Filmkritik: „The Retaliators“ (2021)

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THE RETALIATORS

Story

 
 
 
Als die Tochter eines Pastors brutal ermordet wird, dürstet es dem Mann Gottes nach Rache und diese führt noch in viel finstere Gefilde, als er sich vorstellen kann.
 
 
 


 
 
 

THE RETALIATORS – Kritik

 
 
 
Metal bzw. Hard Rock und Horrorfilme gehen schon gerne mal Hand in Hand, haben aber vor allen Dingen in jüngster Vergangenheit immer mal wieder eine schöne Symbiose erfahren dürfen. Bei „The Retaliators“ geht es zwar thematisch überhaupt nicht um Musik, doch da der Film von Better Noise Films produziert wurde, die auch das Label Better Noise Music führen, bekommt man hier einen umfangreichen Soundtrack zu hören und zudem treten einige Herrschaften des Alternative Metals oder auch des Hard Rocks auf. Ob das alleine jedoch für einen guten Film ausreicht?
 
 
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Mitnichten! Schon beim Drehbuch fangen die Probleme an, denn „The Retaliators“ wurde ganz schön durchwachsen geschrieben. So ist bereits der Einstieg holprig geraten. Nachdem einem kurz klar gemacht wurde, dass da eine große Gefahr lauert, beginnt die Einleitung mit Vater und Töchtern. Hier verschwendet man allerdings seine Zeit, denn eine echte Beziehung ist für den Zuschauer niemals greifbar und die Szenen besitzen keine Wirkung. Auch der lange Dialog bei einem Drogendealer wirkt gänzlich austauschbar. In der ersten Hälfte häuft sich die Frage, was das Ganze denn eigentlich soll und es dauert wirklich zu lange, bis die ziemlich simple Story mal auf den Punkt kommt. Sobald sich das Geheimnis jedoch lüftet und man das erzählerische Experimentieren hinter sich lässt, kann „The Retaliators“ deutlich mehr punkten. In der zweiten Hälfte wirkt das wie eine Mischung aus „7 Days“ und „Haus der Vergessenen“. Glaubwürdig ist das alles nicht, reichlich übertrieben dafür allemal und so richtig originell will der Mix leider nicht wirken. Dafür muss man der Geschichte jedoch lassen, dass sie anfangs nicht zu vorhersehbar ist.
 
 
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Darstellerische Höchstleistungen sollte nun ebenfalls niemand erwarten, wobei der Film trotzdem ganz solide gespielt wird und mit einigen bekannten Namen aufwartet. Bekannt natürlich nur dann, wenn man gerne moderne Metal-Acts wie „Five Finger Death Punch“ oder „Papa Roach“ hört. So sind z.B. Ivan Moody, Zoltan Bathory und Jacoby Shaddix zu sehen. Aber auch Tommy Lee (Mötley Crüe) schaut mal vorbei. Das sind alles eher kleinere Rollen in denen nicht viel geschauspielert werden muss, die aber auch keineswegs fehlplatziert wirken. Die Arbeit der „echten“ Darsteller übernehmen dann Michael Lombardi (etwas fehlbesetzt), Marc Menchaca (reichlich düster) und Joseph Gatt (was für ein Tier!). Dies machen sie insgesamt brauchbar und dass die ganzen Typen nicht markant wären, kann man nun wirklich nicht behaupten. In einer winzig kleinen Rolle ist sogar Robert Knepper zu sehen. Die Figurenzeichnung bleibt allerdings höchst platt und legt es nicht gerade darauf an glaubwürdig zu wirken. Hier ist alles konstruiert und künstlich.
 
 
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Diese Tatsache stellt der Machart ab und zu ein Bein, denn lange Zeit kann sich „The Retaliators“ nicht so richtig entscheiden, was er eigentlich darstellen möchte. So wirkt er anfangs wie ein langweiliges Drama und mutiert dann zu einer Art düsterem Thriller. Gerade in diesem mittleren Teil wäre es wichtig gewesen, dass die Charaktere organisch wirken, was eben leider nicht der Fall ist. So verpufft hier auch die wohl gewünschte Wirkung. Sobald sich der Film dann aber auf das besinnt, was er im Endeffekt wohl am ehesten sein möchte, nämlich knallharter Horror, wird es schlagartig besser. Die letzte halbe Stunde ist schon ein Highlight. Hier gibt es viel Action und brachialen Splatter zu betrachten. Harmlos ist das nun echt nicht und die Effekte stammen überwiegend von Hand, was schön anzusehen ist. Dass der Soundtrack aus viel härterem Rock besteht, passt bei der Besetzung und dem Label natürlich und war zu erwarten.
 
 
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Hier besitzt „The Retaliators“ auch immer ein wenig Videoclip-Ästhetik, was nicht verwunderlich ist, denn das Regie-Duo Samuel Gonzalez Jr. und Bridget Smith haben auch beide schon Musikvideos gedreht. Aber neben einigen Kurzfilmen auch bereits ein paar Filme. Eine gewisse Erfahrung sieht man dem Resultat durchaus an. Optisch ist das alles schon ansprechend gestaltet. Wenn die harten Rocker sich in Nacht-Clubs aufhalten, die Musik dazu laut dröhnt, ist das zwar nichts, was man optisch nicht bereits kennt, seine Wirkung erzielt das aber dennoch. Sowieso kann man der Inszenierung kaum Vorwürfe machen. Am ehesten den, dass man hier etwas unentschlossen war, ob man es nun ruhig und nachdenklich oder doch möglichst laut und hektisch gestalten will. So ist jedoch immerhin für Abwechslung gesorgt, die sich auch durch die gesamte Atmosphäre zieht. Was in einem Moment nämlich noch düster und leise erscheint, ist im nächsten schon total chaotisch und schrill.

 
 


 
 
 

THE RETALIATORS – Fazit

 
 
6 Punkte Final
 
 
„The Retaliators“ besitzt genauso viel Licht, wie auch Schatten. Zu den Schattenseiten gehört auf jeden Fall das durchwachsene Drehbuch, welches gerade die Einleitung ganz schön versemmelt und viel zu lange nicht richtig auf den Punkt kommen will. Dafür kann sich die handwerkliche Arbeit sehen lassen und die Inszenierung bereitet einige hübsche Szenen auf. Die Darsteller werden nicht unbedingt gefordert, machen ihre Sache jedoch brauchbar und es macht schon Spaß, dass der Film stark in der Metal/Hard-Rock-Welt verankert ist. Leider ist die Figurenzeichnung ziemlich schwach geraten und man kauft hier niemanden seine Rolle so richtig ab. Entschädigung gibt es dafür vor allen Dingen im starken Finale, in dem es richtig krachen darf. Hier löst sich „The Retaliators“ von seiner Unentschlossenheit und bietet ein schönes Splatter-Fest. Ist die etwas wirre und unnötige erste Hälfte also erst mal überstanden, macht der Film letztendlich doch noch Spaß
 
 
 


 
 
 

THE RETALIATORS – Zensur

 
 
 
„The Retaliators“ ist alles andere als harmlos. Zwar wird nicht jede Gewalt-Szene explizit gezeigt, doch gerade im Finale splattert es gewaltig. Außerdem bekommen Filme mit Selbstjustiz-Thematik in Deutschland sowieso gerne höhere Freigaben. WSollte es „The Retaliators“ ungekürzt nach Deutschland schaffen, wird der Streifen einen roten Sticker erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE RETALIATORS – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Better Noise Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Haus der Vergessenen (1991)
 
7 Days (2010)
 

Filmkritik: „13 Fanboy“ (2021)

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13 FANBOY

Story

 
 
 
Ein maskierter Killer hat es auf Schauspieler abgesehen, die einst eine Rolle in Horrorfilmen spielten.

 
 
 


 
 
 

13 FANBOY – Kritik

 
 
Für was könnte man wohl prädestiniert sein, wenn man den Nachnamen Voorhees trägt? Nun, wenn man sich nicht gerade selbst eine Hockey-Maske aufsetzt und sich durch die Gegend meuchelt, liegt es wohl auf der Hand, dass man in einem Teil der „Freitag der 13.“ Reihe mitspielen sollte. Und genau das tat Deborah Voorhees 1985 auch, als sie im fünften Teil „Ein neuer Anfang“ eine Rolle ergatterte. Nun wollte Frau Voorhees aber wohl noch einen ganzen Schritt weitergehen. „13 Fanboy“ ist ein Meta-Slasher über eine der berühmtesten Reihen von diesem Subgenre. Doch taugt das Ganze deshalb auch etwas? Leider so gut wie gar nicht!
 
 
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Als Kind wurde die kleine Kelsie Zeugin, wie ihre Großmutter von einem maskierten Killer brutal ermordet wurde. Das Skurrile an der Sache war, dass die Großmutter einst als Schauspielerin in einem Slasher mitgespielt hatte. Seitdem sind viele Jahre vergangen und Kelsie versucht sich nun selbst als Schauspielerin. Doch plötzlich häufen sich wieder Morde. Der Killer von damals scheint zurück zu sein und er tötet am liebsten Schauspieler, die mal in einem Slasher zu sehen waren. Kelsie muss sofort Dee Wallace (als sie selbst) warnen, denn sie war damals die beste Freundin ihrer Großmutter. Die Idee der Handlung könnte man schon fast als smart bezeichnen. Es ist natürlich schon lange nicht mehr besonders originell Meta-Horrorfilme zu drehen, doch die Nachfrage scheint gegeben zu sein und wenn man es gut macht, kann das Ganze schon ordentlich funktionieren. Leider bleibt es bei „13 Fanboy“ bei der guten Grundidee, denn die Umsetzung ist alles andere als gelungen. Es mangelt dem Geschehen in der ersten Hälfte nahezu komplett an einem roten Faden. Da hangelt sich das Treiben von Szene zu Szene, wirkt gar episodenhaft und hat keine echte Hauptrolle zu bieten. Dies diente wohl vor allen Dingen möglichst viele bekannte Gesichter unterbringen zu können, nur zweckdienlich ist dies kaum ausgefallen.
 
