Filmkritik: „On Halloween – Die Nacht des Horrorclowns“ (2020)

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ON HALLOWEEN – DIE NACHT DES HORRORCLOWNS

(ON HALLOWEEN)

Story

 
 
 
Jedes Jahr zu Halloween massakriert ein fieser Killer-Clown die Stadt, aber scheinbar kann er auf der ganzen Welt gleichzeitig tätig sein.

 
 
 


 
 
 

ON HALLOWEEN – Kritik

 
 
Wenn der Oktober beginnt, gibt es jedes Jahr ein paar neue Filme, die sich mit Halloween beschäftigen. Dass darunter auch oftmals C-Movies stecken, dürfte niemanden verblüffen, denn mit keinem Genre lässt sich wohl so schnell Geld verdienen, als mit Horror. „On Halloween – Die Nacht des Horrorclowns“ hat sich die reale Begebenheit um Leute im Clownskostüm, die in den letzten Jahren vor allen Dingen in Amerika ahnungslose Passanten erschreckten, zunutze gemacht und daraus einen austauschbaren Slasher kreiert, der nicht gerade unterhaltsam daherkommt.
 
 
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In der Zeit um Halloween verschwinden immer wieder Menschen spurlos. Es herrscht eine Legende um einen Clown namens Boo, der die Menschen tötet und für seine Rituale benutzt. Erst vor kurzem wurde jemand deshalb verhaftet, doch dieses Jahr gibt es erneut Taten, welche die selbe Handschrift besitzen. Die Journalistin Jordan möchte der Sache nachgehen und recherchiert fleißig, bis sie das dunkle Geheimnis um den mordenden Clown herausfinden soll. Halloween mit einem Killer-Clown zu verbinden, ist wohl so originell wie einen maskierten Killer in einem Slasher auftreten zu lassen. Doch es sind manchmal durchaus die simplen Ideen, die zu gefallen wissen. Leider ist das bei „On Halloween“ kaum der Fall. Hier verläuft einfach alles zu sehr nach Schema F und das Drehbuch kann kein Interesse wecken. Lediglich ein paar Einfälle sind noch als okay zu verbuchen und bewahren die Story vor dem größten Abgrund.
 
 
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Dem Rest gelingt dies kaum. Zunächst hätten wir da eine billige Optik, die einfach keinen Spaß macht. Man erkennt sofort, dass der Film günstig war und das Filmmaterial nicht hochwertig ist. So wenig Freude das visuell auch macht, so lobenswert ist dennoch, dass man hier viele verschiedene Schauplätze zu sehen bekommt. Mit einem gewissen Aufwand wurde „On Halloween“ eigentlich schon versehen, nur bringt ihm dies nichts, denn er scheitert schon alleine an seinen blöden Charakteren. Eigentlich ist es förderlich, wenn es viele Hauptpersonen gibt. Das Treiben spielt sich in drei Handlungssträngen ab. So verfolgt man nicht nur zwei Detectives, die gerade für eine Fernsehsendung gefilmt werden, sondern auch noch ein paar Pseudo-Teenager, die den Clown finden wollen und zusätzlich eben die Journalistin, die zusätzlich schwanger ist. Blöd ist nur, dass fast alle Figuren nervig und unsympathisch sind und deshalb wird der gute Ansatz wieder zerstört. Da hätte man sich doch besser ausschließlich auf Jordan konzentriert, denn sie wird von Giselle van der Wiel noch am erträglichsten gespielt und hat auch die normalste deutsche Synchronisation erhalten. Alle anderen machen ihren Job nicht gerade gut und nerven mit ihrem Gelaber schon bald.
 
 
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Für einen Verriss ist das dennoch nicht schlecht genug, denn auch wenn die handwerkliche Arbeit nicht viel auf dem Kasten hat, so bleibt das Tempo doch stets hoch und es mangelt dem Geschehen nicht an Abwechslung. Leider ermüdet sich das auf Dauer trotzdem und es wäre durchaus förderlich gewesen, wenn man anstatt der 90 Minuten nur 70 gefüllt hätte, denn nicht zwangsläufig jede Szene hätte es gebraucht. Der Clown sieht dabei noch ganz okay aus, nervt mit seinen Reimen aber irgendwann auch und macht zu sehr einen auf Leprechaun. Es fehlt einfach an Spannung und an Highlights. Nichts daran ist sterbenslangweilig, aber auch rein gar nichts jemals unterhaltsam. Immerhin bekommt man noch eine gute Portion Blut zu sehen. Das ist nichts Weltbewegendes, rechtfertigt aber so gerade eben die Freigabe ab 18 Jahren und die Effekte sind in Ordnung. Etwas schade ist allerdings, dass hier kaum eine Halloween-Atmosphäre aufkommen möchte, aber so oder so wird es mit dem ernsthaften Horror nicht wirklich etwas.
 
 


 
 
 

ON HALLOWEEN – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
„On Halloween – Die Nacht des Horrorclowns“ ist ein billiger Horrorfilm mit schlechten Darstellern, nervigen Figuren und einer sehr preiswerten Optik. Dass es trotzdem weitaus miesere Werke gibt, liegt an ein paar passablen Ideen und einem hohen Tempo. Zwar wird es dadurch nicht unterhaltsam, aber wenigstens ist meistens etwas los und es wird ganz gut gemordet. Eine eigentlich ganz nette Schlusspointe gibt es ebenfalls noch. Das reicht nie und nimmer für eine Empfehlung, aber eben auch zu keinem kompletten Verriss!
 
 


 
 
 

ON HALLOWEEN – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „On Halloween – Die Nacht des Horrorclowns“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung die Einstufung „keine Jugendfreigabe“ erhalten.
 
 
 


 
 
 

ON HALLOWEEN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: On Halloween; Australien 2020

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 92 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 09.10.2020

 

On Halloween – Die Nacht des Horrorclowns [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

ON HALLOWEEN – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Stitches – Böser Clown (2012)
 
Halloween Haunt (2019)
 
Clownhouse (1989)
 

Filmkritik: „The Deep Ones“ (2020)

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THE DEEP ONES

(H.P. LOVECRAFTS THE DEEP ONES)

Story

 
 
 

Für „The Deep Ones“ durfte mal wieder der Name H.P. Lovecraft herhalten, denn es geht um Cthulhu und Monsterwesen aus dem Wasser, welche von einer Sekte verehrt werden.

 
 
 


 
 
 

THE DEEP ONES – Kritik

 
 
 
Wohl kaum ein Mensch war so beeinflussend für die Horrorwelt, wie H.P. Lovecraft. Selbst über 80 Jahre nach seinem Tod, gibt es noch immer zahlreiche Werke, die auf seinen Ideen basieren. Dazu zählt nun auch der Low-Budget-Reißer „The Deep Ones“, der aus der Vorlage aber leider nur ein müdes Gähnen hervorzaubert.
 
 
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Alex und Petri wollen mal wieder richtig schön entspannen und dem Alltag entfliehen, weshalb sie sich ein schickes Ferienhaus am Strand mieten. Die Vermieter sind auch vor Ort und drängen sich nach Alex Meinung etwas zu sehr auf. Nur Petri genießt den Kontakt mit ihnen. Schon bald stellt sich heraus, dass die Vermieter zusammen mit anderen Bewohnern der Gegend eine Sekte führen, die einem Monsterwesen aus dem Wasser huldigt und Alex soll ein ganz besonderes Geschenk erhalten. Dass hier Lovecraft als Vorbild fungierte, ist nicht zu übersehen. Man hat sich seiner Geschichte um den Cthulhu-Kult angenommen und aus der Story überhaupt nichts Eigenständiges gemacht. So wie das hier erzählt wird, wurde es schon etliche Male erzählt. Eigene Ideen sieht man eigentlich gar nicht und das alles wäre kaum so schlimm, wenn wenigstens die Umsetzung überzeugen könnte, nur leider gestaltet sich dort alles ähnlich lustlos.
 
