Filmkritik: „Casting des Todes“ (2015)

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CASTING DES TODES

(CASTING OF DEATH)

Story

 
 
 
Das Casting für eine sexy Cocktail-Show läuft aus dem Ruder, weil die Kamera Dinge aufzeichnet, die sich mit bloßem Auge nicht erkennen lassen.

 
 
 


 
 
 

CASTING DES TODES – Kritik

 
 
 
Seit den Anfängen von FILMCHECKER liegen nicht nur regelmäßig Blu-rays und Screener bekannter deutsche Filmunternehmen und Vertriebe mit Horrormaterial im Briefkasten, das wir in Form von umfangreichen Kritiken auf dem Blog vorstellen. Auch deutsche Nachwuchsfilmemacher und immer häufiger ambitionierte Regisseure aus dem Ausland senden selbstständig Ansichtsmaterialien zu, mit der Bitte darüber zu berichten. Leider können wir aus Zeitgründen nur wenige dieser Projekte berücksichtigen, da sich hinter vielen der teils in Eigenregie produzierten Genrefilme ohnehin nur semiprofessioneller Amateurquatsch verbirgt, der besser im Privatarchiv schlummern sollte, statt ihn deutschen Horrorfans zuzumuten. Dass es auch anders geht, beweist CASTING DES TODES – ein blutiger Kurzfilm aus Deutschland, der beinahe ungesehen blieb, weil dahinter eine weitere Selfmade-Produktion vermutet wurde. Gott sei Dank ist der Fünfzehnminüter dann doch im Player gelandet, sonst wäre wohl die Erkenntnis nie gekommen, dass auch im deutschen Untergrund gute Horrorfilme gedreht werden.
 
 
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Splatter, Spaß und viel nackte Haut – Zutaten, die Horrorfanherzen schneller schlagen lassen. Das war wohl auch Regisseur EZRA TSEGAYE bewusst, der CASTING DES TODES um jede Menge Schauwerte bereichert hat, die Liebhaber von Horrorware nun mal erwarten. Ein ungewöhnliches Casting bietet Stoff für amüsant-trashigen Filmirrsinn, in dem der Zuschauer – laut Aussage von Hauptdarstellerin MICAELA SCHÄFER – die brutalsten Nacktszenen zu sehen bekommt, die der selbsternannte Reality-Star bisher gedreht hat. Model, Moderatorin und Schauspielerin MICAELA SCHÄFER wird in diesem Kurzfilm von zwei erfolglosen Filmemachern zu einem Vorsprechen geladen, bei dem sie für einen neue TV-Show textilfrei Cocktails mixen soll. Doch die Crew ist nicht sonderlich am Können der künftigen Moderatorin interessiert. Das Zielpublikum soll in erster Linie mit optischen Reizen verwöhnt werden, was die Bewerberin natürlich versteht. Sie streift die Kleider ab und hält zwei schlagkräftige Talente in die Kamera. Weil CASTING DES TODES jedoch ein Horrorfilm ist, dürfte klar sein, dass die Geschehnisse eine unerwartet blutige Wendung nehmen werden. Der Kameramann entdeckt Unheimliches. Sein neues Arbeitsutensil filmt nicht das, was sich vor der Linse ereignet. Stattdessen hält es Mord und Totschlag auf Video fest – mit fatalen Folgen.
 
 
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Will man Aufmerksamkeit erregen, muss man polarisieren und provozieren. Das gelingt vor allem dann, wenn man Filmrollen mit C-Prominenz besetzt, über die regelmäßig in der Boulevardpresse berichtet wird. Im Falle des Kurzfilms CASTING DES TODES dürfte die Wahl auf TV-Phänomen MICAELA SCHÄFER das Beste gewesen sein, was dieser Indie-Produktion passieren konnte. Mit Schäfer als Zugpferd hat der Film nämlich reichlich Aufmerksamkeit ernten können und wurde sogar auf diversen Festivals mit Lob überschüttet. So auch auf der LOS ANGELES HORROR COMPETITION, wo die ehemalige GERMANY’S NEXT TOP MODEL-Teilnehmerin als beste Schauspielerin nominiert wurde – und sogar gewann. Das mag tatsächlich begabte Künstler zu Recht deprimieren; trotzdem muss man lobenswerterweise hinzufügend erwähnen, dass Schäfers Auftritt in CASTING DES TODES die bisher überzeugendste Leistung ist, die man von der gebürtigen Leipzigerin zu sehen bekommen hat. Die hat zwar im Film nicht viel zu sagen – dafür sprechen nackte Tatsachen für sich. Den männlichen Fan des Genres dürfte das freuen.
 
