Filmkritik: „Blood Quantum“ (2019)

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BLOOD QUANTUM

Story

 
 
 
In „Blood Quantum“ gibt es eine weitere Zombie-Apokalypse zu sehen, nur mit dem Unterschied, dass dieses Mal Indianer immun gegen das Virus sind.

 
 
 


 
 
 

BLOOD QUANTUM – Kritik

 
 
Die Zombiefilm-Varianten hören wirklich nicht auf, aber es ist zur Abwechslung auch mal ganz schön, dass mit „Blood Quantum“ wieder ein ernster Vertreter mit an Bord ist, der teilweise sogar ein wenig auf Romero’s „Night of the living Dead“ Pfaden wandelt. Leider ist das Endresultat dann nur eindeutig zu wenig spannend geraten, um hier eine höhere Wertung zu zücken.
 
 
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In einem Indianer-Reservat in Kanada gehen merkwürdige Dinge vor sich. Tote Tiere fangen plötzlich wieder an zu leben und es dauert nicht lange, da verhalten sich auch die Menschen sehr aggressiv. Ein sechsmonatiger Sprung in die Zukunft zeigt: Die Zombie-Apokalypse ist über die Menschen eingebrochen. Allerdings sind die Indianer gegen diese Krankheit immun und konnten sich so erfolgreich verschanzen. Dort draußen gibt es jedoch weitere Überlebende und jeder Nicht-Indianer, den man hineinlässt, stellt eine potenzielle Gefahr dar. Genau dieses Spiel mit den Rassen erinnert dann auch einigermaßen an „Night of the living Dead“. Dass die Miꞌkmaq immun sind, ist eine interessante Idee, aus der man jedoch viel mehr herausholen hätte können. Die gesellschaftskritischen wie auch sozialkritischen Töne sind nämlich höchstens eine Randnotiz. Ein paar Male bekommt man mit, dass die Story an sich ihren Anspruch besitzt, ansonsten wird aber auch nur ein konventionelles Zombieszenario erzählt und gerade weil es davon schon tausende gab, wäre hier ein wenig mehr Mut zur Andersartigkeit echt nicht verkehrt gewesen.
 
 
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Immerhin ist mit Regisseur Jeff Barnaby ein echter Miꞌkmaq für den Film verantwortlich, was schon mal für Authentizität sorgt. Nebenbei hat er auch für eine indigene Besetzung gesorgt, was an den Darstellernamen wie Michael Greyeyes oder Elle-Maija Tailfeathers auch nicht schwer zu erkennen ist. Dies sorgt ebenfalls für Pluspunkte, denn so kommt das gesamte Szenario doch reichlich glaubwürdig daher. Über die handwerkliche Arbeit kann man sich kaum beklagen. Da gibt es besonders am Anfang und am Ende ein paar wunderschöne Kamerafahrten über die Landschaft, die Kulissen sind abwechslungsreich und der Horror wurde ebenfalls gut in Szene gesetzt. Die Atmosphäre gibt sich meistens ordentlich ernst und wirkt desöfteren auch recht dramatisch, was für eine dichte und bedrohliche Stimmung sorgt. Nur der gelegentliche Anflug von Humor in Form von amüsanten Sprüchen wirkt da etwas fehlplatziert. Über die Darsteller kann man sich ebenfalls nicht beklagen. Sie müssen keine Höchstleistungen präsentieren, wirken jedoch markant genug, um nicht sofort in Vergessenheit zu geraten, selbst wenn die Figurenzeichnung teilweise etwas zu dünn ist und es nicht verkehrt gewesen wäre die Hauptfiguren noch stärker in den Fokus zu rücken.
 
 
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Am schwächsten ist leider der Unterhaltungswert geraten und das ist für einen Horrorfilm niemals förderlich. Besonders der Anfang macht es dabei echt gut. Hier wird ganz langsam Spannung aufgebaut und wenn der elektronische Score das dezent begleitet, dann entsteht eine schön unheimliche Atmosphäre. Doch dann folgt der Bruch und hier hat man es sich zu leicht gemacht. Plötzlich sind Monate vergangen und die Zombies haben sich schon überall verbreitet. Nun muss man erneut in das Szenario hineinkommen, weshalb es streng genommen zwei Einleitungen gibt und das wäre hier nicht nötig gewesen. Obwohl es von da an immer mal Angriffe der Zombies gibt und die Mischung aus Horror und Drama relativ ausgewogen ist, kommt leider niemals so richtig viel Spannung auf. Dafür besitzt das Treiben dann im Endeffekt doch zu wenig Substanz. Der Gorehound kann sich immerhin noch über eine gute Menge an Splatter erfreuen, der überwiegend auch gut getrickst wurde. Wenigstens stammt hier nahezu alles von Hand und der Härtegrad ist für einen Zombiefilm definitiv ausreichend.
 
 
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BLOOD QUANTUM – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
„Blood Quantum“ schafft es auf jeden Fall dem Zombiefilm eine weitere Facette zu verleihen und mit seinen leicht sozialkritischen Tönen ist er sogar dem großen Romero auf den Fersen, aber im Endeffekt bekommt man dann doch nur wieder eine relativ konventionelle Variante geboten, die sich scheinbar nicht genügend traut völlig anders zu sein. An sich nicht weiter tragisch, da die handwerkliche Arbeit stimmt, die Darsteller etwas taugen und es auch genügend Splatter zu sehen gibt. Schade ist da eigentlich nur, dass der Film niemals so richtig an Tempo gewinnen will, deshalb nicht spannend ist und zu viele Längen besitzt. Für Freunde der ernsteren Zombieunterhaltung ist „Blood Quantum“ aber dennoch eine Sichtung wert, denn gut gemacht, ist er allemal!
 
 


 
 
 

BLOOD QUANTUM – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „Blood Quantum“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung die Einstufung „keine Jugendfreigabe“ erhalten. Filmsammler können daher bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

BLOOD QUANTUM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (KeepCase Blu-ray)

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(c) Koch Films (DVD + Blu-ray im limitierten Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Blood Quantum; Kanada 2019

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 96 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Trailer, Making Of, Interviews, Q&A | zusätzlich im Mediabook: Booklet, Film auf DVD

Release-Termin: Mediabook: 24.09.2020 | KeepCase: 24.09.2020

 

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BLOOD QUANTUM – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
28 Days Later (2002)
 
The Cured – Infiziert. Geheilt. Verstoßen. (2017)
 
Anger of the Dead (2015)
 
The Rezort (2015)
 
Hostile (2017)
 
The Day – Fight. Or Die (2011)

Filmkritik: „Ravage“ (2019)

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RAVAGE

(SWING LOW)

Story

 
 
 

Eine Naturfotografin wird Zeuge eines Verbrechens und entfacht so einen blutigen Überlebenskampf.


 
 
 


 
 
 

RAVAGE – Kritik

 
 
 
Es gibt Filme im Horror-Genre, die lassen trotz immer gleichem Ablauf aufhorchen. Die Rede ist von sogenannten Rache- sowie Rape-and-Revenge-Filmen, die sich besonders seit dem Remake von I SPIT ON YOUR GRAVE unter Fans härterer Kinoware großer Beliebtheit erfreuen. Meist wird in dieser Art von Schockern den Protagonisten die Würde genommen. Die werden gequält, gefoltert oder missbraucht – und die Kamera hält darauf. Simple Gewalt-Rezepturen, die die niederen Instinkte des Zuschauers stimulieren sollen und ihren Ursprung im Drama DIE JUNGFERNQUELLE von 1960 fanden. Was jedoch damals schockierte, lockt heute kaum noch hinterm Ofen hervor. Die Zurschaustellung von Gewalt im Kino ist freizügiger geworden. Grenzen gibt es quasi nicht. Eine Tatsache, die auch der Horrorfilm RAVAGE für eigene Zwecke nutzt. Hier wird ebenfalls eine Frau zusammen mit einer handvoll Männer in einen Ring geworfen. Vergewaltigt wird zwar nicht. Dafür reichlich gerächt und das nicht gerade zimperlich. Regie-Newcomer TEDDY GRENNAN bedient sich ausgiebig beim Exploitationkino der 1970er. Es werden bekannte Klassiker dieser Zeit zitiert. Darunter Hoopers TEXAS CHAINSAW MASSACRE, Zarchis I SPUCK AUF DEIN GRAB sowie Boormanns BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE. Herausgekommen ist ein ganz brauchbarer Schmuddelfilm im Stile der Exploitation-Schocker der 1970er, welcher sich das ländliche Amerika zunutze macht, wo sich die Menschen von der Regierung abgehängt fühlen und nach eigenen Regeln leben. Wenn das mal keine vielversprechenden Aussichten sind.
 
 
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Manchmal sollte man die Nase nicht in Dinge stecken, die einen nichts angehen. Eine Weisheit, die Harper Sykes (ANNABELLE DEXTER-JONES aus #HORROR und AVA’S POSSESSIONS) erst zu spät begreift. Sie ist Naturfotografin und wird Zeuge einer Folterung. Doch damit nicht genug. Zuschauen reicht nicht. Sie hält das Verbrechen mit ihrer Kamera fest und gerät so in einen Strudel von Umständen, der sie in Lebensgefahr bringt. Die Täter bekommen nämlich von der heimlichen Beobachterin Wind und heften sich an die Fersen der ängstlichen Harper, um der Mitwissenden nach dem Leben zu trachten. Doch die junge Frau lässt sich nicht unterkriegen. Sie entwickelt einen Plan, wie sich die Verfolger abschütteln lassen. Statt mit den Ganoven zu reden, macht die Verfolgte blutigen Prozess. Das gefällt zwar der FSK nicht unbedingt, macht aber Sinn. Die Täter sind nämlich skrupellos und unmenschlich dazu. Wer schön ähnliche Genre-Filme gesehen hat, der weiß: Eine andere Sprache kennt das Böse im Horrorfilm nicht.
 
