht, der oberflächlich abhakt, was man in jedem Horror-Slasher neueren Datums zu sehen bekommt. Das dürfte selbst Sektenguru CHARLES MANSON bitter aufgestoßen haben.
 
 
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Beliebiger Home-Invasion-Horror statt spannendem Tatsachenbericht im Dokumentarstil. WOLVES AT THE DOOR ist so überflüssig, wie eine Grippe im Sommer. Regisseur JOHN R. LEONETTI meint es gut und überfrachtet seinen Überlebenstrip mit Schockmomenten und Horror-Elementen. Leider will nur selten Spannung aufkommen, weil frische Ideen fehlen und die wenigen Einfälle aus besseren Horrorfilmen stibitzt wurden. Generell hat WOLVES AT THE DOOR ein großes Problem und das nennt sich THE STRANGERS. Der Überlebensthriller von 2008 schien hier als Vorbild gedient zu haben. Schaut man nämlich genauer hin und lässt den wahren Hintergrund außer Acht, könnte WOLVES AT THE DOOR auch als weitere Fortsetzung genannten Terrorstreifens durchgehen. Die Abläufe gleichen sich und auch die Identität der Bösewichte bleibt weitestgehend unerforscht. Nur Texttafeln am Ende des Films klären historische Zusammenhänge auf. Nach ANNABELLE und THE BUTTERFLY EFFECT 2 hat Regisseur JOHN R. LEONETTI abermals kein Glück bei der Wahl des Filmstoffs. Der stand für so einige Horrorstreifen als Kameramann hinter der Kamera und wollte irgendwann auch mal selbst Regie führen. Was er da bisher fabriziert hat, konnte Kritiker und Horrorfans nicht überzeugen. Vielleicht wäre es zur Abwechslung demnach förderlich endlich mal Regie bei einem Film zu übernehmen, der sich weder Spin-Off, Fortsetzung oder Plagiat schimpft. Eventuell gibt es dann auch positive Resonanz.
 
 
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WOLVES AT THE DOOR – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Missglücktes Katz- und Mausspiel, das sich einen historischen Kriminalfall zu Eigen macht. Dabei beginnt eigentlich alles ganz passabel. Regisseur JOHN R. LEONETTI schöpft aus den Erfahrungen als Kameramann und zeigt dunkle Silhouetten, bedrohliche Geräusche und atmosphärische Kamerafahrten. Leider reichen irgendwann versierte Kameraspielereien allein nicht mehr aus, um das Publikum mit einem künstlich aufgebauten Spannungsbogen bei Laune zu halten. WOLVES AT THE DOOR ist trotz wahrem Background eine Enttäuschung. Die Figuren stammen vom Reißbrett und der Fortgang der Geschichte ist überraschungsarm. Zudem wird WOLVES AT THE DOOR spätestens ab Filmmitte zum fiktiv ersponnenen Überlebenskampf, bei dem es nur noch darum geht, dass Figuren abgeschlachtet werden. Überraschenderweise blendet man weg, wenn es zur Sache geht. Das dürfte selbst ungeübte Zuschauer enttäuschen, die von einem Horrorfilm über die Manson-Morde zumindest etwas Blut erwartet haben. Übrig bleibt Geschrei, Gewinsel und die Flucht. Letztere wirkt wegen eigenartiger Entscheidung der Protagonisten schon irgendwie komisch.
 
 
 


 
 
 

WOLVES AT THE DOOR – Zensur

 
 
 
Trotz Home-Invasion-Horror ist WOLVES AT THE DOOR hinsichtlich der Gewalt sehr zurückhaltend. Die meisten Taten passieren im Off oder werden nur angedeutet. Ein Kopf wird mit einem riesigen Hammer eingeschlagen. Außerdem sind Stick- und Schusswunden zu sehen. Der Film lief bereits ganz still und heimlich im März 2017 ungeschnitten in deutschen Kinos mit FSK16. Gleiche Freigabe hat auch die Heimkinofassung erhalten. Der Film wird in Deutschland vorerst nur auf DVD veröffentlicht. Auf einen HD-Release auf Blu-ray hat man hierzulande verzichtet.
 
 
 


 
 
 

WOLVES AT THE DOOR – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Warner Home Video (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Wolves at the Door; USA 2016

Genre: Horror, Thriller

Ton: Englisch – Dolby Digital 5.1 AC-3, Deutsch – Dolby Digital 5.1 AC-3, Spanisch – Dolby Digital 5.1 AC-3

Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch

Bild: 2.40:1 (16:9)

Laufzeit: ca. 69 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Keine Extras

Release-Termin: 12.10.2017

 

Wolves at the Door {DVD] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

WOLVES AT THE DOOR – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Warner Home Video Deutschland)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Helter Skelter – Nacht der langen Messer (1976)
 
Helter Skelter (2004)
 
The Manson Family (1997)
 
Manson Family Movies (1984)
 
The Manson Family (2003)
 
The Strangers (2008)
 
The Purge – Die Säuberung (2013)
 

Filmkritik: „White Settlers“ (2014)

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WHITE SETTLERS

Story

 
 
 
Ed (Lee Williams) und Sarah (Pollyanna McIntosh) bekommen während der ersten Nacht im neuen Heim unerwarteten Besuch und müssen um ihre Leben kämpfen.

