Filmkritik: „Bloodthirsty“ (2020)

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BLOODTHIRSTY

Story

 
 
 
Eine erfolgreiche Musikerin steht unter Druck für ihr zweites Album, aber sie hat mit Visionen zu kämpfen und bekommt immer mehr Lust auf Fleisch.

 
 
 


 
 
 

BLOODTHIRSTY – Kritik

 
 
Im Werwolf-Genre wurde eigentlich schon alles gesagt. Selbst andere Herangehensweisen an dieses Thema gab es schon etliche. Trotzdem ist der klassische Stoff natürlich noch immer sehr beliebt, weshalb sich nun auch „Bloodthirsty“ an dieser Thematik versucht. Dabei sollte dem Zuschauer jedoch von vornherein klar sein, dass er es nicht mit einem typischen Werwolf-Film zu tun bekommt, denn ansonsten dürften Enttäuschungen vorprogrammiert sein. Wenn man sich jedoch auf einen sehr ruhigen Horrorfilm einstellt, der deutlich mehr in Richtung Drama schielt, bekommt man ein funktionierendes Exemplar geboten, welches einige Qualitäten besitzt.
 
 
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Die erfolgreiche Indie-Musikerin Grey hat mit ihrem ersten Album einen echten Hit gelandet. Nun geht es um das zweite Album, was Grey ziemlich unter Druck setzt. Zusätzlich wird sie von visionsartigen Albträumen geplagt, weshalb sie Medikamente einnimmt. Als der erfolgreiche Musikproduzent Vaughn Daniels Grey und ihre Lebensgefährtin zu sich in sein Anwesen, tief im verschneiten Wald, einlädt, wird die Sache nicht gerade besser. Grey, die eigentlich Veganerin ist, bekommt immer mehr Lust auf Fleisch, die Albträume werden schlimmer und Vaughn scheint auch so seine Geheimnisse zu haben. Nein, mit einem typischen Werwolf-Film hat die Story nicht viel gemeinsam. Man sollte also keine Verwandlungen etc. erwarten, denn „Bloodthirsty“ nähert sich dem Thema doch deutlich anders. Dass die Protagonistin lesbisch und Veganerin ist, passt in die momentane Zeit, doch gerade das Thema um den Verzicht auf Fleischkonsum, ergibt hier deutlich Sinn. Ansonsten lebt die Geschichte am ehesten von der anfänglichen Undurchschaubarkeit. Da gibt es hinterher so einige Wendungen, die man nicht unbedingt vorhersehen konnte. Insgesamt überzeugt das Drehbuch, weil es stimmig erzählt wird und auch eine ansprechende Umsetzung erhalten hat.
 
 
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Regisseurin Amelia Moses, die mit „Bloodthirsty“ erst ihren zweiten Langfilm gedreht hat, behandelte das Thema auch schon in ihrem Debüt und ist davon scheinbar recht angetan. Dass der Film sicher kein besonders hohes Budget gehabt haben wird, sieht man ihm dabei kaum an, weil hier alles sowieso recht minimalistisch gehalten wurde. So spielt sich das Treiben überwiegend in dem Haus in den Wäldern ab, doch dieser Schauplatz ist stimmig und macht etwas her. Für genug Abwechslung wird optisch dennoch gesorgt und auch die Visionen sind solide gestaltet. Die Atmosphäre bietet allerdings viel weniger Horror, als man erwarten dürfte, denn „Bloodthirsty“ kommt sehr ruhig daher und bedient deutlich mehr Drama-Elemente. Der Stimmungsaufbau ist allerdings gelungen, wenn man mit der gemächlichen Geschwindigkeit klar kommt. Besonders das letzte Drittel funktioniert deshalb ordentlich, weil sich hier der Horror so langsam entfalten kann. Handwerklich wurde das sauber umgesetzt. Zwar wird dem Zuschauer nicht unbedingt etwas Besonderes geboten, aber ein paar Szenen besitzen durchaus ihren Reiz.
 
 
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Man muss es nur eben langsam mögen. So gelungen der Aufbau auch sein mag, es mangelt dem Geschehen eindeutig an Spannung. In der ersten Stunde gibt es davon nämlich nicht viel zu erleben. Hier besteht der Reiz eher darin, dass es ein paar Geheimnisse zu lüften gilt und man als Zuschauer nicht wirklich wissen kann, ob sich Grey wirklich in einen Werwolf verwandelt oder ob sie eben doch nur psychisch krank ist. Da dreht sich das Treiben auch recht viel um die Musik, welche von der kanadischen Künstlerin Lowell gut und passend geschrieben wurde. Selbst wenn das kaum langweilt, mangelt es einfach an Bedrohung und aufregende Unterhaltung sieht definitiv anders aus. Zum Glück wird im letzten Drittel dann aber doch noch an der Spannungsschraube gedreht, weshalb es sich durchaus lohnt durchzuhalten. Mit seinen 85 Minuten (mit Abspann) ist „Bloodthirsty“ nicht zu lang ausgefallen, aber trotzdem nicht gerade kurzweilig. Hier hätte man dem Zuschauer zwischendurch doch noch etwas mehr Horror präsentieren dürfen. Wirklich brutal wird es übrigens auch selten. Die blutigen Effekte sehen solide aus, kommen aber nicht oft vor.
 
 
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Dass man sich das ruhige Treiben gut gefallen lassen kann, liegt dann vor allen Dingen an den souveränen Darstellern. Ohne diese hätte ein solches Szenario auch gar nicht funktionieren können. Lauren Beatty macht sich in der Hauptrolle wirklich gut und man kauft ihr ihre Figur durchaus ab. Doch auch Greg Bryk macht als ominöser Musikproduzent etwas her und besitzt genügend mysteriöse Ausstrahlungskraft. Katharine King So fällt da mit ihrer etwas belanglosen Rolle ein wenig ab und ansonsten spielt so gut wie kein Darsteller eine größere Rolle. Übrigens ist noch Michael Ironside mit dabei, der ist jedoch dermaßen wenig zu sehen, dass er seine Erwähnung eigentlich auch nur deshalb bekommt, weil er eben doch ein recht großer Name im B-Movie-Bereich ist. Die Figurenzeichnung ist nicht schlecht geworden, aber auch nicht gerade ein Highlight. Die Charaktere funktionieren zwar und sind nicht zu künstlich, wirken aber dennoch relativ konstruiert und ein echtes Mitgefühl entsteht hier nicht. Trotzdem holt „Bloodthirsty“ in diesem Bereich mehr heraus, als man erwarten dürfte und von daher ist das schon in Ordnung so.
 
 


 
 
 

BLOODTHIRSTY – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Wer einen blutigen, effektreichen Werwolf-Film erwartet, wird von „Bloodthirsty“ sicherlich enttäuscht sein. Viel eher sollte man eine Art Indie-Drama mit Horror-Anteilen erwarten. Außerdem muss man es ruhig und langsam mögen, um mit diesem Werk warm zu werden. Der gemächliche Aufbau ist gut gelungen, lässt aber leider auch so manch eine Länge entstehen und dass die Laufzeit gerade mal 85 Minuten beträgt, vergisst man nebenbei schon mal. Es mangelt an Spannung und an Horror, denn diese Elemente kommen erst im letzten Drittel so langsam vor. Gerade weil die Darsteller das so solide spielen und die Inszenierung gut geworden ist, schaut man dem Treiben jedoch trotzdem gerne zu. Außerdem ist die Story passabel geschrieben und wartet mit einer funktionierenden Wendung auf. Score und Soundtrack runden das Ergebnis durchaus souverän ab. So ist „Bloodthirsty“ im Endeffekt sicher kein Highlight, aber doch relativ hochwertig gemacht und eine Sichtung wert, wenn man es ruhiger mag!
 
 


 
 
 

BLOODTHIRSTY – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Bloodthirsty“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

BLOODTHIRSTY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Pierrot Le Fou (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Bloodthirsty; Kanada 2020

Genre: Drama, Thriller, Horror, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 85 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 03.12.2021

 

Bloodthirsty [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

BLOODTHIRSTY – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Pierrot Le Fou)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ginger Snaps (2000)
 
Raw (2016)
 
Bleed with Me (2020)
 

Filmkritik: „Cyst“ (2020)

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CYST

Story

 
 
 
Ein verrückter Arzt will mit seiner Erfindung beweisen, wie genial er ist. Doch führt dies nur dazu, dass ein großes Zysten-Monster die Praxis unsicher macht.

 
 
 


 
 
 

CYST – Kritik

 
 
Wer hätte gedacht, dass der schlechte „Trolls World – Voll vertrollt“ doch noch zu etwas gut sein kann? Bei den Dreharbeiten lernten sich allerdings Tyler Russell und George Hardy kennen und ein späteres Treffen ließ eine Filmidee entstehen. „Cyst“ ist zwar kein guter (und vor allen Dingen ein ziemlich billiger) Film, aber eine Sache bietet er dem Trashfan dann eben doch: Herrliche von Hand getrickste Effekte, bei denen man einfach schmunzeln muss!
 
 
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Der plastische Chirurg Dr. Guy hat eine spezielle Maschine entwickelt, mit der er eitrige Geschwüre seiner Patienten ganz unkompliziert entfernen kann. Doch da keiner seiner Patienten bereit ist, sich damit testen zu lassen, muss ein Praktikant heran. Mittels einer Nährlösung zum Wachstum von Geschwüren sieht der arme Praktikant auch schon bald furchtbar aus. Jetzt, wo Dr. Guy beweisen könnte, dass seine Maschine funktioniert, geht jedoch alles schief und plötzlich wandelt ein riesiges Zysten-Monster in der Praxis herum. Die Story ist hier durchaus zu vernachlässigen und gibt, abgesehen von der absurden Grundidee, so gut wie gar nichts her. Das bemerkt man schon an der ersten Hälfte, die ganz schön fad vor sich dahin dümpelt. Besonders viele Einfälle hatte man nicht. Es sind eher die kleinen, nahezu unterschwelligen Gags, die noch für etwas Unterhaltung sorgen. Als gut kann man dieses Drehbuch also kaum bewerten.
 
