Filmkritk: „The Canal“ (2014)

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THE CANAL

DU KANNST DEM BÖSEN NICHT ENTKOMMEN

Story

 
 
 
David hat eigentlich alles zum Glücklichsein: eine liebende Frau, einen aufgeweckten Jungen und einen erfüllten Job. Letzterer stellt das geregelte Leben auf den Kopf, denn durch die Arbeit als Film-Archivar kommt ihm eine Filmrolle in die Hände, auf der er Unfassbares zu sehen bekommt ….

 
 
 


 
 
 

THE CANAL – Kritik

 
 
 
Vergilbte Foto-Dokumente und Bewegtaufnahmen, die aus den Anfangszeiten des Films stammen haben ihren ganz eigenen nostalgischen Charme, der im Horrorfilm neuerdings immer dann Verwendung findet, wenn es möglichst gruselig werden soll. Zuletzt hat die Kombination aus längst nicht mehr gebräuchlichem Schmalfilm und Hollywoods makellosem Digitallook im Horror-Hit SINISTER funktioniert, der für lange Schlangen an Kinokassen und bei Zuschauern für Angstschweiß gesorgt hat. Der dramenerprobte IVAN KAVANAGH versucht sich jetzt an ähnlicher Mixtur. Auch er macht in seinem Film THE CANAL von abgegriffenen Fotos und veraltetem Filmmaterial Gebrauch, damit er dem Zuschauer mit einer atmosphärischen Geisterjagd gut dosierte Gänsehaut-Attacken bescheren kann.
 
In Kavanaghs THE CANAL gerät der Film-Archivar David (RUPER EVANS) in einen Strudel seltsamer Vorkommnisse, die mit einer alten Filmrolle aus dem Jahre 1902 beginnen, auf der er eine erschreckende Entdeckung macht. In dem darin enthaltenem Tatortfilm der Polizei erkennt er jenes Gebäude wieder, das er mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn vor einigen Jahren bezogen hat. Eigentlich nicht der Rede wert, hätte darin nicht ein Mann seine Frau ermordet und die Leiche im Kanal nebenan beseitigt. Was folgt überrascht wenig, denn auch Davids Frau verschwindet nach einem Schäferstündchen mit dem geheimen Liebhaber spurlos und wird einige Tage später aus dem gleichen Gewässer gefischt. Für den sorgenden Ehemann ein herber Schicksalsschlag für den er eine unheimliche Präsenz verantwortlich macht, die ihn seit geraumer Zeit verfolgt. Handelt es sich hier um den Geist eines unberechenbaren Mörders oder entspringen die seltsamen Vorkommnisse vielleicht doch nur allein der Phantasie eines scheinbar gestörten Mannes?
 
Schattenhafte Gestalten, langsame Kamerafahrten, verstörende Schnitte und morbide Atmosphäre – auch Irland hat den Geisterzug gewittert, springt auf und versucht sich im atmosphärischen Gruseln. Entstanden ist ein verzwicktes Verwirrspiel, das den Zuschauer lang in Unklaren darüber lässt, wer oder was für den Tod der geliebten Ehegattin verantwortlich gemacht wird. RUPERT EVENS spielt in THE CANAL einen von Verlustängsten geplagten Familienvater, der an seinen Ängsten zu zerbrechen droht. Erst zwingt ihm sein Misstrauen dazu Gattin Alice nachzustellen; später versucht er fast schon paranoisch nach den Ursachen für deren Ableben zu forschen und scheint dabei allmählich den Bezug zur Realität zu verlieren. Was ist Fiktion, was ist Realität? Ist hier wirklich ein Geist am Werkeln oder hat David die schreckliche Tat am Ende doch selbst begangen? Regisseur IVAN KAVANAGH versteht es den Zuschauer an der langen Leine zu halten, auch wenn der Filmemacher des Öfteren so seine Probleme damit hat, die Auflösung des Geschehens geheim zu halten. Erfahrene Horrorfans werden leider ziemlich früh die Fährte wittern, was den Streifen dadurch jedoch nicht schlechter macht. Immer wieder wird der Zuschauer Zeuge seltsamer Zwischensequenzen, in denen Held David in eine düstere Welt transferiert wird, wo er Dinge erlebt, die er nicht erklären kann. Das verwirrt bald nicht nur den gebeutelten Filmcharakter; auch der Freund schauderhafter Filmware erkennt bald nicht mehr die Grenzen zwischen Realität und Hirngespinst, die gegen Ende nahtlos ineinander überlaufen.
 
Macher und Drehbuchautor IVAN KAVANAGH legt Wert auf Gänsehaut mit Stil, denn THE CANAL gefällt vor allem wegen der unkonventionellen Optik. Immer wieder streut er surreale Farbspielereien in die verzwickte Handlung, die nicht selten an Streifen des italienischen Giallo-Mitbegründers DARIO ARGENTO erinnern. Da werden Szenen in allarmierendes Rot getaucht und in einer heruntergekommenen Toilette erlebt David den ultimativen Farben-Flash. Für sein visuelles Gespür unheilvoller Bilder kann man KAVANAGH nur loben, denn die sind zweifelsohne die Quintessenz dieses sehenswerten Gruselstücks aus dem europäischen Nordens. Da kann man nur hoffen, dass Hollywood nicht auf den Trichter kommt und sich die Remake-Rechte unter den Nagel reißt. Verwundern würde ein auf Hochglanz polierter Mainstreamstreifen aus Übersee niemanden, schließlich leitet die amerikanische Filmindustrie seit einigen Jahren unter chronischen Ideenmangel.
 
 
 


 
 
 

THE CANAL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Gänsehautgarantie mit Anspruch. Regisseur IVAN KAVANAGH konnte noch nicht viele Erfahrungen im Horror-Genre sammeln, denn bisher hat er sich vornehmlich im Dramensektor ausgetobt. Da verwundert es wohl auch niemanden, dass sein THE CANAL kein plumper Horrorfilm geworden ist, der wahllos Schocks und Blut aneinanderreiht, um sich über Wasser halten zu können. KAVANAGH geht es ruhig an, vermischt Drama mit Horror und bewahrt den Anspruch, nach dem man im Horrorfilm leider oftmals vergebens sucht. Entstanden ist ein atmosphärisches Verwirrspiel auf visuell hohem Niveau, das Dank hervorragender Schauspielleistungen und durchdachter Inszenierung bis zum Ende spannend bleibt. Durch den Einsatz eines unheilvollen Klangteppichs und verstörende Zwischensequenzen (deren Farbspielereien oftmals an den jungen DARIO ARGENTO erinnern) bewirkt der visuelle Geschichtenerzähler KAVANAGH eine morbide Gruselstimmung, die sich durch den gesamten Film zieht. Leider ist es in THE CANAL jedoch so, dass die Auslösung des Treibens von erfahrenen Horrorfans schon recht früh gewittert werden dürfte, was auf die Horror-Unerfahrenheit des Filmemachers zurückzuführen ist, der für sein Gruselstück auch gleich das Drehbuch geschrieben hat. Trotzdem, man sollte mit Kavanaghs psychologischen Thriller nicht zu sehr ins Gericht gehen, denn immerhin gehört der irische Grusel-Beitrag zu den besseren Genre-Filmen, die das eher durchwachsene Horror-Jahr 2014 dem Liebhaber unheimlicher Filme beschert hat.
 
 
 


 
 
 

THE CANAL – Zensur

 
 
 
THE CANAL ist ein eher ruhig erzählter Film, der sich vernehmlich dem subtilen Horror widmet, der von seiner düsteren Atmosphäre zehrt. Demzufolge gibt es hier keine Blut- oder Gewaltorgien zu sehen, was dem Streifen hierzulande eine FSK16 beschert hat.
 
 
 


 
 
 

THE CANAL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Universum Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Canal; Irland 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.35:1 (@24 Hz)

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailershow, Interviews

Release-Termin: 10.03.2015

 

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THE CANAL – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Cannibal (2013)
 
Warhouse – Kriegszustand (2013)
 
The House of the End Times (2013)
 
Found (2012)
 

Filmkritik: „Love of my Life“ (2013)

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LOVE OF MY LIFE

Story

 
 
 
Protagonist Julius muss ein Spiel spielen. Entweder er lässt fünf Tage Folter am Stück über sich ergehen oder seine große Liebe Nicole muss ihr Leben lassen …

 
 
 


 
 
 

LOVE OF MY LIFE – Kritik

 
 
 
Ist LOVE OF MY LIFE Folterkram für gewalthungrige Tortur-Liebhaber, die nicht genug von Filmen haben können, in denen ahnungslose Protagonisten gequält und gefoltert werden? Das Filmposter lässt zumindest derartiges Filmvergnügen erahnen, um damit jene Horrorfans anlocken zu können, die ein gewisses Maß perverser Abartigkeiten von Horrorfilmen erwarten. Doch die Freude über neuen Gewaltabfall dürfte rasch einen Dämpfer erhalten, wenn LOVE OF MY LIFE im Player rotiert. Brutalitäten als Mittel zum Selbstzweck sucht man nämlich hier vergebens, denn Regisseur und Produzent MICHAEL BUDD macht aus seinem Film ein ermüdendes Beziehungs-Drama, das eigentlich nur mit Folterei lockt, damit die Schlaftablette überhaupt Aufmerksamkeit erhält. Viel zu erzählen gibt es nicht. Julius (DIARMID HEIDENREICH) wird eines Tages unsanft aus dem Schlaf gerissen und findet sich festgekettet auf dem Operationstisch einer verlassenen Klinik wieder. Ein Fremder will ihm nichts Gutes. Er stellt sein verschrecktes Opfer vor die Wahl und beginnt es zu foltern. Einige Türen weiter wartet Julius‘ Gattin auf Rettung. Die wurde ebenfalls in das leerstehende Krankenhaus verschleppt und wird seither von Überwachungskameras beobachtet. Nun liegt es an Julius den Fortgang der Geschehnisse zu beeinflussen. Entweder er erduldet fünf Tage Folterei am Stück und das Paar überlebt oder er fordert das Ende der Quälerei und die nichtsahnende Ehefrau stirbt. In kurzen Rückblenden flimmern die Etappen der noch jungen Ehe über den Bildschirm, wobei die Partnerschaft der beiden Turteltauben zu den wohl langweiligsten Beziehungskonstrukten gehört, die die Filmwelt bis dato erdulden musste. Selbstverständlich werden Julius Entscheidungen zusätzlich auf eine harte Probe gestellt, denn Ehegattin Nicole war ein unartiges Mädchen und hat’s mit dessen besten Freund hinter dem Rücken des Liebsten getrieben. Kann der Betrogene verzeihen und beider Leben retten?
 
