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Beiträge mit Schlagwort “Horrorfilme Kannibalismus

Filmkritik: „RAW“ (2016)

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RAW

(GRAVE)

Story

 
 
 

Eine überzeugte Vegetarierin verwandelt sich zur leidenschaftlichen Fleischesserin und richtet damit Unheil an.

 
 
 


 
 
 

RAW – Kritik

 
 
 
Man darf nicht immer alles glauben, was über Filme geschrieben wird. Was oft in Klatsch- und Tratschblättern ins Absurdum getrieben wird, damit mit den Schicksalen anderer Kasse gemacht werden kann, findet auch gut und gern mal in der Filmszene Verwendung, um den Kauf von Kinotickets anzukurbeln. So geschehen zur Weltpremiere des französischen Horror-Dramas RAW. Schenkt man nämlich Berichten Glauben, die im Internet die Runde machen, soll der Streifen so heftig sein, dass Zuschauer bei der Uraufführung in Cannes schockiert aus dem Kinosaal liefen. Doch es geht noch krasser. Als der Streifen zum Filmfestival im kanadischen Toronto gezeigt wurde, wurde sogar medizinische Betreuung benötigt, weil Zuschauer wegen unappetitlicher Szenen in Ohnmacht gefallen sein sollen. Das ist vermutlich absoluter Unfug, aber immerhin cleveres PR, um RAW bei Horrorfans interessant machen zu können. Letztere sollten sich aber von der verheißungsvollen Werbung nicht blenden lassen. RAW hat nämlich kaum Schauwerte zu bieten und ist ohnehin mehr Drama statt Horror. Regisseurin JULIA DUCOURNAU hält von reißerischen Grausamkeiten Abstand und verfolgt andere Intensionen. Damit macht sie alles richtig – auch wenn gleichzeitig enttäuschte Gesichter vorprogrammiert sein dürften, weil Frankreich in Sachen Horror seit Jahren einen härteren Kurs verfolgt.
 
 
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Ein neuer Lebensabschnitt bringt nicht selten neue Probleme mit sich. Diese Erfahrung muss auch die verschlossene Musterschülerin Justine (GARANCE MARILLIER) machen, die ihr Studium an einem Institut für Tiermedizin beginnt und es alles andere als leicht hat. Nicht nur, dass sie als Neuling die Demütigungen älterer Kommilitonen über sich ergehen lassen muss. Auch der Speiseplan an der Uni-Mensa hat mit dem von Hotel Mama nur wenig gemein. Hier isst man mit Vorliebe gebratenes Fleisch, was für die überzeugte Vegetarierin zum größten Problem wird. Leider nimmt auf Gaumenfreuden hier niemand Rücksicht – nicht einmal die eigene Schwester. Die stopft der verunsicherten Justine bei einem Aufnahmeritual eingelegte Hasennieren in den Mund und weckt somit neue Instinkte in der schüchternen Studentin. Leider führt die neue Vorliebe nach Fleisch zu Komplikationen. Einmal gekostet macht sich ein hässlicher Ausschlag breit, der mit Salbe behandelt werden muss. Doch es kommt noch schlimmer. Als bei einer Intimwachsstunde versehentlich Blut fließt, passiert das Unfassbare. Justine probiert neugierig vom Lebenssaft der großen Schwester und weckt so die Bestie in sich.
 
 
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Wenn Teenager erwachsen werden und dabei die Kontrolle verlieren. Viel mit Horror hat RAW nicht gemeint. Regie-Newcomerin JULIA DUCOURNAUS erzählt im ersten Langfilm vom Erwachsenwerden und welche Hürden gleichzeitig überwunden werden müssen. Dabei analysiert die Filmemacherin zerrüttete Seelenwelten von Teenagern und ruft so den Überraschungshit IT FOLLOWS ins Gedächtnis, der im Jahr 2015 mit nicht unähnlicher Thematik für Furore gesorgt hat. RAW ist ein zynisches Coming-of-Age-Drama, das mit den Mitteln des Horrorkinos erzählt wird. Hier kommt eine introvertierte Außenseiterin mit Menschenfleisch in Berührung und entwickelt kannibalistische Neigungen. Das Thema „Kannibalismus“ hat dabei jedoch nur Metapher-Funktion und symbolisiert die unterdrückte und unkontrollierbare Sexualität, welche allmählich von Heldin Justine Besitz ergreift. Die verliert bald die Kontrolle über sich und ihren Körper, ohne dabei zu ahnen, was für ein Chaos sie damit anrichtet. Sex und Triebe machen eben aus Menschen Tiere – Cronenbergs RABID lässt grüßen.
 
 
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RAW – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Weit weg vom einfältigen Genre-Kino oder reißerischen Ekelexzessen eines CANNIBAL HOLOCAUST. RAW besitzt zwar Body-Horror-Elemente und schneidet kontroverse Kannibalismus-Thematik an, ist aber unterm Strich eher ein rabenschwarzes Coming-of-Age-Drama, das sich irgendwo zwischen experimentellen Arthaus und mutigem Indie-Kino bewegt. Regisseurin JULIA DUCOURNAU – die sich offenbar vom Vater des Body-Horrors DAVID CRONENBERG inspirieren ließ – versucht im ersten Spielfilm Veränderungen eines Teenagers zu ergründen, der durch äußere und innere Einflüsse zum Erwachsenen heranreift. Leider ist der Reifeprozess alles andere als unkompliziert, denn Filmheldin Justine erlebt im Verlaufe von RAW eine schmerzhafte Verwandlung vom Mauerblümchen zur Frau, die vielen Versuchungen ausgesetzt ist – und keiner widerstehen kann. Der französische Indie-Geheimtipp hat kaum Schauwerte zu bieten und ist mehr Geschichte einer Außenseiterin, die aus gut behüteten Verhältnissen kommt und mit dem „richtigen“ Leben konfrontiert wird. Das bringt die Schülerin ins Stolpern, weil sie im neuen Lebensabschnitt mit Dingen in Berührung kommt, die ihr die Eltern bisher vorenthalten haben. RAW ist ein tragisch aber gleichzeitig komisches Genre-Erlebnis, für das man tiefer forschen muss, um es im Ganzen verstehen zu können. Deshalb lohnt eine Zweitsichtung, vor allem der vielen Metaphern wegen. Somit tritt Filmemacherin JULIA DUCOURNAU in die gleichen Fußstapfen wie bereits TOMAS ALFREDSONS. Der drehte mit SO FINSTER DIE NACHT im Jahr 2008 einen interessanten Streifen, der zumindest thematisch und atmosphärisch RAW nicht unähnlich ist. Demzufolge gilt auch hier: Wer den Anspruch im Horror-Genre sucht, ist mit RAW gut beraten, denn trotz kleiner Schwächen in der zweiten Filmhälfte ist dieses Genre-Drama für ein Erstlingswerk bemerkenswert tiefgründig.
 
