Filmkritik: „Behind You“ (2020)

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BEHIND YOU

Story

 
 
 

Zwei Schwestern erleben im Haus der Tante den absoluten Horror. Dort lebt das Böse, dass sich durch die (unfreiwillige) Unterstützung der Geschwister einen Weg in die Welt der Menschen bahnen möchte.

 
 
 


 
 
 

BEHIND YOU – Kritik

 
 
 
Dass von Spiegeln eine schaurige Faszination ausgeht, ist unumstritten. Vor allem in der Literatur wird davon ausgegangen, dass es sich hierbei um tückische Flächen der Reflektion und Projektion handelt, die gern mal die böse Seiten ihres Betrachters widerspiegeln. So geißelten die Gebrüder Grimm die eitle Selbstbeschau der boshaften Stiefmutter im Hausmärchen SCHNEEWITTCHEN. Aber auch Autor LEWIS CAROL schickte seine Heldin in ALICE IM WUNDERLAND auf einen schrägen Selbstfindungstrip hinter die Welt der Spiegel. Dort stolperte die Buchfigur Alice auf der Suche nach ihrer selbst durch manch aufregendes Abenteuer. Weitaus weniger schräg ergeht es hingegen den Protagonisten des folgenden Films. Die Regisseure MATTHEW WHEDON und ANDREW MECHAM versuchen mit dem Spielfilmdebüt BEHIND YOU das latente Grauen des eigenen Abbilds zum Thema eines Horrorfilms zu machen. Dabei bedienen sie sich – wie bereits Filmemacher BERNARD ROSE im Kultfilm CANDYMAN – dem alten Bloody-Mary-Mythos und versuchen selbigen neue Impulse einzuverleiben. Gelungen ist das nicht unbedingt, denn was in BEHIND YOU gezeigt wird, hat man in den letzten zehn Jahren viel zu oft gesehen und gewinnt zweifelsohne keinen Originalitätspreis.
 
 
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BEHIND YOU erzählt die Geschichte von zwei jungen Schwestern, die nach dem Tod ihrer Mutter in die Obhut ihrer entfremdeten Tante Beth (JAN BROBERG aus ALEXANDRE AJAS MANIAC) gegeben werden. Die ist leider gar nicht erfreut darüber, dass sie nun auf die Kinder aufpassen muss. Dennoch gibt sie klein bei. Dass die Verwandte so distanziert reagiert, hat auch seinen Grund. Im Keller steht nämlich ein Spiegel, von dem allerlei Übel ausgeht. Diese Erfahrung müssen bald auch die beiden Mädchen machen. So schleicht sich des Nachts die jüngere Claire (ELIZABETH BIRKNER) in die verbotenen Räumlichkeiten und zieht so die Aufmerksamkeit einer bösen Macht auf sich, die in besagtem Spiegel haust. Die schlüpft auch gleich in den Körper des ahnungslosen Wirts und sorgt für allerlei Unheil. Da ist verständlicherweise guter Rat teuer, denn so schnell wird man den unwillkommenen Eindringling nicht mehr los.
 
 
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Besessenheitsthematik die 10000ste. BEHIND YOU ist generisches Horrorfutter, das sich nicht einmal die Mühe macht irgendetwas Originelles in die toterzählte Geschichte zu bringen. Offenbar wollte man ein breites Publikum ansprechen, weshalb man sich dafür entschied eine konventionell gestrickte Handlung zu erzählen, die alle Klischees bekannter Geisterfilme durchwandert. So fehlen unheimliche Spieluhren, die von Geisterhand angeschaltet werden genauso wenig, wie flüsternde Geisterstimmen, die in die Irre führen wollen. Aber es wird noch tiefer in der angestaubten Gruselmottenkiste gegraben. Natürlich versuchen plötzlich zuschlagende Türen, vorbeihuschende Schatten und aus Spiegeln starrende Geisterfratzen auch irgendwie Unbehagen zu verursachen. Ein schwieriges Unterfangen, vor allem auch deshalb, weil die Gruselrezepturen derart vorhersehbar über die Leinwand laufen, dass alteingesessene Horrorfilmkenner nicht unbegründet von der Einfältigkeit des simplen Drehbuchs Gänsehaut bekommen.
 
 
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Dabei hat die Vergangenheit gezeigt, dass mit Spiegeln fruchtbarer Horror inszeniert werden kann, der spannend und kreativ ist. Ein gutes Beispiel hierfür wäre das von Alexandre Aja gedrehte Remake zum südkoreanischen Gruselfilm INTO THE MIRROR. Darin wird das Spiegelbild zum ultimativ Bösen deklariert, das seinen Betrachter erst manipuliert und anschließend tötet. Wo im Original noch subtiler Schauer durch asiatisches Gruselhandwerk erzeugt wird, geht Aja weitaus rabiater zur Sache. Der zeigt in der amerikanischen Neuverfilmung abwechslungsreiches aber auch blutiges Sterben, das vor allem durch erfinderische Spezialeffekte überzeugen konnte. Davon ist BEHIND YOU weit entfernt. Was hier gezeigt wird, mutet beinahe altbacken, steif und verbittert an. Die Verläufe sind klar, gradlinig, bekannt und überraschungsarm. An Blut wird gespart. Hinzukommt, dass sich Figuren teils nicht nachvollziehbar verhalten und unnahbar bleiben. Dass auch noch die beiden Jungdarsteller trotz ambitioniertem Schauspiel mehr nerven, als überzeugen, versetzt dem austauschbaren BEHIND YOU den Todesstoß. Nein, da schieben wir schnell den nächsten Horrorstreifen in den Player. Über BEHIND YOU wollen wir besseren kein weiteres Wort vergeuden.
 
 


 
 
 

BEHIND YOU – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
Man stelle sich vor, man hört eine Platte wieder und wieder, bis zu sie zu nerven beginnt. Gleiches Phänomen stellt sich im Falle von BEHIND YOU ein. Bei diesem lieblos abgedrehten Gruselfilm will man das Gefühl nicht loswerden, als habe man diesen Streifen zuvor schon dutzende Male gesehen. Der Grund: Die Regisseure MATTHEW WHEDON und ANDREW MECHAM haken Verläufe ab, die man in vielen Geisterfilmen der letzten 20 Jahre leicht abgewandelt ähnlich zu sehen bekommen hat. BEHIND YOU ist konventioneller Dämonen-Horror von der Stange, der weder Höhepunkte, eigene Ideen oder Überraschungen zu bieten hat. Ein paar bekannte Gruselmomente hier, etwas nervtötende Besessenheitsthemtik da – fertig ist ein weiterer beliebiger Gruselfilm für die Masse, der nichts Neues zeigt, dafür aber Zeit raubt. BEHIND YOU wurde von den Produzenten finanziert, die bereits für den günstigen Found-Footage-Film THE GALLOWS verantwortlich zeichnen. Die setzen die Reihe preiswert gedrehter Genre-Filme mit BEHIND YOU fort und spulen bekannte Abläufe zum Sparkurs ab. Erfahrene Horrorfilmkenner sollten Abstand nehmen. Neulinge hingegen könnten bei so manch vorhersehbarem Schreckmoment vielleicht noch zusammenzucken. Trotzdem ist dieser lahme Gruselfilm nichts, was dauerhaft im Kopf bleibt. Schade ums Budget.
 
 
 


 
 
 

BEHIND YOU – Zensur

 
 
 
BEHIND YOU ist ein vollkommen harmloser Vertreter der Gattung „Dämonen- und Geistergrusler“. Es gibt kaum Schuwerte zu sehen. Man darf von einer ungeschnittenen Freigabe ab 16 Jahren ausgehen.
 
 
 


 
 
 

BEHIND YOU – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Devil’s Dolls (2016)
 
Speak No Evil (2013)
 
The Hollow Child (2017)
 
Fall 39 (2009)
 

Filmkritik: „Cut and Run“ (1985)

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CUT AND RUN

(INFERNO IN DIRETTA)

Story

 
 
 
Im südamerikanischen Guyana, erst vor ein paar Jahren Ort des Massenselbstmordes von Jonestown, tobt ein schmutziger Krieg. Auf der einen Seite steht ein Drogenkartell, auf der anderen die Armee eines General Horne, der seine Soldaten führt wie eine Sekte und sie mit kannibalistischen Riten auf sich einschwört. In dieses Szenario psychotischer Alpträume verschlägt es eine junge Journalistin und ihren Kameramann.

 
 
 


 
 
 

CUT AND RUN – Kritik

 
 
Hinter CUT AND RUN steckt kein Geringerer als Ruggero Deodato, Regisseur unter anderem des womöglich (zurecht) meistberüchtigten Kannibalen-Schockers der Bahnhofskino-Geschichte. Die Rede ist freilich von NACKT UND ZERFLEISCHT (CANNIBAL HOLOCAUST). Seine neuerliche Filmreise in die Grüne Hölle befasst sich ein weiteres Mal mit den Abenteuern von Journalisten in den beinahe surrealen Gegebenheiten der Dritten Welt. Allerdings findet das Ganze diesmal deutlich spielfilmartiger inszeniert statt als in seinem wahrlich entsetzlichen Found-Footage-Urwerk voller Splatter und echten Tiertötungen, auf dem sich der grausige Ruhm des Regisseurs bis in die Gegenwart begründet. So weist General Horne mit seiner ihn verehrenden Urwald-Miliz garantiert beabsichtigte Ähnlichkeiten zu Marlon Brandos Colonel Kurtz aus APOCALYPSE NOW auf – aber für solche, nun ja, Hommagen lieben wir das Sudelkino aus der Cinecittà ja auch.
 
 
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CUT AND RUN bewegt sich zwischen Bürgerkriegsfilm, Horror-Exploitation mit Kannibalen-Kante und trashig-großzügigem Bedienen beim eben schon erwähnten Finsternis-Trip APOCALYPSE NOW von Francis Ford Coppola. Auch auf Reverend Jim Jones und seine Suizid-Sekte des People’s Temple wird in der Figur des Generals angespielt. Dardano Sacchettis Drehbuch gibt sich große Mühe, den misanthropen Ideen seines Regisseurs Vorschub zu leisten und zeigt, dass weder die Drogenkartelle, noch die Streitmacht auf der Gegenseite und schon gar nicht die auf ihre Schlagzeilen geilen Journalisten im weitesten Sinne als Sympathieträger zu bezeichnen wären. Gesplattert wird auch hier immer wieder kräftig, jedoch ist das Handwerk der Effektkünstler nicht Mittelpunkt des Films.
 