 
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Wobei man sagen muss, dass „13 Fanboy“ hieraus seine einzige Daseinsberechtigung bezieht. Und ja, es macht zumindest für ein paar Minuten Spaß die vielen bekannten Gesichter wiedersehen zu dürfen. Da werden einem z.B. Deborah Voorhees selbst, C.J. Graham, Judie Aronson, Lar Park Lincoln, Tracie Savage, Ron Sloan und Jennifer Banko geboten, die sich alle selbst spielen und alle zumindest in einem Teil der großen „Freitag der 13.“ Reihe zu sehen waren. Nun werden sich sicher nur absolute Hardcore-Fans an alle Gesichter erinnern und deshalb reibt es einem der Film auch ordentlich unter die Nase mit wem man es zu tun hat, indem es Texteinblendungen gibt. Das wirkt dermaßen gewollt, dass der nette Effekt irgendwie schon wieder verpufft. Zum Glück gibt es aber auch noch bekanntere Namen. So darf ein Kane Hodder garantiert nicht fehlen und Corey Feldman schaut ebenfalls kurz vorbei. Scream-Queen-Ikone Dee Wallace übernimmt sogar eine Hauptrolle. „13 Fanboy“ lebt allerdings eher von seinen Namen, als von richtig gutem Schauspiel. Sucht man dieses, hat man in diesem Subgenre aber wohl sowieso nichts verloren.
 
 
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Dass der Film von seiner gewitzten Grundidee und den ganzen Darstellern aus alten „Freitag der 13.“ Filmen kaum einen Nutzen ziehen kann, liegt vor allen Dingen an der langweiligen, teilweise schon fast unstrukturierten Machart. Den Anfang kann man sich noch schmecken lassen und es wirkt kurz fast so, als könnte hier Freude aufkommen, doch dann verliert sich die erste Hälfte in Belanglosigkeiten, die schnell ermüdend wirken. Erst in den folgenden 50 Minuten kümmert man sich dann richtig um die Handlung, doch selbst hier muss man enttäuscht sein. Es ist zwar überraschend, wie ernst sich „13 Fanboy“ gibt, nur bringt das überhaupt nichts, wenn trotzdem nicht der Hauch von Spannung entsteht. Der Film versteht sich nicht als Komödie und gesellt sich somit nicht zu den spaßigeren Vertretern der Meta-Slasher. Dabei hätte ihm etwas Humor nicht geschadet und das lustlose Szenario auflockern können. Alleine der Twist um die Identität des Killers ist nämlich dermaßen vorhersehbar, dass man schon fast der Meinung sein könnte, der Film wolle es dem Zuschauer bereits vor dem Finale so offensichtlich verraten.
 
 
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Leider kann die Inszenierung nicht viel retten. Zu ihrer Verteidigung muss man sagen, dass Regisseurin Deborah Voorhees nicht viel Budget zur Verfügung hatte. Allerdings hätte man selbst dieses Geld nutzen können, um eine lustvollere Inszenierung vorzulegen. „13 Fanboy“ ist einfach von vorne bis hinten langweilig gestaltet. Die Optik kann nicht überzeugen und vor allem der Sound wird schlecht eingesetzt. In manchen Mord-Szenen fragt man sich echt, ob einem gerade die Lautsprecher im Stich lassen. Immerhin wird es etwas blutig. Die Effekte sind reichlich simpel getrickst, kommen jedoch ohne billiges CGI-Blut aus und gehen deshalb in Ordnung. Für eine Schlachtplatte hat das geringe Budget allerdings keineswegs gereicht. Das Finale zieht sich dann unnötig in die Länge, so wie eigentlich der gesamte Film. Warum es gleich rund 100 Minuten Laufzeit sein mussten, weiß der Geier. Eine knappe halbe Stunde weniger hätte für die simple Prämisse ebenfalls ausgereicht und ein flotteres Tempo hätte so manch eine Länge dezimieren können.
 
 


 
 
 

13 FANBOY – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
Was auf dem Papier sympathisch und kreativ klingt, erweist sich leider mal wieder als Flop, weil eine gute Idee alleine eben noch lange keinen guten Film macht. Man kann schon gestehen, dass vor allen Dingen „Freitag der 13.“ Fans hier zuweilen auf ihre Kosten kommen, denn die ganzen Original-Darsteller von früher, die man hier gewinnen konnte, machen kurzzeitig schon etwas her. Allerdings suhlt sich „13 Fanboy“ in diesem einzigen, positiven Aspekt auch so sehr, dass der Effekt schon wieder leicht zerstört wird. Ansonsten hat der günstige Film kaum etwas zu bieten. Die Handlung ist langweilig, die Laufzeit zu hoch und Splatter zu wenig präsent. Weder taugt die handwerkliche Arbeit viel, noch kann die Atmosphäre etwas erreichen. Das Werk nimmt sich viel zu ernst, was an sich nicht so negativ gewesen wäre, wenn denn wenigstens Slasher-Stimmung aufgekommen wäre. Stattdessen quält man sich durch belanglose 100 Filmminuten, von denen höchstens ein Viertel ganz solide ausgefallen ist. Beinharte Hardcore-Freitag-der-13.-Fans können ja mal ein Auge riskieren, aber insgesamt ist das hier ein Schuss in den Ofen, so sympathisch die Grundidee auch sein mag!
 
 


 
 
 

13 FANBOY – Zensur

 
 
 
„13 Fanboy“ hat in Deutschland von der FSK eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten und ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

13 FANBOY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Pierrot Le Fou (Blu-ray + DVD im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: 13 Fanboy; USA 2021

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 104 Minuten

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: DVD + Blu-ray im Mediabook

Extras: Trailer, Trailershow, Booklet, Hauptfilm auf DVD

Release-Termin: Mediabook: 10.06.2022

 
 

13 Fanboy [DVD + Blu-ray im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

13 FANBOY – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Pierrot Le Fou)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Freddy’s New Nightmare (1994)
 
Behind the Mask (2006)
 
You Might Be the Killer (2018)
 

Filmkritik: „The Parker Sessions“ (2021)

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THE PARKER SESSIONS

Story

 
 
 
Für einen Psychotherapeuten wird seine neuste Patientin, Parker, zu einer größeren Gefahr, als ihm lieb sein kann.
 
 
 


 
 
 

THE PARKER SESSIONS – Kritik

 
 
 
Um bei der Masse an Veröffentlichungen im Filmgeschäft überhaupt noch auf sich aufmerksam machen zu können, muss man schon viel Talent mit sich bringen. Egal in welchen Bereich es geht: Indie-Filme stellen den Zuschauer gerne mal vor eine Herausforderung, kommen auch gerne mal äußerst sperrig daher und einige Regisseure besitzen da zwar ihre Ambitionen, können daraus aber keinen wirklich guten Film formen. So ergeht es z.B. auch „The Parker Sessions“, der von der Idee her wirklich sehr interessant ist, teilweise aber dermaßen gewollt „abgefuckt“ erscheint, dass er sich damit selbst etwas im Wege steht.
 
 
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Die junge Frau Parker hatte eine schlimme Vergangenheit. Schlaflosigkeit aufgrund von Albträumen ist die Folge. Deshalb geht sie zu einem Psychotherapeuten, doch es ist nicht das erste Mal. Robert scheint aber anders zu sein und sein Rat, dass Parker sich ihrer Angst stellen muss, findet bei dieser großen Anklang. Allerdings kann Robert nicht ahnen, was er damit angerichtet hat. Bei der Story vermutet man anfangs noch einen echten Mindfuck-Trip, aber die Wendung besitzt dann sogar mehr Hand und Fuß, als man hätte erwarten dürfen. Ein bisschen Interpretationsfreiraum bleibt natürlich dennoch offen, aber die Grundidee ist relativ simpel. Allerdings ist sie auch reichlich interessant. Nun macht ein aufregendes Gedankenspiel bekanntlich noch keinen guten Film aus, aber das Drehbuch, welches Regisseur Stephen Simmons selbst schrieb, funktioniert ordentlich. Er hat hier scheinbar auch ein bisschen autobiografisches Material verwendet, weil es ihm früher psychisch auch keineswegs gut ging und er selbst in Behandlung war.
 
 
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Wo Simmons eine durchdachte, gute Story abliefert, da steht er sich mit seiner sperrigen Inszenierung teilweise selbst im Wege. „The Parker Sessions“ möchte wirklich unbedingt ganz speziell wirken. So gibt es teilweise Ton-Fehler während der Dialoge zu hören, es werden mal ganz abrupt irgendwelche Bilder in einen laufenden Dialog geschnitten oder der Sound wird plötzlich hysterisch laut. Das sind alles Stil-Mittel, die einen den Wahnsinn näherbringen können, die es so aber auch schon etliche Male zu betrachten gab. In diesem Film wirken sie fast wie ein Störfaktor, denn „The Parker Sessions“ hätte diese Herangehensweise gar nicht nötig gehabt. Ein bisschen von diesen Zutaten hätte völlig ausgereicht, dann hätte sich der Zuschauer noch deutlich besser auf die interessante Geschichte fokussieren können.
 
 
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Wobei die Inszenierung trotzdem nicht schlecht ist. Für Simmons stellte dies den ersten Langfilm dar und anfangs überzeugt er mit seiner Inszenierung noch nicht so sehr. Da gibt es schon einige Stellen, die eher an Amateur-Produktionen erinnern. Mit der Zeit wird es jedoch besser. Dabei muss man sagen, dass „The Parker Sessions“ handwerklich immer dann am besten geraten ist, wenn es geradlinig und nicht so erzwungen experimentell zur Sache geht. Das bemerkt man schon alleine an den Szenen auf dem Jahrmarkt. Zusammen mit dem ruhigen Score haben diese Szenen eigentlich überhaupt nichts Besonderes, könnten glatt als belanglos bezeichnet werden, besitzen jedoch nebenbei etwas dermaßen Hypnotisches, dass man irgendwie trotzdem gebannt zuschaut. Sicherlich ist das auch ein wenig der Schwarz-Weiß-Optik zu verdanken, die hier ideal passt.
 
