Filmkritik: „See for Me“ (2021)

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SEE FOR ME

Story

 
 
 
Für eine junge, blinde Frau wird der Job als Haushüterin zum Albtraum, als plötzlich ein paar Diebe im großen Anwesen einbrechen.

 
 
 


 
 
 

SEE FOR ME – Kritik

 
 
Es ist momentan ein Trend, Blindheit in Horrorfilme oder Thriller einzubauen. Eine solche Prämisse ist natürlich sehr reizvoll, weil eine blinde Person sich schlechter wehren kann, als jemand, der die Bedrohung sieht. Allerdings braucht es bei einem solchen Szenario auch gute Einfälle im Drehbuch, weil man doch schon recht limitiert ist. „See for me“ besitzt von diesen zum Glück ein paar, scheitert im Endeffekt aber daran, dass er einfach nicht aufregend genug ist.
 
 
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Sophie hatte eine große Zukunft im Ski-Sport vor sich, bis sie plötzlich erblindete. Die junge Frau ist seitdem ziemlich geknickt und verdient sich etwas dazu, indem sie als Housesitterin arbeitet. Dabei bestiehlt sie ihre Arbeitgeber auch ganz gerne mal. Für einen neuen Job reist Sophie weit von ihrer Heimat weg. Ein Anwesen in einer ruhigen, abgeschiedenen Gegend soll gehütet werden, was für Sophie sehr reizvoll ist, da ihre Auftraggeberin sehr reich zu sein scheint. Doch dies birgt auch eine Gefahr: Als eines nachts plötzlich ein paar Einbrecher ins Haus eindringen, bekommt Sophie nur Hilfe über eine App namens „See for me“. Die Idee mit dieser App ist schon mal gut gelungen und sowieso wirkt das gesamte Drehbuch relativ bodenständig. Die Prämisse ist nahezu glaubwürdig, kommt früh auf den Punkt und besitzt keinen unnötigen Ballast. Der weitere Verlauf hält ein paar Überraschungen parat, die nicht so konventionell erscheinen und dem Film etwas frischen Wind verleihen, aber trotzdem kann diese Geschichte nicht über die gesamte Laufzeit packen. Dafür ist nämlich manchmal einfach zu wenig los.
 
 
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Den ruhigen Start lässt man sich dabei noch gerne gefallen und die erste halbe Stunde ist ziemlich sympathisch. Danach geht es mit Tempo weiter und schon sind die Einbrecher da. Nur leider wirken sie nicht besonders bedrohlich und stellen gar nicht mal die größte Gefahr dar. Regisseur Randall Okita, der zuvor überwiegend Kurzfilme drehte, gibt sich zwar sichtbar Mühe, aus dem Szenario die maximale Spannung herauszuholen, aber es gelingt ihm zu selten. Da werden manche Szenen ganz schön in die Länge gezogen und wirken so doch eher künstlich. Obwohl die Geschichte nach der Einleitung rasch voranschreitet, mangelt es also trotzdem ein wenig an Tempo. Dabei ist die Inszenierung keineswegs schlecht ausgefallen und das Thema der Erblindung hat man ganz authentisch dargestellt. So wirken gerade die Szenen, die sich auf Geräusche in der Umgebung konzentrieren, glaubwürdig und ein wenig Spannung kommt da teilweise schon auf. Für echten Nervenkitzel hingegen hat es selten gereicht. Man kann „See for me“ mit seinen rund 90 Minuten Laufzeit so zwar nicht unbedingt Langeweile unterstellen, aber so richtig unterhaltsam will es leider kaum werden.
 
 
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Die soliden Darsteller können da noch ein wenig retten. Skyler Davenport spielt die Hauptrolle sehr authentisch, was kein Wunder ist, da sie wirklich sehbehindert ist. Sie war zuvor eher im Bereich des Voiceover tätig und bietet sich als Schauspielerin für einen solchen Film natürlich bestens an. Wo andere Darsteller ihre Sehbehinderung nur spielen können, musste Davenport dies nicht tun und davon kann ein Film wie „See for me“ nur profitieren. Leider ist die Figurenzeichnung jedoch nur bedingt sympathisch. Es ist eigentlich löblich, dass man der Figur Sophie ein paar Ecken und Kanten verleihen wollte und sie nicht als die strahlende Heldin darstellt. Die Sympathien leiden darunter allerdings ein wenig und nicht jede Entscheidung wirkt völlig glaubwürdig. Jessica Parker Kennedy ist ziemlich limitiert, weil sich ihre Rolle nur am Schreibtisch abspielt, aber immerhin macht sie ihre Sache reichlich sympathisch. Hier wäre sicherlich noch etwas mehr Platz für Tiefe in der Charakterisierung gewesen, doch darauf kommt es „See for me“ dann doch nicht so sehr an.
 
