Filmkritik: „Hellbender – Growing Up Is Hell“ (2021)

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HELLBENDER – GROWING UP IS HELL

(HELLBENDER)

Story

 
 
 
Teenagerin Izzy lebt mit ihrer Mutter zurückgezogen in den Wäldern, da sie angeblich todkrank und ansteckend ist. Als sie eines Tages das erste Mal auf eine andere junge Frau trifft, häufen sich die merkwürdigen Vorfälle und dunklen Vorahnungen…
 
 
 


 
 
 

HELLBENDER – Kritik

 
 
„Wonder Wheel Productions“ ist der Name der US-amerikanischen Produktionsfirma der Familie Adams, bestehend aus Toby Poser, Ehemann John Adams und ihren Töchtern Zelda und Lulu. Zusammen drehen die vier seit mittlerweile einer Dekade unabhängige Spielfilme, die von Titel zu Titel wohl größer und bekannter geworden sind und stets auch im Script Themen wie Familiendrama oder -zusammenhalt behandeln. Nach „Rumblestrips“, „Halfway to Zen“, „The Shoot“, „Knuckle Jack“ und dem sogar von Arrow Video releasten „The Deeper You Dig“ wurde mit „Hellbender“ nun auch endlich ein Titel der von Indiefans hoch gelobten Familienschmiede in Deutschland veröffentlicht.
 
 
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Stöhnende, rasselnde Geräusche zu rot schimmernden Leichenresten auf einem Waldboden, danach sehen wir eine ältere Dame mit blutverschmiertem Mund. Eine Gruppe verkutteter Frauen inszeniert die rituelle Hängung einer vermummten Person, diese fliegt nach ihrem Ableben mittels mediokrer CGI-Effekten brennend in die Luft – unerwartet, aber auch leicht trashig. „HELLBENDER“ prankt es auf der Titlecard und „Women!“ ist jetzt erst einmal der einzige Songext, den das Mutter-und-Tochter-Gespann zu krachenden E-Gitarren als Band performen. Im eigenen Wohnzimmer spielend, auf Deutsch die Takte anzählend und mit an Metalbands erinnernder Gesichtsbemalung kostümiert, schafft der Film es in seinem fast schon hyperrealistisch hochaufgelöstem Look innerhalb weniger Minuten einiges an Charakter und Flair zu verbreiten, wodurch man die liebende, aber isolierte Existenz von Izzy (Zelda Adams) und ihrer Mutter (Toby Poser) schnell abkauft.
 
 

„I’m on my way to hunt you down.“

 
 
Ein mystischer, langsamer, atmosphärischer Folk-Song läuft während Izzy erfährt, dass sie nicht mit in die weit entfernte Stadt fahren darf, aus Sicherheitsgründen natürlich; vom Einkauf mitgebracht wird eine mysteriöse schwarze Krone, mit der auch gleich lachend posiert wird. Doch dass wir es hier nicht mit einer „Verfluchtes Objekt zerstört Familienidyll“-Geschichte zu tun haben, stellt diese kurzweilige Genreproduktion alsbald in einer verheißungsvollen Szene klar, in der Izzys Mutter zu kreischenden Sirenen aus Stöcken, Spucke und zerkauten Beeren ein okkultes Symbol bastelt, welches daraufhin zu schweren Seufzern in den Himmel zu steigen scheint. Durch exzellentes Framing, unter die Haut gehendes Sounddesign und eine posterreife Cinematographie werden solche, inhaltlich aber auch nie zu ausgelutschten Szenen, massiv aufgewertet.
 
 
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Die nächsten Bröckchen Information über unsere Protagonistinnen sind die, dass Izzy natürlich ausschließlich daheim Unterricht von ihrer Mutter erhält und somit keine Schule besucht oder je soziale Kontakte knüpfen durfte, sowie die, dass zu Hause wohl nur Beeren, Tannenzapfen, Wurzeln und dergleichen auf dem Speiseplan stehen. Und wenn Izzys Mutter nicht gerade flüsternd ominöse, geisterhafte Rituale auf der Treppe vollführt, achtet sie mit wachem Auge darauf, dass auch kein im Wald verlorener Wanderer zufällig auf ihre Tochter trifft. Den entscheidenden Schritt raus aus der Überwachung und Isolation, hinein in die Unabhängigkeit und das soziale Leben ist es nun, den Izzy, mit einem Fernglas bewaffnet und heimlich im Wald unterwegs, wagen will – und ich bin nach knapp 20 Minuten schon absolut hooked.
 
 

„You wanna beer, neighbor?“

 
 
Nach kurzer Zeit ist ihr Unterfangen von Erfolg gekrönt und sie trifft auf die ähnlich junge Amber, mit der das Eis trotz aller Ungewohntheit der Situation recht schnell gebrochen wird – doch der augenscheinlichen Normalität werden sogleich Einstellungen der Mutter entgegengesetzt, die einen Schlüssel aus ihrer rechten Hand zieht und dann ein schwarzes Buch berührt. Und somit werden das harmlose Planschen und Kichern des Nachwuchs also mit psychdelisch bunten Horrortripvisionen konterkariert, das unschuldige Trinken des ersten Biers mit sich alptraumhaft verformenden Gesichtern, das kathartische Kennenlernen einer anderen Person mit gruselig-dämonischen Lachern – und ich fühle mich verstanden, an dekadealten Horror erinnert, grinse breit.
 
 
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Ein herrlich drückender Track mit räudiger Bassgitarre läuft, nach dem gelungenen Nachmittag wird Izzy auch zugleich eingeladen, am nächsten Tag zu einer kleinen Party wieder zu kommen. Und da die „tödliche, ansteckende Krankheit“, die Izzy laut ihrer Mutter angeblich hat, beim letzten Treffen ja auch nichts gemacht hat, wieso nicht die Chance zur Sozialisierung nutzen? Eine knappe halbe Stunde dieses knackigen 80-Minüters ist schon vergangen, ein Großteil der Exposition durch und zack kommt auch schon das auslösende Moment, der storytriggernde Vorfall, der kleine Haken an der Geschichte. Denn gerade als unsere Protagonistin mit ihren Schlagzeugskills die Gruppe begeistern und Anschluß finden konnte, fällt auf dass das edle Anwesen keinesfalls Amber oder ihrer Familie gehört – und, mehr noch, dass sie den letzten Kurzen vielleicht doch nicht hätte trinken sollen. Bald schon sehen sich Izzy sowie der Zuschauer mit einem omnipräsenten Flüstern in fremden Sprachen konfrontiert, während der Genrefan sich auf weitere unheilvolle Visionen freuen darf.
 
 

„Magic comes from the fear, the fear of death…“

 
 
War man in den letzten Jahren im Horrorgenre unterwegs, könnte man schon fast sagen dass selbst so eine spezifisch klingende Unterkategorie wie „Feministisch angehauchter Coming-of-Age-Horror“ sein eigenes Genre geworden ist, haben sich doch etliche Regisseure/innen mit diesem, oder einem sehr ähnlichen Thema beschäftigt, spezifisch mit der Verquickung von Body Horror, Unsicherheitsängsten des Erwachsenwerdens und anti-patriarchischer Weltsicht. Mit einem überschaubaren Budget ausgestattet, dem Titel nach recht generisch und durch sein wäldliches Setting jetzt auch nicht sonderlich hervorstechend, sollte „Hellbender“ demnach also auch wirklich nicht der Rede wert sein, eine achselzuckende, vielleicht einmalig sehenswerte, durchschnittliche Genreerfahrung darstellen. Doch über jegliches rein technisches Lob hinaus wurde hier mit viel Herzblut, Charme, Mut und Kreativität ein ziemlich ambitioniertes, teils bemerkenswert aussehendes, authentisch gespieltes, kurzweiliges Stück Horrorkino geschaffen, das man als Fan definitiv mal auschecken sollte.
 
 
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Steht das semioriginelle, dafür aber wunderbar griffig inszenierte Hauptkonzept nach etwa der Hälfte des Films nämlich, zieht es sich um die 50-Minuten-Marke herum zwar erstmalig ganz leicht, dafür hat man hier aber auch seinen Tritt gefunden: Fortan wird nämlich ganz bewusst die Balance gehalten zwischen leicht trashigen, merkwürdigen Ideen der Marke „Hasenmasketragender Mönch vor CGI-Feuer“ und bemerkenswert ästhetisch eingefangenen, leicht schwarzhumorigen und absolut ernst zu nehmenden Mutter-Tochter-Szenen. Und als sei das auch noch nicht genug, gibt es eine logisch erscheinende, überzeugend inszenierte und befriedigende Idee zum Okkultismus noch dazu, inklusive verdammt cooler Hintergrundgeschichte und sympathischer Drogentripszene. Dass selbst das ruppige, erstmalig richtig drastisch-brutale Finale mit seinen flirrenden Störfrequenzen, bunt flickernden Visionen, fleischigen Gedärmgängen und immer wieder verdammt überzeugenden Jungdarstellerinnenperformances nicht enttäuscht, ist da wirklich nur die Kirsche obendrauf.
 
 


 
 
 

HELLBENDER – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Überraschend professionell inszenierter, betörend gedrehter, trotzdem punkrockigen Indie-Flair verbreitender Coming-of-Age-Horrorfilm mit einer großartigen Hauptdarstellerin und atmosphärischen Klängen, dessen teils sehr durchwachsenes CGI sich nur leider selbst im Weg steht. Sympathisch, kurzweilig, teils gar originell und sehenswert, trotz kleiner Schwächen.
 
 
 


 
 
 

HELLBENDER – Zensur

 
 
 
„Hellbender – Growing Up Is Hell“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Wegen einiger von der FSK höher eingestufter Trailer auf der Heimkinoscheibe ist selbige aber erst für Erwachsene geeignet.
 
 
 


 
 
 

HELLBENDER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) I-On New Media (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Hellbender; USA 2021

Genre: Drama, Mystery, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: Film: FSK16 | Blu-ray wegen höher eingestuftem Bonusmaterial: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 29.04.2022

 

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HELLBENDER – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei I-On New Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Raw (2016)
 
The Devil’s Candy (2015)
 
Deathgasm (2015)
 

Filmkritik: „The Retaliators“ (2021)

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THE RETALIATORS

Story

 
 
 
Als die Tochter eines Pastors brutal ermordet wird, dürstet es dem Mann Gottes nach Rache und diese führt noch in viel finstere Gefilde, als er sich vorstellen kann.
 