 
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Auch das handwerkliche Drumherum erscheint ziemlich billig. Regisseur Tyler Russell hatte sicher nicht viel Budget zur Verfügung und besonders an den lieblosen Schauplätzen kann man das bestens erkennen. Die Inszenierung ist soweit ganz sauber, bedient jedoch nur den Standard. Gewisse Szenenübergänge hat man so jedenfalls schon etliche Male gesehen. Streng genommen, ist nicht mal der Unterhaltungswert besonders prickelnd, weil es dem Treiben gänzlich an Spannung mangelt und der Humor ist auch nicht gerade großartig geraten. Ein paar kleine Gags sind ganz nett, doch die echten Lacher bleiben aus. Dass der dünne Plot für einen ganzen Film kaum ausreicht, bemerkt man dann auch an der Laufzeit des Werkes. Es ist schon erstaunlich, dass „Cyst“ trotz seiner bemerkenswert kurzen Laufzeit von nicht mal ganz 70 Minuten (in denen der Abspann schon enthalten ist) dennoch seine Längen besitzt. Gerade die erste Hälfte ist ziemlich trocken geraten und viel zu ereignislos. Doch in der zweiten Hälfte gibt es dann endlich die Effekte zu sehen.
 
 
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Und fast ausschließlich aus diesen holt sich der Streifen dann auch seine Daseinsberechtigung. Das sieht alles besonders deshalb so toll aus, weil man auf Computereffekte nahezu gänzlich verzichtet hat. Da gibt es ein bisschen gut aussehenden Splatter zu betrachten, aber der Hauptstar ist natürlich das Zysten-Monster, welches herrlich absurd aussieht. Immerhin hier hatte man eine kreative Ader. In der restlichen halben Stunde ist das Tempo dann angenehm hoch und es gibt eine gute Portion Action zu sehen. Aufregend ist das sicher nicht, aber die Effekte laden immer wieder zum Schmunzeln ein, so dass sich der Trash-Fan nun wenigstens ganz solide unterhalten lassen dürfte. Der Score ist übrigens auch nicht schlecht und klingt sogar relativ hochwertig.
 
 
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Ansonsten gibt es an „Cyst“ eigentlich nur noch ein paar Darsteller, die erwähnenswert sind. Eva Habermann hatte ja auch schon in „Trolls World – Voll vertrollt“ mit gemacht und sie scheint durchaus ein Faible für geschmacklosen Trash zu haben. So ist sie sich auch nicht zu schade dafür, sich gleich mehrmals mit literweise Eiter anspritzen zu lassen. George Hardy, der es mit „Troll 2“ ja zu einer gewissen Kultfigur brachte und nebenbei als Zahnarzt arbeitet, scheint auch wieder Spaß an solchen Filmchen gefunden zu haben. Der verrückte Arzt passt ideal zu ihm und er füllt die Rolle natürlich mit Overacting aus, was hier jedoch positiv zu vernehmen ist. Dass bei den Darstellern auch sonst mit Humor herangegangen wurde, sieht man daran, dass „The Room“-Greg Sestero in einer kleinen Nebenrolle mit dabei ist. Die restlichen Schauspieler erledigen ihre Arbeit passabel ohne dabei jemals aufzufallen und über eine Figurenzeichnung braucht man hier natürlich erst gar nicht zu sprechen.
 
 
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CYST – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
„Cyst“ ist ein kleines, schleimiges und geschmackloses Vergnügen, welches nur deshalb funktioniert, weil die Effekte schön anzusehen sind. Der gesamte Streifen ist eine große Hommage an die Werke der 60er und 70er und auch an Troma. Mit diesem Augenzwinkern und der völlig unernsten Herangehensweise kann man dem Werk kaum böse sein, aber für zukünftigen Kult reicht es dennoch nicht aus. Dafür ist die Geschichte zu lahm und dafür ist der Unterhaltungswert nicht gut genug. Die erste Hälfte ist nämlich ganz schön öde. Auch die Schauplätze sind langweilig. Zum Glück hat man das vorhandene Geld in die von Hand gemachten Effekte gesteckt und Habermann, sowie Hardy machen ebenfalls Spaß. Von daher können Trash-Fans ruhig mal einen Blick riskieren, aber die Erwartungshaltung sollte trotzdem lieber niedrig bleiben.
 
 


 
 
 

CYST – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Cyst“ ist ungeschnitten und frei ab 18 Jahren.
 
 
 


 
 
 

CYST – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) UCM.ONE (Blu-ray im KeepCase)

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(c) UCM.ONE (DVD + Blu-ray im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Cyst; USA 2020

Genre: Horror, Komödie, Trash, Splatter, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 79 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase | Mediabook

Extras: Audiokommentar mit Eva Habermann, Original Trailer, Teaser, Deutscher Trailer, Interviews mit Cast & Crew, Hinter den Kulissen-Making of Cyst (10,49 Min.), Hinter den Kulissen-Bildergalerie (2 Min.) | zusätzlich im Mediabook: 16-seitiges Booklet, Film auf DVD

Release-Termin: KeepCase + Mediabook: 12.11.2021

 

Cyst [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Cyst [Blu-ray + DVD im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

CYST – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei UCM.ONE)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Atomic Hero (1984)
 
Der Blob (1988)
 

Filmkritik: „Unearth“ (2020)

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UNEARTH

Story

 
 
 
In „Unearth“ gibt es eine weitere Variante zu sehen, was passieren kann, wenn der Mensch schlecht mit seinem Heimatplaneten umgeht.

 
 
 


 
 
 

UNEARTH – Kritik

 
 
Es scheint momentan relativ beliebt zu sein, Horrorfilme mit gesellschaftskritischen Themen anzureichern. Man bekam in letzter Zeit nämlich ein paar Werke zu sehen, die sich besonders mit dem Thema Umwelt beschäftigten. Dass der Mensch mit dieser nicht gerade gut umgeht, dürfte kein Geheimnis sein. Zusätzlich ist die Zeit, in der wir seit der Corona-Pandemie leben sicher auch nicht gerade leicht. Solche Stoffe lassen sich wunderbar zu Dramen umformen, aber „Unearth“ will nebenbei auch ein Horrorfilm sein. Eines kann man ruhig schon verraten: Er ist auch ein durchaus effektiver Vertreter seiner Art, aber bis der Zuschauer davon etwas bemerkt, vergeht sehr viel Zeit.
 
 
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Die Dolans und die Lomacks sind zwei benachbarte Farmerfamilien im ländlichen Amerika. Das Geschäft läuft schon lange nicht mehr gut und stets sitzt die Angst im Nacken, dass man seinen Hof verlieren könnte. Deshalb geht George Lomack einen Deal mit einem Öl- und Gaskonzern ein. Dieser möchte gerne Erdgas per „Fracking“ gewinnen und George hofft, dass er mit dem Geld seinen Hof retten kann. Dadurch beginnt er nicht nur Streit mit den Dolans, sondern auch mit der Umwelt. Diese ist nämlich erbost über die Methode Erdgas zu gewinnen und setzt einen Stoff frei, der das Leben aller Beteiligten schon bald drastisch verändern soll. Bei Fracking wird Erdgas und Erdöl gewonnen, indem man Wasser mit Zusatzstoffen in die Erde pumpt. Dieses Verfahren ist höchst umstritten und hat große Konsequenzen. Da sich damit aber Geld verdienen lässt, wird es natürlich trotzdem praktiziert. Das Thema alleine hätte schon ausgereicht für einen Film, aber zusätzlich sieht das Drehbuch einen übernatürlichen Anteil vor. Das sorgt natürlich für Abwechslung und wirkt im Endeffekt auch ganz ordentlich überdacht. Sowieso hat man sich mit dem Thema ausführlich auseinandergesetzt und bietet so eine Handlung, die in ihrer Message wertvoll ist.
 
 
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Da „Unearth“ einem als Horrorfilm verkauft wird, werden Enttäuschungen allerdings nicht ausbleiben können, denn die gesamte, erste Stunde bedient lediglich das Drama. Hier konzentriert man sich auf die Charaktere und ihre Probleme. Das wirkt durchaus authentisch und sorgt für eine gewisse Tiefe, lässt aber nebenbei leider auch so manch eine Länge aufkommen. Dass man sich so umfangreich um diesen Punkt kümmert, ist eigentlich eine lobenswerte Sache, aber ein bisschen weniger hätte es dann auch getan. Sobald der eigentliche Horror dann nämlich startet, besitzt der Film nur noch wenig Laufzeit und wenn der Abspann erscheint, fühlt man sich fast so, als wäre das Ergebnis gar nicht fertig gewesen. Die Mischung ist also leider nicht ausgewogen und das kostet „Unearth“ einiges an Unterhaltungswert.
 
 
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Dabei macht das Regie-Ehepaar John C. Lyons und Dorota Swies auf handwerklicher Ebene ziemlich viel richtig. Dass nicht besonders viel Budget zur Verfügung stand, kann man zwar erkennen, aber dieser Umstand wird trotzdem gut kaschiert. In der ersten Stunde gibt es sehr schöne Aufnahmen der Landschaften zu sehen. Das Bild wirkt sehr unterkühlt und lässt jegliche Farben vermissen, was gut zur trostlosen Atmosphäre passt. Das Drama macht von vornherein klar, dass hier niemand gewinnen kann. Die Ausgangssituation ist trist. Sobald der Horror-Anteil an Fahrt aufnimmt, wechselt man in die Dunkelheit, was sicherlich eine gute Entscheidung war, weil man so verschleiern kann, dass die Effekte nicht optimal geraten sind. Das bemerkt der Zuschauer nämlich kaum, weil man alles immer nur recht kurz sieht. Trotzdem zieht „Unearth“ hier alle Register und der plötzliche Wechsel ins Body-Horror-Gefilde kann einen schon hart treffen. Da gibt es ein paar wunderbare Ekel-Effekte und alleine für dieses Finale lohnt es sich, den langatmigen Anfang durchzustehen. Begleitet wird das Treiben übrigens von einem stimmungsvollen Score, der meist aus dichten, düsteren Sounds besteht.
 
