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Beiträge mit Schlagwort “Horror-Drama 2015

Filmkritik: „Decay“ (2015)

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DECAY

Story

 
 
 
Auch Außenseiter brauchen Liebe: Muttersöhnchen Jonathan (ROB ZABRECKY) kommt eines Tages nach Hause und entdeckt im Keller seines Hauses eine tote Frau. Statt die Polizei zu rufen, geht er eine sonderbare Liebesbeziehung mit dem leblosen Körper ein.

 
 
 


 
 
 

DECAY – Kritik

 
 
 
Wenn Filme von der Liebe berichten, dürften sich den meisten Horrorfans die Nackenhaare sträuben. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn im Grunde genommen sollen Horrorfilme in erster Linie Angst verursachen oder schlaflose Nächte bereiten. Mittlerweile haben sich jedoch so viele Subgenres innerhalb des Horrorfilm entwickelt, dass aufgeschlossenen Horrorfans nicht murren und sich auch auf Horror-Kitsch einlassen, der dann auch mal von ungewöhnlichen Liebeskonstellationen berichtet. Eine dieser sonderbaren Beziehungen wird in DECAY thematisiert. Für den speziellen Beitrag zeichnet Regie-Newcomer JOSEPH WARTNERCHANEY verantwortlich, der schon in jungen Jahren mit Horrorfilmen in Berührung kam – wenn auch auf unkonventionelle Weise. Weil ihm die Eltern das Schauen solcher Filme verboten hatten, schlich er sich immer mal wieder heimlich in den Flur, um dort nur den Streifen zu lauschen, welche in der Wohnstube über den Bildschirm flimmerten. Das entfachte die Phantasie des Heranwachsenden, der sich im Kopf ausmalte, was sich da wohl für furchtbare Dinge auf der Mattscheibe abspielen könnten. So soll die King-Verfilmung THE SHINING akustisch besonders geprägt haben. Auch die hat er an Kindertagen nie gesehen. Dafür hat das Lauschen derart Kopfkino verursacht, dass er sich als Erwachsener das Ziel setzte genau diese Film zu drehen, die er als Kind nie sehen durfte. Daraus resultiert die Idee zu DECAY, die – laut Wartnerchaney – angeblich auf wahren Begebenheiten beruhen soll.
 
 
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Hilfe, Herr Nachbar hat nekrophile Neigungen. Im Film geht es um Einzelgänger, Schlüsselsammler und Orchideen-Liebhaber Jonathan (ROB ZABRECKY). Der lebt allein im Haus seiner verstorbenen Mutter, fristet ein routiniertes Dasein und erlebt nicht viel. So verläuft der Tag nach stets gleichem Ablauf. Nur die Arbeit bringt etwas Abwechslung in den ewig gleichen Kreislauf, weil er sich dort stets neue Frauengeschichten seines Arbeitskollegen anhören muss. Doch das pedantisch durchgeplante Leben gerät völlig aus den Fugen, als zwei Frauen in sein Leben treten. Die brechen heimlich in den Keller des Hauses ein und werden vom Hauseigentümer während ihrer Erkundungstour überrascht. Die Eine kann fliehen, wird aber von einem Auto überfahren. Die Andere fällt im Keller unsanft und verletzt sich dabei tödlich. Statt jedoch die Polizei zu unterrichten, hat Jonathan ungewöhnliche Pläne. Zu letzterem Opfer beginnt er eine emotionale Bindung aufzubauen und versteckt den Körper in einer fahrbaren Kiste. Den hieft er jeden Tag in einen Rollstuhl, um mit der ersten Freundin täglich bei Kerzenschein Abendessen zu können. Leider halten tote Frauen nicht ewig. So setzen bald Verwesungsprozesse ein. Doch das ist noch das kleinere Übel. Je länger der Leichen-Casanova die Liebesbeziehung zu seiner Freundin aufrechterhält, umso gravierender verändert sich dessen Geisteszustand. Hat die Liebe etwas den Verstand vernebelt?
 
 
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Was sich hier liest, wie eine urkomische Parodie auf Liebesfilme, ist alles andere als das. Der Film ist weitaus ernster, als man vermuten würde und beschreibt das psychische Ungleichgewicht eines Mannes, dem bereits im Kindesalter eingetrichtert wurde, dass alle Frauen unrein und schlecht sind. So gerät das pedantisch geordnetes Leben des Eigenbrödler just genau dann aus den Fugen, als ausgerechnet eine dieser angeblich triebgesteuerten Geschöpfte in das Leben des noch frauenunerfahrenen Mannes tritt, vor denen die Mutter stets gewarnt hat. Das hat Chaos als Folge, denn der Kontakt zum weiblichen Geschlecht reanimiert Erlebnisse aus dem Unterbewusstsein, die besser dort hätten bleiben sollen. DECAY ist ein trauriges aber auch deprimierendes Psychogramm eines einsames und schizophrenen Menschen, der unter der Fuchtel einer autoritären Mutter leiden musste und demzufolge ein abnormales Verhältnis zu Frauen entwickelt hat. Erfahrene Zuschauer wissen, dass derart Erlebnisse meist den üblichen Werdegang mordgeiler Psychopathen in Horrorfilmen einläuten. Regisseur JOSEPH WARTNERCHANEY schlägt aber andere Richtung ein und hält bewusst Abstand von Klischees. Seine Figur ist kein skrupelloser Bösewicht, der Hass empfindet und morden will. Ganz im Gegenteil. Jonathan wird trotz Neurosen als gebeutelte Kreatur beschrieben, die letztendlich nur eines will: lieben und geliebt werden. Auch wenn in Kopf des Antihelden nicht immer alles richtig läuft, schließt man die ungewöhnliche Filmfigur mit all ihren Ticks ins Herz. Das macht DECAY interessant – vor allem beim Publikum, das sich gern abseits der üblichen Horrorpfade bewegt. Der Film ist mehr psychologisch durchdachtes Drama mit Hintergrund und weniger Genrefilm in dem Blut spritzen muss. Demzufolge ist DECAY gerade wegen des unkonventionellen Erforschens eines psychisch kranken Hirns einen Blick wert.
 
 
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DECAY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Rendevouz mit einer Leiche. Eine eigensinnige, aber sehenswerte Symbiose aus MANIAC, PSYCHO & NEKROMANTIK. DECAY ist ein ungewöhnlicher Horror-Beitrag, der offensichtlich klarstellen will, dass nicht jede schizophrene und jede in der Kindheit fehlgeleitete Seele unweigerlich auch zum Psychopathen mutieren muss. Der Antiheld in DECAY ist alles andere – nur nicht das. Der erlebt seinen ersten Frühling zwar mit einer Leiche; seine Erfahrungen mit der Liebe führen am Ende die Erkenntnis vor Augen, dass es manchmal doch besser ist, wenn man alleine bleibt. Regisseur JOSEPH WARTNERCHANEY erklärte in Interviews, dass bei ihm nicht die (angeblich von wahren Begebenheiten inspirierte) Geschichte zum Film Magengrummeln verursacht hat, sondern die Tatsache, dass wir oftmals nie wissen, was der gute Nachbar eigentlich hinter verschlossenen Türen treibt. Im Film frönt Figur Jonathan nicht nur seltsamen Hobbys, sondern ist auch psychisch alles andere als gesund. Trotz erschreckendem Leidensweg deklariert Macher JOSEPH WARTNERCHANEY seinen Antihelden nicht zum Bösewicht, sondern bewirkt Mitgefühl und Mitleid. Wer gern in kranke Köpfe schaut und deren Denkweisen ergründen möchte, ist bei DECAY gut aufgehoben, denn Wartnerchaney hat ein gut durchdachtes Drehbuch geschrieben, das weitestgehend von Horrorklischees Abstand hält. Gut gemacht.
 
 
 


 
 
 

DECAY – Zensur

 
 
 
DECAY ist eher ein psychologisches Horror-Drama, das in erster Linie die kranke Psyche eines einsamen Mannes erforscht. Viel brutales Material gibt es nicht zu sehen. Die Leiche wurde ansprechend geschminkt. Die Verwesungsstadien sehen reichlich unappetitlich aus. Zudem fallt eine junge Frau zu beginn unsanft auf den Kopf. Eine andere wird von einem Auto überfahren. Gegen Ende sticht der schizophrene Antiheld des Films auf eine seiner imaginären Persönlichkeiten ein. Sollte DECAY in Deutschland veröffentlicht werden, dürfte er problemlos eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DECAY – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Uncork’d Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Nekromantik (1987)
 
Nekromantik 2 (1991)
 
Psycho (1960)
 
Sado – Stoß das Tor zur Hölle auf (1979)
 

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Filmkritik: „Last Girl Standing“ (2015)

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LAST GIRL STANDING

Story

 
 
 

Eine junge Frau (Akasha Villalobos) erlebt nach einem Massaker an ihren Freunden die Hölle auf Erden. Als einzige Überlebende sieht sie sich fünf Jahre später mit gleichem Killer konfrontiert, der ihr einst alles genommen hat, was ihr lieb und heilig gewesen ist.