Kommen wir zurück zum Gewaltpegel. Hier wartet tropfende Säure auf das Opfer, das zudem gemeine „Operationen“ am Auge über sich ergehen lassen muss. Doch was ist das? Die Kamera blendet in entscheidenden Momenten weg, so dass der Splatterfan überhaupt nur wenige der Gemeinheiten zu sehen bekommt! Stattdessen wird in LOVE OF MY LIFE von Moral und Gewissen gefaselt und in knapp 90 Minuten Gründe einer Beziehungskrise erörtert. Nervenkitzel geht bei einem derartig unüberlegten Vorgehen natürlich flöten, denn immer dann wenn der unbekannte Foltermeister zum Werkzeug greift, erinnert sich Protagonist Julius an die schönen Zeiten seines zerrütteten Beziehungsdaseins zurück. Selbstverständlich bringt das Ende Licht ins Dunkel, schließlich wird das verängstigte Paar hier nicht grundlos festgehalten. Ob der Zuschauer das jedoch erleben möchte dürfte fraglich sein, denn bei untalentierten Schauspielern, schwachem Drehbuch und uninteressanten Paarproblemen ist ein frühzeitiges Abschalten des Streifens ohnehin vorprogrammiert.
 
 
 


 
 
 

LOVE OF MY LIFE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Nerviges Beziehungspalaver unter dem Deckmantel eines Folterstreifens. MICHAEL BUDDS (der hier gleich eine Nebenrolle übernommen hat) Erstwerk dürfte für reichlich enttäuschte Gesichter sorgen, schließlich werden Erwartungen von Folterfans nicht einmal ansatzweise befriedigt. Da wo „Folter“ draufsteht, muss nicht immer zwangsläufig Tortur drin stecken. LOVE OF MY LIFE ist eine gemeine Mogelpackung und eine langweilige auch noch dazu. Die Schauspieler sind nicht die besten, die Geschichte entwickelt sich behäbig und viel Mord- und Totschlag gibt’s auch nicht zu sehen. Welche Gründe bietet LOVE OF MY LIFE überhaupt, gesehen zu werden. Ganz einfach: gar keine. Fünf Minuten Folter und 90 Minuten Langeweile – ein Trauerspiel. Demnach gilt hier: Zäher und enttäuschender Indie-Horror, den man getrost liegen lassen kann.
 
 
 


 
 
 

LOVE OF MY LIFE – Zensur

 
 
 
LOVE OF MY LIFE ist nicht sonderlich zeigefreudig. Zwar gibt es ein paar kurze Gewaltspitzen zu sehen – die sind aber nicht der Rede wert. Aufgrund des fragwürdigen Kontextes tippen wir auf: Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

LOVE OF MY LIFE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 

The Tortured – Das Gesetz der Vergeltung (2010)
 
The Collection (2012)
 
Bitter Feast – Blutiges Kochduell (2010)
 

Filmkritik: „Horns“ (2013)

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HORNS

Story

 
 
 
Ig Perrish (Daniel Radcliffe) weiß nicht mehr weiter. Nicht nur, dass ihn die Bewohner seines Heimatstädtchen für den Tod seiner Schulliebe Merrin Williams (Juno Temple) verantwortlich machen; ihm wachsen auch noch plötzlich Teufelshörnchen aus dem Schädel, die dem Beschuldigten mit ungeahnten empathischen Fähigkeiten segnen. Plötzlich kann er die Sünden seiner Mitmenschen erkennen und nutzt die neue Gabe um den wahren Mörder seiner großen Liebe ausfindig zu machen …
 
 
 


 
 
 

HORNS – Kritik

 
 
 
ALEXANDRE AJA scheint der Gewalt in seinen Filmen abtrünnig geworden zu sein. Nach Extrem-Horror made in Frankreich (HIGH TENSION) und blutreichen Horror-Remakes (THE HILLS HAVE EYES), die er in der amerikanischen Traumfabrik verwirklichen konnte, hat er nun einen neuen Streifen gedreht und sieht fast gänzlich von der für seine Werke obligatorischen Brutalität ab. HORNS heißt der neue, reichlich schwarzhumorige Ausflug ins Thriller-Fach für den AJA einen der wohl gefragtesten Jungdarsteller unserer Zeit gewinnen konnte: DANIEL RADCLIFFE. Der Brite konnte sich durch die Verkörperung des „Harry Potter“ in acht Romanverfilmungen ein Denkmal setzen, hat aber Jahre nach dem letzten Leinwandauftritt als Hogwarts-Schüler vermutlich immer noch Probleme damit, dass ihn Zuschauer ausschließlich auf die Rolle des wohl bekanntesten Zauberlehrlings der Welt reduzieren. Wahrscheinlich war das auch der Grund, warum RADCLIFFE mit HORNS nun schon ein weiteres Mal auf Horror-Pfaden wandelt, konnte er in der HAMMER-Produktion DIE FRAU IN SCHWARZ (2012) doch schon einmal unter Beweis stellen, dass er auch ohne Zauberstab und Panto-Brille eine durchaus passable Figur als Schauspieler macht.
 
In HORNS darf RADCLIFFE endlich mal das tun, was ihm als Potter-Darsteller immer verwehrt geblieben ist, denn in seiner neue Rolle konnte er sich sprichwörtlich gleich mal die Hörner abgestoßen. Als Filmheld Iggie macht er Dinge, die halt Erwachsene tun; darf fluchen, an weiblichen Brüsten knabbern und sogar auch mal mit Zunge küssen. Leider durchlebt sein Filmcharakter ein Wechselbad der Gefühle, denn in seinem Heimatort ist man nicht gut auf ihn zu sprechen. Er wird des Mordes an seiner großen Liebe Merrin (JUNO TEMPLE) beschuldigt, deren lebloser Körper im Wald gefunden wurde. Doch mit den vagen Anschuldigungen fangen die Probleme erst an. Eines Morgens entdeckt Iggie zwei hornartige Verknöcherungen aus seinem Schädel sprießen, die nicht nur stündlich weiterwachsen, sondern auch zu ungeahnten Fähigkeiten führen. Iggie kann plötzlich die tiefsten Geheimnisse seiner Mitmenschen entlocken, die sich in seiner Gegenwart nicht nur schonungslos offen geben, sondern auch jede Menge Leichen im Keller versteckt halten. Was sich anfänglich als Fluch herausstellt entwickelt sich allmählich zum Segen, denn mit seiner neuen Gabe versucht er den bis dato noch unaufgeklärten Mordfall an seiner geliebten Merrin zu entschlüsseln.
 
TEUFELSZEUG (im Original HORNS) nennt sich die Romanvorlage zur Kinoadaption HORNS für die JOE HILL verantwortlich zeichnet. Der dürfte vermutlich niemanden ein Begriff sein, lässt aber aufhorchen insofern man weiß, dass sich hinter dem Pseudonym der Sohn des wohl bekanntesten Horror-Autoren der Neuzeit verbirgt: STEPHEN KING. Splatter-Maestro ALEXANDRE AJA sah Potenzial in der Geschichte und nahm sich die Freiheit gleich selbst Regie zu führen und zu produzieren. Ganz so klar schien ihm die angestrebte Richtung dann doch nicht gewesen zu sein, was vor allem Anhänger des französischen Horror-Machers vor den Kopf stoßen dürfte, die in AJAS neusten Kinofilm vergebens auf den nächsten Gewalt-Adrenalin-Kick warten. Stattdessen hat AJA eine Leidenschaft fürs Drama und Puzzeln entwickelt und konfrontiert seinen leidenden Filmhelden mit einer verzwickten Suche nach Antworten, die sich durch HORNS wie ein roter Faden zieht, damit am Ende das Rätsel des tragischen Tods der geliebten Merrin aufgeklärt werden kann. Mittels Rückblenden und Visionen wird Licht ins Dunkel gebracht. Immer dann wenn Held Iggie „Sünder“ berührt, erhält er Einblick in deren tiefsitzende Geheimnisse und rekonstruiert so, was wirklich mit Merrin passiert ist. Die Rolle des zu Unrecht Verdächtigten stellt RADCLIFFE vor große Herausforderungen, denn sein Charakter Iggie durchlebt in HORNS ein regelrechtes Chaos der Gefühle. Mal verliebt, dann auch launisch, später aggressiv und verzweifelt. Die Stimmungslagen des Filmhelden wechseln nahezu im Minutentakt, was dann doch oftmals mehr Drama als Fantasy ist und RADCLIFFE etwas unsicher agieren lässt, weil er mit der Rolle einfach an seine schauspielerischen Grenzen stößt. Einige der Gefühlsausbrüche werden von ihm derart überzogen verkörpert, dass ein Hang zum Overacting nicht von der Hand zu weisen ist. Aber auch Regisseur ALEXANDRE AJA scheint oftmals orientierungslos, weil er HORNS zwanghaft versucht nicht in die Horror-Schublade pressen zu wollen. Das gelingt ihm teils nur sehr unbeholfen, denn immer wieder lässt er dann doch durchblitzen, welche Art von Horror er bevorzugt. Die gehört selbstverständlich zur härteren Sorte und äußert sich im Falle von HORNS durch zwei unpassend platzierte Splatter-Momente, die irgendwie nicht zum Rest des Films passen wollen. Zudem bereichert er seinen Streifen um humoristische Momente, die jedoch nicht wirklich erheitern wollen, weil sie reichlich geschmacklos anmuten und einfach nicht lustig sind.
 
Unterm Strich ist HORNS ein solider Film, aus dessen interessanter Roman-Vorlage man hätte eindeutig mehr machen können. Die Produktion befindet sich auf einem beachtlichen Niveau und auch die diversen Spezial- und Make-up-Effekte können sich durchaus sehen lassen. Dennoch, trotz Staraufgebot hat der für Splatter-Filme berüchtigte ALEXANDRE AJA mit HORNS den wohl enttäuschendsten Film seines bisherigen Karriere gemacht, der irgendwie nicht so homogen wirkt, wie das was man bislang von AJA zu sehen bekommen hat. Somit sei AJA empfohlen, sich dann doch lieber mit Filmthemen zu beschäftigen, die er gut beherrscht: harte Horrorfilme mit reichlich Blut und Gewalt.
 