 
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Willkommen zu einem weiteren Streifen aus der Rubrik: Wenn Frauen Rachegelüste entwickeln. Spätestens dann sollte sich das männliche Geschlecht in Sicherheit bringen – wie diese unabhängige Produktion beweist. RAVAGE – der übrigens anfangs noch SWING LOW hieß – ist ein typischer Vertreter der Gattung Survival-Horror in Kombi mit Rache. Ähnlich wie in BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE muss sich hier ein Opfer durch die Wildnis arbeiten, um sich vor Verfolgern in Sicherheit zu bringen. Weil nur Flüchten auf Dauer eintönig wird, lässt Regisseur TEDDY GRENNAN seine Heldin zur Amazone werden. Die kombiniert schnell, dass Davonlaufen nichts nützt und dreht den Spieß einfach um. Damit macht es Grennan so Filmemachern wie CORALIE FARGEAT und STEVEN R. MONROE gleich. In deren Filmen standen auch starke Frauen im Mittelpunkt. Die mussten erst grausames über sich ergehen lassen, bis sie letztendlich über sich hinauswachsen konnten und den männlichen Gegenspielern den Marsch bliesen. Ein Martyrium, dass natürlich auch die Heldin in RAVAGE durchleben muss. Deren Charakterisierung ist rudimentär, was aber nicht unbedingt heißt, dass dieser Überlebens-Horror schlecht ist.
 
 
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Ganz im Gegenteil. Filmemacher TEDDY GRENNAN dosiert Schocks wohlüberlegt. Den ersten gibt es gleich zu Beginn des Streifens. Unüblich für diese Art von Filme nimmt man dem Zuschauer das Ende vorweg. So erfährt der Zuschauer direkt, dass die Hauptdarstellerin überleben wird. Die liegt übel zugerichtet im Krankenhaus und berichtet einem Polizisten in Etappen vom Überlebenskampf. In Rückblenden werden die Geschehnisse rekonstruiert und gefackelt wird nicht lang. Die erste Leiche ist schon nach wenigen Minuten zu beklagen. Dennoch ist Obacht gegeben. RAVAGE ist kein Splatterfeuerwerk. Gewalt wird reduziert eingesetzt. Kommt sie dann doch einmal, prasselt sie mit aller Härte auf das Publikum ein.
 
 
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Weitaus heimtückischer ist da der Ton des Films. Grennan schafft es als Newcomer ein permanentes Gefühl der Bedrohung entstehen zu lassen. So muss unsere Heldin stets auf der Hut sein, von ihren Peinigern nicht entdeckt zu werden. Dabei wird das unangenehme Treiben von aggressiven und plakativen Soundelementen begleitet. Der diktiert die ungeschönte Marschrichtung und lässt den Puls so einige Male schneller schlagen. Da übersieht man doch gern einmal, dass RAVAGE nur Schwarz und Weiß kennt. Regisseur TEDDY GRENNAN verharrt zu engstirnig in den klar definierten Formeln, welche Rache- und Überlebensfilmen zugrundeliegen. Es gibt nur Gut und Böse. Es gibt nur töten und getötet werden. Den Protagonisten werden keine Möglichkeiten für alternative Entscheidungen gegeben. So wird gemordet, gefoltert und geschrien bis der Abspann über die Mattscheibe flimmert. Fans dieser Film wird das egal sein. Die werden sich der bekannten Abläufe wegen trotzdem ganz wohlfühlen. Denen sei RAVAGE aber auch gegönnt.
 
 


 
 
 

RAVAGE – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Eine Frau gegen eine Horde Männer. Blutiger Überlebenskampf im Stile von BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE. RAVAGE ist ein Survival-Thriller mit Rache-Anteil, der trotz überschaubarer Gewaltausbrüche ganz gut geworden ist. Das Anfängerwerk beginnt brachial, arbeitet danach am Spannungsbogen und wird am Ende noch einmal heftig. Dazwischen gut dosiert Gewalteskapaden für die Fanboys. Viel geredet wird nicht – stattdessen lässt Regisseur TEDDY GRENNAN Bilder sprechen. Die wechseln sich ab. Neben idyllischen Landschaftsaufnahmen und fiesem Blutszenen wird auch schwül-schwitzige Spätsommeratmosphäre geboten, mit der auch Michael Bay im Remake zu TEXAS CHAINSAW MASSACRE Eindruck hinterließt. Komplettiert mit aggressiven Soundelementen wird der Exploitation-Festschmaus zum Festschmaus für Rachefilm-Fans. RAVAGE ist für ein Regiedebüt ganz ordentlich – zumal Regisseur TEDDY GRENNAN ein gutes Händchen für Spannung, Technik und Schocks besitzt. Kann man gucken, wenn man ein Faible für ungeschliffenen Indie-Horror hat.
 
 
 


 
 
 

RAVAGE – Zensur

 
 
 
RAVAGE hat einige blutige Momente zu bieten. Ein Protagonist wird geköpft, ein anderer von Gewehrmunition durchsiebst. Desweiteren wird eine Figur in einem Bullenkörper gesteckt. Danach wird der Kadaver zugenäht. Hierzulande dürfte es für RAVAGE wegen der Selbstjustiz-Thematik wohl eine Erwachsenenfreigabe geben.
 
 
 


 
 
 

RAVAGE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Brainstorm Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Revenge (2017)
 
Blutrache – Blood Hunt (2017)
 
I’ll never die alone (2008)
 
Carnage Park (2016)
 

Filmkritik: „Lake of Death“ (2019)

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LAKE OF DEATH

(DE DØDES TJERN)

Story

 
 
 

Traumatisierte junge Frau macht mit Freunden Ferien in einer Waldhütte, um das mysteriöse Verschwinden des Bruders verarbeiten zu können. Was noch keiner ahnt: Dort geht es bald drunter und drüber.


 
 
 


 
 
 

LAKE OF DEATH – Kritik

 
 
 
Euro-Horror ist immer für eine Überraschung gut. In letzter Zeit kam von hier interessantes Genre-Zeugs, das sogar international Beachtung erhielt. Hierbei als besonderer Geheimtipp gehandelt: Norwegen. Dort wurde nicht nur das deftige MANHUNT BACKWOODS MASSACRE produziert. Auch die Mockumentary TROLLHUNTER, die COLD PREY-Reihe sowie die DEAD SNOW-Filme entstanden im Land der Fjorde und gingen um den Globus. Nun versucht sich Norwegen abermals im Genre und schickt mit LAKE OF DEATH einen Mysterystreifen ins Rennen, der den bisherigen einheimischen Horrorfilmen Konkurrenz machen soll. Dabei handelt es sich um die Adaption eines Romans aus der Feder von ANDRE BJERKES. Das Buch wurde im Jahr 1958 schon einmal verfilmt und gilt unter Kritikern bis heute als einer der ersten und gleichzeitig auch besten Horrorfilme Norwegens. Ein schweres Erbe, das nun die Regisseurin NINI BULL ROBSAHM antreten muss. Die gestaltet die angestaubte Erzählung moderner und versucht durch amerikanischen Look mehr internationale Horrorfilmfans zu erreichen.
 
 
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Lillian hat es nicht leicht. Die hatte zusammen mit Zwillingsbruder Björn keine schöne Kindheit – dafür ein inniges Verhältnis. Die Eltern verstarben früh, weshalb die Waisen getrennt voneinander in Pflegefamilien aufwuchsen. Vor einem Jahr ist das Brüderchen verschwunden und wurde nie gefunden. Ein Schicksalsschlag an dem Lillian schwer zu knabbern hat. Doch die Freunde wollen die junge Frau wieder auf den rechten Weg bringen. Man beschließt zusammen an jenen Ort zu reisen, an dem sich die Geschwister vor einem Jahr zum letzten Mal gesehen haben. Es ist eine Hütte am See, wo die Idylle trügerisch ist. Hier ranken sich seit einem Selbstmord in den 1920ern schaurige Legenden. So berichten Einheimische von einer unheimlichen Kreatur, die in den Tiefen des Gewässers haust. Aber auch die Geister von Kindern sollen hier ihr Unwesen treiben, welche im See ertrunken sind. Folklore, an der offenbar etwas dran ist. Lillian beginnt nämlich plötzlich Dinge zu sehen, die den Anschein erwecken, dass es in dieser Gegend nicht mit rechten Dingen zugeht. Für die Freunde Hokuspokus – bis einer von ihnen unter mysteriösen Umständen verschwindet.
 
 
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Wenn Freunde eine Reise zu einer Waldhütte unternehmen, passiert meist dort nichts Gutes. LAKE OF DEATH – der im Original übrigens DE DØDES TJERN heißt – bekräftigt diese Theorie, ist aber auch keine Bereicherung des Genres. Der Film macht zwar in technischer Hinsicht eine gute Figur und zeigt ästhetische Bilder und Kamerafahrten. Unter der makellosen Fassade bröckelt es aber schnell. Der Grund: Das Drehbuch. Regisseurin NINI BULL ROBSAHM hat selbiges verfasst und versucht das Publikum durch schaurige Visionen, Tagträume und Schlafwandlereien an der Nase herumzuführen. Mit der Ankunft am idyllischen Waldsee sieht Heldin Lillian immer wieder merkwürdige Dinge, die offenbar nur sie sehen kann. Alles nur Ergebnisse einer sprudelnden Fantasie, Folgen eines Traumas oder sind hier doch höhere Mächte am Werk? Was anfangs noch für Spannung sorgt und den Zuschauer fordert, wird spätestens nach der Halbzeit zur Geduldsprobe, weil sich die seltsamen Visionen wiederholen und scheinbar zu keinem Ziel führen. So verharrt der Film auf der Stelle und gewinnt erst kurz vor dem Finale wieder an Fahrt. Um das Publikum nicht zu langweilen, durchbricht Regisseurin NINI BULL ROBSAHM den monotonen Kreislauf, lässt Filmfiguren verschwinden und webt um das Gewässer am Haus ein großes Geheimnis. Lebt hier vielleicht doch ein Monster im See, haben es sich in friedlicher Idylle etwa Geister gemütlich gemacht oder lässt sich alles rational erklären? Viele Fragen, die auf einmal Panik bei den Protagonisten entstehen lassen, weil sich die Ereignisse überschlagen. Warum erst so große Anlaufschwierigkeiten und nicht gleich so?
 