 
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Produzent, Drehbuchautor und Regisseur EZRA TSEGAYE erklärte im Interview, dass er schon immer ein Fan fantastischer Filme gewesen ist. So prägte der Science-Fiction-Klassiker FUTUREWORLD – DAS LAND VON ÜBERMORGEN nachhaltig, den er sich im stolzen Alter von fünf Jahren allein angesehen hat, ohne dass die Mutter davon wusste. Doch damit nicht genug. Auch die Mystery-Serie TWILIGHT ZONE und Horror-Klassiker, wie DIE KÖRPERFESSER KOMMEN oder ROSEMARIES BABY verstärkten die Leidenschaft zum Film. So folgten nach Comics für die Schülerzeitung und Kurz-Trickfilmen, erste Filmversuche mit einer Super-8-Kamera, in denen er Realfilm mit Comic-Elementen verknüpfte. Gleiche Kombination findet auch in CASTING DES TODES Verwendung. Tsegaye vermischt Zeichentrick mit Realfilm, zeigt abgenutztes Videomaterial, das man sonst oft in Found-Footage-Machwerken zu sehen bekommt und garniert das kurzweilige Trash-Gebräu mit Sex, Blut und Rock ’n‘ Roll. Dank abwechslungsreicher Kameraperspektiven, chaotischen Schnitten und frechem Filmsong aus der Feder von STEFAN DITTRICH (der übrigens nicht mehr aus dem Ohr geht) bleibt CASTING des TODES länger im Gedächtnis, als manch andere Amateur-Katastrophe aus den Hinterhofgaragen von ITTENBACH, SCHNAAS & Co. Bleibt zu erwähnen, dass diesem Kurzfilm aufgrund professioneller Machart kaum noch Amateurstatus anhaftet. Umso erfreulicher, dass EZRA TSEGAYE die Idee seinen Splatter-Kurztrips ausbauen und auf die große Leinwand bringen möchte. Mit DER TEUFEL IN MIR wird das Casting des Grauens fortgesetzt – größer, blutiger, besser. Dank Crowdfunding und spendablen Geldgebern soll das Projekt mit mehr Budget, internationalen Schauspielern und natürlich MICAELA SCHÄFER für den weltweiten Filmmarkt umgesetzt werden. Ob sich bereits Hollywood die Remake-Rechte gesichert hat? Man darf spekulieren.
 
 
 


 
 
 

CASTING DES TODES – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Warum MICAELA SCHÄFER nach ihrem missratenen Auftritt in SEED 2 wieder vor die Linse darf? Ganz einfach, weil sie die neue (deutsche?) B-Movie-Ikone unserer Zeit ist. Zumindest behauptet das Produzent, Drehbuchautor und Regisseur EZRA TSEGAYE, der von der attraktiven aber auch provokanten Erscheinung der gebürtigen Leipzigerin so überzeugt gewesen ist, dass er sie für die Rolle einer naiven Castingteilnehmerin verpflichten lies. CASTING DES TODES lässt die 1980er und 90er wieder aufleben, denn die Trash-Komödie verbeugt sich mit makabren Humor und blutigen Momenten vor jenen Horror-Splatterfilme genannter Jahrzehnte. Für eine Amateur-Produktion ist Gebotenes beachtlich, denn der Low-Budget-Splatterulk hinterlässt einen guten Eindruck und schaut alles andere als billig aus. Gute Schauspieler (ja auch die Schäfer überzeugt), souveräne Inszenierung und ein Ohrwurm im Abspann garantieren 15 kurzweilige Minuten mit Appetit auf mehr. Trash-Fans sollten daher jetzt gut zuhören, denn CASTING DES TODES ist amüsant-trashiger Filmirrsinn mit hohem Fun-Faktor, der übrigens hier für kleines Geld gesehen werden kann, schließlich ist noch keine kaufbare Heimkinofassung auf physischem Medium erschienen.
 
 
 


 
 
 

CASTING DES TODES – Zensur

 
 
 
CASTING DES TODES (internationaler Titel CASTING OF DEATH) ist Splatter-Quatsch der ironischen Sorte. Die Gewaltmomente werden derart übertrieben dargestellt, dass der Kurzfilm problemlos eine FSK16 erhalten könnte.
 
 
 


 
 
 

CASTING DES TODES – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Botchco Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Staplerfahrer Klaus – Der erste Arbeitstag (2000)
 
Treevenge (2008)
 
Fist of Jesus (2012)
 

Filmkritik: „Rise Of The Animals“ (2011)

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RISE OF THE ANIMALS – MENSCH VS. BIEST

Story

 
 
 
Völlig ohne Grund fangen Tiere an Menschen zu töten. Mitten im Chaos versuchen drei Teenager ein verlorenes Handy dem Besitzer wiederzubringen.
 
 
 


 
 
 

RISE OF THE ANIMALS – Kritik

 
 
 
RISE OF THE ANIMALS ist Chris Wojciks Spielfilmdebüt, das er für rund 7.000 Dollar inszeniert hat. Leider ist das dann auch so ziemlich alles, was man an erwähnenswerten Hintergrundinformationen über den Film in Erfahrung bringen kann. Wenig inszenatorische Qualität steckt hinter diesem Machwerk, wobei man fairerweise sagen muss, dass es sich bei RISE OF THE ANIMALS um blödsinnigen Trash handelt, den die Macher immerhin lustvoll zelebrieren. So sieht man knapp 60 Minuten, wie Laiendarsteller von Plüschtieren angesprungen und von schlecht animierten CGI-Tieren gefressen werden. Irgendwo dazwischen versteckt sich dann auch eine völlig belanglose Teen-Romanze, die vollkommen deplatziert wirkt. Dennoch, RISE OF THE ANIMALS sorgt dank seiner fürchterlichen Effekte zumindest für einige Lacher. Die allein reichen jedoch nicht aus, um den Zuschauer die gesamte Laufzeit über unterhalten zu können. Stellen, die wohl erheiternd wirken sollten, sind nicht lustig und immer wieder mangelt es dem Film an Spannung, so dass sich RISE OF THE ANIMALS zieht wie Kaugummi. Ganz besonders übel sind diverse Fremdschämmomente, die auf Unerfahrenheit des Machers zurückzuführen sein dürften, so dass es keine große Freude bereitet sich RISE OF THE ANIMALS anzusehen. RISE OF THE ANIMALS ist nichts fürs Otto-Normal-Horrorpublikum und dürfte daher nur für den Fan des schlechten Filmgeschmacks von Interesse sein.
 
