Filmkritik: „Extracurricular“ (2018)

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EXTRACURRICULAR

Story

 
 
 

Ungewöhnlicher Abbau von Schulstress: Vier Teenager haben für sich das Morden als Hobby entdeckt. Leider geht während einer ihrer blutigen Streifzüge alles schief.


 
 
 


 
 
 

EXTRACURRICULAR – Kritik

 
 
 
Vor über zehn Jahren erschien mit THE STRANGERS einer der ungemütlichsten Home-Invasion-Streifen, die je gedreht wurden. Darin wurde ein Pärchen von drei maskierten Fremden ohne erkennbaren Grund in den eigenen Wänden terrorisiert und am Ende ermordet. Leider verzichtete Regisseur und Drehbuchautor BRYAN BERTINO auf eine Auflösung und gab weder Antworten zu Beweggründen der Mörder, noch äußerte er sich zu den Identitäten der Bösewichte. Doch was könnte die Killer genannten Horrorthrillers zu einer solch schrecklichen Tat getrieben haben? Ist es die Sucht am Quälen ahnungsloser Menschen gewesen oder einfach nur Hass? Eine Frage, die der folgende EXTRACURRICULAR beantworten könnte.
 
 
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Der zeigt ein derartiges Verbrechen aus einer anderen Sicht. Während man im Horrorfilm immer nur die Perspektive der ahnungslosen Opfer einnimmt und ihnen beim Schreien, Flüchten und Sterben beiwohnt, folgte man in EXTRACURRICULAR den Tätern. Denen schaut man hier beim Morden über die Schulter. Es sind Miriam, Derek, Ian und Jenny, die Vorzeigeschüler einer Highschool sind. In ihrer Freizeit frönen sie aber zweifelhaften Hobbys. Sie töten gern Menschen. Doch bevor sie die Gier nach Blut befriedigen können, bedarf es akribische Vorbereitungen. So benötigt man Zeit, bis das richtige Opfer gefunden wurde. Ist es in die Falle gegangen, werden genaue Pläne geschmiedet, wie die Tat ablaufen soll. Nur so kann man den Verdacht von sich lenken und rückt nicht in den Fokus polizeilicher Ermittlungen. Doch das ändert sich schon bald. Die neuen Opfer bereiten Probleme. Ein älteres Ehepaar lässt sich nicht in die Schranken weisen und gibt Konter. Ein großes Problem, das unsere vier Freunde nicht einkalkuliert haben. Die Folge: Alles läuft aus dem Ruder. Da werden aus Tätern plötzlich selbst Opfer.
 
 
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Interessante Sichtweise mit Startschwierigkeiten. EXTRACURRICULAR ist ein solider Schocker und erzählt Home-Invasion-Horror zur Abwechslung aus der Sicht der Mörder. Wäre da nicht der zähe Einstieg, der etwas zu viel Zeit in Charakterisierung und Verbrechensplanung investiert. Wir sehen wie vier nicht sympathische Abiturienten aus gutem Hause mörderische Fantasien in die Realität umsetzen wollen. Deren Alltag in der Schule wurde langweilig, weshalb ein Pakt geschlossen wurde, um eine Reihe perfekter Morde aufzuführen, bevor man aufs College geht. Die Suche nach dem nächsten Kick treibt die Jugendlichen dazu durch abgelegene Gegenden zu schleichen, um potenzielle Opfer für den ultimativen Kill ausfindig machen zu können. Sind die gefunden, werden die Taten im Schutze der Dunkelheit geplant. Grotesk, zumal zwischen all der bizarren Planungsarbeit auch noch Zeit für Liebelei, Identitätsfindung und etwas Coming of Age bleibt. Viel Halbstarken-Gepose und Schulhoftratsch. Das soll Horror sein? Ja das ist es, denn nach der Halbzeit wendet sich überraschend das Blatt. Schluss mit absurden Teenager-Ideen – jetzt wird es ernst. Da mutieren plötzlich hochintelligente Schüler zu gewissenlosen Psychopathen, die aus Mordgier nicht einmal mehr Respekt voreinander kennen. Sie spielen mit ihren Opfern und terrorisieren mit erschreckender Routine. Spätestens jetzt zieht EXTRACURRICULAR alle Register deftiger Horrorware.
 
