Filmkritik: „You Might Be the Killer“ (2018)

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YOU MIGHT BE THE KILLER

Story

 
 
 

A little bit FRIDAY THE 13TH: In einem Sommercamp wütet ein maskierter Killer und tötet alle Campbetreuer auf grausame Weise.

 
 
 


 
 
 

YOU MIGHT BE THE KILLER – Kritik

 
 
 
Immer wenn man meint bekannten Horror-Subgenres nichts Neues mehr hinzufügen zu können, kommt ein ambitionierter Filmemacher daher und belehrt den Zuschauer eines Besseren. Seit Jahren fristet der Slasher ein jämmerliches Dasein im Heimkino. Alteingesessenen Filmkenner spricht man da aus der Seele. Seit Wes Cravens SCREAM will sich diese Unterart des Horrorfilms einfach nicht mehr weiterentwickeln und spult immer wieder gleiche Verläufe ab, die bereits in den Anfängen des Slasher-Kinos Programm gewesen waren. Das verursachtet verständlicherweise bei jenen Zuschauern Langeweile, denen es nach Unterhaltung dürstet. Die wollen nicht immer wieder gleiche Geschichten auf der Mattscheibe sehen, die sich einzig durch ausgetauschte Besetzung voneinander unterscheiden. Stattdessen will man überrascht werden und Wege fernab bekannter Pfade gehen. Frische Ideen sind demnach fällig.
 
 
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Gleiche Gedanken hatte offenbar auch Regisseur BRETT SIMMONS. Dem dürfte die Ideen-Stagnation im Slasher-Bereich auch ein Dorn im Auge gesesen sein. Wohl ein Grund warum er mit YOU MIGHT BE THE KILLER einen Film dieser Gattung inszeniert hat, der sich von den üblichen Verdächtigen unterscheidet. Darin beginnt eigentlich alles ganz vertraut. Ein Überlebender befindet sich auf der Flucht vor einem maskierten Mörder. Sam (FRAN KRANZ auf BLOODSUCKING BASTARDS) nennt sich das verwirrte Opfer, das sich in der Hütte eines Sommercamps verstecken kann und direkt zum Telefon greift. Doch statt die Polizei zu rufen, wählt der Camp-Leiter lieber die Nummer von Freundin Chuck (ALYSON HANNIGAN aus der AMERICAN PIE-Reihe). Die arbeitet in einem Comic-Laden und kennt sich mit Horrorfilmen und deren Verläufen auf. Statt schnell zur Hilfe zu eilen oder den Notruf zu alamieren, versucht sie ihrem Freund am Telefon zu helfen. Was der aber zu erzählen hat, drängt YOU MIGHT BE THE KILLER in eine unerwartet erfrischende Richtung.
 
 
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Verkehrte Welt. YOU MIGHT BE THE KILLER ist Meta-Horror, der mal was anderes versucht. Statt die bekannte Horror-Geschichte aus der Sicht der Opfer zu erzählen, die in einem Sommercamp vor einem maskierten Killer flüchten müssen, geht die als Hommage an die Freitag-Filme der 1980er getarnte Horrorkomödie kreativere Wege. In diesem Film folgt der Zuschauer dem Killer auf Schritt und Tritt. Der schaut dem Bösen quasi beim Töten über die Schulter und kann sich so mal ein Bild dessen machen, was ein Killer alles erlebt, wenn der im Horrorfilm auf Beutefang geht. Dass das natürlich alles andere als ernst gemeint ist, wird schnell klar. YOU MIGHT BE THE KILLER ist ein Film, der sich zu keiner Minute ernst nimmt. Regisseur BRETT SIMMONS hat eine Menge Spaß daran mit Slasher-Klischees zu spielen und selbige auch noch durch den Kakao zu ziehen. Das sorgt für so manch urkomischen Moment und selbst eingefleischte Fans können noch etwas lernen. So wird im Film erklärt, wie Antiheld Sam zur Maskierung kommt und durch welch unglückliche Umstände die Camp-Kollegen das Zeitliche segnen müssen. Als wäre das nicht alles schon tragisch genug, muss er auch noch einen Weg finden, wie er das „Final Girl“ aufhalten kann, das am Ende eines jeden Meuchelthrillers dem Bösen die Leviten lesen muss. Weil YOU MIGHT BE THE KILLER auch noch ganz unverfroren aus bekannten Klassikern wie FREITAG DER 13. oder SLEEPAWAY CAMP zitiert und konventionellen Erzählmechanismen mittels Flashbacks den Stinkefinger zeigt, ist YOU MIGHT BE THE KILLER schon jetzt Pflichtprogramm für Slasher-Fans und solche, die es noch werden wollen.
 