 
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Auch über die Darsteller lässt sich nichts Negatives berichten. Mit Adrienne Barbeau ist sogar eine richtige Größe mit dabei, die der ein oder andere eventuell noch aus „The Fog“ kennen könnte. Sie dient allerdings nicht nur als Lockmittel, sondern spielt eine größere Nebenrolle und macht das sogar erstaunlich engagiert. Marc Blucas ist ebenfalls kein No-Name und spielt solide. Der Rest des überschaubaren Casts liefert zweckdienlich ab. Das sind keine besonders auffallenden, aber durchaus authentische und brauchbare Leistungen. Dies passt dann auch ganz gut zur Figurenzeichnung, an der man schon recht viel gearbeitet hat. Jeder bekommt seine nachvollziehbaren Probleme. Das wirkt alles recht lebensnah und kommt ohne Übertreibungen aus. Allerdings wirkt es zeitgleich auch nicht besonders markant und nicht jede Figur hätte so viel Aufmerksamkeit gebraucht. Hier hätte man ruhig auch etwas kürzen dürfen, damit man sich hinterher länger um den Horror-Aspekt kümmern kann. Trotzdem ist es mal schön, dass sich ein Horrorfilm bei seinen Charakteren Mühe gibt!

 
 


 
 
 

UNEARTH – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
„Unearth“ ist der nächste Umwelt-Horror, der ein gesellschaftskritisches Thema anspricht, welches perfekt in die heutige Zeit passt. Leider vergisst der Film lange Zeit, dass er ja eigentlich Horror bedienen möchte. Zwei Drittel der Laufzeit sind ein lupenreines, ruhiges Drama. Das ist zwar nicht verkehrt, lässt jedoch Längen aufkommen. Besonders schade ist es, weil der abschließende Body-Horror-Anteil echt gut gelungen ist. Davon hätte man gerne noch etwas mehr gesehen, denn das Ende hinterlässt einen nur bedingt befriedigt zurück. Abgesehen von einem etwas mauen Unterhaltungswert, bekommt man aber eine ordentliche Inszenierung, eine hochwertige, handwerkliche Arbeit, gute Schauspieler und sogar ziemlich starke Effekte zu betrachten. Das hätte im Endeffekt sicher noch besser werden können, aber wer Sitzfleisch mitbringt und sich darüber bewusst ist, dass in der ersten Stunde nichts horrormäßiges geschieht, der dürfte im Endeffekt trotzdem kaum enttäuscht sein!
 
 


 
 
 

UNEARTH – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Unearth“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

UNEARTH – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Busch Media Group (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Unearth; USA 2020

Genre: Horror, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 94 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer, Interviews, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 08.10.2021

 

Unearth [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

UNEARTH – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Busch Media Group)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Long Weekend (1978)
 
Gaia – Grüne Hölle (2021)
 
Anonymous Animals (2020)
 
The Beach House (2019)
 

Filmkritik: „The Good Things Devils Do – Willkommen zur Blutnacht“ (2020)

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THE GOOD THINGS DEVILS DO – WILLKOMMEN ZUR BLUTNACHT

(THE GOOD THINGS DEVILS DO)

Story

 
 
 
Eine alte Vampirkönigin wird in der Halloween-Nacht wieder zum Leben erweckt und sorgt passenderweise für reichlich Schrecken.

 
 
 


 
 
 

THE GOOD THINGS DEVILS DO – Kritik

 
 
Das Szenario sieht jedes Jahr ähnlich aus: Meldet sich der Oktober, geht es los mit Halloween-Filmen. Ein paar davon sind sicherlich hochwertiger Natur, doch besonders der B-Movie-Markt wird dann mit Veröffentlichungen überschwemmt. Das einzige, was diese billigen Horrorfilmchen dann von den anderen, die über das gesamte Jahr hinweg veröffentlicht werden, unterscheidet, ist die Tatsache, dass sich eben alles an Halloween abspielt. „The Good Things Devils Do – Willkommen zur Blutnacht“ macht von vornherein keinen wirklich hochwertigen Eindruck, spielt dafür jedoch die 80er-Jahre-Nostalgie-Horror-Karte aus, was zuweilen sogar ganz gut funktioniert, selbst wenn das Resultat im Endeffekt verzichtbar gewesen wäre.
 
 
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Melvin liebt den Grusel und deshalb arbeitet er auch schon lange an seinem eigenen Museum des Makabren. Nun hat sich Melvin die Überreste einer alten Vampirkönigin besorgt, die natürlich perfekt ins Museum passen. Dummerweise erweckt seine Frau durch einen Zufall die Vampirkönigin und schon fließt das Blut. Als dann auch noch ein paar Gangster vorbeikommen, die einen letzten Job erledigen wollen, darf die Opferzahl ansteigen.
Vom Drehbuch sollte man nicht unbedingt viel erwarten, denn hier werden lediglich Zutaten abgespult, die es zuvor schon etliche Male gab. Wirklich neue Ideen gibt es keine zu entdecken und die Kombination der Zutaten wirkt auch nicht gerade besonders kreativ. Das muss den Fan von simplen Horrorfilmen aber nicht zwangsläufig stören, wenn das Resultat gut gemacht wurde. Da das bei „The Good Things Devils Do – Willkommen zur Blutnacht“ zumindest teilweise der Fall ist, ist man dem Werk für seine überraschungsfreie, schwache Story auch nicht ganz so böse.
 
 
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Drehbuchautor und Regisseur Jess Norvisgaard, für den dies erst der erste Langfilm ist, versteht nämlich zumindest sein Handwerk. Dass das Werk nicht gerade viel gekostet hat und man sich mit einem kleinen Budget zufrieden geben musste, ist nicht zu übersehen. Dafür holt Norvisgaard dann doch noch etwas aus dem simplen Szenario heraus. Das macht er, indem er einfach die Retro-Nostalgie-Karte spielt, was zwar schon lange nicht mehr originell, aber immer noch in Mode ist. So gibt es Synthie-Klänge zu hören und allgemein hört sich die Musik ordentlich an. Außerdem wird mit Lichtern und Nebel gespielt. Zusätzlich stammen die Effekte von Hand und selbst wenn sie nicht perfekt sind, machen sie doch etwas her. Die größte Splatter-Keule sollte man allerdings nicht erwarten, denn vieles findet auch im Off statt. Die Freigabe ab 18 Jahren ist aus grafischer Sicht nicht unbedingt nachvollziehbar, aber weil „The Good Things Devils Do – Willkommen zur Blutnacht“ eine recht bösartige, makabre Ader besitzt, geht das trotzdem in Ordnung.
 
 
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Dies sorgt zudem für eine Atmosphäre, die man sich als Horrorfan gefallen lassen kann. Das Ganze nimmt sich nicht zu ernst und dient auch mal mit komödiantischen Anteilen, die zwar eher albern und unpassend wirken, aber trotzdem seltsamerweise kaum stören. Und dann wäre da dieser echt böse, schwarze Humor in Form von ein paar reichlich fiesen Sprüchen. Ein bisschen Halloween-Stimmung kommt zum Glück auch auf. Das Haus ist als Hauptschauplatz zwar nicht besonders spektakulär, aber in der Nachbarschaft gibt es genügend Deko zu betrachten. Allgemein flacht der Unterhaltungswert nach einem gelungenen Start etwas ab. Die Einleitung gibt Gas, macht Spaß und dann hat man es leider verpasst, das Ganze spannender zu gestalten. Erst im Finale geht da wieder etwas mehr die Post ab. Da die Laufzeit mit nur 80 Minuten (mit Abspann) jedoch kurz gehalten wurde, gibt es nicht zu viele Längen und einige Momente sind durchaus unterhaltsam geraten.
 
 
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Dann wären da zudem noch halbwegs brauchbare Darsteller. Bill Oberst Jr. gibt sich Mühe und dient so mit dem hochwertigsten Schauspiel, aber auch David Rucker III geht in Ordnung. Linnea Quigley besitzt eine kleine Rolle und dann wird der Horror-Fan natürlich noch mit dem Namen Kane Hodder gelockt. Dieser besitzt am Anfang auch eine Hauptrolle, die jedoch früh verschwindet. Von Etikettenschwindel kann man nicht unbedingt sprechen, aber seine Rolle hätte gerne trotzdem größer ausfallen dürfen. Insgesamt kann man mit den Leistungen der Darsteller durchaus zufrieden sein, aber leider macht der deutsche Ton dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung. Manche Schauspieler wurden nämlich ziemlich mies synchronisiert. Das klingt reichlich künstlich und hölzern. Allgemein hat man es bei der Ton-Abmischung ganz schön versemmelt, denn die Stimmen sind viel lauter, als Musik und Hintergrundgeräusche, was in manchen Momenten ganz schön nervig ist.
 
 


 
 
 

THE GOOD THINGS DEVILS DO – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
„The Good Things Devils Do – Willkommen zur Blutnacht“ ist ein durch und durch durchschnittlicher Horrorfilm geworden, der einiges richtig und einiges falsch macht. Die falschen Dinge werden aber größtenteils dem niedrigen Budget zu verschulden sein. Die Story ist gänzlich simpel und hätte ein paar kreative Ideen gebrauchen können, doch die handwerkliche Arbeit ist gar nicht schlecht geraten. Immerhin entsteht etwas Atmosphäre und das simple Spiel mit Lichtern und Nebel zusammen mit etwas Halloween-Deko wurde hier gekonnt umgesetzt. Außerdem sind die Darsteller brauchbar und mit der Figurenzeichnung kann man ebenfalls leben. Die vorhandenen Effekte, selbst wenn es nicht so viele sind, sehen solide aus und der Score hört sich gut an. Im mittleren Teil gibt es ein paar Längen und Spannung will leider keine aufkommen, aber dank der kurzen Laufzeit fühlt man sich selten gelangweilt. Das taugt zwar nicht zum nächsten, großen Halloween-Hit, aber wenn man die guten Filme alle schon durch hat, kann man hier ruhig mal ein Auge riskieren!
 
 


 
 
 

THE GOOD THINGS DEVILS DO – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „The Good Things Devils Do – Willkommen zur Blutnacht“ ist ungeschnitten und frei ab 18 Jahren.
 
