Filmkritik: „Daddy’s Girl“ (2018)

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DADDY’S GIRL

(SUICIDE SOLUTION)

Story

 
 
 

Ein Mann foltert Frauen, seine erwachsene Tochter ist dabei.

 
 
 


 
 
 

DADDY’S GIRL – Kritik

 
 
 
„Daddy’s Girl“ ist ein Film, dessen Existenz ich mir nicht ganz erklären kann: Wagt man sich an ein Debütwerk, so will man zwar vermutlich direkt einen bleibenden Eindruck hinterlassen, gleichzeitig kann ich es aber auch irgendwo verstehen, wenn man hier x- mal aufgewärmte Genreformeln und bewährte, sichere, wenig originelle Muster nutzt, um zu schauen ob überhaupt die so inszeniert werden können, wie man es sich vorstellt. Und wenn man sich an ein neues Genre wagt, das man vorher noch nicht betreten hat, ist man vielleicht auch etwas vorsichtiger. Last but not least haben TV-Produktionen z.B. natürlich meistens ihre Restriktionen, die einiges entschuldigen können, was generisches Writing angeht.
 
 
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Aber wieso zum Teufel sollte ein gestandener US-Genreregisseur namens Julian Richards, der in Indiekreisen spätestens nach seinem Underground-Hit „The Last Horror Movie“ kein Unbekannter mehr ist, anno 2018 noch einen derart ausgelutschten und oft gesehenen Film inszenieren, bei dem ich wenige Stunden nach der Sichtung schon froh bin, mir Notizen gemacht zu haben, da ich sonst wirklich Probleme hätte, mich an irgendwas vom Geschehen zu erinnern? Drohnenfahrten zu bedrohlicher Musik und Aufnahmen blutiger Ketten in kahlen Kellerräumen sind die ersten Eindrücke des Films, danach wird man als Zuschauer innerhalb der ersten vier Minuten bis zur Titlecard direkt mit Misshandlung, Selbstmord und Inzest bombardiert, da die Backstory unseres titelgebenden Killersproß‘ wenig subtil ausfällt. Unsere scheinbare, titelgebende Protagonistin sitzt an einem Tisch und liebäugelt mit der geladenen Waffe, überlegt auf wen sie sie richten soll, steckt sie in Ihren Mund… Vater und Tochter fahren zu einer Bar und auch wenn hier das realistische Sounddesign, die Umgebungsgeräusche und vereinzelt nette Farbschemen auffallen, so fällt die folgende Auswahl eines Opfers sowie das Verschleppen in den gerade präsentierten Folterraum genauso spröde und vorhersehbar aus, wie es sich jetzt liest – keine Charaktere zum Mitfiebern, kein audiovisueller Reiz, keine Glanzleistungen auf schauspielerischer Leistung und auch keine deftige Gewalt, denn die einzige, wenn auch frühe, Goreeinlage, ist miserabel am PC bearbeitet und missglückt zu nennen.
 
 
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Wie dem auch sei, ein paar routinierte Drohnenfahrten später werden zwei weitere Charaktere vorgestellt, da der örtliche Deputy eine Tramperin mitnimmt, die in der lokalen Bar jobben wird. Wie genau das mit unserer killenden Kleinfamilie zusammenhängt, erschließt sich zu dem Zeitpunkt noch nicht, immerhin gibt es für den Zuschauer aber die Chance auf eine Konfrontation oder einen spannenden, weiteren Verlauf – traurig nur, dass wir bei einem Polizisten nur müde hoffen, Unterhaltung zu kriegen, statt mit Schweißperlen auf der Stirn zu hoffen, dass dieser unser Held werden könnte. Unser Deputy geht einem wenig spannenden Fall nach, ein paar freche Teenies haben das Fenster einer alten Frau zerstört – eine Szene die nur darum im Kopf bleibt, weil der Deputy laut rufend zu seinem Auto rennt, nachdem er dort die Kids entdeckt hat, um die es geht, während die Frau seelenruhig zurück in ihr Haus geht und überhaupt nicht auf die Verfolgungsjagd, Kinder, oder wütende Rufe reagiert. Zurück in der Polizeistation treffen wir auf die schlecht gespielte Kollegin unseres Deputies, die die Beziehung zwischen John und seiner „Freundin“ zu Recht in Frage stellt, ihre Lines dabei aber wenig überzeugend an den Mann bringt. Daheim hingegen geht es schauspielerisch durchwachsen und somit gelungener zu, leider bleibt es inhaltlich so peinlich wie oft gesehen: Eine Bärenfalle wird nicht nur dramatisch offensichtlich platziert, sondern gar mit einem Pseudo-Jumpscare versehen, unser Killer war natürlich im Irak und hat dort das Töten lieben gelernt und einen an der Klatsche, mehr noch, religiöse Untertöne und wenig ratsame Ideen konservativer Erziehungsmethoden („My daddy would’ve taken the belt to them!“) gesellen sich schnell dazu, ein Abziehbild des sadistischen Unholds zu erstellen. Doch während ich bei „Get In“ auf Maskulinitätsideale und deren Konstruktion bzw. Rollenerwartung gestoßen bin, so täte ich auch „Daddy’s Girl“, dessen psychosexuelle Komponente gerade im Torture/Horror-Bereich, schon im Titel steht, Unrecht, ihn nur als stumpfen, unmotivierten Horror abzutun – nein denn es scheint, als sei Motivation da. Doch nach der eingangs schon erwähnten, bisherigen Filmographie und somit Vorerfahrung unseres Regisseurs kann ich mir die verwässerten, vagen und nie wirklich hervorgearbeiteten Symbole bzw. Themen von Feminismus und Unterdrückung, Macho- Attitüden und auch Sympathie des Zuschauers für bzw. gegen eben jene, nur damit erklären, dass hier allzu subtil gearbeitet werden sollte.
 
 
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Für eine „zweite Ebene“ reicht das nämlich leider nicht, wenn eine selbstbestimmte Barkeeperin dem ekelhaft ranmachendem Kunden einen Drink ins Gesicht schüttet und damit bei der gepeinigten Protagonistin ankommt, die Tochter unseres Killers bemüht ist, seinen Opfern den Freitod zu gewähren oder, am schlimmsten, John immer wieder pseudocoole One-Liner in den Mund gelegt werden, die ikonisch und schwarzhumorig und böse sein sollen, aber leider nur nerven. Als hätte jemand den sehr guten und in der Tat charismatisch-zynischen Killer aus „Wolf Creek“ gesehen und gedacht, ein „Welcome to Hell“ hier und ein erzwungen peinlicher Monolog über sich fortpflanzende Katzen dort, schon ist die nächste Ikone im Antagonisten- Bereich geschaffen, doch der fette Akzent ist eher peinlich und für einen Antihelden fehlt auch einfach die Ausstrahlung. „Witze“ über die Abgeschiedenheit des Ortes á la „No one can even hear you“, haha, versteht ihr, weil sie zu Tode gefoltert wird, nicht weil sie Sex haben werden, haha, sind da leider noch das Highlight, zusammen mit einigen passablen Aufnahmen. Aber selbst denen fehlt es leider an Charakter – ein 5/10er-Film mit Standardstory kann bei mir immer noch teils ungerechtfertigt viele Punkte kriegen, einfach wenn er (audio)visuell überzeugt, aber „Daddy’s Girl“ hat leider ein einschläferndes colourgrading, keine herausstechenden Sets oder liebevollen Farben, keine ikonischen Kostüme und scheint bemüht, den Kopf des Horrorfans möglichst schnell wieder zu verlassen.
 
 
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Nachdem „Annie“ ein recht hübsches Alternative-Girl, nämlich auch aus der Bar mitgenommen und ohne Schauwerte, wenn auch erstmalig mit durchaus beklemmend- unangenehmer Folteratmosphäre, umgebracht wurde, realisiert man ggf. dass man schon etwa eine halbe Stunde mit diesem Film verbracht hat, der dank seiner extremen Kürze nun nur noch 45 Min Zeit hat, um zu beeindrucken. Wirklich gelingen, so viel kann ich vorweg nehmen, tut das nicht mehr – auch nach etwa der Hälfte des Films ist kein wirklicher Fortschritt zu finden, was Settings, Spannungsbogen oder Charaktertiefe angeht, irgendwann, etwas peinliches Photoshop und repetitive Szenen überstanden, glaubt dann aber auch endlich der Sheriff selber seiner Kollegin, recherchiert und – welch Überraschung doch, wir Zuschauer wissen das seit des Titels bereits – findet heraus, dass „Daddy’s Girl“ halt wirklich Daddy’s Girl ist, und nicht Daddy’s Wife. Etwas soundtrackloses, ungezeigtes Kettensägengeschnibbele hier, einen lauten Jumpscare dort, dann sind wir auch schon bei den letzten 25 Minuten angekommen und unser bärtiger Serienkiller-Veteran Inzest-Vater offenbart sich natürlich noch als karikiert ausrastender Choleriker. Beim Einkaufen trifft der Deputy in einer wenig spannende Szene auf die beiden, bietet direkt seine Hilfe an, wird zurückgewiesen. Töchterlein warnt das nächste, aufgegabelte Opfer noch vor ihrem Schicksal, wird aber nicht ernst genommen. Und nun sind wir auch schon bei der 60-Minuten-Marke, der Deputy folgt unserem Dreiergespann viel zu nah auf einer viel zu selten befahrenen Straße und die Bärenfalle steht auch immer noch im Garten, was wird nur passieren?!
 