 
 
 


 
 
 

LAST GIRL STANDING – Kritik

 
 
 
Was passiert eigentlich mit Überlebenden von Horrorfilmen nach dem Abspann? Eine interessante Frage, mit der sich bisher noch kein Horrorfilm ernsthaft auseinandersetzen wollte. Zeit, dass sich jetzt Regisseur BENJAMNIN R. MOODY damit beschäftigt. Der hat bisher nur Kurzfilme und Folgen für TV-Serien gedreht und feiert mit LAST GIRL STANDING sozusagen sein Spielfilmdebüt, das von seiner Frau RACHEL MOODY gleich mitproduziert wurde. Entstanden ist ein ungewöhnliches Filmexperiment, das sich bei genauer Betrachtung als interessanter Mix aus Slasher und Drama entpuppt, weil er Regeln moderner Meuchelfilme geschickt auf den Kopf stellt und den Mut wagt, etwas Neues zu erzählen. So geht es gleich mit Trommel- und Paukenschlägen los. Regisseur BENJAMNIN R. MOODY geht es clever an und beginnt dort wo eigentlich Slasherfilme gewöhnlich enden. So sieht sich Filmheldin Camryn (Akasha Villalobos) gleich zu Beginn mit einem maskierten Killer konfrontiert, der bereits dutzende Menschen auf dem Gewissen hat und nun hinter der letzten Überlebenden her ist. Die weiß sich jedoch zu wehren und bringt den Serienmörder zu Strecke ohne zu ahnen, dass der eigentliche Horror erst nach ihrem Triumph über das Böse beginnen wird.
 
 
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Fünf Jahre nach den Ereignissen wird Camryn von den schrecklichen Erlebnissen des Massakers eingeholt. Sie arbeitet nun in einer Wäscherei und ist schwer gezeichnet. Trotzdem erhält sie Rückhalt von Arbeitskollegen und Vorgesetzten, die Verständnis für das psychische Ungleichgewicht der jungen Frau haben. Leider beginnt für die Heldin der Albtraum von Neuen, denn plötzlich ist das Böse wieder da. Der maskierte Killer heftet sich ein weiteres Mal an die Fersen der Überlebenden und scheint ein makabres Spiel mit seinem traumatisierten Opfer spielen zu wollen. Das beginnt allmählich den Verstand zu verlieren und sieht die Freunde in Gefahr. Doch, ist der Mörder wirklich zurück oder spielt die Psyche der Traumatisierten nur Streiche?
 
 
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Man sollte sich nicht vom amateurhaft zusammengeschnippelten Trailer im Anhang abschrecken lassen, denn LAST GIRL STANDING schaut – trotz Low-Budget-Status – besser aus, als man nach der Sichtung des Werbefilmchen vermuten würde. Das sind gute Voraussetzungen. Doch lohnt der etwas andere Slasher überhaupt gesehen zu werden? Wir meinen nur bedingt, denn trotz gutem Ansatz, hat LAST GIRL STANDING mit dem unausgegorenen Drehbuch und einem fehlenden Spannungsbogen zu kämpfen. Der Zuschauer begleitet eine von Qualen und Albträumen zerfressene Frau durch den Alltag, die ihr Leben offensichtlich nicht mehr auf die Reihe bekommt, weil Erlebtes prägt und nicht mehr loslassen kann. So sieht sich die Hauptprotagonistin von einem Killer verfolgt, den sie eigentlich vor Jahren in die ewigen Jagdgründe befördert hat. Um die Handlung voranzutreiben, beginnt Regisseur BENJAMNIN R. MOODY den Zuschauer taktisch zu verwirren. Der wird auf falsche Fährten gelockt und kann – wie die Filmheldin – bald nicht mehr differenzieren, ob der Killer im Film real ist oder nur der Gedankenkraft einer traumatisierten Frau entspringt. Leider wird das Verwirrspiel erschwert, weil die von AKASHA VILLALOBOS verkörperte Filmfigur keineswegs zugänglich ist. Das ist für einen Slasher unverzeihlich, weil das soganannte Final Girl gleichzeitig Identifikationsfigur für den Zuschauer sein soll. In LAST GIRL STANDING wirkt die Hauptdarstellerin nicht sonderlich sympathisch und ist nahezu im gesamten Film damit beschäftigt, wie ein verschrecktes Reh hektisch durch die Kulisse zu hetzen, weil sie meint vom ultimativ Bösen verfolgt zu werden. Das nervt spätestens nach der dritten Wievderholung, denn die künstlich heraufbeschworene Hektik soll den sonst eher behäbig erzählten Film von seiner Lethargie befreien.
 
 
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Immerhin gibt’s für die Gewaltfraktion was zu sehen. Nach dem zeigefreudigen Einstieg und einem deftigen Massaker, endet der Film quasi so wie er begonnen hat. Nach langer Warterei wird der Zuschauer kurz vor der Zielgeraden mit einem unvorbereiteten Twist konfrontiert, der zu Recht das Prädikat „Makaber“ tragen darf. Leider passt das reißerische und übertrieben blutige Finale nicht zum Rest des eher ernst erzählten Films, der seine Heldin immer weiter in den psychischen Abstieg treibt und es kurz vor dem Abspann nicht gut mit ihr meint. So gibt es in den letzten 15 Minuten harte Spezialeffekte zu sehen damit übertriebenes Töten zelebriert werden kann. Der ernste Tenor des Streifens wird dadurch zerstört, weil ausuferndes Blutgesudel eher unfreiwillig komisch wirkt. Zudem verliert das anfänglich aufgegriffene Thema von Traumverarbeitung und ihre Folgen an Bedeutung und wird stattdessen ins Absurdum getrieben. LAST GIRL STANDING wird die Geister scheiden, denn trotz der guten Idee dahinter harmoniert die Kombination aus Horror und Drama in diesem Fall nicht sonderlich gut. Etwas mehr Liebe im Detail und Feinschliff am Drehbuch hätte nicht geschadet.

 
 
 


 
 
 

LAST GIRL STANDING – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Mutiger Indie-Horrorfilm, der das Slasher-Genre versucht neu zu erfinden – aber irgendwie an der Unentschlossenheit scheitert, was er denn nun eigentlich sein möchte. So konfrontiert der Streifen den Zuschauer mit der Frage, was mit Überlebenden in Horrorfilmen nach dem Abspann passiert. Wo in den meisten Slasher-Streifen ein Happy End über die Mattscheibe flimmert, meint es LAST GIRL STANDING nicht sonderlich gut mit seiner Hauptfigur. Die hat nach dem Endkampf mit dem Bösen nichts zu lachen und leidet unter einem Trauma, das den Alltag der Überlebenden zur Hölle macht. LAST GIRL STANDING hat gute Ansätze, denn die etwas andere Betrachtungs- und Herangehensweise bringt neuen Wind in das mittlerweile nicht mehr ganz so frische Slasher-Genre. Dennoch ist das, was in LAST GIRL STANDING gezeigt wird nicht das Gelbe vom Ei. Der Film scheint sich nicht so recht entscheiden zu können, in welche Schublade er gesteckt werden möchte. So pendelt der Streifen unentschlossen zwischen erschütterndem Drama und deftigem Splatter-Horror, lässt die Hauptprotagonistin am seelischen Ungleichgewicht zerbrechen und gleichzeitig durch die blutige Slasher-Hölle gehen. Irgendwie passt das nicht zusammen. Weitaus problematischer sind die unvorbereiteten Gewalteskapaden. Während es der Film in der ersten Stunde versucht psychologisch durchdacht anzugehen, regnet es kurz vor der Zielgeraden Blut und Innereien. Weil’s zu viel des Guten ist, wirkt’s unfreiwillig komisch, denn der überzogene Gewaltrausch raubt dem Film die zuvor langsam aufgebaute (psychologische) Ernsthaftigkeit. Verflickst und zugenäht!
 
 
 


 
 
 

LAST GIRL STANDING – Zensur

 
 
 
Ja, im Prolog und im Finale geht es ziemlich rabiat zur Sache. Dabei werden allerhand Gegenstände durch menschliche Körper gejagt und gemordet, als gäbe es keinen Morgen mehr. Hierbei macht LAST GIRL STANDING dem Slasher alle Ehre. Auch wenn viele blutige Details gezeigt werden, darf man von einer ungeschnittenen Freigabe in Deutschland ausgehen – für Erwachsene versteht sich.
 
 
 


 
 
 

LAST GIRL STANDING – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Jinga Films und wurde vonn der Filmwebseite entnommen)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Final Girl (2014)

The Final Girls (2015)

Antisocial Behavior (2014)

The Babadook (2014)


Filmkritik: „Nina Forever“ (2015)

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NINA FOREVER

Story

 
 
 

Sonnenschein Nina ist hartnäckig, denn trotz Motorradunfall mit tödlichem Ausgang taucht sie als Geist auf, um Ex-Freund Rob zu überraschen. Der ist über den unangemeldeten Besucher überhaupt nicht erfreut, taucht die Verflossene immer dann auf, wenn er gerade Sex hat.

