Filmkritik: „The Cannibal Club“ (2018)

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THE CANNIBAL CLUB

(O CLUBE DOS CANIBAIS)

Story

 
 
 
In „The Cannibal Club“ dient das Verspeisen von Menschen einem höheren Zweck, was ein Ehepaar trotzdem nicht daran hindert, sexuelle Lust daran zu verspüren.

 
 
 


 
 
 

THE CANNIBAL CLUB – Kritik

 
 
Dass Brasilien unter anderem ein großes Problem mit der Armut hat, sollte kein Geheimnis sein. Solche Missstände können Filmemacher gut nutzen, um Gesellschaftskritik in ihre Werke einzubauen und genau daran versucht sich auch „The Cannibal Club“. Dass der Film dabei jedoch zu wenig von dem bietet, was er ankündigt, wird mit der Zeit zu einem Problem und wird sicherlich nicht jedem Zuschauer schmecken.
 
 
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Otavio ist mit Gilda verheiratet und ein erfolgreicher Geschäftsmann. Außerdem ist Otavio Mitglied in einem ominösen Club, dessen Hintergründe jedoch eher schleierhaft bleiben. Auf jeden Fall geht es um Kannibalen, doch auch zu Hause, in ihrer Villa, weit abgelegen auf dem Land, betreiben Otavio und Gilda Gourmetspaß etwas anderer Art. Als Gilda eines Tages auf einer Feier etwas sieht, was nicht für ihre Augen bestimmt war, kommt es allerdings plötzlich zur Bedrohung.
Man kommt nicht drumherum den Kannibalen-Aspekt in die Handlung zu stecken, doch dabei entsteht sofort das Risiko falscher Erwartungen, denn um Kannibalen dreht es sich höchstens am Rande. Wirklich wichtig ist dieser Aspekt für die Story gar nicht, selbst wenn er die Grundprämisse vorgibt. Viel mehr geht es Regisseur und Drehbuchautor Guto Parente um Gesellschaftskritik und Brasilien bekommt schon sein Fett weg. Doch geschieht selbst dies eher auf subtiler Ebene und so fragt man sich als Zuschauer manchmal schon, was das ganze Szenario denn eigentlich bezweckt. Gute Ideen sind sicherlich vorhanden und selbst wenn „The Cannibal Club“ das Rad überhaupt nicht neu erfindet, wird er schon alleine durch seine andere Erzählweise einzigartig. Leider verliert Parente jedoch zu oft den Fokus und etwas geradliniger hätte das Drehbuch ruhig sein dürfen.
 
 
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Der Anfang wird den Erwartungen noch gerecht. Da gibt es gleich eine recht derbe Mischung aus Sex und Gewalt, die Lust auf mehr macht. Doch um Kannibalen dreht es sich danach kaum noch. Die Gewaltausbrüche kann man an einer Hand abzählen und die reichlich freizügigen Sexszenen ebenfalls. Beide Aspekte sind vorhanden, geben dem Horrorfan aber nicht das, was anfangs versprochen wird. Wobei man sowieso kaum von einem Horrorfilm sprechen kann. Im letzten Drittel fühlt man sich schon fast mehr wie in einer Art Thriller und dazwischen gibt es immer mal ein wenig Komödie. Wenn man Humor sucht, findet man diesen jedoch nur auf pechschwarzer Ebene. Die Mischung ist interessant, allerdings nicht ausgewogen. Es hat seinen Reiz, dass man als Zuschauer nie weiß, worauf man sich einstellen kann, doch mit der Zeit wirkt dieses Spiel etwas ermüdend. Obwohl die Laufzeit mit rund 80 Minuten (mit Abspann) sowieso schon ziemlich kurz ausgefallen ist, ergeben sich ein paar Längen, weil „The Cannibal Club“ einfach kein Tempo besitzt. Das ist zwar meistens immer noch erstaunlich unterhaltsam, besitzt jedoch kaum einen Mehrwert. Gerade weil die bissige Gesellschaftskritik eigentlich recht treffsicher ist, ist dies schade, denn hätte man mehr von ihr mitbekommen, würde der Film sicherlich länger im Gedächtnis verweilen.
 