 
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Deodatos Besetzung nimmt keine Gefangenen und liest sich wie ein perverses Who-Is-Who des italienischen Exploitation-Kinos der siebziger und achtziger Jahre. So begeistert LSD-Narbengesicht und Method Actor Richard Lynch als Kommandant der Wahnsinnigen-Armee und als Henkersknecht schwingt der einmalige Michael Berryman sogar auf dem Plakatmotiv die Machete. Aber auch klangvolle Namen wie John Steiner, Karen Black und Gabriele Tinti sind dem Kenner solcher Filmkost vertraut und lassen die Kinnlade gen Süden scheppern. In einer kleinen Rolle sehen wir Eriq LaSalle, den man besonders als Dr. Benton in EMERGENCY ROOM kennt. So ein Film konnte damals nur aus Italien kommen. Dabei sollte ursprünglich ausgerechnet Windbeutel Wes Craven Schauspieler wie Dirk Benedict durch den Film führen. Aus diesem MARIMBA betitelten Entwurf des Films wird ein paar Jahre später DIE SCHLANGE IM REGENBOGEN, einer von Cravens besten Filmen. Aber das ist eine andere Geschichte.
 
 
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CUT AND RUN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Man nehme eine in jenen Jahren zeittypische Story über allesamt moralisch versaute Teilnehmer eines undurchsichtigen Krieges in Südamerika, einen irren Regisseur und eine Allstar-Cast von Exploitation-Halbgöttern. Da kann nichts Schlechtes bei rauskommen und so ist’s dann auch geschehen. CUT AND RUN galt zu VHS-Zeiten noch als vergleichsweise schwacher Beitrag, hat aber in den letzten Jahren deutlich an Qualität gewinnen können.
 
 


 
 
 

CUT AND RUN – Zensur

 
 
 
CUT AND RUN – der im Original INFERNO IN DIRETTA heißt – ist ein italienischer Exploitationfilm, der es wie viele Action- und Horrorfilme in den 1980ern bei der FSK nicht leicht hatte. Der Streifen erschien in Deutschland mehrfach auf VHS und wurde 1987 auf dem Index gesetzt. Erst 2012 wurde die Indizierung aufgehoben und der Film erschien in mehreren DVD-Auflagen in ungeschnittener Form. Nun hat sich der Anbieter CMV LASERVISION die Blu-ray-Auswertung vorgenommen. Während CUT AND RUN bereits 2019 vom Anbieter in zwei ungeprüften, limitierten Mediabooks veröffentlicht wurde, erscheint nun die neu von der FSK geprüfte Auflage für den Handel im Blu-ray-KeepCase. Auf dem Cover prankt ein roter FSK-Flatschen. Demnach ist die Veröffentlichung nur für volljährige Filmfans zugänglich. Dafür aber ebenso ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

CUT AND RUN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) CMV Laservision (KeepCase)

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(c) CMV Laservision (Mediabook – Cover A – auf 666 Stück limitiert)

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(c) CMV Laservision (Mediabook – Cover B – auf 333 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Inferno in diretta; Italien 1985

Genre: Horror, Thriller, Action, Abenteuer

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0, Italienisch DD 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: KeepCase: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung) | Mediabook: juristisch geprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover | Mediabook

Extras: Original Trailer, Dokumentation „Uncut and Run“ mit Interviews (OmU), alternative Szenen, umfangreiche Bildergalerie, Programmtrailer, animierte interaktive Menüs | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, 20-seitiges Booklet mit Text von Christoph N. Kellerbach

Release-Termin: KeepCase: 27.03.2020 | Mediabook: 22. März 2019

 

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CUT AND RUN – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei CMV Laservision)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Mondo Cannibale 3 – Die blonde Göttin der Kannibalen (1980)
 
Amazonas – Gefangen in der Hölle des Dschungels (1985)
 
Lebendig gefressen (1980)
 
Die weiße Göttin der Kannibalen (1978)
 

Filmkritik: „Get In – Or Die Trying“ (2019)

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GET IN – OR DIE TRYING

(FURIE)

Story

 
 
 
Als Familie Diallo vom Urlaub zurückkommt, erwartet sie eine böse Überraschung. Ein gesetzliches Schlupfloch ausnutzend, hat das Kindermädchen sich und ihrem Mann den Besitz überschreiben lassen. Die Diallos sind machtlos. Bis der sonst so friedliche Vater Paul den Rowdie-Ex seiner Frau kennenlernt, der ihm ein oder zwei Dinge beibringt über das Recht des Stärkeren …

 
 
 


 
 
 

GET IN – Kritik

 
 
Mein lieber Herr Gesangsverein, was für ein Film! Was für eine Achterbahn, was für eine Erfahrung, nicht falsch verstehen – ich wusste, dass der Tag kommen würde, an dem ich durch meine Schreibarbeit hier an einen Film komme, der weder langweiliger Durchschnitt, noch „nur“ solide, noch wirklich schlecht ist, aber dass es so schnell und so eindeutig geschehen würde, dass ich nach einem bereits sehr sehenswertem Film wie „Mr. Long“ von einem meiner Lieblingsregisseure und dann noch dem russischen Splatstick-Hit „Why don’t you just die“ in so kurzer Zeit direkt eine Naturgewalt von Film sehen würde, die es schafft mich so derart mitzunehmen, das hätte ich nicht erwartet – doch fangen wir vorne an. Olivier Abbou ist ein französischer Regisseur, der neben einigen Kurzfilmen und TV/Serien/Miniserienprojekten wie „Screened“ und „Die Geister des Flusses“ vor allem für seine beiden Langfilme bekannt sein dürfte, mit denen er bereits deutlichen Genreeinschlag klar gemacht hat: Über „Madame Hollywood“ konnte ich dabei nur wenig Aussagekräftiges in Erfahrung bringen, der Titel selber lädt aber zur Kontextualisierung über Hollywood-Gewalt, Frauenbilder und Revenge- Filme ein, sein 2010 entstandener Film „Territories“ könnte einigen noch als wahlweise ziellos- verunstaltete, oder knüppelharte bis gar subversive Horrorkost über Freiheitsentzug im Hinterkopf kleben.
 
 
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10 Jahre nachdem Abbou durch diesen Titel an die Hemisphäre der deutschen Blu-ray-Regale gelangt ist, kommt er nun also zurück mit „Furie“, der aus wenig verständlichen Gründen international wohl „Get In“ getauft wurde, nur um in Deutschland dann, in absolut kein bisschen passender Anlehnung an das 50-Cent-Album (??), „Get In – Or Die Trying“ genannt zu werden. Auf dem düsteren Cover eine verregnete Villa im Hintergrund zu sehen, davor ein bewaffneter, blutverschmitzter Mann mit Schweinsmaske auf dem Kopf, davor ein zweiter Mann, kniend, leidend, bewaffnet, ohne Maske. Gerade zusammen mit dem Titel wirkte das spontan reichlich martialisch und vermutlich so gar nicht zum Film/Genre passend, überrascht war ich nur dass hier keine Querverweise zur french extremity angepriesen wurden, dafür spricht das Backcover von „hypnotischen Bildern“ was wahlweise genau mein Fall sein kann, oder aber ein billiger Werbespruch, wenn man sonst nix zu loben weiß.
 
 
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Im schlichten Menü O-Ton eingestellt und ab geht’s in 98, ohne Abspann etwa 94 Minuten europäisches Kino, die gleich mehrfach meine Erwartung unterwandert haben. Der Film startet direkt mit langsamen Zooms, natürlichem Licht und einer professionellen Non-Indie-Optik und wenn ich das sage, dann rede ich nicht von „für das Budget gut ausgeleuchteten, aber begrenzten Sets“ oder „einigen netten Einstellungen“, sondern wirklich von wunderbar eingefangenen Kameramoves und Sets, die durch den ganzen Film beeindrucken. Hier wird mit One-Takes und Kamerabewegung gespielt, die flüssig und gleitend ist, hier werden dauerhaft Objekte, Handlungen, Andeutungen oder Charaktere im Hintergrund drapiert, hier ist fast jederzeit auf jeder Bildebene was los, sei es durch ein Licht im Hintergrund, einen ausgelassenen Fokus durch Unschärfe, die weitwinklig eingefangene Landschaft oder ein prachtvolles, kreatives Party-Set, in dem in einer kalten, leeren Halle nur durch Licht, Musik und viele Extras eine fast schon heimelige, gemütliche Atmosphäre aufkommt. Aber ich nehme schon wieder zu viel vorweg, 8 Minuten im Film kommen bereits, ganz ohne Cold open oder Opening Kill oder sonstige Genre-Versatzstücke, die schlechten Nachrichten und wir erfahren, was es mit diesem, realen – zumindest anfänglich, von der Prämisse her – Fall auf sich hat, auf dem der Film basiert: Ausgesperrt im eigenen Haus und die Justiz kann nichts tun. Klingt nach einer uncoolen, aber prinzipiell erstmal wenig bedrohlichen oder angsteinflößenden Situation, die auch in „Jerks“ abgehandelt werden könnte und durch den Wohnwagen so existenzbedrohend nicht wirkt und kaum spreche ich den Gedanken aus, setzt doch tatsächlich ein beschwingtes, rein instrumentales Schlagzeug-Stück ein, dessen Aufbau, Sentiment und Melodie doch tatsächlich SEEHR an die deutsche Comedysendung erinnern.
 