 
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YOU MIGHT BE THE KILLER – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Clever, witzig und vollkommen anders. YOU MIGHT BE THE KILLER ist der beste Beweis dafür, dass auch der in die Jahre gekommene Slasher unterhalten kann – wenn sich nur ambitionierte Filmleute trauen angestaubte Regeln zu brechen. Das ist im Falle von YOU MIGHT BE THE KILLER geschehen. Der Film ist quasi eine vollkommen andere Sicht auf das Slasher-Genre der 1980er und das lässt den Streifen aus der grauen Masse an billig und lieblos produzierten Meuchelfilmen hervorstechen. Interessant ist hierbei, wie es zum Film überhaupt kam. Die Grundlage zum Meta-Horror lieferten nämlich die Autoren SAM SYKES und CHUCK WENDIG. Die waren kreativ und ersponnen sich eine absurde Horrorgeschichte, die auf Twitter 11.000 Leser unterhielt. Als wäre das nicht schon sonderbar genug, machten sie sich in selbigem Twitter-Thread auch noch über die Klischees und Verläufe von Horror-Slashern lustig. Die cleveren Gedankengänge kamen nicht nur bei den Lesern des Threads gut an. Auch die beiden Initiatoren sahen in den eigenen Gedankengängen Potenzial für einen Langfilm. So kam, was kommen musste. SAM SYKES und CHUCK WENDIG nahmen Geld in die Hand und beauftragten Regisseur BRETT SIMMONS für den Regieposten. Letzterer kennt sich mit Horrorfilmen aus. Der inszenierte bereits Genre-Ware, wie ANIMAL, HUSK und eine Episode im Anthologie-Horrorfilm CHILLING VISIONS: 5 STATES OF FEAR. Jede Menge Erfahrungen, die YOU MIGHT BE THE KILLER zu einem sehenswerten Filmerlebnis machen.
 
 
 


 
 
 

YOU MIGHT BE THE KILLER – Zensur

 
 
 
YOU MIGHT BE THE KILLER hat ein paar blutige Gore-Effekte zu bieten. Da werden Hälse mit der Machete aufgeschnitten oder ein Schädel in zwei Hälften geschlagen. Wegen des humoristischen Untertons dürfte die Meta-Horrorkomödie eine FSK16 erhalten. Hierzulande hat sich die Rechte das Label INDEED FILM gesichert und wird den Streifen voraussichtlich im Frühjahr 2019 veröffentlichen.
 
 
 


 
 
 

YOU MIGHT BE THE KILLER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Screen Media Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Behind the Mask (2006)
 
Final Girls (2015)
 
Scream – Schrei (1996)
 

Filmkritik: „Ruin Me“ (2017)

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RUIN ME

Story

 
 
 

Eine Art Escape Room im Freien wird zum Albtraum. Sechs Leute nehmen an einer Horror-Schnitzeljagd teil und können bald nicht mehr zwischen Wirklichkeit und Spiel unterscheiden.