 
 


 
 
 

THE RETALIATORS – Kritik

 
 
 
Metal bzw. Hard Rock und Horrorfilme gehen schon gerne mal Hand in Hand, haben aber vor allen Dingen in jüngster Vergangenheit immer mal wieder eine schöne Symbiose erfahren dürfen. Bei „The Retaliators“ geht es zwar thematisch überhaupt nicht um Musik, doch da der Film von Better Noise Films produziert wurde, die auch das Label Better Noise Music führen, bekommt man hier einen umfangreichen Soundtrack zu hören und zudem treten einige Herrschaften des Alternative Metals oder auch des Hard Rocks auf. Ob das alleine jedoch für einen guten Film ausreicht?
 
 
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Mitnichten! Schon beim Drehbuch fangen die Probleme an, denn „The Retaliators“ wurde ganz schön durchwachsen geschrieben. So ist bereits der Einstieg holprig geraten. Nachdem einem kurz klar gemacht wurde, dass da eine große Gefahr lauert, beginnt die Einleitung mit Vater und Töchtern. Hier verschwendet man allerdings seine Zeit, denn eine echte Beziehung ist für den Zuschauer niemals greifbar und die Szenen besitzen keine Wirkung. Auch der lange Dialog bei einem Drogendealer wirkt gänzlich austauschbar. In der ersten Hälfte häuft sich die Frage, was das Ganze denn eigentlich soll und es dauert wirklich zu lange, bis die ziemlich simple Story mal auf den Punkt kommt. Sobald sich das Geheimnis jedoch lüftet und man das erzählerische Experimentieren hinter sich lässt, kann „The Retaliators“ deutlich mehr punkten. In der zweiten Hälfte wirkt das wie eine Mischung aus „7 Days“ und „Haus der Vergessenen“. Glaubwürdig ist das alles nicht, reichlich übertrieben dafür allemal und so richtig originell will der Mix leider nicht wirken. Dafür muss man der Geschichte jedoch lassen, dass sie anfangs nicht zu vorhersehbar ist.
 
 
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Darstellerische Höchstleistungen sollte nun ebenfalls niemand erwarten, wobei der Film trotzdem ganz solide gespielt wird und mit einigen bekannten Namen aufwartet. Bekannt natürlich nur dann, wenn man gerne moderne Metal-Acts wie „Five Finger Death Punch“ oder „Papa Roach“ hört. So sind z.B. Ivan Moody, Zoltan Bathory und Jacoby Shaddix zu sehen. Aber auch Tommy Lee (Mötley Crüe) schaut mal vorbei. Das sind alles eher kleinere Rollen in denen nicht viel geschauspielert werden muss, die aber auch keineswegs fehlplatziert wirken. Die Arbeit der „echten“ Darsteller übernehmen dann Michael Lombardi (etwas fehlbesetzt), Marc Menchaca (reichlich düster) und Joseph Gatt (was für ein Tier!). Dies machen sie insgesamt brauchbar und dass die ganzen Typen nicht markant wären, kann man nun wirklich nicht behaupten. In einer winzig kleinen Rolle ist sogar Robert Knepper zu sehen. Die Figurenzeichnung bleibt allerdings höchst platt und legt es nicht gerade darauf an glaubwürdig zu wirken. Hier ist alles konstruiert und künstlich.
 
 
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Diese Tatsache stellt der Machart ab und zu ein Bein, denn lange Zeit kann sich „The Retaliators“ nicht so richtig entscheiden, was er eigentlich darstellen möchte. So wirkt er anfangs wie ein langweiliges Drama und mutiert dann zu einer Art düsterem Thriller. Gerade in diesem mittleren Teil wäre es wichtig gewesen, dass die Charaktere organisch wirken, was eben leider nicht der Fall ist. So verpufft hier auch die wohl gewünschte Wirkung. Sobald sich der Film dann aber auf das besinnt, was er im Endeffekt wohl am ehesten sein möchte, nämlich knallharter Horror, wird es schlagartig besser. Die letzte halbe Stunde ist schon ein Highlight. Hier gibt es viel Action und brachialen Splatter zu betrachten. Harmlos ist das nun echt nicht und die Effekte stammen überwiegend von Hand, was schön anzusehen ist. Dass der Soundtrack aus viel härterem Rock besteht, passt bei der Besetzung und dem Label natürlich und war zu erwarten.
 
 
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Hier besitzt „The Retaliators“ auch immer ein wenig Videoclip-Ästhetik, was nicht verwunderlich ist, denn das Regie-Duo Samuel Gonzalez Jr. und Bridget Smith haben auch beide schon Musikvideos gedreht. Aber neben einigen Kurzfilmen auch bereits ein paar Filme. Eine gewisse Erfahrung sieht man dem Resultat durchaus an. Optisch ist das alles schon ansprechend gestaltet. Wenn die harten Rocker sich in Nacht-Clubs aufhalten, die Musik dazu laut dröhnt, ist das zwar nichts, was man optisch nicht bereits kennt, seine Wirkung erzielt das aber dennoch. Sowieso kann man der Inszenierung kaum Vorwürfe machen. Am ehesten den, dass man hier etwas unentschlossen war, ob man es nun ruhig und nachdenklich oder doch möglichst laut und hektisch gestalten will. So ist jedoch immerhin für Abwechslung gesorgt, die sich auch durch die gesamte Atmosphäre zieht. Was in einem Moment nämlich noch düster und leise erscheint, ist im nächsten schon total chaotisch und schrill.

 
 


 
 
 

THE RETALIATORS – Fazit

 
 
6 Punkte Final
 
 
„The Retaliators“ besitzt genauso viel Licht, wie auch Schatten. Zu den Schattenseiten gehört auf jeden Fall das durchwachsene Drehbuch, welches gerade die Einleitung ganz schön versemmelt und viel zu lange nicht richtig auf den Punkt kommen will. Dafür kann sich die handwerkliche Arbeit sehen lassen und die Inszenierung bereitet einige hübsche Szenen auf. Die Darsteller werden nicht unbedingt gefordert, machen ihre Sache jedoch brauchbar und es macht schon Spaß, dass der Film stark in der Metal/Hard-Rock-Welt verankert ist. Leider ist die Figurenzeichnung ziemlich schwach geraten und man kauft hier niemanden seine Rolle so richtig ab. Entschädigung gibt es dafür vor allen Dingen im starken Finale, in dem es richtig krachen darf. Hier löst sich „The Retaliators“ von seiner Unentschlossenheit und bietet ein schönes Splatter-Fest. Ist die etwas wirre und unnötige erste Hälfte also erst mal überstanden, macht der Film letztendlich doch noch Spaß
 
 
 


 
 
 

THE RETALIATORS – Zensur

 
 
 
„The Retaliators“ ist alles andere als harmlos. Zwar wird nicht jede Gewalt-Szene explizit gezeigt, doch gerade im Finale splattert es gewaltig. Außerdem bekommen Filme mit Selbstjustiz-Thematik in Deutschland sowieso gerne höhere Freigaben. WSollte es „The Retaliators“ ungekürzt nach Deutschland schaffen, wird der Streifen einen roten Sticker erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE RETALIATORS – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Better Noise Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Haus der Vergessenen (1991)
 
7 Days (2010)
 

Filmkritik: „13 Fanboy“ (2021)

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13 FANBOY

Story

 
 
 
Ein maskierter Killer hat es auf Schauspieler abgesehen, die einst eine Rolle in Horrorfilmen spielten.

 
 
 


 
 
 

13 FANBOY – Kritik

 
 
Für was könnte man wohl prädestiniert sein, wenn man den Nachnamen Voorhees trägt? Nun, wenn man sich nicht gerade selbst eine Hockey-Maske aufsetzt und sich durch die Gegend meuchelt, liegt es wohl auf der Hand, dass man in einem Teil der „Freitag der 13.“ Reihe mitspielen sollte. Und genau das tat Deborah Voorhees 1985 auch, als sie im fünften Teil „Ein neuer Anfang“ eine Rolle ergatterte. Nun wollte Frau Voorhees aber wohl noch einen ganzen Schritt weitergehen. „13 Fanboy“ ist ein Meta-Slasher über eine der berühmtesten Reihen von diesem Subgenre. Doch taugt das Ganze deshalb auch etwas? Leider so gut wie gar nicht!
 
 
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Als Kind wurde die kleine Kelsie Zeugin, wie ihre Großmutter von einem maskierten Killer brutal ermordet wurde. Das Skurrile an der Sache war, dass die Großmutter einst als Schauspielerin in einem Slasher mitgespielt hatte. Seitdem sind viele Jahre vergangen und Kelsie versucht sich nun selbst als Schauspielerin. Doch plötzlich häufen sich wieder Morde. Der Killer von damals scheint zurück zu sein und er tötet am liebsten Schauspieler, die mal in einem Slasher zu sehen waren. Kelsie muss sofort Dee Wallace (als sie selbst) warnen, denn sie war damals die beste Freundin ihrer Großmutter. Die Idee der Handlung könnte man schon fast als smart bezeichnen. Es ist natürlich schon lange nicht mehr besonders originell Meta-Horrorfilme zu drehen, doch die Nachfrage scheint gegeben zu sein und wenn man es gut macht, kann das Ganze schon ordentlich funktionieren. Leider bleibt es bei „13 Fanboy“ bei der guten Grundidee, denn die Umsetzung ist alles andere als gelungen. Es mangelt dem Geschehen in der ersten Hälfte nahezu komplett an einem roten Faden. Da hangelt sich das Treiben von Szene zu Szene, wirkt gar episodenhaft und hat keine echte Hauptrolle zu bieten. Dies diente wohl vor allen Dingen möglichst viele bekannte Gesichter unterbringen zu können, nur zweckdienlich ist dies kaum ausgefallen.
 
 
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Wobei man sagen muss, dass „13 Fanboy“ hieraus seine einzige Daseinsberechtigung bezieht. Und ja, es macht zumindest für ein paar Minuten Spaß die vielen bekannten Gesichter wiedersehen zu dürfen. Da werden einem z.B. Deborah Voorhees selbst, C.J. Graham, Judie Aronson, Lar Park Lincoln, Tracie Savage, Ron Sloan und Jennifer Banko geboten, die sich alle selbst spielen und alle zumindest in einem Teil der großen „Freitag der 13.“ Reihe zu sehen waren. Nun werden sich sicher nur absolute Hardcore-Fans an alle Gesichter erinnern und deshalb reibt es einem der Film auch ordentlich unter die Nase mit wem man es zu tun hat, indem es Texteinblendungen gibt. Das wirkt dermaßen gewollt, dass der nette Effekt irgendwie schon wieder verpufft. Zum Glück gibt es aber auch noch bekanntere Namen. So darf ein Kane Hodder garantiert nicht fehlen und Corey Feldman schaut ebenfalls kurz vorbei. Scream-Queen-Ikone Dee Wallace übernimmt sogar eine Hauptrolle. „13 Fanboy“ lebt allerdings eher von seinen Namen, als von richtig gutem Schauspiel. Sucht man dieses, hat man in diesem Subgenre aber wohl sowieso nichts verloren.
 