 
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Ob das tonal auch ohne die Ulmen-Assoziation ein Fehlgriff wäre, kann ich nach 10 der 100 Minuten allerdings noch nicht bewerten, also vermerkt und weiter dem Schicksal unserer dreiköpfigen Familie gefolgt: Die finden mit ihrem Wohnwagen jetzt nämlich auf einem Campingplatz halt, auf dem der durchtrainierte, tätowierte Platzwärter scheinbar eine Vorgeschichte mit der Frau unseres Protagonisten hat… Kamerawinkel und Spiegel werden hier bereits pointiert benutzt, um zwischenmenschliche Anspannungen bzw. rassistische Untertöne aufzuzeigen, innerhalb kürzester Zeit vergehen dann die Tage von Ende August zu Anfang, Mitte, Ende September und nichts geschieht, die Situation bleibt aussichtslos. Untersättigte, leicht gräuliche Farben in der frohen Naturumgebung, dazu ein nicht wahrgenommener Termin beim Pärchenpsychologen und erste unprofessionelle Reaktionen im Jobleben unseres als Lehrer arbeitenden Familienvaters Paul – die Zeichen stehen erneut eher auf Thriller oder Sozialdrama denn Horror, keine unnötigen Jumpscares oder Gewalttaten, subtile Andeutung einer Vorgeschichte aber keine Ausbeutung von Trauma, während wir uns auf die 30-Minuten Marke zu bewegen.
 
 
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Die Weichen für eine Entwicklung, Läuterung oder Konfrontation, allgemein für einen zweiten Akt werden dann in weiterhin lobenswert atmosphärischen, nächtlichen Einstellungen gestellt, wenn gut gespielte, größtenteils nachvollziehbare Non-Stereotypen philosophische Sentenzen im Dialog bergen, Grauzonen der Charaktere ausgeleuchtet werden und mit schicken Kamerafahrten, inklusive Vertigo-Zoom in Frage gestellt wird, ob es Paul vielleicht einfach an Männlichkeit, Mut und Eiern fehlt, um sich sein Haus zurück zu holen. Von diesem Moment an wurde das Konzept klar gemacht, die Fallhöhe gesetzt und die Skizzierung der Story vorgenommen, trotzdem könnte „Furie“ jetzt noch eine gute Stunde lang in so ziemlich jede Richtung ausschlagen – bisher haben wir es mit einem ästhetischen Dramathriller zu tun, der langsam spannender wird und technisch viel her macht – aber inhaltlich? Der Film übt sich fortan gut darin, vieles anzudeuten und Fragen zu stellen, aber nicht alles zu übererklären – absolut gekonnt epische, behebende Musik wie sie aus einem Hollywood-Film stammen könnte, setzt ein während Paul joggt und trainiert, aber geht es jetzt wirklich stumpf Richtung „Rache“, ist „Furie“ wirklich nur ein „Rachethriller in hypnotisierenden Bildern“, oder steckt hier noch mehr hinter? Verarschen Mickey und seine weißen, glatzköpfigen, tätowierten Freunde Paul nur, machen sich über seine Hautfarbe lustig, wollen seine Frau haben, oder helfen sie wirklich? Ist Paul wirklich der domestizierte Ehemann, dessen Löwe gebändigt wurde und nun wieder herausgekitzelt wird, oder war er nie eine Kämpfernatur to begin with? Und zieht das Recht des Stärkeren wirklich noch, wenn es um Kämpfe auf staatlicher Ebene wie die um Grundbesitz geht? Statt Antworten zu geben, nutzt der Film das hoffentlich beim Zuschauer geweckte Interesse, um gleichzeitig weiter zu charakterisieren und audiovisuell Spaß zu machen – das bereits angesprochene Partyset kommt zum Zug und hier kann dann nach Herzenslust gefeiert, getrunken und auf wilde Weise die Männlichkeit bewiesen werden. Ob man bereits von einer Transformation reden will ist die eine Sache, doch die industrielle Partyhöhle ist allein als Set sehenswert und wichtig für die Zukunft unseres Plots. Mit dem Symbolismus geht der Film dabei teilweise etwas zu sehr on the nose, holzhammerhaft um, doch weil diese Geschichte abseits davon so erfrischend zurückhaltend, geerdet und realistisch erzählt wird, hat mir das nicht allzu viel ausgemacht. Dynamische Kamerafahrten feiernder Menschen weichen dann schick durchkomponierter Einstellungen jagender, besoffener Typen in einem leeren Fabrikgelände und auch hier ist Paul natürlich am Start, erschießt sein erstes Schwein – Männlichkeit bewiesen, auf zur Konfrontation? Tatsächlich macht der Film es nicht so einfach bzw. direkt, was ich eben so feiere – statt Gewalt auf Gewalt folgen zu lassen und einen „Silent Night, Deadly Night“-mäßigen, psychologischen Kurzschluß zu zeigen, in dem stumpf A auf B reagiert, berücksichtigt „Furie“ stattdessen auch andere Aspekte und lässt von Sozialisierung und Vergangenheit der Charaktere über Rollenerwartungen ans Geschlecht sowie die Rolle des Vaters bis hin zu Rassismus und moralischen Fragen über Richtig und Falsch wenig ungenannt, was sich jedoch bestens in das dramaturgische Geflecht einfügt und fortwährend für Verlaufsspannung beim Zuschauer sorgt.
 
 
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Der Jerks-Song kommt, gerade zusammen mit wunderschönen Naturaufnahmen noch einmal zurück und allgemein ist man nach der Feier so ziemlich am Stimmungshöchstpunkt angekommen, doch dann folgt auch schon das marginal konfrontativere, zweite Gespräch mit den ungewollten Hausbesitzern, weitere, dreckige Details kommen ans Tageslicht und die Stimmung kippt wieder ordentlich, Monate nach dem ersten Zwischenfall zu Beginn des Films gibt es hier nun ernste Blicke, intensivierende Musik und Details über unsere Familie, die alles nur so viel menschlicher, verständlicher und nachvollziehbarer machen. Ob man selber so entschieden hätte, wie die Charaktere, ist fraglich – aber es passt einfach ideal zu dem Bild der Figuren, denen man mittlerweile einige Zeit folgt. Dass das Kindermädchen und ihr Mann, die den ganzen Konflikt im Endeffekt starten, dabei nur skizziert werden und keine eigene Tiefe verliehen kriegen ist dabei eine der wenigen Schwächen, die dieser Film hat. Durchaus großes Kino trotzdem, 50 der 93 Minuten im Film, technisch nur zu loben, nuanciert genug gespielt, spannend und doch so harmlos – da wird ein Entschluss gefasst. Das Fassen des Entschlusses selber ist dabei vorhersehbar, um nicht zu sagen berechenbar, doch die Inszenierung ist dafür ein reiner Gaumenschmaus – fantastisches, triebhaftes Editing, bunte Farben, Gaspar Noé- mäßige Bildverzerrung und dann vom Trip auch direkt ins letzte Drittel, die Eskalation, das Finale – und heilige Scheiße, was hab ich hier doch gelitten und gefeiert und „Wow“ gesagt. „Furie“ macht nämlich keine Gefangenen und ich fand es nicht nur verwunderlich, dass auf dem Cover keine Verweise zur french extremity genannt wurden, nein, ich war auch schlichtweg überrascht, dass dieser Film einfach so uncut durch die FSK gepurzelt ist, während „Dream Home“, an den ich deutlich erinnert wurde, natürlich heftigst geschnitten wurde. In einer fabelhaften Planeinstellung orientieren wir uns durch das Setting während auf mehreren Bildebenen blankes Entsetzen herrscht und wenn man denkt, puh, das war es, setzt der Film auf gemein-realistische, sadistische Weise noch einen drauf. Natürlich hat man es hier nicht mit Torture-Porn oder explizitem Gore zu tun, aber eben weil ich mich als Zuschauer so eingelassen hatte auf die Charaktere, Geschichte und das Setting, war das auch überhaupt nicht nötig. Spielfreudige Antagonisten mit erbarmungsloser Kaltschnäuzigkeit dominieren, grobkörniges Footage á la “August Underground“ wird reineditiert, nie so explizit natürlich aber stilistisch ähnlich fies, dass zum ersten Mal die Logik bzw. der Realismus strapaziert wird mit verpassten Chancen und einem fehlenden Geräusch/Effekt (?) kann man da definitiv noch verschmerzen – 23 Minuten vorm Ende des Films schließlich, was kann da noch schief gehen?
 
 
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Verzückt über die weiterhin motivierte Verwendung von Spiegeln, Schatten Silhouetten und Beleuchtung also, sowie verstört von diesem unerwartet drastischem Finale geschieht dann nach einigen Minuten aber der zweite Fauxpas, der allzu sehr nach „Genre“ schreit für diesen bis dato sehr realistischen, ernsten und bodenständigen Film, und ich fange langsam an zu zweifeln, was genau die Vision hinter dem Werk jetzt war – und dann passiert es, kurz vor Ende, also wirklich. Olivier ist entweder ein undiszipliniertes Spielkind oder ein bewusster Troll, anders kann man es sich dann wirklich kaum noch erklären – fernab von Klischees und trashiger Teeniehorrorunterhaltung wird hier 80+ Minuten ein spannender, erwachsener, reifer und technisch absolut erhabener Thriller mit beeindruckend derbem Finale präsentiert, nur um sich dann doch tatsächlich mit definitiv bewussten Tropen endgültig als Genrefilm zu outen, doch nicht nur das, mit einem ironischen Genreeinschlag kann ich noch leben, doch dann muss dieser Film auf komödiantische Weise fast schon, ich musste zumindest laut lachen und „Wtf?“ sagen, seine bis dahin größtenteils nebensächliche oder angedeutete Symbolik holzhammerartig und mit aller Redundanz ins Gesicht schmieren, bar jeder Subtilität, so dass auch der allerletzte Gelegenheitsgucker es checkt – Peinlich, unpassend, Atmosphäre zerstörend und unrealistisch bis zum geht nicht mehr.
 