 
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Das bemerkt man auch an den Bösewichten, die konventioneller nicht hätten sein können. Da gibt es den Bösen, der sofort zum Töten bereit ist, den Bösen, der ja eigentlich doch gar nicht so böse ist und den Boss, der am Ende noch kurz vorbeischaut. Immerhin gibt es hier noch Kim Coates zu sehen, der allerdings ziemlich unterfordert ist. Allgemein hätte man die Einbrecher deutlich markanter zeichnen müssen, denn sie strahlen einfach nichts aus. Weder sind sie beängstigend, noch charismatisch. Dass es ihnen so flott an den Kragen geht, ist deshalb nicht schlimm, wobei hierunter natürlich auch noch mal die Spannung leidet. Für ein wenig Blutvergießen ist so aber wenigstens gesorgt. Zu brutal wird das nicht und die Freigabe ab 16 Jahren hätte man auch herunterstufen können, wenn man nur ein, zwei Szenen etwas harmloser gestaltet hätte. Der elektronische Score wird sehr dezent eingesetzt, ist nichts Besonderes, aber passend.
 
 
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SEE FOR ME – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
„See for me“ ist ein ambitionierter Versuch eines Home-Invasion-Thrillers mit einer blinden Hauptfigur. Optisch ist der bodenständige Film völlig in Ordnung, die handwerkliche Arbeit ist sauber, die Inszenierung bemüht sich um Spannung. Leider kommt diese zu selten auf und es mangelt dem Werk etwas an Atmosphäre. Da kommt kein Nervenkitzel auf, die Bedrohung wirkt zu harmlos und so ist das doch eher ein gemütliches Werk für einen regnerischen Sonntag-Nachmittag. Die Darsteller sind allerdings solide und die Kulissen überzeugen. Auch die Handlung funktioniert soweit ganz ordentlich. Die Figurenzeichnung hätte jedoch besser ausfallen dürfen und ist im Endeffekt zu nichtssagend. Somit ist „See for me“ sicher kein Must-See, aber wer nicht genug vom Thema Home-Invasion bekommt und allgemein damit leben kann, wenn es nicht zu spannend zur Sache geht, der kann trotzdem mal einen Blick darauf werfen!
 
 


 
 
 

SEE FOR ME – Zensur

 
 
 
„See for Me“ ist in Deutschland ungeschnitten und frei ab 16 Jahren zu haben.
 
 
 


 
 
 

SEE FOR ME – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Atlas Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: See for Me; Kanada 2021

Genre: Horror, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch (Hörfilmfassung) DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.39:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 93 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer, Trailershow, Audiodeskription

Release-Termin: KeepCase: 20.05.2022

 

See for Me [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SEE FOR ME – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Atlas Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blind – Du bist niemals allein (2019)
 
Don’t Breathe (2016)
 
Jennifer 8 (1992)
 

Filmkritik: „Blind – Du bist niemals allein“ (2019)

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BLIND – DU BIST NIEMALS ALLEIN

(BLIND)

Story

 
 
 
Eine blinde Frau wird von einem maskierten Verrückten belästigt. Nur bekommt sie das vorerst nicht mit.

 
 
 


 
 
 

BLIND – Kritik

 
 
Ein neuer Film von Marcel Walz – Darauf hat die Welt gewartet! Dem Trashfan und Underground-Filmliebhaber wird der Name zwar vielleicht etwas sagen, aber wer gute Kost sehen möchte, verliert sich eher nicht in einen Film von Walz. Warum das so ist, sieht man perfekt an „Blind“. Es ist wirklich kaum erträglich, wie sehr sich diese Grütze in die Länge zieht und dabei einfach gar nichts zu bieten hat.
 
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Faye war mal eine erfolgreiche Schauspielerin, doch nach einer missglückten Augen-OP ist sie blind und trauert ihrem alten Leben nach. Gut wohnen tut sie immerhin; in den Hollywood Hills und guten Umgang hat Faye auch. So ist ihre Freundin von Geburt an blind und gibt Rückhalt und der Personal Trainer Luke ist scheinbar in Faye verliebt. Allerdings hat da noch jemand ein Auge auf sie geworfen. Ein maskierter Killer beobachtet Faye Tag und Nacht und er drängt sich mehr und mehr in ihr Leben. Man hätte daraus einen ansprechenden Slasher kreieren können, aber das Drehbuch taugt überhaupt nichts. Was hier an Story erzählt wird, würde wirklich auf einen Notizzettel passen. Hintergründe sind nur marginal vorhanden und nicht mal ein Rätseln über die Identität des Verrückten kann stattfinden. So kann dann auch die kleine Schlusspointe nur enttäuschen, weil sie der Geschichte nichts hinzufügen kann. Die Story ist schlecht geschrieben, aber damit könnte man leben, wenn die Umsetzung nicht so gnadenlos zäh wäre.
 
