Filmkritik: „Phobia 2“ (2009)

phobia-2-2009
 
 
 

PHOBIA 2

Story

 
 
 
Fünf teuflisch-makabre Kurzgeschichten, die von hungrigen Geistern, komatösen Hirntoten, scheintoten Schauspielerinnen, skrupellosen Autoverkäuferinnen und unvorsichtigen Rucksacktouristen erzählen …
 
 
 


 
 
 

PHOBIA 2 – Kritik

 
 
 
Verbucht ein Horrorfilm im Kino Erfolge, lass ihm schnell eine Fortsetzung folgen. Auch in Thailand kennt man die Formel des schnellen Geldes. Anders als hier in Deutschland scheint es dort finanziell lukrativ zu sein landeseigene Gruselware in die Lichtspielhäuser zu bringen, die sogar noch Zuschauer findet. Nach dem überraschenden Geldsegen der thailändischen Horror-Anthologie 4BIA (2008) war die logische Konsequenz daraus, so schnell wie möglich einen weiteren Ableger zu drehen, damit der Erfolg zeitnah wiederholt werden konnte. Die Rechnung ging auf: Die Fortsetzung PHOBIA 2 wurde im Inland ein Hit, spülte in der ersten Woche rund 65 Millionen Baht in die Kinokassen und entwickelte sich zum bis dato kommerziell erfolgreichsten Horrorstreifen in Thailand. Ein Grund hierfür dürfte vermutlich die äußerst konventionelle Inszenierung gewesen sein. Die Macher der Kurzgeschichtensammlung (die übrigens auch an SHUTTER und THE ABC’S OF DEATH beteiligt gewesen waren) klammern sich nicht krampfhaft an befremdliche Erzählmethodik aus Fernost, sondern schielen gen Westen, um PHOBIA 2 auch dort möglichst gewinnbringend vermarkten zu können.
 
 
phobia-2-bild-1
 
 
Das Resultat ist konventioneller als anfänglich erwartet und erinnert mit all den makabren Pointen an die Erwachsenen-Version der beliebten GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Reihe, die Ende der 80er im Fernsehen zum Kult wurde. Wie bereits im Vorgänger 4BIA reduziert sich auch der Nachfolger auf das clever konstruierte Schock- und Filmtwist-Prinzip, wobei auch in PHOBIA 2 großen Wert auf möglichst makabre Enden gelegt wurde. Die jeweiligen Episoden sind abwechslungsreich, glänzen mit atmosphärischer Dichte und gefallen durch visuelles Raffinesse. Im Gegensatz zum ein Jahr zuvor veröffentlichten 4BIA besitzt keine der Geschichten inszenatorische Hänger. Stattdessen legen die Regisseure ein beachtliches Tempo an den Tag und räumen dem Zuschauer kaum Zeit zum Verschnaufen ein. Im Mittelpunkt stehen fünf lose Geistergeschichten, die mit keiner Rahmenhandlung verknüpft wurden und für die fünf unterschiedlichen Thai-Regisseure verantwortlich waren. Die Kurzgeschichten erzählen von Vergeltung und begangenen Sünden, was für die Helden der knapp zwanzigminütigen Segmente meist kein gutes Ende zur Folge hat, schließlich müssen die für ihr meist skrupelloses Vorgehen bestraft werden.
 
 
phobia-2-bild-2
 
 
Während in der ersten Episode mit dem Titel NOVICE ein kleinkrimineller Jugendlicher von seiner Mutter in einem buddhistischen Kloster versteckt wird und schon bald den Zorn hungriger Geistern zu spüren bekommt, weil er sich den Regeln der Klostergemeinschaft widersetzt, führt uns WARD in ein Krankenhaus in dem sich seltsame Dinge ereignen. Dort hofft der junge Arthit auf Genesung, der sich wegen seiner verletzten Beine mit einem komatösen Patienten ein Zimmer teilen muss. Doch der schlummernde Zimmergenosse ist nicht so hirntot wie eigentlich vermutet, was den Krankenhausaufenthalt für Arthit zum quälenden Albtraum werden lässt. Für die dritte Kurzgeschichte wurden Elemente aus Zombie- und Geisterfilmen vermischt. Entstanden ist die vermutlich beste Episode der gesamten Anthologie. BACKPACKERS beginnt wie ein einfältiges WOLF CREEK-Duplikat, streut aber immer wieder falsche Fährten, um den Zuschauer zu verwirren. Am Ende gibt’s das erste Mal Gekröse zu sehen, damit auch der Gorehound unter den Zuschauern zufriedengestellt wird. Regisseur SONGYOS SUGMAKANAN berichtet hier von zwei japanischen Rucksacktouristen, die von zwei hilfsbereiten Truckern nach Bangkok mitgenommen werden. Hätten die jedoch geahnt, welch tödliches Frachtgut auf der Ladefläche schlummert, wären die beiden Tramper wohl lieber nach Bangkok gelaufen.
 