 
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Nein, LAKE OF DEATH ist trotz falscher Fährten, vieler Fragezeichen und einem Twist am Ende nicht unbedingt das, was man einen interessanten Gruselausflug nennt. Der Film ist ein konfuses Geflecht an Szenen, das nicht immer Sinn macht und mehr Fragen aufwirft, statt Antworten zu geben. LAKE OF DEATH braucht viel zu lang, bis er endlich mal zum Punkt kommt. Da mutet es schon beinahe größenwahnsinnig an, wenn im Film selbst bekannte Klassiker des Horror-Genres genannt und sogar zitiert werden. Denen kann LAKE OF DEATH nicht mal ansatzweise das Wasser reichen. Da ziehen die Charaktere Vergleiche zu Roths CABIN FEVER, erwähnen Kings MISERY oder finden – wie in TANZ DER TEUFEL 2 – ein mysteriöses Tagebuch mit schaurigen Skizzen im Keller. Letzterer Seitenhieb dürfte nicht zufällig den Weg in den Film gefunden haben. BOB MURAWSKI zeichnet für den Schnitt verantwortlich. Der hatte zuletzt diverse Filme aus der Mache von SAM RAIMI zurechtgestutzt. Darunter auch Teil drei der kultigen TANZ DER TEUFEL-Reihe. Wenn das mal kein Zufall ist.
 
 
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LAKE OF DEATH – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
Wenn Freunde zusammen Urlaub in einer Waldhütte verbringen, sollte es eigentlich blutig werden. LAKE OF DEATH stolpert aber aus der Reihe. Zwar wird auch hier ein mysteriöses Buch in einem gruseligen Keller gefunden und in einer klapprigen Hütte geht es nicht mit rechten Dingen zu. Die Teufel tanzen aber nicht. Stattdessen ist die norwegische Produktion mehr Gruseldrama, das sich – mehr schlecht als recht – versucht als Psychothriller zu behaupten. Regisseurin NINI BULL ROBSAHM macht zu oft von Verwirrungstaktik Gebrauch und hält sich damit sprichwörtlich über Wasser. Zum Leidwesen des Zuschauers, dem man es nicht übel nehmen kann, wenn der im Rausch der Flashbacks, Tagträume und Visionen plötzlich den Wald vor lauter Fragezeichen nicht mehr sieht. Dass selbst das Ende nicht mit offenen Karten spielt und dem Zuschauer mehrere Erklärungsansätze vor die Füße wirft, ist bei so konfuser Erzählerei dann doch die Spitze des Eisbergs. Diesen wirren Psycho-Mystery-Grusel-was-auch-immer-Film muss man nicht gesehen haben. Norwegen hat in Sachen Horror schon bessere Tage erlebt.
 
 
 


 
 
 

LAKE OF DEATH – Zensur

 
 
 
LAKE OF DEATH ist ein subtiler Mysteryfilm mit Gruseleinschlag. Gewalt gibt es kaum zu sehen. Meist sieht man nur das Resultat eines Mordes, sowie eine Wasserleiche. Hierzulande dürfte der Streifen eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

LAKE OF DEATH – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Shudder)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Freitag der 13. (1980)

Dead Body (2017)

Lake of Death – See des Grauens (2013)

Blutiger Sommer – Das Camp des Grauens (1983)

The Evil Ones – Die Verfluchten (2016)

Filmkritik: „The Witch Next Door“ (2019)

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THE WITCH NEXT DOOR

(THE WRETCHED)

Story

 
 
 

Ein Teenager findet heraus, dass seine Nachbarn in den Fokus eines kinderfressenden Waldwesens geraten sind.

 
 
 


 
 
 

THE WITCH NEXT DOOR – Kritik

 
 
 
Kleiner Indie-Grusler ganz groß – zumindest in Amerika. Dort hat es der folgende Horrorthriller geschafft, an die Spitze der Kinocharts zu klettern. Doch wie ist das in Zeiten von Corona, auferlegter Zwangspause und geschlossener Multiplexe überhaupt möglich? Ganz einfach. Indem man kreativ denkt und aktuelle Kinostreifen versucht, anderweitig ans interessierte Publikum zu bringen. So erleben Autokinos inmitten der Covid 19-Krise ein kleines Comeback. Weil die wichtiges Social Distancing ermöglichen, dürfen Drive-in-Kinos weiterhin öffnen und das hungrige Kinopublikum mit neuen Schockern versorgen. Genau diese Ausnahmeklausel machte sich das Label IFC FILMS in den Vereinigten Staaten zunutze. Das Filmunternehmen ließ THE WITCH NEXT DOOR über Autokinoleinwände flimmern und hatte damit finanziellen Erfolg. Die Folge: Die Symbiose aus Teen-Horror und Achtziger-Hommage war mehrere Wochen auf Platz eins der amerikanischen Kinocharts zu finden und konnte so zumindest einen Teil des Budgets wieder einspielen. Not macht eben erfinderisch.
 
 
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THE WITCH NEXT DOOR – der im Original eigentlich THE WRETCHED heißt – erzählt die Geschichte von Teenager Ben (JOHN-PAUL HOWARD). Der zieht zusammen mit dem Vater in ein nettes Häuschen irgendwo auf dem Land. Was man aber nicht weiß. In den 1980ern hat sich im Nachbarhaus Unheimliches abgespielt. Dort wurde die Babysitterin Zeuge schauriger Ereignisse. Das Mädchen musste mit ansehen, wie eine mysteriöse Waldkreatur vor ihren Augen ein kleines Kind verspeiste. Danach wurde das Kindermädchen nie wieder gesehen. Genau jene Ereignisse scheinen sich bald ein weiteres Mal abzuspielen. Im Haus gegenüber passieren plötzlich wieder seltsame Dinge. Erst verhalten sich die Eigentümer merkwürdig. Später flüchtet der Nachwuchs panisch in Bens Zimmer und bittet um Hilfe. Dass auch noch finstere Schatten in der Gegend ihr Unwesen treiben, macht die Sache nicht entspannter. Was hat das alles zu bedeuten? Wir verraten es an dieser Stelle nicht. Fakt ist jedoch: Der Mystery-Horror hält definitiv erschreckend gutes Gruselfutter für Angsthasen parat, die nach THE WITCH NEXT DOOR vermutlich Schlafprobleme bekommen könnten.
 
 
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Mit gutem PR zum Erfolg. So begründet man bei IFC FILMS den hervorragenden Zuspruch. Statt TV-Spots zu schalten, um möglichst viele Ticketkäufer erreichen zu können, setzte man eher auf eine ungewöhnliche Marketingkampagne. Die Werbung für THE WITCH NEXT DOOR bestand hauptsächlich aus Retro-Zeitungsanzeigen. Das sprach sich rum und machte neugierig. Aber auch fehlende Konkurrenz und mangelnde Neustarts dürften weitestgehend dazu beigetragen haben, dass der Mystery-Grusler zum finanziellen Hit avancieren konnte. Doch angesichts der besonderen Umstände stellt sich natürlich ebenso die Frage, ob der Trubel um THE WITCH NEXT DOOR überhaupt gerechtfertigt ist. Wir bestätigen das an dieser Stelle, denn dieses unheimliche Filmchen kann weitaus mehr, als es der plakative deutsche Titel vermuten lässt. Der verrät zu viel und verdirbt den Knobelspaß. Bis zur Halbzeit bleibt nämlich verborgen, was hier Böses über Leinwand und Mattscheibe huscht. Daher hätte der deutsche Anbieter KOCH FILMS manch Horrorfilmfan einen Gefallen getan, wenn man es beim Originaltitel belassen hätte.
 
 
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Was diesen Film hervorstechen lässt, sind nicht unbedingt nur Atmosphäre und Geschichte. Vielmehr sind es die Figuren, die das Schauermärchen über weite Strecken auf ihren Schultern tragen. Allen voran die charismatischen Identifikationsfiguren und natürlich das Böse selbst. Die Regisseure und Brüder BRETT und DREW T. PIERCE gehen den klassischen Weg und erzählen hier eine gradlinige Gruselgeschichte alter Schule, die mit Rätseln und natürlich reichlich Schreckmomenten verfeinert wurde. So muss langsam ergründet werden, was da im Haus gegenüber im Argen ist. Schnell kommt Filmheld Ben auf den Trichter, dass hier etwas aus dem Wald in die Welt der Menschen will und die Gabe der Manipulation beherrscht. Klingt nach vertrauten Abläufen, denn bei genauerer Betrachtung ruft das Gruselmärchen Filme wie DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN, FRIGHT NIGHT, THE HOLE IN THE GROUND aber auch BABA YAGA in Erinnerung.
 
 
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Aber keine Angst hier wird nicht nur kopiert. THE WITCH NEXT DOOR ist trotz vieler Versatzstücke anderer Genre-Filme ganz kurzweilig und fesselnd geraten, was daran liegt, dass die Brüder BRETT und DREW T. PIERCE akribisch am Spannungsaufbau arbeiten. Hier seltsame Schatten, dort mysteriöse Ereignisse. Nie wird zu viel verraten. Der Zuschauer soll schließlich auf Trab gehalten werden. Erst nach und nach ergeben die Ereignisse Sinn, wobei sich aber die Macher bewusst dafür entscheiden nicht zu viel über ihr unheimliches Filmmonster zu verraten. Das nennt man Kopfkino und hält so immerhin noch etwas Stoff für die obligatorische Fortsetzung parat. Ob die kommt, wird die Zukunft zeigen. Zumindest wäre das nicht der erste Kassenhit, welcher in Serie geht.
 
 
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THE WITCH NEXT DOOR – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Sehenswertes Gruselmärchen mit dem wohl schaurigsten Filmmonster des Kinojahres 2020. An dieser Stelle großes Lob an die Effekte-Macher. Das knochige Wesen in THE WITCH NEXT DOOR kann problemlos mit so Bösewichten aus Filmen wie DER FLUCH VON DARKNESS FALLS, LIGHT OUT oder THE HOLE IN THE GROUND mithalten. Hier wird ansprechend getrickst und spannend ist der konventionelle Grusler obendrein auch noch. Die Regisseure und Brüder BRETT und DREW T. PIERCE gehen diesmal andere Wege. Während man zuvor mit DEADHEADS flotten Zombie-Spaß auf Zelluloid bannen ließ, schlagen die Macher mit THE WITCH NEXT DOOR ernste Töne an. Für diesen Gruselfilm diente nicht nur die Geschichte aus dem Kinderbuch THE WITCHES von ROALD DAHL als Vorlage. Die Geschwister stellten für ihre Regiearbeit zudem umfangreiche Recherchen über Hexen und hexenähnliche Wesen in der Folklore verschiedener Länder an. Das Ergebnis ist ein Fest für Gruselfans. THE WITCH NEXT DOOR besitzt Schreckmomente, die aus dem Filmsessel springen lassen, gute Darsteller und einen bedachten Spannungsbogen. Das Filmmonster ist die sprichwortliche Kirsche auf der Sahnetorte. Demnach sind wir uns sicher, dass schlaflose Nächte bei zartbesaiteten Zuschauern vorprogrammiert sein werden. Wir wünschen dennoch angenehmes Bibbern!