 
 


 
 
 

RAW – Zensur

 
 
 
Wer trotz Kannibalismus-Thematik ausufernde Fressszenen erwartet, dürfte enttäuscht werden. RAW (der anfangs übrigens noch GRAVE hieß) ist mehr Drama statt Horror. Die Hauptdarstellerin knabbert an einem abgetrennten Finger, beißt sich in die eigene Hand und findet Gefallen daran, einem Kommilitonen in die Lippe zu beißen. Zudem gibt es einen abgenagten Unterschenkel eines Studenten zu sehen. Hierzulande dürfte das alles mit einer FSK16 in den Handel kommen, da die wirklich überschaubaren Ekelmomente nicht selbstzweckhaft zelebriert werden.
 
 
 


 
 
 

RAW – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Wild Bunch)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Alena (2015)
 
Eat (2013)
 
Excision (2012)
 
Naked Blood (1995)
 
Thanatomorphose (2012)
 
Rabid (1977)
 
Shivers (1975)
 
So finster die Nacht (2008)
 
Sensoria (2015)
 


Filmkritik: „The Snare“ (2017)

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THE SNARE

Story

 
 
 
Drei Freunde wollen es sich einige Tage in einem leerstehenden Gebäudekomplex gemütlich machen. Leider muss man sich bald eingestehen, dass man dort eingeschlossen ist und der Magen knurrt.

 
 
 


 
 
 

THE SNARE – Kritik

 
 
 
Skrupelloser und heimtückischer als jeder Geist, Dämon oder Zombie ist der Mensch selbst. Das wird vor allem dann besonders deutlich, wenn er sich in Extremsituationen befindet und der egoistische Überlebenswille Anstand und Moral vergessen macht. So haben sich schon einige Filmemacher mit menschlichen Urinstinkten beschäftigt, die das Tier im Menschen geweckt haben. Die Folgen waren nicht immer schön anzuschauen, denn wenn es um Leben und Tod geht, ist in den meisten Fällen kaum mehr Zeit für Menschlichkeit. Ganz ähnlich passiert das auch im folgenden Film. Eine verzwickte Situation erweckt hier den Drang zum Überleben. Fernab von Kitsch und Klischees wird in THE SNARE die ungeschönte Wahrheit präsentiert. Der Mensch ist keineswegs kompromissbereit und nächstenliebend, sondern ichbezogen und rücksichtslos. Eine brisante Botschaft, die von Regisseur C.A.COOPER nicht minder kontrovers fürs Heimkino aufbereitet wurde. Der steigt hier in die Fußstapfen von Filmen wie HUNGER oder THE HOLE in denen erschütternd vor Augen geführt wurde, zu was man doch fähig sein kann, wenn man überleben will. Entstanden ist recht deftiger Tobak, der aber trotzdem nur bedingt überzeugen kann. Trotz diskussionswürdiger Grundlage, macht mal wieder ein Twist alles zunichte. Der drängt THE SNARE in eine andere Richtung und verwirrt den Zuschauer unnötig. Leider kommt das im Horrorgenre mittlerweile zu häufig vor. Im Falle dieses Psychothrillers dürften gut gemeinte Absichten dann doch eher für verärgerte Gesichter sorgen – irgendwie funktioniert die Überraschungswendung nicht so recht. Manchmal ist eben weniger mehr.
 
 
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Im deprimierenden Kammerstück THE SNARE verschlägt es die drei Mittdreißiger Alice, Carl und Lizzy in einen verlassenen Apartmentkomplex irgendwo am Hintern der Welt. Die Schlüssel hat Lizzy dem Vater stibitzt. Nun will man in einer Wohnung im oberen Stock des Hauses ein paar nette Tage verbringen. Leider bekommt der Zuschauer bald mit, dass die introvertierte Alice nicht alle Latten am Zaun hat. Sie wird von Tagträumen, Visionen und Albträumen gequält und schreibt sich die Angst im Tagebuch von der Seele. Doch die traumatisierte Psyche der gequälten Protagonistin rückt bald in den Hintergrund. Kaum hat es sich das Trio in der verlassenen Wohnung gemütlich gemacht, passiert das Unfassbare. Der Fahrstuhl funktioniert nicht mehr und die Freunde sitzen fest. Es gibt keine Möglichkeit mehr, die Wohnung zu verlassen. Zudem funktionieren die Telefone nicht. Eine erschreckende Einsicht, die bald schaurige Ausmaße erreicht. Das Essen wird nämlich knapp und auch Wasser kommt nicht mehr aus der Leitung. Psychische Strapazen, die aus Freunden bald Gegner macht. Ob die Drei einen Weg aus dem Gefängnis finden werden?
 
