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Beiträge mit Schlagwort “Home-Invasion-Filme 2014

Filmkritik: „Berkshire County“ (2014)

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BERKSHIRE COUNTY

Story

 
 
 
Babysittern vs. Einbrecherbande. Letztere führen nichts Gutes im Sinn und scheinen das Entführen von Babysittern zum Hobby gemacht zu haben.

 
 
 


 
 
 

BERKSHIRE COUNTY – Kritik

 
 
 
Ein weiterer Film über Psychopathen mit Schweinemasken. Die sind im Genre mittlerweile ziemlich häufig anzutreffen, um ahnungslosen Menschen viel Angst einzujagen. Auch der kanadische BERKSHIRE COUNTY macht von bekannter Terrorpraktik Gebrauch, die bevorzugt im Horrorfilm Anwendung findet. So lassen sich seit einigen Jahren regelmäßig Psychopathen im Horrorkino blicken, die unschuldige Familien zu Hause besuchen, um sie dort zu terrorisieren und zu quälen. BERKSHIRE COUNTY macht da keine Ausnahme und dürfte bei vielen Zuschauern – gerade der Maskierung wegen – so manch Déjà-vu-Erlebnis auslösen. Der ruft nämlich Filme wie MADISON COUNTY, TORMENT und YOU’RE NEXT ins Gedächtnis, weil dort ebenfalls Tiermasken-Killer eine perverse Lust am Töten hilfloser Menschen entwickelt haben.
 
 
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Schnörkelloser Home-Invasion-Schocker mit doofem Ende. Für den zeichnet der Kanadier AUDREY CUMMINGS verantwortlich und liefert für ein Regiedebüt ganz passable Arbeit ab. Ein Schulmobbing-Opfer gerät in diesem Thriller an eine Bande kaltblütiger Killer, deren Beweggründe auch nach dem Abspann unbeantwortet bleiben. Die nehmen es mit der attraktiven ALYSA KING auf, die im Film Babysitterin Kylie Winters verkörpert und nur ein Ziel hat: zwei Kinder zu schützen und zu überleben. Natürlich wird das gelingen, schließlich will das offene und reichlich konstruiert wirkende Ende dem Zuschauer klarmachen, dass man diesen Streifen in Serien schicken möchte. Damit stapft man in Spuren bekannter Fortsetzungsware, die so lange fortgeführt wurde, bis sie keiner mehr sehen wollte.
 
 
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Nichts neues, aber kurzweilig. BERKSHIRE COUNTY bietet nichts, was man nicht bereits in vielen Ablegern dieser Art von Filmen zu sehen bekommen hat. Die scheint Macher AUDREY CUMMINGS immerhin penibel studiert zu haben, so dass trotz vorhersehbarem Handlungsverlauf ab und an etwas Spannung aufkommt. So folgt der Zuschauer einem aufgebrachten Babysitter, der unentwegt damit beschäftigt ist sich zusammen mit zwei Schützlingen in einem riesigen Anwesen zu verstecken und auf Hilfe zu hoffen. Unterstützt wird das Versteckspiel von pumpenden Synthesizer-Klängen, die nicht selten Werke von Altmeister JOHN CARPENTER Revue passieren lassen. Leider gerät der kontinuierlich aufgebaute Spannungsbogen durch teils nicht sonderlich gelungene Synchronisation ins Wanken. Für die wurden nicht immer professionelle Sprecher besetzt, so dass der Film des Öfteren Probleme mit der Ernsthaftigkeit erhält. Die sucht man übrigens im Finale vergebens, denn je mehr sich BERKSHIRE COUNTY der Zielgerade nähert, umso haarsträubender und unglaubwürdiger gestaltet sich der Überlebenskampf. Der wird ins Absurdum getrieben und versucht erst gar nicht wesentliche Fragen zu beantworten. Letztendlich kommt BERKSHIRE COUNTY leider einige Jahre zu spät. Nach FUNNY GAMES wurden einfach zu viele dieser Filme in die Wohnzimmer gebracht, um den Zuschauer immer noch damit schockieren zu können. Wer Home-Invasion-Thriller mag, wird’s wohl kaum kümmern. Der dürfte auch mit BERKSHIRE COUNTY ein paar pulstreibende Minuten erleben – auch wenn dieses Subgenre dringend neue Ideen nötig hat.
 
 
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BERKSHIRE COUNTY – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Klassischer Home-Invasion-Schocker mit unbefriedigendem Finale. Der Kanadier AUDREY CUMMINGS liefert nach diversen Kurzfilmen den ersten Langfilm ab und wagt keine Experimente. Er mixt bekannten Home-Invasion-Stoff mit Zutaten gängiger Slasher und verfeinert das Gebräu mit etwas Terror. Die Rezeptur funktioniert sechzig Minuten lang. Danach gerät der Streifen ins Taumeln und bekommt Probleme mit der Glaubwürdigkeit. Antworten über die Beweggründe der Filmbösewichte werden nicht geliefert. Die hat man sich offensichtlich für die Fortsetzung aufgehoben. Ob das eine gute Idee gewesen ist, wird sich zeigen, denn leider ist BERKSHIRE COUNTY nur ein weiterer Home-Invasion-Film unter vielen, der kaum nennenswerte Höhepunkte zu bieten hat.
 
 
 


 
 
 

BERKSHIRE COUNTY – Zensur

 
 
 
Anders als das Cover vermuten lässt, ist BERKSHIRE COUNTY bereits ab 16 Jahren freigegeben worden. Das hat auch seine Gründe, denn sonderlich gewalttätig ist der Film nicht. Viele Morde passieren im Off und erst am Ende gibt es Lebenssaft zu sehen. Der rote FSK-Sticker auf der Heimkinofassung ist wegen einiger Trailer auf dem Heimkinocover zu finden.
 
 
 


 
 
 

BERKSHIRE COUNTY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Berkshire-County-bluray

(c) Mad Dimension (KeepCase)

 
Berkshire-County-mediabook

(c) Mad Dimension (limitiertes Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Berkshire County; Kanada 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: Film: FSK 16 (ungeschnittene Fassung) / Blu-ray jedoch aufgrund der Extras: Keine Jugendfreigabe

Verpackung: Schwarze KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer zum Film, Trailershow

Release-Termin: 09.10.2015 (KeepCase) | 09.10.2015 (Mediabook)

 

Berkshire County [Blu-ray im Keepcase]

Berkshire County – Limited Mediabook (DVD + Blu-Ray) [Limited Edition]

 
 
 


 
 
 

BERKSHIRE COUNTY – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

Die Rechte aller für die Review verwendeten Bilder liegen bei MAD DIMENSION

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Beautiful People (2014)

White Settlers (2014)
 
Deadly Virtues: Love.Honour.Obey. (2014)
 
Hate Crime (2013)
 
Home Invasion (2012)
 
Home Sweet Home (2013)
 
In their Skin (2012)
 
The Aggression Scale (2012)
 
Funny Games (1997)
 
Kidnapped (2010)
 


Filmkritik: „Beautiful People“ (2014)

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BEAUTIFUL PEOPLE

Story

 
 
 
Drei Einbrecher haben Spaß am Quälen unschuldiger Menschen. Als sie ins das Haus der Familie Pontecorvo einsteigen, erleben sie eine böse Überraschung, denn im Keller lauert das Böse …
 
 
 


 
 
 

BEAUTIFUL PEOPLE – Kritik

 
 
 
Das Horrorgenre ist zwar vielseitig. Dennoch mangelt es seit Jahren an Abwechslungsreichtum, denn die Liste der beliebtesten Subgenres liest sich übersichtlich. So haben seit dem Wechsel ins neue Jahrtausend nicht nur Found-Footage-Streifen Hochkonjunktur. Neben Slasher, Zombie- und Geisterfilmen sind es vor allem harte Home-Invasion-Schocker, die den Zuschauer immer wieder versuchen mit unangenehmen Bildern an die Grenze des psychisch Belastbaren zu treiben. Der Trend geht hin zu perversem Sadismus, denn je doller in diesen Filmen unschuldige Protagonisten gequält, vergewaltigt und terrorisiert werden, desto mehr Zuspruch erhält diese Art des Horrors beim gewalthungrigem Publikum.
 