 
 
 


 
 
 

NINA FOREVER – Kritik

 
 
 
Wir von FILMCHECHER haben in der Vergangenheit schon reichlich sonderbares Zeug besprochen und sind immer wieder überrascht, dass es vor allem vielen Newcomern gelingt mit unkonventionellem Horrorfilmen für Furore zu sorgen. Das dürfte auch für NINA FOREVER gelten, der immerhin schon viele Kinogänger entzückt haben soll, die sich mit Vorliebe auf Filmfesten tummeln, auf denen absurde Kuriositäten fernab kommerziellem Kino-Blödsinns gezeigt werden. Aus England stammt genannter Indie-Hit, der sich – wie hätte es auch anders sein sollen – mit typisch britischem Humor einem Thema widmet, das wohl schon jeder in seinem Leben mehr oder weniger durchlebt haben dürfte. Der Streifen erzählt von Schwierigkeiten die Ex aus dem Kopf des Partners zu bekommen, der trotz neuem Liebesglück mit der alten Beziehung nicht endgültig abschließen kann. Entstanden ist ein morbides aber gleichzeitig melancholisches Kammerspiel, das sich irgendwo zwischen NEKROMANTIK und SPRING bewegt und trotz ernster Problematik mit allerhand Wortwitz für einige Schmunzler sorgt.
 
 
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NINA FOREVER handelt von der 19-jährigen Holly (ABIGAIL HARDINGHAM), die sich gerade zum Sanitäter ausbilden lässt und nebenbei in einem Supermarkt an der Kasse jobbt. Wie das Schicksal so will, lernt sie genau dort die erste, große Liebe kennen und landet prompt mit dem geheimnisvollen Rob (CIAN BARRY) im Bett. Leider endet das Schäferstündchen anders als erwartet, denn im Rausch der Triebe liegt plötzlich eine blutverschmierte Schönheit (FIONA O’SHAUGHNESSY) mit im Bett und beobachtet das Paar beim Liebesspiel. Nach anfänglicher Irritation klärt Rob auf. Bei der Frau handelt es sich um die Ex, die bei einem Motorradunfall ums Leben kam. Weil die Beziehung nie beendet wurde, erscheint die Tote immer dann, wenn sich der Liebste mit anderen Frauen vergnügt. Was anfänglich Probleme bereitet, wird bald zur Normalität. Weil die schüchterne Holly bis über beide Ohren verliebt ist, versucht sie mit der ungewöhnlichen Situation umzugehen. Leider stößt sie damit bald an ihre psychischen Grenzen.
 
 
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Eine Geschichte über Verlust, Trauer und dem (Nicht-)Loslassenkönnens. Hinter dem Horror-Drama stecken zwei Brüder, die mit ihrem Debütwerk eigene Erfahrungen verarbeiten, die als Inspirationsgrundlage gedient haben sollen. BEN und CHRIST BLAINE wollten nach eher erheiternden Kurzfilmen endlich mal einen Spielfilm machen, der eine andere Richtung einschlägt. Kurzum verknüpften sie Horror mit Humor und gewannen mit dem grotesken Genre-Mix auf einschlägigen Filmfestivals viele Preise. So wurde der Streifen auch auf dem FANTASY FILMFEST 2015 gezeigt, wo die schwarzhumorige Liebesromanze von Zuschauer gelobt wurde und sich innerhalb kürzester Zeit zum Indie-Geheimtipp entwickelte. Mit KICKSTARTER hatte alles angefangen. Wie wir bereits in einigen Kritiken zuvor mehrfach berichtet haben, ist die Finanzierung von Horrorfilmen durch Crowdfunding ein lohnendes Geschäft geworden. Auf Crowdfunding-Plattformen werden Zuschauer selbst zum Produzenten und spenden kleines Geld, damit interessante Filmprojekte gestartet werden können. Für viele Hobby-Regisseure ein interessantes Experiment, die nicht selten mit dem Publikum als Geldgeber den Sprung in die Liga nennenswerter Horrorfilmemacher geschafft haben.
 
 
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Wer aber meint, dass NINA FOREVER blutiges Splatter-Theater geworden ist, wird enttäuscht. Vielmehr ist NINA FOREVER eine mit Humor angereicherte, groteske Dreiecks-Geschichte, die dann doch mehr Drama ist, als blutrünstiger Horror. Statt Grausamkeiten zu bebildern, erforschen die beiden Regisseure die fragile Gefühlswelt ihrer Protagonisten und versehen die bizarre Handlung mit überraschend viel Tiefgang. Oftmals bleibt es wortkarg. Dafür sprechen Bilder Bände. So machen die Blaine-Brüder in Schlüsselsequenzen von Parallelmontagen Gebrauch, um die Verzweiflung zweier Menschen zu bekräftigen, die alle unternehmen, damit sie Vergangenes hinter sich lassen können. Leider hat auch NINA FOREVER mit einigen Problemchen zu kämpfen. Auch wenn die Idee zum Film originell ist und die Schauspieler für Low-Budget-Verhältnisse überzeugend agieren, stört ein wenig die unentschlossene Pendelei zwischen Ironie und Ernsthaftigkeit. Gerade dann, wenn der ohnehin gemächlich erzählte Streifen an Fahrt gewinnt wird der Erzählfluss durch Ninas schwarzhumorige Besuche ausgebremst. Zudem wirkt der Streifen gerade ab der Halbzeit ziellos und füllt die Handlung mit immer wieder gleichen Szenenverläufen – vermutlich damit Filmlänge erreicht werden kann. So sieht der Zuschauer stets gleiche Abläufe, in denen die Helden Sex haben und dabei von der zynisch plappernden Nina überrascht werden. Demzufolge braucht es knapp 90 Minuten, bis die Macher Stellung beziehen und zu einem Schluss kommen – auch wenn der nicht jedem Zuschauer zusagen dürfte.
 
 
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Nichtsdestotrotz sollte man NINA FOREVER eine Chance geben. Gerade wegen seiner unkonventionellen Machart und den hervorragenden Schauspielern dürfte der Film vor allem Liebhabern filmischer Kuriositäten Herzklopfen bescheren. Wer es deftig mag, sollte aber Abstand halten. Auch wenn NINA FOREVER einen übel zugerichteten Geist, viel nackte Haut und irritierende Sex-Szenen besitzt, die der Horror-Romanze einen nekrophilen Touch verleihen, bleiben harte Schauwerte aus. Das ist aber auch gut so, schließlich versuchen sich Filmemacher seit Jahren mit Filmgewalt zu überbieten, vergessen dabei aber gute Geschichten zu erzählen. Letztere hat NINA FOREVER definitiv. Horrorfans mit Anspruch und Vorliebe zum Arthaus dürfte das freuen.
 
 
 


 
 
 

NINA FOREVER – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Morbide, melancholisch, schwarzhumorig und absurd. Der etwas andere Liebesfilm, den man der Liebsten zum Valentinstag schenken kann. NINA FOREVER ist kurioses und unkonventionelles Nischenkino mit Ecken und Kanten, das vor allem Horrorfans mit Anspruch und Vorliebe zum Arthaus viel Freude bescheren wird. Ein zu Recht auf Filmfesten gefeierter Geheimtipp, dem man unbedingt eine Chance geben sollte.
 
 


 
 
 

NINA FOREVER – Zensur

 
 
 
Wegen der freizügigen Sexszenen wird NINA FOREVER eine FSK16 erhalten. Gewalt gibt es im Film bis auf eine verletzten Hand nicht zu sehen. Der Lebenssaft der gezeigt wird fließt aus der toten Nina heraus, die sich bei einem Motorradunfall schwer verletzt hat. Als Geist taucht sie immer wieder mit gleichem Unfallwunden auf und räkelt sich mit Vorliebe auf weißen Bettlaken, die das Filmpaar regelmäßig wechseln müssen.
 
 
 


 
 
 

NINA FOREVER – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegenb bei EPIC PICTURES GROUP)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Weg mit Ex (2014)
 
Life After Beth (2014)
 
Spring (2014)
 


Filmkritik: „The Fear of Darkness“ (2014)

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THE FEAR OF DARKNESS

Story

 
 
 

Psychopath oder paranormale Aktivitäten? In diesem australischen Mystery-Gähner untersucht Psychiaterin Sarah Faithful (Maeve Dermody) einen skurrilen Mord. Den soll Studentin Sky (Penelope Mitchell) begangen haben. Leider ist die starr vor Angst, weil die Frau Grausiges gesehen haben muss. Für die Nervenärztin keine einfache Patientin, schließlich ist die Schülerin fest davon überzeugt, dass sie nicht selbst gemordert hat, sondern ein Killer aus dem Reich der Schatten und Geister.

 
 
 


 
 
 

THE FEAR OF DARKNESS – Kritik

 
 
 
Ein weiterer Mysterythriller, der auf der immer noch sehr beliebten Welle jener Gruselfilme mitschwimmt, in denen paranormale Ereignisse im Mittelpunkt stehen. Diesmal sind Drogen im Spiel, die eine Studentin (PENELOPE MITCHELL aus DER FLUCH VON DOWNERS GROVE) an den Rand ihrer psychischen Kräfte treibt. Die wird für den Mord an einen Kommilitonen beschuldigt, dessen Leiche aber nicht gefunden werden kann. Weil die Beschuldigte wirres Zeug von übermenschlichen Kreaturen faselt wird eine Psychiaterin (MAEVE DERMODY aus dem Kroko-Horror BLACK WATER) zu Rate gezogen. Die durchforstet das Unterbewusstsein ihrer Patientin, um den Tathergang rekonstruieren zu können. Leider findet sie bei ihren Untersuchen keine plausiblen Antworten. So beginnt sie auf eigene Faust das Privatleben der verängstigten Mittzwanzigerin zu erforschen und stößt während der Ermittlungen auf eine heiße Spur.
 