 

 
 
Regisseur Chad Farrin, der hier auch für das Drehbuch verantwortlich war, konnte schon bei etwas größeren Werken mitwirken, aber wenn er selbst inszeniert, hat er sich ganz dem billigen Trash verpflichtet und dass die Mittel in „The Deep Ones“ sehr begrenzt waren, sieht man dem Streifen zu jeder Sekunde an. Die Schauplätze wirken nicht gerade toll und nicht mal der Meerausblick oder der Strand sorgen hier für Schauwerte. Zwar wird manchmal etwas mit Farben und Lichtern gespielt, aber das sieht ebenfalls nicht gerade spektakulär aus. Die Atmosphäre atmet eher Mystery, als richtigen Monsterhorror, wird aber sowieso dermaßen plump aufgebaut, dass sie einen kaum erreichen kann. Für Kinder, die solche Filme eigentlich noch nicht sehen dürften, ist das bestimmt ein wahres Fest und auch unheimlich, aber an diese richtet sich ein solches Werk ja nun mal nicht primär. Weil das handwerklich schon sehr begrenzt ist und kaum Stimmung aufkommen lassen will, hat es der Unterhaltungswert sowieso nicht leicht.
 
 
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Dabei ist der Anfang noch vielversprechend, denn es dauert wirklich nicht lange, bis die bösen Absichten der Vermieter klar sind und ein paar Flashbacks bringen auch gleich etwas Horror mit ins Geschehen, so dass man denken könnte, es würde so weitergehen. Doch nach dem recht temporeichen Beginn, gibt es bis zum Finale fast nur noch Langweile. Höhepunkt ist hier die Party mit einer gefühlt minutenlangen Begrüßung aller Gäste. Die Dialoge sind nicht gerade hörenswert und von Monstern fehlt auch fast jegliche Spur. Lediglich im kurzen Finale gibt es noch ein paar nette Kostüme zu sehen, aber Splatter gibt es gar keinen, weshalb man für „The Deep Ones“ eigentlich schon wieder die Freigabe ab 14 Jahren einführen sollte. Zum Glück läuft das Ganze nur 82 Minuten und ist von daher nicht so lang geraten, aber selbst innerhalb dieser Laufzeit gibt es zu viele Längen. Die Darsteller können das auch kaum retten. Gina La Piana und Robert Miano machen ihre Sache noch ganz okay, doch der Rest spielt das wirklich nicht gut und die Charaktere sind sowieso dermaßen dünn gestaltet, dass hier keine Sympathien aufkommen können.
Der billige Score passt zwar, hört sich aber nicht gerade prickelnd an.
 
 


 
 
 

THE DEEP ONES – Fazit

 
 
3 Punkte Final
 
 
„The Deep Ones“ bedient sich fleißig an Lovecraft und kreiert daraus einen Film, den es schon oft genug gegeben hat, nur oftmals eben in deutlich besser. Wenn nicht viele Mittel zur Verfügung stehen, muss das kein K.O.-Kriterium sein, aber diesem Werk merkt man einfach keinerlei Leidenschaft an. Es gibt fast ausschließlich langweilige Szenen zu sehen und nur ganz selten mal ein paar hübsche Monsterkostüme. Die handwerkliche Arbeit ist höchstens durchschnittlich, die Darsteller agieren nicht gerade begeisternd die Endpointe ist so vorhersehbar, wie alles an dem Streifen. Leider nicht empfehlenswert!
 
 
 


 
 
 

THE DEEP ONES – Zensur

 
 
 
„The Deep Ones“ hat kaum grausame Schauwerte zu bieten. Abgesehen von etwas roter Farbe und ein paar Monsterkostümen ist dieser Streifen völlig harmlos. Daher könnte er bedenkenlos ab 12 Jahren freigeben werden. Dennoch denken wir, dass es eine FSK16 werden wird.
 
 
 


 
 
 

THE DEEP ONES – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Crappy World Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Call of Cthulhu (2005)
 
H.P. Lovecrafts Necronomicon (1993)
 

Filmkritik: „Amulet – Es wird dich finden“ (2020)

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AMULET – ES WIRD DICH FINDEN

(AMULET)

Story

 
 
 
Ein ehemaliger Soldat, der obdachlos in London lebt, wird von einer Nonne zu einer alten Villa gebracht, in der er sich gegen Essen und Unterkunft nur etwas mit dem Schimmel und der alten Dame im Obergeschoss herumschlagen muss.

 
 
 


 
 
 

AMULET – Kritik

 
 
Es hätte so schön sein können, so schön und so einfach – ein scheinbar europäischer Vertreter des übernatürlichen Horrors war an der Zeit, gesichtet zu werden, und er wirkte wie ein vermutlich durchschnittlicher Vertreter seiner Zunft, der auf der imdb einige User polarisiert, im Endeffekt aber größtenteils mittelmäßige Kritiken bekommen hat. Spielfilmdebütantin und Feministin Romola Garai dürfte dabei spätetestens seit „Abbitte“ als Schauspielerin bekannt sein und wer die bisherige Karriere der 38-Jährigen Britin verfolgt hat, den dürfte es nicht wundern dass reines Genrevergnügen hier nicht im Vordergrund stand – zumindest vor der Kamera war die Horrorrichtung ihr doch eher fremd. Was folgt, ist weder ein simpel zu durchschauender Standard-Horror, noch die Frischzellenkultur des Jahres – aber je nach Blickwinkel kann ich hier trotzdem fast jede Bewertung nachvollziehen.
 
 
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Die gothisch-verträumten Opening Credits nutzen kraftvoll abgemischte, chorale Gesänge, Funkenregen und Unschärfe zu ihrem Vorteil und lassen eine professionelle Produktion erwarten, Überblenden durch bildgewaltige Wälder und ein Mann liegt neben einem dicken Gewehr auf einem Feldbett in seinem rustikalen Holzhaus. Natürliches Licht und nebelverhangene Wälder, eine mysteriöse Holzschnitzerei wird im Boden gefunden, dazu ein brodelnder und kratzender, beunruhigender Soundtrack. Die Szene offenbart sich als Traum, da unser Hauptprotagonist Tomaz in der Realität wohl in ärmlichen Verhältnissen mit anderen Obdachlosen oder Heroinabhängigen auf blanken Matratzen in zerfallenen Gebäuden lebt, und dort jemand ein Feuer gelegt hat. Der Kriegsflüchtling wird von einer fürsorglichen, zuversichtlichen Nonne ins Krankenhaus gebracht, eine prachtvolle aber alte und schimmelige Villa stellt daraufhin sein neues Zuhause dar. Carla Juri, die man aus „Blade Runner 2049“ oder gar „Feuchtgebiete“ kennen kann, spielt hier die verunsichert wirkende Magda, die sich um ihre kränkelnde Mutter kümmert und gerne etwas hausmännische Hilfe beansprucht. Schnell gibt es Fleischpastete sowie undefinierten Eintopf, der gierig vom ausgehungerten Tomaz verschlungen wird, zudem häufen sich die Unüblichkeiten langsam – so wird von der Mutter viel geredet, aber zu sehen gibt es sie nicht, bis auf eine Bisswunde an Magdas Arm und die Warnung, dass Tomaz wohl unerwünscht ist. Ganz abgesehen davon natürlich, dass Tomaz‘ Träume sich zu verdichten scheinen und er sich die Hände zusammen kleben muss, bevor er schlafen geht…
 
 
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Ist man nach einem stimmigen Aufbau mit durchaus neugierig machender Exposition in der teilweise in hübschen Details und Umgebungsaufnahmen eingefangenen Villa mit ihren Vorhängeschlössen, verzierten Wänden und blutigen Bettlaken angekommen, offenbart sich „Amulet“ als absoluter Slowburn, der die Geduld des Zuschauers ggf. auf die Probe stellt und sich sehr lange in Zurückhaltung übt. Ein Horror-Highlight ist für mich das im Nachinein sinnvolle Foreshadowing mit einer handgemachten, erschreckenden und ziemlich verstörend- unerklärt-alptraumhaften Szene, deren Effektarbeit und Aufbau ich absolut genießen konnte, doch auch wenn die ersten 35 Minuten wie aus einem Guss wirken und sich der Film jetzt langsam steigern könnte, doch auch wenn die genaue Hintergrundgeschichte um die titelgebende Holzschnitzerei angenehm undurchsichtig bleibt und Kerzenlicht für wohlige Schaueratmosphäre sorgt, so ist die Reihung von Genreelementen, Flashbacks und Tempo herausnehmenden Dialogen über Rollenklischees („Men think romance is silly“) doch sehr behäbig. Nach der Hälfte des Films sind wir mehr beim Charakterdrama angekommen denn beim Horrorfilm, technisch zweifelsohne auf einem hohen Level, nur mit einem Script versehen, das viel Spannung aufbaut und Fragen generiert, zu wenig davon aber eigenständig oder originell beantwortet. Besitzt man als Zuschauer jedoch die nötige Hingabe zum Film, die nötige Aufmerksamkeit und das Durchhaltevermögen, so wird man rein genretechnisch tatsächlich noch mit Body-Horror, gruseligen Einstellungen und gar akuter Bedrohung konfrontiert, wie ich es nicht erwartet hätte. Ein großes WTF eine halbe Stunde vorm Ende,eine erste Bluttat nach etwa 70 Minuten – und dann folgen Twist nach Twist und das Script bricht dem Film einfach das Genick.
 