 
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Puh, wo soll ich anfangen, bzw. wo soll ich aufhören? Mit der Nacherzählung hier und jetzt auf jeden Fall, denn sollte dieser Film überhaupt je jemanden gruseln oder Spannung empfinden lassen, ohne dass reine Enttäuschung einsetzt, dann in dieser viertel Stunde Finale, wenn man es bisher irgendwie geschafft hat, investiert zu sein. Das Zitat „Goddamn chickenshit pussy!“ ist noch schön und ja, sogar etwas Motivation für den Killer kriegen wir noch zugeworfen und die erste gelungene Wunde, der erste nette Effekt, ist hier auch versteckt. Doch nicht nur ist das Finale insgesamt so unfassbar stumpf, vorhersehbar und uninteressant, wie auch der gesamte Film vorher, nein, imo trifft er sogar noch eine ziemlich problematische bzw. unüberlegte Aussage über Trauma und den Umgang damit, da hier am Ende etwas Pseudocooles und Rockiges inszeniert wird, das im Endeffekt aber nur erzwungen, unrealistisch und vor Allem wenig erstrebenswert wirkt.
 
 
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DADDY’S GIRL – Fazit

 
 
3 Punkte Final
 
 
„Daddy’s Girl“ ist ein Film aus dem Charmevakuum, ein Script ohne jeden Herausstellungsfaktor, inszeniert ohne jeden eigenen Flair, unmotiviert, staubtrocken, tausendmal gesehen, langweilig, unspektakulär und ohne redeeming qualitites. Grauenhaft schlecht ist hier nichts, sehenswert aber auch nicht. Schwache 3/10.

 
 
 


 
 
 

DADDY’S GIRL – Zensur

 
 
 
DADDY’S GIRL hat von der FSK in ungeschnittener Form eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten. Das Label PIERROT LE FOU hat sich die Rechte geschnappt und wird den Film im Laufe des Jahres 2020 in seiner beliebten Mediabook-Reihe auswerten.
 
 
 


 
 
 

DADDY’S GIRL – Trailer

 
 


 
 
 

Dr. Barry Nyle

(Rechte für Abbildungen stammen von Zee Studios International | Seahorse Filmhouse)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Tödliches Spiel – Would you Rather? (2012)
 
Amusement (2008)
 
Live Feed – Alle zahlen den Preis (2006)
 

Filmkritik: „Why don’t you just die!“ (2018)

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WHY DON’T YOU JUST DIE!

(PAPA, SDOKHNI)

Story

 
 
 
Andrei, seines Zeichens bulliger, glatzköpfiger Cop, kriegt eines Tages Besuch von Matvey, einem jungen Mann der sich als Freund seiner Tochter vorstellt. Alles läuft gut, bis Matvey seine Waffe auf den Boden fällt und sich das ganze Apartment langsam blutrot färbt.

 
 
 


 
 
 

WHY DON’T YOU JUST DIE! – Kritik

 
 
Das Langfilmdebüt des russischen Regisseurs Kirill Sokolov beginnt mit dem passenden Zitat „Er erlebte nicht mehr, wer als Sieger hervorging“, wirft einen danach direkt ins Geschehen – etwa sechs Charaktere sollen wir vorgestellt bekommen in den folgenden fast 100 Minuten und drei davon stehen bzw. sitzen sich nach kurzer Zeit bereits gegenüber, mit Hammer in der Hinterhand, intensivierenden Zooms, komödiantischen Brüchen durch „Wuusch“- Geräusche bei eben jenen Einstellungen, Anspannung liegt in der Luft bevor man überhaupt weiß was genau los ist, immer wieder klingt ein fast schon irritierend moderner, aber bestens funktionierender Trap-Beat an, der sich langsam aufbaut, einsetzt, aufhört…wieder einsetzt – und dann in die Vollen geht. Ebenso nun auch der Film, der nämlich erst 13 Minuten lang die Ausgangssituation, comichaft-rabiate Tonalität des Films und die Charaktere vorführt, bevor die blutrote Titlecard ins Bild geknallt kommt und man reichlich aufgeregt, grinsend, gespannt in die restlichen 80 Minuten startet – bis dahin gab es nämlich bereits schmerzhaft gebrochene Knochen, realistisch anmutende Blutspritzer und reichlich Rätselspannung bezüglich des Plots.
 
 
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Der Einstieg macht es einem also wirklich leicht, dieses Werk zu mögen, allein schon weil nach dem Intro dauerhaft die Frage über dem Vergnügen schwebt, wie eine solch deftige Konfrontation wohl wirken muss, wenn man später richtig investiert in die Charaktere ist, mitfiebert, dem Protagonisten das Beste wünscht. Bevor sich diese Frage beantworten lässt, kommt nun aber die erwartete Backstory, Entschleunigung und Erklärung der Charaktermotivationen – und auch hier, im ersten Kapitel , „Matvei“ das den jungen Hammerträger und Protagonisten unserer Odyssee als erstes in den Fokus rückt, fallen schicke mehrfarbig beleuchtete Sets, optisch ansprechende Winkel und gut gerahmte Einstellungen auf, die zusammen mit einer wunderbar zwischen epischer Orchesterscore, Westernsoundtrack und Trapbeat tänzelnder Untermalung, einen ziemlich professionellen Eindruck hinterlassen, in ihrer Ironisierung (und Anzahl nackter Füße!) an Tarantino anmahnen und gerade mit dem Budget von umgerechnet 600.000€ im Hinterkopf durchaus beeindrucken.
 
 
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Doch der Film weiß um seine Fokussetzung und auch, dass das eigentliche Spektakel im hier und jetzt und nicht im Flashback versteckt sein sollte, weshalb wir nie zu lange in der Vergangenheit verweilen, sondern zügig und kurzweilig zur nächsten erbarmungslosen Situation gezerrt werden, die sich diesmal gewalttechnisch noch weniger zurückhält, auf wunderbar widerliche Ekel-Comedy setzt, ohne zum Selbstzweck zu verkommen oder die Spannung zu vergessen und immer wieder mit kreativen Inserts, albernen Soundeffekten und einem schmissigen Soundtrack versehen ist. Meine Assoziationen reichten hierbei vom Indie-Hit „Motivational Growth“ bis hin zum frechen Humor von „Hardcore Henry“, doch dann kommt auch schon das launige Synthesizer-Intro für Kapitel 2 und ein Kollege des zu ermordenden Familienvaters und Polizisten wird vorgestellt, die Story um eine weitere Facette bzw. Perspektive zu erweitern…
 
 
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Wer durch überschwänglich hypende Kritiken diverser Festivalhits in der Vergangenheit ähnlich sensibilisiert wurde wie ich, dürfte gerade bei Produktionen mit weniger Budget erst einmal vorsichtig sein, was Erwartungshaltungen angeht, denn der brutalsten russische Film seit 20 Jahren, wie laut Interview mit dem Regisseur wohl eine Pressestimme meinte, ist der Streifen allein aufgrund von „Hardcore Henry“ mitnichten, auch würd ich genretechnisch keinesfalls von einem Actionfilm reden, als reiner Splatterfan wäre ich vermutlich auch enttäuscht.
 
 
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Doch es liegt an der kreativen Inszenierung, an der Stärke der tief schwarzhumorigen bis dramatischen, gallig-realistischen, dann wieder total comichaft-überzogenen Tonalität der Geschichte und ja, tatsächlich auch an der herausragenden Besetzung von Vitaliy Khaev als glatzköpfigen, grobschlächtigen Alptraum-Stiefvater und Wrestling-Endgegner, dass dieser Wohnzimmer-Western, der im späteren Verlauf allerdings noch mit weiteren gelungen eingerichteten Sets außerhalb der Wohnung beeindrucken kann, nicht nur funktioniert und seine 93 Minuten Laufzeit überlebt, sondern gar aktiv motiviert und Spaß macht. Zugegeben, der Film hätte etwas kürzer sein können, eine Spur unberechenbarer vielleicht noch, grindhousiger wenn man eh schon die Splatstick-Route mit sehr ernsten Thematiken vermischt, noch etwas actionlastiger und brutaler – doch wir reden hier von den Ansprüchen an eine 10/10-Partyknaller-Kanone, ein sehr guter Film mit Herzblut, erfrischend arschtretender Energie und vielen witzigen Szenen ist auf jeden Fall rausgekommen, ein derber Film mit beinharten Sprüchen, ohne Rücksicht auf Verluste und unverschämt gut aussehend noch dazu. Dicke Empfehlung!
 
 


 
 
 

WHY DON’T YOU JUST DIE! – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
„Why don’t you just die“ geht öfter vom Gaspedal runter als man vielleicht denkt und liefert keine Splattermassaker, doch wer kurzweilige, rabiate, freche, brutale, schwarze Comedy mit einigen blutigen, witzig choreographierten Auseinandersetzungen und federleicht editierter, trotzdem schmerzender Eskalation sehen will, sollte unbedingt zugreifen!
 