 
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RISE OF THE ANIMALS – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Leider ist RISE OF THE ANIMALS kein neuer BIRDEMIC. Für Amateur- und Trashfilmfans gibt es dennoch den ein oder anderen spaßigen Moment. Für alle übrigen Horrorfans hat RISE OF THE ANIMALS leider kaum etwas zu bieten.
 
 
 


 
 
 

RISE OF THE ANIMALS – Zensur

 
 
 
Der Film ist am 4. September 2015 von Cosmopolitan Pictures in seiner ungeschnittenen Fassung auf DVD und Blu-ray veröffentlicht worden. Als Bonusmaterial bieten sowohl die DVD als auch die Blu-ray einen Audiokommentar mit Cast & Crew. Die erhältliche Fassung wurde jedoch erst für Zuschauer ab 18 Jahren freigegeben und besitzt den roten 18er-Flatschen. Der Grund für die hohe Freigabe ist im Bonusmaterial zu suchen, denn der Film selbst ist bereits frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

RISE OF THE ANIMALS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Cosmopolitan Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Rise of the Animals; USA 2011

Genre: Horror, Trash, Komödie

Ton:Deutsch DD 5.1, Deutsch DD 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0

Untertitel: Keine

Bild: 1,78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 72 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Aufgrund des Bonusmaterials: Keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Making of, Trailershow, Audiokommentar

Release-Termin: 21.08.2015

 

Rise of the Animals – Mensch vs. Biest [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

RISE OF THE ANIMALS – Trailer

 
 


 
 

Sam Freissler

Die Rechte für alle Grafiken liegen bei COSMOPOLITAN PICTURES

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Panik in der Sierra Nova (1977)
 
Birdemic: Shock and Terror (2010)
 
Die Meute (1977)
 
Die Vögel II – Die Rückkehr (1994)
 

Filmreview: „Thanatomorphose“ (2012)

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THANATOMORPHOSE

Story

 
 
 
Das Wort THANATOMORPHOSE stammt aus dem Französischen und beschreibt die sichtbaren Zeichen der natürlichen Zersetzung eines Organismus, die durch den Tod verursacht werden. Ebensolche Symptome durchlebt eine namenlose Protagonistin (Kayden Rose), die scheinbar von innen heraus zu faulen beginnt …
 
 
 


 
 
 

THANATOMORPHOSE – Kritik

 
 
 
Igitt, was ist denn das? Bereits seit einer geraumen Ewigkeit geistert nun schon der Trailer zu THANATOMORPHOSE durchs Internet, der vor allem die Aufmerksamkeit jener Horrorfilmfans geweckt hat, die sonst schon jeden erdenklichen Horrormist gesehen haben. Aus Kanada kommt dieser Körperhorror, der mit ekelerregenden Bildern, einer Menge Splatter und vielen abnormalen Abscheulichkeiten zum Kauf animieren soll. Witzigerweise ist THANATOMORPHOSE kein Einzelfall. Bereits vor geraumer Zeit berichteten wir über CONTRACTED, der im Grunde genommen gleiche Geschichte mit mehr Budget und glatt polierter Hochglanzoptik erzählt hatte und von ERIC ENGLAND (MADISON COUNTY) inszeniert wurde. Der hat nach einer Flut von Anfragen empörter Zuschauer vehement zu erklären versucht, dass sein CONTRACTED keine ideenlose Kopie des kanadischen THANATOMORPHOSE von ÉRIC FALARDEAU ist, sondern eine ganz andere Geschichte erzählt. Indirekt hat er da sogar recht. Obwohl wir hier zwei thematisch ähnliche Filme vorliegen haben, gehen doch beide Werke gänzlich andere Wege. Während CONTRACTED eine Brechreiz verursachende Metamorphose einer jungen Frau schildert, die sich nach ungeschütztem Geschlechtverkehr mit etwas infiziert, das zu körperlichem Verfall führt, geht es da in THANATOMORPHOSE reichlich bizarrer, experimenteller und expressionistischer zur Sache. Hier rührt die Verwandlung durch keinen Infekt, sondern symbolisiert das kränkliche Seelenheil der namenlosen Protagonistin, deren Leben alles andere als rosarot verläuft.
 
THANATOMORPHOSE schildert den körperlichen wie seelischen Zerfall seiner Heldin. Die führt ein wahrlich trostloses Leben. Die Suche nach einem gescheiten Job erweist sich als ergebnislos und auch die Männer an ihrer Seite sehen in ihrer Anwesenheit nur Mittel zum Zweck, um sexuellen Druck abzubauen (in einer Traumszene werden die männlichen Protagonisten des Films sogar als primitive Höhlenmenschen dargestellt). Das macht sich auch in ihrem Leib bemerkbar. Dort herrscht schon lange Leere, dort haust seit geraumer Zeit der Tod. Die Hoffnung je Geborgenheit und Liebe zu finden, hat sie bereits längst aufgegeben, so dass sie ihr nahendes Schicksal mit erschreckender Selbstverständlichkeit herbeisehnt. Schon bald setzt die Verrottung ein. Die frisst sich von innen nach außen und hat körperliche Veränderungen zu Folge. Erst sind es blaue Flecke, die ihren Körper zieren. Später fallen Fingernägel ab und Zähne aus, die sie in Alkohol konserviert. Von der Außenwelt unbeachtet und elendig einsam verendet sie schließlich still und leise in den eigenen vier Wänden.
 