 
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Garai scheint nämlich mehr interessiert daran, ein Statement zu setzen und ihrer Agenda zu folgen, als daran einen logischen Horrorfilm zu schreiben. Was heißen soll, dass die moralinsaure Auflösung auf einmal viel von dem zerstört, das der Film vorher so liebevoll aufgebaut hat: Da erscheint ein Charakter im neuen Licht und Outfit, das weder zur Darstellerin noch zum Script oder der Rolle passt, da wird ein Rechtesystem jenseits von Gut und Böse impliziert, da kommt die Schlüsselsequenz des Films ohne jegliche verständliche Motivation daher. Menschem lassen gerne mal im dritten Akt ihre Masken fallen, hier aber werden grundsätzliche Tendenzen oder Archetypen zu 180° gedreht, nur damit es den größtmöglichsten Twistfaktor hat. Das Finale dieser 100 Minuten Berg- und Talfahrt ärgern mich dabei fast mit am meisten, einfach weil es so verdammt schade um diese alptraumhafte, surreale, lynchesque, unerklärte Sequenz kosmischen Horrors ist, die sich anzugucken lohnt, die sich aber nur sehr unbequem in die Welt des Films fügen will. Ein interessanter Film, und für Freunde ungewöhnlichen Horrors sicherlich auch ein sehr sehenswerter, aber auch einer, der auf einem unfertigen Script basiert, das beliebige Genretropen und oft gesehene Build-Ups auf eigenständige, aber enttäuschend sinnlose Weise auflöst.
 
 
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AMULET – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Interessanter, technisch hochwertiger Slowburn, der sich lange Zeit an der Schnittstelle zwischen unterkühlten, europäischen Thriller-Produktionen, Charakterdrama und Standardhorror aufhält, um später zu offensichtlich einzig seine Weltanschauung zu befriedigen. Wenig sinnig, rein atmosphärisch aber gelungen.
 
 


 
 
 

AMULET – Zensur

 
 
 
Die auf Blu-ray und DVD veröffentlichte Fassung von „Amulet – Es wird dich finden“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

AMULET – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Ascot Eilte (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Amulet; Großbritannien | Vereinigte Arabische Emirate 2020

Genre: Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.38:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 23.10.2020

 
 

Amulet [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

AMULET – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Ascot Elite)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
We Are Still Here (2015)
 
House – Willkommen in der Hölle (2016)
 
Warhouse – Kriegszustand (2013)
 

Filmkritik: „Sator“ (2019)

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SATOR

Story

 
 
 

Adam lebt alleine und abgeschieden im Wald, um auf ein Wesen namens Sator zu warten, welches seine Familie schon lange beeinflusst.

 
 
 


 
 
 

SATOR – Kritik

 
 
 
Es gibt Filme, die einen irgendwie beeindrucken können und einem trotzdem nicht so richtig gefallen wollen. „Sator“ ist genau so ein Fall, denn eigentlich ist das Werk höchst interessant, besonders wenn man die Hintergrundgeschichte erfährt, aber gleichzeitig ist das dermaßen langsam, sperrig und zeitweise leider dadurch eben auch langweilig, dass viel vom Reiz abhanden kommt.
 
 
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Die Großmutter erzählte immer wieder von Sator, einem seltsamen Wesen, das tief in den Wäldern sein Unwesen treibt, das Leute manipuliert und zu sich kommen lässt. Adam hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Wesen zu stellen, denn es hat seine Familie lange genug beeinflusst. Dazu zieht er in eine einsame Hütte und wartet jeden Tag in den Wäldern erneut auf Sator. Lange Zeit geschieht nichts, doch dann meldet sich Sator plötzlich. Jordan Graham schrieb das Drehbuch selbst und veränderte es wohl im Laufe der Zeit, denn seine Großmutter wurde wirklich dement und schrieb innerhalb von drei Monaten zahlreiche Seiten, in denen sie immer wieder von Sator berichtete. Selbst wenn das natürlich nur der Fantasie eines kranken Geistes entstammt, besitzt „Sator“ deshalb mehr Bezug zur Realität, als es im Horrorfilm üblich ist. Graham bastelte daraus eine Story, die mit keiner Auflösung daherkommt und allgemein kaum etwas erklärt. Darauf muss man sich schon einlassen mögen, denn eine typische Geschichte ist das hier nicht. Sowieso lebt der Film aber viel eher von seinen Bildern, als von der Story selbst.
 
 
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Man kann hier schon von einem echten Autorenfilm sprechen, denn Graham machte fast alles im Alleingang. Von ihm stammt das Drehbuch, er übernahm die Regie, die Produktion, war als Editor tätig und auch für die Soundkulisse verantwortlich. Gekostet hat ihm sein zweiter Langfilm gute fünf Jahre und so viel Herzblut verdient Anerkennung. Sogar seine echte Großmutter ist im Film zu sehen. „Sator“ lebt von der starken Bildersprache und den Naturkulissen, denn gedreht wurde viel in einem Nationalpark und das gibt enorm viel her. Der Wald erfüllt seinen Zweck als gruselige Kulisse voll und ganz, zaubert nebenbei aber auch wunderschöne Bilder daher. Wenn es Nacht wird, dann ist hier auch wirklich alles sehr düster. Während Filme mit größerem Budget meistens bestens ausgeleuchtet sind, stammt hier das einzige Licht von einer Taschenlampe und das ist dann gleich viel wirkungsvoller. Eigentlich ist das alles sehr simpel gestaltet und auch beim Wesen Sator selbst musste nicht viel getrickst werden. Manchmal erreicht gerade so etwas jedoch eine viel größere Wirkung und es gibt definitiv ein paar Szenen, die stark sind und so schnell nicht mehr zu vergessen sind. Die Atmosphäre könnte düsterer kaum sein und der Horror entfaltet sich dermaßen subtil, dass man schon eine Gänsehaut bekommen kann. Dazu gesellen sich simple Soundeffekte, die ebenfalls wirkungsvoll sind.
 
 
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So positiv das bis hierhin auch klingen mag, „Sator“ ist im Endeffekt bedauerlicherweise ziemlich langweilig, denn das Tempo ist gnadenlos langsam. Am Anfang gibt es oftmals Rückblicke, die in Schwarzweiss und im 4:3 Format daherkommen. Hieraus entsteht fast eine Art Drama, aber nach einer gewissen Zeit bremsen sie das Geschehen nur noch aus. Die Horrorszenen sind wirklich gut gemacht, kommen aber eigentlich gar nicht mal so oft vor. Immer dann, wenn man hofft, dass es jetzt mal richtig losgehen würde, ist es auch schon wieder vorbei. So muss man am Ende doch sagen, dass höchstens die Hälfte der 85 Minuten Laufzeit einen guten Unterhaltungswert besitzen. Dass die Darsteller, von denen es sowieso nicht viele zu sehen gibt, nebenbei nicht wirklich viel zu tun haben und es nicht mal viele Dialoge zu hören gibt, macht die langsame Art und Weise noch erdrückender.
 
 


 
 
 

SATOR – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
Es ist wirklich schade, dass „Sator“ so wenig zu unterhalten vermag, denn vom Handwerk her wurde er sehr gut gemacht. Die Kulissen sind toll, die Horrorszenen sind unheimlich und nebenbei beweist der Film, dass man auch mit simplen Mitteln herausragende Wirkungen erreichen kann. Auf die Story, die im Endeffekt nichts erklärt, muss man sich allerdings einlassen und wenn man nicht den Hauch eines Faibles für ruhigere Horrorkost besitzt, dann ist man hier vollkommen an der falschen Adresse. Das Ergebnis besitzt ganz starke Momente, aber auch viel Füllmaterial, welches einfach langweilt, weshalb trotz der vielen, positiven Seiten keine höhere Wertung als der Durchschnitt drin ist!
 
