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Beiträge mit Schlagwort “Horror-Thriller

Filmkritik: “Home Invasion” (2016)

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HOME INVASION

Story

 
 
 

Eine Mutter (Natasha Henstridge) wird mit ihrem pubertierenden Stiefsohn (Liam Dickinson) von drei Einbrechern zu Hause überrascht. Nun ist guter Rat teuer.

 
 
 


 
 
 

HOME INVASION – Kritik

 
 
 
Zu Hause ist es immer noch am schönsten – manchmal aber auch nicht. Letztere Erkenntnis muss NATASHA HENSTRIDGE in HOME INVASION machen, die nach der SPECIES-Trilogie endlich mal wieder in einem Film mitspielt, der auch beim Genrefan auf Interesse stoßen könnte. Die spielt im Film mit vielversprechendem Titel eine treusorgende Ehefrau, die sich zwar in einem riesigen Anwesen um die Erziehung von Stiefsohn Jacob kümmert, aber mit der Beziehung zum Kindesvater abgeschlossen hat, weil der ohnehin nur arbeiten ist. Weil das Haus irgendwo am Hintern der Welt gebaut wurde, wurde es vom Eigentümer mit teurer Überwachungstechnik ausgestattet, die jeden Winkel des Gebäudes erfassen kann. Leider scheint irgendwas Kostbares im Haus verborgen zu liegen, was das Interesse von drei Eindringlingen auf den Plan ruft. Die verschaffen sich maskiert Zutritt und besprühen Überwachungskameras mit Farbe. Doch Mutter Chloe weiß Rat. Sie kontaktiert jenes Sicherheitsunternehmen, das mit dem Bau der Überwachungstechnik beauftragt wurde. Das kennt versteckte Kameras im Haus, die von den Einbrechern nicht entdeckt wurden. Per Telefon lotst Sicherheitsmann Mike (JASON PATRIC) die Bewohner unentdeckt zum Ausgang des Hauses. Doch die ungebetenen Besucher wissen über Anwesenheit der Eigentümer bescheid und wollen Zeugen ausradieren. Sie läuten eine Jagd auf die Bewohner ein, haben aber nicht mit der List von Mutter Chloe gerechnet.
 
 
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Wenn ein angepriesener Thriller in Amerika mit PG-13 vermarktet wird, schwant dem horrorfilmbegeisterten Zuschauer nichts Gutes. Dass HOME INVASION auch noch aus der Feder von PETER SULLIVAN stammt, bestätigt Befürchtungen. Der zeichnet nämlich in erster Linie für Drehbücher zu unzähligen TV-Produktionen verantwortlich und hat viele dieser Filme auch gleich selbst produziert oder gedreht (darunter HIGH SCHOOL EXORCISM). Mit schweißtreibendem Überlebenshorror hat HOME INVASION demzufolge wenig am Hut. Vielmehr erweckt der Thriller den Eindruck, dass auch hier schnell was fürs amerikanische TV gedreht werden musste, damit Sendeplatz gefüllt werden kann. Als kleiner Sonntagabendsnack mag das ausreichen, im Gedächtnis kleben bleibt nichts, denn der Filmtitel weckt falsche Erwartungen. Wer hier grausames Quälen, perverses Demütigen oder kaltschnäuziges Rächen vermutet, liegt falsch. Vielmehr orientiert sich HOME INVASION in seiner Machart an den 2003 von DAVID FINCHER inszenierten PANIC ROOM in dem sich eine kleine Familie vor Einbrechern in einem Schutzraum verstecken musste. Was jedoch dort auf wenige Quadratmeter packend abgehandelt wurde, verpufft in HOME INVASION mangels Ideenreichtum. Hier flüchtet sich NATASHA HENSTRIDGE mit dem wenig talentierten Filmsohn LIAM DICKINSON von Versteck zu Versteck, während Einbrecher in Seelenruhe einen Tresor knacken wollen und dem Zuschauer nicht mitteilen wollen, was sich darin eigentlich befindet. Viel Tiefe erhält keiner der Anwesenden und Suspense wird auf Sparflamme geköchelt. Stattdessen scheint Henstridge reichlich unterfordert zu sein und winselt sich reichlich übertrieben durch einen Film mit dünnem Plot.
 
 
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HOME INVASION ist ein lustloser DTV-Thriller für zartbesaitete Hausfrauen, denen bereits bei TV-Sendungen wie AKTENZEICHEN XY…UNGELÖST das Herz vor Aufregung schnell schlägt. Aufgrund der vielen, harten Home-Invasion-Thriller der letzten Jahre entpuppt sich der von DAVID TENNANT inszenierte Schnarcher als unnötiger Zeiträuber, der Home-Invasion nach Schema F abhandelt aber gänzlich auf Unterhaltung für Erwachsene verzichtet. Zwar gibt am Ende kurzen Munitionshagel zu sehen; der zahme Racheakt, der mit fast schon zwanghafter Zurückhaltung über die Mattscheibe flimmert, macht keinen Horrorfan glücklich. Umso bedauerlicher, dass sich Actionstar SCOTT ADKINS (aus RE-KILL und UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING) verheizen lässt. Der ist in HOME INVASION der einzige Lichtblick und verkörpert darin einen der drei Bösewichte, der für sein Ziel sogar über Leichen geht. Adkins mutiert im Film schleichend zum gewissenlosen Killer, bekommt aber kaum die Möglichkeit gewissenlos zu sein. Sobald er sein wahres Gesicht zeigt, ereilt ihn auch schon der Filmtod. Enttäuschend!
 
 
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HOME INVASION – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein zahmer Mix aus THE CALL und PANIC ROOM, der trotz vielversprechendem Titel nicht das verspricht, was sich Horrorfans darunter erhofft haben. Wo HOME INVASION draufsteht, ist diesmal nicht Home-Invasion drin, denn dieser Zu-Hause-Horror ist eher was für Zuschauer, die nach Serien wie AKTENZEICHEN XY…UNGELÖST Probleme mit dem Einschlafen bekommen. Wer einen weiteren FUNNY GAMES vermutet, wird bitterlich enttäuscht werden, denn hinter HOME INVASION verbirgt sich ein zahmer Thriller, der besser im TV aufgehoben wäre und alteingesessene Horrorfans nur unnötig Zeit stibitzt.
 
 


 
 
 

HOME INVASION – Zensur

 
 
 
Die Gewalt reduziert sich ausschließlich auf kurze Schusswechsel, während denen Menschen sterben. Hart ist das nicht anzusehen, zumal man derart Szenen bereits nach 20 Uhr im TV zu sehen bekommt. HOME INVASION hat von der FSK problemlos eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

HOME INVASION – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) SONY PICTURES HOME ENTERTAINMENT (vorerst nur DVD only Release)

 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Home Invasion; USA 2016

Genre: Horror, Thriller, Krimi

Ton: Italienisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Polnisch, Hindi, Türkisch, Arabisch, Italienisch, Niederländisch

Bild: 1.77:1 (16:9)

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase (DVD)

Extras: Trailer

Release-Termin: 25.02.2016 (vorerst nur auf DVD)

 

Home Invasion (DVD) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

HOME INVASION – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Sony Pictures Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Home Invasion (2012)

Deadly Home (2015)

Panic Room (2003)


Filmkritik: “Francesca” (2015)

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FRANCESCA

Story

 
 
 
Ein Killer geht um. Kommissar Bruno Moretti (Luis Emilio Rodriguez) will eine mysteriöse Mordserie untersuchen und kommt einer grausamen Psychopathin auf die Schliche.

 
 
 


 
 
 

FRANCESCA – Kritik

 
 
 
Es mag da draußen ja immer noch (vermutlich jüngere) Horrorfans geben, die nicht wissen, was man unter sogenannten “Giallos”, korrekt „Gialli“, versteht. Hierbei handelt es sich in erster Linie um italienische Filme, die dem Thrillergenre zuzuordnen sind und in denen Serienkiller meist attraktive Frauen brutal ermorden, während die grausame Bluttat virtuos von der Kamera eingefangen wird. Das kunstvoll und spektakulär inszenierte Morden wurde in den 1960ern von Altmeister MARIO BAVA ins Leben gerufen und kam in den 70ern erst richtig in Mode. Leider war Anfang der 1980er – bis auf ein paar aufflackernde Ausnahmen – Schluss, weil Zombies, Kannibalen und Selbstjustiz-Heuler weitaus mehr Scheinchen in Kinokassen und Videotheken wehten, als die oftmals kryptisch erzählten Giallos aus den Schmieden von ARGENTO, TESSARI oder PRADEAUX. Auch wenn die Hochzeiten der Giallos bereits Jahrzehnte zurückliegen, erleben die kreativen Schlitzerfilme jüngst eine kleine Renaissance. Getreu dem Motto “Was früher gut war, kann heute nicht schlecht sein” lassen junge Filmemacher ein vergessenes Subgenre erneut aufleben, das vor einem halben Jahrhundert mal von deutschen Edgar-Wallace-Filmen beeinflusst wurde.
 
 
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Nach neueren Krimis, wie TULPA, AMER und misslungen Versuchen durch den müde gewordenen DARIO ARGENTO, den klassischen Giallo einer neuen Generation Zuschauer schmackhaft zu machen, geht es mit FRANCESCA weiter – einem Neo-Giallo, der auch noch im Ursprungsland der Filmgattung gedreht wurde: Italien. Darin wird von einer grausamen Mordserie berichtet, die die Polizei in Alarmbereitschaft versetzt. Die Taten tragen immer die gleiche Handschrift. So sind die Augen der Leichen mit Münzen bedeckt und rätselhafte Bekennerschreiben werfen Fragen auf. Weil der Mörder Handschuhe trägt, führen Ermittlungen zu keinem Erfolg. Doch Kommissar Bruno Moretti ist ein ausgefuchstes Schlitzohr. Dem kommt bald ein Fall in Erinnerung, bei dem eine Frau Jahre zuvor spurlos verschwand. Die hatte bereits als Kind nur Unsinn im Kopf und spielte bevorzugt mit spitzem Werkzeug. Erfahrene Leser dürften vermutlich schnell kombinieren können, denn bei besagter Frau handelt es sich, um die titelgebende Killerin.
 