 


 
 
 

WHY DON’T YOU JUST DIE! – Zensur

 
 
 
„Why don’t you just die“ hat von der FSK eine Erwachsenenfreigabe erhalten. Auf der erhältlichen Heimkinoauswertung befindet sich ein roter FSK-Flatschen. Der ist wegen der vielen blutigen Schauwerte auch gerechtfertigt. Wichtig für Horrorfilmfans: die deutsche Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

WHY DON’T YOU JUST DIE! – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Pierrot Le Fou (KeepCase)

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(c) Pierrot Le Fou (limitiertes Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Papa, sdokhni; Russland 2018

Genre: Horror, Thriller, Action, Komödie, Splatter

Ton: Deutsch DTS HD MA 5.1, Russisch DTS HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35.1 (1080p)

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover | Mediabook

Extras: Kurzfilme von Kirill Sokolov, Q&A-Talk mit Kirill Sokolov, Trailer | Zusätzlich im Mediabook: Booklet inkl. russischem Schimpfwörterbuch, Plakat

Release-Termin: KeepCase | Mediabook: 27.03.2020

 

Why Don’t You Just Die! [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Why Don’t You Just Die! [Blu-ray + DVD im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

WHY DON’T YOU JUST DIE! – Trailer

 
 


 
 
 

Dr. Barry Nyle

(Rechte für Grafiken liegen bei Pierrot Le Fou)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Guest House Paradiso (1999)
 
Botched – Voll verkackt! (2007)
 
Fresh Meat (2012)
 
Come to Daddy (2019)
 

Filmkritik: „Open 24 Hours“ (2018)

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OPEN 24 HOURS

Story

 
 
 

Wenn sich psychologischer Horror ganz überraschend in einem Blutbad entlädt. Bei einer Nachtschicht in einer Tankstelle muss sich eine schwer traumatisierte Frau eigenen Ängste stellen.

 
 
 


 
 
 

OPEN 24 HOURS – Kritik

 
 
 
Tankstellen sind im Horror-Genre nicht selten Schauplatz des Schreckens. Sind sie in der Nähe, ist das Böse nicht weit. Offenbar ziehen abgelegene Zapfstellen die Bösewichte magisch an. Andererseits findet man darin gern auch schon mal Angestellte, die vor drohendem Unheil warnen. So gab es RHEA-M in dem Maschinen die Herrschaft übernommen hatten und sich Menschen in einer Tankstelle verschanzten. Aber auch in Schockern wie SPLINTER, HIGH TENSION oder dem TEXAS CHAINSAW MASSACRE spülten abgefuckte Benzinstationen ahnungslose Protagonisten direkt in die Hände des Bösen. Der Horrorfilm OPEN 24 HOURS macht sich auch die unheilvolle Atmosphäre von abgeschiedenen Zapfsäulen zunutze und bannt Albträume auf Zelluloid. Dabei herausgekommen ist gelungenes Angstkino mit gut dosierten Schocks, die es in sich haben. Da schauen wir genauer hin.
 
 
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Alles auf null. Denkt sich auch Mary White (VANESSA GRASSE aus LEATHERFACE – THE SOURCE OF EVIL). Die wurde erst aus dem Gefängnis entlassen und ist nun auf Jobsuche. Ein Tankstellenbesitzer hat Erbarmen. Der sucht eine Kassierin, die auch mal nachts den Laden schmeißt. Für die attraktive Mittzwanzigerin ein Hoffnungsschimmer wieder den Fuß ins richtige Leben zu bekommen. Die nimmt an und hat auch gleich den ersten Arbeitstag. Der gestaltet sich aber komplizierter als gedacht, denn die Vergangenheit holt Mary wieder ein. Vor einigen Jahren hat sie nämlich ihren Boyfriend (COLE VIGUE aus THE UNSPOKEN) ins Handwerk gefuscht. Der war ein berüchtigter Frauenmörder und zwang unsere Heldin dazu die grausamen Taten mit anzusehen. Letztere hielt die Psychofolter nicht mehr aus, zündete das Haus an und der schlafende Ex erlitt schwere Verbrennungen. Offenbar fordert der nun Rache. So ziehen bald unheimliche Schatten um den neuen Arbeitsplatz. Alles nur Einbildung oder passiert das in real? So wirklich sicher ist sich die traumatisierte Mary da bald nicht mehr.
 
 
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OPEN 24 HOURS ist ein Mix aus Psychothriller, Stalker-Horror und Slasher, der vor allen handwerklich vieles richtig macht. Der Film ist zwar günstiger Indie-Horror, schaut aber hochwertig aus. Da scheint jemand mit Erfahrung am Werk gewesen zu sein. In der Tat zeichnet jemand verantwortlich, der sich im Genre gut auskennt und einen hervorragenden Riecher hat, wie er Horrorfilme möglichst unterhaltsam für sein Publikum aufbereiten muss. PADRAIG REYNOLDS nennt sich der Gute, der bereits so Horrorstoff wie RITES OF SPRING, DARK LIGHT oder THE DEVIL’S DOLLS auf Zelluloid gebannt hat. Das war solides Genre-Handwerk, das zumindest kurzweilig Gänsehaut bescheren konnte. OPEN 24 HOURS macht da keine Ausnahme, vermeidet Umwege und versucht den Zuschauer mit Verwirrungstaktik zu vernebeln. Das Ergebnis ist konventioneller Horror, der mit der Erwartungshaltung spielt, ohne zu sehr zu überfordern aber stets spannend bleibt.
 
 
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Regisseur PADRAIG REYNOLDS hat offenbar gelernt, wie man Spannung erzeugt und welche Regeln beim Inszenieren von Horrorfilmen beachtet werden müssen. Zu den wichtigsten gehört eine zugängliche Heldin. In Schauspielerin VANESSA GRASSE hat er sie gefunden. Die verkörpert hier eine labile junge Frau, die den erlebten Albtraum immer und immer wieder durchmachen muss. Erst sind es mysteriöse Telefonanrufe und gruselige Kunden, die am Nervenkostüm nagen und die Vergangenheit zurück ins Gedächtnis holen. Später kommen ungemütliche Halluzinationen und grausame Rückblenden dazu, die am eigenen Verstand zweifeln lassen. Filmemacher PADRAIG REYNOLDS will seine Protagonistin einfach nicht zu Ruhe kommen lassen und treibt sie immer weiter in den Wahnsinn. Das macht sich auch am Film selbst bemerkbar. Der verändert seinen Ton, je näher er der Zielgerade entgegenfiebert. Da wird aus psychologischem Grauen plötzlich bluttriefender Horror, der gut und gern auch mal den Vorschlaghammer schwingen lässt. Zartbesaitete Zuschauer zucken hier zurecht zusammen, denn der abrupte Richtungswechsel kommt ganz unvorbereitet. Daher von uns an dieser Stelle eine Warnung. Wer glaubt, dass OPEN 24 HOURS den anfänglichen Kopf-Horror bis zum Ende durchzieht, irrt gewaltig.
 
 
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OPEN 24 HOURS – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Ein wendungsreicher und kompromissloser Horror-Schocker, der von seiner Heldin ziemlich viel abverlangt. Mit den Filmen aus der Werkstatt von PADRAIG REYNOLDS macht man nichts falsch. Das sind kleine Horrorfilme, die man sich an einem Sonntagabend anschauen kann, ohne zu sehr enttäuscht zu werden. Einer derer: OPEN 24 HOURS. Hierbei hält man Psycho-Horror in den Händen, der gekonnt versucht zu manipulieren. Kernthema des Films ist es herauszubekommen, was tatsächlich passiert oder nur dem Geist eines traumatisierten Mädchens entspringt. Sind die Ereignisse im Film Einbildung und Folgen eines schwerwiegenden Traumas? Oder ist hier wirklich ein Killer am Werk, der unserer Heldin eine Lektion erteilen will? Genau das gilt es herauszufinden. Wie des Pudels Kern ergründet wird, ist ohne Zweifel spannend. Da verzeiht man Regisseur PADRAIG REYNOLDS gern, dass der es im Finale mit Wendungen übertreibt und einige Logiklücken übersehen hat.
 
 
 


 
 
 

OPEN 24 HOURS – Zensur

 
 
 
In der zweiten Filmhälfte von OPEN 24 HOURS bekommt man einige Gewaltszenen vor die Linse. Es wird ein Kopf mit einem Vorschlaghammer zermatscht, Stichwunden sind zu sehen und blutige Kopfschüsse runden den Gewaltcocktail ab. Hierzulande passt das alles für eine Freigabe mit rotem FSK-Sticker. In Deutschland wird der Film über I-ON NEW MEDIA im Laufe des Jahres 2020 veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

OPEN 24 HOURS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Spotlight Pictures | I-On New Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast (1997)
 
Ich weiß noch immer, was du letzten Sommer getan hast (1998)
 
ATM – Tödliche Falle (2012)
 
The Night before Halloween (2013)
 

Filmkritik: „Antiviral“ (2012)

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ANTIVIRAL

Story

 
 
 
Syd March ist Mitarbeiter der Lucas Clinic, die die infizierten Zellen von Promis an ihre Fans verkauft. Als er eines Tages die Vorschriften ignoriert, wird er bald Teil eines tödlichen Geheimnisses.

 
 
 


 
 
 

ANTIVIRAL – Kritik

 
 
Da ich nach kultig-einmaligen und sehenswerten Glanzstücken wie „Videodrome“ und gerade „The Brood“, gepackt mit furchterregendem Body-Horror und beißender Gesellschaftskritik, definitiv zum David Cronenberg-Fan geworden bin, war ich mehr als nur neugierig zu erfahren, was Sohnemann Brandon wohl in seinem Debüt gezaubert hat, dessen Prämisse und Setting bereits an die Regiewurzeln anmahnen: Krankheiten und ihre Viren stehen im Fokus, Fetischisierung und Ikonisierung von Stars werden auf ein galliges Maximum getrieben. Zusammen mit einer steril-durchstilisierten Umgebung und einem tragendem Hauptdarsteller also alles nicht fernab von einer Black Mirror-Folge – bis auf die Laufzeit.
 