 
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Dass der Film von seiner gewitzten Grundidee und den ganzen Darstellern aus alten „Freitag der 13.“ Filmen kaum einen Nutzen ziehen kann, liegt vor allen Dingen an der langweiligen, teilweise schon fast unstrukturierten Machart. Den Anfang kann man sich noch schmecken lassen und es wirkt kurz fast so, als könnte hier Freude aufkommen, doch dann verliert sich die erste Hälfte in Belanglosigkeiten, die schnell ermüdend wirken. Erst in den folgenden 50 Minuten kümmert man sich dann richtig um die Handlung, doch selbst hier muss man enttäuscht sein. Es ist zwar überraschend, wie ernst sich „13 Fanboy“ gibt, nur bringt das überhaupt nichts, wenn trotzdem nicht der Hauch von Spannung entsteht. Der Film versteht sich nicht als Komödie und gesellt sich somit nicht zu den spaßigeren Vertretern der Meta-Slasher. Dabei hätte ihm etwas Humor nicht geschadet und das lustlose Szenario auflockern können. Alleine der Twist um die Identität des Killers ist nämlich dermaßen vorhersehbar, dass man schon fast der Meinung sein könnte, der Film wolle es dem Zuschauer bereits vor dem Finale so offensichtlich verraten.
 
 
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Leider kann die Inszenierung nicht viel retten. Zu ihrer Verteidigung muss man sagen, dass Regisseurin Deborah Voorhees nicht viel Budget zur Verfügung hatte. Allerdings hätte man selbst dieses Geld nutzen können, um eine lustvollere Inszenierung vorzulegen. „13 Fanboy“ ist einfach von vorne bis hinten langweilig gestaltet. Die Optik kann nicht überzeugen und vor allem der Sound wird schlecht eingesetzt. In manchen Mord-Szenen fragt man sich echt, ob einem gerade die Lautsprecher im Stich lassen. Immerhin wird es etwas blutig. Die Effekte sind reichlich simpel getrickst, kommen jedoch ohne billiges CGI-Blut aus und gehen deshalb in Ordnung. Für eine Schlachtplatte hat das geringe Budget allerdings keineswegs gereicht. Das Finale zieht sich dann unnötig in die Länge, so wie eigentlich der gesamte Film. Warum es gleich rund 100 Minuten Laufzeit sein mussten, weiß der Geier. Eine knappe halbe Stunde weniger hätte für die simple Prämisse ebenfalls ausgereicht und ein flotteres Tempo hätte so manch eine Länge dezimieren können.
 
 


 
 
 

13 FANBOY – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
Was auf dem Papier sympathisch und kreativ klingt, erweist sich leider mal wieder als Flop, weil eine gute Idee alleine eben noch lange keinen guten Film macht. Man kann schon gestehen, dass vor allen Dingen „Freitag der 13.“ Fans hier zuweilen auf ihre Kosten kommen, denn die ganzen Original-Darsteller von früher, die man hier gewinnen konnte, machen kurzzeitig schon etwas her. Allerdings suhlt sich „13 Fanboy“ in diesem einzigen, positiven Aspekt auch so sehr, dass der Effekt schon wieder leicht zerstört wird. Ansonsten hat der günstige Film kaum etwas zu bieten. Die Handlung ist langweilig, die Laufzeit zu hoch und Splatter zu wenig präsent. Weder taugt die handwerkliche Arbeit viel, noch kann die Atmosphäre etwas erreichen. Das Werk nimmt sich viel zu ernst, was an sich nicht so negativ gewesen wäre, wenn denn wenigstens Slasher-Stimmung aufgekommen wäre. Stattdessen quält man sich durch belanglose 100 Filmminuten, von denen höchstens ein Viertel ganz solide ausgefallen ist. Beinharte Hardcore-Freitag-der-13.-Fans können ja mal ein Auge riskieren, aber insgesamt ist das hier ein Schuss in den Ofen, so sympathisch die Grundidee auch sein mag!
 
 


 
 
 

13 FANBOY – Zensur

 
 
 
„13 Fanboy“ hat in Deutschland von der FSK eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten und ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

13 FANBOY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Pierrot Le Fou (Blu-ray + DVD im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: 13 Fanboy; USA 2021

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 104 Minuten

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: DVD + Blu-ray im Mediabook

Extras: Trailer, Trailershow, Booklet, Hauptfilm auf DVD

Release-Termin: Mediabook: 10.06.2022

 
 

13 Fanboy [DVD + Blu-ray im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

13 FANBOY – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Pierrot Le Fou)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Freddy’s New Nightmare (1994)
 
Behind the Mask (2006)
 
You Might Be the Killer (2018)
 

Filmkritik: „When I Consume You“ (2021)

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WHEN I CONSUME YOU

Story

 
 
 
Ein unter steter Gewalt und Verwahrlosung aufgewachsenes Geschwisterpaar hat es gerade geschafft sich eine halbwegs stabile Perspektive aufzubauen, als die Wunden der Vergangenheit unvermittelt wieder aufgerissen werden.
 
 
 


 
 
 

WHEN I CONSUME YOU – Kritik

 
 
 
Der letzte Film meiner Festivalauswahl stammt aus der Feder und Regie des amerikanischen Regisseurs Perry Blackshear, dessen eindringlichen, psychologischen Charakter-Dramathriller „They Look Like People“ ich indieaffinen Genrefans nur ans Herz legen kann. Sowohl die grobe Genrebezeichnung, als auch die bewusst kleine Skalierung hat sein neuestes Werk mit dem Film aus 2015 gemein, doch während „They Look Like People“ noch vom Kontrast der Charakter seiner Hauptprotagonisten lebte und zudem einige perfekt durchkomponierte, distanzierte Einstellungen präsentierte, geht es bei „When I consume you“ noch eine gute Spur düsterer, persönlicher, eindringlicher und nahgegehender zu.
 
 

„Are you okay?“

 
 
Zu einem lauten Knall springt eine Tür auf und Daphne spuckt Blut sowie einen Zahn ins Waschbecken. Die junge Frau hat ein mysteriöses Symbol auf ihr Handgelenk tättowiert und hört einen Piepton, dann sitzt eine nackte Person mit leuchtenden Augen unvermittelt direkt vor dem Zuschauer und meine Nackenhaare haben sich innerhalb weniger Minuten aufgestellt. Willkommen bei 90 Minuten Angstzuständen.
 
 

„Evil is still out there and I will find it.“

 
 
Daphne und Wilson sind Geschwister, die nur durch gegenseitige Unterstützung eine traumatisierende und gewalttätige Kindheit, danach ihre unausgeglichenen und überstürzten Zwanziger überlebt haben. Nach Jahren der Therapie und Vergangenheitsbewältigung scheinen beide noch täglich an ihren Wunden zu knabbern zu haben, doch da Daphne erfolgreich als Project Manager einer großen Firma arbeitet und Wilson einer geregelten Existenz als Hausmeister nachkommt, neben der er auch noch eine Abendschule besucht um irgendwann Lehrer zu werden und anderen Leuten zu helfen, wagen sie es nun erstmals über eine Adoption nachzudenken. „With your history, what would you do if you were me?“ lautet die niederschmetternde Antwort auf die Nachfrage, die handgefilmten Einstellungen der überzeugend gespielten Verzweiflung auf Seiten unserer Protagonisten sind stets nah dran und unmittelbar, wirken authentisch.
 
 

„I have plans for you.“

 
 
Ebenfalls realistisch wirkt die beklemmende Panikattacke die Wilson unerwartet plagt, als er in bester Stimmung mit seinen Freunden Karten spielt – erst als er mit Daphne zusammen die Nacht auf dem Balkon verbringt und den Sonnenaufgang beobachtet, scheint er sich wieder etwas zu sammeln. Doch selbst diese kleine Hoffnung auf Besserung oder eine geregelte Zukunft wird am schicksalhaften Tag seines Job-Interviews dann auch noch genommen, und von hier an startet, unterstützt von clever genutzten POV-Aufnahmen, der eigentliche Ritt in den Abgrund.
 
 

„All this pain is just part of a process!“

 
 
Während ich die Wiedergabe des „Was“ aus Spoiler- und Effektivitätsgründen bereits an dieser Stelle beenden möchte, so ist das „Wie“ doch noch einige Zeilen wert: Denn „When I Consume You“ lebt viel mehr von seiner Atmosphäre, Trostlosigkeit, Inszenierung und durch die Charaktere statt Drastik nahegehender Brutalität, denn von einer allzu originellen oder neuen Story. Die dreckige Großstadtkulisse ist auf dunkle Wohngebiete, unterbeleuchtete Parkplätze und versiffte Seitengassen beschränkt, im Hintergrund stets die Mischung aus dröhnenden Autobahnen, Schüssen, kläffenden Hunden und Polizeisirenen. Inmitten dieses Molochs finden sich zwei verzweifelte und vernarbte Seelen, die nur ihr gegenüber haben um mit sich, ihrer Situation und Vergangenheit klar zu kommen.
„Everything is the ocean and we’re just waves.“
 
 
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Dass die ab Zeitpunk x angedeutete Route bzw. Auflösung bis zum Ende durchgehalten wird ist im späteren Verlauf genau so konsequent wie vorhersehbar und dadurch weniger effektiv, auch stört das teils laienhafte Schauspiel eines einzelnen, overactenden Charakters den Fluss des Films und die Grundprämisse und Spannung von Blackshears vorherigen Slowburn fand ich deutlich spannender. Dennoch, von zwei eher unnötigen Jumpscares und einer nervigen Übererklärung am Ende abgesehen klappt der leichte Horror-Faktor im Hintergrund des Films dadurch so gut, dass die Ausgangssituation glaubhaft und beklemmend ins Wohnzimmer transportiert wird, was neben dem eindringlichen Sounddesign und der ernsten Thematik an sich in erster Linie an den Performances von Evan Dumouchel und Lilly Ewing liegt, denen man ihre gepeinigte Existenz, nur abgeschwächt durch wenige harmonische, menschliche und friedliche Momente, zu jedem Moment abkauft.
 