THE WITCH NEXT DOOR startet am 12. August 2020 bundesweit in den deutschen Kinos.
 
 
 


 
 
 

THE WITCH NEXT DOOR – Zensur

 
 
 
THE WITCH NEXT DOOR ist eher ein Gruselfilm. Gewaltmomente sind sehr rar gesät. Deshalb hat der Film in Deutschland eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Die deutsche Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

THE WITCH NEXT DOOR – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Hole in the Ground (2019)
 
Lights Out (2016)
 
Baba Yaga (2020)
 
Mama (2013)
 

Filmkritik: „Exorzismus 2.0“ (2019)

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EXORZISMUS 2.0

(THE CLEANSING HOUR)

Story

 
 
 

Zwei Freunde führen ihr Publikum mit gefakten Live-Exorzismen an der Nase herum und bekommen dafür einen Denkzettel.

 
 
 


 
 
 

EXORZISMUS 2.0 – Kritik

 
 
 
In Zeiten, in denen beinahe wöchentlich Horrorfilme auf den Markt gebracht werden, macht ein Schocker mit dem Titel EXORZISMUS 2.0 müde, weil er offenbar das thematisiert, was mittlerweile inflationär zum Mittelpunkt in Horrorstreifen gemacht wird. Teufelsaustreibung und Dämonen – mal billig, mal hoch budgetiert in Szene gesetzt, aber im Grunde genommen egal. Seit Friedkins Kultfilm DER EXORZIST sind es einfach zu viele dieser Filme geworden, in denen sich höhere Mächte ahnungslosen Menschen bemächtigt haben, die nur durch Exorzismus gerettet werden können. Abläufe, die immer gleichen Regeln folgen, was zur Folge hat, dass auch Werke in gleiche Schublade gesteckt werden, die mal was Neues wagen.
 
 
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THE CLEANSING HOUR ist so ein Kandidat, der nicht versucht mit dem Strom zu schwimmen. Warum der deutsche Rechteinhaber EUROVIDEO MEDIEN von einer Titelumbenennung Gebrauch gemacht hat, mag verstehen, wer will. Fakt ist, dass der EXORZISMUS 2.0 so bei eingefleischten Genre-Fans kaum Interesse wecken kann, weil er das offensichtlich thematisiert von dem viele Filmliebhaber genug haben. Dabei ist der Film unterhaltsamer als man denken würde. Darin geht es um die besten Freunde Max und Drew. Man kennt sich seit Kindestagen und hat eine eigene Webshow auf die Beine gestellt, die zu einem echten Goldesel für die beiden Kumpels geworden ist. Darin treiben sie Menschen boshafte Dämonen aus und übertragen die Teufelsaustreibung unter dem Titel EXORZISMUS 2.0 im Internet. Was der Zuschauer aber nicht weiß: Alles ist Fake. Die Opfer sind Schauspieler und Max ist kein Pfarrer. Eine Lüge, die bald auffliegen wird. Bei einer weiteren Übertragung springt Drews Verlobte ein. Die verkörpert das neuste Opfer, weil eine der Schauspielerinnen nicht am Set erschienen ist. Was jedoch als großer Spaß beginnt, verwandelt sich bald in blanken Terror. Ein echter Dämon hat keine Lust mehr auf Lügen und ergreift vom Ersatzopfer Besitz. Der verwandelt die Bühne in eine Geisterbahn und lässt den Internetschwindel auffliegen. Ob alle Beteiligten da wieder heil rauskommen?
 
 
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Weit weg von lahm. EXORZISMUS 2.0 ist wohl der heftigste Okkult-Schocker seit EXITUS oder POSSESSION – DAS DUNKLE IN DIR. Der Film macht keine Gefangenen und nimmt Zuschauer wie Darsteller mit auf eine wilde Achterbahn des Grauens. Kaum ist der echte Dämon in den Körper der Verlobten einer unserer Hauptdarsteller geschlüpft, verwandelt sich der züchtige Horror-Spaß zu einer Art EVIL DEAD. Finger werden abgebissen, Körper angezündet und Messer durch Fleisch gejagt. Der Blutzoll ist nicht ohne und das Tempo straff. An Gemeinheiten wird nicht gespart – ebenso an schwarzem Humor. Der hinterlistige Dämon ist offenbar zynisch veranlagt. Er spielt mit seinen Opfern und versucht diese zu manipulieren. Unterhaltsam, vor allem auch deshalb, weil niemand weiß, wo das alles enden wird. So haben die Blender knapp eine Stunde Zeit das Publikum über jede erdenkliche Lüge zu unterrichten, welche die Freunde im Leben weitergebracht haben. Ein makabrer Seelenstriptease, dem es nie an Spannung mangelt und in dem es vor Einfallsreichtum strotzt.
 
 
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Regisseur DAMIEN LEVECK versteht sein Handwerk und drückt ordentlich aufs Gaspedal. Kein Leerlauf – nur Hektik, Geschrei und Blut. Das Resultat: Ein Fest für Horrorfans, das technisch wie schauspielerisch im gehobenen Bereich angesiedelt ist. Leveck ist als Filmemacher zwar noch relativ unbekannt. Das könnte sich aber bald ändern. Der hat mit dem Exorzismus-Schocker einen seiner Kurzfilme als Langfilm adaptiert. Vor einigen Jahren gelang ihm mit seinem Short THE CLEANSING HOUR ein Überraschungshit. Der lief auf diversen Festivals erfolgreich und heimste viel Lob ein. Grund genug, den Neunzehnminüter noch mal fürs Kino mit mehr Kapital zu drehen. Drei Jahre später war das von Leveck inszenierte Remake des eigenen Kurzfilms fertig und landete sogar im Portfolio des amerikanischen Horror-Pay-TV-Senders SHUDDER. Wenn das mal kein Statement ist.
 
 
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EXORZISMUS 2.0 – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
DER EXORZIST trifft auf EVIL DEAD. Der Okkult-Horror EXORZISMUS 2.0 ist eine flotte Dämonen-Platte, die alles richtig macht. Endlich gibt es mal was Neues aus der Exorzisten-Ecke und erfreut mit makabren Ideen und fiesen Gewalteinlagen. Doch Regisseur DAMIEN LEVECK hat auch was zu sagen. Der prangert mit seiner bitterbösen Teufelsaustreibung gleich mal mit die übertriebene Selbstdarstellung und Geltungssucht in den sozialen Medien an. So genießt es der nazistisch veranlagte Held Max im Film unter falschen Vorwänden im Rampenlicht zu stehen und dafür von seinen Followern gefeiert zu werden. Für diese hinterlistige Oberflächlichkeit bekommt er direkt mal sein Fett weg. So liest ihm das Böse im Film dafür die Leviten – blutig und heimtückisch. Sowas nennt man Gerechtigkeit.
 
 
 


 
 
 

EXORZISMUS 2.0 – Zensur

 
 
 
EXORZISMUS 2.0 – der im Original THE CLEANSING HOUR heißt – hat von der FSK in ungeschnittener Form eine Erwachsenenfreigabe erhalten. Die Filmfassung auf Blu-ray und DVD ist ungeschnitten und besitzt den roten FSK-Sticker.
 
 
 


 
 
 

EXORZISMUS 2.0 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Eurovideo Medien (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Cleansing Hour; USA 2019

Genre: Horror, Thriller, Mystery, Grusel

Ton: Deutsch (DTS-HD MA 5.1), Englisch (DTS-HD MA 5.1)

Untertitel: Keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 20.08.2020

 

Exorzismus 2.0 [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 
 


 
 

EXORZISMUS 2.0 – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Eurovideo Medien)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Exit Us (2013)
 
Incarnate – Teuflische Besessenheit (2016)
 
Der Exorzist (1973)
 
Erlöse uns von dem Bösen (2014)
 

Filmkritik: „Vivarium – Das Haus ihrer (Alp)Träume“ (2019)

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VIVARIUM – DAS HAUS IHRER (ALP)TRÄUME

(VIVARIUM)

Story

 
 
 
Ein junges Pärchen veliert sich bei einer Wohnungsbesichtigung in einem alptraumhaft leeren Neubaugebiet.

 
 
 


 
 
 

VIVARIUM – Kritik

 
 
Als die Blu-ray des laut imdb scheinbar recht polarisierenden Mysteryfilms „Vivarium“ ins Haus geflattert kam, da war ich mir eigentlich sicher, als Einstieg in diese Kritik einen der folgenden zu wählen: Jesse Eisenberg und seine bisherige Karriere, die sich auch öfter und öfter in Indieproduktionen oder gar Anti-Typecasts wiederfindet, Imogen Poots, die mir vor Jahren schon in dem motivierten Indiefilm „Chatroom“ aufgefallen ist, den meisten Leuten aber wohl aus dem beinharten „Green Room“ in Erinnerung bleiben dürfte, oder aber das zugrunde liegende Thema der trügerisch ruhigen oder gar perfekten Nachbarschaft, das spätestens seit „American Beauty“ und „Donnie Darko“ immer wieder als Leitmotiv amerikanisierter Mainstream-Unterhaltung aufgefallen ist. Doch ein Blick auf die imdb und es stellt sich heraus, dass „Vivarium“ gar nicht mein erster Kontakt mit dem Schaffen des 41-jährigen Iren Lorcan Finnegan ist – denn auch wenn ich sein Langfilmdebüt, den Mysterythriller „Without Name“ nicht gesehen habe, so bin ich dafür aber vor einigen Monaten auf seinen Kurzfilm „Foxes“ gestoßen, den ich als „Düster-dystopische Reihenhausvision mit super Sounddesign und Pacing“ vermerkt und mit 8 Punkten bewertet habe. Und in der Tat – zurückblickend hat Finnegan bewiesen, wie er mit dem Bild der leeren, sich endlos gen Horizont erstreckenden Reihenhäuser innerhalb weniger Minuten eine düstere Atmosphäre und Anspannung aufbauen kann, die sich dann auch noch ungewöhnlich und pointiert entlädt – doch was als Kurzfilm klappt, braucht als fast 100-Minüter dann doch etwas mehr Fleisch an den Knochen.
 
