Filmkritik: „Der Hexenclub“ (1996)

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DER HEXENCLUB

(THE CRAFT)

Story

 
 
 
Sarah besucht eine neue Schule und scheint das vierte Mitglied eines Hexenzirkels zu sein. Doch die Teenager haben keine Ahnung, auf welche Mächte sie sich einlassen.

 
 
 


 
 
 

DER HEXENCLUB – Kritik

 
 
Wenn es um Hexen geht, gibt es ganz unterschiedliche Herangehensweisen, wie Filme dieses Thema umsetzen. Manchmal als seriöser Horror, manchmal auch als Gruselkomödie. Wenn man es zusätzlich mit einem Werk aus den 90ern zu tun hat, liegt es nahezu auf der Hand, daraus einen Teenie-Horrorfilm zu machen. Das tat 1996 „Der Hexenclub“, der erst letztes Jahr eine Art Remake erhielt. Vielleicht hat der Streifen damals sein Publikum gefunden, doch heute kann man das am ehesten aus nostalgischen Gründen noch halbwegs genießen.
 
 
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Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch zieht Sarah mit ihrem Vater um. An der neuen Schule findet sie gleich drei neue Freundinnen, die sich eher im Hintergrund bewegen. Nancy, Bonnie und Rochelle halten sich nämlich für Hexen und haben ihren eigenen Zirkel. Sie denken, dass Sarah die Vierte im Bunde sein soll, weil sie tatsächlich ein paar übernatürliche Fähigkeiten besitzt. Und siehe da: Mit Sarah im Zirkel funktioniert die Sache mit der Hexerei gleich viel besser. Sarah bemerkt allerdings zu spät, dass sie mit Mächten hantiert, die sie schwer kontrollieren kann und die anderen Mädels denken gar nicht daran aufzuhören. Das Drehbuch mag 1996 noch einigermaßen funktioniert haben, wirkt aus heutiger Sicht jedoch ziemlich lahm. Man hat einfach das Thema Hexen genommen und dieses mit einem typischen Teenie-Film kombiniert. Der Verlauf der Geschichte ist vorhersehbar und so richtig originelle Ideen findet man nicht. Außerdem ist das Treiben doch arg brav und sehr moralisch. Ein bisschen mehr Pfeffer hätte sicher nicht geschadet. Wo die Story etwas enttäuscht, kann sich aber wenigstens die Umsetzung teilweise sehen lassen.
 
 
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Von der Inszenierung her macht „Der Hexenclub“ nämlich nicht viel falsch. Dunkle Bilder paaren sich mit reichlich Gewitterblitzen, es gibt Schlangen, Käfer, Würmer zu sehen, Menschen können schweben, albtraumhafte Bilder werden hervorgezaubert. Zwar gewinnt der Film auch hier keinen Preis für Originalität, aber manche Effekte sind recht kreativ geraten und vor allen Dingen sehen sie sehr ordentlich aus. Dafür, dass das Werk bereits sein Vierteljahrhundert auf dem Buckel hat, lässt sich das hübsch anschauen. Billig wirkt hier sowieso nichts und Regisseur Andrew Fleming hat seine Arbeit solide gemacht. Leider mangelt es jedoch etwas an Atmosphäre. Man kann zwar von einem Horrorfilm sprechen, aber der Horror-Anteil ist doch relativ gering und lässt kaum Bedrohung entstehen. Für etwas mehr Grusel hätte man ruhig auch sorgen dürfen. Dafür hätte im Gegenzug der ganze Teenie-Anteil etwas zurückgeschraubt werden dürfen.
 
 
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Das hätte „Der Hexenclub“ vielleicht auch unterhaltsamer gemacht, denn besonders in der ersten Hälfte der 100 Minuten Laufzeit lässt man sich zu viel Zeit. Hier geht es fast durchgehend locker zur Sache und selbst wenn das kurzzeitig ganz amüsant sein mag, verstreicht zu viel Zeit für Belanglosigkeiten. Das wird hinterher zum Glück etwas besser und das Finale ist wirklich nicht schlecht ausgefallen, aber von Spannung kann man eher nicht sprechen und mehr Action wäre definitiv nicht verkehrt gewesen. Auch ein bisschen mehr Blut hätte fließen dürfen. Wirklich stark ist allerdings der Soundtrack ausgefallen, der so richtig schön nach den 90er Jahren klingt und sehr vielseitig ist.
 
 
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Über die Darsteller kann man sich nicht wirklich beklagen, aber Jubelstürme werden hier ebenfalls nicht ausbrechen. Robin Tunney macht ihre Sache noch am besten, kann ein paar Facetten mit ins Spiel bringen und wirkt allgemein ganz sympathisch. Etwas nervenstrapazierend ist die Darbietung von Fairuza Balk, die zwar nicht schlecht spielt, aber ab und zu doch etwas zu sehr übertreibt. Neve Campbell und Rachel True machen das Quartett vollständig, bleiben aber überwiegend im Hintergrund und fallen kaum auf. So wie jeder andere Darsteller hier auch. Ähnliches lässt sich über die Figurenzeichnung sagen, die doch eher flach bleibt und keinen echten Draht zu den Charakteren entstehen lässt.
 