 
 


 
 
 

HORNS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein wütender und diabolischer „Harry Potter“ auf verzwickter Mörderjagd: HORNS ist ein effektreiches Fantasy-Spektakel mit überraschenden Wendungen und grandiosen Spezialeffekten. Letztere wurden wieder einmal sehenswert vom Effekte-Titan KNB EFX in Szene gesetzt, der im Bereich „Spezialeffekte“ (u.a. THE WALKING DEAD) jedem Horrorfan mittlerweile ein Begriff sein dürfte. So gut die Effekte, so enttäuschend die Umsetzung des Machwerks, denn im Falle von HORNS trifft mal wieder die Tatsache zu, dass der Roman (übrigens vom Sohn der Autoren-Legende STEPHEN KING geschrieben) bei Weitem besser ist, als seine glattgebügelte Leinwandadaption. Einerseits ist die Rolle des aufgebrachten Filmhelden „Iggie Perish“ für Darsteller DANIEL RADCLIFF eine Nummer zu groß, andererseits wandelt Regisseur ALEXANDRE AJA für HORNS auf weitaus unblutigen Pfaden und konzentriert sich zu sehr auf die Gefühlsdusselei seiner Filmfigur, die in diesem Fantasy-Streifen eine Achterbahn der Gefühle durchlebt. Leider geht dem Streifen nach knapp 90 Minuten die Puste aus, so dass AJA noch einmal zur Effekte-Schlacht ausholen muss, um das reichlich erzwungen wirkende Finale beim Zuschauer interessant machen zu können. Eigentlich schade, hätte der Film doch auch ohne den überflüssigen Rattenschwanz funktioniert. HORNS ist somit ein zweischneidiges Schwert, denn weder AJA-Fans noch RADCLIFFE-Anhänger bekommen das zu sehen, was sie sich wohl von HORNS erwartet hätten. Demnach sollten Erwartungen herabgeschraubt werden, denn der Fantasy-Drama-Thriller leidet nicht nur unter chronischer Blutarmut, sondern ist mit seinen 120 Minuten auch eindeutig zu lang. Demnach: teils frech und flott erzählt, aber bei Weitem kein Überflieger.
 
 
 


 
 
 

HORNS – Zensur

 
 
 
Viel Gewalt gibt es nicht zu sehen. Der Zuschauer wird Zeuge eines eingeschlagenen Schädels. Zudem wird eine Hande mittel Feuerwerkskörper zerfetzt. AJA-Fans werden enttäuscht sein. Wegen der wenigen Schauwerte hat der Film auch eine FSK 16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

HORNS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
horns-bluray

(c) UNIVERSAL PICTURES HOME ENTERTAINMENT

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Horns; Kanada | USA 2013

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, Dänisch, Finnisch, Norwegisch, Schwedisch

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 120 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailershow, Originaltrailer, Hinter den Kulissen

Release-Termin: 17.12.2015

 

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HORNS – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei UNIVERSAL PICTURES HOME ENTERTAIMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ghost Rider (2007)
 
Ghost Rider: Spirit of Vengeance (2011)
 
Constantine (2005)
 
Heartless (2009)
 

Filmkritik: „Dead Within – Kein Entkommen“ (2014)

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DEAD WITHIN – KEIN ENTKOMMEN

(DEAD WITHIN | WHAT REMAINS)

Story

 
 
 
Inmitten einer post-apokalyptischen Welt haben sich Kim und Mike in einer kleinen Hütte verschanzt und versuchen nun zu überleben. Doch leider gehen sechs lange Monate des Versteckens aus Schutz vor virusinfizierten Kreaturen nicht spurlos an Kim vorüber. Die leidet unter der momentanen Situation und verliert allmählich den Bezug zur Realität …
 
 
 


 
 
 

DEAD WITHIN – Kritik

 
 
 
Ein Zombiefilm ohne blutgeile Zombies – das geht? Mit DEAD WITHIN zumindest dürfte sich Regisseur BEN WAGNER unter den Fans solcher Filme keine Freunde machen, was angesichts der etwas anderen Herangehensweise an die totgefilmte Zombie-Thematik etwas bedauerlich ist, hat er doch mit seinem Horror-Drama einen gar nicht mal so üblen Vertreter jener Gattung Streifen gemacht. In diesem Film hat das wahllose Erschießen Infizierter und die fürs Genre typischen Fressattacken Selbiger Sendepause. Stattdessen rückt der Macher zwei Menschen in den Mittelpunkt seiner Geschichte, die sich in einer Hütte vor infizierten Menschen und diesmal auch Tieren in Sicherheit gebracht haben und allmählich den Verstand verlieren, weil ein gefahrloses Leben in Freiheit ohne Weiteres nicht möglich scheint. Interessanterweise geht es WAGNER anders an als sonst. Diesmal passiert alles auf kleinstem Raum. Sein klaustrophobische Kammerspiel spielt sich in nur zwei Zimmern ab und rückt ausschließlich die Differenzen zwischen den beiden Protagonisten innerhalb der eigenen vier Wände in den Fokus. Was sich letztendlich auf der anderen Seite der Haustür abspielt wird nie gezeigt. Ein intelligenter Schachzug, wird die Bedrohung hinter der Tür ausschließlich in Form von Geräuschen beschrieben, so dass der Schrecken im Kopf des Zuschauers entstehen kann. Mal ist es der infizierte Hund des Paares, der vor dem Haus knurrend seine Kreise zieht. Ein anderes Mal ist es das Lechzen wilder Zombies, die hungrig an der Tür kratzen und dem Paar nichts Gutes wollen. Der Minimalismus zahlt sich aus, denn WAGNER schafft es mit Leichtigkeit dem Zombiefilm neue Impulse zu verleihen, weil er sich schlicht und einfach den Konventionen jenes Sub-Genres widersetzt.
 
 
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Über sechs Monate fristen Mike (DEAN CHEKVALA) und Kim (AMY CALE PETERSON) in einer provisorischen Behausung ihr Dasein, denn vor der Tür hat sich Tragisches ereignet. Ein globaler Virusausbruch hat dazu geführt, dass sich Menschen und Tiere zu wilden Bestien verwandelt haben, die den Nichtinfizierten nach dem Leben trachten. Während Kim die Hausarbeit übernimmt und versucht, den plötzlichen Tod ihres infizierten Babys zu verarbeiten, erkundet Mike tagtäglich die Umgebung nach Essbarem. Doch die Situation zerrt an den Nerven, was sich vor allem bei Kim bemerkbar macht für die das sichere Heim allmählich zum Gefängnis wird. Bald schon hört sie seltsame Funksprüche und hat grausige Visionen, die die Grenzen zwischen Einbildung und Realität verwischen lassen. Als dann auch noch die Wasserversorgung erlischt, scheint sie den Verstand zu verlieren.
 
 
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Es ist schön, wenn Filmemacher an neuen Ideen tüfteln, damit der Zuschauer auch einmal etwas anderes zu sehen bekommt, als immer nur die gleichen Filmstoffe. DEAD WITHIN ist trotz irreführendem Filmplakat und einem etwas unglücklich gewähltem Filmnamen mit dem kaufwirksamen „Dead“ im Titel ein erschütterndes Zeugnis dafür, welch psychischen Verfall Menschen durchleben, wenn Sie in Extremsituationen ihrer Freiheit beraubt werden. Mit nahezu durchdachter Präzision beleuchtet WAGNER hier die Etappen des Wahnsinns seiner Filmheldin Kim, die in ihrer Paranoia schon bald am Vertrauen des Partners zweifelt, weil der das Haus verlassen darf – sie jedoch nicht. Der erlegt auf seinen Streifzügen durch die Stadt nicht nur Horden von Zombies, sondern bringt der Frau auch Unterwäsche von seinen Reisen mit nach Hause, damit das Liebesleben wieder aufgefrischt werden kann. Dass Kim jedoch andere Sorgen plagen, als sich mit dem Gatten im Bett zu vergnügen, dürfte mehr als verständlich sein. Die fühlt sich bald eingeengt und missverstanden, weil der Geliebte partout nicht auf ihre Bedürfnisse eingehen will. In ihrer kleinen Welt und inmitten des ewig gleichen, geregelten Tagesablaufs flüchtet sie sich in Tagträume, die jedoch bald schon einen ungemütlicheren Ton einschlagen.
 
 
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DEAD WITHIN benötigt etwas um in die Gänge zu kommen, wobei WAGNER bewusst auf eine eher langsame Erzählmethode zurückgreift, damit der psychische Zerfall seiner Protagonistin umso schmerzlicher protokolliert werden kann. Dabei verwendet der Regisseur verschiedene Stilmittel, um die seelische Wandlung seiner Heldin besser zum Ausdruck bringen zu können. Mit fortlaufendem Abstieg verändert sich auch die Bildsprache, die in düstere und ungeschönten Farben getaucht wird. Zudem gelingt es WAGNER immer wieder neue Kameraeinstellungen zu finden, um das bedrückende und beschränkte Setting nie langweilig aussehen zu lassen. Die Quintessenz des Streifens sind jedoch die hervorragenden Darsteller, die DEAD WITHIN um eine glaubhafte Charakterisierung bereichern – etwas, was im vor Klischees und Stereotypen strotzenden Horrorfilm mittlerweile ziemlich selten geworden ist. AMY CALE PETERSON verkörpert die Verstand verlierende Kim mit beeindruckender Glaubwürdigkeit und schafft es selbst ihren männlichen Schauspielkollegen im direkten Vergleich blass erscheinen zu lassen. Auch wenn das weniger erfreuliche Happy End wie ein Faustschlag ins Gesicht wirkt und Fans blutiger Zombie-Massaker mit diesem eher anspruchsvoll inszenierten Ausnahme-Horrorfilm nur wenig anfangen dürften, ist DEAD WITHIN eine positive Randerscheinung im stumpfsinnigen und meist wenig originellen Untoten-Genre.

 
 
 


 
 
 

DEAD WITHIN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Der etwas andere Zombiefilm, der eigentlich gar kein Zombiefilm sein will. Regisseur BEN WAGNER geht die Untoten-Problematik anders an und verzichtet auf die üblichen Splatter- und Gewalteskapaden, die man ja sonst in dieser Art von Filmen zu sehen bekommt. Er reduziert seinen Film auf zwei Figuren, die anfänglich einander nahe stehen und sich im Verlauf des Filmes emotional voneinander distanzieren. Statt hohler Zombie-Action hat WAGNER ein minimalistisches und psychologisch feinfühliges Horror-Kammerspiel gemacht, das den Konventionen gängiger Zombie-Streifen trotzt und die bekannte Zombie-Thematik aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet. Demnach rückt DEAD WITHIN nicht den Überlebenskampf seiner Protagonisten gegen Horden Infizierter in den Mittelpunkt, sondern beleuchtet das Seelenheil seiner Helden während eines post-apokalyptischen Weltuntergangsszenarios. Wer Anspruch in Horrorfilmen voraussetzt und Horror nicht ausschließlich mit Gewalt in Verbindung setzt, sollte unbedingt einen Blick riskieren. Gorebauern werden jedoch mit DEAD WITHIN rein gar nicht warm werden – versprochen!
 