 
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Von Geistern, Halluzinationen und psychisch gestörten Persönlichkeiten. THE FEAR OF DARKNESS ist keine leichte Abendunterhaltung, was in erster Linie nichts mit verstörenden oder gar grausam anzusehenden Bildabfolgen zu tun hat. Die gibt es hier nicht zu sehen. Stattdessen fordert der Film die vollste Aufmerksamkeit des Zuschauers, denn Geduld und Konzentration werden vorausgesetzt, um nicht die Orientierung zu verlieren. THE FEAR OF DARKNESS versucht zu verwirren, denn Regisseur und Drehbuchautor CHRISTOPHER FITCHETT ist bis kurz vorm Abspann darum bemüht, Lösungsansätze zu verschleiern. So bleibt lang ungeklärt, ob im Film wirklich Geister spuken oder sich Geisterwesen nur im Kopf einer psychisch kranken Frau manifestiert haben. Leider ist THE FEAR OF DARKNESS trotz psychologisch tiefgründiger Charakterstudie und erfahren agierenden Schauspielern kein nennenswerter Beitrag innerhalb des Genres. Das mag vor allem dem sehr langsamen Erzählstil zu schulden sein, der zwar Raum für Charakterentwicklungen zulässt, aber aus THE FEAR OF DARKNESS eine äußerst langweilige Angelegenheit macht. Umso bedauerlicher, dass ein nicht uninteressanter Twist verpufft, der zur Abwechslung mal wirklich das Etikett gelungen tragen darf, aber aufgrund des zähen Erzählflusses an Bedeutung verliert. Unterm Strich bleibt ein Mix aus Mystery, Grusel- und Drama übrig, der nur wenigen Gruselfans zusagen dürfte. Höhepunkte fehlen und gute Schocks bleiben auch aus. Wegen teils psychologischer und subtiler Angstmacherei sollten demnach nur Hardcore-Mysteryfans einen Blick riskieren.
 
 
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THE FEAR OF DARKNESS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Schleppendes Verwirrspiel oder besser: Viel Lärm um nix. Technisch solider Mix aus Psychothriller, Mystery- und Geisterfilm, der zwar menschliche Urängste zum Thema macht, aber unter quälend langsamen Erzählstil und zähen Dialogen zu leiden hat. Wer laute Schockmomente und bluttriefende Gewaltmomente in Genrefilmen voraussetzt, wird mit THE FEAR OF DARKNESS keinen Spaß haben. Die sucht man nämlich hier vergebens. Stattdessen wird viel gequasselt und auf falsche Fährten gelockt. Trotz gut gemeinte Absichten und netter Idee dahinter wird Gebotenes selbst Filmfans mit Anspruch auf eine harte Bewährungsprobe stellen. Die dürften trotz aufmerksamen Zuschauens so ihre Probleme mit dem Wachbleiben bekommen. Letztendlich ist das kein gutes Zeugnis für einen Regisseur, der das Publikum mit seinem Schaffen in Tiefschlaf versetzt. Vielleicht wmacht Regisseur CHRISTOPHER FITCHETT beim nächsten Film alles anders.
 
 


 
 
 

THE FEAR OF DARKNESS – Zensur

 
 
 
Gewalt hat Sendepause. THE FEAR OF DARKNESS hat keine Schauwerte zu bieten. Die reduzieren sich auf blutverschmierte Wände und dunkle Schatten, die des Öfteren vor der Kamera vorbeisausen. Eigentlich könnte THE FEAR OF DARKNESS ohne Probleme eine FSK12 erhalten. Weil der Film jedoch mit psychologischem Horror verwirren möchte und beunruhigende Atmosphäre besitzt, könnten 12jährige Probleme mit dem Einordnen und dem Verständnis bekommen. 16jährige sind da schon reifer. Demzufolge sollte man mit einer FSK16 rechnen.
 
 
 


 
 
 

THE FEAR OF DARKNESS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Psych:9 (2010)
 
Identität (2003)
 
The Ward (2010)
 


Filmkritik: „Deep Dark“ (2015)

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DEEP DARK

Story

 
 
 
Zwischen einem Loch in der Wand und einem talentlosen Künstler (Sean McGrath) entwickelt sich eine etwas andere Liebesbeziehung.

 
 
 


 
 
 

DEEP DARK – Kritik

 
 
 
Es ist immer wieder verblüffend zu sehen, welch mutige Horrorfilme fernab des Massenfilmmarkts gedreht werden. Wo große Filmstudios mit ausreichend Budget die immer gleichen Geschichten nach bekanntem Verlauf herstellen lassen und damit die Hirne nicht sonderlich anspruchsvoller Zuschauer vernebeln, erfreut es umso mehr die alteingesessenen Horrorfans, dass es auch anders geht. Indie-Horror hat 2015 mit originellen Ideen Kritiker überzeugt und Kassen klingeln lassen. So haben Filme wie ICH SEH ICH SEH, WE ARE STILL HERE und SPRING dem allmählich immer geistfreier werdenden Hollywood gezeigt, das es auch dem Publikum von Horrorfilmen nach Neuem dürstet. Originalität ist auch in DEEP DARK Programm. Regie-Newcomer MICHAEL MEDAGLIA kommt dem Wunsch vieler Genre-Fans nach und hat mit seinem Langfilmdebüt eine erfrischende und zugleich surreale Liebesgeschichte in unbequeme Bilder eingefangen, die auf Festivals genug Preise einheimsen konnte, weshalb sie daher auch auf Filmchecker Erwähnung finden soll.
 
 
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Der talentlose Künstler Hermann Haig (SEAN MCGRATH) hat kein einfaches Leben. Nicht nur, dass ihm kreative Gedankenblitze fehlen, um Kunst zu Geld machen zu können. Auch nötige Anerkennung für sein Tun bleibt aus, weshalb er den erfolgreichen Onkel kontaktiert und ihn um Hilfe bittet. Dieser schlägt vor weg vom Nest der Mutter in eines seiner Apartments zu ziehen, damit sich der selbsternannte Kunstexperte dort ungestört seiner Arbeit widmen kann. Leider entpuppt sich die teure Wohnung als heruntergekommene Absteige. Doch Hermann lässt sich nicht entmutigen. Fleißig baut er an Mobiles, um die Inhaberin einer Kunstagentur beeindrucken zu können. Die ist von den Arbeiten des Kunstschaffenden gar nicht begeistert und lässt den Künstler bald an sich selbst zweifeln. Da passiert Sonderbares: aus einem Loch in der Wand seines Apartments rankt ein Faden, an dem sich seltsame Zettelbotschaften befinden. Doch die seltsamen Notizen sind erst der Anfang. Bald dringt eine weibliche Stimme aus der Öffnung, die dem entmutigten Mieter der Wohnung einen Vorschlag unterbreitet. Sie verspricht Talent, Kreativität und Ruhm, wenn Hermann als Gegenleistung mit dem Loch Zeit verbringt. Der willigt ein und entwickelt schnell eine Gier nach Anerkennung. Als die Stimme des Lochs Gefühle für den Künstler entwickelt, überschlagen sich die Ereignisse und eine skurrile Dreiecksbeziehung führt zum Desaster.
 
 
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In einem Interview verriet Macher MICHAEL MEDAGLIA, dass der Grundstein zum Film bereits vor mehreren Jahren gelegt wurde. Zu jener Zeit hatte er Schwierigkeiten eine Balance zwischen beruflicher Karriere und Liebesleben zu finden. So erläuterte Medaglia in Gesprächen mit der Fachpresse, dass jene Szene des späteren Films eine der ersten Ideen des Regisseurs war, in der Filmfigur Herman an Fäden festgeknotete Botschaften aus einem Loch in der Wand zog. Nach einigen Kurzfilmen griff er jene Gedanken erneut auf, schrieb darum eine doppeldeutige Geschichte und entwickelte ein komplettes Drehbuch, das Medaglia dank spendabler Produzenten sogar selbst verfilmen durfte. Entstanden ist dabei nicht nur ein gesellschaftskritisches Filmdebüt über Erfolgssucht und Habgier. Die makabre und metaphernreiche Satire über das zwanghafte und eigennützige Streben nach Ruhm und Anerkennung erntete auf diversen Filmfesten vorwiegend positive Resonanz und dürfte MICHAEL MEDAGLIA manche Tür ins stark umkämpfte Filmgeschäft geöffnet haben. Der lies sich für DEEP DARK übrigens nicht nur von ROMAN POLANSKIES Psycho-Horror DER MIETER begeistern. Auch viele alte Universal-Monsterfilme der 1930er und 1940er lieferten nach Aussage des Regisseurs für das Loch in der Wand Inspiration. Wenn das kein Grund ist, dem ungewöhnlichen und doch sehenswerten DEEP DARK eine Chance zu geben. Der entpuppt sich neben IT FOLLOW und dem zu Unrecht von vielen Horrorfans in der Luft zerrissenem THE BABADOOK als einer der besten Indie-Horrorperlen, die das Jahr 2015 hervorgebracht hat. Nach ideenlosem Fortsetzungs-Horror kommerziell erfolgreicher Gruselfilme, sind solch sonderbare Horrorgeschichten wie DEEP DARK sie erzählt gefragter denn je. Schließlich bleiben die länger im Kopf, als überflüssige Pre- und Sequels von so Horrorstreifen, wie CONJURING, INSIDIOUS und Co.
 