 
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Es ist nämlich ein äußerst realistischer, wahrhaftiger und darum auch so perfider, geradezu nihilistischer Horror, den Blackshear dem Zuschauer zumutet und je nach der eigenen Persönlichkeit oder Hemmschwelle des Zuschauers für eine solche Narrative, kann der Effekt so mancher prinzipiell gar nicht so bemerkenswerter Szene schnell verdoppelt werden, ohne dass es je in exploitative „misery porn“-Gefilde abdriften würde.

 
 


 
 
 

WHEN I CONSUME YOU – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Düsterer, nihilistischer, dramatischer, realistischer psychologischer Horror über die angestauten Dämonen der Vergangenheit und ihre drastischen Konsequenzen.
 
 
 


 
 
 

WHEN I CONSUME YOU – Zensur

 
 
 
„When I Consume You“ ist keine Schlachtplatte. Der Film schlägt eher leise Töne an und ist mehr Drama als Horror. Der Film zehrt von einer hoffnungslosen Atmosphäre und belastenden Themen. Saftig-blutige Momente sind kaum vorhanden. Demnach kann man hier mit einer FSK 16 rechnen.
 
 
 


 
 
 

WHEN I CONSUME YOU – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Yellow Veil Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hemorrhage (2012)
 
Where the Devil Dwells (2014)
 

Filmkritik: „The Parker Sessions“ (2021)

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THE PARKER SESSIONS

Story

 
 
 
Für einen Psychotherapeuten wird seine neuste Patientin, Parker, zu einer größeren Gefahr, als ihm lieb sein kann.
 
 
 


 
 
 

THE PARKER SESSIONS – Kritik

 
 
 
Um bei der Masse an Veröffentlichungen im Filmgeschäft überhaupt noch auf sich aufmerksam machen zu können, muss man schon viel Talent mit sich bringen. Egal in welchen Bereich es geht: Indie-Filme stellen den Zuschauer gerne mal vor eine Herausforderung, kommen auch gerne mal äußerst sperrig daher und einige Regisseure besitzen da zwar ihre Ambitionen, können daraus aber keinen wirklich guten Film formen. So ergeht es z.B. auch „The Parker Sessions“, der von der Idee her wirklich sehr interessant ist, teilweise aber dermaßen gewollt „abgefuckt“ erscheint, dass er sich damit selbst etwas im Wege steht.
 
 
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Die junge Frau Parker hatte eine schlimme Vergangenheit. Schlaflosigkeit aufgrund von Albträumen ist die Folge. Deshalb geht sie zu einem Psychotherapeuten, doch es ist nicht das erste Mal. Robert scheint aber anders zu sein und sein Rat, dass Parker sich ihrer Angst stellen muss, findet bei dieser großen Anklang. Allerdings kann Robert nicht ahnen, was er damit angerichtet hat. Bei der Story vermutet man anfangs noch einen echten Mindfuck-Trip, aber die Wendung besitzt dann sogar mehr Hand und Fuß, als man hätte erwarten dürfen. Ein bisschen Interpretationsfreiraum bleibt natürlich dennoch offen, aber die Grundidee ist relativ simpel. Allerdings ist sie auch reichlich interessant. Nun macht ein aufregendes Gedankenspiel bekanntlich noch keinen guten Film aus, aber das Drehbuch, welches Regisseur Stephen Simmons selbst schrieb, funktioniert ordentlich. Er hat hier scheinbar auch ein bisschen autobiografisches Material verwendet, weil es ihm früher psychisch auch keineswegs gut ging und er selbst in Behandlung war.
 
 
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Wo Simmons eine durchdachte, gute Story abliefert, da steht er sich mit seiner sperrigen Inszenierung teilweise selbst im Wege. „The Parker Sessions“ möchte wirklich unbedingt ganz speziell wirken. So gibt es teilweise Ton-Fehler während der Dialoge zu hören, es werden mal ganz abrupt irgendwelche Bilder in einen laufenden Dialog geschnitten oder der Sound wird plötzlich hysterisch laut. Das sind alles Stil-Mittel, die einen den Wahnsinn näherbringen können, die es so aber auch schon etliche Male zu betrachten gab. In diesem Film wirken sie fast wie ein Störfaktor, denn „The Parker Sessions“ hätte diese Herangehensweise gar nicht nötig gehabt. Ein bisschen von diesen Zutaten hätte völlig ausgereicht, dann hätte sich der Zuschauer noch deutlich besser auf die interessante Geschichte fokussieren können.
 
 
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Wobei die Inszenierung trotzdem nicht schlecht ist. Für Simmons stellte dies den ersten Langfilm dar und anfangs überzeugt er mit seiner Inszenierung noch nicht so sehr. Da gibt es schon einige Stellen, die eher an Amateur-Produktionen erinnern. Mit der Zeit wird es jedoch besser. Dabei muss man sagen, dass „The Parker Sessions“ handwerklich immer dann am besten geraten ist, wenn es geradlinig und nicht so erzwungen experimentell zur Sache geht. Das bemerkt man schon alleine an den Szenen auf dem Jahrmarkt. Zusammen mit dem ruhigen Score haben diese Szenen eigentlich überhaupt nichts Besonderes, könnten glatt als belanglos bezeichnet werden, besitzen jedoch nebenbei etwas dermaßen Hypnotisches, dass man irgendwie trotzdem gebannt zuschaut. Sicherlich ist das auch ein wenig der Schwarz-Weiß-Optik zu verdanken, die hier ideal passt.
 
 
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Die Darsteller, streng genommen sind es nur zwei, machen ihre Sache dabei relativ brauchbar. Danny James wirkt nicht in jeder Szene völlig glaubwürdig, aber Rachell Sean reißt es dafür absolut heraus. Ihre Leistung kann besonders anfangs ein wenig nervig erscheinen, aber im Endeffekt ist das genau richtig gespielt und erzielt ein paar intensive Momente. Mit einer ausgefeilten Figurenzeichnung braucht man hingegen nicht zu rechnen. Dafür hat „The Parker Sessions“ keine Zeit und das würde ihm sowieso den Reiz rauben. Hier ist es ausnahmsweise mal gut, dass man über die Charaktere nicht mehr erfährt. Der Unterhaltungswert wird die Meinungen wieder ganz klar spalten, denn selbst wenn der Film nur 72 Minuten lang ausgefallen ist, besitzt er wenig von einem typischen Unterhaltungswert. Soll heißen: Es gibt keine Action, eigentlich keine Spannung, keinen echten Horror, keinerlei Humor und auch sonst wenig Zutaten, die man als Mainstream-Zuschauer wohl gerne von einem Film hätte. Manchmal dominieren die Dialoge das Geschehen, manchmal wird man auch nur von Bildern berieselt. In beiden Fällen ist das Ergebnis nur manchmal unterhaltsam. Es dauert eine Weile, bis man einen Draht dazu aufgebaut hat, doch dann gewinnt „The Parker Sessions“ tatsächlich immer mehr an Faszinationskraft. Das kurze, unangenehme Finale, in welchem es dann auch die einzigen Effekte zu sehen gibt, krönt das Ganze ordentlich. Zuvor ist man jedoch zu oft hin- und hergerissen, ob das Geschehen einen jetzt interessiert oder eher langweilt. Die Atmosphäre, die insgesamt reichlich düster ist, hätte jedenfalls schon früher intensiver werden müssen. Dafür kann man dann allerdings noch den sehr guten Score loben, wobei die Soundkulisse nicht unbedingt originell erscheint.
 
 


 
 
 

THE PARKER SESSIONS – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
„The Parker Sessions“ ist ein sperriges Werk, welches gar nicht so sperrig hätte sein müssen. Es wäre vielleicht sogar produktiv gewesen, wenn Regisseur Stephen Simmons ab und zu etwas weniger experimentiert hätte. Die Bilder- und Soundcollagen sind zwar gut gemacht, hätten jedoch nicht so oft eingesetzt werden müssen. Dann hätte man den Kopf besser frei gehabt für eine wirklich interessante und durchdachte Geschichte. Obwohl der Streifen handwerklich also durchaus mit Talent umgesetzt wurde, ist die Inszenierung teilweise ein Schwachpunkt. Auch die Atmosphäre irrt zeitweise zu unentschlossen durch die Gegend. Daraus ergibt sich leider kein besonders hoher Unterhaltungswert. Bleibt man am Ball wird man allerdings mit einer soliden Wendung belohnt und die Stimmung zieht einen mehr und mehr in ihren Bann. Die beiden Darsteller agieren brauchbar bis ordentlich und der Score hört sich sehr passend an. „The Parker Sessions“ wird im Endeffekt sein überschaubares Publikum finden. Der Film ist interessant und besitzt starke Ansätze, ist aber nichts, was nachhaltig seine Wirkung entfaltet. Geschmackssache!
 
 
 


 
 
 

THE PARKER SESSIONS – Zensur

 
 
 
„The Parker Sessions“ kommt fast ohne grafische Gewalt oder Effekte aus. Nur im Finale wird es kurz überraschend brutal. „The Parker Sessions“ dürfte eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten, wobei zu bezweifeln ist, dass dieser Streifen jemals eine deutschsprachige Veröffentlichung erfahren wird. Aber manchmal geschehen doch noch Wunder.
 
 
 


 
 
 

THE PARKER SESSIONS – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei New Western Film Company)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The House That Jack Built (2018)
 
Eraserhead (1977)
 
The Killing of a Sacred Deer (2017)
 

Filmkritik: „Holy Shit! – Ach du Scheisse“ (2021)

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HOLY SHIT! – ACH DU SCHEISSE

Story

 
 
 
„Ach du Scheisse“ macht seinem Namen alle Ehren, denn für einen Architekten sieht die Lage wirklich scheiße aus, als er in einem Dixi-Klo eingesperrt ist und eine Sprengung kurz bevorsteht.
 
 
 


 
 
 

HOLY SHIT! – Kritik

 
 
 
Wenn man von einer Variante von „127 Hours“ in einem Dixi-Klo hört und der Titel des Filmes auch noch auf den Namen „Ach du Scheisse“ hört, dann rechnet man eigentlich felsenfest mit dem schlimmsten Trash überhaupt. Doch weit gefehlt! Im Langfilmdebüt von Lukas Rinker geht es zuweilen ganz schön ernst und spannend zur Sache. Damit geht „Ach du Scheisse“ völlig entgegen der Erwartungen. Das Ergebnis ist nicht frei von Fehlern, lässt sich aber wunderbar genießen und zeigt schon wieder: Der deutsche Genrefilm ist so langsam echt wieder brauchbar!
 
