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Filmkritik: „Bornless Ones“ (2016)

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BORNLESS ONES

Story

 
 
 

Nix mit Ruhe und Natur-Idylle. In einer Waldhütte sind die Teufel los. Fünf junge Menschen müssen es darin mit bösen Dämonen aufnehmen.

 
 
 


 
 
 

BORNLESS ONES – Kritik

 
 
 
Wenn sich ein kleines Studio am wohl kontroversesten Horror-Remake der letzten Jahre vergeht, dürfte das wohl nicht unbegründet für Aufsehen sorgen. So gibt es wohl kaum eine Neuverfilmung, die die Horrorfilmszene so stark polarisiert hat, wie das 2013 von FEDE ALVAREZ inszenierte Remake zum Kultklassiker EVIL DEAD. Dieses wurde von vielen Fans des Originals verteufelt, aber von ebenso vielen wohlwollend angenommen. Weil trotz Kassenerfolg aber bisher keine Fortsetzung nachgeschoben wurde, versucht nun das weniger bekannte Produktionsstudio BLACK DRONE MEDIA die Wartezeit bis zum möglichen Sequel zu verkürzen. Mit BORNLESS ONES hat man nämlich dort einen kleinen Schocker gedreht, den man auch gut und gern als weiteren Ableger der EVIL DEAD-Reihe bezeichnen könnte. Hier spult man alles noch einmal vor der Kamera ab, was die Neuinterpretation von 2013 ausgezeichnet hat. Das bedeutet: Gleiche Story, ähnlich visueller Stil und einige fiese Ekelmomente. Wer jetzt aber meint, dass beim dreisten Kopieren nur Blödsinn entstehen kann, wird schnell eines Besseren belehrt. Der aufgewärmte Horror-Cocktail funktioniert nämlich erstaunlich gut und dürfte Fans des Remakes schnell in seinen Bann ziehen. Da soll einer noch einmal behaupten mit wenig Budget lassen sich keine guten Horrorfilme inszenieren. BORNLESS ONES kann trotz wenig eigener Ideen bedeutend mehr, als der meiste unkreative B-Movie-Abschaum jüngeren Datums. Dafür sollte man Regisseur ALEXANDER BABAEV an dieser Stelle mal lobend die Hand schütteln. Mit Low-Budget-Horrorfilmen unterhalten kann scheinbar nicht jeder.
 
 
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BORNLESS ONES erzählt die bekannte Geschichte von einer Holzhütte und Dämonen. Das gemütliche Häuschen hat sich diesmal Emily (MARGARET JUDSON) für kleines Geld geangelt, die dort mit Bruder Zach (MICHAEL JOHNSTON) einzieht, um ihm ein besseres Leben bereiten zu können. Der sitzt seit einem furchtbaren Unfall im Rollstuhl, leidet an schwerer Zerebralparese und ist auf Pflege angewiesen. Doch die beiden sind nicht allein. Ehemann Jesse (DEVIN GOODSELL) zieht mit ein, um die beiden so gut es geht zu unterstützen. Um das Waldhaus auf Vordermann bringen zu können, packen auch Freunde mit an, die aber bald über den Kauf gar nicht mehr so erfreut sind, als man an Wänden religiöse Symbole entdeckt. Doch es kommt noch dicker. Der pflegebedürftige Zach scheint über Nacht geheilt und kann plötzlich wieder laufen und sprechen. Was anfänglich erfreut, hat aber einen Haken: die sieben Dämonen der Hölle sind in den Körper des jungen Mannes geschlüpft und wollen Schaden anrichten. Wie es weitergehen wird, dürften EVIL DEAD-Kenner wohl bereits erahnen. Nach und nach werden die Freunde zu willenlosen Marionetten dämonischer Kräfte. Die bemächtigen sich deren Körper und richten ein Blutbad an, weil sich die besessenen Kumpels selbst an die Gurgel gehen.
 
 
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Ein EVIL DEAD-Plagiat stimmungsvoll inszeniert. Man mag kaum glauben, dass Regisseur ALEXANDER BABAEV mit BORNLESS ONES den ersten Langfilm gedreht hat. Der bietet im Debüt stimmungsvolle Kameraeinstellungen, gespenstige Atmosphäre und handfeste Schocks, die man in solcher Form nicht einmal in Streifen alteingesessener Filmemachern zu sehen bekommt. Offenbar hat der Nachwuchsregisseur das EVIL DEAD-Remake akribisch studiert. Anders lassen sich die vielen Verweise nicht erklären, die hier mit viele Liebe zum Detail über die Mattscheibe flimmern. Selbst verfremdete Dämonenstimmen oder die grotesken Kontaktlinsen besessener Opfer wurden von der glattgebügelten TANZ DER TEUFEL-Neuauflage übernommen, so dass man ohne Zweifel behaupten kann, dass da wohl ein Fan des Streifens am Werk gewesen sein muss. Trotz technisch beeindruckender Hommage: Wer harten Splatter und ausufernde Gore-Exzesse erwartet, dürfte enttäuscht werden. BORNLESS ONES zieht einen Großteil seines Schreckens aus der schaurigen Stimmung, die durch schlecht ausgeleuchtete Kulissen entsteht. Dennoch gibt es etwas an Gewalt zu sehen, wobei das meiste aber wohl kaum der Rede sein dürfte. Die Kamera schwenkt oft schnell weg, Gewalttaten werden nur angedeutet oder Gemetzel im Off zelebriert. Das tut der Gruselstimmung aber keinen Abbruch, denn Kopfkino kann manchmal mehr Gänsehaut bereiten, als eimerweise Kunstblut.
 
 
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BORNLESS ONES – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein atmosphärisch beeindruckend in Szene gesetzter Dämonentanz. Was hier nach weiterem Splatter-Gewitter aus der Mache von FEDE ALVAREZ / SAM RAIMI anmutet, ist kein neuer EVIL DEAD-Teil, sondern eher ein Fanfilm mit anderem Titel. BORNLESS ONES klaut rigoros bei genanntem Kultklassiker – und das viel, dreist und häufig. Das Ergebnis kann sich aber sehen lassen, denn trotz unverschämten Ideenklaus überzeugt BORNLESS ONES durch talentierte Kameraarbeit sowie Gespür für Gänsehaut und Gruselstimmung. Wer sich bisher nicht an der von FEDE ALVAREZ inszenierten EVIL DEAD-Neuverfilmung sattsehen konnte, wird diesen Film lieben. BORNLESS ONES schaut visuell haargenau so aus wie der makellose Horror-Reboot von 2013 und hat zudem auch noch eine ähnliche Geschichte zu bieten. Morbide Horrorunterhaltung ist garantiert – und das sogar ohne CGI und Splatter-Reigen. Trotz Low-Budget-Produktion empfehlenswert. Das kann man nicht von jedem B-Movie behaupten.
 
 
 


 
 
 

BORNLESS ONES – Zensur

 
 
 
Natürlich gibt es auch in BORNLESS ONES grafische Gemeinheiten zu sehen. Ein spitzer Gegenstand wird in ein Auge gestochen, eine schwangere Protagonistin schneidet sich den Bauch auf und der Kiefer einer der Helden wird ausgekugelt und anschließend mit Bohrer und Schrauber wieder einsatzbereit gemacht. Das ist aber noch nicht alles – natürlich gibt es noch mehr Gewalt zu sehen. Weil im Film bewusst unheimliche Atmosphäre mit schlechter Ausleuchtung bewirkt wird, sieht man viele der Spezialeffekte aber nicht sonderlich detailliert. Hierzulande gibt es wohl dennoch eine ungeschnittene Freigabe für Erwachsene mit rotem FSK-Sticker.
 
 
 


 
 
 

BORNLESS ONES – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Black Drone Media | Uncork’d Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Evil Dead (2013)
 
Cabin of the Dead (2012)
 
ExitUs – Play it Backwards (2015)
 
Tanz der Teufel (1981)
 
Tanz der Teufel 2 (1987)
 
Night of the Demons (1988)


Filmkritik: „The Axe Murders of Villisca“ (2016)

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THE AXE MURDERS OF VILLISCA

Story

 
 
 
In einem Spukhaus werden drei Teenager mit der eigenen Vergangenheit und der des Hauses konfrontiert.

 
 
 


 
 
 

THE AXE MURDERS OF VILLISCA – Kritik

 
 
 
Und schon wieder ein Spukhausfilm. Diesmal handelt es sich aber um einen der besseren Vertreter seiner Art, was in Zeiten schnell gedrehter B-Movie-Gurken zwingend Erwähnung finden sollte. Seit so gotischer Grusel-Horror wie BIS DAS BLUT GEFRIERT oder DIE VERFLUCHTEN im Kino für Schrecken sorgten, hat sich das Genre der Haunted-House-Schocker zum lukrativen Geschäft entwickelt. Warum das so ist, lässt sich schnell erklären. Trotz Unbehagen und Schauer geht von den mysteriösen Gemäuern eine gewisse Faszination aus, der sich so schnell niemand entziehen kann. Das war früher schon so und ist auch heute nicht anders. Dennoch hat sich in jüngster Vergangenheit einiges verändert. Geschichten über gruselige Anwesen allein reichen nicht mehr aus. In einer Zeit wie der heutigen muss Kopfkino visualisiert und möglichst reißerisch auf die Leinwand gebracht werden. Dabei üben vor allem jene Gruselfilme besonderen Reiz auf den Zuschauer aus, wenn die Geschichten dahinter auf tatsächlichen Gegebenheiten beruhen. Das dürfte wohl auch den Erfolg der unzähligen Amityville-Filme erklären, die seit den 1970ern offensichtlich am Fließband produziert werden. Der Erfolg ist nicht unbegründet, gehört die wirklich in Amerika stehende Bretterbude zu den bekanntesten Spukhäusern der Welt, welche sich gerade wegen ihrer schaurigen Geschichte zu einem regelrechten Wallfahrtsort unter Horrorfans entwickelt hat.
 
