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Beiträge mit Schlagwort “Horrorfilme aus Kanada

Filmkritik: „The Evil in Us“ (2016)

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THE EVIL IN US

Story

 
 
 
Ein Drogentrip mit Folgen. Sechs Freunde verwandeln sich nach der Einnahme von Kokain in aggressive Killerfurien.

 
 
 


 
 
 

THE EVIL IN US – Kritik

 
 
 
Wenn unwissende Teenager zu einer Hütte in den Wald fahren, weiß der Horrorfan mittlerweile wie das ausgehen wird. Seit EVIL DEAD, CABIN FEVER oder THE CABIN IN THE WOOD sind einsame Bretterbuden in den Wäldern schon lange kein Garant mehr für Idylle, Romantik und Erholung. In Horrorfilmen sorgen diese klapprigen Waldbehausungen in der Regel für Tod, Verderben und Chaos. Das führt dazu, dass oft nur wenige ihrer Besucher lebend in die Zivilisation zurückfinden. Auch im folgenden Horrorthriller mit dem Titel THE EVIL IN US ist das nicht anders. Hier gibt bereits der Titel einen kleinen Vorgeschmack auf das, was den Zuschauer im Film erwarten wird. Das sprichwörtliche Böse frisst sich hier durchs Drehbuch, das in scheinbar friedliebenden Menschen entfacht wird und so niedere Instinkte weckt. Wenn das mal keine guten Aussichten für all jene sind, die eine Vorliebe für blutige Schlachtfeste besitzen.
 
 
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Im kanadischen Horrorthriller THE EVIL IN US reisen sechs Freunde auf eine entlegene Insel irgendwo vor der Küste Washingtons, um dort den Unabhängigkeitstag zu feiern. Doch die kleine Feier soll ihr Verhängnis werden. Einer der Freunde hat nämlich Drogen dabei, die die Fete etwas auflockern sollen. Doch kaum sind die Drogen im Körper gelandet, passiert das Unfassbare. Die Kumpels legen eine unbändige Wut an den Tag und entwickeln kannibalistische Neigungen. So beginnen sie sich gegenseitig zu zerfleischen bis am Ende keiner mehr von ihnen am Leben ist. Doch die schockierende Verwandlung kommt nicht von ungefähr. Eine ominöse Organisation experimentiert im Untergrund mit aggressiven Viren, die das menschliche Nervensystem manipulieren sollen. Heimlich hat man diesen Killervirus in Drogen versteckt und auf den Markt gebracht. Was folgt gleicht einem Desaster, denn Menschen die diesen Übeltäter in sich tragen, werden zu unaufhaltsamen Killermaschinen. Das sind keine guten Aussichten für die gesamte Menschheit.
 
 
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THE EVIL IN US ist die x-te Version über flache Charaktere, die in eine Waldhütte fahren und dort den Terror erleben. Zombie und Hütten-Horrorfans wird’s vermutlich freuen, denn Blut fließt reichlich und eklige Momente gibt es auch zu sehen. Dennoch hat man auch bei diesem Horrorstreifen häufiger das Gefühl, als habe man genau jenen Film – nur mit anderen Schauspielern besetzt – schön öfters gesehen. Das liegt in erster Linie wohl daran, weil Regisseur und Drehbuchautor JASON WILLIAM LEE die Atmosphäre von CABIN FEVER mit bekannten Zombie-Klischees kombiniert und daraus Horrorunterhaltung macht, die bei genauerer Betrachtung eigentlich eher bei anderen Horrorfilmen stibitzt. Originalität, Neuerungen oder gar frische Ideen sind Mangelware, was THE EVIL IN US beliebig macht. So ist eine Virusinfektion auf Zeit die einzige neue Idee in diesem sonst eher einfallslosen Film, der einzig darauf aus ist am Ende den Holzhammer aus dem Sack zu lassen. Während in den meisten Zombiefilmen eine Infektion mit einem Virus den Tod bedeutet, haben die Protagonisten in diesem Film eine realistische Überlebenschance. Der Eindringling wütet nämlich nur wenige Stunden im Körper. Leider wissen das die Freunde nicht und zerfleischen sich im Blutrausch gegenseitig, noch bevor der Körper den Virus bekämpfen kann. Damit tritt der Film in die gleichen Fußstapfen wie der spanische SUMMER CAMP, der im Prinzip eine ganz ähnliche Geschichte erzählt hat, die aber weitaus spannender und atmosphärischer in Szene gesetzt wurde.
 
 
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Unterm Strich ist THE EVIL IN US kein herausragender Horrorfilm. Fast alle Protagonisten sehen aus wie aus dem Ei gepellt und entsprechen den gängigen Stereotypen, die man schon so oft in dieser Art von Filmen zu sehen bekommen hat. Viel wird von denen auch nicht abverlangt – außer vielleicht, dass sie am Ende möglichst laut um ihr Leben kreischen sollen. Doch vorhersehbaren Erzählmechanismen und aufdringliche Klischees sind noch das kleinere Übel. Viel unerträglicher ist das oftmals hölzerne Schauspiel. Die jungen Darsteller geben zwar ihr Bestes, übertreiben es ab hin und wieder. Das hat zur Folge, dass Gezeigtes übertrieben und unnatürlich wirkt, was den Sehgenuss erheblich trübt. Demzufolge ist auch THE EVIL IN US nur all jenen zu empfehlen, die nach den vielen Zombiefilmen der letzten Jahre einfach nicht genug davon bekommen können. Der Film spult bekannte Mechanismen aus dieser Art von Streifen unkreativ ab und ergänzt sie mit Filmgewalt. Das langweilt leider ziemlich schnell. Wen es interessiert: Die blutigen Höhepunkte reduzieren sich auf die letzte halbe Stunde. Was sich davor abspielt, ist kaum der Rede wert.
 