 
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Die Darsteller, streng genommen sind es nur zwei, machen ihre Sache dabei relativ brauchbar. Danny James wirkt nicht in jeder Szene völlig glaubwürdig, aber Rachell Sean reißt es dafür absolut heraus. Ihre Leistung kann besonders anfangs ein wenig nervig erscheinen, aber im Endeffekt ist das genau richtig gespielt und erzielt ein paar intensive Momente. Mit einer ausgefeilten Figurenzeichnung braucht man hingegen nicht zu rechnen. Dafür hat „The Parker Sessions“ keine Zeit und das würde ihm sowieso den Reiz rauben. Hier ist es ausnahmsweise mal gut, dass man über die Charaktere nicht mehr erfährt. Der Unterhaltungswert wird die Meinungen wieder ganz klar spalten, denn selbst wenn der Film nur 72 Minuten lang ausgefallen ist, besitzt er wenig von einem typischen Unterhaltungswert. Soll heißen: Es gibt keine Action, eigentlich keine Spannung, keinen echten Horror, keinerlei Humor und auch sonst wenig Zutaten, die man als Mainstream-Zuschauer wohl gerne von einem Film hätte. Manchmal dominieren die Dialoge das Geschehen, manchmal wird man auch nur von Bildern berieselt. In beiden Fällen ist das Ergebnis nur manchmal unterhaltsam. Es dauert eine Weile, bis man einen Draht dazu aufgebaut hat, doch dann gewinnt „The Parker Sessions“ tatsächlich immer mehr an Faszinationskraft. Das kurze, unangenehme Finale, in welchem es dann auch die einzigen Effekte zu sehen gibt, krönt das Ganze ordentlich. Zuvor ist man jedoch zu oft hin- und hergerissen, ob das Geschehen einen jetzt interessiert oder eher langweilt. Die Atmosphäre, die insgesamt reichlich düster ist, hätte jedenfalls schon früher intensiver werden müssen. Dafür kann man dann allerdings noch den sehr guten Score loben, wobei die Soundkulisse nicht unbedingt originell erscheint.
 
 


 
 
 

THE PARKER SESSIONS – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
„The Parker Sessions“ ist ein sperriges Werk, welches gar nicht so sperrig hätte sein müssen. Es wäre vielleicht sogar produktiv gewesen, wenn Regisseur Stephen Simmons ab und zu etwas weniger experimentiert hätte. Die Bilder- und Soundcollagen sind zwar gut gemacht, hätten jedoch nicht so oft eingesetzt werden müssen. Dann hätte man den Kopf besser frei gehabt für eine wirklich interessante und durchdachte Geschichte. Obwohl der Streifen handwerklich also durchaus mit Talent umgesetzt wurde, ist die Inszenierung teilweise ein Schwachpunkt. Auch die Atmosphäre irrt zeitweise zu unentschlossen durch die Gegend. Daraus ergibt sich leider kein besonders hoher Unterhaltungswert. Bleibt man am Ball wird man allerdings mit einer soliden Wendung belohnt und die Stimmung zieht einen mehr und mehr in ihren Bann. Die beiden Darsteller agieren brauchbar bis ordentlich und der Score hört sich sehr passend an. „The Parker Sessions“ wird im Endeffekt sein überschaubares Publikum finden. Der Film ist interessant und besitzt starke Ansätze, ist aber nichts, was nachhaltig seine Wirkung entfaltet. Geschmackssache!
 
 
 


 
 
 

THE PARKER SESSIONS – Zensur

 
 
 
„The Parker Sessions“ kommt fast ohne grafische Gewalt oder Effekte aus. Nur im Finale wird es kurz überraschend brutal. „The Parker Sessions“ dürfte eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten, wobei zu bezweifeln ist, dass dieser Streifen jemals eine deutschsprachige Veröffentlichung erfahren wird. Aber manchmal geschehen doch noch Wunder.
 
 
 


 
 
 

THE PARKER SESSIONS – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei New Western Film Company)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The House That Jack Built (2018)
 
Eraserhead (1977)
 
The Killing of a Sacred Deer (2017)
 

Filmkritik: „Holy Shit! – Ach du Scheisse“ (2021)

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HOLY SHIT! – ACH DU SCHEISSE

Story

 
 
 
„Ach du Scheisse“ macht seinem Namen alle Ehren, denn für einen Architekten sieht die Lage wirklich scheiße aus, als er in einem Dixi-Klo eingesperrt ist und eine Sprengung kurz bevorsteht.
 
 
 


 
 
 

HOLY SHIT! – Kritik

 
 
 
Wenn man von einer Variante von „127 Hours“ in einem Dixi-Klo hört und der Titel des Filmes auch noch auf den Namen „Ach du Scheisse“ hört, dann rechnet man eigentlich felsenfest mit dem schlimmsten Trash überhaupt. Doch weit gefehlt! Im Langfilmdebüt von Lukas Rinker geht es zuweilen ganz schön ernst und spannend zur Sache. Damit geht „Ach du Scheisse“ völlig entgegen der Erwartungen. Das Ergebnis ist nicht frei von Fehlern, lässt sich aber wunderbar genießen und zeigt schon wieder: Der deutsche Genrefilm ist so langsam echt wieder brauchbar!
 
 
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Der Architekt Frank erwacht aus einem schönen Traum und wird sofort in die harte Realität geschmissen. Er steckt in einem abgeschlossenen, umgekippten Dixi-Klo fest und sein Arm wurde von einer langen Metallstange durchbohrt. So gibt es für den armen Frank kein Entkommen aus der ekeligen Situation. Von draußen hört er den Bürgermeister, der bei einer Versammlung stolz die heutige Sprengung eines Gebäudes ankündigt. Frank bleiben ungefähr 30 Minuten, um sich aus seiner tödlichen Situation zu befreien. Was auf dem Papier völlig aberwitzig klingt, wird einem im Film erstaunlich glaubwürdig herüber gebracht. Die Situation wirkt wirklich bedrohlich und gefährlich, nebenbei auch immer ein wenig abstoßend. Dass die Prämisse eigentlich reichlich absurd ist, bemerkt man so als Zuschauer gar nicht mal so sehr, wie man das hätte erwarten dürfen. Dieser Punkt geht schon mal an das Drehbuch, welches gut geschrieben wurde. Rinker war für dieses selbst zuständig und er baut immer wieder genügend Ideen ein, damit das Szenario aufregend bleibt, selbst wenn die Auflösung, wie es zu der Situation gekommen ist, nicht gerade unvorhersehbar gestaltet wurde.
 
 
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Filme wie „127 Hours“ oder „Buried“ haben bewiesen, dass ein begrenzter Schauplatz funktionieren kann, wenn die Inszenierung kreativ genug ist. Und so holt auch Rinker aus diesem minimalen Spielraum das Maximum heraus. Die Inszenierung ist verspielt, erlaubt sich immer wieder kleine Freiheiten, bleibt dabei aber stets konsequent. Obwohl man im späteren Verlauf doch noch etwas von der Außenwelt zu sehen bekommt, spielt sich der gesamte Film nämlich wirklich nur im Dixi-Klo ab. Handwerklich ist das schon ordentlich gestaltet und Rinker versteht es gut die Spannungsschraube anzuziehen. Die Situation wird immer auswegloser und wenn man bereits denkt, dass es das nun aber gewesen sein muss, kommt die nächste kleine Wendung daher.
 
 
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Wer Trash erwartet, bekommt diesen nur bedingt, denn überwiegend gibt sich „Ach du Scheisse“ überraschend ernst. Der Zuschauer kann schon mit Frank mitleiden, denn seine Schmerzen wirken real und wenn seine verzweifelten Versuche, sich aus der Lage zu befreien, immer wieder schiefgehen, dann ist das schon deprimierend. Allerdings wechselt der Ton im Finale dann ziemlich abrupt und plötzlich wird es völlig abgefahren. Da fühlt man sich schon etwas an einen Fun-Splatter erinnert. Die Mischung wirkt nicht wirklich rund, aber sie macht den Film auf jeden Fall noch abwechslungsreicher. Sowieso wird immer mal eine kleine Portion Humor mit ins Geschehen eingebaut, was allerdings nicht sonderlich gut gelungen ist. So wirkt der sprechende Klodeckel doch eher peinlich, aber über Humor lässt sich eben nicht streiten. Es wird bestimmt auch ein Publikum geben, welches diese Szenen gut findet. Genauso wie vielleicht manch einer den kleinen Auftritt von Micaela Schäfer abfeiern wird. Darüber lässt sich dann vielleicht aber doch schon wieder eher streiten.
 
 
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Am besten ist „Ach du Scheisse“ trotzdem immer dann, wenn er sich im ernsten Modus befindet und spannende Unterhaltung serviert. Und das ist zum Glück größtenteils der Fall. Da vergehen die 90 Minuten Laufzeit schon ziemlich flott und den begrenzten Schauplatz bekommt man niemals negativ mit. Nur zum Ende will Rinker nicht so richtig auf den Punkt kommen und zieht das Szenario unnötig in die Länge. Da hätten es ein paar Minuten weniger auch gebracht. Es ist allerdings nicht schwer zu erkennen, warum Rinker das so geschrieben hat, eben weil er hier noch eine ordentliche Portion Splatter unterbringen wollte. Dieser kann sich sehen lassen und ist ganz schön blutig ausgefallen. Während die meisten Szenen sehr übertrieben wirken, ist der Moment mit Frank und der Metallstange jedoch reichlich schmerzhaft zu beobachten. Schön ist zudem, dass die Effekte von Hand stammen und bestens aussehen.
 