 
 


 
 
 

THE GOOD THINGS DEVILS DO – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Daredo | White Pearl Movies (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Good Things Devils do; USA 2020

Genre: Horror, Grusel

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 80 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 24.09.2021

 

The Good Things Devils Do – Willkommen zur Blutnacht [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE GOOD THINGS DEVILS DO – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Daredo | White Pearl Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Night of the Demons (1988)
 
Night of the Demons 2 (1994)
 
Tanz der Teufel (1981)
 

Filmkritik: „Anti-Life – Tödliche Bedrohung“ (2020)

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ANTI-LIFE – TÖDLICHE BEDROHUNG

(BREACH)

Story

 
 
 
Bruce Willis ist zurück und macht den B-Movie-Sektor mal wieder unsicher. In „Anti-Life“ muss er sich gegen einen außerirdischen Parasiten verteidigen.

 
 
 


 
 
 

ANTI-LIFE – Kritik

 
 
Es gab mittlerweile genügend Intros zu Filmkritiken, die auf Bruce Willis basieren. Wenn man sein gelangweiltes Gesicht auf einem Cover von einem neueren Werk sieht, zieht das scheinbar noch immer genügend Publikum an, aber hochwertige Kost erwartet dahinter sicher kaum noch jemand. „Anti-Life – Tödliche Bedrohung“ klang von vornherein wenig vielversprechend, hätte aber mit einer besseren Inszenierung sogar noch durchschnittlich sein können. So mies ist der Film nicht, nur leider mal wieder ziemlich langweilig.
 
 
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Mit der Erde, unserem Heimatplaneten, ist es vorbei, weshalb eine große Anzahl an Auserwählten mit einem Raumschiff auf einen erdähnlichen Planeten transportiert werden soll. Das Ganze würde auch funktionieren, wenn sich auf dem Schiff nicht irgendwie eine unbekannte Lebensform einquartiert hätte. Das parasitäre Wesen schlüpft in die Körper der Besatzung und schon bald regiert auf dem Raumschiff das Chaos. Wirklich originell klingt das nicht, aber jeder, der schon ein paar Science-Fiction-Filme mit Aliens gesehen hat, weiß, dass es nicht immer die kreativen Einfälle sind, die für Unterhaltung sorgen. Nur gut gemacht, sollte es sein. Bei „Anti-Life – Tödliche Bedrohung“ trifft dies leider eher weniger zu, weshalb die magere Handlung auch nicht so wohlwollend aufgenommen wird. Die Grundzutaten sind allesamt kopiert, hätten jedoch das Zeug dazu gehabt, einen unterhaltsamen Film zu entwerfen. So schlecht geht man das Szenario eigentlich auch gar nicht an. Hier und da wird zwar zu viel Zeit mit Belanglosigkeiten verschwendet, doch hinterher treibt man die Geschichte immerhin schnell voran. Dass das Ganze kaum funktionieren will, liegt am ehesten an der Inszenierung.
 
 
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Diese hat der Regisseur John Suits, der auch schon zuvor ein paar Werke gedreht hat, nämlich ganz schön versemmelt. Wie ein vernünftiger Spannungsaufbau funktioniert, scheint dem Mann jedenfalls fremd zu sein. Erst herrscht Stille, dann kommt die Gefahr ins Bild gehopst, es wird geballert und die Szene ist zu Ende. Das wiederholt sich etliche Male in „Anti-Life“ und da darf sich niemand wundern, wenn so keine Spannung entsteht. Außerdem sind die Kulissen echt ziemlich langweilig. Dass das Szenario wirklich in einem Raumschiff im Weltall stattfinden soll, wird dem Zuschauer nur selten authentisch verkauft. Da wird zwar mit reichlich öden Lichtern gespielt, doch eine Atmosphäre entsteht so kaum. Wenn sich die infizierten Menschen dann wie Zombies verhalten, werden zwar Erinnerungen an „Ghosts of Mars“ wach, doch selbst wenn der Film nicht zu den besten Werken von Carpenter gehört, hat man das Actionspektakel dort trotzdem stimmungsvoller kreiert. Hier fehlt es einfach ganz eindeutig an Schauwerten und das Budget war scheinbar nicht groß genug, um ein paar Visionen so richtig hinzubekommen.
 
 
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So muss der Zuschauer dann auch größtenteils auf gute Effekte verzichten, wobei es unfair wäre zu behaupten, dass alle total billig aussehen würden. Okay, den Flammenwerfer hätte man sich besser gespart, doch das blaue Zeug hinterher sieht sogar ganz nett aus. Außerdem wird doch eine gute Portion gesplattert und so harmlos kommt „Anti-Life“ gar nicht mal daher. Am Ende darf man sogar eine große Alien-Kreation begutachten, die nicht toll, aber auch nicht miserabel ausschaut. Den Unterhaltungswert macht das alles nicht fett, jedoch kann man behaupten, dass der Film in seinen besten Momenten sogar halbwegs anziehend wirken kann. Die Dialoge sind zwar selten interessant und die Prämisse gibt nicht viel her und dennoch gibt es immer wieder Phasen, in denen „Anti-Life – Tödliche Bedrohung“ dank reichlich Action kurzweilig erscheint. Leider sind es im Endeffekt aber nicht genügend solcher Momente und dass das Ende dann dermaßen offen und abrupt geschieht, wirft auch eher ein Fragezeichen auf.
 
 
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Selbstverständlich muss man noch auf die Darsteller zu sprechen kommen. Bruce Willis – Dieser Name, der wohl bei keinem Filmfreund heutzutage noch ein Lächeln aufkommen lassen will. Er stört in „Anti-Life“ gar nicht mal und noch überraschender ist: Er spielt tatsächlich eine vollwertige Hauptrolle. Dabei darf er ein paar Sprüche klopfen, wie das in der guten, alten Zeit der Fall war. Normalerweise ist das eigentlich keine Leistung, die man erwähnen müsste, aber man muss sie dennoch erwähnen, weil sie eben nicht ganz so gelangweilt wirkt, wie man das mittlerweile von Willis gewohnt ist. Daneben gibt es noch ein paar andere bekannte Namen in kleineren Rollen zu sehen. Thomas Jane schaut kurz vorbei, aber echt nur kurz, Ralf Moeller ist kurz zu vernehmen, Timothy V. Murphy kann kurz in Erinnerung bleiben und Johnny Messner ist auch kurz mit dabei. Die eigentliche Hauptrolle wird von Cody Kearsley reichlich unspektakulär gespielt. Insgesamt gilt jedoch: Die Schauspieler sind in Ordnung. Nur haben sie bei der dünnen Figurenzeichnung natürlich so gut wie keine Chance. Die Charaktere werden dem Zuschauer herzlich egal sein, weshalb es auch nicht stört, wenn mal jemand stirbt. Da kommen zu wenig Sympathien auf und richtig markant will es leider auch nicht wirken, es sei denn das Aussehen des Darstellers sorgt dafür.
 
 
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ANTI-LIFE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
„Anti-Life – Tödliche Bedrohung“ ist keine Totalkatastrophe, teilweise sogar ganz okay und kann dennoch nicht empfohlen werden, weil er einfach nur wenig zu bieten hat. Mal ganz abgesehen davon, dass wieder mit prominenten Namen geworben wird. Im Falle von Bruce Willis ist das immerhin keine Mogelpackung, denn der spielt eine richtige Hauptrolle und stört in dieser nicht mal. In erster Linie ist es der ideenarmen, langweiligen Inszenierung zu verdanken, dass „Anti-Life“ keine echte Freude aufkommen lassen will, denn das ist doch alles reichlich plump und generisch gestaltet. Zwar kommt nach einem langweiligen, ersten Drittel doch überraschend viel Action auf, aber das ist alles ohne echtes Gespür gestaltet. Die Story wirkt so, als wäre sie schon tausende Male zuvor erzählt worden und die Figurenzeichnung hinterlässt keinen bleibenden Eindruck. So muss man sich doch eher langweilen, selbst wenn es ein paar unterhaltsame Momente gibt. Die Effekte sind okay, nur der Sound lädt ebenfalls zum Einschlafen ein. Unterm Strich ist „Anti-Life“ nicht so schlecht, wie man bei einem Mitwirken von Willis hätte vermuten können, aber wirklich viel taugen, tut er ebenfalls nicht!
 
 


 
 
 

ANTI-LIFE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Anti-Life – Tödliche Bedrohung“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

ANTI-LIFE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) KOCH FILMS (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Breach; USA 2020

Genre: Action, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 92 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase mit Schuber

Extras: Trailershow, Trailer, Bildergalerie

Release-Termin: KeepCase: 21.10.2021

 

Anti-Life – Tödliche Bedrohung [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

ANTI-LIFE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei KOCH FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ghosts of Mars (2001)
 
Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (1979)
 
Life (2017)

Filmkritik: „Monster Hunter“ (2020)

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MONSTER HUNTER

Story

 
 
 
In der Videospielverfilmung „Monster Hunter“ geht es in erster Linie darum, sich gegen riesige Monster zur Wehr setzen zu können.

 
 
 


 
 
 

MONSTER HUNTER – Kritik

 
 
Paul W. S. Anderson hatte ein paar, mit „Event Horizon“ sogar einen richtig guten, Filme gedreht, bevor er den großen Durchbruch mit seiner Interpretation der Videospiele-Reihe „Resident Evil“ erlangte. Nicht nur machte er damit Milla Jovovich, die nun schon lange seine Ehefrau ist, zu einer echten Marke, sondern schuf Anderson zugleich seine eigene Handschrift, die aus Style-over-Substance besteht. Wenn sich also dieser Mann einer weiteren, beliebten Videospielreihe annimmt, nachdem mit „Resident Evil“ aus seiner Hand ja Schluss ist, weiß der Zuschauer eigentlich genau, was er zu erwarten hat. Und deshalb darf sich auch niemand beklagen, wenn ihm „Monster Hunter“ nicht gefällt, denn es war völlig klar, wie dieser Film ausfallen wird!
 