 
phobia-2-bild-4
 
 
Weiter geht’s mit dem zynischen SALVAGE, in dem eine Autoverkäuferin Kunden über den Tisch zieht. Sie richtet Unfallautos her und verkauft sie an gut zahlende und nichtsahnende Kunden. Als ihr Sohn Toey beim Spielen auf dem Autohof verschwindet, schlagen die verunglückten Seelen der ehemaligen Autobesitzer Alarm. Eine schreckliche Nacht gespickt mit punktgenauen Schockeffekten folgt und läutet die letzte Episode mit dem Titel IN THE END ein, für die sich noch mal einige Schauspieler aus dem Erstling vor der Kamera versammelten, um PHOBIA 2 mit selbstironischem Gruselquatsch abschließen zu können. In dieser Kurzgeschichte erkrankt eine Schauspielerin am Set eines Horrorfilms. Als sie unter mysteriösen Umständen aus dem Krankenhaus verschwindet und noch kränklicher am Filmset erscheint, sind die Kollegen fest davon überzeugt, dass die Gute nicht mehr unter den Lebenden weilt. Ähnlich wie in SCREAM – SCHREI! (1996) werden hier die Klischees moderner Horrorware wunderbar selbstironisch durch den Kakao gezogen. Dabei achtet Macher BANJONG PISANTHANAKUN penibel darauf, dass seine Geschichte nicht zu arg ins Alberne abgleitet und stets den Anspruch unterhaltsamen Gruselfutters beibehält. Neben einigen humoristischen Anspielungen, in denen selbst nicht davor gescheut wird den Vorgänger 4BIA auf die Schippe zu nehmen, übertrumpft sich die Episode mit einem göttliche erheiterndem Twist-im-Twist.
 
 
phobia-2-bild-3
 
 
PHOBIA 2 darf zweifelsohne als eine der gelungensten Horror-Anthologien gewertet werden und gehört neben THE ABC’S OF DEATH, CREEPSHOW, NECRONOMICON und V/H/S 2 zum Besten was das Sub-Genre bisher hervorgebracht hat. Das sah auch das neue deutsche Label FROZEN DICE MEDIA so und veröffentlicht den Grusler leicht verspätet als Teil der labeleigenen Filmreihe EPIC ASIA nun auch in Deutschland. Wer nur die Perlen unter den Horrorstreifen sucht darf getrost zugreifen, denn PHOBIA 2 richtet sich vor allem an ein Mainstream verwöhntes Publikum.
 
 
 


 
 
 

PHOBIA 2 – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
 
Ein pikant gewürzter Horror-Mix, der Lust auf mehr macht. Für PHOBIA 2 sollte man schockresistent sein. Die thailändische Kurzgeschichtensammlung geizt nämlich nicht mit handfesten Schreckmomenten, die ein gesundes Herz voraussetzen. Nachdem der Erstling mit dem Titel 4BIA bereits 2008 ordentlich Kasse machte, folgte mit der Fortsetzung PHOBIA 2 der bis dato erfolgreichste Horrorfilm Thailands. Für Horror-Anthologie-Fans sind beiden Teile ein Must-See, schließlich waren die Macher um eine konventionelle Inszenierung bemüht, damit auch westliche Zuschauer mit der Horrorsammlung etwas anfangen konnten. Umso verwunderlicher, dass sich bis heute kein deutscher Verleih finden konnte, der die beiden Horrorfilme hierzulande auswerten wollte. Das junge Label FROZEN DICE MEDIA schafft Abhilfe und bringt zumindest den besseren zweiten Teil in die Wohnzimmer. Wir meinen: PHOBIA 2 gehört in jede gut sortierte Horrorsammlung – darum kauft Leute, kauft!
 