 
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Regisseur RAY XUE ist im Filmgeschäft noch grün hinter den Ohren. Mit EXTRACURRICULAR hat er gerade mal den zweiten Langfilm inszeniert und man merkt dem Filmemacher auch die Unerfahrenheit an. So fällt es ihm in der ersten Filmhälfte sichtlich schwer, das Interesse des Zuschauers für sich zu gewinnen. Die Ereignisse plätschern unaufgeregt dahin und es will partout nichts passieren. Hinzukommt, dass den Zuschauer niemand abholen möchte und Figuren unnahbar wirken. Letzteres ist ein beliebter Fehler, den gern Filmemacher im Genrekino begehen. Ein jeder Horrorfilm fällt und steigt mit seinen Helden. Kann sich das Publikum mit ihnen nicht identifizieren, ist der Streifen zum Scheitern verurteilt. So ähnlich ergeht es auch EXTRACURRICULAR, dessen Antihelden kühl, blass und uninteressant bleiben.
 
 
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Was den kanadischen EXTRACURRICULAR aber vor dem Untergang rettet, ist der zweite Teil der Handlung. Da wird es hart, zumal Regisseur RAY XUE den Gewaltpart mit einem souveränen Tempo durchzieht, dass man meinen könnte, er habe zuvor mindestens zehn Filme der Gattung Home-Invasion abgedreht. Die Teenager quälen ihr Opfer und bekommen dafür einen blutigen Denkzettel verpasst. An Kunstblut wird nicht gespart. Aber das ist nicht alles. Unangenehme Spezialeffekte und eine bitterböse Pointe bilden den Höhepunkt dieser Indie-Produktion. Horrorfilmfans mit einer Leidenschaft für die härtere Gangart wird das mit Sicherheit gefallen.
 
 
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EXTRACURRICULAR – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Die Horror-Version von THE BREAKFAST CLUB, welche einmal mehr vor Augen führt, wie schwer es doch ist, ein Teenager zu sein. Ständiger Notendruck, unkontrollierbare Hormone und die sich abzeichnende Verantwortung des Erwachsenenalters, die aufzeigt, wie schrecklich die Welt wirklich ist. EXTRACURRICULAR erzählt die Geschichte von vier Teenagern, die einen ungewöhnlichen Weg finden, um all diese Teenager-Ängste abzubauen. Es ist die Lust am Töten – ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Skrupel und Moral. Entstanden ist ein durchwachsener Horrorthriller, der erst in der zweiten Filmhälfte interessant wird. Wirklich warm will man aber mit EXTRACURRICULAR nicht werden, was vor allem am unausgegorenen Drehbuch liegt, das irgendwie zu lang benötigt, um den richtigen Weg zu finden. Hinzukommt, dass sich das Skript weniger um die Figuren als viel mehr um deren Taten kümmert. Letztere haben es dafür aber in sich.
 
 
 


 
 
 

EXTRACURRICULAR – Zensur

 
 
 
Die zweite Hälfte von EXTRACURRICULAR ist ganz schön deftig. Da wird die Gewaltkeule geschwungen und ein paar blutige Morde werden auf der Mattscheibe gezeigt. Hier dürfte unklar sein, wie sich die FSK entscheiden wird. Für eine FSK16 zu deftig, für eine FSK18 zu wenig. Man darf gespannt sein. Wir denken aber, dass sich die Prüfbehörde für eine Erwachsenenfreigabe entscheiden wird, da hier die Morde von Minderjährigen ausgeführt werden, die aus Langeweile töten.
 
 
 


 
 
 

EXTRACURRICULAR – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Signature Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bad Kids of Crestview Academy (2017)
 
F – London Highschool-Massaker (2010)
 
Tormented (2009)
 
Don’t Hang Up (2016)
 
The Final – Nächste Stunde: Rache! (2010)
 

Filmkritik: „Wir“ (2019)

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WIR

(US)

Story

 
 
 
Eine Familie sieht sich plötzlich mit ihren Doppelgängern konfrontiert und diese kommen nicht in friedlicher Absicht.

 
 
 


 
 
 

WIR – Kritik

 
 
 
Mit seinem Regiedebüt „Get Out“ konnte Jordan Peele einen echten Überraschungshit liefern, der sowohl beim Publikum, wie auch bei den Kritikern bestens ankam. Der zweite Film nach so einem überragenden Erfolg ist natürlich nicht leicht, denn auf der einen Seite sollte man sich nicht zu sehr wiederholen, auf der anderen Seite muss man gewisse Erwartungshaltungen erfüllen. „Wir“ ist definitiv ganz anders, als „Get Out“. Er ist gut, teilweise sogar sehr gut, im Endeffekt jedoch nicht so clever, wie Peele’s Debüt.
 