 
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Netter, kleiner Genrefilm, der seine Liebhaber finden wird. FRANCESCA ist kein Horrorstreifen für jedermann. Vielmehr werden hier Zuschauer angesprochen, die mit DARIO ARGENTO, MARIO BAVA oder SERGIO MARTINO groß geworden sind und auch etwas anfangen können. FRANCESCA ist ein typischer Vertreter der Gattung Giallo, wie er bereits in den 1970ern über die Leinwand flimmerte. Das bedeutet, dass er nicht nur in seiner Machart an Filme dieses Jahrzehnts erinnert; Regisseur LUCIANO ONETTI suggeriert dem Zuschauer mittels kontrastreichen Bildern, schnellen Zooms und blasse Farben, dass er auch einen Film aus dieser Zeit zu sehen bekommt. Selbstverständlich ist FRANCESCA ein Werk neueren Datums. Trotzdem rückt jene Tatsache schnell in den Hintergrund, weil Onetti detailverliebt mit bekannten Stilmitteln experimentiert, die dem Giallo seinerzeit zum Erfolg verholfen haben. So gibt es nicht nur kunstvoll bebilderte Morde zu sehen, die von Synthesizer-Klängen begleitet werden; auch der behandschuhter Killer darf nicht fehlen, der seit Italo-Krimis – wie DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE – zum Hauptwiedererkennungsmerkmal vieler Gialli gehört.
 
 
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Auch wenn FRANCESCA das Herz aller Liebhaber dieser Filme schneller schlagen lässt, stört das zu krampfhafte Nacheifern bekannter Giallo-Größen dann doch ein wenig. Weil mehr Herzblut ins Visuelle investiert wurde, kommt die Geschichte zu kurz. Die wurde nach üblichem Genre-Konzept zusammengekritzelt und wirkt in Kombination mit der unkonventionellen Inszenierung für heutige Verhältnisse äußerst angestaubt, unbeholfen und hölzern. Sie wird – zumindest für unerfahrene Zuschauer – zur Geduldsprobe, weil das Spiel aus surreal anmutenden Einstellungen und ungewohnten Farben unnötig verwirrt und nicht gerade förderlich für den Spannungsaufbau ist. Aber auch in punkto Härte wäre mehr möglich gewesen. Der gebürtige Argentinier LUCIANO ONETTI zeigt zwar deftige Morde; vergleicht man aber den zelebrierenden Umgang mit Gewalt in vielen älteren Werken besagtem Subgenres, vermisst man den Mut der Klassiker, die mit zeigefreudigem Detailreichtum manch Sittenhüter um den Schlaf gebracht haben.
 
 
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FRANCESCA – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Der Giallo ist tot, es lebe der Giallo! Lang hat erwähntes Thriller-Subgenre das Dasein des Vergessenen gefristet. Das dürfte sich mit FRANCESCA nicht ändern, der sich dann durch Einsatz typischer Giallo-Stilmitteln an ein eher bewandertes Publikum richtet, die etwas mit dieser Art von Filmen anfangen können. Liebhaber kommerzieller Hochglanzproduktionen werden FRANCESCA als unsehbar abstempeln. Das ist auch kein Wunder, denn im kunstvoll zelebrierenden Morden kommt die Spannung ein wenig kurz. Zudem findet die Handlung auf einem Bierdeckel Platz, obwohl das Geschehen unermüdlich zwischen Zeitebenen und Ereignissen wechselt. Das ist so gewollt, denn Regisseur LUCIANO ONETTI huldigt bewusst engstirnig den vielen Giallo-Streifen der 70er. Liebhaber dieser Filmgattung werden die liebevolle Hommage des Filmemachers zu schätzen wissen. Die werden für knapp 80 Minuten in eine vertraute Welt jener Filme entführt, die dem heutigen Slasher zum Erfolg verholfen haben. Wer Action und Tempo benötigt, aber nix mit dem italienischen Horror-Zeitgeist der 70er anfangen kann, ist bei FRANCESCA an der falschen Adresse.
 
 
 


 
 
 

FRANCESCA – Zensur

 
 
 
FRANCESCA hat es ungeschnitten nach Deutschland geschafft. Im Vergleich zu vielen früheren Giallos ist das schon beachtlich, denn viele der alten Schlitzerfilme stehen hierzulande wegen ihrer detailfreudigen Zurschaustellung von Gewalt immer noch auf dem Index. FRANCESCA kann auf DVD und im Mediabook gekauft werden. Beides besitzt den roten FSK-Flatschen: Keine Jugendfreigabe. Eine Einzelveröffentlichung auf Blu-ray kann derzeit noch nicht gekauft werden. Ein Release ist aber geplant.
 
 
 


 
 
 

FRANCESCA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Mad Dimension (KeepCase DVD)

 
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(c) Mad Dimension (limitiertes Mediabook mit DVD und BD – limitiert auf 3500 Stück)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Francesca; Argentinien, Italien 2015

Genre: Horror, Thriller, Krimi

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Italienisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 80 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase (DVD) | Mediabook (BD+DVD) | KeepCase (BD) – ist geplant

Extras: Interview, Behind the Scenes, Hidden Scene, Deleted Scene Trailer zum Film, Trailershow | Zusätzlich im Mediabook: 20-seitiger Buchteil mit einem Text von Nando Rohner,

Release-Termin: 29.01.2016 (DVD KeepCase) | 29.01.2016 (Mediabook) | 01.04.2016 (BD KeepCase) – ist geplant |

 

Francesca [DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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FRANCESCA – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

Die Rechte aller für die Review verwendeten Bilder liegen bei MAD DIMENSION

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sonno Profondo (2013)

Eyes of Crystal – Die Angst in deinen Augen (2004)

Amer – Die dunkle Seite Deiner Träume (2009)

Sleepless (2001)


Filmkritik: “The Fear of Darkness” (2014)

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THE FEAR OF DARKNESS

Story

 
 
 

Psychopath oder paranormale Aktivitäten? In diesem australischen Mystery-Gähner untersucht Psychiaterin Sarah Faithful (Maeve Dermody) einen skurrilen Mord. Den soll Studentin Sky (Penelope Mitchell) begangen haben. Leider ist die starr vor Angst, weil die Frau Grausiges gesehen haben muss. Für die Nervenärztin keine einfache Patientin, schließlich ist die Schülerin fest davon überzeugt, dass sie nicht selbst gemordert hat, sondern ein Killer aus dem Reich der Schatten und Geister.

 
 
 


 
 
 

THE FEAR OF DARKNESS – Kritik

 
 
 
Ein weiterer Mysterythriller, der auf der immer noch sehr beliebten Welle jener Gruselfilme mitschwimmt, in denen paranormale Ereignisse im Mittelpunkt stehen. Diesmal sind Drogen im Spiel, die eine Studentin (PENELOPE MITCHELL aus DER FLUCH VON DOWNERS GROVE) an den Rand ihrer psychischen Kräfte treibt. Die wird für den Mord an einen Kommilitonen beschuldigt, dessen Leiche aber nicht gefunden werden kann. Weil die Beschuldigte wirres Zeug von übermenschlichen Kreaturen faselt wird eine Psychiaterin (MAEVE DERMODY aus dem Kroko-Horror BLACK WATER) zu Rate gezogen. Die durchforstet das Unterbewusstsein ihrer Patientin, um den Tathergang rekonstruieren zu können. Leider findet sie bei ihren Untersuchen keine plausiblen Antworten. So beginnt sie auf eigene Faust das Privatleben der verängstigten Mittzwanzigerin zu erforschen und stößt während der Ermittlungen auf eine heiße Spur.
 
 
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Von Geistern, Halluzinationen und psychisch gestörten Persönlichkeiten. THE FEAR OF DARKNESS ist keine leichte Abendunterhaltung, was in erster Linie nichts mit verstörenden oder gar grausam anzusehenden Bildabfolgen zu tun hat. Die gibt es hier nicht zu sehen. Stattdessen fordert der Film die vollste Aufmerksamkeit des Zuschauers, denn Geduld und Konzentration werden vorausgesetzt, um nicht die Orientierung zu verlieren. THE FEAR OF DARKNESS versucht zu verwirren, denn Regisseur und Drehbuchautor CHRISTOPHER FITCHETT ist bis kurz vorm Abspann darum bemüht, Lösungsansätze zu verschleiern. So bleibt lang ungeklärt, ob im Film wirklich Geister spuken oder sich Geisterwesen nur im Kopf einer psychisch kranken Frau manifestiert haben. Leider ist THE FEAR OF DARKNESS trotz psychologisch tiefgründiger Charakterstudie und erfahren agierenden Schauspielern kein nennenswerter Beitrag innerhalb des Genres. Das mag vor allem dem sehr langsamen Erzählstil zu schulden sein, der zwar Raum für Charakterentwicklungen zulässt, aber aus THE FEAR OF DARKNESS eine äußerst langweilige Angelegenheit macht. Umso bedauerlicher, dass ein nicht uninteressanter Twist verpufft, der zur Abwechslung mal wirklich das Etikett gelungen tragen darf, aber aufgrund des zähen Erzählflusses an Bedeutung verliert. Unterm Strich bleibt ein Mix aus Mystery, Grusel- und Drama übrig, der nur wenigen Gruselfans zusagen dürfte. Höhepunkte fehlen und gute Schocks bleiben auch aus. Wegen teils psychologischer und subtiler Angstmacherei sollten demnach nur Hardcore-Mysteryfans einen Blick riskieren.
 
 
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THE FEAR OF DARKNESS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Schleppendes Verwirrspiel oder besser: Viel Lärm um nix. Technisch solider Mix aus Psychothriller, Mystery- und Geisterfilm, der zwar menschliche Urängste zum Thema macht, aber unter quälend langsamen Erzählstil und zähen Dialogen zu leiden hat. Wer laute Schockmomente und bluttriefende Gewaltmomente in Genrefilmen voraussetzt, wird mit THE FEAR OF DARKNESS keinen Spaß haben. Die sucht man nämlich hier vergebens. Stattdessen wird viel gequasselt und auf falsche Fährten gelockt. Trotz gut gemeinte Absichten und netter Idee dahinter wird Gebotenes selbst Filmfans mit Anspruch auf eine harte Bewährungsprobe stellen. Die dürften trotz aufmerksamen Zuschauens so ihre Probleme mit dem Wachbleiben bekommen. Letztendlich ist das kein gutes Zeugnis für einen Regisseur, der das Publikum mit seinem Schaffen in Tiefschlaf versetzt. Vielleicht wmacht Regisseur CHRISTOPHER FITCHETT beim nächsten Film alles anders.
 