 
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Wäre das Ende so geradlinig, böse, verstörend wie der Weg dahin, man könnte hier von einem fiesen Reißer á la „Eden Lake“ oder „Kidnapped“ sprechen, wenn auch mit anderem Aufbau, aber irgendwie kann ich dem Film nicht böse sein – besser und konsequenter wäre „Furie“ sicherlich, hätte er sich am Ende zusammen genommen und nicht noch mit Unrealismus, fehlgeleiteten Ideen und lauter neu aufkommenden Fragen um sich geschmissen – doch der unterhaltsamere Film, der wildere Ritt, der größere, unberechenbarere „Wtf“-Film, gerade nach diesem hochprofessionellem Build-Up, das ist er durch diese paar Minuten erst geworden und das Ende unterstreicht das Ganze noch ordentlich – denn irgendwie hat die Wahl der Ending Credits, der süffisant-ironische Track, der schon im Menü zu hören war, sowie die ganze Inszenierung der letzten 2 Minuten etwas derart Pubertäres an sich, dass ich fast schon überrascht bin, einen bis dahin doch relativ reifen und differenzierten Film gesehen zu haben. 9 Punkte wären drin gewesen, hätte man es böse und grimmig gelassen, so reicht es dafür nicht – sehr wohl aber für eine dicke Sichtempfehlung.
 
 


 
 
 

GET IN – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
Audiovisuell erhabener, sehr gut geschriebener und gespielter Thriller, dessen Finale unerwartete Drastik, Intensität und Spannung aufbaut. Allein für die Kamera, Bilder und das (leider?) absolut kuriose Ende sehenswert, beinhart, wunderschön.
 
 


 
 
 

GET IN – Zensur

 
 
 
„Get In – Or Die Trying“ (Originaltitel: „Furie“) hat von der FSK eine Erwachsenenfreigabe erhalten. Auf der erhältlichen Heimkinoauswertung befindet sich ein roter FSK-Flatschen. Wichtig für Genre-Fans: der französische Horrorfilm ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

GET IN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Furie; Frankreich 2019

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS HD MA 5.1, Französisch DTS HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,39.1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 27.03.2020

 

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GET IN – Trailer

 
 


 
 
 

Dr. Barry Nyle

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Cherry Tree Lane (2010)
 
Die Meute (2010)
 

Filmkritik: „Aquaslash“ (2019)

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AQUASLASH

Story

 
 
 

Wasserrutsche des Grauens. Die wird in ein Mordwerkzeug umfunktioniert und zerteilt Planschgäste in kleine Stück.

 
 
 


 
 
 

AQUASLASH – Kritik

 
 
 
Der Regisseur von DISCOPATH ist zurück. Der lieferte vor einigen Jahren mit der Horror-Hommage an die 1970er ungewöhnlichen Genre-Stuff ab, der auf einschlägigen Filmfestivals gut abschnitt. Nachdem der Erstling selbst finanziert werden musste, tat sich der Regisseur diesmal mit den Produzenten von GAME OF DEATH zusammen – offenbar, weil die wissen, wie man Mord und Totschlag gut in Szenen setzen muss. Leider ist das Ergebnis keine Sternstunde des Horrorfilms. Was als spaßige Hommage an das Slasher-Kino der 1980er beginnt, verliert seinen Humor zu schnell aus den Augen und quält sein Publikum mit potenten Macho-Boys und willigen Bikini-Girls. Die wollen nicht schreien, wimmern und sterben, sondern saufen, feiern und durch die Betten hüpfen. Für einen Horrorfilm fatal.
 
 
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Was wäre ein Abschlussjahr ohne Abschlussfeier? Für einige Abiturienten der Grund, die bestandenen Prüfungen in einem Wasserpark zu feiern. Zwar gab es da vor einigen Jahren einen merkwürdigen Unfall, aber das hält die Meute nicht davon ab, den Abschluss mit Party, Sex und Drogen zu feiern. Doch jemand meint es nicht gut mit den Feiernden. Der sabotiert die Wasserrutsche des Parks und sorgt so für ein Blutbad. Da stellt sich glatt die Frage, wer solch boshafte Gedanken hegt. Man sollte gar nicht erst anfangen zu raten. Die Auflösung ist so weit hergeholt, darauf kommt man definitiv nicht.
 
 
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Was aussieht, wie eine Fortsetzung zum Splatter-Spaß PIRANHA 2 ist gar nicht so spaßig, wie man nach Sichtung des Trailers erwarten würde. AQUASLASH ist ein Slasher, der sein ganzes Pulver erst in den letzten 15 Minuten verschießt. Wo andere Horrorfilme gleichen Kalibers kreative Morde über den gesamten Film verteilen, reduzieren sich diese auf das Finale. Bis dahin herrscht Langeweile. Da wird gebaggert, geknutscht, gefummelt und gekokst. Das ist weder spannend noch unterhaltsam. Regisseur RENAUD GAUTHIER fokussiert zu lang und zu intensiv Teenager-Probleme und macht sich damit bei Horrorfans keine Freunde. Die wollen Blut sehen, werden aber stattdessen mit Alphamännchen-Gehabe und Blondinen-Gegacker genervt. Slasher sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.
 
 
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Immerhin gibt es Rot im Finale und das reichlich. Hier wird dick aufgetragen und es wird zehn volle Minuten gesplattert. Die Effekte sind gelungen und kommen nicht aus dem Computer. Da werden Klingen in einer Wasserrutsche platziert und so Körperteile oder Köpfe abgetrennt. An Zynischmus wird nicht gespart. Leider macht all das den Kohl nicht mehr fett. Der handwerklich professionell getrickste Blutrausch kommt zu spät, denn die meisten Zuschauer dürften wegen Ereignislosigkeit bereits vor der blutigen Krönung abgeschalten haben. Vermutlich enttäuschend für das Spezialeffekte-Team. Das nennt sich BLOOD BROTHERS, macht seinem Namen alle Ehre und hätte sich wohl durch den hausgemachten Blut-Cocktail-Mix mehr Aufmerksamkeit gewünscht. Zuletzt sorgten die mit Gemansche im rasanten Retro-Hit TURBO KID für Aufsehen und zeigten eindrucksvoll, was mit Spezialeffekten alles möglich ist. Im direkten Vergleich dazu ist AQUASLASH eine Schlaftablette.
 
 
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AQUASLASH – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
Blutrote Hommage an die Slasher-Filme der 1980er, die lustig hätte werden können. In AQUASLASH wird eine Wasserrutsche in ein Mordwerkzeug umfunktioniert. Darin werden Menschen zu Fischfutter verarbeitet. Leider nutzt Regisseur RENAUD GAUTHIER die Möglichkeiten nicht aus und zeigt zu viel Gerede um den heißen Brei, statt endlich mal zum Punkt zu kommen. Da bekommt der Zuschauer eine konfuse Handlung aufgetischt, die über weite Strecken völlig die Slasher-Handlung aus den Augen verliert und sich mit Teenager-Problemen beschäftigt. Das Ergebnis: Langeweile. Für einen Film, dessen Handlung auf einen Bierdeckel passt und der eine Laufzeit von etwas mehr als einer Stunde besitzt, ist das schon eine Meisterleistung.
 
 
 


 
 
 

AQUASLASH – Zensur

 
 
 
Bis zum Finale passiert kaum etwas. Es wird hauptsächlich geredet, gefeiert und getrunken. Erst im Finale geht das große Sterben los. Dann wird reichlich gesplattert. Weil aber die Morde sehr übertrieben und teils ironisch zelebriert werden, darf man von einer ungeschnittenen Freigabe ab 16 Jahren ausgehen.
 
 
 


 
 
 

AQUASLASH – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Black Mandala)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
2001 Maniacs (2005)
 
Swimming Pool – Der Tod feiert mit (2000)
 
Piranha 2 (2012)
 

Filmkritik: „Why don’t you just die!“ (2018)

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WHY DON’T YOU JUST DIE!

(PAPA, SDOKHNI)

Story

 
 
 
Andrei, seines Zeichens bulliger, glatzköpfiger Cop, kriegt eines Tages Besuch von Matvey, einem jungen Mann der sich als Freund seiner Tochter vorstellt. Alles läuft gut, bis Matvey seine Waffe auf den Boden fällt und sich das ganze Apartment langsam blutrot färbt.

 
 
 


 
 
 

WHY DON’T YOU JUST DIE! – Kritik

 
 
Das Langfilmdebüt des russischen Regisseurs Kirill Sokolov beginnt mit dem passenden Zitat „Er erlebte nicht mehr, wer als Sieger hervorging“, wirft einen danach direkt ins Geschehen – etwa sechs Charaktere sollen wir vorgestellt bekommen in den folgenden fast 100 Minuten und drei davon stehen bzw. sitzen sich nach kurzer Zeit bereits gegenüber, mit Hammer in der Hinterhand, intensivierenden Zooms, komödiantischen Brüchen durch „Wuusch“- Geräusche bei eben jenen Einstellungen, Anspannung liegt in der Luft bevor man überhaupt weiß was genau los ist, immer wieder klingt ein fast schon irritierend moderner, aber bestens funktionierender Trap-Beat an, der sich langsam aufbaut, einsetzt, aufhört…wieder einsetzt – und dann in die Vollen geht. Ebenso nun auch der Film, der nämlich erst 13 Minuten lang die Ausgangssituation, comichaft-rabiate Tonalität des Films und die Charaktere vorführt, bevor die blutrote Titlecard ins Bild geknallt kommt und man reichlich aufgeregt, grinsend, gespannt in die restlichen 80 Minuten startet – bis dahin gab es nämlich bereits schmerzhaft gebrochene Knochen, realistisch anmutende Blutspritzer und reichlich Rätselspannung bezüglich des Plots.
 
 
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Der Einstieg macht es einem also wirklich leicht, dieses Werk zu mögen, allein schon weil nach dem Intro dauerhaft die Frage über dem Vergnügen schwebt, wie eine solch deftige Konfrontation wohl wirken muss, wenn man später richtig investiert in die Charaktere ist, mitfiebert, dem Protagonisten das Beste wünscht. Bevor sich diese Frage beantworten lässt, kommt nun aber die erwartete Backstory, Entschleunigung und Erklärung der Charaktermotivationen – und auch hier, im ersten Kapitel , „Matvei“ das den jungen Hammerträger und Protagonisten unserer Odyssee als erstes in den Fokus rückt, fallen schicke mehrfarbig beleuchtete Sets, optisch ansprechende Winkel und gut gerahmte Einstellungen auf, die zusammen mit einer wunderbar zwischen epischer Orchesterscore, Westernsoundtrack und Trapbeat tänzelnder Untermalung, einen ziemlich professionellen Eindruck hinterlassen, in ihrer Ironisierung (und Anzahl nackter Füße!) an Tarantino anmahnen und gerade mit dem Budget von umgerechnet 600.000€ im Hinterkopf durchaus beeindrucken.
 
