Kritik: „Ragman – Trick or Treat“ (1986)

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RAGMAN – TRICK OR TREAT

Story

 
 
 

Eddie, ein unpopulärer Teenager und Freund härterer Rock-Klänge, wird von seinen Mitschülern „Ragman“ gerufen. In den Eighties, diesen oberflächlich grellen Tagen hoher Haare und umgekrempelter Miami-Vice-Sakkos in Pastellfarben, musste sich ein uneitler Jeanskutten-Träger wie Ed eben als Lumpenmann titulieren lassen. Sein Lieblingssänger ist der fiktive aber originalgetreu nach echten Vorlagen arrangierte Hotelzimmer-Zerleger Sammi Curr, den es – geradezu alttestamentarisch ausgleichend – plötzlich im Hotelzimmer zerlegt. Mittelgroße Brandkatastrophe mit prominentem Todesopfer. Nun, das hat unserem pubertären Helden gerade noch gefehlt. Heulend besucht er den sehr fan-freundlichen Radiomoderator Nuke (Gene Simmons), der ihm zum Trost eine Testpressung der neuesten, noch nicht auf dem Markt erhältlichen Curr-LP schenkt. Jetzt wird ein weiterer, nicht kaputtzukriegender Rockmusik-Mythos bemüht. Spielt Kamerad Raggie die Scheibe nämlich rückwärts ab, bekommt er geheime Botschaften zu hören. Die kommen von niemand Geringerem als Sammi Curr selbst. In der übersinnlich geführten Kommunikation mit seinem Idol bekommt Eddie Hilfe zur Selbsthilfe und kann sein Selbstvertrauen beachtlich aufpeppeln. Es kommt, wie es kommen muss. Auch dieser vermeintlich gewinnbringende Deal mit dem Jenseits birgt bittere Gefahren für den menschlichen Geschäftspartner. Sammis Geist will zurück in die Welt und Ragman-Eddie dazu bringen, auf einer Halloween-Sause in der Schule groß angelegt Rache an seinen Peinigern zu üben.

 
 
 


 
 
 

RAGMAN – Kritik

 
 
 
1986 – schmierige „Metal“-Musik, gerne war das lediglich ordinärer Hardrock aus Los Angeles, galt der damals zuständigen Elterngeneration als arge Bedrohung. Heute, dreißig Jährchen später, weiß man, dass die weibisch geschminkten Morphinisten höchstens arme jugendliche Trommelfelle zerkreischt und mit ihren Haarspray-Exzessen die Ozonschicht mit demoliert haben. Aus dem amerikanischen Originaltitel lässt sich sofort herauslesen, um welches oft bemühte Subgenre des Gruselkinos es sich bei diesem feinen Brocken Zelluloid handelt: Einen Feiertags-Horrorfilm. Da in der Bundesrepublik Deutschland der Achtziger das Halloween-Fest in etwa so bekannt war wie südafrikanischer Free Jazz, wäre der Name TRICK OR TREAT auf taube Ohren gestoßen. In Verbindung mit Elementen des noch heute sehr geschätzten Außenseiter-Teenie-Kinos dieser Epoche, wirkt RAGMAN in etwa wie eine etwas schicker poliertere Hardrock-Variante des dreckigen Schüler-Rache-Reißers EVILSPEAK (1981), der seinerseits ja ein Epigone von Stephen Kings Durchbruchs-Verfilmung CARRIE (1976) war. Besonders trifft das im groß orchestrierten Rache-Finale zu natürlich. Durch die amüsant gestalteten Gastauftritte zweier ganz großer Stars des Hardrock, erlaubt man sich sogar ein Element der gelungenen ironischen Auflockerung. Radiomoderator Duke ist KISS-Chef und Zungenakrobat Gene Simmons, der ja während dieser Zeit versucht, sich ein zweites Standbein als Schauspieler zu schaffen. Von diesem Hobby-Plan sollte der „Demon“ zum Glück bald wieder Abstand nehmen. Als fanatischer Fernseh-Prediger gegen alle Formen der Rockmusik taucht Ozzy Osbourne auf und parodiert aufs Feurigste die bigotten Glotzen-Pfarrer aus den USA, die sich jahrelang an ihm abgearbeitet hatten. So überrascht auch kaum, dass die treue Fan-Gemeinschaft von RAGMAN im Metal-Bereich zu finden ist.
 
