Filmkritik: „Bloodthirsty“ (2020)

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BLOODTHIRSTY

Story

 
 
 
Eine erfolgreiche Musikerin steht unter Druck für ihr zweites Album, aber sie hat mit Visionen zu kämpfen und bekommt immer mehr Lust auf Fleisch.

 
 
 


 
 
 

BLOODTHIRSTY – Kritik

 
 
Im Werwolf-Genre wurde eigentlich schon alles gesagt. Selbst andere Herangehensweisen an dieses Thema gab es schon etliche. Trotzdem ist der klassische Stoff natürlich noch immer sehr beliebt, weshalb sich nun auch „Bloodthirsty“ an dieser Thematik versucht. Dabei sollte dem Zuschauer jedoch von vornherein klar sein, dass er es nicht mit einem typischen Werwolf-Film zu tun bekommt, denn ansonsten dürften Enttäuschungen vorprogrammiert sein. Wenn man sich jedoch auf einen sehr ruhigen Horrorfilm einstellt, der deutlich mehr in Richtung Drama schielt, bekommt man ein funktionierendes Exemplar geboten, welches einige Qualitäten besitzt.
 
 
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Die erfolgreiche Indie-Musikerin Grey hat mit ihrem ersten Album einen echten Hit gelandet. Nun geht es um das zweite Album, was Grey ziemlich unter Druck setzt. Zusätzlich wird sie von visionsartigen Albträumen geplagt, weshalb sie Medikamente einnimmt. Als der erfolgreiche Musikproduzent Vaughn Daniels Grey und ihre Lebensgefährtin zu sich in sein Anwesen, tief im verschneiten Wald, einlädt, wird die Sache nicht gerade besser. Grey, die eigentlich Veganerin ist, bekommt immer mehr Lust auf Fleisch, die Albträume werden schlimmer und Vaughn scheint auch so seine Geheimnisse zu haben. Nein, mit einem typischen Werwolf-Film hat die Story nicht viel gemeinsam. Man sollte also keine Verwandlungen etc. erwarten, denn „Bloodthirsty“ nähert sich dem Thema doch deutlich anders. Dass die Protagonistin lesbisch und Veganerin ist, passt in die momentane Zeit, doch gerade das Thema um den Verzicht auf Fleischkonsum, ergibt hier deutlich Sinn. Ansonsten lebt die Geschichte am ehesten von der anfänglichen Undurchschaubarkeit. Da gibt es hinterher so einige Wendungen, die man nicht unbedingt vorhersehen konnte. Insgesamt überzeugt das Drehbuch, weil es stimmig erzählt wird und auch eine ansprechende Umsetzung erhalten hat.
 
 
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Regisseurin Amelia Moses, die mit „Bloodthirsty“ erst ihren zweiten Langfilm gedreht hat, behandelte das Thema auch schon in ihrem Debüt und ist davon scheinbar recht angetan. Dass der Film sicher kein besonders hohes Budget gehabt haben wird, sieht man ihm dabei kaum an, weil hier alles sowieso recht minimalistisch gehalten wurde. So spielt sich das Treiben überwiegend in dem Haus in den Wäldern ab, doch dieser Schauplatz ist stimmig und macht etwas her. Für genug Abwechslung wird optisch dennoch gesorgt und auch die Visionen sind solide gestaltet. Die Atmosphäre bietet allerdings viel weniger Horror, als man erwarten dürfte, denn „Bloodthirsty“ kommt sehr ruhig daher und bedient deutlich mehr Drama-Elemente. Der Stimmungsaufbau ist allerdings gelungen, wenn man mit der gemächlichen Geschwindigkeit klar kommt. Besonders das letzte Drittel funktioniert deshalb ordentlich, weil sich hier der Horror so langsam entfalten kann. Handwerklich wurde das sauber umgesetzt. Zwar wird dem Zuschauer nicht unbedingt etwas Besonderes geboten, aber ein paar Szenen besitzen durchaus ihren Reiz.
 