 
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Wer sich vom Poster blenden lässt, wird enttäuscht. THE SNARE ist kein Geister- oder Okkult-Horror, wie es das Plakat zum Film suggeriert. Hinter dem Streifen steckt mehr Psychothriller und Drama, als waschechter Horror. Das Grauen ist hier psychologischer Natur, macht aber nicht vor ungemütlicher Bilderflut halt. Regisseur C.A.COOPER beschreibt im ersten Langfilm das psychische Martyrium einer vom Vater missbrauchten Frau, die ihrem seelischen Gefängnis zu entkommen versucht. Leider sorgt die Flucht für Komplikationen, denn kaum der einen Hölle entkommen, verirrt sie sich gleich in der nächsten. THE SNARE ist nicht leicht zu durchschauen. Passiert das hier alles im Kopf der ohnehin traumatisierten Filmheldin Alice, verfällt die Filmheldin im psychischen Inferno dem Wahnsinn oder sind hier wirklich drei Menschen in einem Apartment eingeschlossen und gehen sich hier wegen Hunger und Psycho-Stress gegenseitig an die Gurgel. Sonderlich aufschlussreich ist die Handlung von THE SNARE nicht und wirklich plausible Antworten gibt Filmemacher C.A.COOPER nicht. Das hat selbst uns alte Filmhasen gefordert, was nicht gerade für den Film spricht. THE SNARE ist schwer zu entschlüsseln und strotzt nur so vor Metaphern und Zweideutigkeiten. Demzufolge ist dieser Psycho-Horror nichts fürs anspruchslose Publikum, das sich von plakativen Schocks und handgemachten Ekelhaftigkeiten berieseln lassen möchte. Letztere sind hier nichtsdestoweniger mehr als genug vorhanden. Trotzdem lebt THE SNARE dann doch vorrangig von seiner klaustrophobischen Ausgangssituation und den psychischen Strapazen seiner Hauptdarsteller. Die Ekeleffekte sind da nur schmückendes Beiwerk und sollen die verstörende Stimmung des Films unterstreichen. Vor allem in der zweiten Hälfte gelingt das dem eher gemächlich inszenierten Streifen ganz gut. Trotzdem ist THE SNARE keine Referenz in Sachen Psycho-Horror. Mehrfachinterpretationen verwirren und sollen wohl bei genauerer Betrachtung die vielen Plot-Löcher kaschieren, mit denen der britische Debütstreifen des Öfteren zu kämpfen hat. Dann doch besser noch mal Psychothriller wie DAS EXPERIMENT, DIE HÖHLE oder CUBE in den Player legen. Die protokollieren in schockierendem Ausmaß, wie sich in der platzarmen Enge der Gefangenschaft unterdrückte Ängste, Aggressionen und Begierden ihren Weg bahnen und Menschen zu grauenhaften Taten anstiften.
 
 
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THE SNARE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Um was geht es denn hier eigentlich? Dieser Psycho-Horror ist ein ziemliches Durcheinander, das definitiv nichts für jene ist, die im Film immer plausible Antworten auf dem Silbertablett serviert bekommen möchten. THE SNARE hat gleich ein paar Interpretationsansätze in petto, die aber nicht sonderlich gut funktionieren. Der Film fordert den Zuschauer mit Metaphern und Mehrdeutigkeiten und nimmt zu keiner Zeit richtig Stellung. Da sieht der Zuschauer in den Kopf einer traumatisierten Protagonistin und wird mit verstörenden Visionen konfrontiert. Ein anderes Mal werden Figuren dabei gefilmt, wie sie in Folge von Hunger und Durst unfassbare Dinge tun. Dabei stellt sich stets die Frage, was denn nun real ist und was denn nun dem Kopf der ohnehin bereits psychisch vorgeschädigten Filmheldin entspringt. Als Psychogramm einer traumatisierten Frau funktioniert THE SNARE demnach nicht sonderlich gut. Dazu verwirren Rückblenden, Visionen und Träume unnötig. Sieht man THE SNARE als klaustrophobisches Kammerstück über drei Menschen, die in Folge von Hunger und Durst den Respekt voreinander verlieren, hat der Film durchaus Höhepunkte und Daseinsberechtigung. Weil hier aber Grenzen verschwimmen und der Zuschauer bald selbst keinen Überblick mehr über Geschehnisse im Film hat, dürfte sich dieser Psychothriller mit seiner verworrenen Machart nicht sonderlich viele Freunde machen.
 
 
 


 
 
 

THE SNARE – Zensur

 
 
 
Trotz Psychothriller sind in THE SNARE einige deftige Sachen zu sehen. Vom Vergewaltigen von Frauen, über das Verspeisen von menschlichem Fleisch ist hier allerhand kontroverses Zeug zu sehen, das wohl eine Erwachsenenfreigabe rechtfertigt. Wir vermuten, dass THE SNARE wohl einen roten FSK-Flatschen erhalten wird. Dafür aber in ungeschnittener Form.
 
 
 


 
 
 

THE SNARE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte Film für Grafiken liegen bei Bohemian Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hunger (2009)
 
The Noonday Witch (2016)
 
Vile – Pain (2011)
 
Die Höhle – Überleben ist ein Instinkt, keine Wahl (2014)


Filmkritik: „Drifter“ (2016)

drifter-2016-posterPoster-Copyright: ©Jonathan B Perez
 
 
 

DRIFTER

Story

 
 
 
Zwei Brüder verirren sich in die Höhle des Löwen. In einer verlassenen Wüstenstadt geraten sie in die Fänge gewissenloser Psychopathen, die ihre ganz eigenen Willkommensrituale mit Durchreisenden zu feiern pflegen.
 