 
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Nicht minder schaurig, aber dafür umso weniger bekannt: Das Axtmörder-Haus in Villisca/Iowa. Auch darin geschahen schreckliche Dinge, die bis heute nicht rekonstruiert werden konnten. Am Morgens des 10. Juni 1912 soll sich darin Furchtbares ereignet haben. Acht Menschen wurden im Haus mit einer Axt erschlagen – alle Fenster und Spiegel waren mit Tüchern und Decken bedeckt. Trotz akribischer Polizeiarbeit und vieler Recherchen konnten weder Täter oder Erklärungen gefunden werden. Doch offene Fragen sind nicht das eigentliche Mysterium. Weitaus markerschütternder sind die Dinge, die sich nach der Tat ereignet haben sollen. Laut Augenzeugenberichten lebt im Haus das Böse. Neue Hauseigentümer sprachen sogar von Spuk, weshalb das berüchtigte Anwesen mehrfach von Parapsychologen untersucht werden musste. Das sind Geschichten aus denen man Gruselfilme machen kann. Eine einleuchtende Tatsache, die sich wohl auch Regisseur TONY E. VALENZUELA zu Herzen nahm und daraus etwas Gruselfutter fürs Heimkino fabrizierte. Die tatsächlichen Ereignisse von 1912 mussten dafür nur als Alibifunktion herhalten, der Rest ist fiktiv. Egal, Hauptsache Gänsehaut!
 
 
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THE AXE MURDERS OF VILLISCA rückt drei Teenager in den Mittelpunkt. Die haben schon einiges im Leben erdulden müssen, was sie zu Außenseitern an der Schule macht. Vor allem für den attraktiven Caleb (ROBERT ADAMSON) soll damit jetzt Schluss sein. Der will die High School beenden und den Heimatort verlassen, um die Vergangenheit hinter sich lassen zu können. Bevor das neue Leben jedoch beginnen kann, soll der eigene Youtube-Kanal mit Futter versorgt werden. Caleb tourt nämlich mit Kumpel Denny durch die Gegend, um als Geisterjäger paranormalen Ereignissen mit der Kamera auf den Grund zu gehen. Die von allen gemobbte Jess (ALEX FRNKA) schließt sich den Freunden an. Gemeinsam hat man einen Rundgang durch das berüchtigte Axtmörderhaus von Villisca gebucht. Doch eine kurze Begehung reicht nicht aus. Die drei brechen am Abend in das Geisterhaus ein, um Spukmaterial auf Film bannen zu können. Was sie aber erleben ist die Lektion ihres Lebens. Einbruch ist eben kein Kavaliersdelikt.
 
 
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Wer bricht denn nachts freiwillig in Spukhäuser ein? Das können eigentlich nur dumme Teenager sein. In der Tat, sonderlich originell ist THE AXE MURDERS OF VILLISCA keineswegs. Trotzdem wachsen die an der Schule schikanierten (attraktiven) Hauptdarsteller schnell ans Herz. Das liegt wohl hauptsächlich daran, weil dieser Horrorthriller dann doch sehr konventionell gestrickt und fürs junge Publikum gefertigt wurde. THE AXE MURDERS OF VILLISCA beginnt mit dem üblichen Charakteraufbau, stellt seine Protagonisten vor und bringt sie wenig später in Gefahr. Dazu gesellen sich Spuk, Geister und Besessenheit, damit im tobenden Finale die Spezialeffekte aus der Gruselkrabbelkiste gekramt werden können. Klingt einfallslos – ist aber kurzweilig, weil der Streifen mit nicht mal 80 Minuten kaum Leerlauf und auch noch gute Jungdarsteller zu bieten hat. Leider sollte man aber keinen nächsten CONJURING oder AMITYVILLE HORROR erwarten. THE AXE MURDERS OF VILLISCA erweckt den Anschein von TV-Unterhaltung, die man seit einigen Jahren des Öfteren auf den privaten Sendern zu sehen bekommt. Ganz abwegig ist die Vermutung allerdings nicht. Regisseur TONY E. VALENZUELA hat nämlich zuvor reichliche Stoff fürs amerikanische TV gemacht – darunter Serien und Filme. Ebenso fernseherfahren: Die wenigen Darsteller im Film. Einige von denen hat man schon in Folgen von BONES, DEXTER und NAVY CIS gesehen.
 
 


 
 
 

THE AXE MURDERS OF VILLISCA – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Spuk und Geister gehen immer. Dieser Gruselschocker macht AMITYVILLE HORROR Konkurrenz. Der Grundplot zu THE AXE MURDERS OF VILLISCA beruht auf einem historischen Kriminalfall von 1912 und entpuppt sich unterm Strich als solide Horror-Unterhaltung, die an Fernsehfilme auf Sendern wie LIFETIME oder CHILLER erinnert. Das lässt schlimmes erahnen, ist aber unterm Strich ganz in Ordnung, weil Fernsehware mittlerweile immer öfter höheren Produktionsstandart besitzt, als so mancher Kinofilm. Trotz überraschungsarmer Handlung liefert Regisseur TONY E. VALENZUELA leichte Gruselunterhaltung ab, die ganz kurzweilig geraten ist. Schockmomente sind vorhanden, die Atmosphäre passt und die (TV-erfahrenen) Schauspieler können auch was. Fans von modernen Spukhausfilmen werden nicht enttäuscht werden. Wer beliebte Klassiker zum Vergleich heranzieht, dürfte definitiv Gänsehaut bekommen. In diesem Falle aber eher der Bedeutungslosigkeit wegen.
 
 
 


 
 
 

THE AXE MURDERS OF VILLISCA – Zensur

 
 
 
Es gibt ein paar Messerstiche zu sehen. Mit einer Axt wird zudem auf Menschen eingeschlagen. Wer hier aber Blut erwartet, wird enttäuscht werden. Die Kamera blendet nämlich weg. Sollte THE AXE MURDERS OF VILLISCA in Deutschland veröffentlicht werden, dürfte der Streifen eine FSK16 erhalten. Gruselfutter fürs junge Mainstream-Publikum.
 
 
 


 
 
 

THE AXE MURDERS OF VILLISCA – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Ketchum Labs | IFC Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
We Are Still Here (2015)

Demonic (2015)

Das Grauen (1980)

The Conjuring (2013)

Amityville Horror (1979)

Amityville Horror – Eine wahre Geschichte (2005)


Filmkritik: “ Incarnate“ (2016)

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INCARNATE

Story

 
 
 
Dr. Seth Ember (AARON ECKART) muss sich in INCARNATE seinen eigenen Dämonen stellen. Als Exorzist im Einsatz muss er erkennen, dass der neuste Patient einen Dämon beherbergt, der ihm kein Unbekannter ist.

 
 
 


 
 
 

INCARNATE – Kritik

 
 
 
Über 40 Jahre ist es nun bereits her, seit WILLIAM FRIEDKIN mit dem Okkult-Horror DER EXORZIST Millionen Kinogänger schockierte und damit nicht nur einen der größten Filmerfolge der frühen 1970er Jahre schuf. Die tricktechnisch beeindruckende Teufelsaustreibung gehört auch heute noch zu jenen verstörenden Filmen, die vor allem eines gut können: Angst beim Zuschauer verursachen. Deshalb nehmen sich auch vier Jahrzehnte später immer noch Filmemacher den Klassiker zum Vorbild, um mit ihren Filmen gleichen Schrecken bewirken zu können. Leider gelingt das nur den wenigsten von ihnen, weil eher plump kopiert wird, statt sich einen eigenen Kopf zu machen. Auch Regisseur BRAD PEYTON versucht mit seinem Horrorfilm INCARNATE auf der beliebten Exorzmus-Welle zu reiten. Der hat schon einschlägige Erfahrung mit Kino-Hits gemacht und zeichnet für Filme wie SAN ANDREAS oder CATS & DOGS 2 verantwortlich. Nach lautem Action-Blockbustern für Groß und Klein, folgt nun Erwachsenenunterhaltung. Dafür bedient sich Peyton ähnlichen Erfolgsmechanismen, die bereits das Kultwerk von WILLIAM FRIEDKIN so berüchtigt gemacht haben. Ob das aufgrund der meisterhaften Vorlage überhaupt gut gehen kann?
 
 
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Dr. Seth Ember (AARON ECKART aus dem Kinoflop I, FRANKENSTEIN) ist ein gebrochener Mann. Er hat bei einem Autounfall Frau und Kind verloren. Seither quälen ihn Selbstzweifel und Gewissensbisse, die den Alltag zur Hölle machen. Doch statt in Selbstmitleid zu verfallen, flüchtet sich der depressive Familienvater in die Arbeit. Er ist als Exorzist zum Wohle der Menschheit im Einsatz. Doch statt mit Bibel und Weihwasser Dämonen auszutreiben, kommen unkonventionelle Methoden zum Einsatz. Dämonenaustreiber Dr. Ember besitzt die Gabe in das Unterbewusstsein der Leidgeplagten vorzudringen. Einmal dort angekommen, bekämpft er finstere Mächte von innen heraus. Doch nicht jeder Dämonenparasit lässt sich so einfach in die Schranken weisen. So hat sich ein ganz heimtückischer Fiesling im Kopf des 11-jährigen Cameron (DAVID MAZOUZ aus THE DARKNESS und SANITARIUM) eingenistet, der bei genauer Betrachtung kein Unbekannter ist. Die ersten Austreibungsversuche verlaufen nicht nach Plan, denn dieser Dämon beherrscht die Gabe der Manipulation. Schnell wird klar, dass hier schärfere Geschütze ausgefahren werden müssen, denn das Wesen im Kopf des Jungen ist mit Kräften ausgestattet, die alles bisher Gesehene in den Schatten stellen.
 
 
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Hinter INCARNARE steckt eine leicht abgeänderte Version des Horrorklassikers DER EXORZIST. Die wurde mal wieder vom nicht gerade unbekannten Herrn Jason Blum mitproduziert, der schon allerhand kommerziellen Unfug (wie MARTYRS oder PLAY) für Hollywood fabriziert hat, um nimmersatte Mainstream-Zuschauer das Fürchten lehren zu können. Sonderlich furchteinflößend ist der hektisch zusammengeschnittene und konsequent durchgestylte INCARNATE jedoch nicht. Gänsehaut wird hier in erster Linie durch laute Schockmomente bewirkt, die in kommerziellen Horrorfilmen nun mal zum guten Ton gehören. Schlecht macht das diesen Horrorfilm aber nicht. Auch wenn INCARNATE weit weg ist von der Kreativität manch cleverer Indie-Produktionen, gehört dieser Okkult-Horror zu den besseren seiner Art. Drehbuchautor RONNIE CHRISTENSEN hat hier nicht nur wahllos Exorzisten-Klischees aneinandergereiht, um möglichst spektakuläre Spezialeffekte zeigen zu können. In dieser düsteren Dämonenaustreibung steckt weit mehr Hirn, als man es von Filmen der BLUMHOUSE PRODUCTIONS erwartet hätte. Der Film geht es überraschend psychologisch an, denn die Dämonen in diesem Horrorthriller verstecken sich hinter den Ängsten ihrer Opfer, die weit im Unterbewusstsein schlummern. Demzufolge fungiert Filmfigur Dr. Ember nicht nur als Exorzist und Dämonenaustreiber, sondern ist gleichzeitig auch Therapeut und Trostspender, der seine Patienten vom seelischen Ballast befreit. Der begibt sich in INCARNATE auf eine psychologische Reise durch den Geist eines kleinen Jungen, forscht nach Ursachen der Besessenheit und findet heraus, dass sein tapferer Patient unter der Trennung der Eltern zu leiden hat. Für den dämonischen Parasiten ein gefundenes Opfer. Der haust im Kopf des angeschlagenen Jungen, labt sich am Schmerz seines Wirtes und treibt ihn damit nur noch weiter in den Abgrund. Eine beunruhigende Diagnose.
 