 
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Bleiben zum Schluss noch ein paar Worte zu den Darstellern zu sagen, von denen es hier, logischerweise, nicht besonders viele zu sehen gibt. Die einzige Hauptrolle übernimmt Thomas Niehaus als der Architekt Frank. Er hat hier mit Abstand am meisten zu tun und spielt seine Rolle gänzlich glaubwürdig und sympathisch. Allerdings wird ihm schon ein paar Male die Schau gestohlen, nämlich immer dann, wenn der Bürgermeister Horst vorbeischaut. Gedeon Burkhard spielt diesen maßlos übertriebenen Bösewicht einfach genial und seinem Dialekt zu lauschen, macht alleine schon viel Spaß. Das grenzt an Overacting, doch das passt perfekt zur Rolle. Die weiteren, wenigen Darsteller übernehmen nur kleine Nebenrollen, wirken jedoch passabel. Und die Figurenzeichnung ist zwar reichlich flach, dafür aber markant genug, um nicht gleich wieder vergessen zu werden.
 
 


 
 
 

HOLY SHIT! – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
„Holy Shit! – Ach du Scheisse“ ist schon ein kurioses Werk, welches viel ernster und spannender ausgefallen ist, als man bei der Inhaltsangabe hätte vermuten dürfen. Der Trash-Fan guckt dennoch nicht gänzlich in die Röhre, denn im letzten Drittel wird es doch noch sehr übertrieben, splatterig und abgefahren. Auch wenn beide Tonarten nicht wirklich zueinander passen wollen, wird somit für Abwechslung gesorgt. Zwar ist der Humor überwiegend ziemlich doof ausgefallen und das Finale wirkt zu lang gezogen, aber das ändert nichts daran, dass man hier gute Unterhaltung serviert bekommt. Zwei tolle Darsteller, ein herrlich fieser Bösewicht, ein paar sehr blutige Splatter-Momente und ein solider Score runden das Ergebnis gelungen ab. Also bloß nicht vom bescheuerten Titel und der absurd klingenden Handlung abschrecken lassen, denn ansonsten verpasst man einen herrlich unperfekten und echt gut gemachten Film aus Deutschland!
 
 
 


 
 
 

HOLY SHIT! – Zensur

 
 
 
„Holy Shit! – Ach du Scheisse“ hat ein paar deftige Momente zu bieten, in denen reichlich Blut spritzt. Diese wirken aber sehr übertrieben. Wenn die FSK das alles nicht so ernst und mit Humor nimmt, könnte eine Freigabe ab 16 Jahren herauskommen. Die ist auch berechtigt. Dennoch könnte es aber auch eine Freigabe ab 18 Jahren werden. Wir sind gespannt, ob die FSK einen guten Prüftag haben wird.
 
 
 


 
 
 

HOLY SHIT! – Trailer (Ein offizieller Filmtrailer existiert noch nicht!)

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Neopol-Film | The Playmaker)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
127 Hours (2010)
 
Buried – Lebend begraben (2010)
 

Filmkritik: „Dawn Breaks Behind the Eyes“ (2021)

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DAWN BREAKS BEHIND THE EYES

Story

 
 
 
Als ein Ehepaar die Nacht in einem vererbten Schloss verbringen muss, kann noch keiner von den Beiden ahnen, was für Geheimnisse hier verborgen liegen.
 
 
 


 
 
 

DAWN BREAKS BEHIND THE EYES – Kritik

 
 
 
Galt es lange Zeit fast als ein Axiom, dass deutsche Horrorfilme nichts taugen, gibt es mittlerweile einige Regisseure, die dem deutschen Genrefilm wieder frischen Wind verleihen. In letzter Zeit gab es nämlich schon ab und zu mal einen brauchbaren Horrorfilm aus deutschem Lande. „Dawn Breaks Behind the Eyes“ möchte sich dazu gesellen und wird das Publikum sicherlich spalten. Hier hat man nämlich keinen gewöhnlichen Horrorfilm vor sich. Dafür aber ein enorm stilsicher gestaltetes Experiment, welches seine Wirkung nicht verfehlt.
 
 
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Dieter und Margot führen keine besonders harmonische Beziehung. Als sie ein Schloss erbt, begeben sich die Beiden dorthin, um eine Bestandsaufnahme tätigen zu können. Weil plötzlich die Autoschlüssel weg sind, muss das Ehepaar die Nacht im Schloss verbringen, doch es wird nicht ihre letzte Nacht hier sein. Irgendetwas beobachtet sie und will sie nicht mehr fortlassen. Etwas zur Handlung zu schreiben, ist nicht so leicht, wenn man spoilerfrei bleiben möchte, denn was sich in „Dawn Breaks Behind the Eyes“ wirklich abspielt, kann man anfangs noch gar nicht ahnen. Es dauert ungefähr eine halbe Stunde, da bekommt der Zuschauer den großen Twist spendiert und von da an kann man sich erst recht nicht mehr sicher sein, wie das weitere Treiben verlaufen wird.
 
 
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Der Österreicher Kevin Kopacka will mit „Dawn Breaks Behind the Eyes“ viel erreichen. Dafür dass es sich erst um seinen zweiten Langfilm handelt, ist das eine mutige Herangehensweise, mit der man auch schnell scheitern könnte. Was hier so alles unter eine Decke gebracht wird, ist schon nicht von schlechten Eltern. Als Vorbild diente wohl ein bisschen „Die Göttliche Komödie“ von Dante und Themen wie Hölle und Fegefeuer haben es Kopacka scheinbar allgemein angetan. Das wurde nämlich schon in seinem Debüt „Hager“ behandelt, was ihm nicht wenig Aufmerksamkeit verlieh. In „Dawn Breaks Behind the Eyes“ paart sich die Literatur nun mit einer Hommage an das Gothic-Kino der 70er Jahre. Bereits bevor der Film richtig startet, kann man das daran erkennen, wie die Texttafeln gestaltet sind und wie der Score klingt. So fühlt man sich schon etwas an Großmeister Argento erinnert, selbst wenn man es hier mit keinem Giallo zu tun hat.
 
 
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Stattdessen gibt es phantastischen Horror, der zum Surrealismus neigt und nebenbei ein paar herrlich psychedelische Szenen besitzt. Allgemein schwebt stets eine Prise Philosophie in „Dawn Breaks Behind the Eyes“, aber diese wirkt herrlich wenig aufgesetzt. Zu der Art und Weise des Geschichtenerzählens muss man als Zuschauer natürlich einen Draht finden und der Stil wird nicht jedem gefallen. So darf man sicher nicht damit rechnen, dass einem hier irgendetwas erklärt wird. Die Lösung muss man schon für sich selbst finden. Das Drehbuch bietet reichlich Interpretationsfreiraum und wenn man mit dem Verlauf nicht zufrieden ist, dann ist das völlig legitim. „Dawn Breaks Behind the Eyes“ gibt nämlich vor etwas zu sein, das er im Endeffekt nicht ist. Das macht die Sache allerdings auch aufregend und spannend. Außerdem erhält das Werk im weiteren Verlauf eine gewisse Meta-Ebene, die schon amüsant ist (drei Wochen Drehzeit etc.).
 
 
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Absolut positiv hervorheben, muss man die Optik. Das Schloss Herrenhaus Vogelsang diente als Kulisse und macht schon mal etwas her. Wenn man altes Gothic-Kino ehren möchte, bietet sich eine solche Kulisse förmlich an. Kopacka weiß mit dieser aber auch bestens umzugehen. Gerade in der ersten halben Stunde zitiert sich der Regisseur durch zahlreiche Filme, behält dabei jedoch stets seinen eigenen Stil. Die etwas grobkörnigeren Aufnahmen passen perfekt und versetzen einen optisch sofort zurück in die 70er Jahre. Mit Horror hält sich „Dawn Breaks Behind the Eyes“ dann aber gar nicht so lange auf. Relativ früh erfolgt ein Stimmungsbruch. Plötzlich fühlt man sich fast mehr wie in einer lockeren Komödie, bis der Mindfuck dann im Finale seine Höhepunkte erzielt. Das kommt alles so unerwartet, dass man es gar nicht so richtig greifen kann.
 
 
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Genau dies macht den Film wahnsinnig unterhaltsam. Mit seinen 73 Minuten Laufzeit ist „Dawn Breaks Behind the Eyes“ zudem reichlich kurz ausgefallen, aber das passt hier perfekt, denn so kommt es zu keinerlei Längen. Da sich der Ton der Erzählung sowieso stets ändert, kann man sich über mangelnde Abwechslung absolut nicht beklagen. Das besitzt im Endeffekt zwar eigentlich keinerlei Spannung, bietet so gut wie keine Action und nicht mal echten Grusel findet man hier vor, aber trotzdem ist das Ergebnis sehr kurzweilig. Alleine diesen Bildern zuzuschauen, macht schon genügend Spaß. Außerdem muss man sagen, dass die Darsteller ihre Sache echt gut machen und die Dialoge überhaupt nicht hölzern klingen. Die Charaktere sind markant und die eingesetzte Musik ist ein echter Genuss. Nur wer viele Effekte sucht, wird nicht fündig. Es gibt im gesamten Film nur eine brutalere Szene und alles andere wurde relativ simpel getrickst. An der großartigen Bildersprache ändert dies jedoch nichts.