 
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Über die Story muss man bzw. kann man gar nicht viele Worte verlieren. Artemis, Anführerin einer Militär-Einheit, ist gerade mit ihren Leuten auf einer Mission, da kommt auch schon ein gewaltiger Sandsturm auf und plötzlich befindet man sich an einem komplett anderen Ort. Scheinbar ist dies nicht mehr die normale Welt, denn riesige Monster machen hier die Gegend unsicher. Artemis schlägt sich allerdings durch und erhält Unterstützung.
Mehr gibt es zur Handlung, welche übrigens ebenfalls Paul W. S. Anderson schrieb, nicht zu berichten. Da sich das Ganze auf eine Videospielreihe bezieht, was man zu jedem Moment bemerkt, muss die Story aber auch gar nicht ausgefeilter sein. Mit Erklärungen gibt man sich rar und serviert dem Zuschauer im letzten Drittel gerade eben so viele, dass man es noch duldet. Weshalb die Schwerter Feuer fangen, wenn man sie kreuzt, bleibt aber ein großes Rätsel, so wie eigentlich alles an der Handlung rätselhaft ist. Nun kann man sich über die riesigen Logiklücken sicherlich gut beschweren, doch wenn das Hirn mal wieder Pause braucht, ist ein Film wie „Monster Hunter“ sicher nicht verkehrt. Das Drehbuch ist alles andere, als optimal geschrieben, doch immerhin versagt die Umsetzung keineswegs.
 
 
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Dafür besitzt Anderson auch einfach zu viel Erfahrung in seinem Bereich. Die Inszenierung kann sich echt sehen lassen und lässt spektakuläre Schauwerte aufkommen. Das fertige Ergebnis ist zwar an Künstlichkeit kaum zu übertreffen und nicht jeder der CGI-Effekte sieht berauschend aus, aber es wird dem Zuschauer so viel optischer Krawall geboten, dass man sich visuell definitiv bedient fühlt. Aus rein handwerklicher Sicht ist „Monster Hunter“ gut gelungen. Ein paar Millionen an Budget mehr hätten das Gesamtergebnis vielleicht noch atemberaubender gemacht, doch auch so bekommt man eine reichhaltige Variation aus verschiedenen Monstern und den dazugehörigen Tötungsarten zu betrachten. Dabei fühlt man sich manchmal sogar an das Spiel „Minecraft“ erinnert, wenn die bösen Spinnen bei Tageslicht nicht herausdürfen. Eine Prise „Der Herr der Ringe“ ist vorhanden, das Sandmonster lässt Erinnerungen zu „Tremors“ aufkommen und eine Portion „Starship Troopers“ erkennt man ebenfalls. Eine wilde Mischung, die sicher kein bisschen originell oder kreativ ist, dafür aber eines nicht tut: Langweilen.
 
 
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Damit es zu keiner Langeweile kommt, drückt Anderson von vornherein auf’s Gaspedal. Es sind keine paar Minuten vergangen, da befinden sich die Figuren schon in der Welt der Monster. Und dann geht es Schlag auf Schlag weiter. Es gibt dann eigentlich nur noch zwei etwas ruhigere Momente, ansonsten wird „Monster Hunter“ von Action dominiert. Diese ist selten wirklich spannend ausgefallen, was auch an einer völlig simplen Dramaturgie liegt, aber trotzdem wird dafür gesorgt, dass der Zuschauer sich das Treiben gerne anschaut. Hier und da wird für das Mainstream-Publikum etwas Humor platziert, doch sowieso ist die Atmosphäre eher locker, als düster. Dabei hätte das Szenario auch knallhart und finster wirken können. Die rund 100 Minuten Laufzeit (zu denen auch noch eine Post-Credit-Szene gehört) vergehen am Ende ohne spürbare Längen und unterhaltsam ist dieses actionreiche, laute Treiben allemal. Erwähnenswert ist an dieser Stelle noch der Score, von dem zwar deutlich zu viel Gebrauch gemacht wird, der mit seinen elektronischen Klängen aber einfach optimal passt.
 
 
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Dann wären da ja auch noch die Darsteller, von denen jedoch nur wenige erwähnt werden müssen. Bekommt man anfangs noch einige Charaktere zu sehen, reduziert „Monster Hunter“ schon sehr früh und dann steht natürlich Milla Jovovich im Vordergrund. Sie spielt ihre Rolle so, wie man das schon aus den zahlreichen „Resident Evil“ Verfilmungen kennt und macht sich als toughe Kriegerin nach wie vor sehr gut. Ansonsten ist es vor allen Dingen Tony Jaa, der für einen bleibenden Eindruck sorgt. Er kann zwar nicht ansatzweise zeigen, was er körperlich so alles auf dem Kasten hat, ist dafür aber irgendwie drollig, wenn er lautstark nach mehr Schokolade verlangt. Seine Leistung wirkt sympathisch. Abgesehen davon, dass man sonst noch Ron Perlman in einer kleinen Nebenrolle zu sehen bekommt, haben die restlichen Darsteller kaum etwas zu sagen. Das trifft auch auf die Figurenzeichnung zu, die wahnsinnig oberflächlich bleibt. Man bräuchte nicht mal die Hälfte eines kleinen Notizzettels, um die Charaktere hier zu beschreiben. Eine Tiefe vermeidet man so konsequent und das passt dann im Endeffekt auch wiederum ziemlich gut zum Gesamtergebnis.
 
 
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MONSTER HUNTER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
„Monster Hunter“ ist ein stupider Fantasy-Action-Film, der es möglichst laut und hektisch angeht, dabei auf jegliche Tiefe verzichtet und stattdessen ein Effektegewitter zelebriert. Das muss man schon mögen, aber schlecht gemacht ist der Film deshalb noch lange nicht. Die Inszenierung sitzt definitiv und die wenigen Darsteller können abliefern. Außerdem weiß Anderson schon, was er da macht und liefert eine astreine Inszenierung ab, die zwar hektisch und schnell ist, gleichzeitig dennoch gekonnt wirkt. Die Effekte sehen nicht alle optimal aus, wissen in der Überzahl jedoch zu überzeugen und der Unterhaltungswert ist durchaus sehr gut zu gebrauchen. Wer hingegen eine richtige Story oder eine Figurenzeichnung braucht, der sucht sich lieber in anderen Gefilden um. Dramaturgisch ist „Monster Hunter“ eine ziemliche Totalkatastrophe geworden und Anspruch sollte man hier absolut nicht suchen, aber wer actionreiche Hirn-Aus-Unterhaltung will, der wird hier definitiv fündig und bekommt reichlich Schauwerte geboten. Sollte es zu einer Fortsetzung kommen, darf man die Geschichte aber gerne weiter ausarbeiten!
 
 


 
 
 

MONSTER HUNTER – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Monster Hunter“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

MONSTER HUNTER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) CONSTANTIN FILM (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Monster Hunter; China | Deutschland | Japan | Südafrika | USA 2020

Genre: Horror, Abenteuer, Action, Fantasy, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD HR 5.1, Deutsch (Hörfilmfassung) DD 2.0, Englisch DTS-HD HR 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 103 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailershow, Trailer, 3D-Fassung des Films, The Monster Hunters (ca. 8 Min.), For The Players: Game to Screen (ca. 7 Min.), Monstrous Arsenal (ca. 5 Min.), Deleted Scenes (ca. 3 Min.), Interviews (ca. 26 Min.)

Release-Termin: KeepCase: 14.10.2021

 

Monster Hunter [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

MONSTER HUNTER – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei CONSTANTIN FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Starship Troopers (1997)
 
Tremors – Im Land der Raketenwürmer (1990)
 
Mortal Kombat (2021)
 

Filmkritik: „Strange Dreams“ (2020)

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STRANGE DREAMS

(COME TRUE)

Story

 
 
 
Eine jugendliche Ausreißerin nimmt an einer Schlafstudie teil, die zu einem alptraumhaften Abstieg in die Tiefen ihres Geistes und einer erschreckenden Untersuchung der Macht der Träume wird.

 
 
 


 
 
 

STRANGE DREAMS – Kritik

 
 
Nachdem der kanadische Regisseur und Drehbuchautor Anthony Scott Burns sich anno 2016 bereits an der meiner Meinung nach unterschätzten, überdurchschnittlich gelungenen Horrorfilmanthologie „Holidays“ beteiligen durfte, folgte 2018 sein Langfilmdebüt „Our House“, das bereits wissenschaftliche Experimente mit übernatürlichem Horror verquickt hat, zu teils polarisierter, größtenteils aber mäßiger Resonanz. Weitere zwei Jahre später folgte dann diese genreunabhängige Indieproduktion „Come True“, die in Deutschland unsinnigerweise in „Strange Dreams“ umbenannt wurde. Warum das bei diesem Film speziell ein Problem darstellt, wäre ein Spoiler zu viel, doch warum diese durchaus kreative, sehr ansprechend inszenierte Traumreise auch mich zwiegespalten zurücklässt – das werde ich nun versuchen, zu erklären.
 
 
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Die Eröffnungssequenz stimmt dabei bestens auf die ruhige, behutsame, leicht retrofuturistische Erfahrung der folgenden 100 Minuten ein, da nach den Opening Credits, die auf einem alten Röhrenfernseher abgespielt werden, direkt die erste der zahlreichen, höchst atmosphärisch inszenierten Traumsequenzen folgt, in denen mit langsamer POV-Kamerabewegung durch überzeugend animierte Höhlen und Berge, neblige, enge Gänge, knarzende, schwebende Holztüren und postapokalyptisch, ja gar dämonisch wirkende Umgebungen gefahren wird. Von eben jenen, mehrfach in voller Länge ausgespielten, aber nie langweilenden Traumsequenzen geplagt wird unsere Protagonistin Sarah, eine junge Frau die bei ihren Eltern auf eigene Faust ausgezogen ist und auf einem Spielplatz aus dem Alptraum erwacht.
 