 
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Man muss es nur eben langsam mögen. So gelungen der Aufbau auch sein mag, es mangelt dem Geschehen eindeutig an Spannung. In der ersten Stunde gibt es davon nämlich nicht viel zu erleben. Hier besteht der Reiz eher darin, dass es ein paar Geheimnisse zu lüften gilt und man als Zuschauer nicht wirklich wissen kann, ob sich Grey wirklich in einen Werwolf verwandelt oder ob sie eben doch nur psychisch krank ist. Da dreht sich das Treiben auch recht viel um die Musik, welche von der kanadischen Künstlerin Lowell gut und passend geschrieben wurde. Selbst wenn das kaum langweilt, mangelt es einfach an Bedrohung und aufregende Unterhaltung sieht definitiv anders aus. Zum Glück wird im letzten Drittel dann aber doch noch an der Spannungsschraube gedreht, weshalb es sich durchaus lohnt durchzuhalten. Mit seinen 85 Minuten (mit Abspann) ist „Bloodthirsty“ nicht zu lang ausgefallen, aber trotzdem nicht gerade kurzweilig. Hier hätte man dem Zuschauer zwischendurch doch noch etwas mehr Horror präsentieren dürfen. Wirklich brutal wird es übrigens auch selten. Die blutigen Effekte sehen solide aus, kommen aber nicht oft vor.
 
 
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Dass man sich das ruhige Treiben gut gefallen lassen kann, liegt dann vor allen Dingen an den souveränen Darstellern. Ohne diese hätte ein solches Szenario auch gar nicht funktionieren können. Lauren Beatty macht sich in der Hauptrolle wirklich gut und man kauft ihr ihre Figur durchaus ab. Doch auch Greg Bryk macht als ominöser Musikproduzent etwas her und besitzt genügend mysteriöse Ausstrahlungskraft. Katharine King So fällt da mit ihrer etwas belanglosen Rolle ein wenig ab und ansonsten spielt so gut wie kein Darsteller eine größere Rolle. Übrigens ist noch Michael Ironside mit dabei, der ist jedoch dermaßen wenig zu sehen, dass er seine Erwähnung eigentlich auch nur deshalb bekommt, weil er eben doch ein recht großer Name im B-Movie-Bereich ist. Die Figurenzeichnung ist nicht schlecht geworden, aber auch nicht gerade ein Highlight. Die Charaktere funktionieren zwar und sind nicht zu künstlich, wirken aber dennoch relativ konstruiert und ein echtes Mitgefühl entsteht hier nicht. Trotzdem holt „Bloodthirsty“ in diesem Bereich mehr heraus, als man erwarten dürfte und von daher ist das schon in Ordnung so.
 
 


 
 
 

BLOODTHIRSTY – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Wer einen blutigen, effektreichen Werwolf-Film erwartet, wird von „Bloodthirsty“ sicherlich enttäuscht sein. Viel eher sollte man eine Art Indie-Drama mit Horror-Anteilen erwarten. Außerdem muss man es ruhig und langsam mögen, um mit diesem Werk warm zu werden. Der gemächliche Aufbau ist gut gelungen, lässt aber leider auch so manch eine Länge entstehen und dass die Laufzeit gerade mal 85 Minuten beträgt, vergisst man nebenbei schon mal. Es mangelt an Spannung und an Horror, denn diese Elemente kommen erst im letzten Drittel so langsam vor. Gerade weil die Darsteller das so solide spielen und die Inszenierung gut geworden ist, schaut man dem Treiben jedoch trotzdem gerne zu. Außerdem ist die Story passabel geschrieben und wartet mit einer funktionierenden Wendung auf. Score und Soundtrack runden das Ergebnis durchaus souverän ab. So ist „Bloodthirsty“ im Endeffekt sicher kein Highlight, aber doch relativ hochwertig gemacht und eine Sichtung wert, wenn man es ruhiger mag!
 
 


 
 
 

BLOODTHIRSTY – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Bloodthirsty“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

BLOODTHIRSTY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Pierrot Le Fou (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Bloodthirsty; Kanada 2020

Genre: Drama, Thriller, Horror, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 85 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 03.12.2021

 

Bloodthirsty [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

BLOODTHIRSTY – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Pierrot Le Fou)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ginger Snaps (2000)
 
Raw (2016)
 
Bleed with Me (2020)
 

Filmkritik: „Unearth“ (2020)

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UNEARTH

Story

 
 
 
In „Unearth“ gibt es eine weitere Variante zu sehen, was passieren kann, wenn der Mensch schlecht mit seinem Heimatplaneten umgeht.