 


 
 
 

THE FEAR OF DARKNESS – Zensur

 
 
 
Gewalt hat Sendepause. THE FEAR OF DARKNESS hat keine Schauwerte zu bieten. Die reduzieren sich auf blutverschmierte Wände und dunkle Schatten, die des Öfteren vor der Kamera vorbeisausen. Eigentlich könnte THE FEAR OF DARKNESS ohne Probleme eine FSK12 erhalten. Weil der Film jedoch mit psychologischem Horror verwirren möchte und beunruhigende Atmosphäre besitzt, könnten 12jährige Probleme mit dem Einordnen und dem Verständnis bekommen. 16jährige sind da schon reifer. Demzufolge sollte man mit einer FSK16 rechnen.
 
 
 


 
 
 

THE FEAR OF DARKNESS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Psych:9 (2010)
 
Identität (2003)
 
The Ward (2010)
 


Filmkritik: “The Veil” (2016)

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Achtung: Diese Kritik beinhaltet Spoiler. Wer sich die Vorfreude auf den Film nicht verderben lassen möchte, sollte das Review nicht lesen.
 
 

THE VEIL

Story

 
 
 

Einige Dokumentarfilmer (darunter JESSICA ALBA) wollen einen Film über einen mysteriösen Massensuizid drehen, kehren zum Ort der Geschehnisse zurück und bekommen es mit bösen Kräften zu tun.

 
 
 


 
 
 

THE VEIL – Kritik

 
 
 
JESSICA ALBA tut es wieder und verirrt sich nach MACHETE und THE EYE erneut ins Genre. Diesmal übernimmt sie im Sekten-Thriller THE VEIL die Hauptrolle, der mit finsterem Filmlook, reichlich Spuk und bitterbösem Ende schlaflose Nächte bereiten soll. Das gelingt ohne Probleme, denn hinter dem grausigen Ausflug ins Reich der Schatten und Geister steckt jemand, der Ahnung von Horrorfilmen hat. Kein geringerer als JASON BLUM zeichnet verantwortlich. Der hat in der Vergangenheit mit schnell und günstig produzierten Hochglanz-Schockern für Gesprächsstoff gesorgt – darunter bekannte Erfolgstitel und Filmreihen, wie PARANORMAL ACTIVITY, SINISTER und die INSIDIOUS-Filme. Leider scheint der fleißige Produzent in letzter Zeit immer weniger Glück mit der Veröffentlichungspolitik seiner hauseigenen Gruselstreifen zu haben, denn trotz Fließbandproduktion von Horrorfilmen schaffen es nur noch die wenigsten der zügig hergestellten Machwerke in die Multiplexe. So wurden viele Titel der BLUMHOUSE PRODUCTIONS direkt auf Blu-ray oder DVD ausgewertet und ohne Werbung in die Heimkinos verbannt. Der blühende VOD-Markt und illegale Stream- und Downloadangebote dürften wohl dazu beigetragen haben.
 
 
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Nach JESSABELLE, DARK SKIES oder PLAY wird nun mit THE VEIL ein weiterer Streifen aus der Blumhouse-Schmiede veröffentlicht, dem gleiches Schicksal ereilt. Der kommt ohne Kinoauswertung (zumindest in Amerika) in die Wohnzimmer und enttäuscht jene Filmfans, die sich gern im Kino das Fürchten lehren lassen. Das ist dahin gehend bitter, weil THE VEIL einer dieser Genre-Filme ist, der wohl erst auf großer Leinwand sein ganzes Grusel-Potenzial entfalten kann. Immerhin entschädigt der Auftritt von JESSICA ALBA. Die bezirzt einmal mehr männliche Zuschauer mit großen Augen, Schmollmund und Traumkörper – auch wenn davon hinter wetterfester Kleidung kaum noch etwas zu erkennen ist. Die smarte Schauspielerin verkörpert in THE VEIL eine ambitionierte Regisseurin, die einen ungelösten Massensuizid neu aufrollt, um darüber eine Dokumentation drehen zu können. 25 Jahren sind vergangen, seit Anhänger einer Sekte kollektiven Selbstmord im Hinterland Kaliforniens begangen haben. Zu dem hatte Wunderheiler Jim Jacobs (THOMAS JANE aus dem PUNISHER-Remake) aufgerufen, der eine Methode fand, um den Geist vom Körper zu lösen. Keines der Mitglieder überlebte. Nur die kleine Sarah Hope konnte sich aus den Fängen des charismatischen Führers befreien und kehrt als erwachsene Frau (LILY RABE) zusammen mit Alba und Filmteam zum Ort der Geschehnisse zurück. Auf einer verlassenen Ranch will man nach Gründen des kollektiven Selbstmords suchen, denn auf alten Polizeifotos wurden Kameras entdeckt, die den Massensuizid aufgezeichnet haben sollen. Selbstverständlich findet man das Equipment und altes Filmmaterial, das protokolliert, was einst vorgefallen ist. Für die Dokumentarfilmer kein Grund zur Freunde, denn was sich auf den Filmbändern abspielt, lässt das Blut in den Adern gefrieren.
 
 
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Die Sekten-Horrorfilme sind wieder da. Seit einiger Zeit scheint das eher stiefmütterlich behandelte Subgenre neuen Zuspruch zu erhalten, so dass immer häufiger Horror-Thriller über okkultische, satanische oder einfach nur obskure Sekten entstehen, die dem Zuschauer Albträume bescheren wollen. Nach RITUAL, CHILDREN OF SORROW und zuletzt THE SACRAMENT beteiligt sich nun auch Hollywood mit am lukrativen Sekten-Markt und muss sich keinesfalls vor genannten Filmen verstecken. Angstkino in Reinform wird mit THE VEIL geboten. Der will zwar mit konventioneller Machart und bekannter Hauptdarstellerin ein eher Mainstream verwöhntes Publikum ansprechen, versteht aber auch alteingesessene Horrorfans zu fesseln, weil Regisseur PHIL JOANOU (SPIEL AUF BEWÄHRUNG) versteht, wie man Spannungsschrauben festdrehen muss. Statt mit der Tür ins Haus zu fallen, hält sich THE VEIL mit Erklärungen zurück. Stattdessen werden im Film Anhaltspunkte verteilt, die erst nach einer Stunde erahnen lassen, wohin die Reise führen wird. Was anfänglich mysteriös und sinnlos erscheint, wird im Verlauf der Handlung logisch erklärt. So rekonstruieren gefundene Filmbänder die erschreckende Tat eines fanatischen Sektengurus, der neunmalklugen Dokumentarfilmern 25 Jahre später vom Jenseits aus die Leviten liest.
 
 
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Hilfe, hier spukt’s! Regisseur PHIL JOANOU bleibt der Erfolgsformel treu, die vielen Blumhouse-Produktionen zum Kassen-Hit verholfen hat. Demzufolge müssen auch in THE VEIL rastlose Seelen für Chaos sorgen, die den Lebenden nichts Gutes wollen. Die Geister aller Sektenmitglieder können nach dem Massenselbstmord nicht ruhen und nutzen die Gunst der Stunde, um nach Jahren ewigen Wartens in die Körpern unangemeldeter Besucher zu schlüpfen. Was folgt ist vorhersehbar, denn besessene Dokumentarfilmer ermorden Kollegen, damit sich ausgewählte Sektenanhänger den Körpern der Toten bemächtigen können. Leider ist die überraschende Verwandlung zum Geister-Slasher banal, denn sobald Bessenheits-Horror eingeläutet wird, verpufft der Spannungsbogen wegen bekannter Genre-Klischees und Logikfehler. Das hätte nicht sein müssen!
 
 
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Letztendlich ist THE VEIL trotzdem empfehlenswert, was hauptsächlich der schaurigen Optik zu verdanken ist. Macher PHIL JOANOU raubt dem Film jeglichen Glanz, überzeugt dafür mit schmutziger Ästhetik und taucht den Sekten-Thriller in matte, kränkliche und dreckige Farben. Zudem wird geschickt mit Dunkelheit und Geräuschkulisse experimentiert, damit Schockmomente den Zuschauer unvorbereitet treffen können. Somit tröstet die schaurige Atmosphäre des Unbehagens über ein unbefriedigendes Finale hinweg, das im Vergleich zur ersten, packend inszenierten Stunde, dann doch eher beliebig und einfallslos über die Mattscheibe flimmert.
 
 
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THE VEIL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Stark und spannend erzählter Sekten-Horrorthriller aus der Feder von ROBERT BEN GARANT (HELL BABY), dem in den letzten 20 Minuten ein wenig die Puste ausgeht, weil Hochspannung gegen Horror-Klischees und Logikfehler ersetzt wird. Dennoch macht THE VEIL mit finsterem Filmlook, schaurig schönem Sound und gut platzierten Schocksequenzen Vieles wieder gut, weil er gekonnt das Sekten-Genre mit Elementen aus Found-Footage, Geister- sowie Slasherfilmen verbindet. Leider bleiben die Schauspieler blass. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn Geheimzutat von THE VEIL ist ohnehin der etwas andere Erzählstil, der durch das Abspielen von gefundenen Filmrollen und der Rekonstruktion längst vergangener Verbrechen ein wenig an Deodatos CANNIBAL HOLOCAUST erinnert. Wer demzufolge mit den bisher von JASON BLUM produzierten Horrorstreifen (INSIDIOUS 2+3, SINISTER) etwas anfangen konnte, wird auch THE VEIL mögen. Der erfolgreiche Produzent bleibt seiner Richtung treu und hat Horror finanziert, der abermals von bösen Geistern erzählt, die nichts Gutes im Schilde führen. Nur schade, dass der vier Millionen teure THE VEIL nicht ins Kino kommt. Erst dort kann er vermutlich sein ganzes Gruselpotenzial entfalten.
 