Gleich zu Beginn wird der Zuschauer mit verstörenden Zusammenschnitten konfrontiert. Ein laut pochender Score, verfremdete Farben und eine höchst aggressive Ton- und Geräuschkulisse ebnen den teilweise schon experimentellen und avantgardistischen Charakter dieses Ausnahmefilmchens, das seine Indie-Wurzeln nicht verbergen kann. ÉRIC FALARDEAU hat mit gerade einmal kostengünstigen 40000 Kanadischen Dollars gewirtschaftet und einen durchweg sonderbaren Amateurfilm gedreht, der deutsche Amateurwerke alt ausschauen lässt. Trotz technischer Mankos (schlechte Ausleuchtung, unbeholfene Unschärfen) erstaunt, wie gut doch THANATOMORPHOSE geworden ist. Eine ungemütliche Atmosphäre der Traurigkeit ist allgegenwärtig und die wirklich widerwärtigen Make-up-Effekte verfehlen ihre Wirkung nie. Die bilden den eigentlichen Kern in Falardeaus Debüt, denn ein wirkliches Drehbuch scheint es hier nicht zu geben. Unsere Protagonistin bewegt sich größtenteils nackt durch die trist und spärlich dekorierte Wohnung und entdeckt Veränderungen an sich; gesprochen wird kaum und wenn, dann nur in kurzen Satzfetzen, die sich auf das Nötigste reduzieren. Der Fokus liegt in THANATOMORPHOSE auf schroffe Bildsprache und unterschwellige Symbolhaftigkeit. Da klafft an der Decke des Schlafzimmers ein Loch, das anfänglich die Form eines weiblichen Geschlechtsorgans besitzt und im späteren Verlauf beginnt zu schimmeln. Ebenso skurril und unangenehm verläuft auch die innerliche Verwesung der nicht näher vorgestellten Protagonistin, die die Schönheit und den Willen zum Leben schon längst abgeschrieben hat und den erlösenden Tod herbeisehnt. In knapp 90 Minuten verwandelt sich die Leitragende vom Mensch zum Skelett, verliert Körperteile und hat ihren Stuhlgang schon bald nicht mehr unter Kontrolle. Für Zartbesaitete ist die hier dargestellte Verwandlung natürlich eine regelrechte Herausforderung, denn die Metamorphose in THANATOMORPHOSE ist schon ziemlich harter Tobak und erinnert vom Ekelfaktor und der rebellischen Machart her nicht selten an Buttgereits NEKROMANTIK Zweiteiler von 1987 bzw. 1991. Leider hat FALARDEAUS Erstling auch seine Schwächen, denn leider ist sein Body Horror viel zu lang geraten und hätte als Kurzfilm erheblich besser funktioniert. Dadurch, dass kaum gesprochen wird und sich die Ekelmomente ziemlich träge auf den Film verteilen, zieht sich THANATOMORPHOSE leider etwas arg. Hier hat Englands CONTRACTED eindeutig die Nase vorn, auch wenn es dort im direkten Vergleich bedeutend züchtiger vonstatten geht.
 
Der Körperhorror THANATOMORPHOSE ist eindeutig ein sehr spezielles Filmchen, das sich ebenso an ein ganz spezielles, nervenstarkes Publikum richtet. Mit viel Geschick und hohem technischem (Make-up)Verständnis hat ÉRIC FALARDEAU das Glanzstück vollbracht einen Amateurfilm zu drehen, der kaum noch erahnen lässt, dass hier eigentlich Laien im Filmemachen am Start gewesen sind. THANATOMORPHOS hat zwar viele unschöne Szenen zu bieten, ist aber nicht zwingend im Horrorgenre anzusiedeln. Aufgrund der zermürbenden Atmosphäre, der depressiven Ausgangslage und der tot-traurigen Botschaft des Films, hält der Filmfreund hier ein außergewöhnliches Drama in den Händen, das man nur lieben oder hassen kann. Wer das Außergewöhnliche sucht und auf kommerziellen Mainstream pfeift, ist hier genau richtig!
 
 
 


 
 
 

THANATOMORPHOSE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Der härteste Film des Jahres: THANATOMORPHOS ist ultraharter Body Horror, der eine hohe Ekelgrenze voraussetzt. Regie-Newcomer ERIC ENGLAND hat mit seinem Erstling einen Film geschaffen, der trotz deftigem Körper-Terror und vielen unappetitlichen Momenten immer noch versucht eine erschreckende und aktuelle Botschaft an den Mann zu bringen. THANATOMORPHOS ist ein deprimierendes aber auch sehr spezielles Horror-Drama über die verzweifelte Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit und Zugehörigkeit, das mit Sicherheit seine Fans finden wird. Aufgrund der teils experimentellen, eigensinnigen und sehr radikalen Inszenierung ist dieser Film nämlich nicht für jeden Filmfan geeignet.
 
 
 


 
 
 

THANATOMORPHOSE – Zensur

 
 
 
THANATOMORPHOSE wird ungeschnitten in Deutschland keine Freigabe erhalten. Nicht zwingend des Verwandlungsprozesses wegen. Vielmehr aufgrund zweier grafischer Morde, die ziemlich lang und brutal ausgefallen sind. Demnach dürfte es möglich sein, dass THANATOMORPHOSE vom hiesigen Rechteinhaber vorab gestrafft wird, um eine KJ-Einstufung zu erhalten.
 