 
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Familie Wilson macht Ferien nahe am Strand. Der Mann und die Kinder wollen diesen gerne besuchen und dort auf den Jahrmarkt gehen, aber Mutter Adelaide hat etwas dagegen. Das hängt mit einem Ereignis aus ihrer Kindheit zusammen, denn schon damals befand sie sich auf dem Jahrmarkt und in einer Art Geisterbahn machte Adelaide eine schockierende Begegnung mit einem Doppelgänger. Doch das ist lange her und seitdem ist nichts Schlimmes mehr geschehen, also besucht Familie Wilson den Strand doch. Als sie dann wieder nach Hause kommen, darf das Horrorszenario allerdings starten, denn plötzlich stehen die Doppelgänger vor der Tür.
 
 
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Jordan Peele, der das Drehbuch natürlich erneut selbst schrieb, wirft viele Zutaten in einen Topf. Da hätten wir anfangs etwas Mystery, dann kurzzeitig Home-Invasion-Elemente, ehe sich das Szenario schon fast in eine Zombie-Thematik verwandelt. Daneben gibt es religiöse Motive, ein paar kleinere Verschwörungstheorie-Happen und am Ende eben sehr viele Doppelgänger-Zutaten. In seinem Debüt spielte der Regisseur noch viel mit Rassismus; davon ist in „Wir“ gar nichts vorhanden, doch das ist gut so, denn so wiederholt sich Peele nicht. Die Story ist im Kern relativ simpel, wird aber ordentlich genutzt und wirkt gerade deshalb so interessant, weil der Zuschauer lange Zeit im Dunkeln tappen muss. Irgendwann kann man sich denken, was gespielt wird, denn dafür sind die Hinweise dann doch zu offensichtlich. Alles endet jedoch mit einem Knall, denn zum Schluss baut Peele noch einen Twist ein, auf den man eigentlich kommen könnte, der aber dennoch überraschen kann. So richtig logisch will das alles zwar im Rückblick nicht sein und gewisse Interpretationsfreiräume bleiben definitiv vorhanden, doch insgesamt betrachtet, bietet „Wir“ ein gelungenes Drehbuch, welches letztendlich nur ab und zu etwas am eigenen Anspruch scheitert.
 
 
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Da gibt es nämlich eine große gesellschaftskritische Komponente, die Peele mal unterschwellig, mal sehr offensichtlich ausfährt. Der Spruch „Wir sind Amerikaner“ ist sicherlich nicht einfach nur als Gag gedacht und besonders am Ende bemerkt man, wie groß „Wir“ gerne sein möchte. Leider erreicht er dieses Ziel nicht voll und ganz, denn dafür werden einfach zu wenige Hintergründe geliefert und als Horrorfilm verliert er deshalb etwas an Wirkung. Das Spiel mit den eigenen Ängsten, das sich aus der Spiegelbild-Thematik ergibt, verleiht der Story allerdings zusätzlichen Reiz. Die Idee ist ja nicht komplett neu, doch alleine der Gedanke, man wäre plötzlich selbst sein Feind, ist unheimlich. Und in Wirklichkeit ist es ja manchmal genau so. Deshalb kann „Wir“ dies auch als Metapher nutzen. Dieser Aspekt wird dann im Endeffekt jedoch nicht komplett ausgefahren, denn eine echte Schattenseite, vor der Familie „Wilson“ sich fürchten würde, scheint es nicht zu geben. Und so akzeptieren sie ihre Doppelgänger-Gegner auch schnell als Feinde, ohne dass die eigenen Urängste lange eine Rolle spielen würden.
 
 
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Die Darsteller machen ihre Sache allesamt hervorragend. Lupita Nyong’o spielt das beeindruckend und Winston Duke ist einfach nur sympathisch. Shahadi Wright-Joseph überzeugt besonders in ihrer zweiten Rolle und Evan Alex hinkt zwar etwas hinterher, geht aber ebenfalls vollkommen in Ordnung. Die Darsteller sind dann ja sogar in Doppelrollen zu sehen und gerade hier bemerkt man, dass sie ein facettenreiches Spiel beherrschen. Nebenrollen gibt es eher weniger zu sehen und das unsympathische, weiße Paar hätte es da auch gar nicht zwangsläufig gebraucht. Die Figurenzeichnung bleibt relativ simpel, doch Familie Wilson wird sympathisch dargestellt und man kann mit diesen Protagonisten durchaus mitfiebern.
 
