Filmreview: „P.O.E. Project of Evil“ (2012)

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P.O.E. PROJECT OF EVIL

Story

 
 
 
Einige italienische Regisseure haben sich sieben literarische Werke des amerikanischen Horror-Schreiberlings EDGAR ALLAN POES vorgenommen und filmische Interpretationen mit reichlich Blut, Sex und Gewalt gedreht …
 
 
 


 
 
 

P.O.E. PROJECT OF EVIL – Kritik

 
 
 
Horror-Anthologiestreifen sind gefragter denn je. Die kleinen Kurzfilmsammlungen erfreuen sich seit den Überraschungserfolgen von V/H/S und THE ABC’S OF DEATH wieder großer Beliebtheit und lassen ähnliche Werke wie Pilze aus dem Boden sprießen. Bereits 2011 hatten 15 internationale Regisseure das Potenzial jener Filmkunst erkannt und an einer Horrorsammlung gewerkelt, die unter dem Titel P.O.E. POETRY OF EVIL in die Händlerregal gebracht wurde. Weil das Sammelsurium bekannter Horrorgeschichten aus der Feder EDGAR ALLAN POES gut angekommen ist, folgt nun der zweite Streich für den sich noch einmal sieben italienische Filmmacher zusammengesetzt haben, um an einer blutigen Erwachsenenvariante der Poe’schen Gruselstorys zu basteln. Bevor jedoch die Freude in Euphorie umschlägt: Herr Argento ist nicht mit von der Partie, dafür aber einige Filmemacher Italiens, deren kleine Genre-Schocker es immerhin schon in den deutschen Handel geschafft haben. Zu den wohl bekannteste Regisseuren diese Riege gehört zweifelsohne EDO TAGLIAVINI, dessen blutreicher Horrorfilm BLOODLINE – DER KILLER hierzulande vom Rechteinhaber sogar in einer hochskalierten 3D-Version auf den Markt geschmissen wurde und es trotz hohem Gore-Gehalt unbeschadet durch die FSK geschafft hat.
 
P.O.E. PROJECT OF EVIL nennt sich der zweite Ausflug in die Welt des EDGAR ALLAN POE, wobei das hier servierte Geschichtengebräu nicht jedem Horrorfan munden dürfte, auch wenn es diesmal deutlich ruppiger zugange geht, als im Streifen zuvor. Die sieben Erzählungen des berühmten Horrorautors werden so ziemlich frei interpretiert und haben außer dem Titel meist kaum noch etwas mit den Schriften Poes gemein. Wirklich unheimlich wird es nicht, dafür aber sehr blutig und vor allem surreal, denn einige der Kurzwerke erinnern eher an bizarre Experimental- und Kunstfilme, als an grausigen Horror. Hier wird einmal mehr deutlich, dass Indie-Streifen meist mehr kreativen Spielraum in der Umsetzung besitzen, als manch teurer Studio-Schocker, deren Macher sich nicht selten an den Auflagen der Produzenten orientieren müssen. P.O.E. PROJECT OF EVIL ist ein engagiertes Indie-Projekt, glänzt mit eigenwilligem Konzept und überrascht durch einen zwar ungeschliffenen aber durchaus charmanten, wenn auch rauen Look. Die Ausleuchtung ist meist miserabel und die Schauspieler vermutlich von der Straße aufgelesen. Dennoch funktioniert der Film auf seine ganze eigene Weise, bietet er doch dem Zuschauer genügend Abwechslung und Abartigkeiten, so dass man auch schon mal darüber hinwegsehen kann, dass nicht alle Segmente qualitativ gleich überzeugen können.
 
Jede Geschichte trägt die individuelle Handschrift des jeweiligen Regisseurs, der hier seine ganz eigene Vision der Poe’schen Gruselmärchen auf Zelluloid gebannt und diese mit allerhand Sex, Mord und Gekröse „verschönert“ hat. Auf Konventionen wird gepfiffen, stattdessen wurde gedreht, worauf man Lust hatte. So kommt der Zuschauer in den Genuss des Stumm-Kurfilms LOSS OF BREATH, in dem ein Pornostar von zwei Schlägertypen seiner Männlichkeit beraubt wird. An Kastrationen fand man vermutlich Gefallen, so dass im recht wortkargen THE TELL-TALE HEART von einem Obdachlosen berichtet wird, der nach Thailand reist, dort seinen Penis abschneidet um ein neues Leben als Ladyboy leben zu können. Nicht minder grausam geht es in der Giallo-Hommage THE MURDERS IN THE RUE MORGUE zu, in der zwei Prostituierte von einem Affen vergewaltigt werden und blutige Rache am Besitzer des Tieres ausüben. Zitate und Verbeugungen hagelt es in P.O.E. PROJECT OF EVIL reichlich, wobei die italienischen Filmemacher vor all jenen Gruselkönigen den Hut ziehen, die im italienischen Genre-Kino Rang und Namen haben. DARIO ARGENTO wird für seine extravaganten Farbspielereien und deftigen Schlitzer-Krimis gehuldigt und der italienische Zombie-Papst LUCIO FULCIO wird mit der Untoten-Episode THE PREMATURE BURIAL noch einmal gen Himmel gepriesen.
 
Auch wenn diese Sammlung von Horror-Kurzfilmen recht durchwachsen ist und man hin und wieder nach dem Sinn in einigen Episoden sucht, bleibt am Ende ein teils verstörendes Stück Film über, das aus den klassischen Geschichten eines EDGAR ALLAN POE zeitgemäße Interpretationen zaubert, mit denen jedoch der verwöhnte Mainstream-Zuschauer herzlich wenig anfangen kann.
 
 
 


 
 
 

P.O.E. PROJECT OF EVIL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein verstörend-bizarres Filmexperiment mit reichlich Sex und Gewalt, das man so vermutlich noch nicht auf dem Bildschirm hatte. Für P.O.E. PROJECT OF EVIL mussten sieben klassische Werke der Schriftstellerlegende EDGAR ALLAN POE herhalten, die hier modern aufbereitet nur noch wenig mit den eigentlichen Schriften des Autors gemein haben. Die sieben italienischen Regisseure konnten sich bei der filmischen Adaptionen soviel Freiheiten nehmen wir nur möglich und haben teils surreale Beiträge auf Zelluloid gebannt, an denen kommerzverliebte Filmfans sicher gar keine Freude haben dürften. Die meisten Segmente dieser Anthologie erinnern an blutige Kunst- und Experimentalfilme, die trotz kleinen Budgets dennoch mit ganz eigenem Look glänzen, auch wenn dieser manchmal mit einigen technischen Defiziten so kämpfen hat. P.O.E. PROJECT OF EVIL verweist ziemlich oft auf das italienische Horrorkino der 80er und huldigt ganz nebenbei die ganz Großen des modernen Euro-Horrors: DARIO ARGENTO und LUCIO FULCI. Wer sich selbst als offener Horrorfan bezeichnet und die Nase voll hat vom ständig sich wiederholenden Horror-Einerlei, sollte mal einen Blick in P.O.E. PROJECT OF EVIL werfen. Anders wie in der Vorgänger-Anthologie P.O.E. POETRY OF EVIL bekommt der Zuschauer hier eine obskure, deprimierende und ziemlich finstere Bilderflut präsentiert, die ihresgleichen sucht.
 
 
 


 
 
 

P.O.E. PROJECT OF EVIL – Zensur

 
 
 
Die Fortsetzung P.O.E. PROJECT OF EVIL ist trotz kostengünstigem Indie-Look ganz schön gepfeffert, was die Gewaltmomente betrifft. Ein Mann wird kastriert und die Kamera hält drauf. Gleich in der zweiten Episode bekommt man eine Frau zu sehen, deren Gliedmaßen abgesägt wurden. Außerdem wird hier recht krude vergewaltigt. Leider wird der Streifen hierzulande nicht veröffentlicht. Das Filmprojekt wurde im deutschsprachigen Ausland veröffentlicht und kann leider nur auf Filmbörsen oder in auf Horrorfilme spezialisierte Onlineshops erworben werden.
 
 
 


 
 
 

P.O.E. PROJECT OF EVIL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) ILLUSIONS UNLTD. films

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: POE – Project Of Evil; Italien 2012

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch Dolby Digital 2.0, Deutsch Dolby Digital 5.1, Deutsch DTS HD 2.0, Deutsch DTS HD 5.1, Englisch Dolby Digital 2.0,, Englisch DTS HD 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,32:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 95 (BD) / ca. 91 Min. (DVD)

FSK: ungeprüft und daher erst ab 18 Jahren (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: diverse Trailer zum Film, 2 Kurzfilme (je ca. 10 Minuten), Trailershow mit drei weiteren Veröffentlichungen des Labels, 84-seitiges Booklet mit den deutschen Übersetzungen aller im Film gezeigten Original-Kurzgeschichten aus der Feder von Edgar Allan Poe

 
 
 
Man muss ILLUSIONS UNLTD. films an dieser Stelle einmal für die mutige Veröffentlichungspolitik loben, denn das österreichische Label bringt seit geraumer Zeit nicht ausschließlich nur Klassiker als deutsche HD-Ersterscheinungen auf den Horror-Markt. Mittlerweile erscheinen in regelmäßigen Abständen sogar neuere Produktionen im deutschsprachigen Ausland, die vermutlich ohnehin keine Freigabe hier in Deutschland erhalten würden. Nach den Splatterstreifen CROSS BEARER, THE CEMETERY und demnächst FIST OF JESUS hat sich das Horror-Label erneut die Rechte an einem äußerst „speziellen“ Indie-Film gesichert, der zur Abwechslung die Marke „Anspruch“ trägt. Auch der experimentale P.O.E. – PROJECT OF EVIL wird mit einer ansprechenden Aufbereitung im Mediabook gehuldigt, wobei man sagen muss, dass diese Veröffentlichung vermutlich die beste weltweit sein dürfte, denn neben eine schicken Verpackung hat sich der Anbieter etwas ganz besonderes einfallen lassen. Im Inneren des Buches befindet sich ein 84-seitiges Booklet mit den deutschen Erstübersetzungen jener EDGAR ALLAN POE Geschichten, die dem Film zugrunde liegen. So können alle Segmente des Streifens mit die Original-Vorlage verglichen werden. Dass sich ILLUSIONS im Gegensatz zu österreichischen Heimkino-Kollegen, wie NSM und XT nicht nur ausschließlich auf Verpackungswahn konzentriert, zeigt einmal mehr die technische Aufbereitung der gebotenen Scheiben. P.O.E. – PROJECT OF EVIL wurde nicht nur mit ansprechender deutscher Übersetzung ausgestattet (von Porno-Übersetzung keine Spur); das Unternehmen hat selbst die Titeleinblendungen der jeweiligen Kurzgeschichten ins Deutsche übersetzen lassen und an deutschsprachige Untertitel für den Hauptfilm gedacht. Zudem stimmt ein ansprechend gestaltetes Bewegtmenü auf den Hauptfilm ein. Doch all das ist natürlich längst nicht alles, denn Bonus hat es selbstverständlich auch auf die Veröffentlichung geschafft. Zu sehen gibt es neben den obligatorischen Filmtrailer auch zwei Kurzfilme (je rund 10 Minuten), die ebenfalls deutsche Untertitel erhalten haben. Drei Programmvorschauen weiterer Streifen des Publishers sind in einer Trailershow zu finden. Wer Horrorfilme jenseits des Mainstream sucht, ist mit P.O.E – PROJECT OF EVIL gut beraten, zumal sich die Veröffentlichung aus dem Hause ILLUSIONS UNLTD. durchaus gut im Sammlerregal macht. Übrigens erscheint das Mediabook in drei verschiedenen Covermotiven. Jedes Buch ist auf 666 Stück limitiert und kommt in bekannter DVD/Blu-ray-Combo daher. Schnell zugreifen heißt da die Devise, bevor das bevorzugtes Motiv ausverkauft ist und zu Mondpreisen gehandelt wird.
 