 
 


 
 
 

DEAD WITHIN – Zensur

 
 
 
Einiges an Gewalt gibt es natürlich auch in DEAD WITHIN (der eigentlich mal WHAT REMAINS heißen sollte) zu sehen. So rammt sich die Heldin eine Stricknadel in die Hand und klemmt ihrem Gatten mit einer Zange ein paar Finger ab. Zudem wird eine Machete durch einen Körper gejagt. In Deutschland hat es der Streifen dennoch bedenkenlos mit einer 16er-Freigabe durch die FSK geschafft. Weil sich auf der erhältlichen Blu-ray und DVD aber höher eingestuftes Bonusmaterial befindet, ziert ein roter FSK-Sticker das Cover der Veröffentlichung.
 
 
 


 
 
 

DEAD WITHIN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
dead-within-bluray

(c) Lighthouse Home Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Dead Within; USA 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 83 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Wegen Bonusmaterial besitzt Blu-ray Vermerk: Keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 21.06.2019

 

Dead Within – Kein Entkommen! [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DEAD WITHIN – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

(Rechte für Grafiken + Packshot liegen bei Lighthouse Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Chrysalis (2014)
 
Attack of the Undead (2010)
 
The Last Days (2013)
 
28 Days Later (2002)
 
28 Weeks Later (2007)
 

Filmkritik: „Honeymoon“ (2014)

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HONEYMOON

Story

 
 
 
Von der Stadt hinaus aufs Land: Das junge New Yorker Paar Bea (Rose Leslie) und Paul (Harry Treadaway) verbringen die Flitterwochen in einer kleinen Hütte draußen am See. Doch die romantische Zweisamkeit schlägt in pures Grauen um, als Bea eines Nachts verschwindet und sich danach wie ausgewechselt verhält …
 
 
 


 
 
 

HONEYMOON – Kritik

 
 
 
Wenn ein frisch vermähltes Paar fernab der Zivilisation die Flitterwochen verbringt, kann es im Horrorfilm schon einmal vorkommen, dass deformierte und geistig zurückgebliebene Hinterwäldler überraschend zum Kaffee erscheinen und sich ungefragt an der nichtsahnenden Ehegattin vergehen. In HONEYMOON laufen die Dinge diesmal jedoch anders. Ungewöhnlicherweise hat diesmal eine Frau auf dem Regiestuhl Platz genommen, was ja im Genre schon zu einer Seltenheit gehört, werden Horrorfilme doch meist eher von Männern inszeniert. LEIGH JANIAK traut sich was. Nicht nur, dass sie neben der Regie auch gleich für das Schreiben des Drehbuchs verantwortlich zeichnet; die Filmemacherin pfeift zudem auf gängiges Backwood, Slasher- und Terror-Geschrei, das in den letzten Jahren ziemlich oft Handel und Videotheken unsicher gemacht hat. Nach Arbeiten am Hollywood-Kitsch SPIEGLEIN, SPIEGLEIN (2012) mit der Roberts in der Hauptrolle sowie am Found-Footage-Ausflug EUROPA REPORT (2013) wollte sie wohl endlich mal etwas eigenes auf die Beine stellen. Mit HONEYMOON gibt JANIAK ihr Regiedebüt, das für ein Erstlingswerk auch noch beeindruckend souverän umgesetzt wurde, denn die Regisseurin schafft es mit ihrem ersten Langfilm ohne Weiteres, dem Zuschauer das Eheversprechen zu vermiesen.
 
HONEYMOON handelt von Bea (ROSE LESLIE) und Paul (HARRY TREADAWAY), die hier von zwei jungen und für Indie-Verhältnisse bemerkenswert talentierten Schauspielern verkörpert werden, deren Rollen nicht besser hätten besetzt werden können. Das Paar hat frisch geheiratet und will nun in einer Hütte im Wald die verdienten Flitterwochen verbringen. Bea hat hier im Ferienhaus der Eltern als Kind ziemlich viel Zeit verbracht und fühlt sich inmitten von Wäldern und Seen gleich wieder an die Kindheit zurückerinnert. Doch die trügerische Idylle führt bald zu einer Katastrophe. Als Bea eines Nachts unter mysteriösen Umständen verschwindet und vom Ehegatten Paul im Wald aufgelesen wird, nehmen die Dinge ihren Lauf. Erst sind es lapidare Erinnerungen, mit denen die Ehegattin nichts mehr anzufangen weiß. Später muss sie sich Namen und Geburtsdaten in hier Notizbuch kritzeln, damit sie sie nicht wieder vergießt. Als ihr dann auch noch die Lust am Beischlaf vergeht und sich seltsame Bisswunden am Oberschenken abzeichnen, will Paul nur noch eins: weg aus der Einöde und zurück in die Stadt. Leider sind die Autoschlüssel verschwunden und Bea scheint irgendwas vor ihrem Partner verheimlichen zu wollen, was das Vertrauen der frischgebackenen Eheleute auf eine harte Probe stellt und vor allem Paul an die Grenze zum Wahnsinn treibt.
 
Erstaunlich blutleer geht’s in HONEYMOON zu, denn JANIAK hat was zu erzählen, was in Zeiten trivialen Fast-Food-Horrors besonders hervorzuheben gilt. Statt Mord- und Totschlag hat die Regisseurin an einer eigenen Geschichte gefeilt, die nicht gleich mit der Tür ins Haus fällt und den Zuschauer lang im Dunkeln tappen lässt. Dabei lässt sich die Filmemacherin viel Zeit für die Entwicklung ihrer Helden, deren Beziehung aufgrund der rätselhaften Umstände zu zerbrechen droht. Die warm vertraute Liebelei zwischen den beiden Protagonisten schlägt nämlich bald in befremdliches Grauen um, denn Paul erkennt, dass seine eigentlich ihm vertraute Gattin wie ausgetauscht handelt und nicht mehr die selbe scheint, die er eigentlich geheiratet hat. Beth wirkt abweisend, ja fast schon verstört und ihre subtile Wandlung lässt anfangs viele Vermutungen offen, was wohl passiert sein könnte. Lang bleibt ungewiss, wohin HONEYMOON den Zuschauer führen wird, denn die Ursachen der Umstände lassen sich so schnell nicht erahnen. JANIAK zögert die Auflösung des Spuks bewusst weit hinaus, was dem Spannungsbogen des Films durchaus förderlich ist. Dabei gelingt es der Regieanfängerin eine unangenehm-bedrohliche Atmosphäre aufzubauen, die sie mit viel Geschick um ihre mysteriöse Geschichte webt. Schnell schlägt zuckersüßes Liebesgeschwätz in subtilen Hütten-Horror um, an dem selbst Body-Horror-Mitbegründer DAVID CRONENBERG (DIE FLIEGE, RABID) seinen Freude haben dürfte, schließlich wird das intensiv gespielte Kammerspiel im Finale um unangenehme Spezialeffekte ergänzt. Die sind zwar durchweg eklig anzuschauen, werden aber bewusst dezent eingesetzt, um das Treiben nicht im plumpen Schockeffekte-Gewitter zu ertränken.
 
Auch wenn das Ende im direkten Vergleich zur clever aufgebauten Geschichte etwas sehr trivial und unspektakulär daherkommt, hat Macherin LEIGH JANIAK mit ihrem Erstwerk eindrucksvoll bewiesen, dass auch Frauen das Zeug haben, sehenswerte Gruselschocker zu stricken. HONEYMOON ist spannend, atmosphärisch und dazu noch gut gespielt. Für einen Horrorfilm unverzichtbare Attribute, die man in vielen Genrewerken jüngeren Datums mit der Lupe suchen muss. Wir meinen: Sehenswerter Erstling und uneingeschränkt empfehlenswert!
 
 
 


 
 
 

HONEYMOON – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Subtiler Body-Horror an dem selbst CRONENBERG seine Freude haben dürfte. HONEYMOON ist ein ungemütlicher Ekel-Albtraum, der frischen Wind ins Horror-Genre bringt. So simpel die Geschichte, so bemerkenswert souverän ist die Umsetzung. Regisseurin LEIGH JANIAK hat hier ihren ersten Spielfilm gemacht und gleich einen Grusel-Hit gelandet. Ihr subtiles Kammerspiel setzt nicht auf plumpe Schockeffekte und blutreichen Splatter-Reigen. Stattdessen geht die Newcomerin psychologischer und atmosphärischer zugange und bebildert mit erstaunlich dramaturgischem Geschick und durch unangenehm-bedrohlichen Bilder den langsamen Zerfall einer eigentlich innigen Liebelei. Daher: Mysteriöser Zu-Hause-Horror par excellence, der sich nicht so einfach durchschauen lässt. Großartig!
 
 
 


 
 
 

HONEYMOON – Zensur

 
 
 
Außer etwas Blut, dass aus dem Geschlechtsteil von Protagonistin Beth tropft und einigen ekelhaften Schleimeffekten gibt es in HONEYMOON kaum nennenswerte Gewalt zu sehen. Der Fokus des Films liegt klar auf subtiles Grauen. Demnach hat HONEYMOON hierzulande die FSK unbeschadet mit FSK16 passiert.
 