 
 


 
 
 

DRIFTER – Kritik

 
 
 
Wie hätte sich das moderne Horror-Genre wohl entwickelt, wenn es nicht Regisseure wie WES CRAVEN, JOHN CARPENTER oder TOBE HOOPER gegeben hätte, die Generationen schockiert und so dem Horrorfilm zur Popularität verholfen haben? Letztgenannter brachte mit dem College-Film THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE 1974 einen einflussreichen Wegbereiter des modernen Angstkinos in die Lichtspielhäuser, der nicht nur maßgeblich am Erfolg schmuddeliger Exploitation-Filme beteiligt war. Hoopers Paradebeispiel für kompromissloses Terrorkino polarisierte die Zuschauer und inspirierte ungezählte Filmemacher, mal mehr, mal weniger gelungene Plagiate des fix berüchtigt gewordenen Kettensägenmassakers zu drehen. Weit über 40 Jahre später hat sich da nichts geändert, wie der Indie-Horror DRIFTER beweist. Der lockt zwar nicht mit einem verheißungsvollen Massaker im Titel, ist aber bei genauerer Betrachtung nichts weiter als eine Neuinterpretation des Klassikers aus der Mache TOBE HOOPERS.
 
 
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Die zwei Brüder Miles (ARIA EMORY) und Dominic Pierce (DREW HARWOOD) kämpfen ums Überleben. In einer Zeit, in der die Welt kurz vor dem Untergang steht. Sie sind auf der Suche nach den Übeltätern, die für den Tod des geliebten Vaters verantwortlich sind und schlagen sich durch trostlose Wüstenlandschaften in denen es keine Freunde, sondern nur Feinde gibt. Nachdem ihnen mal wieder einige Fieslinge ans Leder wollen und Miles an der Hand verletzt wird, muss ein Arzt her. Doch den zu finden scheint in einem standesgemäßen Weltuntergangsszenario wie diesem schier unmöglich zu sein. So reisen die Brüder durchs Land und geraten in eine Geisterstadt, die ihnen zum Verhängnis wird. Eine Gruppe Kannibalen treibt dort ihr Unwesen und nimmt keine Gefangenen. Im übertragenen Sinn. Tatsächlich überwältigen sie die Brüder und verschleppen sie in ihren Bau. Was ihnen dort widerfährt, dürften Filmkenner bereits aus erwähntem TEXAS CHAINSAW MASSAKER sowie dessen Fortsetzungen und Prequels kennen.
 
 
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Wüsten-Massaker – nur ohne Kettensäge diesmal. Nein, DRIFTER ist trotz des Bades in der Reminiszenz keine Katastrophe. Ganz im Gegenteil. Regisseur CHRIS VON HOFFMANN hat mit seinem Spielfilmdebüt einen passablen Terrorfilm geschaffen, der vor allem durch seine durchdachte Optik zu bestechen weiß. Zu sehen gibt es durchgestylte Bilder, ungewöhnliche Kamerablickwinkel und ein schwüles Wüsten-Setting, das hin und wieder an den nachgerückten und bisher kommerziell erfolgreichsten Teil der Mad-Max-Reihe erinnert: MAD MAX – FURY ROAD. Unterstrichen wird das für Indie-Verhältnisse visuelle beeindruckende Treiben von grummelnden Bässen, Synthesizer-Klängen und verstörenden Soundeffekten, die unverkennbar durchscheinen lassen, wer Einfluss auf den Regisseur gehabt haben muss. So dürften Filmkenner akustische Anleihen zu Klassikern wie SUSPIRIA (während des Abspanns) oder dem Frühwerk des JOHN CARPENTER erkennen.
 
 
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Auf der Crowdfunding-Seite zu DRIFTER gab Filmemacher CHRIS VON HOFFMANN weiterhin zu verstehen, dass ihn aber auch Regisseure wie MARTIN SCORSESE, WILLIAM FRIEDKIN, JEAN-PIERRE MELVILLE und ABEL FERRARA beeinflusst haben sollen. DRIFTER zumindest haben die vielen Inspirationsquellen gut getan, denn die für Terror- und Backwood-Horror untypische Kulisse in Kombination mit der gelungenen akustischen Untermauerung, stellt eine gelungene Abwechslung zum teils bedeutungslosen Horror-Brei dar, der heute beinahe täglich ins Händlerregal gestellt wird. Da sieht man doch verständnisvoll darüber hinweg, dass DRIFTER im Mittelteil ein wenig schwächelt. Aufgrund der visuellen Raffinessen verliert der Regieneuling ab und an das Drehbuch aus den Augen. Das macht sich durch Leerlauf und Tempoeinbußen bemerkbar. Doch der nächste Gewaltmoment lässt nicht auf sich warten. Die sind im Film reichlich vorhanden und dürften wegen ihrer professionellen Machart Fans fürs grobe Gewaltkino zufriedenstellen. Wer sich an die härtere Gangart eines TEXAS CHAINSAW MASSACRE – THE BEGINNING gewöhnt hat, dürfte sich auch bei DRIFTER gut aufgehoben fühlen. In Sachen filmischer Kompromisslosigkeit hat Regisseur, Drehbuchautor und Produzent CHRIS VON HOFFMANN sich manchen Handgriff und Einfall von den Altmeistern abgeschaut.
 
 


 
 
 

DRIFTER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
MAD MAX trifft auf TEXAS CHAINSAW MASSACRE. Das sind zumindest neben WOLF CREEK und THE PROPOSITION zwei weitere Titel, die der Regie-Newcomer im Informationstext seiner Crowdfunding-Kampagne aufzählt und die ihn zum Dreh seines Debütstreifens DRIFTER inspiriert haben sollen. Offensichtlich scheint er damit reichlich Interesse beim Horrorfilmliebhaber geweckt zu haben, weshalb Filmfans auf einer bekannten Crowdfunding-Plattform Geld spendeten, damit DRIFTER fertiggestellt werden konnte. Trotz bekannter Verweise ist DRIFTER aber dann doch mehr TEXAS CHAINSAW MASSACRE mit Protagonisten aus dem Modelkatalog, die nacheinander mit diversen Schieß- und Schneideutensilien ausradiert werden. Das allein ist natürlich nicht der Rede wert, wäre da nicht die versierte Symbiose aus Technik, Optik und Akustik. Diese Kombination lässt den Film nach deutlich mehr ausschauen, als er vermutlich gekostet hat und hebt ihn aus der grauen Masse an beliebigen Backwood- und Terrorstreifen hervor. Talent und Erfahrung zahlen sich eben aus. Letzteres hat Regisseur, Drehbuchautor und Produzent CHRIS VON HOFFMANN ausreichend während der Arbeit zu diversen Kurzfilmen gesammelt, die er mit viel Liebe zum Genre inszeniert hat. Mit einigen davon gewann er sogar Preise auf einschlägigen Festivals. Chapeau!
 