 
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RAGMAN-Regisseur Charles Martin Smith kennt der bewanderte Filmfreund eher als Schauspieler, vor der Kamera also. Seine unauffällig-glatzköpfige Buchhalter-Erscheinung verbindet man mit zwei New-Hollywood-Klassikern: George Lucas´ AMERICAN GRAFFITI von 1973 und Brian DePalmas hartem Gangster-Actioner DIE UNBESTECHLICHEN (1987). Die Arbeit an RAGMAN ist 1986 sein Debüt auf dem Stuhl des Aufnahmeleiters und es steht anzunehmen, dass der Film auf die gleiche Art eine Auftragsarbeit für den soliden Handwerker war wie die später gedrehten Kinderfilme in Smiths Vita. AIR BUD – CHAMPION AUF VIER PFOTEN ist hier der bekannteste Titel.
 
 
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RAGMAN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Was wir hier haben, ist die Referenz-Veröffentlichung eines Nischentitels mit verdientem kleinem Kultstatus. Ernsthaftigkeit und Ironie tief in fingerdicke Zeitkolorit-Atmosphäre getaucht. Man muss mitnichten ein fanatischer Hardrock-Kenner sein, um diesen wohl-temperierten Mix aus Holiday-Horror und Achtziger-Jahre-Teenager-Außenseiter-Film zu mögen.
 
 
 


 
 
 

RAGMAN – Zensur

 
 
 
Unter dem Titel RAGMAN erschien TRICK OR TREAT bereits zu VHS-Zeiten ungeschnitten frei ab 16 Jahren. Das gilt im Übrigen ebenso für die erhältlichen DVDs und Blu-rays. Sammler seltener Horrorklassiker können demnach bei jeder Veröffentlichung zugreifen.
 
 
 


 
 
 

RAGMAN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM Records (Blu-ray KeepCase)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover A)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover B)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Trick or Treat; USA 1986

Genre: Horror, Klassiker, Musik, Komödie

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover | Mediabook | Hartbox

Extras: Movie Cops – Horns up for Horror, Bang your Head, Filmografien, Bildergalerie, Originaltrailer, Trailershow | zuaärtlich im Mediabook noch eine Soundtrack-CD und ein Booklet

Veröffentlichung: Mediabook: 30.01.2014 | KeepCase: 14.10.2016

 
 
Neben zwei limitierten Mediabooks mit zusätzlichem Booklet und Soundtrack-CD wurde der Film auch in diversen Hartboxen veröffentlicht. Seit Herbst 2016 kann man RAGMAN – TRICK OR TREAT auch in Deutschland als Blu-ray KeepCase im Handel erwerben und muss keine Umwege über das deutschsprachige Ausland in Kauf nehmen. Die darin enthaltene Filmfassung ist selbstverständlich ungeschnitten.
 
 

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RAGMAN – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei NSM Records)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Freakshow (1988)
 
Die Killerhand (1999)
 

Filmreview: „Spookies – Die Killermonster“ (1986)

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SPOOKIES – DIE KILLERMONSTER

Story

 
 
 
Zum Plot: Die prinzipiell immer wieder eingesetzte Gang junger 80er-Klischeemenschen trifft in einer lupenreinen Gothic-Villa in der Nachbarschaft des Friedhofs auf einen fiesen Zauberer, der in der Welt der Hexenbretter und ähnlicher Okkultschweinereien lebt und mit einem solchen Ouija-Board seine abgetretene Flamme ins Reich der Lebenden zurückverpflanzen möchte. In bester Tradition des guten Neonjahrzehnts, kommt so eine ganze Bande ekliger Latexmonster zum Auftritt, die natürlich nichts besseres zu tun haben als den hochhaarigen Jungmenschen nach dem Leben zu trachten.
 