 


 
 
 

DER HEXENCLUB – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
„Der Hexenclub“ wird am ehesten Kinder der 90er Jahre ansprechen und kennt man den Film von früher, sorgt er für einen angenehmen, nostalgischen Touch. Wirklich gut, macht ihn das jedoch keineswegs. Die Handlung ist dünn, wenig originell und zu vorhersehbar, die Darsteller agieren zwar passabel, können aber nicht viel reißen und die Figurenzeichnung ist zu oberflächlich. Die größten Qualitäten liegen in der handwerklichen Arbeit, denn die Effekte sehen ordentlich aus und die Inszenierung ist nicht verkehrt. Allerdings macht es sich der Unterhaltungswert zu gemütlich. Erst passiert lange nichts und auch hinterher kommt kaum Spannung auf. Das sehenswerte Finale und der tolle Soundtrack entschädigen zwar etwas dafür, doch insgesamt kann „Der Hexenclub“ es nicht über den Durchschnitt hinaus schaffen! Übrigens wurde mit „Blumhouse’s Der Hexenclub“ knapp 24 Jahre später eine überflüssige Fortsetzung nachgeschoben, die das Franchise wieder zum Leben erwecken sollte.
 
 


 
 
 

DER HEXENCLUB – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Der Hexenclub“ ist ungeschnitten und für Zuschauer ab 16 Jahren geeignet. Im Jahr 1996 war diese Freigabe gerechtfertigt. Würde der Streifen heute neu bei der FSK vorgelegt werden, dürfte er wohl ohne Probleme eine FSK12 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DER HEXENCLUB – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) SONY PICTURES ENTERTAINMENT (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Craft; USA 1996

Genre: Horror, Thriller, Fantasy

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Französisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch, Arabisch, Dänisch, Finnisch, Französisch, Hindi, Norwegisch, Schwedisch, Türkisch; Englisch für Hörgeschädigte

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 101 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover

Extras: Kommentar des Regisseurs, Der Hexenclub jenseits der Kamera – Originaldokumentation, Entfallene Szenen mit optionalem Kommentar, Entstehung von „Der Hexenclub“, Trailer, BD-Live

Release-Termin: KeepCase: 08.10.2009

 

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DER HEXENCLUB – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei SONY PICTURES ENTERTAINMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blumhouse’s Der Hexenclub (2020)
 
Teen Witch (1989)
 
Der Pakt (2006)
 
Carrie 2 – Die Rache (1999)
 

Filmkritik: „Head of the Family“ (1996)

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HEAD OF THE FAMILY

(THE BRAIN)

Story

 
 
 

Lance und Loretta haben ein Problem. Das Gangsterpärchen bumst hinter dem Rücken von Lorettas Biker-Ehemann gar ehebrecherisch herum. Dieser, Howard heißt er, ist ein deutlich böserer Hund im Gangsterpark und so müssen die beiden genügend Kohle auftreiben, um die Gegend verlassen zu können. Als sie durch Zufall beobachten, wie vorm Haus der Familie Stackpool offenbar ein Kidnapping stattfindet, erwacht in den Kleinkriminellen der Erpresser-Instinkt. Wenn sie sich da aber nicht die Falschen ausgesucht haben. Stackpools kamen nämlich als mutierte Fünflinge zur Welt und gehorchen den Anweisungen ihres Oberhaupts, das aus einem Riesenhirn mit verkümmerten Gliedmaßen besteht; und diese Anweisungen beinhalten übergeschnappte Experimente an menschlichen Versuchskaninchen im Keller.


 
 
 


 
 
 

HEAD OF THE FAMILY – Kritik

 
 
 
Geile Idee, so zwischen Schwarmintelligenz und außerirdischer Unerklärlichkeit. Manipuliert vom Kopf, beziehungsweise Gehirn des Titels, verfügt jedes Familienmitglied über eine distinktive Eigenschaft. Stärke, erotische Anziehungskraft, besondere Wahrnehmungsfähigkeiten. Jeder Faktor tritt nur in einem der Stackpooles auf und dient dem Mutanten-Familienkollektiv zum Anlocken menschlicher Beute. Perverser Dirigent des Irrsinns ist natürlich das Gehirn, Myron.
 