 
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Es mag ja immer noch Horrorfans da draußen geben, die mit dem Begriff „Home-Invasion“ nichts anzufangen wissen. Denen erklärt Regisseur BRINI AMERIGO mit seinem BEAUTIFUL PEOPLE noch einmal ausführlich, worauf es in Filmen dieses Subgenre ankommt. Es sind mal wieder skrupellose Bösewichte, die in die Häuser friedliebender Familien einsteigen, um deren Leben mit bestialischer Quälerei zu zerstören. Einer derer ist Nibbo (diabolisch verkörpert von DANNY CUTLER), der mit dem kleinen Bruder (ALEX SOUTHERN) und seinem Komplizen Testamento (ALEX LUCCHESI) von Haus zu Haus zieht, um eine blutige Spur der Verwüstung nach sich zu ziehen. Vom ausgeprägten Hass auf Gutbetuchte getrieben macht auch Familie Pontecorvo mit den unwillkommenen Gästen Bekanntschaft. Leider haben sich die Ganoven hier wohl das falsche Anwesen für ihre schändlichen Taten ausgesucht, denn im Keller hält Vater John etwas versteckt, von dem die Öffentlichkeit nichts erfahren soll. Für die Schurken kein Grund nicht doch einmal im Keller nach dem Rechten zu sehen, ohne zu wissen, dass sie mit ihrer Neugierde die Büchse der Pandora öffnen.
 
 
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BEAUTIFUL PEOPLE hätte ein neuer Geheimtipp für Liebhaber derber Home-Invasion-Thriller werden können, denn was hier an kaltschnäutzigen Grausamkeiten gegenüber unschuldigen Familien gezeigt wird ist nicht leicht zu verdauen. Leider schien Macher BRINI AMERIGO darum bemüht gewesen zu sein, sein Debüt aus der Masse an ewig gleichem Folter- und Terrorunsinn hervorstechen zu lassen. Statt klassischen Zu-Hause-Horror abzuliefern verirrt sich der Regisseur im Untoten-Genre und springt auf den immer noch äußerst beliebten Zombiezug auf. Eine unglückliche Entscheidung, die BEAUTIFUL PEOPLE nicht unbedingt förderlich ist. Während in der ersten Stunde das Nervenkostüm des Zuschauers durch Psychoterror überstrapaziert wird, kommt in den letzten 30 Minuten der Holzhammer zum Einsatz. Zwischen Unmengen an Fress- und Splatterszenen verliert der Film schnell an Glaubwürdigkeit auf die zu Beginn penibel geachtet wird, damit BEAUTIFUL PEOPLE möglichst authentisch und unbequem wirkt.
 
 
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Im Keller lauern die Zombies! Warum das so ist, macht keinen Sinn. Die Pontecorvos führen unter ihrem Anwesen mysteriöse Experimenten an Menschen durch und scheinen offensichtlich die Gefahr zu unterschätzen, die da im Untergrund lauert. Natürlich ahnen die Einbrecher von all dem nichts und laufen bei ihren Erkundungsstreifzügen durch das Eigenheim geradezu in den Tod. Schnell sind Türen geöffnet, die eigentlich verschlossen bleiben sollten und der zuvor nicht ungeschickt erzählte Streifen verläuft sich in Absurditäten. Aus dem grimmigen Terrorfilm wird ein plumper Zombie-Gähner, in dem Opfer und Täter zu Gejagten werden, die sich im Überlebenskampf zusammenraffen müssen, um mit vereinten Kräften gegen mutierte Kreaturen kämpfen zu können. Zugegeben, das Make-up und die Effekte stimmen. Leider ist der Fortlauf der Geschichte das wohl Dümmste, was man zuletzt im Genre zu sehen bekommen hat. So wollen vielen Entscheidungen nicht einleuchten, die Protagonisten in ihrer Todesangst treffen. Dass im Finale mal wieder äußerst dick aufgetragen werden muss, verdeutlicht nur die Banalität dieses Machwerks. Abermals läuft alles aus dem Ruder und eine Zombieepidemie bahnt sich ihren Weg um den Globus. Erfahrene Zuschauer sehen da schon die Fortsetzung kommen, schließlich ist es mittlerweile nichts ungewöhnliches mehr, wenn Horrorfilme so lange fortgesetzt werden, bis entweder kein Geld mehr damit verdient werden kann oder sie keiner mehr sehen möchte.

 
 


 
 
 

BEAUTIFUL PEOPLE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
FUNNY GAMES trifft auf DAWN OF THE DEAD – dieser Streifen ist knüppelhart, blutig und kompromisslos. BEAUTIFUL PEOPLE ist genau der richtige Film für jene, die die Tauglichkeit von Horrorstreifen anhand der Grausamkeiten im Film bewerten. Das Debüt des noch unbekannten Regisseurs BRINI AMERIGO ist nicht jedermanns Sache und dürfte bei Fans unbequemer Gewaltorgien auf Zustimmung stoßen. Umso mehr verwundert es, dass der menschenverachtende BEAUTIFUL PEOPLE nicht aus Frankreich kommt, sondern in Italien gedreht wurde. Dennoch, es ist nicht alles Gold was glänzt. Trotz schonungsloser Härte hat der Film ein Problem und das ist der leidlich gelungene Versuch Home-Invasion-Horror mit splattriger Zombie-Thematik zu vermischen. Zwar liest sich der Mix durchaus interessant; die Umsetzung ist jedoch nur bedingt gelungen. Sobald die ersten Zombies über die Mattscheibe schlurfen, wird es haarsträubend und der Film entpuppt sich als Sammelsurium der Absurditäten. Die Protagonisten verhalten sich dämlich und übertriebene Fress- und Splattermomente lassen den bedrohlich-ungemütlichen Ton vergessen, auf den anfänglich noch sehr viel Wert gelegt wurde. Wir meinen: die erste Stunde ist Top – die letzten 30 Minuten ein Flop.
 
 
 


 
 
 

BEAUTIFUL PEOPLE – Zensur

 
 
 
BEAUTIFUL PEOPLE ist ziemlich hart. Menschen werden skrupellos gequält und danach ermordet. Einer der Bösewichte filmt die Grausamkeiten sogar mit seinem Handy. Während sich die erste Filmhälfte mit dem Terrorisieren von unschuldigen Menschen beschäftigt, geht es in der zweiten Filmhälfte reichlich splattrig zugange. Zombies wühlen in Organen und Köpfe werden mit Steinen eingeschlagen. Ungewöhnlicherweise ist der Terrorpart wesentlich ungemütlicher und härter ausgefallen, als die diversen Matscheffekte in der letzten halben Stunde. Weil jedoch im Film äußerst menschenverachtend Protagonisten gequält und sogar Kinder ermordet werden, darf man davon ausgehen, dass BEAUTIFUL PEOPLE in Deutschland keine Freigabe in ungeschnittener Form erhalten wird.
 