 
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INCARNATE bläst frischen Wind in die Okkult-Ecke. Wer hier auf vom Teufel besessene Protagonisten hofft, die an Betten gefesselt werden und dabei vulgäres Zeug faseln, wartet vermutlich vergebens. INCARNATE macht vieles anders und vermutlich auch besser. Der etwas andere und erfrischende Umgang mit dem Thema Exorzismus verleiht dem längst eingerosteten Exorzismus-Genre neue Facetten und treibt den Spannungsaufbau voran, weil wegen der originellen Herangehensweise nervende Vorhersehbarkeiten ausbleiben. Bei einer so unkonventionellen Dämonenaustreibung schaut man doch gern über manch reißerische Effekthascherei hinweg, die vor allem im Finale etwas sehr aufdringlich zelebriert wird. Umso mehr sollte man Vorurteile ablegen und INCARNATE eine Chance geben. Auch wenn hinter dem Film eher kommerzielle Filmbuden wie BLUMHOUSE PRODUCTIONS und WWE STUDIOS stecken, hält der Thriller Abstand von hirnlose Stereotypen und Horror nach Schema F. Ungewöhnlich, clever und deshalb empfehlenswert.
 
 
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INCARNATE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
DER EXORZIST meets INCEPTION. Die etwas andere Psychotherapie. INCARNATE wurde bereits 2013 gedreht. Erst drei Jahre später erfolgte die amerikanische Kinoauswertung, was in den meisten Fällen nicht unbedingt Gutes bedeutet. Bei diesem Okkult-Horror kann aber Entwarnung gegeben werden. INCARNATE macht nämlich vieles richtig, wobei vor allem der interessante Umgang mit dem Thema Exorzismus Erwähnung finden sollte. Die üblichen Exorzisten-Klischees haben Sendepause. Es gibt hier weder Erbsenbrei spuckende Besessene zu sehen, noch werden mit Bibelversen und Weihwasser fiese Dämonen ausgetrieben. Das Böse wird mittels kurioser Psychotherapie in die Schranken gewiesen, was im Falle von INCARNATE originell umgesetzt wurde. Spannung ist da, Schocks fehlen nicht und blutige Schauwerte hat dieser Horrorthriller ebenfalls zu bieten. Was will das Horrorfilmherz mehr?
 
 
 


 
 
 

INCARNATE – Zensur

 
 
 
INCARNATE hat nicht viele Gewaltmomente zu bieten. Ein Arm wird auf unangenehme Weise gebrochen, ein Protagonist springt aus dem Fenster und landet unsanft auf dem Asphalt. Außerdem werden Gedärme aus einem Körper gezogen. Eine FSK16 ist sicher. Die Rechte des Films liegen hierzulande bei CONCORDE.
 
 
 


 
 
 

INCARNATE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Packshot und Grafiken liegen bei Concorde Filmverleih GmbH)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Exorzist (1973)
 
Exorzist II – Der Ketzer (1977)
 
Der Exorzismus von Emily Rose (2005)
 
Erlöse uns von dem Bösen (2014)
 
Besessen – Der Teufel in mir (2012)
 
Worry Dolls (2016)
 
The Cloth – Kampf mit dem Teufel (2013)
 


Filmkritik: „Ouija: Ursprung des Bösen“ (2016)

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OUIJA: URSPRUNG DES BÖSEN

(OUIJA: ORIGIN OF EVIL | OUIJA 2)

Story

 
 
 
Eine Familie spielt mit einer Macht, die sie nicht begreifen kann. Mittels Hexenbrett nimmt man Kontakt mit der Geisterwelt auf und gerät an Kreaturen, die keinen Spaß verstehen.

 
 
 


 
 
 

OUIJA: URSPRUNG DES BÖSEN – Kritik

 
 
 
Manchmal geschehen doch noch Wunder. Vor allem dann, wenn eigentlich unnötige Ableger mehr oder weniger erfolgreicher Horrorfilme gedreht werden, die dann zu aller Überraschung besser sind als das Original. So auch geschehen mit dem Horrorstreifen OUIJA: URSPRUNG DES BÖSEN, bei dem man nicht vermuten würde, dass es sich hier eigentlich um einen weiteren Teil des durchwachsenen Teenie-Gruselstreifens OUIJA handelt. Der wurde von UNIVERSAL PICTURES im Jahr 2014 ins Kino gebracht, um den von WARNER BROS zuvor in Auftrag gegebenen THE CONJURING und dessen überflüssiges Spin-Off ANNABELLE den Kampf ansagen zu können. Leider entwickelte sich OUIJA zum Volldebakel, da der Film nicht hielt, was die umfangreich geschalteten Werbemaßnahmen versprochen hatten. Statt schaurigem Gänsehautkino gab’s austauschbares Gruseleinerlei nach bekanntem Muster zu sehen, bei dem die Spannung mangels Neuerungen schon nach dem Vorspann mit der Lupe gesucht werden musste. Trotz verärgerter Kinogänger spielte OUIJA immerhin genug Dollars an den Kassen ein, um eine Fortsetzung anpeilen zu können. Weil nach den unzureichenden Qualitäten der Gruselgurke wohl niemand für den Nachfolger Geld ausgegeben hätte, entschlossen sich die Macher zu einem geradezu hinterlistigen Trick. Sie verzichteten auf die Zwei im Titel und tauften den Nachfolger um in OUIJA: URSPRUNG DES BÖSEN. Besser hätte man das Publikum nicht an der Nase herumführen können.
 
 
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Die Fortsetzung von OUIJA ist somit gar keine richtige Fortsetzung. OUIJA: URSPRUNG DES BÖSEN erzählt die Vorgeschichte zum Gruselflop und entführt den Zuschauer ins Amerika der 1960er Jahre. Irgendwo in einem idyllischen Vorort von Los Angeles rettet sich eine verwitwete Mutter mit ihren zwei Töchtern über die Runden. Damit der Lebensunterhalt bestritten werden kann, ist man in Sachen Scharlatanerie im Einsatz, um mit falschen Séancen trauernden Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Doch aus Taschenspielertricks wird bald Ernst. Nachdem ein Ouija-Brett angeschafft wurde, um den falschen Kontakt mit dem Jenseits glaubwürdiger erscheinen zu lassen, staunt man nicht schlecht, als sich plötzlich wirklich Geister auf die Botschaften melden. Vor allem die jüngere Tochter Doris findet schnell Gefallen am Draht zum Jenseits. Leider wird die Familie die Geister bald nicht mehr los, die sie gerufen hat. Unter den toten Plaudertaschen befinden sich nämlich auch einige Gestalten, die der Menschheit nichts Gutes wollen. So nehmen die Geschehnisse ihren Lauf und bescheren Zuschauern Gänsehaut – einiger fieser Spezialeffekte sei Dank.
 
 
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Ein Prequel, das den missratenen Vorgänger gekonnt ignoriert. Als hätte es ihn nie gegeben. OUIJA: URSPRUNG DES BÖSEN ist überraschend anders als der Film, der zwei Jahre zuvor das Publikum mit Langeweile gequält hat. Statt sich ausschließlich auf Effekthascherei zu konzentrieren, geht man dem Gruseln auf den Grund und versucht das Angsteinjagen auf altmodische Weise zu zelebrieren. Das bedeutet: mehr Atmosphäre und Stimmung, dafür weniger Krawall und Blut. Verantwortlich ist MIKE FLANAGAN. Der hatte bereits mit den sehenswerten Genrefilmen BEFORE I WAKE, HUSH und OCULUS bewiesen, dass er in Sachen Horror Wert auf Qualität legt. So ließ er sich für OUIJA: URSPRUNG DES BÖSEN unverkennbar von Filmen wie THE CONJURING und dessen unmittelbarer Fortsetzung inspirieren, die kommerziell gesehen – und weil die Welt schlecht ist – zu den erfolgreichsten Horrorfilmen gehören, die jemals gedreht wurden. Dass die OUIJA-Fortsetzung in ebenso atmosphärischem Retro-Setting daherkommt, wie die genannten Horror-Hits, legt die Vermutung nahe, dass da jemand im Produzentenauftrag nacheifern sollte. Glücklicherweise wenigstens nicht unbeholfen, denn Dank seiner tristen 60er-Jahre-Kulisse fühlt sich OUIJA: URSPRUNG DES BÖSEN gleich doppelt so schaurig an.
 
 
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Regisseur MIKE FLANAGAN erzählt hier eine stimmungsvolle Spukgeschichte, die gewöhnlich beginnt und im späteren Verlauf immer unheimlicher wird. Im Mittelpunkt steht die kleine Doris, die bald nicht mehr so unschuldig ist, wie sie auf den ersten Blick scheint. Geisterwesen schlüpfen in ihren Körper und richten kräftig Unheil an. Das passiert unter Einsatz von CGI, der aber nie zu aufdringlich wird. Ganz im Gegenteil. Das Effekte-Team spielt mit Morphing-Effekten, die das Gesicht der kleinen Hauptdarstellerin verzerren. Aufgrund verspielter Stilmittel wie Unschärfen und bewusst schlechter Ausleuchtung wirken die Entfremdungseffekte reichlich verstörend. Empfindsame Gemüter lassen demnach besser das Licht beim Schlafen an. Die tricktechnisch raffiniert animierten Grimassen des kleinen Mädchens folgen sicherlich bis in die Träume.
 