 
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Wie bereits in vergangenen Kritiken festgestellt, erleben wir im Zuge diverser schöner Heimkino-Veröffentlichungen dieser Tage eine neue, positivere Würdigung der Filme von Charles Band. Nicht, dass man in den schrägen Regiewerken des hauptberuflichen Produzenten und Chefs der Full Moon Studios jetzt plötzlich die Handschrift eines verkannten Genies erkennen würde. Dieser Trend zum Filmgeschichte Umschreiben auf der Grundlage persönlicher Befindlichkeiten und Vorlieben ist eine seltsame Erscheinung, wie sie im postmodernen Internet, gerne in Deutschland, praktisch täglich durchs Dorf getrieben wird. Aber nichtsdestoweniger zu verkennen ist: Band verfügt ohne Zweifel über einen wiedererkennbaren Stil, in dem sich selbstbewusste Genrekenntnis und schwarzer Humor zu verrückten Trashperlen verbinden, die man sich ohne Reue ins Regal stellen darf. Furchtlos-geschmackloser Gaga-Horror, wie er einst etwa in New York bei TROMA FILMS leichthändig vom Band lief. Bei ihrem ersten Erscheinen, in der Endzeit des Mediums Videokassette, ist Bands Filmen bloß das Schicksal belächelter Staubfänger vergönnt. Vermutlich waren die Low-Budget Science-Fiction und Horrorfilme des Kaliforniers nicht deutlich genug einer Sparte zuzuordnen, um den Videothekaren aus den Pranken gerissen zu werden wie vergleichbarer Stoff. THE BRAIN, wie der heute vorliegende THE HEAD OF THE FAMILY auf Video hieß, geht es 1996 nicht anders, war die Kassette doch recht schnell auf den Wühltischen heute nicht mehr existierender Kaufhausketten zu finden.
 
 
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Ungerecht, denn der Film, vom Full-Moon-Direktor unter dem Pseudonym Robert Talbot gedreht, ist mal wieder ein Juwel nach Tradition der beliebten GESCHICHTEN AUS DER GRUFT. Also eine gute, altmodische Moralgeschichte, in deren Verlauf sich dumme Kleinkriminelle mit den falschen Angehörigen des gesellschaftlichen Rands angelegt haben. Meist sind die Opfer, wenn man sie so nennen mag, bevor der Spieß mit Schmackes umgedreht wird, in diesen Stories arm, Einwanderer, geistig nicht ganz auf der Höhe oder einfach Freaks. Bei THE HEAD OF THE FAMILY können wir das Häkchen ruhigen Gewissens hinter dieser letzten Option setzen. Das Superhirn und sein degenerierter Clan sind perfekte Außenseiter, vom ebenso hinterhältigen wie tumben Gaunerpärchen zu finanziellen Melkkühen erklärt. Wie bei den Vorbildern aus der Gruft und deren Ahnen, den EC COMICS des späteren MAD-Magazin-Erfinders William Gaines so üblich, wünscht man nach einer gewissen Zeit den von Raffgier getriebenen Protagonisten ein möglichst grausiges und farbenfrohes Ende. Natürlich enttäuscht auch das Riesenhirn die blutrünstigen Impulse des Publikums nicht. Schließlich steckt in den überdimensionalen Windungen der Denkmaschine genug Bosheit für eine ganze Familie.
 
 
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HEAD OF THE FAMILY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Weiter geht es mit der Wiederentdeckung der Welt der Full Moon Studios. Neben zahlreichen PUPPETMASTER-Episoden und anderen Trash-Franchises, gibt es da auch noch Verrücktheiten wie THE HEAD OF THE FAMILY. 1996 entstanden, dreht Firmenchef Charles Band eine schwarze Komödie mit Horror-Background, die man sich in dieser Form von TROMA in deren bester Verfassung gewünscht hätte. Früher unter ferner liefen im unteren Regal der Videothek versteckt, braucht der Film heute keinen Vergleich mit neueren, teureren Genre-Produktionen mehr zu scheuen.
 
 
 


 
 
 

HEAD OF THE FAMILY – Zensur

 
 
 
HEAD OF THE FAMILY (deutscher Titel: THE BRAIN) wurde in Deutschland von VPS auf VHS veröffentlicht. Danach folgte eine ungeschnittene DVD von CMV LASERVISION, die keine FSK-Freigabe hatte, sondern nur juristisch geprüft wurde. Der Anbieter WICKED VISION ließ den Streifen im Dezember 2019 neu prüfen und erhielt für die ungeschnittene Fassung eine FSK16. Diese wurde nun erstmalig in Deutschland auf Blu-ray veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

HEAD OF THE FAMILY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Wicked Vision Media (Scanavo Box)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Head of the Family; USA 1996

Genre: Horror, Klassiker, Trash, Komödie

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1,78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 72 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Scanavo Box

Extras: Wendecover mit Original-Artwork, Audiokommentar mit Darsteller J. W. Perra, „Bride of the Head”-Promo, Originaltrailer

Veröffentlichung: 06.12.2019

 
 

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HEAD OF THE FAMILY – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei Wicked Vision Media)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
The Brain That Wouldn’t Die (1958)
 
They Saved Hitler’s Brain (1968)
 
Re-Animator (1985)