 


 
 
 

DRIFTER – Zensur

 
 
 
Wie es sich für einen TEXAS CHAINSAW MASSACRE-Klon gehört, geht es auch in DRIFTER nicht gerade zimperlich zur Sache. Von einem abgeschlagenen Schädel, über Einschusswunden bis zu übel zugerichteten Leichen und Gesichtern gibt es einige äußerst schmerzhafte Spezialeffekte zu sehen. Hierzulande hat das aber für eine Erwachsenenfreigabe gereicht, ohne das geschnitten werden muss. Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

DRIFTER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) I-ON New Media (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Drifter; USA 2016

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 31.03.2017

 

Drifter [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DRIFTER – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen, Szenenbilder liegen bei I-ON New Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blutgericht in Texas (1974)
 
Kill, Granny, Kill! (2014)
 
The Redwood Massacre (2014)
 
Wolf Creek 2 (2014)
 
Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre (2003)
 
Texas Chainsaw 3D
 


Filmkritik: „The Evil in Us“ (2016)

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THE EVIL IN US

Story

 
 
 
Ein Drogentrip mit Folgen. Sechs Freunde verwandeln sich nach der Einnahme von Kokain in aggressive Killerfurien.

 
 
 


 
 
 

THE EVIL IN US – Kritik

 
 
 
Wenn unwissende Teenager zu einer Hütte in den Wald fahren, weiß der Horrorfan mittlerweile wie das ausgehen wird. Seit EVIL DEAD, CABIN FEVER oder THE CABIN IN THE WOOD sind einsame Bretterbuden in den Wäldern schon lange kein Garant mehr für Idylle, Romantik und Erholung. In Horrorfilmen sorgen diese klapprigen Waldbehausungen in der Regel für Tod, Verderben und Chaos. Das führt dazu, dass oft nur wenige ihrer Besucher lebend in die Zivilisation zurückfinden. Auch im folgenden Horrorthriller mit dem Titel THE EVIL IN US ist das nicht anders. Hier gibt bereits der Titel einen kleinen Vorgeschmack auf das, was den Zuschauer im Film erwarten wird. Das sprichwörtliche Böse frisst sich hier durchs Drehbuch, das in scheinbar friedliebenden Menschen entfacht wird und so niedere Instinkte weckt. Wenn das mal keine guten Aussichten für all jene sind, die eine Vorliebe für blutige Schlachtfeste besitzen.
 
 
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Im kanadischen Horrorthriller THE EVIL IN US reisen sechs Freunde auf eine entlegene Insel irgendwo vor der Küste Washingtons, um dort den Unabhängigkeitstag zu feiern. Doch die kleine Feier soll ihr Verhängnis werden. Einer der Freunde hat nämlich Drogen dabei, die die Fete etwas auflockern sollen. Doch kaum sind die Drogen im Körper gelandet, passiert das Unfassbare. Die Kumpels legen eine unbändige Wut an den Tag und entwickeln kannibalistische Neigungen. So beginnen sie sich gegenseitig zu zerfleischen bis am Ende keiner mehr von ihnen am Leben ist. Doch die schockierende Verwandlung kommt nicht von ungefähr. Eine ominöse Organisation experimentiert im Untergrund mit aggressiven Viren, die das menschliche Nervensystem manipulieren sollen. Heimlich hat man diesen Killervirus in Drogen versteckt und auf den Markt gebracht. Was folgt gleicht einem Desaster, denn Menschen die diesen Übeltäter in sich tragen, werden zu unaufhaltsamen Killermaschinen. Das sind keine guten Aussichten für die gesamte Menschheit.
 
 
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THE EVIL IN US ist die x-te Version über flache Charaktere, die in eine Waldhütte fahren und dort den Terror erleben. Zombie und Hütten-Horrorfans wird’s vermutlich freuen, denn Blut fließt reichlich und eklige Momente gibt es auch zu sehen. Dennoch hat man auch bei diesem Horrorstreifen häufiger das Gefühl, als habe man genau jenen Film – nur mit anderen Schauspielern besetzt – schön öfters gesehen. Das liegt in erster Linie wohl daran, weil Regisseur und Drehbuchautor JASON WILLIAM LEE die Atmosphäre von CABIN FEVER mit bekannten Zombie-Klischees kombiniert und daraus Horrorunterhaltung macht, die bei genauerer Betrachtung eigentlich eher bei anderen Horrorfilmen stibitzt. Originalität, Neuerungen oder gar frische Ideen sind Mangelware, was THE EVIL IN US beliebig macht. So ist eine Virusinfektion auf Zeit die einzige neue Idee in diesem sonst eher einfallslosen Film, der einzig darauf aus ist am Ende den Holzhammer aus dem Sack zu lassen. Während in den meisten Zombiefilmen eine Infektion mit einem Virus den Tod bedeutet, haben die Protagonisten in diesem Film eine realistische Überlebenschance. Der Eindringling wütet nämlich nur wenige Stunden im Körper. Leider wissen das die Freunde nicht und zerfleischen sich im Blutrausch gegenseitig, noch bevor der Körper den Virus bekämpfen kann. Damit tritt der Film in die gleichen Fußstapfen wie der spanische SUMMER CAMP, der im Prinzip eine ganz ähnliche Geschichte erzählt hat, die aber weitaus spannender und atmosphärischer in Szene gesetzt wurde.
 