 


 
 
 

BEAUTIFUL PEOPLE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
White Settlers (2014)
 
Deadly Virtues: Love.Honour.Obey. (2014)
 
Hate Crime (2013)
 
Home Invasion (2012)
 
Home Sweet Home (2013)
 
In their Skin (2012)
 
The Aggression Scale (2012)
 
Funny Games (1997)
 
Kidnapped (2010)
 


Filmkritik: „White Settlers“ (2014)

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WHITE SETTLERS

Story

 
 
 
Ed (Lee Williams) und Sarah (Pollyanna McIntosh) bekommen während der ersten Nacht im neuen Heim unerwarteten Besuch und müssen um ihre Leben kämpfen.

 
 
 


 
 
 

WHITE SETTLERS – Kritik

 
 
Immer öfter wird auch der Horrorfilm zum Sprachrohr für Kritik an gesellschaftlichen Missständen. Im Fall des Thrillers WHITE SETTLERS lag dieser Kritik eine brisante Debatte zugrunde, die im September 2014 weltweit durch die Medien ging. Per Volksabstimmung sollte über die Unabhängigkeit Schottlands von Großbritannien entschieden werden. Letztendlich scheiterte die schottische Unabhängigkeitsbewegung aufgrund mangelnder Befürworter, so dass der Landesteil im Norden und der Rest des Vereinigten Königreichs auch weiterhin eins bleiben mussten. Regisseur SIMEON HALLIGAN bezieht in seinem Kinostück klare Position. Im Gewand eines Horror-Thrillers nutzt er die Gelegenheit, sich kritisch über die politische Lage zu äußern. Sein Standpunkt ist kaum zu überhören, denn im Film wird mehrmals darauf hingewiesen, dass Engländer und Schotten besser nicht miteinander vermischt werden sollten. Dass sein WHITE SETTLERS auch noch kurz vor Ende des Schottland-Referendums in britischen Kinos kommen musste, unterstreicht nur die radikale Einstellung des Regisseurs, dem aber als Befürworter der Bewegung und gleichzeitig Systemkritiker trotzdem kein schlechter Horrorstreifen gelungen ist.
 
 
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In WHITE SETTLERS erleben Ed (Lee Williams) und Sarah (Pollyanna McIntosh) eine Nacht des Grauens. Sie haben gerade in der schottischen Einöde ein morsches Häuschen von einer Maklerin zum Schnäppchenpreis gekauft, die offenkundig froh darüber war, dass sie das historische Gemäuer an den Mann bringen konnte. Das verliebte Paar stört sich nicht an der bewegten Vergangenheit des alten Gebäudes und beginnt sogleich mit der Sanierung, schließlich soll das neue Heim für Entspannung fernab der hektischen Stadt sorgen. Die Möbel sind kaum an ihre Plätze gerückt, da raschelt es schon auf dem Hof. Einbrecher mit Schweinemasken haben sich Zutritt zum Haus verschafft und beginnen ein erbarmungsloses Katz- und Mausspiel zu veranstalten, das die ahnungslosen Opfer an die Grenzen des Erträglichen treibt.
 
 
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„Schottland ist ein sehr freundliches Land“ beteuert die Maklerin beim Hausverkauf zu Beginn des Streifens – eine der vielen doppeldeutigen Aussagen, mit denen die lokalpolitische Unzufriedenheit des Regisseurs zum Ausdruck gebracht werden soll. Ein rauer Wind weht durch WHITE SETTLERS, denn Macher SIMEON HALLIGAN macht mal wieder von jener Panikmache Gebrauch, die schon der alte SAM PECKINPAH mit STRAW DOGS beängstigend real in Szene zu setzen verstand: Home-Invasion-Horror. Diesmal bleibt das Grauen jedoch weniger durch Sadismus und Folterei im Gedächtnis. HALLIGAN macht sich die bekannte Terrormasche zu Eigen und hetzt seine Opfer lieber von Zimmer zu Zimmer, um ihnen anschließend so viel Angst wie möglich einzujagen. In WHITE SETTLERS steht das Finden kreativer Verstecke auf dem Programm, denn die Protagonisten sind die Hälfte der Laufzeit damit beschäftigt sich neue Orte zu suchen, an denen sie sich vor den mit Schweinemasken vermummten Einbrechern in Sicherheit wähnen können. Doch die Bösewichte scheinen nicht sonderlich daran interessiert zu sein, ihre Beute brutal und bestialisch niederzustrecken. Warum das so ist klärt das Filmende auf. Das darf zur Abwechslung mal wirklich die Etikette „garantiert nicht vorhersehbar“ tragen.
 
 
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Ein Schelm, wer bei Schweinemasken tragenden Einbrechern an den Splatter-Hit YOU’RE NEXT denken muss. Der ist dem hier besprochenen WHITE SETTLERS nicht unähnlich, wenngleich WINGARDS Gewalt-Orgie aus dem Jahr 2011 hauptsächlich durch fiese Effekt-Raffinessen auffallen konnte. Die fehlen in WHITE SETTLERS gänzlich, schließlich will SIMEON HALLIGAN mit gesellschaftskritischer Botschaft vor den Kopf stoßen, statt dem Zuschauer mit blutigen Gemeinheiten auf den Magen zu schlagen. Trotz Blutarmut und mittlerweile bekanntem Handlungsverläufen überrascht, dass das hier inszenierte Katz- und Mausspiel durchaus spannende Momente auf die Mattscheibe bringt. Zwar erfindet HALLIGAN keinesfalls das Rad neu; dank gutem Schauspiel und souveräner Machart wird aus einem einfachen Plot trotzdem fesselndes Angstkino ohne Längen. Aufgrund der kontroversen Thematik wird WHITE SETTLERS die Zuschauer jedoch in zwei Lager spalten. Die, die sich an der Problematik des Films nicht stoßen, dürften sich nicht nur einmal dabei ertappen, wie sie sich tief in den Filmsessel graben.
 
 


 
 
 

WHITE SETTLERS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Nervenzerfetzendes Angstkino à la carte. Wer meint, dass in Schottland die Welt noch in Ordnung ist, irrt. SPLINTERED-Regisseur SIMEON HALLIGAN nutzt die friedliche Kulisse schottischen Weidelandes, um einen Home-Invasion-Schocker mit politischer Botschaft an den Zuschauer zu bringen. Was in WHITE SETTLERS gezeigt wird, hat man eigentlich schon unzählige Male gesehen. Abermals werden unschuldige Menschen von maskierten Fieslingen terrorisiert, die ihre Opfer durch den Film hetzen und – das scheint neu – nicht daran interessiert sind, ihnen Böses anzutun. Warum das so ist wird erst am Ende erklärt. Bis dahin schafft es Macher SIMEON HALLIGAN trotz einfacher Geschichte, uns zu fesseln. Sein ungemütliches Terrorwerk reduziert sich auf das Wesentlich und lässt keine Längen entstehen. Zudem laden kräftige Adrenalinschübe zum Mitfiebern ein – den glaubhaften und guten Schauspielleistungen der beiden Hauptdarsteller sei Dank.
 
 


 
 
 

WHITE SETTLERS – Zensur

 
 
 
WHITE SETTLERS hält sich im direkten Vergleich zu ähnlichen Thrillern dieser Art mit der Zurschaustellung von Gewalt und Gore zurück. Für die Splatter-Fraktion gibt es gerade einmal einen zermatschten Kopf, einen unglücklichen Tritt in eine Bärenfälle sowie „Schnitzarbeiten“ mit einem Teppichmesser an der Wade der Heldin zu sehen. Demnach wird der Film garantiert mit FSK16 im Handel stehen, denn viel zu beanstanden wird die FSK hier nicht haben.
 