 
 
 


 
 
 

WHITE SETTLERS – Kritik

 
 
Immer öfter wird auch der Horrorfilm zum Sprachrohr für Kritik an gesellschaftlichen Missständen. Im Fall des Thrillers WHITE SETTLERS lag dieser Kritik eine brisante Debatte zugrunde, die im September 2014 weltweit durch die Medien ging. Per Volksabstimmung sollte über die Unabhängigkeit Schottlands von Großbritannien entschieden werden. Letztendlich scheiterte die schottische Unabhängigkeitsbewegung aufgrund mangelnder Befürworter, so dass der Landesteil im Norden und der Rest des Vereinigten Königreichs auch weiterhin eins bleiben mussten. Regisseur SIMEON HALLIGAN bezieht in seinem Kinostück klare Position. Im Gewand eines Horror-Thrillers nutzt er die Gelegenheit, sich kritisch über die politische Lage zu äußern. Sein Standpunkt ist kaum zu überhören, denn im Film wird mehrmals darauf hingewiesen, dass Engländer und Schotten besser nicht miteinander vermischt werden sollten. Dass sein WHITE SETTLERS auch noch kurz vor Ende des Schottland-Referendums in britischen Kinos kommen musste, unterstreicht nur die radikale Einstellung des Regisseurs, dem aber als Befürworter der Bewegung und gleichzeitig Systemkritiker trotzdem kein schlechter Horrorstreifen gelungen ist.
 
 
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In WHITE SETTLERS erleben Ed (Lee Williams) und Sarah (Pollyanna McIntosh) eine Nacht des Grauens. Sie haben gerade in der schottischen Einöde ein morsches Häuschen von einer Maklerin zum Schnäppchenpreis gekauft, die offenkundig froh darüber war, dass sie das historische Gemäuer an den Mann bringen konnte. Das verliebte Paar stört sich nicht an der bewegten Vergangenheit des alten Gebäudes und beginnt sogleich mit der Sanierung, schließlich soll das neue Heim für Entspannung fernab der hektischen Stadt sorgen. Die Möbel sind kaum an ihre Plätze gerückt, da raschelt es schon auf dem Hof. Einbrecher mit Schweinemasken haben sich Zutritt zum Haus verschafft und beginnen ein erbarmungsloses Katz- und Mausspiel zu veranstalten, das die ahnungslosen Opfer an die Grenzen des Erträglichen treibt.
 
 
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„Schottland ist ein sehr freundliches Land“ beteuert die Maklerin beim Hausverkauf zu Beginn des Streifens – eine der vielen doppeldeutigen Aussagen, mit denen die lokalpolitische Unzufriedenheit des Regisseurs zum Ausdruck gebracht werden soll. Ein rauer Wind weht durch WHITE SETTLERS, denn Macher SIMEON HALLIGAN macht mal wieder von jener Panikmache Gebrauch, die schon der alte SAM PECKINPAH mit STRAW DOGS beängstigend real in Szene zu setzen verstand: Home-Invasion-Horror. Diesmal bleibt das Grauen jedoch weniger durch Sadismus und Folterei im Gedächtnis. HALLIGAN macht sich die bekannte Terrormasche zu Eigen und hetzt seine Opfer lieber von Zimmer zu Zimmer, um ihnen anschließend so viel Angst wie möglich einzujagen. In WHITE SETTLERS steht das Finden kreativer Verstecke auf dem Programm, denn die Protagonisten sind die Hälfte der Laufzeit damit beschäftigt sich neue Orte zu suchen, an denen sie sich vor den mit Schweinemasken vermummten Einbrechern in Sicherheit wähnen können. Doch die Bösewichte scheinen nicht sonderlich daran interessiert zu sein, ihre Beute brutal und bestialisch niederzustrecken. Warum das so ist klärt das Filmende auf. Das darf zur Abwechslung mal wirklich die Etikette „garantiert nicht vorhersehbar“ tragen.
 