 
 


 
 
 

SPOOKIES – Kritik

 
 
 
Es gibt, meiner bescheidenen Sichtweise nach, Filme, die im übertragenen Sinne funktionieren wie die liebste Kuscheldecke. Man schmeißt sich rein, wünscht sich schlechtes Süßigkeitenfutter zur Unterstützung und weiß, alles ist in Ordnung. Die Achtziger und alles, was mit gummigen Monstern zu tun hat, sollte im Herzen des geschulten Horrorglotzers jenseits der Torturescheiße des dritten Jahrtausends immer einen soft spot treffen. Ob GREMLINS, GHOULIES, die NEON MANIACS oder eben hier die SPOOKIES. Das sind Filme einer anderen und ja, besseren Ära für den Genrefilm. SPOOKIES, der bei uns auch unter dem verschärfenden Titel EVIL SPOOKIES erhältlich ist, zieht seine Inspirationen aus diversen Vorbildern. Der Professor schuldet seine Idee, das Übersinnliche zu nutzen um die Herzdame zu reanimieren unter anderem Dr. Phibes aus dem populären Seventies Vincent-Price-Film von Robert Fuest. Die heraufbeschworenen Unholde sehen zwar feierwürdig verlatext aus und könnten auch aus den geteilten Creature Design Phantasien der Herren Barker, Dante oder Band kommen. Trotzdem schielte ein Äuglein der Filmemacher sicherlich nach Italien oder gar das ländliche Michigan Sam Raimis. Amüsant sind zwei Geschichten. Zum ersten gab es el gran Finanzierungsterror und die Produktion kam zum Erliegen, fast wäre gar nicht fertig gedreht worden. Zweitens hat der Film auch heute noch Fans wegen der – heute würde man sagen Videocliphaftigkeit – des Soundtracks. Die Auftritte der Viecher sind segmentiert und mit eigenen musikalischen Themen unterlegt. Die Bildqualität ist leider nix zum Loblieder anstimmen. Wie lange nicht erlebt, hat man für die bösen Spukies offenbar bloß eine alte VHS als Vorlage gehabt, die auch gleich mit allen Feinheiten dieses Mediums zu kämpfen hatte. Störstreifen inklusive. Ist das jetzt Retro oder einfach der Wunsch nach dem Geld nicht?
 
 
 


 
 
 

SPOOKIES – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Endlich. Die SPOOKIES auf DVD und das auch noch in Evil. 80er-Stimmung, passende Musik, Schauspieler wie aus dem Abziehbilderbuch und Effekte wie aus der Zeitkapsel. Die technische Qualität ist eher unter unverschämt zu verbuchen, tut dem Film aber keinen Abbruch. Fans wissen, was sie erwartet.
 
 
 


 
 
 

SPOOKIES – Zensur

 
 
 
In Deutschland gibt es SPOOKIES nur auf DVD, eine Blu-ray ist noch nicht erhältlich. Die deutsche Fassung ist ab 18 Jahren freigegeben und kann ohne Probleme im Handel erworben werden. Die Indizierung wurde aufgehoben.
 
 
 


 
 
 

SPOOKIES – Deutsche DVD

 
 
 
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TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Spookies; Niederlande, USA 1986

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: keine

Bild: 1,33:1

Laufzeit: ca. 82 Min.

FSK: FSK18 – nicht mehr indiziert (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover und anderem Motiv

Extras: Trailershow: Killer Spookies (3:04 Min.), Messias des Bösen (0:44 Min.), 1984 (2:47 Min.), Sam Hell ist der Jäger (1:40 Min.), Under the Blade (1:28 Min.), Labor des Grauens (1:45 Min.)

 
 
 
Nach diversen Bootlegs erscheint SPOOKIES – DIE KILLERMONSTER unter dem neuen Titel EVIL SPOOKIES endlich auch legal auf Heimkinomedium. Das Bild der DVD von MARITIM PICTURES/SAVOY FILM ist hierbei als schlechter Scherz zu betiteln, denn als Grundlage muss wohl eine VHS gedient haben. Das aufgeblähte Vollbild weist Flimmern und Banddefekte auf, so dass Fans, die bereits die Videokassette besitzen getrost auf die DVD verzichten können. Auch der Ton erlaubt keine Freudensprünge, geht aber aufgrund des Alters des Films vollkommen in Ordnung. Extras gibt es, wen wundert es auch, natürlich keine. Im unglaublich miesen und vollkommen lieblos gestalteten Hauptmenü lässt sich gerade einmal der Trailer zu SPOOKIES finden. Der besitzt im Übrigen eine vollkommen andere Synchronisation als der Hauptfilm. Ergänzt werden die mageren Extras mit Werbung andere Filme des Publishers. Immerhin gibt es für den Filmfreund die Wahl zwischen zwei verschiedenen DVD-Einlegern. Dreht man nämlich das DVD-Cover um, bekommt man das alte VHS-Artwork geboten. Eine ganz nette Idee, lässt aber nicht hinwegtäuschen, dass die EVIL SPOOKIES DVD ganz schön überflüssig ist. Wer den Film mag und über das miese Bild hinwegsehen kann, darf gern in Erinnerungen schwelgen und die aktuelle Veröffentlichung kaufen. Filmfreunde, denen auch technische Aspekte wichtig sind, sollten einen großen Bogen um EVIL SPOOKIES aus dem Hause MARITIM PICTURES/SAVOY FILM schlagen, denn das hier gebotene Bild ist in Zeiten gestochen scharfer HD-Master schon eine Frechheit.
 