 
 


 
 
 

WHITE SETTLERS – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Deadly Virtues: Love.Honour.Obey. (2014)
 
Hate Crime (2013)
 
Home Invasion (2012)
 
Home Sweet Home (2013)
 
In their Skin (2012)
 
Funny Games (1997)
 
Kidnapped (2010)
 


Filmkritik: „Play: Tödliches Spiel“ (2014)

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PLAY: TÖDLICHES SPIEL

(MOCKINGBIRD)

Story

 
 
 
Einige nichtsahnende Protagonisten werden Teilnehmer eines perfiden Spiels, dessen Ausgang im Desaster endet.

 
 
 


 
 
 

PLAY: TÖDLICHES SPIEL – Kritik

 
 
 
Regisseur BRYAN BERTINO bleibt dem Home-Invasion-Genre treu und lässt nun nach dem in Fankreisen gefeierten THE STRANGERS (2008) erneut einige nichtsahnende Protagonisten in den eigenen vier Wänden ums Überleben bangen. PLAY – TÖDLICHES SPIEL (im Original als MOCKINGBIRD bezeichnet) heißt die neue Terror-Hatz, die im Grunde genommen nichts anderes ist, als eine Neuaufbereitung des erfolgreichen Zu-Hause-Horrors mit LIV TYLER. Dennoch ist dies keine Fortsetzung zu THE STRANGERS, obwohl sich im neusten Streifen des Regisseurs allerhand Parallelen zum Terror-Hit aus dem Jahr 2008 finden lassen. Mit PLAY – TÖDLICHES SPIEL macht sich BERTINO keine Freunde, denn der Verfechter der düsteren Filmgattung macht wenig originell Gebrauch vom mittlerweile nicht mehr ganz so beliebten Found-Footage-Stil, der sich auch in diesem Machwerk den gängigen Klischees jener Filmmethodik unterwirft. Da wird gewackelt als gebe es keinen Morgen mehr und verängstigte Protagonisten filmen ihren Überlebenskampf ganz selbstverständlich mit der Handkamera, damit jede Einzelheit ihres Ablebens auch ja auf Film gebannt werden kann. Das ist nicht nur ziemlich unglaubwürdig, sondern nervt gewaltig, weil BERTINO sich einen Deut darum schert sein uninspiriertes Kameragewackel um neue Ideen zu bereichern. Zudem leuchtet mal wieder nicht ein, wie die Hauptfiguren in Extremsituationen immer noch in der Lage sein können, eine Kamera zu halten, während ihnen ein Fremder nach dem Leben trachtet.
 
PLAY – TÖDLICHES SPIEL lässt Splatter-Herzen schneller schlagen, zumindest geizt die Eröffnungssequenz nicht mit grafischen Details, in der einem wimmernden Jungen recht unfein das Hirn weggeblasen wird. Gewalt als Mittel zum Selbstzweck lautet hier die Devise, wobei der fragwürdige Kindermord vermutlich nur dazu dienen soll, um die Erwartungshaltung des Horrorfans zu wecken. Der dürfte aber recht schnell genervt aus seinem Filmsessel springen, weil PLAY vermehrt auf Terror setzt, statt viel Blut zu zeigen. Bis der jedoch zum Einsatz kommt, muss der Filmfreund reichlich Geduld aufbringen, schließlich lässt sich der Invasion-Terror-Flick eine geschlagene Stunde Zeit, bis es endlich mal interessant wird. Bis dahin klappert BERTINO die gröbsten Etappen üblicher Terror-Macherei ab. Dies langweilt leider schnell, weil die Szenenverläufe der gängigen Found-Footage-Machart entsprechen und sich ständig wiederholen: schreien, wackeln, rennen, wackeln.
 
Ähnlich wie in BERTINOS Debüt THE STRANGERS werden in PLAY einigen Familien von Fremden – diesmal jedoch in Clown-Maskierung – eingeschüchtert, manipuliert und terrorisiert bis sie sich am Ende selbst auslöschen, weil sie unwissend gegeneinander aufgehetzt werden. Das mag zwar durchaus vielversprechend klingen, ist aber im Grunde genommen nicht der Rede Wert, weil PLAY nichts anderes ist, als eine günstig gedrehte Shaky-Cam-Variante des besagten THE STRANGERS, der es einfach an Spannung und vor allem Schauwerten mangelt, die sich Horrorfans nun mal von solchen Streifen wünschen. Diese reduzieren sich auf den genannten Anfangsmord und ein erstaunlich knappes Finale, in dem kurzer Prozess veranstaltet wird. Zudem fehlt dem Terrorfilm einfach das Fünkchen Originalität, um aus der riesigen Masse ähnlicher Wackel-Produktionen hervorzustechen zu können. Demnach ist MOCKINGBRIRD (übrigens der Name der Straße, auf der sich am Ende ein Massaker ereignet) ein mehr als enttäuschendes Zweitwerk, das dem Vorgängerfilm des Regisseurs nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen kann.
 
 
 


 
 
 

PLAY: TÖDLICHES SPIEL – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Lass uns ein Spiel spielen: THE STRANGERS im Found-Footage-Gewand. Leidlich spannender und vor allem vollkommen überflüssiger Terrorfilm, bei dem das teils konfuse Gewackel erneut ziemlich störend in Erscheinung tritt. Zwar hat Regisseur BRYAN BERTINO ein ganz brauchbares Drehbuch geschrieben; die lästigen Found-Footage-Klischees berauben dem Streifen aber ganz schnell jeglicher Spannung, damit dem Filmfreund der Spaß um Zusehen vergeht. Die letztendliche Auflösung des gesamten Treibens wirkt aufgrund der halbherzigen Inszenierung erheblich aufgesetzt und hat man in derart Weise auch schon in Filmen wie dem französischen THEM (2006) gesehen. Daher meinen wir: PLAY – TÖDLICHES SPIEL (Originaltitel: MOCKINGBIRD) ist ein gemeiner Zeiträuber und muss man nicht gesehen haben!
 
 
 


 
 
 

PLAY: TÖDLICHES SPIEL – Zensur

 
 
 
Aufgrund des recht ruppigen Mord an einem unschuldigen Jungen in der Eröffnungsszene wurde PLAY – TÖDLICHES SPIEL hierzulande direkt mit der blauen FSK-Kennzeichnung in den Handel gebracht. Zwar werden am Ende einige Protagonisten erschossen; abgesehen von einem toten Haustier gibt es sonst keinerlei Gewalt zu sehen, da PLAY – TÖDLICHES SPIEL eher auf psychischen Terror setzt, statt das Geschehen im Blut zu ersäufen. Die erhältliche FSK16-Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

PLAY: TÖDLICHES SPIEL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Play-Tödliches-Spiel-DVD

(c) Universal Pictures Home Entertainment

 

(Der Film ist hierzulande aus nicht bekannten Gründen vorerst nur als DVD erhältlich)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Mockingbird; USA 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1), Italienisch (Dolby Digital 5.1), Spanisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Sonstige

Bild: 1,78:1 (anamorph / 16:9)

Laufzeit: ca. 79 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Keine

Release-Termin: 09.07.2015

 

Play – Tödliches Spiel (DVD) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

PLAY: TÖDLICHES SPIEL – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Strangers (2008)

Them (2006)

Home Sweet Home (2013)

Rage (2010)

The Purge – Die Säuberung (2013)


Filmreview: „Kristy – Lauf um dein Leben“ (2014)

Kristy-lauf-um-dein-leben-random-2014
 
 
 

KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN

Story

 
 
 
Studentin Justine Wells (Haley Bennett) ist allein auf dem Campus und erhält unangemeldeten Besuch von vier vermummten Gestalten, die der Hochschülerin nach dem Leben trachten wollen …
 
 
 


 
 
 

KRISTY – Kritik

 
 
 
Wann lernen Killer in Horrorfilmen endlich, dass man nicht mit (Hoch)Schülerinnen gemeinen Schabernack treibt, die intellektuell in einer ganz anderen Liga spielen. Seit jeher sind nämlich jene Protagonistinnen dafür prädestiniert, den immer gleichen Kampf gegen unzureichend intelligentes Pack aufzunehmen, dessen Ausgang ohnehin stets vorbestimmt ist. Auch Jahrzehnte nachdem der Slasher durch MARIO BAVA ins Leben gerufen wurde, haben sich die Regeln jenes Sub-Genres kaum verändert. Das meist „anständige“ Final Girl darf in derart Filmen nicht nur reichlich kreischen, sondern legt den Bösewichten am Ende eigentlich immer das Handwerk. Im Gegensatz zu JAMIE LEE CURTIES in HALLOWEEN (1978) ist so eine Racheakt heute natürlich wesentlich blutiger, schließlich erwartet der Horrorfan im Jahr 2014 von einer Heldin, dass die sich mit dem grobschlächtige Handwerk auskennt.
 
KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN (im Original auch als RANDOM bezeichnet) ist ein weiterer Streifen aus der Reihe „Ich komm dich zu Hause besuchen und befördere dich ins Jenseits“-Werke, die sich zur Zeit im Kino und auf dem Heimkinomarkt großer Beliebtheit erfreuen. Offensichtlich von aktuellen Horror-Erfolgen wie THE PURGE und YOU’RE NEXT inspiriert, darf sich hier eine taffe Einzelkämpferin gegen eine Truppe vermummter Irrer behaupten, die mal wieder nichts anderes zu tun haben, als ahnungslose Studentinnen möglichst gemeingefährlich zu terrorisieren. DONKEY PUNCH-Regisseur OLIVER BLACKBURN lässt nach längerer Regiepause wieder von sich hören und versucht mit konventionell gestrickter Horror-Ware den Einstieg zurück in die Filmwelt. Der ist ihm tatsächlich geglückt, denn nur selten gelingt Filmemachern der Sprung zurück ins Rampenlicht mit Low-Budget-Horror von der Stange. Es geht um die attraktive Justine, die leider nicht wie der Rest ihrer Freunde Thanksgiving zu Hause feiern kann, weil ihr das Geld für die Reise zu den Eltern fehlt. Daher beschließt sie sich eine schöne Zeit auf dem Campus zu bereiten, schließlich ist sie hier ja nicht ganz allein. Einige Sicherheitsbeamte und der Hausmeister sind vor Ort, damit sich die Studentin in den langen Fluren der Universität auch sicher fühlen kann. Weil KRISTY ein Horrorfilm ist dürfte klar sein, dass das nicht lang der Fall sein wird, denn an einer Tankstelle macht die strebsame Hochschülerin Bekanntschaft mit einer gar bedrohlichen Zeitgenossin, die scheinbar nicht alle Latte am Zaun zu haben scheint. Nach einer beängstigenden Verfolgungsjagd flüchtet Justine zurück auf den Campus, hat aber nicht mit der Hartnäckigkeit ihrer Verfolgerin gerechnet, die sich natürlich an die Fersen ihres Opfers heftet und nur eins will: Den Tod ihres ahnungslosen Opfers. Den wollen auch drei weitere Gestalten, die sich der Terrorsause anschließen und eine grausamen Jagd auf die verängstigte Studentin einläuten.
 
Wie es sich für einen Slasher nun mal gehört, verlaufen die Handlungsstränge nach bekanntem Schema. Täter und Opfer liefern sich eine unerbittliche Schlacht, die selbstverständlich nur einen Sieger kennt. Während zu Beginn die Fieslinge ganz klar im Vorteil liegen und noch mit Taktik versuchen der ahnungslosen Justine Angst einzujagen, haben selbige nicht mit der Klugheit ihrer Gegenspielerin gerechnet, die es leider gar nicht lustig findet, dass zig Unwissende im Verlauf der Hetzjagd ihr Leben lassen mussten. Sie stellt sich ihren Ängsten und bekämpft die maskierten Killer mit ihren eigenen Waffen. Die erhalten am Ende die wohlverdiente Strafe und der Zuschauer ist verblüfft darüber, was für ein kurzweiliges Filmvergnügen soeben über den Bildschirm geflimmert ist. Auch wenn OLIVER BLCKBURN das Genre mit seinem KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN freilich nicht revolutioniert hat, ist ihm doch ein zügig inszenierter Thriller gelungen, der trotz bekannter Klischees kaum Längen besitzt. Die bunte Mischung aus Slasher, Home-Invasion-Schocker und Terrorfilm verfügt über einen stetig steigenden Spannungsbogen, der von der Unwissenheit des Zuschauers zerrt. Der erfährt wie die Heldin des Films erst kurz vor dem Abspann von den Hintergründen der perfiden Jagd. Das Motiv sind Ritualmorde, die eng in Verbindung mit dem Internet stehen – einem weitläufigen Tummelplatz finsterer Gestalten, die dort ungehindert ihren perversen Phantasien nachgehen können ohne ertappt zu werden.
 
Mit KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN hat OLIVER BLACKBURN eine weitere Horror-Version des 90er-Hits KEVIN ALLEIN ZU HAUS gedreht, der natürlich auch den für Slasher-Streifen obligatorischen Mankos unterliegt. Opfer und Killer verhalten sich wie immer selten dämlich und Wutausbrüche erfahrener Filmfans dürften nicht ausbleiben, wenn Protagonistin Justine Dinge tut, die normal denkende Menschen wohl niemals in solche Situationen anstellen würden. Ebenso hirnriesig ist die Tatsache, dass die vier Täter partout über den Aufenthaltsort ihres Opfer bescheid wissen und sich auf dem riesigen Unigelände wie von Geisterhand von einem Ort zum nächsten bewegen können. Trotz zig Logikfehler ist jedoch weitaus ausschlaggebender, dass ein Horrorfilm unterhält und nicht langweilt. KRISTY ist schnörkellose Suspense-Unterhaltung ohne Längen und das ist die Hauptsache. Wer nach THE PURGE, THE STRANGERS und all den packenden Terror-Slashern in letzter Zeit immer noch nicht die Nase voll hat von ungebetenen Gästen, darf selbstverständlich gern in KRISTY mit um das Leben von Heldin Justine laufen. Zeitverschwendung ist dieser handwerklich hervorragend umgesetzt Horror-Trip mit Sicherheit nicht.

 
 
 


 
 
 

KRISTY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Alles beim Alten und doch irgendwie kurzweilig. DONKEY PUNCH-Regisseur OLIVER BLACKBURN hat Altbekanntes neu aufbereitet und unterhält trotz Logikbarrieren und Horror-Klischees ungemein. Die finstere Mischung aus Terrorfilm, Slasher und Home-Invasion-Schocker besitzt Tempo, was man bei vielen Indie-Horrorfilmen neueren Datums schmerzlich vermisst. Damit lässt sich nämlich manch Ungereimtheit im Drehbuch geschickt vertuscht, schließlich bleibt bei temporeich inszenierter Horror-Ware kaum Zeit, sich Gedanken über Filmfehler zu machen. Erstaunlicherweise wurde KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN so ziemlich unblutig umgesetzt, was nicht dem aktuellen Horror-Trend entspricht. Der Fokus liegt vermehrt auf Suspense und Terror, was dem Streifen jedoch sichtlich gut steht. Somit gehört KRISTY auf jedem Fall zu den besseren Vertretern der momentan immer noch lukrativen Horror-Welle, der es hätte auch gut und gern ins Kino schaffen können. Wer die Möglichkeit hat BLACKBURNS Slasher-Flick auf der großen Leinwand sehen zu können, sollte die Gelegenheit nutzen. Dort wird er vermutlich seine ganz Wirkung entfalten können, denn KRISTY ist ohne Zweifel ein spannungsgelandener Slasher für Fans von Schockern wie THE STRANGERS und THE PURGE.
 