 
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Der Architekt Frank erwacht aus einem schönen Traum und wird sofort in die harte Realität geschmissen. Er steckt in einem abgeschlossenen, umgekippten Dixi-Klo fest und sein Arm wurde von einer langen Metallstange durchbohrt. So gibt es für den armen Frank kein Entkommen aus der ekeligen Situation. Von draußen hört er den Bürgermeister, der bei einer Versammlung stolz die heutige Sprengung eines Gebäudes ankündigt. Frank bleiben ungefähr 30 Minuten, um sich aus seiner tödlichen Situation zu befreien. Was auf dem Papier völlig aberwitzig klingt, wird einem im Film erstaunlich glaubwürdig herüber gebracht. Die Situation wirkt wirklich bedrohlich und gefährlich, nebenbei auch immer ein wenig abstoßend. Dass die Prämisse eigentlich reichlich absurd ist, bemerkt man so als Zuschauer gar nicht mal so sehr, wie man das hätte erwarten dürfen. Dieser Punkt geht schon mal an das Drehbuch, welches gut geschrieben wurde. Rinker war für dieses selbst zuständig und er baut immer wieder genügend Ideen ein, damit das Szenario aufregend bleibt, selbst wenn die Auflösung, wie es zu der Situation gekommen ist, nicht gerade unvorhersehbar gestaltet wurde.
 
 
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Filme wie „127 Hours“ oder „Buried“ haben bewiesen, dass ein begrenzter Schauplatz funktionieren kann, wenn die Inszenierung kreativ genug ist. Und so holt auch Rinker aus diesem minimalen Spielraum das Maximum heraus. Die Inszenierung ist verspielt, erlaubt sich immer wieder kleine Freiheiten, bleibt dabei aber stets konsequent. Obwohl man im späteren Verlauf doch noch etwas von der Außenwelt zu sehen bekommt, spielt sich der gesamte Film nämlich wirklich nur im Dixi-Klo ab. Handwerklich ist das schon ordentlich gestaltet und Rinker versteht es gut die Spannungsschraube anzuziehen. Die Situation wird immer auswegloser und wenn man bereits denkt, dass es das nun aber gewesen sein muss, kommt die nächste kleine Wendung daher.
 
 
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Wer Trash erwartet, bekommt diesen nur bedingt, denn überwiegend gibt sich „Ach du Scheisse“ überraschend ernst. Der Zuschauer kann schon mit Frank mitleiden, denn seine Schmerzen wirken real und wenn seine verzweifelten Versuche, sich aus der Lage zu befreien, immer wieder schiefgehen, dann ist das schon deprimierend. Allerdings wechselt der Ton im Finale dann ziemlich abrupt und plötzlich wird es völlig abgefahren. Da fühlt man sich schon etwas an einen Fun-Splatter erinnert. Die Mischung wirkt nicht wirklich rund, aber sie macht den Film auf jeden Fall noch abwechslungsreicher. Sowieso wird immer mal eine kleine Portion Humor mit ins Geschehen eingebaut, was allerdings nicht sonderlich gut gelungen ist. So wirkt der sprechende Klodeckel doch eher peinlich, aber über Humor lässt sich eben nicht streiten. Es wird bestimmt auch ein Publikum geben, welches diese Szenen gut findet. Genauso wie vielleicht manch einer den kleinen Auftritt von Micaela Schäfer abfeiern wird. Darüber lässt sich dann vielleicht aber doch schon wieder eher streiten.
 
 
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Am besten ist „Ach du Scheisse“ trotzdem immer dann, wenn er sich im ernsten Modus befindet und spannende Unterhaltung serviert. Und das ist zum Glück größtenteils der Fall. Da vergehen die 90 Minuten Laufzeit schon ziemlich flott und den begrenzten Schauplatz bekommt man niemals negativ mit. Nur zum Ende will Rinker nicht so richtig auf den Punkt kommen und zieht das Szenario unnötig in die Länge. Da hätten es ein paar Minuten weniger auch gebracht. Es ist allerdings nicht schwer zu erkennen, warum Rinker das so geschrieben hat, eben weil er hier noch eine ordentliche Portion Splatter unterbringen wollte. Dieser kann sich sehen lassen und ist ganz schön blutig ausgefallen. Während die meisten Szenen sehr übertrieben wirken, ist der Moment mit Frank und der Metallstange jedoch reichlich schmerzhaft zu beobachten. Schön ist zudem, dass die Effekte von Hand stammen und bestens aussehen.
 
 
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Bleiben zum Schluss noch ein paar Worte zu den Darstellern zu sagen, von denen es hier, logischerweise, nicht besonders viele zu sehen gibt. Die einzige Hauptrolle übernimmt Thomas Niehaus als der Architekt Frank. Er hat hier mit Abstand am meisten zu tun und spielt seine Rolle gänzlich glaubwürdig und sympathisch. Allerdings wird ihm schon ein paar Male die Schau gestohlen, nämlich immer dann, wenn der Bürgermeister Horst vorbeischaut. Gedeon Burkhard spielt diesen maßlos übertriebenen Bösewicht einfach genial und seinem Dialekt zu lauschen, macht alleine schon viel Spaß. Das grenzt an Overacting, doch das passt perfekt zur Rolle. Die weiteren, wenigen Darsteller übernehmen nur kleine Nebenrollen, wirken jedoch passabel. Und die Figurenzeichnung ist zwar reichlich flach, dafür aber markant genug, um nicht gleich wieder vergessen zu werden.
 
 


 
 
 

HOLY SHIT! – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
„Holy Shit! – Ach du Scheisse“ ist schon ein kurioses Werk, welches viel ernster und spannender ausgefallen ist, als man bei der Inhaltsangabe hätte vermuten dürfen. Der Trash-Fan guckt dennoch nicht gänzlich in die Röhre, denn im letzten Drittel wird es doch noch sehr übertrieben, splatterig und abgefahren. Auch wenn beide Tonarten nicht wirklich zueinander passen wollen, wird somit für Abwechslung gesorgt. Zwar ist der Humor überwiegend ziemlich doof ausgefallen und das Finale wirkt zu lang gezogen, aber das ändert nichts daran, dass man hier gute Unterhaltung serviert bekommt. Zwei tolle Darsteller, ein herrlich fieser Bösewicht, ein paar sehr blutige Splatter-Momente und ein solider Score runden das Ergebnis gelungen ab. Also bloß nicht vom bescheuerten Titel und der absurd klingenden Handlung abschrecken lassen, denn ansonsten verpasst man einen herrlich unperfekten und echt gut gemachten Film aus Deutschland!
 
 
 


 
 
 

HOLY SHIT! – Zensur

 
 
 
„Holy Shit! – Ach du Scheisse“ hat ein paar deftige Momente zu bieten, in denen reichlich Blut spritzt. Diese wirken aber sehr übertrieben. Wenn die FSK das alles nicht so ernst und mit Humor nimmt, könnte eine Freigabe ab 16 Jahren herauskommen. Die ist auch berechtigt. Dennoch könnte es aber auch eine Freigabe ab 18 Jahren werden. Wir sind gespannt, ob die FSK einen guten Prüftag haben wird.
 
 
 


 
 
 

HOLY SHIT! – Trailer (Ein offizieller Filmtrailer existiert noch nicht!)

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Neopol-Film | The Playmaker)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
127 Hours (2010)
 
Buried – Lebend begraben (2010)
 

Filmkritik: „Dawn Breaks Behind the Eyes“ (2021)

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DAWN BREAKS BEHIND THE EYES

Story

 
 
 
Als ein Ehepaar die Nacht in einem vererbten Schloss verbringen muss, kann noch keiner von den Beiden ahnen, was für Geheimnisse hier verborgen liegen.
 
 
 


 
 
 

DAWN BREAKS BEHIND THE EYES – Kritik

 
 
 
Galt es lange Zeit fast als ein Axiom, dass deutsche Horrorfilme nichts taugen, gibt es mittlerweile einige Regisseure, die dem deutschen Genrefilm wieder frischen Wind verleihen. In letzter Zeit gab es nämlich schon ab und zu mal einen brauchbaren Horrorfilm aus deutschem Lande. „Dawn Breaks Behind the Eyes“ möchte sich dazu gesellen und wird das Publikum sicherlich spalten. Hier hat man nämlich keinen gewöhnlichen Horrorfilm vor sich. Dafür aber ein enorm stilsicher gestaltetes Experiment, welches seine Wirkung nicht verfehlt.
 
 
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Dieter und Margot führen keine besonders harmonische Beziehung. Als sie ein Schloss erbt, begeben sich die Beiden dorthin, um eine Bestandsaufnahme tätigen zu können. Weil plötzlich die Autoschlüssel weg sind, muss das Ehepaar die Nacht im Schloss verbringen, doch es wird nicht ihre letzte Nacht hier sein. Irgendetwas beobachtet sie und will sie nicht mehr fortlassen. Etwas zur Handlung zu schreiben, ist nicht so leicht, wenn man spoilerfrei bleiben möchte, denn was sich in „Dawn Breaks Behind the Eyes“ wirklich abspielt, kann man anfangs noch gar nicht ahnen. Es dauert ungefähr eine halbe Stunde, da bekommt der Zuschauer den großen Twist spendiert und von da an kann man sich erst recht nicht mehr sicher sein, wie das weitere Treiben verlaufen wird.
 
 
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Der Österreicher Kevin Kopacka will mit „Dawn Breaks Behind the Eyes“ viel erreichen. Dafür dass es sich erst um seinen zweiten Langfilm handelt, ist das eine mutige Herangehensweise, mit der man auch schnell scheitern könnte. Was hier so alles unter eine Decke gebracht wird, ist schon nicht von schlechten Eltern. Als Vorbild diente wohl ein bisschen „Die Göttliche Komödie“ von Dante und Themen wie Hölle und Fegefeuer haben es Kopacka scheinbar allgemein angetan. Das wurde nämlich schon in seinem Debüt „Hager“ behandelt, was ihm nicht wenig Aufmerksamkeit verlieh. In „Dawn Breaks Behind the Eyes“ paart sich die Literatur nun mit einer Hommage an das Gothic-Kino der 70er Jahre. Bereits bevor der Film richtig startet, kann man das daran erkennen, wie die Texttafeln gestaltet sind und wie der Score klingt. So fühlt man sich schon etwas an Großmeister Argento erinnert, selbst wenn man es hier mit keinem Giallo zu tun hat.
 