 

Evil Spookies – Die Killerdämonen [DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SPOOKIES – Trailer

 
 


 
 

Christian Ladewig

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Gremlins (1984)

Ghoulies (1985)

Maniacs – Die Horrorbande (1986)

Filmreview: „Crawlspace – Killerhaus“ (1986)

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CRAWLSPACE – KILLERHAUS

Story

 
 
 
Karl Gunther (Klaus Kinski) ist Hausverwalter, Sohn eines berüchtigten Nazi-Arztes und vermietet die Wohnung eines Wohnkomplexes gern an attraktive Frauen, deren erotisches Treiben er mit inbrünstiger, kinskiesker Leidenschaft durch die Lüftungsschlitze des Gebäudes beobachtet. Keine der Mieterinnen scheint zu ahnen, wer Gunther wirklich ist, denn im Dachgeschoss hat er sein Labor eingerichtet, in dem er die unmenschlichen Experimente seines Vaters aus Ehrfurcht und Liebe zu ihm fortführt.
 
 
 


 
 
 

CRAWLSPACE – Kritik

 
 
 
Wenn es um Horrorfilme geht, erinnert sich manch Fan des Genres gern an die goldenen 80er Jahre zurück – zu einer Zeit, in der der Horrorfilm nicht selten für allerhand Überraschungen sorgte. Auch wenn der Fortsetzungswahn der damaligen Filmemacher – eine Parallele zur heutigen Zeit – kein Ende fand und die Gier nach neuem VHS-Futter kaum Grenzen kannte, so lässt sich rückblickend sagen, dass in dieser Zeit mit legendären Horrorikonen wie Freddy Krueger, dem Pinhead aus Hellraiser, Jason Vorhees, dem Leprechaun und Chucky, einige der vermutlich wichtigsten Filmreihen des Genres entstanden sind. Gerade im B-Horror-Bereich war dieses Jahrzehnt eines der Produktivsten, wobei kleine Filmstudios wie CHARLES BANDS EMPIRE und später FULL MOON-Schmiede selbst mit den miesesten Trash-Produktionen beachtliche Erfolge verbuchen konnten und sich mit Filmen wie RE-ANIMATOR, DOLLS und FROM BEYOND einen festen Platz im Herzen eines jeden Genre-Fans sichern konnte. Der nicht wirklich hochpolierte Horrorfilm CRAWLSPACE aus dem Jahre 1986 ist eines dieser Kaum-Budget-Werke von EMPIRE, das einen gewissen Kultstatus hält. Gedreht in den gleichen italienischen Studiowohnungen, die noch für den Über-Trashfilm TROLL gemietet waren, ist er trotzdem nicht ohne Grund eins der weniger beachteten Werke des Produktionshauses, denn im Grunde genommen ist die Geschichte von Karl Gunther, Sohn eines berüchtigten Nazi-Arztes, der eine Leidenschaft für schöne Frauen hegt und diese durch die Lüftungsschlitze des Gebäudes beobachtet, vollkommener Irrsinn. Was den Film aber erwartungsgemäß sehenswert macht, ist Hauptdarsteller und Berufswahnsinniger KLAUS KINSKI, der hier eine seiner letzten Rollen spielt. Dass der extrovertierte und eigensinnige Schauspieler immer ein Garant für sehenswertes Kino ist, dürfte jedem Filmfan hinreichend bekannt sein. Egal wie hanebüchen ein Film auch sein mag; mit dem KINSKI in der Hauptrolle wird selbst das dünnste Drehbuch zu heißbegehrter Kinounterhaltung. Dennoch muss die Arbeit an CRAWLSPACE für Regisseur und Autor DAVID SCHMOELLER traumatisierend gewesen sein. KINSKI gab sich einmal mehr durchweg eigensinnig, so dass er bereits nach nur drei Tagen Drehzeit gefeuert werden sollte. Doch die Produzenten wollten an KINSKI als Verkaufswert festhalten, so dass SCHMOELLER trotz aller Schwierigkeiten mit dem schwierigen Weltstar auskommen musste. 13 Jahre später realisierte SCHMOELLER einen neunminütigen Kurzfilm mit dem Titel „Please Kill Mister Kinski“, in welchem er auf amüsanter Weise die gar grotesken Dreharbeiten mit KLAUS KINSKI dokumentierte. Praktisch die Taschenversion von WERNER HERZOGS Mein liebster Feind, in dem Schreihals Kinski sogar südamerikanische Indios ans Leder wollen.