 


 
 
 

THE VEIL – Zensur

 
 
 
Viel Mord und Totschlag gibt es in THE VEIL nicht zu sehen. In der ersten Stunden werden kaum Schauwerte geboten. Nachdem sich der Sekten-Thriller zum Geister-Slasher entwickelt hat, gibt es ein paar Tote zu verzeichnen. Leider passieren die meisten Morde (wie ein kaltblütiger Hammermord) im Off oder die Kamera blendet weg, sobald es ernst wird. Demzufolge wird es für THE VEIL eine FSK16 geben.
 
 
 


 
 
 

THE VEIL – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Blumhouse Productions und Universal Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Devil’s Hand (2014)
 
Der letzte Exorzismus (2010)
 
The Manson Family (2003)
 
Regression (2015)
 
Apocalyptic (2013)


Filmkritik: “Martyrs” (2015)

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Achtung: Diese Kritik verrät viel über das Original. Wer MARTYRS aus dem Jahre 2008 noch nicht gesehen hat, sollte besser erst den Vorgängerfilm sehen. Zudem beinhaltet die Kritik viele Spoiler zum Remake.
 
 
 

MARTYRS

Story

 
 
 
Eine sektenartige Organisation quält Menschen, bis sie nach verlorenen Todeskampf die Schwelle zum Jenseits betreten und berichten können, was sie dort sehen. Eines ihrer Opfer kann entkommen und fordert Jahre nach der Tat Vergeltung.

 
 
 


 
 
 

MARTYRS – Kritik

 
 
 
Niemand mag Neuverfilmungen – zumindest niemand, der eine Vorliebe für Horrorfilme besitzt. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass man sich mit Neuinterpretationen liebgewonnener Genre-Klassiker kaum Freunde macht. Ob A NIGHTMARE ON ELM STREET, IT’S ALIVE oder DAS OMEN – kaum ein erfolgreicher Horrorfilm aus den experimentierfreudigen 70er und schrillen 80er Jahren kam nicht in den zweifelhaften Genuss eines glattpolierten Remakes. Ihren Originalen das Wasser reichen konnten die wenigsten. Weil mittlerweile die wichtigsten Horrorfilme neu gedreht wurden, gehen profitgierigen Produzenten aus Amerika die Vorlagen aus. Die haben aber gemerkt, dass der Horrormarkt in Europa brodelt und dort viel Material in die Kinos gebracht wird, das unbedingt recycelt werden muss. So geschehen mit dem skandinavischen LET THE RIGHT ONE IN. Weil das Vampirdrama viel internationales Lob erhielt, musste eine amerikanische Fassung her. Die erschien unter dem Titel LET ME IN und hatte nur mäßigen Erfolg. Hierzulande dürften vermutlich nur die Wenigsten wissen, dass es diesen Aufguss überhaupt gibt.
 
 
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Weitaus populärer ist da schon der nächste Kandidat – ein kontroverser Psychoschocker, der während der Terrorfilm-Welle veröffentlicht wurde, die zwischen 2003 und 2008 in Frankreich wütete. Unter dem Namen MARTYRS bekannt, bekam der Zuschauer eine psychologische Studie über Gewalt und ihre erschütternden Folgen zu sehen, die aufgrund schroffer Spezialeffekte für viele Horrorfans als das wohl Härteste gilt, das man in den letzten Jahren zu sehen bekommen hat. Umso verständlicher die kritischen Stimmen, die sich häuften, als 2011 Informationen über eine Neuverfilmung aufkamen. Die sollte eigentlich der Deutsche DANIEL STAMM inszenieren, der mit THE LAST EXORCISM einen Großerfolg feierte, dieses Projekt aber verließ, weil ihm das Budget zu knapp war. Demzufolge ging das Regiezepter an die Brüder KEVIN und MICHAEL GOETZ, die aus dem bekannten Stoff einen deftigen Horrorstreifen gemacht haben, der aber keineswegs die zermürbende und nervenzehrenden Atmosphäre der Vorlage erreicht.
 
 
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Natürlich greift das Remake eine ähnliche Geschichte auf, wie sie auch der Franzose PASCAL LAUGIER zu Papier und auf Zelluloid gebracht hat. So kann sich die kleine Lucie aus den Fängen einer geheimnisvollen Organisation befreien, die den Menschen Furchtbares antut. Das Mädchen kommt in ein katholisches Waisenhaus und lernt dort Anna kennen, von der sie sich verstanden fühlt. Doch Lucie wird von schrecklichen Dämonen verfolgt, die sich in ihrem Unterbewusstsein manifestiert haben, als sie in ihrem Gefängnis gefoltert wurde. Zehn Jahre später findet die Gepeinigte (jetzt verkörpert von TROIAN BELLISARIO) die Täter und ermordet sie im Vergeltungsrausch. Mit dabei die langjährige Freundin Anna (BAILEY NOBLE aus der Serie TRUE BLOOD), die im Haus der Beschuldigten einen geheimen Gang entdeckt, der in ein unterirdisches Kellergefängnis führt. Dort stößt man auf die kleine Samantha, die hier ebenfalls für mysteriöse Versuche festgehalten wird. Doch ein Ende der Qualen ist nicht in Sicht. Die übrigen Organisationsmitglieder erfahren von der Bluttat, fangen die Mädchen ein und halten sie fest. Für die ohnehin labile Lucie beginnt der Albtraum von Neuem.
 
 
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Typisch amerikanisch, aber ganz okay. Wer mit vorurteilsbehafteter Meinung diese Neuverfilmung sieht, wird eines Besseren belehrt, denn der MARTYS-Aufguss ist nicht so schlecht, wie anfangs befürchtet. Während sich die erste Hälfte so nah wie möglich am Original orientiert, gehen die Goetz-Brüder in den übrigen 45 Minuten eigene Wege. So liegt hier weniger Terror, Angst und Folter im Mittelpunkt, sondern Rache, Adrenalin und Tempo. Der amerikanische MARTYRS ist vornehmlich um aussagekräftige Bilder und plausible Erklärungen bemüht. Das ist dahingegen nicht ungewöhnlich, weil man Zuschauern in Übersee vornehmlich Antworten auf dem Silbertablett servieren muss – vermutlich, um ihre Hirne nicht zu überfordern. Demzufolge werden Beweggründe der Filmsekte genauer studiert und das psychische Martyrium der Filmfiguren in den Hintergrund gerückt. Die schießen sich am Ende mit scharfem Gerät durch eine stattliche Anzahl an Bösewichten und wollen nur eins: in die Freiheit. Leider wirkt die neue Verfilmung nicht lange nach, wohl auch deswegen, weil die psychische Qual von Heldin Lucie nicht sonderlich viel Spielraum erhält. Die darf zwar bis kurz vor dem Abspann überleben, muss aber bis dahin seltsame Versuche über sich ergehen lassen, während Komplizin Anna Forschungsräume mit Lebenssaft der Täter besudelt. Trotz weitaus blutigeren Bildern, bleiben Schockwirkung und unwohliges Magengefühl aus. Stattdessen fiebert der Film zu überhastet seinem Finale entgegen und verliert die Angst und das psychische Ungleichgewicht seiner Hauptdarstellerinnen aus dem Auge. Immerhin: Das alles erreicht zwar nie die psychologische Härte des französischen Originals; kurzweilig ist das Reboot aber erstaunlicherweise allemal. Wer sich bisher nicht an die Vorlage herangewagt hat, weil er schlaflose Nächte befürchtet, sei der Griff zum Remake empfohlen. Das ist nicht perfekt und hinkt dem von PASCAL LAUGIER inszenierten Angstmacher hinterher. Dafür ist es nicht ganz so unerträglich und über weite Strecke spannend – trotz konventionellerer Machart.
 
 
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MARTYRS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Konventionell und nicht so hart, wie der Vorgänger – aber spannend. Vergleicht man den amerikanischen MARTYRS mit der französischen Vorlage, zieht die von den Goetz-Brüdern inszenierte Neuauflage definitiv den Kürzeren. Das überrascht wenig, gehört das französische Terrorstück zum Besten, was das moderne Horrorgenre hervorgebracht hat. Trotzdem, nach vielen missratenen Remakes in den letzten Jahren, sollte man nicht zu vorurteilsbehaftet mit dem 2015er MARTYRS ins Gericht gehen. Zu aller Überraschung kann der neue Film was – nämlich unterhalten. Statt Angst, Terror und Psychoqual stehen im Neuaufguss Tempo, Hektik und Rache auf dem Umsetzungsplan. Das ist zwar nicht gerade das, mit dem die Vorlage ihren Siegeszug angetreten hat. Dennoch, der neue MARTYRS überzeugt als kurzweiliger und packend Inszenierter Überlebens- und Rachethriller in allen Belangen. Leider mangelt es dem Streifen in der zweiten Hälfte an Logik, denn die Figuren verhalten sich auf ihrer Flucht vor bösen Sektenmitgliedern etwas hanebüchen. Zudem fehlen dem neuen MARTYRS psychischen Strapazen, die das Original auszeichneten und unwohliges Baugefühl verursacht haben. Das ist bedauerlich, weil das MARTYRS-Remake trotz souveräner Machart zwar kurzweilige 90 Minuten verspricht; aufgrund fehlender Terror-, Holzhammer- oder Schockmethoden leider nur ein weiterer Rache- und Überlebensthriller unter so vielen bleiben dürfte.
 
 


 
 
 

MARTYRS – Zensur

 
 
 
Während das Original hauptsächlich mit psychischem Terror überzeugen konnte, fehlt der im Remake fast gänzlich. Hier zählen hauptsächlich blutige Schauwerte, die zum größten Teil aus Schussverletzungen mit einer Schrotflinte bestehen. Außerdem gibt es Elektro-Folterung und Menschenverbrennung zu sehen, sowie eine kurze Häutungsszene. Weil es in der zweiten Hälfte sehr hektisch zugeht, verpuffen jedoch die Gewaltdarstellungen im Eifer des Gefechts. Vielleicht gibt es daher für das Remake in ungeschnittener Form die höchste Altersfreigabe: keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

MARTYRS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei ANCHOR BAY | TIBERIUS FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Martyrs (2008)

Eden Lake (2008)

Funny Games (1997)

Menschenfeind (1998)

Inside (2007)

Undocumented (2010)


Filmkritik: “Deadly Home” (2015)

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DEADLY HOME

(INTRUDERS)

Story

 
 
 
Eine von Angstzuständen geplagte Frau, muss sich nach dem Tod des Bruders vor drei Einbrechern (darunter JOSHUA MIKEL aus LAST SHIFT) in Sicherheit bringen. Leider haben die nicht mit der Schlagfertigkeit ihres Opfers gerechnet, das den Fieslingen zeigt, was eine Harke ist.