 
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DEEP DARK – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
DEEP DARK ist bizarres Indie-Horrorkino, das man so garantiert noch nicht gesehen hat, schließlich kommt es nicht alle Tage vor – pornografische Filme ausgeschlossen – dass ein Mann mit einem Loch in der Wand eine Beziehung eingeht. Die auf Festivals ausgezeichnete Horrorsatire ist mal wieder auf dem Mist eines Regie-Newcomers gewachsen, der mit seiner ungewöhnlichen und zugleich makabren Geschichte an viele der schwarzhumorigen TALES FROM THE CRYPT-Episoden erinnert. Mit erhobenem Zeigefinger prangert er die Erfolgssucht der heutigen Gesellschaft an, die für Ruhm und Anerkennung sogar über Leichen geht. Dank guter Schauspieler, unerwarteter Wendung und bitterbösem Humor ist so eine etwas andere Liebesgeschichte entstanden, die auf jeden Fall am Ende die Interpretationsgabe des Zuschauers entfacht. DEEP DARK bleibt garantiert länger im Kopf, als manch ausgelutschter Horrorschinken aus Hollywood. Demzufolge meinen wir: Kompliment Herr Medaglia für diese ungewöhnliche Leistung und bitte drehen Sie mehr davon!
 
 
 


 
 
 

DEEP DARK – Zensur

 
 
 
DEEP DARK ist nicht sonderlich brutal. Einem Protagonisten wird der Darm aus dem Körper gezogen. Einem andere Charakter werden die Finger an beiden Händen abgetrennt. Hierzulande wird DEEP DARK demzufolge eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DEEP DARK – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Videodrome (1983)
 
Elmer (1988)
 


Filmkritik: „Anguish – Gequälte Seele“ (2015)

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ANGUISH – GEQUÄLTE SEELE

(ANGUISH)

Story

 
 
 
Der introvertierte Teenager Tess (Ryan Simpkins) erlebt nach dem Umzug ins neue Zuhause die Hölle auf Erden, denn in den neuen vier Wänden scheint etwas nicht mit rechten Dingen zuzugehen.

 
 
 


 
 
 

ANGUISH – Kritik

 
 
 
Bevor Unruhe entsteht, klären wir kurz auf. Der nun vorgestellte Streifen ist keine Neuverfilmung des bereits 1987 entstandenen Psychothriller ANGUISH, der hierzulande unter dem Titel IM AUGENBLICK DER ANGST vermarktet wurde. Produzent SONNY MALLHI geht andere Wege und versucht nicht mit Nervenkitzel und Psychospielchen zu unterhalten, sondern will gruseln und Gänsehaut verursachen. Dafür nimmt der Geldgeber diverser Genrefilme (darunter CRUSH, THE STRANGERS oder HOUSE AT THE END OF THE STREET) sogar selbst auf dem Regiestuhl platz und läutet mit ANGUISH gewissermaßen seine Regie-Karriere ein. Ungewohnt unkonventionell geht es in seinem Regiedebüt zugange, denn anders als die meisten seiner bisher produzierten Werke ist ANGUISH kein einfallsloser Mainstream-Streifen mit plakativer Effekthascherei. Vielmehr orientiert sich der Regieneuling am mutigen Independent-Kino der letzten Jahre (siehe: IT FOLLOWS), das sich einen Deut darum schert, sich den platten Regeln massentauglicher Horrorfilme zu unterwerfen. Stattdessen wird mit neuen Ideen und ungewohnter Inszenierung ein unwohles Bauchgefühl beschert – etwas, was man in vielen Schauerstreifen neueren Datums schmerzlich vermisst.
 
 
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Tess, ein junger Teenager ist psychisch instabil und leidet – so die Ärzte – seit Jahren an einer Identitätsstörung. Um den Alltag erträglich zu gestalten, schluckt die deshalb Pillen und bezieht mit der Mutter ein neues Zuhause, damit die kleine Familie Erlebtes hinter sich lassen und neu beginnen kann. Doch mit dem Umzug verschlimmern sich die Probleme. Das Mädchen beginnt plötzlich Stimmen zu hören und wird von unsichtbaren Kräften attackiert. Leider scheinen die Medikamente gegen die psychische Erkrankung nicht mehr zu wirken und das Verhalten des introvertierten Teenagers beginnt sich zu verändern. Sind da etwa höhere Mächte am Werk?
 
 
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ANGUISH ist nichts für Freunde hektisch geschnittener und rasant gefilmter Genrefilme. Regieanfänger SONNY MALLHI nimmt sich viel Zeit mit dem Erzählen seiner Geschichte und konzentriert sich ausschließlich auf seine verwirrte Filmheldin, die im Verlauf der Handlung von ruhelosen Kreaturen des Jenseits – um mal wieder zum Sinn des Filmtitels zurückzukommen – „gequält“ wird. Anders als anfänglich vermutet, leidet die geplagte Tess nicht unter psychischen Störungen, sondern wird von ruhelosen Geistern als Marionette benutzt, damit die weiterhin unter den Lebenden wandeln können. Die missbrauchen den Körper des Mädchens, um noch einmal von geliebten Menschen in den Arm genommen zu werden. Weil ANGUISH trotzdem immer noch im Horrorfach beheimatet ist, dürfte klar sein, dass nicht jeder Geist guter Dinge ist und auch böse Seelen die Gelegenheit nutzen, um im Diesseits Unfug treiben zu können.
 
 
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In ANGUISH wird der Begriff Langsamkeit im Horrorfilm neu definiert. Viel gesprochen wird nicht. Stattdessen lässt Macher SONNY MALLHI in erster Linie Bilder für sich sprechen und fängt diese mit gemächlichen Kamerafahrten ein. So sind oft lange statische Einstellungen von Gesichtern oder Situationen zu sehen, die es dem Zuschauer nicht nur erleichtern sich mit den verängstigten Figuren des Film zu identifizieren. Deprimierende Schicksale und Ängste der Protagonisten haben Vorrang und lassen ANGUSIH gerade der zermürbenden Atmosphäre wegen mehr nach beunruhigendem Drama erscheinen, statt furchteinflößendem Spukstreifen. Demzufolge ist Geisterthematik nur Nebensache, denn schnell leuchtet in diesem Regiedebüt ein, dass nicht rastlose Spukgestalten im Mittelpunkt stehen, sondern die Angst einer Mutter das eigene Kind zu verlieren – unter welchen Umständen auch immer.
 
 
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ANGUISH – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Außergewöhnliches Gruselkino für Zuschauer, denen es wichtig ist, dass sich Horrorfilme vom üblichen Genre-Brei abheben. Im unheimlichen ANGUISH (übersetzt: Qual) sucht man effekthascherische Momente vergebens. Regisseur SONNY MALLHI – der Produzent vieler massentauglicher Horrorstreifen – wollte einem Film ganz nach eigenem Geschmack und individuellen Vorstellungen drehen. Um alle Zügel selbst in der Hand halten zu können, fungierte er nicht nur als Produzent und Regisseur. Auch das Drehbuch wuchs auf seinem Mist und bringt das zum Ausdruck, vor was sich der Macher des Films am meisten fürchtet. ANGUISH überzeugt mit ungewohntem Inszenierungsstil, der vermutlich allen Mainstream-verwöhnten Horrorfans zu langsam sein dürfte. Statt reißerischen Budenzauber zu zelebrieren, geht es in ANGUISH eher gemächlich und depressiv zu. Der Fokus liegt in erster Linie auf Ängste und Emotionen der Filmfiguren. So geht jede der Protagonisten in ANGUISH durch die eigene Filmhölle. Mütter fürchten den Verlust ihrer Kinder und Heldin Tess hat Angst vor sich selbst und ihrem Umfeld. Entstanden ist mutiges und unkonventionelles Horrorkino mit Tiefgang, für das man Regisseur SONNY MALLHI an dieser Stelle dankbar sein sollte, schließlich muss man intelligentes und metapherreiches Horrorkino mittlerweile mit der Lupe suchen.
 
 
 


 
 
 

ANGUISH – Zensur

 
 
 
ANGUISH besitzt keine Schauwerte für Gore- und Splatterfans. Es gibt weder Gewalt noch Blut zu sehen. Eigentlich könnte der Streifen so demnach bereits für Zwölfjährige freigegeben werden. Aufgrund einiger verstörender Spukmomente hat der Streifen aber eine FSK16 erhalten.
 
 


 
 
 

ANGUISH – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Studio Hamburg Enterprises

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Anguish; USA 2015

Genre: Thriller, Horror, Drama

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080i)

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Keepcase mit Wechselcover und Schuber

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 08.05.2017

 

Anguish [Blu-ray] auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

ANGUISH – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei Studio Hamburg Enterprises)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
At the Devil’s Door (2014)
 
Echoes (2014)
 
The Entity (1982)
 


Filmkritik: „The Hive“ (2015)

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THE HIVE

Story

 
 
 
Von einem Jungen, der versucht sein Gedächtnis zurückzugewinnen. In einem Sommercamp ist der Supergau ausgebrochen. Campaufseher Adam hat Probleme zu rekonstruieren, was vorgefallen ist, denn er kann sich an nichts erinnern. Auf der Suche nach der eigenen Identität kommt er einem geheimnisvollen Virus auf die Schliche, der sich den Hirnen seiner Wirte bemächtigt hat.
 