 
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Stattdessen gibt es phantastischen Horror, der zum Surrealismus neigt und nebenbei ein paar herrlich psychedelische Szenen besitzt. Allgemein schwebt stets eine Prise Philosophie in „Dawn Breaks Behind the Eyes“, aber diese wirkt herrlich wenig aufgesetzt. Zu der Art und Weise des Geschichtenerzählens muss man als Zuschauer natürlich einen Draht finden und der Stil wird nicht jedem gefallen. So darf man sicher nicht damit rechnen, dass einem hier irgendetwas erklärt wird. Die Lösung muss man schon für sich selbst finden. Das Drehbuch bietet reichlich Interpretationsfreiraum und wenn man mit dem Verlauf nicht zufrieden ist, dann ist das völlig legitim. „Dawn Breaks Behind the Eyes“ gibt nämlich vor etwas zu sein, das er im Endeffekt nicht ist. Das macht die Sache allerdings auch aufregend und spannend. Außerdem erhält das Werk im weiteren Verlauf eine gewisse Meta-Ebene, die schon amüsant ist (drei Wochen Drehzeit etc.).
 
 
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Absolut positiv hervorheben, muss man die Optik. Das Schloss Herrenhaus Vogelsang diente als Kulisse und macht schon mal etwas her. Wenn man altes Gothic-Kino ehren möchte, bietet sich eine solche Kulisse förmlich an. Kopacka weiß mit dieser aber auch bestens umzugehen. Gerade in der ersten halben Stunde zitiert sich der Regisseur durch zahlreiche Filme, behält dabei jedoch stets seinen eigenen Stil. Die etwas grobkörnigeren Aufnahmen passen perfekt und versetzen einen optisch sofort zurück in die 70er Jahre. Mit Horror hält sich „Dawn Breaks Behind the Eyes“ dann aber gar nicht so lange auf. Relativ früh erfolgt ein Stimmungsbruch. Plötzlich fühlt man sich fast mehr wie in einer lockeren Komödie, bis der Mindfuck dann im Finale seine Höhepunkte erzielt. Das kommt alles so unerwartet, dass man es gar nicht so richtig greifen kann.
 
 
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Genau dies macht den Film wahnsinnig unterhaltsam. Mit seinen 73 Minuten Laufzeit ist „Dawn Breaks Behind the Eyes“ zudem reichlich kurz ausgefallen, aber das passt hier perfekt, denn so kommt es zu keinerlei Längen. Da sich der Ton der Erzählung sowieso stets ändert, kann man sich über mangelnde Abwechslung absolut nicht beklagen. Das besitzt im Endeffekt zwar eigentlich keinerlei Spannung, bietet so gut wie keine Action und nicht mal echten Grusel findet man hier vor, aber trotzdem ist das Ergebnis sehr kurzweilig. Alleine diesen Bildern zuzuschauen, macht schon genügend Spaß. Außerdem muss man sagen, dass die Darsteller ihre Sache echt gut machen und die Dialoge überhaupt nicht hölzern klingen. Die Charaktere sind markant und die eingesetzte Musik ist ein echter Genuss. Nur wer viele Effekte sucht, wird nicht fündig. Es gibt im gesamten Film nur eine brutalere Szene und alles andere wurde relativ simpel getrickst. An der großartigen Bildersprache ändert dies jedoch nichts.

 
 


 
 
 

DAWN BREAKS BEHIND THE EYES – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
„Dawn Breaks Behind the Eyes“ ist kein Film, den man so einfach empfehlen kann, denn er lebt von der Erwartungshaltung des Zuschauers. Gerade, weil dieser im Vorfeld nichts über die Wendung erfahren sollte, hat man es mit einer Überraschungstüte zu tun, ob einem das Werk gefällt oder nicht. Fakt ist, dass die Handlung sehr interessant geschrieben wurde und einfach geschickt mit den Erwartungen des Publikums spielt. Das ist philosophisch, surreal und psychedelisch oder um es einfacher zu machen: Nicht so leicht zu greifen. Nebenbei ist die Optik ein Genuss, die Inszenierung sitzt, allgemein ist die gesamte handwerkliche Arbeit enorm hochwertig. Die Atmosphäre besitzt viele Facetten und es ist einfach toll zu sehen, wie simpel Ideen sein können, wenn man sie nur kreativ genug umsetzt. Außerdem wissen die Darsteller zu überzeugen und Score sowie Soundtrack hören sich richtig gut an. Das Ergebnis ist ein insgesamt sogar ziemlich spaßiger und äußerst kurzweiliger Film. „Dawn Breaks Behind the Eyes“ lässt sich im Endeffekt zwar nur sehr schwer als echter Horrorfilm bezeichnen, doch wer nicht in Schubladen denkt, sollte diesem höchst speziellen Werk aus deutschem Lande ruhig eine Chance geben. Es lohnt sich!
 
 
 


 
 
 

DAWN BREAKS BEHIND THE EYES – Zensur

 
 
 
In einer Szene wird ein Penis abgerissen. Das ist aber auch der einzige Gore-Moment. Einer Freigabe ab 16 Jahren sollte nichts im Wege stehen.
 
 
 


 
 
 

DAWN BREAKS BEHIND THE EYES – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Sylenteye Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Suspiria (1977)
 
One Cut of the Dead (2017)
 
Gothic (1986)
 

Filmkritik: „Frank & Zed“ (2020)

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FRANK & ZED

Story

 
 
 

Zwei eigentlich friedliche Monster geraten in einen Krieg mit Dorfbewohnern, die sich noch immer vor der Vergangenheit fürchten.

 
 
 


 
 
 

FRANK & ZED – Kritik

 
 
 
Wenn man an einen Puppenfilm für Erwachsene denkt, fällt einem sicherlich sofort „Meet the Feebles“ ein, der bisher ziemlich einzigartig war. Selbst wenn Werke wie „Der dunkle Kristall“ oder „The Happytime Murders“ ebenfalls Puppen benutzten, waren dort auch menschliche Darsteller zu sehen und es ging durchaus weniger verrückt zur Sache. Doch jetzt kommt „Frank & Zed“ daher und er macht „Meet the Feebles“ zumindest optisch Konkurrenz, leidet nebenbei jedoch an einigen erzählerischen Schwächen.
 
 
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Es ist schon einige Jahrhunderte her, als ein Dorf in eine magische Schlacht geriet. Die Titelfiguren Frank und Zed waren daran beteiligt und leben seitdem in den Ruinen von damals ein doch recht friedliches Leben, in dem sich jeder um die Ernährung des anderen kümmert. Doch als eines Tages ein Dorbewohner das Jagdgebiet der Monster betritt, kommt es zum Mord und die Dorfbewohner wollen dafür unbedingt Rache. Die Story gibt nicht viel her, versucht aber dennoch episch zu wirken. So richtig will dies leider nicht gelingen, da vieles angedeutet wird, aber im Endeffekt doch nur bekannte Motive von Fantasy-Werken zusammengebastelt wurden. Wäre da nicht dieser weiterhin ziemlich einzigartige Stil, würde sich für die Handlung wohl kaum jemand interessieren. Außerdem wird das Ganze unnötig langsam erzählt und weiterhin gibt es im Ton doch zahlreiche Ungereimtheiten.
 
 
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So richtig entscheiden mag sich „Frank & Zed“ nämlich nicht. Will er jetzt eher eine tragische Geschichte von zwei ehemaligen Feinden erzählen oder doch ein fantasievolles Epos voll mit dunkler Magie? Möchte er ernst wirken, dramatisch oder lieber albern sein? Oder will er im Endeffekt doch nur einen Funsplatter darstellen? Von nahezu allem finden sich ein paar Elemente, doch keines davon dominiert und deshalb kommt einem das Resultat doch relativ unentschlossen vor. Manchmal wirkt „Frank & Zed“ nämlich durchaus ernst, nahezu düster und unheilvoll. Dann wiederum wird plötzlich der Humor bedient, aber auf eine ziemlich plumpe Art und Weise. Und dann wäre da immer wieder eine Portion Drama, welche jedoch an Tiefe vermissen lässt. Die verschiedenen Zutaten ergeben hier kein rundes Gesamtbild und das stört zuweilen doch ein bisschen.
 
 
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Das ist gerade deshalb schade, weil „Frank & Zed“ optisch eine Wucht darstellt. Laut Regisseur Jesse Blanchard haben die Arbeiten an dem Werk ca. sechs Jahre gedauert; eine unheimlich lange Zeit. Dafür, dass es sich bei diesem Film aber eben um keine Big-Budget-Produktion handelt, glaubt man gerne, dass sehr viel Zeit investiert werden musste, denn hier stammt wirklich so gut wie alles von Hand. Das ist noch altmodischer Puppentrick, wie es die Muppets zelebriert haben und selbst wenn man „Meet the Feebles“ schon auswendig kennt, ist es immer noch befremdlich solche Puppen in einem Film für Erwachsene zu sehen. Gerade wenn sich dann auch noch Splatter mit zum Geschehen gesellt, wird es zwangsläufig abgefahren. Die Effekte sind wirklich toll geworden und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Doch auch die ganzen Kulissen sehen wunderbar aus. Auch wenn der Computer dann mal helfen durfte, wenn es z.B. an die Magie geht, sieht das astrein aus. Alleine diese Optik strahlt genügend Faszination aus, dass man dem Film für seine Schwächen nicht so böse sein möchte.
 
 
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Die Figuren hat man insgesamt ganz ordentlich dargestellt und optisch sind sie markant geraten, was natürlich vor allen Dingen an den titelgebenden Frank und Zed liegt. Deren Hintergrundgeschichte besitzt sogar etwas Tiefe, was man von den anderen Figuren weniger behaupten kann. Leider geraten die beiden Monster besonders im mittleren Teil etwas zu sehr in den Hintergrund und auf die größten Dialoge sollte man sich nun nicht einstellen. Schade ist zudem auch, dass man niemals einen echten Draht zu den Charakteren erhält. Die Monster sind auf ihre eigene Art und Weise irgendwie drollig, doch wirklich mitfiebern kann man mit ihnen nicht und die ganzen Dorfbewohner erscheinen schon einigermaßen belanglos. Ein weiterer, nicht unerheblicher Schwachpunkt ist der Score. Eigentlich wurde musikalisch alles richtig gemacht, nur sind die vorhandenen Melodien dermaßen wenig eingängig und austauschbar, dass dabei keine echte Freude aufkommen will.
 
