Filmkritik: „Gothic“ (1986)

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GOTHIC

Story

 
 
 
In einer stürmischen Sommernacht im Juni 1816 lädt der Dichter Lord Byron die zukünftigen Eheleute Percy und Mary (noch mit dem Mädchennamen Godwin) Shelley, Marys Stiefschwester Claire und seinen Arzt Polidori in sein herrschaftliches Anwesen am Genfer See ein. Die Gruppe gebildeter Oberschichtler verbringt eine intensive Zeit tiefschürfender Gespräche über Unheimliches aus Geschichte und Medizin und Psychologisches, okkultistischer Spielereien und schließlich auch körperlicher Annäherungen zueinander. Am Ende ihrer Zusammenkunft ist in Mary Shelley die Saat zum Verfassen ihres Romans „Frankenstein“ gelegt.

 
 
 


 
 
 

GOTHIC – Kritik

 
 
GOTHIC, ein Film, den man in jenen lange vergangenen Tagen von Fernsehaufnahmen und VHS-Kassetten, nachdem man aus englischsprachiger Filmliteratur gerade den Begriff des, ja, „Gothic Horror“ für die Hammer Studios etc. gelernt hatte, fieberhaft von seinem tristen Suchlistenfilm-Schicksal erlösen wollte. Mancher geifernde Horror-Geek war dann allerdings ein wenig angefressen oder sollten wir lieber sagen überfordert vom raumgreifenden, wuchtigen Stil Ken Russells. Andere lieben Film und Regisseur. Der Engländer ist im November nun auch schon zehn Jahre fort und man könnte glauben, die Horror-Bubble reduziert diesen wirklich phänomenalen Regisseur auf seinen meisterlichen Kirchenquälereien-Schocker DIE TEUFEL, erschienen 1971. Dessen gesuchte Langfassung und die darin vermutlich enthaltenen Grausamkeiten vernebeln so manchem die Sicht auf ein umfangreiches Oeuvre großartiger, bildgewaltiger und mit unterbewussten Traum-Ängsten spielender Filme, das zu jeder Zeit eine Heimkino-Retrospektive verdient.
 
 
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Auch GOTHIC, oberflächlich mit ordentlichem Budget versehenes Ausstattungskino mit Gruselkante, in dem Exzentriker Russell mit Julian Sands und Gabriel Byrne gleich zwei der übelsten Schmierlappen inseleuropäischen Schauspielhandwerks auf einmal aufs Publikum loslässt, wirft eben diesem Publikum die gleichen Fragen zur Existenz selbst, überwindungsbereiter Gesellschaftspolitik und der Instabilität psychischer Schutzmechanismen an die Birne. Sogar die in der Gegenwart heißer denn je diskutierten Geschlechterklischees und Erwartungen daran werden mittels der Figur des schwulen und von Selbstzweifeln zerfressenen Doktor Polidori eingeflochten. Aus dessen Feder stammt der Roman „Die Vampire“, in dem der Mediziner auch die Erkenntnisse aus den Tagen am Genfer See zu verwerten weiß.
 
 
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Ja, das kann der berufswahnsinnige Maestro gut. Sind es Drogen, mentale Überspanntheit oder doch aus dem Dunkel von Unterbewusstsein oder den Tiefen der Schattenwelt angreifende Dämonen, die dem Freundeskreis experimentierfreudiger britischer Jungmenschen diese Tage so in wahrsten Sinne des Wortes unvergesslich machen? So ganz eindeutig wird die Frage nicht beantwortet. Ist aber doch eine schöne Idee, die Wurzel für einen der Genrestartschüsse des Horrors in einer vernebelten Sause von Sex und Opium und spiritistischen Sitzungen verorten zu dürfen, oder?
 