 
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THE EVIL IN US – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
28 DAYS LATER meets CABIN FEVER. Kompromisslose Überlebenshatz mit blutigem Showdown. Hinter dem ansprechenden Filmplakat verbirgt sich kein herausragender Horrorfilm. THE EVIL IN US ist ein beliebiger Schocker, der die allmählich nervende Zombiethematik streift und sich irgendwo zwischen CABIN FEVER und THE CRAZIES bewegt. Was passiert ist so ziemlich vorhersehbar. Allein die letzten 30 Minuten könnten das Interesse von Horrorfans wecken. Dort geht es nämlich relativ grob zur Sache. Nacheinander werden Mittzwanziger von einem Virus befallen, der ihre aggressive Seite entfacht – um mal wieder zum Titel des Films zu kommen. Das sorgt immerhin für blutiges Einerlei, weil sich die Protagonisten gegenseitig an die Gurgel gehen. Ob das allein ausreicht, um das Sehen eines Horrorfilms zu rechtfertigen, sollte aber jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden. Für uns als Kritikerteam ist das leider zu wenig.
 
 
 


 
 
 

THE EVIL IN US – Zensur

 
 
 
In der letzten halben Stunde geht die Post ab. Von Ausweidungen bis Verbrennungen ist einiges dabei, was Horrorfans zusagen dürfte. Trotzdem ist das alles noch im vertretbaren Rahmen, so dass eine Freigabe mit rotem FSK-Flatschen realistisch ist. Ungeschnitten und keine Jugendfreigabe versteht sich.
 
 
 


 
 
 

THE EVIL IN US – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Poster liegen bei Sandcastle Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Summer Camp (2015)
 
The Crazies – Fürchte deinen Nächsten (2010)
 
Carriers (2009)
 

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Filmkritik: „Man Vs.“ (2015)

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MAN VS.

Story

 
 
 

Fünf Tage allein in der Wildnis. Ein TV-Star dreht nur mit einer Kamera ausgerüstet eine Reality-Show in den kanadischen Wäldern. Leider bekommt er dort unerwarteten Besuch, der ihn das Fürchten lehren wird.

 
 
 


 
 
 

MAN VS. – Kritik

 
 
 
Wenn Menschen in die Wildnis reisen, um dort das Abenteuer zu suchen, wissen erfahrene Horrorfilmfans bereits, dass der Ausflug kein gutes Ende nehmen wird. Die Filmwelt hat gelehrt, dass man besser nicht unerforschtes Land betritt oder jenseits der Wanderwege auf Entdeckungsreise geht, denn oftmals lauern in unberührter Natur Gefahren, mit denen man besser nicht konfrontiert werden möchte. So gab es in der Vergangenheit schon manch unerfreuliches Aufeinandertreffen zwischen Mensch und Horrorgestalt in der Natur zu begutachten, das – zur Freude des Zuschauers – nicht immer unblutig zelebriert wurde. Ob mordgierige Teenager in PRESERVATION, aggressiver Bär in BACKOUNTRY oder zornige Waldgeister in EVIL DEAD – dunkle Wälder und verwachsene Wildnis sind im Horrorfilm immer wieder gern verwendete Kulissen, damit maximales Unbehagen bewirkt werden kann. Das hat auch Regisseur ADAM MASSEY erkannt. Der hat im Jahr 2015 erstmalig Horrorluft geschnuppert und offensichtlich Blut geleckt, weshalb er nach DIE EINDRINGLINGE einen weiteren Genrefilm gedreht hat, der unter dem skurrilen Titel MAN VS. veröffentlicht wurde. Schlaue Füchse bemerken, dass in der Titelkreation etwas fehlt. So wird nicht erwähnt, gegen wen oder was der männliche Hauptdarsteller kämpfen wird. Das ist gewollt, denn MAN VS. lässt den Zuschauer im Dunkeln tappen und rückt erst so ziemlich am Ende mit der Sprache heraus, um was für einen Gegenspieler es sich handelt. Ein geschickter Schachzug, um die Spannung halten zu können.
 
 
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In MAN VS. verirrt sich der Moderator eines sehr erfolgreichen Serienformats in ein einsames Waldstück irgendwo in den Wäldern Nordkanadas, wo er fünf Tage lang nur mit dem Nötigsten ausgerüstet den Zuschauern beweisen möchte, dass der Mensch auch ohne Zelt, Proviant und Wechselkleidung überleben kann. Die Natur gibt all das her, was man benötigt, um fernab der Zivilisation bestehen zu können. So werden Kaninchen gefangen, um den Hunger zu stillen und über einem Feuer geschmort, das mit Hilfe einer Getränkedose gemacht wurde. Leider passieren bald seltsame Dinge. Das Funktelefon verschwindet unter mysteriösen Umständen und an Bäumen aufgehängte Verpflegung ist am nächsten Morgen nicht mehr an Ort und Stelle. Offensichtlich ist Moderator Doug (CHRIS DIAMANTOULOS) nicht allein. Irgendjemand scheint ihn zu beobachten und auf Schritt und Tritt zu verfolgen. Nur wer ist der gemeine Übeltäter, der dem Serienstar nichts Gutes will?
 