 
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Doch der Film weiß um seine Fokussetzung und auch, dass das eigentliche Spektakel im hier und jetzt und nicht im Flashback versteckt sein sollte, weshalb wir nie zu lange in der Vergangenheit verweilen, sondern zügig und kurzweilig zur nächsten erbarmungslosen Situation gezerrt werden, die sich diesmal gewalttechnisch noch weniger zurückhält, auf wunderbar widerliche Ekel-Comedy setzt, ohne zum Selbstzweck zu verkommen oder die Spannung zu vergessen und immer wieder mit kreativen Inserts, albernen Soundeffekten und einem schmissigen Soundtrack versehen ist. Meine Assoziationen reichten hierbei vom Indie-Hit „Motivational Growth“ bis hin zum frechen Humor von „Hardcore Henry“, doch dann kommt auch schon das launige Synthesizer-Intro für Kapitel 2 und ein Kollege des zu ermordenden Familienvaters und Polizisten wird vorgestellt, die Story um eine weitere Facette bzw. Perspektive zu erweitern…
 
 
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Wer durch überschwänglich hypende Kritiken diverser Festivalhits in der Vergangenheit ähnlich sensibilisiert wurde wie ich, dürfte gerade bei Produktionen mit weniger Budget erst einmal vorsichtig sein, was Erwartungshaltungen angeht, denn der brutalsten russische Film seit 20 Jahren, wie laut Interview mit dem Regisseur wohl eine Pressestimme meinte, ist der Streifen allein aufgrund von „Hardcore Henry“ mitnichten, auch würd ich genretechnisch keinesfalls von einem Actionfilm reden, als reiner Splatterfan wäre ich vermutlich auch enttäuscht.
 
 
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Doch es liegt an der kreativen Inszenierung, an der Stärke der tief schwarzhumorigen bis dramatischen, gallig-realistischen, dann wieder total comichaft-überzogenen Tonalität der Geschichte und ja, tatsächlich auch an der herausragenden Besetzung von Vitaliy Khaev als glatzköpfigen, grobschlächtigen Alptraum-Stiefvater und Wrestling-Endgegner, dass dieser Wohnzimmer-Western, der im späteren Verlauf allerdings noch mit weiteren gelungen eingerichteten Sets außerhalb der Wohnung beeindrucken kann, nicht nur funktioniert und seine 93 Minuten Laufzeit überlebt, sondern gar aktiv motiviert und Spaß macht. Zugegeben, der Film hätte etwas kürzer sein können, eine Spur unberechenbarer vielleicht noch, grindhousiger wenn man eh schon die Splatstick-Route mit sehr ernsten Thematiken vermischt, noch etwas actionlastiger und brutaler – doch wir reden hier von den Ansprüchen an eine 10/10-Partyknaller-Kanone, ein sehr guter Film mit Herzblut, erfrischend arschtretender Energie und vielen witzigen Szenen ist auf jeden Fall rausgekommen, ein derber Film mit beinharten Sprüchen, ohne Rücksicht auf Verluste und unverschämt gut aussehend noch dazu. Dicke Empfehlung!
 
 


 
 
 

WHY DON’T YOU JUST DIE! – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
„Why don’t you just die“ geht öfter vom Gaspedal runter als man vielleicht denkt und liefert keine Splattermassaker, doch wer kurzweilige, rabiate, freche, brutale, schwarze Comedy mit einigen blutigen, witzig choreographierten Auseinandersetzungen und federleicht editierter, trotzdem schmerzender Eskalation sehen will, sollte unbedingt zugreifen!
 
 


 
 
 

WHY DON’T YOU JUST DIE! – Zensur

 
 
 
„Why don’t you just die“ hat von der FSK eine Erwachsenenfreigabe erhalten. Auf der erhältlichen Heimkinoauswertung befindet sich ein roter FSK-Flatschen. Der ist wegen der vielen blutigen Schauwerte auch gerechtfertigt. Wichtig für Horrorfilmfans: die deutsche Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

WHY DON’T YOU JUST DIE! – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Pierrot Le Fou (KeepCase)

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(c) Pierrot Le Fou (limitiertes Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Papa, sdokhni; Russland 2018

Genre: Horror, Thriller, Action, Komödie, Splatter

Ton: Deutsch DTS HD MA 5.1, Russisch DTS HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35.1 (1080p)

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover | Mediabook

Extras: Kurzfilme von Kirill Sokolov, Q&A-Talk mit Kirill Sokolov, Trailer | Zusätzlich im Mediabook: Booklet inkl. russischem Schimpfwörterbuch, Plakat

Release-Termin: KeepCase | Mediabook: 27.03.2020

 

Why Don’t You Just Die! [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Why Don’t You Just Die! [Blu-ray + DVD im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

WHY DON’T YOU JUST DIE! – Trailer

 
 


 
 
 

Dr. Barry Nyle

(Rechte für Grafiken liegen bei Pierrot Le Fou)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Guest House Paradiso (1999)
 
Botched – Voll verkackt! (2007)
 
Fresh Meat (2012)
 
Come to Daddy (2019)
 

Filmkritik: „Open 24 Hours“ (2018)

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OPEN 24 HOURS

Story

 
 
 

Wenn sich psychologischer Horror ganz überraschend in einem Blutbad entlädt. Bei einer Nachtschicht in einer Tankstelle muss sich eine schwer traumatisierte Frau eigenen Ängste stellen.

 
 
 


 
 
 

OPEN 24 HOURS – Kritik

 
 
 
Tankstellen sind im Horror-Genre nicht selten Schauplatz des Schreckens. Sind sie in der Nähe, ist das Böse nicht weit. Offenbar ziehen abgelegene Zapfstellen die Bösewichte magisch an. Andererseits findet man darin gern auch schon mal Angestellte, die vor drohendem Unheil warnen. So gab es RHEA-M in dem Maschinen die Herrschaft übernommen hatten und sich Menschen in einer Tankstelle verschanzten. Aber auch in Schockern wie SPLINTER, HIGH TENSION oder dem TEXAS CHAINSAW MASSACRE spülten abgefuckte Benzinstationen ahnungslose Protagonisten direkt in die Hände des Bösen. Der Horrorfilm OPEN 24 HOURS macht sich auch die unheilvolle Atmosphäre von abgeschiedenen Zapfsäulen zunutze und bannt Albträume auf Zelluloid. Dabei herausgekommen ist gelungenes Angstkino mit gut dosierten Schocks, die es in sich haben. Da schauen wir genauer hin.
 
 
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Alles auf null. Denkt sich auch Mary White (VANESSA GRASSE aus LEATHERFACE – THE SOURCE OF EVIL). Die wurde erst aus dem Gefängnis entlassen und ist nun auf Jobsuche. Ein Tankstellenbesitzer hat Erbarmen. Der sucht eine Kassierin, die auch mal nachts den Laden schmeißt. Für die attraktive Mittzwanzigerin ein Hoffnungsschimmer wieder den Fuß ins richtige Leben zu bekommen. Die nimmt an und hat auch gleich den ersten Arbeitstag. Der gestaltet sich aber komplizierter als gedacht, denn die Vergangenheit holt Mary wieder ein. Vor einigen Jahren hat sie nämlich ihren Boyfriend (COLE VIGUE aus THE UNSPOKEN) ins Handwerk gefuscht. Der war ein berüchtigter Frauenmörder und zwang unsere Heldin dazu die grausamen Taten mit anzusehen. Letztere hielt die Psychofolter nicht mehr aus, zündete das Haus an und der schlafende Ex erlitt schwere Verbrennungen. Offenbar fordert der nun Rache. So ziehen bald unheimliche Schatten um den neuen Arbeitsplatz. Alles nur Einbildung oder passiert das in real? So wirklich sicher ist sich die traumatisierte Mary da bald nicht mehr.
 
 
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OPEN 24 HOURS ist ein Mix aus Psychothriller, Stalker-Horror und Slasher, der vor allen handwerklich vieles richtig macht. Der Film ist zwar günstiger Indie-Horror, schaut aber hochwertig aus. Da scheint jemand mit Erfahrung am Werk gewesen zu sein. In der Tat zeichnet jemand verantwortlich, der sich im Genre gut auskennt und einen hervorragenden Riecher hat, wie er Horrorfilme möglichst unterhaltsam für sein Publikum aufbereiten muss. PADRAIG REYNOLDS nennt sich der Gute, der bereits so Horrorstoff wie RITES OF SPRING, DARK LIGHT oder THE DEVIL’S DOLLS auf Zelluloid gebannt hat. Das war solides Genre-Handwerk, das zumindest kurzweilig Gänsehaut bescheren konnte. OPEN 24 HOURS macht da keine Ausnahme, vermeidet Umwege und versucht den Zuschauer mit Verwirrungstaktik zu vernebeln. Das Ergebnis ist konventioneller Horror, der mit der Erwartungshaltung spielt, ohne zu sehr zu überfordern aber stets spannend bleibt.
 
 
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Regisseur PADRAIG REYNOLDS hat offenbar gelernt, wie man Spannung erzeugt und welche Regeln beim Inszenieren von Horrorfilmen beachtet werden müssen. Zu den wichtigsten gehört eine zugängliche Heldin. In Schauspielerin VANESSA GRASSE hat er sie gefunden. Die verkörpert hier eine labile junge Frau, die den erlebten Albtraum immer und immer wieder durchmachen muss. Erst sind es mysteriöse Telefonanrufe und gruselige Kunden, die am Nervenkostüm nagen und die Vergangenheit zurück ins Gedächtnis holen. Später kommen ungemütliche Halluzinationen und grausame Rückblenden dazu, die am eigenen Verstand zweifeln lassen. Filmemacher PADRAIG REYNOLDS will seine Protagonistin einfach nicht zu Ruhe kommen lassen und treibt sie immer weiter in den Wahnsinn. Das macht sich auch am Film selbst bemerkbar. Der verändert seinen Ton, je näher er der Zielgerade entgegenfiebert. Da wird aus psychologischem Grauen plötzlich bluttriefender Horror, der gut und gern auch mal den Vorschlaghammer schwingen lässt. Zartbesaitete Zuschauer zucken hier zurecht zusammen, denn der abrupte Richtungswechsel kommt ganz unvorbereitet. Daher von uns an dieser Stelle eine Warnung. Wer glaubt, dass OPEN 24 HOURS den anfänglichen Kopf-Horror bis zum Ende durchzieht, irrt gewaltig.
 