 
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Ein Schelm, wer bei Schweinemasken tragenden Einbrechern an den Splatter-Hit YOU’RE NEXT denken muss. Der ist dem hier besprochenen WHITE SETTLERS nicht unähnlich, wenngleich WINGARDS Gewalt-Orgie aus dem Jahr 2011 hauptsächlich durch fiese Effekt-Raffinessen auffallen konnte. Die fehlen in WHITE SETTLERS gänzlich, schließlich will SIMEON HALLIGAN mit gesellschaftskritischer Botschaft vor den Kopf stoßen, statt dem Zuschauer mit blutigen Gemeinheiten auf den Magen zu schlagen. Trotz Blutarmut und mittlerweile bekanntem Handlungsverläufen überrascht, dass das hier inszenierte Katz- und Mausspiel durchaus spannende Momente auf die Mattscheibe bringt. Zwar erfindet HALLIGAN keinesfalls das Rad neu; dank gutem Schauspiel und souveräner Machart wird aus einem einfachen Plot trotzdem fesselndes Angstkino ohne Längen. Aufgrund der kontroversen Thematik wird WHITE SETTLERS die Zuschauer jedoch in zwei Lager spalten. Die, die sich an der Problematik des Films nicht stoßen, dürften sich nicht nur einmal dabei ertappen, wie sie sich tief in den Filmsessel graben.
 
 


 
 
 

WHITE SETTLERS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Nervenzerfetzendes Angstkino à la carte. Wer meint, dass in Schottland die Welt noch in Ordnung ist, irrt. SPLINTERED-Regisseur SIMEON HALLIGAN nutzt die friedliche Kulisse schottischen Weidelandes, um einen Home-Invasion-Schocker mit politischer Botschaft an den Zuschauer zu bringen. Was in WHITE SETTLERS gezeigt wird, hat man eigentlich schon unzählige Male gesehen. Abermals werden unschuldige Menschen von maskierten Fieslingen terrorisiert, die ihre Opfer durch den Film hetzen und – das scheint neu – nicht daran interessiert sind, ihnen Böses anzutun. Warum das so ist wird erst am Ende erklärt. Bis dahin schafft es Macher SIMEON HALLIGAN trotz einfacher Geschichte, uns zu fesseln. Sein ungemütliches Terrorwerk reduziert sich auf das Wesentlich und lässt keine Längen entstehen. Zudem laden kräftige Adrenalinschübe zum Mitfiebern ein – den glaubhaften und guten Schauspielleistungen der beiden Hauptdarsteller sei Dank.
 
 


 
 
 

WHITE SETTLERS – Zensur

 
 
 
WHITE SETTLERS hält sich im direkten Vergleich zu ähnlichen Thrillern dieser Art mit der Zurschaustellung von Gewalt und Gore zurück. Für die Splatter-Fraktion gibt es gerade einmal einen zermatschten Kopf, einen unglücklichen Tritt in eine Bärenfälle sowie „Schnitzarbeiten“ mit einem Teppichmesser an der Wade der Heldin zu sehen. Demnach wird der Film garantiert mit FSK16 im Handel stehen, denn viel zu beanstanden wird die FSK hier nicht haben.
 
 
 


 
 
 

WHITE SETTLERS – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Deadly Virtues: Love.Honour.Obey. (2014)
 
Hate Crime (2013)
 
Home Invasion (2012)
 
Home Sweet Home (2013)
 
In their Skin (2012)
 
Funny Games (1997)
 
Kidnapped (2010)
 

Filmreview: „Kristy – Lauf um dein Leben“ (2014)

Kristy-lauf-um-dein-leben-random-2014
 
 
 

KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN

Story

 
 
 
Studentin Justine Wells (Haley Bennett) ist allein auf dem Campus und erhält unangemeldeten Besuch von vier vermummten Gestalten, die der Hochschülerin nach dem Leben trachten wollen …
 
 
 


 
 
 

KRISTY – Kritik

 
 
 
Wann lernen Killer in Horrorfilmen endlich, dass man nicht mit (Hoch)Schülerinnen gemeinen Schabernack treibt, die intellektuell in einer ganz anderen Liga spielen. Seit jeher sind nämlich jene Protagonistinnen dafür prädestiniert, den immer gleichen Kampf gegen unzureichend intelligentes Pack aufzunehmen, dessen Ausgang ohnehin stets vorbestimmt ist. Auch Jahrzehnte nachdem der Slasher durch MARIO BAVA ins Leben gerufen wurde, haben sich die Regeln jenes Sub-Genres kaum verändert. Das meist „anständige“ Final Girl darf in derart Filmen nicht nur reichlich kreischen, sondern legt den Bösewichten am Ende eigentlich immer das Handwerk. Im Gegensatz zu JAMIE LEE CURTIES in HALLOWEEN (1978) ist so eine Racheakt heute natürlich wesentlich blutiger, schließlich erwartet der Horrorfan im Jahr 2014 von einer Heldin, dass die sich mit dem grobschlächtige Handwerk auskennt.
 
KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN (im Original auch als RANDOM bezeichnet) ist ein weiterer Streifen aus der Reihe „Ich komm dich zu Hause besuchen und befördere dich ins Jenseits“-Werke, die sich zur Zeit im Kino und auf dem Heimkinomarkt großer Beliebtheit erfreuen. Offensichtlich von aktuellen Horror-Erfolgen wie THE PURGE und YOU’RE NEXT inspiriert, darf sich hier eine taffe Einzelkämpferin gegen eine Truppe vermummter Irrer behaupten, die mal wieder nichts anderes zu tun haben, als ahnungslose Studentinnen möglichst gemeingefährlich zu terrorisieren. DONKEY PUNCH-Regisseur OLIVER BLACKBURN lässt nach längerer Regiepause wieder von sich hören und versucht mit konventionell gestrickter Horror-Ware den Einstieg zurück in die Filmwelt. Der ist ihm tatsächlich geglückt, denn nur selten gelingt Filmemachern der Sprung zurück ins Rampenlicht mit Low-Budget-Horror von der Stange. Es geht um die attraktive Justine, die leider nicht wie der Rest ihrer Freunde Thanksgiving zu Hause feiern kann, weil ihr das Geld für die Reise zu den Eltern fehlt. Daher beschließt sie sich eine schöne Zeit auf dem Campus zu bereiten, schließlich ist sie hier ja nicht ganz allein. Einige Sicherheitsbeamte und der Hausmeister sind vor Ort, damit sich die Studentin in den langen Fluren der Universität auch sicher fühlen kann. Weil KRISTY ein Horrorfilm ist dürfte klar sein, dass das nicht lang der Fall sein wird, denn an einer Tankstelle macht die strebsame Hochschülerin Bekanntschaft mit einer gar bedrohlichen Zeitgenossin, die scheinbar nicht alle Latte am Zaun zu haben scheint. Nach einer beängstigenden Verfolgungsjagd flüchtet Justine zurück auf den Campus, hat aber nicht mit der Hartnäckigkeit ihrer Verfolgerin gerechnet, die sich natürlich an die Fersen ihres Opfers heftet und nur eins will: Den Tod ihres ahnungslosen Opfers. Den wollen auch drei weitere Gestalten, die sich der Terrorsause anschließen und eine grausamen Jagd auf die verängstigte Studentin einläuten.
 
Wie es sich für einen Slasher nun mal gehört, verlaufen die Handlungsstränge nach bekanntem Schema. Täter und Opfer liefern sich eine unerbittliche Schlacht, die selbstverständlich nur einen Sieger kennt. Während zu Beginn die Fieslinge ganz klar im Vorteil liegen und noch mit Taktik versuchen der ahnungslosen Justine Angst einzujagen, haben selbige nicht mit der Klugheit ihrer Gegenspielerin gerechnet, die es leider gar nicht lustig findet, dass zig Unwissende im Verlauf der Hetzjagd ihr Leben lassen mussten. Sie stellt sich ihren Ängsten und bekämpft die maskierten Killer mit ihren eigenen Waffen. Die erhalten am Ende die wohlverdiente Strafe und der Zuschauer ist verblüfft darüber, was für ein kurzweiliges Filmvergnügen soeben über den Bildschirm geflimmert ist. Auch wenn OLIVER BLCKBURN das Genre mit seinem KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN freilich nicht revolutioniert hat, ist ihm doch ein zügig inszenierter Thriller gelungen, der trotz bekannter Klischees kaum Längen besitzt. Die bunte Mischung aus Slasher, Home-Invasion-Schocker und Terrorfilm verfügt über einen stetig steigenden Spannungsbogen, der von der Unwissenheit des Zuschauers zerrt. Der erfährt wie die Heldin des Films erst kurz vor dem Abspann von den Hintergründen der perfiden Jagd. Das Motiv sind Ritualmorde, die eng in Verbindung mit dem Internet stehen – einem weitläufigen Tummelplatz finsterer Gestalten, die dort ungehindert ihren perversen Phantasien nachgehen können ohne ertappt zu werden.
 
Mit KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN hat OLIVER BLACKBURN eine weitere Horror-Version des 90er-Hits KEVIN ALLEIN ZU HAUS gedreht, der natürlich auch den für Slasher-Streifen obligatorischen Mankos unterliegt. Opfer und Killer verhalten sich wie immer selten dämlich und Wutausbrüche erfahrener Filmfans dürften nicht ausbleiben, wenn Protagonistin Justine Dinge tut, die normal denkende Menschen wohl niemals in solche Situationen anstellen würden. Ebenso hirnriesig ist die Tatsache, dass die vier Täter partout über den Aufenthaltsort ihres Opfer bescheid wissen und sich auf dem riesigen Unigelände wie von Geisterhand von einem Ort zum nächsten bewegen können. Trotz zig Logikfehler ist jedoch weitaus ausschlaggebender, dass ein Horrorfilm unterhält und nicht langweilt. KRISTY ist schnörkellose Suspense-Unterhaltung ohne Längen und das ist die Hauptsache. Wer nach THE PURGE, THE STRANGERS und all den packenden Terror-Slashern in letzter Zeit immer noch nicht die Nase voll hat von ungebetenen Gästen, darf selbstverständlich gern in KRISTY mit um das Leben von Heldin Justine laufen. Zeitverschwendung ist dieser handwerklich hervorragend umgesetzt Horror-Trip mit Sicherheit nicht.