 
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Und somit ist mein Gesamteindruck auch leider schon recht präzise wiedergegeben – gerade für ein Debüt hat Cronenberg hier einen optisch sehr versierten Film geschaffen, dessen Setdesigns Spaß machen und Cast nahezu durchgängig überzeugen kann – doch statt sich 100 Minuten lang selber zu beobachten und die in Reihung dann leider doch zu ähnlichen Bilder mit langsamen Pace durch zu exerzieren, wäre es vielleicht weiser gewesen, wahlweise sympathische Charaktere, oder zumindest Kurzweil durch Genreeinlagen zu verwenden – so aber ist „Antiviral“ genauso kalt und leer wie seine Optik und das kann man als Stilvollendung auf Metaebene und Vorhalten des Zuschauers begreifen, aber vielleicht auch eher als Script, das eine gute Kernidee hat, diese aber nicht ausarbeiten weiß.
 
 
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David Cronenberg hat oft von Außenseitern erzählt, von Exzentrikern und Ausgestoßenen, noch öfter aber von solchen, die es wurden – diese menschliche Seite fehlt dem unangenehm und grandios von Caleb Landry Jones gespieltem Hauptdarsteller aber leider, und auch sonst bleiben die Charaktere oftmals funktional, für das Script clever oder ominös oder für die Szene interessant genug, im Kopf bleiben oder für weitere Mysterien sorgen tun sie aber nicht. Allgemein werden die reizvolle Prämisse und das Worldbuilding fast nur auf die Lucas Klinik und wenige weitere Orte angewendet, von einer größeren, lebendigen Welt mit Eigenmechanik fehlt leider jede Spur – ein weiterer Kritikpunkt, der bei einem Einstünder nicht weiter auffiel, auf 100 Minuten gestreckt jedoch leider schon.
 
 
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Body-Horror-Effekte, gorige Einlagen oder furchterregende Momente sind bei einem solchen Setting und stetiger Anwesenheit von Patienten natürlich naheliegend, doch auch hier sollte man den Vornamen und nicht nur „Cronenberg“ lesen, da die genannten Einlagen zwar funktionieren, eine Wirkung erzielen und auch ordentlich getrickst sind, die Gewalt oder Ideen derer nur leider nicht nahe gehen oder wirklich verstören, da, erneut, die Charaktere bzw. Umstände nicht fesselnd genug, menschlich genug, nachvollziehbar genug geschrieben sind, um wirklich zu kümmern. Es bleibt ein sehr ambitionierter Film mit einer hervorragenden Grundidee, gelungener Regie und einer starken Hauptperformance, der nur leider nie das volle Potential seiner Ideen herauskitzeln kann und optisch auf höchstem Niveau gepflegt begeistert, einlullt, langweilt. Definitiv einmalig sehenswert und interessant, aber keine Großtat für das Genre sozialkritischen Bodyhorrors.
 
 
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ANTIVIRAL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
„Antiviral“ schafft es bestens, eine spannende Prämisse aufzubauen und in seine Welt zu ziehen, inszeniert Gräueltaten und Ungeheuerliches routiniert als Alltag und hat sehenswerte Elemente in sich, als Gesamtwerk aber leider zu leer, aufgeblasen und kalt für meinen Geschmack.
 
 


 
 
 

ANTIVIRAL – Zensur

 
 
 
„Antiviral“ hat von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren in der ungeschnittenen Form erhalten. Diese ist auch gerechtfertigt. Body-Horror-Fans können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

ANTIVIRAL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Busch Media Group (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Antiviral; Kanada 2012

Genre: Horror, Thriller, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 107 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 19.10.2018

 

Antiviral [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

ANTIVIRAL – Trailer

 
 


 
 
 

Dr. Barry Nyle

(Rechte für Grafiken liegen bei Busch Media Group)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
eXistenZ (1999)
 
Replace (2017)
 

Filmkritik: „Fright Fest“ (2018)

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FRIGHT FEST

(AMERICAN FRIGHT FEST)

Story

 
 
 

Zwei entlaufende Psychopathen machen sich auf zu einer verlassenen Psychiatrie, die soeben in eine Halloween-Attraktion umfunktioniert wird. Was die dort wollen, kann man sich ausmalen.

 
 
 


 
 
 

FRIGHT FEST – Kritik

 
 
 
Willkommen zu einer weiteren Horror-Produktion, die meint, dass die zugrunde liegende Idee zum Film neu und innovativ sei. FRIGHT FEST gehört zu dieser Art Streifen, die wir in letzter Zeit so ziemlich oft hier auf FILMCHECKER besprochen haben. In diesen Filmen werden meist Häuser, Scheunen und verlassenen Krankenhäuser in Spukattraktionen umfunktioniert, die mutige Besucher an Halloween das Fürchten lehren sollen. Doch der Spaß ist nicht von langer Dauer. In der Regel mischt sich unbemerkt ein Killer unter die Gäste und richtet ein Blutbad an. Weil innerhalb der Spukhäuser geschrien und gerannt wird, bemerkt niemand, dass einige Leichen nicht aus Latex, sondern echt sind. Das sorgt für manch spaßigen Moment – vor allem auch deshalb, weil Gäste über blutige Gewaltspäße applaudieren, ohne zu ahnen, dass vor ihren Augen soeben ein Mensch abgeschlachtet wird. Ein Running Gag, der im Falle von FRIGHT FEST etwas zu häufig eingesetzt wird. Irgendwann ist’s nicht mehr lustig – interessiert aber Regisseur ANTE NOVAKOVIC wenig. Der zieht sein Ding durch, kümmert sich nicht um die Belange seines Publikums und liefert DEN Horror-Schnarcher des Jahres 2018 ab. So etwas muss man erst mal schaffen.
 
 
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In der Kleinstadt Sommerton, Pennsylvania versucht ein Bürgermeister verzweifelt einen Weg zu finden, Stimmen für die Wiederwahl zu gewinnen. Da kommt er auf eine ganz besondere Idee. Er macht aus einer verlassenen Irrenanstalt eine aufwendige Halloween-Attraktion in der man sich mal wieder so richtig erschrecken lassen kann. Hierbei soll ein ehemaliger Regisseur schauriger Horrorfilme die Leitung übernehmen. Doch Spencer Crowe (DYLAN WALSH) ist schon lange aus der Übung und hatte seit vier Jahren keinen bezahlten Auftritt mehr. Nicht ohne Grund. Alkohol nennt sich der neue beste Freund, der den einst gefeierten Filmemacher in so manch prekäre Situation gebracht hat. Die lässt auch in FRIGHT FEST nicht lang auf sich warten. Im Suff streift Crowe einen Transporter, baut einen Unfall und begeht Fahrerflucht. Doch die Strafe folgt auf dem Fuß. Bei den Insassen des gerammten Transporters handelt es sich um gefährliche Häftlinge, die aus dem Unfallwagen entkommen können und sich nun den Weg in die Freiheit bahnen. Ihr Ziel: genau jene Anstalt, die soeben als Geisterbahn umfunktioniert wurde, um darin zahlungswillige Gäste zu erschrecken. Da wird aus hausgemachtem Horror plötzlich blutiger Ernst. Einer der flüchtenden Kriminellen ist nämlich besonders krank im Kopf. Der liebt das Mordhandwerk und funktioniert die angesagte Gruselattraktion in ein Schlachthaus um.
 
 
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Indie-Slasher ohne Überraschung, dem das Glanzstück gelingt knapp 90 Minuten ohne Spannung auszukommen. FRIGHT FEST – der im Original übrigens AMERICAN FRIGHT FEST heißt – hat natürlich nichts mit dem gleichnamigen Filmfest zu tun, das alljährlich in Großbritannien veranstaltet wird, damit sich Fans des düsteren Genres ultraneues Horror-Material anschauen können. Vielmehr tritt der Streifen in die Fußstapfen von so Meuchelware wie HALLOWEEN HAUNT, HELL FEST, THE FUNHOUSE MASSACRE oder BLOOD FEST – um nur einige zu nennen. Die sind aus gleichem Holz geschnitzt und lassen Killer auf Menschen los, die einfach an Halloween etwas Spaß haben wollten. Nicht alle genannten Filme waren sehenswert. Dennoch bewegen sich die erwähnten qualitativ immer noch in Sphären, die FRIGHT FEST zu keiner Minute erreicht. Dabei ist das große Problem dieses Slashers die Tatsache, dass er im Grunde genommen all das falsch macht, was bisher so viele Regisseure beim Inszenieren von Schlitzer-Filmen falschgemacht haben. Dazu gehört vor allem die permanente Einfallslosigkeit mit der FRIGHT FEST den Zuschauer quält.
 
 
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So laufen die Geschehnisse nach bekanntem Schema ab. Ein Killer bringt diverse Menschen um die Ecke, bis dem Bösewicht Konter gegeben wird. Im Falle von FRIGHT FEST problematisch, weil es keine Identifikationsfiguren gibt. Stattdessen sollen stereotype Charaktere das Publikum durch den Film führen. Der Zuschauer dürfte den Figuren aber nicht folgen wollen. Die verhalten sich nicht nur dämlich, sondern wirken auch noch oberflächlich, nervend und unsympathisch. Somit bleibt deren Ableben – wie der Ausgang der Geschichte – im Grunde egal. Der Todesstoß für einen Horrorfilm und ein Armutszeugnis für jeden Regisseur. Letzterer schimpft sich ANTE NOVAKOVIC und ist vielseitig in der Filmbranche unterwegs. Der verdient sich sein Lohn und Brot als Schauspieler, Produzent und Drehbuchschreiber. Haupteinnahmequelle waren bis vor einigen Jahren aber noch diverse Assistenten-Tätigkeiten in sogar hochkarätigen Hollywood-Blockbustern. Darunter: MIAMI VICE, KILL THE BOSS oder EYES WIDE SHUT. Vielleicht hätte er es beim Assistieren belassen sollen. So wären uns weitere miserable Horrorfilme erspart geblieben.
 