 
 
 


 
 
 

DEADLY HOME – Kritik

 
 
 
Ein weiteres Machwerk in dem sich ein Haus als Vorort zur Hölle entpuppt. Diesmal sind es jedoch nicht rastlose Seelen, garstige Poltergeister oder gemeingefährliche Dämonen, die für furchtbares Gepoltere und makabren Schrecken sorgen. Stattdessen spielt sich der Horror hinter verschlossenen Türen ab und wird von Menschenhand bewirkt. DEADLY HOME (im Original: INTRUDERS bzw. anfänglich zuviel verratend: SHUT IN) nennt sich teuflisch spannendes Grauen, das den Zuschauer mit auf eine erschreckende Reise in menschliche Abgründe nimmt, während der sich scheinbar friedliebende Menschen in fehlgeleitete Killermaschinen verwandeln. Regisseur ADAM SCHINDLER ist noch recht unerfahren im Horrorbereich, aber macht gleich mit dem ersten Spielfilm alles richtig. Das ist mittlerweile bei unabhängig produzierten Horrorfilmen nichts Ungewöhnliches mehr, denn die Kreativität junger, ambitionierter Horrorfilmmacher scheint keine Grenzen zu kennen. Viele meist selbst horrorbegeisterte Newcomer erkennen die Zeichen der Zeit und drehen Horrorfilme, die Genrefans eben sehen wollen. So entstehen fernab großer Filmstudios erfrischend andere Horrorstreifen, die mit der Angst des Zuschauers experimentieren, schockieren und damit unterhalten – DEADLY HOME ist einer derer.
 
 
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DEADLY HOME ist ein Film voller Überraschungen, denn die Spannung wird stetig gesteigert, weil nicht gleich verraten wird, welch Geheimnis sich um jenes Gebäude rankt, in das sich drei Männer Zutritt verschaffen. Darin lebt die fragile Anna (BETH RIESGRAF), die erst kürzlich Bruder Conrad (TIMOTHY T. MCKINNEY) an den Krebs verloren hat und nun viel Geld erben soll. Der großzügige Nachlass ruft das Interesse von Einbrechern auf den Plan, die die Gunst der Stunde nutzen und während der Beerdigung das Haus erkunden. Leider haben sie nicht mit der Anwesenheit der zermürbten Besitzerin gerechnet, die nicht zur Trauerfeier gehen kann, weil sie unter Agoraphobie leidet. Die bemerkt die unwillkommenen Gäste und beginnt ein makabres Spiel zu spielen, das nur einen Sieger kennt.
 
 
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Home-Invasion-Horror etwas anders, denn Macher ADAM SCHINDLER kopiert nicht lustlos und blutig, um Interesse zu wecken. Statt konventionellen Zu-Hause-Terror zu drehen, in dem sich Einbrecher über ahnungslose Hauseigentümer hermachen und sie brutal quälen, versucht der Regisseur durch einen Richtungswechsel frischen Wind in das mittlerweile nicht mehr ganz so neue Home-Invasion-Genre zu bringen. So vertauscht er im Film die Rollen von Gut und Böse und liefert geldgierige Schurken aus, die von vermeintlich hilflosen Opfern für gesetzloses Handeln bestraft werden. In DEADLY HOME ist mehr Schein als Sein, denn abermals wird ein Blick hinter die Fassade guter Familien gewährt, die eigentlich Furchtbares zu verbergen haben. Damit schwimmt der Beitrag auf gleicher Welle, wie Cravens HAUS DER VERGESSENEN, MUM & DAD oder dem kürzlich besprochenen THE HARVEST – Filme, die zeigen, dass anständige Bürger nicht immer anständig sein müssen.
 
 
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DEADLY HOME besitzt das, was vielen Horrorfilmen neueren Datums fehlt. So liegt der Fokus nicht ausschließlich auf das Kopieren der immer wieder gleichen Horrorgeschichten oder der Zurschaustellung möglichst zeigefreudiger Unmenschlichkeiten. Stattdessen spielt DEADLY HOME mit den Erwartungen des Zuschauers und erfreut durch fesselnde Spannung, welche durch überraschende Wendungen entsteht, die man so nicht kommen gesehen hat. Was wie bekannter Zu-Hause-Horror in der Machart von FUNNY GAMES beginnt, wird bald zum bitterbösen Vergeltungsakt, der eine fehlgeleitete Protagonistin über sich hinauswachsen lässt. Die mutiert zum unaufhaltsamen Racheengel und versteht es, böse Jungs zu bestrafen. Leider gipfelt das kurzweilige Katz-und-Maus-Spiel in einer genretypischen Auflösung, schließlich muss die Skrupellosigkeit von Filmheldin Anna und ihr abgebrühtes Ausradieren von Schurken irgendwie gerechtfertigt werden. Regisseur ADAM SCHINDLER gräbt tief in der Vergangenheit und lüftet Geheimnisse, die bisher nie die Türen des Hauses verlassen haben. Klickt man den Verstand aus, geht das in Ordnung. Rationalisten werden aber wohl eher mit dem Kopf schütteln.
 
 
 


 
 
 

DEADLY HOME – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Bitterböses Katz- und Mausspiel hinter Wohnungstüren vermeintlich friedliebender Hauseigentümer. DEADLY HOME (Originaltitel: INTRUDERS) ist ein weiterer Film vom Produzenten von PARANORMAL ACTIVITY und INSIDIOUS, was wohl alteingesessene Filmliebhaber eher abschrecken dürfte, statt zum Kauf zu animieren. Aber halt, die Werbung im Trailer ist etwas unglimpflich gewählt, denn DEADLY HOME hat soviel mit genannten Filmen gemein, wie Abfallpresse THE ASYLUM mit guten Horrorfilmen. Hinter dem fiesen Indie-Schocker verbirgt sich ein Home-Invasion-Streifen, der gängige Regeln jenes Subgenres bricht und dafür eigene aufstellt. Nach erstem Schnupperkurs als Produzent und Drehbuchautor scheint ADAM SCHINDLER nach DELIVERY: THE BEAST WITHIN Gefallen am Horrorfilm gefunden zu haben und nimmt zum ersten Mal auf dem Regiestuhl Platz. Entstanden ist teuflisch spannender Zu-Hause-Terror par excellence, der die Spannung durch unerwartetem Richtungswechsel und überraschenden Wendungen konsequent vorantreibt. Laut einem Interview mit der Fachpresse mag es Regisseur ADAM SCHINDLER, wenn er das Publikum mit Filmen herausfordern kann, die sich in keine Schublade stecken lassen. Mit DEADLY HOME konnte er seine Vorstellungen von Filmen, die er selbst gern sehen würde in die Tat umsetzen. Dafür lies er sich nach eigener Aussage von Home-Invasion-Klassikern, wie STRAW DOGS, WAIT UNTIL DARK, DESPERATE HOURS, PANIC ROOM und das SCHWEIGEND DER LÄMMER inspirieren. Letztgenannter beeindruckte, weil das Gefühl der Angst faszinierte, das sich wie ein roter Faden durch den gesamten Film zog. Zwar ist DEADLY HOME von jenen Meisterwerken weit entfernt; für den ersten Ausflug ins Regiefach ist fabriziertes Grauen ganz ordentlich. Man darf gespannt sein, was Schindler demnächst aus dem Ärmel schütteln wird.
 
 
 


 
 
 

DEADLY HOME – Zensur

 
 
 
Rache zum Schutze der Allgemeinheit durch Selbstjustiz – ein heikles Thema mit dem die FSK auch Jahre nach der Video-Nasty-Ära keinen Spaß versteht. Erstaunlicherweise hat DEADLY HOME von der Prüfbehörde nicht die höchste Altersfreigabe erhalten und dass, obwohl Lynchjustiz rigoros im Film zelebriert wird. Dennoch: Wer hier glaubt, dass Menschen brutal vor der Linse abgeschlachtet werden, wird enttäuscht werden. Die auf dem Filmplakat abgebildeten Mordwerkzeuge kommen nur bedingt zum Einsatz. Zudem deutet Macher ADAM SCHINDLER meist nur an und blendet immer dann weg, wenn es für Gewaltfans interessant wird. Dennoch darf man Rechteinhaber EUROVIDEO MEDIEN für die überraschend niedrige Altersfreigabe beglückwünschen. DEADLY HOME ist ungeschnitten frei ab 16 Jahren und wird im März 2016 in Deutschland veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

DEADLY HOME – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei EUROVIDEO MEDIEN)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Tiger House (2015)
 
The Aggression Scale (2012)
 


Filmkritik: “Casting des Todes” (2015)

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CASTING DES TODES

(CASTING OF DEATH)

Story

 
 
 
Das Casting für eine sexy Cocktail-Show läuft aus dem Ruder, weil die Kamera Dinge aufzeichnet, die sich mit bloßem Auge nicht erkennen lassen.

 
 
 


 
 
 

CASTING DES TODES – Kritik

 
 
 
Seit den Anfängen von FILMCHECKER liegen nicht nur regelmäßig Blu-rays und Screener bekannter deutsche Filmunternehmen und Vertriebe mit Horrormaterial im Briefkasten, das wir in Form von umfangreichen Kritiken auf dem Blog vorstellen. Auch deutsche Nachwuchsfilmemacher und immer häufiger ambitionierte Regisseure aus dem Ausland senden selbstständig Ansichtsmaterialien zu, mit der Bitte darüber zu berichten. Leider können wir aus Zeitgründen nur wenige dieser Projekte berücksichtigen, da sich hinter vielen der teils in Eigenregie produzierten Genrefilme ohnehin nur semiprofessioneller Amateurquatsch verbirgt, der besser im Privatarchiv schlummern sollte, statt ihn deutschen Horrorfans zuzumuten. Dass es auch anders geht, beweist CASTING DES TODES – ein blutiger Kurzfilm aus Deutschland, der beinahe ungesehen blieb, weil dahinter eine weitere Selfmade-Produktion vermutet wurde. Gott sei Dank ist der Fünfzehnminüter dann doch im Player gelandet, sonst wäre wohl die Erkenntnis nie gekommen, dass auch im deutschen Untergrund gute Horrorfilme gedreht werden.
 
