Filmkritik: „Mirror Mirror“ (1990)

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MIRROR MIRROR

Story

 
 
 
Schon länger ist das Gruselhaus mitten in der amerikanischen Vorstadt unbewohnt. In einer Stube dort steht nämlich ein antiker Spiegel, in dem mindestens ein Dämon steckt. Wenn nicht gar das Böse an sich. Neue Mieter schicken sich an, ein wenig Leben in die verlassene Bude zu bringen. Diese Mieter wären Nervenärztin Susan (die unvergessene Karen Black) und ihre Tochter Megan (Rainbow Harvest – klingt wie eine Spielzeugmarke oder eine Haschischsorte), die im neuen Heim ein wenig Abstand zum bisherigen Leben nehmen wollen. Die Psychiaterin benutzt ihre beruflichen Fähigkeiten sehr unredlich und macht ihrer Tochter die Pubertät ganz fürchterlich schwer. Megan hat’s aber auch unterwegs nicht leicht, wird in der Schule von ihren Mitschülerinnen-Mistviechern deftig gemobbt. Man könnte sie das verhassteste Mädchen der Schule nennen. Zuhause spricht sie dann der Spiegel an und verleiht ihr fiese Kräfte, mit denen sie mit ihrer Mutter und den Pausenhof-Peinigern aufräumt. Es stellt sich die Frage, ob das Böse im Spiegel nicht doch aus Megan kam und der Spiegel nur das tat, was ein Spiegel so tut: Reflektieren.

 
 
 


 
 
 

MIRROR MIRROR – Kritik

 
 
 
Meine Herren! Vier Durchgänge gibt’s von der Spiegelshow. Eine Reihe, „Franchise“, wie man so sagt, die zu den eher obskuren der Horrorfilmgeschichte zählen dürfte. Bis in die frühen Zweitausender hatten leidlich talentierte Regissorios Freude an der Story um das besessene Antikmöbel. Spürbare Veränderungen: Der Grad an harmloser Softerotik wurde von Folge zu Folge höher, der Horrorgehalt wich einer Hinwendung zum Thriller mit okkulten Untertönen. Dazu kamen eben die Einflüsse von seinerzeit beliebten Nackig-Schockern wie BASIC INSTINCT. MIRROR MIRROR, der vorliegende Ersteintrag der Serie ist ein Cocktail aus guten Zutaten, die schon andere Filme zu Erfolg und Liebhaberei von Seiten ihres Publikums führen konnten. Da ist der von finsteren Mächten in Besitz genommene Teil des unangenehmen Hauses. Den hat man direkt aus Tobe Hoopers eigentlich von Spielberg gedrehtem Klassiker POLTERGEIST gelüpft.
 
 
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Der Haupthandlungsfaden, der mit dem getriezten Mädel, das irgendwann die Faxen dicke hat und den zuständigen Teenager-Abschaum plus manipulativer Frau Erziehungsberechtigter erledigt, ist natürlich aus Brian De Palmas Verfilmung von Stephen Kings Debüt CARRIE – DES SATANS JÜNGSTE TOCHTER „geliehen“. Dazu kommt ein gerüttelt Maß an Slasherfilm-Stimmung, wenn die kleinen Bösewichter einer nach dem anderen auf phantasievolle Weise ins Gras beißen müssen. Diese erwartungsgemäß regelrecht zelebrierten Gewaltszenen sind dann auch stilecht blutig und detailliert, weswegen die Besitzer der alten deutschen Videokassette mit ein paar Zensurschnitten zu leben hatten. Ein leider großes Problem von MIRROR MIRROR ist sein gemächliches Tempo. Bis Megan endlich auf die Kacke haut und den ekelhaften Mitschülern das Fell über die Ohren zieht, vergeht ein ganzes Stündchen Laufzeit. Das ist zuviel, sogar für Zuschauer, die entschleunigte Genreware aus alten Tagen gewohnt sind. Spaßig hingegen ist die Besetzung. Neben Horror-Ikone und Schrottqueen Karen Black läuft William Sanderson auf. Den kennen Fans besonders ruppiger Exploitationfilme aus AUSBRUCH ZUR HÖLLE von 1977, in dem er den entkommenen Zuchthäusler Jesse Lee Kane gibt und im halbimprovisierten Schauspielstil so durchgedreht und rassistisch am Rade dreht, dass er sich heute dafür schämt.
 
 
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MIRROR MIRROR – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Manchmal etwas zu träger CARRIE-Nachzügler mit tapfer zusammengeklauten Handlungsideen und kurzen, effektiven Splatterszenen. Vielleicht eines der letzten Aufflackermomente des liebgewonnenen Horrorfilmstils der Achtziger Jahre und gar nicht übel – wenn da nicht das arg gemütliche Tempo wäre.
 