 
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Doch auch wenn die zweite Traumsequenz mit ihren aus den Wänden der bedrückenden Architektur des Sanatoriums heraushängenden Leichen direkt deutlich düsterer und beängstigender anmutet als die erste, und auch wenn Traum #3 daraufhin dann gar mit einem funktionierenden, abstrakten Jump-Scare punktet und rasant folgende Horrorgefilde erahnen lässt, so ist „Strange Dreams“ in seiner gesamten ersten Hälfte gar nicht interessiert daran, zu schockieren, verstören oder auch nur auf wirkliche Spannung zu setzen. Stattdessen wird, mit unterkühlten Farben, hübscher Beleuchtung und mysteriösem Soundtrack in „The Persona“, dem ersten Kapitel, erst kurz Sarahs Situation geschildert, bevor der etwaige Ausweg aus der finanziellen Not und Schlaflosigkeit durch die bezahlte Schlafstudie etabliert wird. Nach 20 Minuten starten dann sowohl die Studie, mit ihren leicht an Sci-Fi- oder Retrofuturismus anmutenden Outfits, dem hübsch beleuchteten Kontrollraum und einer handvoll weiterer Probanden, sowie auch der Film selbst, dessen manchmal unmotiviert- einlullender, dann wieder hypnotischer, einfühlsamer Stil und Synthie-Soundtrack, nun noch mit einem atmosphärischen Voiceover über die Schlafphasen und Panflöten versehen, Hand in Hand geht mit den schwelgerischen Nahaufnahmen, nächtlichen Einstellungen der Großstadt, Ungewissheit des Experiments und beunruhigenden Träumen.
 
 
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Nach dem ersten Tiefschlaf im Forschungsinstitut wird Sarah mit einer Reihe Bilder konfrontiert, auf die sie äußerst heftig reagiert – mit dabei ist ein dunkler Hüne, eine schattenhafte, große, beängstigende Gestalt, mit der jeder ihrer Träume endet – was hat es mit diesem wiederkehrenden Schrecken auf sich? Und was mit dem Nerd aus der Bibliothek, der sie zu verfolgen scheint? Nachdem die erste halbe Stunde sich fast ausschließlich auf ihre audiovisuellen Reize und Atmosphäre ausgeruht hat, gelingt es Burns kurz daraufhin tatsächlich, erstmalig so etwas wie Rätselspannung und Anflüge von einem Plot aufkommen zu lassen, der mehr als eine reine
 
 
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Situation ist. Doch auch wenn auf dem Weg zur Halbzeit eine kurze, prägnante, effektiv geschnittene Terror-Sequenz mit hämmerndem Bass folgt, so ist die anschließende „Offenbarung“ für den Zuschauer leider lange keine Offenbarung mehr und langsam aber sicher stellt sich die Frage, worauf der Film eigentlich hinaus will, warum er sich so langsam und zäh inszeniert, welche versteckten Karten er wohl noch alle bei sich hält.
Doch wer nach dem verpatzten Mehrwert der letzten Szene noch nicht entnervt aufgegeben hat, der wird definitiv noch belohnt – vor der Bestrafung. Denn nachdem mir ein unstimmiges Plotdetail einfach nicht aus dem Kopf gegangen ist und ich schon potentiell eher enttäuscht war, von dieser „Maniac“ (die Netflix-Serie)-ähnlichen, nur gefühlt noch belangloseren Prämisse, taucht auf einmal der Schriftzug „The Shadow“ auf und läutet das dritte Kapitel ein. Und hier wird der Zuschauer nun zuerst effektiv verunsichert mit einem fragmentierten Gesicht und einer sich endlos durch das Treppenhaus drehenden Kamera, bis sich dann durch eine tatsächlich überraschende Beobachtung und Aussage wohliges Gruseln einstellt. Welches sich dann, finalement, in so etwas wie einer „Horror-Sequenz“, gekonnt entlädt. Der Soundtrack verlässt die Ambient-Gefilde und lässt die Synthesizer anschwillen, die Kontrolle entgleitet, in einer intensiven Szene mit großartigem Aufbau und unheimlichem pay-off zeigt „Strange Dreams“ zu was er fähig wäre, wollte er ein Genre-Film sein.
 
 
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Nur um daraufhin wieder ganz eindeutig zu beweisen, dass er genau das nicht sein möchte. Denn was nun als mit wichtigste Schlüsselszene des Films inszeniert wird, ohne etwa einen Twist vorweg zu nehmen, das ist ein romantischer Subplot, der als einzige Instanz auch mit einem Song unterlegt ist, der Lyrics hat. Doch so für sich genommen gelungen die Stelle sein mag, so verwirrend und gefühlt unpassend ist sie für den Zuschauer in diesem Moment, da nicht nur zum zweiten Mal eine mehrfach bereits implizit erwähnte, für den Zuschauer offensichtliche Beobachtung ausgesprochen wird, sondern diese neue Route nun auch noch fernab von jeglichem Horror für eine überraschend lange Laufzeit verfolgt und ernst genommen wird, wo sich die Dramaturgie doch eigentlich Richtung Finale bewegen sollte. Wobei „Dramaturgie“ ohnehin ein schwieriges Wort ist, wenn wir trotz des soliden bis gelungenen Schauspiels doch stets recht unbewegt und distanziert bleiben, aufgrund des allzu am Geschehen, nicht aber an den Charakteren interessierten Scripts, das zwischenmenschliche Szenen auf ein Minimum reduziert und wenig Mitfiebermotivation, oder auch nur Einblicke in Sarahs Psyche oder Charakter erlaubt. Die mit Abstand verängstigendste, gelungenste Horror-Stelle des gesamten Films ist dabei zwar nur wenige Sekunden lang und inhaltlich relativ unmotiviert, aber so grandios inszeniert, abgemischt, designt und editiert, dass ich beim bloßen dran denken eine Gänsehaut bekomme – doch so genial wird es in der Hinsicht nie wieder, egal in welcher Hinsicht. Dass sich diese Sequenz also auch noch nach weit über einer Stunde im Film befindet, zu einem Zeitpunkt, zu dem reine Horrorfans vermutlich längst abgesprungen sind, ist da natürlich ärgerlich.
 
 
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Das Finale des Films ist dann wieder höchst atmosphärisch geraten und gelungen gefilmt, mit deutlichen Stranger-Things-Anleihen und schön zurückhaltender Effektarbeit, aber dabei deutlich weniger Aufmerksamkeit oder Worte wert, als das Ende: Denn gaaaaaanz am Ende dieser 100 Minuten wird der Film dann tatsächlich nochmal deutlich interessanter, aber auch enttäuschender, irgendwo gewitzter aber eben auch witzloser und unnötig verwirrend, da hier natürlich noch ein großer Twist folgen muss. Und der ergibt rein inhaltlich auch Sinn und der wird auch ein Stück weit vorher angedeutet und erklärt ein paar Fragezeichen oder Fehler der vorherigen Szenen, ja, gleichzeitig aber stellt er auch den gesamten Film, die Existenzberechtigung der gesamten Story und die Motivation des Regisseurs, diesen Film überhaupt zu machen, komplett in Frage. Wer den ebenfalls höchst kuriosen „Boarding School“ gesehen hat, der weiß, wie man radikal unterschiedliche Ideen oder Konzepte mit einem einmaligen Ende umdeuten oder im letzten Moment noch etablieren kann, etwas ähnliches wurde hier auch gemacht.
 
 


 
 
 

STRANGE DREAMS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Ungewöhnlicher, eigenständiger, hübsch fotografierter, langsamer Indiefilm, der das Interesse des Zuschauers zumeist aufrecht erhalten kann, hinter der hübschen Verpackung und dem feinfühligen Soundtrack aber leider nur zwei wirklich intensive, spannende Szenen aufzuweisen hat und abseits seiner Genre-Inserts relativ zahm, minimalistisch und unspektakulär inszeniert wurde. Stimmungsvoll, interessant, mit schimmernd-leichten, idyllischen, bis hin zu mysteriös-nächtlichen Synthesizern und Assoziationen sowie natürlichen Performances, aber auch einem schleppenden Erzähltempo und verschenkten Möglichkeiten.
 
 


 
 
 

STRANGE DREAMS – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Strange Dreams“ (Originaltitel: „Come True“) ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

STRANGE DREAMS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Koch Films (Blu-ray + DVD im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Come True; USA 2020

Genre: Horror, Drama, Fantasy, Science-Fiction

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1), Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 105 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Making Of, Trailer, Bildergalerie, Trailershow | zusätzlich im Mediabook: Booklet + Film auf DVD

Release-Termin: KeepCase: 23.09.2021 | Mediabook: 23.09.2021

 

Strange Dreams [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Strange Dreams [Blu-ray + DVD im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

STRANGE DREAMS – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Boarding School (2018)
 

Filmkritik: „Spell“ (2020)

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SPELL

Story

 
 
 
Auf dem Weg zur Beerdigung seines Vaters, stürzt Marquis mit seiner Familie im Privat-Flugzeug ab und als er erwacht, befindet er sich in den Fängen einer verrückten Hoodoo-Sekte.

 
 
 


 
 
 

SPELL – Kritik

 
 
Voodoo wird natürlich gerne für okkulte Horrorfilme als Vorbild benutzt. Eine solche Prämisse kann man 2020 also schon mal nicht mehr originell nennen, selbst wenn es in „Spell“ selbst um Hoodoo und nicht um Voodoo geht. So ähnlich die Aussprache, so wenig originell der Filmtitel, so wenig überraschend das Ergebnis. „Spell“ punktet in erster Linie mit seiner Optik, hat inhaltlich allerdings kaum etwas zu bieten.
 
 
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Star-Anwalt Marquis erhält plötzlich die Nachricht vom Tod seines Vaters. Also macht er sich zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Kindern im Privat-Flugzeug auf den weiten Weg nach West Virginia. Als ein Unwetter aufkommt, stürzt die Maschine ab und als Marquis erwacht, befindet er sich auf einem Dachboden mit Verletzungen. Eine hilfsbereite Frau ist auch dort, aber es dauert nicht lange, bis Marquis bemerkt, dass Eloise nichts Gutes im Schilde führt. Das Ganze hat mit Hoodoo zu tun und Marquis versucht schon bald eine Flucht zu planen. Ob nun Hoodoo oder Voodoo spielt dabei eigentlich keine Rolle. Es gibt Parallelen, aber „Spell“ versucht dem Zuschauer diese Magie sowieso nicht näher zu bringen. Die Prämisse ist lediglich zweckdienlich und wird nicht weiter ausgearbeitet. Dabei hätten ein paar frische Ideen definitiv nicht geschadet. Das Drehbuch tut so, als würden wir uns noch in den 90er Jahren befinden und kommt ziemlich ideenarm daher. Nicht mal Hintergründe erfährt der Zuschauer hier. Erstaunlich, dass dafür Kurt Wimmer zuständig war, der mal Drehbücher für z.B. „Equilibrium“ schrieb. Wirklich überzeugend ist diese Geschichte nicht.
 