 
 


 
 
 

SATOR – Zensur

 
 
 
Der Streifen besitzt nur eine blutige Szene und dürfte ohne Probleme in Deutschland bei Veröffentlichung eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Der Film lief bisher nur auf dem Hardline Filmfestival. Immerhin ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

SATOR – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Yellow Veil Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blair Witch Project (1999)
 
The Witch (2015)
 

Filmkritik: „The Cleaning Lady – Sie weiß alles über dich“ (2018)

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THE CLEANING LADY – SIE WEISS ALLES ÜBER DICH

(THE CLEANING LADY)

Story

 
 
 
Für Alice wird die Freundschaft zu ihrer Putzfrau schon bald zum Albtraum, denn hinter der freundlichen Shelly steckt mehr, als man ahnen könnte.

 
 
 


 
 
 

THE CLEANING LADY – Kritik

 
 
Es ist nicht unüblich, dass Kurzfilme gerne mal zu Langfilmen geformt werden. Für viele Regisseure sind gerade diese Kurzfilme ein günstiges Mittel, um auf sich aufmerksam zu machen. Ist das dann erst mal erfolgt, finden sich auch schnell mal Geldgeber, die einen Langfilm ermöglichen. In der Vergangenheit hat das manchmal funktioniert, aber nicht immer, denn man muss auch sagen, dass längst nicht jeder Stoff sich anbietet, als Langfilm präsentiert zu werden. Schon gar nicht, wenn das Original hauptsächlich aus einer Pointe besteht. Regisseur Jon Knautz hat mit „The Cleaning Lady“ nun ebenfalls seinen gleichnamigen Kurzfilm von 2016 mit einer höheren Laufzeit versehen. Das bemerkt man an manchen Längen leider, aber insgesamt lässt sich das Ergebnis dennoch gut anschauen.
 
 
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Alice ist in einen verheirateten Mann verliebt und versucht von ihm loszukommen. Um auf andere Gedanken zu kommen, freundet sie sich mit ihrer neuen Putzfrau Shelly an. Shelly ist sehr schüchtern und hat aufgrund eines Unfalls ein verbranntes Gesicht, aber sie hört Alice zu und so entsteht eine kleine Freundschaft. Allerdings ahnt Alice nicht, was die tragische Geschichte hinter den Narben von Shelly erzählt und als ihr Rachefeldzug beginnt, ist es auch schon zu spät. Die Handlung ist nicht schlecht, aber man merkt ihr an, dass sie künstlich in die Länge gezogen wurde. Es macht eben schon einen Unterschied, ob man nur zehn Minuten Laufzeit füllen muss oder 90 Minuten. An manchen Stellen ist es gut, dass sich das Geschehen nur sehr langsam entwickelt, an manchen aber auch ein Zeichen dafür, dass Füllmaterial benötigt wurde. Wer den Kurzfilm kennt, wird schon wissen, was sich hier abspielt, alle anderen können erst mal nur rätseln. Dabei ist die Hintergrundgeschichte wirklich tragisch, aber nicht unbedingt besonders originell. Die Schlusspointe ebenfalls nicht. Das Drehbuch ist also eine etwas zwiespältige Sache geworden. Positive und negative Aspekte halten sich da ungefähr die Waage.
 
 
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Was „The Cleaning Lady“ aber durchaus aufwerten kann, sind die beiden Hauptdarstellerinnen. Alexis Kendra war schon im Kurzfilm involviert und macht ihre Sache recht glaubwürdig. Wirklich stark ist allerdings Rachel Alig, die ihrer psychopathischen Figur eine bedrohliche Präsenz verleiht. Sie spielt das völlig ruhig und zurückgenommen, erzielt aber gerade damit eine hohe Wirkung. Sowieso ist ihre Figur alles andere als uninteressant und sie sorgt auch für ein bisschen Ambivalenz. So grauenvoll Shelly auch zur Tat schreitet, durch ihre Background-Story kann man ihr das fast nicht übel nehmen. So ganz nebenbei hat man mit ihr übrigens auch eine Figur kreiert, die mit mehreren Fortsetzungen zu einer Art neuem Slasher-Idol werden könnte. Weitere Darsteller sind in Nebenrollen zwar fleißig vertreten, spielen aber wirklich keine besonders große Rolle und auch die Figurenzeichnung ist abgesehen von Shelly keineswegs berauschend. Hier bedient man eigentlich nur Klischees. Für ein paar Sympathien reicht das aus, für mehr jedoch nicht.
 
 
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Nun sollte man kein Fan von Filmen sein, die schnell auf den Punkt kommen, denn „The Cleaning Lady“ lässt sich Zeit. Fast die gesamte erste Stunde ist, bis auf wenige Ausnahmen, eher eine Art ruhiges Drama. Eine Bedrohung ist zwar spürbar, aber wirklich durchkommen tut sie dann erst im letzten Drittel. Hier geht es dann allerdings schon zur Sache. Explizite Gewalt gibt es weniger zu sehen, aber ein paar Szenen haben es in sich und die Freigabe ab 18 Jahren ist deshalb auch gerechtfertigt. Zum Finale hin kommt noch etwas Spannung auf und die Inszenierung ist ganz passabel. Mit sehr viel Aufwand dient der Film nicht, aber das ist hier auch nicht unbedingt notwendig. Die handwerkliche Arbeit kann sich auf jeden Fall sehen lassen, selbst wenn ein paar Effekte etwas zu simpel (Stichwort: Säure) aussehen. Durch den wirklich sehr langsamen Aufbau besitzen die 90 Minuten Laufzeit aber leider einige Längen, die vermeidbar gewesen wären, wenn man das zehn Minuten kürzer gestaltet hätte.
 
 


 
 
 

THE CLEANING LADY – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
„The Cleaning Lady“ macht lange Zeit auf ruhiges Drama, um dann im finalen Drittel ordentlich mit der Horrorkeule zu schwingen. Zwar ist der Film alles andere als harmlos, aber leider zündet seine böse Art und Weise zu selten, weil er sich dafür einfach zu viel Zeit lässt. Dank der beiden guten Hauptdarstellerinnen und ein paar schmerzhaften Szenen kann man darüber hinwegsehen und auch die Story ist nicht schlecht. Ein bisschen weniger Füllmaterial wäre aber nicht verkehrt gewesen. Wer allerdings nicht auf der Suche nach dem nächsten Highlight ist, bekommt hier einen solide gemachten Film geboten, der sehenswert ist.
 
 


 
 
 

THE CLEANING LADY – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „The Cleaning Lady“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung die Einstufung „keine Jugendfreigabe“ erhalten. Filmsammler können daher bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

THE CLEANING LADY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) DONAU FILM (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Cleaning Lady; USA 2018

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Bildergalerie

Release-Termin: KeepCase: 02.10.2020

 

The Cleaning Lady [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE CLEANING LADY – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei DONAU FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
House of Wax (2005)
 
May – Schneiderin des Todes (2002)
 

Filmkritik: „Al Morir la Matinée“ (2020)

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AL MORIR LA MATINÉE

Story

 
 
 

Wer sich zur Vorstellung des Todes wagt, ist bei „Al Morir la Matinée“ genau richtig, denn in diesem Kino verlässt das Publikum den Saal bestimmt nicht lebendig.

 
 
 


 
 
 

AL MORIR LA MATINÉE – Kritik

 
 
 
Horrorkost aus Uruguay ist nun sicher nicht alltäglich; hochwertige Horrorkost aus Uruguay bestimmt sogar noch viel seltener. Gerade Slasherfans werden mit „Al Morir la Matinée“ auf ihre Kosten kommen und wer das Horrorkino der 70er und 80er Jahre zu schätzen weiß, sollte hier durchaus auch mal einen Blick riskieren.
 