 
 


 
 
 

DAWN BREAKS BEHIND THE EYES – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
„Dawn Breaks Behind the Eyes“ ist kein Film, den man so einfach empfehlen kann, denn er lebt von der Erwartungshaltung des Zuschauers. Gerade, weil dieser im Vorfeld nichts über die Wendung erfahren sollte, hat man es mit einer Überraschungstüte zu tun, ob einem das Werk gefällt oder nicht. Fakt ist, dass die Handlung sehr interessant geschrieben wurde und einfach geschickt mit den Erwartungen des Publikums spielt. Das ist philosophisch, surreal und psychedelisch oder um es einfacher zu machen: Nicht so leicht zu greifen. Nebenbei ist die Optik ein Genuss, die Inszenierung sitzt, allgemein ist die gesamte handwerkliche Arbeit enorm hochwertig. Die Atmosphäre besitzt viele Facetten und es ist einfach toll zu sehen, wie simpel Ideen sein können, wenn man sie nur kreativ genug umsetzt. Außerdem wissen die Darsteller zu überzeugen und Score sowie Soundtrack hören sich richtig gut an. Das Ergebnis ist ein insgesamt sogar ziemlich spaßiger und äußerst kurzweiliger Film. „Dawn Breaks Behind the Eyes“ lässt sich im Endeffekt zwar nur sehr schwer als echter Horrorfilm bezeichnen, doch wer nicht in Schubladen denkt, sollte diesem höchst speziellen Werk aus deutschem Lande ruhig eine Chance geben. Es lohnt sich!
 
 
 


 
 
 

DAWN BREAKS BEHIND THE EYES – Zensur

 
 
 
In einer Szene wird ein Penis abgerissen. Das ist aber auch der einzige Gore-Moment. Einer Freigabe ab 16 Jahren sollte nichts im Wege stehen.
 
 
 


 
 
 

DAWN BREAKS BEHIND THE EYES – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Sylenteye Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Suspiria (1977)
 
One Cut of the Dead (2017)
 
Gothic (1986)
 

Filmkritik: „Es geschah am 3. Tag“ (2021)

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ES GESCHAH AM 3. TAG

(AL TERCER DIA | ON THE 3RD DAY)

Story

 
 
 
Nach einem nächtlichen Autounfall mit dem mysteriösen, schweigsamen Enrique, verliert die junge Cecilia zuerst ihr Bewusstsein und dann ihren Sohn…

 
 
 


 
 
 

ES GESCHAH AM 3. TAG – Kritik

 
 
Nachdem die letzten drei knackig-kurzen Horrorfilme des argentinischen Regisseurs Daniel De La Vega es scheinbar nicht in die deutschen Kaufhäuser geschafft haben, meldet sich UCM.One mit diesem Release seines mittlerweile siebten Films zurück und auch wenn ich nach der Sichtung verstehen kann, wieso der Titel als massenkompatibel oder gewinnbringend genug erachtet wurde, so verstehe ich dafür dieses Mal nicht die Untertitelsituation: So gibt es laut Blu-ray-Backcover zwar spanischen O-Ton sowie eine englische Synchronisation zur deutschen dazu (?), dafür aber gar keine Untertitel. Nur dass auf der Blu-ray selber eben sehr wohl zwei Untertitelspuren angezeigt werden, die mir kurz Hoffnung gemacht haben, nur damit diese sich dann aber beide als leer entpuppen (?). Acht unbenannte Kapitel und keine Extras bis auf sehr kurze Galerien und Trailer runden diesen Release noch ab.
 
 
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Wie dem auch sei, langsam wird auf Englisch ein „Lullaby“, also Einschlaflied gesungen, dazu präsentiert das Menü der Disc das Standbild einer Mutter, die schützend ihren Sohn in den Armen hält. „On the 3rd Day“ bzw. „Es geschah am 3. Tag“ selber startet nun mit einem alten Spiegel und dem altbekannten Horrorfilm-Orchester, besonders deutlich hört man natürlich die unruhig zitternden Geigen heraus. Ein älterer Mann, Enrique, hebt sein noch älteres Wahlscheibentelefon ab und kriegt den Auftrag, eine Ladung zu transportieren, danach geht er in ein hübsch beleuchtetes Kellerset zu einem verschlossenen, zugeketteten Schrank.
 
 
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Der zweite Erzählstrang beginnt mit Cecilia, die ihren achtjährigen Sohn Martin anzieht und fertig für eine Autofahrt macht – so weit, so unschuldig, doch jeder Szenenübergang wird mit einem sehr A24-mäßigem Trommelschlag untermalt, als wäre das Böse bereits in Lauerstellung. Als Enrique dann noch mit seinem Pick-Up-Truck durch die Dunkelheit heizt und Cecilia durch eine Anhalterin am Straßenrand kurz abgelenkt ist, geschicht nach wenigen Minuten bereits das Unvermeidliche und nach einem herausziehend peinlichem, käsigen freeze Frame samt Zoom starten auch schon die Opening Credits und Cecilia rennt in einem gelben Cardigan durch verlassene Umgebungen.
 
 
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Zeitgleich scheint Enrique mit der Anhalterin vom Straßenrand kollidiert zu sein, nur um jetzt aber ihren Körper zu packen mit den Worten „Das ist nicht ihr Blut…“, what?! Cecilia kommt bei der Raststätte eines alten Pärchens an und der miese, offensichtliche sowie unnötige Greenscreen fällt leider sofort negativ auf. Unsere verletzte Protagonistin wird ins Krankenhaus gebracht, zehn Minuten Film und somit das Intro sind geschafft. Als nächstes wird die trauernde Mutter von Visionen ihres Sohnes in einer roten Regenjacke geplagt, doch für mehr als miese Pseudo Jumpscares oder gähnend langweilige Geister-Andeutungen wird diesese Element leider nicht genutzt, auch wenn es immerhin nie Überhand nimmt. Last but not wird offenbart, dass Cecilia ganze drei Tage weg war, sowie dass sowohl die Anhalterin, als auch Martin allem Anschein nach vom mysteriösen Enrique gekidnappt wurden – schnell also noch eine Patientin erdrosseln (!?) und zu ambitionierten Kamerafahrten, vorbei an Spiegeln und mehreren Bildebenen, mit quietschenden Geigen flüchten, Sohnemann zu retten.
 
 
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Die letzten wichtigen Figuren des Films sind nun Cecilias wütender und sie misshandelnder Ex Mann, ein gutwilliger Doktor namens Herman, der sich auf ihre Seite schlägt, sowie ein Polizist, der der Spur aus Leichen folgt, die unsere Pro- und Antagonisten hinterlassen. Während sowohl die mysteriösen Genreelemente mit ihrer Rätselspannung, als auch die Sets und Sounds mit ihren Beleuchtungen und Atmosphäre, als auch die unterschiedlichen Charaktere mit ihren jeweiligen Motivationen für Spannung, Kurzweil und Konflikt am laufenden Band sorgen könnten, hapert es dann aber leider deutlich an der Ausführung: So soll Herman immer wieder für Comedymomente sorgen, die aber deplatiert und ungekonnt wirken, so bleibt der wütende Ex-Mann das eindimensionale Abziehbild des Schläger-Stereotyps, so überrascht ein Charakter den Fahrer während der Autofahrt (!), nur um für den Zuschauer einen billigen Pseudo-Jumpscare zu inszenieren.
 
 
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Die Visionen ihres Sohnes, die Cecilia plagen, bleiben weiterhin wenig motiviert oder gruselig, spannender wird es nach dem ersten Drittel des Films nun aber bei Einrique, da dieser die Anhalterin vom Unfall, Lucia, würgt und fesselt und diese Szenen durch Blut, Schweiß, Öl und Tränen im gepeinigten Gesicht des Opfers ihre Wirkung nicht verfehlen. Nachdem Lucia ihm dann endlich erzählt hat, dass Cecilia und ihr Sohn sich nach dem Unfall Richtung Westen zu einer Raststätte aufgemacht haben, knockt er sie höchst merkwürdig geschnitten aus, lässt sie in einen metallenen Sarg fallen (?) und zerkocht/verätzt sie. Ähm, what? Weniger kurios, technisch dafür aber ebenfalls durchaus stimmig und gelungen zu nennen sind auch die folgenden Szenen, in denen Cecilia sich per Hypnose an die Ereignisse vor dem Unfall erinnert – auch wenn man hier kein „Luz“ erwarten sollte, Überblenden, das Nutzen von Licht und die Atmosphäre dieser Sequenzen können sich sehen lassen. Und genau hier, nach knapp zwei Dritteln der Laufzeit, spielt „Es geschah am dritten Tag“ dann auch sein eines Ass aus, seine eine coole Idee und Auflösung – denn was sich vorher relativ subtil angekündigt hat, wird nun zufrieden stellend ausgeführt.
 
 
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Die finale halbe Stunde des Films kann durch ein altes, verlassenes Hotel mit seinen ewigen Gängen und hübschen Bildkompositionen punkten, durch mehrere passend benutzte Vertigo-Zooms und eine punktuell sehr verträumte Atmosphäre – doch der Genreeinschlag, der „Horror“-Aspekt der hier zu spät und zu sparsam nachgeliefert wird, enttäuscht durch allzu offensichtliche Maskenarbeit und klischeehafte Inszenierung dann doch sehr. Selbst in seinen schwächsten Szenen kann ich „Es geschah am 3. Tag“ meistens noch etwas abgewinnen, doch eine überzeugende, originelle Genreerfahrung sieht leider anders aus. Die lang gehaltene, letzte Einstellung für Credits zu nutzen ist auch eine prinzipiell poetische Entscheidung, die den leicht gothisch-romantischen Touch des Films unterstreicht, dafür macht die unnötige, klamaukige After-Credit-Scene wieder einiges kaputt.
 
 


 
 
 

ES GESCHAH AM 3. TAG – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
Gut gemeinter, technisch hochwertiger Gruselfilm mit klassischen Motiven und Storyversatzstücken, der seinen Plot um genau eine gute Idee herum geschrieben hat und abseits davon größtenteils unterwältigt
 
 


 
 
 

ES GESCHAH AM 3. TAG – Zensur

 
 
 
„Es geschah am 3. Tag“ ist in Deutschland ungeschnitten und frei ab 16 Jahren zu haben. Wegen einigen Trailern anderer Filme auf der Blu-ray / DVD ist selbige aber erst für Erwachsene geeignet und besitzt den roten FSK-Stempel.
 