 
 


 
 
 

KRISTY – Zensur

 
 
 
KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN ist nicht sonderlich brutal. Gegen Ende werden die Täter recht kreativ um die Ecke gebracht. Die Brutalität des Racheakts hält sich in Grenzen. Das sah auch die FSK so und hat KRISTY bereits für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben.
 
 
 


 
 
 

KRISTY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film / Sunfilm

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Random; USA 2014

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 7.1, Englisch DTS-HD MA 7.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 07.08.2014

 

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KRISTY – Trailer

 
 
 

 
 

Hellraiser80/ Marcel Demuth

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
The Aggression Scale (2011)
 
The Purge (2013)
 
Home Sweet Home (2013)
 


Filmreview: „Countdown“ (2012)

countdown-Nattawut-Poonpiriya
 
 
 

COUNTDOWN

Story

 
 
 
Ein durchgeknallter Drogendealer besitzt ganz eigene Methoden der Erziehung und erschreckt mit seiner Art der Erleuchtung drei junge Thais in ihrer New Yorker Wohnung zu Tode …
 
 
 


 
 
 

COUNTDOWN – Kritik

 
 
 
Wenn es um Horror aus Fernost geht, dürften vermutlich die meisten Horrorfans mit der Stirn runzeln, schließlich ist das was da in regelmäßig Abständen produziert wird, für den westlich Zuschauer nur selten Furcht einflößend. Mittlerweile hat man dort verstanden, dass mit pitschnassen Geistermädchen kein Blumentopf gewonnen werden kann, so dass asiatische Produzenten Rat suchend gen Westen schielen, um sich von dort gewinnbringende Inspirationen für neuen Filmstoff besorgen zu können. Was in Europa und Amerika gut funktioniert, kann auch in Thailand Kasse machen. Zumindest dürfte jenen Plan Regie-Neuling NATTAWUT POONPIRIYA verfolgt haben, der seinen ersten Ausflug ins Filmgeschäft um drei der momentan beliebtesten Horrorgewürze ergänzt, die bisher jeden Schocker zum Erfolg verholfen haben: Teenager, Terror und Gewalt. COUNTDOWN heißt der ungewöhnlich konventionell gestrickte Horrorspaß aus Thailand, wie man ihn eigentlich eher selten aus Asien serviert bekommt. Der orientiert sich nämlich an das auf Hochglanz polierte Horror-Kino aus Amerika, wo sich meist stereotype Teenager ihrem vorhersehbaren Filmschicksal beugen, statt das Böse mit Grips und Köpfchen in die Flucht zu schlagen. Bei so viel Liebe zur US-Filmkultur dürfte es den Zuschauer nicht überraschen, dass POONPIRIYA die Szenerie seines Debüts auch gleich nach New York verlegt hat, wo seine thailändische Protagonisten Englisch sprechen und sich natürlich ebenso nervig verhalten, wie ihre amerikanischen Film-Leidgenossen. „Home-Invasion“ heißt das Zauberwort, das Fans der härteren Filmgattung aufhorchen lässt. Für sein Debüt hat Macher POONPIRIYA nämlich gleich mal die Horror-Fibel durchgeblättert und jenes Sub-Genre ausgewählt, das sich auch nach YOU`RE NEXT, FUNNY GAMES und THE STRANGERS immer noch großer Beliebtheit erfreut. Mehr Terror statt Tortur heißt die Devise, was vermutlich nicht jedem Hobby-Sadisten schmecken dürfte, schließlich gehört mittlerweile ein gewisses Maß an menschenverachtender Brutalität zum Horrorfilm, wie das Salz in die Suppe.
 
Alles beginnt am Silvesterabend 2012 in New York. Die Kids Bee, Jack und Pam sitzen in ihrem Apartment und wollen den letzten Tag des Jahres entspannt ausklingen lassen. Da kommt es den Dreien gelegen, dass Womanizer Jack die Visitenkarte eines Drogendealers aus der Geldbörse zaubert, um ein bisschen Gras zu bestellen. Leider ist die Karte nicht komplett und die letzte Zahl der abgebildeten Telefonnummer unbekannt. Für die Freunde jedoch kein Grund, den lässigen Drogentrip sausen zu lassen. Schnell wird die unvollständige Nummer um eine „3“ ergänzt und die Kids staunen nicht schlecht, als sich am anderen Ende der Leitung wirklich ein Mister „Jesus“ meldet, der das beste Marihuana der ganzen Stadt vertreibt. Leider teilt „Jesus“ gern aus, aber nicht ein. Als er nach einem netten Pläuschen in der Küche Opfer eines Missverständnisses wird und sich die Teenager vor Lachen die Bäuche halten, zeigt der Sprüche klopfende Chaot sein wahres Gesicht. Er zwingt die Bande dazu, dass sie sich zu ihren dunkelsten Geheimnissen bekennen; brutale Strafen sollen den Kids Respekt eintrichtern.
 
Nervenaufreibender Terror in Verbindung mit zynischen Schenkelklopfern – das geht? Der thailändische COUNTDOWN überrascht mit einem gar sonderbaren Humor, der aber zur Abwechslung so beabsichtigt ist, schließlich weiß man bei asiatischer Exportware meist nie, ob das unerträgliche Overacting auf mangelndes Schauspieltalent zurückzuführen ist oder dem kreativen Geist des Regisseurs entspringt. In COUNTDOWN sind die Lacher zumindest gewollt, bleiben dem Zuschauer aber nicht selten im Halse stecken, entpuppt sich doch Dealer „Jesus“ als zynischen Richter, der seinen neunmalklugen Gegenspielern pünktlich zur Jahreswende die Fehler der vergangenen 365 Tage vor Augen führt. Anders als vermutet haben es Bee, Jack und Pam nämlich faustdick hinter den Ohren, so dass der schnell sprechende Fremde als Moralapostel in Erscheinung treten, den Zeigefinger heben und richten muss. Um die verzogenen Gören erneut auf den rechten Pfad der Tugend weisen zu können, werden Horrorfilm-typisch schmerzhafte Strafen verordnet. So kommt der sonst so taffe Jack in den Genuss einer gehörigen Tracht Prügel mit einem Küchenutensil, Pam werden die Hände gebrochen und dem Hund die Zähne gezogen. Die introvertierte Bee darf sich stattdessen den eigenen Dämonen stellen, reichlich flennen und dem Spuk nach knapp 90 Minuten ein Ende bereiten.
 