 
 


 
 
 

HONEYMOON – Deutsche Blu-ray

 
 
 
honeymoon

(c) Mad Dimension

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Honeymoon; USA 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Originaltrailer und Trailershow

Release-Termin: 30.01.2015

 

Honeymoon [Blu-ray] ungeschnitten bei AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

HONEYMOON – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Thanatomorphose (2012)
 
Contracted (2013)
 
Alien Abduction (2014)
 
Die Fliege (1986)
 
Body Snatchers – Angriff der Körperfresser (1993)

Filmkritik: „Mr. Jones“ (2013)

Mr.-Jones-2013
 
 
 

MR. JONES

Story

 
 
 
Filmemacher Scott (JON FOSTER) ist mit seiner Freundin Penny (SARAH JONES) in den örtlichen Wäldern unterwegs. Man arbeitet an einer Naturdokumentation und ist miserabler Stimmung, da Penny einen lukrativen Job an den Nagel gehängt hat, um ihrem arbeitsblockierten Lover bei den Dreharbeiten zur Seite zu stehen. Es macht das allgemeine Befinden nicht besser, als Scott mitten im Forst Opfer eines Diebes wird und man sich auf die Suche nach den entwendeten Dingen machen muss. Die Schnitzeljagd durch den unangenehmen Wald führt die beiden zu einer verlassenen Hütte, Eigentümer der Mister Jones des Titels, ein äußerst öffentlichkeitsscheuer Kunstschaffender, der hier unheimliche Figürchen und Gegenstände hortet, die er willkürlich an ihm fremde Menschen sendet. Scott ist begeistert von der Aussicht auf eine Dokumentation über den ominösen Künstler und macht sich auf die Suche nach Betroffenen oder zumindest Zeugen dessen Existenz. Doch niemand hält all zu viel vom Plan, den Mystery Man zum Sujet einer Zurschaustellung vor breitem Publikum zu machen. Im Gegenteil – Warnungen werden ausgesprochen.
 
 
 


 
 
 

MR. JONES – Kritik

 
 
 
Regisseur KARL MUELLER unternimmt in seinem Langfilmdebüt ein interessantes Experiment. Er nimmt die Grundlagen des legendären Found-Footage-Ahnen THE BLAIR WITCH PROJECT, also die Urangst vor Dunkelheit und unbekannten Wäldern, angedeutete oder im Ansatz erklärte Lokalmythologie und kombiniert sie mit der surrealistischen Erzählweise eines DAVID LYNCH. Wie dieses große Vorbild bedient sich Mueller bei den Tempos und der Logik, wie sie der Zuschauer am ehesten im Horrorkino des eigenen Unterbewusstseins, gemeint ist der Alptraum, erfahren haben dürfte. Dazu kommen autobiographische Elemente wie Kindheitserinnerungen aus dem ländlichen Minnesota, einem Bundesstaat im amerikanischen Mittelwesten, der in seinen pastoralen Landschaften voller endloser Wälder und den namensgebenden „tausend“ Seen schon fast etwas nordeuropäisches hat. Das Bild der Waldhütte voller seltsamer Gegenstände und auch präparierter Tierkadaver konnte Mueller direkt von hier projizieren, war ihm doch ein Einsiedler bekannt, der in einem solchen Verschlag hauste. Realer Horror bietet noch immer noch den idealen Grundstock, ob für Mainstream-Reißer oder Independent-Kino. Dort vermutlich sogar noch stärker. Schauspielerisch macht MR. JONES eine Menge richtig. Die Besetzung übertreibt nicht, nimmt den Zuschauer so nahtlos mit in das Spannungsfeld zwischen Horror und Alptraum. Natürlich – aber das ist wohl klar – darf man sich auch diesen Film nicht auf Deutsch ansehen. Die Sychronfassung ist gewohnt grauenhaft. Die Interviewsegmente sind gelungen und stellenweise in ihrer nahe am bewunderten BLAIR WITCH PROJECT orientierten Stimmung authentischer als in vergleichbaren Genrebeiträgen. Den beliebten und doch weitestgehend überschätzten Psychiatrieschocker GRAVE ENCOUNTERS möchte ich hier zum Vergleich erwähnt haben. Was MR. JONES am eindeutigsten über das Gros der noch immer Beliebten Pseudorealitäts-Horrorfilme hebt, ist die erwähnte Beschäftigung mit der auf Bild gebannten Alptraumästhetik eines DAVID LYNCH.
 
 
 


 
 
 

MR. JONES – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Bildschweres Independent-Genrekino aus den verhexten Wäldern Nordamerikas. Als wenn das Gehölz von DAVID LYNCH’S TWIN PEAKS noch mehr schwarze Hütten zu bieten gehabt hätte als die Black Lodge.
 
 
 


 
 
 

MR. JONES – Zensur

 
 
 
MR. JONES ist ein subtiler Found-Footage-Streifen gänzlich ohne Blut und Gewalt. Die hiesige Filmfassung wurde daher von der FSK bereits Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben.
 
 
 


 
 
 

MR. JONES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Mr.-Jones-Blu-ray

(c) UNIVERSUM FILM

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Mr. Jones; USA 2013

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 – @24 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 84 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 29.08.2014

 

Mr. Jones [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

MR. JONES – Trailer

 
 


 
 

Christian Ladewig

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Possession of Michael King (2014)
 
The Devil Incarnate (2013)
 
Willow Creek (2013)
 
Afflicted (2013)
 
Absence (2013)
 
Apollo 18 (2011)
 

Filmkritik: „The Devil Incarnate“ (2013)

the-devil-incarnate-2013
 
 
 

THE DEVIL INCARNATE

(COPIII: THE 1ST ENTRY)

Story

 
 
 
Die Frischvermählten Holly und Trevor Davidson reisen für Ihre Flitterwochen nach Miami. Unterwegs machen sie in Cassadaga Halt, um sich dort von einer Hellseherin die Zukunft voraussagen zu lassen. Als sie einem Landstreicher begegnen, der wirres Zeug faselt und die beiden zur verrückten Vjestica lotst, nehmen die Ereignisse eine unerwartete Wendung: Holly ist plötzlich schwanger und das Familienglück nahezu perfekt. Leider ist die Freude nicht von langer Dauer, denn die werdende Mutter beginnt sich zu verändern und scheint dem Wahnsinn nahe zu sein …
 
 
 


 
 
 

THE DEVIL INCARNATE – Kritik

 
 
 
Nach der Zombie-, Folter-, Geister- und Found-Footage-Welle scheint es an der Zeit zu sein, ein neues Thema aus der Horror-Mottenkiste zu kramen, um es dann möglichst gewinnbringend zu Tode zu filmen. Lang mussten die Filmemacher hierfür nicht suchen, schließlich sind die besten Filmideen jene, die vor Jahrzehnten schon einmal die Kassen haben klingeln lassen. Der neue Trend im Horrorfilm nennt sich Okkultismus – ein Phänomen, das bereits in den 1970ern durch die Filmlandschaft geisterte und die Menschen scharenweise in die Lichtspielhäuser locken konnte, weil Themen wie die Wiedergeburt Satans, Besessenheit und Exorzismus faszinierten. Die Folge dessen waren Meilensteine des modernen Horrorkinos, die manchen kommenden Regisseur in seinem Schaffen beeinflussten. Ganz ähnlich dürfte es auch dem Nachwuchsregisseur L. GASTAVO COOPER ergangen sein, der sich für seinen THE DEVIL INCARNATE gleich mal bei zwei der ganz großen Klassiker jener Dekade bedient und rigoros beim EXORZIST (1973) und Polanskis ROSEMARIES BABY (1968) stibitzt hat, um daraus faden Budenzauber machen zu können. Ähnlich wie im Kino-Flop THE DEVIL’S DUE oder dem hier kürzlich besprochenem DELIVERY: THE BEAST WITHIN (2013) begleitet der Zuschauer ein frisch verheiratetes Paar durch die Höhen und Tiefen einer Schwangerschaft. Die frohe Kunde vom Nachwuchs entwickelt sich leider rasch zum Albtraum.
 
Eigentlich braucht man THE DEVIL INCARNATE nicht gesehen haben, um voraussagen zu können, was in diesem Okkult-Thriller passieren wird. Filmneuling L. GASTAVO COOPER arbeitet nämlich etwas arg verkrampft jene Klischees ab, die man nun mal in einem so gelagerten Horrorstreifen erwarten würde. Deja-vu-Momente am laufenden Band sind garantiert, wenn die schwangere Filmheldin seltsame Dinge tut, die Gleichgesinnte mit Nachwuchs im Bauch eigentlich niemals veranstalten würden. Erst sind es unkontrollierbare Wutausbrüche, die die werdende Mutter (GRACI CARLI) quälen. Später gesellen sich zu vulgären Gesten fremde Sprachen, die die Schwangere in der Badewanne vor sich her säuselt, und der Schwester des Gatten reichlich Gänsehaut beschert. Letztere ist in THE DEVIL INCARNATE Hauptidentifikationsfigur. Dank Wikipedia kommt sie dem Geheimnis um die verhaltensauffällige Schwägerin recht schnell auf die Schliche, die am Ende mit einem der wohl kürzesten Exorzismen der Filmgeschichte von ihrem Leid erlöst werden kann.
 
L. GASTAVO COOPER bedient sich für sein Erstwerk rumänischer Folklore, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht und von dem Pakt zwischen Alina Patkavior und einem Rachedämon erzählt. In der Legende von COPIII PIERDERE wird von der vergewaltigten Tochter einer Dorfhexe berichtet, die ihre ungewollte Leibesfrucht an einen Rachedämon verkauft, damit dieser die kaltblütige Tat rächt. Als der Dämon seine Belohnung einfordert und sich Alina nicht von ihrem Kind trennen möchte, wird sie daraufhin mit Unfruchtbarkeit bestraft, die sich in der Blutlinie der Familie fortsetzt. Durch ein blutiges Ritual kann die Strafe umgangen werden, das über Generationen in Rumänien als „Din Burta de Sarpe“ bekannt geworden wird. Auch wenn sich der rumänische Mythos so ziemlich reißerisch liest; in THE DEVIL INCARNATE ist von blutigen Ritualen und ausufernden Dämonentänzen weit und breit keine Spur. Stattdessen spult COOPER die überraschungsarme Geschichte ebenso geradlinig wie unspektakuläre ab, so dass dem Zuschauer die Augen ganz schnell schwer werden dürften. Immerhin beweist der Filmemacher technisches Geschick im Umgang mit der Kamera, denn sein THE DEVIL INCARNATE schaut manchmal sogar richtig atmosphärisch aus, obwohl COOPER nicht die Finger davon lassen kann, das längst überdrüssige Found-Footage-Stilmittel zu verwenden.
 