 
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Unterm Strich ist THE EVIL IN US kein herausragender Horrorfilm. Fast alle Protagonisten sehen aus wie aus dem Ei gepellt und entsprechen den gängigen Stereotypen, die man schon so oft in dieser Art von Filmen zu sehen bekommen hat. Viel wird von denen auch nicht abverlangt – außer vielleicht, dass sie am Ende möglichst laut um ihr Leben kreischen sollen. Doch vorhersehbaren Erzählmechanismen und aufdringliche Klischees sind noch das kleinere Übel. Viel unerträglicher ist das oftmals hölzerne Schauspiel. Die jungen Darsteller geben zwar ihr Bestes, übertreiben es ab hin und wieder. Das hat zur Folge, dass Gezeigtes übertrieben und unnatürlich wirkt, was den Sehgenuss erheblich trübt. Demzufolge ist auch THE EVIL IN US nur all jenen zu empfehlen, die nach den vielen Zombiefilmen der letzten Jahre einfach nicht genug davon bekommen können. Der Film spult bekannte Mechanismen aus dieser Art von Streifen unkreativ ab und ergänzt sie mit Filmgewalt. Das langweilt leider ziemlich schnell. Wen es interessiert: Die blutigen Höhepunkte reduzieren sich auf die letzte halbe Stunde. Was sich davor abspielt, ist kaum der Rede wert.
 
 
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THE EVIL IN US – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
28 DAYS LATER meets CABIN FEVER. Kompromisslose Überlebenshatz mit blutigem Showdown. Hinter dem ansprechenden Filmplakat verbirgt sich kein herausragender Horrorfilm. THE EVIL IN US ist ein beliebiger Schocker, der die allmählich nervende Zombiethematik streift und sich irgendwo zwischen CABIN FEVER und THE CRAZIES bewegt. Was passiert ist so ziemlich vorhersehbar. Allein die letzten 30 Minuten könnten das Interesse von Horrorfans wecken. Dort geht es nämlich relativ grob zur Sache. Nacheinander werden Mittzwanziger von einem Virus befallen, der ihre aggressive Seite entfacht – um mal wieder zum Titel des Films zu kommen. Das sorgt immerhin für blutiges Einerlei, weil sich die Protagonisten gegenseitig an die Gurgel gehen. Ob das allein ausreicht, um das Sehen eines Horrorfilms zu rechtfertigen, sollte aber jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden. Für uns als Kritikerteam ist das leider zu wenig.
 
 
 


 
 
 

THE EVIL IN US – Zensur

 
 
 
In der letzten halben Stunde geht die Post ab. Von Ausweidungen bis Verbrennungen ist einiges dabei, was Horrorfans zusagen dürfte. Trotzdem ist das alles noch im vertretbaren Rahmen, so dass eine Freigabe mit rotem FSK-Flatschen realistisch ist. Ungeschnitten und keine Jugendfreigabe versteht sich.
 
 
 


 
 
 

THE EVIL IN US – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Poster liegen bei Sandcastle Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Summer Camp (2015)
 
The Crazies – Fürchte deinen Nächsten (2010)
 
Carriers (2009)
 


Filmkritik: „Bone Tomahawk“ (2015)

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BONE TOMAHAWK

Story

 
 
 
Irgendwo im Nirgendwo stoßen vier Cowboys auf einen hungrigen Indianerstamm aus Kannibalen und müssen um ihr Leben fürchten.

 
 
 


 
 
 

BONE TOMAHAWK – Kritik

 
 
 
Der Western lässt sich einfach nicht unterkriegen. Seit einigen Jahren erlebt das immer wieder totgesagten Genres unregelmäßige Revivals und das, obwohl die Hochzeiten des Spät- und Italo-Western schon längst Dekaden zurückliegen. Dass man mit dieser Art von Filmen auch heute noch genug Asche verdienen und auch Oscars gewinnen kann, bewies 2012 Kultregisseur QUENTIN TARANTINO. Der lies mit dem Neo-Western DJANGO UNCHAINED nicht nur Kinokassen klingeln; ihm gelang sogar das Kunststück den staubigen Western einer neuen, jungen Generation schmackhaft zu machen, die bisher nur in Gesprächen mit den Eltern von der Existenz jener Filme erfahren hat. Im Fahrtwasser des aktuellen Cowboy-Hypes will nun auch Newcomer S. CRAIG ZAHLER ein Stück vom Erfolgskuchen abhaben. Der eifert mit BONE TOMAHAWK nicht nur genannten Tarantino nach, sondern holte sich beim obligatorischen Filmtwist kreativen Ideeninput bei FROM DUSK TILL DAWN (übrigens auch von Tarantino geschrieben) – jenem Roadmovie, das sich nach der Halbzeit unerwartet zum irrwitzigen Splatter-Trip verwandelt, in dem Vampire die Leinwand heimsuchen.
 
 
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Ebenso blutig, aber weniger spaßig geht es in BONE TOMAHAWK zu. Der erzählt von seltsamen Ereignissen in der kleinen Stadt Bright Hope, wo plötzlich Menschen verschwinden oder tot aufgefunden werden. Wilde Tiere sollen für schlimm zugerichteten Leichen verantwortlich gemacht werden. Doch einer der Einheimischen weiß Genaueres. So sollen Kannibalen – sogenannte Troglodyten – in den Bergen ihr Unwesen treiben und sich vom Fleisch der Menschen ernähren. Als der Höhlenbewohner erneut in die Stadt einkehren, einen farbigen Stallburschen abschlachten, Pferde stehlen und Stadtbewohner in ihre Höhlen verschleppen, beschließt Sheriff Franklin Hunt (gespielt von Altstar KURT RUSSELL) dem grausamen Treiben ein Ende zu bereiten. Er trommelt eine Gruppe Freiwilliger zusammen und folgt den Entführern in die Berge. Leider sind die stärker als erwartet, denn bewaffnet mit Pfeil und Bogen trotzen sie den Gewehren ihrer Verfolger. Leider haben unsere tapferen Helden nicht mit der Zähheit ihrer Gegner gerechnet. Die befinden sich bald selbst auf dem Speiseplan der Kannibalen und müssen ums Überleben bangen.
 