 
 
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P.O.E. PROJECT OF EVIL – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
V/H/S
 
V/H/S 2
 
ABC’s of Death
 
Two Evil Eyes (1990)
 
The Bunny Game (2010)

Filmreview: „Infected – Infiziert“ (2012)

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INFECTED – INFIZIERT

Story

 
 
 
Ein bunt gewürfelter Strauß von Figuren trifft sich in einer Waldhütte, um ein gemeinsames Wochenende zu verbringen. Doch die vermeintliche Idylle wird bald gestört: In den Wäldern streifen fieberkranke Mitmenschen umher, die von einem maßlosen Verlangen nach rohem Fleisch angetrieben werden und sich rasch zu vermehren scheinen. Für unsere Protagonisten beginnt ein Kampf auf Leben und Tod …
 
 
 


 
 
 

INFECTED – Kritik

 
 
 
Fiebrigkeit, Raserei, Hunger auf Menschenfleisch, der Verlust der Ratio und des freien Willens – in allen Bereichen der Popkultur seit Romeros NIGHT OF THE LIVING DEAD hat man uns gelehrt, diese Symptome mit dem Begriff des Zombies zusammenzudenken. INFECTED unterscheidet sich von vielen klassischen Zombiefilmen darin, dass die Figuren, die diese Symptome ausstellen, mit einer Restkapazität ausgestattet sind, dagegen anzukämpfen. Es sind keine bereits Gestorbenen, ihrer Seele geraubten Wiedergänger, sondern tollwütige Kranke, im qualvollen Widerstreit mit den in ihnen wütenden animalischen Kräften. Eine Eigenart, die sich im Laufe des Films oftmals spannungsfördernd auswirkt. Beispiel: Eine infizierte Frau, die in den Wäldern bereits ihr erstes Opfer gerissen hat, wird von einigen unwissenden Bekannten in deren Haus gebracht und gepflegt. Die kalten Tücher und das gute Zureden scheinen Linderung zu bewirken, doch man weiß, dass das Virus wieder überhand nehmen, das Tier im Menschen wieder zuschnappen wird. Bloß wann? Der vollständige Verlust des freien Willens, das Kernelement allen Zombifiziertseins (vgl. TWOHY 2008, S. 5), wird hier nämlich nicht erst angekündigt durch den vorgängigen Tod des Opfers, sondern bleibt eine ständige Gefahr, die die Infizierten zu tickenden Zeitbomben macht. Jeden Moment muss man mit einem Übergriff rechnen. Der Schrecken liegt aber nicht völlig in der Abruptheit der Transformation, er liegt vor allem in der Möglichkeit ihrer Umkehrbarkeit. Diese Möglichkeit hat etwas Grausames an sich, da sie, jedes Mal neue Hoffnungen streut und aufgrund ihres temporären Charakters zugleich neue Verletzbarkeiten schafft.
 
Wenn wir einen Film sehen, schreiben wir den Vorfällen auf der Leinwand eine bestimmte Bedeutung zu (vgl. THOMPSON 2001, S. 426) Man kann sagen, der Zuschauer „liest“ den Film, wie er einen Text liest. Eine Eigenschaft vieler – wenn nicht aller – Texte ist, dass sie auf andere Texte Bezug nehmen (Intertextualiät). Intertextuelle Bezüge hat es im Horrorfilm immer gegeben, aber erst in den vergangenen zwanzig Jahren hat sich im Horrorfilm ein „hyperpostmoderner“ Erzählton herausgebildet, der diese Intertextualität auf die Spitze treibt, indem er die Andeutungen, die vorher nur Subtext waren zum Text macht (vgl. VEE 2005, S. 47). Beispiele dafür sind die von einem maskierten Killer verfolgten Jugendlichen in SCREAM, die ihre eigene Situation im Rückblick auf Motive berühmter Slasherfilme diskutieren (Ebd., S. 45). Oder das popkulturell geprägte Reflektieren der Opfer einer Vampirattacke über Möglichkeiten der Blutsaugervernichtung in FROM DUSK TILL DAWN („Crosses hurt vampires“ – „All you gotta do is put two sticks together and you got a cross” – „Peter Cushing does that all the time“).
 
Obwohl INFECTED zahlreiche Motive aus vergangenen Genrefilmen übernimmt, teilt er nicht den hyperpostmodernen Erzählton letztgenannter Horrorfilme: Die Anleihen werden nicht mit selbstironischer Geste präsentiert, um einem Insiderpublikum zu gefallen, das den Verweis wiedererkennt. Vielmehr reproduziert der Film die Elemente in der Hoffnung, dass sie ihre einstige dramaturgische (erschreckende) Wirkung hier noch einmal tun. Der Rückgriff aufs Klischee, das heißt der Rückgriff auf etwas ursprünglich Innovatives, das sich einst bewährt hat, weil es sich bewährt hat, ist natürlich ein Ausweis mangelnder Originalität. In seinem Screenwriting-Lehrbuch STORY beschreibt ROBERT MCKEE das Klischee als Zentralquell der Publikumsunzufriedenheit und versteht den Krieg gegen Klischees als die wichtigste und anspruchsvollste Aufgabe eines heute lebenden Autoren (vgl. MCKEE 1997, S. 67). Ich stimme damit überein. Ich reagiere oft allergisch auf Klischees in Filmen. Aber im geliebten Genre Horror sieht die Sache etwas anders aus. Im Horrorfilm sehen wir in erster Linie Charakteren zu, die sich in extremer Gefahr befinden. Das Anschauen dieser Momente versetzt unser Bewusstsein in einen alternativen Zustand, in dem unser Fokus verengt und unsere Vernunft behindert wird, und zwar so sehr, dass wir den manipulativen Versuchen der Filmemacher regelrecht ausgeliefert sind (vgl. NORDEN 1980, S. 76f.). Wir werden durch das Miterleben der Leinwandbedrohung vorrübergehend „primitivisiert“, unser analytisches und kritisches Denken – welches u.a. dazu dient, Klischees zu erkennen und abzulehnen – außer Kraft gesetzt (vgl. Ebd., S. 77). Das erklärt, warum im Horror- bzw. Spannungsfilm selbst das Altbackende, Längstbekannte immer wieder zu funktionieren scheint, warum wir jedes Mal voller Angespanntheit und Entsetzen mit ansehen können, wie Clarice Starling durch Buffalo Bills dunklen Keller tappt, obwohl wir die Szene schon zwanzig Mal gesehen haben. Und es erklärt eben auch, warum INFECTED durchaus spannend ist, obwohl: die Protagonisten sich in einem Landhaus verschanzen (Klischee), im Radio etwas über den Ursprung der Epidemie erzählt wird (Klischee), Zombies durch vernagelte Fenster platzen (Klischee), bereits Infizierte am letzten Gefecht teilnehmen (Klischee), ein problematisches Verhältnis zwischen Vater und Sohn besteht (Klischee), eine Frau hochschwanger ist (Klischee), ihr natürlich im Moment größter Gefahr die Fruchtblase platzt usw. usw.
 
All das ist wie gesagt weitestgehend ironiefrei, die Anleihen an Genreklassiker wie NIGHT OF THE LIVING DEAD verbleiben im Subtext und werden von den Filmcharakteren im Dialog nicht reflektierend aufgenommen oder kommentiert wie dies in SCREAM oder FROM DUSK TILL DAWN der Fall ist. Obwohl die popkulturell induzierte Aufgeklärtheit über Ausmaß und Operationsweise der sie bedrohenden antagonistischen Kräfte für die Protagonisten letztgenannter Filme nicht die Gnadenlosigkeit des physischen Übergriffs, nicht das Unerbittliche daran beseitigen kann, so ist diese antagonistische Gewalt in ihrer ursprünglichen Bedrohlichkeit doch arg eingeschränkt. Dem selbstreflexiven Witz des Drehbuchs fällt etwas zum Opfer: nämlich der in der Ungewissheit vergrabene Schrecken eines Anderen, das sich eindeutiger Zuschreibung und kultureller Kategorisierung verweigert. Es fällt schwerer, mit solchen Figuren mitzufiebern, die ein definitorisches Wissen über die ihnen gegenüberstehenden Schrecken besitzen, einfach weil sie dieses Wissen mit einer Macht ausstattet, die sie viel weniger hilflos erscheinen lässt als es die unschuldigen, unaufgeklärten, vom unbegreiflichen Anderen überrumpelten Protagonisten eines INFECTED sind, die ihre Lage mit dem gleichen fassungslosen Schock erleben wie einst Barbara und Ben in NIGHT OF THE LIVING DEAD. Angesichts dieses überraschend ernsten Erzähltons wirkt denn auch eine Szene reichlich deplatziert, in der sich eine Prostituierte im Wald lasziv vor dem lüstern-parodistischen Auge der Kamera entkleidet, nur um kurz darauf von einem Zombie angefallen zu werden. Über die Titten habe ich mich trotzdem gefreut.
 
Noch ein paar Worte zur Erzählstruktur (Achtung Spoiler): Die Geschichte hebt an mit einem Voice-Over MICHAEL MADSENS, der uns darüber aufklärt, dass die Welt von einem mysteriösen Virus heimgesucht worden ist, der die Infizierten in rasende Bestien verwandelt. Es folgt eine Rückblende, in der eine Menschengruppe, deren Mitglieder wir noch nicht zuordnen können, in einem verbarrikadierten Landhaus festsitzt und sich gegen von außen eindringende Zombies zu wehren versucht. Im Höhepunkt des Gefechts bricht die Szene abrupt ab und der Film springt in der erzählten Zeit um einige Stunden zurück, von wo aus sich der Zentralplot entwickelt, in dem nach und nach alle Charaktere vorgestellt und die Ereignisse gezeigt werden, die letztlich zur Eingangssequenz geführt haben. Nachdem der Film diesen Erzählpunkt wieder erreicht hat, unterläuft er die Erwartungen des Zuschauers geschickt, indem die Geschichte noch etwas weiter geht, aber im schicksalsentscheidenden dramaturgischen Moment abermals abgebrochen wird. Nun gibt es einen erzählerischen Sprung in die Zukunft und wir werden plötzlich mit einer postapokalyptischen Welt konfrontiert wie sie im Eingangs-Voice-Over MADSENS lediglich angedeutet blieb. Wir erfahren, wer die ausgesparte finale Konfrontation des Zentralplots überlebt hat und sehen die Überlebenden in den Überresten der Zivilisation nach Versorgungsmitteln und Medizin herumstochern. Stilistisch gesehen fällt der Film hier in zwei Teile. Auf NIGHT OF THE LIVING DEAD folgt MAD MAX 2: THE ROAD WARRIOR. Die Plötzlichkeit, mit der INFECTED diesen Sprung vollführt, hat mich positiv überrascht.
 
 
 


 
 
 

INFECTED – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
INFECTED ist eine im ländlichen Setting spielende moderne Variante des klassischen Zombiefilms, die sich zahlreicher Erzählklischees bedient. Allerdings fügt der Film der klassischen Darstellungsweise des Zombies einen neuen, spannungsfördernden Aspekt hinzu. Er ist kompetent inszeniert und verzichtet auf selbstironische Gesten. Die angehäuften Klischees können ihr Wirkpotenzial dadurch tatsächlich entfalten und sorgen für ein spannendes und unterhaltsames Seherlebnis.
 
 
 


 
 
 

INFECTED – Zensur

 
 
 
In punkto Gore versucht INFECTED – INFIZIERT (so der deutsche Titel) nicht mit Genre-Blutorgien wie DAWN OF THE DEAD oder ZOMBIE 2 zu konkurrieren. Die Gewaltdarstellung bleibt moderat. Im Falle der deutschen Veröffentlichung, hat ihn die FSK unangetastet durchgewunken. Der Streifen hat eine 18er-Freigabe erhalten und wurde mit dem roten KJ-Flatschen „verschönert“.
 
 
 


 
 
 

INFECTED – Deutsche Blu-ray

 
 
 

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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Infected; USA (2013)

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 80 Min.

FSK: FSK18 – Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 12.08.2014

 
 
 

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INFECTED – Trailer

 
 


 
 

Prof. Dr. Chromeskull

 
 
 

INFECTED – Literaturverweise

 
 
 
– MCKEE, Robert (1997): Story. Substance, Structure, Style, and the Principles of Screenwriting. New York. Harper Collins;
– NORDEN, Martin F. (1980): Toward a Theory of Audience Response to Suspenseful Films. In: Journal of the University Film Association, Vol. 32, Nr. 1/2, S. 71-77;
– THOMPSON, Kristin (2001): Neoformalistische Filmanalyse. Ein Ansatz, viele Methoden. In: Albersmeier, Franz-Josef (Hrsg.): Texte zur Theorie des Films. 4. Auflage. Stuttgart. Reclam, S. 409-446;
– TWOHY, Margaret (2008): From Voodoo to Viruses: The Evolution of the Zombie in Twentieth Century Popular Culture. Masterarbeit. Dublin;
– VEE, Valerie (2005): The Scream Trilogy, „Hyperpostmodernism,“ and the Late-Nineties Teen Slasher Film. In: Journal of Film and Video, Vol. 57, Nr. 3, S. 44-61.
 