 
 
 


 
 
 

KRISTY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Alles beim Alten und doch irgendwie kurzweilig. DONKEY PUNCH-Regisseur OLIVER BLACKBURN hat Altbekanntes neu aufbereitet und unterhält trotz Logikbarrieren und Horror-Klischees ungemein. Die finstere Mischung aus Terrorfilm, Slasher und Home-Invasion-Schocker besitzt Tempo, was man bei vielen Indie-Horrorfilmen neueren Datums schmerzlich vermisst. Damit lässt sich nämlich manch Ungereimtheit im Drehbuch geschickt vertuscht, schließlich bleibt bei temporeich inszenierter Horror-Ware kaum Zeit, sich Gedanken über Filmfehler zu machen. Erstaunlicherweise wurde KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN so ziemlich unblutig umgesetzt, was nicht dem aktuellen Horror-Trend entspricht. Der Fokus liegt vermehrt auf Suspense und Terror, was dem Streifen jedoch sichtlich gut steht. Somit gehört KRISTY auf jedem Fall zu den besseren Vertretern der momentan immer noch lukrativen Horror-Welle, der es hätte auch gut und gern ins Kino schaffen können. Wer die Möglichkeit hat BLACKBURNS Slasher-Flick auf der großen Leinwand sehen zu können, sollte die Gelegenheit nutzen. Dort wird er vermutlich seine ganz Wirkung entfalten können, denn KRISTY ist ohne Zweifel ein spannungsgelandener Slasher für Fans von Schockern wie THE STRANGERS und THE PURGE.
 
 
 


 
 
 

KRISTY – Zensur

 
 
 
KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN ist nicht sonderlich brutal. Gegen Ende werden die Täter recht kreativ um die Ecke gebracht. Die Brutalität des Racheakts hält sich in Grenzen. Das sah auch die FSK so und hat KRISTY bereits für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben.
 
 
 


 
 
 

KRISTY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film / Sunfilm

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Random; USA 2014

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 7.1, Englisch DTS-HD MA 7.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 07.08.2014

 

Kristy – Lauf um dein Leben [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

KRISTY – Trailer

 
 
 


 
 

Hellraiser80/ Marcel Demuth

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
The Aggression Scale (2011)
 
The Purge (2013)
 
Home Sweet Home (2013)
 

Filmreview: „Hate Crime“ (2013)

hate crime (2013)
 
 
 

HATE CRIME

Story

 
 
 
Eine jüdische Familie wird während einer Geburtstagsfeier von drei Neonazis überrascht und terrorisiert …
 
 
 


 
 
 

HATE CRIME – Kritik

 
 
 
Wir heißen Euch willkommen in unserer neuen Rubrik: Filme, die die Welt nicht braucht, in die es die Terror-Gurke HATE CRIME mit Leichtigkeit geschafft hat. Regisseur JAMES CULLEN BRESSACK (übrigens der Sohn vom PINKY & THE BRAIN-Erfinder GORDON BRESSACK) hat bisher ein paar wenige Kurzfilme gedreht und war sogar auch schon für die Trash-Filmwerkstatt THE ASYLUM tätig, wo er mit dem überflüssigen 13/13/13 (2013) an einem Film werkelte, auf den nun wahrlich niemand gewartet hat. Weil er mit diesem Billig-Schund niemanden vom Hocker gerissen hat, fährt er jetzt schwerere Geschütze auf und versucht mit seinem Horror-Thriller HATE CRIME die nötige Aufmerksamkeit zu erhalten, die man sich als ernstzunehmender (?) Horrorfan- und Regisseur nun mal so wünscht. Die einfachste Methode wahrgenommen zu werden ist kontroverse Filme zu machen, die provozieren. Für Macher CULLEN BRESSACK Grund genug tief in der Horror-Mottenkiste zu wühlen und Themen hervorzukramen, mit denen bereits schon einmal Filmemacher für Zündstoff gesorgt haben. Für sein aktuelles Werk hat er sich beim Home-Invasion-Genre bedient und mixt es ganz unverfroren mit dem derzeit beliebten Found-Footage-Thema. Eigentlich keine schlechte Idee, wären nicht bereits unzählige Wackel-Filme in den letzten Wochen erschienen, die Horrorfans mit der Shaky-Cam-Methodik Kopfschmerzen und Schwindelgefühl bereitet haben. FUNNY GAMES (1997) dürfte für HATE CRIME Pate gestanden haben, denn eigentlich hat CULLEN BRESSACK hier nichts anderes gemacht, als die grandiose Idee von MICHAEL HANEKE zu kopieren. Das Resultat ist ein pseudo-polarisierender Schnellschuss, der eigentlich ganz böse und fies sein will, aber in den entscheidenden Momenten nicht den Mut besitzt konsequent zu sein. Stattdessen wird der Hass gegenüber gesellschaftliche Gruppen als Alibifunktion benutzt, um ein dümmliches Terror-Werk an den Zuschauer zu bringen, das hauptsächlich von der Zurschaustellung perverser Demütigungen lebt und dabei sogar auch noch langweilt.
 