 
 


 
 
 

THE HIVE – Kritik

 
 
 
EVIL DEAD trifft auf CABIN FEVER und MOMENTO. So zumindest lässt sich am besten beschreiben, was der Zuschauer vom neusten der mittlerweile unzähligen Viren-Schocker zu erwarten hat. Der ist mal wieder auf dem Mist eines ambitionierten Newcomers gewachsen ist, der den Sprung ins Horrorfach wittert. DAVID YAROVESKY nennt sich der Filmemacher, der dem Horrorgenre mit THE HIVE zwar Abwechslung bescheren möchte, aber nicht die Finger von postapokalyptischen Weltuntergangsszenarien lassen kann. Die sind vor allem im Zombiefilmen Programm, weil es aggressiven Killerviren immer wieder gelingt, die furchtlose Menschheit in die Knie zu zwingen. Ganz ähnlich macht’s auch THE HIVE. Hier wird ein Virus auf Menschen losgelassen, der sich in rasender Geschwindigkeit über den Erdball verbreitet und die Hirne seiner ahnungslosen Wirte manipuliert und miteinander verbindet. Das klingt vermutlich absolut schräg, verhilft dem Film über den Durchschnitt. Demzufolge geht Lob an den noch unbekannten Regisseur, der trotz kleinem Budget und bekannter Virusthematik doch mehr zu erzählen hat, als manch andere Viren- und Zombieheuler der letzten Jahre.
 
 
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Wenn ein künstlich kreierter Virus EVIL DEAD-Fans aufhorchen lässt: Macher DAVID YAROVESKY kopiert viel Grauen, was auch schon im Remake zum Splatter-Klassiker aus der Mache von SAM RAIMI funktioniert hat. So wird der Zuschauer in eine keimige Hütte entführt, in der sich infizierte Protagonisten eklig geschminkt vor den Angriffen ihrer Freunde in Acht nehmen müssen. Die verwandeln sich nach und nach in aggressive und dämonisch geifernde Furien, denen schwarzer Speichel aus den Mündern tropft. Keine Angst – zum ultrabrutalen Showdown kommt es hier jedoch nicht. Yarovesky will nicht splattern und unnötig Gewalt zelebrieren. Stattdessen entwickelt er eine Vorliebe für morbide Stimmung und intelligente Detektivarbeit, schließlich liegt der eigentlich Reiz von THE HIVE in der Art, wie der Film mit geschicktem Erzählstil den Virusausbruch in einem Sommercamp rekonstruieren möchte. So wird Spannung durch ungewohnte Erzählmechanismen aufgebaut, denn THE HIVE ist kein chronologisch erzählter Horrorfilm. Der Film wechselt permanent zwischen Zeitebenen und macht das ziemlich gut. So sieht sich Held Adam (GABRIEL BASSO) zu Beginn mit vielen Problemen konfrontiert, die anfänglich keinen Sinn ergeben wollen. Dessen Erinnerungen sind verschwommen und Leichen liegen zu seinen Füßen. Seine Aufgabe ist es zu analysieren, was geschehen ist. Mittels Visionen, Flashback und Rückblenden werden Fragen geklärt, so dass Stück für Stück entschlüsselt wird, welch Drama sich in der Hütte abgespielt hat.
 
 
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DAVID YAROVESKY legt ein bemerkenswertes Gespür für Körper-Horror an den Tag. Neben der unkonventionellen Art des Erzählens überzeugt der Neuling mit beachtlichen Make-up-Effekten, die in ihrer soliden Umsetzung reichlich verstörend wirken. So bekommt der Zuschauer diverse Stadien einer ominösen Krankheit zu sehen, die Menschen in willenlose Sklaven des Bösen umfunktionieren. Leider bleibt es bei schrecklich geschminkten Gesichtern und Körperteilen, denn blutiges Gemetzel bleibt aus. Das hat der Film auch gar nicht nötig, denn dank neuer Impulse, gelingt es Yarovesky dem mittlerweile totgefilmten Zombie- und Virusgenre so etwas wie frischen Wind einzuverleiben. Seine eigensinnige Interpretation dieser Art von Filmen lässt viele der semiprofessionellen B-Movies der letzten Jahre vergessen, schließlich schafft THE HIVE das Kunststück, dass er nahezu bis zum Ende undurchsichtig und deshalb richtig spannend bleibt. Da verzeiht man dem Streifen gern, dass er auf der Zielgerade dann doch etwas den Durchblick verliert und unter wirrer Inszenierung zu leiden hat. Aufmerksame Horrorliebhaber dürfte das jedoch kaum stören, schließlich dürften die darüber erfreut sein, endlich mal wieder im Genre geistig gefordert zu werden. Der etwas andere Erzählstil macht’s möglich.
 
 
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THE HIVE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
EVIL DEAD trifft auf CABIN FEVER und MOMENTO. Einmal mehr werden in einem Horrorfilm die Gefahren wissenschaftlicher Forschung und der gesellschaftlicher Zusammenbruch durch eine Virusplage in den Mittelpunkt gerückt. Viele alteingesessene Horrorfans dürften da schon zu gähnen beginnen. THE HIVE macht jedoch einiges anders, denn der Film geht andere Wege, als die meisten postapokalyptischen Zombie-Machwerke der letzten Jahre. Wie THE HIVE den Ausbruch einer seltsamen Krankheit an den Zuschauer bringen will, überzeugt. Hierfür nutzt Macher einen unkonventionellen Erzählstil, der in seiner Art ein wenig an den Mystery-Thriller MOMEMTO erinnert. Dort sorgte eine verdrehte und dennoch erfischende Erzählweise für reichlich Verwirrung und machte den Ausnahmethriller gerade deshalb zum Geheimtipp für Cineasten. THE HIVE ist ähnlich gestrickt, dürfte jedoch aufgrund Ekel-Make-ups dann doch mehr unter Horrorfilmjüngern Zuspruch ernten. Trotz wenig Geld: Kein übler Indie-Schocker
 
 


 
 
 

THE HIVE – Zensur

 
 
 
Wer glaubt, dass aufgrund des finsteren Trailers EVIL DEAD-artige Gewaltexzesse zelebriert werden, dürfte schnell enttäuscht werden. Auch wenn die Protagonisten von einer mysteriösen Krankheit infiziert werden – im Film selbst fließt kaum Blut. Der Film lebt von seiner undurchsichtigen Handlung und der zermürbenden Atmosphäre, die dank ekliger Make-up-Effekte zusätzlich verstärkt wird. Hierzulande dürfte THE HIVE problemlos eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 


 
 
 

THE HIVE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Evil Dead (2013)
 
Contracted: Phase II (2015)
 
Dead Within (2014)
 


Filmkritik: „Pay the Ghost“ (2015)

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PAY THE GHOST

Story

 
 
 
Auf der Suche nach dem verschwundenen Sohn, stößt Universitätsprofessor Mike Lawford auf den Geist einer wütenden Frau, die im 17. Jahrhundert als Hexe verbrannt wurde
 
 
 


 
 
 

PAY THE GHOST – Kritik

 
 
 
Verkehrte Welt: NICOLAS CAGE kämpft an der Seite von VERONICA FERRES gegen zornige Geisterfrau. Das mag dahingegen ungewöhnlich erscheinen, weil sich der bekannte Filmstar üblicherweise in Actionfilmen aus Hollywood blicken lässt. Von pompös ausgestatteter Hochglanzware ist PAY THE GHOST weit entfernt, denn dieser Gruselfilm musste mit kleinem Budget auskommen. Für Cage kein Problem. Nachdem in den Medien von finanziellen Schwierigkeiten berichtet wurde, nimmt der Altstar scheinbar alles an, um seine Schulden begleichen zu können. Dennoch kein Grund zur Sorge, denn das man auch mit geringem Kapital gutes Schreckmaterial herstellen kann, haben in der Vergangenheit viele Indie-Horrorfilme bewiesen. Weitaus mehr Sorgen bereitet stattdessen der Mann auf dem Regiestuhl. Der deutsche Fernseh- und Film-Regisseur ULI EDEL besitzt nur wenig Erfahrung im Drehen von Horrorfilmen und lieferte 1981 mit CHRISTIANE F. – WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO den wohl wichtigsten Film seiner bisherigen Karriere ab. Immerhin arbeitete er schon einmal an einer Folge GESCHICHTEN AUS DER GRUFT mit und konnte so erstmals Schauerluft schnuppern. Doch hat die kurze Exkursion ins Genre ausgereicht, um Jahrzehnte später einen guten Gruselstreifen zu drehen?
 
 
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Die anfänglichen Bedenken sind unbegründet. Regisseur ULI EDEL hat alles im Griff, gruselt nicht überragend – dafür solide. NICOLAS CAGE spielt hier Universitätsprofessor Mike Lawford, welcher der Karriere wegen des Öfteren mal wichtige Verabredungen mit dem Sohnemann verschwitzt. An Halloween soll alles anders werden. Ein Besuch auf dem Jahrmarkt soll die Beziehung zwischen Vater und Sohn auffrischen. Leider endet der Tag anders als erhofft. Sohn Charlie verschwindet spurlos und die Suche nach dem vermissten Kind treibt das Familienoberhaupt in Depressionen und Selbstzweifel. Doch Mike gibt die Hoffnung nicht auf. Er beginnt Nachforschungen anzustellen und findet heraus, dass in den letzten Jahren mehrere Kinder unter mysteriösen Umständen an Halloween verschwunden sind. Auf der Suche nach Antworten stößt er auf ein schreckliches Geheimnis, das ihm beinahe das Leben kosten wird.
 