 
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FRIGHT FEST – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
FRIGHT FEST ist ein beliebiger Geisterbahn-Slasher, der mit das Langweiligste ist, was es aktuell an Meuchelfilmen zu kaufen gibt. Die Dialoge sind unterirdisch, der Look ist billig, die Figuren nerven und auf Spannung hat man gleich ganz verzichtet. Somit bleibt nur der Blutzoll über, der FRIGHT FEST Daseinsberechtigung attestieren könnte. Leider ist selbst der kaum der Rede wert und geht im Zuge harter Slasher wie LAID TO REST oder WRONG TURN vollkommen unter. Daher können wir keine Empfehlung aussprechen. Selbst alteingesessene Fans dieses Subgenres dürften mit FRIGHT FEST so gar keinen Spaß haben. Für die gibt es aktuell bessere Alternativen.
 
 
 


 
 
 

FRIGHT FEST – Zensur

 
 
 
FRIGHT FEST hat von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren in der ungeschnittenen Form erhalten. Wegen ein paar Werbefilmchen auf der Heimkinoveröffentlichung befindet sich auf dieser aber ein roter FSK-Flatschen. Sonderlich blutig ist der Slasher nicht. Daher ist die Freigabe gerechtfertig.
 
 
 


 
 
 

FRIGHT FEST – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) I-ON NEW MEDIA (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: American Fright Fest; USA 2018

Genre: Horror, Splatter, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Wegen Bonusmaterial ist Blu-ray FSK18

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Original Kinotrailer, weitere Trailer

Release-Termin: 31.01.2020

 

Fright Fest [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

FRIGHT FEST – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei I-ON NEW MEDIA)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bates Haunting – Das Morden geht weiter (2011)
 
Hell Fest (2018)
 
Lost After Dark (2014)
 
The Funhouse Massacre (2015)
 
Blood Fest (2018)
 
Halloween Haunt (2019)
 

Filmkritik: „Freaks – Sie sehen aus wie wir“ (2018)

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FREAKS – SIE SEHEN AUS WIE WIR

FREAKS

Story

 
 
 
Die siebenjährige Chloe muss die schmerzhafte Erfahrung machen, dass es außerhalb der eigenen vier Wänden alles andere als sicher ist.

 
 
 


 
 
 

FREAKS – Kritik

 
 
Wenn ein Film mit dem Titel FREAKS auf Blu-ray und DVD gepresst wird, stehen Filmfans nicht unbegründet die Haare zu Berge. Wurde hier etwa die Remake-Presse angeworfen? Im Fall dieser US-amerikanischen Produktion können wir aber Entwarnung geben. Hier halten wir keine Neuverfilmung des gleichnamigen Gruselklassikers von 1932 in den Händen. Stattdessen lockt man mit frischen Ideen und cleverer Erzählweise vom Ofen hervor. Das sah man auch auf einigen Filmfestivals so. FREAKS wurde als Überraschungshit in Toronto und Sitges gefeiert. Zu Recht, denn der Mix aus Science-Fiction, Horror und Drama ist nicht nur hoch spannend, sondern spielt auch noch virtuos mit der Unsicherheit des Publikums. Das klingt nach sehenswerter Gruselunterhaltung – und das ist sie auch.
 
 
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Sieben Jahre ist Chloe (LEXY KOLKER) jetzt alt und viel gesehen hat sie von der Welt noch nicht. Das hat auch seinen Grund, denn der Vater (EMILE HIRSCH aus THE AUTOPSY OF JANE DOE) hat sich zusammen mit dem Mädchen in einem heruntergekommenen Haus versteckt, wo er es vor der Außenwelt schützen will. Für Chloe unverständlich. Blickt die heimlich aus dem Fenster auf die Straße, kann sie keine Bedrohung entdecken. Doch das ändert sich schon bald. Als das Familienoberhaupt nach einem Einkauf verletzt nach Hause kommt, wächst der Widerstand zwischen den Familienmitgliedern und die Vater-Tochter-Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt. Chloe stellt Fragen und will endlich wissen, was draußen vor sich geht. Da nimmt sich der Vater ein Herz und klärt den Zögling auf. Mit erschreckenden Folgen.
 
 
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Schwer einen Film vorzustellen, der von seinem Twist lebt. FREAKS – SIE SEHEN AUS WIE WIR (so der erweiterte deutsche Titel) beginnt wie jedes postapokalyptische Weltuntergangsszenario. Wir sehen die Geschehnisse ausschließlich durch die Augen der kleinen Chloe. Die soll auf eine nicht näher erläuterte Katastrophe vorbereitet werden, wird aber – wie der Zuschauer auch – über Hintergründe im Unklaren gelassen. So sind Antworten bewusst Mangelware, um die Spannung zu steigern. Erst nach und nach wird Licht ins Dunkel gebracht und das anfangs noch als Kammerspiel konzipierte Mysterydrama gerät aus den Fugen. Da werden erste Anhaltspunkte verstreut und die kleine hervorragend gewählte Jungdarstellerin kann aus ihrem scheinbar sicherem Gefängnis ausbrechen. Aus Mystery und Drama wird Action und Thrill. Was folgt, ist ein ungewöhnlicher Trip auf der Suche nach der eigenen Identität, der vollgestopft wurde mit interessanten Wendungen, die aus FREAKS eine überraschend kurzweilige Angelegenheit machen.
 
 
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Interessanterweise wurde der souverän verfilmte FREAKS nicht von routinierten Filmemachern inszeniert. Hinter FREAKS stecken die zwei Freunde ADAM B. STEIN und ZACH LIPOVSKY. Letzterer drehte bereits die beiden durchwachsenen Horrorfilme DEAD RISING – WATCHTOWER sowie LEPRECHAUN: ORIGINS und fungierte als Geldgeber für den Sci-Fi-Wackelfilm AFFLICTED. Die beiden Filmfans lernten sich bei Arbeiten an TV-Serien für die WALT DISNEY COMPANY kennen und stellten schnell fest, dass beide eine große Leidenschaft für Science-Fiction-Filme verbindet. Diese brachte man in einem gemeinsamen Drehbuch unter, das die Kumpels über mehrere Jahre schrieben und letztendlich mit kleinem Budget selbst verfilmten. Das Resultat ist für Newcomer-Verhältnisse mehr als solide. Was hier mit kleinem Budget über die Leinwand fegt, ist schon beachtlich. FREAKS schaut zu keiner Minute nach Low-Budget aus, was vor allem auch an den talentierten Schauspielern liegt. Nach diesem gelungenen Festivalhit kann man nur gespannt darauf sein, was das Duo als Nächstes auf die Leinwand bringen wird. Schenkt man dem Ende von FREAKS Glauben, wäre eine Fortsetzung möglich. Die würden vermutlich eingefleischte Horror- und Science-Fiction-Fans mehr als begrüßen.
 
 
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FREAKS – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Superspannender Genre-Mix, der nach deutlich mehr ausschaut, als er wohl gekostet hat. Was emotional und klaustrophobisch beginnt, verwandelt sich spätestens nach der Halbzeit in einen packenden Thriller mit jeder Menge Wendungen. FREAKS – SIE SEHEN AUS WIE WIR ist kein Film, den man sofort durchschaut. Das intelligente Drehbuch lässt den Zuschauer auf glühenden Kohlen sitzen und versorgt das Publikum nur häppchenweise mit Informationen. Eine raffinierte Hinhaltetaktik, die FREAKS weit mehr als gewöhnlich macht. Die letztendliche Auflösung macht Lust auf mehr und hält sich so einige Hintertürchen für (eine) mögliche Fortsetzung(en) offen. Unbedingt sehenswert!
 
 
 


 
 
 

FREAKS – Zensur

 
 
 
FREAKS – SIE SEHEN AUS WIE WIR ist keine Gewaltorgie. Erst in der zweiten Filmhälfte gibt es einige Tote zu sehen. Die Gewalt ist hierbei sehr reduziert. Meist blendet die Kamera weg. Hierzulande bekam der Streifen von der FSK eine Jugendfreigabe. Die deutsche Fassung besitzt einen blauen FSK16-Flatschen.
 
 
 


 
 
 

FREAKS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Freaks; Kanada | USA 2018

Genre: Thriller, Drama, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 105 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow, Behind the Scenes

Release-Termin: 31.01.2020

 

Freaks – Sie sehen aus wie wir [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

FREAKS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Brightburn – Son of Darkness (2019)
 
The Road (2009)
 
Chronicle – Wozu bist Du fähig? (2012)
 

Filmkritik: „Sant Martí“ (2018)

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SANT MARTÍ

Story

 
 
 

Einige Durchreisende erleben im ländlichen Katalonien die Hölle auf Erden.

 
 
 


 
 
 

SANT MARTÍ – Kritik

 
 
 
Barcelona, Madrid und Malaga – moderne Vorzeigestädte mitten in Spanien, die jährlich Millionen Besucher anlocken, um Spaniens Kultur entdecken zu können. Doch im Hinterland geht es weniger zivilisiert zu. Dort wo Menschen in einfachsten Verhältnissen hausen müssen und sich von der spanischen Regierung in Stich gelassen fühlen, herrscht ein rauer Ton. Hier trauen sich keine Touristen hin. Wenn doch, werden diese gejagt, gefoltert und zerteilt – zumindest, wenn es nach den Filmemachern DAVID C. RUIZ und ALBERT VALÈNCIA geht. Die haben mit dem ersten Spielfilm Schubladendenken auf Zelluloid gebannt und wollen mit Backwood-Horror im Genre Fuß fassen. Damit wären sie nicht die Ersten. Mittlerweile hat sich der Horrorfilm etabliert und vielen Regie-Newcomern zu interessanten Arbeiten im Filmgeschäft verholfen. Ob das auch den oben genannten Newcomern mit SANT MARTÍ gelingt?
 