 
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Dafür kann die Optik punkten. Regisseur Mark Tonderai, der ansonsten überwiegend für’s Fernsehen arbeitet, liefert nämlich schon ab. In „Spell“ wird viel mit Filtern, Close-ups und Zooms gespielt. Das macht das Schauen zwar manchmal ein wenig anstrengend, aber da es gekonnt gestaltet wurde, macht das Ergebnis schon etwas her. Alleine die ganzen Farbfilter geben dem Werk einen hübschen Anstrich. Auch über die Schauplätze kann man sich nicht beklagen, denn hier wirkt alles authentisch und eine gewisse Atmosphäre entsteht so ebenfalls. Man bekommt es zwar nur mit einem typischen, okkulten Horrorfilm zu tun, aber phasenweise ist die Stimmung dennoch schön bedrohlich und dass es konsequent ernst zur Sache geht, passt ebenfalls.
 
 
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Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus den Darstellern. Omari Hardwick spielt seine Rolle durchaus glaubwürdig und gibt sich alle Mühe. Auch Loretta Devine erledigt ihre Aufgabe solide und die ganzen, kleinen Nebenrollen sind ebenfalls ordentlich besetzt. Aus schauspielerischer Sicht ist „Spell“ also gelungen, aber leider mangelt es erheblich an einer funktionierenden Figurenzeichnung. Die Wandlung von Marquis wirkt noch halbwegs glaubwürdig, doch viel erfährt man über seinen Charakter nicht. Alle anderen Figuren trifft es noch schlimmer. Über die Motive von Eloise kann man nur rätseln und manche Personen tauchen anfangs kurz auf, nur um dann vom Film vergessen zu werden. So hätte man die Familie von Marquis auch gleich weg lassen können. Nichtssagende Charaktere sind mit Sicherheit störend, aber warum man überhaupt nichtssagende Charaktere einführt, nur um sie dann zu vergessen, ist rätselhaft.
 
 
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Da „Spell“ inhaltlich wenig zu bieten hat, stellt es sich auch nicht als sonderlich interessant heraus, dem Geschehen zu folgen. Obwohl die Atmosphäre immer mal wieder schön dicht ist und sich der Überlebenskampf von Marquis als halbwegs spannend herausstellt, ist im Endeffekt viel zu wenig los, um den Zuschauer gut zu unterhalten. Das liegt allerdings auch mit daran, dass die Charaktere einfach zu farblos bleiben. Überwiegend geht es relativ ruhig zur Sache und viele Effekte braucht man nicht zu erwarten. Abgesehen von ein, zwei schmerzhaften Szenen spielt auch Gewalt keine so große Rolle. Nur das Finale dreht dann plötzlich etwas durch und bietet deutlich mehr Action. Das ist an sich unterhaltsam, nur passt der Wechsel im Ton so gar nicht zum vorherigen Geschehen. Außerdem offenbaren sich so ein paar CGI-Effekte, die man nicht unbedingt gebraucht hätte. Der Score klingt passend und ist brauchbar.
 
 


 
 
 

SPELL – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
„Spell“ ist so durchschnittlich, wie der einfallslose Titel es schon vermuten lässt. Dabei hätte aus dem Streifen durchaus etwas werden können, denn die handwerkliche Arbeit ist solide, die Inszenierung überzeugt und die Optik weiß zu gefallen. Außerdem sind die Darsteller völlig brauchbar und die Atmosphäre besitzt ordentliche Momente. Leider hat das Drehbuch allerdings nichts zu bieten. Man hatte keine kreativen Einfälle, durchleuchtet keinerlei Motive und bietet so im Endeffekt auch eine sehr nichtssagende Figurenzeichnung. Große Spannung kann so keine entstehen. Die Laufzeit von guten 90 Minuten langweilt zwar nicht durchgehend, aber so richtig unterhaltsam will das Treiben auch nie werden. Außerdem passt das actionreiche Finale nicht zur vorherigen Gangart. Alles in einem ist „Spell“ nicht schlecht, aber man verpasst auch nichts!
 
 


 
 
 

SPELL – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Spell“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren. Sonderlich blutig ist der Streifen nicht. Daher ist die Freigabe gerechtfertigt.
 
 
 


 
 
 

SPELL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Paramount Piuctures (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Spell; Südafrika | USA 2020

Genre: Horror, Mystery, Grusel, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 23.09.2021

 

Spell [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SPELL – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Paramount Piuctures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Misery

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Filmkritik: „Incision – Kleine Einschnitte, große Schmerzen“ (2020)

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INCISION – KLEINE EINSCHNITTE, GROSSE SCHERZEN

(INCISION)

Story

 
 
 
Nachdem die junge Alexa vor ihrer eigenen Schönheitsoperation zurückgewichen ist, gelangt sie zusammen mit einigen Freunden in die wahnsinnigen Hände eines Chirurgen.

 
 
 


 
 
 

INCISION – Kritik

 
 
Das Intro informiert uns mit schnell geschnittenen Zeitungsartikeln darüber, dass von 2014-2018 scheinbar ein wahnsinniger Chirurg sein Unwesen getrieben und mindestens 13 Patienten umgebracht hat. Um diesen Klischee-Opener zu vervollständigen, darf ein Opfer mit zugenähtem Mund sich nun noch schreiend im Spiegel beäugen, bevor ein kitteltragender Klischee-Antagonist, im Halbdunkeln stehend, dies mit „Beautiful!“ kommentiert. Als nächstes werden unzusammenhängende HD-Aufnahmen eingelegter Föten und Körperteile reißerisch und unmotiviert aneinander gereiht, wozu lahme, charakterlose, vage düstere Musik den unterdurchschnittlichen Ersteindruck untermauert. Medizinisches Besteck wird gezeigt, eine rostige Patientenliege, blablabla.
 
 
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Wie prinzipiell haltbare Ideen an inszenatorischem Unvermögen scheitern können, zeigt dann der nächste Abschnitt: Unsere schlecht gespielten, stereotypen, uninteressanten, jungen, reichen Protagonisten werden optisch ansprechend in hübschen, lichtdurchfluteten Luxuswohnungen inszeniert, hören exzellent produzierte sowie stimmig gewählte Musik und sogar an etwas Charakterisierung versucht sich der Film – doch die nach jeder Szene folgende Schwarzblende tötet jede Spannung und bremst massiv aus, die Dialoge sind schlecht geschrieben und deutlich zu leise abgemischt, inhaltlich wird auch auf der Stelle getreten. Vereinzelt genutzte Drohnenaufnahmen oder Chorgesänge reihen sich in die Liste der irritierenden, unzusammenhängenden Editing-Entscheidungen, immerhin tut sich nach knapp einer viertel Stunde audiovisueller Berieselung aber etwas, da eine Festplatte voll Musik drauf verschwunden ist.
 
 
„My family has lived here for generations!“
 
 
Besagte Festplatte wird kurzerhand geortet und befindet sich laut App nicht weit von der Gruppe, in einem alten Haus. Eine bemühte, pseudoemotionale Szene am Strand später, kann tatsächlich die irritierende, unberechenbare, leicht beunruhigende, wenn auch oft gesehen Performance der überfreundlichen alten Dame punkten, bei der Kenny, ein kiffender, blonder Surferboy, versucht das Eigentum seines Freundes zurück zu bekommen. Dieser hingegen könnte sein Anliegen nicht egaler sein, guckt sie stattdessen doch nur ihre Arzt-Soap, beleidigt die Schauspielerinnen lauthals als Huren, bietet ihm einen Brownie an – sprich, lenkt vom eigentlichen Geschehen ab. In diesen kurzen Szenen, mit der unlogischen, aber hübschen Beleuchtung, dem leicht atmosphärischen Sounddesign und der unberechenbaren Situation, gewinnt der Film tatsächlich so etwas wie Charakter – doch sobald Kenny das Wohnzimmer wieder verlässt und in einem unordentlichen Raum voll Diebesgut und Schaufensterpuppen (seufz) auf ein furchtbar schauspielendes Kind trifft, sowie auf einen Hünen mit Lederhemd, der aussieht wie ein Ex-Wrestler mit Drogenproblem, beginnt die Talfahrt.
 
 
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Und hört auch nicht mehr auf – Hand auf die Kamera, Kenny ist ausgeknockt, nach 28 Minuten macht die Gruppe sich auf den Weg zum Haus, mit weiteren Schwarzblenden. Die. Nach. Jeder. Szene. Das. Tempo. Drosseln. Grenzenlos dämlich wird es nun an der Haustür, da die Gruppe um Rapper Calvin $oundz zwar anfänglich misstrauisch, vorsichtig und zurückhaltend vermeidet, in das Haus einzutreten, doch dann nach einem einzelnen „Ich muss auf Toilette!“ von der Freundin nicht nur ohne weitere Bedenken in das Wohnzimmer tritt, sondern auch mir nichts, dir nichts den angebotenen Scotch trinkt. Wie soll man hier mitfiebern, wenn sich bereitwillig in diese vorhersehbare, von Anfang an strange und unangenehme Situation begeben wird?
 
 
„We make people beautiful!“
 
 
Unfreiwillig komisch wird es innerhalb weniger Minuten nun an zwei Stellen, da sowohl der overactende, absurd euphorisch und künstlich herumrufende Junge „Timothy“, der „Becca“ bedrängt, gespielt von Caylee Cowan, die man aus „Willy’s Wonderland“ kennen kann, als auch der abgeschmierte Hüne mit seinen debilen, affigen Kopfbewegungen zu keiner Sekunde ernst genommen werden kann. Was nicht so schlimm wäre, würde dieser trashige Käse sich nicht so ernst nehmen – doch statt Selbstironie oder Comedy hagelt es stattdessen nicht funktionierende Jumpscares, langweilige Sets, Klischee-Dialoge, peinliches Overacting von James Allen Brewer als Mad Doc – und natürlich Gewalteinlagen.
 