 
 


 
 
 

PHOBIA 2 – Zensur

 
 
 
Ein paar wenige grausame Momente hat PHOBIA 2 zu bieten. Es werden einem Jungen Steine ins Gesicht geworfen, die obligatorischen Zombie-Beissattacken gibt es zu sehen und ein zermatschtes Kind unter der Motorhaube vervollständigen das kleine Splatter-Paket. Nicht viel, daher hat der Streifen von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten und das sogar in ungeschnittener Form.
 
 
 


 
 
 

PHOBIA 2 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
phobia-2-bluray

(c) Fozen Dice Media (KeepCase Blu-ray erscheint am 01.11.2015 im Handel)

 
phobia2-2-mediabook

(c) Illusions Unltd.Films / Fozen Dice Media (Mediabook erscheint am 27.08.2015)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Ha prang; Thailand 2009

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Thailändisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p Full HD)

Laufzeit: ca. 126 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Making Of aus dem Synchronstudio mit Rewinside, Rotpilz und Scene Take TV, Trailer, Slideshow

Release-Termin: KeepCase: 01.11.2015 | Mediabook: 27.08.2015

 
 
 


 
 
 

PHOBIA 2 – Mediabook

 
 
phobia-2-mediabook-0

phobia-2-mediabook-1

phobia-2-mediabook-2

phobia-2-mediabook-3

phobia-2-mediabook-4

phobia-2-mediabook-5

phobia-2-mediabook-6

phobia-2-mediabook-7

phobia-2-mediabook-8

phobia-2-mediabook-9

 
 
Mit der Veröffentlichung zu PHOBIA 2 wagt der Anbieter FROZEN DICE MEDIA den Sprung ins Mediabook-Geschäft und bringt die sehenswerte Kurzgeschichtensammlung nun auch als limitierte Sonderveröffentlichung auf den Markt, damit Sammler ihr Regal um ein weitere Schmankerl bereichern können. Als Vertrieb fungiert ILLUSIONS UNLTD. FILMS, der Horrorfans von Begriff sein dürfte, da die Jungs bereits dutzende Horrorklassiker im deutschsprachigen Ausland als DVD und Blu-ray veröffentlicht haben. Für den Mediabook-Start eines noch unbekannten Labels ist die Veröffentlichung von PHOBIA 2 ganz anständig geworden. So gefällt neben der optischen Präsentation und der guten Bildqualität besonders die deutsche Synchronisation für die namhafte Größen der deutschen Youtube-Szene gewonnen werden konnte. Das Resultat kann sich hören lassen, denn während viele deutsche Indie-Labels vermehrt auf günstige Pornosynchronisationen Wert legen, hat man bei FROZEN DICE MEDIA Qualität walten lassen. Das deutsche Release von PHOBIA 2 ist eine Veröffentlichung von Fans für Fans. Per Crowdfunding wurde Geld gesammelt, damit der Streifen in Deutschland veröffentlicht werden konnte. Wie das Projekt zustande kam, kann im Mediabook nachgelesen werden. Darin erfährt der Sammler zudem, wer hinter dem Label steckt und wer an der Veröffentlichung beteiligt gewesen ist. Hierbei kommen auch jene zu Wort, die für die hochwertige Synchronisation verantwortlich zeichnen. Das ist zwar teils viel Eigenwerbung, aber dennoch sehr informativ. Gleiches gilt übrigens für das einzige richtige Extra auf der DVD/Blu-ray. Neben dem Filmtrailer und einer Slideshow hat man exklusiven Bonus produziert, den man nur auf der deutschen Scheibe findet. Hier folgt der Zuschauer den Arbeiten an der Übersetzung und erhält Einblicke in die Synchronisationsarbeiten. Das ist löblich, denn andere Label hätten es vermutlich bei Trailer und Bildergalerie belassen. Ganz nebenbei ist das 30-minütige Synchro-Making-of äußerst kurzweilig, da die Beteiligten offenbar viel Spaß bei den Arbeiten im Studio hatten. Letztendlich bleibt zu sagen, dass die Veröffentlichung zu PHOBIA 2 gut geworden ist. Einige filmbezogene Extras hätte das Release runder gemacht – vermutlich konnte man die wohl nicht lizenzieren. Trotzdem: betrachte man, was man für gleiches Geld von anderen Labels geboten bekommt, ist das schon als lobenswert zu betiteln, was FROZEN DICE MEDIA dem Filmfan mit viel Herzblut bietet.