 
 


 
 
 

ES GESCHAH AM 3. TAG – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) UCM One (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Al Tercer Día; Argentinien 2021

Genre: Drama, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 85 Minuten

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Blu-ray wegen Bonusmaterial: keine Jugendfreigabe

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Kinotrailer

Release-Termin: KeepCase: 04.03.2022

 

Es geschah am 3. Tag [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

ES GESCHAH AM 3. TAG – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei UCM One)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
We Are What We Are (2013)
 
La Abuela – Sie wartet auf dich (2021)
 
Malasaña 32 – Haus des Bösen (2020)
 

Filmkritik: „La Abuela – Sie wartet auf dich“ (2021)

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LA ABUELA – SIE WARTET AUF DICH

(LA ABUELA)

Story

 
 
 
Als Susana sich um ihre Großmutter kümmert, die einen Schlaganfall erlitten hat, kann das junge Model noch nicht ahnen, dass nach ihrer Jugend getrachtet wird.

 
 
 


 
 
 

LA ABUELA – Kritik

 
 
Horrorfilme lassen sich ganz grob in zwei Kategorien unterteilen. Da gibt es die, welche den Zuschauer einfach nur unterhalten wollen und jene, die ein wichtiges Thema ansprechen. Der spanische Horrorfilm „La Abuela – Sie wartet auf dich“ versucht sich an einem ernsten, alltäglichen Thema und wirkt damit reichlich ambitioniert, erfindet das Rad jedoch keineswegs neu und kommt zuweilen etwas zu langatmig daher.
 
 
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Susana arbeitet in Paris als Model, pflegt aber dennoch ein gutes Verhältnis zu ihrer Großmutter Pilar, die in Madrid lebt. Als diese eines Tages einen Schlaganfall erleidet, ist für Susana klar, dass der Job warten muss. So reist sie nach Madrid, um sich um ihre Großmutter zu kümmern. Doch es dauert nicht lange, bis Susana bemerkt, dass mit Pilar etwas nicht stimmt. Abgesehen davon, dass sie durch den Schlaganfall nicht mehr spricht und geistesabwesend zu sein scheint, ist da noch etwas. Scheinbar hat es Pilar auf die Jugend ihrer Enkelin abgesehen. Sofern man durch irgendwelche Umstände nicht schon früher das Zeitliche segnet, ist das Thema Altern eines, was uns alle betrifft. Zusätzlich ist es ein Thema, mit dem sich die meisten eher ungern beschäftigen, weil es natürlich keine schöne Vorstellung ist, dass man vielleicht irgendwann selbst mal auf Hilfe angewiesen ist und alltägliche Dinge nicht mehr alleine bewerkstelligen kann. Ein Horrorfilm darüber zu drehen, ist keine schlechte Idee. Das Thema des Alterns zieht sich durch das gesamte Werk und zumindest ein bisschen Anspruch lässt sich hier erkennen. Darüber hinaus ist das Drehbuch von „La Abuela – Sie wartet auf dich“ allerdings auch recht simpel und bedient den Grusel-Standard. Viele neue Ideen sollte man nicht erwarten und dennoch funktioniert die Handlung ganz ordentlich.
 
 
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Um an dem Werk Gefallen zu finden, sollte man jedoch die ruhige Machart bevorzugen, denn „La Abuela – Sie wartet auf dich“ lässt sich ungemein viel Zeit. Die Einleitung ist langsam und bis es überhaupt mal zu gruseligen Aspekten kommt, vergeht schon gut und gerne über ein Drittel der Laufzeit. Selbst hinterher lebt das niemals vom großen Tempo. Alle Szenen werden langsam aufgebaut. Die subtile Herangehensweise steht dem Film gut und lässt teilweise eine starke Atmosphäre entstehen, es wäre aber dennoch nicht verkehrt gewesen, wenigstens ab und zu mal aus dem Schema auszubrechen. Das hätte das Treiben doch abwechslungsreicher gemacht. Die gut 90 Minuten Laufzeit können ein paar Längen deshalb nicht verstecken. Das ist manchmal doch etwas zu unspektakulär. Auch der Grusel hält sich dabei in Grenzen. Man arbeitet mit ganz simplen Tricks. So kommen wahrscheinlich Türen, die sich von alleine öffnen und schließen niemals so richtig aus der Mode in diesem Genre. Effekte spielen fast gar keine Rolle und selbst wenn man diese Art und Weise wertschätzt, so hätte „La Abuela – Sie wartet auf dich“ doch etwas mehr Horror und etwas mehr Nervenkitzel vertragen können. Lobenswert ist hingegen der Verzicht auf billige Jumpscares.
 
 
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Regisseur Paco Plaza konnte sich vor allen Dingen durch die Filmreihe „[Rec]“ einen Namen bei Horrorfans machen, hat darüber hinaus aber auch schon andere gute Genre-Filme gedreht. Die Inszenierung ist ihm durchaus gut gelungen. „La Abuela – Sie wartet auf dich“ bleibt seinem simplen Prinzip auch bei den Kulissen treu. Vieles spielt sich in der Wohnung ab, nur selten geht es mal nach draußen. Es gibt allgemein kaum Dialoge und so wirkt das Geschehen teilweise schon etwas zu monoton. Starke Kamerafahrten und geschickt in Szene gesetzte Grusel-Momente entschädigen dafür allerdings. Das Finale darf dann noch etwas lauter werden und dient zusätzlich mit einem kleinen Twist, der jedoch ziemlich vorhersehbar ist. Der versprochene Body-Horror bleibt übrigens größtenteils aus. Mehr oder weniger hat man es schon mit einem üblichen Gruselfilm zu tun, der aber immerhin ein schön böses Ende besitzt und von einem recht stimmungsvollen Score begleitet wird.
 
 
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Viele Darsteller braucht „La Abuela – Sie wartet auf dich“ nicht. Hauptrollen gibt es nur zwei zu sehen, diese liefern dafür jedoch ordentlich ab. Almudena Amor passt gut in ihre Rolle. Man nimmt ihr das herzensgute Mädchen, welches sich um die Großmutter kümmern möchte, ab. Ziemlich beeindruckend ist die Leistung von Vera Valdez, welche nicht nur im Film 85 Jahre, sondern auch im echten Leben so alt ist. Das verleiht dem Werk Authentizität. Valdez spricht quasi kein einziges Wort und vermag es dennoch den Zuschauer zu fesseln. Ihre Ausstrahlung ist schon stark. Deutlich weniger stark ist leider die Figurenzeichnung. Man erfährt so gut wie nichts über Susana und Pilar. Weder über die Personen einzeln, noch über ihre scheinbar enge Beziehung. Gewisse Dinge, wie eben die Tatsache, dass Pilar ihrer Enkelin so etwas Schlimmes antun will, wirken deshalb nicht gerade fein herausgearbeitet. Gerade weil sich der Film teilweise doch etwas wie ein Drama anfühlt, hätte man hier gerne mehr Tiefgrund in die Charakterisierung stecken dürfen.
 
 
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LA ABUELA – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
„La Abuela – Sie wartet auf dich“ nimmt sich ein ernstes, unangenehmes Thema und transportiert dieses in einen Horrorfilm, der am ehesten Fans vom subtilen Grusel ansprechen dürfte. Die Handlung ist zwar simpel und besitzt kaum neue Ideen, wirkt mit ihrer Prämisse aber durchdacht und ambitioniert. Leider verliert die Figurenzeichnung dagegen schon deutlich an Boden, denn hier hat man es sich etwas zu leicht gemacht. Optisch, sowie auch akustisch, ist das Ganze etwas zu monoton geraten und manche Szenen sorgen mit ihrer Langsamkeit für Längen, aber die Inszenierung kommt dennoch routiniert daher und weiß zu gefallen. Die enorm ruhige, aber irgendwie auch bedrohliche Atmosphäre lässt selten Nervenkitzel aufkommen und hätte noch mehr Grusel vertragen können, wirkt ansonsten jedoch dicht und rund. Die ordentlichen Leistungen der beiden Hauptdarstellerinnen runden den kleinen, unspektakulären Film solide ab. „La Abuela – Sie wartet auf dich“ ist nicht der große Wurf, macht es sich in seiner Ruhe teilweise zu gemütlich, weiß im Endeffekt aber dennoch souverän zu unterhalten!
 
 


 
 
 

LA ABUELA – Zensur

 
 
 
„La Abuela – Sie wartet auf dich“ ist in Deutschland ungeschnitten und frei ab 16 Jahren zu haben.
 
 
 


 
 
 

LA ABUELA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray + DVD im Mediabook)

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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: La abuela; Frankreich | Spanien 2021

Genre: Horror, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Französisch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 100 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase | Mediabook

Extras: Trailer, Trailershow, Bildergalerie { zusätzlich im Mediabook: Booklet, Film auf DVD

Release-Termin: Mediabook + KeepCase: 24.03.2022

 

La Abuela – Sie wartet auf dich [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

La Abuela – Sie wartet auf dich [DVD + Blu-ray im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

LA ABUELA – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Relic (2020)
 
The Taking of Deborah Logan (2014)
 

Filmkritik: „See for Me“ (2021)

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SEE FOR ME

Story

 
 
 
Für eine junge, blinde Frau wird der Job als Haushüterin zum Albtraum, als plötzlich ein paar Diebe im großen Anwesen einbrechen.

 
 
 


 
 
 

SEE FOR ME – Kritik

 
 
Es ist momentan ein Trend, Blindheit in Horrorfilme oder Thriller einzubauen. Eine solche Prämisse ist natürlich sehr reizvoll, weil eine blinde Person sich schlechter wehren kann, als jemand, der die Bedrohung sieht. Allerdings braucht es bei einem solchen Szenario auch gute Einfälle im Drehbuch, weil man doch schon recht limitiert ist. „See for me“ besitzt von diesen zum Glück ein paar, scheitert im Endeffekt aber daran, dass er einfach nicht aufregend genug ist.
 