 
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Außerdem muss man sich fragen, weshalb Blanchard dieses Werk auf rund 90 Minuten langziehen wollte. Dafür gibt die Handlung nicht genug her und so entstehen zwangsläufig Längen. Hat man sich erst mal an die abgefahrene Optik gewöhnt, unterhält diese alleine nämlich eben auch nicht mehr. So schade es ist, aber „Frank & Zed“ ist in einigen Momenten schon etwas langweilig, weil einfach nicht viel geschieht und das Treiben nicht in die Gänge kommen möchte. Auch mit dem größten Splatterfest sollte man jetzt nicht rechnen. Da muss man schon auf das Finale warten, welches dann zum Glück einiges retten kann. Hier geht es mächtig zur Sache und wenn sich die Puppen da gegenseitig zerfetzen, ist das definitiv etwas, das man nicht alle Tage zu sehen bekommt. Das entschädigt schon für die ein oder andere Länge.
 
 


 
 
 

FRANK & ZED – Fazit

 
 
6 Punkte Final
 
 
„Frank & Zed“ ist ein eigentümlicher Film, bei dem man sehr das Herzblut spürt, welches in das Werk geflossen ist. Er ist ein kurioser Film mit einer gewitzten, abgefahrenen Optik, mit zwei kreativen Monstern und tollen Kulissen. Aber leider ist er nebenbei kein besonders guter Film, was an mehreren Gründen liegt. Die Handlung ist dünn und was „Frank & Zed“ optisch an Fantasie zu bieten hat, geht ihm erzählerisch leider abhanden. Außerdem ist er zu lang und bietet nicht so viel Splatter, wie er verspricht. Der Score klingt völlig austauschbar und es gibt doch schon einige Längen. Selbst wenn sich diese Kritik im Endeffekt nicht nach sechs Punkten liest, gewinnt am Ende doch das Herzblut. Außerdem macht das blutige Finale echt noch etwas her. Ob „Frank & Zed“ es zum gleichen Kult bringen wird, wie es „Meet the Feebles“ geschafft hat, ist fraglich, aber wer diesen als gut empfand, kommt um dieses Werk wohl kaum herum und eine gewisse Faszination kann man dem Ganzen nun wirklich nicht absprechen!
 
 
 


 
 
 

FRANK & ZED – Zensur

 
 
 
In „Frank & Zed“ kracht es eigentlich erst am Ende in Sachen Gewalt. Da splatterts schon ganz gut. Da es sich jedoch bei den Todesopfern um Puppen handelt, ist eine Freigabe ab 16 Jahren vorstellbar.
 
 
 


 
 
 

FRANK & ZED – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Puppetcore)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Meet the Feebles (1989)
 
Team America (2004)
 
The Happytime Murders (2018)
 

Filmkritik: „Slumber Party Massacre“ (2021)

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SLUMBER PARTY MASSACRE

Story

 
 
 

Der Driller Killer ist zurück und darf auch im Jahre 2021 eine Pyjama-Party von jungen Mädels stören.

 
 
 


 
 
 

SLUMBER PARTY MASSACRE – Kritik

 
 
 
Im nicht enden wollenden Remake-Reboot-Fortsetzungs-Wahn trifft es irgendwann wohl jeden Streifen mal. „Slumber Party Massacre“ entstand 1982 zur Blütezeit des amerikanischen Slashers, besitzt heutzutage einen gewissen Kultstatus, gilt aber sicherlich nicht als großer Klassiker des Subgenres. Dabei war er ursprünglich mal als feministische Parodie auf den Slasher geplant, hatte eine Regisseurin und eine Drehbuchautorin und alleine dies war zumindest damals echt unüblich. Doch das Projekt lag zwischenzeitlich auf Eis und von der ursprünglichen Idee war am Ende wohl nicht mehr so viel übrig, weshalb ein ziemlich normaler Slasher entstand, der sich wohl am ehesten damit auszeichnen kann, dass er die Grenzen von freiwilliger und unfreiwilliger Komik verschwimmen ließ. In den Jahren danach kam es noch zu zwei Fortsetzungen, von denen nur die erste noch einigermaßen sehenswert war. Und jetzt, da ja sowieso alles, was mal nur ein wenig bekannt war, neu aufgesetzt wird, trifft es auch „Slumber Party Massacre“ mit einem Remake.
 
 
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Interessant ist dabei die Tatsache, dass erneut eine Regisseurin und eine Drehbuchautorin das Werk realisierten und was ihr Plan war, ist nicht schwer zu erkennen. Scheinbar wollte man nun die Version drehen, die damals mit hoher Wahrscheinlichkeit in ähnlicher Art und Weise bereits geplant war. Das heißt, man bekommt es mit einer feministischen Version eines Slashers zu tun und dieses Mal wurde das auch konsequent umgesetzt. Da schwenkt die Kamera auf nackte Männerhaut, wie sie es sonst im Slasher wohl eher bei weiblichen Protagonisten machen würde. Plötzlich dürfen die Männer eine Kissenschlacht veranstalten und die Frauen bekleiden durchweg starke, kämpferische Figuren. Dieses Spiel mit Geschlechter-Klischees und allgemein mit Klischees des Horrorfilms, speziell vom Slasher, bringt schon ein paar amüsante Ansätze mit sich, doch das alleine reicht natürlich noch nicht für einen guten Film aus. Also was taugt der Rest?
 
 
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Zu der Handlung an sich braucht man wohl nicht viele Worte zu verlieren. Jeder, der nur einen Slasher in seinem Leben gesehen hat, kann sich bei den Worten „Hütte“, „Pyjama-Party“ und „Killer“ wohl genau denken, wie das Ganze aussehen wird. Und so macht es auch erst mal den Anschein, nachdem man einen kleinen Rückblick in die Vergangenheit hatte. Hier überlebt Trish als einzige die Attacken des Driller Killers Russ Thorn. 30 Jahre Später hat sie selbst eine Tochter, die sich auf einem Mädelstrip befindet. Doch das Auto hat eine Panne und so kommt man in einer Hütte im Wald unter. Und natürlich ist Russ nicht, wie von allen vermutet, tot, sondern er will auch weiterhin fleißig junge Frauen mit seiner überdimensionalen Bohrmaschine killen.
 
 
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Selbst wenn man es zu schätzen weiß, dass 80er-Jahre-Slasher fast immer nach dem fast selben Schema verlaufen, geht „Slumber Party Massacre“ von 2021 völlig eigene Wege. Mit dem Original hat der Film kaum noch etwas zu tun, höchstens anfangs. Es dauert nur eine halbe Stunde, bis der erste Twist herausgehauen wird, der das Geschehen in ein völlig neues Licht wirft. Doch damit hat das Drehbuch sein Pulver noch nicht verschossen, denn hinterher folgt eine weitere, große Wendung. Das ist alles kaum vorhersehbar und spielt mit den Regeln des Genres. So ein bisschen Meta-Ebene wird dadurch ebenfalls erreicht. Diese ganzen verspielten Ideen machen die Story auf jeden Fall sehenswert und hochwertiger, als man sie von einem Slasher erwarten dürfte.
 
 
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Die Darsteller agieren allesamt solide, können das hohe Niveau des Drehbuchs jedoch nicht halten. Am Anfang nerven ein paar der Frauenfiguren, doch im weiteren Verlauf stellt sich dies zum Glück ein. Mit den Leistungen kann man in diesem Bereich durchaus leben, wobei das Original hier mehr Charme zu bieten hatte. Auch der Killer kam dort besser herüber. Sowieso ist die Figurenzeichnung kein Highlight von „Slumber Party Massacre“. Dies bei einem Slasher zu schreiben ist zwar eigentlich überflüssig, doch gerade weil man es doch anders machen wollte, wäre es schön gewesen, wenn hier ein paar mehr Sympathieträger vorhanden gewesen wären. Die meisten Frauenfiguren wirken dann aber doch belanglos und so richtig markant will hier keiner herüberkommen, weshalb hier, wie üblich für das Genre, die größte Schwäche liegt.
 
 
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Diese kann Regisseurin Danishka Esterhazy jedoch mit ihrer gelungenen Inszenierung wieder gut machen. Esterhazy hat schon so einige Dinge gedreht und hat selbst im Horrorbereich schon Erfahrungen gesammelt. Beim Slasher hat sie ihre Hausaufgaben scheinbar ebenfalls gemacht. Obwohl sich das Geschehen ganz anders entwickelt, als man anfangs vermuten darf, gibt es nämlich trotzdem noch genügend konventionelle Momente, die man genau so auch haben möchte. Außerdem gibt es ein paar hübsch versteckte Anspielungen auf die Original-Reihe, die man natürlich nur entdecken kann, wenn man diese bereits gesehen hat. In Deutschland werden das wahrscheinlich nicht so viele sein, weil diese Reihe noch immer nicht in deutschem Ton veröffentlicht wurde. Für die Sichtung von der 2021er Version ist das aber auch absolut nicht notwendig. Auch so kann man seinen Spaß mit der gänzlich anderen Herangehensweise haben.
 
 
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Bei den ganzen Wendungen kann innerhalb der 87 Minuten Laufzeit gar keine Langeweile aufkommen. Immer wenn man sich fragt, was denn jetzt noch kommen soll, geht es überraschend weiter und am Ende wird das alles sogar relativ schlüssig aufgeklärt. Von Spannung kann hier zwar keine Rede sein, aber das ist ja sowieso eher selten der Fall beim Slasher. Dafür lebt das Treiben von Tempo und einer guten Portion Action. Und selbstverständlich darf der Splatter nicht fehlen. „Slumber Party Massacre“ hat schon einige deftige Momente zu bieten und ist natürlich deutlich derber, als das Original. Die Effekte sind nicht immer alle großartig, stammen aber meistens von Hand und sehen solide aus. Außerdem machen sie Spaß. Dieser steht sowieso an erster Stelle. Zu ernst nimmt sich das Ganze nicht, weshalb auch der feministische Ton niemals zu aufdringlich erscheint. Da kann man schon fast von einem Fun-Splatter sprechen. Der Score erfüllt seinen Zweck, hätte aber ruhig noch mehr mit Retro-Sounds aufwarten dürfen.
 