 
 
 


 
 
 

RUIN ME – Kritik

 
 
 
Neue Trends bedeuten neue Horrorfilmstoffe. Immer wenn gute Ideen, neue Innovationen oder raffinierte Technologien die Gesellschaft bewegen, kann man davon ausgehen, dass daraus auch Horrorfilme entstehen. Das war bei dem Siegeszug von Social Media der Fall und wurde auch zum Erfolgsgaranten als sogenannte Horror-Pranks oder Streiche in den Medien schockierten. Nicht weit davon entfernt sind Escape Rooms, die sich momentan in größeren Städten enormer Beliebtheit erfreuen. Hierbei lassen sich Freiwillige in Räume einschließen und versuchen darin Rätsel zu lösen, um wieder nach Draußen zu finden. Ein spannendes Thema, das offenbar Inspiration für den folgenden Horrorthriller geliefert hat. Der stammt von jemandem, der mit dem ersten Horrorfilm den großen Durchbruch erhofft. PRESTON DEFRANCIS zeichnet als Regisseur verantwortlich und hat auch gleich mit am Drehbuch geschrieben. Das Ergebnis ist gar nicht mal so übel, wie man es sonst von anderen Newcomer so sieht. Im Falle von RUIN ME kann man also durchaus einen Blick riskieren – vor allem deshalb, weil die zugrundeliegende Thematik noch relativ unverbraucht ist.
 
 
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Eigentlich sollte es nur ein unterhaltsamer Campingausflug mit Gruseleinlagen werden. Doch für Nathan (MATT DELLAPIANA) und Alex (MARCIENNE DWYER) wird dieser Trip in die Natur zum blanken Horror. Die nehmen an der ultimativen Horrorerfahrung namens „Slasher Sleepout“ teil und erhalten die Lektion ihres Lebens. Dabei handelt es sich um eine Art fiktive Slasher-Schnitzeljagd während der zahlungswillige Gäste zu Tode geängstigt werden und makabre Rätsel lösen müssen. Doch die Mutprobe wird nicht allein absolviert. Vier andere Teilnehmer sind mit an Bord, die sich ebenso fürchten lassen wollen und dafür Geld zahlen. Eine Mordsgaudi, die aber irgendwann aus dem Ruder läuft. So werden die Horrorfans plötzlich von einem Psychopathen verfolgt, der es nicht gut mit den Teilnehmern meint. Passiert das alles wirklich oder ist das nur Teil des Spiels? Die Frage ist berechtigt, denn einer nach dem anderen stirbt. Nun ist guter Rat teuer, zumal sich der Gruselspaß durch ein erlösendes „Aloha, willkommen auf Hawaii“ nicht mehr beenden lässt. Ein Grund mehr warum Heldin Alex die Zähne zusammenbeißen und den Albtraum über sich ergehen lassen muss. Ein vorbildliches Final Girl eben!
 
 
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Der Film mit dem komischen Namen ist verwirrende Gruselunterhaltung, welche an ähnliche Horrorfilme erinnert, die wir vor einiger Zeit besprochen haben. Bei genauerer Betrachtung ist RUIN ME nämlich aus ähnlichem Holz geschnitzt, wie die Streifen SCARE CAMPAIGN, THE BLACKOUT EXPERIMENTS oder FEAR INC. Auch in diesen Horrorfilmen wurden ahnungslose Menschen Teil gruseliger Streiche und makabrer Spiele, die die unfreiwilligen Teilnehmer beinahe in den Wahnsinn getrieben haben. Dem steht auch die Heldin Alex im hier besprochenen Horrorthriller nahe, denn die wird – wie auch der Zuschauer selbst – ziemlich oft an der Nase herumgeführt. Ist hier wirklich ein maskierter Mörder unterwegs oder hat die Hauptdarstellerin nur einen an der Klatsche? Die zuletzt genannte Vermutung kommt nicht von ungefähr. Mehrmals wird Figur Alex im Film darauf hingewiesen, dass die ihre Pillen schlucken soll. Offenbar ist in der Vergangenheit Tragisches passiert, dass ein Trauma hinterlassen hat. Wie das aber in Verbindung mit den Ereignissen in RUIN ME steht, bleibt bis zum Finale ein gut gehütetes Geheimnis. RUIN ME ist kein Horror-Highlight, aber immerhin spannend genug, um zumindest etwas Kurzweil zu versprühen. Regisseur PRESTON DEFRANCIS hat an falsche Fährten, brauchbare Schauspieler und den obligatorischen Twist gedacht. Auf Letzteren kann man im Horrorfilm mittlerweile gar nicht mehr verzichten. Der kommt im Falle von RUIN ME zwar nicht mehr ganz so überraschend daher, macht aber diesen Indie-Horror zu einer runden Angelegenheit. Da verschmerzt man doch gern einige Schnitzer im Drehbuch. So verlässt der Filmemacher kurz das Slasher-Fach, um sich etwas im SAW-Milieu auszutoben, nur um anschließend zur Slasher-Tagesordnung zurückzukehren. Irgendwie passt dieser abrupte Richtungswechsel gar nicht zum eigentlichen Film. Wir von FILMCHECKER drücken diesmal noch ein Auge zu, denn gute Horrorfilme sind leider ziemlich rar geworden.
 