 
 
Ähnche Filme:
 
Zombie Night (2013)
 
Resurrection of the Walking Dead (2010)
 
Battle of the Damned (2013)
 
Antisocial (2013)
 

Filmreview: „Kiss of the Damned“ (2012)

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KISS OF THE DAMNED

Story

 
 
 
Wenn Zwei sich lieben, ärgert das die Dritte. Djuna ist Blutsaugerin, verliebt sich in Paolo und macht ihn zum Vampir. Alles hätte so schön werden können, wäre da nicht Djunas kleine Schwester, die einfach nie auf das hören will, was die Große ihr sagt …
 
 
 


 
 
 

KISS OF THE DAMNED – Kritik

 
 
 
Das waren noch Zeiten, als Eurohorror die Kinos unsicher machte und sich vor allem Vampire aus Großbritannien, Frankreich oder Italien von den oftmals eher züchtigen amerikanischen Blutsaugern abzuheben verstanden. In den 60er und 70er Jahren verging kein Jahr ohne Vampirfilm, wobei europäische Regisseure wie JESS FRANCO und HARRY KÜMEL versuchten dem angestaubten Vampirthema durch Beigabe von Sex und Gewalt neues Leben einzuhauchen. Regie-Neuling XAN CASSAVETES hatte schon immer eine Vorliebe für europäische Filme. Besonders jedoch haben sie die Werke von BERNARDO BERTOLUCCI und JEAN ROLLIN geprägt. Letzterer hatte Ende der 60er den französischen Vampirfilm LE VIOL DU VAMPIRE gedreht und rasch den Ruf des Schmuddel-Vampirfilm-Machers weg, weil sich in seinen Streifen bevorzugt schöne Frauen textilfrei vor der Kamera räkelten. Nicht wesentlich anders geht es in CASSAVETES Erstling KISS OF THE DAMNED zu. Drehbuchautorin, Regisseurin und Tochter des legendären JOHN CASSAVETES (Darsteller in ROSEMARY’S BABY oder TEUFELSKREIS ALPHA) hat sich recht unverfroren bei Klassikern wie Jess Francos ENTFESSELTE BEGIERDE (1973) und Tony Scotts THE HUNGER (1983) bedient. Schenkt man diversen Interviews Glauben, gehört VAMPYROS LESBOS (1971) zu einem der absoluten Lieblinsfilme der Newcomerin, die nun mit fast 50 Lenzen ihren ersten eigenen Film gemacht hat, der sich mit einer Mischung aus Erotikfilm und Vampirmythos vor den Euro-Trashern der 70er verbeugen möchte. Wie in genannten Schmuddelfilmchen wird auch in KISS OF THE DAMNED die erotische Anziehungskraft der Frau in den Mittelpunkt gerückt, schließlich gibt es kein Genre innerhalb des Phantastischen Films, das so sehr prädestiniert ist, Erotik mit Grusel zu verbinden wie der Vampirfilm.
 
Djuna (JOSEPHINE DE LA BAUME) trifft die Liebe ihres Leben in einer Videothek. Beim Stöbern durch die Filmregale lernt sie den attraktiven Drehbuchautoren Paolo (MILO VENTIMIGLIA) kennen, der den Reizen der mysteriösen Schönheit nicht widerstehen kann. Die beiden landen wenig später in der Kiste, wo der liebeshungrige Schönling mit dem Geheimnis seines Betthäschens konfrontiert wird. Djuna ist eine Vampirin, die zurückgezogen in einer Villa auf dem Land lebt und sich vom Blut wilder Tiere ernähren muss. Im Liebesrausch beißt die begehrenswerten Djuna den adretten Fremden, der fortan als Vampir an ihrer Seite lebt. Das Liebesglück scheint nahezu perfekt, wäre da nicht Djunas Schwester Mimi (ROXANE MESQUIDA), die den Turteltauben gleich mal die Freunde am Verliebtsein vermiesen muss. Sie quartiert sich in der abgelegenen Villa ein und streift nachts durch die Straßen der Großstadt, um ihren Durst nach Menschenblut zu stillen. Anders als die große Schwester will sich die rebellische Mimi nicht den Dogmen der Vampirgesellschaft unterwerfen, was Konflikte unter den Geschwistern schürt.
 
Satte Schwarz- und Blautöne treffen auf kräftiges Rot, das den weiblichen Blutsaugern vor allem gegen Ende ganz ungeniert aus den Mündern tropft. KISS OF THE DAMNED schaut wirklich über jeden Zweifel erhaben aus und schafft es, einen gewissen, künstlerischen Anspruch zurück ins Genre zu bringen. Der Zuschauer folgt langsamen Kamerafahrten und akkurat ausgeleuchtete Bildern, die von abwechslungsreichen Klängen begleitet werden. Mal lauscht der Zuschauer klassischen Tönen, die das romantische Schauern auf anspruchsvolle Weise unterstreichen; in einer anderen Szene sind es hämmernde Elektroklänge, die Erotik und Eleganz trefflich miteinander zu verknüpfen wissen. Optisch wird in KISS OF THE DAMNED einiges geboten, was nicht ausschließlich allein an den schönen Damen im Film liegen mag, die des Öfteren zur Freude des männlichen Horrorfans die Hüllen fallen lassen. KISS OF THE DAMNED ist definitiv ein Traum für die Sinne, was im Digitalzeitalter schon eine kleine Seltenheit darstellt, haben doch die Mehrzahl der letzten Horrorstreifen vornehmlich durch billigen Videolook, schlechte Effekte und geistlose Dramaturgie geglänzt. Regisseurin XAN CASSAVETES macht den Vampir-Klassikern alle Ehre und schafft es, zumindest atmosphärisch an die alten Kultschinken anzuknüpfen, vergisst jedoch bei soviel Liebe zum Old School, der Geschichte angemessene Aufmerksamkeit zu schenken. Die ist im Falle von KISS OF THE DAMNED schon etwas sehr dünn und arg trivial gestrickt, denn bis auf reichhaltig gekünstelt wirkender Erotik und einem vorhersehbaren Konflikt zwischen den Schwestern untereinander findet in dieser charmant gemeinten Blutsauger-Hommage kaum etwas Nennenswertes statt. Selbst die für das Filmthema obligatorischen Beißattacken sind überschaubar und werden ziemlich zurückhaltend eingesetzt. Zieht man ähnliche Vertreter aus letzter Zeit zum Vergleich heran, macht KISS OF THE DAMNED mit seinem nahezu kaum vorhandenen Härtegrad eine mehr als bescheidene Figur. Unterm Strich bleibt ein wirklich schön eingefangener Film, der visuell und akustisch vielen aktuellen Horrorfilmen weit voraus ist. Sieht man jedoch von der kunstvollen Umsetzung ab, bleibt nicht mehr viel übrig, was sich dem Zuschauer nennenswert ins Gedächtnis brennen dürfte. Daher sei KISS OF THE DAMNED nur den Filmfans empfohlen, die für rund 90 Minuten in Erinnerungen schwelgen möchten und sich auf eine Zeitreise begeben wollen zu einer Dekade, in der man in Vampirstreifen mehr Haut als Horror zu sehen bekam.
 
 
 


 
 
 

KISS OF THE DAMNED – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Eine optisch beeindruckende Verbeugung vor den ganz Großen erotischen Vampirstreifen der 60er und 70er Jahre. KISS OF THE DAMNED schaut einfach fabelhaft aus, was vor allem deshalb überrascht, weil es sich hier um ein Regiedebüt handelt. Leider kann im Falle von KISS OF THE DAMNED selbst die schönste Optik nicht vom mageren Inhalt ablenken. Regisseurin XAN CASSAVETES hat nicht nur den Film gedreht, sondern auch gleich das Drehbuch verfasst. Leider wurde die Geschichte über Liebe und Intrigen geradezu künstlich auf Spielfilmlänge aufgebläht und erinnert nicht selten an schlimmstes Seifenoper-TV der Privatsender. Ärgerlich, dass hier nicht mit mehr Sorgsam an der Handlung gefeilt wurde, denn hätte CASSAVETES weniger Zeit an der Optik und dafür mehr in die Story investiert, hätte aus KISS OF THE DAMNED ein absoluter Kultkandidat werden können. So bleibt das Debüt weit hinter den Erwartungen zurück und beschert dem Zuschauer gerade einmal 90 prickelnde Minuten mit zwei durchaus schmucken Schönheiten, die ab und an nackt durch die Kamera huschen dürfen – mehr aber auch nicht.
 
 
 


 
 
 

KISS OF THE DAMNED – Zensur

 
 
 
Brutal ist KISS OF THE DAMNED keineswegs. Am Ende werden ganz zaghaft einige Unwissende ausgesaugt. Ansonsten gibt es die üblichen Bisswunden zu sehen. In Deutschland wird der Streifen ungeschnitten mit FSK16 veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

KISS OF THE DAMNED – Deutsche Blu-ray

 
 
 
KISS OF THE DAMNED-Blu-ray

(c) Capelight Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Kiss of the Damned; USA 2012

Genre: Drama, Horror, Liebesfilme

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Audiokommentar von Autorin und Regisseurin Alexandra Cassavetes, Interviews mit Schauspielerin Joséphine de La Baume und Roxane Mesquida und dem Schauspieler Milo Ventimiglia, Kinotrailer

Release-Termin: 25.04.2014

 
 
 

Kiss of the Damned [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

KISS OF THE DAMNED – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Vampyros Lesbos (1971)
 
Circus der Vampire (1972)
 
Draculas Hexenjagd (1972)
 
Bram Stoker’s Dracula (1992)
 

Review: „Tulpa – Dämonen der Begierde“ (2012)

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TULPA – DÄMONEN DER BEGIERDE

Story

 
 
 
Die sexhungrige Karrierefrau Lisa (Claudia Gerini) gerät an einen maskierten Irren, der ihren Sexpartnern auf gar kaltblütige Weise nach dem Leben trachtet …
 
 
 


 
 
 

TULPA – Kritik

 
 
 
Wenn in der Filmrunde der Begriff GIALLO fällt, dürften bei erfahrenen Horrorfans die Alarmglocken läuten. Das italienische Subgenre des Thrillers hat es in den 70ern dank ARGENTO, BAVA und MARTINO zu großer Bekanntheit gebracht und auch den Prüfern der FSK schlaflose Nächte bereitet. Berüchtigte Streifen wie PROFONDO ROSSO (1975), DIE SÄGE DES TEUFELS (1973) oder TENEBRAE (1982) befinden sich in ihrer ungeschnittenen Form selbst heute nochauf der Liste für jugendgefährdende Medien und haben sich mittlerweile zu begehrten Sammlerobjekten bei Liebhabern beschlagnahmten Materials entwickelt. Leider fristet der damals gefeierte Giallo seit Jahren ein mehr als jämmerliches Dasein in der Horrorlandschaft. Altmeister DARIO ARGENTO versucht zwar immer mal wieder den vergessen geglaubten Giallo erneut aufleben zu lassen, scheint aber allmählich auch zu begreifen , dass die von ihm entwickelte Suspense-Rezeptur bei Weitem nicht mehr so gut funktioniert, wie vor 30 Jahren. Immerhin sind ambitionierte Nachwuchsregisseure seit einigen Jahren emsig dabei, die brutale Filmform generalüberholt in die Wohnzimmer zu bringen. Streifen wie MASKS (2011), AMER (2009) und EYES OF CRYSTAL (2004) zeigen eindrucksvoll, dass der Giallo immer noch Daseinsberechtigung besitzt und auch Jahre nach Entstehung Zuschauer in den Bann zu ziehen weiß.
 
FREDERICO ZAMPAGLIONE ist einer von denen. Der ist eigentlich Musiker und Frontmann der Band TIROMANCINO, hält aber seine Leidenschaft zum phantastischen Genre ganz souverän auf Film fest. Auf seine Kappe geht der 2007 veröffentlichte SHADOW – IN DER GEWALT DES BÖSEN mit dem er bereits beweisen konnte, dass er nicht nur gut komponieren und singen kann, sondern zusätzlich auch noch das Regiehandwerk beherrscht. TULPA heißt sein neuster Streich und ist ein lupenreiner Giallo der alten Schule. Es geht um Lisa (CLAUDIA GERINI), die tagsüber die knallharte Geschäftsfrau mimt und am Abend Entspannung in einem exklusiven Privatclub genießt. TULPA nennt sich das anrüchige Etablissement, wo gut zahlende Kunden anonymen Sex in exotischem Ambiente erleben können. Leider entwickeln sich die regelmäßigen Clubbesuche für die Karrierefrau schon bald zum Albtraum, denn ein irrer Mörder hat es auf jene Mitglieder abgesehen, mit denen die unwissende Lisa intim gewesen ist. Um das geheime Doppelleben zu wahren, beginnt sie eigene Recherchen anzustellen, schließlich soll auf der Arbeit niemand von ihrer extravaganten Freizeitgestaltung erfahren. Weit kommt sie mit der Detektivarbeit jedoch nicht, denn schon bald stehen sich Opfer und Killer Auge in Auge gegenüber.
 