NATTAWUT POONPIRIYA spielt mit den Erwartungen des Publikums, denn das vermutet hinter COUNTDOWN ein ähnliches Ultra-Brutalo-Werk, wie man es seit HOSTEL, SAW und Co. immer häufiger im Kino zu sehen bekommt. Dem ist jedoch nicht so, denn auch wenn der hektisch geschnittene Trailer dem Zuschauer suggeriert, dass hier adrette Jungdarsteller in Stücke zerfetzt werden, so spritzt das Blut nur recht zaghaft. COUNTDOWN ist vielmehr ein makabres Kammerspiel, in dem ab Filmmitte die Sympathiepunkte neu verteilt werden. Die sympathischen Teenager werden als ausgefuchste Kleinkriminelle entlarvt und der anfänglich verhaltensauffällige Rauschmittel-Händler „Jesus“ entpuppt sich als schwarzhumoriger Engel Gottes, der auf die Erde hinabsteigt, um die Menschheit von ihren Sünden zu erlösen. DAVID ASAVANOND, der bisher nur wenig Schauspielerfahrung vorweisen kann, spielt den überdrehten „Jesus“ mit teuflischem Sarkasmus, der zwar anfangs Angst einjagt, aber dem man später gern noch weiter dabei zugesehen hätte, wie er missratene Grünschnäbel die Leviten liest. Mit ihm fällt und steigt nicht nur die Qualität, sondern auch das Tempo des Films. Letzteres braucht zwar etwas um in die Gänge zu kommen; ist dann erstmal „Jesus“ am Start bricht die Hölle los und die Spiele können beginnen. Mit COUNTDOWN hat Regisseur NATTAWUT POONPIRIYA einen recht guten Terror-Cocktail gedreht, in dem sich kompromisslose Härte und zynische Wortspielereien die Waage halten. Da kann man nur hoffen, dass der durchgestylte und schnell geschnippelte Schocker recht zügig den Weg nach Deutschland findet, schließlich gehört COUNTDOWN zweifelsohne zu den besseren Vertretern der momentan beliebten Home-Invasion-Welle und ist einer der besten thailändischen Horrorfilme der letzten Jahre.
 
 
 


 
 
 

COUNTDOWN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Bitterböser Terror-Spaß made in Thailand. COUNTDOWN bringt den vermutlich schwarzhumorigsten Bösewicht der Horrorfilmwelt auf die Leinwand und stößt Pizzagesicht FREDDY und Plastik-Gnom CHUCKY vom stark umkämpften Sprüche-Thron. Trotz Gebrauch von Nagelpistole und Schusseisen hat Drogen-Dealer „Jesus“ nämlich immer zynische Floskeln auf den Lippen, die routinierten Horrorfans reichlich Spaß bereiten dürften. Leider ist der Cocktail aus Lachern und Terror immer noch reichlich hart anzuschauen, so dass weniger nervenstarke Zuschauer ihre Probleme damit haben werden, dem ziemlich schroffen Treiben bis zum erlösenden Ende folgen zu können. Blut gibt es zwar kaum zu sehen, dafür wird die Terror-Schraube konstant fester gedreht. Stampfende Beats, hektische Schnitte und teils unerträgliches Gewimmer lassen schnell vergessen, dass man hier eigentlich Home-Invasion-Horror aus Fernost serviert bekommt, was vor allem daran liegen mag, dass sich Macher NATTAWUT POONPIRIYA an den Konventionen des amerikanischen Horror-Kinos orientiert und ein sehr konventionelles Süppchen gebraut hat, wie man es eigentlich eher von Hollywood erwartet hätte. Schlecht ist COUNTDOWN deswegen aber noch lange nicht, denn auch wenn das Bestrafungs-Prinzip der Protagonisten ein wenig SAW-Feeling ins Gedächtnis zurückkehren lässt, bereitet COUNTDOWN reichlich Kurzweil für unersättliche Genre-Gucker.
 
 
 


 
 
 

COUNTDOWN – Zensur

 
 
 
COUNTDOWN ist ein Terrorfilm wie er im Buche steht. Der Film bebildert das Demütigen und Schikanieren seiner Anti-Filmhelden. Blutig ist das zwar bis auf zwei kurze Momente nicht, aber dennoch sehr hart anzuschauen. Wir gehen davon aus, dass COUNTDOWN hierzulande mit KJ-Freigabe (Keine Jugendfreigabe) ungeschnitten in den Handel kommen wird.
 
 
 


 
 
 

COUNTDOWN – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Home Sweet Home (2013)
 
Das Penthouse (2013)
 
The Aggression Scale (2011)
 
Mischief Night (2013)
 
Kidnapped (2010)
 
The Strangers (2008)
 
Funny Games (1997)

Funny Games – Remake (2007)


Filmreview: „Hate Crime“ (2013)

hate crime (2013)
 
 
 

HATE CRIME

Story

 
 
 
Eine jüdische Familie wird während einer Geburtstagsfeier von drei Neonazis überrascht und terrorisiert …
 
 
 


 
 
 

HATE CRIME – Kritik

 
 
 
Wir heißen Euch willkommen in unserer neuen Rubrik: Filme, die die Welt nicht braucht, in die es die Terror-Gurke HATE CRIME mit Leichtigkeit geschafft hat. Regisseur JAMES CULLEN BRESSACK (übrigens der Sohn vom PINKY & THE BRAIN-Erfinder GORDON BRESSACK) hat bisher ein paar wenige Kurzfilme gedreht und war sogar auch schon für die Trash-Filmwerkstatt THE ASYLUM tätig, wo er mit dem überflüssigen 13/13/13 (2013) an einem Film werkelte, auf den nun wahrlich niemand gewartet hat. Weil er mit diesem Billig-Schund niemanden vom Hocker gerissen hat, fährt er jetzt schwerere Geschütze auf und versucht mit seinem Horror-Thriller HATE CRIME die nötige Aufmerksamkeit zu erhalten, die man sich als ernstzunehmender (?) Horrorfan- und Regisseur nun mal so wünscht. Die einfachste Methode wahrgenommen zu werden ist kontroverse Filme zu machen, die provozieren. Für Macher CULLEN BRESSACK Grund genug tief in der Horror-Mottenkiste zu wühlen und Themen hervorzukramen, mit denen bereits schon einmal Filmemacher für Zündstoff gesorgt haben. Für sein aktuelles Werk hat er sich beim Home-Invasion-Genre bedient und mixt es ganz unverfroren mit dem derzeit beliebten Found-Footage-Thema. Eigentlich keine schlechte Idee, wären nicht bereits unzählige Wackel-Filme in den letzten Wochen erschienen, die Horrorfans mit der Shaky-Cam-Methodik Kopfschmerzen und Schwindelgefühl bereitet haben. FUNNY GAMES (1997) dürfte für HATE CRIME Pate gestanden haben, denn eigentlich hat CULLEN BRESSACK hier nichts anderes gemacht, als die grandiose Idee von MICHAEL HANEKE zu kopieren. Das Resultat ist ein pseudo-polarisierender Schnellschuss, der eigentlich ganz böse und fies sein will, aber in den entscheidenden Momenten nicht den Mut besitzt konsequent zu sein. Stattdessen wird der Hass gegenüber gesellschaftliche Gruppen als Alibifunktion benutzt, um ein dümmliches Terror-Werk an den Zuschauer zu bringen, das hauptsächlich von der Zurschaustellung perverser Demütigungen lebt und dabei sogar auch noch langweilt.
 