 
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Ein Rockfestival. Das ist das Ziel zweier Freunde. Die können es kaum erwarten das Wochenende über durchzufeiern. Unterwegs gabelt man zwei attraktive Anhalterinnen auf, die ebenfalls zur gleichen Veranstaltung wollen. Doch das Glück meint es nicht gut mit den jungen Leuten. Der Bus gibt den Geist auf und kommt in der Einöde zum Erliegen. Gott sei Dank bringt ein Einheimischer die Gestrandeten in einen kleinen Ort, der zurecht auf keiner Karte zu finden ist. Fluch oder Segen? Horrorfans wissen spätestens seit dem BLUTGERICHT IN TEXAS, dass mit verdorbenen Stadtmenschen in verschlafenen Ortschaften kurzer Prozess gemacht wird. In der Tat wartet der auch auf unsere Freunde. Die verhalten sich alles andere als ehrenwert und bringen sich so in große Gefahr.
 
 
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Atmosphärisch, düster und schmuddelig – aber weit hinter den Möglichkeiten. SANT MARTÍ ist der erste katalonische Backwood-Slasher überhaupt und orientiert sich in der Machart am Bay-Remake zum berüchtigten KETTENSÄGENMASSAKER von 2003. Das bedeutet: gammelige Häuser, dreckige Gassen und einfache Menschen, die fern der Zivilisation eigenen Gesetzen folgen. Eigentlich gute Voraussetzungen für ungemütliche Filmunterhaltung, zumal die Regisseure DAVID C. RUIZ und ALBERT VALÈNCIA penibel darauf achten, dass ihr Langfilmdebüt einen möglichst hochwertigen Eindruck hinterlässt. Leider folgt der ansprechend gefilmte Streifen zu verkrampft den vorhersehbaren Regeln des Hinterwäldler-Genres und lässt so kaum Raum für Neuerungen zu. Das bedeutet: hormongesteuerte Stadtmenschen geraten an ungebildete Leute vom Land, die natürlich im Hinterland nichts anderes kennen, als Durchreisende abzuschlachten. Ganz schön langweilig – vor allem auch deshalb, weil sich die Macher hinter SANT MARTÍ partout nichts einfallen lassen wollen, um irgendwie von bekannten Pfaden abzukommen. Die Folge: sattgesehene Verläufe, vorprogrammierte Klischees und austauschbare Stereotypen. Wer alle Teile der WRONG TURN-Serie und der TEXAS CHAINSAW MASSACRE-Reihe gesehen hat, dürfte sich schnell unterfordert fühlen.
 
 
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Worin SANT MARTÍ aber am meisten enttäuscht ist der Faktor Gewalt. Während in den letzten Filmen rund um Killer LEATHERFACE das Blut in Strömen floss und im Zuge der französischen Terrorwelle ein neues Kapitel in Sachen Filmgewalt aufgeschlagen wurden, macht SANT MARTÍ die sprichwörtliche Kehrtwende. Wer mit Backwood-Horror Aufmerksamkeit erregen möchte, sollte seine Figuren unmenschlich behandeln und möglichst lang leiden lassen. Da muss die Kamera allgegenwärtig sein und jede Grausamkeit detailliert festhalten. Regeln, die hätten dabei helfen können SANT MARTÍ zum neuen FRONTIER(S) zu machen. Doch die Macher DAVID C. RUIZ und ALBERT VALÈNCIA entscheiden sich – vermutlich auch des Budgets wegen – für eine seichtere Gangart. Das bedeutet, dass selten fiese Gewalteinlagen auf der Leinwand zelebriert werden. Stattdessen wird weggeblendet, wenn es ans Eingemachte geht. Eine Kamerafahrt über abgesägte Beine ist der Höhepunkt dieses spanischen Slasher-Flicks und macht den technisch souverän abhandelten SANT MARTÍ dann eher zu einem austauschbaren Horrorfilm über den Morgen schon niemand mehr sprechen wird. Schade!
 
 
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SANT MARTÍ – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Die katalonische Antwort auf Bays Remake zum legendären TEXAS CHAINSAW MASSACRE. SANT MARTÍ ist eine professionelle Produktion aus Spanien, die atmosphärisch gut vorlegt, aber inhaltlich nichts wagt. Das bedeutet, dass die Newcomer DAVID C. RUIZ und ALBERT VALÈNCIA weder frischen Wind in das mittlerweile angestaubte Backwood-Horror-Genre bringen, noch in Sachen Gewalt neue Maßstäbe setzen. Was folgt, ist Hinterwälder-Horror nach Schema F. Immerhin bringen einige überspitzte Anspielungen auf das ländliche Katalonien hin und wieder zum Schmunzeln. Muss man dennoch nicht unbedingt gesehen haben.
 
 
 


 
 
 

SANT MARTÍ – Zensur

 
 
 
SANT MARTÍ hält sich für einen Backwood-Slasher in Sachen Gewalt sehr zurück. Meist bekommt man nur das Resultat eines Mordes zu sehen oder die Kamera blendet weg, wenn es zu blutig wird. Das dürfte der hiesigen FSK gefallen. SANT MARTÍ dürfte in der ungeschnittenen Form einen roten FSK-Flatschen erhalten. Hierzulande hat sich das Label I-ON NEW MEDIA die Rechte für eine deutsche Auswertung gesichert.
 
 
 


 
 
 

SANT MARTÍ – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Black Mandala | I-ON NEW MEDIA)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
What the Waters Left Behind (2017)
 
Escape from Cannibal Farm (2017)
 
Leatherface – The Source of Evil (2017)
 
Inbred (2011)
 

Filmkritik: „Extracurricular“ (2018)

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EXTRACURRICULAR

Story

 
 
 

Ungewöhnlicher Abbau von Schulstress: Vier Teenager haben für sich das Morden als Hobby entdeckt. Leider geht während einer ihrer blutigen Streifzüge alles schief.


 
 
 


 
 
 

EXTRACURRICULAR – Kritik

 
 
 
Vor über zehn Jahren erschien mit THE STRANGERS einer der ungemütlichsten Home-Invasion-Streifen, die je gedreht wurden. Darin wurde ein Pärchen von drei maskierten Fremden ohne erkennbaren Grund in den eigenen Wänden terrorisiert und am Ende ermordet. Leider verzichtete Regisseur und Drehbuchautor BRYAN BERTINO auf eine Auflösung und gab weder Antworten zu Beweggründen der Mörder, noch äußerte er sich zu den Identitäten der Bösewichte. Doch was könnte die Killer genannten Horrorthrillers zu einer solch schrecklichen Tat getrieben haben? Ist es die Sucht am Quälen ahnungsloser Menschen gewesen oder einfach nur Hass? Eine Frage, die der folgende EXTRACURRICULAR beantworten könnte.
 
 
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Der zeigt ein derartiges Verbrechen aus einer anderen Sicht. Während man im Horrorfilm immer nur die Perspektive der ahnungslosen Opfer einnimmt und ihnen beim Schreien, Flüchten und Sterben beiwohnt, folgte man in EXTRACURRICULAR den Tätern. Denen schaut man hier beim Morden über die Schulter. Es sind Miriam, Derek, Ian und Jenny, die Vorzeigeschüler einer Highschool sind. In ihrer Freizeit frönen sie aber zweifelhaften Hobbys. Sie töten gern Menschen. Doch bevor sie die Gier nach Blut befriedigen können, bedarf es akribische Vorbereitungen. So benötigt man Zeit, bis das richtige Opfer gefunden wurde. Ist es in die Falle gegangen, werden genaue Pläne geschmiedet, wie die Tat ablaufen soll. Nur so kann man den Verdacht von sich lenken und rückt nicht in den Fokus polizeilicher Ermittlungen. Doch das ändert sich schon bald. Die neuen Opfer bereiten Probleme. Ein älteres Ehepaar lässt sich nicht in die Schranken weisen und gibt Konter. Ein großes Problem, das unsere vier Freunde nicht einkalkuliert haben. Die Folge: Alles läuft aus dem Ruder. Da werden aus Tätern plötzlich selbst Opfer.
 
 
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Interessante Sichtweise mit Startschwierigkeiten. EXTRACURRICULAR ist ein solider Schocker und erzählt Home-Invasion-Horror zur Abwechslung aus der Sicht der Mörder. Wäre da nicht der zähe Einstieg, der etwas zu viel Zeit in Charakterisierung und Verbrechensplanung investiert. Wir sehen wie vier nicht sympathische Abiturienten aus gutem Hause mörderische Fantasien in die Realität umsetzen wollen. Deren Alltag in der Schule wurde langweilig, weshalb ein Pakt geschlossen wurde, um eine Reihe perfekter Morde aufzuführen, bevor man aufs College geht. Die Suche nach dem nächsten Kick treibt die Jugendlichen dazu durch abgelegene Gegenden zu schleichen, um potenzielle Opfer für den ultimativen Kill ausfindig machen zu können. Sind die gefunden, werden die Taten im Schutze der Dunkelheit geplant. Grotesk, zumal zwischen all der bizarren Planungsarbeit auch noch Zeit für Liebelei, Identitätsfindung und etwas Coming of Age bleibt. Viel Halbstarken-Gepose und Schulhoftratsch. Das soll Horror sein? Ja das ist es, denn nach der Halbzeit wendet sich überraschend das Blatt. Schluss mit absurden Teenager-Ideen – jetzt wird es ernst. Da mutieren plötzlich hochintelligente Schüler zu gewissenlosen Psychopathen, die aus Mordgier nicht einmal mehr Respekt voreinander kennen. Sie spielen mit ihren Opfern und terrorisieren mit erschreckender Routine. Spätestens jetzt zieht EXTRACURRICULAR alle Register deftiger Horrorware.
 