 
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Fieser Survival-Horror mit einer Priese Found-Footage. Keine Sorge, auch wenn im vorhergehenden Satz jenes Subgenre genannt wird, das mittlerweile lautet Stöhnen beim Horrorpublikum verursacht, hält sich der Anteil verwackelter Bilder in Grenzen. So wechselt der Streifen immer dann in die Found-Footage-Ansicht, sobald Filmheld Doug sich selbst mit einer Kamera filmt, um den Zuschauern seiner TV-Show wertvolle Überlebenstipps mit auf dem Weg zu geben. Der Großteil des Überlebens-Thrillers behält die herkömmliche Filmansicht bei und erzählt von der beunruhigenden Verwandlung eines unerschrockenen Pfadfinders, der es plötzlich mit der zu tun Angst bekommt. Dabei erweist sich Schauspieler CHRIS DIAMANTOULOS als Glücksgriff, der bis zum bitteren Ende sympathisch bleibt und den gesamten Film auf seinen Schultern tragen muss, ohne Zuschauer zu langweilen. Die Ein-Mann-Show macht von der Prämisse Gebrauch, dass Antworten möglichst lang hinausgezögert werden. Regisseur ADAM MASSEY vermeidet bewusst Hinweise und spielt mit Held und Publikum ein gemeines Spiel, dessen Auflösung aber nicht sonderlich einfallsreich ist. Während der Spannungsbogen bis kurz vor Ende gehalten werden kann, trübt kurz vor der Zielgeraden das magere Budget den positiven Gesamteindruck. Nicht sonderlich professionelle Computereffekte deuten daraufhin, dass ein Sparkurs gefahren werden musste. Unausgereiftes CGI nimmt Illusionen und raubt dem Streifen die unbequeme Anziehungskraft, welche sich zuvor wie ein roter Faden durch MAN VS. geschlängelt hat. So verliert eine makabre Schlusspointe an Gewichtung, die den Überlebensthriller versucht in eine andere Richtung zu drängen, um einer möglichen Fortsetzung die Tür offen zu halten. Das ist dahingegen bedauerlich, weil der Streifen hätte mit mehr Kapital ein Horror-Hit werden können.
 
 
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MAN VS. – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Packendes Überlebenstraining mit unerwartetem Ausgang. MAN VS. ist eigentlich ein sehenswerter Horrorfilm. Wären am Ende nicht die bescheidenen Computereffekte, die den Streifen in die Knie zwingen. Sicherlich ist der Survival-Thriller immer noch Längen von dem entfernt, was so Filmabfall-Schmieden wie THE ASYLUM oder SYFY mit ihren bewusst missratenen Spezialeffekten dem Publikum zumuten. Weil MAN VS. eigentlich weit entfernt von Trash ist, verursacht die Tatsache Magenschmerzen, dass der kanadische Regisseur ADAM MASSEY mehr wollte aber nicht konnte. Geld kann manchmal ein Arschloch sein. Im Falle von MAN VS. hätten ein paar kanadische Dollar mehr wahre Wunder bewirken und dem Streifen zum Hit verhelfen können. Bedauer- und ärgerlich!
 
 
 


 
 
 

MAN VS. – Zensur

 
 
 
Viele Schauwerte hat MAN VS. nicht zu bieten. Gleich zu Beginn gibt es einen verletzten Finger in Großaufnahme zu sehen und ein Kaninchen wird nach dem Fangen vor der Kamera geschlachtet. Weiterhin gibt es übel zugerichtete Tiere und einige gehäutete Leichen zu sehen. Man darf mit einer ungeschnittenen FSK16 rechnen.
 
 
 


 
 
 

MAN VS. – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Entertainment One)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Predator (1987)
 
Predator 2 (1990)
 
Dark Angel (1990)
 
Split Second (1992)
 


Filmkritik: „Debug“ (2014)

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DEBUG

Story

 
 
 
Sechs verurteilte Computerhacker versuchen ihrer Strafe zu entgehen, in dem sie ein Projekt der Regierung mit ihren Fähigkeiten unterstützen. Sie sollen sich ins Weltall begeben, um dort alte Raumfrachter wieder auf Fordermann bringen zu können. Einer dieser verlassenen Frachter stellt das Team vor ungeahnte Herausforderungen, denn dessen Systemprogramm hat ein merkwürdiges Eigenleben entwickelt …

 
 
 


 
 
 

DEBUG – Kritik

 
 