 
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Unterm Strich betrachtet ist OUIJA: URSPRUNG DES BÖSEN eine kleine Überraschung. MIKE FLANAGAN lässt viel Liebe zum Detail einfließen und überzeugt mit selbstbewusster Handschrift. Neben dem geschickten Spiel mit Licht und Schatten sind es vor allem visuelle Spielereien und Details, die die Gruselatmosphäre verstärken. So erinnern absichtlich verpatzte Schnitte und Filmrollenwechsel-Löcher im Bild an längst vergangene Zeiten, in denen man noch ins Kino gehen musste, um sich das Fürchten lehren zu lassen. Nur dort dürfte das OUIJA-Prequel ohnehin sein gesamtes Gruselpotenzial entfalten können, denn dieser Film ist dafür prädestiniert sich mit der schreckhaften Freundin zusammengekuschelt im Kinosessel auf Geisterjagd zu begeben.
 
 
 


 
 
 

OUIJA: URSPRUNG DES BÖSEN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Was für ein riesiges Gruseltheater um ein kleines, na ja, „Brettspiel“. OUIJA: URSPRUNG DES BÖSEN erzählt die Vorschichte zum Horrorfilm OUIJA, der 2014 erschien und leider enttäuschte. Wer jetzt aber meint, dass auch der zweite Teil mit Langeweile quält, irrt gewaltig. BEVOR I WAKE-Regisseur MIKE FLANAGAN hat all das aus dem Drehbuch gestrichen, was den Vorgänger so miserabel gemacht hat. So ist das Prequel im Gegensatz zur Schnarchtablette von 2014 eine deutliche Steigerung und Gruselfans uneingeschränkt zu empfehlen. Übrigens basieren beide Filme auf einem Okkultisten-Werkzeug, das als Brettspiel des Spielzeugherstellers HASBRO schon so einige Filmemacher beschäftigt hat. Der bekannteste Film zum Thema wurde in den 1980ern gedreht und dürfte sturmerprobten Horrorfilmkennern unter dem Titel WITCHBOARD – DIE HEXENFALLE bekannt sein. Auf der gleichen Welle reitet auch OUIJA: URSPRUNG DES BÖSEN, der ohne zu übertreiben sogar einen Tick besser ist, als der B-Horrorklassiker aus der Mache von KEVIN TENNY. Aber das ist auch kein Wunder, denn dem zweiten Teil von OUIJA stand weit mehr Budget zur Verfügung (neun Millionen US-Dollar) als Tenny seinerzeit für seinen Low-Budget-Grusler verbraten durfte.
 
 
 


 
 
 

OUIJA: URSPRUNG DES BÖSEN – Zensur

 
 
 
OUIJA: URSPRUNG DES BÖSEN (Originaltitel: OUIJA: ORIGIN OF EVIL) ist ein typischer Vertreter der Gattung Geisterfilm. Hier wird sich in erster Linie auf Stimmung und Atmosphäre konzentriert. Zeigefreudige Gewaltmomente sucht man vergebens. Ein Teenager wird aufgehängt, ein Mund zugenäht, ein Kind erstickt und einer Filmfigur wird eine Klinge in den Bauch gerammt. Außerdem gibt es noch ein paar Skelette zu sehen. Im Kino wurde OUIJA: URSPRUNG DES BÖSEN mit FSK16 aufgeführt. Diese Freigabe gilt ebenso für die Heimkinoveröffentlichung.
 
 
 


 
 
 

OUIJA: URSPRUNG DES BÖSEN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Universal Pictures Home Entertainment (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Ouija: Origin of Evil; USA 2016

Genre: Horror

Ton: Deutsch DTS 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Französisch DTS 5.1, Italienisch DTS 5.1, Spanisch DTS 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Arabisch, Dänisch, Finnisch, Französisch, Hindi, Isländisch, Italienisch, Niederländisch, Norwegisch, Portugiesisch, Schwedisch, Spanisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Kommentar mit Regisseur/ Co-Autor/ Cutter Mike Flanagan, Unveröffentlichte Szenen, Das Making-of von „Ouija – Ursprung des Bösen“

Release-Termin: 23.03.2017

 

Ouija – Ursprung des Bösen [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

OUIJA: URSPRUNG DES BÖSEN – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Universal Pictures Home Entertainment 2017)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Witchboard – Die Hexenfalle (1986)
 
Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel (2014)
 
Satanic (2016)
 
The Midnight Game (2013)
 
I am ZoZo (2012)
 
The Ouija Experiment (2011)
 
Witchboard 2 – Die Tür zur Hölle (1993)


Filmkritik: „The Remains“ (2016)

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THE REMAINS

Story

 
 
 

Eine Familie wird in ihrer neuen Bleibe von paranormalen Ereignissen gequält. Wetten hier spukt’s?


 
 
 


 
 
 

THE REMAINS – Kritik

 
 
 
Es gibt Genres innerhalb der Grenzen der Horrorfilmwelt, die wohl nie in Vergessenheit geraten werden. Besonders die Gattung der Spuk- und Geisterfilme will einfach nicht von der Bilderoberfläche verschwinden und erlebt Revival nach Revival – obwohl die meisten Werke dieser Art im Grunde genommen stets ähnlich gemustert konzipiert sind. Mittlerweile haben sich diese Streifen zu einer regelrechten Plage entwickelt, die gerade aufgrund der Erfolge von Film-Reihen wie THE CONJURING oder INSIDIOUS vor allem von kleinen Produktionsstudios in Auftrag gegeben werden. Die investieren meist nicht viel und hoffen auf maximalen Gewinn. Leider scheint die Rechnung oft aufzugehen. Anders lässt sich nicht erklären, warum der Videomarkt Jahre nach Hits wie THE AMITYVILLE HORROR oder POLTERGEIST immer noch regelmäßig von günstig gedrehtem Geisterquatsch geschändet wird. Auch der US-Reißer THE REMAINS orientiert sich beim Erschrecken an Klischees und Handlungsverläufen vieler bekannter Gruselfilme, die man in den letzten Jahrzehnten bis zum Erbrechen zu sehen bekommen hat. Ein altes Haus mit mysteriöser Vergangenheit macht den neuen Bewohnern das Leben schwer. Die Kinder sind empfänglich für die stattfindenden Spukaktivitäten und das Familienoberhaupt wittert flugs, dass die gesamte Familie in großer Gefahr schwebt. Vergleicht man THE REMAINS mit mindestens zehn weiteren aktuellen Spukfilmen, merkt man, dass sich die Geschichten der Hälfte dieser Streifen aufs Haar gleichen. Das kann mit Sicherheit kein Zufall sein.
 
 
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THE REMAINS zieht alle Register klassischen Spuks. Eine Familie hat hier ein viktorianisches Gebäude bezogen und hofft nach dem plötzlichen Tod der Mutter nur das Beste. Leider passieren bald merkwürdige Ereignisse. Türen fallen grundlos ins Schloss, seltsame Stimmen sind zu hören und plötzliches Chaos in der Wohnung wirft Fragen auf. Nein, an Spuk ist erstmal nicht zu denken, obwohl die Bewohner von schrecklichen Albträumen geplagt werden und in regelmäßigen Abständen schaurige Schatten durch die Wohnung wandeln sehen. Als man auf dem Dachboden Gegenstände aus dem letzten Jahrhundert entdeckt und ausmisten möchte, spitzt sich die Lage zu. Die Kinder werden krank und der Vater zieht schließlich in Betracht, dass mit der neuen Bleibe etwas nicht stimmt. Eine kurze Recherche im Internet gibt Aufschluss. Dieses Haus ist geprägt von seiner düsteren Vergangenheit, was nichts Gutes verheißt. Und so kommt, was kommen muss. Budenzauber wird entfacht und ein effektreiches Spukfinale soll knapp 90 Minuten vorhersehbare Langeweile ungeschehen machen. Leider vergebens.
 
 
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Eigentlich hat THE REMAINS all das, was ein Spuk -und Geisterfilm mitbringen sollte. Damit langweilt er leider auch schon wieder, weil sich der Streifen zu verkrampft am Gruselstandard orientiert und frische Ideen vermissen lässt. So macht Regisseur THOMAS DELLA BELLA den Fehler, dem Zuschauer bereits im Prolog die Spannung zu rauben. Während einer unachtsamen Geisterbeschwörung dringen böse Mächte in die Welt der Lebenden ein und haben sich in genau dem Haus manifestiert, das in THE REMAINS den Ort des unheimlichen Geschehens abgibt. Angesichts der Tatsache, dass das so in fast jedem Film dieser Art der Fall ist, besteht Verwechslungsgefahr. Nein, dieser Gruselschnarcher besitzt weder Eigenständigkeit noch Höhepunkte. Das einzige, was in Erinnerung bleibt, sind die fiesen Schockmomente. Hier waren die Tontechniker äußerst hinterlistig und haben die akustische Untermauerung der Schrecksequenzen besondern laut abgemischt. Dafür schmoren sie hoffentlich in der Hölle, denn die laute Abmischung reisst nicht nur einmal unsanft aus dem Tiefschlaf und sorgt so für Augenringe. Letztendlich ist THE REMAINS ein Gruselfilm der beliebigen Sorte. Das ist aufgrund der technischen Ausstattung ziemlich bedauerlich. Der Geisterfilm sieht alles andere als kostengünstig aus und verfügt zudem über manche atmosphärische Szene. Übrigens hat Regisseur THOMAS DELLA BELLA bereits an einigen Horrorproduktionen mitgewirkt. So war er als Produktionsassistent an THE DARKNESS beteiligt. Dabei handelt es sich um einem Film aus den kommerziell gar nicht mal so unerfolgreichen Blumhouse-Studios von Jason Blum – dem sogenannten Boxoffice-Guru Hollywoods. Besser hätte er sich von dem einige Tipps eingeholt. Dann wäre aus THE RAMAINS zumindest ein Film mit hohem Unterhaltungswert geworden.
 
 
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THE REMAINS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein neuer THE AMITYVILLE HORROR? Nein, bloß irgendein anderer austauschbarer Film, über den morgen niemand mehr sprechen wird. Hier gilt: Kennste andere, kennste auch diesen. Wer schon einige Spuk- und Geisterfilme über alte Häuser gesehen hat, in denen es nicht mit rechten Dingen zugeht, dürfte die Handlung von THE REMAINS bereits kennen, ohne den Streifen überhaupt gesehen zu haben. Der Film bietet nämlich nichts Neues und klappert ganz belanglos die gängigen Klischees dieser Rubrik ab. An Überraschungen oder gar Neuerungen mangelt es und Schocks werden gezielt mit lauten Soundeinspielungen bewirkt. Das macht THE REMAINS austauschbar und langweilig, weil die meisten Handlungsverläufe vorhersehbar sind. Unterm Strich bleibt nichts, was Erwähnung finden könnte. Außer vielleicht die Tatsache, dass man Lebenszeit auch auf anderem Wege verschwenden kann als die gefühlt tausendste Kopie anzusehen.
 