 
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Aus handwerklicher Sicht gibt es an „The Cannibal Club“ nichts auszusetzen. Zwar fällt der Inszenierung nichts Besonderes ein und die Kamera-Arbeit bleibt etwas einfallslos, doch die hübschen Kulissen wissen zu überzeugen und selbst wenn alles etwas minimalistischer ausgefallen ist, so wirkt der Film stets hochwertig. Dazu gesellen sich gute Darstellerleistungen. Tavinho Teixeira spielt den harten Hund überzeugend und Ana Luiza Rios ist als seine Film-Ehefrau ebenfalls gut. Von diesen beiden Leistungen lebt der Film, denn alle anderen Rollen sind eher klein und nicht so wichtig. Doch auch hier enttäuscht niemand, selbst wenn manchmal ein wenig Overacting mit im Spiel ist. Dazu gibt es eine deutsche Synchronisation, die man sich zum Glück ganz gut anhören kann. Über mangelnde Abwechslung kann man sich auch eigentlich gar nicht beklagen, weil die Story immer wieder in eine andere Richtung geht. Zusätzlich gibt es dann eine kleine Schlusspointe, die vorhersehbar, aber im bösen Sinne ganz witzig ist. Dass man als Zuschauer trotzdem nie begeistert ist, liegt eben daran, dass man das gesamte Szenario noch viel bissiger, derber und krasser gestalten hätte können.
 
 
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THE CANNIBAL CLUB – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
„The Cannibal Club“ ist ein eigenwilliger Film, der am ehesten Gesellschaftskritik äußern möchte und dafür Sex und Gewalt in Aussicht stellt, davon im Endeffekt aber nicht genügend bietet, um den Zuschauer über die gesamte Laufzeit bei der Stange zu halten. Das Ergebnis ist nicht frei von Längen, aber immerhin einigermaßen kurzweilig, doch wenn der Abspann erscheint, fragt man sich schon ein wenig, was das alles denn nun sollte. Dank einer soliden Inszenierung, ein paar netten Schauwerten und guten Darstellern ist das auf jeden Fall sehenswert. Außerdem sind ein paar Ideen treffsicher und ein paar Szenen recht intensiv ausgefallen. Von einem Reinfall kann hier also absolut nicht die Rede sein, aber wenn man auch nur den Hauch falscher Erwartungen hat, kann eine Enttäuschung nicht ausgeschlossen werden!
 
 
 


 
 
 

THE CANNIBAL CLUB – Zensur

 
 
 
„The Cannibal Club“ hat von der FSK wegen einiger blutigen Szenen eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten. Diese Filmfassung ist wie bei der Deutschlandpremiere auf dem Fantasy Filmfest im Jahr 2018 vollkommen ungeschnitten. Fans gesellschaftskritischer Horrorschocker können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

THE CANNIBAL CLUB – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Donau Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: O Clube dos Canibais; Brasilien 2018

Genre: Horror, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Portugiesisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 81 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Behind the Scenes, Trailer

Release-Termin: 27.09.2019

 

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THE CANNIBAL CLUB – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei DONAU FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Society (1989)
 
We Are What We Are (2013)
 
Wir sind was wir sind (2010)
 

Filmkritik: „Harvest Lake“ (2016)

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HARVEST LAKE

Story

 
 
 

Eine Geburtstagsfeier läuft aus dem Ruder. Ben will mit Freundin und Kumpels den 26. Jahrestag in einer Hütte am See feiern. Leider werden die Freunde bald zu hilflosen Geiseln ihrer eigenen Triebe. Irgendwas im Wald scheint ihre Lust fremdzusteuern. Doch wer oder was ist dieser gemeine Übeltäter?