 
 
 


 
 
 

UNEARTH – Kritik

 
 
Es scheint momentan relativ beliebt zu sein, Horrorfilme mit gesellschaftskritischen Themen anzureichern. Man bekam in letzter Zeit nämlich ein paar Werke zu sehen, die sich besonders mit dem Thema Umwelt beschäftigten. Dass der Mensch mit dieser nicht gerade gut umgeht, dürfte kein Geheimnis sein. Zusätzlich ist die Zeit, in der wir seit der Corona-Pandemie leben sicher auch nicht gerade leicht. Solche Stoffe lassen sich wunderbar zu Dramen umformen, aber „Unearth“ will nebenbei auch ein Horrorfilm sein. Eines kann man ruhig schon verraten: Er ist auch ein durchaus effektiver Vertreter seiner Art, aber bis der Zuschauer davon etwas bemerkt, vergeht sehr viel Zeit.
 
 
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Die Dolans und die Lomacks sind zwei benachbarte Farmerfamilien im ländlichen Amerika. Das Geschäft läuft schon lange nicht mehr gut und stets sitzt die Angst im Nacken, dass man seinen Hof verlieren könnte. Deshalb geht George Lomack einen Deal mit einem Öl- und Gaskonzern ein. Dieser möchte gerne Erdgas per „Fracking“ gewinnen und George hofft, dass er mit dem Geld seinen Hof retten kann. Dadurch beginnt er nicht nur Streit mit den Dolans, sondern auch mit der Umwelt. Diese ist nämlich erbost über die Methode Erdgas zu gewinnen und setzt einen Stoff frei, der das Leben aller Beteiligten schon bald drastisch verändern soll. Bei Fracking wird Erdgas und Erdöl gewonnen, indem man Wasser mit Zusatzstoffen in die Erde pumpt. Dieses Verfahren ist höchst umstritten und hat große Konsequenzen. Da sich damit aber Geld verdienen lässt, wird es natürlich trotzdem praktiziert. Das Thema alleine hätte schon ausgereicht für einen Film, aber zusätzlich sieht das Drehbuch einen übernatürlichen Anteil vor. Das sorgt natürlich für Abwechslung und wirkt im Endeffekt auch ganz ordentlich überdacht. Sowieso hat man sich mit dem Thema ausführlich auseinandergesetzt und bietet so eine Handlung, die in ihrer Message wertvoll ist.
 
 
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Da „Unearth“ einem als Horrorfilm verkauft wird, werden Enttäuschungen allerdings nicht ausbleiben können, denn die gesamte, erste Stunde bedient lediglich das Drama. Hier konzentriert man sich auf die Charaktere und ihre Probleme. Das wirkt durchaus authentisch und sorgt für eine gewisse Tiefe, lässt aber nebenbei leider auch so manch eine Länge aufkommen. Dass man sich so umfangreich um diesen Punkt kümmert, ist eigentlich eine lobenswerte Sache, aber ein bisschen weniger hätte es dann auch getan. Sobald der eigentliche Horror dann nämlich startet, besitzt der Film nur noch wenig Laufzeit und wenn der Abspann erscheint, fühlt man sich fast so, als wäre das Ergebnis gar nicht fertig gewesen. Die Mischung ist also leider nicht ausgewogen und das kostet „Unearth“ einiges an Unterhaltungswert.
 
 
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Dabei macht das Regie-Ehepaar John C. Lyons und Dorota Swies auf handwerklicher Ebene ziemlich viel richtig. Dass nicht besonders viel Budget zur Verfügung stand, kann man zwar erkennen, aber dieser Umstand wird trotzdem gut kaschiert. In der ersten Stunde gibt es sehr schöne Aufnahmen der Landschaften zu sehen. Das Bild wirkt sehr unterkühlt und lässt jegliche Farben vermissen, was gut zur trostlosen Atmosphäre passt. Das Drama macht von vornherein klar, dass hier niemand gewinnen kann. Die Ausgangssituation ist trist. Sobald der Horror-Anteil an Fahrt aufnimmt, wechselt man in die Dunkelheit, was sicherlich eine gute Entscheidung war, weil man so verschleiern kann, dass die Effekte nicht optimal geraten sind. Das bemerkt der Zuschauer nämlich kaum, weil man alles immer nur recht kurz sieht. Trotzdem zieht „Unearth“ hier alle Register und der plötzliche Wechsel ins Body-Horror-Gefilde kann einen schon hart treffen. Da gibt es ein paar wunderbare Ekel-Effekte und alleine für dieses Finale lohnt es sich, den langatmigen Anfang durchzustehen. Begleitet wird das Treiben übrigens von einem stimmungsvollen Score, der meist aus dichten, düsteren Sounds besteht.
 