 
 


 
 
 

THANATOMORPHOSE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Contracted (2013)
 
Nekromantik (1987)
 
Die Fliege (1986)
 
Thinner – Der Fluch (1996)
 
Lizard – Die totale Mutation (1990)
 

Filmreview: „Basket Case“ (1982)

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BASKET CASE – DER UNHEIMLICHE ZWILLING

Story

 
 
 
Duane (KEVIN VAN HENTENRYCK) mietet sich in einer der ekelhafteren Ecken New Yorks ein Hotelzimmer. Mit sich schleppt der junge Mann einen Korb, dessen scheinbar wenig menschlichen Bewohner er mit Hamburgern versorgt. Besagter Korbbewohner ist Duanes siamesischer Zwilling Belial, ein monströses Schrumpelwesen, zu dem der gesunde Bruder ein, nun ja, zwillingshaft enges Verhältnis pflegt. Die Brüder wurden im Kleinkindalter auf Geheiß des Vaters getrennt und Belial war eigentlich dem Tode geweiht. Jetzt sind sie gemeinsam in der Millionenstadt unterwegs und wollen die Ärzte, die dem Vater seinerzeit Folge leisteten, zur finalen Verantwortung ziehen.
 
 
 


 
 
 

BASKET CASE – Kritik

 
 
 
Ich möchte einmal mehr das Wort Zeitkapsel benutzen, was mein Seitenbetreiber hier so gerne hört, wenn’s um Filme aus einer Zeit geht, in der wir für abgenudelte VHS-Kassetten mittelgroße Anstrengungen unternehmen mussten. BASKET CASE ist ein Kultfilm dieser Generation Horrorvideo, nicht weniger. In dieser Zeitkapsel glänzt ein Film, in dem ein klauenbewehrter Kopffüßler wahlweise als Gummibiest oder als fanherzerweichend staubige Stop-Motion-Miniatur blutig für Ordnung sorgt sehr, sehr hell. Auch das New York, von einem Regisseur auf Material gebannt, der die schmierigen Zeiten der alten 42nd Street mit ihrem Dutzend gefährlich-versiffter Rotlicht-Kinos noch kannte und verehrte, ist heute nur noch Historie. Wo Belial Anfang der Achtziger noch wütete, begehen heute MICKEY MOUSE und seine höllischen Heerscharen größere Missetaten.
 
BASKET CASE deckt ein breites Spektrum Untergrund-Kino ab. Neben dem fiesen Unterhaltungswert eines Latexungetüms, das burgerfressend und Geister der Vergangenheit richtend in einem Weidenkorb transportiert wird wie ein pervertierter Moses durchs Babylon New York, bekommt man, wenn die Analyse denn derart ernst arbeiten möchte, sogar noch Sozialkritik: Der Vater der Zwillinge will keinen verkrüppelten Fortsatz an seinem gesunden Sohn und überlässt den Missgestalteten seinem Schicksal und dem Skalpell. Wie schon im Horrorklassiker FREAKS von TOD BROWNING, 1932 unter großen Skandalgejohle gedreht, wird der Zuschauer mühelos auf die Seite der äußerlich hässlichen, weil verunstaltet geborenen Protagonisten gezogen, da die gesunde, schöne und erfolgreiche Welt doch so viel kälter und in Endeffekt schlicht züchtigungswürdiger ist. Dazu funktioniert BASKET CASE tatsächlich auch noch als schwarze Komödie. Der Cocktail aus erwähnter Sozialkritik, rauem No-Budget-Splatter á la H.G. LEWIS goes Eighties und treffsicher geschmacklosem Humor war dem Kleinkinogänger vor dreißig Jahren aber nicht geheuer und die Beschaffer des Mörderetats von nicht ganz 40.000 Dolares mussten schließlich bis zur Explosion des Heimkinomarktes auf ihre Rendite warten. Die kam dann allerdings vielfach ins Haus zurück und verführte HENENLOTTER über die Jahre zum Auf-die-Beine-stellen zweier Fortsetzungen und mit ELMER einer leichten Variation des Themas.
 
Die Erkenntnis, dass der arbeitende Regisseur ein schlauerer Welcher ist, hätte auch dem deutschsprachigen Zuschauer spätestens mit dem Titelwortspiel kommen müssen. Aber Synchron-Germania lehrt leider traditionell nur unzureichendes Englisch und BASKET CASE wurde trotz seines kommerziellen Erfolges während der VHS-Ära nur zu einer – dazu auch noch oft zensiert erhältlichen – Videogewaltferkelei unter ferner liefen. Vor die amateurhafte Analyse amerikanischer Teekesselchen wollen wie heute aber einmal die filmischen und besonders filmhistorischen Leistungen des Mannes stellen. FRANK HENENLOTTER versteht sich selbst nicht als Horrorschaffender. Eher sieht er sich als Schüler der großen Exploitationregisseure der 60er und 70er Jahre. Windige Geschäftsmänner
 
wie HARRY NOVAK oder H.G. LEWIS’ Kollaborateur DAVID F. FRIEDMAN, die oftmals erst ein reißerisches Plakat mit ordentlich Möpsen und Metzel drauf anfertigten, um potentiellen Geldgebern den Finanzierungsplan aus den Rippen zu leiern. Selbstverständlich bevor denn ein Drehbuch bei der Hand war. Diesen Vätern des amerikanischen Grindhousefilms – deutsches Pendant wäre das Bahnhofskino – konnte HENENLOTTER im Dienste des VHS/DVD-Labels SOMETHING WEIRD VIDEO ab den frühen 1990ern sogar wieder Tantiemen zufließen lassen. Ja, durch die Homevideoveröffentlichungen dieser ruppigen Leinwandraketen begründete sich eine ganze Untergrundkultur um den Drive-In-Trash; inklusive aufwändiger Audiokommentare, teurer Memorabilia-Sammlungen, Festivals und Magazinen, die sich mit nichts anderem beschäftigen als etwa den Softsexabenteuern des nackichten Robin Hood.
 