 
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RUIN ME – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Die Horror-Version von ICH BIN EIN STAR, HOLT MICH HIER RAUS. Der Indie-Horror RUIN ME ist kein Horror-Highlight, aber wegen seiner noch unverbrauchten Thematik und einiger falscher Fährten immer noch besser, als das, was einem sonst mittlerweile im Horror-Genre zugemutet wird. Im Grunde genommen besitzt der Streifen all das, was man von Horrorfilmen neueren Datums erwartet. Es gibt einige Morde zu sehen, falsche Fährten und den wichtigen Twist. Leider ist die Auflösung schnell vorhersehbar, auch wenn Macher PRESTON DEFRANCIS vehement darum bemüht ist, das Geheimnis rund um Filmheldin Alex gut zu bewahren. Immerhin wird der belohnt, der sich über den seltsamen Filmtitel Köpfchen macht. Was zu Beginn Fragen aufwirft, ergibt am Ende einen Sinn. Dann erst passt die Titelkreation wie die Faust aufs Auge. RUIN ME ist nichts, was das Horror-Genre maßgeblich verändern wird. Als kleiner Lückenfüller für einen verregneten Sonntag reicht er aber aus.
 
 
 


 
 
 

RUIN ME – Zensur

 
 
 
RUIN ME ist kein Splatter-Hit. Die Gewaltmomente sind überschaubar. Ein Mann ertrinkt, es gibt eine Schussverletzung und eine durchgeschnittene Kehle. Sollte der Film hierzulande veröffentlicht werden, winkt vermutlich eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

RUIN ME – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Terror Weekend Productions)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Scare Campaign (2016)
 
Fear Inc. (2015)
 
April Fool’s Day (1986)
 
Happy Birthday (2016)
 

Filmkritik: „Never Hike Alone“ (2017)

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NEVER HIKE ALONE

Story

 
 
 

Blogger Kyle McLeod wandelt auf den Spuren des Kultkillers JASON VOORHEES und trifft dabei schnell auf den Antihelden höchstpersönlich. Mit blutigen Folgen.

 
 
 


 
 
 

NEVER HIKE ALONE – Kritik

 
 
 
Was Fans nicht alles für ihre Lieblings-Horrorfilmhelden tun. Die werden gern mal vergöttert wie richtige Stars, obwohl es eigentlich fiktive Figuren sind, die von irgendwelche Drehbuchschreibern und Tricktechnikern zum Leben erweckt wurden. Da werden nicht selten regelrechte Filmaltare im heimischen DVD-Regal gebaut, sich verkleidet wie der kultige Antiheld oder auch mal gern selbst zur Kamera gegriffen. Letzteres hat auch VINCENTE DISANTI gemacht. Der scheint ein großer Verfechter der wohl beliebtesten Slasher-Reihe der Welt zu sein und hat sich mit einem selbst gedrehten Fanfilm ein Denkmal gesetzt. Die Rede ist von NEVER HIKE ALONE – einem Horrorfilm, der durch Crowdfunding finanziert wurde und die legendäre FREITAG DER 13.-Filmserie rund um Kult-Killer JASON VOORHEES weiterspinnt. Entstanden ist professionelles Filmmaterial, das so souverän inszeniert wurde, dass man meinen könnte NEVER HIKE ALONE sei wirklich ein weiterer Ableger des Camp-Gemetzels, der vom tatsächlichen Rechteinhaber in Auftrag gegeben wurde. Leider scheint Filmstudio PARAMOUNT PICTURES nach dem finanziellen Flop RINGS kein sonderlich großes Interesse mehr am Franchise zu besitzen. Jegliche Pläne für Fortsetzungen wurden aufs Eis gelegt, obwohl Anhänger der Reihe sehnlichst auf ein neues Sequel warten. Umso mehr dürfte es FREITAG DER 13.-Fans freuen, was hier mit viel Herzblut entstanden ist. NEVER HIKE ALONE überzeugt durch gute Kameraarbeit, stimmungsvollen Klangteppich und punktgenaue Schocks. Da kann man nur hoffen, dass der Film Anklang findet und die Studiobosse von PARAMOUNT hellhörig macht, damit die Abenteuer rund um den Machete schwingenden Killer JASON in die nächste Runde gehen können.
 