 
Wenn es nach DAVID HEWLETT geht, scheint sich der Ruf vom nerdigen Hacker längst einem Wandel unterzogen zu haben. Während dessen stereotypes Bild immer noch vom bleichen Computerfreak geprägt ist, der die meiste Zeit seines Lebens abgeschottet von der Außenwelt vor PC-Monitoren hockt, macht HEWLETT aus Brillen tragenden Informatikstudenten makellose Laufstegschönheiten. DEBUG nennt sich der neue Science-Fiction-Thriller in dem technikbegeisterte Cyberkriminelle vom BRAVO-Fotoshooting direkt ins Weltall transferiert werden, um sich dort – wie im Horrorfilm gängig – um Kopf und Kragen schreien zu können. Ein verlassener Raumfrachter dient in diesem kanadischen Weltraum-Grusler als Schauplatz für einen unerbittlichen Kampf zwischen Mensch und Maschine, der am Ende selbstverständlich nur einen Sieger kennt. Ein Fehler im System ist dort die Ursache, der dafür verantwortlich gemacht wird, dass die Verbindung zwischen Erde und Frachter zum Erliegen gekommen ist. Nun sollen sechs Spezialisten das Computersystem von Fehlern befreien und nach getaner Arbeit neu starten. Doch der Einsatz verläuft nicht ohne Komplikationen, denn das System hat sich verselbstständigt und wird fortan von einer künstlichen Intelligenz gesteuert, die über das Vorhaben der Computerhacker rein gar nicht erfreut ist.
 
Man nehme EVENT HORIZON füge etwas Künstliche-Intelligenz-Quatsch aus der ersten RESIDENT EVIL-Verfilmung dazu und verfeinere das Ganze mit klaustrophobisch- beklemmender All-Atmosphäre ähnlich der aus dem jüngsten Weltraum-Hit GRAVITY. Fertig ist DEBUG – ein Film, der genannten Blockbustern natürlich zu Recht nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen kann, denn dazu mangelt es dem Streifen schlichtweg an Einzigartigkeit, die man im Horror-Kino heutzutage benötigt, um überhaupt hervorstechen zu können. Drehbuchautor und Regisseur DAVID HEWLETT ist im Horror-Bereich kein Unbekannter. Bevor er nämlich selbst Drehbücher kritzelte und es sich hinter der Kamera bequem machte, war er vornehmlich als Schauspieler in unzähligen Kinofilmen und TV-Serien zu sehen, wobei er mit Auftritten in HAUNTER (2013), SPLICE (2009), CUBE (1997) und SCANNERS 2 (1991) sogar schon Erfahrungen mit Horrorfilmen sammeln konnte. Mit DEBUG bleibt er dem Genre treu und zeigt, was man mit wenig Startkapital alles anstellen kann. Trotz Indie-Produktion schaut DEBUG nämlich ganz ordentlich aus, was den Streifen hochwertiger erscheinen lässt, als er im Endeffekt ist. Der Zuschauer bekommt steriles Set-Design vor die Linse in dem gesichtslose Jungdarsteller auf virtuellen Tastaturen klimpern und sich einem charismatischen Bösewicht stellen müssen, der hier als Computerbug in Menschengestalt in Erscheinung tritt. Letzter wird von JASON MOMOA verkörpert, ohne den DEBUG vermutlich vollkommen den Bach hinabgerauscht wäre, schließlich hat HEWLETTS Sci-Fi-Flick hat ein großes Problem: Langeweile. Bevor die Gruppe von Profi-Hackern erst einmal die Fährte gewittert und von der Bedrohung Wind bekommen haben, vergeht knapp die Hälfte der Spielzeit in der die Protagonisten vornehmlich durch Flure schlendern und Fachchinesisch quasseln. Das macht müde, zumal man des Öfteren reichlich Fantasie benötigt, um über die viele Logikbarrieren hinwegsehen zu können. Immerhin verflüchtigt sich das quälend langsame Tempo in den letzten Filmminuten. Dann nämlich bläst Schurke MOMOA zum blutigen Rachefeldzug und hindert einen Hacker nach dem nächsten daran, das System von Fehlern zu bereinigen. Deftige Gore-Effekte kommen da zum Einsatz, die sich durchaus sehen lassen können und kurzerhand über die unzureichende Charakterisierung hinwegtrösten, was zumindest jenen Filmfans gefallen dürfte, die von Horrorfilmen ein gewisses Maß an Gewalt erwarten. Da werden Körper zerteilt, unbekannte Flüssigkeiten in Venen gespritzt und so aus anfänglich friedliebenden Computerspezialisten unberechenbare Kampfmaschinen gemacht.
 
Trotzdem, man verpasst nicht viel, wenn man DEBUG nicht gesehen hat, denn sonderlich originell ist HEWLETTS Weltraum-Horror keineswegs. Vielmehr entpuppt sich dieser Indie-Film als unhomogener Versuch Horror, Science-Fiction, Splatter, Klaustrophobie- und Computer-Virus-Thematik unter einen Hut zu bringen. Geglückt ist der umfangreiche Zutatencocktail nur bedingt, denn wie immer macht mal wieder das Drehbuch Probleme, das von einem Laien auf dem Gebiet des Drehbücherschreibens verfasst wurde. Daher liebe Filmemacher- und Produzenten: lasst Drehbücher in Zukunft bitte von Leuten schreiben, die sich damit auch auskennen – alles andere kann nur in die Hose gehen. Das Weltraumabenteuer DEBUG ist das beste Beispiel für wirren Sci-Fi-Horror dem es an Spannung, Logik und Ideen fehlt, schließlich machen Bluteffekte allein – und wenn sie auch noch so gut in Szene gesetzt wurden – noch lange keinen guten Horrorfilm aus.
 