 
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Splatter, Spaß und viel nackte Haut – Zutaten, die Horrorfanherzen schneller schlagen lassen. Das war wohl auch Regisseur EZRA TSEGAYE bewusst, der CASTING DES TODES um jede Menge Schauwerte bereichert hat, die Liebhaber von Horrorware nun mal erwarten. Ein ungewöhnliches Casting bietet Stoff für amüsant-trashigen Filmirrsinn, in dem der Zuschauer – laut Aussage von Hauptdarstellerin MICAELA SCHÄFER – die brutalsten Nacktszenen zu sehen bekommt, die der selbsternannte Reality-Star bisher gedreht hat. Model, Moderatorin und Schauspielerin MICAELA SCHÄFER wird in diesem Kurzfilm von zwei erfolglosen Filmemachern zu einem Vorsprechen geladen, bei dem sie für einen neue TV-Show textilfrei Cocktails mixen soll. Doch die Crew ist nicht sonderlich am Können der künftigen Moderatorin interessiert. Das Zielpublikum soll in erster Linie mit optischen Reizen verwöhnt werden, was die Bewerberin natürlich versteht. Sie streift die Kleider ab und hält zwei schlagkräftige Talente in die Kamera. Weil CASTING DES TODES jedoch ein Horrorfilm ist, dürfte klar sein, dass die Geschehnisse eine unerwartet blutige Wendung nehmen werden. Der Kameramann entdeckt Unheimliches. Sein neues Arbeitsutensil filmt nicht das, was sich vor der Linse ereignet. Stattdessen hält es Mord und Totschlag auf Video fest – mit fatalen Folgen.
 
 
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Will man Aufmerksamkeit erregen, muss man polarisieren und provozieren. Das gelingt vor allem dann, wenn man Filmrollen mit C-Prominenz besetzt, über die regelmäßig in der Boulevardpresse berichtet wird. Im Falle des Kurzfilms CASTING DES TODES dürfte die Wahl auf TV-Phänomen MICAELA SCHÄFER das Beste gewesen sein, was dieser Indie-Produktion passieren konnte. Mit Schäfer als Zugpferd hat der Film nämlich reichlich Aufmerksamkeit ernten können und wurde sogar auf diversen Festivals mit Lob überschüttet. So auch auf der LOS ANGELES HORROR COMPETITION, wo die ehemalige GERMANY’S NEXT TOP MODEL-Teilnehmerin als beste Schauspielerin nominiert wurde – und sogar gewann. Das mag tatsächlich begabte Künstler zu Recht deprimieren; trotzdem muss man lobenswerterweise hinzufügend erwähnen, dass Schäfers Auftritt in CASTING DES TODES die bisher überzeugendste Leistung ist, die man von der gebürtigen Leipzigerin zu sehen bekommen hat. Die hat zwar im Film nicht viel zu sagen – dafür sprechen nackte Tatsachen für sich. Den männlichen Fan des Genres dürfte das freuen.
 
 
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Produzent, Drehbuchautor und Regisseur EZRA TSEGAYE erklärte im Interview, dass er schon immer ein Fan fantastischer Filme gewesen ist. So prägte der Science-Fiction-Klassiker FUTUREWORLD – DAS LAND VON ÜBERMORGEN nachhaltig, den er sich im stolzen Alter von fünf Jahren allein angesehen hat, ohne dass die Mutter davon wusste. Doch damit nicht genug. Auch die Mystery-Serie TWILIGHT ZONE und Horror-Klassiker, wie DIE KÖRPERFESSER KOMMEN oder ROSEMARIES BABY verstärkten die Leidenschaft zum Film. So folgten nach Comics für die Schülerzeitung und Kurz-Trickfilmen, erste Filmversuche mit einer Super-8-Kamera, in denen er Realfilm mit Comic-Elementen verknüpfte. Gleiche Kombination findet auch in CASTING DES TODES Verwendung. Tsegaye vermischt Zeichentrick mit Realfilm, zeigt abgenutztes Videomaterial, das man sonst oft in Found-Footage-Machwerken zu sehen bekommt und garniert das kurzweilige Trash-Gebräu mit Sex, Blut und Rock ’n’ Roll. Dank abwechslungsreicher Kameraperspektiven, chaotischen Schnitten und frechem Filmsong aus der Feder von STEFAN DITTRICH (der übrigens nicht mehr aus dem Ohr geht) bleibt CASTING des TODES länger im Gedächtnis, als manch andere Amateur-Katastrophe aus den Hinterhofgaragen von ITTENBACH, SCHNAAS & Co. Bleibt zu erwähnen, dass diesem Kurzfilm aufgrund professioneller Machart kaum noch Amateurstatus anhaftet. Umso erfreulicher, dass EZRA TSEGAYE die Idee seinen Splatter-Kurztrips ausbauen und auf die große Leinwand bringen möchte. Mit DER TEUFEL IN MIR wird das Casting des Grauens fortgesetzt – größer, blutiger, besser. Dank Crowdfunding und spendablen Geldgebern soll das Projekt mit mehr Budget, internationalen Schauspielern und natürlich MICAELA SCHÄFER für den weltweiten Filmmarkt umgesetzt werden. Ob sich bereits Hollywood die Remake-Rechte gesichert hat? Man darf spekulieren.
 
 
 


 
 
 

CASTING DES TODES – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Warum MICAELA SCHÄFER nach ihrem missratenen Auftritt in SEED 2 wieder vor die Linse darf? Ganz einfach, weil sie die neue (deutsche?) B-Movie-Ikone unserer Zeit ist. Zumindest behauptet das Produzent, Drehbuchautor und Regisseur EZRA TSEGAYE, der von der attraktiven aber auch provokanten Erscheinung der gebürtigen Leipzigerin so überzeugt gewesen ist, dass er sie für die Rolle einer naiven Castingteilnehmerin verpflichten lies. CASTING DES TODES lässt die 1980er und 90er wieder aufleben, denn die Trash-Komödie verbeugt sich mit makabren Humor und blutigen Momenten vor jenen Horror-Splatterfilme genannter Jahrzehnte. Für eine Amateur-Produktion ist Gebotenes beachtlich, denn der Low-Budget-Splatterulk hinterlässt einen guten Eindruck und schaut alles andere als billig aus. Gute Schauspieler (ja auch die Schäfer überzeugt), souveräne Inszenierung und ein Ohrwurm im Abspann garantieren 15 kurzweilige Minuten mit Appetit auf mehr. Trash-Fans sollten daher jetzt gut zuhören, denn CASTING DES TODES ist amüsant-trashiger Filmirrsinn mit hohem Fun-Faktor, der übrigens hier für kleines Geld gesehen werden kann, schließlich ist noch keine kaufbare Heimkinofassung auf physischem Medium erschienen.
 
 
 


 
 
 

CASTING DES TODES – Zensur

 
 
 
CASTING DES TODES (internationaler Titel CASTING OF DEATH) ist Splatter-Quatsch der ironischen Sorte. Die Gewaltmomente werden derart übertrieben dargestellt, dass der Kurzfilm problemlos eine FSK16 erhalten könnte.
 
 
 


 
 
 

CASTING DES TODES – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Botchco Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Staplerfahrer Klaus – Der erste Arbeitstag (2000)
 
Treevenge (2008)
 
Fist of Jesus (2012)
 


Filmkritik: “The Entity” (2015)

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THE ENTITY

(LA ENTIDAD)

Story

 
 
 
Einige Filmstudenten bekommen es mit einem tödlichen Fluch zu tun. Eine zu Unrecht hingerichtete Frau ging vor ihrem Tod einen dämonischen Pakt ein und fordert Vergeltung für ihr viel zu frühes Ableben.

 
 
 


 
 
 

THE ENTITY – Kritik

 
 
 
Besser spät, als nie – doch so ganz ohne eigene Ideen? Jahre nach dem Found-Footage-Boom hat man jetzt auch in Peru den polarisierenden Wackelfilmstil für sich entdeckt und spring etwas lustlos auf dem Schüttelkamera-Zug auf, solange sich damit noch Geld verdienen lässt. Entstanden ist konventionell geratener und nach Schema F zusammengesetzter Wackel-Schlamassel, der vor allem Gegner dieser Sorte Filme darin bestätigen dürfte, dass die Erfolgsära der Found-Footage-Streifen bereits Jahre zurückliegt. Skurrilerweise zeichnet mit EDUARDO SCHULDT jemand verantwortlich, der bisher in einem ganz anderen Genre beheimatet gewesen ist. Animationsstreifen für Kinder gehen auf das Konto des Filmemachers, der wohl nach der Zeichentrickumsetzung des bekannten Romans DER TRÄUMENDE DELPHIN von SERGIO BAMBAREN etwas Neues ausprobieren wollte und nun Horror macht. Auch wenn der Titel ein Remake des Geisterspuks THE ENTITY aus dem Jahre 1982 vermuten lässt, geht der peruanische Gruselbeitrag andere Wege und erzählt von einer Gruppe Filmstudenten, die es mit dämonischen Kräften zu tun bekommen.
 
 
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Es sind mal wieder paranormale Aktivitäten, die für Chaos sorgen. Im Mittelpunkt stehen Studenten, die mit einem ganz besonderen Dokumentarfilm bei der Filmhochschule Eindruck hinterlassen wollen. Die durchforsten das Internet und suchen nach Filmschnipseln von Menschen, die sich dabei filmen, wie sie schockierende Dinge sehen. Schnell ist ein Videoclip von drei Jugendlichen gefunden, die offensichtlich Furchtbares gesehen haben müssen und darüber befragt werden sollen, was sie denn da erschauern lassen hat. Ominös: Keiner der Teenager ist mehr am Leben, weshalb die Studenten weitere Recherchen anstellen, um die Gründe ihres mysteriösen Ablebens in Erfahrung bringen zu können. Der Stiefbruder einer der plötzlich Verstorbenen weiß mehr und führt die Studenten zu einem Friedhof. Dort wartet eine mysteriöse Filmrolle auf die Dokumentarfilmer, die nach dem Abspielen eine Kette unheimlicher Vorkommnisse in Gang setzt. Ein Fluch ist dafür Schuld, dass jeder der dieses Filmmaterial gesehen hat einen furchtbaren Tod sterben muss. So auch die Studenten – die bald einsehen müssen, dass sie dieses Filmprojekt keinesfalls lebend beenden werden.
 