Es geht um eine jüdische Familie, die gerade eine spaßige Geburtstagsfeier für den kleinen Sohnemann veranstaltet. Leider ist bald Schluss mit lustig, denn drei vermummte Gestalten verschaffen sich ungefragt Zutritt zum Haus und beginnen die Familienmitglieder zu terrorisieren. Die finden sich bald gefesselt im Hobbykeller wieder, wo die Mutter auf einem Billardtisch vor den Augen der Angehörigen vergewaltigt wird. Als wäre das allein nicht schon krank genug, soll sich wenig später auch der älteste Sohn an der Erziehungsberechtigten vergehen, dem aber erst einmal ein Hackenkreuz auf der Wange eingebrannt wird, damit er den Witzfiguren von Tätern nötigen Respekt zollt. Was der Zuschauer jedoch noch nicht weiß: Die Sadisten entpuppen sich als strunzdumme und hyperaktive Neonazis, die aus der Langeweile heraus Koks statt Ritalin konsumieren und Freude daran haben ihre Judenfeindschaft radikal ausleben zu können. Regisseur JAMES CULLEN BRESSACK kommt ziemlich schnell zum Punkt, scheint den Opfern bewusst keine Charakterisierung einräumen zu wollen und konzentriert sich stattdessen auf das möglichst widerwärtige Misshandeln seiner Figuren. Da wird dem Vater mit der Videokamera der Schädel eingeschlagen und auch noch die Tochter von einem der drei Nazis vergewaltigt; bis kurz vor Ende bleibt unschlüssig, was CULLEN BRESSACK mit seinem klischeebeladenen Snuff-Film überhaupt aussagen möchte. Erst kurz vor dem Abspann erklärt der passionierte Horrorfan, was er damit bezwecken wollte.
 
Wie der Filmtitel HATE CRIME bereits vermuten lässt, macht der Regisseur in seinem finsteren Machwerk Hasskriminalität zum Thema. Schenkt man den Informationen Glauben, die da nach Ende des Streifens über dem Bildschirm flimmern, werden jährlich über 80 000 Straftaten in den Vereinigten Staaten begangen, die auf Hass gegenüber gesellschaftliche Gruppen zurückzuführen sind. Die Idee zum Film kam CULLEN BRESSACK (selbst Jude) während eines Aufenthalts in Texas, wo er zusammen mit einem Geschäftspartner von einer Gruppe Skinheads belästigt und aufgefordert wurde zu gehen. Die Erfahrung hat ihn nachhaltig geprägt und zum Drehen des Filmes bewegt. Im Gegensatz zu Hanekes intelligenter Gesellschafts- und Medienschelte FUNNY GAMES ist HATE CRIME trotz brisanter Ausgangssituation nur ein weiterer plumper Terror-Flick, der vordergründig damit beschäftigt ist, die bekannten Home-Invasion-Klischees abzuhaken. Wir sehen die obligatorische Vergewaltigung, die man mittlerweile in jedem zweiten Rache- und Folterfilm zu sehen bekommt und die lang ausgewalzten Gewalteskapaden haben selbstverständlich auch ihren Weg in den Film gefunden. Zudem sind die Opfer ohnehin zu dumm zum Flüchten und stolpern stattdessen bevorzugt über die eigenen Beine oder genau vor das Zielfernrohr der hormongesteuerten Bösewichte. Letztere prägen sich nicht durch skrupelloses Vorgehen ins Gedächtnis, sondern durch die Art und Weise wie sie dem Zuschauer auf den Zeiger gehen. Selten hat man derart aufgekratztes Waschweibergegacker ertragen müssen für das der Zuschauer wirklich stahlharte Nerven benötigt. Auch wenn sich hungrige Gewaltfans bei derart krankem Stoff gierig die Hände reiben werden, sonderlich brutal ist HATE CRIME nicht. CULLEN BRESSACK setzt vermehrt auf Terror und fieses Kameragewackel. Der Found-Footage-Stil bietet im Falle von HATE CRIME diesmal ausnahmsweise einen Mehrwert, weil sich der Film Dank des Wackelformats anfühlt, als würde der Zuschauer gerade einem Snuff-Movie beiwohnen. Gut wird dieser Streifen aber dadurch noch lange nicht, was vor allem daran liegt, dass der Film sich nicht ernsthaft mit seiner kontroversen Thematik auseinandersetzen möchte. Außerdem will HATE CRIME einfach nichts Neues bieten, was man zuvor nicht schon in FUNNY GAMES, KIDNAPPED oder HOME SWEET HOME gesehen hat. Auch wenn man die Geschehnisse diesmal aus der Sicht der Bösewichte erlebt und der Filmfan ganz viel Elend und Leid vor die Linse bekommt, ist HATE CRIME nichts weiter als ein austauschbarer Horror-Thriller, bei dem der Regisseur die angestrebte Gesellschaftskritik ganz flink aus den Augen verliert, um der Horror-Fanbase gerecht zu werden können. Die ist seit HOSTEL und SAW gewaltverwöhnt und lobpreist nur jene Filme, die durch möglichst viel Sadismus und Brutalität glänzen – Zutaten, die HATE CRIME auf jeden Fall mitbringt. Übrigens zählt JAMES CULLEN BRESSACK den HOSTEL-Dreher ELI ROTH zu seinen Vorbildern. Dass da aus HATE CRIME kein vernünftiger Film geworden ist, dürfte erfahrene und anspruchsvolle Horrorfans nur wenig verwundern.
 
 
 


 
 
 

HATE CRIME – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
FUNNY GAMES meets AMERICAN HISTORY X. Pseudo-polarisierender Terrorfilm im aktuell so beliebten Found-Footage-Gewand, der brisante Gesellschaftskritik als Alibifunktion benutzt, um ganz viel Leid und Elend auf der Mattscheibe zeigen zu können. Wäre HATE CRIME vor 20 Jahren in die Kinos gekommen, der Streifen hatte wohlmöglich wirklich provoziert. Leider ist das Gezeigte mittlerweile so ausgelutscht, dass selbst die obligatorischen Vergewaltigungen in solchen Filmen nicht mehr wirklich schockieren wollen. HATE CRIME bietet nichts, was man nicht schon dutzende Male in Home-Invasion-Streifen gesehen hat. Die Opfer werden von einer Demütigung zu nächsten getrieben und verhalten sich dazu auch noch vollkommen dämlich. Haben die dann mal die Gelegenheit den Schurken das Handwerk zu legen, wird stattdessen lieber mit dem Messer vor deren Gesichter umhergefuchtelt, als zugestochen. Angeblich soll HATE CRIME der Thematik wegen international keinen Verleih gefunden haben, was jedoch als geschickt platzierter PR-Gag gewertet werden darf, denn HATE CRIME ist alles andere als kontrovers oder polarisierend. Vielmehr handelt es sich bei diesem Streifen um einen weiteren, austauschbaren und vor allem überraschungsarmen Horrorfilm, der sich bekannten Horrorklischees bedient und nur jenen Fans empfohlen sei, die eine Vorliebe für Filme besitzen, in denen Protagonisten sinnbefreit gedemütigt werden.
 
 
 


 
 
 

HATE CRIME – Zensur

 
 
 
HATE CRIME ist nicht sonderlich brutal und lebt vordergründig vom psychischen Erniedrigen der wehrlosen Opfer. Diese werden vergewaltigt, geschubst und geschlagen. Gegen Ende wird sogar ein Auge entfernt und ein Kopf eingeschlagen. Weil sich die Gewalt zusätzlich mit rechtsradikalem Kontext vermischt, gehen wir von keiner ungeschnittenen Freigabe in Deutschland aus. HATE CRIME dürfte hierzulande nur geschnitten und für ein volljähriges Publikum erscheinen. Ungeschnitten ist dieser Streifen ein potenzieller Index-Kandidat.
 
 
 


 
 
 

HATE CRIME – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Funny Games (1997)
 
Kidnapped (2010)
 
You’re Next (2011)
 
In Their Skin (2012)
 
The Aggression Scale (2012)
 
The Purge (2013)