 
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Laut diversen Interviews schlug das Herz des amerikanischen Regie-Neulings schon immer für das Western-Genre. So wirkte er bereits als Kameramann und Drehbuchautor (darunter der Anstalts-Horror THE INCIDENT) an diversen Filmprojekten mit, nahm sich aber auch die Freiheit selbst Romane und Drehbücher über den Wilden Westen zu schreiben. Mit BONE TOMAHAWK konnte sich Macher S. CRAIG ZAHLER einen langjährigen Traum verwirklichen und eines seiner eigenen Western-Skripte auf die Leinwand bringen. Angelehnt an die schmuddligen Spaghetti-Western der späten 1960, überrascht Zahler mit unüblicher Kreuzung von Filmgenres. BONE TOMAHAWK ist kein lupenreiner Western in dem Postkutschen ausgeraubt oder Revolverduelle zelebriert werden. Vielmehr entpuppt sich der Streifen als Western-Spektakel der Extreme, das von deftigen Horrorelementen Gebrauch macht und das nicht gerade wenig.
 
 
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Regisseur S. CRAIG ZAHLER verlangt einiges vom Zuschauer ab. Er setzt Sitzfleisch und Geduld voraus, belohnt dafür mit atemberaubenden Landschaftsaufnahmen und überraschend brutalem Ende. So ist der erste Langfilm mit knapp 130 Minuten äußerst lang geraten, weil er sich zu viel Zeit lässt, um den beschwerlichen Fußmarsch seiner vier Helden auf Film zu bannen. Die erzählen viel und erreichen erst kurz vor der Zielgerade das Land der Kannibalen. Spätestens dann erwacht BONE TOMAHAWK aus seiner Lethargie. Dank drastischem Richtungswechsel hinterlässt der Film Eindruck, denn im Finale wird der anfängliche Neo-Western zum harten Überlebens-Horror, in dem die wohl deftigsten Gewaltmomente vor die Linse kommen, die man bisher im Cowboy-Genre gesehen hat. Statt lustigem Fun-Splatter zu zelebrieren, bleibt BONE TOMAHAWK todernst, sorgt aber immerhin für einige Schmunzler, weil die Helden trotz ernster Lage, coole Sprüche auf den Lippen haben. Trotzdem ist BONE TOMAHAWK ein zweischneidiges Schwert. Fans staubiger Wildwestfilme dürfte die schwerfällige Inszenierung und das zu grausame Ende abschrecken. Horrorfans werden sich dagegen mit der ersten Hälfte schwertun, die im Grunde kaum Schauwerte bietet und nur wenig zu erzählen hat. Dennoch sollte man S. CRAIG ZAHLER für den Mut zum Unkonventionellen beglückwünschen. Der hat trotz zähem Erzählstil einen Western geschaffen von dem man zweifelsohne behaupten kann, so etwas noch nie gesehen zu haben.
 
 
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BONE TOMAHAWK – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein seltsamer Mix zwei Filmgenres, die unterschiedlicher nicht sein könnten. BONE TOMAHAWK ist ein außergewöhnlicher Film der Extreme. So ist der Streifen mit knapp 130 Minuten nicht nur ziemlich lang; er hat auch 90 Minuten kaum Erwähnenswertes zu erzählen. So wohnt der Zuschauer vier Helden bei, die unermüdlich durch staubige Landschaften stiefeln und dabei über Gott und die Welt plaudern. Immerhin hat Regie-Newcomer S. CRAIG ZAHLER ein Ass im Ärmel. Der Neo-Western wird kurz vor der Zielgeraden zum harten Überlebens-Horror in dem Menschen wie Vieh vor der Kamera zerlegt werden. Leider dürfte die ungewöhnliche Machart nicht bei jedem Zuschauer gut ankommen, denn die teils ereignislose Machart, die lange Laufzeit und das behäbige Tempo machen die Augen des Publikums schwer.
 
 
 


 
 
 

BONE TOMAHAWK – Zensur

 
 
 
BONE TOMAHAWK hat wegen der kompromisslosen Splattereinlagen von der FSK eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten. Verwunderlich ist das nicht, denn am Ende gibt es einige harte Hinrichtungen zu sehen. Löblicherweise ist der Film hierzulande ungeschnitten erschienen.
 
 
 


 
 
 

BONE TOMAHAWK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Bone-Tomahawk-bluray

(c) Constantin Film | Highlight Communications

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Bone Tomahawk; USA 2015

Genre: Horror, Western

Ton: Deutsch DTS-HD HR 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD HR 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1920 x 1080p)

Laufzeit: ca. 132 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Kinotrailer, Trailershow

Release-Termin: 21.01.2016

 

Bone Tomahawk [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

BONE TOMAHAWK – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Constantin Film | Highlight Communications

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Gallowwalkers (2012)

John Carpenters Vampire (1988)

Ravenous – Friss oder stirb (1999)
 


Filmkritik: „He Never Died“ (2015)

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HE NEVER DIED

Story

 
 
 
Jack (Henry Rollins) kommt einfach nicht zur Ruhe. Er ist dazu verdammt ewig auf Erden zu wandeln, um bösen Jungs die Hintern zu versohlen. Als seine 19-jährige Tochter Andrea (Jordan Todosey) unerwartet an der Wohnungstür klingelt und ihren Vater kennenlernen möchte, gerät das bisher geregelte Leben des eigenbrötlerischen Zeitgenossen aus den Bahnen.