 
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Eigentlich war anfänglich DENNIS ILIADIS (bekannt geworden mit dem Remake zu THE LAST HOUSE ON THE LEFT) für die Regie im Gespräch. Letztendlich überließ man das Zepter jedoch doch dem deutschen ULI EDEL. Der hat mit dem übernatürlichen Thriller nichts Besonderes geschaffen, unterhält aber immerhin kurzweilig. Der gebotene Horrorstoff ist nicht sonderlich originell. Alteingesessene dürften die Fährte relativ schnell widern, denn PAY THE GHOST orientiert sich in seiner Machart an Filmen wie WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN, MAMA oder DAS WAISENHAUS. Natürlich sind genannte Filme diesem Gruselausflug haushoch überlegen, denn sonderlich clever ist PAY THE GHOST nicht geschrieben. Was passieren wird, lässt sich relativ früh erahnen. So verläuft die Reise in die Welt der Schattenwesen nach bekanntem Muster für Geisterfilme, das zuletzt relativ erfolgreich im Remake zu POLTERGEIST oder INSIDIOUS Verwendung fand.
 
 
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NICOLAS CAGE reist aus Sorge in die Welt der Geister, um den Sohnemann zurückzuholen. Das passiert mit unausgereifter Computertechnik, die im Finale etwas unbeholfen über die Leinwand fegt, weil Kapital knapp gewesen war. Nötig wäre CGI mit Sicherheit nicht gewesen, denn PAY THE GHOST hätte auch gut ohne Pixel-Blödsinn funktioniert. So konzentriert sich Filmemacher ULI EDEL in der ersten Stunde gänzlich auf eine verzweifelte Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Die wurde Dank erfahrenen Leistungen von NICOLAUS CAGE bei weitem runder und glaubwürdiger in Szene gesetzt, als die effekthascherische Computerbrühe der letzten halbe Stunde. Dort hielt man es für nötig selbst Vögel computeranimieren zu müssen und „Superweib“ VERONICA FERRES als Besessene von den Toden auferstehen zu lassen. Trotz gut gemeinter Absichten wirkt’s leider unfreiwillig komisch.
 
 
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PAY THE GHOST – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
MAMA trifft auf INSIDIOUS – Unheimlicher und mysteriöser Ausflug in die Welt der Schatten und Geister. Wenn Väter in die Zwischenwelt reisen müssen, um ihr Kinder zurück nach Hause zu holen, klingt das verdächtig nach POLTERGEIST oder INSIDIOUS. PAY THE GHOST wurde nach ähnlichem Schema inszeniert und ist über weite Strecken mehr Drama statt Horror. Erst in der letzten halben Stunde wird Gänsehaut verursacht. Dann nämlich kommen vermehrt Computereffekte zum Einsatz, die des knappen Geldes wegen nicht sonderlich professionell anzuschauen sind. Immerhin unterhält dieser B-Grusler solide, was vor allem Superstar NICOLAS CAGE zu verdanken ist. Der muss den Zuschauer fast gänzlich allein durch eine dünne und austauschbare Geschichte führen, die trotz Vorhersehbarkeiten Dank erfahrenem Schauspiel solide unterhalten kann. PAY THE GHOST ist nichts, was lange im Gedächtnis bleibt. Schlecht ist der Film deswegen nicht unbedingt, weil Regisseur ULI EDEL weiß, wie man Spannung stetig steigern muss, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer für sich beanspruchen zu können. Wer eine Schwäche für Geisterfilme besitzt, ist demnach hier gut aufgehoben.
 
 


 
 
 

PAY THE GHOST – Zensur

 
 
 
Gewalt gibt es IN PAY THE GHOST kaum zu sehen. Ein Medium wird durch den Raum geschleudert und später in der Pathologie untersucht. Zudem bekommt man kurz vor Abspann Schauspielerin VERONICA FERRES von Stangen durchbohrt zu sehen. Ansonsten wird vornehmlich vom subtilen Angstmachen Gebrauch gemacht. Demzufolge hat PAY THE GHOST in Deutschland berechtigterweise nur eine FSK16 erhalten – selbstverständlich ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

PAY THE GHOST – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NEW KSM (Blu-ray im KeepCase)

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(c) NEW KSM (Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Pay the Ghost; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch (DTS-HD MA 5.1), Englisch (DTS-HD MA 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: FSK16

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | limitiertes Mediabook

Extras: Pay the Ghost – Behind the Scenes, Trailer, Bildergalerie | im Mediabook zusätzlich ein Booklet und eine zusätzliche DVD mit dem Film

Release-Termin: 28.04.2016

 

Pay the Ghost (Blu-ray) ungeschnitten auf AMAZON bestellen

Pay the Ghost (limitiertes Mediabook) ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

PAY THE GHOST – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

Die Rechte aller Grafiken in dieser Kritik liegen bei New KSM

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Poltergeist (1982)
 
Insidious (2010)
 
Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)
 
Das Waisenhaus (2007)
 
Der Fluch von Darkness Falls (2003)


Filmkritik: „Awaiting“ (2015)

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AWAITING

Story

 
 
 
Zu Besuch bei komischen Menschen: Anwalt Jake soll sich nach einem Autounfall kurz im Haus von Farmer Morris und dessen Tochter ausruhen. Leider bekommt der Gast schnell davon Wind, dass diese Familie eine Gefahr für jeden unangemeldeten Besucher ist.
 
 
 


 
 
 

AWAITING – Kritik

 
 
 
Blut ist dicker als Wasser – ein bedeutsames Sprichwort, das vor allem im Horrorfilm gern Verwendung findet. Dort ist es keine Seltenheit mehr, dass sich hinter der Fassade glücklicher Familien gern auch mal das Böse verstecken kann. Mit einer sehr speziellen Familie bekommt es der Zuschauer auch im Horror-Thriller AWAITING zu tun, in dem ganz unverfroren mit der Psychokeule geschwungen und dazu rigoros geschockt wird. Für den britischen Genrebeitrag zeichnet MARK MURPHY verantwortlich. Der hat zuvor hauptsächlich Drehbücher für britische TV-Serien geschrieben, die er als Regisseur auch gleich eigenhändig verfilmt hat. Mit AWAITING wechselt er quasi vom TV ins Kinofach über und bannt seine Leidenschaft zum Genre auf Zelluloid. Obwohl er damit Neuland betritt überrascht die souveräne Inszenierung, denn AWAITING ist zur Abwechslung kein Horrorfilm von der Stange. Regisseur MARK MURPHY erweist sich als talentierter Geschichtenerzähler, fesselt mit stetig wachsendem Spannungsbogen und geizt nicht mit blutigen Ideen. Letztere dürften der Gewaltfraktion zusagen. Die bekommt im Finale deftige Schauwerte geboten, welche in ihrer professionellen Machart schmerzhaft anzusehen sind.
 
 
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AWAITING erzählt die Geschichte des Anwalts Jake (RUPERT HILL). Der findet sich nach einem Autounfall im Haus von Farmbesitzer Morris (TONY CURRAN) und dessen attraktiven Tochter Lauren (DIANA VICKERS) wieder. Leider lebt man dort nach anderen Regeln. Nicht nur, dass Weihnachten im September gefeiert wird; Gast Jake stellt schnell fest, dass Vater und Tochter ein eher abnormales Verhältnis zueinander pflegen. Als der das Haus nach seiner Genesung verlassen möchte, nehmen die Dinge ihren Lauf. Vater Morris versucht alles daran zu tun, den aufmüpfigen Gast nicht gehen zu lassen. Das hat seine Gründe, denn das Familienoberhaupt behütet ein furchtbares Geheimnis von dem besser niemand erfahren sollte.
 
 
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Schön, dass es sie gibt! Diese kleinen fiesen Indie-Produktionen von denen man wenig erwartet und die letztendlich härter treffen, als Prominent besetzte und hochbudgetierte Dutzendware. Eine Spirale des Schreckens wird hier in Gang gesetzt, die nach und nach zum Vorschein bringt, was lang verborgenen gehalten wurde. Drei hervorragende Darsteller tragen das Horrorstück und glänzen mit beachtlichen Leistungen. Allen voran TONY CURRAN, der als hingebungsvoller Vater schnell offen legt, dass ihn ihm ein unberechenbarer Psychopath schlummert, dem jedes Mittel recht ist, um seine Familie zu schützen. Ihm steht RUPERT HILL als ahnungsloses Opfer gegenüber, der vehement versucht einen Keil zwischen seine Peiniger zu treiben, um einem morbiden Gefängnis entfliegen zu können. Schnell erreicht die Konfrontation ihren Höhepunkt und gipfelt in einem blutigen Albtraum, in dem Macher MARK MURPHY mit einem feinen Gespür fürs Makabre zeigt, wie einfach man dank des Computers menschliche Gliedmaßen verschwinden lassen kann. So wird mit Hilfe eine Gitarrensaite – tricktechnisch beachtlich – ein Fuß abgetrennt und lässt jene Szene aus SAW Revue passieren, in der sich Filmopfer CARY ELWES (TWISTER und SHADOW OF THE VAMPIRE) auf ähnliche Weise seines Fußes entledigen musste, um das eigene Leben retten zu können. Das ist zwar heftiger Tobak und nicht jedermanns Sache. Trotz unappetitlicher Szenen und überflüssiger Schlusspointe ist AWAITING unterm Strich weitaus besser als das, was man sonst im Horrorbereich vorgesetzt bekommt. Dafür darf man Regisseur MARK MURPHY an dieser Stelle Dank aussprechen.
 