Nach regelmäßigen Auftritten in Dokumentationen über die wilde Welt des Exploitationfilms, in denen er, jahrelang geschult, Rede und Antwort auch zu den abseitigeren Bereichen eines an sich schon schrägen Metiers stand, drehte HENENLOTTER mit HERSCHELL GORDON LEWIS – THE GODFATHER OF GORE (2010) und THAT’S SEXPLOITATION (2013) selbst zwei hervorragende Beiträge.
 
 
 


 
 
 

BASKET CASE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
BASKET CASE ist ein Kultfilm des modernen Horrorkinos. Eine Zeit, in der wöchentlich Premiere feiernder ach-so-sexy Splatter im Multiplex undenkbar war, brachte dann konsequenterweise Filme hervor, die sich wagten, ihre Zuseher zu ekeln, zu unterhalten, zum Lachen und von mir aus sogar zum Nachdenken zu bringen.
 
 
 


 
 
 

BASKET CASE – Zensur

 
 
 
BASKET CASE ist nach wie vor in Deutschland indiziert. Daher sollte man beim Kauf darauf achten, dass sich auf der Front kein dicker 18er Stempel befindet, denn die erhältliche KJ-Variante ist geschnitten. Wer den Film ungeschnitten sein Eigen nennen möchte, sollte daher immer darauf achten, dass die Rückseite ein SPIO/JK-Symbol ziert. Denn nur juristisch geprüfte Scheiben des Films sind komplett.
 
 
 


 
 
 

BASKET CASE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Basket Case; USA 1982

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch Dolby Digital 2.0 Stereo, Englisch Dolby Digital 2.0 Stereo

Untertitel: Deutsch

Bild: 1,37:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK 18 – SPIO/JK (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: Einleitung von Frank Henenlotter (02:26 Min. – deutsche UT), Audiokommentar Regisseur Frank Henenlotter, Produzent Edgar Ievins, Trailer & TV-Spots (02:55 Min.), Spanischer Trailer (01:02 Min.), „In Search of the Hotel Broslin“ (15:30 Min.), „Beverly Bonner’s Laugh Track“ (07:20 Min.), Bildergalerie (12:31 Min.), Outtakes (06:13 Min.), Featurette: What’s in the Basket (78:35 Min. – deutsche UT, HD), Ein Blick hinter die SFX-Kulissen (06:34 Min. – deutsche UT, HD), Radio-Spots (01:49 Min.), Radiointerviews (08:55 Min.), Besonderheiten der deutschen Fassung (02:29 Min.), Weitere Trailer: Alien – Die Saat des Grauens kehrt zurück (03:20 Min.), Bloodnight (01:18 Min.), The Boogey Man (01:02 Min.), Puppet Master (01:38 Min.)

 
 