 
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OPEN 24 HOURS – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Ein wendungsreicher und kompromissloser Horror-Schocker, der von seiner Heldin ziemlich viel abverlangt. Mit den Filmen aus der Werkstatt von PADRAIG REYNOLDS macht man nichts falsch. Das sind kleine Horrorfilme, die man sich an einem Sonntagabend anschauen kann, ohne zu sehr enttäuscht zu werden. Einer derer: OPEN 24 HOURS. Hierbei hält man Psycho-Horror in den Händen, der gekonnt versucht zu manipulieren. Kernthema des Films ist es herauszubekommen, was tatsächlich passiert oder nur dem Geist eines traumatisierten Mädchens entspringt. Sind die Ereignisse im Film Einbildung und Folgen eines schwerwiegenden Traumas? Oder ist hier wirklich ein Killer am Werk, der unserer Heldin eine Lektion erteilen will? Genau das gilt es herauszufinden. Wie des Pudels Kern ergründet wird, ist ohne Zweifel spannend. Da verzeiht man Regisseur PADRAIG REYNOLDS gern, dass der es im Finale mit Wendungen übertreibt und einige Logiklücken übersehen hat.
 
 
 


 
 
 

OPEN 24 HOURS – Zensur

 
 
 
In der zweiten Filmhälfte von OPEN 24 HOURS bekommt man einige Gewaltszenen vor die Linse. Es wird ein Kopf mit einem Vorschlaghammer zermatscht, Stichwunden sind zu sehen und blutige Kopfschüsse runden den Gewaltcocktail ab. Hierzulande passt das alles für eine Freigabe mit rotem FSK-Sticker. In Deutschland wird der Film über I-ON NEW MEDIA im Laufe des Jahres 2020 veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

OPEN 24 HOURS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Spotlight Pictures | I-On New Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast (1997)
 
Ich weiß noch immer, was du letzten Sommer getan hast (1998)
 
ATM – Tödliche Falle (2012)
 
The Night before Halloween (2013)
 

Filmkritik: „Don’t Let Them In“ (2020)

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DON’T LET THEM IN

Story

 
 
 

Zwei Sozialarbeiter müssen für den nächsten Fall Nerven lassen. Im Haus des neuen Klienten werden sie von drei Fremden in die Mangel genommen.

 
 
 


 
 
 

DON’T LET THEM IN – Kritik

 
 
 
Marketing ist alles. Das kann manchmal hinterhältig sein. Da wird alles daran getan, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu gewinnen. Hier ein reißerisches Filmplakat, dort ein hektisch geschnittener Trailer. Was letztendlich wirklich auf dem Tisch landet, ist zweitrangig – Hauptsache der Filmfan kauft. Eine dieser Marketing-Mogelpackungen nennt sich DON’T LET THEM IN. Das amerikanische Cover zur Heimkinoveröffentlichung suggeriert vertrautes Horrorfilmfutter. Dort sind vermummte Gestalten zu sehen, die mit Gewalt in ein Haus eindringen wollen. Erfahrene Filmkenner ziehen da nicht zu Unrecht Parallelen zum Horror-Hit THE PURGE, in dem ahnungslose Hauseigentümer von mordlüsternen Fremden terrorisiert und abgeschlachtet werden. Leider hat der vorliegende Indie-Horror kaum was mit genanntem Horrorthriller aus der Blumhouse Produzentenwerkstatt gemein. Der Film geht andere Wege. Enttäuschte Gesichter werden vorprogrammiert sein.
 
 
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Zwei Sozialarbeiter nehmen ihre Arbeit besonders ernst. Die betreuen Menschen am Rande der Gesellschaft und sehen so oft jede Menge Elend. Ein neuer Fall führt zu einem Klienten am Hintern der Welt. In einem heruntergekommenen Anwesen lebt ein Kindermörder, der nach 15 Jahren aus der Haft entlassen wurde. Nun soll er fachmännisch betreut werden. Leider verläuft der Besuch vom sozialen Dienst komplizierter als gedacht. Der Mann scheint nämlich verwirrt zu sein. Der sieht sich von Fremden verfolgt und sperrt den Besuch gleich mal in den eigenen vier Wänden ein. Da ist die Stimmung natürlich im Keller. Doch Karl und Jenna lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Die haben im Beruf schon so manch heikle Situation bewältigt und wissen, was zu tun ist. DON’T LET THEM IN wäre aber kein Horrorfilm, wenn nicht irgendwas unheimliches passieren würde. Der entlassene Häftling hatte mit seiner Paranoia nicht unrecht. Tatsächlich wollen drei Männer ins Haus. Was die aber wollen, hat mit dem oben genannten THE PURGE so rein gar nichts am Hut.
 
 
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Wer sich allein vom Cover zum Kauf verleiten lässt, schaut später dumm aus der Wäsche. DON’T LET THEM IN verspielt sein Potenzial zu früh. Drei maskierter Männer wollen in ein Haus und lassen nicht locker. Die schleichen um das Anwesen und brechen letztendlich ein. Wer jetzt aber glaubt, dass das Home Invasion par excellence ist, irrt gewaltig. Es wird weder gequält, noch gefoltert oder sinnlos gemordet. Die gern mal in dieser Art von Filmen gezeigte Vergewaltigung unschuldiger Menschen fehlt ebenso. Regisseur MIKE DUNKIN hat andere Pläne und steuert eine unerwartete Richtung an. Es geht ins Fantastische, was letztendlich bedeutet, dass es übernatürlich wird. Ja, das bringt Abwechslung in das eingerostete Home-Invasion-Genre, das seit Jahren wegen fehlender Originalität keinen so guten Ruf mehr genießt. Das ist aber schon das Einzige, was hervorzuheben wäre.
 
 
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Der britische DON’T LET THEM IN bleibt nämlich weitestgehend spannungsarm und zeigt, dass er wegen des kleinen Budgets nicht viel riskieren kann. Somit reichts nur für ein Kammerspiel mit drei Figuren auf begrenztem Raum, das vehement versucht, so etwas wie Klaustrophobie und Panik zu verursachen. Drei Leute sitzen drinnen fest und werden vom Bösen bedroht. Letzteres wartet vor der Türe und ist nicht freundlich gestimmt. Die Bedrohung wird mit einfachen Mitteln möglichst lang hinausgezögert, damit der Film Spielfilmlänge erreicht. Doch das Interesse am Fortgang ist bald verflogen. Nach knapp 40 Minuten Rätselraten und der Ungewissheit, wer da ins Haus will, wird das Geheimnis gelüftet. Es sind keine Menschen, sondern Mächte fernab der irdischen Welt, die Rechnungen begleichen wollen. Danach ist die Luft raus und DON’T LET THEM IN quält sich mit wirren Wendungen zur weit entfernten Zielgerade, ohne dabei echte Höhepunkte abzuhaken. Krönender Abschluss ist ein Twist. Der beleuchtet alle Geschehnisse aus einer anderen Perspektive und presst den Film zwanghaft in eine Schublade, in die er so gar nicht passen will. Das mutet sehr konstruiert an und lässt mit dem Kopf schütteln. Launischer kann ein B-Movie nicht enden.
 
 
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DON’T LET THEM IN – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
THE PURGE trifft auf YOU’RE NEXT. Mit diesen beiden bekannten Horrorfilmen wird auf dem amerikanischen Filmplakat geworben. Sehr gewagt, zumal sich DON’T LET THEM IN weit weg von den Qualitäten genannter Streifen befindet und auch sonst nur wenige bis gar keine Parallelen vorzuweisen hat. DON’T LET THEM IN sollte anfangs DEVIL’S NIGHT heißen. Offenbar verriet der Titel zu viel über den Plot und wurde für den internationalen Filmmarkt in DON’T LET THEM IN umgetauft. Der Film beginnt wie jeder beliebige Home-Invasion-Thriller und endet anders als erhofft. Hört sich interessant an, ist aber großer Käse, weil zu sehr in der Nonsens-Schublade für Horrorfilme gewühlt wird. Ein konfuser Twist trägt ganz schön dick auf. Da geht die Glaubwürdigkeit verloren. Bleibt noch zu erwähnen, dass DON’T LET THEM IN zwar britischen Humor, zwei Splatter-Momente und brauchbares Schauspiel besitzt – aber dennoch keine Empfehlung bekommt. Der Grund: Langeweile. Wer Einschlafhilfe benötigt, kann einen Blick riskieren. Der Low-Budget-Sektor des Horrorgenres hat schon bessere Werke hervorgebracht.
 
 
 


 
 
 

DON’T LET THEM IN – Zensur

 
 
 
In DON’T LET THEM IN werden zwei Köpfe zerschossen, die dann übertrieben explodieren und die Protagonisten mit Blut besudeln. Ansonsten sieht man noch Stichwunden. Ja, die Effekte sind ganz brauchbar, machen den Film aber nicht unbedingt besser. Hierzulande darf man eine FSK16 erwarten – insofern DON’T LET THEM IN in Deutschland überhaupt ausgewertet werden sollte.
 
 
 


 
 
 

DON’T LET THEM IN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von The Ideas Factory | 4Digital Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wolves at the Door (2016)
 
Ghostland (2018)
 
Them – Spiel oder stirb (2006)
 

Filmkritik: „Becoming – Das Böse in ihm“ (2020)

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BECOMING – DAS BÖSE IN IHM

(BECOMING)

Story

 
 
 

Ein Liebespaar erlebt auf einem Roadtrip durch die Vereinigten Staaten die Hölle auf Erden.