 
 


 
 
 

DEBUG – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Im Weltall hört dich niemand schreien: Splatter-Szenario im Weltraum – DEBUG ist die weitaus düstere Version des Kassenhits GRAVITY. Dennoch gilt hier: außen hui, innen pfui. DEBUG (was in diesem Falle soviel bedeuten soll, wie: das Bereinigen von Systemfehlern) schaut für Indie-Verhältnisse ganz ordentlich aus. Arbeitet man sich aber zum Kern hervor wird man schnell feststellen, dass der Film erheblich unter dem schwachen Drehbuch zu leiden hat, das von Regisseur DAVID HEWLETT selbst geschrieben wurde. Mit Logik hat er es nicht, denn DEBUG wirkt holprig, unglaubwürdig und ist streckenweise auch noch langweilig. Tiefgründige Charakterentwicklung gibt es nicht, dafür gegen Ende Splatter-Effekte, die sich gewaschen haben. Ob ein paar Gewaltmomente aus DEBUG einen sehenswerten Film machen bleibt dennoch fraglich, denn der dreiste Ideenklau setzt sich vornehmlich aus bekannten Zutaten bereits erschienener Kassenhits zusammen. Bewanderte Filmfans dürfte sofort auffallen, dass sich Macher DAVID HEWLETT rigoros bei bekannter Sci-Fi-Ware wie EVENT HORIZON und 2001: A SPACE ODYSSEY bedient hat. Fragt sich nur, warum dann aus DEBUG eher mittelprächtige Horror-Ware geworden ist, wenn man doch Erfolgszutaten besagter Klassiker kopiert hat.
 
 
 


 
 
 

DEBUG – Zensur

 
 
 
In DEBUG werden Körper zerteilt, Glasscherben durch Handgelenke geschlagen, lösen sich Körper in Pixel auf oder werden unsanft ins Weltall geschleudert – die wenigen Gore-Effekte können sich durchaus sehen lassen und dürften Fans von Filmen härterer Gangart zusagen. Der Film wurde mit FSK16 freigegeben – selbstverständlich ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

DEBUG – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Pandastorm Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Debug; Kanada 2014

Genre: Horror, Thriller, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch, Niederländisch

Bild: 1.78:1 – @24 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: FSK 16

Verpackung: Weiße Amaray mit Wendecover

Extras: Behind the Scenes, Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 14.04.2015

 

Debug – Feindliches System [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

DEBUG – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Last Days on Mars (2013)
 
2001: A Space Odyssey (1968)
 
Event Horizon – Am Rande des Universums (1997)
 


Kritik: „Absoluter Gehorsam – Silent Retreat“ (2013)

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ABSOLUTER GEHORSAM

SILENT RETREAT

Story

 
 
 
Die weiblichen Insassen eines Erziehungslagers werden vom Camp-Aufseher mittels Gehirnwäsche gefügig gemacht, damit sie als gut erzogene Hausfrauen zurück in die Gesellschaft eingegliedert werden können. Leider lebt im angrenzenden Wald auch etwas Böses, was die Jugendlichen davon abhalten soll davon zu laufen …
 
 
 


 
 
 

ABSOLUTER GEHORSAM – Kritik

 
 
 
Um Hilfe winselnde Frauen in Eröffnungssequenzen von Horrorfilmen verheißen nichts Gutes, denn meist führt ein blutiges Opening dem Zuschauer vor Augen, welch ungemütlicher Ton im späteren Verlauf angeschlagen wird. ABSOLUTER GEHORSAM (im Original: SILENT RETREAT) macht da keine Ausnahme, denn hier ist es eine nichtsahnende Schönheit, die sich zu Beginn panisch durch dichtes Geäst kämpft und wenig später von einer bis dato noch unbekannten Kreatur in Stücke gerissen wird. Kein gutes Omen für all jene, die im weiteren Verlauf des Streifens ebenfalls um ihr Leben bangen müssen. ABSOLUTER GEHORSAM ist inmitten der Flut günstiger Low-Budget-Indies aus letzter Zeit eine regelrechte Wohltat, denn trotz eigentlich bekannter Erzählverläufe gelingt es Regisseurin TRICIA LEE (ja, eine Frau hat den Streifen gemacht!) eine nicht mehr ganz so frische Geschichte trotzdem spannend zu verpacken. Dies meistert sie ohne Probleme, denn LEE vermischt in ABSOLUTER GEHORSAM quasi zwei Sub-Genres miteinander und führt diese am Ende zu einem zusammen. Etwas Gewalt gibt es auch zu sehen, so dass dem Zuschauer hier ein Rundum-sorglos-Paket geschnürt wird, das triste Herbsttag unterhaltsam versüßen soll.
 