 
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Camcorder-Aufnahmen von Menschen, die des Nachts über Friedhöfe flitzen und dabei in Panik geraten. THE ENTITY macht dem Found-Footage-Genre alle Ehre, denn SERGIO BAMBAREN spult übliche Regeln jener Filmgattung ab, die so Filme wie PARANORMAL ACTIVITY oder THE BLAIR WITCH PROJECT zum Erfolg verholfen haben. LA ENTIDAD (so der Originaltitel) wurde nicht sonderlich einfallsreich oder gar klug inszeniert. Wieder einmal soll mit Handys und Videokameras festgehaltenes Filmmaterial maximalen Nervenkitzel bescheren, dem das Pseudo-Echtheitszertifikat aufgezwungen wurde, damit zartbesaitete Gemüter nach Sichtung nicht schlafen können. Das mag zumindest für wenige Zuschauer zutreffen, die bisher noch nicht so viele dieser immer wieder ähnlich gedrehten Machwerke gesehen haben, denn dank dämonisch guter Soundkulisse entsteht zumindest ab und an etwas Gruselstimmung. Leider mangelt es dem offensichtlich vom japanischen Export-Schlager RINGU inspirierten Horrorfilm an frischen Ideen, die auch jene fesseln können und mitfiebern lassen, die leider viel zu viele dieser Found-Footage-Streifen in der Vergangenheit gesehen haben. Für die wird der dünne Plot schnell zur langweiligen Schlafnummer, da sich Verläufe und Schreckmomente vorausahnen lassen, weil THE ENTITY kaum Überraschungen parat hält. Immerhin gibt’s für drei Millionen Dollar Produktionsbudget wenige (blutige) Spezialeffekte zu sehen, die kurz den Puls erhöhen. Trotzdem bleibt es beim Durchschnittsgruseln, weil Regisseur EDUARDO SCHULDT lieber Altbewährtes aufwärmt und keine Experimente wagt.
 
 
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THE ENTITY – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Mit leichter Verspätung: Die peruanische Antwort auf BLAIR WITCH PROJEKT und PARANORMAL ACTIVITY im populären aber auch polarisierenden Wackelkamera-Stil. Abermals spukt es auf heimischen Flachbildschirmen, denn in THE ENTITY sind die Lebenden den Toten so nah wie noch nie. Auf einem Friedhof spielt sich Merkwürdiges ab, denn hier spielt eine garstige Präsenz tödliche Spiele mit neugierigen Studenten. Leider versinkt das gebotene Horrorspektakel in der Mittelmäßigkeit, denn im Zuge der erfolgreichen Found-Footage-Welle ist THE ENTITY nur ein weiterer Film mit Schüttelgimmick unter vielen. THE ENTITY ist souverän gemacht, was wohl auch das größtes Problem dieses Schauerwerks ist, denn Macher EDUARDO SCHULDT hält zu krampfhaft an der Found-Footage-Erfolgsformel fest, dass er dabei nicht an Neuerungen denkt, die in einem Subgenre benötigt werden, in dem seit Jahren verängstigte Protagonisten durch schlecht ausgeleuchtete Kulissen laufen und sich dabei filmen. Was in THE ENTITY gezeigt wird, ist nicht wirklich originell. Geübte Horrorkenner dürften vom dünnen Plot schnell gelangweilt sein, weil der Streifen kaum Überraschungen zu bieten hat. Einzig Geräuschkulisse (Besitzer einer Heimkinoanlage dürfen sich über schauriges Stöhnen freuen) und Szenarie ernten Pluspunkte, machen aber aus THE ENTITY keinen Horrorfilm, den man unbedingt gesehen haben muss. Alles schon einmal gesehen – wenngleich auch schlechter.
 
 
 


 
 
 

THE ENTITY – Zensur

 
 
 
Die Studenten werden von einer unsichtbaren Kraft in die Luft gezerrt und erdrosselt. Anderen wird der Kopf zermatscht. Hart ist das nicht anzuschauen, auch wenn es viele blutige Verletzungen auf den Gesichtern der Opfer zu sehen gibt. Hierzulande wird es für den Film wohl dem Gewaltgrad angemessen eine FSK16 geben.
 
 
 


 
 
 

THE ENTITY – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Katakomben (2014)
 
Grave Encounters 2 (2012)
 
Nightlight (2015)
 


Filmkritik: “Bone Tomahawk” (2015)

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BONE TOMAHAWK

Story

 
 
 
Irgendwo im Nirgendwo stoßen vier Cowboys auf einen hungrigen Indianerstamm aus Kannibalen und müssen um ihr Leben fürchten.

 
 
 


 
 
 

BONE TOMAHAWK – Kritik

 
 
 
Der Western lässt sich einfach nicht unterkriegen. Seit einigen Jahren erlebt das immer wieder totgesagten Genres unregelmäßige Revivals und das, obwohl die Hochzeiten des Spät- und Italo-Western schon längst Dekaden zurückliegen. Dass man mit dieser Art von Filmen auch heute noch genug Asche verdienen und auch Oscars gewinnen kann, bewies 2012 Kultregisseur QUENTIN TARANTINO. Der lies mit dem Neo-Western DJANGO UNCHAINED nicht nur Kinokassen klingeln; ihm gelang sogar das Kunststück den staubigen Western einer neuen, jungen Generation schmackhaft zu machen, die bisher nur in Gesprächen mit den Eltern von der Existenz jener Filme erfahren hat. Im Fahrtwasser des aktuellen Cowboy-Hypes will nun auch Newcomer S. CRAIG ZAHLER ein Stück vom Erfolgskuchen abhaben. Der eifert mit BONE TOMAHAWK nicht nur genannten Tarantino nach, sondern holte sich beim obligatorischen Filmtwist kreativen Ideeninput bei FROM DUSK TILL DAWN (übrigens auch von Tarantino geschrieben) – jenem Roadmovie, das sich nach der Halbzeit unerwartet zum irrwitzigen Splatter-Trip verwandelt, in dem Vampire die Leinwand heimsuchen.
 
 
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Ebenso blutig, aber weniger spaßig geht es in BONE TOMAHAWK zu. Der erzählt von seltsamen Ereignissen in der kleinen Stadt Bright Hope, wo plötzlich Menschen verschwinden oder tot aufgefunden werden. Wilde Tiere sollen für schlimm zugerichteten Leichen verantwortlich gemacht werden. Doch einer der Einheimischen weiß Genaueres. So sollen Kannibalen – sogenannte Troglodyten – in den Bergen ihr Unwesen treiben und sich vom Fleisch der Menschen ernähren. Als der Höhlenbewohner erneut in die Stadt einkehren, einen farbigen Stallburschen abschlachten, Pferde stehlen und Stadtbewohner in ihre Höhlen verschleppen, beschließt Sheriff Franklin Hunt (gespielt von Altstar KURT RUSSELL) dem grausamen Treiben ein Ende zu bereiten. Er trommelt eine Gruppe Freiwilliger zusammen und folgt den Entführern in die Berge. Leider sind die stärker als erwartet, denn bewaffnet mit Pfeil und Bogen trotzen sie den Gewehren ihrer Verfolger. Leider haben unsere tapferen Helden nicht mit der Zähheit ihrer Gegner gerechnet. Die befinden sich bald selbst auf dem Speiseplan der Kannibalen und müssen ums Überleben bangen.
 
 
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Laut diversen Interviews schlug das Herz des amerikanischen Regie-Neulings schon immer für das Western-Genre. So wirkte er bereits als Kameramann und Drehbuchautor (darunter der Anstalts-Horror THE INCIDENT) an diversen Filmprojekten mit, nahm sich aber auch die Freiheit selbst Romane und Drehbücher über den Wilden Westen zu schreiben. Mit BONE TOMAHAWK konnte sich Macher S. CRAIG ZAHLER einen langjährigen Traum verwirklichen und eines seiner eigenen Western-Skripte auf die Leinwand bringen. Angelehnt an die schmuddligen Spaghetti-Western der späten 1960, überrascht Zahler mit unüblicher Kreuzung von Filmgenres. BONE TOMAHAWK ist kein lupenreiner Western in dem Postkutschen ausgeraubt oder Revolverduelle zelebriert werden. Vielmehr entpuppt sich der Streifen als Western-Spektakel der Extreme, das von deftigen Horrorelementen Gebrauch macht und das nicht gerade wenig.
 
 
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Regisseur S. CRAIG ZAHLER verlangt einiges vom Zuschauer ab. Er setzt Sitzfleisch und Geduld voraus, belohnt dafür mit atemberaubenden Landschaftsaufnahmen und überraschend brutalem Ende. So ist der erste Langfilm mit knapp 130 Minuten äußerst lang geraten, weil er sich zu viel Zeit lässt, um den beschwerlichen Fußmarsch seiner vier Helden auf Film zu bannen. Die erzählen viel und erreichen erst kurz vor der Zielgerade das Land der Kannibalen. Spätestens dann erwacht BONE TOMAHAWK aus seiner Lethargie. Dank drastischem Richtungswechsel hinterlässt der Film Eindruck, denn im Finale wird der anfängliche Neo-Western zum harten Überlebens-Horror, in dem die wohl deftigsten Gewaltmomente vor die Linse kommen, die man bisher im Cowboy-Genre gesehen hat. Statt lustigem Fun-Splatter zu zelebrieren, bleibt BONE TOMAHAWK todernst, sorgt aber immerhin für einige Schmunzler, weil die Helden trotz ernster Lage, coole Sprüche auf den Lippen haben. Trotzdem ist BONE TOMAHAWK ein zweischneidiges Schwert. Fans staubiger Wildwestfilme dürfte die schwerfällige Inszenierung und das zu grausame Ende abschrecken. Horrorfans werden sich dagegen mit der ersten Hälfte schwertun, die im Grunde kaum Schauwerte bietet und nur wenig zu erzählen hat. Dennoch sollte man S. CRAIG ZAHLER für den Mut zum Unkonventionellen beglückwünschen. Der hat trotz zähem Erzählstil einen Western geschaffen von dem man zweifelsohne behaupten kann, so etwas noch nie gesehen zu haben.
 