 
 

Phobia 2 [Blu-ray] [Limitiertes Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Phobia 2 [Blu-ray] [Limitiertes Mediabook] ungeschnitten auf auf beyond-media.at kaufen

 
 
 


 
 
 

PHOBIA 2 – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
P.O.E. Project of Evil (2012)

The Penny Dreadful Picture Show (2013)

5 Senses of Fear (2013)

Sanitarium (2013)

Scary or Die (2012)

Filmreview: „Two Moons“ (2012)

two moons 2012
 
 
 

TWO MOONS

Story

 
 
 
Drei Ahnungslose erwachen im Schuppen eines düsteren Hauses. Dort geht es nicht mit rechten Dingen zu, schließlich hat dort eine Mutter den Sohn und ihren Ehemann ermordet …
 
 
 


 
 
 

TWO MOONS – Kritik

 
 
 
Buh, es spukt wieder und zwar auf Koreanisch. Die Halbinsel zwischen Gelbem und Japanischem Meer hat in der Vergangenheit durch Staatenspaltung und einer Menge innerpolitischer Diskrepanzen Schlagzeilen gemacht, aber immerhin mit dem GANGNAM STYLE (um mal beim Positiven zu bleiben) die ganze Welt infiziert. Auch wenn Süd- und Nordkorea nicht gerade zu den neuen Hochburgen für Horrorfans gehören, kommen von dort ab und an gute Horrorfilme, die dann sogar weltweit Kasse machen. A TALE OF TWO SISTERS (2003), THE HOST (2006) und I SAW THE DEVIL (2010) haben eindrucksvoll bewiesen, dass Horror eine internationale Sprache spricht und jede Kultur ihre ganz eigene Methodik bevorzugt, dem Zuschauer das Fürchten zu lehren. Den Amerikanern war derartige Eigenbrötlerei vermutlich zuviel des Guten, so dass der von KIM JI-WOON inszenierte A TALE OF TWO SISTERS neu gedreht und unter dem Titel DER FLUCH DER ZWEI SCHWESTERN (OT: THE UNINVITED) 2009 im Kino ausgewertet wurde. Über die Unnötigkeit dieser typisch amerikanischen Neuverfilmung darf durchaus gestritten werden. Es zeigt sich aber mehr als deutlich, dass der koreanische Genrefilm als Exportgut für die Horrorfilmwelt unverzichtbar geworden ist.
 
Mit TWO MOONS (OT: DOO GAE-EUI DAL) wird die Reihe sehenswerter koreanischer Horrorstücke um einen Beitrag erweitert. Der wurde von LEE-JONG-HO derart intelligent zu Papier gebracht, dass es nicht verwunderlich wäre, wenn auch hier die US-Remake-Vermarktungs-Soldateska geldgeil zurückschlagen würde. Hinter dem Schauerstreich steckt Regisseur DONG-BIN KIM, der bereits einiges im Genre gemacht hat und bis heute eine besondere Beziehung zu Geistern besitzt. Bereits 1999 demonstrierte er selbige: Noch bevor es die amerikanische Traumfabrik tat, fabrizierte er mit THE RING VIRUS eine Neuverfilmung des japanischen Kassenschlagers RING (1998). Danach erschreckte er mit Geister-Terror in TRAIN OF THE DEAD (2005) und lässt nun TWO MOONS folgen. Der hat natürlich auch wieder was mit Spuk zu tun, ist aber unterm Strich doch irgendwie ganz anders, als die bisherigen Filme des Regisseurs.
 
Bleiche Geisterkinder, die pitschnass aus TV-Apparaten oder Brunnen krabbeln, sieht man hier nicht. Diesmal geht es zu einer Hütte im Wald, die seit original EVIL DEAD (und dem 2013er Reboot) zum unverzichtbaren Schauerort in Horrorfilmen geworden ist. Keine Angst, TWO MOONS ist keine unnötige koreanische Version von RAIMIS Kulthit. Hier erwacht Mystery-Schriftstellerin SO-HEE (PARK HAN-BYUL) zusammen mit dem arbeitslosen SEOK-HO (KIM JI-SEOK) und der äußerst nervigen Schülerin JEONG (PARK JIN JOO) in einem dunklen Schuppen. Die wissen erst mal gar nicht, wie sie hierher gekommen sind und befürchten Schlimmes. Als sie sich aus ihrem Gefängnis befreit haben, finden sie sich in einem verlassenen Haus irgendwo tief draußen im Wald wieder. Das wird natürlich erkundet und scheint menschenleer zu sein. Doch irgendwas liegt hier im Argen. Aus dem Wald gibt es seltsamerweise kein Entkommen und in den Räumlichkeiten ist eine Aura des Bösen allgegenwärtig. Als dann noch eine verwirrte Frau gefunden wird, die von allerhand komischen Dingen faselt, geht den Übrigen drei der Hintern auf Grundeis.
 