ABSOLUTER GEHORSAM erzählt von den tragischen Erlebnissen des Teenagers Janey (Chelsea Jenish), der in eine Art Erziehungslager gebracht wird, wo straffällige Mädchen eine letzte Chance bekommen, um einer möglichen Haftstrafe entgehen zu können. In diesem abgelegenen Camp herrscht ein hartes Regime, denn ein strenge Aufseher (furchterregend: ROBERT NOLAN) sorgt für Zucht und Ordnung. Den Mädchen wird striktes Sprechverbot erteilt und ihnen werden jegliche Kommunikationsmöglichkeiten genommen. So verstreichen die Tage ins Land, ohne dass eine der Jugendlichen die zweifelhaften Regeln hinterfragt – auch dann nicht, als Inhaftierte aus unerklärlichen Gründen verschwinden. Doch ABSOLUTER GEHORSAM wäre wohl kein Horrorfilm, wenn nicht doch noch etwas Grauenvolles geschehen würde. Neuankömmling Janey wird zur Heldin deklariert und freundet sich mit der rebellischen Alexis (SOFIA BANZHAF) an. Zusammen kommen sie einem düsteren Geheimnis auf die Schliche, das der diabolische Lageraufseher sorgsam zu vertuschen versucht. In den Wäldern vor dem Camp geht die Angst um, denn hier lauert etwas Böses, das so seine Probleme mit vorlaut quasselnden Teenagern besitzt. Den neunmalklugen Mädchen Janey und Alexis ist das egal. Die wollen nur eins: weg aus diesem Umerziehungslager.
 
THE DESCENT nur ohne Höhle, dafür mit Holzbaracken. Regisseurin LEE hat sich reichlich Input beim britischen Überlebens-Horror aus dem Jahre 2005 geholt, wo sich eine Höhlenkraxelei für sechs Hobby-Bergsteigerinnen zum Albtraum entwickelt. Die werden im Inneren der Höhle mit blinden Kreaturen konfrontiert, die sich wie Fledermäuse mittels Schall orientieren und eine unerbittliche Jagd auf die ahnungslosen Frauen veranstalten. So ähnlich läuft das auch in ABSOLUTER GEHORSAM ab, denn wie der derbe Auftakt zu Beginn des Streifens vermuten lässt, wird auch in diesem Grusler ein missgebildetes Wesen auf das bevorzugt weibliche Kanonenfutter losgelassen. Die Mädchen bekommen das hungrige Filmmonster jedoch erst ab Filmmitte in seiner vollen Pracht zu Gesicht damit die Spannung bis zum Ende gehalten werden kann. Hierbei kommt das Konzept des Schweigens dem Streifen zugute, denn die quälende Stille macht ABSOLUTER GEHORSAM interessant, ist es den Mädchen untersagt sich miteinander zu unterhalten. Demzufolge verläuft auch die erste Hälfte des Films eher wortlos, was dem Grusler eine durchaus bedrückende, fast schon befremdlich wirkende Atmosphäre einräumt. Die Zwangseingewiesenen haben unter den fragwürdigen Erziehungsmethoden des Lagerbetreuers zu leiden, der ungehorsamen Häftlingen eine Gehirnwäsche unterzieht. Führt der Rehabilitationsversuch zu keinem Erfolg, bleibt nur die letzte Instanz: Monsterfutter. Dass sich der Aufenthalt im Eingliederungscamp für die inhaftierten Mädchen demzufolge zum Martyrium entwickelt dürfte verständlich sein, schließlich sehen die sich hier nicht nur mit einem menschlichen Monster konfrontiert, sondern müssen sich am Ende auch noch vor einer gefräßigen Bedrohung in Sicherheit bringen.
 
ABSOLUTER GEHORSAM ist packendes Horror-Kino, das aufgrund des ordentlichen Blutzolls für Vegetarier ungeeignet ist. Denn anderes als es der eher gemächlich erzählte Einstieg verspricht, geht es im erstaunlich umfangreichen Finale ordentlich zur Sache. Es werden Körper aufgeschlitzt, Kehlen durchgeschnitten und mit eher unkonventionellen Methoden Monster in die Flucht geschlagen. Die wenigen Schauspieler machen ihre Arbeit gut, wobei man für die Rolle der Helden zwei durchaus sympathische Frauen gewinnen konnte, die schnell ans Herz wachsen. Regisseurin TRICIA LEE hat in ihrem eigenen Produktionsstudio einen kleinen aber feinen Horrorfilm inszeniert, der Potenzial hat in Serie zu gehen. Da kann man nur hoffen, dass sich viele Horrorfans für ABSOLUTER GEHORSAM begeistern können, damit eine Fortsetzung zügig folgen kann.
 
 
 


 
 
 

ABSOLUTER GEHORSAM – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Pssst … Wir bitten um Ruhe. Denn wir wollen, dass da draußen auch ja jeder Horrorfilmfan mitbekommt, dass ABSOLUTER GEHORSAM – SILENT RETREAT lohnt gesehen zu werden. Der kanadische Horror-Beitrag ist ein kleines Biest von Film und packendes Kreaturen-Kino, das garantiert nix für Weicheier ist. Zwar erinnert der Grundplot an den britischen THE DESCENT aus dem Jahre 2005; wie die eigentlich simple Geschichte von Regisseurin TRICIA LEE letztendlich umgesetzt wurde, gefällt gerade wegen ihrer schnörkellosen Schlichtheit. Aus einem minimalistischen und deprimierenden Jugenddrama entwickelt sich recht zügig ein atmosphärischer Horror-Trip, der seine Helden rastlos durch düstere Kulisse hetzen lässt. Indie-Horror, so wie er sein sollte: Klein, aber oho – Vielen Dank für 90 schaurig-schöne Minuten ohne Hänger.
 