 
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Sophie hatte eine große Zukunft im Ski-Sport vor sich, bis sie plötzlich erblindete. Die junge Frau ist seitdem ziemlich geknickt und verdient sich etwas dazu, indem sie als Housesitterin arbeitet. Dabei bestiehlt sie ihre Arbeitgeber auch ganz gerne mal. Für einen neuen Job reist Sophie weit von ihrer Heimat weg. Ein Anwesen in einer ruhigen, abgeschiedenen Gegend soll gehütet werden, was für Sophie sehr reizvoll ist, da ihre Auftraggeberin sehr reich zu sein scheint. Doch dies birgt auch eine Gefahr: Als eines nachts plötzlich ein paar Einbrecher ins Haus eindringen, bekommt Sophie nur Hilfe über eine App namens „See for me“. Die Idee mit dieser App ist schon mal gut gelungen und sowieso wirkt das gesamte Drehbuch relativ bodenständig. Die Prämisse ist nahezu glaubwürdig, kommt früh auf den Punkt und besitzt keinen unnötigen Ballast. Der weitere Verlauf hält ein paar Überraschungen parat, die nicht so konventionell erscheinen und dem Film etwas frischen Wind verleihen, aber trotzdem kann diese Geschichte nicht über die gesamte Laufzeit packen. Dafür ist nämlich manchmal einfach zu wenig los.
 
 
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Den ruhigen Start lässt man sich dabei noch gerne gefallen und die erste halbe Stunde ist ziemlich sympathisch. Danach geht es mit Tempo weiter und schon sind die Einbrecher da. Nur leider wirken sie nicht besonders bedrohlich und stellen gar nicht mal die größte Gefahr dar. Regisseur Randall Okita, der zuvor überwiegend Kurzfilme drehte, gibt sich zwar sichtbar Mühe, aus dem Szenario die maximale Spannung herauszuholen, aber es gelingt ihm zu selten. Da werden manche Szenen ganz schön in die Länge gezogen und wirken so doch eher künstlich. Obwohl die Geschichte nach der Einleitung rasch voranschreitet, mangelt es also trotzdem ein wenig an Tempo. Dabei ist die Inszenierung keineswegs schlecht ausgefallen und das Thema der Erblindung hat man ganz authentisch dargestellt. So wirken gerade die Szenen, die sich auf Geräusche in der Umgebung konzentrieren, glaubwürdig und ein wenig Spannung kommt da teilweise schon auf. Für echten Nervenkitzel hingegen hat es selten gereicht. Man kann „See for me“ mit seinen rund 90 Minuten Laufzeit so zwar nicht unbedingt Langeweile unterstellen, aber so richtig unterhaltsam will es leider kaum werden.
 
 
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Die soliden Darsteller können da noch ein wenig retten. Skyler Davenport spielt die Hauptrolle sehr authentisch, was kein Wunder ist, da sie wirklich sehbehindert ist. Sie war zuvor eher im Bereich des Voiceover tätig und bietet sich als Schauspielerin für einen solchen Film natürlich bestens an. Wo andere Darsteller ihre Sehbehinderung nur spielen können, musste Davenport dies nicht tun und davon kann ein Film wie „See for me“ nur profitieren. Leider ist die Figurenzeichnung jedoch nur bedingt sympathisch. Es ist eigentlich löblich, dass man der Figur Sophie ein paar Ecken und Kanten verleihen wollte und sie nicht als die strahlende Heldin darstellt. Die Sympathien leiden darunter allerdings ein wenig und nicht jede Entscheidung wirkt völlig glaubwürdig. Jessica Parker Kennedy ist ziemlich limitiert, weil sich ihre Rolle nur am Schreibtisch abspielt, aber immerhin macht sie ihre Sache reichlich sympathisch. Hier wäre sicherlich noch etwas mehr Platz für Tiefe in der Charakterisierung gewesen, doch darauf kommt es „See for me“ dann doch nicht so sehr an.
 
 
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Das bemerkt man auch an den Bösewichten, die konventioneller nicht hätten sein können. Da gibt es den Bösen, der sofort zum Töten bereit ist, den Bösen, der ja eigentlich doch gar nicht so böse ist und den Boss, der am Ende noch kurz vorbeischaut. Immerhin gibt es hier noch Kim Coates zu sehen, der allerdings ziemlich unterfordert ist. Allgemein hätte man die Einbrecher deutlich markanter zeichnen müssen, denn sie strahlen einfach nichts aus. Weder sind sie beängstigend, noch charismatisch. Dass es ihnen so flott an den Kragen geht, ist deshalb nicht schlimm, wobei hierunter natürlich auch noch mal die Spannung leidet. Für ein wenig Blutvergießen ist so aber wenigstens gesorgt. Zu brutal wird das nicht und die Freigabe ab 16 Jahren hätte man auch herunterstufen können, wenn man nur ein, zwei Szenen etwas harmloser gestaltet hätte. Der elektronische Score wird sehr dezent eingesetzt, ist nichts Besonderes, aber passend.
 
 
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SEE FOR ME – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
„See for me“ ist ein ambitionierter Versuch eines Home-Invasion-Thrillers mit einer blinden Hauptfigur. Optisch ist der bodenständige Film völlig in Ordnung, die handwerkliche Arbeit ist sauber, die Inszenierung bemüht sich um Spannung. Leider kommt diese zu selten auf und es mangelt dem Werk etwas an Atmosphäre. Da kommt kein Nervenkitzel auf, die Bedrohung wirkt zu harmlos und so ist das doch eher ein gemütliches Werk für einen regnerischen Sonntag-Nachmittag. Die Darsteller sind allerdings solide und die Kulissen überzeugen. Auch die Handlung funktioniert soweit ganz ordentlich. Die Figurenzeichnung hätte jedoch besser ausfallen dürfen und ist im Endeffekt zu nichtssagend. Somit ist „See for me“ sicher kein Must-See, aber wer nicht genug vom Thema Home-Invasion bekommt und allgemein damit leben kann, wenn es nicht zu spannend zur Sache geht, der kann trotzdem mal einen Blick darauf werfen!
 
 


 
 
 

SEE FOR ME – Zensur

 
 
 
„See for Me“ ist in Deutschland ungeschnitten und frei ab 16 Jahren zu haben.
 
 
 


 
 
 

SEE FOR ME – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Atlas Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: See for Me; Kanada 2021

Genre: Horror, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch (Hörfilmfassung) DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.39:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 93 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer, Trailershow, Audiodeskription

Release-Termin: KeepCase: 20.05.2022

 

See for Me [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SEE FOR ME – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Atlas Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blind – Du bist niemals allein (2019)
 
Don’t Breathe (2016)
 
Jennifer 8 (1992)
 

Filmkritik: „Rats on a Train“ (2021)

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RATS ON A TRAIN

(JUNKRAT TRAIN)

Story

 
 
 
Infizierte Killerratten entgleisen eine bereits zwischenmenschlich angespannte Zugfahrt durch die chinesische Provinz.

 
 
 


 
 
 

RATS ON A TRAIN – Kritik

 
 
Gott sei Dank lädt eine der Einstellungen des belebten Bahnhofs zu Beginn des Films zum beeindruckten Nicken ein, denn ansonsten wäre der erste Eindruck tatsächlich der von unfreiwilliger Komik: Im dramatisch-trashigen Menü schaut einem direkt ’ne fiese Zombieratte in die Augen, es folgt ein chinesischer Schriftzug der allen Ernstes darauf hinweist, dass dieser FSK 16-CGI-Rattenfilm Szenen beinhaltet, die als „verstörend empfunden werden könnten“. Achja? Veraltet animierte Nager krabbeln über einen Dachboden, dann folgt besagte Szene am Bahnhof, auf dem sich gefühlt hunderte Statisten tummeln. Ein nörgelnder, strenger Vater wird als Protagonist etabliert und sieht natürlich als einziger von den Fahrgästen dass der gegenüber einfahrende Zug voll mit tödlichen Ratten ist, hat aufgrund provokanter Kleinkrimineller vor Ort allerdings keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Titlecard rein und Zugfahrt ab, ohne Verschnaufpause offenbart die nächste miese CGI-Kamerafahrt nun, dass der ganze Lüftungsschacht auch dieses Zuges voll mit quietschigen Bestien ist.
 
 
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Und somit herzlichen willkommen bei „Rats on a Train“ (Originaltitel: „Junkrat Train“), obwohl die Nähe zu zeitgenössischem, chinesischen sowie amerikanischen Krawall-Epen mit hausgroßen Monstern aus dem Rechner und massig Pathos deutlich näher ist, als die zu dem selbstironischen „Snakes on a plane“ oder seinen miesen Nachahmern. Wie dem auch sei, durch ein paar Nebenszenen, beiläufige Beobachtungen oder etablierte Nebenstränge – wie die Beziehungen des Vaters zu seinen Töchtern, die Motivation des Generals oder der Ursprung der Ratten – vergehen in Windeseile die ersten 15 Minuten, dann hat man auch schon die erste zerfressene Leiche gefunden und das Chaos startet so richtig.
 
 
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Dass die ersten zivilen Rattenopfer zwei sexistische Chauvinisten sind und sich andere Charaktere über Hungersnöte und Müllberge aufregen, sprich, Systemkritik veräußern, hat mich spontan überrascht – sonstwie modern (oder gar feministisch) sind diese 90 Minuten allerdings nicht zu nennen. Allgemein spielen bei aller Mühe für Charaktermotivationen und persönliche Bindung genau diese Details im größeren Rahmen einfach keine Rolle mehr, da natürlich genau das passiert, das passieren muss – die Ratten sorgen für Tod und Verderben, dramatische Entscheidungen müssen getroffen werden, Leute kämpfen sich alleine oder im Team durch, yaddayadda.Wäre der Film mutiger und blutiger und grausamer, hätte er besseres CGI, das nicht nur im Halbdunkeln überzeugt und realistisch aussieht sondern auch in den zahlreichen Szenen mit hunderten Ratten im grellen Sonnenlicht, wären die unregelmäßigen Witze wirklich lustig oder motiviert, man könnte auch aus einem solch dummen und simplen Konzept wirklich mehr herausholen. Und da die Produktion zwar zeitlich komplett verwirrt und unlogisch konzipiert, dafür aber rein technisch immerhin wieder ziemlich aufwendig oder gelungen zu nennen ist, erinnert „Rats on a Train“ nicht einmal so negativ oder lieblos an Filme von „The Asylum“, wie man bei der Prämisse meinen sollte.
 