 
 


 
 
 

THE REMAINS – Zensur

 
 
 
Gewalt gibt es hier eigentlich kaum zu sehen. Die hätte man von einem Spuk- und Geisterfilm wohl auch nicht erwartet. Der Vater schlägt in einer Vision mit einem Gegenstand auf ein schlafendes Familienmitglied ein bis der Kopf blutet. Am Ende bekommt er von seinen besessenen Kindern selbst eine Tracht Prügel. THE REMAINS hat ohne Probleme eine FSK16 erhalten. Wegen Bonusmaterial (Trailershow) ist auf der erhältlichen Scheibe aber ein roter FSK-Flatschen zu sehen.
 
 
 


 
 
 

THE REMAINS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (Blu-ray KeepCase-Version)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Remains; USA 2016

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 92 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | wegen Bonusmaterial Blu-ray: Keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 25.11.2016

 

The Remains [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE REMAINS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Amityville Horror (1979)

Haunt – Das Böse erwacht (2013)

The Conjuring (2013)

The Dead Room (2015)

Das Haus der Dämonen (USA 2009)

Amityville Horror – Eine wahre Geschichte (2005)


Filmkritik: „Paranormal Drive“ (2016)

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PARANORMAL DRIVE

(MARSHRUT POSTROEN)

Story

 
 
 

Psychothriller oder Geisterdrama? Niemand weiß es so genau. In PARANORMAL DRIVE stimmt was nicht mit dem neu gekauften BMW eines Ehepaares. In dem Wagen spielen sich plötzlich ganz seltsame Dinge ab.

 
 
 


 
 
 

PARANORMAL DRIVE – Kritik

 
 
 
Böse Autos, die mordend über Landstraßen fegen, gibt es im Horror-Genre immer wieder mal zu sehen. Der wohl bekannteste Film dieser Art dürfte die von JOHN CARPENTER inszenierte Stephen-King-Verfilmung CHRISTINE gewesen sein, in der ein gut polierter Oldtimer ein blutiges Eigenleben führt. Doch es geht noch weiter. Nach thematisch ähnlich gelagerten Streifen wie WRECKER, BLOOD CAR, HYBRID oder dem sehr speziellen Tschechoslowaken DER AUTOVAMPIR erweitert nun ausgerechnet Russland die faszinierende Riege unberechenbarer Killerautos im Film um einen weiteren Kandidaten. Der wurde im eigenen Land unter dem Titel MARSHRUT POSTROEN ins Multiplex gebracht und verschlang eine Million Russische Rubel an Produktionsbudget. Zieht man das Einspielergebnis zum Vergleich heran, kann MARSHRUT POSTROEN dann doch schon als finanzieller Erfolg bezeichnet werden. 58 Millionen Russische Rubel Gewinn erzielte der Streifen allein im Entstehungsland. Eine beachtliches Ergebnis, von dem manches Filmstudio in Hollywood nur träumen kann. Garantieren viele Kinogänger auch gleichzeitig einen guten Horrorfilm? Im Falle von PARANORMAL DRIVE (so der ebenso sympathische wie einfallsreiche internationale Titel) dürfte der eine oder andere russische Gruselfan enttäuscht das Kino verlassen haben. Der Grund liegt mal wieder an der Unentschlossenheit der Macher. OLEG ASSADULIN hatte sich vor einiger Zeit schon einmal im Horrorgenre ausprobiert. PHOBOS nannte sich der etwas holprig inszenierte Mysteryt-Triller in dem sich sieben Freunde versehentlich selbst in einem geheimnisvollen Bunker eingeschlossen hatten. Holprig und unüberlegt geht es auch im aktuellen Werk zu. Hier sind nicht die Schauspieler das Problem, sondern das Drehbuch. Die Handlung passt auf einen Bierdeckel, wurde aber mit Effekten und JumpScares auf Spielfilmlänge aufgeblasen. Nur Spuk- und Geisterfans mit Liebe für oberflächliche Schocks könnte das gefallen. Wer’s gut überlegt und atmosphärisch aufgebaut braucht, kommt hier leider zu kurz.
 
 
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Eigentlich will sich das Paar Andrey und Olga (scheinbar gibt es in Russland nur diesen einen Frauennamen) bloß den Wunsch vom neuen Auto erfüllen. Dass der Gatte beim Autohändler mit dem neuen Fahrzeug ein richtiges Schnäppchen macht, kommt natürlich gelegen, denn man will verreisen und benötigt jeden Rubel. Doch das neue Auto bereitet technische Probleme. Erst ist es ein elektrischer Schlag am Lautstärkeregler des Radios. Später kommen ominöse Geräusche und plötzlicher Benzinverlust dazu. Leider treten bald Zweifel auf, ob der Autokauf doch nicht zu übereilt abgeschlossen wurde. Hinzu kommt, dass sich das Paar in einer Ehekrise befindet und man in Erwähnung zieht, nicht doch die Scheidung einzureichen. So kommt, was unweigerlich kommen muss. Die Fahrt zum Flughafen wird zum blanken Horror. Etwas Böses scheint das Steuer übernommen zu haben und will die Beziehung der beiden auseinandertreiben. Was Andrey und Olga nicht wissen: Der Vorbesitzer des Fahrzeugs hat nach einem Ehekrach die Liebste ermordet und deren Einzelteile im Kofferraum durch die Gegend kutschiert. Da liegt der Verdacht nahe, dass es sich der Geist der Ermordeten auf dem Rücksitz gemütlich gemacht hat.
 
 
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Entscheiden Sie sich jetzt. Was Regisseur und Drehbuchautor OLEG ASSADULIN mit PARANORMAL DRIVE abliefert, ist weder Fisch noch Fleisch. Der Gute scheint sich irgendwie nicht so recht schlüssig darüber gewesen zu sein, was er denn nun für einen Film drehen wollte. Was anfänglich einen Geisterstreifen vermuten lässt, verwandelt sich in den letzten zehn Minuten zum Psychothriller. Da werden plötzlich Themen wie Schizophrenie und Wahnsinn gestreift und lassen den bis dato akribisch auf Spuk getrimmten Horrorfilm löchrig und vor allem unplausibel erscheinen. Seit dem Erfolg des Mystery-Thrillers THE SIXTH SENSE gehören unerwartete Filmauflösungen in Horrorstreifen wieder zum guten Ton. Das ist auch gut so, insofern Filmwendungen Hand und Fuß haben. Im Falle des russischen PARANORMAL DRIVE ist das leider nicht so, denn der plötzliche Twist verwirrt unnötig und wirft mehr Fragen auf, als dass er Antworten geben kann. Demzufolge sollte man doch besser einige Kilometer weiter gen Osten schauen. Dort liegt nämlich jenes Land von dem sich der russische Geister-Psycho-was-auch-immer-Streifen hat inspirieren lassen: Japan. Da werden zwar Geisterfilme en masse produziert – tragen aber dann auch wirklich das Prädikat: unheimlich. Meistens. Davon ist PARANORMAL DRIVE leider weit entfernt. Gruselig sind hier nur die ständigen Streitereien zweier Eheleute, deren Beziehung schon bessere Tage erlebt hat. Kann man aber auch günstiger haben. Einfach mal das Ohr an die Wohnungstür des Nachbars halten und aufmerksam lauschen. Spätestens dann ist man garantiert mittendrin statt nur dabei.
 
 
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PARANORMAL DRIVE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Wenn die Fahrt zum Flughafen mit dem neuen Auto zum Albtraum wird. PARANORMAL DRIVE ist genauso einfallslos, wie die enervierend plumpe Titelkreation für den internationalen Filmmarkt. PARANORMAL DRIVE heißt im russischen Original eigentlich MARSHRUT POSTROEN. Weil das aber keiner versteht, musste etwas Auffälligeres her. „Paranormal“ heißt das Zauberwort, mit dem sich sichere Umsätze generieren lassen, denn seit PARANORMAL ACTIVITY vor fast zehn Jahren Traumsummen an den Kinokassen erwirtschaftete, geht in der Horrorwelt ohne als paranormal verkaufte Phänomene offensichtlich nur noch wenig. Leider verbirgt sich hinter PARANORMAL DRIVE eine Mogelpackung. Der Film beginnt wie jeder 08/15-Spukhausfilm, nur mit dem Unterschied, dass sich unerklärliche Ereignisse diesmal in einem Auto abspielen. Leider schlägt der Streifen in den letzten Filmminuten eine ganz andere Richtung ein und sorgt so für unangenehme Verwirrung. Nur Regisseur und Drehbuchautor OLEG ASSADULIN allein weiß, warum Protagonisten im Film handeln, wie sie handeln. Da funktionieren plötzlich Bremsen nicht mehr, ist Benzin aus unerklärlichen Gründen knapp und Fahrer schlafen am Steuer ein, fahren aber trotzdem weiter. Normalsterbliche Reisende hätten da wohl gleich den ADAC-Pannennotdienst gerufen oder ein Nickerchen am Rastplatz gemacht. Nicht in PARANORMAL DRIVE. Hier werden mysteriöse Ereignisse von genervten Eheleuten weggestritten. Was für ein Blödsinn.
 
 
 


 
 
 

PARANORMAL DRIVE – Zensur

 
 
 
PARANORMAL DRIVE bzw. MARSHRUT POSTROEN – wie er in Russland vermarktet wird – ist ziemlich harmlos. Es gibt Dutzende plakativ eingesetzte Schockmomente zu sehen. Die Grausamkeiten reduzieren sich auf eine Nagelschere, die einem Protagonisten in den Hals gerammt wird. Zudem wird einer Verkäuferin in den Kopf geschossen und die Heldin verletzt sich am Finger. PARANORMAL DRIVE ist ein sicherer FSK16-Kandidat.
 
 
 


 
 
 

PARANORMAL DRIVE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Christine (1983)
 
Hybrid 3D (2010)
 
The Car – Der Teufel auf Rädern (1977)
 
Der Autovampir (1981)
 
Blood Car (2007)


Filmkritik: „Worry Dolls“ (2016)

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WORRY DOLLS

Story

 
 
 

Schwarze Magie und gruselige Talismane führen selten zu etwas Gutem. Auch hier nicht. Ihre Besitzer scheinen von Sinnen und töten alles und jeden. Ob es einen Weg geben wird, diese tickenden Zeitbomben zu vernichten?