 
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Auch über die Darsteller lässt sich nichts Negatives berichten. Mit Adrienne Barbeau ist sogar eine richtige Größe mit dabei, die der ein oder andere eventuell noch aus „The Fog“ kennen könnte. Sie dient allerdings nicht nur als Lockmittel, sondern spielt eine größere Nebenrolle und macht das sogar erstaunlich engagiert. Marc Blucas ist ebenfalls kein No-Name und spielt solide. Der Rest des überschaubaren Casts liefert zweckdienlich ab. Das sind keine besonders auffallenden, aber durchaus authentische und brauchbare Leistungen. Dies passt dann auch ganz gut zur Figurenzeichnung, an der man schon recht viel gearbeitet hat. Jeder bekommt seine nachvollziehbaren Probleme. Das wirkt alles recht lebensnah und kommt ohne Übertreibungen aus. Allerdings wirkt es zeitgleich auch nicht besonders markant und nicht jede Figur hätte so viel Aufmerksamkeit gebraucht. Hier hätte man ruhig auch etwas kürzen dürfen, damit man sich hinterher länger um den Horror-Aspekt kümmern kann. Trotzdem ist es mal schön, dass sich ein Horrorfilm bei seinen Charakteren Mühe gibt!

 
 


 
 
 

UNEARTH – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
„Unearth“ ist der nächste Umwelt-Horror, der ein gesellschaftskritisches Thema anspricht, welches perfekt in die heutige Zeit passt. Leider vergisst der Film lange Zeit, dass er ja eigentlich Horror bedienen möchte. Zwei Drittel der Laufzeit sind ein lupenreines, ruhiges Drama. Das ist zwar nicht verkehrt, lässt jedoch Längen aufkommen. Besonders schade ist es, weil der abschließende Body-Horror-Anteil echt gut gelungen ist. Davon hätte man gerne noch etwas mehr gesehen, denn das Ende hinterlässt einen nur bedingt befriedigt zurück. Abgesehen von einem etwas mauen Unterhaltungswert, bekommt man aber eine ordentliche Inszenierung, eine hochwertige, handwerkliche Arbeit, gute Schauspieler und sogar ziemlich starke Effekte zu betrachten. Das hätte im Endeffekt sicher noch besser werden können, aber wer Sitzfleisch mitbringt und sich darüber bewusst ist, dass in der ersten Stunde nichts horrormäßiges geschieht, der dürfte im Endeffekt trotzdem kaum enttäuscht sein!
 
 


 
 
 

UNEARTH – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Unearth“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

UNEARTH – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Busch Media Group (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Unearth; USA 2020

Genre: Horror, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 94 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer, Interviews, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 08.10.2021

 

Unearth [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

UNEARTH – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Busch Media Group)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Long Weekend (1978)
 
Gaia – Grüne Hölle (2021)
 
Anonymous Animals (2020)
 
The Beach House (2019)
 

Filmkritik: „The Night – Es gibt keinen Ausweg“ (2020)

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THE NIGHT – ES GIBT KEINEN AUSWEG

(THE NIGHT | AN SHAB)

Story

 
 
 
Ein iranisches Pärchen verliert sich Nachts in einer amerikanischen Großstadt und findet in einem Hotel Zuflucht, das seine Gäste nicht ohne weiteres wieder gehen lassen will..

 
 
 


 
 
 

THE NIGHT – Kritik

 
 
Der letztes Jahr entstandene, dieses Jahr in Deutschland herausgebrachte Horrorfilm „The Night – Es gibt keinen Ausweg“ von Spielfilmdebütant Kourosh Ahari handelt von einem iranischen Pärchen, das mit scheinbar verfluchten oder dämonischen Umständen in einem Hotel zu kämpfen hat. Klingt spontan wenig originell, doch wird vom Label mit „The Shining“ von Stanley Kubrick verglichen, kommt online immerhin durchschnittlich weg – eine Genre-Erfahrung, die es wert ist?
 