 
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Doch egal ob die dramatische Flucht im letzten Moment oder die entzweite Liebe die wortwörtlich wieder zusammen finden muss, der egoistische Geschäftsmann/Kommandant der alle in Gefahr bringt mit seinen bekloppten Aktionen, oder die sinnvollen und doch inhumanen Entscheidungen wie die strikte Trennung von Infizierten und Gesunden – alles schon einmal gesehen, oft besser, oft schlechter.
 
 
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Auf dem Weg zum Finale können epische, emotionale Musik in Kombination mit moderigen, zerfallenen Umgebungen, Leichenbergen voller Statisten und höchst stimmungsvoll fotografierten Sets immer wieder für punktuelles Staunen oder zufriedenes Kopfnicken beim Zuschauer sorgen, einzig Logik und nicht zünden wollende Comedyeinlagen lenken erneut ab. Die erzwungene, bemüht epische Rede hätte man sich auch sparen können, dafür aber sind auf einmal auch „schon“ anderthalb Stunden um, die sich gar nicht so lange angefühlt haben
 
 
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RATS ON A TRAIN – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Gut gemeinter, aufwendig inszenierter, aber allenfalls mäßig getrickster Action-Horror mit erzwungener Emotionalität und prinzipiell unsympathischem Protagonisten
 
 


 
 
 

RATS ON A TRAIN – Zensur

 
 
 
„Rats on a Train“ ist in Deutschland ungeschnitten und frei ab 16 Jahren zu haben.
 
 
 


 
 
 

RATS ON A TRAIN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Junkrat Train; China 2021

Genre: Horror, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Kantonesisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 92 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 28.01.2022

 

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RATS ON A TRAIN – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
End of the Line (2007)
 
Train to Busan (2016)
 

Filmkritik: „Boys from County Hell“ (2020)

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BOYS FROM COUNTY HELL

Story

 
 
 
In einer irischen, kleinen und ruhigen Gemeinde ist plötzlich sehr viel los, als das Grab eines Vampirs abgerissen wird und dieser sich auf die Einwohner stürzt.

 
 
 


 
 
 

BOYS FROM COUNTY HELL – Kritik

 
 
Mit „Dracula“ hat Bram Stoker 1897 wohl die Vorlage für eine der berühmtesten Figuren der Horror-Literatur geliefert. Seitdem gab es unzählige Filme, die sich mit dieser Figur beschäftigten und allgemein wird wohl kein Subgenre im Horror so oft bedient, wie der Vampirfilm. Da darf man schon berechtigt fragen, ob es denn wirklich noch einen weiteren Film darüber braucht. Wirklich gebraucht hätte es „Boys from County Hell“ dabei sicherlich nicht, aber er schadet auch nicht, weil er doch reichlich sympathisch daherkommt.
 
 
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Dabei galt es lange Zeit für sicher, dass Stoker sich für seine Figur als Vorbild den berüchtigten Herrscher Vlad III. nahm, doch mittlerweile gibt es auch eine recht feste Theorie, dass doch eher die Legende von Abhartach für Dracula diente. Mit diesem Gedanken spielt nun auch „Boys from County Hell“. In der kleinen, irischen Gemeinde Six Mile Hill ist eigentlich überhaupt nichts los, aber es kommen immer mal wieder Touristen hier her, weil sich an diesem Ort das Grab von Abhartach befindet. Die Jugendlichen machen sich einen Spaß daraus, doch als Bauarbeiten stattfinden und das Grab beschädigt wird, ist es mit dem Spaß vorbei. An der Legende von Abhartach ist nämlich scheinbar etwas dran und plötzlich wimmelt es in dem verschlafenen Örtchen nur so vor Vampiren. Um in einem Vampirfilm noch mit Innovationen dienen zu können, muss man schon ordentlich tief in die Trickkiste greifen und so richtig gelingt dies „Boys from County Hell“ kaum, aber die Geschichte wirkt trotzdem nicht schon wie etliche Male erzählt. Ein paar eigenständige Ideen sind durchaus vorhanden und allgemein wird das Drehbuch doch ganz erfrischend vorgetragen. Das ist nicht unbedingt völlig clever, macht aus Zutaten, die vorher schon zig Male vorhanden waren, aber erfreulich viel und kopiert seine Vorbilder nicht nur.
 
 
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Regisseur Chris Baugh hat den Film 2013 schon mal als Kurzfilm umgesetzt, konnte mit der Zeit Erfahrungen sammeln und machte daraus 2020 also noch mal einen Langfilm, was sich bei dem Thema auch anbietet. Die Bilder der irischen Landschaft passen schon mal perfekt und bieten eine gelungene Atmosphäre, die ideal zum Horrorfilm passt. Ganz unterhaltsam sind da auch die Anspielungen auf „An American Werewolf in London“. Die handwerkliche Arbeit ist sauber und die Inszenierung sitzt. Da gibt es wirklich nichts zu meckern und man sieht an „Boys from County Hell“, dass es nicht immer das größte Budget braucht, um einen guten Film zu kreieren. Insgesamt ist auch die Stimmung ganz passabel, wobei der größte Horror ausbleibt und die Vampire selten für echte Bedrohung sorgen. Als Komödie kann man den Film allerdings auch nicht wirklich bezeichnen. Es gibt ein paar lustige Sprüche, doch ansonsten werden die Gags sehr dezent eingesetzt. Das ist selten bis nie komisch, besitzt dafür jedoch eine relativ lockere Atmosphäre, die schon Spaß machen kann.
 
 
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Erfreulich sind dann auch die Darsteller, die in einer sehr überschaubaren Anzahl auftreten. Jack Rowan und Nigel O’Neill haben am meisten zu tun und erledigen ihre Aufgabe sehr solide. Doch auch der Rest geht vollkommen in Ordnung. Außerdem ist es von Vorteil, dass die Figurenzeichnung sympathisch gestaltet wurde. Die Charaktere werden zwar keine Ewigkeit im Gedächtnis verweilen, sind aber auch nicht komplett belanglos. So gibt es eine kleine Vater-Sohn-Problematik und die Perspektivlosigkeit der Jugend in einem kleinen Kaff wurde ebenfalls ganz gut dargestellt. Auf jeden Fall kann man mit diesen Figuren etwas anfangen und wünscht ihnen kein baldiges Ableben. Die deutsche Synchronisation lässt sich übrigens sehr gut anhören.
 
 
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Leider bietet „Boys from County Hell“ im Endeffekt kaum echte Spannung. Allgemein ist der Film eher gemächlich unterwegs. So benutzt man das gesamte, erste Drittel, um die Geschichte aufzubauen. Das ist tatsächlich nicht langweilig und ganz sympathisch zu verfolgen, aber eben auch nicht gerade aufregend und etwas zu gering im Tempo. Danach geht es etwas mehr zur Sache, doch die Schauplätze verändern sich eher selten. So richtig temporeich wird es eigentlich erst in Richtung Finale, welches solide geraten ist. Mit seinen knapp 90 Minuten Laufzeit besitzt das selten Längen, aber eben auch kaum echte Highlights. Immerhin wird noch etwas gesplattert, wobei einem mehr Gore versprochen wird, als man wirklich bekommt. Die blutigen Momente haben sich die FSK: ab 16 Freigabe zwar verdient, etwas öfter hätten sie aber dennoch vorkommen dürfen. Dafür sind die Effekte, bis auf ganz wenige Ausnahmen (Stichwort: Tiere), allerdings sehr schön anzusehen und auch Abhartach hat man ordentlich dargestellt. Score und Soundtrack werden gut eingesetzt und runden das Ganze solide ab.
 
 


 
 
 

BOYS FROM COUNTY HELL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
„Boys from County Hell“ ist viel mehr ein lockerer Horrorfilm, als eine Horrorkomödie und das nächste Highlight findet man hier sicher nicht vor, aber trotzdem lohnt sich eine Sichtung, wenn man auf Vampire abfährt. Die Geschichte besitzt nämlich durchaus gute Ideen. Außerdem ist der Film handwerklich ordentlich gemacht, die Darsteller gehen vollkommen in Ordnung und die Figurenzeichnung ist erfreulich bodenständig. Es mangelt dem Ganzen im Endeffekt zwar etwas an echtem Horror und so richtig witzig will das auch nie werden, aber die Atmosphäre besitzt dennoch ihren Reiz und die Effekte sehen gut aus. Am Anfang ist das ein wenig lahm, Spannung gibt es eher weniger und trotzdem wird man solide unterhalten. Somit hat man hier sicher nicht den großen Wurf vor sich, aber auf seine eigene Art und Weise ist „Boys from County Hell“ doch sehr angenehm und deshalb auch sehenswert!
 
 


 
 
 

BOYS FROM COUNTY HELL – Zensur

 
 
 
„Boys from County Hell“ hat zwar einige Splatterszenen zu bieten, verpackt diese aber immer in einem humoristischen Kontext. Daher ist die Freigabe ab 16 Jahren gerechtfertigt. Der Film ist in Deutschland ungeschnitten erschienen.
 
 
 


 
 
 

BOYS FROM COUNTY HELL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Boys from County Hell; Großbritannien | Irland 2020

Genre: Komödien, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 92 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 28.01.2022

 

Boys from County Hell [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

BOYS FROM COUNTY HELL – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die rabenschwarze Nacht – Fright Night (1985)
 
The Lost Boys (1987)
 
An American Werewolf in London (1981)