CRAWLSPACE ist ein kleiner, schmierig-fieser 80er-Thriller, wie man ihn in jener Zeit gerne einmal auf der Mattscheibe hatte. Trotz der vielen Lobeshymnen, die der Film unter Fans einheimsen konnte, gehört dieser Beitrag zu KINSKIS schlechtesten Arbeiten. Die Differenzen am Set spiegeln sich auch in dessen Lustlosigkeit wieder. KINSKI mimt die Rolle des psychopathischen Hausmeisters (übrigens SLEEP TIGHT aus dem Jahre 2011 fasst das Thema in ähnlicher Weise erneut auf) zwar selbstsicher; sein Schauspiel bleibt jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Reichlich unmotiviert und gnadenlos unterfordert bekleckert er sich in diesem Horror-Thriller nicht gerade mit Ruhm, was natürlich auch wenig verwundert, bietet die extrem dünne Handlung kaum Raum zur Entfaltung. Wie in den 80ern üblich, werden Teens hier von weit über 30-jährigen Darstellern verkörpert, was aus heutiger Sicht nicht selten für herzhaftes Lachen sorgt. Bis auf KINSKI sind hier alle Schauspieler eine mittelschwere Katastrophe, das aber zu verschmerzen ist, denn CRAWLSPACE funktioniert gerade deswegen so unglaublich gut, weil er sich nur selten ernst nimmt. Vor allem die Nazi-Doktor-Klischees wirken fast 30 Jahre nach Entstehung schon merklich haarsträubend und die Vergangenheitsbewältigungsstory stört mehr, als dass sie aufklärend wirken möchte. Immerhin ist CRAWLSPACE mit seinen 77 Minuten straff durchgeplant, so dass nur selten Leerlauf entsteht. Die vorhandene Ereignislosigkeit wird mit allerhand Schabernack bestückt. Der Zuschauer bekommt ein paar schmuddelige Sexszenchen zu Gesicht, diverse Rattenauftritte lassen die Nackenhaare empfindsamer Gemüter zu Berge stehen und einige irrsinnige Todesfallen aus der Prä-Saw-Ära lassen auch heute noch wohldosierte Schauer über den Rücken jagen. Wirklich schockierend ist das aber natürlich nicht und dürfte der neuen Generation an Horrorfans eher lasch erscheinen. Trotzdem, Fans der flippigen 80er Jahre werden an diesem Nonsens ihre helle Freude haben. Im, fürs Jahrzehnt typischen Horrorfinale läuft KINSKI erneut zu Hochform auf und der Zuschauer erlebt einmal mehr, wie spielerisch es dem Egozentriker gelingt, seine Rollen statt mit nötigen Feinschliff eher mit der ihm eigenen Bescheuertenschule zu bereichern. Die Rolle des Karl Gunther ist KINSKI wie auf den Leib geschneidert und lässt schnell vergessen, dass CRAWLSPACE im Grunde genommen ein weiterer austauschbarer Horrorfilm ohne Höhepunkte ist, der eigentlich nur deshalb den heutigen Beliebtheitsstatus genießt, weil Regisseur DAVID SCHMOELLER Schauspiel-Legende KLAUS KINSKI für seinen Film gewinnen konnte.
 
 
 


 
 
 

CRAWLSPACE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Kruder Horror-Klassiker aus den berüchtigten EMPIRE-Studios CHARLES BAND, der mit einem diabolischen KLAUS KINSKI aufwartet und Jahre vor HOSTEL mit allerhand krudem Folterwerkzeug überrascht. Mit einem Augenzwinkern genossen, dürften vor allem Fans von 80er Jahre-Trash-Gurken mit CRAWLSPACE einen Heidenspaß erleben.
 