Einen Giallo zu drehen ist kein Zauberwerk. Man nehme möglichst grausame Morde, umwebe sie mit einer rudimentären Handlung und garniere sie mit befremdlichen Farbspielereien und akustischen Raffinessen. Für Letztere zeichnet ZAMPAGLIONE logischerweise auch gleich mitverantwortlich. Der Regisseur hat es sich nicht nehmen lassen am Soundtrack mitzuschreiben und selbigen auch gleich einzuspielen. Kultband GOBLIN (a.a. Soundtrack zu DAWN OF THE DEAD, SUSPIRIA) hat die Inspiration geliefert. Die hat bei den bekanntesten Gialli der 70er für stimmungsvolle Akustik gesorgt und wird hauptsächlich mit dem schmuddeligen Schlitzer-Krimis in Verbindung gebracht. ZAMPAGLIONES Sound ist dem von GOBLIN nicht unähnlich. Die ätherischen Klänge besitzen Widererkennungswert, gehen ins Ohr und bringen das blutreiche Treiben auf den Punkt. Mit Blut wird selbstverständlich nicht gegeizt. Das Lebenselixier darf in TULPA reichlich fließen, denn wie in den bekanntesten Streifen dieser Art sind auch hier die Gewaltmomente das Salz in der Suppe. Dabei hat sich ZAMPAGLIONE in ihrer Machart eng an das grausame Gemetzel in den klassischen Gialli orientiert, denn einige der Morde sind in ihrer bizarren Ausführung schon als ziemlich obskur zu bezeichnen. Es werden Gesichter mit Stacheldraht verschandelt und Augen aus Höhlen gerissen. Das obligatorische Abstechen aus der Egosicht des Killers darf natürlich auch nicht fehlen. Übrigens hat der Filmemacher ein Urgestein des italienischen Horrorkinos gewinnen können. Autor DARDANO SACCHETTI war Ideenlieferant und hat zusammen mit dem ambitionierten Regisseur an der Geschichte zum Film gefeilt. Für den manchmal etwas zähen TULPA ein definitiver Zugewinn, hat doch SACCHETTI legendären Horrormeilensteinen wie DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER (1981) und ÜBER DEM JENSEITS (1981) zum Erfolg verholfen indem er deren Drehbücher schrieb.
 
Trotz guter Voraussetzungen sollte der Fan jedoch die Erwartungen dämpfen, denn Macher FREDERICO ZAMPAGLIONE stiert zu sehr nach den Großen, vergisst dem Film aber eine individuelle Note zu verleihen, weil er zu oft kopiert und nacheifert. Zudem vermisst man Spannung und Atmosphäre, die sich vor allem in den wenigen Tagesszenen gänzlich verabschieden. Teilweise ist das Geschehen derart simpel und ereignisfrei gestrickt, dass nur der nächste Mord den teils behäbigen TULPA aus seiner Lethargie reißen kann. Immerhin hält der Fan mit TULPA einen der wohl erotischsten Vertreter seiner Art in den Händen. Heldin Lisa kann sich bei ihren Swinger-Spielchen nämlich nicht so recht zwischen den Geschlechtern entscheiden und treibt es stattdessen mit Frauen und Männern. Dabei beweist ZAMPAGLIONE einen souveränen Sinn für Ästhetik, denn die Erotikszenen schauen weder billig noch unbeholfen aus. Unterm Strich ist TULPA ein Neo-Giallo, der vermutlich nur dem Fan munden wird und der seinen Reiz hauptsächlich aus seinen grafischen Gewaltspielereien zieht. Die krude Mischung aus Gewalt und Sex besitzt mit Sicherheit einige Höhepunkte, wirkt aber vielerorts etwas arg aufgesetzt. Nichtsdestotrotz ist TULPA ohnehin für den Giallo-Fan Pflichtprogramm. Der wird ZAMPAGLIONES Verbeugung zu schätzen wissen, zumal der brutale Krimiflick bei Weitem besser ist, als das was DARIO ARGENTO in letzter Zeit semi-erfolgreich fabriziert hat.
 
 
 


 
 
 

TULPA – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein kruder Cocktail aus Sex und Gewalt – TULPA bringt den klassischen Giallo zurück in die Wohnzimmer und lässt bewanderte Horrorfans in Erinnerung schwelgen. Auch wenn Regisseur FREDERICO ZAMPAGLIONE ziemlich präzise bei den Großmeistern des Giallos stibitzt; die Klasse eines (jungen) ARGENTO erreicht er mit seinem TULPA nie. Der erotische Schlitzer-Krimi ist des Öfteren ganz schön hölzern, das Ende ist mit der schwachsinnigen Auflösung für den Fan solcher Filme als ziemlich enttäuschend zu betiteln und die teils übertriebene Gewalt wirkt manchmal enorm aufgesetzt. Trotzdem muss man ZAMPAGLIONE für die gelungene musikalische Untermalung loben, die sich nicht nur einmal an Stücke der bekannten Band GOBLIN orientiert. Schlecht ist TULPA auf keinen Fall, auch wenn der Film nur Fans des Subgenres zu empfehlen ist, denn Mainstream-Zuschauer werden an TULPA ganz klar nur wenig Gefallen finden.
 
 
 


 
 
 

TULPA – Zensur

 
 
 
Die bisher einzige, deutsche Fassung von TULPA ist ungeprüft und wurde demnach auch der FSK nicht für eine Prüfung vorgelegt. Die hätte den Streifen in ungeschnittener Form ohnehin nicht passieren lassen. Verwunderlich ist das nicht, denn in TULPA geht es übertrieben blutig zur Tat. Wer den Film in deutscher Sprache kaufen möchte, muss ins deutschsprachige Ausland düsen. Denn nur dort kann man den problemlos Giallo erwerben. Eine offizielle Fassung für den hiesigen Handel gibt es bis dato noch nicht, wer aber in einem der vielen Uncut-Onlineshops (u.a. Cyber-Pirates) angemeldet ist, kann sich das gute Stück auch dort bestellen.
 
 
 


 
 
 

TULPA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
tulpa blu-ray

(c) LFG

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Tulpa – I demoni del desiderio; Italien 2012

Genre: Horror, Thriller, Erotik

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Italienisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: nicht von der FSK geprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Digipack auf 2000 Stück limitiert

Extras: Making of Tulpa (18:20 Min.), Bildergalerie (02:48 Min.), Deutscher Trailer (01:50 Min.), Originaltrailer (01:46 Min.), Trailershow: Cold Sweat (01:43 Min.), Help me I’m dead (01:19 Min.), Strippers vs. Werewolves (01:45 Min.), S-VHS (01:51 Min.), Yellow (01:56 Min.), kompletter Soundtrack auf CD, zusätzliche DVD mit dem Hauptfilm

Release-Termin: 15.02.2014

 
 
 
Man muss Rechteinhaber LFG an dieser Stelle einmal für die vorbildliche Veröffentlichung loben, denn es passiert nicht oft, dass kleine Labels „spezielle“ Filme neueren Datums mit anständigen Synchronisationen und Untertiteln ausstatten. TULPA hat die selbstverständlich an Bord, denn hier wurde nicht nur der Hauptfilm deutsch untertitelt, sondern auch das Bonusmaterial, schließlich will der deutschsprachige Filmfan auch verstehen, was der Regisseur da auf der Mattscheibe zu berichten hat. TULPA kommt in einer limitierten Digipack-Auflage in den Onlinehandel. Da der Film ungeprüft erscheint, muss der Sammler den Umweg übers deutschsprachige Ausland in Kauf nehmen. Dort bekommt der auch was für sein Geld geboten. Neben dem Hauptfilm hat es noch ein Making-of auf die Blaustrahlscheibe geschafft. I-Tüpfelchen ist jedoch der Soundtrack zum Film, der neben der obligatorischen Film-DVD beiliegt. Wer Gialli liebt sollte zugreifen, denn das schöne Digi dürfte recht schnell vergriffen sein.
 
 

Tulpa – Dämonen der Begierde – Uncut [Blu-ray] [Limited Collector’s Edition] auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

TULPA – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Terror in der Oper (1988)
 
Blutige Seide (1964)
 
Die neunschwänzige Katze (1971)
 
Profondo rosso (1975)
 
 

Filmreview: „Daddy’s Little Girl“ (2012)

Daddys-Little-Girl-2012
 
 
 

DADDY’S LITTLE GIRL

Story

 
 
 
Derek (Michael Thomson) und seine Ex-Frau Stacey haben keinen guten Draht zueinander. Seit der Scheidung gehen sich die beiden lieber aus dem Weg, als der gemeinsamen Tochter zuliebe das Kriegsbeil zu begraben. Immer wieder entbrennt Streit, weil sich das Fenster in Georgias Zimmer nicht schließen lässt. Mutter Stacy hat kein Geld für die Reparatur, weigert sich aber vehement Dereks Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein großer Fehler, wie sich bald herausstellen wird. Denn die kleine Georgia wird aus ihrem Zimmer entführt und tot am unweit entfernten Strand gefunden. Weil die polizeilichen Ermittlungen auch sechs Monate nach dem Vorfall zu keinem Ergebnis führen, nimmt Vater Derek das Gesetz selbst in die Hand. Ihm gelingt es den Kindsmörder ausfindig zu machen und an ihm ein grausames Exempel zu statuieren.
 
 
 


 
 
 

DADDY’S LITTLE GIRL – Kritik

 
 
 
Es ist schon höchst fraglich, welch morbide Geschichten manch Scriptschreiber zu Papier bringen muss, um die schonungslose Darstellung widerwärtiger Folterszenen rechtfertigen zu können. In DADDY’S LITTLE GIRL ist es die Thematik des Kindesmissbrauchs, die als Grundlage dient damit der Horrorfan eine halbe Stunde am Stück das sehen darf, was in Filme wie der legendären HOSTEL-Reihe vor allem der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK) schlaflose Nächte bereitet hat. Die dürfte sich an diesem neusten Beitrag unmenschlichen Schlachthandwerks sichtlich die Zähne ausbeißen, rückt nämlich hier die eigentliche Problematik von der Trauerbewältigung nach einem Kindsmord ganz schnell im den Hintergrund, um Regisseur CHRIS SUN die Möglichkeit zu geben, möglichst viel selbstzweckhafte und detailfreudige Gewalt aneinanderzureihen. Leider verpufft mit dem ekelerregenden Foltergematsche auch die Ernsthaftigkeit der Geschehnisse, denn die zugrunde liegende Missbrauchs-Kontroverse wird spätestens mit dem elendig lang ausgewalzten Torturpart im Keim erstickt. Hier werden allerhand Abscheulichkeiten mittels zugegebenermaßen realistischen wirkenden F/X gezeigt, die von wirklich fingerfertigem Know How zeugen. Es werden Kniegelenke gebrochen, mit Stacheldraht im Beckenbereich des Opfers gehandwerkelt, Zähne herausgerissen und menschliches Fleisch verbrannt, nachdem es mit einem Cuttermesser bearbeitet wurde. Die Liste der dargestellten Grausamkeiten ist lang, wobei SUN mit fast schon detailgenauer Präzision damit beschäftigt ist zu zeigen, in welcher Art und Weise man an menschlichen Körpern sägen, hämmern und bohren kann.
 