 
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Der von Screen Ireland mitproduzierte und in Belgien gedrehte „Vivarium“ leitet den Zuschauer direkt mit einem hellen, trügerischen minimalistisch-ästhetischem Menü ein, das eine kindliche Melodie zum Besten gibt, im Intro des Films selber wird man dann direkt mit sich fütternden und aus dem Nest verdrängenden Vogelküken konfrontiert, die in Nahaufnahme nach ihrer Mutter schreien, dazu Zeitlupenaufnahmen und ein nicht gerade typische opening signals gebender Soundtrack – haben wir es hier etwa mit einem ungewöhnlichen Überraschungshit zu tun? Übersättigte Sommerfarben unterstützen dann das grelle „Gute-Laune-Postkarten-Welt“-Gefühl mit Poots als junger Grundschullehrerin, die allzu lächerlich idyllisch mit der ganzen Klasse im Wind bewegende Bäume nachahmt, bevor Jesse Eisenberg es innerhalb weniger Minuten schafft, ätzend unsympathisch zu wirken. Doch bevor man noch zu viel Zeit mit einer Romanze oder unserem Pärchen an sich verbringt, geht es auch schon zum Makler, und hier packt der Film dann direkt die wohl gruseligsten, besten Twilight Zone/David Lynch-Vibes aus, da die beworbende Neubausiedlung ‚YONDER‘ ein utopisch klingender, beängstigender Traum ist, der von Jonathan Aris nur allzugut aalglatt und zu höflich angepriesen wird.
 
 

„I know what you guys are thinking: ‚Suburbia!‘ – But there’s more to ‚Yonder‘ then what you see in these images!“

 
 
Der Soundtrack dreht mit dem thematisch passenden „Rudy, A message to you“ angenehm auf, auch begeistert das Set von ‚Yonder‘ selbst durch beängstigend steriles Design, futuristisch endlose Straßen und nachvollziehbare Verwirrung beim jungen Pärchen, doch wenn dann nach 13 Minuten Makler samt Auto verschwindet, heißt es leider erst einmal „Horrorstandardliste abhaken“, da jetzt der leer laufende Tank, fehlende Empfang und die allgemeine, altbekannte Ohnmacht gegenüber unlogischer, da streng genommen übernatürlicher, Ereignisse beim Genrefan eher für gepflegtes Augenrollen sorgen. Das obligatorische Konstruieren der Situation selber überstanden, punktet Vivarium nun noch mit hübschen Einstellungen und drückender Hitze, die auch durch die schwebenden bis schweren Synthesizer in der Score ausgedrückt wird. Logik bzw. nachvollziehbares Verhalten werden nur leider dann das erste Mal gefährdet, wenn sich unsere Protagonisten dazu entschließen, vor einem lichterloh brennendem Haus einzuschlafen, heißt also mitten in der Mischung aus Hitze, Asche und Rauch. Wenn das jetzt klingt, als würde dieser anfangs so einladend, mysteriös und gelungen wirkende Film nach etwa 25 recht vergnüglichen Minuten anfangen, zu schwächeln, dann klingt das leider ganz richtig – und der nächste Plotpoint sorgt jetzt dafür, dass das auch so bleibt. Denn erinnert ihr noch das Intro mit dem Vogelbaby das so prägnant gezeigt wurde, und den Dialog darüber, dass Kuckucks ja fremde Nester nutzen würden für ihre Kinder? Ja? Gut, dann könnt ihr euch als Zuschauer also 25 Minuten lang an ein metaphorisches Bild erinnern – das war es dann leider auch schon.
 
 
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Wer nämlich eine weitere Storystruktur, Rückbesinnung auf andere Charaktereigenschaften, Infos über das Mysterium der Wohnsiedlung oder weiter ausgearbeitete Genreelement erhofft, der wird nun erst einmal fast eine Stunde lang genervt auf die Uhr schauen, da „Vivarium“ sich EIN sehr simples und so auch schon europäisch und besser inszeniertes Bild herausgesucht hat, um dieses dann mit aller Anstrengung und Bemühung in den Fokus seiner Geschichte zu legen. Was das akut heißt, ist, dass unser junges Pärchen natürlich ein Baby findet, das natürlich etwas Sinistres an sich hat, das natürlich – seufz – für Konfrontationen über Verantwortung, Muttergefühle und Humanismus sorgt und das nur ganz, ganz selten schafft von der nervigen Geduldsprobe zum akut gruseligen oder spannenden Charakter so werden – so zum Beispiel beim Stimmen nachmachen oder „Fernsehen“ gucken, was heißt dass der Junge Endlosanimationen mit synthetischem Knistern schaut, oder in seinem Alter unerreichbare Tonhöhen imitiert.
 
 
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Die Beobachtung, dass in dieser synthetischen Fake-Welt von ‚Yonder‘ alle Wolken amorph und formlos bleiben und einfach nur wie „Wolken“ aussehen, da jede Inspiration oder Kreativität untergeht, ist eine schöne Beobachtung – und auch der marginale Horror-Einschlag seines Charakters, den ich aber nicht spoilen will, wussten zu gefallen. Aber für einen gesamten Hauptteil, zweiten Akt und mit wichtigsten Plotpoint in einem knapp 100-minütigen Mysteryfilm, ist das dann leider doch recht mager, zumal jegliches Konfliktpotential von der ersten Szene an offensichtlich ist, denn wie soll die Grundschullehrerin wohl schon auf einen einsamen Jungen reagieren, egal wie gruselig er wird? Und all das ist unfassbar schade, denn nicht nur ist dieser Film wie gesagt technisch höchst kompetent und optisch ansprechend und hat ziemlich gelungene erste 20 Minuten, nein, gerade nach dem Durchhänger im Mittelteil geht „Vivarium“ noch einmal richtig in die Vollen und präsentiert ein schnelles, wildes, buntes, argento-inspiriertes, überraschendes Farbenfeuerwerk mit Alptraumoptik und trippigen, ineinander überlappenden Umgebungen. Nach über 70 Minuten Film noch eine überlange Beziehungsaufarbeitung einzuschieben halte ich zwar für etwas gewagt bzw. pacingtechnisch schwach, aber abseits davon wird es nun überraschend stringent, bösartig, konsequent und hollywood-untypisch, was das eine oder andere Klischee vielleicht ausgleicht.
 
 
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Und so wäre ich schlußendlich also vielleicht sogar bei einer 6,5 oder 7/10, denn Finale und Ende haben definitiv noch etwas heraus gerissen, ich mag die trostlose Botschaft und dass nicht alles ausbuchstabiert wird, auch hat Eisenberg sich nach seinen furchtbaren ersten Eindrücken später durchaus beweisen können, doch wie bereits erwähnt gibt es eine sehr ähnliche Geschichte einfach bereits als europäischen Film und das auch noch deutlich spannender, mysteriöser, böser, realistischer und konsequenter: Borgman. Wer also unbedingt die eher blass bleibende Starbesetzung braucht oder den amerikanischen Vorstadtflair, wer seine Mysteriefilme gerne eindeutig übernatürlich mag und etwas Zeit zu töten hat, der kann die überlangen 97 Minuten von „Vivarium“ sicherlich mal gucken, und auch genießen. Aber 80 Minuten hätten es auch getan und die deutlich niveauvollere, ausgereiftere und Jahre früher entstandene Version dieses Konzepts ist einfach der niederländisch-belgische Genremix „Borgman“, über den man möglichst wenig wissen sollte.
 
 


 
 
 

VIVARIUM – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Behäbig gepacete, unausgereifte, simple Metapher mit Erwartungen aufbauenden ersten 20 Minuten, hübschen Bildern und einem sehr starken Finale und Ende, die nur leider im Mittelteil massiv durchhängt. „Foxes“ vom gleichen Regisseur ist kostenlos, kürzer, ähnlich und besser, „Borgman“ eine sehr ähnliche Idee in ausgereifter.
 
 


 
 
 

VIVARIUM – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „Vivarium – Das Haus ihrer (Alp)Träume“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung die Einstufung „FSK16“ erhalten.
 
 
 


 
 
 

VIVARIUM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Concorde Home Entertainment (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Vivarium; Belgien | Dänemark | Irland 2019

Genre: Horror, Mystery, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Behind the Scenes (ca. 7 Minuten), Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 12.06.2020

 

Vivarium [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

VIVARIUM – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Concorde Home Entertainment

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Borgman (2013)
 
Beautiful (2009)
 

Filmkritik: „The Russian Bride – Bis dass der Tod uns scheidet“ (2019)

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THE RUSSIAN BRIDE – BIS DASS DER TOD UNS SCHEIDET

(THE RUSSIAN BRIDE)

Story

 
 
 
Eine russische Frau trifft einen älteren Mann auf einer Dating-Site und reist prompt mit ihrer Tochter in die vereinigten Staaten, um ihn in seiner abgelegenen Villa zu treffen. Reiche Männer in Amerika sind stets sehr vertrauenswürdig, also was könnte schief gehen?

 
 
 


 
 
 

THE RUSSIAN BRIDE – Kritik

 
 
Als 2002 das gelobte Indiedrama „Lana’s Rain“ als Regiedebüt von Michael S. Ojeda releaste, hätte man vermutlich nicht erwartet, dass dieser Name anno 2020 ziemlich unzertrennlich mit dem modernen Rache bzw. gar Rape and Revenge-Genrekino verbunden sein würde. Besagtes Sozialdrama schlug dabei auch schon düstere Töne an und lebte von einer eindringlichen Performance seiner Protagonistin, doch Blut oder Konfrontationen, die in der physischen Zerstörung menschlicher Materie enden, suchte man damals noch vergeblich. 18 Jahre später sieht das anders aus, denn Ojeda hat inzwischen den in Genrekreisen mit offenen Armen empfangenen, harten Rachethriller/Horrorfilm namens „Savaged“ erschaffen, der natürlich nicht drum herum kam, in Deutschland indiziert und folgend in mehreren Mediabooks verkauft zu werden. Wenn als nächster Titel dann also ein Film namens „The Russian Bride“ folgt, der blutige Hammer auf dem Cover präsentiert und ab 18 freigegeben wurde, lechzt das Filmfanherz direkt nach mehr Genrekost – Marketingverarsche mit vorprogrammierter Enttäuschung, oder der nächste übersehene Tipp?
 