 


 
 
 

SLUMBER PARTY MASSACRE – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Ob der „Slumber Party Massacre“ von 1982 ursprünglich mal so ähnlich gedacht war, wie diese Version von 2021 wird man wohl nicht mehr erfahren, aber qualitativ ist die neue Variante auf jeden Fall weit vorne. Das liegt vor allen Dingen an einer gut durchdachten Story, die mit Wendungen und Twists nahezu nur so um sich wirft und dabei trotzdem stets nachvollziehbar bleibt. Außerdem ist die Parodie hier doch deutlich besser zu erkennen, als im alten Film und der feministische Ansatz ergibt durchaus Sinn. Die Darsteller sind zwar gut, werden mit ihren Leistungen jedoch nicht in Erinnerung bleiben und die Figurenzeichnung wirkt auch etwas zu wenig markant. Dafür bekommt man eine ordentliche Inszenierung zu betrachten. Handwerklich ist das ordentlich gemacht und die Atmosphäre verbreitet in erster Linie Spaß. Es splattert reichlich, die Effekte sind überwiegend gut gelungen und der Unterhaltungswert ist bei dem hohen Tempo nahezu immer ordentlich. Von daher lässt sich an alle Slasherfans eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen!
 
 
 


 
 
 

SLUMBER PARTY MASSACRE – Zensur

 
 
 
Es gibt viel Splatter und Gore zu sehen. Ein hoher Bodycount und zerfetzte Gesichter sind inklusive. So etwas muss ab 18 Jahren freigegeben werden!
 
 
 


 
 
 

SLUMBER PARTY MASSACRE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Raven Banner Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Slumber Party Massacre (1982)
 
Slumber Party Massacre 2 (1987)
 
Slumber Party Massacre 3 (1990)
 
The Last Slumber Party (1987)
 

Filmkritik: „Es geschah am 3. Tag“ (2021)

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ES GESCHAH AM 3. TAG

(AL TERCER DIA | ON THE 3RD DAY)

Story

 
 
 
Nach einem nächtlichen Autounfall mit dem mysteriösen, schweigsamen Enrique, verliert die junge Cecilia zuerst ihr Bewusstsein und dann ihren Sohn…

 
 
 


 
 
 

ES GESCHAH AM 3. TAG – Kritik

 
 
Nachdem die letzten drei knackig-kurzen Horrorfilme des argentinischen Regisseurs Daniel De La Vega es scheinbar nicht in die deutschen Kaufhäuser geschafft haben, meldet sich UCM.One mit diesem Release seines mittlerweile siebten Films zurück und auch wenn ich nach der Sichtung verstehen kann, wieso der Titel als massenkompatibel oder gewinnbringend genug erachtet wurde, so verstehe ich dafür dieses Mal nicht die Untertitelsituation: So gibt es laut Blu-ray-Backcover zwar spanischen O-Ton sowie eine englische Synchronisation zur deutschen dazu (?), dafür aber gar keine Untertitel. Nur dass auf der Blu-ray selber eben sehr wohl zwei Untertitelspuren angezeigt werden, die mir kurz Hoffnung gemacht haben, nur damit diese sich dann aber beide als leer entpuppen (?). Acht unbenannte Kapitel und keine Extras bis auf sehr kurze Galerien und Trailer runden diesen Release noch ab.
 
 
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Wie dem auch sei, langsam wird auf Englisch ein „Lullaby“, also Einschlaflied gesungen, dazu präsentiert das Menü der Disc das Standbild einer Mutter, die schützend ihren Sohn in den Armen hält. „On the 3rd Day“ bzw. „Es geschah am 3. Tag“ selber startet nun mit einem alten Spiegel und dem altbekannten Horrorfilm-Orchester, besonders deutlich hört man natürlich die unruhig zitternden Geigen heraus. Ein älterer Mann, Enrique, hebt sein noch älteres Wahlscheibentelefon ab und kriegt den Auftrag, eine Ladung zu transportieren, danach geht er in ein hübsch beleuchtetes Kellerset zu einem verschlossenen, zugeketteten Schrank.
 
 
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Der zweite Erzählstrang beginnt mit Cecilia, die ihren achtjährigen Sohn Martin anzieht und fertig für eine Autofahrt macht – so weit, so unschuldig, doch jeder Szenenübergang wird mit einem sehr A24-mäßigem Trommelschlag untermalt, als wäre das Böse bereits in Lauerstellung. Als Enrique dann noch mit seinem Pick-Up-Truck durch die Dunkelheit heizt und Cecilia durch eine Anhalterin am Straßenrand kurz abgelenkt ist, geschicht nach wenigen Minuten bereits das Unvermeidliche und nach einem herausziehend peinlichem, käsigen freeze Frame samt Zoom starten auch schon die Opening Credits und Cecilia rennt in einem gelben Cardigan durch verlassene Umgebungen.
 
 
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Zeitgleich scheint Enrique mit der Anhalterin vom Straßenrand kollidiert zu sein, nur um jetzt aber ihren Körper zu packen mit den Worten „Das ist nicht ihr Blut…“, what?! Cecilia kommt bei der Raststätte eines alten Pärchens an und der miese, offensichtliche sowie unnötige Greenscreen fällt leider sofort negativ auf. Unsere verletzte Protagonistin wird ins Krankenhaus gebracht, zehn Minuten Film und somit das Intro sind geschafft. Als nächstes wird die trauernde Mutter von Visionen ihres Sohnes in einer roten Regenjacke geplagt, doch für mehr als miese Pseudo Jumpscares oder gähnend langweilige Geister-Andeutungen wird diesese Element leider nicht genutzt, auch wenn es immerhin nie Überhand nimmt. Last but not wird offenbart, dass Cecilia ganze drei Tage weg war, sowie dass sowohl die Anhalterin, als auch Martin allem Anschein nach vom mysteriösen Enrique gekidnappt wurden – schnell also noch eine Patientin erdrosseln (!?) und zu ambitionierten Kamerafahrten, vorbei an Spiegeln und mehreren Bildebenen, mit quietschenden Geigen flüchten, Sohnemann zu retten.
 
 
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Die letzten wichtigen Figuren des Films sind nun Cecilias wütender und sie misshandelnder Ex Mann, ein gutwilliger Doktor namens Herman, der sich auf ihre Seite schlägt, sowie ein Polizist, der der Spur aus Leichen folgt, die unsere Pro- und Antagonisten hinterlassen. Während sowohl die mysteriösen Genreelemente mit ihrer Rätselspannung, als auch die Sets und Sounds mit ihren Beleuchtungen und Atmosphäre, als auch die unterschiedlichen Charaktere mit ihren jeweiligen Motivationen für Spannung, Kurzweil und Konflikt am laufenden Band sorgen könnten, hapert es dann aber leider deutlich an der Ausführung: So soll Herman immer wieder für Comedymomente sorgen, die aber deplatiert und ungekonnt wirken, so bleibt der wütende Ex-Mann das eindimensionale Abziehbild des Schläger-Stereotyps, so überrascht ein Charakter den Fahrer während der Autofahrt (!), nur um für den Zuschauer einen billigen Pseudo-Jumpscare zu inszenieren.
 
 
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Die Visionen ihres Sohnes, die Cecilia plagen, bleiben weiterhin wenig motiviert oder gruselig, spannender wird es nach dem ersten Drittel des Films nun aber bei Einrique, da dieser die Anhalterin vom Unfall, Lucia, würgt und fesselt und diese Szenen durch Blut, Schweiß, Öl und Tränen im gepeinigten Gesicht des Opfers ihre Wirkung nicht verfehlen. Nachdem Lucia ihm dann endlich erzählt hat, dass Cecilia und ihr Sohn sich nach dem Unfall Richtung Westen zu einer Raststätte aufgemacht haben, knockt er sie höchst merkwürdig geschnitten aus, lässt sie in einen metallenen Sarg fallen (?) und zerkocht/verätzt sie. Ähm, what? Weniger kurios, technisch dafür aber ebenfalls durchaus stimmig und gelungen zu nennen sind auch die folgenden Szenen, in denen Cecilia sich per Hypnose an die Ereignisse vor dem Unfall erinnert – auch wenn man hier kein „Luz“ erwarten sollte, Überblenden, das Nutzen von Licht und die Atmosphäre dieser Sequenzen können sich sehen lassen. Und genau hier, nach knapp zwei Dritteln der Laufzeit, spielt „Es geschah am dritten Tag“ dann auch sein eines Ass aus, seine eine coole Idee und Auflösung – denn was sich vorher relativ subtil angekündigt hat, wird nun zufrieden stellend ausgeführt.
 
 
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Die finale halbe Stunde des Films kann durch ein altes, verlassenes Hotel mit seinen ewigen Gängen und hübschen Bildkompositionen punkten, durch mehrere passend benutzte Vertigo-Zooms und eine punktuell sehr verträumte Atmosphäre – doch der Genreeinschlag, der „Horror“-Aspekt der hier zu spät und zu sparsam nachgeliefert wird, enttäuscht durch allzu offensichtliche Maskenarbeit und klischeehafte Inszenierung dann doch sehr. Selbst in seinen schwächsten Szenen kann ich „Es geschah am 3. Tag“ meistens noch etwas abgewinnen, doch eine überzeugende, originelle Genreerfahrung sieht leider anders aus. Die lang gehaltene, letzte Einstellung für Credits zu nutzen ist auch eine prinzipiell poetische Entscheidung, die den leicht gothisch-romantischen Touch des Films unterstreicht, dafür macht die unnötige, klamaukige After-Credit-Scene wieder einiges kaputt.
 
 


 
 
 

ES GESCHAH AM 3. TAG – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
Gut gemeinter, technisch hochwertiger Gruselfilm mit klassischen Motiven und Storyversatzstücken, der seinen Plot um genau eine gute Idee herum geschrieben hat und abseits davon größtenteils unterwältigt
 
 


 
 
 

ES GESCHAH AM 3. TAG – Zensur

 
 
 
„Es geschah am 3. Tag“ ist in Deutschland ungeschnitten und frei ab 16 Jahren zu haben. Wegen einigen Trailern anderer Filme auf der Blu-ray / DVD ist selbige aber erst für Erwachsene geeignet und besitzt den roten FSK-Stempel.
 
 
 


 
 
 

ES GESCHAH AM 3. TAG – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) UCM One (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Al Tercer Día; Argentinien 2021

Genre: Drama, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 85 Minuten

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Blu-ray wegen Bonusmaterial: keine Jugendfreigabe

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Kinotrailer

Release-Termin: KeepCase: 04.03.2022

 

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ES GESCHAH AM 3. TAG – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei UCM One)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
We Are What We Are (2013)
 
La Abuela – Sie wartet auf dich (2021)
 
Malasaña 32 – Haus des Bösen (2020)