 
 
 


 
 
 

WORRY DOLLS – Kritik

 
 
 
2012 war ein großes Jahr für Regisseur PADRAIG REYNOLDS. Er erntete mit seinem Horror-Debüt RITES OF SPRING viel Aufmerksamkeit und konnte genug Interessenten für die internationale Vermarktung finden. Mittlerweile ist es etwas ruhiger um den auf Festivals gefeierten Filmemacher geworden. Offensichtlich hat er sich ausreichend Zeit genommen, den nächsten Streich vorzubereiten. Der ist nun fertig, heißt WORRY DOLLS und kombiniert ebenso wie der Vorgängerstreifen diverse Subgenres miteinander – auch wenn diesmal das Resultat weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Da kann man nur hoffen, dass der Backwoods-Slasher RITES OF SPRING keine Eintagsfliege gewesen ist. WORRY DOOLS hat weitaus mehr gekostet – inhaltlich herrscht jedoch das reinste Durcheinander. Hier mangelt es an allem – vor allem aber an Spannung. Demzufolge ist der neue Film nur was für Ausgeschlafene, denn der Regisseur macht es dem Horrorfan nicht leicht, seinem zähen Flickwerk zu folgen.
 
 
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Böse Puppen, gute Puppen. In WORRY DOLLS sind es die Erstgenannten, die zu Handlanger des Teufels umfunktioniert werden. Voodoo-Puppen sorgen in diesem Horrorfilm für Tod und Verderben, weil auf den geflochtenen Anhängern ein böser Fluch lastet. Eine Spur der Verwüstung ist die Folge. Im Mittelpunkt steht Polizist Matt (CHRISTOPHER WIEHL). Der bringt den kaltblütigen Serienkiller Henry Leonard Bale (MATTY FERRARO aus RED CLOVER) zur Strecke, der zuvor mit Voodoo-Puppen gespielt hat. Die hat er akkurat in eine Kiste verstaut und läuft anschließend dem Gesetzeshüter versehentlich vors Schießeisen. Leider scheint man es in WORRY DOLLS nicht sonderlich ernst mit Beweismitteln zu nehmen. Die geheimnisvolle Kiste mit all den darin enthaltenen Puppen findet einen neuen Besitzer. Der, beziehungsweise die ist acht Jahre alt und die Tochter jenes Polizisten, der das Böse wenige Tage zuvor in die Schranken gewiesen hat. Leider geht es der neuen Eigentümerin bald gar nicht mehr gut. Sie verschönert die erhaltenen Anhänger mit Perlen und Strass, um sie anschließend an höchstbietende Interessenten zu verkaufen. Doch der Fluch der Puppen nimmt bald Besitz von jedem, der eine davon sein Eigen nennt. Die Besessenen verwandeln sich in unaufhaltsame Killermaschinen und ermorden kaltblütig Menschen, die ihnen nahe standen. Wird Cop Matt den Fluch stoppen und die kleine Tochter retten können?
 
 
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Manchmal kann es zum Nachteil sein, wenn man zu eifrig mit Genres experimentiert. Im Falle des Horrorthrillers WORRY DOLLS sorgt die Flut an unterschiedlichen Filmrichtungen für Chaos. Der kunterbunte Schubladen-Mix möchte irgendwie nicht funktionieren. Regisseur PADRAIG REYNOLDS war wohl um Einzigartigkeit bemüht und warf Voodoo-Horror, Besessenheits-Grusel, Slasher-Film und Cop-Thriller in einen Topf. Entstanden ist trotz einer stattlichen Anzahl an Ideen eine regelrechte Schlaftablette, die ihre Potenziale nicht ausschöpft, weil der Macher nichts mit den Stilrichtungen anzufangen wusste. Dabei werden bereits im Prolog große Töne gespuckt. Hier erlebt der Streifen bereits seinen Höhepunkt, wenn der Serienkiller blutig zur Tat schreitet. Mit einem Abbruchhammer durchbohrt er den Schädel seines Opfers. Die Kamera hält drauf und ersäuft die Szene in Blut – Gorehounds wird’s freuen. Leider kann WORRY DOLLS diese Schockwirkung nicht wiederholen. Nach dem zugegebenermaßen derben Beginn verliert der Film seinen roten Faden. Zu wenig Kills, dabei unwichtige Szenen und belanglose Dialoge, die den Zuseher quälen bis zum Abspann. Dazwischen konfuse Handlungsstränge, allerhand Unlogisches und einen der wohl lahmarschigsten Polizisten der Filmgeschichte. Der verpasst um Haaresbreite jeden Mord und hätte mit weitaus mehr Elan manches Verbrechen im Film verhindern können.
 
 
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Immerhin gibt sich Regisseur PADRAIG REYNOLDS als waschechter Slasher-Fan zu erkennen. In einer Filmszene wird eine Frau mit einer Heckenschere bearbeitet. Während dieser Szene gibt es eine Einstellung zu sehen, die dem Poster des 80er Kult-Slashers THE BURNING nachempfunden wurde. Die gut gemeinte Hommage freut zwar das Horrorfanherz, ändert aber nichts an der Tatsache, dass WORRY DOLLS trotz Liebe zum Horrorfilm eine einzige Enttäuschung ist. Tempo wird schmerzlich vermisst und die Geschehnisse dümpeln zwischen den wenigen Morden vor sich hin. Demzufolge sollte man trotz des reißerisch zusammengeschnippelten Trailers nicht zu viel erwarten. Der ist bei weitem besser, als der eigentliche Film. Aus einer Mücke ’nen Elefanten machen – zumindest marketingtechnisch ist WORRY DOLLS Königsklasse.
 
 
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WORRY DOLLS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Viel Theater um eigentlich nichts. WORRY DOLLS ist ein blutiger Genre-Mix, der sein ganzes Pulver in den ersten zehn Minuten verschießt und danach eine katastrophale Talfahrt hinlegt. Hier herrscht größtenteils Langeweile, weil der Slasher-Fan PADRAIG REYNOLDS viel Neues erzählen wollte, aber mit dem Mix der Horror-Subgenres überfordert ist. Selbstverständlich klingt die Idee Voodoo-, Slasher- und Besessenheits-Thematik miteinander zu vereinen, interessant; die Umsetzung gestaltet sich unterm Strich jedoch alles andere als prächtig. Der Grund: spannende Momente bleiben aus und die blutige Richtung, die zu Beginn eingeschlagen wird, kann leider nicht die gesamte Filmlänge über gehalten werden. Das frustriert, weil der Filmtrailer mehr versprochen hat. Wer sich demzufolge viel Zeit sparen möchte und dennoch mitreden will, sollte es demnach bei diesem Trailer belassen. Der fasst die besten Szenen zusammen und ist gerade einmal zwei Minuten lang. Eine richtige Enttäuschung.
 
 
 


 
 
 

WORRY DOLLS – Zensur

 
 
 
Hart beginnt WORRY DOLLS tatsächlich, denn hier wird ein Bohrer in den Kopf einer Frau gerammt und die Kamera hält reißerisch drauf. Das dürfte wohl auch der einzige Grund sein, weshalb der Film in Deutschland Probleme bekommen könnte. Mit viel Glück ist aber auch eine ungeschnittene Freigabe ab 18 Jahren denkbar, denn die (wenigen) übrigen Morde sind zwar nicht von schlechten Eltern, aber nur halb so hart anzuschauen, wie der Kill in den ersten 10 Minuten. Mal abwarten, was die FSK sagt.
 
 
 


 
 
 

WORRY DOLLS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für das Filmplakat liegen bei Tom Hodge – für Grafiken bei Studiocanal)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Venom – Biss der Teufelsschlangen (2005)

Possession – Das Dunkle in dir (2012)

Needle – Deinem Schicksal entkommst du nicht (2010)


Filmkritik: „February“ (2015)

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FEBRUARY

THE BLACKCOAT’S DAUGHTER

Story

 
 
 

Zwei Schülerinnen müssen die Winterferien im Mädcheninternat verbringen und erleben dort den blanken Horror.

 
 
 


 
 
 

FEBRUARY – Kritik

 
 
 
Wenn namhafte Schauspieler aus Hollywood in einer eher unauffälligen und kleinen Genreproduktion mitwirken, muss wohl was Großes dahinterstecken. Im Falle des folgenden Mystery-Thrillers ist es der Regisseur selbst, der vermutlich der überzeugende Grund gewesen sein wird, dass Jungstars vom Kaliber EMMA ROBERTS oder KIERNAN SHIPKA mitmachen wollten. Der Sohn des legendären ANTHONY PERKINS (der echte Norman Bates aus PSYCHO und dessen Fortsetzungen) zeichnet verantwortlich und probiert sich nach Schauspielerei und Drehbuchschreiberei (u.a. THE GIRL IN THE PHOTOGRAPHS) nun auch noch als Aufnahmechef aus. FEBRUARY (der in Amerika als THE BLACK COAT’S DAUGHTER vermarktet wird) nennt sich sein erster Spielfilm, der natürlich gerade wegen der berühmten Wurzeln des Regisseurs von Horrorfans und Kritikern akribischer durchleuchtet werden wird, als es bei anderen Nachwuchsregisseuren der Fall ist. Darin wird der Zuschauer in verschneite Winterlandschaften entführt, die schon bei Filmen wie SHINING, THE THING oder dem schwedischen SO FINSTER DIE NACHT zum Erfolg beigetragen haben. Ob das OSGOOD PERKINS auch mit seinem Regiedebüt gelingen wird?
 
 
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FEBRUARY erzählt die Geschichte der 16-jährigen Kathie (KIERNAN SHIPKA) und der etwas älteren Rose (LUCY BOYNTON), die am renommierten kanadischen Bramford Internat unterrichtet werden. Zu Beginn der Winterferien passiert Sonderbares. Weil die beiden Mädchen von Niemandem abgeholt werden, der sie nach Hause bringt, müssen die Schülerinnen weiterhin im Internat verweilen. Für Rose kein Problem. Die hat nun genug Zeit, um sich heimlich mit ihrem Freund zu verabreden. Doch des einen Freud ist des anderen Leid. Die introvertierte Kathie findet die Warterei in dem menschenleeren Gebäude alles andere als erfreulich. Sie hat gar schauriges Zeug über die Schule erfahren und scheint der festen Überzeugung, dass darin das Böse haust. Offensichtlich hat sie damit auch recht, denn schon bald scheinen der Schülerin bösartige Mächte auf Schritt und Tritt zu folgen. Hirngespinste oder Realität? Die Antwort darauf wird hier nicht verraten. Währenddessen hat die verwirrte Joan (EMMA ROBERTS) andere Probleme. Sie hockt leicht bekleidet am Bahnhof und wartet in frostiger Kälte auf einen Zug nach Bramford. Gott sei Dank hat ein älteres Ehepaar Mitleid und sorgt sich um das Wohl der orientierungslosen Frau. Die älteren Herrschaften nehmen die Reisende mit dem Auto mit, ohne zu ahnen, welch schwerwiegende Folgen die selbstlose Tat für alle Beteiligten haben wird.
 