 
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Im Menü der Blu-ray fällt sofort die allzu arg am PC bearbeitete, wenn auch prachtvolle Villa auf, die im weiten Drohnenshot zu schwerer Musik ominöse Vorzeichen geben soll, der Film beginnt dann auch direkt mit einem älteren Herren (Corbin Bernsen, den man aus „Kiss Kiss, Bang Bang“, „The Dentist“ oder „Dead Air“ kennen kann z.B.) der in eben jener Villa am PC seine Möglichkeiten russischer Bräute abwägt, und daraufhin auf die hübsche Nina (Oksana Orlan) stößt, die samt Tochter Dasha verarmt in Russland lebt, wo ihr drogenabhängiger Freund nicht mit dem zigarrerauchenden, reichen „Karl“ mithalten kann, der sie online umwirbt. Unter dem Vorwand der Flugangst seitens Karl fliegen Nina und Dasha selber direkt nach Amerika, ohne ihre Bekanntschaft je in echt gesehen zu haben, und kurz nach den Opening Credits werden die beiden Damen auch schon vom leicht gruseligen Butler „Hagen“ begrüßt, der freiwillig nicht im prunkvollen Anwesen haust, sondern in der Scheune nächtigt…
 
 
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Die ruhige Kameraführung, die verhaltene Höflichkeit der Gastgeber, die Abgeschiedenheit des Anwesens und natürlich die ersten Anekdoten über tote Söhne oder Unfälle in der Klinik des Vaters sorgen nun sehr schnell für ein aufkommendes Gefühl des Unbehagens und so professionell, „edel“, reich und hübsch die Hochzeit selber dann auch inszeniert ist, so surreal, entrückt oder argwöhnisch unheimlich kommt sie einem schnell vor. Wenn sich dazu dann noch eine höchst artifizierende Lichtsetzung gesellt, die die nächtlichen Räume gerne in ansprechend verträumten Farben malt, ist man spätestens bei Lynch-Assoziationen, Noir-Ästhetik und gar einem kleinen Gialloeinfluss angekommen. Zwar beißen sich diese, sehr gelungenen, Ästhetikhappen dann mit zu modernen Drohnenaufnahmen mit Fisheyeobjektiv oder dem wiederholt künstlich aussehendem CGI in den Außenshots, doch regelmäßige Stromausfälle als Plotdevice, die nuancierte und spannende Performance von Bernsen und einige verstreute Andeutungen bezüglich einer mysteriösen Backstory oder gar übernatürlichen Komponente entschädigen dafür und bescheren zudem eine Seherfahrung, der über große Strecken wirklich nicht allzu langweilig wird.
 
 
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„Nicht allzu langweilig“ ist dann auch eine gute Beschreibung für das weitere Geschehen, denn auch wenn Ojedas Thriller (?) deutliche Genremerkmale in sich trägt und insbesondere mit einer Frankenstein/Addams-Family Nebenszene/Charakterkonstellation richtig unterhaltsam, sympathisch und verspielt daherkommt, so kann man leider nicht von einem konstant spannenden Werk sprechen, oder auch nur von einem Horrorfilm. Storyverweise und Atmosphäre muten teils schon eher gotisch-nächtlich und mysteriös an, intensivieren und verdichten sich Schrecken und Spannung dann im weiteren Verlauf, kriegt man leider zu viele Versatzstücke geliefert, die man so oder so ähnlich schon besser gesehen hat. Ein dürftig getrickster Unfall hier, das mittlerweile oft gehörte, standartisierte Dröhnen und Hallen im Soundtrack zu flackernden Lampen dort, an der Scheibe steht etwas geschrieben, hui buh und so weiter. Doch ehe „The Russian Bride“ mit seinen zu langen 104 Minuten endgültig in die Belanglosigkeit driftet oder sich verliert, wacht dann scheinbar die Blutgier im Regisseur wieder auf, die er verspürt, sobald sich eine einsame Frau gegen mehrere Menschen erwehren muss – und hier folgt dann auch die Rechtfertigung für das Coverdesign, denn so hässlich ich es finde, so ungelogen ist es: Blutige Hammer kommen tatsächlich zum Einsatz und so konstruiert und unwahrscheinlich es auch wirkt, sogar das Brautkleid kriegt Blut ab. Mehr noch, dass die Frisur und Attitüde unserer Hauptprotagonistin frappierend an Uma Thurman aus Kill Bill erinnern, dürfte auch kein Zufall sein, packt auch dieses Werk hier in den letzten 20 Minuten dann endlich den Rachepart aus und bietet schonungslose, schnelle, rabiate Kills mit schmerzendem Sounddesign und überraschend hohen Bodycount.
 
 
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Epische Musik emotionalisiert die Zuschauer dabei schon vor der eigentlichen Konfrontation, eine kurze Foltereinlage setzt ganz neue Stakes und Chancen, die Effekte sind dabei gut genug, damit das Schicksal der jungen Frau überraschend nah geht. Da sich die verspielten Genreelemente, die sich vorher bereits deutlich ankündigten, zum Ende hin noch deutlich verstärken, ohne vom Geschehen abzulenken oder den Film entgleisen zu lassen, dürfte man auch die Intention des Regisseurs bzw. Leseanleitung in etwa so verstehen: „Habt Spaß, fiebert mit, denkt nicht weiter nach!“, weshalb fehlender Realismus, improvisiertes medizinisches Equipment aus den 80ern sowie punktuell massives Overacting, so z.B. von Lisa Goodman, zu verkraften sind. Endgültig gialloesque wird es mit einem richtig künstlerischem Setpiece-Argentokill am Ende, nach einer Stunde und 45 Minuten entlässt Ojeda den Zuschauer aus diesem sehr hübschen Indiefilm dann und hat eine simple, oft gesehene Geschichte erzählt, die sich motivisch sowie inszenatorisch aber durch Noir-Filme und Gialli, durch Traumlogik, Gothikhorror und Retro-Gruselfilme assoziiert hat, inhaltlich hingegen Sozialdrama-Baustücke/Anklänge über Mysterypfade zum feministischen Rachefilm mit Splatterinlagen mutieren lässt. Ist alles nicht so unüblich oder wild, wie es sich jetzt anhört und schnell vergessen auch, dafür aber voll mit durchaus interessanten, offen auf der Zunge getragenen Inspirationen.
 
 


 
 
 

THE RUSSIAN BRIDE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Punktuell sehr ästhetischer sowie spannender Thriller mit einigen unerwarteten Szenen, der sich in einem zufrieden stellenden Finale angenehm blutig entlädt. Definitiv zu lang und trotz unüblicher Zusammenstellung diverser Genreverweise recht generisch als Gesamtwerk, für Genrefans aber einmalig sehenswert – halbe Punkte gibt es hier nicht, darum ganz knapp an der 6 vorbei – 5/10.
 
 


 
 
 

THE RUSSIAN BRIDE – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „The Russian Bride“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung die Einstufung „keine Jugendfreigabe“ erhalten. Filmsammler können daher bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

THE RUSSIAN BRIDE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Russian Bride; USA 2019

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow, Bildergalerie

Release-Termin: KeepCase: 18.06.2020

 

ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE RUSSIAN BRIDE – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Stepfather (2009)
 
The Stepfather (1987)
 
Stepfather II (1989)
 

Filmkritik: „Funhouse“ (2019)

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FUNHOUSE

Story

 
 
 

Acht Prominente wollen in einer Realityshow viel Geld gewinnen. Doch statt Reichtum wartet der Tod.

 
 
 


 
 
 

FUNHOUSE – Kritik

 
 
 
Jede Zeit hat ihre Vorbilder, Helden und Idole. Während in vergangenen Tagen Menschen von Persönlichkeiten beeindruckt waren, welche etwas bewegen konnten und die für etwas Essenzielles eintraten, ist offenbar die Zeit für die Vermittlung von Werten vorbei. Statt sich von revolutionären Gedanken eines MARTIN LUTHER KINGS oder MAHATMA GANDHIS inspirieren zu lassen, geht man lieber den Weg des geringen Widerstandes. So repräsentieren die Helden heutiger Kinderzimmer nicht unbedingt mehr Ideale. Vorbilder von heute arbeiten als Influencer, Models oder YouTuber. Sie sprechen über aktuelle Einkäufe, Werben für die Produkte ihrer Sponsoren oder lassen den Zuschauer am teils verschwenderischen Lebensstil teilhaben. Eine erschreckend oberflächliche Veränderung an die auch der Horrorfilm FUNHOUSE kein gutes Haar lässt.
 
 
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Darin geht es um acht Prominente aus aller Welt, die als Influencer groß rausgekommen sind. Sie nehmen an einer Online-Realityshow teil, bei welcher sie fünf Millionen US-Dollar gewinnen können. Die Spielregeln sind ganz einfach. Man muss in einem unterirdischen Komplex mehrere Tage verbringen und wird 24h am Tag von Kameras gefilmt. Hierbei können die Konflikte zwischen den Teilnehmern vom Zuschauern online verfolgt werden. Letzterer entscheidet regelmäßig per Voting über den Verbleib im Spiel. Eine Art BIG BROTHER, welche jedoch einen Haken hat. FUNHOUSE ist nämlich ein Horrorfilm, was bedeutet, dass vermutlich alles blutiger wird, als gedacht. In der Tat geht auch bald das Sterben los. So muss jeder Spieler sein Leben lassen, der vom Publikum rausgewählt wird. Ein makaberes Treiben, das vom Publikum gefeiert wird. Letzteres sieht dabei zu, wie unwichtige Celebrities in Säure getaucht, erschlagen oder gevierteilt werden. Eine bitterböse Medienschelte, die dann doch etwas sehr geschmacklos und vor allem oberflächlich anmutet.
 
 
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Die Argumente, mit welchen Regisseur JASON WILLIAM LEE den Tod für seine unsympathischen Charaktere rechtfertigt, sind nämlich sehr fadenscheinig. Der hat offenbar Wut auf die erfolgs- und egogeilen Menschen, die sich in den sozialen Medien präsentieren, von Jugendlichen gefeiert werden und damit Millionen kassieren. Nichts investiert, aber maximalen Umsatz generiert. Zum Leidwesen gut ausgebildeter Fachkräfte – wie der Film suggerieren will. Die haben lang studiert und verdienen mit harter Arbeit nicht einmal ansatzweise so viel, wie DAGI BEE, BIBI und Co. Nun gut, ganz Unrecht hat der Filmemacher da nicht. Dennoch will nicht einleuchten, warum das alles in Form eines Horrorfilms angeprangert werden muss. FUNHOUSE verliert schnell seine eigentliche Kritik aus den Augen und wälzt sich stattdessen genüsslich in Gewalt und Kunstblut. Handlung, Kritik und Schicksale werden bald nebensächlich. Stattdessen steht das Sterben im Mittelpunkt. Darauf wird besonders Wert gelegt, wobei man aber auch sagen muss, dass die Morde eine wohlkommende Abwechslung zum eher langweiligen Treiben bilden. FUNHOUSE quält sich nämlich eine Geschichte zu erzählen, beleuchtet seine Figuren nur oberflächlich und haucht ihnen weder Leben noch Mitleid ein. Es wird viel unnützes Zeug von wenig talentierten Darstellern geredet. Unter denen: VALTER SKARSGÅRD. Bitte wer? Der Schauspieler war schon im kontroversen Drama LORDS OF CHAOS zu sehen und ist der jüngere Bruder von Pennywise-Darsteller BILL SKARSGÅRD.
 