 
Es gibt immer wieder Indie-Labels, die mit ihren Veröffentlichungen aus der Masse herausstechen. Da werden kleine Nischenfilme oder beliebte Kultklassiker mit Liebe zum Detail neu veröffentlicht, erhalten eine Menge Bonusmaterial und sogar schicke Sammlerverpackungen. Anbieter CMV LASERVISION ist ein derartiger Fall. Hier ist nicht nur das Feedback der Kunden wichtig; mit der beliebten Retro- und Trashkollektion hat sich der Publisher unter Anhängern des Horrorgenres einen besonderen Ruf erkämpft. Seit geraumer Zeit hat CMV auch im HD-Bereich Fuß gefasst und bringt begehrte Kultklassiker auf Blaustrahl in den Handel. Das neuste Release ist die B-Movie-Perle BASKET CASE, der zum 15. Firmenjubiläum eine ganz besondere Veröffentlichung zuteil wurde. Die kommt, wie alle hauseigenen Blu-rays zuvor, im edlen Mediabook. Das besitzt zwar keinen Buchteil, macht aber im Sammlerregal eine wirklich gute Figur. Lobenswerterweise überlässt CMV LASERVISION dem Kunden die Qual der Wahl, denn die Jubiläumsedition des Kultklassikers erscheint in drei Ausführungen. So kann sich der Käufer zwischen einer Retro-Version im Super-Jewelcase (auf 199 Stück limitiert), sowie einer weißen und einer schwarzen Edition im Mediabook entscheiden, wobei die Bücher auf jeweils 500 Stück limitiert und durchnummeriert wurden. Natürlich sollte man bei der Technik keine Quantensprünge erwarten. Bereits im Vorwort wird von Autor und Regisseur FRANK HENENLOTTER erläutert, dass man für die HD-Fassung wieder zu den Ursprüngen zurückkehren wollte. BASKET CASE wurde auf 16mm gedreht und soll nun auch auf Blu-ray im ursprünglichen Glanz und Originalbildformat erstrahlen. Die für 16mm-Filmmaterial typisch grobe Körnung wurde belassen und auch sonst schaut BASKET CASE auf Blaustrahl so aus, wie er nun eben ausgesehen hatte, als er vor fast 30 Jahren veröffentlicht wurde. Auch wenn das Bild für heutige HD-Maßstäbe kaum der Rede wert ist, bietet der Transfer im direkten Vergleich zur hochwertigen LEGEND FILM DVD (im Digipak) aus dem Jahr 2002 eine erstaunliche Steigerung. Zwar füllt das Bild jetzt nicht mehr den ganzen Bildschirm aus, sondern besitzt links und rechts schwarze Balken; trotz miserablem Ausgangsmaterial lassen sich dennoch bedeutend mehr Details erkennen, als in allen bisher erhältlichen DVD-Auflagen, von denen es nicht wenige gab. Immerhin hat das körnige Bild auch seine Vorteile: es unterstreicht geradezu perfekt den schmuddeligen Charme des Films und lässt nostalgisches VHS-Feeling aufkommen. Kernstück der Veröffentlichungen ist aber das Bonusmaterial. Für einen derartigen Streifen ist das nahezu spektakulär umfangreich. Neben allen Extras der damaligen LEGEND-Auflage (in SD), hat CMV LASERVISION auch Bonus der erhältlichen SECOND SIGHT Blu-ray aus England lizensiert. So darf sich der Zuschauer auf die Dokumentation WHAT’S IN THE BASKET (in HD) freuen, die sogar Spielfilmlänge und selbstverständlich deutsche Untertitel besitzt. Zudem gefällt der Menüpunkt EIN BLICK HINTER DIE SFX-KULISSEN in dem der Zuschauer den Spezialeffekte-Künstler GABE BARTALOS beim Rundgang durch seine SFX-Firma ATLANTIC WEST EFFECTS (in HD) begleitet. Leider besitzt auch das durchweg gelungene Mediabook von CMV einen kleinen Wehmutstropfen. So hat nur das neue Zusatzmaterial eine Untertitelspur erhalten. Die bereits bekannten Extras der LEGEND-Scheibe sind auch auf dieser Veröffentlichung ohne Untertitel vorzufinden. Immerhin hat der Anbieter auch ein Feature selbst produziert. So wird in einem kleinen Bericht auf die Unterschiede in der deutschen VHS-Fassung eingegangen, die sich in der Titelsequenz vom Rest der Welt unterscheidet. Außerdem betreibt CMV mit vier weiteren HD-Klassikern etwas Eigenwerbung. Wer sich die Jubiläumsedition sichert, sahnt übrigens doppelt ab. Neben der tollen Blu-ray liegt jeder Veröffentlichung eine Extra-DVD mit einem Klassiker der beliebten CMV-Trashkollektion bei. In dem uns vorliegenden Produkt versteckte sich DIE LEICHENMÜHLE. Wer sich nur die HD-Perlen unter den Klassiker-Releases aussucht, kommt an BASKET CASE nicht vorbei. Die Veröffentlichung aus dem Hause CMV LASERVISION ist nicht nur optisch ein Hingucker; auch inhaltlich ist dieses Mediabook ein Traum und den Preis auf alle Fälle wert.
 
 
 

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BASKET CASE – Trailer

 
 


 
 

Christian Ladewig (Filmkritik) / Marcel Demuth (BD-Vorstellung)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Basket Case 2 (1990)
 
Basket Case 3 – Die Brut (1991)
 
Die Unzertrennlichen (1988)
 
Seconds Apart (2011)

Filmreview: „Young, High and Dead“ (2013)

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YOUNG, HIGH AND DEAD

Story

 
 
 
Einige nichtsahnende Kumpels treffen auf einen irren Kinderschänder, der es gar nicht so dufte findet, dass die Freunde auf genau jenem Stückchen Erde campen, unter dem er seine Opfer verscharrt hat …
 
 
 


 
 
 

YOUNG, HIGH AND DEAD – Kritik

 
 
 
Manch unterbelichteter Horrorschund benötigt einen kleinen Anschub, damit er in der Horrorgemeinde auf Interesse stößt. Das ist zum Beispiel dem berüchtigten A SERBIAN FILM im Jahr 2010 gelungen, der durch einige kinderpornografische und nekrophile Elemente zu unappetitlichem Ruhm gekommen ist und ohne Kontroverse auch nicht die Aufmerksamkeit erhalten hätte, die ihm nach Erscheinen zuteil wurde. Mit ähnlich diskussionswürdigem Zündstoff will auch der britische Streifen YOUNG, HIGH AND DEAD trumpfen, dessen Macher nun vermutlich hoffen, dass ihr Stümperwerk möglichst lukrativ auf dem internationalen Horrormarkt verscherbelt werden wird. Zu allem Übel dürfte das sogar auch noch gelingen, versucht der Film doch einmal mehr, die Grenzen des moralisch Vertretbaren zu überschreiten und dürfte dadurch ganz schnell die Gunst sensationsgeiler Horrorfans wecken. Dass YOUNG, HIGH AND DEAD trotz fragwürdiger Thematik ganz schön dilettantischer Pfeffer ist, offenbart sich dem Zuschauer erschreckend schnell, wenn er nach geschlagenen 60 Minuten feststellen muss, dass in dieser filmischen Katastrophe partout nichts passieren will. Dabei köchelt der Beitrag nicht nur inhaltlich erheblich auf Sparflamme. Auch die technische Komponente dürfte dem Zuschauer die Nackenhaare sträuben lassen, denn YOUNG, HIGH AND DEAD entpuppt sich schnell als amateurhafter Schnellschuss vierer passionierter Horrorfilmfans, die eigentlich vom Filmemachen gar keine Ahnung haben. Das Regiequartett, bestehend aus LUKE BRADY, JANATHAN BRADY, THABO MHLATSHWA und DANIEL FENTON, hat an diesem langweiligen Haufen filmischen Abfalls getüftelt und alles fein unprofessionell und anständig verwackelt auf Digital gedreht. Damit der Streifen nicht ganz so offensichtlich laienhaft wirkt, wurden immerhin halbwegs vernünftige Akteure gebucht, die aber vehement damit beschäftigt sind, unerträglich miteinander zu streiten oder ihre Nasen in Berge von Koks zu vergraben. Immerhin gehören einige von ihnen zur britischen B-Prominenz und wurden schon in diversen, für den internationalen Videomarkt gedrehten Filmen gesichtet (darunter sogar der Kinder-Horror THE CHILDREN von 2008). Das mag zwar alles schön und gut sein, macht YOUNG, HIGH AND DEAD aber auch nicht zwingend besser.
 