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In „Blind“ passiert nämlich wirklich gar nichts und das ist fast noch untertrieben. Bereits das erste Drittel zieht sich qualvoll in die Länge. Das Schicksal von Faye und Konsorten lässt den Zuschauer gänzlich kalt, weil die Figurenzeichnung nicht funktioniert. Nichts wirkt echt, alles ist völlig konstruiert und wenn man den Personen dann bei ellenlangen Gesprächen zuschauen und zuhören muss, die sowieso zu nichts führen, dann schaltet man ganz schnell in den Auto-Pilot. Aus diesem wird man allerdings nicht mehr herausgerissen, weil Horror hier schlichtweg eine Fehlanzeige ist. Zwar wird der ominöse Killer mit seiner super originellen Maske immer mal wieder gezeigt, aber er verbreitet in seiner Kulisse fast mehr Weihnachtsstimmung, als Bedrohung. Dies liegt an den zahlreichen Lichterketten, die tatsächlich den größten Schauwert ergeben. Diese kann sich aber jeder selbst für ein bisschen Geld auslegen – Dafür bedarf es keinen Film! Ist das lahme, erste Drittel erst mal durchgestanden, geht es auch mal zur Sache, doch selbst dies findet dermaßen lustlos statt, dass einem jegliche Freude vergeht. Brutal wird es überhaupt nicht (der Film könnte fast ab 12 Jahren freigegeben sein) und Effekte gibt es ebenfalls so gut wie keine zu sehen. Die Krönung des Ganzen ist die ungemein langsame Inszenierung von Walz. Jede noch so unbedeutende Szene wird brutal in die Länge gezogen. Der Begriff Slow-Motion scheint für diesen Film erfunden geworden zu sein.
 
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Schade, denn die Optik ist gar nicht mal so schlecht und an sich sehen auch die Kulissen nicht gänzlich mies aus. Das Spiel mit den bereits erwähnten Lichterketten wirkt zwar billig, macht aber irgendwie etwas her. Einen Nutzen zieht „Blind“ daraus nicht. Als hätte man krampfhaft versucht, die eigentlich moderaten (hier aber viel zu langen) 88 Minuten Laufzeit zu füllen, sieht man auch mal minutenlang die blinde Faye herumtanzen. Immerhin sind die paar Songs ganz anhörbar und der Score wäre eigentlich ebenfalls nicht schlecht, wenn er nicht so hemmungslos plakativ und stumpf eingesetzt worden wäre. Fast alles an Horror-Anteil bezieht der Film von seinem Sound. Die Darsteller können dabei nicht viel, sind aber nicht mal ärgerlich. Auch die nicht besonders ambitionierte, deutsche Synchronisation kann man sich noch gefallen lassen. Mit allem Wohlwollen bringt das jedoch überhaupt nichts, weil „Blind“ so gnadenlos langsam und langweilig ist, dass er einem wie mindestens drei Stunden lang vorkommt. Die Sichtung durchzuziehen, stellt sich als echte Geduldsprobe heraus.
 
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BLIND – Fazit

 
 
 
1 Punkt
 
 
Ein weiterer Flop von Marcel Walz, der sich hier mal nicht am brutalen, sondern am subtilen Horror versucht und damit gnadenlos scheitert. „Blind“ besitzt nahezu nichts, was es für einen guten Film benötigt. Die Darsteller sind noch fast okay, Score und Soundtrack lassen sich gut anhören und die hübschen Lichterketten sorgen für nette Bilder. Dem gegenüber steht jedoch ein Unterhaltungswert, der eindeutig in den Minus-Bereich geht. Es gibt nahezu keine Story und es passiert nicht mal etwas, wenn eigentlich etwas geschieht. Morde sind kaum vorhanden, Effekte sowieso nicht und als Horror versagt das kläglich. Dass einem die Charaktere nebenbei völlig egal sind, macht die Sache nicht attraktiver. Teilweise gibt es gar keine Dialoge zu hören – Dann ist „Blind“ grauenvoll langweilig. Teilweise gibt es welche zu hören – Dann ist er sogar noch langweiliger. Viel schlechter geht es eigentlich kaum noch!
 
 


 
 
 

BLIND – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Blind – Du bist niemals allein“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

BLIND – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Blind; USA 2019

Genre: Horror, Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Making Of, Interviews mit Cast & Crew, Geschnittene Szenen, Video zur Premiere in Beverly Hills, Musikvideo, Audiokommentar

Release-Termin: KeepCase: 04.12.2020

 

Blind – Du bist nicht allein [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

BLIND – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Don’t Breathe (2016)
 
Julia’s Eyes (2010)
 
Hush (2016)