 
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Intelligenter Angstmacher mit Tiefgang. Vollste Konzentration ist geboten, denn die Geschehnisse in FEBRUARY werden nicht chronologisch erzählt. Parallel zur Haupthandlung verläuft ein zweiter Erzählstrang. Dieser scheint anfangs nicht sonderlich aufschlussreich zu sein, wird aber am Ende mit der eigentlichen Geschichte verwoben. Regisseur OSGOOD PERKINS hat die Handlung seines ersten Spielfilms betont verschachtelt aufgebaut und springt zwischen Zeitebenen und Erzählsträngen hin und her. Dabei hält er sich bedeckt mit Informationen, damit die Spannung bis zum Exzess hinausgezögert werden kann. Erst nach und nach ergeben die Ereignisse im Film einen Sinn. Das erfordert Aufmerksamkeit, damit nicht der rote Faden verloren geht. Leider dürfte dieser anspruchsvoll-verwirrende Erzählstil nicht jedermanns Sache sein. FEBRUARY richtet sich mit seiner sprunghaften, langsamen und minimalistischen Inszenierung an ein mitdenkendes Publikum, dem ein kluger Aufbau des Grauens wichtiger ist, als literweise Kunstblut und Putzkübel voller Innereien auf der Windschutzscheibe. Das gelingt im Falle von FEBRUARY ganz gut, denn mit einfach Mitteln wird eine immer präsenter werdende Aura des Bösen aufgebaut, die den Zuschauer deutlich zu verstehen gibt, dass in diesem Film etwas gar Schreckliches passieren wird. So sorgen bewusst schlecht ausgeleuchtete Räume, klassische Inszenierung eines Licht-und-Schatten-Spiels sowie bedrohliches, David Lynchianisches Bassgrummeln für ein mulmiges Gefühl im Zuschauerbäuchlein. Lang bleibt unklar, wohin die Reise überhaupt führen wird. Sie kulminiert in einem wirklich expliziten Finale. In dem geht es nicht gerade zimperlich zu. Angesichts der zuvor eher subtil aufgebauten Gruselatmosphäre sind die unerwartet deftigen Gewaltmomente am Ende dann doch ein Tritt in die Magengegend. Zartbesaitete Gemüter wird das mit Sicherheit verstören. Für Hardcore-Horrorfans ist dieser geleistete Blutzoll aber nicht ausreichend.
 
 
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FEBRUARY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Schauriger Winter-Horror mit unerwartet derbem Ausgang, der durch seine unheilvolle Atmosphäre ein permanent ungutes Gefühl im Unterbewusstsein verursacht. Das Sprichwort „Wie der Vater, so der Sohn“ ist hier Programm, denn Regisseur OSGOOD PERKINS tut es seinem berühmten Vater ANTHONY PERKINS gleich. Nach langjähriger Arbeit als Schauspieler nahm er nun auch mal auf dem Regiestuhl Platz und probierte sich – wie schon einst der Vater mit PSYCHO III – selbst im filmischen Angstmachen aus. Der erste Ausflug ins Horrorfach kann sich sehen lassen – sein Debüt FEBRUARY überzeugt durch einen intelligenten Erzählaufbau, der konventionell zusammengezimmerten Horrorfilmen selbstbewusst den Stinkefinger zeigt. Horror mit Kopf wird geboten, in dem eine stetig wachsende Stimmung des Unheils heraufbeschworen wird und den Zuschauer am Ende da packt, wo es am meisten wehtut. FEBRUARY ist Arthouse-Horror mit Tiefgang, den man wohl mehrmals sehen muss, um ihn genauer erforschen zu können. Visuell und akustisch wird einiges geboten, was definitiv neugierig auf das macht, was Drehbuchautor und Regisseur OSGOOD PERKINS in Zukunft noch für Horrorfans auf die Leinwand bringen wird. Eigensinnig aber sehenswert – insofern man guten Horror nicht am graphischen Härtegrad eines Film festmacht.
 
 
 


 
 
 

FEBRUARY – Zensur

 
 
 
Eigentlich hält sich FEBRUARY in Sachen Gewalt zurück, denn der Horror ist subtiler Natur. Erst gegen Ende wird es deftig. Da werden Messer in Körper gerammt und Menschen enthauptet. Angesichts des eher zurückhaltenden Einsatzes von Gewalt ist das Massaker am Ende doch schon sehr hart anzuschauen. Hierzulande dürfte es wohl dafür einen roten KJ-Flatschen geben. Insofern die FSK einen guten Tag haben sollte, könnte FEBRUARY aber auch mit einer FSK16 durchkommen.
 
 
 


 
 
 

FEBRUARY – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Besessen – Der Teufel in Mir (2012)

Ava’s Possessions (2015)

Goddess of Love (2015)

Anguish (2015)

The Atticus Institute (2015)

The Devil’s Hand (2014)


Filmkritik: „Ava’s Possessions“ (2015)

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AVA’S POSSESSIONS

Story

 
 
 

Die attraktive Ava (LOUISA KRAUSE) war 28 Tage von einem Dämon besessen. Nach einer geglückten Teufelsaustreibung versucht sie nun wieder einem geregelten Leben nachzugehen. Leider plagen sie einige Erinnerungslücken, denn die junge Frau weiß nicht, was sie während der Zeit ihrer Besessenheit getrieben hat.

 
 
 


 
 
 

AVA’S POSSESSIONS – Kritik

 
 
 
Schon wieder ein Film über eine besessene Frau, die von einem Dämonen besessen ist und der das Böse mittels Exorzismus ausgetrieben werden soll? Seit DER EXORZIST im Kino gewütet und praktisch Generationen von Horrorfans um den Schlaf gebracht hat, ist Besessenheit in Kombination mit ihrer Austreibung ein beliebtes Sujet, dem sich vor allem die Filmemacher widmen, denen partout nichts Neues einfallen will. Der obligatorische Exorzisten-Fahrplan ist Schuld, dass man sich trotz stattlicher Anzahl an Plagiaten bisher nur an wenige dieser Filme erinnern kann. So werden die meist weiblichen Protagonisten dabei begleitet, wie sie erst von einer bösartigen Macht heimgesucht und anschließend zu willenlosen Marionetten umfunktioniert werden. Weil meist ein Dämon oder gleich der Teufel selbst für unanständiges Benehmen verantwortlich gemacht wird, kann der Übeltäter nur durch einen Exorzismus unschädlich gemacht werden – mit ermüdenden Folgen. Aufgrund immer gleicher Handlungsverläufe haben Exorzismusfilme über die Jahre an Schrecken verloren, denn viele dieser Streifen eifern zu verkrampft genanntem Horrorklassiker von WILLIAM FRIEDKIN nach, statt neue Geschichten zu erzählen. Ganz anders: AVA’S POSSESSIONS. Der Film von der Hand JORDAN GALLANDS versucht erst gar nicht, sich den diktierten Regeln dieser Filmgattung zu unterwerfen. Ein unkonventionelles Experiment, das zumindest bei Kritikern und Publikum des FANTASY FILMFEST 2015 gut ankam. AVA’S POSSESSIONS erntete durch die Bank weg positives Feedback und erhielt von der Fachpresse hervorragende Kritiken. Aber kann der ungewöhnliche Horrorstreifen auch den mainstreamverwöhnten Zuschauer überzeugen?
 
 
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Die taffe Ava hat eine schwere Zeit hinter sich. Sie war 28 Tage von einem Dämonen besessen und kann sich an nichts mehr erinnern. Weitaus problematischer ist jedoch, was nun auf sie zukommt. Während ihrer Besessenheit trieb die Leidtragende allerhand Schindluder, sorgte für Chaos und verletzte Menschen. Dafür soll sie nun bestraft werden und ins Gefängnis kommen. Doch der Richter hat Mitleid. Um der Haftstrafe entgehen zu können, muss Ava an einem staatlichen Programm für ehemals Besessene teilnehmen. In einer anonymen Selbsthilfegruppe soll sie lernen mit der Situation umzugehen, sich mit Gleichgesinnten austauschen und bei Opfern entschuldigen. Weitaus wichtiger als Austausch und Entschuldigungen ist für Ava aber das Schließen von Erinnerungslücken, denn Freunde und Familie verhalten sich ihr gegenüber distanziert. So beginnt die junge Frau auf eigene Faust zu ermitteln und stößt dabei auf ein unheimliches Familiengeheimnis.
 
 
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AVA’S POSSESSIONS nimmt unter den vielen Exorzismus-Streifen eine Sonderstellung ein. Der Film langweilt nicht mit bekannten Episoden von Besessenheit, die zwangsläufig zum Exorzismus führen, damit das Opfer von seinen Qualen erlöst werden kann. Vielmehr beleuchtet der unabhängig produzierte Streifen das Leben nach einer Dämonenaustreibung und setzt sich mit der Frage auseinander, wie ehemals Besessene erneut in die Gesellschaft eingegliedert werden können. Entstanden ist dabei ein ungewöhnlicher Mix aus Mystery-Thriller und Horrorkomödie, der von der Stimmung her fast in Richtung Film noir weist und den Zuschauer mit Brotkrumen-Methode fordert. Dabei setzt der Film da an, wo eigentlich die meisten dieser Grusler enden. Nach einem Exorzismus leidet die Filmheldin unter Gedächtnisverlust und begibt sich auf eine verzweifelte Suche nach Antworten, deren Puzzleteile erst am Ende einen Sinn ergeben. Während der erfrischenden Schnitzeljagd macht JORDAN GALLAND von ungewöhnlichem Farbenspiel Gebrauch, das man bereits in früheren Werken des legendären DARIO ARGENTO zu sehen bekam. AVA’S POSSESSIONS ist farbtechnisch wirklich sehr durchdacht. So unterstreichen experimentelle Farbenspiele die Gefühle der Titelfigur. Zudem kommen grelles Rot und auffälliges Blau immer dann zum Einsatz, wenn aussagekräftige Schlüsselmomente hervorgehoben werden müssen.
 