 
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Nachdem der Trailer zum unterirdischen „The Banishing“ verkraftet wurde, startet „The Night – Es gibt keinen Ausweg“ mit Oboen, orientalisch anmutenden Flöten und einer sechsköpfigen Gruppe von Freunden, die sich auf persisch unterhalten und ein Gesellschaftsspiel á la „Werwolf“ spielen. Unser scheinbarer Protagonist, Babak, kann eine verwirrende Sekunde lang sein Spiegelbild nicht sehen, abseits davon bleibt das Foreshadowing in den ersten Dialogen wunderbar ungenau und falsche Fährten legend, da direkt vom Konflikt Männer vs. Frauen, einem rächenden Geist und den Härten eines Krankenhausjobs geredet wird, was sich alles realistisch und authentisch anfühlt, zudem in nahezu jede Richtung ausschlagen könnte. Wenige Minuten später sondern sich unser Protagonisten-Pärchen, Babak und Neda, ab, und fährt nach Hause, wobei durch das inzwischen altbekannte, mysteriöse Trommeln und Klicken in den Opening Credits, zusammen mit der Drohnenfahrt über das durch die Nacht fahrende Auto, wohl eine ähnlich intensiv-beunruhigende Atmosphäre wie bei „The Invitation“ aufkommen soll, was aber nur so halb funktioniert. In einer hübschen Einstellung kreist die Kamera bis sie kopfüber steht und fährt auf das Auto zu, ein paar Klischees – das vergessene Ladegerät, das spinnende Navigationssystem, die scheinbar überfahrene, aber dann verschwundene Gestalt – danach sind diese ungewöhnlichen, aber atmosphärischen, ersten 16 Minuten vorbei und eine Gestalt in dunkler Kutte steht am Wegesrand.
 
 
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Etwas später platziert, man könnte diese Erscheinung als das Ankommen des allzu generischen Standard-Horrors sehen, der diesen bisher sehr kompetenten, ggf. politisch motivierten, ggf. einfach an Authentizität interessierten Thriller oder Horror in die Sackgasse leitet – doch so bleibt noch etwas Zeit, bevor der bittere Geschmack sich verbreitet. Aufgrund der Komplikationen wird trotz schwarzer Katze auf dem Weg nämlich das Hotel „Normandie“ als Unterschlupf für die Nacht genutzt und nicht nur ist die Lobby dieses Hotels das größte optische Highlight des Films, nein, auch die leicht schrullige, mysteriöse, herzliche dann wieder schroffe Performance von George Maguire als stilsicherer, klassischer Rezeptionist sorgt für Anspannung und Unterhaltung.
 
 
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Die gespenstische, traumhaft beleuchtete, noble Lobby mit argentoesquer, roter Tür die direkt aus Suspirira stammen könnte, einem gruseligen, prunkvollen Gemälde und in der Tat an den Gänsehaut erzeugenden Ballroom aus The Shining erinnernder, leise im Hintergrund absgespielter Musik mit perfekter Produktion machen richtig Lust auf den weiteren Film, stellen die Frage, welche gruseligen Geschichten oder auswegslosen Situationen sich in diesem alten Gebäude verbergen, laden ein auf noch ganze 80 Minuten Horrorfilm. Doch besser wird es leider nicht.
Denn was die hübschen HD-Einstellungen, die anfänglich noch reizvoll zwischen kunstvoll beleuchteten Bildern und quasidokumentarischen Perspektiven hin- und herwechselten, von nun an erzählen dürfen, das ist altbekannt: Lange Hotelflure bei Nacht sind gruselig, ermüden sich nach ein paar Einstellungen aber, ein wiederholt weinendes, quengelndes, zum Aufstehen aufforderndes Baby ist nervig aber auch wenig spannend. Einzig die ominösen, düsteren Andeutungen des Rezeptionisten bescheren dem ersten Drittel noch etwas Mehrwert und angedeutete Geschichte, abseits davon beginnt die Geduld des Zuschauers aber bereits nach rund 35 Minuten strapaziert zu werden.
 
 
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Auch das subtile, überzeugend abgemischte Sounddesign von den flirrenden Neonröhren über tropfende Wasserhähne, knarzende Schritte oder alte Musikboxen ist hervorragend gewählt und könnte wahrlich beunruhigende Szenen zaubern, würde inhaltlich nicht die altbekannte Mischung aus Träumen, Erinnerungen, Andeutungen und verschwindenen Plagegeistern aufgetischt. Extradiegetische, laute Jumpscare-Sounds in eigentlich nicht schockierenden Einstellungen rauben jede Subtilität wieder, die gezupften Seiten im bis dato schon bekannt wirkenden Soundtrack klingen später wirklich 1:1 wie die aus „The Invitation“. Schade nicht nur um das Sounddesign und die starke Performance von Maguire, sondern so einige Elemente, die prinzipiell stimmen: So kommt nach knapp einer Stunde, als die Luft das erste Mal so wirklich raus ist, noch Michael Graham für einen amüsanten Einschub als Cop vorbei und auch die Technik ist teilweise richtig ansprechend, in der Golden Hour auf dem Hausdach gefilmt, professionell editiert, mit ein paar beklemmenden Szenenkonzepten.
 