 
 


 
 
 

ABSOLUTER GEHORSAM – Zensur

 
 
 
Nach eher subtilem Einstieg geht ab Mitte die Post ab. Zwar keine Schlachtorgie, aber durchaus zeigefreudig. Demnach wurde ABSOLUTER GEHORSAM (Originaltitel: SILENT RETREAT) von der FSK ab 16 Jahren freigegeben. Trotzdem wurde die erhältliche Blu-ray erst für volljährige Filmfans in den Handel gebacht. Das Bonusmaterial dürfte der Grund für die höhere Freigabe sein.
 
 
 


 
 
 

ABSOLUTER GEHORSAM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Silent Retreat; Kanada 2013

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: Film: FSK 16 / Blu-ray wegen Bonusmaterial: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Behind the Scenes, Trailershow

Release-Termin: 27.02.2015

 

Absoluter Gehorsam – Silent Retreat (Blu-ray) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

ABSOLUTER GEHORSAM – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Beneath (2013)

The Underneath (2013)

Underground – Tödliche Bestien (2011)

In Darkness We Fall (2014)

The Cavern – Abstieg ins Grauen (2005)

The Cave (2005)

The Descent – Abgrund des Grauens (2005)

The Descent 2 – Die Jagd geht weiter (2009)


Filmreview: „Thanatomorphose“ (2012)

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THANATOMORPHOSE

Story

 
 
 
Das Wort THANATOMORPHOSE stammt aus dem Französischen und beschreibt die sichtbaren Zeichen der natürlichen Zersetzung eines Organismus, die durch den Tod verursacht werden. Ebensolche Symptome durchlebt eine namenlose Protagonistin (Kayden Rose), die scheinbar von innen heraus zu faulen beginnt …
 
 
 


 
 
 

THANATOMORPHOSE – Kritik

 
 
 
Igitt, was ist denn das? Bereits seit einer geraumen Ewigkeit geistert nun schon der Trailer zu THANATOMORPHOSE durchs Internet, der vor allem die Aufmerksamkeit jener Horrorfilmfans geweckt hat, die sonst schon jeden erdenklichen Horrormist gesehen haben. Aus Kanada kommt dieser Körperhorror, der mit ekelerregenden Bildern, einer Menge Splatter und vielen abnormalen Abscheulichkeiten zum Kauf animieren soll. Witzigerweise ist THANATOMORPHOSE kein Einzelfall. Bereits vor geraumer Zeit berichteten wir über CONTRACTED, der im Grunde genommen gleiche Geschichte mit mehr Budget und glatt polierter Hochglanzoptik erzählt hatte und von ERIC ENGLAND (MADISON COUNTY) inszeniert wurde. Der hat nach einer Flut von Anfragen empörter Zuschauer vehement zu erklären versucht, dass sein CONTRACTED keine ideenlose Kopie des kanadischen THANATOMORPHOSE von ÉRIC FALARDEAU ist, sondern eine ganz andere Geschichte erzählt. Indirekt hat er da sogar recht. Obwohl wir hier zwei thematisch ähnliche Filme vorliegen haben, gehen doch beide Werke gänzlich andere Wege. Während CONTRACTED eine Brechreiz verursachende Metamorphose einer jungen Frau schildert, die sich nach ungeschütztem Geschlechtverkehr mit etwas infiziert, das zu körperlichem Verfall führt, geht es da in THANATOMORPHOSE reichlich bizarrer, experimenteller und expressionistischer zur Sache. Hier rührt die Verwandlung durch keinen Infekt, sondern symbolisiert das kränkliche Seelenheil der namenlosen Protagonistin, deren Leben alles andere als rosarot verläuft.
 
THANATOMORPHOSE schildert den körperlichen wie seelischen Zerfall seiner Heldin. Die führt ein wahrlich trostloses Leben. Die Suche nach einem gescheiten Job erweist sich als ergebnislos und auch die Männer an ihrer Seite sehen in ihrer Anwesenheit nur Mittel zum Zweck, um sexuellen Druck abzubauen (in einer Traumszene werden die männlichen Protagonisten des Films sogar als primitive Höhlenmenschen dargestellt). Das macht sich auch in ihrem Leib bemerkbar. Dort herrscht schon lange Leere, dort haust seit geraumer Zeit der Tod. Die Hoffnung je Geborgenheit und Liebe zu finden, hat sie bereits längst aufgegeben, so dass sie ihr nahendes Schicksal mit erschreckender Selbstverständlichkeit herbeisehnt. Schon bald setzt die Verrottung ein. Die frisst sich von innen nach außen und hat körperliche Veränderungen zu Folge. Erst sind es blaue Flecke, die ihren Körper zieren. Später fallen Fingernägel ab und Zähne aus, die sie in Alkohol konserviert. Von der Außenwelt unbeachtet und elendig einsam verendet sie schließlich still und leise in den eigenen vier Wänden.
 