Identifikationsfigur Marissa Davidson (EMILY ROGERS) ist nämlich nicht nur heimlich in des Bruders attraktive Gemahlin verschossen, sondern filmt die Schwägerin bevorzugt mit der Handkamera, so dass schnell einige abnormale Verhaltensabläufe der Schwangeren auf Film festgehalten werden können. Die Übergänge zwischen den wackeligen Bilder der Digicam und dem herkömmlich gefilmten Filmmaterial verlaufen fließend und stören nicht. Trotzdem dürfen auch in THE DEVIL INCARNATE nicht jene Bildausfälle und Wackelattacken fehlen, die Zuschauer von Found-Footage-Filmen seit jeher in zwei Lager gespalten haben. Leider hat L. GASTAVO COOPER mit seinem ersten Langfilm, der auch unter COPIII: THE 1ST ENTRY sowie CURSED international vermarktet wird, keinen großen Wurf fabriziert. Dem Okkult-Grusler fehlen einfach jene spektakulären Schock- und Schreckmomente, die Filmen wie den legendären EXORZIST aus den 1970ern zum Welterfolg verholfen haben. Statt gut ausgetüftelten Spezialeffekten wird ausschließlich gequasselt und Horror auf Sparflamme geköchelt. Das wäre vermutlich auch alles gar kein Problem, würde THE DEVIL INCARNATE dem Okkult-Genre neue interessante Facetten durch frische Ideen einverleiben. Die sucht man jedoch zwischen all den üblichen Filmklischees vergebens. Daher sei THE DEVIL INCARNATE nur jenen Horrorfans empfohlen, die sich an Filmen wie ROSEMARIES BABY nicht satt sehen können. Wer spannende Unterhaltung sucht, ist hier an der falschen Adresse.
 
 
 


 
 
 

THE DEVIL INCARNATE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Atmosphärischer Okkult-Gruselstreifen in der Machart von ROSEMARIES BABY. Letzterem wurde vor einiger Zeit eine unnötige TV-Serie abgerungen, die quasi ebenso überflüssig ist, wie THE DEVIL INCARNATE. Während Okkult-Horror in den 1970ern noch mit sensationellen Spezialeffekten in die Kinos gebracht wurde, gehört dieses Debüt zu jenen Werken, die ganz uninspiriert jene Liste an Klischees abklappern, die dem Genre über Jahrzehnte zum Erfolg verholfen hat. Leider wirken die gängigen Regeln des Okkult-Horrors mittlerweile derart verbraucht, dass man mit klassisch geschusterten Exorzismus- und Besessenheitsflicks keinen Blumentopf mehr gewinnen kann. THE DEVIL INCARNATE macht Schwangerschafts-Terror zum Geduldsspiel. Nicht weil hier Suspense in Reinform geboten wird, sondern weil die vorhersehbare Handlung schläfrig macht. Auch wenn L. GASTAVO COOPER ab und an mal was Atmosphärisches auf die Mattscheibe bringt, ist sein Erstwerk kein Film den mal unbedingt gesehen haben muss. Die Defizite sind im Drehbuch zu suchen, an dem mal wieder viel zu viele Autoren gepinselt und den Brei verdorben haben. Warum man ausgerechnet zu dritt daran feilen musste, verursacht Unverständnis, denn THE DEVIL INCARNATE ist ein dünnes Horrorsüppchen ohne nennenswerte Höhepunkte. Da kann man nur die guten Darsteller bemitleiden, die für diesen unspektakulären Unsinn ihr Talent vergeudet haben. Daher: Handwerklich solider Horror aber nicht mehr!
 
 
 


 
 
 

THE DEVIL INCARNATE – Zensur

 
 
 
In THE DEVIL INCARNATE gibt es kaum Gewalt zu sehen. Da liegt ein toter Hund im Kinderbett und homoerotischer Badespass wird ebenfalls geboten. Für eine ungeschnittene FSK16 ist das vollkommen ausreichend.
 
 
 


 
 
 

THE DEVIL INCARNATE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Delivery: The Beast Within (2013)

Dark Circles (2013)

Hell Baby (2013)

Devil’s Due – Teufelsbrut (2014)

Rosemaries Baby (1968)

Die Wiege des Bösen (1974)

Unborn – Kind des Satans (1991)

Filmkritik: „Chrysalis“ (2014)

Chrysalis-2014
 
 
 

CHRYSALIS

Story

 
 
 
Ein Film, wie jeder x-beliebiger Weltuntergangsstreifen und am Ende wird man doch eines Besseren belehrt: Nach einer Terror-Katastrophe hat sich ein Virus freigesetzt, der die Menschen zu primitiven Kreaturen hat werden lassen. Einige noch nicht Infizierte versuchen zu überleben …
 
 
 


 
 
 

CHRYSALIS – Kritik

 
 
 
Ein weiteres post-apokalyptischen Weltuntergangsszenario bahnt sich seinen Weg in die Wohnzimmer. Wie so oft in derart Streifen wird der Mensch für die Vernichtung der eigenen Rasse zur Verantwortung gezogen, die entweder durch Naturkatastrophen oder Bio-Waffen in die Knie gezwungen wird. Im Horrordrama CHRYSALIS tragen letztere Schuld, die ein grausames Massensterben zur Folge haben und Menschen in wilde Kreaturen verwandeln. Man könnte meinen, Regisseur JOHN KLEIN habe hier nur ein weiteres, beliebiges Zombie-Spektakel auf Film gebannt, dem ist jedoch nicht so. Der Zuschauer bemerkt schnell, dass hier etwas anders ist als sonst. Die Macher waren darum bestrebt den Konventionen des modernen Zombie-Kinos den Rücken kehren zu wollen. Regisseur JOHN KLEIN betrachtet die Zombie-Thematik mit anderen Augen und lässt die Schlachtwerkzeuge im Keller. Die „Infizierten“ (so wie man sie im Film bezeichnet) werden hier nicht zur Freude des Zombiefans möglichst blutig in die ewigen Jagdgründe befördert. Stattdessen kommen die Protagonisten zu Wort, die von Macher JOHN KLEIN akribisch analysiert werden und sogar eine ernstzunehmende Charakterentwicklung erhalten. Für einen Zombiefilm mag eine derartige Vorgehensweise durchaus suspekt anmuten, konzentriert sich das Untoten-Genre seit jeher auf das grausame Ausradieren seiner fleischgeilen Filmkreaturen, denen nur ein Kopfschuss den Garaus machen kann. CHRYSALIS belehrt den Horrorfan eines Besseren und zeigt, dass eine Zombie-Geschichte auch ohne unnötiges Blutvergießen auskommen und dennoch packend unterhalten kann.
 
Der Streifen führt den Zuschauer ins Jahr 2038. Es ist Winter und ein Bio-Chemischer Terroranschlag hat beinahe die gesamte Menschheit ausgerottet und in aggressive Kreaturen verwandelt, die einen unstillbaren Hunger nach Menschenfleisch entwickelt haben. Doch ihr Untergang scheint längst besiegelt zu sein. Die Nahrungsgrundlage ist knapp geworden, was zu einem rasanten Massensterben unter den Infizierten führt und die Überlebenden hoffen lässt. Auch Joshua (Cole Simon) und Penelope (Sara Gorsky) bahnen sich ihren Weg durch eine sterbende Welt, stets darauf hoffend doch noch auf Überlebende zu stoßen, um die Zivilisation neu aufbauen zu können. Auf ihrer Suche nach Anschluss machen die beiden Bekanntschaft mit Abira (Tanya Thai McBride), die das Paar zu einer Gruppe Überlebender führen will. Doch der Weg dahin ist gefährlich und Abira hütet ein schreckliches Geheimnis, das die Reise vor unüberwindbare Herausforderungen stellt.
 
Manchmal zahlt sich Improvisationstalent aus. Macher JOHN KLEIN dürften nur wenig finanzielle Mittel zur Verfügung gestanden haben, damit er das interessante Drehbuch von BEN KURSTIN ansprechend adaptieren konnte. Letzterer erhielt die Inspiration zum Skript, als er durch eine kleine Stadt reiste, an der bereits der Zahn der Zeit nagte. Die Idee vom Verfall der Städte in einer Welt ohne Zivilisation fand er bei seinen Erkundungsstreifzügen durch das Kleinod so bewegend, dass er sich an den Schreibtisch setzte und seine Geschichte über Zerfall, Hoffnung und Neuanfang niederschrieb. KLEIN drehte in verfallenen Kirchen, verlassenen Lagerhallen sowie sanierungsbedürftige Altbauten und bewirkt dadurch maximales Grauen, das oftmals weitaus beunruhigender ist, als man es in manch teurem Zombie-Blockbuster zu sehen bekommt. Es bedarf nicht viel um erschütternde Weltuntergangsstimmung aufkommen zu lassen. Im Falle von CHRYSALIS sind es gut durchdachte, fast schon kränklich anmutende Bildkompositionen, die die gegenwärtige Situation in grau gefärbter Tristesse widerspiegeln. Der erschütternden Fäulnis werden starke Protagonisten gegenübergestellt, die trotz Niederlagen vehement für ihr Ziel kämpfen und den Neuanfang versinnbildlichen sollen. KLEIN hat das kleine Ensemble mit exzellenten Schauspielern besetzt, die der Geschichte eine emotionale Tiefe verleihen, wobei man lobend hervorheben sollte, dass die Charaktere überraschenderweise nicht den typischen Stereotypen entsprechen, die man sonst meist im Horrorfilm zu sehen bekommt. Die sympathische Charakterisierung hat aber auch so seine Tücken, schließlich nimmt sich CRYSALIS viel Zeit, um die Schicksale der Protagonisten zu beleuchten. Dass sich der Zuschauer mit den zugänglichen Helden rasch verbunden fühlt und am Ende mitfühlt, wenn KLEIN sie über die Klinge springen lässt, ist eine der wenigen Prämissen, die der Filmfreund in Kauf nehmen muss.
 
Während Penelope sich mit der Tatsache abfinden muss niemals Kinder bekommen zu können und sich mit ihrem Analphabetismus mehr schlecht als recht durchs Leben mogelt, hat Abira ganz andere Probleme. Sie wurde als Kind bereits mit dem Virus infiziert, hat aber überlebt. Seither wird sie rastlos von den Infizierten verfolgt, die der wackeren Kämpfernatur stets an den Fersen haften. Keine guten Voraussetzungen um zu überleben, sind doch all jene in permanenter Gefahr, die sich in Abiras unmittelbarer Nähe aufhalten. CRYSALIS, was hier gleichzusetzen ist mit „Evolution“, ist kein einfacher Film für Zwischendurch. Der Streifen thematisiert Urängste und setzt sich tiefgründig mit Themen wie Einsamkeit, Überlebenswillen und Zusammenhalt auseinander. Die Zombies sind leider nur Beiwerk, was Gorehound vermutlich gar nicht schmecken dürfte. Für die Splatter-Gemeinde wurde CHRYSALIS ohnehin nicht gemacht, vermittelt KLEIN den Anspruch auch ohne dumme Gewalt ernsthaft unterhalten zu wollen. Gelungen ist ihm das allemal, denn mit seinem zweiten Spielfilm verleiht er dem totgefilmten Zombie-Genre (welch nettes Wortspiel) endlich neue Facetten, die wieder Lust auf mehr Horrorstreifen dieser Art machen.
 