Im Mittelpunkt stehen einige Mittzwanziger, die zum Camping in den Wald düsen und sich zuvor in einem britischen Pub zum feuchtfröhlichen Trinkgelage treffen. Währenddessen ist ein irrer Psychopath damit beschäftigt, kleine Mädchen von Spielplätzen zu locken, um sie zu Hause in Stücke zu hacken. Die zerteilten Körper werden in Mülltüten gestopft und in einem angrenzenden Waldgebiet verscharrt, leider aber auch genau dort, wo die nichts ahnenden Freunde ihr Zeltlager aufgeschlagen haben. Der Kindermörder ist darüber freilich gar nicht erfreut, befürchtet er doch, dass sein kleines Geheimnis aufzufliegen droht. So beginnt er, Jagd auf die zugekokste Bande zu machen, die natürlich in ausgerechnet dieser heiklen Situation damit beschäftigt ist, private Konflikte untereinander zu klären.
 
Wenn in Horrorfilmen minderjährige Kids von pädophilen Perverslingen zerstückelt werden, dürften nicht nur bei besorgten Eltern die Alarmglocken läuten. Auch die hiesige FSK verstand bei solch fraglichen Treiben bisher keinen Spaß und verweigert nicht selten die Freigabe. Im Falle von YOUNG, HIGH AND DEAD dürfte sich der erwartungsfreudige Filmzuschauer umsonst die Hände reiben, denn die blutige Sauerei wird Gott sei Dank nicht auf der Mattscheibe bebildert, schließlich ist es schon pervers genug, so einen schwierigen Kontext als Grundlage für einen dummen Slasher zu missbrauchen. Das meiste wird in YOUNG, HIGH AND DEAD nämlich nur angedeutet oder passiert im Off, was die Freude der Gore- und Splatterfraktion gewiss erheblich schmälern dürfte. Wird dann am Ende doch einmal jemand vergewaltigt, erdolcht oder mit einem Auto über den Haufen gebrettert, sind die Schnitte derart hektisch und schnell gesetzt, dass sich kaum etwas erkennen lässt. Bis es jedoch soweit ist, muss der Zuschauer genügend Geduld und Sitzfleisch mitbringen. Der irre Killer und seine als Spaziergängerin getarnte Komplizin haben sich erst nach geschlagenen 75 Minuten Spiellaufzeit warmgeschlitzt. Da fliegt schon mal ein Beil durch den Wald und ein Messer rammt sich durch das Dach des Autos direkt in eine Hand. Spektakulär ist das alles nicht einmal ansatzweise, wobei das Finale ohnehin von nur wenigen Filmfans aufmerksam beäugt werden dürfte. Aufgrund der absolut unspannenden Inszenierung ist es wahrscheinlich, dass die Mehrheit der Zuschauer bereits nach wenigen Minuten in den Tiefschlaf dahingeschlummert ist – der Rest wird nach der Filmhälfte entnervt abgeschaltet haben. Da wäre es vermutlich besser gewesen, die Macher hinter YOUNG, HIGH AND DEAD hätten das grausige Stück Film als Komödie konzipiert, denn nicht nur der Titel suggeriert Horror-Spoof der Extraklasse, auch das behäbige Treiben auf dem TV-Apparat ist, trotz bierernster Umsetzung, nicht selten unfreiwillig komisch.
 
 
 


 
 
 

YOUNG, HIGH AND DEAD – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
 
Der von Kindern selbstgekritzelte Vorspann demonstriert eindrucksvoll, in welch unbeholfene Richtung YOUNG, HIGH AND DEAD tapsen wird. Dieser britische Low-Budget-Titel ist trotz kontroverser Thematik eine einzige Schlafnummer. Bis in YOUNG, HIGH AND DEAD überhaupt etwas passiert, ist der Film bereits schon wieder zu Ende. Der kriselige und oftmals unerträglich verwackelte Amateur-Look mag zwar herrlich indielike ausschauen, verschleiert aber nur ganz geschickt, dass hier Leute am Werk waren, die von Filmemachen keinen Plan haben. YOUNG, HIGH AND DEAD – LANG, ÖDE und UNSPEKTAKULÄR.
 
 
 


 
 
 

YOUNG, HIGH AND DEAD – Zensur

 
 
 
Die Problematik des Kindsmord ist zwar in YOUNG, HIGH AND DEAD sehr heikel; die Misshandlungen oder Morde werden jedoch nur angedeutet. Dennoch dürften einige böse Szenen (an den erwachsenen Darstellern) für die FSK Grund genug sein, den Streifen hierzulande erst für ein volljähriges Filmpublikum zugänglich zu machen. YOUNG, HIGH AND DEAD dürfte ungeschnitten mit KJ-Freigabe in den Handel kommen.
 
 
 
 


 
 
 

YOUNG, HIGH AND DEAD – Trailer

 
 
 


 
 

Hellraiser80

 
 
 
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