Gleich zu Beginn wird der Zuschauer mit verstörenden Zusammenschnitten konfrontiert. Ein laut pochender Score, verfremdete Farben und eine höchst aggressive Ton- und Geräuschkulisse ebnen den teilweise schon experimentellen und avantgardistischen Charakter dieses Ausnahmefilmchens, das seine Indie-Wurzeln nicht verbergen kann. ÉRIC FALARDEAU hat mit gerade einmal kostengünstigen 40000 Kanadischen Dollars gewirtschaftet und einen durchweg sonderbaren Amateurfilm gedreht, der deutsche Amateurwerke alt ausschauen lässt. Trotz technischer Mankos (schlechte Ausleuchtung, unbeholfene Unschärfen) erstaunt, wie gut doch THANATOMORPHOSE geworden ist. Eine ungemütliche Atmosphäre der Traurigkeit ist allgegenwärtig und die wirklich widerwärtigen Make-up-Effekte verfehlen ihre Wirkung nie. Die bilden den eigentlichen Kern in Falardeaus Debüt, denn ein wirkliches Drehbuch scheint es hier nicht zu geben. Unsere Protagonistin bewegt sich größtenteils nackt durch die trist und spärlich dekorierte Wohnung und entdeckt Veränderungen an sich; gesprochen wird kaum und wenn, dann nur in kurzen Satzfetzen, die sich auf das Nötigste reduzieren. Der Fokus liegt in THANATOMORPHOSE auf schroffe Bildsprache und unterschwellige Symbolhaftigkeit. Da klafft an der Decke des Schlafzimmers ein Loch, das anfänglich die Form eines weiblichen Geschlechtsorgans besitzt und im späteren Verlauf beginnt zu schimmeln. Ebenso skurril und unangenehm verläuft auch die innerliche Verwesung der nicht näher vorgestellten Protagonistin, die die Schönheit und den Willen zum Leben schon längst abgeschrieben hat und den erlösenden Tod herbeisehnt. In knapp 90 Minuten verwandelt sich die Leitragende vom Mensch zum Skelett, verliert Körperteile und hat ihren Stuhlgang schon bald nicht mehr unter Kontrolle. Für Zartbesaitete ist die hier dargestellte Verwandlung natürlich eine regelrechte Herausforderung, denn die Metamorphose in THANATOMORPHOSE ist schon ziemlich harter Tobak und erinnert vom Ekelfaktor und der rebellischen Machart her nicht selten an Buttgereits NEKROMANTIK Zweiteiler von 1987 bzw. 1991. Leider hat FALARDEAUS Erstling auch seine Schwächen, denn leider ist sein Body Horror viel zu lang geraten und hätte als Kurzfilm erheblich besser funktioniert. Dadurch, dass kaum gesprochen wird und sich die Ekelmomente ziemlich träge auf den Film verteilen, zieht sich THANATOMORPHOSE leider etwas arg. Hier hat Englands CONTRACTED eindeutig die Nase vorn, auch wenn es dort im direkten Vergleich bedeutend züchtiger vonstatten geht.
 
Der Körperhorror THANATOMORPHOSE ist eindeutig ein sehr spezielles Filmchen, das sich ebenso an ein ganz spezielles, nervenstarkes Publikum richtet. Mit viel Geschick und hohem technischem (Make-up)Verständnis hat ÉRIC FALARDEAU das Glanzstück vollbracht einen Amateurfilm zu drehen, der kaum noch erahnen lässt, dass hier eigentlich Laien im Filmemachen am Start gewesen sind. THANATOMORPHOS hat zwar viele unschöne Szenen zu bieten, ist aber nicht zwingend im Horrorgenre anzusiedeln. Aufgrund der zermürbenden Atmosphäre, der depressiven Ausgangslage und der tot-traurigen Botschaft des Films, hält der Filmfreund hier ein außergewöhnliches Drama in den Händen, das man nur lieben oder hassen kann. Wer das Außergewöhnliche sucht und auf kommerziellen Mainstream pfeift, ist hier genau richtig!
 
 
 


 
 
 

THANATOMORPHOSE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Der härteste Film des Jahres: THANATOMORPHOS ist ultraharter Body Horror, der eine hohe Ekelgrenze voraussetzt. Regie-Newcomer ERIC ENGLAND hat mit seinem Erstling einen Film geschaffen, der trotz deftigem Körper-Terror und vielen unappetitlichen Momenten immer noch versucht eine erschreckende und aktuelle Botschaft an den Mann zu bringen. THANATOMORPHOS ist ein deprimierendes aber auch sehr spezielles Horror-Drama über die verzweifelte Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit und Zugehörigkeit, das mit Sicherheit seine Fans finden wird. Aufgrund der teils experimentellen, eigensinnigen und sehr radikalen Inszenierung ist dieser Film nämlich nicht für jeden Filmfan geeignet.
 
 
 


 
 
 

THANATOMORPHOSE – Zensur

 
 
 
THANATOMORPHOSE wird ungeschnitten in Deutschland keine Freigabe erhalten. Nicht zwingend des Verwandlungsprozesses wegen. Vielmehr aufgrund zweier grafischer Morde, die ziemlich lang und brutal ausgefallen sind. Demnach dürfte es möglich sein, dass THANATOMORPHOSE vom hiesigen Rechteinhaber vorab gestrafft wird, um eine KJ-Einstufung zu erhalten.
 
 
 


 
 
 

THANATOMORPHOSE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Contracted (2013)
 
Nekromantik (1987)
 
Die Fliege (1986)
 
Thinner – Der Fluch (1996)
 
Lizard – Die totale Mutation (1990)