 
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Das Geschehen spielt sich in einem Kino ab, welches früher mal prächtig war, mittlerweile aber ziemlich heruntergekommen ist. Tochter Ana löst ihren kranken Vater für die Vorstellungen ab, obwohl sie eigentlich viel eher für ihr Examen lernen müsste. Während lediglich eine handvoll Zuschauer sich einen Exploitationsstreifen anschauen, geht ein Killer im dunklen Saal umher und metzelt einen nach dem anderen nieder. Nun, innovativ ist diese Story sicher nicht, aber das ist im Slasher nun auch eher selten der Fall. „Al Morir la Matinée“ lässt sich ganz klar als große Hommage an das Horrorkino der 70er und 80er Jahre bezeichnen, was man alleine schon an den ganzen Filmplakaten im Hintergrund erkennt. Etwas schade ist lediglich, dass man sich keinen größeren Plot ausgedacht hat, denn nicht selten spielt man im Slasher gerne mal mit der Identität des Killers. Eine Auflösung hält die Story hier jedoch nicht parat. Simpler könnte es wirklich kaum sein, aber gerade weil die Umsetzung sich doch sehen lassen kann, verzeiht man dem Werk das ganz gerne.
 
 
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Regisseur Maximiliano Contenti besitzt eine echte Leidenschaft für das ältere Horrorkino und das erkennt man. „Al Morir la Matinée“ ist erst sein zweiter Langfilm und gerade wenn man bedenkt, dass man sich hier völlig in Low-Budget-Kreisen bewegt, kann sich das Resultat doch echt sehen lassen. Das Kino als Schauplatz mag auf Dauer etwas eintönig sein, zaubert jedoch eine wunderbare Atmosphäre hervor. Da lässt sich die Liebe für’s Kino absolut erkennen und man fühlt sich fast selbst wie das Publikum im Saal. Die Horror-Anteile lassen sich zwar etwas Zeit, doch wenn der Killer dann zuschlägt, geht es auch ganz gut zur Sache. Mittlerweile mag man Härteres gewöhnt sein, doch in den 80ern wäre das in Deutschland sicherlich nur gekürzt erschienen. Der nächste Pluspunkt ist: Die Effekte sind herrlich altmodisch von Hand gemacht und sehen sogar ziemlich gut aus. Leider geht der Killer nicht besonders abwechslungsreich zur Sache, aber die Morde sind dennoch brachial genug, um den Gorehound zufrieden zu stellen. Daneben gibt es immer mal wieder ein schönes Spiel mit Lichtern und Farben (was schon fast etwas an einen Giallo erinnert) und allgemein kann man der handwerklichen Arbeit für diese Preisklasse nicht viel vorwerfen.
 
 
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Nun ist nicht alles Gold, was glänzt und auch „Al Morir la Matinée“ besitzt seine Schattenseiten. Etwas bedauerlich ist, dass der Film recht langsam ist. Bis es überhaupt mal etwas zur Sache geht, ist bereits über ein Drittel der Laufzeit vorüber. So richtig böse sein, will man dem Werk dafür zwar nicht, weil die Atmosphäre einfach stimmt, aber trotzdem sind die Highlights zu selten vertreten. Hinterher kommt zwar noch etwas Spannung auf, weil sich die finalen Opfer auch zu wehren wissen, aber so richtig aufregend will das niemals werden und so stellt das Geschehen eher seichte Slasher-Kost dar. Angenehm hingegen sind die Darsteller, die zwar echt nicht besonders viel zu tun haben, aber ihre Sache passabel machen und überhaupt nicht stören. Die Figurenzeichnung ist (nahezu obligatorisch) kaum präsent und ein echtes Mitfiebern mit den Charakteren stellt sich alleine deshalb schon ein, aber immerhin ist hier niemand nervig und die Sympathien stimmen soweit. Abgerundet wird das Geschehen von einem herrlichen Retro-Score, der einfach perfekt passt.
 
 


 
 
 

AL MORIR LA MATINÉE – Fazit

 
 
6 Punkte Final
 
 
„Al Morir la Matinée“ ist ein Film für echte Slasherfans, die handgemachten Splatter zu schätzen wissen. Gerade die Atmosphäre dieses Retro-Horrors ist sehr gelungen. Zwar gibt die Story nahezu nichts her, aber der Schauplatz weiß zu gefallen und die Darsteller agieren allesamt sehr erträglich. Die handwerkliche Arbeit ist überraschend hochwertig und genügend Blut fließt definitiv. Leider besitzt der Film so seine Längen und ist im Endeffekt einfach kaum aufregend, aber als Hommage an das alte Horrorkino ist das hier absolut zu gebrauchen. Sympathisch!
 
 
 


 
 
 

AL MORIR LA MATINÉE – Zensur

 
 
 
Der Film ist ziemlich blutig und besitzt eine beachtliche Anzahl an Splatterszenen – meistens wird hierbei mit dem Messer vorgegangen. Ein Titel wie „Al Morir la Matinée“ wäre in den 1980ern hierzulande sicher nur geschnitten in die Videotheken gekommen. Heutzutage dürfte aber einer ungeschnittenen FSK18 Freigabe nichts im Wege stehen.
 
 
 


 
 
 

AL MORIR LA MATINÉE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Yukoh Films | RBS | Reel Suspects)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Im Augenblick der Angst (1987)
 
Final Cut – Die letzte Vorstellung (2014)
 
Edge of the Axe (1988)
 
Behind the Mask (2006)
 

Filmkritik: „Kumanthong“ (2019)

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KUMANTHONG

(THAT SON TAM LINH)

Story

 
 
 

In „Kumanthong“ wird frei die Geschichte des ersten vietnamesischen Serienkillers nacherzählt.

 
 
 


 
 
 

KUMANTHONG – Kritik

 
 
 
Viele Länder haben so ihre berüchtigten Serienkiller und Namen wie Jack the Ripper, Jeffrey Dahmer etc. werden wohl den meisten etwas sagen. Dass auch Vietnam seine Serienkiller hatte, wird hingegen nicht vielen bekannt sein. In „Kumanthong“ bekommen wir nun die Geschichte des ersten offiziellen Serienmörders dieses Landes erzählt. Das Ergebnis ist allerdings viel mehr ruhiges Drama, als echter Thriller geworden und besitzt leider zahlreiche Längen.
 
 
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Die taubstumme Soi lebt in einem kleinen Dorf und wird von den meisten Bewohnern wie eine minderwertige Behinderte behandelt. Eines Tages kommt der fremde Huynh ins Dorf. Er ist ein Schamane und kann sein Talent gleich unter Beweis stellen, weshalb er auch seine eigene Praxis errichten kann. Außerdem nimmt er Soi zu seiner Frau. Sie könnte damit eigentlich glücklich sein, aber bald muss sie herausfinden, dass Huynh für seinen Kumanthong-Zauber die Knochen von Menschen braucht und um diese zu bekommen, muss er töten. Die Handlung basiert auf wahren Begebenheiten, wurde aber mit der Fantasie der Drehbuchautoren angereichert und erzählt diese Geschichte nun wohl sehr frei nach. Die Zutaten der Story sind definitiv nicht verkehrt und werden soweit auch gut genutzt, nur dauert es viel zu lange, bis die Handlung mal an Fahrt aufnimmt. Das westliche Publikum könnte so seine Probleme haben mit der Herangehensweise warm zu werden.
 
 
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Der Einstieg fällt dabei durchaus interessant aus. Das Dorf, in dem sich alles abspielt, bietet wirklich die reine Natur und ist als Schauplatz eines Serienkiller-Films mal etwas gänzlich anderes. Auch die Tatsache, dass die Hauptfigur taubstumm ist, ist nichts alltägliches in solchen Filmen. Allerdings sorgen gerade diese Faktoren hinterher dafür, dass keine echte Spannung aufkommen will. Man entwickelt als Zuschauer keinen richtigen Draht zu Soi. Dass sie insgesamt schlechte Karten hat, ist glaubwürdig und dennoch will sich der Verlauf der Handlung nicht so richtig erschließen. Nachdem Huynh anfangs als super sympathischer Doktor eingeführt wurde, wandelt er sich zum echten Psychopathen, was ebenfalls nicht so glaubwürdig daherkommt, selbst wenn seine Background-Story die Erklärungen liefert. Nein, die Figurenzeichnung ist in „Kumanthong“ nicht sonderlich gut gelungen, weil sie sich auf der einen Seite bedeutungsschwanger gibt und auf der anderen Seite doch nur oberflächlich bleibt. Die recht überschaubare Anzahl an Darstellern macht dabei einen soliden Job und man kann sich über die Leistungen nicht beklagen, doch so richtig markant will das alles nicht wirken und es wird schnell wieder aus dem Gedächtnis verflogen sein.
 