 
 
 


 
 
 

HARVEST LAKE – Kritik

 
 
 
In HELLRAISER hat man’s getan, in IT FOLLOWS gehörte es dazu und in den Filmen von DAVID CRONENBERG ist es sowieso Programm. Wer im Filmbusiness polarisieren und prägenden Eindruck hinterlassen will, kombiniert einfach Sex und Horror, damit Filmfans was zu sehen bekommen und sich prüde Sittenwächter dran abarbeiten können. Mit letzteren steht der Regisseur des folgenden Streifens bereits auf Kriegsfuß. Horror-Newcomer SCOTT SCHIRMER bekam mit dem Coming-of-Age-Film FOUND – MEIN BRUDER IST EIN SERIENKILLER in einigen Ländern erhebliche Probleme. Darin vermischte er recht unverfroren Sexualität mit Gewalt und stieß vor allem bei den besorgten Zensurbehörden auf Ungnade, die rigoros Schnitte forderten. Was jedoch zum Schutze der Jugend wohlwollend in Kauf genommen wurde, entwickelte sich zu unfreiwilliger PR. Der Film machte gerade wegen der Zensurproblematik müde Horrorfans munter und erhielt zudem auf Festivals gute Kritiken, so dass die Filmrechte schnell in viele Länder verkauft werden konnten. Vier Jahre sind seither vergangen und SCOTT SCHIRMER scheint sich bewusst viel Zeit für seinen nächsten Streich gelassen zu haben, mit dem er wohl nun beweisen möchte, dass FOUND keine Eintagsfliege gewesen ist. HARVEST LAKE nennt sich der Nachfolger, der zweifelsohne zu den ungewöhnlichsten und bizarrsten Genrebeiträgen gehört, die das Filmjahr 2016 bisher hervorgebracht hat. Der Grund hierfür ist einfach erklärt. Schirmer vermischt abermals Sex mit Horror, entführt den Zuschauer aber diesmal in surreale Sphären, die HARVEST LAKE vor allem für jene Filmfreunde interessant machen dürfte, denen es im Horrorkino nicht absurd und ausgefallen genug zugehen kann.
 
 
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Eine erotische Reise in den Wald der Triebe und Lüste. Was in HARVEST LAKE passiert, hat man wohl bisher so noch nicht auf der Mattscheibe gesehen. Hier fahren einige Mittzwanziger (darunter ELLIE CHURCH aus HEADLESS) in die Wälder, um in einer einsam gelegenen Hütte den Geburtstag einer der Anwesenden zu feiern. Nach anfänglichen Plaudereien und Bädern im See passiert ganz Sonderbares. Sexuelle Energie wird entfacht und die Freunden überkommt es. Während die Hemmungen fallen und sich die kleine Gruppe der Fleischeslust hingibt, wachsen im Wald seltsame Pflanzen. Phallusförmige Gebilde, an Schamlippen erinnernde Pilze und busen-gleiche Blüten durchziehen das Dickicht und scheinen die Sinne der fünf Kumpels zu vernebeln. Die lassen ihrer sexuellen Lust freien Lauf ohne zu ahnen, dass sie dadurch unfreiwillig Teil eines fremdartigen Lebenszyklus werden.
 
 
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Es ist schwer in Worte zu fassen, was sich Regisseur SCOTT SCHIRMER da hat einfallen lassen. Irgendwo zwischen DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN (die 1978er-Adaption) und Cronenbergs SHIVERS reiht der Macher sinnliche Bilder von Menschen beim Geschlechtsakt aneinander, die von einer nicht näher erläuterten Macht manipuliert, gesteuert und für die eigenen Zwecke missbraucht werden. Was sich surreal liest und vermutlich einen tieferen Sinn beherbergt, ist auch definitiv surreal, hat aber laut Schirmer keine besonders tiefgründige oder doppelbödige Aussage. Der Regisseur wollte einfach nur einen abgefahrenen Genrefilm mit viel Sex drehen, dessen Skript er zusammen mit seinem Kollegen und Freund BRIAN K. WILLIAMS verfasst hat. Die beiden hatten schon immer mal vor gemeinsam einen Film zu drehen. Leider fehlte für das Vorhaben stets die Zeit. Als die beiden einige Tage frei hatten, nahm man die Gelegenheit beim Schopfe und steckte die Köpfe zusammen. Einige Gespräche später entstand die Idee zu HARVEST LAKE, der anfangs eigentlich eher in Richtung Sexkomödie im Stil des Teenager-Klamauks PORKY’S gehen und sich im Verlauf zur Spielfilmversion von DEEP DWELLERS (ein Kurzfilm im Vorgängerfilm FOUND) entwickeln sollte. Letztendlich entschied man sich dann doch für einen ernsten Film und schlug die Science-Fiction-Schauerrichtung ein, um den Genreanspruch zu bewahren. Gott sei Dank.
 