 
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AWAITING – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
SAW meets MISERY: Wenn Menschen gegen ihren Willen gefangen gehalten werden und sich im Überlebenskampf ihrer Gliedmaßen abtrennen müssen. AWAITING gehört zweifelsohne zum Besten, was das Horror-Genre im Filmjahr 2015 hervorgebracht hat. Der Psychotrip überzeugt mit unbequemer Spannungsschraube, die Regisseur MARK MURPHY mit gnadenloser Härte minütlich fester dreht. In diesem Psychothriller wird ein vermeintlicher Rettungsversuch zur tödlichen Falle aus der es kein Entkommen gibt. Drei talentierte Schauspieler lassen die Situation eskalieren und sorgen dafür, dass AWAITING packend bis zum Schluss bleibt. Horror aus Großbritannien – hart, fesselnd und nicht so schnell zu durchschauen. Bitte mehr davon!
 
 


 
 
 

AWAITING – Zensur

 
 
 
Die gezeigte Gewalt im Film ist nicht ganz ohne. Vor allem im Finale geht es heftig zur Sache. Höhepunkt ist eine Szene in der ein Fuß mit einer Gitarrensaite abgetrennt wird. Die Kamera hält schonungslos drauf und protokolliert jedes Detail. Weiterhin gibt es einen Kopfschuss zu sehen, Äxte werden in Körper geschlagen und Arme mit einer Säge zurechtgestutzt. Hierzulande dürfte AWAITING deshalb erst für Erwachsene freigegeben werden. Wir rechnen mit: keine Jugendfreigabe.
 
 


 
 
 

AWAITING – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Harvest (2013)
 
American Gothic (1988)
 
The Strange Vengeance of Rosalie (1972)
 
Das düstere Haus (1965)


Filmkritik: „The Boy“ (2015)

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THE BOY

Story

 
 
 
Ein kleiner Junge findet einen ungewöhnlichen Draht zum Sensenmann und beginnt Menschen aus Lust am Töten zu ermorden.
 
 
 


 
 
 

THE BOY – Kritik

 
 
 
Wer fleißig auf FILMCHECKER liest, dürfte wohl schon mitbekommen haben, dass sich der amerikanische TV-Sender CHILLER zu einem Garanten für brauchbaren Horror mausert. Dank des hauseigenen Produktionsstudio CHILLER FILMS gab es in letzter Zeit abwechslungsreiches Genrekino zu sehen, das sich qualitativ schon längst von üblicher TV-Gruselei abgehoben hat. Nach DEEP IN THE DARKNESS und 5 SENSES OF FEAR haben sich die Jungs von CHILLER FILM mit dem Studio SPECTREVISION zusammengetan und an einem weiteren Film gewerkelt, der bereits auf Festivals viel Lob ernten konnte. Das ist im Grunde nichts Ungewöhnliches; würde da nicht im Zusammenhang der Name ELIJAH WOOD fallen. Dem gehört nämlich die Filmwerkstatt SPECTREVISION, die bereits mit Filmen wie A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT oder COOTIES sehenswerte Genrefilme hervorgebracht hat.
 
 
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Statt schonungslos Trash am Fließband zu fabrizieren, legt CHILLER FILMS Wert auf Klasse. Das gelingt dem Studio mit THE BOY ganz wunderbar – einem Psychothriller, der auf unbequeme Weise erläutert, wie gewissenlose Psychopathen geboren werden. Dabei scheint man auf den ersten Blick gar nicht zu vermuten, dass sich hinter dem unschuldigen Lächeln des neunjährigen Ted (hervorragend: JARED BREEZE) ein neuer NORMAN BATES verbirgt. Der lebt allein mit Vater (DAVID MORSE) und Kaninchen weit draußen in der Einöde, wo man zusammen ein marodes Motel an einem kaum befahrenen Highway betreibt. Kundschaft lässt auf sich warten, so dass sich der wortkarge Ted, völlig auf sich allein gestellt, die Zeit mit dem Aufsammeln überfahrener Tiere vertreiben muss. Doch die ewige Monotonie und die quälende Einsamkeit haben bald ein Ende. Nach einem Autounfall muss sich William Colby (RAINN WILSON) im Motel Noteinquartieren und findet schnell Draht zum minderjährigen Eigenbrötler. Zwischen den beiden entwickelt sich eine sonderbare Freundschaft, die dem Vater zum Dorn im Auge wird. Als der im Zimmer seines Sohnes Ersparnisse vorfindet und erkennt, dass der Junge schon seit längerer Zeit plant, seinen Vormund zu verlassen, nehmen die Dinge eine unerwartete Wendung.
 
 
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Psychologisches Grauen mit Anspruch – THE BOY ist keine grobe Schnetzelorgie. Der Film taucht tief ein in die Psyche eines schwerst fehlgeleiteten Jungen, der aus Einsamkeit Gefallen am (stillen) Töten entwickelt und in Momenten grenzenloser Wut Tiere quält und sogar Menschen auf dem Gewissen hat. Statt das grausame Vorgehen seines Antihelden grafisch zu unterstreichen, protokolliert CRAIG WILLIAM MACNEILL die Etappen der Verwandlung mit ruhiger Hand, nüchterner Bildsprache und langsamen Kamerafahrten. Das schwerfällige Tempo ist gewöhnungsbedürftig, zumal sich die knapp zwei Stunden lange Geschichte viel Zeit für Situation und Figuren nimmt, aber letztendlich nicht die eigentlichen Gründe der Psychopathenwerdung erforschen möchte. Denen dürfte wohl in zwei weiteren Filmen auf den Grund gegangen werden. Glaubt man den Plänen der Macher bildet THE BOY den Auftakt einer Trilogie. Die soll weitere Stadien der Kindheit eines angehenden Serienmörders beleuchten und ihren unberechenbaren Protagonisten im Alter von 9, 14 und 18 Jahren begleiten.
 
 
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Bleibt zu erwähnen, dass die Grundlage zum Film aus dem Roman MISS CORPUS des Schriftstellers CLAY MCLEOD CHAPMAN entwendet wurde. Das darin beinhaltete Kapitel THE HENLEY ROAD MOTEL wurde von Regisseur CRAIG WILLIAM MACNEILL im Jahr 2012 schon einmal in Form eines Kurzfilms adaptiert. Weil der auf dem SUNDANCE FILMFESTIVAL gut angenommen wurde, war eine Langversion die logische Konsequenz. Dennoch; Filmfans, die gerade aufgrund der reißerischen Thematik viel Mord und Totschlag erwarten, werden enttäuscht. Die Kamera blendet stets weg, wenn es unerträglich wird und blutige Schlachterei bleibt ohnehin aus. THE BOY ist ein deprimierendes Horrordrama mit gutem Hauptdarsteller und konsequentem Ende, das aufgrund der umfangreichen Laufzeit viel Geduld und Sitzfleisch voraussetzt.
 
 


 
 
 

THE BOY – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Schockierend, deprimierend und faszinierend zugleich. Klug inszenierter Psychotrip im Stile eines MANIAC, der dunkle Abgründe erforscht und den Zuschauer in den Kopf eines angehenden Killers entführt. THE BOY ist ein unbequemes und erschütterndes Horrordrama, das die Geschichte eines fehlgeleiteten Jungen erzählt, der aufgrund quälender Einsamkeit, fehlender sozialer Kontakte und der Monotonie des Alltags eine Vorliebe fürs Töten entwickelt. Der kontroverse Auftakt einer geplanten Trilogie zehrt von der Faszination des Unberechenbaren, das im Geiste eines vermeintlich gut erzogenen Jungen schlummert. Der lässt den Zuschauer wissen, dass in seiner eigenen, kleinen Welt alles etwas anders läuft, als in Köpfen gleichaltriger Buben. Viel Lob gebührt Jungdarsteller JARED BREEZE für seine herausragenden Leistungen. Viel zu erzählen hat er in seiner Rolle nicht und dennoch umgibt ihn eine allgegenwärtige Aura des Bösen. Wer eine Leidenschaft für das Reisen in Köpfe unberechenbarer Psychopathen besitzt, sollte sich THE BOY nicht entgehen lassen – auch wenn für dieses intensive, zweistündige Psychogramm viel Sitzfleisch vorausgesetzt wird.
 
 


 
 
 

THE BOY – Zensur

 
 
 
Wer glaubt, dass es in THE BOY heftig zur Sache geht – der irrt. Die Gewalt passiert im Off oder wird nur angedeutet. Wenige Szenen zeigen das Ergebnis der Gewaltausbrüche des kleinen Ted. Hierzulande darf man mit einer FSK16 rechnen.
 
 


 
 
 

THE BOY – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Headless (2015)
 
Discopath (2013)
 
Enter the Dangerous Mind (2013)
 
Hemorrhage (2012)
 
Simon Killer (2012)
 
Alexandre Aja´s Maniac (2012)
 
Magic Magic (2013)
 
The Harvest (2013)
 
Almost Mercy (2015)