 
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Für Regisseur Le Binh Giang stellt „Kumanthong“ erst der zweite Film dar, nachdem er mit seinem ersten wohl massive Probleme hatte. Aus handwerklicher Sicht kann man dem Werk nicht viele Vorwürfe machen. Die Kulissen haben durchaus etwas für sich und ein wenig experimentell wird es mit seltsamen Rückblicken/Visionen auch noch. Trotzdem ist der Stil noch ausbaufähig und wirkt manchmal etwas zerfahren. Nach einem sehr zähen Mittelteil, in dem eigentlich viel und dennoch kaum etwas geschieht, gibt es immerhin noch ein halbwegs spannendes Finale zu verfolgen. Trotzdem ziehen sich die rund 100 Minuten Laufzeit ganz schön in die Länge. Es gibt wenig Spannung und viel Drama, welches aber aufgrund des fehlenden Drahts zu den Figuren nicht richtig wirken kann. Hinzu gesellt sich noch ein manchmal viel zu theatralischer Score, der teilweise sehr gut passt, teilweise aber auch echt zu sehr übertreibt.
 
 


 
 
 

KUMANTHONG – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
In seinem Heimatland soll „Kumanthong“ wohl ein Erfolg gewesen sein, aber für ein westliches Publikum ist das nur bedingt empfehlenswert. Auch wenn man gerne mal die „anderen“ Filme schaut, bekommt man hier zu viele Längen geboten, um sich jemals richtig unterhalten zu fühlen. Die Grundzutaten sind dabei echt nicht verkehrt. Sowohl die Story ist interessant, wie auch die handwerkliche Arbeit. Außerdem sind die Darsteller brauchbar. Im Endeffekt gibt es aber zu viel unausgegorenes Drama und zu nichtssagende Charaktere. Wer am vietnamesischen Kino interessiert ist, sollte sich am besten selbst ein Bild davon machen, denn gute Seiten besitzt „Kumanthong“ definitiv, aber er ist nebenbei leider oftmals ziemlich langweilig!
 
 
 


 
 
 

KUMANTHONG – Zensur

 
 
 
In „Kumanthong“ geht es zwar um einen Serienkiller; die Ereignisse sind aber nicht drastisch bebildert. Zwar geht es in ein paar Szenen etwas derber zur Sache, explizit wird es aber kaum. „Kumanthong“ dürfte in Deutschland problemlos ungeschnitten eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

KUMANTHONG – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Galaxy Studio | Galaxy M&E)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bedevilled – Zeit der Vergeltung (2010)
 
Manhole – Bedrohung von unten (2014)
 
The Wailing (2016)
 

Filmkritik: „Schlaf“ (2020)

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SCHLAF

Story

 
 
 

Nachdem Marlene den Ort ihrer Albträume aufgesucht hat und in einen komatösen Zustand verfällt, versucht ihre Tochter den Geheimnissen der Träume auf die Spur zu kommen.

 
 
 


 
 
 

SCHLAF – Kritik

 
 
 
Wieder mal hat sich ein deutscher Regisseur am Genrefilm probiert und Skepsis ist da von vornherein angebracht, denn gute Horrorfilme aus unserem Lande gibt es einfach nicht sonderlich viele. „Schlaf“ hingegen schafft es seine Vorbilder zu kopieren und nebenbei dennoch eine Eigenständigkeit hervor zu zaubern, weshalb hier nicht ganz zu Unrecht vom besten, deutschen Genrefilm des Jahres gesprochen wird.
 
 
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Marlene geht es psychisch schon lange nicht mehr gut. Sie leidet an Albträumen, die oftmals mit der Wirklichkeit verschwimmen. Eines Tages findet sie ein Hotel, welches das aus ihren Träumen zu sein scheint und besucht es auch prompt. Ein Krankenhausaufenthalt und ein komatöser Zustand sind die Folgen. Ihre Tochter Mona besucht daraufhin ebenfalls das Hotel und versucht herauszufinden, was es mit dem Zustand ihrer Mutter auf sich hat. Dabei verschwimmen Realität und Traum immer mehr, bis sich selbst Mona nicht mehr sicher ist, bei klarem Verstand zu sein. Welche Vorbilder das Drehbuch hatte, ist nicht sonderlich schwer zu erkennen. Gerade durch die verschiedenen Traumebenen und die Verschmelzung zwischen Fiktion und Realität, spürt man hier immer einen David Lynch. Doch auch „Shining“ blitzt gerade durch den Schauplatz des Hotels immer mal wieder durch. Wenn da alte Bilder im Hotel zu sehen sind, fühlt man sich sofort an Stephen King erinnert. Daneben gelingt es der Story jedoch auch einen eigenen Weg zu gehen. Die Ideen sind solide, teilweise sogar schön bizarr und es bleibt stets interessant. Natürlich muss auch eine Auflösung daher und diese enttäuscht nicht, kann allerdings nicht so sehr begeistern, wie das Mysterium zuvor.
 
 
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Allgemein beginnt „Schlaf“ mit einer tollen, ersten Hälfte. Obwohl der Film ziemlich ruhig ist, setzt man von Anfang an auf ein hohes Tempo, was die Handlung betrifft und so dauert es nicht lange, bis der Horror sich langsam entfalten kann. Der Aufbau ist gelungen und die Atmosphäre, die sich hier entwickelt, kann sich sehen bzw. spüren lassen. Da gibt es ein paar herrlich skurrile Szenen zu bewundern und die Traumsequenzen hat man ebenfalls toll gestaltet. Highlight ist hier sicherlich eine erotisch wirkende und dennoch verstörende, eigentlich recht simpel gemachte Szene, die ihre Wirkung aber vollkommen erreicht. Das ist vor allen Dingen deshalb ziemlich beeindruckend, weil Regisseur Michael Venus, der übrigens auch am Drehbuch beteiligt war, mit „Schlaf“ sein Langfilmdebüt gab. Allerdings muss man auch sagen, dass er durch Fördergelder den Luxus hatte, ca. 1,4 Millionen Euro Budget zu erlangen. Das kann längst nicht jeder Debüt-Regisseur von sich behaupten. Schön, dass Herr Venus etwas daraus gemacht hat. Das Hotel als Schauplatz ist große Klasse und allgemein gibt es starke Bilder zu sehen. Die handwerkliche Arbeit braucht sich definitiv kaum hinter genannten Vorbildern zu verstecken.
 
 
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Die zweite Hälfte kann dieses Niveau nicht ganz halten und wird manchmal etwas zu wirr. Umso mehr man dem Geheimnis auf die Schliche kommt, desto mehr verliert „Schlaf“ leider auch an Reiz. Das Finale ist dann nicht mehr besonders spannend und wirkt zudem seltsam unglaubwürdig. Das ist etwas schade, zieht das Gesamtwerk aber zum Glück nicht zu sehr herunter, denn dafür wird man über 100 Minuten Laufzeit dann doch zu gut unterhalten. Außerdem kann sich der Film auf seine ordentlichen Darsteller verlassen. Gro Swantje Kohlhof machte ihre Sache ausgezeichnet und besitzt ein paar Szenen, die sicher nicht leicht zu spielen waren. Daneben weiß August Schmölzer vollkommen zu überzeugen und alle anderen enttäuschen ebenfalls nicht. Die Figurenzeichnung wurde schön rätselhaft gestaltet, ohne dabei jedoch zu plakativ zu wirken und nebenbei darf auch der Score manchmal gelungen zur Atmosphäre beitragen. Nur Blut sollte man hier nicht viel erwarten, denn darauf legt es dieser Film absolut nicht an.
 
 
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SCHLAF – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
„Schlaf“ beweist, dass deutsches Genrekino doch etwas taugen kann. Stilistisch wandelt man auf Pfaden eines David Lynch, ist aber trotzdem eigenständig genug. Während die Schauplätze schon ein echter Star sind, können auch die Darsteller vollkommen überzeugen und die handwerkliche Arbeit kann sich definitiv sehen lassen. Das besitzt eine starke, erste Hälfte und flacht hinterher leider etwas ab, was dann eine höhere Wertung verhindert. Wer jedoch Lust auf einen deutschen Mysterythriller/Horrorfilm hat, nach dem man sich nicht denkt, dass die Deutschen es nicht können, sollte „Schlaf“ nicht verpasst haben!
 
 
 


 
 
 

SCHLAF – Zensur

 
 
 
„Schlaf“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Diese Freigabe ist auch gerechtfertigt. Der Film startet am 29.10.2020 bundesweit in den Kinos.
 