 
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Charmant-kurzweiliger Gruselspaß ist mit AVA’S POSSESSIONS garantiert, denn die charismatische Hauptdarstellerin bleibt in Erinnerung, weil die sich selbst und ihre eigentlich verzwickte Situation nicht sonderlich ernst nimmt. Das kommt auch beim Zuschauer gut an, der mit dem eigenwilligen Humor der Filmfigur so seinen Spaß haben wird. So meistert die Ex-Besessene voller Tatendrang urkomische Situationen in besagter Selbsthilfegruppe und trifft dort natürlich auch auf sonderbare Zeitgenossen, die ihr bei der Suche nach Erleuchtung behilflich sind. Mit Mut zum Unkonventionellen, einer originellen Idee und einfach anderer Herangehensweise, verleibt AVA’S POSSESSIONS dem mittlerweile gar nicht mehr so frischem Exorzismus- und Dämonenfilm neues Leben ein, das dieses Subgenre bitter nötig hat. Wer demzufolge einen Richtungswechsel voraussetzt, um sich überhaupt noch von dieser Gattung Film unterhalten lassen zu können, sollte AVA’S POSSESSIONS unbedingt eine Chance geben. Für Anhänger des Mainstreams ist dieser Film übrigens nix.
 
 


 
 
 

AVA’S POSSESSIONS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
HANGOVER meets DER EXORZIST. AVA’S POSSESSIONS ist nicht mit bekannten Genre-Beiträgen vergleichbar und nimmt demzufolge unter den vielen Exorzismus-Beiträgen eine Sonderstellung ein. Von Dämonen besessen zu sein, ist in diesem Film nichts Ungewöhnliches mehr, denn offensichtlich passiert das in der Welt von AVA’S POSSESSIONS nahezu täglich, weshalb staatlich gegründete Selbsthilfegruppen Betroffenen den rechten Weg weisen sollen. So absurd sich der Grundplot auch anhören mag, so skurril ist AVA’S POSSESSIONS letztendlich auch. Das ist die Quintessenz dieser schrägen Horrorkomödie, die sich im späteren Verlauf vom Mystery-Film hin zum Detektiv-Thriller entwickelt und für allerhand urkomische Situationen und trockenen Wortwitz sorgt, wenn Filmheldin Ava nach dem warum ihrer Besessenheit forscht. Leider verspielt Regisseur JORDAN GALLAND einige Pluspunkte, weil der Film hin und wieder unter seinem bedächtigen Tempo leidet. Das ist aber nicht weiter schlimm, weil die sympathische Besetzung manchen Holperer in der Inszenierung vergessen lässt.
 
 


 
 
 

AVA’S POSSESSIONS – Zensur

 
 
 
Blut, Splatter und Gewalt haben Sendepause. Der Film hat keinerlei selbstzweckhafte Gemeinheiten zu bieten. Es gibt eine Leiche in einem Minibus zu sehen. Das war es dann aber auch schon. Das ist aber nicht weiter schlimm, handelt es sich bei AVA’S POSSESSIONS in erster Linie um eine Horrorkomödie, die von einer absurden Geschichte und schrägen Charakteren lebt. Eine FSK16 ist aufgrund einiger schauriger Verwandlungsmomente realistisch.
 
 
 


 
 
 

AVA’S POSSESSIONS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Ravenous Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
ExitUs – Play it Backwards (2015)

Demonic (2015)

Gallows Hill (2013)

The Atticus Institute (2015)

Der Exorzist (1973)

Teenage Exorcist (1991)


Filmkritik: „High School Exorcism“ (2014)

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HIGH SCHOOL EXORCISM

(HIGH SCHOOL POSSESSION)

Story

 
 
 

Teenager Chloe Mitchell (Jennifer Stone aus NOTHING LEFT TO FEAR) ist im letzten Jahr der High School leider keine disziplinierte Schülerin mehr. Ein Exorzismus soll helfen und die problembehaftete Achtzehnjährige wieder auf den rechten Weg bringen.

 
 
 


 
 
 

HIGH SCHOOL EXORCISM – Kritik

 
 
 
Wenn niemand ins Kino geht, kommt das Grauen eben nach Haus. Seit Jahren beklagt die Filmindustrie sinkende Absatzzahlen. So werden Anbieter illegaler Download- und Streaming-Angebote im Web dafür verantwortlich gemacht, dass kaum noch Filmfans ins Kino gehen oder sich physische Filmdatenträger kaufen. Doch die Filmunternehmen haben umgedacht. Statt in millionenschwere Horrorproduktionen zu investieren, die bereits durchs Netz gereicht werden, noch bevor sie im Kino gesehen werden können, kommt Horror mittlerweile immer häufiger gleich im Serienformat auf die Mattscheibe. Das hat den Vorteil, dass viel Geld mit Werbeeinblendungen verdient werden kann und Serienfolgen tatsächlich erst auf den TV-Sendern Premiere feiern, bevor sie im Internet ungewollt verbreitet werden. So ähnlich scheint man sich das auch mit HIGH SCHOOL POSSESSION vorgestellt zu haben – Horror fürs nicht sonderlich anspruchsvolle Publikum, der extra fürs Fernsehen auf Spielfilmlänge geblasen wurde und auf dem amerikanischen TV-Sender LIFETIME Premiere feierte. Scheinbar sorgte die Erstausstrahlung für gute Einschaltquoten, weshalb man den Film unter dem Titel HIGH SCHOOL EXORCISM ein Jahr später noch einmal auf dem Heimkinomarkt ausgewertet hat, damit ihn ehrliche Filmfans auch kaufen können.
 
 
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08/15-Exorzismus auf Daily-Soap-Niveau. In HIGH SCHOOL EXORCISM gehen mysteriöse Dinge vor sich. Darin wird Schülerin Chloe Mitchell (JENNIFER STONE) vom Pech verfolgt. In der Schule wird sie gemobbt, unkontrollierte Wutanfälle vermasseln ein Sportstipendium und seltsame Stimmen im Kopf machen das Leben schwer. Doch die beste Freundin (JANEL PARRISH) weiß Rat. Bei Recherchen zu einem Artikel über eine religiöse Gruppe an der Schule macht sie eine folgenschwere Entdeckung. Die sogenannten „Auserwählten“ befreien Menschen von inneren Dämonen, indem sie diese in der Schule exorzieren. Da sich die attraktive Chloe allmählich zum Frack entwickelt und seltsames Verhalten an den Tag legt, soll auch ihr der Teufel ausgetrieben werden – ist in heutigen Schulen wohl so üblich. Die findet sich bald festgekettet auf einem Tisch wieder und hofft auf Erlösung. Leider hat ein misslungener Filmtwist anderes Schicksal für die Filmheldin vorgesehen.
 
 
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HANNAH MONTANA meets DER EXORZIST. Sollte DISNEY endlich mal wieder eigene Horrorfilme produzieren, dürfte nicht wundern, wenn dabei ein Film wie HIGH SCHOOL EXORCISM entstehen würde. Viel Substanz hat dieser Light-Grusler nämlich nicht, was wohl in erster Linie daran liegen mag, weil die Macher mit HIGH SCHOOL EXORCISM ein eher jugendliches Fernsehpublikum ansprechen wollten. So werden volljährige, männliche Zuschauer mit diesem TV-Schauer reichlich wenig anfangen können, denn zwischen Zicken-Terror, Teenie-Problemen und Intriegenspielchen muss man Horror mit der Lupe suchen. Statt düstere Optik, Gruselatmosphäre und unheilvolle Klänge gibt’s schöne Menschen, aktuelle Popmusik und uninteressante Stereotypen zu sehen. Letzteres handeln nach vordiktierten Regeln und verhalten sich – wie die meisten Figuren in Seifenopern – nicht sonderlich glaubhaft. Hohe Erwartungen sollte man daher nicht an HIGH SCHOOL EXORCISM stellen. Auch wenn am Ende ein fast lächerlich zurückhaltend inszenierter Exorzismus das Finale einläuten muss, hat dieser TV-Streifen mit Horror wenig am Hut. Vielmehr verbirgt sich hinter dem lauen Grusellüftchen ein unglaubwürdiges Coming-of-Age-Drama für Jugendliche in dem sich ein Teenager auf dem Weg macht, um sich selbst zu finden. Wer blutigen Schabernack sucht, sollte HIGH SCHOOL EXORCISM daher gleich wieder aus seinem Gedächtnis streichen. Denn für erwachsene Zuschauer ist dieser Film Zeitverschwendung.
 
 
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HIGH SCHOOL EXORCISM – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Light-Exorzismus für den Kinderkanal. Viel mit Horror hat HIGH SCHOOL EXORCISM – trotz auf dem Cover angepriesener Exorzismusthematik – eigentlich nicht am Hut. Der Horror hat Sendepause, denn der TV-Film aus dem Hause LIFETIME (weitere LIFETIME-Filme) ist eigentlich eher Selbstfindungs- und Coming-of-Age-Drama. Die Teufelsaustreibung wird hier nur als Vorwand verwendet, um bevorzugt jugendliche Horrorfans anlocken zu können. Die bekommen natürlich auch das zu sehen, was man eben in amerikanischen TV-Serien zu sehen bekommt. Das sind in erster Linie makellose Menschen und nicht sonderlich anspruchsvolle Geschichten. Leider dürften selbst Heranwachsende keinen Spaß mit dem kaum vorhandenen Gruselgehalt im Film verstehen. Die werden sich aufgrund des irreführenden Covers schnell hinter das Licht geführt fühlen. Das Plakat zum Film erinnert eher an Hexenstreifen, wie DER HEXENCLUB oder ZAUBERHAFTE SCHWESTERN. Umso enttäusche für all jene, denen letztendlich doch was ganz anderes geboten wird, als erwartet. Hier ist Vorsicht geboten!
 
 


 
 
 

HIGH SCHOOL EXORCISM – Zensur

 
 
 
Weniger Horror, stattdessen mehr High-School-Drama. Das macht sich auch beim Gewaltgrad bemerkbar. Viel gibt es nicht zu sehen. Ein paar dämonisch funkelnde Augen, ein aufgeschlitzer Hals und ein paar schnell geschnittene, düstere Visionen. Dafür gibt es eine FSK16 – insofern der Film hierzulande überhaupt veröffentlicht wird.
 
 
 


 
 
 

HIGH SCHOOL EXORCISM – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Bilder liegen bei Hybrid, LLC)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Circle (2015)

Charmed – Zauberhafte Hexen (1998 – 2006)

Practical Magic – Zauberhafte Schwestern (1998)

Der Hexenclub (1996)

Sabrina – Total verhext (1996 – 2003)