 
 


 
 
 

MIRROR MIRROR – Zensur

 
 
 
Glaubt man den Einträgen im Internet, soll die deutsche VHS-Fassung leicht gekürzt gewesen sein. Die nun erhältliche DVD des Anbieters MARITIM PICTURES enthält jedoch trotz des alten FSK-Stickers die ungeschnittene Filmfassung und ist nicht indiziert. Somit können Sammler und Nostalgie-Fans im Kaufhaus bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

MIRROR MIRROR – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Mirror Mirror; USA 1990

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch (Dolby Digital 1.0 Mono), Englisch (Dolby Digital 2.0 Surround)

Untertitel: Keine

Bild: 1,33:1

Laufzeit: ca. 100 Min.

FSK: FSK 18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit alternativem Wendecover. Das besitzt das alte VHS-Motiv.

Extras: Trailer „Mirror Mirror“ (2:20 Min.) englisch, Trailer „Devil Dance“ (1:50 Min.) englisch

Release-Termin: 27.03.2015

 

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MIRROR MIRROR – Trailer

 
 


 
 

Christian Ladewig

Die Rechte aller für die Review verwendeten Bilder liegen bei MARITIM PICTURES

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Oculus (2013)
 
Mirrors (2007)
 
Mirrors 2 (2010)
 
Dark Mirror (2007)
 

Filmreview: „Oculus“ (2013)

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OCULUS

Story

 
 
 
In einem mysteriösen Spiegel lauert das Böse. Das antike Sammlerstück manipuliert seine Besitzer und bestraft sie mit einem schrecklichen Tod. Die Geschwister Tim und Kaylie Russell haben das als Kind am eigenen Leib zu spüren bekommen, denn das unheimliche Stück Glas nahm ihnen die Eltern auf gar grausige Weise. Nun, 10 Jahre später wollen sich die beiden Waisen dem Bösen stellen und fordern die diabolische Macht des Spiegels heraus …
 
 
 


 
 
 

OCULUS – Kritik

 
 
 
Spieglein, Spieglein an der Wand, welch grotesken Schrecken bringst du uns demnächst ins Land? Zum Start des Schauerfilms OCULUS wurde in Amerika kräftig die Werbetrommel gerührt, um möglichst viele Horrorfans in die Kinos zu locken, die sich anhand des ansprechend zusammengeschnippelten Filmtrailers einen unheimlichen Gruselabend versprachen. Die Rechnung ging auf und der von MIKE FLANAGAN (ABSENTIA) inszenierte OCULUS konnte bereits am Startwochenende mehr als das doppelte an Herstellungskosten einspielen, was Platz drei der amerikanischen Kinocharts zur Folge hatte. So erfreulich die Nachricht über den überraschenden Erfolg, so enttäuscht die Gesichter vieler Gruselfans, die nach der Vorstellung erzürnt die Kinosäle verliessen, weil sie sich vom Spiegel-Horror etwas ganz anderes erhofft hatten. Schaut man sich den Werbeclip zum Schauermär an ist das auch kein Wunder, suggerieren die Macher einen weiteren MIRRORS, dessen glattgebügeltes Remake im Jahr 2008 vom französischen Splatter-König ALEXANDRE AJA gedreht und von Anhängern der etwas härteren Filmgattung gut angenommen wurde. Splatter sucht der Zuschauer in OCULUS leider vergebens, denn Regisseur MIKE FLANAGAN macht Horror für Jedermann und setzt vermehrt auf subtiles Grauen, damit zartbesaitete Gemüter auch mal wieder in den Genuss unheimlicher Gruselware kommen können, ohne sich gleich übergeben zu müssen.
 
Die Idee zu OCULUS basiert auf den Kurzfilm OCULUS: CHAPTER 3 – THE MAN WITH THE PLAN, den FLANAGAN bereits 2006 abgedreht hatte und von einem Mann erzählt, der beweisen will, dass ein antiker Spiegel ein mysteriöses Eigenleben führt. Für die Spielfilmversion seiner Kurzgeschichte hat er die Idee seines Halbstünders noch einmal überdacht und erweitert. Daraus entstanden ist ein solider Horrorfilm, der gerade aufgrund der unverbrauchten Thematik einen gewissen Unterhaltungswert bietet. OCULUS handelt von den Geschwistern Tim (BRENTON THWAITES) und Kaylie Russell (KAREN GILLAN), die als Kinder Schlimmes erlebt haben und den Mord an Mutter und Vater beiwohnen mussten. Vor allem Bruder Tim hat nach dem Ableben der Eltern kein einfaches Los gezogen. Er landet in einer Jugendheilanstalt, wo er die schrecklichen Kindheitserlebnisse verarbeiten soll. Nach über zehn Jahren Klinkaufenthalt wird er endlich entlassen und von Schwester Kaylie sehnsüchtig in die Arme geschlossen. Viel Zeit zur Freude bleibt den beiden jedoch nicht, denn Kaylie hat durch ihre Arbeit in einem Auktionshaus jenen antiken Spiegel zurückerwerben können, den sie für das damalige Verbrechen an den Eltern verantwortlich macht. Mit dem Bruder im Schlepptau will sie beweisen, dass das alte Möbelstück das Böse beherbergt. Sie kehrt mit Tim in das Haus der Eltern zurück, wo sie die unheimliche Macht des Spiegels herausfordern möchte – aufgestellte Kameras sollen den gespenstigen Spuk aufzeichnen.
 