 
 


 
 
 

SCHLAF – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Junafilm | Salzgeber & Co. Medien GmbH)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Shining (1980)
 
Mulholland Drive – Straße der Finsternis (2001)
 
Inception (2010)
 
Lost Highway (1997)
 

Filmkritik: „For the Sake of Vicious“ (2020)

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FOR THE SAKE OF VICIOUS

Story

 
 
 

Eine Krankenschwester, ein Verrückter und ein gefolterter Mann müssen sich in „For the Sake of Vicious“ gegen eine Horde irrer Killer verteidigen.

 
 
 


 
 
 

FOR THE SAKE OF VICIOUS – Kritik

 
 
 
Der Home-Invasion-Thriller erfreut sich gerade im Low-Budget-Bereich immer wieder großer Beliebtheit, was nicht verwunderlich ist, da man hier mit recht simplen Mitteln viel erreichen kann. So geschieht es auch in „For the Sake of Vicious“, der einen hammerharten Beitrag garantiert und Freunde des blutigen Filmes sicher nicht enttäuschen wird.
 
 
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Romina kommt an Halloween von ihrer Schicht nach Hause und findet dort einen Verrückten mit seinem Opfer vor. Chris ist sich sicher, dass der ominöse Geschäftsmann Alan seine Tochter vergewaltigt hat und durch ein paar Zufälle, konnte er ihn in Rominas Haus stellen. Zunächst wissen alle drei Parteien nicht so recht, wie sie mit der Situation umgehen sollen, doch als das Haus dann auch noch von Killern gestürmt wird, bahnt sich ein Kampf um Leben und Tod an.
 
 
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Im Grunde genommen, ist diese Handlung sehr simpel, sie wird jedoch verschachtelt genug erzählt, um Interesse zu erzeugen. „For the Sake of Vicious“ macht sich einen Spaß daraus, den Zuschauer lange nicht genau wissen zu lassen, wer hier denn eigentlich im Recht ist und was dort überhaupt vor sich geht. Der Aufbau ist sehr gelungen und erzeugt Spannung. Viel erklärt, wird auch hinterher nicht, aber das sorgt dafür, dass hier nichts zu vorhersehbar ist. Einziger Wermutstropfen am Drehbuch ist, dass es nicht unbedingt logisch zur Sache geht. Die Killer stürmen das Haus nur in Wellen, was zwar für den Blutgehalt zweckdienlich ist, aber nicht glaubwürdig wirkt. Außerdem halten die wichtigsten Charaktere enorm viel aus. Das ist jedoch Meckern auf hohem Niveau und wer beim Realismus ein paar Abstriche machen kann, bekommt eine gelungene Handlung serviert.
 
 
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Mit Gabriel Carrer und Reese Eveneshen besitzt der Film gleich zwei Regisseure, die schon einige Erfahrung sammeln konnten und hier wunderbar zusammenarbeiten. Es gibt ein paar herrlich stylishe Bilder zu sehen, die von dem elektronischen Soundtrack ideal ergänzt werden. Die Lautsprecher sollte man jedenfalls schön aufdrehen, denn der Sound macht echt etwas her. Die handwerkliche Arbeit ist rundum gelungen. Zwar muss man es mögen, wenn es desöfteren Mal hektische Schnitte zu sehen gibt, aber bei „For the Sake of Vicious“ wirkt das gut genug gemacht, um nicht zu unübersichtlich zu werden. Daneben können sich auch die drei Hauptdarsteller sehen lassen. Lora Burke macht ihre Sache glaubwürdig und Nick Smyth mutiert hinterher zu einer Art John Wick, was er ebenfalls ordentlich verkauft. Auch das Spiel von Colin Paradine ist alles andere als schlecht. Dass sich das Treiben an Halloween abspielt, bekommt man zwar selten so richtig mit, aber diese Tatsache stellt das i-Tüpfelchen der Atmosphäre dar. Diese gibt sich völlig humorfrei und ist enorm düster, was dem Spaß allerdings keinen Abbruch tut.
 
 
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Dabei hält sich die erste Hälfte noch ziemlich zurück. Hier kann man schon fast von einer Art Kammerspiel reden. Dass es nicht langweilig wird, liegt daran, dass man die Charaktere noch nicht richtig durchschauen kann und nicht weiß, auf wessen Seite man eigentlich sein soll. Ziemlich genau zur Halbzeit wechselt das Geschehen dann zum blutigen Home-Invasion-Thriller und bietet fast Nonstop-Action, die reichlich brutal ausgefallen ist. Da wird ein Hammer ins Auge gerammt, Messer kommen oft zum Einsatz und Schädel werden regelrecht zertrümmert. Die Gewalt tut manchmal schon richtig weh und dass die Effekte nebenbei von Hand gemacht sind, wird den Gorehound ebenfalls erfreuen. Bei einer Laufzeit von gerade mal 80 Minuten (mit Abspann) kann sich „For the Sake of Vicious“ das hohe Tempo hinterher durchaus leisten und der Film ist wirklich sehr kurzweilig. Da nebenbei genügend Action und Spannung vorhanden sind, verfliegt diese Laufzeit sehr schnell.
 
 
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FOR THE SAKE OF VICIOUS – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
„For the Sake of Vicious“ ist ein knüppelharter Home-Invasion-Thriller, der nichts für Zartbesaitete ist. Nach einer etwas ruhigeren, ersten Hälfte geht es reichlich brachial zur Sache. Die Story ist an sich nichts Besonderes, wird aber originell genug erzählt, um nicht zu langweilen und die handwerkliche Arbeit kann sich sehen lassen. Hinzu gesellen sich ordentliche Darstellerleistungen und der tolle Score rundet das Geschehen ideal ab. Lediglich auf Realismus sollte man keinen zu großen Wert legen. Spannend, kurzweilig und temporeich. Für Freunde der härteren Gangart absolut zu empfehlen!
 
 
 


 
 
 

FOR THE SAKE OF VICIOUS – Zensur

 
 
 
„For the Sake of Vicious“ ist brutal! Hier wird ein Hammer ins Auge gestoßen, Schädel werden zertrümmert und das Messer darf sich austoben. Zudem kommt der Film mit sehr ernster Atmosphäre daher. Fraglich, ob es der Home-Invasion-Schocker überhaupt in Deutschland unbeschadet durch die FSK schaffen wird.
 
 
 


 
 
 

FOR THE SAKE OF VICIOUS – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Raven Banner Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Motorrad – The Last Ride (2017)
 
Hate Crime (2013)
 
Kidnapped (2010)
 
Trauma – Das Böse verlangt Loyalität (2017)
 
Deadly Home (2015)
 
The Blood Lands – Grenzenlose Furcht (2014)
 

Filmkritik: „Rent-A-Pal“ (2020)

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RENT-A-PAL

Story

 
 
 

Seltsame Freundschaft und beunruhigende Liebesgeschichte. Ein Einzelgänger bekommt eine Videokassette in die Hände, auf der ein Moderator zu sehen ist, welcher schnell das Vertrauen seines neugierigen Gegenübers gewinnt und für eigene Zwecke missbraucht.

 
 
 


 
 
 

RENT-A-PAL – Kritik

 
 
 
Das Besondere an Horrorfilmen ist, dass fantasiebegabte Drehbuchautoren die Möglichkeit haben jede noch so belanglose Situation auszunutzen, um darum Albträume zu weben. Da können Duschvorhänge – wie in CURTAIN – schon mal schlaflose Nächte bereiten, weil die immer wieder von Geisterhand verschwinden. Aber auch ein schlichtes Loch in der Wand wurde schon als Aufzieher verwendet, um eine schaurige Geschichte zu erzählen, die sich ins Gedächtnis gebrannt hat – DEEP DARK lässt grüßen. Den Möglichkeiten für Angstmacherei sind kaum Grenzen gesetzt. Treu der Devise „je sonderbarer, umso genialer“ wurden sogar schon Sitzmöbel (KILLER SOFA), Reifen (RUBBER) und Nahrungsmittel (ANGRIFF DER KILLERTOMATEN) dafür verwendet, um Zuschauern Schrecken einzujagen. Die Liste absurder Horrorszenarien ist lang. Der Psychothriller RENT-A-PAL ist da noch lange nicht die Spitze des Eisbergs.
 