 
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Diese auf wahren Ereignissen beruhende Story, zweifelsohne doch eine veritable Wegmarke der Horrorliteratur-Geschichte, beschäftigt auch nach GOTHIC noch weitere Filmemacher. 1988 erscheint der elegische SCHWARZER SOMMER, gedreht vom subversiven Tschechen Ivan Passer und 2017 die eher seichte Romanze MARY SHELLEY unter der Regie von Haifaa al-Mansour, Saudi-Arabiens erster anerkannter Filmerin, international bekannt geworden durch DAS MÄDCHEN WADJDA.
 
 

 
 


 
 
 

GOTHIC – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Auch nach über dreißig Jahren noch faszinierendes Portrait einer opiumgeschwängerten Gründerstunde des Horror-Genres. GOTHIC, nicht bloß aufgrund Thomas Dolbys Soundtrack jederzeit als Produkt der aalglatten Achtziger zu erkennen, ist sicherlich nicht der beste Film des wunderbar verrückten Ken Russell, lohnt aber, in einer schönen Fassung wie der vorliegenden ins Regal eingereiht zu werden. Gilt natürlich auch für Fans, die nicht nur Gothic Horror schauen.
 
 


 
 
 

GOTHIC – Zensur

 
 
 
GOTHIC erschien zur Veröffentlichung auf VHS-Kassette noch mit einer Freigabe ab 18 Jahren. Das galt auch für die erhältliche DVD. Alle bis dato herausgebrachten Veröffentlichungen waren aber ungeschnitten. Im Jahr 2013 legte 20TH CENTURY FOX den Film neu der FSK vor und erhielt für den Klassiker eine FSK 16-Freigabe. Das hat sich auch mit der nun erhältlichen Blu-ray aus dem Hause NSM RECORDS nicht geändert. Der Streifen ist trotz Jugendfreigabe ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

GOTHIC – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM RECORDS (KeepCase Blu-ray mit Wechselcover)

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(c) NSM RECORDS (Mediabook mit BD + DVD – Cover A – auf 444 Stück limitiert)

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(c) NSM RECORDS (Mediabook mit BD + DVD – Cover B – auf 111 Stück limitiert)

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(c) NSM RECORDS (Mediabook mit BD + DVD – Cover C – auf 222 Stück limitiert)

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(c) NSM RECORDS (Mediabook mit BD + DVD – Cover D – auf 111 Stück limitiert)

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(c) NSM RECORDS (Mediabook mit BD + DVD – Cover E – auf 222 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Gothic; Großbritannien 1986

Genre: Horror, Grusel, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0, Instrumental DTS-HD MA 2.0, Deutsch DTS-HD MA 2.0 = Deutsche Kinosynchronisation

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: Mediabook: ungeprüft (ungeschnittene Fassung) | KeepCase: FSK16 (ungeschnitten)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Audiokommentar mit Lisi Rusell und Filmhistoriker Matthew Melia (Englisch DTS-HD MA 2.0, Ohne Untertitel), Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Dr. Gerd Naumann (Englisch DTS-HD MA 2.0, Ohne Untertitel), Isolierte Musik & Audio-Interview mit Komponist Thomas Dolby, Fear Itself – Interview mit Drehbuchautor Stephen Volk (17:26 Min., Englisch, Optionale Deutsche Untertitel, Optionale Englisch Untertitel), One Rainy Night – Interview mit Kamermann Mike Southon (23:09 Min., Englisch, Optionale Deutsche Untertitel, Optionale Englisch Untertitel), The Soul of Shelley – Interview mit Schauspieler Julian Sands (17:53 Min., Englisch, Optionale Deutsche Untertitel, Optionale Englisch Untertitel), Deutscher Trailer (2:41 Min.), Originaltrailer (2:17 Min.), TV-Spot (0:34 Min.), Bildergalerie (4:08 Min. | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, 16-seitiges Booklet mit einem Text von Jonas Hoppe

Release-Termin: Mediabook (Cover A-E): 27.09.2019 | BD-KeepCase: 30.04.2021

 

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GOTHIC – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei NSM RECORDS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Mary Shelley’s Frankenstein (1994)
 
Begierde (1983)
 
Crimson Peak (2015)
 

Filmkritik: „Frankenstein – Das Experiment“ (2015)

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FRANKENSTEIN – DAS EXPERIMENT

Story

 
 
 

Der künstlich erschaffene Adam (Xavier Samuel aus BAIT 3D) kann aus dem Labor entkommen, landet in der Welt der Menschen und stellt schnell fest, dass nicht er das eigentliche Monster ist, sondern der Mensch selbst.