 
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Die Inszenierung überzeugt und Jordan Peele hat hier wieder sehr gute Arbeit abgeliefert. Dabei wirkt „Wir“ gar nicht mal sonderlich aufwendiger, als „Get Out“, was allerdings sympathisch ist. Peele arbeitet gerne mit Symbolik und so steht hier die Farbe rot im Vordergrund, aber auch mit dem Spiegelbild wird ab und zu gerne mal gespielt. Es gibt schon ein paar tolle Bilder zu sehen und die Kameraarbeit verdient da ein extra Lob, weil „Wir“ optisch einfach eine sehr schicke Angelegenheit geworden ist. Die Atmosphäre hingegen ist etwas zwiespältig zu betrachten, denn obwohl der Film gerne ernsten Horror bieten will, was er durchaus auch tut, so bemerkt man Peele seine Wurzeln der Komödie immer mal wieder an. So ganz ernst kann er dann scheinbar doch nicht bleiben. Das sorgt zwar für amüsante Momente, steht aber auch etwas zu sehr im Kontrast zur ernsten Horrorschiene. Trotzdem ist das Treiben oftmals recht packend und manchmal intensiv. Auf jeden Fall vergehen die zwei Stunden Laufzeit ohne größere Längen und das obwohl das Tempo oftmals gerne etwas reduzierter ist. Bis es mal richtig los geht, vergeht einige Zeit und in der zweiten Hälfte gibt es auch kleinere Pausen. Das alles dient hier jedoch dem Stimmungsaufbau und deshalb stört das überhaupt nicht. Viel Gewalt oder viele Effekte gibt es hier übrigens nicht zu sehen – Die braucht es aber auch nicht. Zum Ende kann man noch den durchaus gelungenen Score loben, denn dieser begleitet das Geschehen immer schön atmosphärisch.
 
 


 
 
 

WIR – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
„Wir“ ist ein ordentlicher, zweiter Film von Jordan Peele, der hier erneut beweist, dass mit ihm als Horror-Regisseur in Zukunft noch zu rechnen ist, selbst wenn er an seinen großen Erfolg „Get Out“ nicht ganz anknüpfen kann. Dafür ist die Handlung teilweise etwas zu überladen. Das Drehbuch will von allem etwas, kann überraschen und ist durchaus gut geschrieben, macht aber auch nicht immer den größten Sinn und verliert teilweise etwas an Zugkraft. Außerdem kommt hier zwar beklemmender Horror auf, doch dieses Mal hätte man auf ein wenig Humor vielleicht besser verzichtet, denn es fällt teilweise nicht leicht „Wir“ absolut ernst zu nehmen. Das sind alles kleinere Schönheitsfehler, die nichts am ordentlichen Unterhaltungswert und den wirklich starken Darstellerleistungen ändern. Am Ende ist das immer noch clever genug, um als leicht anspruchsvoller Horror durchzugehen und wer starke Bilder zu schätzen weiß, wird sowieso genügend bedient. Ein guter Film!
 
 
 


 
 
 

WIR – Zensur

 
 
 
„Wir“ – der im Original „US“ heißt, ist nicht sonderlich zeigefreudig in Sachen Gewalt. Im Kino war der Streifen bereits ungeschnitten FSK16. Auf DVD und Blu-ray ist das nicht anders. Auf beiden Heimkinomedien befindet sich der blaue FSK-Flatschen. Auch diese Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

WIR – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Universal Pictures Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: US; USA 2019

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch Dolby Atmos, Englisch Dolby Atmos, Türkisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch, Hindi, Türkisch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 116 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wendecover

Extras: Die Monster in uns, Miteinander verbunden: Der Doppeldreh, Unveröffentlichte Szenen, Jordan Peeles ganz eigene Art von Horror, Die Dualität von „Wir“, Eins werden mit Red, Jeder stirbt, Wie oben – so unten: Grand Pas de deux

Release-Termin: 25.07.2019

 

Wir [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

WIR – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Universal Pictures Deutschland)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Enemy (2013)
 
The Double (2013)
 
Cam (2018)