 
 
 


 
 
 

BECOMING – Kritik

 
 
 
Bereits Connie Francis trällerte es in den 1960ern. Die Liebe ist ein seltsames Spiel, sie kommt und geht von einem zum andern. Eine schmerzliche Erfahrung, mit der sich bereits unzählige Liebende konfrontiert sehen mussten. Doch woran erkennt man eigentlich, dass Herzen nicht mehr im gleichen Takt schlagen? In den meisten Fällen sind Wesensveränderungen des Partners erste Anzeichen dafür, dass die Beziehung kränkelt. Der verhält sich plötzlich unvertraut und tut Dinge, die das Gegenüber verunsichert. Da werden verständlicherweise Ängste aktiviert, die sich zum blanken Horror entwickeln können. Stoff, der sich auch gut als Horrorfilm erzählen lässt – wie der Mysterystreifen BECOMING beweist. Hier werden Verlustängste zweckentfremdet, um 90 Minuten Gruselstimmung zu erzeugen. Das Resultat ist zwar nicht sonderlich herausragend, jedoch wie in diesem Gruselfilm aber Schauer heraufbeschworen wird, ist ganz interessant.
 
 
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Mein Partner, das unbekannte Wesen: BECOMING – DAS BÖSE IN IHM erzählt die Geschichte von Lisa und Alex. Die sind bereits seit drei Jahren verlobt und wollen nun Nägel mit Köpfen machen. Ein eigenes Heim soll es werden. Aber zuvor sollen sich Lisas Eltern ein Bild vom Schwiegersohn in Spe machen. Deshalb tritt man eine beschwerliche Reise an. Die Eltern wohnen leider nicht um die Ecke, sondern am anderen Ende Amerikas. Daher steigt man ins Auto und düst los. Unterwegs macht man Halt bei Alex‘ altem Kumpel Glen. Der verhält sich äußerst komisch und bereitet der sonst so toughen Lisa ganz schön Angst. Die ist auch berechtigt, denn das Grauen wird bald ein ständiger Begleiter der beiden Reisenden sein. Alex verändert sich nämlich von Tag zu Tag. Erst sind es Eigenarten. Später Gerüche. Als ihn seine Verlobte kaum noch wiedererkennt, offenbart sich ein düsteres Geheimnis.
 
 
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Der deutsche Titelzusatz verrät wieder zu viel. Der lässt darauf schließen, dass in Protagonist Alex boshafte Mächte schlummern. Ein Thema, für das sich Regisseur OMAR NAIM ziemlich viel Zeit nimmt. Nach einem schockintensiven Prolog werden die beiden Helden fokussiert. Die lernt der Zuschauer während eines Road-Trips gut kennen, was angesichts der späteren Handlung von großer Bedeutung sein wird. BECOMING geht alles langsam an und schwört Unheil mit Bedacht herauf. Dabei rückt schnell Detektivarbeit in den Vordergrund, die von Heldin Lisa aufgenommen wird. Die will freilich wissen, was es mit der Veränderung ihres Freundes auf sich hat und zieht bald Parallelen zu anderen Frauen, denen es ganz ähnlich ergangen ist. Gründliche Analysen, die nach und nach offenbaren, was da von Alex Besitz ergriffen hat. Leider ist die Antwort darauf alles andere – nur nicht erlösend.
 
 
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BECOMING ist ein Mystery-Horror mit langsamen Aufbau, der vor allem von der Tatsache lebt, wie sich das Vertraute plötzlich so unvertraut anfühlen kann. Warum verändert sich Protagonist Alex zu unvorhersehbar. Ist er psychisch krank? Hat er sein Herz bereits an eine andere Frau neu vergeben? Oder haben wir es hier mit Dämonen, Geistern oder anderem paranormalen Wesen zu tun, die es mal wieder nicht gut mit der Menschheit meinen? Regisseur OMAR NAIM lässt sich für Antworten lange Zeit. Ein immer wiederholender, bedrohlicher Score lässt aber schon früh erahnen, dass Unheil bevorsteht wird, mit dem nicht zu spaßen sein wird. Leider ist nicht alles Gold, was glänzt. Auch, wenn BECOMING – DAS BÖSE IN IHM thematisch gesehen recht unverbraucht erscheint, macht vieles nicht unbedingt Sinn. Zusammenhänge wirken willkürlich und nicht immer sind Handlungsverläufe nachvollziehbar. Zudem zieht sich der Film teilweise und hat kaum Höhepunkte zu bieten. Richtig spannend wird es nur zu Beginn und am Ende. Letzteres hagelt dafür unvorbereitet und heftig auf den Zuschauer ein. Die guten schauspielerischen Leistungen tragen einen großen Teil hierfür bei.
 
 


 
 
 

BECOMING – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Low-Budget-Horror mit hervorragenden Schauspielern und einer guten Filmidee, die im Zuge der ständig wiederholenden Horrorfilmstoffe ganz unverbraucht erscheint. Leider ist BECOMING – DAS BÖSE IN IHM recht zäh und dürfte die meisten Filmfans schnell langweilen. Der Grund: Drehbuchautor und Regisseur OMAR NAIM meint es zu gut mit der Figurenentwicklung und lässt sich zu viel Zeit mit der Vorstellung seiner beiden Helden. Spannungsdurststrecken sind die Folge. Erst in der letzten halben Stunde wird es für Horrorfilmfans interessant. Ob das aber die meisten Zuschauer überhaupt erreicht, dürfte wegen fehlender Höhepunkte fraglich sein.

 
 
 


 
 
 

BECOMING – Zensur

 
 
 
BECOMING – DAS BÖSE IN IHM hat wenige Gewaltmomente zu bieten. Gleich zu Beginn steckt sich eine Filmfigur eine Waffe in den Mund und drückt ab. Ein Kindsmord passiert im Off. Später wird ein Mann zusammengeschlagen. Weiterhin gibt es Verletzungen und Morde durch Schusswaffen und Messer zu sehen. Hierzulande ist der Film bereits für Sechsehnjährige geeignet. Wer hartes Gemetzel erwartet, wird enttäuscht werden. Brutal ist der Mysterythriller BECOMING leider nicht.
 
 
 


 
 
 

BECOMING – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Universum Film | Leonine (KeepCase – ungeschnittene Fassung)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Becoming; USA 2020

Genre: Horror, Mystery, Grusel, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.00:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: 99 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Trailer, Trailer-Show

Veröffentlichung: KeepCase: 10.04.2020

 
 

Becoming [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

BECOMING – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei UNIVERSUM FILM | LEONINE)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Wir (2019)
 
Devil Inside (2012)
 
Dämon – Trau keiner Seele (1998)
 
The Demon Hunter (2016)
 

Filmkritik: „Das Biest – The Bat“ (1959)

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DAS BIEST – THE BAT

(THE BAT)

Story

 
 
 

Cornelia van Gorder schreibt Kriminalromane und mietet sich zur besseren Konzentration in ein schmuckes und abends nicht mehr ganz so harmloses Sommerhäuschen ein. Das Haus gehört dem örtlichen Bankdirektor, der gerade finanzielle Schwierigkeiten mit seinem Hausarzt hat. Im Ort geht ein Serienmörder um: Das Biest (The Bat, wie der Originaltitel des Films). Der reißt seinen weiblichen Opfern mit einer Stahlklaue die Kehle durch.Nach einigen Irrungen und Wirrungen finden sich unterschiedlichste Charaktere auf Cornelias Schreibe-Exil ein.

 
 
 


 
 
 

DAS BIEST – Kritik

 
 
 
Was folgt ist eine hochgradig charmante, in Horror-Ideen getunkte Variation von Agatha Christies oft bemühtem Rezept AND THE THERE WERE NONE, der als Buch und Film auf Deutsch ganz und gar Millenial-Lappen-inkompatibel ZEHN KLEINE NEGERLEIN heißt. Will sagen, der Fledermaus-Unhold geht um im alten Gruselhäuschen und erntet Leben. Der Zuschauer ist angehalten, Nägel kauend mitzurätseln, wer sich hinter der Maske des brutalen Schlitzers mit Fledermaus-Persona verbirgt. Erwartungsgemäß ist eine Theateradaption aus den späten Fünfzigern heute nicht mehr wirklich dazu in der Lage, den hartgesottenen Gore-Apostel an irgendwas anderem als seinem ungesunden Abendessen kauen zu lassen. Nö, DAS BIEST ist (selbst coloriert) was für Fans von schwarzweißen Gruselfilmen, die nicht ganz den filmhistorischen Qualitätsstandard von Universals Klassikern aus den Dreißigern erreichen. Da gab es ja einiges. Geht von weniger erfolgreichen Thrillern der großen Studios, bis zu äußerst günstig produzierten Reißern der wohlweißlich schon so genannten „poverty row“ Studios – in denen sich gerne mal Bela Lugosi sein Morphium-Geld verdient. Wenn man das weiß – und das setzen wir hier einfach mal an unser Publikum glaubend voraus – kann man an diesem alten Schinken seinen Spaß haben.
 
 
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…und mittendrin die verkannte Diva Agnes Moorehead, mit ihrer einzigartigen Optik und einer Rolle – endlich sogar mal eine Hauptrolle für die Charakterdarstellerin erster Kajüte – als Krimi-Schriftstellerin, der das wahre Leben gerade die harten Sachen serviert. Bisschen wie die betuliche Serie MORD IST IHR HOBBY oder so. Könnte man denken. In den USA ist DAS BIEST 1959 ein Double-Feature mit dem ersten MUMMY-Film der britischen Hammer Studios. Der Film ist die damals vierte Adaption eines leicht gruseligen Krimi-Theaterstücks der Autorin Mary Roberts Rinehart, das die 1920 auf ihrem eigenen Roman basierend veröffentlicht. Man merkt, wie sehr das Drehbuch auf einer Theatersituation beruht. Szenenaufbau, Auftritte und Abgänge der Figuren. Alles wirkt, als könnte gelegentlich ein Vorhang fallen. Neben der Meisterleistung von Madame Moorehead darf natürlich, wie könnte es anders sein, die schauspielerische Großartigkeit des mächtigen Vincent Price nicht unerwähnt bleiben. Der tollste aller klassischen Horrorschurken ist mal wieder ein Ausbund an Schmierigkeit, Zwielichtigkeit und allgemeiner Antipathie. Man muss ihn einfach lieben. Auch wenn er erneut einen Bösewicht spielt. Aber das kennt man ja aus 85 Prozent seiner Auftritte.
 