Es geht um eine jüdische Familie, die gerade eine spaßige Geburtstagsfeier für den kleinen Sohnemann veranstaltet. Leider ist bald Schluss mit lustig, denn drei vermummte Gestalten verschaffen sich ungefragt Zutritt zum Haus und beginnen die Familienmitglieder zu terrorisieren. Die finden sich bald gefesselt im Hobbykeller wieder, wo die Mutter auf einem Billardtisch vor den Augen der Angehörigen vergewaltigt wird. Als wäre das allein nicht schon krank genug, soll sich wenig später auch der älteste Sohn an der Erziehungsberechtigten vergehen, dem aber erst einmal ein Hackenkreuz auf der Wange eingebrannt wird, damit er den Witzfiguren von Tätern nötigen Respekt zollt. Was der Zuschauer jedoch noch nicht weiß: Die Sadisten entpuppen sich als strunzdumme und hyperaktive Neonazis, die aus der Langeweile heraus Koks statt Ritalin konsumieren und Freude daran haben ihre Judenfeindschaft radikal ausleben zu können. Regisseur JAMES CULLEN BRESSACK kommt ziemlich schnell zum Punkt, scheint den Opfern bewusst keine Charakterisierung einräumen zu wollen und konzentriert sich stattdessen auf das möglichst widerwärtige Misshandeln seiner Figuren. Da wird dem Vater mit der Videokamera der Schädel eingeschlagen und auch noch die Tochter von einem der drei Nazis vergewaltigt; bis kurz vor Ende bleibt unschlüssig, was CULLEN BRESSACK mit seinem klischeebeladenen Snuff-Film überhaupt aussagen möchte. Erst kurz vor dem Abspann erklärt der passionierte Horrorfan, was er damit bezwecken wollte.
 
Wie der Filmtitel HATE CRIME bereits vermuten lässt, macht der Regisseur in seinem finsteren Machwerk Hasskriminalität zum Thema. Schenkt man den Informationen Glauben, die da nach Ende des Streifens über dem Bildschirm flimmern, werden jährlich über 80 000 Straftaten in den Vereinigten Staaten begangen, die auf Hass gegenüber gesellschaftliche Gruppen zurückzuführen sind. Die Idee zum Film kam CULLEN BRESSACK (selbst Jude) während eines Aufenthalts in Texas, wo er zusammen mit einem Geschäftspartner von einer Gruppe Skinheads belästigt und aufgefordert wurde zu gehen. Die Erfahrung hat ihn nachhaltig geprägt und zum Drehen des Filmes bewegt. Im Gegensatz zu Hanekes intelligenter Gesellschafts- und Medienschelte FUNNY GAMES ist HATE CRIME trotz brisanter Ausgangssituation nur ein weiterer plumper Terror-Flick, der vordergründig damit beschäftigt ist, die bekannten Home-Invasion-Klischees abzuhaken. Wir sehen die obligatorische Vergewaltigung, die man mittlerweile in jedem zweiten Rache- und Folterfilm zu sehen bekommt und die lang ausgewalzten Gewalteskapaden haben selbstverständlich auch ihren Weg in den Film gefunden. Zudem sind die Opfer ohnehin zu dumm zum Flüchten und stolpern stattdessen bevorzugt über die eigenen Beine oder genau vor das Zielfernrohr der hormongesteuerten Bösewichte. Letztere prägen sich nicht durch skrupelloses Vorgehen ins Gedächtnis, sondern durch die Art und Weise wie sie dem Zuschauer auf den Zeiger gehen. Selten hat man derart aufgekratztes Waschweibergegacker ertragen müssen für das der Zuschauer wirklich stahlharte Nerven benötigt. Auch wenn sich hungrige Gewaltfans bei derart krankem Stoff gierig die Hände reiben werden, sonderlich brutal ist HATE CRIME nicht. CULLEN BRESSACK setzt vermehrt auf Terror und fieses Kameragewackel. Der Found-Footage-Stil bietet im Falle von HATE CRIME diesmal ausnahmsweise einen Mehrwert, weil sich der Film Dank des Wackelformats anfühlt, als würde der Zuschauer gerade einem Snuff-Movie beiwohnen. Gut wird dieser Streifen aber dadurch noch lange nicht, was vor allem daran liegt, dass der Film sich nicht ernsthaft mit seiner kontroversen Thematik auseinandersetzen möchte. Außerdem will HATE CRIME einfach nichts Neues bieten, was man zuvor nicht schon in FUNNY GAMES, KIDNAPPED oder HOME SWEET HOME gesehen hat. Auch wenn man die Geschehnisse diesmal aus der Sicht der Bösewichte erlebt und der Filmfan ganz viel Elend und Leid vor die Linse bekommt, ist HATE CRIME nichts weiter als ein austauschbarer Horror-Thriller, bei dem der Regisseur die angestrebte Gesellschaftskritik ganz flink aus den Augen verliert, um der Horror-Fanbase gerecht zu werden können. Die ist seit HOSTEL und SAW gewaltverwöhnt und lobpreist nur jene Filme, die durch möglichst viel Sadismus und Brutalität glänzen – Zutaten, die HATE CRIME auf jeden Fall mitbringt. Übrigens zählt JAMES CULLEN BRESSACK den HOSTEL-Dreher ELI ROTH zu seinen Vorbildern. Dass da aus HATE CRIME kein vernünftiger Film geworden ist, dürfte erfahrene und anspruchsvolle Horrorfans nur wenig verwundern.
 