 
 


 
 
 

CRAWLSPACE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Filmfassung ist ungeschnitten frei ab 18 Jahren, wobei die Freigabe dennoch etwas hochgegriffen scheint, denn CRAWLSPACE ist fast 30 Jahre nach Entstehung nicht sonderlich hart. Eine Jugendfreigabe mit FSK16 hätte es auch getan!
 
 
 


 
 
 

CRAWLSPACE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Crawlspace; USA 1986

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch+Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 80 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailer bei Disc-Start: Maniac (2:02 Min., 1080p), A Little Bit Zombie (2:18 Min., 1080p), The Invisible Man (1:01 Min., 1080p), Originaltrailer (1:17 Min., 576i), Featurette (3:45 Min., 480i), Please Kill, Mr. Kinski (9:05 Min., 576i), TV-Spot 1 (0:33 Min., 480i), TV-Spot 2 (0:32 Min., 480i), Making Of + Interview (45:14 Min., 576i), Trailershow: Alexandre Ajas Maniac (2:02 Min., 1080p), A Little Bit Zombie (2:18 Min., 1080p), The Invisible Man (1:01 Min. 1080p), Maniac – Das Original (3:00 Min., 576i), 11-11-11 – Das Tor zur Hölle (1:45 Min., 1080p), Der Kreuzmörder (2:06 Min., 576i), Shrooms (1:59 Min., 576i), Splinter (1:39 Min., 576i), The Pact (1:56 Min., 1080p), When The Lights Went Out (2:28 Min., 1080p), Timber Falls (2:10 Min., 576i)

 
 
 
Die Blu-ray zum Film aus dem Hause ASCOT ELITE ist in der neuen hauseigenen Sammlerreihe CINEMA TREASURES erschienen, in welcher auserwählte Klassiker das erste Mal auf dem HD-Medium veröffentlicht werden. Die Umsetzung überrascht, denn trotz Low-Budget-Status wurde CRAWLSPACE – KILLERHAUS eine mehr als würdige Veröffentlichung spendiert. Das beginnt bereits bei der Coverauswahl. Denn hier hat der Sammler die Möglichkeit, sich zwischen zwei verschiedenen Motiven zu entscheiden. Das vorliegende HD-Master zeigt eine gute bis sehr gute Bildschärfe. Es sind viele kleine Details in den Nahaufnahmen zu erkennen, die kräftigen Farben und die angenehme Plastizität sind für einen derartigen Film über jeden Zweifel erhaben. Zwar sind hin und wieder kleine Verschmutzungen zu erkennen und auch minimales Filmkorn muss geduldet werden; die genannten Mankos geben aber kein Grund zum Anlass die Blu-ray zu meiden. Wer meint, die vorliegende Scheibe könne nur durch hervorragende Bildqualität trumpfen, der irrt. Denn der Bonussektor setzt noch einen drauf. Was hier geboten wird ist unglaublich umfangreich. Vom Trailer, über Interviews, wird sogar die neunminütige Dokumentation „Please Kill, Mr. Kinski“ geboten, die Regisseur DAVID SCHMOELLER 13 Jahre später realisierte. Herzstück der vielfältigen Extra-Auswahl ist jedoch das Making of zum Film, das in 45 Minuten allerlei Wissenswertes rund um die Produktion bietet. Alle Extras liegen zwar in bescheidener VHS-Qualität wieder, wurden aber deutsch untertitelt. Bleibt zu erwähnen, dass bei derart Umfang ein wenig an der Aufarbeitung des Tons gespart wurde. Hier wird zwar eine sehr gute Stereofront mit einer kräftigen Musikwiedergabe geboten, dennoch ist ein leichtes Rauschen über die gesamte Laufzeit zu vernehmen. Zudem klingen die Stimmen leicht dumpf, aber dennoch sauber. Wer eine Schwäche für 80er Jahre-Trash besitzt sollte unbedingt zuschlagen. Die Scheibe wurde nicht nur mir viel Liebe zum Detail erstellt; sie ist sogar sehr günstig zu haben.
 
 

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CRAWLSPACE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sleep Tight (2011)