 
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Doch wer 100 Minuten lang Horror mit nur einem Setting und hauptsächlich nur zwei Charakteren inszenieren will, der muss inhaltlich viel früher für einen Hook, eine Konsequenz, eine Fallhöhe oder Anspannung sorgen, als es hier der Fall ist – denn erst nach rund 70 Minuten werden für das Finale Dinge ausbuchstabiert, und dann mit dem Holzhammer die Läuterung inszeniert. Eins der Motive ist moralisch gelinde gesagt fragwürdig und als „Erklärung“ unzureichend, das andere oft gesehen und ohne weiteren Belang für die Story. Und so endet also auch „The Night – Es gibt keinen Ausweg“ nach hart erkämpfter, unverdienter Lauflänge und nicht einer Szene, die sich nachhaltig einbrennt.
 
 


 
 
 

THE NIGHT – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
Ein weiterer moderner, professionell aussehender, solide bis gut gespielter, überlanger Slowburn-Horror über Sünde und Sühne, endlose Korridore und düstere Vergangenheiten. Nie gruselig, sehr schnell ermüdend, oft gesehen.
 
 


 
 
 

THE NIGHT – Zensur

 
 
 
Die deutsche Veröffentlichung von „The Night – Es gibt keinen Ausweg“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

THE NIGHT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Night; Iran / USA 2020

Genre: Thriller, Horror, Drama, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 105 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer, Bildergalerie

Release-Termin: KeepCase: 26.08.2021

 

The Night – Es gibt keinen Ausweg [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE NIGHT – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Banishing – Im Bann des Dämons (2020)
 
Zimmer 1408 (2007)
 
Under The Shadow (2016)
 

Filmkritik: „Freaks – Sie sehen aus wie wir“ (2018)

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FREAKS – SIE SEHEN AUS WIE WIR

FREAKS

Story

 
 
 
Die siebenjährige Chloe muss die schmerzhafte Erfahrung machen, dass es außerhalb der eigenen vier Wänden alles andere als sicher ist.

 
 
 


 
 
 

FREAKS – Kritik

 
 
Wenn ein Film mit dem Titel FREAKS auf Blu-ray und DVD gepresst wird, stehen Filmfans nicht unbegründet die Haare zu Berge. Wurde hier etwa die Remake-Presse angeworfen? Im Fall dieser US-amerikanischen Produktion können wir aber Entwarnung geben. Hier halten wir keine Neuverfilmung des gleichnamigen Gruselklassikers von 1932 in den Händen. Stattdessen lockt man mit frischen Ideen und cleverer Erzählweise vom Ofen hervor. Das sah man auch auf einigen Filmfestivals so. FREAKS wurde als Überraschungshit in Toronto und Sitges gefeiert. Zu Recht, denn der Mix aus Science-Fiction, Horror und Drama ist nicht nur hoch spannend, sondern spielt auch noch virtuos mit der Unsicherheit des Publikums. Das klingt nach sehenswerter Gruselunterhaltung – und das ist sie auch.
 
 
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Sieben Jahre ist Chloe (LEXY KOLKER) jetzt alt und viel gesehen hat sie von der Welt noch nicht. Das hat auch seinen Grund, denn der Vater (EMILE HIRSCH aus THE AUTOPSY OF JANE DOE) hat sich zusammen mit dem Mädchen in einem heruntergekommenen Haus versteckt, wo er es vor der Außenwelt schützen will. Für Chloe unverständlich. Blickt die heimlich aus dem Fenster auf die Straße, kann sie keine Bedrohung entdecken. Doch das ändert sich schon bald. Als das Familienoberhaupt nach einem Einkauf verletzt nach Hause kommt, wächst der Widerstand zwischen den Familienmitgliedern und die Vater-Tochter-Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt. Chloe stellt Fragen und will endlich wissen, was draußen vor sich geht. Da nimmt sich der Vater ein Herz und klärt den Zögling auf. Mit erschreckenden Folgen.
 