 
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Der gebürtige Schwede verkörpert in FUNHOUSE einen der Helden, bleibt aber blass und unsympathisch. Genau das trifft aber auch auf den Film selbst zu. Der versucht irgendwie zu verstehen zu geben, wie abgestumpft der Zuschauer mittlerweile auf Unterhaltung reagiert. Hat man früher über familienfreundliche Sitcoms gelacht, dürstet es dem Publikum von heute nach reißerischem Content. Treu nach der Devise „je oller, desto doller“ werden mittlerweile Menschen vor TV-Kameras gedemütigt und bloßgestellt. Vermutlich wird auch bald live auf PRO SIEBEN gefoltert. Offenbar wirds dann erst interessant. Doch dem Betrachter scheints mittlerweile egal zu sein. Der ist zwar geschockt und irritiert, schluckt aber runter und geht anschließend beruhigt schlafen. Wenn man es genau betrachtet, trifft es aktuell auch auf das Horror-Genre zu. Zwischen einem I SPIT ON YOUR GRAVE von 1978 und dem Remake von 2010 liegen zweifelsohne Welten. So ist aus schneller Rache aus den 1970ern bluttriefender Sadismus geworden, der einzig darauf aus ist, die niederen Instinkte des Publikums zu stimulieren. Trotzdem sind es Wegweiser der jeweiligen Zeit, die für jeden Horrorfilmfan Pflichtprogramm sind. Im direkten Vergleich ist FUNHOUSE ein müder Pups im Wind. Hier wird heuchlerisch der Zeigefinger gehoben und Kritik nur oberflächlich angerissen. FUNHOUSE riskiert nichts, sondern kopiert flach, was so Konsorten wie SAW und HOSTEL schon vor knapp 15 Jahren weitaus besser und vor allem fesselnder in Szene gesetzt haben. Daher empfohlenes Alternativprogramm: DISLIKE aus Russland. Der kritisiert ähnlich, ist nicht so tiefgründig, versteht aber mehr davon, über das die ganze Zeit in FUNHOUSE gesprochen wird: Unterhaltung.
 
 
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FUNHOUSE – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
SAW meets BIG BROTHER. Blutige Medienschelte mit heftigen Kills – aber doofer Auflösung. Regisseur JASON WILLIAM LEE versucht mit FUNHOUSE seinem Ärger Luft zu machen. Nach tollwütigen Menschen in THE EVIL IN US wird es im neuen Film gesellschaftskritisch. In diesem Folter-Slasher-Mix geht es Influencern an den Kragen. Die werden im Film als Nichtsnutze dargestellt, die mit wenig Können maximalen Reibach verdienen und ganz nebenbei auch noch dafür sorgen, dass der Zuschauer vor der Glotze vollkommen verblödet. Interessante Ansätze, die eigentlich eher als Auslöser für Geschrei, Gewimmer und Gewinsel dienen. Die Pseudo-Kontroverse über das verschobene Verständnis von Unterhaltung in der heutigen Gesellschaft ist kaum der Rede wert. Ansätze sind da – zu Ende gedacht wird aber kaum. Daher bleiben einzig die fiesen und sadistischen Gewaltmomente in Erinnerung. Dennoch machen die aber aus einem langweiligen Horrorfilm keinen neuen JAMES BOND. Abschalten lohnt daher – auch wenn FUNHOUSE technisch gesehen ganz akzeptabel daherkommt.
 
 
 


 
 
 

FUNHOUSE – Zensur

 
 
 
FUNHOUSE zeigt einige sehr gemeine Morde, die dazu auch noch sehr lang zelebriert werden. Teils werden Mitspieler einer Spielshow vor den Augen der anderen hilflosen Teilnehmer hinterlistig und kaltblütig ermordet, dass hier mindestens eine Erwachsenenfreigabe erteilt werden muss. Wir gehen sogar so weit und meinen, dass FUNHOUSE nur geschnitten auf den deutschen Markt gebracht wird.
 
 
 


 
 
 

FUNHOUSE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von SF Studios)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dislike (2016)
 
Pain – Vile (2011)
 
Unsichtbare Augen (2002)
 

Filmkritik: „Two Heads Creek“ (2019)

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TWO HEADS CREEK

Story

 
 
 

Bissige Sprüche und viel schwarzer Humor made in Großbritannien: Zwei Geschwister verschlägt es bei der Suche nach der leiblichen Mutter von England nach Australien, wo die Einwohner eines kleinen Dorfes unappetitliche Leidenschaften pflegen.

 
 
 


 
 
 

TWO HEADS CREEK – Kritik

 
 
 
Verschiedene Länder – aber dieselbe Sprache. Der Horrorfilm ist ein Genre mit Geschichten, die man fast überall auf dem Globus kennt, weil sie immer nach gleichem Erfolgsmodell abgespult werden. Hierbei besonders beliebt: der Backwood-Slasher. Meist wird da von Menschen abseits der Zivilisation berichtet, die auf dem Land nach ganz eigenen blutigen Regeln leben und gern mal fern des Gesetzes handeln. Da wird getötet, gefoltert und gedemütigt. Regeln, denen Filmemacher akribisch folgen – egal in welchem Land sich die Geschehnisse auch abspielen mögen. Da gab es Landeier im britischen INBRED, die mit Stadtmenschen kurzen Prozess veranstaltet haben. Aber auch im katalanischen SANT MARTÍ verstand man mit Durchreisenden im spanischen Hinterland so gar keinen Spaß. Letztere wurden von Einheimischen gejagt und anschließend verspeist. Ein Schicksal, das auch einigen Dokumentarfilmern im argentinischen WHAT THE WATERS LEFT BEHIND nicht vorenthalten blieb. Die wollten nur einen Film über eine verlassene Geisterstadt drehen und liefen dabei unfreiwillig in die Arme einer ominösen Menschenfresser-Sippe, die aus den Filmleuten ein leckeres Süppchen kochte.
 
 
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Die Horrorkomödie TWO HEADS CREEK macht da nichts anderes. Der Streifen entführt den Zuschauer diesmal nach Australien, wo in der Provinz natürlich auch wieder seltsame Eigenbrötler hausen, die ohne Furcht und Tadel Dinge veranstaltet, über die zivilisierte Menschen nicht einmal ansatzweise nachdenken würden. Genau diese Erfahrung müssen auch die Geschwister Annabelle und Norman machen. Die leben in einer britischen Kleinstadt und haben es statt von den Einheimischen wegen ihrer polnischen Herkunft schikaniert zu werden. Doch das Leben hat bald einen neuen Sinn. Die Mutter stirbt ganz plötzlich und der Nachwuchs bekommt davon Wind, dass er eigentlich adoptiert wurde. So werden aus Polen auf einmal Australier, weil der leibliche Vormund im Land der Kängurus verweilt. Ein Grund Koffer zu packen und nach der leiblichen Familie zu suchen. Kaum angekommen, ist die Freude nicht sonderlich groß. Man landet in einem rückständigen Kaff am Hinter der Welt. Hier ist man auf Ausländer gar nicht gut zu sprechen, was unsere Helden in Teufels Küche bringt. Das macht die Suche nach den Eltern kompliziert, denn der Besuch im australischen Hinterland entwickelt sich auf einmal zum Überlebenskampf.
 
 
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Rabenschwarzer Spaß-Horror mit mehr dahinter. TWO HEADS CREEK nimmt das Stereotyp des trinkfesten, fleischfutternden, ländlichen Australiers auf die Schippe, der vor allem durch Fremdenfeindlichkeit auffällig wird. Letzteres ist Hauptthema des Films, denn wie sich im Verlauf herausstellen wird, ist in diesem Kaff Endstation für jene, die gern einen Neuanfang auf dem fünften Kontinent beginnen möchten. Statt neuem Leben wartet der Tod auf Immigranten. Die werden kurzerhand zu Wurst verarbeitet. Für die Regierung ist so das Problem der Einwanderung gelöst. Das wird in dieser Horrorkomödie freilich überspitzt dargestellt und mit typisch britischem Humor verfeinert. Dennoch sind gesellschaftskritische Töne unüberhörbar.
 
 
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Als „respektlose, verrückte und skurrile Horrorkomödie, die mehr Komödie ist als Horror“ beschreibt Regisseur JESSE O’BRIEN den zweiten Spielfilm. Schaut man genauer hin, hat er damit gar nicht so Unrecht. TWO HEADS CREEK nimmt kein Blatt vor dem Mund, teilt gehörig gegen alles und jeden aus und hat damit auch noch den Zuschauer auf seiner Seite. Der Wortwitz ist grandios, die Pointen messerscharf. Viele bissige Kommentare treiben konservativen Filmfans die Schamröte ins Gesicht. So viel political incorrectness hat man seit der Erfolgsserie LITTLE BRITAIN schon lange nicht mehr im Heimkino erlebt.
 
 
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Doch neben vielen gesellschaftskritischen Späßen fernab des guten Geschmacks wird natürlich auch Horrorfans was geboten. Das Finale macht dem Horror-Genre alle Ehre. Da mutiert die bitterböse Satire zum regelrechten Splatterfest. Gliedmaßen werden abgetrennt und Köpfe rollen. Zwar fließt viel Blut und geschrien wird reichlich – der Härtegrad hält sich aber wegen der selbstironischen Machart in Grenzen. Das tut dem Unterhaltungswert aber keinen Abbruch. So bleiben viele der schrägen Charaktere im Gedächtnis. Diese entpuppen sich als Karikaturen der teils abgehängten Landbevölkerung Australiens, die schon längst den Glauben in die Politik verloren haben und jegliche Veränderung scheuen. Wachrüttelnder Unsinn, der spätestens nach dem Abspann einen Beigeschmack hinterlässt. Wenn Lacher verhallen und das Kopfkino läuft, dürfte schnell einleuchten, dass TWO HEADS CREEK nicht nur Schabernack war. Die Grundaussage des Films ist nämlich bitter. So wird schon lange nicht mehr nur in Australien gegen Immigration gewettert. Die Angst vor dem Fremden ist mittlerweile in beinahe jedem Land der Welt angekommen. Wir in Deutschland bilden da keine Ausnahme – wie die Flüchtlingshetze der letzten Jahre gezeigt hat.
 