 
 


 
 
 

HATE CRIME – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
FUNNY GAMES meets AMERICAN HISTORY X. Pseudo-polarisierender Terrorfilm im aktuell so beliebten Found-Footage-Gewand, der brisante Gesellschaftskritik als Alibifunktion benutzt, um ganz viel Leid und Elend auf der Mattscheibe zeigen zu können. Wäre HATE CRIME vor 20 Jahren in die Kinos gekommen, der Streifen hatte wohlmöglich wirklich provoziert. Leider ist das Gezeigte mittlerweile so ausgelutscht, dass selbst die obligatorischen Vergewaltigungen in solchen Filmen nicht mehr wirklich schockieren wollen. HATE CRIME bietet nichts, was man nicht schon dutzende Male in Home-Invasion-Streifen gesehen hat. Die Opfer werden von einer Demütigung zu nächsten getrieben und verhalten sich dazu auch noch vollkommen dämlich. Haben die dann mal die Gelegenheit den Schurken das Handwerk zu legen, wird stattdessen lieber mit dem Messer vor deren Gesichter umhergefuchtelt, als zugestochen. Angeblich soll HATE CRIME der Thematik wegen international keinen Verleih gefunden haben, was jedoch als geschickt platzierter PR-Gag gewertet werden darf, denn HATE CRIME ist alles andere als kontrovers oder polarisierend. Vielmehr handelt es sich bei diesem Streifen um einen weiteren, austauschbaren und vor allem überraschungsarmen Horrorfilm, der sich bekannten Horrorklischees bedient und nur jenen Fans empfohlen sei, die eine Vorliebe für Filme besitzen, in denen Protagonisten sinnbefreit gedemütigt werden.
 
 
 


 
 
 

HATE CRIME – Zensur

 
 
 
HATE CRIME ist nicht sonderlich brutal und lebt vordergründig vom psychischen Erniedrigen der wehrlosen Opfer. Diese werden vergewaltigt, geschubst und geschlagen. Gegen Ende wird sogar ein Auge entfernt und ein Kopf eingeschlagen. Weil sich die Gewalt zusätzlich mit rechtsradikalem Kontext vermischt, gehen wir von keiner ungeschnittenen Freigabe in Deutschland aus. HATE CRIME dürfte hierzulande nur geschnitten und für ein volljähriges Publikum erscheinen. Ungeschnitten ist dieser Streifen ein potenzieller Index-Kandidat.
 