 
 


 
 
 

CHRYSALIS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Packend inszenierter Indie-Horror, der darauf wartet entdeckt zu werden. Regisseur JOHN KLEIN verknüpft in CHRYSALIS drei seiner Leidenschaften, nämlich die für Horrorfilme, Dramen und Filmen mit glaubhafter Charakterentwicklung. Die Symbiose seiner drei Vorlieben ist im Falle seines Zweitwerks eine erstaunlich runde Sache geworden, denn sein Horror-Drama glänzt mit spannendem Storyverlauf und gut durchdachtem Drehbuch. Das besticht durch Tiefe und Glaubwürdigkeit und distanziert sich sogar gänzlich vom übertriebenen Blutgematsche, das ja bekanntlich zum Zombie-Genre gehört, wie das Salz in die Suppe. Gewalt erhält in CHRYSALIS kaum Gewichtung und die vom Zerfall gezeichneten Kreaturen sind nur Beiwerk. Stattdessen konzentriert sich die gemächlich erzählte Geschichte fast gänzlich auf seine drei Protagonisten, die einander verstehen und unterstützen und sich durch eine Welt voller Gefahren kämpfen, ohne jedoch den Respekt vor den Infizierten zu verlieren, die schließlich einst auch Menschen gewesen sind. Für das Resultat darf man Drehbuchautor BEN KURSTIN und Regisseur JOHN KLEIN nur beglückwünschen. Das dynamische Duo hat einen der besten Weltuntergangs-Indies gedreht, den man in letzter Zeit gesehen hat – und das sogar noch mit überschaubaren Budget. Man darf gespannt sein, um welche Filmstoffe sie das Genre in Zukunft bereichern werden. Fakt ist: CHRYSALIS bringt frischen Wind in das totgefilmte Zombie-Genre und erhält von uns das seltene Prädikat „Geheimtipp“!
 
 
 


 
 
 

CHRYSALIS – Zensur

 
 
 
CHRYSALIS ist kein brutaler Film. Gewalt spielt sich wenn dann nur im Off ab und reduziert sich auf das Ende des Streifens. In Deutschland dürfte das für eine FSk16 reichen.
 
 
 


 
 
 

CHRYSALIS – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Attack of the Undead (2013)
 
Zombie Night (2014)

Antisocial (2013)
 
Open Grave (2013)
 
28 Days Later (2002)
 
28 Weeks Later (2007)
 
Crazies (1973)
 
The Crazies (2010)
 

Filmreview: „Beneath“ (2013)

beneath-2013
 
 
 

BENEATH – ABSTIEG IN DIE FINSTERNIS

Story

 
 
 
Nach einem Unfall ist eine Gruppe Bergleute Untertage von der Außenwelt abgeschottet und muss 72 Stunden auf Rettung warten. Die beklemmende Situation scheint jedoch noch das Beste zu sein, was ihnen an diesem Tag widerfahren ist, denn mit dem Einsturz wurde auch etwas Unheimliches freigelegt …
 
 
 


 
 
 

BENEATH – Kritik

 
 
 
Das Wort BENEATH scheint derzeit immer wieder Verwendung bei der Titelkreation von Horrorfilmen zu finden. Erst kürzlich haben wir einen Streifen mit gleichem Titel besprochen, der vom amerikanischen Horror-Kanal CHILLER in Produktion gegeben wurde und inhaltlich mit seiner Monsterfisch-Thematik jedoch eine ganz andere Richtung einschlägt. Gleiches gilt übrigens auch für den von DAGEN MERRILL inszenierten Mystery-Thriller, der von PARAMOUNT CLASSICS und MTV FILMS hergestellt und für eine lukrative DVD-Auswertung bereits im Jahr 2007 in die Händlerregale gebracht wurde. Der nun vorliegende BENEATH schmückt sich zwar mit gleichem Namen, ist jedoch im Unterschied zu den genannten Genre-Werken um Längen besser. Demnach sollte der interessierte Horrorfan Vorsicht walten lassen und beim Kauf darauf achten, dass er auch wirklich den richtigen BENEATH in den Einkaufskorb legt. Schließlich verliert man bei so vielen Filmen mit gleichem Schriftzug auf dem Cover schnell den Überblick.
 
In der Tiefe hört dich niemand schreien – mit einem derart reißerischen Untertitel hätte man vermutlich der Verwechslungsgefahr entgegenwirken und das Interesse der Zuschauer für sich gewinnen können, schließlich umschreibt der Slogan trefflich, was den verängstigten Protagonisten in BEN KETAIS Thriller passieren wird. Umso verwunderlicher, dass der Streifen, zumindest in seinem Herstellungsland, von solch werbewirksamen Floskeln absieht und ohne mediales Brimborium auf Heimkinomedium ausgewertet wurde. Eine durchaus mutige Entscheidung der Macher, hat sich doch Regisseur BEN KETAI mit der miserablen Video-Fortsetzung zu 30 DAYS OF NIGHT nicht gerade mit Ruhm bekleckert, so dass sein neuer Film BENEATH verständlicherweise mit eher gemischten Gefühlen von Fans erwartet werden dürfte. Allen Skeptikern zum Trotz darf man jedoch verlauten lassen, dass KETAI einen überraschend sehenswerten Film abgeliefert hat, der sich recht effektiv bei den menschlichen Urängsten bedient und die auch gleich zum Thema eines bemerkenswert guten Grusel-Trips gemacht hat.
 
Samantha Marsh (KELLY NOONAN) steigt in BENEATH zusammen mit ihrem Vater (ein erschreckend gealterter JEFF FAHEY) und dessen Arbeitskollegen hinab in ein dunkles Bergwerk, um einerseits den kränkelnden Papa an seinem letzten Arbeitstag noch einmal über die Schulter schauen zu können und um den übrigen Herrschaften zu beweisen, dass auch eine Rechtsanwältin in Extremsituationen ihren Mann stehen kann. Frauen am Arbeitsplatz bringen Unglück – eine Bergbauweisheit, die sich in BENEATH rasch bewahrheitet, denn während Bohrarbeiten im Inneren der Mine kommt es zu einem Unfall und die Gruppe wird verschüttet. Nun ist guter Rat teuer, denn bis Rettung eintrifft werden knapp 72 Stunden vergehen. Zeit, die die Überlebenden jedoch nicht haben, schließlich ist hier unten nicht nur der Sauerstoff knapp. Glaubt man den Legenden wurden in den 1920ern hier bereits schon einmal 19 Bergleute unter ähnlichen Umständen begraben. Leider konnten deren Überreste bis heute nicht ausfindig gemacht werden. Eine Tatsache, die den Verschütteten während ihres Überlebenskampfes nicht gerade förderlich ist, erkennen sie doch, dass mit dem Einsturz etwas Unheimliches befreit wurde.
 
Paranoia-Thriller oder Geister-Horror? So wirklich festlegen wollten sich die beiden Drehbuchautoren PATRICK DOODY und CHRIS VALENZIANO beim Schreiben vermutlich nicht. BENEATH ist nämlich einer dieser doppelbödigen Filme, deren Erklärung sich der Zuschauer selbst zusammenreimen muss. Die verschütteten Protagonisten müssen sich diversen Ängsten stellen. So werden die Charaktere nicht nur mit permanenter Sauerstoffknappheit konfrontiert. Zusätzliche Stressfaktoren wie Dunkelheit, Klaustrophobie und plötzlich auftretende Panikattacken erschweren den Kampf ums Überleben enorm. Nach körperlichem Stress folgt Realitätsverlust, der dafür sorgt, dass sich die Kumpels gegenseitig abschlachten, spielt ihnen doch die eigene Psyche gemeine Streiche. Dass die Paranoia durch die Legende von den verschollenen Bergarbeitern aus den 20ern nur unnötig vorangetrieben wird, dürfte nur logisch sein. Wer sich im Übrigen mit plausiblen Erklärungen schwer tut, darf sich natürlich auch gern seinen eigenen, paranormalen Erklärungsansatz zusammenwürfeln, denn auf Horror-Ebene funktioniert BENEATH genauso gut. So werden aus Wahnvorstellungen flink besessene Minenarbeiter, in deren Körper die Geister jener Bergleute geschlüpft sind, die vor fast 100 Jahren mehrere Meter unter der Erde einen grausamen Tod gefunden haben.
 
Regisseur BEN KETAI jongliert ganz selbstsicher mit Nervenkitzel und Gänsehaut. Das schwach beleuchtete Setting bewirkt zusammen mit einigen grotesk anmutenden Morphing-Effekten maximales Gruselfeeling und eine temporeich inszenierte Höhlen-Hatz (THE DESCENT lässt grüßen) macht aus BENEATH packend gewerkelte Gruselunterhaltung. KETAIS Überlebensfilm lässt sich in keine Schublade pressen. Die Tatsache, dass der Zuschauer keine Antworten auf dem Silbertablett serviert bekommt, macht BENEATH äußerst reizvoll. Und gerade der Umstand, dass Macher BEN KETAI den Zuschauer bis zum Abspann im Unklaren lässt, welche Richtung BENEATH nun einschlagen wird, sorgt dafür, dass der Spannungspegel konstant beibehalten werden kann. Leider stört mal wieder das „Alles total wahr“-Gequassel zu Beginn. Seit jedes zweite Horrorwerk mit dem „Inspiriert von“-Slogan um die Gunst der Käuferschar buhlt, geht einem als Horrorfan jene Vermarktungsstrategie gehörig auf den Zünder. Dennoch, sieht man von diesem kleinen Manko ab, ist BENEATH zweifelsohne beängstigend-klaustrophobisches Horror-Kino, das für einen schnellen Pulsschlag sorgen dürfte.
 