 


 
 
 

TWO HEADS CREEK – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Respektlos, schwarzhumorig – aber dennoch grundehrlich. TWO HEADS CREEK ist eine mit Splatter gefüllte Satire auf das australische Hinterland, die vielen modernen Staaten den Spiegel vorzeigt. Zwar spielt hier alles im Land der Kängurus. Die Geschehnisse könnten sich aber genauso in Deutschland, Amerika, Polen oder Ungarn zutragen. Es geht um Immigration und wie Menschen damit umgehen. Ein brisantes Thema, das im Falle von TWO HEADS CREEK satirisch verpackt wird. Dennoch dürfte vielen Zuschauern das Lachen im Halse stecken bleiben, wenn die Filmbrille abgenommen wird und man aus der Kinowelt auftaucht, um zurück in die Realität zu finden. Letztere kann bitter sein.
 
 
 


 
 
 

TWO HEADS CREEK – Zensur

 
 
 
Die zweite Hälfte von TWO HEADS CREEK hat einige blutige Splatter-Späße zu bieten. Da wird viel Rot gezeigt. Dennoch wird die Gewalt derart überzeugen zelebriert, dass eine ungeschnittene FSK16 nicht undenkbar wäre.
 
 
 


 
 
 

TWO HEADS CREEK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Two Heads Creek Holdings Pty Ltd)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Tucker and Dale vs Evil (2010)
 
100 Bloody Acres (2012)
 
2001 Maniacs (2005)
 

Filmkritik: „Come to Daddy“ (2019)

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COME TO DADDY

Story

 
 
 
30 Jahre nachdem sein Vater die Familie verlassen hat, erhält Norval die Karte zu einem entlegenen Haus per Post und entdeckt beim Hausbesuch deutlich mehr, als einen entfremdeten Erzeuger…

 
 
 


 
 
 

COME TO DADDY – Kritik

 
 
Ex-Teeniestar Elijah Wood, der seine Karriere schon beinahe unbemerkt, als Kind in „Zurück in die Zukunft 2“ etwa, begann, als „Frodo“ oder auch nur „bekannt aus der Herr der Ringe-Trilogie“ vorzustellen, war im Kritikertum jahrelang Usus, war eben jene Rolle doch auch nicht nur die größte und erste international wirklich erfolgreiche des mittlerweile 39-Jährigen, sondern auch seine Ikonischste. Doch anno 2020 und somit 19 Jahre nach dem ersten Teil Peter Jacksons legendärer Mittelerde-Trilogie darf es schon als ignorant oder veraltet gelten, diesen versatilen, begabten Darsteller auf seine Leinwandpräsenz mit haarigen Füßen zu reduzieren, hat er sich in den Folgejahren doch immer wieder durch Genreproduktionen profiliert, die oftmals fernab vom Mainstream verlaufen und durch Rollenwahlen, die gerne mal auf Sympathie oder klassische Synchronisierung mit dem Zuschauer verzichten.
 
 
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Und egal ob Wood als frauenschlachtender oder kannibalistischer Psychopath in „Sin City“ oder „Maniac“ Furcht einflösst, in „Hooligans“ den Imagewechsel mit der Brechstange erzwingt und dabei trotzdem noch eine nuancierte Performance bietet, sich in unterschiedlichsten Produktionen als Synchronsprecher bewährt – u.a. für Adult Swim oder „#9“ – oder in Indie-Produktionen wie „The Oxford Murders“, „Grand Piano“ oder „Cooties“ Genrefans erfreut – misslungener oder unpassender als die früheren Rollen ist das keinesfalls, im Gegenteil, ich würde sogar von einem Schauspieler sprechen, der sich gefunden hat und mit großer Freude Nischen ausfüllt, statt dem großen Geld hinterher zu jagen. Spätestens mit seiner eigenen Produktionsfirma, „SpectreVision“, die er zusammen mit den Regisseuren Daniel Noah und Josh C. Waller gestartet hat, unterstützt er seit Jahren tatkräftig den abseitigen, unabhängigen Genremarkt mit Produktionen wie dem absolut einzigartigen „The Greasy Strangler“ oder zuletzt auch dem polarisierenden „Daniel Isn’t Real“.
 
 
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Bestens in diese Kette aus nicht am generellen Mainstream interessierten Produktionen reiht sich nun auch der vorliegende Film „Come to Daddy“ des Neuseeländers Ant Timpson ein, der bis auf seinen Kurzfilm „Crab Boy“ auch in erster Linie als Produzent oder Schreiberling bekannt sein dürfte, so basiert „The ABCs of Death“ z.B. auf seinem Alptraum. Die 96 Minuten dieser mysteriösen, schwarzhumorigen Thrillererfahrung fangen dabei mit zwei Zitaten über Väter an, die in dieser Juxtaposition bereits ziemlich gut auf das Werk einstimmen: Erst Shakespeare, dann Beyoncé. Ein percussionlastiger Soundtrack generiert schnell einen Retro-Agenten/Spionage-Vibe und sorgt für Anspannung und freudige Erwartungshaltung beim Zuschauer, dazu reist unser Schnauzbart und Hipsterfrisur tragender Elijah Wood als junger, alternativer DJ durch eine bergige Waldlandschaft und einzelne Drohnen/Kranfahrten sehen so künstlerisch aus, dass meine Assoziation glatt „Tree of Life“ war.
 
 
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Die Designer-Wohnung am Berghang ist schick beleuchtet und mit liebevollen Details versehen, eine gruselige Eule hier, ein interessant platzierter Sessel dort, und kurz nach Ankunft des Sprösslings werden dann auch direkt auf logische, nachvollziehbare und realistische Weise gut gespielte Brocken an Backstory und Erklärung geliefert, wieso Sohnemann überhaupt auftauchen soll. Sowohl Comedy, als auch Rätsel- und Verlaufsspannung, leicht mysteriöse Andeutungen und eine aufkochende Diskussion werden nachfolgend bedient, wobei Elijah Wood und sein Gegenüber sich hier bestens die Bälle zuwerfen, ausweichen, nachgeben und nachtreten.
 
 
„Just you know, if you wanna impress me, I like fight stories.“
 
 
Ein Wohnzimmermassaker mit viel Eskalation und Konfrontation wie zuletzt bei „Why don’t you just die?!“ sollte man indes nicht erwarten, da „Come to Daddy“ mehr am Dialogwitz, mehr am sich peu à peu natürlich entfaltendem Plot, mehr am Subtext und der Auflösung einer prinzipiell verwirrenden Situation interessiert ist, denn an Drastik oder Actioneinlagen. Nach den hübschen Panoramas und Landschaftsaufnahmen zu Beginn nehmen sich sowohl Editing als auch Soundtrack nun etwas zurück und schnell kommt Spannung auf, da bei Nacht ein stranges Gespräch belauscht wird – geht es hier etwa nicht mit rechten Dingen zu? „Come to Daddy“ verlangt es mir nach längerer Zeit mal wieder ab, an dieser Stelle bereits mit der Paraphrase bzw. Nacherzählung aufzuhören – denn auch, wenn ich auch in meinen sonstigen Reviews versuche Spoiler zu meiden und nicht zu viel/weit zu erzählen, so beginnt „Come to Daddy“ derart früh und unvermittelt mit höchst amüsant und durchaus realistisch geschriebenen, deswegen aber nicht weniger absurden Überraschungen, dass jede weitere Zeile zur Story den Spaß nur versauen würde.
 
 
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Es gibt einen wunderbar verwirrenden offbeat-Charakter der gefühlt aus einem Tim & Eric-Sketch in den Film gemorpht wurde, vage Ideen eines romantischen Nebenplots, die absolut hollywood-untypisch verlaufen und trotzdem nie zu gimmicky werden, großartige Comedy-Einlagen die man nicht kommen sieht, dann aber nicht mehr missen möchte, kreativ-überzeichnete Nebencharaktere, von einem Starcast gespielt und punktuell comichaft, ziemlich brutale Konfrontationen, die eine FSK 18 absolut rechtfertigen und mittendrin einen spielfreudigen Elijah Wood, der durch seine Handlungen und Aussagen nicht einmal unbedingt die Sympathie des Zuschauers auf seiner Seite hat, aber trotzdem nie aus der Rolle fällt und darum ein Spaß zu beobachten ist. Lange stand es keinem Film mehr so gut, so lange mit verdeckten Karten zu spielen. Und als wäre all das noch nicht genug, als wäre dieser Film mit Herz am rechten Fleck und einzig einem etwas ungelenkt ausgeführten, pacingtechnisch wenig sinnvollen Finale, noch nicht innerhalb seiner Ansprüche völlig gelungen, so spielt er später dann tatsächlich noch eine sehr bekannte, bittersüße Melodie von einem meiner Lieblingskünstler, die perfekt geklappt und mich im Kontext hat unerwartet emotional werden lassen. Chapeau!
 
 
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COME TO DADDY – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
„Come to Daddy“ hat für absurde Diskussionsthemen in der Runde gesorgt, hat mich selten wirklich lachen, oft aber hämisch breit grinsen lassen und lohnt sich für Fans schwarzer Komödien, interessant aufgebauter Thriller sowie schlicht und ergreifend kurzweiliger Filme mit etwas Blut und Comedy ohne Wenn und Aber.
 
 


 
 
 

COME TO DADDY – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „Come to Daddy“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung die Einstufung „keine Jugendfreigabe“ erhalten. Filmsammler können daher bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

COME TO DADDY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Come to Daddy; Irland | Kanada | Neuseeland | USA 2019

Genre: Horror, Thriller, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Horror DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 29.05.2020

 

Come to Daddy [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

COME TO DADDY – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Botched – Voll verkackt! (2007)
 
Very Bad Things (1998)
 
Stuck (2007)
 
The Cottage (2008)