Erscheinen zwei Monde am Himmel, dann sind die Geister nicht weit. Denn wenn sich die Welt der Menschen mit der der Geister vereint, sieht man zwei Monde – für jede Welt einen. Mit diesen weißen Worten aus dem Off wird der Prolog zu TWO MOON eingeläutet. In dem wird auch erklärt, dass jenes Haus im Wald einer Familie gehört hat, die sich selbst ausradiert haben soll. Dem bewanderten Zuschauer schwant da schon des Rätsels Lösung und dennoch geht TWO MOON ganz andere Wege. Auf Langsamkeit wird in DONG-BIN KIMS neusten Schaffen besonderen Wert gelegt. Hier sehen wir all das, was seit jeher Gruseltrips ausmacht und eigentlich ausmachen sollte. Düstere Gänge, unheimliche Schatten, langsame Kamerafahrten und viele Buh- und Ah-Momente. Den Baller-Experten unter den Horrorfans dürfte derart klassisch erzählte Spukware gegen den Strich gehen, gibt es in TWO MOONS kaum rasante oder effekthascherische Momente zu sehen. Gruselige Stimmung ist allgegenwärtig und die ungewöhnliche Geschichte wird in zwei Teile gegliedert. Während zu Beginn Zuschauer und Protagonisten sprichwörtlich im Dunkeln tappen und die Szenerie erkunden, weht spätestens ab Filmmitte ein ganz anderer Wind, denn DONG-BIN KIM hat sich bewusst für einen Plottwist entschieden. Der kommt so unerhofft, wie Besuch von den Schwiegereltern und sorgt gekonnt und effektiv für reichlich Verwirrung. Dennoch: überraschende Auflösungen gehören zwar im Horrorfilm zum Standard und wirken nicht selten erheblich konstruiert; im Falle von TWO MOONS tut so ein Twist Not, entsteht hier gerade aufgrund jener Wendung eine gewisse Dynamik. So verwandelt sich subtiles Grauen rasch zu mysteriösem Thrill, der Gruselfreunden einige Schrecksekunden abverlangt und für Herzattacken sorgt. Zum Kultknaller reicht es zwar nicht und natürlich ist die Inszenierung weit entfernt von westlicher Kinomachart; wer jedoch seit jeher ein Faible für typisch asiatisches Geisterschinken besitzt, wird auch hier gebannt vor der Glotze sitzen – spannend genug ist TWO MOONS alle Mal.
 
 
 


 
 
 

TWO MOONS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Einmal mehr lehrt Korea Gruselfans aus aller Welt das Fürchten. Auch wenn die Asiaten ihre ganz eigene Art des Erschreckens besitzen, stellt man wieder mal fest, dass Jahre nach RING immer noch gute Geisterschocker aus dem Fernen Osten kommen. Mancher Horrorfan mag da vermutlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und an schlecht geschminkte Geistergören denken, die für den westlichen Zuschauer wenig beängstigend aus Mattscheiben krabbeln; TWO MOONS hält von diesen abgedroschenen Klischees Abstand und punktet durch Atmosphäre, Überraschungsmomente und handfeste Schocks. FAZIT: TWO MOONS ist gelungener Geisterhorror für ganz mutige Zuschauer.
 
 
 


 
 
 

TWO MOONS – Zensur

 
 
 
TWO MOONS ist subtiler Geisterhorror, ganz ohne großes Blutvergießen. Der Film wird mit FSK 16 nach Deutschland kommen, denn sonderlich grafisch oder brutal ist TWO MOONS nämlich nicht.
 