 
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Der spielt in den 1990ern, beginnt ganz unscheinbar und erzählt vom traurigen Leben des Einzelgängers David (BRIN LANDIS FOLKINS aus SLASHED – AUFGESCHLITZT). Der lebt zurückgezogen mit der an Alzheimer erkrankten Mutter in einer Wohnung und kümmert sich liebevoll um das Familienmitglied. Leider verlangt die Pflege so einiges von unserem Helden ab. Der muss auf Privatleben verzichten, weil er dafür schlichtweg keine Zeit mehr hat. Dennoch sehnt es ihn nach Geborgenheit. Deshalb hat sich David bei einer Video-Dating-Firma angemeldet. Die dreht Kontaktanzeigen, spielt diese auf Videokassette und vermittelt so unter den Suchenden untereinander. Leider hat David damit gar kein Glück. Keine Frau will sich auf seine Videoannonce melden. Bis ihm ein mysteriöses Videoband namens „Rent-A-Pal“ in die Hände kommt. Darauf sind zwar keine Kontaktanzeigen interessierter Damen zu sehen. Dafür wirbt aber der charismatischer Andy (WIL WHEATON) für genau das, was der einsame David sucht: Freundschaft, Verständnis und Zugehörigkeit. Bei so verheißungsvollen Botschaften kommt es unserem Helden gar nicht seltsam vor, dass das Videoband offenbar ein Eigenleben führt. Für jede Frage hat Andy nämlich eine Antwort. Für jedes Problem die passende Lösung. So entwickelt sich eine skurrile Männerfreundschaft, die im wahrsten Sinnes des Wortes bald keine Grenzen mehr kennt.
 
 
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Kennt Ihr noch WIL WHEATON? Wem der Namen gar kein Begriff ist, dürfte den Schauspieler dennoch schon einmal auf der Mattscheibe gehabt haben. Hierbei handelt es sich um einen der Freunde im King-Drama STAND BY ME. Mittlerweile ist der Kinderdarsteller erwachsen geworden und hat die Seiten gewechselt. Aus Gut wurde Böse und hinter treu blickenden Rehaugen verbirgt sich schon mal das personifizierte Böse – wie RENT-A-PAL beweist. Hier hält der Filmfan den wohl sonderbarsten Horrorstreifen des Jahres 2020 in den Händen, der auch gleich einen der ungewöhnlichsten Schurken innerhalb des Horror-Genres mitbringt. Statt messerschwingende und maskierte Irre auf das Publikum loszulassen, geht es Regisseur JON STEVENSON weitaus psychologischer an. Sein Killer ist ungewöhnlich anders und tötet gar nicht selbst. Statt Killer aus Fleisch und Blut zur Tat schreiten zu lassen, stiftet ein Videoband zum Mord an, indem es manipuliert. Darauf zu sehen: ein Moderator der mit vertrauenswürdigen Floskeln das Gehirn seines Zuschauers wäscht. Eine makabre wie kontroverse Prämisse – vor allem auch deshalb, weil der Film auf erschreckende Weise zeigt, was Menschen tolerieren, um geliebt zu werden. Liebe macht eben bekanntlich blind.
 
 
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Filmemacher JON STEVENSON thematisiert in seinem Film die ausweglose Suche nach Liebe, Zugehörigkeit und Verständnis in einer anonymen Welt, wo es immer schwieriger wird, Freundschaften zu pflegen und Partner zu finden. RENT-A-PAL zeigt hierbei wie schnell sich Suchende vom rechten Weg locken lassen, in dem sie gutgläubig und blind dem verzweifelten Ruf der Liebe folgen, ohne zu hinterfragen, ob das Gegenüber ernsthafte Absichten hegt oder nicht. Geht es nach Stevenson haben moderne Gesellschaften sogar verlernt, Kontakte auf herkömmlichem Wege zu knüpfen und gesundes Misstrauen zu entwickeln. Eine kranke Entwicklung, die in RENT-A-PAL beinahe schon zynisch auf die Spitze getrieben wird. Demzufolge findet es Held David im Filmverlauf gar nicht so ungewöhnlich mit einem Videoband zu sprechen. Statt das Herz für interessierte Frauen zu öffnen und raus in die Welt zu gehen, verkriecht er sich stattdessen in seinem Zimmer und knüpft dort Bande mit einer anonymen und nicht greifbaren Person. Die heuchelt auf einem Videoband Freundschaft vor und macht das Gegenüber emotional gefügig. Das mag zwar alles auf den ersten Blick gaga, grotesk und surreal wirken. Dennoch ist Thematik hinter dem Genre-Film gar nicht weit hergeholt. Zieht man nämlich Parallelen zum heutigen Zeitgeschehen, könnte die Geschichte hinter RENT-A-PAL gar nicht aktueller sein.
 
 
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Die Digitalisierung hat es möglich gemacht, dass es einerseits zwar leichter geworden ist, mit Mitmenschen in Kontakt zu treten. Dennoch heißt das nicht zwangsläufig, dass es im Internet leichter ist die Liebe des Lebens oder gar echte Freunde zu finden. Dennoch wird zu schnell und leichtsinnig dem Unbekannten vertraut. So tummeln sich zwar auf Social Media Plattformen, Dating-Portalen oder Partner-Börsen kontaktfreudige Menschen, die Gleichgesinnte suchen. Leichter wird dort die Suche nach Mitgliedern mit ernstzunehmenden Absichten nicht zwangsläufig. Hinter anonymen Profilen tummeln sich gern auch zwielichte Gestalten, die alles andere – nur nicht ernstzunehmende Absichten suchen. Ein gefundenes Fressen für Cyberkriminelle, Stalker und Abzocker, die die Gutgläubigkeit des Gegenübers ausnutzen und Zuneigung vortäuschen. Brisanter Stoff, der schon einige Male im Horror-Genre behandelt wurde. Filme wie UNKNOWN USER und THE DEN sollten an dieser Stelle Erwähnung finden.
 
 
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RENT-A-PAL – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
Die wohl krankeste aber auch traurigste Liebesgeschichte des Jahres. Intensiver Psycho-Horror, der unscheinbar beginnt und ganz unerwartet den Boden unter den Füßen wegzieht. Man sollte sich daher keinesfalls vom nichtssagenden Titel und dem doch schon langweilig gestalteten Filmplakat blenden lassen. Der Psychothriller RENT-A-PAL ist ein Geheimtipp für Genre-Fans und sollte unbedingt gesehen werden. Warum? Weil der Zuschauer hier einen der ungewöhnlichsten Psychopathen der Filmgeschichte zu sehen bekommt. Der zieht sein Opfer schnell in den Bann und treibt ihn mit allen Mitteln der Manipulation in den Abgrund, ohne dabei aktiv oder gar selbst zum Mordwerkzeug greifen zu müssen. Das ist teils erschreckend pervers und makaber anzusehen – hat aber alles Hintergrund. RENT-A-PAL strotzt nämlich so vor Gesellschaftskritik und zeigt einmal mehr als deutlich in welchen abartig kranken Zeiten wir eigentlich leben. Dass der Streifen trotz Erstlingswerk ganz ordentlich geworden ist und hervorragende Schauspieler zu bieten hat, mag nicht von Ungefähr kommen. Hinter dem Psycho-Horror, das sich irgendwo im Stalker-Genre ansiedeln lässt, steckt nämlich der genreerprobte JON STEVENSON. Der war vor einigen Jahren am Body-Horror EAT als Kameramann am Start und feiert mit RENT-A-PAL sein Regiedebüt. Statt sich – wie die meisten Newcomer durch Gewalt, Blut und Gore ins Gedächtnis der Horrorfangemeinde einzubrennen – geht er es subtil und bedacht an. Viel Hintergrund, bedachte Charakterentwicklung und Spannungsaufbau. Das Ergebnis: Ein filmisches Experiment mit brisanter Botschaft, das zum Nachdenken anregt und doch schon irgendwie Angst macht.
 
 
 


 
 
 

RENT-A-PAL – Zensur

 
 
 
RENT-A-PAL ist mehr Charakterstudie mit psychologischem Horror statt krasse Schlachtplatte. Am Ende wird es etwas „tödlich“. Gründe, die dem Streifen eine FSK16 einbringen dürften. Es würde wundern, wenn sich in Deutschland für diese sehenswerten Streifen kein Rechteinhaber finden sollte.
 
 
 


 
 
 

RENT-A-PAL – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
One Hour Photo (2002)
 
13 Cameras (2015)
 
I Trapped the Devil (2019)