 
 


 
 
 

BENEATH – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Im Dunkeln ist gar nicht gut Munkeln. BENEATH ist klaustrophobischer Höhlen-Horror, der die Spannungsschraube minutiös fester dreht. Die menschlichen Urängste haben nun bereits schon unzählige Regisseure zum Thema ihrer Filme gemacht und nur wenigen von ihnen ist es in letzter Zeit gelungen Gruselstreifen in die Heimkinos zu bringen, die auch dem Zuschauer einiges abverlangt haben. Regisseur BEN KETAI hat nach 30 DAYS OF NIGHT: DARK DAYS endlich guten Horror gebastelt, der sich der Urangst-Problematik bedient und dennoch nicht zwingend im Horror-Bereich einzuordnen ist. Er überlässt dem Zuschauer nämlich selbst, in welche Schublade er BENEATH stecken möchte. Ob nun nur packender gedrehter Paranoia-Überlebens-Thriller oder unheimlich inszenierter Geister-Schocker – die Entscheidung fällt letztendlich der Horrorfan selbst. Fakt ist, dass BENEATH beidseitig funktioniert und 90 Minuten wohliges Schauern garantiert. Deshalb: Ein sehenswerter Horrortrip unter Tage.
 
 
 


 
 
 

BENEATH – Zensur

 
 
 
BENEATH ist kein Metzel-Feuerwerk für Splatter-Fans. Hier töten sich die Protagonisten selbst, wobei unklar bleibt, ob sie im Wahn handeln oder von Geistern besessen sind. Meist bekommt der Zuschauer jedoch nur das Ergebnisse deren Handelns zu Gesicht. Einige verstörende Morphing-Effekte verstärken das Grusel-Feeling. Der Film wurde ungeschnittenen ab FSK16 freigegeben.
 
 
 


 
 
 

BENEATH – Deutsche Blu-ray

 
 
 
beneath-blu-ray

(c) METEOR FILM

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Beneath; USA 2013

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover – Erstauflage im Schuber

Extras: Interviews, Drehvorbereitungen, Featurette „Die Neunzehn“, Newsreel, Teaser, Trailershowr

Release-Termin: 24.10.2014

 

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BENEATH – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Underneath (2013)
 
The Descent (2005)
 
The Cave (2005)
 
The Descent 2 (2009)
 
The Cavern – Abstieg ins Grauen (2005)
 
Underground – Tödliche Bestien (2011)
 
In Darkness We Fall (2014)
 

Filmreview: „The Visitant“ (2012)

the-visitant-(2012)
 
 
 

THE VISITANT

Story

 
 
 
Wenn Samantha (Janie Michele Simms) was Vernünftiges gelernt hätte, wäre ihr vermutlich einiges an Ärger erspart geblieben. Als Kunden prellende Wahrsagerin verdient sie sich ihren Lebensunterhalt in einem Vergnügungspark und gerät an eine Immobilienmaklerin, die ihr von den regelmäßigen Attacken eines wütenden Poltergeistes berichtet. Der hat aber scheinbar genug von seinem letzten Opfer und beginnt schon bald damit, die ahnungslose Samantha in ihrer Wohnung zu terrorisieren …
 
 
 


 
 
 

THE VISITANT – Kritik

 
 
 
Im Jahre 1982 brachte SIDNEY J. FURIE einen durchaus unangenehmen Dämonen-Spuk in die Lichtspielhäuser, der von einer Frau berichtete, die von einer unsichtbaren, dämonischen Präsenz terrorisiert wurde. Leider ist das auf angeblich wahre Begebenheiten beruhende Stück Terror-Kino mit dem Titel THE ENTITY heutzutage kaum einem Horrorfan mehr ein Begriff, was vermutlich daran liegen mag, dass Streifen wie THE CONJURING oder PARANORMAL ACTIVITY dem (jüngeren) Zuschauer das Nonplusultra vorgaukeln. Weitaus besser Geister- und Spukfilme gab es jedoch schon viel früher, wobei Klassiker wie DER UNHEIMLICHE GAST (1944), SCHLOSS DES SCHRECKENS (1961), BIS DAS BLUT GEFRIERT (1963), DAS GRAUEN (1980) oder POLTERGEIST (1982) zu den wohl wichtigsten Werken innerhalb des Spuk-Genres gehören und zumindest jeder aufgeschlossene Filmfreund mal auf dem Bildschirm gehabt haben sollte. Regisseur JOHN BINKOWSKI erweitert die lange Reihe an Geisterstreifen um sein Low-Budget-Ding THE VISITANT, das in seiner Machart dem genannten Terror-Flick THE ENTITY nicht unähnlich ist. Auch hier wird eine Protagonistin von einem bösartigen Poltergeist attackiert, der sein Opfer versucht in den Wahnsinn zu treiben. Hinter dem Spuk steckt die Produktionsfirma FWC PICTURES, die vom Regisseur persönlich mit ins Leben gerufen wurde und bereits vor einigen Jahren mit SCARE ZONE (2009) semierfolgreich versucht hat Horrorstoff an den Fan zu bringen. Leider ist auch der zweite Genre-Streich nicht Großes, denn wie bei Indie-Produktionen üblich, herrscht auch bei THE VISITANT Ebbe in der Kasse. Die Kulisse ist mager, Effekte sind bescheiden und die Gruselatmosphäre wird auf Sparflamme geköchelt.
 
Ähnlich wie bei THE ENTITY beruht die Geschichte des Gruseltrips auf Ereignisse, die sich so ähnlich zugetragen haben sollen, wie sie der Film beschreibt. Dennoch bleibt im Falle von THE VISTANT fraglich, ob die „wahre“ Grundlage nicht das Ergebnis eine doch sehr blühenden Phantasie gewesen ist, schließlich lässt sich ein Streifen mit Echtheitszertifikat auf dem Cover weitaus besser verkaufen, als manch fiktive Geschichte. So verriet Produzentin LISA ENOS SMITH in einem Interview, dass sie einige seltsame Ereignisse im Jahr 1999 sehr beunruhigt hätten. Die schreckhafte Dame musste für Recherchezwecke an Bord des ehemaligen Passagierschiffes Queen Mary reisen, von dem behauptet wird, dass es drin spuken soll. Kaum in die eigenen vier Wände zurückgekehrt wurde SMITH von einer unheimlichen Stimme verfolgt, die nicht nur dafür sorgte, dass die Milch im Tee saurer wurde, sondern jede Menge Schabernack im Haus veranstaltete. Ob nun wirklich passiert oder geschickt konstruierter PR-Schachzug sei mal dahingestellt. Fakt ist jedoch, dass sich SMITHS Geschichte (hier das Interview) weitaus spannender anhört, als THE VISITANT letztendlich geworden ist. Dabei beginnt und endet eigentlich alles so, wie man es sonst aus Kurzgeschichten der berüchtigten GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Serie kennt. Splatter und Cryptkeeper sucht man im Film zwar vergebens, dafür glänzt THE VISITANT wie einst die TV-Serie auch mit makabrem Ende und zwei gar nicht mal so uncharmanten Darstellerinnen, die den Zuschauer durch eine rudimentäre Handlung führen, die man gut und gerne auch in 30 Minuten hätte abhandeln können.
 
Doch wie füllt man eine Geistergeschichte, deren Inhalt sich in zwei Sätzen zusammenfassen lässt? Richtig, in dem man die Anleitung für Hobby-Spukmeister aus dem Internet lädt und den ohnehin dünnen Plot um die nervigsten Spukhaus-Klischees bereichert. So dürfen plötzlich zuschlagende Türen ebenso wenig fehlen, wie der Kontakt zum Toten mittels Seance. Die beste Freundin ist zwar immer per Telefon- und Skype-Konferenz zugegen, kann aber mit ihrem oftmals recht erheiterndem Mundwerk nicht verhindern, dass THE VISITANT ganz zäher Budenzauber bleibt. Während sich anfänglich nur Dinge bewegen, unheimliche Stimmen vernommen werden und sich Protagonistin Samantha durch unerklärliche Geräusche verunsichert fühlt, ändert der gemeine Poltergeist recht zügig seine Taktik und geht weitaus aggressiver zugange. Wie bereits im am Anfang genannten THE ENTITIY sind körperliche Angriffe die Folge, denen die naive Hausbewohnerin schutzlos ausgeliefert ist. Die ist wiederum alles andere als eingeschüchtert, schließlich vermutet Samantha in der bedrohlichen Präsenz den verstorbenen Ehegatten, der ein Jahr zuvor bei einem schweren Autounfall ums Leben gekommen ist. Auch wenn sich ein unerfreuliches Happy End nach reichlich Gepolter und falschen Wendungen nicht vermeiden lässt, wirkt die letztendliche Auslösung etwas sehr aufgesetzt und arg konstruiert. Das Finale wirkt unfertig und bricht abrupt ab, was darauf folgen lässt, dass sich Drehbuchautor und Regisseur JOHN BINKOWSKI unschlüssig war, wie seine Geschichte denn nun eigentlich abgeschlossen werden soll. Aufgrund der wenig überraschenden Inszenierung ist das aber auch nicht weiter tragisch, denn THE VISITANT ist ohnehin einer jener Filme, die das Spuk-Genre nicht gerade nachhaltig bereichern.
 
 
 


 
 
 

THE VISITANT – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Wer Filme wie POLTERGEIST, THE CONJURING oder PARANORMAL ACTIVITY gemocht hat, dürfte sich hier gut aufgehoben fühlen. Dennoch ist THE VISTIANT alles andere, als ein sehenswerter Spukstreifen, was vor allem an der überraschungsarmen Geschichte liegt, die man gut und gerne auch in Kurzfilmform hätte erzählen können. Der Zuschauer wird mit einer Menge Spuk-Klischees gequält, die zu einem reichlich konstruiert wirkenden und ziemlich abrupt endenden Abschluss führen. Auch wenn dem Filmfreund nicht unbemerkt bleibt, dass hier nur Mikro-Budget zur Verfügung gestanden hat, ist THE VISITANT einer jener Filme, deren Umsetzung nicht zwangsläufig hätte sein müssen. Das knappe Geld wäre anderweitig wohl besser investiert gewesen.
 
 
 


 
 
 

THE VISITANT – Zensur

 
 
 
THE VISITANT ist ein typischer Geisterfilm, ohne Blutzoll. Hier stirbt nur ein Hamster – das war`s. Der Film hat hierzulande eine FSK16 erhalten und ist ungeschnitten. Wer ausschließlich komplette Filme sammelt kann bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

THE VISITANT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) SchröderMedia HandelsgmbH

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Visitant; USA 2012

Genre: Horror, Thriller

Ton:Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Behind the Scenes

Release-Termin: 03.09.2015

 

The Visitant [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE VISITANT – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ghost of Goodnight Lane (2014)
 
The Quiet Ones (2014)
 
House of Dust (2013)
 
Der unheimliche Gast (1944)
 
Schloss des Schreckens (1961)
 
Bis das Blut gefriert (1963)
 
Das Grauen (1980)
 
Poltergeist (1982)