DADDY’S LITTLE GIRL treibt das was man in Filmen wie 7 DAYS (2010) oder THE TORTURED – DAS GESETZ DER VERGELTUNG (in Deutschland übrigens um das „Gröbste“ erleichtert) gesehen hat auf die Spitze. Während man dort natürlich nicht minder zimperlich mit pädophilen Kindsmördern ins Gericht geht, dreht Macher CHRIS SUN noch etwas kräftiger an der Gewaltschraube, damit das foltergeile Horrorherz das zu sehen bekommt, was man halt nun einmal von neumodischen Horrorfilmen erwartet: Extremes Gekröse für die ganz Harten. Leider gerät die eigentliche Geschichte des Streifens bei soviel professionell umgesetzter Folterei vollkommen in Vergessenheit. Die wird nämlich zugunsten schaufreudiger Selbstjustiz ab Mitte rigoros aus dem Skript gestrichen, damit sich Vater Derek (MICHAEL THOMSON) vom anfänglich gesetzestreuen Schutzbefohlenen in einen selbsternannten Rächer verwandeln kann, der zuvor im Internet genau studiert hat, wie man bösen Menschen möglichst viel Leid antut. Leider ist die dargestellte Metamorphose nicht sonderlich nachhaltig oder glaubhaft, was man aber nicht Darsteller MICHAEL THOMSON in die Schuhe schieben kann. Der macht seine Sache nämlich ganz ordentlich und bereichert den kleinen Indie ungemein. Überhaupt sind die Darsteller für Low Budget Horror wie DADDY’S LITTLE GIRL durch die Bank weg gut gewählt. Da ärgert es schon ein wenig, dass die Kamera mal wieder nur auf nicht enden wollendes Gemetzel hält und sich Regisseur CHRIS SUN nicht tiefgründiger mit der eigentlichen Problematik beschäftigt hat.
 
 
 


 
 
 

DADDY’S LITTLE GIRL – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Unglaublich schmerzhafter Folterstreifen für nervenstarke Horrorfans. Leider ist es in DADDY’S LITTLE GIRL mal wieder so, dass eine äußerst ernste Thematik als Vorwand genutzt wird, damit möglichst viel Tortur gezeigt werden kann. Nachwuchsregisseur CHRIS SUN schlägt gleichen Weg ein, wie viele andere Horrormacher vor ihm. Er nutzt Extremgewalt als Mittel zum Selbstzweck um sich im Genre einen Namen zu erkämpfen. Da wird Mord und Totschlag mit kontroverser Kindsmissbrauchsthematik vermischt, damit auch ja viele Horrorfans hellhörig werden und sich das unnötige Folterwerk ins heimische Filmregal stellen. Immerhin wird in punkto Gewalt geklotzt und nicht gekleckert. Das in DADDY’S LITTLE GIRL Gezeigte ist hart an der Grenze zum Erträglichen und dürfte hierzulande (insofern überhaupt veröffentlicht) Grund genug sein, der deutschlandweiten Verbreitung (in ungeschnittener Form) einen Riegel vorzuschieben.
 
 
 


 
 
 

DADDY’S LITTLE GIRL – Zensur

 
 
 
Die dargestellte Gewalt in DADDY’S LITTLE GIRL wird nahezu fast schon zelebriert, so dass die hiesige FSK diesen Rachefilm verständlicherweise nicht ungeschnitten freigeben hat. Der Rechteinhaber PIERROT LE FOU hat den Film demnach in ungekürzter Form SPIO/JK prüfen lassen und die Einstufung „strafrechtlich unbedenklich“ für DADDY’S LITTLE GIRL erhalten. Verkauft werden darf der Film in dieser Filmfassung nur auf Filmbörsen, in Videotheken und in einschlägigen Online-Shops. Der Verkauf des kompletten Thrillers im stationären Handel erfolgt nur durch den Drogeriemarkt MÜLLER. Dort erhält der Horror-Fan die Scheibe auf Nachfrage – vorausgesetzt er ist auch volljährig. Neben der normalen Auflage im Keep Case ist auch ein Mediabook (auf 3000 Stück limitiert) erschienen, das über Österreich vertrieben wird. Die hier enthaltene Fassung ist ebenfalls ungekürzt.
 
 
 


 
 
 

DADDY’S LITTLE GIRL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Daddys Little Girl Blu-ray uncut

(c) Pierrot Le Fou (Abbildung der ungeschnittenen Fassung in der Amaray-Variante)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Daddy’s Little Girl, Australien 2013

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 106 Min. (uncut)

FSK: SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover, ein Mediabook mit gleichem Inhalt wie die herkömmliche Blu-ray ist ebenfalls bereits erschienen

Extras: Trailer

Release-Termin: Amaray: 04.06.2014 (Uncut-Fassung) – Mediabook: 10.07.2014 (Uncut-Fassung)

 
 
 

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DADDY’S LITTLE GIRL – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
7 Days (2010)
 
Big Bad Wolves (2013)
 
Tortured – Das Gesetz der Vergeltung (2010)
 

Filmreview: „Mara – The Killer Inside“ (2013)

mara-the-killer-inside-2013
 
 
 

MARA – THE KILLER INSIDE

Story

 
 
 
Jenny (Angelica Jansson) muss ihr Trauma aufarbeiten. Als Kind musste sie miterleben, wie die depressive Mutter den Vater ermordet hat. Damit sie sich ihren Ängsten stellen kann, reist sie mit einigen Freunden zum Ort des Geschehens. Dort passieren jedoch bald seltsame Dinge. Liegt es daran, dass die Mutter in jüngster Vergangenheit aus der Anstalt entlassen wurde und nun zurückgekehrt ist. Oder sind die Ursachen hierfür wo ganz anders zu suchen?
 
 
 


 
 
 

MARA – Kritik

 
 
 
Es passiert nicht selten, dass sich der Filmfreund nach dem „Warum“ fragt und unentwegt nach Antworten sucht, weshalb Filme wie MARA – THE KILLER INSIDE gedreht und sogar auf Blu-ray und DVD gepresst werden müssen. Der schwedische Low-Budget-Indie ist nämlich mal wieder so ein dreister Zeiträuber, der nix anderes zu bieten hat außer nervenzerfetzender Langeweile und viel Lärm um eigentlich nix. Man sollte sich nicht vom aufgebläht deutschen Titel irritieren lassen, denn der ist mal wieder so was von unglücklich gewählt, dass er dem Zuschauer schon einmal vorab vom überraschenden Filmtwist berichtet auf den MARA letztendlich hinauslaufen will. Okay, Butter bei die Fische. Man muss keine Horror-Leuchte sein, um bereits nach nur wenigen Minuten zu erahnen, wohin das Treiben im MARA führen wird. Die drei Macher AKE GUSTAFSSON, FREDRIK HEDBERG und JACOB KONDRUP haben hier einen rudimentären Grundplot zu Papier gebracht, der den Zuschauer irgendwie auf falsche Fährten locken soll. Leider scheitert es mal wieder an der vollkommen unspektakulären, lahmen und vor allem ideenlosen Machart, dass jedwede Überraschungsmomente im Keim erstickt werden. Da wird von einer psychisch labilen Mutter gefaselt, die den Gatten vor Ewigkeiten aus Eifersucht ermordet haben soll und anschließend Jahre in einer geschlossenen Anstalt verbringen musste. Seither leidet Tochter und Filmheldin Jenny (ANGELICA JANSSON) unter quälenden Angstzuständen und hat mit nahezu täglichen Albträumen zu kämpfen in denen sie allerhand blutiges Zeug erlebt. Um Erlebtes zu verarbeiten reist sie mit einigen Freunden zu genau jener Hütte in der sie als Kind dem grausamen Ereignis beiwohnen musste. Doof nur, dass plötzlich komische Dinge passieren und Jenny von der Entlassung der Mutter erfährt.
 
Wenn eine junge, hübsche Heldin Unmengen Pillen in sich hineinschaufelt weiß der geübte Horrorfilmseher, dass da meistens so einiges im Argen liegt. Und wenn die Protagonistin dann auch noch bei schummrigem Licht mit ihrem Psychologen plaudert, dürfte es wohl niemanden verwundern, wenn ein anfänglich hilfloses Opfer recht bald zum gemeingefährlichen Killer mutiert. Das schwedische Playboy-Model (ahja!) ANGELICA JANSSON spielt hier wenig glaubwürdig ein traumatisiertes Mädchen, das mit so einigen Erinnerungslücken zu kämpfen hat und den Zuschauer mit allerhand ungeschickten Flashbacks durch ein ereignisloses Filmchen quält. Vielleicht wäre es besser gewesen, die kühne Schönheit hätte sich auf das konzentriert, was sie auch wirklich gut kann – schauspielern gehört nämlich leider nicht dazu. Gleiches gilt ebenfalls für das Regie-Trio um AKE GUSTAFSSON, das MARA nicht nur gedreht und geschrieben, sondern auch gleich noch produziert hat. Trotz magerer Laufzeit von knapp über einer Stunde ist ihr Psycho-Ding immer noch viel zu lang geraten, was nicht gerade für die drei Macher spricht. Die Charaktere sind flach, die Geschichte holprig und die deutsche Synchronisation mal wieder ungnädig stumpfsinnig. Da fragt man sich glatt, was Rechteinhaber MARITIM PICTURES dazu bewegt haben muss, den überhaupt nicht gelungenen MARA – THE KILLER INSIDE in den Einkaufkorb zu legen. Wer sich nur die Perlen unter den Horror-Indies aussucht, sollte sich möglichst genau überlegen, ob er sich diese Horror-Gurke ins Regal stellen will. Denn trotz angepriesener Folterei auf dem Cover bleibt das erhoffte Tortur-Gematsche aus. Zumindest können sich die Macher des Blu-ray-Einlegers auf die Schulter klopfen. Denn wer mit derart irreführenden Marketing-Methoden Umsätze generiert und den Horrorfan zum Kauf animiert, kann nur Meister seines Faches sein.
 
 
 


 
 
 

MARA – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Langweiliger Indie-Horror aus Schweden, der mit permanenter Ereignislosigkeit und viel zu viel Leerlauf zu kämpfen hat. Wirklich interessant wird es nie, was vor allem daran liegen mag, dass dem Film eindeutig der gewisse Biss fehlt. Die Charaktere sind flach, die Geschichte unspektakulär und die auf dem Cover beworbene Folterei bleibt auch aus. Was lernen wir daraus? Vertraue nie einem werbegeilen Photoshop-Cover, sondern einzig der Horror-Kompetenz des FILMCHECKER-Team! 😉
 
 
 


 
 
 

MARA – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von MARA – THE KILLER INSIDE ist ungeschnitten und wurde ab 18 Jahren mit KJ-Einstufung freigegeben. Sonderlich blutig ist der Film nicht, so dass die Freigabe nicht verwundert.
 
 
 


 
 
 

MARA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
mara-the-killer-inside-bluray

(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Mara; Schweden 2013

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Schwedisch DTS-HD MA 5.1, Deutsch Dolby Digital 2.0

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080i)

Laufzeit: ca. 77 Min.

FSK: FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Behind the Scenes, Casting, Interview, Trailer

Release-Termin: 28.01.2014

 
 
 
Die Veröffentlichung von Indie-Horrorfilmen scheint sich in letzter Zeit zu einer lukrativen Einnahmequelle hier in Deutschland entwickelt zu haben. Kleine Genrelabel wie MARITIUM PICTURES, SAVOY FILM oder EDEL GERMANY werfen jene ungeschliffenen Grusler fast schon täglich in den Handel, wobei der Horrorfilmfan nicht selten Abstriche in der Technik machen muss. Beim vorliegenden MARA – THE KILLER INSIDE ist das nicht anders. Man merkt, dass man hier einen Low-Budget-Grusler in den Händen hält. Das Bild geht zwar für einen Film dieser Sparte vollkommen in Ordnung, besitzt aber noch viel Luft nach oben. Beim Ton lauschen wir einmal mehr den ewig gleichen Stimmen, die man auch in jedem zweiten Horrorstreifen der obig genannten Anbieter zu hören bekommt. Scheinbar haben jene Sprecher Jahresverträge mit dem jeweiligen Synchronstudio abgeschlossen, denn anders lässt sich nicht erklären, warum in jedem Film aus dem Hause MARITIUM PICTURES die Hauptdarstellerin von der gleichen Laien-Sprecherin gesprochen wird. Überraschenderweise gibt es diesmal immerhin Bonus, das aber nicht deutsch untertitelt wurde. So kann sich der Zuschauer nach Sichtung des Hauptfilms an äußerst kurzen Interviews (3 Minuten, HD) mit der adretten Hauptdarstellerin erfreuen. Weiter geht es mit einem wirklich umfangreichen Produktionstagebuch, das mit rund 75 Minuten ziemlich ausführlich ausgefallen ist und das Team auf Schritt und Tritt bei den Dreharbeiten begleitet (HD). Außerdem hat es ein kleines Feature über das Casting auf die Blu-ray geschafft (rund 4 Minuten, HD) sowie der schwedische Originaltrailer zum Film (rund 2 Minuten, HD). Alle Extras sind auf Schwedisch – englische und dänische (!) Untertitel gibt es aber hier gratis dazu. MARA – THE KILLER INSIDE wurde in Deutschland ungeschnitten veröffentlicht. Für die hiesigen Heimkinomedien hat MARITIM PICTURES übrigens ein Wechselcover ohne nervigen FSK-Sticker spendiert.
 