 
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Laut Interviews in der Fachpresse ist Schirmer ein großer Fan von Monster-Filmen und erwähnt im gleichen Atemzug einen Horror-Schlocker der späten 1980er: DAS HALLOWEEN MONSTER. Dass es demzufolge am Ende von HARVEST LAKE ebenso ein handgemachtes Monster zu bestaunen gibt, verwundert da wenig. Leider hält sich der Regisseur trotz Plauderlaune in Interviews darüber bedeckt, was die groteske Kreatur im Film denn nun eigentlich genau darstellen soll. Handelt es sich hier um Pflanzen des Waldes, die den Menschen – ähnlich wie Bienen – nutzen, um befruchtet zu werden oder haust in den Wäldern außerirdisches Leben, das menschlichen Samen zu Fortpflanzung benötigt. In HARVEST LAKE wird die Phantasie des Zuschauers gefordert, denn der surreale Bilderrausch bleibt Antworten schuldig. Nichtsdestotrotz ist Schirmers Film nicht übel – man muss sich auf das sonderbare Filmerlebnis einlassen, denn handwerklich wurde die Indie-Produktion trotz kleinem Budget tadellos inszeniert. Die Schauspieler sind gut gewählt, sympathisch und dürfen sich sogar charakterlich entwickeln. Ein geradezu hypnotischer Score brennt sich in den Kopf des Zuschauers ein und unterstreicht die erotische Anziehungskraft der im wahrsten Sinne Lust-vollen Bilder, die über Kinoleinwand oder Mattscheibe flimmern. Wer demzufolge Filme fernab des Kommerzes sucht, darf sich diesen ungewöhnlichen und hochinteressanten Genrebeitrag nicht entgehen lassen. Leider hat Macher SCOTT SCHIRMER damit die Messlatte für den nächsten Film selbst weit nach oben gesetzt. Ob er FOUND und HARVEST LAKE übertreffen kann, bleibt abzuwarten.
 
 
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HARVEST LAKE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein bizarrer Genre-Mix aus DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN und David Cronenbergs SHIVERS, der nicht ungesehen bleiben sollte. HARVEST LAKE ist ein erotisch-surrealer Bilderrausch, der Seinesgleichen sucht und mit nichts zu vergleichen ist. FOUND-Regisseur SCOTT SCHIRMER hat sich hier nach eigener Aussage von Filmen wie Zulawskis POSSESSION, Yuznas SOCIETY aber auch vom atmosphärischen australischen Klassiker PICKNICK AM VALENTINSTAG inspirieren lassen und macht Ur-Instinkte sowie Ur-Ängste zum Thema. HARVEST Lake schildert, wie abhängig doch der Mensch von seinen Trieben ist. Sind die einmal angeworfen und außer Kontrolle, hat man mit der Menschheit einfaches Spiel. So werden im Film Menschen zu willenlosen Sklaven umfunktioniert, die am Ende ein Dasein wie die Tiere des Waldes fristen müssen (dürfen?), weil eine nicht näher erklärte Macht weiß, wie sie die Sinne von Mann und Frau beflügeln muss. Einmal vom Nektar der Liebe gekostet, ist der Mensch willenlos und sitzt in der Venusfalle. Umso erschreckender, was ein Cocktail aus Verlangen, Lust und Liebe mit unseren Köpfen anstellt. Fließt das Gebräu erst mal durch unsere Venen, macht es uns zu Gefangenen der eigenen Triebe. Beängstigend irgendwie.
 
 
 


 
 
 

HARVEST LAKE – Zensur

 
 
 
In HARVEST LAKE gibt es keine Gewalt zu sehen. Würden im Film nicht hin und wieder einige Erotikszenen über die Mattscheibe flimmern, wäre der Streifen ein sicherer FSK12-Kandidat. Vermutlich wird er den blauen FSK-Flatschen wegen einiger freizügigen Szenen erhalten und dürfte so frei für Jugendliche ab 16 Jahren sein.
 
 
 


 
 
 

HARVEST LAKE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Forbidden Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Körperfresser kommen (1978)

Body Snatchers (1993)

Society (1989)

Shivers (1975)

Honeymoon (2014)