 
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Schwer einen Film vorzustellen, der von seinem Twist lebt. FREAKS – SIE SEHEN AUS WIE WIR (so der erweiterte deutsche Titel) beginnt wie jedes postapokalyptische Weltuntergangsszenario. Wir sehen die Geschehnisse ausschließlich durch die Augen der kleinen Chloe. Die soll auf eine nicht näher erläuterte Katastrophe vorbereitet werden, wird aber – wie der Zuschauer auch – über Hintergründe im Unklaren gelassen. So sind Antworten bewusst Mangelware, um die Spannung zu steigern. Erst nach und nach wird Licht ins Dunkel gebracht und das anfangs noch als Kammerspiel konzipierte Mysterydrama gerät aus den Fugen. Da werden erste Anhaltspunkte verstreut und die kleine hervorragend gewählte Jungdarstellerin kann aus ihrem scheinbar sicherem Gefängnis ausbrechen. Aus Mystery und Drama wird Action und Thrill. Was folgt, ist ein ungewöhnlicher Trip auf der Suche nach der eigenen Identität, der vollgestopft wurde mit interessanten Wendungen, die aus FREAKS eine überraschend kurzweilige Angelegenheit machen.
 
 
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Interessanterweise wurde der souverän verfilmte FREAKS nicht von routinierten Filmemachern inszeniert. Hinter FREAKS stecken die zwei Freunde ADAM B. STEIN und ZACH LIPOVSKY. Letzterer drehte bereits die beiden durchwachsenen Horrorfilme DEAD RISING – WATCHTOWER sowie LEPRECHAUN: ORIGINS und fungierte als Geldgeber für den Sci-Fi-Wackelfilm AFFLICTED. Die beiden Filmfans lernten sich bei Arbeiten an TV-Serien für die WALT DISNEY COMPANY kennen und stellten schnell fest, dass beide eine große Leidenschaft für Science-Fiction-Filme verbindet. Diese brachte man in einem gemeinsamen Drehbuch unter, das die Kumpels über mehrere Jahre schrieben und letztendlich mit kleinem Budget selbst verfilmten. Das Resultat ist für Newcomer-Verhältnisse mehr als solide. Was hier mit kleinem Budget über die Leinwand fegt, ist schon beachtlich. FREAKS schaut zu keiner Minute nach Low-Budget aus, was vor allem auch an den talentierten Schauspielern liegt. Nach diesem gelungenen Festivalhit kann man nur gespannt darauf sein, was das Duo als Nächstes auf die Leinwand bringen wird. Schenkt man dem Ende von FREAKS Glauben, wäre eine Fortsetzung möglich. Die würden vermutlich eingefleischte Horror- und Science-Fiction-Fans mehr als begrüßen.
 
 
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FREAKS – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Superspannender Genre-Mix, der nach deutlich mehr ausschaut, als er wohl gekostet hat. Was emotional und klaustrophobisch beginnt, verwandelt sich spätestens nach der Halbzeit in einen packenden Thriller mit jeder Menge Wendungen. FREAKS – SIE SEHEN AUS WIE WIR ist kein Film, den man sofort durchschaut. Das intelligente Drehbuch lässt den Zuschauer auf glühenden Kohlen sitzen und versorgt das Publikum nur häppchenweise mit Informationen. Eine raffinierte Hinhaltetaktik, die FREAKS weit mehr als gewöhnlich macht. Die letztendliche Auflösung macht Lust auf mehr und hält sich so einige Hintertürchen für (eine) mögliche Fortsetzung(en) offen. Unbedingt sehenswert!
 
 
 


 
 
 

FREAKS – Zensur

 
 
 
FREAKS – SIE SEHEN AUS WIE WIR ist keine Gewaltorgie. Erst in der zweiten Filmhälfte gibt es einige Tote zu sehen. Die Gewalt ist hierbei sehr reduziert. Meist blendet die Kamera weg. Hierzulande bekam der Streifen von der FSK eine Jugendfreigabe. Die deutsche Fassung besitzt einen blauen FSK16-Flatschen.
 
 
 


 
 
 

FREAKS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Freaks; Kanada | USA 2018

Genre: Thriller, Drama, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 105 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow, Behind the Scenes

Release-Termin: 31.01.2020

 

Freaks – Sie sehen aus wie wir [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

FREAKS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Brightburn – Son of Darkness (2019)
 
The Road (2009)
 
Chronicle – Wozu bist Du fähig? (2012)