Eigentlich war OCULUS anfänglich als atmosphärischer Anthologie-Streifen geplant. Dennoch hat sich Macher MIKE FLANAGAN am Ende doch nur für eine Episode in Spielfilmlänge entschieden, obwohl es vermutlich weitaus interessanter gewesen wäre, hätte man die skurrile Vergangenheit der 300 Jahre alten Antiquität in Episodenform erkundet. Stattdessen berichtet Protagonistin Kaylie im Eiltempo vom unheimlichen Erbe des grausigen Spiegels. Der brachte seither jedem Besitzer den Tod; den Grund hierfür hat man sich aber leider für die Fortsetzung aufgehoben. Auch wenn die Geschehnisse rund um OCULUS nicht sonderlich innovativ klingen, so überrascht die fesselnde Erzählmethodik, die FLANAGAN in seinem professionell gedrehten Grusler an den Tag legt. Die Handlung wechselt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Während die erwachsenden Geschwister in der heutigen Zeit das Geheimnis um den mysteriösen Spiegel zu entschlüsseln versuchen, erzählt der Film in Form eines parallelen Handlungsstranges, wie die kindlichen Gegenstücke in der Vergangenheit das erste Mal mit der unheimlichen Kraft der Antiquität in Berührung kommen. Der ständige Wechsel zwischen den Zeitebenen funktioniert geradezu spielerisch und lässt sogar am Ende beide Handlungsstränge miteinander verschmelzen.
 
OCULUS ist geschickt getrickst, wenn auch nicht ganz so gruselig wie eigentlich erhofft. Der Spiegel ist hier der Bösewicht des Films, der zwar stets präsent ist, aber irgendwie nie eine eigene Persönlichkeit entwickelt. Das starre Mordwerkzeug beginnt recht früh mit seiner rastlosen Arbeit die neuen, alten Besitzer anhand fieser Illusionen hinters Licht zu führen. Da verwandelt sich ein Apfel (Grimms Schneewittchen lässt grüßen) ganz geschwind zur Glühbirne, so dass Heldin Kaylie nach einem kräftigen Biss ins vermeintliche Fruchtfleisch über schmerzhaftes Zahnfleischbluten klagt. In einer anderen Szene ergreift der Spiegel Besitz von den Eltern und befielt ihnen Schreckliches zu tun. Die meist schmerzhaften Täuschungen und die Besessenheit der Protagonisten sind hier das Salz in der Suppe, wobei vor allem am Ende selbst der Zuschauer nicht mehr erkennt, was nun eigentlich Realität ist und was der Spiegel ihm und den Helden versucht vorzugaukeln. Mit OCULUS kehrt Regisseur MIKE FLANAGAN zurück zum klassischen Horror, der geschickt mit Licht und Schatten spielt und versucht durch unheimliche Atmosphäre reichlich Unbehagen entstehen zu lassen. Axt und Motorsäge bleiben im Schuppen, stattdessen pulsiert ein allgegenwärtiger Bass aus den Boxen, der allein schon ausreicht um Gänsehaut-Feeling zu verursachen. Auch wenn hundsgemeine Schocks ausbleiben und man am Ende doch schon etwas wehmütig nach Ajas Effekte-Schlacht MIRRORS schielt, ist OCULUS ein kurzweiliger und charmanter Horrorfilm für Zwischendurch. Für den Horror-Trohn reicht es aber leider nicht.
 
 
 


 
 
 

OCULUS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Raffiniert getrickster Spiegel-Horror für Freunde des gepflegten Gruselns. Hier haben Splatter-Fans Sendepause, denn Regisseur MIKE FLANAGAN bringt den klassischen Horror zurück auf die Leinwand. OCULUS punktet mit unverbrauchter Idee, dichter Atmosphäre und geschickter Erzählmethodik, die man in derart Form bisher nur selten im Horrorfilm erleben durfte. Leider verspricht der Trailer mal wieder viel zu viel und führt den Zuschauer unnötig in die Irre. Der vermutet nämlich einen fiesen Horror-Trip in der Machart von Ajas MIRRORS. Zwischen Alexandre Ajas bitterbösem Remake und dem hier vorliegenden OCULUS liegen jedoch Welten, denn selbstzweckhafte Gewalt und ausuferndes Morden sucht man hier vergebens. OCULUS ist Horror der alten Schule, ohne übertriebenes Blutgemetzel und somit auch für empfindsame Gemüter geeignet.
 
 
 


 
 
 

OCULUS – Zensur

 
 
 
Die Gewalt hält sich bei OCULUS in Grenzen. Es gibt hier kaum Gewaltmomente zu sehen. Immerhin darf am Ende etwas Blut fließen, denn da wird einer Protagonistin der Hals mit einer Beil-artigen Konstruktion durchtrennt. Das hat für eine ungeschnittene FSK16 gereicht.
 
 
 


 
 
 

OCULUS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Universum Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Oculus; USA 2013

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.35:1, @24 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 104 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Making of, Deleted Scenes, Original Kurzfilm, Audiokommentar von Mike Flanagan und Trevor Macy, Trailer

Release-Termin: 05.12.2014

 

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OCULUS – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
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