 
„Insane? I’m going to make you beautiful!“
 
 
Das eine Motiv, das dieser Film kennt, ist das der Schönheitsoperation gegen den eigenen Willen, die eine Anweisung, die die Schauspieler bekommen haben, war „Sei verängstigt/Sei böse und gruselig!“, das eine „Horrorelement“, das dieser strunzlangweilige, ausgelutschte Nicht-Horrorfilm präsentiert, ist also natürlich krude Gewalt. Das fängt mit einem handgetricksten, heraushängendem Augapfel am Sehnerv noch halbwegs vielversprechend an – doch mit absurd schlechten CGI- Beinstümpfen, die in einer dunklen Szene fast schon leuchten so künstlich sehen sie aus, sowie weiteren wenig überzeugenden, sehr kurzen Gewaltmomenten nach Schema F, werden auch hier Tiefen der Inkompetenz erreicht. Doch auch wenn die Gewalt effektiver wäre, was würde es nutzen? Niemand interessiert uns, mit niemandem kann man mitfühlen oder sich identifizieren
 
 
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Der Soundtrack wird dabei regelmäßig ohrenbetäubend laut und impliziert eine Intensität und Spannung, der dieser belanglose, komplett unoriginelle Pseudo-Folterfilm einfach zu keiner Sekunde gerecht werden kann. In einer trashigen, billigen Umgebung gilt es lahmes Schauspiel und endlose, langweilige Monologe des Doktors zu ertragen, dazu viel Schluchzen aber keine Charakterbögen oder -fortschritte. Dass der Hüne es im Laufe dieses unmotivierten, generischen Stationen Abklapperns wirklich schafft, sich durch ein paar peinlich genuschelte Dialogzeilen noch weiter lächerlich und unbedrohlich zu machen, gar von einer Kopfnuss ausgeknockt wird, macht nach einer geschlagenen Stunde Laufzeit schon fast keinen Unterschied mehr.
 
 
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Wäre das Finale noch in irgendeiner Form spektakulär, neu, spannend, mutig oder unterhaltsam, „Incision“ hätte für seine kurze Laufzeit, die wenige Gewalt ohne CGI und die erfreulich wenig exploitative Inszenierung vielleicht noch 3 Punkte einheimsen können – doch weil Gegner ausgeknockt, aber nicht umgebracht, Waffen liegen gelassen, altbekannte Slasher-Pfade bis zum Erbrechen durchexerziert werden – darum reicht es dafür einfach nicht mehr. Die Kombination vom verrückten Doktor mit klassischer Musik hat man auch noch nie gesehen, ein unfreiwillig komischer Sägentanz noch, mehr bemerkenswert grausames Kinderschauspiel, die obligatorische Ankündigung, dass es noch nicht wirklich vorbei ist – und dann war es das auch schon wieder, 77 auf der Stelle vergessene Minuten Zeitverschwendung.
 
 
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INCISION – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
Fast schon bemerkenswert ideenloser, unorigineller, unfähiger, unblutiger, nie wirklich unterhaltsamer B-Horror ohne Spannung. „Incision – Kleine Einschnitte, große Schmerzen“ ist wenig blutiger Pseudo-Horror mit Klischees, Tropen, Abziehbildern und handwerklichen Mängeln wo überall man nur hinschaut.
 
 


 
 
 

INCISION – Zensur

 
 
 
Trotz Folterthematik hatte „Incision – Kleine Einschnitte, große Schmerzen“ Glück mit der FSK-Prüfung. Der Film ist ist ungeschnitten und frei ab 18 Jahren.
 
 
 


 
 
 

INCISION – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Incision; USA 2020

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 80 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 20.08.2021

 

Incision – Kleine Einschnitte, große Schmerzen [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

INCISION – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Movies)

 
 
 
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Filmkritik: „Sakrileg – Stell‘ dich deiner Angst“ (2020)

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SAKRILEG – STELL‘ DICH DEINER ANGST

(SACRILEGE)

Story

 
 
 
Für vier Freundinnen wird ein entspanntes Wochenende auf dem Land zum Albtraum, als sie in die Fänge einer Sekte geraten.

 
 
 


 
 
 

SAKRILEG – Kritik

 
 
Wenn man mal gerade keine originelle Idee für einen Horrorfilm hat, kann man ja einfach die Sonnenwende verwursten. Hat ja bei einigen Vorgängern auch schon funktioniert. Wenn einem dann noch das Budget fehlt, macht man den Film einfach ziemlich billig – Irgendjemand wird es schon kaufen! So oder so ähnlich muss die Grundidee von „Sakrileg – Stell‘ dich deiner Angst“ gewesen sein, wobei das Werk wenigstens ein paar Qualitäten besitzt.
 
 
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Vier Freundinnen wollen eigentlich ein entspanntes Wochenende in einem luxuriösen Landhaus verbringen. Als sie einen Anhalter aus dem Dorf mitnehmen, erzählt dieser vom Sonnenwendfest und lädt die Mädels ein. Sie kommen auch und sind nicht schlecht überrascht, als sie eine Götzenstatue mit Hirschkopf erblicken. Trotzdem ist der Abend ganz lustig, doch die Freundinnen wissen noch nicht, dass er Konsequenzen haben soll.Die Handlung hat leider nicht viel zu bieten. Mit der Sonnenwende hat das Ganze eigentlich nichts zu tun und man hat dies nur genutzt, um eine Prämisse zu erschaffen. Auch um die Opfergaben dreht sich das alles selten. Stattdessen werden die Freundinnen mit der Zeit mit ihren Ängsten konfrontiert, was man nicht besonders originell verpackt hat. Sowieso mangelt es dem Drehbuch an Einfällen. Das gab es so zuvor alles schon etliche Male und Eigenständigkeit besitzt das keine.
 
 
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Dies alleine muss ja noch kein Todesurteil für einen Horrorfilm sein, denn mit einer tollen Inszenierung kann selbst das langweiligste Skript noch interessant werden. Leider kommt „Sakrileg – Stell‘ dich deiner Angst“ allerdings ziemlich billig daher. Für David Creed, der auch das Drehbuch selbst schrieb, war es der erste Langfilm und man kann deutlich erkennen, dass der Mann mit mehr Budget auch bessere Bilder hervorzaubern hätte können. So schlecht ist seine Inszenierung nämlich gar nicht mal. Gerade die langsamen Kamerafahrten über die Wälder sehen schick aus. Das Fest wechselt optisch dann zwischen skurril und lächerlich. Manche Dinge sehen gut aus, manche wirken viel zu kitschig. Insgesamt ist die Inszenierung etwas zu langsam, aber aus rein handwerklicher Sicht hat man da doch noch etwas herausgeholt. Nicht mal die Effekte sind schlecht und das obwohl sie teilweise aus dem Computer stammen. Besonders brutal wird es allerdings nicht. Der Film wurde in Deutschland ab 16 Jahren freigegeben. Dennoch gibt es eine kleine Portion Splatter zu sehen und damit kann man schon zufrieden sein.
 
 
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Woran es „Sakrileg – Stell‘ dich deiner Angst“ jedoch mangelt, ist Atmosphäre. Da wird zwar versucht eine bedrohliche Stimmung aufkommen zu lassen, doch dies gelingt zu selten. Richtiger Horror kommt nicht oft auf und obwohl der Streifen total düster ist, lässt den Zuschauer das meistens kalt. Das liegt auch mit an dem nicht besonders hohen Unterhaltungswert. Dabei wurde die Laufzeit mit 83 Minuten sogar relativ gering gehalten. Trotzdem geschieht während diesen Minuten einfach zu wenig. Die Einleitung zieht sich ziemlich in die Länge und bis das Szenario endlich mal los legt, ist bereits die erste Hälfte vergangen. Immerhin bietet das Finale noch einen Hauch von Spannung und ist recht temporeich ausgefallen.
 
 
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Die Darsteller kann man leider nicht gerade loben, wobei sie ihre Sache auch nicht katastrophal machen. Die Leistungen gehen für einen Film in dieser Preisklasse noch in Ordnung und sind nicht störend schlecht ausgefallen, wirken aber auch niemals besonders glaubwürdig und überzeugend. Die Figurenzeichnung passt sich dem an. Dass es mal vier Freundinnen sind und sich keine Männer in der Gruppe befinden, ist ein sympathischer Ansatz. So gibt es auch nicht die typischen Blödeleien unter Kerlen. Viel gemacht, hat man daraus trotzdem nicht und die Charaktere bleiben sehr farblos. Ein Mitfiebern mit den Figuren ergibt sich deshalb nicht, aber immerhin bekommt der Zuschauer ein wenig Lesbensex zu sehen, was die Schauwerte noch minimal höher werden lässt.
 
 
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SAKRILEG – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
„Sakrileg – Stell‘ dich deiner Angst“ ist ein überraschungsarmer, simpler Horrorfilm, der kaum punkten kann, aber auch nicht ärgerlich schlecht ausgefallen ist. Das Drehbuch kann man vergessen, denn es kommt ohne Inspiration daher, doch die handwerkliche Arbeit ist gar nicht mal so schlecht. Es entstehen ein paar Bilder, die man sich gerne anschaut und auch die Effekte sind passabel. Mit mehr Budget hätte daraus sicher noch mehr werden können, doch leider bemerkt man an vielen Stellen, dass der Film einfach ziemlich günstig war. Mit den nicht besonders überzeugenden Darstellern kann man noch leben und das Finale ist gar nicht mal schlecht, aber die Atmosphäre verbreitet zu wenig Bedrohung, die Figurenzeichnung ist zu belanglos und der Unterhaltungswert nicht hoch genug, da „Sakrileg – Stell‘ dich deiner Angst“ alles in einem zu langsam und ereignislos ist. Für Horror-Allesschauer vielleicht noch einen Blick wert, ansonsten eher als seichte Einschlafhilfe geeignet!
 
 


 
 
 

SAKRILEG – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Sakrileg – Stell‘ dich deiner Angst“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

SAKRILEG – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Sacrilege; Großbritannien 2020

Genre: Horro, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 86 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Original + Deutscher Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 03.09.2021

 

Sakrileg – Stell‘ dich deiner Angst [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SAKRILEG – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Movies)

 
 
 
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