 
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In NEVER HIKE ALONE will sich ein erfolgreicher Vlogger auf eine Erkundungsreise begeben mit dem Ziel das berüchtigte Camp am Crystal Lake zu finden in dem sich in den 1980ern Schauriges zugetragen hat. Dort ist ein ertrunkener Junge von den Toten zurückgekehrt, um den Tod seiner Mutter zu rächen. Dabei tötete er unzählige Jugendliche, die dort im Camp einfach nur Spaß haben wollten. Natürlich findet Kyle McLeod das legendäre Ferienlager nach langer Suche in den Wäldern. Doch er ist da nicht allein. Der Killer mit der Hockey-Maske treibt nämlich dort noch immer sein Unwesen und radiert jeden aus, der das Camp ohne Einladung betritt. Jene Erfahrung muss bald auch Kyle machen. Der trifft auf Serienmörder JASON VOORHEES und muss um sein Leben bangen. Er versucht zu flüchten. Doch die Flucht aus dem Camp ist gar nicht so leicht, wie gedacht. Der unkaputtbare Killer lässt sich nämlich nicht so leicht abschütteln und nimmt die Verfolgung auf. Ob es dem neugierigen Blogger gelingt, lebend zurück in die Zivilisation zu finden? Nach knapp 53 Minuten wird man es wissen.
 
 
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NEVER HIKE ALONE ist ein Film von Fans für Fans der beliebten Filmreihe. Obwohl der Streifen nicht einmal Spielfilmlänge erreicht, entwickelt der Slasher schnell eine bemerkenswerte Dynamik, die es vor allem in den letzten 20 Minuten versteht zu packen. Da erscheint die Horrorfilmikone endlich auf der Mattscheibe und nimmt eine atemstockende Verfolgungsjagd auf, die teilweise schon spannender ist, als einige der älteren Fortsetzungen zusammen. Bis jedoch gemetzelt werden kann, muss auch eine Geschichte erzählt werden. Die fokussiert sich auf die erste halbe Stunde und begleitet Held Kyle auf der Suche durch die Wälder nach dem sagenumwobene Schauer-Camp. Dabei macht Regisseur und Drehbuchautor VINCENTE DISANTI hin und wieder von Found-Footage-Elementen Gebrauch in denen der Hauptdarsteller durch Einsatz einer Handkamera mit dem Zuschauer spricht, um ihm alle wesentlichen Details seiner Suche zu erläutern. Offensichtlich scheint Filmemacher VINCENTE DISANTI die bisher zwölf gedrehten Filme um den Hockeymaskenmörder akribisch analysiert zu haben. Dessen Bewegungen und Gestiken wurden exakt aus den bereits veröffentlichten Filmen entnommen. Auch die Optik des Killers – der übrigens im Film auch kurz ohne Maske gezeigt wird – entspricht haargenau der Vorlage und macht NEVER HIKE ALONE deshalb zu einem Fanfilm, der wegen seiner Professionalität schon fast Kinoqualität erreicht.
 