 
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DAS BIEST – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
In einem ächzenden Häuschen angesiedelter Gruselkrimi alter Schule. Hier haben Freunde der Universal Studios bestimmt ihren Spaß. Auch Agatha-Christie- oder Edgar-Wallace-Fans machen bei einem Zehn-kleine-Negerlein-Film inklusive Mitratemöglichkeit vermutlich nix falsch. Und Vincent Price ist sowieso immer willkommen.
 
 
 


 
 
 

DAS BIEST – Zensur

 
 
 
Die deutsche Veröffentlichung von DAS BIEST – THE BEAST ist komplett ungeschnitten und frei ab 16 Jahren. Sammler alter Horrorfilmklassiker können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

DAS BIEST – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (DVD im Amaray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Bat; USA 1959

Genre: Horror, Mystery, Klassiker

Ton: Deutsch DD 2.0 Stereo, Englisch DD 2.0 Stereo

Untertitel:

Bild: 1,33:1 (4:3)

Laufzeit: ca. 77 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Erstmals in kolorierter sowie einer restaurierten s/w Fassung

Release-Termin: 27.03.2020

 

Das Biest -The Bat inkl. kolorierter Fassung [DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

DAS BIEST – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Bat Whispers (1930)
 
The Bat (1915)
 
The Bat (1927)
 

Filmkritik: „Das Monster von Tokio“ (1959)

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DAS MONSTER VON TOKIO

(THE MANSTER | THE MANSTER – HALBER MANN, HALBES MONSTER)

Story

 
 
 

Auslandskorrespondent Larry arbeitet in Japan für die US-amerikanische Presse. Seiner Ehe tut das allerdings nicht gut, hat der Schreiberling auf Reisen doch nur freizeitliche Aktivitäten mit Alkohol und Weiber im Kopf. Als er den Wissenschaftler Dr. Suzuki kennenlernt schlägt der ihm vor, ihn mit einem Serum aus kosmischen Strahlen zu einem besseren Menschen zu machen. Pustekuchen! Aus der Injektion erwächst der Schulter des Journalisten ein zweiter Kopf. Und der ist nicht gerade Ablageort für ein moralisch gutes Gehirn.

 
 
 


 
 
 

DAS MONSTER VON TOKIO – Kritik

 
 
 
Tja, da hat ihn der Weißkittel an der blöden Nase herumgeführt. Statt eines braven Zeitungsmanns, der den Mächten von Sprit und Genitalien abschwört, hat die Droge das Ziel, den Menschen, Larry präzise, in die nächste, außerirdisch gedopte Evolutionsphase zu führen. Was ja, ehrlichgesagt, auch nicht so richtig hinhaut. Stattdessen geht der Sauhund auf eine Mordtour durchs pittoreske Gastland, die auch vor einem buddhistischen Mönch nicht haltmacht. Das ist aber auch ein wirklich grober Schlocker! Donnerknispel! DAS MONSTER VON TOKIO (Originaltitel: THE MANSTER) wird dem ahnungslosen amerikanischen Publikum seinerzeit als Doppelpack mit AUGEN OHNE GESICHT kredenzt. Was ne Packung. Ernsthaftes französisches Horrorkino von Weltrang und ein veritables Beispiel frühen Filmglobalisierungswahnsinns am Stück.
 
 
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Ein großer Teil des Reizes von DAS MONSTER VON TOKIO geht von seiner Exotik aus. Ja, mit seiner Stranger-in-a-strange-world-Ästhetik betritt der Film locker das Terrain exotischer Adaptionen klassischer Stoffe, wie sie der Horror-Exotique-Fanatiker gar nicht genug inhalieren kann. Handlungs- und Drehort ist Nippon, Besetzung und Stab sind maßgeblich Japaner. Man muss überlegen, dass zur gleichen Zeit das japanische Horrorkino mit JIGOKU: DAS TOR ZUR HÖLLE von selbst einen Schritt von den tollen aber auch sehr meditativ-ruhigen und aus uralten Theatertraditionen kommenden Geistergeschichten-Filmen Kenji Mizoguchis (UGETSU zum Beispiel), hin zu einer geisterbahnartigen Technicolor-Wildheit unternimmt, die fast an ein paar Einfälle des kürzlich verstorbenen Brasilianers José Mojica Marins („Coffin Joe“) erinnern. In diese Stimmung passt auch die trashige Verrücktheit von DAS MONSTER VON TOKIO auf alle Fälle.
 
 
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Man könnte sagen, hier liegt eine perverse Variation der weltbekannten „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“-Story vor, die, durch den Beschleuniger japanischen Genre-Kinos gejagt und mit psychoaktiven Drogen aus den Tiefen des Weltalls versetzt worden ist. Dazu geht der Mumpitz nur perfekte 72 Minuten und endet mit einem hochnotwahnsinnigen Finale. Da darf der staunende Filmfreund einen Helden sehen, der auf einem Vulkan mit dem Monster kämpft, das ihm aus der Schulter wächst. Ähnlicher Doppelkopf-Irrsinn kommt 1972 von Sexploitation-Regisseur Lee Frost, als der DAS DING MIT DEN ZWEI KÖPFEN auf das Publikum der Autokinos und drogengeschwängerten Innenstadt-Kinos loslässt. Das wär mal ein Doppelfeature, liebe Kinder.
 
 
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DAS MONSTER VON TOKIO – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Exotisches Horror-Gaga, das mehr Fans haben müsste. Können wir mit diesem kleinen Text hier hoffentlich Abhilfe schaffen. US-japanische-Koproduktion, zur Gänze in Japan entstanden. 73 Minütchen lang fliegen die Fetzen der Schwachmatität. Wenn Ed Wood Geld für die Überfahrt gehabt hätte, wäre wohl sowas dabei herausgekommen.
 
 
 


 
 
 

DAS MONSTER VON TOKIO – Zensur

 
 
 
Die deutsche Veröffentlichung von DAS MONSTER VON TOKIO (der auch unter THE MANSTER – HALBER MANN, HALBES MONSTER in Deutschland vermarktet wird) ist komplett ungeschnitten und frei ab 12 Jahren. Wegen höher eingestuftem Bonusmaterial befindet sich auf den erhältlichen Heimkino-Auswertungen aber ein blauer FSK16-Sticker.
 
 
 


 
 
 

DAS MONSTER VON TOKIO – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Ostalgica (Blu-ray im KeepCase und Schuber – auf 1000 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Manster; USA 1959

Genre: Horror, Mystery, Klassiker

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 1.0), Englisch (DTS-HD Master Audio 1.0)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1,66:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 73 Min.

FSK: Film: FSK12 (ungeschnittene Fassung) | Blu-ray wegen Bonusmaterial: FSK16

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover im Schuber

Extras: Bonusfilm: The Werewolf of Washington (4:3, Sprachen: Deutsch / Englisch, ca. 88 Minuten), Bildergalerie (16:9, ca. 2 Minuten), Trailers from Hell (16:9, ca. 7 Minuten), Hörspiel: „Mit den Insekten kam das Grauen“ (55 Minuten), Booklet (16 Seiten)

Release-Termin: 06.03.2020

 
 
Der Anbieter OSTALGICA hat THE MANSTER unter dem alternativen deutschen Titel DAS MONSTER VON TOKIO hierzulande zum ersten Mal auf Blu-ray veröffentlicht. Die Blu-ray befindet sich in einer 2er-Amaray-Box im Schuber (DVD-Größe mit partielle Lackierung). Das KeepCase besitzt ein zusätzliches Wendecover. Dass der Streifen in tadellosem HD und ungeschnitten vorliegt, ist natürlich selbstverständlich. Doch das ist nicht alles. OSTALGICA hat ein lobenswertes Bonuspaket geschnürt. So befindet sich neben dem Hauptfilm ein weiterer Streifen auf der Blu-ray. Hierbei handelt es sich um den amerikanischen Gruselfilm THE WEREWOLF OF WASHINGTON aus dem Jahre 1973. Weiterhin liegt das Hörspiel MIT DEN INSEKTEN KAM DAS GRAUEN. Die Blu-ray zu DAS MONSTER VON TOKIO ist auf 1000 Stück limitiert. Sammler sollten schnell zugreifen.
 
 
 

Das Monster von Tokio – Classic Chiller Collection 6 [Blu-ray + Hörspiel-CD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 

DAS MONSTER VON TOKIO – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (DVD im Amaray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Manster; USA 1959

Genre: Horror, Mystery, Klassiker

Ton: OmU: Englisch DD 2.0 Stereo

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 4:3

Laufzeit: ca. 73 Min.

FSK: Film: FSK12 (ungeschnittene Fassung) | DVD wegen Bonusmaterial: FSK16

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Erstmals in kolorierter sowie einer restaurierten s/w Fassung, inklusive Zusatzszenen

Release-Termin: 27.03.2020

 
 
Unter dem deutschen Titel THE MANSTER – HALBER MANN, HALBES MONSTER hat der Anbieter STUDIO HAMBURG eine ungeschnittene DVD auf den Markt gebracht. Auf dieser befindet sich THE MANSTER (so der Originaltitel) nicht nur in der schwarz/weiss gedrehten Fassung. Auch eine kolorierte Fassung des Streifens befindet sich mit auf der Disk. Das Besondere: Es ist die erste deutsche Auswertung der Farbfassung auf DVD in Deutschland. Dennoch ist nicht alles Gold, was glänzt. Beide Fassung liegen in bescheidener Qualität vor. Im HD-Zeitalter freut das den Horrorfilmfan natürlich nicht unbedingt.
 
 

The Manster Halber Mensch, Halbes Monster – kolorierte Fassung (OmU) [DVD] ungeschnitten auf AMAZOn kaufen

 
 


 
 
 

DAS MONSTER VON TOKIO – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei STUDIO HAMBURG | OSTALGICA)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Ding mit den 2 Köpfen (1972)
 
Der Mann mit den zwei Köpfen (1971)