 
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BONE TOMAHAWK – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein seltsamer Mix zwei Filmgenres, die unterschiedlicher nicht sein könnten. BONE TOMAHAWK ist ein außergewöhnlicher Film der Extreme. So ist der Streifen mit knapp 130 Minuten nicht nur ziemlich lang; er hat auch 90 Minuten kaum Erwähnenswertes zu erzählen. So wohnt der Zuschauer vier Helden bei, die unermüdlich durch staubige Landschaften stiefeln und dabei über Gott und die Welt plaudern. Immerhin hat Regie-Newcomer S. CRAIG ZAHLER ein Ass im Ärmel. Der Neo-Western wird kurz vor der Zielgeraden zum harten Überlebens-Horror in dem Menschen wie Vieh vor der Kamera zerlegt werden. Leider dürfte die ungewöhnliche Machart nicht bei jedem Zuschauer gut ankommen, denn die teils ereignislose Machart, die lange Laufzeit und das behäbige Tempo machen die Augen des Publikums schwer.
 
 
 


 
 
 

BONE TOMAHAWK – Zensur

 
 
 
BONE TOMAHAWK hat wegen der kompromisslosen Splattereinlagen von der FSK eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten. Verwunderlich ist das nicht, denn am Ende gibt es einige harte Hinrichtungen zu sehen. Löblicherweise ist der Film hierzulande ungeschnitten erschienen.
 
 
 


 
 
 

BONE TOMAHAWK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Bone-Tomahawk-bluray

(c) Constantin Film | Highlight Communications

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Bone Tomahawk; USA 2015

Genre: Horror, Western

Ton: Deutsch DTS-HD HR 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD HR 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1920 x 1080p)

Laufzeit: ca. 132 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Kinotrailer, Trailershow

Release-Termin: 21.01.2016

 

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BONE TOMAHAWK – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Constantin Film | Highlight Communications

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Gallowwalkers (2012)

John Carpenters Vampire (1988)

Ravenous – Friss oder stirb (1999)
 


Filmkritik: “Closer to God” (2014)

 Closer to God (2014)
 
 
 

CLOSER TO GOD

Story

 
 
 
Ein geklonter Junge bricht aus seinem Gefängnis aus, läuft Amok und verwandelt sich in eine Killermaschine.

 
 
 


 
 
 

CLOSER TO GOD – Kritik

 
 
 
Eine weitere Episode aus der Reihe: Unethische Experimente und ihre Folgen. Mittlerweile ist die Geschichte von Dr. Frankenstein und dem von ihm künstlich erschaffenen Menschen nicht mehr ganz so taufrisch. Knapp 200 Jahre ist es bereits her, dass der Roman aus der Feder von MARY SHELLEY anonym veröffentlicht wurde, zu Weltruhm kam und mittlerweile unzählige Regisseure zu Filmen inspiriert hat. Einer derer ist BILLY SENESE. Der befasst sich in CLOSER TO GOD mit dem heiklem Thema, das wohl nie an Brisanz verlieren dürfte, denn auch die moderne Interpretation des zeitlosen Frankenstein-Stoffs klärt auf, dass die Erschaffung von Mensch und Tier lieber Gott oder Natur überlassen werden sollte. Es ist die Debatte vom Klonen menschlicher Individuen, die in CLOSER TO GOD neuen Zündstoff erhält. Darin spielt JEREMY CHILDS den modernen Frankenstein namens Victor (was für ein Zufall), dem es gelingt den ersten menschlichen Klon zu erschaffen. Das Kind namens Rebecca kommt gesund im Labor auf die Welt und wird zugleich der Presse vorgestellt. Leider findet das Experiment nicht nur Befürworter. Unmengen Gegner machen dem Wissenschaftler das Leben schwer, weshalb sich Genetiker Victor Reed in sein Anwesen zurückzieht, um den Klon dort großziehen und erforschen zu können. Was die Öffentlichkeit nicht weiß: Rebecca ist nicht die erste künstlich erschaffene Kopie eines Lebewesens. Im Haus nebenan haust hinter dicken Türen Testobjekt Ethan – ein ebenfalls geklonter Mensch, bei dessen Erschaffung nicht alles nach Plan gelaufen ist. Der deformierte Junge legt aggressives Verhalten an den Tag, flüchtet aus seinem Gefängnis und schlägt jeden mit einer Eisenstange nieder, der sich ihm in den Weg stellt.
 
 
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Bis das wütende Kind jedoch durch den Film hetzen darf, vergeht viel Zeit. Regisseur und Drehbuchautor BILLY SENESE macht nämlich von der altmodischen Methode des Angstmachens Gebrauch. Das bedeutet, dass sich der Film (zu) viel Zeit mit dem Erzählen seiner Geschichte nimmt und sich weniger auf die Zurschaustellung missgebildeter Kreaturen oder auf möglichst blutige Gewaltmomente konzentriert. Stattdessen entwickeln sich die Ereignisse gemächlich und die Gestalt des ungeliebten Klon Ethan wird aus Spannungsgründen erst am Ende gezeigt. Ein geschickter Schachzug den ohnehin gelangweilten Zuschauer bis zum Abspann vor dem Fernsehapparat zu halten, denn sonderlich packend ist CLOSER TO GOD nicht inszeniert. Interessanterweise ist CLOSER TO GOD der erst zweite Film von Regisseur BILLY SENESE, welcher sich bei seinen bisherigen (Kurz)Filmen von Thrillern der 1970ern (darunter: DER DIALOG oder DIE UNBESTECHLICHEN) inspirieren lies. Der hatte bereits 2007 den Indie-Thriller DARK AWAKENING inszeniert, war aber nach dem stressigen Dreh derart ausgepowert, dass er vom Filmemachen lange Zeit nichts wissen wollte. So fand er Erfüllung in der Produktion von gruseligen Hörspielen. Eine dieser unheimlichen Erzählungen mit dem Titel THE SUICIDE TAPES brachte er sogar 2014 in Form eines Kurzfilms auf die große Leinwand und wurde auf dem internationalen Filmfestival FANTASIA mit Preisen und Lob überhäuft. Das spornte den Filmemacher an, an einem neuen Langfilm zu arbeiten. Kurzum war die Idee zu CLOSER TO GOD geboren, die er anschließend mit kleinem Budget und viel Herzblut fürs Kino aufbereitete.
 
 
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In Interviews erklärte BILLY SENESE, dass er eigentlich nie vorhatte, in erster Linie einen Film über das Klonen zu drehen. Er war viel mehr daran interessiert, sich mit der Unvermeidlichkeit des Fortschritts zu beschäftigen. Während seiner Recherchen zum Film stieß er auf das Zitat eines Genetikers, das die Rastlosigkeit der Wissenschaft zum Ausdruck brachte. Der Gedanke, dass Experimente – wie das Klonen – durchgeführt werden, ohne dass jemand davon weiß, lies den Regisseur derart erschauern, dass er darüber ein Drehbuch schreiben musste. Leider verlieren die schaurigen Gedanken des Regisseurs im Film an Intensität, denn CLOSER TO GOD hat so seine Probleme, die im Grunde kontroverse Problematik ansprechend verpackt an den Zuschauer zu bringen. So quält sich CLOSER TO GOD damit eine Geschichte zu erzählen, die eigentlich auf einen Bierdeckel passt, jedoch auf Spielfilmlänge gestreckt werden musste, um der Bezeichnung Spielfilm gerecht werden zu können. Was bleibt ist ein zäher und trocken inszenierter Versuch sich mit Vor- und Nachteilen medizinischen Fortschritts zu beschäftigen, mit dem man sich aufgrund sperriger Inszenierung nicht ernsthaft auseinandersetzen möchte. Der zähe Mix aus Drama, Thriller, Science-Fiction und Horror kann zwar mit ungeschliffenem und morbidem Indie-Look überzeugen, dürfte aber wegen seiner spannungsarmen Inszenierung schnell zum Abschalten animieren. Mehr Pepp und Tempo hätte in diesem Falle Wunder bewirken können.
 
 
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CLOSER TO GOD – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Düstere Zukunftsvision, schaurig verpackt: Darf man Menschen künstlich erschaffen? Haben Klone ein Recht auf Leben? Welche Vorteile besitzt das Klonen menschlicher Individuen für die gesamte Menschheit? Regisseur und Drehbuchautor BILLY SENESE greift in CLOSE TO GOD essenzielle Fragen auf und beschäftigt sich in CLOSER TO GOD mit der Unvermeidlichkeit medizinischen Fortschritts. Leider dürfte die brisante Thematik in diesem Falle schnell zu Ermüdungserscheinungen führen, denn CLOSER TO GOD ist ziemlich zäh und spannungsarm inszeniert. Erst im Finale erwacht der Streifen aus seiner Lethargie und kann dank amoklaufenden Probanden eines fehlgeleiteten Experiments noch Pluspunkte sammeln. Zu einem guten Film reicht es dennoch nicht. Dafür wurmt es zu gewaltig im zu lang geratenen Drehbuch, das mit viel Langeweile Lebenszeit raubt.
 
 
 


 
 
 

CLOSER TO GOD – Zensur

 
 
 
Schauwerte halten sich in CLOSER TO GOD leider in Grenzen. Am Ende werden einige Erwachsene von einem aggressiven Kind mit einer Eisenstange verprügelt. Zwei Protagonisten müssen ihr Leben lassen. Doch das ist nicht alles. Auch der Schöpfer der Klone bekommt sein Fett weg und wird am Ende erschossen. Hierzulande dürfte der Film ohne Probleme die FSK16 passieren.
 
 
 


 
 
 

CLOSER TO GOD – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Wiege des Bösen (1974)
 
Die Wiege des Satans (1974)
 
Die Wiege des Schreckens (1987)
 
Godsend (2004)
 


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