 
 


 
 
 

HATE CRIME – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Funny Games (1997)
 
Kidnapped (2010)
 
You’re Next (2011)
 
In Their Skin (2012)
 
The Aggression Scale (2012)
 
The Purge (2013)
 

Filmreview: „Home Invasion“ (2012)

home invasion 2012
 
 
 

HOME INVASION

Story

 
 
 
Nicole hat kein leichtes Los gezogen. Erst bricht man bei ihr ein, danach läuft in ihrem Leben alles drunter und drüber. Ganz unbegründet sind die privaten Tiefschläge nicht, werden sie doch von der schönen Jade inszeniert, die sich für den Mord an ihren Einbrecherfreund rächen will, den Adoptivmutter Nicole in Notwehr erschossen hat …
 
 
 


 
 
 

HOME INVASION – Kritik

 
 
 
Es ist immer wieder erstaunlich zu welch hirnrissigen Aktionen Menschen in Horrorfilmen fähig sind, wenn sie sich unter fadenscheinigen Gründen in rachsüchtige Psychopathen verwandeln „müssen“. Bei Jade (HAYLIE DUFF) zum Beispiel brennen die Sicherungen durch, weil ihr Lover schlicht und einfach zu blöd zum Einbrechen war. Der lauert gemeinsam mit seinem Kumpel der ahnungslose Nicole (LISA SHERIDAN) auf, die von den zwei Gaunern in den heimischen vier Wänden überfallen wird. Kohle ist dem Kleinkriminellen Will (TAYMOUR GHAZI) zu wenig, so dass er gleich erstmal am Opfer herumfingern muss. Das findet im Geldtresor eine Waffe, drückt den Auslöser und schießt wild um sich. Leider hat sie dabei ausgerechnet den grabschenden Langfinger erwischt, der eine neunmalkluge Groupie-Freundin trauernd zurücklässt. Die ist selbstverständlich unglaublich sauer über den schmerzlichen Verlust und schwört grausige Rache, weil sie scheinbar sonst nichts anderes in ihrem Leben zu tun hat. Leider ist Jade aber nicht gerade die hellste Kerze auf dem Kuchen, denn ihr hundsgemeines Rachespiel führt nur selten zum Erfolg. Mit unbeholfenen Intrigen will sie der sympathischen Nicole das Leben vermiesen, schleicht sich in ihr Leben und stiftet lächerliches Chaos.
 
Ja, wir sind hier im TV, denn bei diesem Film handelt es sich um hastig heruntergekurbeltes Fernsehmaterial ohne Nachdruck und Tiefgang. HOME INVASION nennt sich das Trauerstück, dass mit vielversprechendem Titel lockt und gar reißerische Horrorfilme Revue passieren lässt, die in jüngster Vergangenheit dank der titelgebenden Problematik zu Ruhm gekommen sind. Doch von kontroversen Machwerken wie KIDNAPPED, FUNNY GAMES oder IN THEIR SKIN ist das vorliegenden Fernsehsüppchen weit entfernt. Unbequemes Terrorkino und kaltschnäuzige Brutalitäten sucht man hier vergebens. Verwunderlich ist das natürlich nicht, will man ja schließlich kleine Grünschnäbel nicht um den wohlverdienten Schlaf bringen, die da zusammen mit den Eltern neugierig im TV-Vorabendprogramm durch die Kanäle zappen und bei HOME INVASION hängen geblieben sind. Für eingefleischte Horrorfans ist HOME INVASION mit Sicherheit eine Lachnummer. Gewalt ist fast nicht vorhanden, der Unterhaltungsfaktor gleich null und wirklich böse will der Film mit der irreführenden Titelkreation auch nicht werden. So reicht es letztendlich aus, wenn man sich den taktisch unklug geschnittenen Trailer anschaut, der praktisch den gesamten Film in knapp zwei Minuten zusammenfasst. Auch wenn man die Trailermacher für eine derartige Dummheit bestrafen müsste, hat das Werbefilmchen auch etwas Gutes, schließlich spart man sich so kostbare Lebenszeit, die man in die Sichtung weitaus wichtigerer Horrorfilme investieren kann.
 
 


 
 
 

HOME INVASION – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Ermüdender Psycho-Thriller, der aufgrund fehlender Gewaltmomente und null Suspense im Kinderkanal vermutlich besser aufgehoben wäre. Es ist unverschämt mit welch irreführenden Titeln Filmemacher die Aufmerksamkeit der Zuschauer gewinnen wollen. HOME INVASION ist ein unspektakulärer TV-Event, der sich dem Stalker-Subgenre bedient und eigentlich kaum Daseinsberechtigung besitzt. Mit Home-Invasion-Horrorfilmen hat dieser Streifen rein gar nichts am Hut und dürfte vermutlich nicht einmal Kindern ein müdes Lächeln entlocken können.
 
 
 


 
 
 

HOME INVASION – Zensur

 
 
 
Die Mogelpackung HOME INVASION dürfte, insofern sie in Deutschland einen Rechteinhaber finden sollte, problemlos ab 16 Jahren freigegeben werden, denn Gewalt ist in diesem Film kaum vorhanden.
 
 
 


 
 
 

HOME INVASION – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
In their Skin (2012)
 
The Aggression Scale (2012)
 
Funny Games (1997)
 
Kidnapped (2010)