 
 

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MARA – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
High Tension (2003)
 
Psycho (1960)
 
The Ward (2011)
 
Blutiger Sommer – Das Camp des Grauens (1983)
 

Filmreview: „Here Comes the Devil“ (2012)

here comes the devil 2013
 
 
 

HERE COMES THE DEVIL

Story

 
 
 
Eine kleine Familie düst mit dem Auto in die Berge. Nachdem die Kinder von der Bergkletterei nicht zurückkehren alarmieren die Eltern die Polizei. Als die Kids gefunden und zu den besorgten Eltern gebracht werden, beginnt für Mutter Sol ein Albtraum. Sie bemerkt, dass die Geschwister sich reichlich abnormal und wie ausgewechselt verhalten …
 
 
 


 
 
 

HERE COMES THE DEVIL – Kritik

 
 
 
In Mexiko tut sich was im Horrorbereich. Da wird seit geraumer Zeit an Genrezeugs gearbeitet, das sogar seinen Weg nach Deutschland findet und sich erstaunlicherweise vom formelhaften Hochglanzschrott aus Hollywood abzuheben versteht. Für die amerikanische Traumfabrik hat sich mexikanisches Horrorfutter längst zur rentablen Geldquelle entwickelt, denn dort sucht man stets gierig nach unverbrauchten Geschichten, die man möglichst gewinnbringend wiederverwerten kann. Als bestes Beispiel hierfür sei das mexikanische Kannibalendrama WIR SIND WAS WIR SIND (OT: SOMOS LO QUE HAY) zu nennen, das 2010 von JORGE MICHEL GRAU in die Kinos gebracht wurde und relativ zeitnah als amerikanisches Remake mit dem Titel WE ARE WHAT WE ARE (wir berichteten) über die US-Leinwände flimmerte. Ähnlich dürfte es vermutlich auch dem neusten mexikanischen Gruselexport ergehen. Der nennt sich schlicht und einfach HERE COMES THE DEVIL und traut sich mal wieder gegen den Strom zu schwimmen. Hier gibt es weder Zombies, noch Folterei oder nerviges Kameragewackel zu sehen, was für die Amerikaner allein schon Grund genug sein dürfte, sich schnell die Rechte für eine Neuverfilmung unter den Nagel zu reißen. Hinter AHÍ VA EL DIABLO (so der Originaltitel) steckt ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO. Der dürfte dem bewanderten Filmfan kein Unbekannter sein. Wer sich im Horrorfilm auskennt weiß natürlich schnell, dass der Regisseur auch an der THE ABC’S OF DEATH-Anthologie mitgetüftelt und sich dort mit seinem B IS FOR BIGFOOT leidlich unterhaltsam verewigt hat. Ganz grundlos dürfte seine Teilnahme nicht gewesen sein, ist doch der gebürtige Spanier ein leidenschaftlicher Fan des phantastischen Genres und hat zuvor schon einige (miese) Horrorstreifen gedreht, wobei COLD SWEAT (2010) und der schmuddelige I’LL NEVER DIE ALONE (2008) zu den wohl bekanntesten Werken seines bisherigen Schaffens gehören dürften. Nun hat er im Zuge des erfolgreichen Todes-ABC’s die Gunst der Stunde genutzt und endlich mal einen richtig guten Grusler gedreht, der sich überraschenderweise vom Effekthascherischen distanziert und die eher leisen Töne anschlägt.
 
HERE COMES THE DEVIL handelt vom Paar Felix (FRANCISCO BARREIRO) und Sol (LAURA CARO), das bei einem Familienausflug mit den beiden Kindern vom Bösen heimgesucht wird. Während sich die Eltern im Auto vergnügen, gehen die Kids auf Entdeckungstour in die Berge und kehren nicht mehr zurück. Das macht den sorgenden Erziehungsberechtigten verständlicherweise Kummer, so dass man sich an die örtliche Polizei wendet, die die Kinder wenige Stunden später findet und unversehrt der Familie übergibt. Doch die Geschwister scheinen verändert zu sein. Sie sprechen nur noch das Nötigste und verhalten sich seltsam verschlossen. Als die besorgten Eltern Wundmale auf Rücken und Beinen entdecken und der Psychologe von einem Trauma faselt, brennen dem Pärchen die Sicherungen durch. Es gilt einen Kinderschänder zu finden, der für die Taten verantwortlich gemacht werden muss. Der ist schnell gefunden und wird kaltblütig um die Ecke gebracht. Doch bald schon merkt Mutter Sol, dass hier etwas Größeres am Brodeln ist. Ganz so unrecht hat sie mit ihrer Vermutung natürlich nicht, denn als sie noch einmal in die Berge zurückreist, wird sie in einer Höhle mit dem ultimativen Grauen konfrontiert.
 
Horror mit Kindern scheint in Mexiko ganz schön im Trend zu sein. Nachdem die zornigen Kids aus COME OUT AND PLAY (2013) in den blutigen Rachefeldzug gegen Erwachsene gezogen sind, gibt’s nun mit HERE COMES THE DEVIL den zweiten mexikanischen Horrorfilm in Folge, der sich um kleine Rabauken dreht, mit denen irgendwas nicht stimmt. Die sind natürlich nicht freiwillig vom Bösen infiziert, taumeln des Öfteren wie betrunken durch die Szenarie und jagen der verunsicherten Mutter einen gehörigen Schrecken ein. Vater Felix versteht die ganze Aufregung nicht, sieht er im seltsamen Verhalten der Kinder die Folgen von sexuellem Missbrauch, dessen vermeintlicher Verursacher mit einem gut geschärften Messer bereits um die Ecke gebracht wurde. Fast schon möge man meinen BOGLIANO wolle mit seinem Mystery-Drama das Schaudern der 70er zurück auf die Mattscheibe holen. Zu jener Zeit kamen stimmige Geschichten in die Kinos, deren Macher sich sorgsam darum bemühten dem Zuschauer mit gepflegter Atmosphäre das Fürchten zu lehren. Da wurde das Unbehagen langsam und schrittweise aufgebaut, um den Filmfan am Ende da zu packen, wo es ihm am meisten wehtut. Ähnlich verhält es sich auch mit HERE COMES THE DEVIL. Der Film beginnt mit einem blutrünstigen Auftakt, fällt danach wieder und baut bis zum Ende eine nahezu konstant anhaltende Aura des Grauens auf, um dem Zuschauer dann im Finale gehörig ins Gesicht zu spuken. Macher ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO bedient sich mit seinem mysteriösen Gruselding bei einem der ganz Großen des Genres: PICKNICK AM VALENTINSTAG (1975) und liebäugelt vor allem mit all den dämonischen Okkultstreifen, die sich Anfang der 70er großer Beliebtheit erfreut haben. Wir erleben Kinder, die scheinbar wie in DAS DORF DER VERDAMMTEN (1960) von einer fremden Macht dirigiert werden und eine fast schon paranoisch agierende Mutter, die geradezu davon besessen ist zu glauben, dass hinter der Veränderung ihrer Kinder das Böse stecken muss. ROSEMARIES BABY (einer der Vorreiter der 70er-Okkultwelle) lässt grüßen, denn auch in BOGLIANO Machwerk will der Ehefrau mal wieder niemand Glauben schenken, obwohl selbst dem Zuschauer offensichtlich ist, dass es in HERE COMES THE DEVIL mal wieder nicht mit rechten Dingen zugeht.
 
HERE COMES THE DEVIL ist ein kleiner, ungeschliffener Rohdiamant mit Ecken und Kanten. Das Budget muss mal wieder knapp gewesen sein, denn nicht selten mag man das Gefühl nicht loswerden wollen, als ob BOGLIANO mehr zeigen wollte, es aber produktionsbedingt nicht konnte. Dennoch ist sein neuster Grusler einer jener Filme, denen das Unprofessionelle erheblich gut steht und wo vor allem die teils nostalgische Kameraführung gefällt. Da erfreuen nicht selten hektische Zooms auf die Gesichter der Protagonisten, ganz so wie man es eben in vielen Klassikern der 70er zu sehen bekam. Auch wenn das teils unbeholfene Gestrampel der Kiddis davon zeugt, dass die engagierten Jungdarsteller zuvor noch nie etwas vom Schauspielern gehört haben, muss man doch überrascht sagen, dass HERE COMES THE DEVIL ein wirklich sehr guter Film geworden ist. Wer den Holzhammer nicht braucht erlebt hier mal wieder, warum sich das Horrorgenre auch heute noch so großer Beliebtheit erfreut. BOGLIANO bringt das traditionelle Gruseln in die Wohnzimmer. Ihm gelingt es mit souveräner Leichtigkeit die Vorzüge des subtilen Schauderns zurück auf die Mattscheiben zu holen. Nach so viel blutigem Pseudo-Horror, der dem Zuschauer in letzter Zeit untergejubelt wurde, ist so ein Gruseltrip der alten Schule eine regelrechte Wohltat (auch wenn sich BOGLIANO nicht den Spaß nehmen lässt, um auch mit etwas Lebenssaft zu experimentieren). Bei so schnörkellosem und effektivem Old-School-Horror darf man auf das gespannt sein, was da in Zukunft noch alles aus Mexiko kommen wird.
 
 
 


 
 
 

HERE COMES THE DEVIL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Der Teufel macht auch vor Kindern nicht Halt: Regisseur ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO bringt mit seinem HERE COMES THE DEVIL einen der besten mexikanischen Horrorfilme in die Wohnzimmer. Old-School-Horror heißt hier die Devise, denn sein mysteriöses Gruselstück orientiert sich an den okkulten Glanz-Schauerwerken der 70er Jahre, wo gute Geschichten und atmosphärischer Aufbau das Maß aller Dinge gewesen sind. Hier werden Spannungslücken nicht mit obligatorischem Blutzoll kaschiert, denn BOGLIANO arbeitet vehement daran, dass sein HERE COMES THE DEVIL gar nicht erst Leerlauf erhält. Die eigensinnige Geschichte beginnt wie ein Drama und driftet recht schnell ins Okkulte ab. Dabei wird die Spannungsschraube fast schon minutiös fester gedreht, so dass der Horrorfan am Ende feststellen muss, das die knapp 90 Minuten Spiellaufzeit nicht vergebens gewesen sind. Da stellt sich die Frage, warum es nicht mehr von so sehenswerten Horrorfilmen gibt, scheint es doch gar nicht so schwer zu sein derart Streifen zu drehen.
 
 
 


 
 
 

HERE COMES THE DEVIL – Zensur

 
 
 
In HERE COMES THE DEVIL gibt es einen sehr heftigen Rachemord zu sehen, der wahrlich ziemlich roh über die Mattscheibe flimmert. Anonsten hält sich der Film (bis auf die Anfangsszene) recht zurück mit Grausamkeiten. Die erhältliche Disc mit roter KEINE JUGENDFREIGABE-Einstufung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

HERE COMES THE DEVIL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Here comes the Devil Blu-ray

(c) Pierrot Le Fou

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Ahí va el diablo; Mexiko / USA 2012

Genre: Drama, Horror, Thriller, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch Dolby Digital 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Making of, Trailer

Release-Termin: 30.05.2014

 
 
 

Here Comes The Devil [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

HERE COMES THE DEVIL – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Picknick am Valentinstag (1975)
 
Das Omen (1976)
 
Rosemaries Baby (1967)

Filmreview: „The Butterfly Room“ (2012)

butterfly room 2012
 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM

Story

 
 
 
Die in die Jahre gekommene Ann (Barbara Steele) erlebt ihren zweiten Frühling. Kinder liebt sie über alles, vor allem dann, wenn diese mit der mysteriösen Dame viel Zeit verbringen. Doch hinter der Fassade der gutherzigen und spendablen Frau verbirgt sich das unberechenbare Böse …
 
 
 


 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM – Kritik

 
 
 
Die Liebe einer Mutter stirbt nie. Das mag auch für Nachbarin Ann (BARBARA STEELE) gelten, die einfach derart viel Liebe zu vergeben hat, dass sie gleich für mehrere (ihr fremde) Kinder reicht. Doch die nette, alte Dame von nebenan hat auch ihre Problemchen, denn einen wirklich guten Draht zu ihrer eigenen, erwachsenen und übertrieben hysterischen Tochter Dorothy (HEATHER LANGENKAMP) scheint die gute Frau nicht zu haben. Umso erfreulicher, dass die allein erziehende Mutter Claudia (ERICA LEERHSEN) mit Tochter Julie (ELLERY SPRAYBERRY) in das gegenüberliegende Apartment einzieht. Schnell ist ein guter Kontakt zur neuen Nachbarin aufgebaut, so dass die kleine Julie hin und wieder Zeit mit der schrulligen Ann verbringen kann, wenn Mutter Claudia mal wieder etwas länger auf der Arbeit benötigt. Doch mit der älteren Dame scheint irgendwas im Argen zu liegen. Nachts dringen geheimnisvolle Geräusche aus ihrer Wohnung und Menschen verschwinden spurlos, die zuletzt mit der Rentnerin in Verbindung gestanden haben. Alles hat den Anschein, als wenn Anns mysteriöser Schmetterlingsraum ein Geheimnis wahrt zu dem Julie der Zutritt verboten wurde.
 