 
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In Interviews erklärte Regisseur VINCENTE DISANTI, dass ihm die Idee zum Fanfilm ganz nebenbei kam. So baut er ein Jason-Kostüm und wollte davon im Wald einige Fotos machen. Das bereitete offenbar soviel Freude, dass daraus bald mehr wurde. So kam ihm eine Geschichte über einen Wanderer in den Sinn, der fernab der Zivilisation von JASON VOORHEES gejagt werden sollte. Von dieser Idee erzählte er DREW LEIGHTY – einem Produktionsassistenten mit dem er zusammen am Animationsfilm ROCK DOG arbeitete. Auch der war sofort Feuer und Flamme. So kam was kommen musste: Man trommelte ein kleines, ambitioniertes Team zusammen, das in den Wäldern Szenen für einen kleinen Filmtrailer anfertigte, um das Interesse all derer gewinnen zu können, die eine Leidenschaft für die FREITAG DER 13.-Filme besitzen. Das Feedback war überwältigend. Deshalb sammelt man Geld auf KICKSTARTER, um aus dem Trailer einen Fanfilm inszenieren zu können. Das kam schnell zusammen und die Dreharbeiten konnten starten. Der Rest ist Geschichte – das Resultat bemerkenswert.
 
 
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NEVER HIKE ALONE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Von einem dem es Leid war, vergebens auf eine weitere Fortsetzung von FREITAG DER 13. zu warten. Regisseur VINCENTE DISANTI ist großer JASON VOORHEES-Fan und wollte schon immer mal einen Film über seinen Lieblingskiller machen. Zwar landete er in der Filmindustrie, aber nicht dort, wo es ihm hätte ermöglicht werden können Filme zu drehen. Gleiches Schicksal erlitt auch DREW LEIGHTY. Der wollte sich schon immer mal als Schauspieler ausprobieren, wurde aber letztendlich „nur“ Produktionsassistent. Demzufolge taten sich beide zusammen und erfüllten sich Träume. Der eine machte den Film, den er schon immer mal machen wollte und der andere konnte darin seine Fähigkeiten als Schauspieler unter Beweis stellen. Entstanden ist etwas Großartiges, das vor allem Fans der legendären Filmreihe begeistern wird. Zwar ist NEVER HIKE ALONE nicht ganz so blutig ausgefallen, wie die Originalfilme des Franchise. Dennoch kann sich der professionell gemachte Fanfilm sehen lassen. Billig? Fehlanzeige! NEVER HIKE ALONE hinterlässt einen hochwertigen Eindruck und macht Lust auf mehr. Vielleicht schafft es der Streifen bis hoch in die Chefetage von PARAMOUNT und überzeugt die Studiobosse davon, dass Regisseur VINCENTE DISANTI nicht nur eingeschworener Fanboy ist, sondern auch der richtige Mann auf dem Regiestuhl für eine weitere Fortsetzung der Original-Filmreihe. Talente hat der Freitag-Fan definitiv.
 
 
 


 
 
 

NEVER HIKE ALONE – Zensur

 
 
 
Für einen inoffiziellen FREITAG DER 13.-Film ist der hier besprochene NEVER HIKE ALONE erstaunlich züchtig ausgefallen. Erst gegen Ende kommt etwas Gewalt ins Spiel, die aber nicht sonderlich zeigefreudig ausfällt. Ein Kopf wird von Jason zerquetscht, eine Machete bohrt sich durch Körper und auch Kultkiller Jason wird mit einer Axt bearbeitet. Sollte der Film überhaupt hierzulande erscheinen, dürfte der Slasher problemlos eine FSK16 erhalten.

 
 
 


 
 
 

NEVER HIKE ALONE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Womp Stomp Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Freitag der 13. (1980)
 
Freitag der 13. Teil 2 (1981)
 
Und wieder ist Freitag der 13. (1982)
 
Freitag der 13. – Das letzte Kapitel (1984)
 
Freitag der 13. Teil V – Ein neuer Anfang (1985)
 
Freitag der 13. – Jason lebt (1986)
 
Freitag der 13. – Jason im Blutrausch (1988)
 
Freitag, der 13. (2009)