 
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Regisseur RAY XUE ist im Filmgeschäft noch grün hinter den Ohren. Mit EXTRACURRICULAR hat er gerade mal den zweiten Langfilm inszeniert und man merkt dem Filmemacher auch die Unerfahrenheit an. So fällt es ihm in der ersten Filmhälfte sichtlich schwer, das Interesse des Zuschauers für sich zu gewinnen. Die Ereignisse plätschern unaufgeregt dahin und es will partout nichts passieren. Hinzukommt, dass den Zuschauer niemand abholen möchte und Figuren unnahbar wirken. Letzteres ist ein beliebter Fehler, den gern Filmemacher im Genrekino begehen. Ein jeder Horrorfilm fällt und steigt mit seinen Helden. Kann sich das Publikum mit ihnen nicht identifizieren, ist der Streifen zum Scheitern verurteilt. So ähnlich ergeht es auch EXTRACURRICULAR, dessen Antihelden kühl, blass und uninteressant bleiben.
 
 
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Was den kanadischen EXTRACURRICULAR aber vor dem Untergang rettet, ist der zweite Teil der Handlung. Da wird es hart, zumal Regisseur RAY XUE den Gewaltpart mit einem souveränen Tempo durchzieht, dass man meinen könnte, er habe zuvor mindestens zehn Filme der Gattung Home-Invasion abgedreht. Die Teenager quälen ihr Opfer und bekommen dafür einen blutigen Denkzettel verpasst. An Kunstblut wird nicht gespart. Aber das ist nicht alles. Unangenehme Spezialeffekte und eine bitterböse Pointe bilden den Höhepunkt dieser Indie-Produktion. Horrorfilmfans mit einer Leidenschaft für die härtere Gangart wird das mit Sicherheit gefallen.
 
 
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EXTRACURRICULAR – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Die Horror-Version von THE BREAKFAST CLUB, welche einmal mehr vor Augen führt, wie schwer es doch ist, ein Teenager zu sein. Ständiger Notendruck, unkontrollierbare Hormone und die sich abzeichnende Verantwortung des Erwachsenenalters, die aufzeigt, wie schrecklich die Welt wirklich ist. EXTRACURRICULAR erzählt die Geschichte von vier Teenagern, die einen ungewöhnlichen Weg finden, um all diese Teenager-Ängste abzubauen. Es ist die Lust am Töten – ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Skrupel und Moral. Entstanden ist ein durchwachsener Horrorthriller, der erst in der zweiten Filmhälfte interessant wird. Wirklich warm will man aber mit EXTRACURRICULAR nicht werden, was vor allem am unausgegorenen Drehbuch liegt, das irgendwie zu lang benötigt, um den richtigen Weg zu finden. Hinzukommt, dass sich das Skript weniger um die Figuren als viel mehr um deren Taten kümmert. Letztere haben es dafür aber in sich.
 
 
 


 
 
 

EXTRACURRICULAR – Zensur

 
 
 
Die zweite Hälfte von EXTRACURRICULAR ist ganz schön deftig. Da wird die Gewaltkeule geschwungen und ein paar blutige Morde werden auf der Mattscheibe gezeigt. Hier dürfte unklar sein, wie sich die FSK entscheiden wird. Für eine FSK16 zu deftig, für eine FSK18 zu wenig. Man darf gespannt sein. Wir denken aber, dass sich die Prüfbehörde für eine Erwachsenenfreigabe entscheiden wird, da hier die Morde von Minderjährigen ausgeführt werden, die aus Langeweile töten.
 
 
 


 
 
 

EXTRACURRICULAR – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Signature Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bad Kids of Crestview Academy (2017)
 
F – London Highschool-Massaker (2010)
 
Tormented (2009)
 
Don’t Hang Up (2016)
 
The Final – Nächste Stunde: Rache! (2010)
 

Filmkritik: „The Cannibal Club“ (2018)

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THE CANNIBAL CLUB

(O CLUBE DOS CANIBAIS)

Story

 
 
 
In „The Cannibal Club“ dient das Verspeisen von Menschen einem höheren Zweck, was ein Ehepaar trotzdem nicht daran hindert, sexuelle Lust daran zu verspüren.

 
 
 


 
 
 

THE CANNIBAL CLUB – Kritik

 
 
Dass Brasilien unter anderem ein großes Problem mit der Armut hat, sollte kein Geheimnis sein. Solche Missstände können Filmemacher gut nutzen, um Gesellschaftskritik in ihre Werke einzubauen und genau daran versucht sich auch „The Cannibal Club“. Dass der Film dabei jedoch zu wenig von dem bietet, was er ankündigt, wird mit der Zeit zu einem Problem und wird sicherlich nicht jedem Zuschauer schmecken.
 
 
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Otavio ist mit Gilda verheiratet und ein erfolgreicher Geschäftsmann. Außerdem ist Otavio Mitglied in einem ominösen Club, dessen Hintergründe jedoch eher schleierhaft bleiben. Auf jeden Fall geht es um Kannibalen, doch auch zu Hause, in ihrer Villa, weit abgelegen auf dem Land, betreiben Otavio und Gilda Gourmetspaß etwas anderer Art. Als Gilda eines Tages auf einer Feier etwas sieht, was nicht für ihre Augen bestimmt war, kommt es allerdings plötzlich zur Bedrohung.
Man kommt nicht drumherum den Kannibalen-Aspekt in die Handlung zu stecken, doch dabei entsteht sofort das Risiko falscher Erwartungen, denn um Kannibalen dreht es sich höchstens am Rande. Wirklich wichtig ist dieser Aspekt für die Story gar nicht, selbst wenn er die Grundprämisse vorgibt. Viel mehr geht es Regisseur und Drehbuchautor Guto Parente um Gesellschaftskritik und Brasilien bekommt schon sein Fett weg. Doch geschieht selbst dies eher auf subtiler Ebene und so fragt man sich als Zuschauer manchmal schon, was das ganze Szenario denn eigentlich bezweckt. Gute Ideen sind sicherlich vorhanden und selbst wenn „The Cannibal Club“ das Rad überhaupt nicht neu erfindet, wird er schon alleine durch seine andere Erzählweise einzigartig. Leider verliert Parente jedoch zu oft den Fokus und etwas geradliniger hätte das Drehbuch ruhig sein dürfen.
 
 
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Der Anfang wird den Erwartungen noch gerecht. Da gibt es gleich eine recht derbe Mischung aus Sex und Gewalt, die Lust auf mehr macht. Doch um Kannibalen dreht es sich danach kaum noch. Die Gewaltausbrüche kann man an einer Hand abzählen und die reichlich freizügigen Sexszenen ebenfalls. Beide Aspekte sind vorhanden, geben dem Horrorfan aber nicht das, was anfangs versprochen wird. Wobei man sowieso kaum von einem Horrorfilm sprechen kann. Im letzten Drittel fühlt man sich schon fast mehr wie in einer Art Thriller und dazwischen gibt es immer mal ein wenig Komödie. Wenn man Humor sucht, findet man diesen jedoch nur auf pechschwarzer Ebene. Die Mischung ist interessant, allerdings nicht ausgewogen. Es hat seinen Reiz, dass man als Zuschauer nie weiß, worauf man sich einstellen kann, doch mit der Zeit wirkt dieses Spiel etwas ermüdend. Obwohl die Laufzeit mit rund 80 Minuten (mit Abspann) sowieso schon ziemlich kurz ausgefallen ist, ergeben sich ein paar Längen, weil „The Cannibal Club“ einfach kein Tempo besitzt. Das ist zwar meistens immer noch erstaunlich unterhaltsam, besitzt jedoch kaum einen Mehrwert. Gerade weil die bissige Gesellschaftskritik eigentlich recht treffsicher ist, ist dies schade, denn hätte man mehr von ihr mitbekommen, würde der Film sicherlich länger im Gedächtnis verweilen.
 
 
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Aus handwerklicher Sicht gibt es an „The Cannibal Club“ nichts auszusetzen. Zwar fällt der Inszenierung nichts Besonderes ein und die Kamera-Arbeit bleibt etwas einfallslos, doch die hübschen Kulissen wissen zu überzeugen und selbst wenn alles etwas minimalistischer ausgefallen ist, so wirkt der Film stets hochwertig. Dazu gesellen sich gute Darstellerleistungen. Tavinho Teixeira spielt den harten Hund überzeugend und Ana Luiza Rios ist als seine Film-Ehefrau ebenfalls gut. Von diesen beiden Leistungen lebt der Film, denn alle anderen Rollen sind eher klein und nicht so wichtig. Doch auch hier enttäuscht niemand, selbst wenn manchmal ein wenig Overacting mit im Spiel ist. Dazu gibt es eine deutsche Synchronisation, die man sich zum Glück ganz gut anhören kann. Über mangelnde Abwechslung kann man sich auch eigentlich gar nicht beklagen, weil die Story immer wieder in eine andere Richtung geht. Zusätzlich gibt es dann eine kleine Schlusspointe, die vorhersehbar, aber im bösen Sinne ganz witzig ist. Dass man als Zuschauer trotzdem nie begeistert ist, liegt eben daran, dass man das gesamte Szenario noch viel bissiger, derber und krasser gestalten hätte können.
 