Der Giallo ist zurück. Das Subgenre des Thrillers wurde von Horror-Kultikone MARIO BAVA (BLUTIGE SEIDE) Mitte der 60er begründet und hat Dank DARIO ARGENTO und SERGIO MARTINO in den 70ern eine Blütezeit erlebt. Seit einigen Jahren versucht man den scheinbar vergessenen Vorläufer des amerikanischen Slasher-Films wieder aufleben zu lassen. Visuell sehr reizvolle und effizient inszenierte Streifen wie GIALLO (2009) oder MASKS (2011) brachten erneut spannendes Krimi-Feeling in die Wohnzimmer und verhalfen dem einst schmuddeligen Giallo zu neuem Glanz. Auch JONATHAN ZARANTONELLO ist ein großer Verfechter jener Filmgattung. Der wollte mit seinem THE BUTTERFLY ROOM nur zwei Dinge: Eine Hommage an den berüchtigten Giallo-Thriller der 70er mit all seinen Lieblingsdarstellern drehen und einen Film in die Kinos bringen, in dem eine Frau unschuldige Kinder gemeingefährlich um die Ecke meuchelt. Ersteres ist ihm zumindest auf jeden Fall eindrucksvoll gelungen. THE BUTTERFLY ROOM entpuppt sich als Klassentreffen der Altstars des Horrorgenres. Wir sehen BARBARA STEELE als bemitleidenswerte und skrupellose Alte, die bereits in Bavas Klassiker DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT (1960) zu sehen war und dort glänzen konnte. Die Darsteller-Riege wird ergänzt durch Scream Queen HEATHER LANGENKAMP, die es vor mehr als 30 Jahren mit Kinderschlächter Freddy Krueger (ROBER ENGLUND) aufnahm und sich im ersten NIGHTMARE ON ELM STREET um Kopf und Kragen schrie. Außerdem ließen es sich Regisseur JOE DANTE (GREMLINS) und CAMILLE KEATON (das Opfer aus dem Original I SPIT ON YOUR GRAVE) nicht nehmen, mal kurz durchs Bild zu huschen, damit die Klassikerfans unter den Filmzuschauern feuchte Höschen bekommen.
 
THE BUTTERFLY ROOM ist ein durchweg sehenswerter Genrebeitrag, was vor allem daran liegen mag, dass ZARANTONELLO dem Horrorfreund nicht die ewig gleiche Brühe vorsetzt, die er schon in zig anderen Möchtegern-Schockern gesehen hat. Sein dritter Spielfilm hat es wahrlich in sich und besinnt sich zu den Wurzeln des Horrors zurück, die das Genre einst zu erfolgreich gemacht haben. Mit überschaubarem Budget erzählt er eine puzzleartige und packende Geschichte, die nie zuviel verrät und mittels intelligent eingestreuter Zeitsprünge von der düsteren Vergangenheit eines betagten, vereinsamten und mordenden Mütterchens berichtet. Hierbei scheint STEELE als meuchelnde Oma perfekt gewählt. Sie agiert zwar ab und an (bewußt?) sonderbar und unbeholfen vor der Kamera, findet aber stets den Spagat zwischen ausgefuchstem Biest und gutherziger Übermutter, der man das eiskalte Killerspiel irgendwie gar nicht übel nehmen will. Im Gegensatz zu den üblichen Verdächtigen der bekannten Gallio-Ära hält sich ZARANTONELLO mit der Zurschaustellung von Grausamkeiten dezent zurück. Großmütterchen Ann schreitet zumeist im Affekt zur Tat und hat eine ganz eigene Methode zur „Müllbeseitigung“ für sich entwickelt, was man natürlich zu keiner Zeit hinterfragen sollte (ist ja schließlich auch ein Horrorfilm), scheint doch Ann im Film mit Bärenkräften gesegnet worden zu sein.
 
Auch wenn es sich bei THE BUTTERFLY ROOM um unverbrauchte Genreware mit viele Liebe zum Detail handelt, hinterlässt das etwas sehr überstützte und viel zu kurze Finale einen recht faden Nachgeschmack. Selbstverständlich arbeitet ZARANTONELLO daraufhin hinaus, dass das perfide Treiben der merkwürdigen Dame am Ende entdeckt wird. Was anfänglich noch nahezu akribisch durchgeplant zu vertuschen versucht wird, verliert am Ende an Wichtigkeit. Ann stapft unüberlegt in ein Fettnäpfchen nach dem anderen und stolpert so in ein Finale, das man fast schon als zwanghaft konstruiert und arg grobmotorisch bezeichnen könnte. Immerhin bleibt das Rätsel um Anns titelgebenden Schmetterlingsraum bis kurz vor Ende gut verschleiert, was auf jeden Fall knapp 90 fesselnde Minuten verspricht. Die sind definitiv gut angelegt, punktet THE BUTTERFLY ROOM doch mit einer unverbrauchten Thriller-Thematik, die zudem sogar auch noch intelligent umgesetzt wurde. Leider hat es bisher noch kein deutscher Verleih riskiert den absolut sehenswerten Streifen auszuwerten, was schon mehr als grotesk anmutet, wenn man sich die Schundwerke anschaut, die tagtäglich in den deutschen Handel gebracht werden. Sollte es dennoch soweit sein: Vormerken und anschauen, denn THE BUTTERFLY ROOM ist eine wirklich liebenswert-schrullige Verbeugung vor den ganz großen Giallo-Regisseuren der 70er Jahre.
 
 
 


 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Ein absoluter Leckerbissen für jeden Horrorfan. THE BUTTERFLY ROOM lässt den längst vergessenen, schmuddligen Giallo der 70er Jahre erneut aufleben und haucht ihm sogar noch frischen Wind ein. Selten hat man einen derart betagten Killer auf der Mattscheibe erlebt, der so ausgefuchst und raffiniert zur Tat schreitet, dass im Gegensatz dazu Genre-Kollegen wie Meyers, Voorhees und Co. in Rente gehen können. Regisseur JONATHAN ZARANTONELLO hat alles richtig gemacht und ein kleines Meisterwerk geschaffen, das den ganz großen Giallis der 70er in nichts nachsteht. Wenn nur andere soviel Herzblut in ihr Schaffen investieren würden, gäbe es schon längst nicht mehr so viele minderwertige Filme wie es aktuell der Fall ist. Von uns gibt es daher auch für THE BUTTERFLY ROOM fast volle Punktzahl und den Hinweis auf Horror-Pflichtprogramm!
 
 
 


 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM – Zensur

 
 
 
Hierzulande konnte THE BUTTERFLY ROOM problemlos die FSK passieren. Da im Film nur wenige Grausamkeiten gezeigt werden, die zudem kaum blutig sind, wurde der Streifen ab 16 Jahren freigegben. Die Kaufhausversion ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
the-butterfly-room-blu-ray

(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Butterfly Room; USA 2012

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch Dolby Digital 2.0, Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 87 Min. (uncut)

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 10.06.2014

 
 
 

Butterfly Room – Vom Bösen besessen [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sleep Tight (2011)
 
Das Kindermädchen (1990)
 
Fear – Wenn Liebe Angst macht (1996)
 
Stepfather (1987)
 
Stepfather (2009)
 

Filmreview: „I am ZoZo“ (2012)

I-Am-Zozo-2012
 
 
 

I AM ZOZO

Story

 
 
 
Einige Freunde werden bei einer Hexenbrett-Sitzung von einem bösartigen Geist heimgesucht, dem es gelingt sich einen Weg in die Welt der Lebenden zu bahnen …
 
 
 


 
 
 

I AM ZOZO – Kritik

 
 
 
Es ist Halloween und einige Freunde wollen das Gruselfest zusammen in einer Hütte irgendwo draußen im Wald feiern. Leider stimmt was mit der Stromversorgung nicht, so dass man sich die Zeit mit altbackenen Spielchen vertreiben muss. Gut, dass Mel (COURTNEY FOXWORTHY) ein Hexenbrett dabei hat, mit dem man Kontakt zu den Toten aufnehmen kann. Der wird auch gleich hergestellt und lässt allerhand gesprächige Geister zu Wort kommen. Während Mel das Vergnügen hat, per Quija-Brett mit ihrem verstorbenen Cousin zu quasseln, warnt ein toter Achtjähriger die Bande vor drohendem Unheil. Wie es im Horrorfilm oft üblich ist, werden die Warnungen natürlich grundsätzlich nicht ernst genommen, so dass die Kids für ihre Unachtsamkeit selbstverständlich bestraft werden. Es dauert nämlich nicht lang, bis sich ein äußerst aggressiver Geist zu Wort meldet. Der schimpft sich ZOZO und beginnt den Kids bald einen gehörigen Schrecken einzujagen.
 
Erneut ist es an der Zeit, längst vergessene Horrorstoffe aus der Mottenkiste zu kramen. Nach all den paranormalen Geschehnissen, die in der Vergangenheit über die internationalen Filmleinwände geflimmert sind, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch wieder die mysteriösen Hexenbretter aus der Versenkung geholt werden sollten. Die waren bereits in den 80ern populär und haben Filme wie WITCHBOARD – DIE HEXENFALLE (1986) und DON’T PANIC (1987) zu bescheidenem Erfolg verholfen. Nun sind sie wieder zurück und versuchen den zartbesaiteten Zuschauer eine Heidenangst einzujagen. Nun ja, ob das mit I AM ZOZO gelingen wird sei mal dahingestellt, denn schlaflose Nächte wird dieser Grusler mit Sicherheit nicht bescheren. Der Dokumentarfilmer SCOTT DI LALLA steckt hinter diesem Schabernack, der mit der Ouija-Problematik einen kommenden Trend aufgefasst hat. Sein Horrorfilm dürfte mit Sicherheit demnächst eine ganze Flut ähnlicher Filme nach sich ziehen, denn bereits mit THE OUIJA EXPERIMENT kam im aktuellen Filmjahr ein ähnliches Machwerk in die weltweiten Heimkinos.
 
Das Besondere an I AM ZOZO ist, dass der komplette Streifen auf Super 8 gedreht wurde. Das ist etwas ungewöhnlich, hat doch das Schmalfilm-Filmformat seine besten Zeiten in den 70ern erlebt und wurde Anfang der 80er nahezu komplett durch die aufkommende Videotechnik abgelöst. DI LALLA suchte für seinen Gruselfilm den passenden Look, schließlich sollte sein Erstling mit möglichst unheimlicher Optik glänzen. Hierbei lies er sich von der Gruppe THE NATIONAL inspirieren, die für ihr FAKE EMPIRE Musikvideo digitalisiertes Super 8 verwendeten. DI LALLA war vom Resultat derart begeistert, dass er keine Mühen scheute und sich mühevoll die gleiche Technik besorgte. Und in der Tat, die Optik von I AM ZOZO wirkt zwar für heutige Verhältnisse ungewohnt altmodisch, ist dafür jedoch stimmig und charmant. Die ungeschliffenen Bilder erinnern nicht selten an unbeholfene Versuche emsiger Angehöriger, die eigenen Familienfeierlichkeiten auf Zelluloid zu bannen. Jener leicht amateurhafte Einschlag ist im Fall von I AM ZOZO aber nicht als negativ zu werten, denn die grobkörnigen und schlecht ausgeleuchteten Bilder bescheren dem Streifen einen authentischen und ganz individuellen Look.
 