 
 


 
 
 

TWO MOONS – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ringu (1998)
 
The Sixth Sense (1999)
 
The Others (2001)

Filmreview: „Lesson of the Evil“ (2012)

Lesson-of-the-evil
 
 
 

LESSON OF THE EVIL

Story

 
 
 
Seiji Hasumi (HIDEAKI ITÔ) ist beliebter Lehrer an einer japanischen Oberschule. Er setzt sich für das Wohl der Schüler ein und versucht, das organisierte Schummeln bei Klassenarbeiten zu unterbinden. Leider hat selbst der beste Lehrer so seine Geheimnisse, denn in Wahrheit ist Hasumi ein gemeingefährlicher Irrer, der in seiner Kindheit etwas zu oft Brechts Dreigroschenoper gelauscht hat …
 
 
 


 
 
 

LESSON OF THE EVIL – Kritik

 
 
 
Jawohl, Kult-Regisseur TAKASHI MIIKE hat es wieder getan: Er hat einen Horrorfilm gedreht. Der Mann ist ja bekannt dafür, fleißig einen Streifen nach dem nächsten aus dem Ärmel zu schütteln und schaffte sogar, sich international einen Namen zu machen. Auf sein Konto gehen Werke wie THE CALL (2003), ICHI THE KILLER (2001) und 13 ASSASSINS (2010), wobei er sich mit seiner IMPRINT-Episode für die beliebte MASTERS OF HORROR-Reihe auch im amerikanischen TV-Programm behaupten konnte. Nun folgt splattriger Nachschub für die Anhänger der etwas deftigeren Unterhaltung, denn immerhin versteht es MIIKE trefflich, Kinoleinwände rot zu färben. Sein neuster Ausflug ins Genre ist allerdings kaum der Rede wert, schließlich passiert es selbst dem besten Filmemacher, dass er hin und wieder Grütze fabriziert. LESSON OF THE EVIL heißt der aktuelle Fehltritt und wird vermutlich allein der kontroversen Thematik wegen zu fragwürdigen Ruhm kommen. Speziell in Deutschland dürften sich da schon einige Hinterhofunternehmen gierige die Hände reiben, schließlich kann man Filme, die es ohnehin nicht durch die FSK schaffen, rentabel im deutschsprachigen Ausland verscherbeln. Der Horrorfan greift zu und löhnt ordentlich, selbst wenn sich dahinter oft nur ein laues Lüftchen verbirgt.
 
Wie das Plakat zum Film bereits verrät besitzt Seiji Hasumi (HIDEAKI ITÔ) zwei Gesichter. Tagsüber ist er der nette Englischlehrer an einer Oberschule und bei allen Schülern beliebt. Privat jedoch schlummert hinter der friedliebenden Fassade das abgrundtief Böse. Der smarte Dozent hat bereits ein paar Menschenleben auf dem Gewissen und natürlich viele Leichen im Keller. Als ein paar Schüler und Kollegen in der Vergangenheit Hasumis stöbern, stoßen sie immer wieder auf ungeklärte Selbstmorde. So auch an einer Schule, in der der smarte Schönling zuletzt tätig gewesen ist. Doch Neugier schützt vor Strafe nicht und Hasumi beginnt all diejenigen auszuradieren, die zu eifrig damit beschäftigt sind, sein kleines Geheimnis auffliegen zu lassen.
 