 
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THE CANNIBAL CLUB – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
„The Cannibal Club“ ist ein eigenwilliger Film, der am ehesten Gesellschaftskritik äußern möchte und dafür Sex und Gewalt in Aussicht stellt, davon im Endeffekt aber nicht genügend bietet, um den Zuschauer über die gesamte Laufzeit bei der Stange zu halten. Das Ergebnis ist nicht frei von Längen, aber immerhin einigermaßen kurzweilig, doch wenn der Abspann erscheint, fragt man sich schon ein wenig, was das alles denn nun sollte. Dank einer soliden Inszenierung, ein paar netten Schauwerten und guten Darstellern ist das auf jeden Fall sehenswert. Außerdem sind ein paar Ideen treffsicher und ein paar Szenen recht intensiv ausgefallen. Von einem Reinfall kann hier also absolut nicht die Rede sein, aber wenn man auch nur den Hauch falscher Erwartungen hat, kann eine Enttäuschung nicht ausgeschlossen werden!
 
 
 


 
 
 

THE CANNIBAL CLUB – Zensur

 
 
 
„The Cannibal Club“ hat von der FSK wegen einiger blutigen Szenen eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten. Diese Filmfassung ist wie bei der Deutschlandpremiere auf dem Fantasy Filmfest im Jahr 2018 vollkommen ungeschnitten. Fans gesellschaftskritischer Horrorschocker können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

THE CANNIBAL CLUB – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Donau Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: O Clube dos Canibais; Brasilien 2018

Genre: Horror, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Portugiesisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 81 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Behind the Scenes, Trailer

Release-Termin: 27.09.2019

 

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THE CANNIBAL CLUB – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei DONAU FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Society (1989)
 
We Are What We Are (2013)
 
Wir sind was wir sind (2010)
 

Filmkritik: „Luz“ (2018)

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LUZ

Story

 
 
 
In „Luz“ wird ein zufälliges Treffen auf eine Frau für Polizeipsychologe Dr. Rossini zu einer ominösen Angelegenheit, bei der dämonische Kräfte ihre Finger mit im Spiel haben.

 
 
 


 
 
 

LUZ – Kritik

 
 
Wenn es um Horrorkino aus deutschem Lande geht, dürfen die Erwartungen wohl nicht ganz unberechtigt erst mal gering sein, denn es gibt einfach wenig Genre-Ware in diesem Bereich, welche wirklich sehenswert wäre. Mit „LUZ“ gibt es da mal wieder eine Ausnahme. Es handelt sich hierbei um die Abschlussarbeit an der Kunsthochschule für Medien Köln von Tilman Singer und Dario Mendez Acosta. Eine Verbeugung vor dem Giallo sollte einen hier erwarten, einem Genre, welches in den 70er Jahren seine Höhepunkte erreichte, nach wie vor beliebt ist und ab und zu auch mal weitere Vertreter hinzu bekommt. Entstanden ist ein sehr eigenwilliger, schwer greifbarer Film, der die Meinungen absolut spalten wird, aber handwerklich wirklich hervorragend gestaltet wurde.
 
 
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Der Polizeipsychologe Dr. Rossini hat Bereitschaftsdienst und verbringt den Abend in einer Kneipe. Dort wird er sehr seltsam von einer fremden Frau angeflirtet, die etwas von einer Luz erzählt. Kurze Zeit später wird Dr. Rossini auch schon zum Einsatz gerufen, denn auf einer Wache befindet sich eine verletzte Frau namens Luz. Mehr braucht man über die Handlung auch gar nicht zu erwähnen, denn hinterher blickt man sowieso nicht mehr so richtig durch. Das Drehbuch dient eigentlich nur dem Zweck eine hochwertige Inszenierung darbieten zu können, denn die Story ist sehr dünn und vor allen Dingen wird hier auch kaum etwas aufgeklärt. Der Zuschauer wird am Ende nicht schlauer sein, als zuvor auch. Da geht es um Dämonen und Besessenheit, doch was das alles genau mit den Charakteren zu tun hat, erfährt man nicht und so bleiben am Ende mehr Fragen offen, als gelöst werden. Oftmals geht ein solches Vorgehen schief, doch bei „LUZ“ besitzt es seinen Reiz und die Handlung erscheint da sowieso als gar nicht so wichtig. Jedenfalls vermisst man keine Erklärungen. Genauso ergeht es der Figurenzeichnung, die es streng genommen gar nicht gibt. Die Charaktere bekommen keinen Hintergrund und werden nicht näher durchleuchtet. Sie sind einfach da, handeln und sprechen ihre Texte. Das ist gerade deshalb absolut ausreichend, weil dieses Werk sich auf seine verspielte, handwerkliche Arbeit verlassen kann, die alle anderen Zutaten so oder so in den Schatten stellt.
 
 
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„LUZ“ wurde auf 16mm gedreht und bekommt alleine dadurch optisch einen schön altmodischen Anstrich. Da passt es gut, dass der Film als Hommage an das Giallo-Kino gedacht ist. Viele der Zutaten, die stilprägend für den Giallo waren, sind vorhanden, eigentlich nur die brutalen Morde nicht, denn davon gibt es in „LUZ“ nichts zu sehen. Obwohl der Film ziemlich simpel gestaltet wurde, kann er aus handwerklicher Sicht begeistern. Es gibt quasi keinerlei Effekte, lediglich das Spiel mit etwas Kunstnebel, ein wenig Kunstblut und ein paar Lichtern und trotzdem sieht das in allerlei Hinsicht enorm hochwertig aus. Das liegt aber auch an der tollen Kameraarbeit. Oftmals gibt es enorm langsame Kamerafahrten, die fast schon den Eindruck eines Standbildes vermitteln. Dazu gesellt sich dann der Score, der hier sehr wichtig ist. Musik ist fast immer zu hören und sie begleitet das Geschehen äußerst atmosphärisch. Sowieso lässt sich bei „LUZ“ von einem audiovisuellen Kunstwerk sprechen, denn manchmal gibt es Dinge zu hören, die nicht zu sehen sind und dann wiederum gibt es Dinge zu sehen, die nicht zu hören sind. Dieses Spiel ist den Machern sehr gut gelungen und alleine dafür verdient es ein dickes Lob.
 
 
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Von einem klassischen Unterhaltungswert zu sprechen, ist bei diesem Film jedoch schwierig. Das Szenario beginnt schon höchst merkwürdig, doch anfangs lässt sich das alles noch halbwegs klar verfolgen. Hinterher verliert man als Zuschauer dann aber schon die Orientierung und lässt sich nur noch von Szenen berieseln, dessen Zusammenhang man nur erahnen kann. Der eine wird daran seine Freude haben, der andere wird das als Kunstmist betiteln. Fakt ist aber, dass die 70 Minuten Laufzeit ziemlich zügig vergehen. Laut Regisseur Tilman Singer war so eine Laufzeit anfangs gar nicht geplant und das Projekt wurde dann länger, als gedacht. Längen lassen sich aber keine feststellen, nur gibt es eben auch keinerlei Zutaten wie Action, Spannung oder Humor. Grusel entsteht ebenfalls nicht viel, wobei die Atmosphäre dennoch sehr dicht und wunderbar geheimnisvoll erscheint. Dass dies gelungen ist, liegt allerdings auch mit an den soliden Darstellern. Jan Bluthardt spielt seine Rolle mit einem Hang zum Psychopathen und Luana Vellis wirkt einfach authentisch. Es gibt noch zwei, drei Rollen mehr, die allesamt überzeugend ausfallen, aber viele Schauspieler gibt es hier nicht zu sehen.
 
 
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LUZ – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
„LUZ“ stellt das etwas andere Horrorkino aus Deutschland dar. Die Tatsache alleine, dass dieser Film aus Deutschland stammt, ist schon überraschend genug, denn eine Giallo-Hommage in dieser Qualität war nicht zu erwarten. Perfekt ist das Ergebnis keineswegs und jedem wird das absolut nicht gefallen. Wer viel Wert auf eine durchdachte Story, eine tiefere Figurenzeichnung, Spannung oder Action legt, dürfte mit „LUZ“ nicht viel anfangen können. Wer sich auf ein audiovisuelles Kunstwerk einlassen möchte, welches handwerklich stark gemacht wurde und mit ein paar simplen, aber effektiven Ideen daherkommt, der wird schon eher seine Freude haben. Optisch ist das hochwertig, die Inszenierung wirkt sehr gekonnt, der Score ist toll anzuhören und die Atmosphäre zieht einen durchaus in den Bann. Dazu gibt es gute Darsteller zu sehen und die Laufzeit ist mit 70 Minuten keineswegs zu hoch ausgefallen. Speziell, aber empfehlenswert!
 
 
 


 
 
 

LUZ – Zensur

 
 
 
„Luz“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung eine Freigabe ab 12 Jahren erthalten. Diese Freigabe ist gerechtfertigt. Wegen Bonusmaterial auf der Blu-ray besitzt diese aber einen FSK16-Flatschen. Horrorfilmfans und Sammler können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

LUZ – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Bildstörung (KeepCase im Schuber)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Luz; Deutschland 2018

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 68 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover im Schuber

Extras: Booklet, Zwei Kurzfilme von Tilman Singer, Audiokommentar von Regisseur Tilman Singer und Szenenbildner Dario Méndez Acosta, Making Of mit Interviews von Cast & Crew

Release-Termin: 27.09.2019

 

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LUZ – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Bildstörung)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Rabid – Der brüllende Tod (1977)
 
Amer (2009)
 
Aura (1992)