Für I AM ZOZO kamen erneut all die bekannten Marketing-Instrumente zum Einsatz, die schon berüchtigte Werke wie HAUS DER DÄMONEN (2009) und DER EXORZISMUS VON EMILY ROSE (2005) zum Welterfolg verholfen haben. Die Geschichte von I AM ZOZO ist nämlich mal wieder absolut wahr und basiert auf tatsächlichen Gegebenheiten, die sich wirklich haargenau so zugetragen haben sollen, wie sie der Film beschreibt. Angesichts der Tatsache, dass fast jeder zweite Horror-Schaffende von seinem Gruselfilmchen behauptet, sein Werk würde einen realen Background besitzen, sollte man sich als Zuschauer von derart Amenmärchen nicht so naiv hinter das Licht führen lassen, schließlich lässt sich Pseudo-Reality (BLAIR WITCH PROJECT) besser vermarkten, als manch fiktiver Gruselstoff. Leider zaubert so ein wenig geflunkerte Realität aus einem schlechten Film kein Meisterwerk, denn I AM ZOZO hat mit einer nahezu permanenten Ereignislosigkeit zu kämpfen. Die Protagonisten reisen an, schnitzen einen Kürbiskopf, staunen über “spektakuläre” Kartentricks und kreisen mit einem Holzzeiger über ein modriges Hexenbrett. Mehr passiert in diesem Geistersüppchen leider nicht, was angesichts der unverbrauchten Thematik und der wirklich sehr angenehmen Schaueroptik schon etwas sehr bedauerlich ist. Immerhin verschafft sich ZOZO am Ende Zutritt in die Welt der Menschen und versucht etwas Chaos anzurichten. Wer hier spektakuläre Effektschlachten erwartet, dürfte recht schnell enttäuscht werden. Wir haben es hier mit einem Indie zu tun, der aus nahezu null Budget entstanden ist. Demzufolge sind auch die Spukmomente eher subtiler Natur und werden zurückhaltend eingesetzt. Da verschwinden Zauberkarten sprichwörtlich durch Geisterhand und ein rettendes Asthma-Spray ist plötzlich ohne Inhalt. Die anfangs mühsam gewerkelte Kürbisfratze erhält ein neues, sehr “spezielles” Aussehen und eine Protagonistin erliegt am Ende den Folgen eines Geisterangriffs. Immerhin verhalten sich die Kids in I AM ZOZO durchweg umgänglich und entpuppen sich nicht als dumme Stereotypen des modernen Horrorfilms. Hier bekommen wir bodenständige und natürliche Charaktere zu Gesicht, die zur Abwechslung mal nicht penetrant nerven, so dass es dem Zuschauer leicht fallen dürfte sich mit den netten Jungs und Mädels zu identifizieren. Umso ernüchternder die Tatsache, dass man aus der geradlinigen Geistergeschichte nicht mehr herausgekitzelt hat. Hier wäre ein tobendes Finale angebracht gewesen, dass I AM ZOZO aus seiner Lethargie gerissen hätte. Leider wurde das vermutlich aus dem Drehbuch gestrichen, weil einfach kaum Budget zur Verfügung gestanden hat. So bleibt I AM ZOZO ein Geisterfilm mit guten Ansätzen und schauderhafter Oldschool-Optik, der aber aufgrund der eher unspektakulären Geschichte und der ziemlich ruhigen Inszenierung nur wenig Aufmerksamkeit unter Horrorfreunden erhaschen dürfte.
 
 
 


 
 
 

I AM ZOZO – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
I AM ZOZO ist ein charmanter Gruseltrip der alten Schule, der jedoch ausschließlich Neulingen im Genre wohliges Schauern garantiert dürfte. Leider schöpft der Streifen nicht einmal annähernd sein Potenzial aus und kränkelt viel zu oft an seiner ereignislosen Inszenierung. In Zeiten pompös ausgestatteter und gruseliger CGI-Schlachten verängstigt so ein seichter Ouija-Board-Talk längst keinen Horrorfilmfan mehr. Deshalb sei die Sichtung nur denjenigen geraten, die ein Faible für altbackene und ungeschliffene No-Budget-Horrorstreifen besitzen, weil sie sich am durchgestylten und modernen Mainstream-Kino sattgesehen haben.
 
 
 


 
 
 

I AM ZOZO – Zensur

 
 
 
Bis auf das eine Protagonistin in I AM ZOZO am Ende aufgrund eines Asthmaanfalls erstickt, passiert in diesem Streifen nix grausames. Demnach ist hier vermutlich eine FSK12 drin.
 
 
 


 
 
 

I AM ZOZO – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Ouija Experiment (2011)
 
Witchboard – Die Hexenfalle (1986)
 
Don’t Panic (1987)

Filmreview: „Two Moons“ (2012)

two moons 2012
 
 
 

TWO MOONS

Story

 
 
 
Drei Ahnungslose erwachen im Schuppen eines düsteren Hauses. Dort geht es nicht mit rechten Dingen zu, schließlich hat dort eine Mutter den Sohn und ihren Ehemann ermordet …
 
 
 


 
 
 

TWO MOONS – Kritik

 
 
 
Buh, es spukt wieder und zwar auf Koreanisch. Die Halbinsel zwischen Gelbem und Japanischem Meer hat in der Vergangenheit durch Staatenspaltung und einer Menge innerpolitischer Diskrepanzen Schlagzeilen gemacht, aber immerhin mit dem GANGNAM STYLE (um mal beim Positiven zu bleiben) die ganze Welt infiziert. Auch wenn Süd- und Nordkorea nicht gerade zu den neuen Hochburgen für Horrorfans gehören, kommen von dort ab und an gute Horrorfilme, die dann sogar weltweit Kasse machen. A TALE OF TWO SISTERS (2003), THE HOST (2006) und I SAW THE DEVIL (2010) haben eindrucksvoll bewiesen, dass Horror eine internationale Sprache spricht und jede Kultur ihre ganz eigene Methodik bevorzugt, dem Zuschauer das Fürchten zu lehren. Den Amerikanern war derartige Eigenbrötlerei vermutlich zuviel des Guten, so dass der von KIM JI-WOON inszenierte A TALE OF TWO SISTERS neu gedreht und unter dem Titel DER FLUCH DER ZWEI SCHWESTERN (OT: THE UNINVITED) 2009 im Kino ausgewertet wurde. Über die Unnötigkeit dieser typisch amerikanischen Neuverfilmung darf durchaus gestritten werden. Es zeigt sich aber mehr als deutlich, dass der koreanische Genrefilm als Exportgut für die Horrorfilmwelt unverzichtbar geworden ist.
 
Mit TWO MOONS (OT: DOO GAE-EUI DAL) wird die Reihe sehenswerter koreanischer Horrorstücke um einen Beitrag erweitert. Der wurde von LEE-JONG-HO derart intelligent zu Papier gebracht, dass es nicht verwunderlich wäre, wenn auch hier die US-Remake-Vermarktungs-Soldateska geldgeil zurückschlagen würde. Hinter dem Schauerstreich steckt Regisseur DONG-BIN KIM, der bereits einiges im Genre gemacht hat und bis heute eine besondere Beziehung zu Geistern besitzt. Bereits 1999 demonstrierte er selbige: Noch bevor es die amerikanische Traumfabrik tat, fabrizierte er mit THE RING VIRUS eine Neuverfilmung des japanischen Kassenschlagers RING (1998). Danach erschreckte er mit Geister-Terror in TRAIN OF THE DEAD (2005) und lässt nun TWO MOONS folgen. Der hat natürlich auch wieder was mit Spuk zu tun, ist aber unterm Strich doch irgendwie ganz anders, als die bisherigen Filme des Regisseurs.
 
Bleiche Geisterkinder, die pitschnass aus TV-Apparaten oder Brunnen krabbeln, sieht man hier nicht. Diesmal geht es zu einer Hütte im Wald, die seit original EVIL DEAD (und dem 2013er Reboot) zum unverzichtbaren Schauerort in Horrorfilmen geworden ist. Keine Angst, TWO MOONS ist keine unnötige koreanische Version von RAIMIS Kulthit. Hier erwacht Mystery-Schriftstellerin SO-HEE (PARK HAN-BYUL) zusammen mit dem arbeitslosen SEOK-HO (KIM JI-SEOK) und der äußerst nervigen Schülerin JEONG (PARK JIN JOO) in einem dunklen Schuppen. Die wissen erst mal gar nicht, wie sie hierher gekommen sind und befürchten Schlimmes. Als sie sich aus ihrem Gefängnis befreit haben, finden sie sich in einem verlassenen Haus irgendwo tief draußen im Wald wieder. Das wird natürlich erkundet und scheint menschenleer zu sein. Doch irgendwas liegt hier im Argen. Aus dem Wald gibt es seltsamerweise kein Entkommen und in den Räumlichkeiten ist eine Aura des Bösen allgegenwärtig. Als dann noch eine verwirrte Frau gefunden wird, die von allerhand komischen Dingen faselt, geht den Übrigen drei der Hintern auf Grundeis.
 
Erscheinen zwei Monde am Himmel, dann sind die Geister nicht weit. Denn wenn sich die Welt der Menschen mit der der Geister vereint, sieht man zwei Monde – für jede Welt einen. Mit diesen weißen Worten aus dem Off wird der Prolog zu TWO MOON eingeläutet. In dem wird auch erklärt, dass jenes Haus im Wald einer Familie gehört hat, die sich selbst ausradiert haben soll. Dem bewanderten Zuschauer schwant da schon des Rätsels Lösung und dennoch geht TWO MOON ganz andere Wege. Auf Langsamkeit wird in DONG-BIN KIMS neusten Schaffen besonderen Wert gelegt. Hier sehen wir all das, was seit jeher Gruseltrips ausmacht und eigentlich ausmachen sollte. Düstere Gänge, unheimliche Schatten, langsame Kamerafahrten und viele Buh- und Ah-Momente. Den Baller-Experten unter den Horrorfans dürfte derart klassisch erzählte Spukware gegen den Strich gehen, gibt es in TWO MOONS kaum rasante oder effekthascherische Momente zu sehen. Gruselige Stimmung ist allgegenwärtig und die ungewöhnliche Geschichte wird in zwei Teile gegliedert. Während zu Beginn Zuschauer und Protagonisten sprichwörtlich im Dunkeln tappen und die Szenerie erkunden, weht spätestens ab Filmmitte ein ganz anderer Wind, denn DONG-BIN KIM hat sich bewusst für einen Plottwist entschieden. Der kommt so unerhofft, wie Besuch von den Schwiegereltern und sorgt gekonnt und effektiv für reichlich Verwirrung. Dennoch: überraschende Auflösungen gehören zwar im Horrorfilm zum Standard und wirken nicht selten erheblich konstruiert; im Falle von TWO MOONS tut so ein Twist Not, entsteht hier gerade aufgrund jener Wendung eine gewisse Dynamik. So verwandelt sich subtiles Grauen rasch zu mysteriösem Thrill, der Gruselfreunden einige Schrecksekunden abverlangt und für Herzattacken sorgt. Zum Kultknaller reicht es zwar nicht und natürlich ist die Inszenierung weit entfernt von westlicher Kinomachart; wer jedoch seit jeher ein Faible für typisch asiatisches Geisterschinken besitzt, wird auch hier gebannt vor der Glotze sitzen – spannend genug ist TWO MOONS alle Mal.
 
 
 


 
 
 

TWO MOONS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Einmal mehr lehrt Korea Gruselfans aus aller Welt das Fürchten. Auch wenn die Asiaten ihre ganz eigene Art des Erschreckens besitzen, stellt man wieder mal fest, dass Jahre nach RING immer noch gute Geisterschocker aus dem Fernen Osten kommen. Mancher Horrorfan mag da vermutlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und an schlecht geschminkte Geistergören denken, die für den westlichen Zuschauer wenig beängstigend aus Mattscheiben krabbeln; TWO MOONS hält von diesen abgedroschenen Klischees Abstand und punktet durch Atmosphäre, Überraschungsmomente und handfeste Schocks. FAZIT: TWO MOONS ist gelungener Geisterhorror für ganz mutige Zuschauer.
 
 
 


 
 
 

TWO MOONS – Zensur

 
 
 
TWO MOONS ist subtiler Geisterhorror, ganz ohne großes Blutvergießen. Der Film wird mit FSK 16 nach Deutschland kommen, denn sonderlich grafisch oder brutal ist TWO MOONS nämlich nicht.
 
 
 


 
 
 

TWO MOONS – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ringu (1998)
 
The Sixth Sense (1999)
 
The Others (2001)