 
 
 


 
 
 

FRANKENSTEIN – Kritik

 
 
 
Kaum ein Jahr vergeht, ohne dass ein neuer Film entsteht, der auf dem Roman von MARY SHELLEY basiert, den die britische Schriftstellerin in jungen Jahren geschrieben und veröffentlicht hat. Bereits im Jahre 1910 wurde das Buch FRANKENSTEIN erstmals von den EDISON STUDIOS für die Leinwand adaptiert und hat seither unzählige Verfilmungen nach sich gezogen, von denen mittlerweile niemand mehr die genaue Anzahl kennt. Viel filmisches Schindluder wurde über die Jahrzehnte mit dem Erfolgsroman getrieben, wobei vor allen in den experimentierfreudigen 1980er Jahren genug trashiges Horrorfutter für den Videomarkt produziert wurde, das kaum noch etwas mit der Originalgeschichte gemein hatte und den Fokus auf Gewalt, Blut und Spezialeffekte richtete. Gleiches gilt auch für den vorliegenden FRANKENSTEIN. Der feierte auf dem FANTASY FILMFEST 2015 Deutschlandpremiere und kam immerhin beim gewalterprobten Publikum gut an, weil er mit viel fragwürdigem Splatter die Herzen blutgieriger Gorehounds erobern konnte.
 
 
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Hinter der sehr modernen Interpretation verbirgt sich kein Unbekannter. BERNARD ROSE meldet sich nach dem Found-Footage-Schnarcher SXTAPE zurück, der mit CANDYMAN eine der wichtigsten Horrorikonen unserer Zeit erschuf und in den 90ern für CANDYMANS FLUCH reichlich Lob in Horrorkreisen erntete. Das dürfte im Falle von FRANKENSTEIN nicht so zahlreich ausfallen, denn statt eine stimmige Geschichte mit Atmosphäre und Tiefgang zu erzählen, wird geschmackloser Horror mit dem Holzhammer serviert. Rose orientiert sich – wie so viele Regisseure vor ihm – mal mehr, mal weniger lose am Buch und berichtet in seinem Film von einer desorientierten Kreatur, die sich in einer fremden Welt zurechtfinden muss und ausschließlich auf Hass, Gewalt und Verachtung stößt. Das bemitleidenswerte Wesen nennt sich Adam und wurde von Wissenschaftlern im Labor gezeugt, die eine Art Supersoldat schaffen wollten. Leider läuft das Experiment nicht nach Plan, denn die Zellteilung bereitet Probleme. Erste Komplikationen treten auf, so dass sich die Forscher dazu entschließen den künstlich geschaffenen Menschen einzuschläfern. Leider haben sie nicht mit der übermenschlichen Muskelkraft und der unbändigen Widerstandsfähigkeit ihres Testobjekts gerechnet. Das reist sich los, bringt ein paar Wissenschaftler zur Strecke und kann aus dem ungemütlichen Gefängnis entkommen. Doch die eigentliche Hölle wartet vor den Toren der Forschungsstation, denn hier draußen wird die verunsicherte Kreatur mit etwas konfrontiert, was um Längen schlimmer ist, als schmerzhafte Experimente hinter sterilen Wänden: die Bestie Mensch.
 