Vielleicht hätte MIIKE diesmal nicht selbst am Drehbuch Hand anlegen sollen, denn seine Filmadaption eines Romans des Autors YÛSUKE KISHI hat weder Hand noch Fuß. Langweilig geht es hier zu und mit seiner stolzen Laufzeit von knapp zwei Stunden ist LESSON OF THE EVIL einfach viel zu lang geraten. MIIKE hält sich mit zu vielen Nebensächlichkeiten auf. Wir erleben, wie unwichtige Schüler wirres Zeug quasseln. Von denen gibt es im Film zuhauf und wie es nun mal in asiatischen Filmen der Fall ist, schauen die auch irgendwie alle gleich aus, so dass man schnell den Überblick verliert. Zudem nimmt man HIDEAKI ITÔ die Rolle des geheimnisvollen Psychopathen zu keiner Zeit ab. Zwar ist mal wieder die vermasselte Kindheit an allem schuld und ITÔ ist sichtlich darum bemüht, wirklich böse in seiner Rolle zu sein; glaubhaft oder nachhaltig ist das aber nicht im Geringsten, so dass man nicht glauben möchte, dass MIIKE vor Jahren mit ICHI THE KILLER einen der besten, modernen Splatter-Schinken aus Fernost gedreht hat. Immerhin knistert es im Streifen gewaltig. Lehrer Hasumi ist nämlich äußerst begehrt bei den Mädchen. Der nutzt die Gunst der Stunde und beginnt mit einer Schülerin eine Affäre. Überhaupt scheint man in dieser Schule kaum moralische Bedenken zu besitzen. Das Kollegium treibt es gern einmal mit naiven Schutzbefohlenen, was für Psychopath Hasumi Grund genug ist, gleich einmal einen seiner Lehrer-Kollegen zu erpressen, der eine homosexuelle Beziehung zu einem seiner Schüler hegt. Leider ist das ganze Bindungs- und Intrigengeflecht derart zäh, antriebslos und oberflächlich geschustert, dass viele der Zuschauer vermutlich nicht den fulminanten Höhepunkt erleben werden, auf den LESSON OF THE EVIL eigentlich hinauslaufen soll. Denn erst nach knapp 90 Minuten befremdlich asiatischer Inszenierungskunst, packt Hasumi seine Pumpgun aus und donnert alles über den Jordan, was ihm zu unüberlegt vor die Flinte saust. Da fliegen die Körper nichts ahnender Kinder in bester BATTLE ROYALE Manier durch die Luft und werden im Kugelhagel mit ausreichend Blei durchsiebt. Makabererweise geht das aufgescheuchte Geschrei selten nahe, schließlich hat MIIKE gänzlich darauf verzichtet, den grünschnäbligen Kiddis eine gescheite Charakterentwicklung einzuräumen. So versinkt das Treiben belanglos und überraschungsarm im tiefroten Lebenselixier, damit zumindest die Splatter-Fraktion etwas Sauerei zu sehen bekommt.
 
 
 


 
 
 

LESSON OF THE EVIL – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Gehören die Glanzzeiten des TAKASHI MIIKE der Vergangenheit an oder sind ihm für LESSON OF THE EVIL einfach mal wieder die Ideen ausgegangen? Sein neuester Ausflug ins Splatter-Genre gehört zweifelsohne zu den schwächsten Produktionen seines bisherigen Schaffens. Hier donnert sich ein psychopathischer Lehrer unter lautem Munitionsverschleiß durch eine japanische Oberschule, was angesichts mangelnder Gesellschaftskritik und nicht vorhandener Identifikationsmöglichkeiten schon etwas sehr geschmacklos anmutet. Die kontroverse Thematik ist in LESSON OF THE EVIL einzig Mittel zum Zweck, damit der Gorehound belustigt wird. Leider nimmt sich das Teil bis zum grotesken Amoklauf einfach zuviel Zeit für Nebensächlichkeiten, so dass die Geduld blutgeiler Horrorfans arg auf die Probe gestellt wird. Ob die dann nach knapp 90 Minuten Langeweile überhaupt noch Lust auf ein spannungsfreies Schlachtfest haben, steht auf einem anderen Blatt.
 
 
 


 
 
 

LESSON OF THE EVIL – Zensur

 
 
 
Schon allein die Tatsache, dass in LESSON OF THE EVIL unschuldige Schüler grafisch vor der Kamera in den Filmhimmel transferiert werden wäre für die hiesige FSK Grund genug gewesen, MIIKES neustem Werk erst gar keine Freigabe zu erteilen. Am Ende läuft Lehrer Seiji Hasumi Amok und ballert alles über den Haufen, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Dass die FSK den Streifen dennoch ungeschnitten mit nur KEINE JUGENDFREIGABE durchgewunken hat, dürfte mal wieder auf die Willkür der Prüfer zurückzuführen sein. Andere, bei weitem harmlosere Streifen hätten wohl an dieser Stelle keine Freigabe erhalten.
 
 
 


 
 
 

LESSON OF THE EVIL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Lesson-of-the-evil-bluray

(c) Rapid Eye Movies

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Aku no kyôten; Japan 2012

Genre: Thriller, Horror, Drama

Ton: Deutsch (DTS-HD MA 5.1), Japanisch (DTS-HD MA 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 129 Min.

FSK: FSK18 – Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover (ohne FSK-Flatschen)

Extras: Making of, Kinotrailer, Trailershow

Release-Termin: 13.06.2014

 
 
 

Lesson of the Evil [Blu-ray] ungeschnitten bei AMAZON kaufen

 
 
 
 


 
 
 

LESSON OF THE EVIL – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Amoklauf (1994)
 
Elephant (2003)
 
Rampage (2009)