 
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Gute Ansätze, aber viel unnötiger Gewaltmist. Ohne Zweifel verbirgt sich hinter dieser modernen Adaption eines weltbekannten Mythos die wohl brutalste FRANKENSTEIN-Verfilmung, die die Filmwelt bis dato gesehen hat. Leider ist viel Mord und Totschlag nicht immer förderlich für einen Film, der ganz nebenbei versucht, so etwas wie Gesellschaftskritik an den Zuschauer zu bringen. Regisseur BERNARD ROSE scheint sich nicht zwischen derben Splatter-Horror und kritischem Drama entscheiden zu können, was oftmals dazu führt, dass dem Film die Ernsthaftigkeit genommen wird und die Geschehnisse ins Absurde – fast schön Lächerliche – abgleiten. So geht im Exploitation-Rausch eine nicht unterinteressante Botschaft unter, die dem Zuschauer vermitteln will, dass das grausamste und gewissenloseste aller Monster stets der Mensch selbst ist. Trotz austauschbarer Handlung und zu vielen, geschmacklosen Blutmomenten bleibt XAVIER SAMUEL im Gedächtnis. Der aus THE LOVED ONES bekannte Schauspieler verkörpert hier die Rolle eines verstoßenen Wesens, das sich in einer unterkühlten Welt nach Liebe und Zugehörigkeit sehnt mit Bravour. Samuel bewirkt im Film, dass Mitleid für eine entstellte Kreatur entsteht, die so handelt, wie man es ihr beigebracht hat. Leider ist er da aber der einzige. Die übrigen Darsteller sind kaum der Rede wert und nerven mit teils quälendem Overacting. Selbst Horror-Star TONY TODD bleibt blass. Offensichtlich hat er in der Vergangenheit an zu viel beliebigem Low-Budget-Horror mitgewirkt, dass ihm die Lust vergangen ist, sich von der besten Seite zu zeigen. Somit richtet sich der von BERNARD ROSE gedreht FRANKENSTEIN eher an ein Publikum, dem nicht die Handlung wichtig ist, sondern die Tatsache, dass möglichst viel Blut spritzt. Wem’s gefällt.
 
 
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FRANKENSTEIN – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Die Splatter-Version von FRANKENSTEIN. Ein etwas unausgegorener Mix aus Gewalt-Horror und Gesellschafts-Drama, der eine kritische Botschaft vermitteln möchte. Weil sich Regisseur BERNARD ROSE jedoch etwas zu versteift auf das Zelebrieren deftiger Splatter-Exzessen konzentriert, verliert die nicht uninteressante Gesellschaftskritik an Gewichtung und macht Platz für deftige Hausmannskost, die wohl nur bei hungrigen Gorehounds auf Zustimmung stoßen wird. Trotz guter Ansätze kann man FRANKENSTEIN keineswegs ernstnehmen, dazu spielt Macher Rose zu detailverliebt mit dem Holzhammer und verursacht damit in erster Linie Ekel statt Kontroverse. Verschenktes Potenzial.
 
 


 
 
 

FRANKENSTEIN – Zensur

 
 
 
Gute Nerven sollte man für FRANENSTEIN mitbringen, denn die gezeigte Gewalt im Film hat es in sich. Die wird roh und schonungslos auf der Mattscheibe gezeigt und reicht von eingeschlagenen Schädeln bis zum Ansägen von Hälsen mit einer Säge. Die Kamera hält in den meisten Fällen schonungslos drauf, so dass es etwas verwunderlich anmutet, dass es FRANKENSTEIN ungeschnitten nach Deutschland geschafft hat. Die FSK hat den Film in seiner kompletten Fassung passieren lassen, was wohl vor 10 Jahren undenkbar gewesen wäre. Da saßen wohl Horrorfans im Prüfungsgremium.
 
 
 


 
 
 

FRANKENSTEIN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Eurovideo Medien

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Frankenstein; Deutschland | USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1920 x 1080p) | @50 Hz

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Making-of, B-Roll, Statements, Trailer

Release-Termin: 25.05.2016

 

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FRANKENSTEIN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken & Abbildungen liegen bei Eurovideo Medien)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Roger Cormans Frankenstein (1990)
 
Frankenstein 2 – Das Monster erwacht (2011)
 
Mary Shelley’s Frankenstein (1994)
 
Bride of Re-Animator (1994)
 
Re-Animator (1985)