 
 
 


 
 
 

HE NEVER DIED – Kritik

 
 
 
Anfang der 1980er gelang HENRY ROLLINS der musikalische Durchbruch. Als zweiter Sänger der einflussreichen Hardcore-Band BLACK FLAG brachte er Konzerthallen zum Kochen und gründete 1987 die erste Version der nach ihm benannten ROLLINS BAND. Aber Hank ist ein Multitalent. Er macht nicht mehr ausschließlich Musik, sondern verdient sich sein Lohn und Brot neben Spoken-Word-Performances auch als Autor, Verleger und Schauspieler. Leider musste er sich bisher immer nur mit Nebenrollen in Filmen zufriedengeben, in denen er meist noch vor dem Abspann das Zeitliche segnete (u.a. WRONG TURN 2 und FEAST). Das ändert sich jedoch in HE NEVER DIED, denn diesmal darf er überleben und andere in Jagdgründe befördern – herrlich schwarzhumorig und garantiert nicht unblutig.
 
 
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Jack (HENRY ROLLINS in einer Rolle, die ihm offensichtlich auf den Leib geschneidert wurde) lebt seit Jahrhunderten kein einfaches Leben. Der Eigenbrötler kann nämlich nicht sterben, besitzt eine unbändige Gier nach Menschenfleisch und versucht die Lust am Töten durch eine gewissen Routine im Leben zu unterbinden. So besucht er jeden Abend das gleiche Restaurant, spielt regelmäßig Bingo und kauft illegal Blut von Krankenhäusern, um seinen Durst stillen zu können. Leider kommt der bisher minutiös geplante Tagesablauf ins Wanken, als Tochter Alexandra unerwartet an der Wohnungstür klingelt. Die will endlich ihren Vater kennenlernen, ist aber über dessen eigensinnigen Willkommensgesten nicht sonderlich erfreut. Leider bleibt nicht viel Zeit für tiefsinnige Gespräche, denn das Mädchen wird von bösen Jungs verschleppt. Keine gute Idee, denn Vater Jack wird zum Rächer und tötet unkontrolliert jeden, der sich ihm in den Weg stellt.
 
 
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Kannibalismus und Rache in Kombination mit coolen Sprüchen, biblischen Motiven und viel schwarzem Humor. Das sind Genre-Zutaten, die Horrorfanherzen schneller schlagen lassen. Irgendwo zwischen JOHN WICK, THE PUNISHER und EIN MANN SIEHT ROT verkörpert HENRY ROLLINS einen schweigsamen Einzelgänger, der immer einen trockenen Spruch auf den Lippen hat, wenn er kriminelle Typen verprügelt. Dabei zuzusehen bereitet eine Menge Spaß, denn der etwas andere Superheldenfilm für Erwachsene glänzt durch clever geschriebene Dialoge, eine Menge einfallsreicher Ideen und abartig gute Lacher. Leider fällt – wie so oft in Indie-Produktionen – das magere Budget ins Gewicht, denn viel Spielraum stand nicht zur Verfügung. Das macht sich vor allem bei Bühnenbild und Kulissen bemerkbar, die eher zweckmäßig umgesetzt wurden und an TV-Ware erinnern, aber immerhin den düsteren Ton des Streifens unterstreichen. Das ist aber auch nicht sonderlich schlimm, liegt der Fokus ohnehin auf den skurrilen Figuren, die sich in HE NEVER DIED so schräg verhalten, dass man meinen könnte, sie wären einem Comic entsprungen.
 
 
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Wenn Väter sich aufmachen, um ihre Kinder aus den Fängen des Bösen zu befreien: HE NEVER DIED ist zynisches Rachekino mit geheimnisvollen Antihelden, der Stoff für mindestens eine Fortsetzung liefert. Das sahen die Leute aus dem Produktionsstudio 108 MEDIA ähnlich. Dort hat man sich kurzerhand dazu entschlossen den Horrorspaß gleich in Serie gehen zu lassen. Weil Horrorserien im TV momentan der Renner sind, soll eine achtteilige Miniserie die Hintergründe von Filmcharakter Jack näher beleuchten. Der outet sich im Verlauf der Filmhandlung als biblische Figur Kain, die für den Mord an Bruder Abel von Gott dazu verdammt wurde, ewig in Form eines fleischfressenden Monsters auf Erden zu wandeln. Ob er von seinen Leiden erlöst werden kann, wird sich im Serienformat zeigen. Fakt ist, dass es Drehbuchautor und Regisseur JASON KRAWCZYK mit HE NEVER DIED gelungen ist, Kannibalismus- und Rachekino so zu verschmelzen, dass am Ende ein unterhaltsamer Film entstanden ist, den man so noch nicht gesehen hat. Im Dschungel der immer wieder gleichen Horrorgeschichten ist das schon als Kunststück zu bezeichnen.
 
 
 


 
 
 

HE NEVER DIED – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein abgefahrener Rache-Mix aus Humor und Gewalt, der dank Hauptdarsteller HENRY ROLLINS schwer unterhaltsam ist. Der etwas andere Superheldenfilm für Erwachsene glänzt durch abgefahrene Ideen und viel trockenem Humor, der allein das Sehen von HE NEVER DIED rechtfertigt. Buchautor und Musiker Rollins trägt den Film auf seinen breiten Schultern und liefert eine unglaubliche Leistung ab. Beachtlich, erklärte der Künstler in einem Interview mit der Zeitschrift ROLLING STONE, dass er bisher nie Schauspielunterricht besucht hat und sich bei den Verkörperungen seiner Rollen stets auf eigene Lebenserfahrung verlassen konnte. Die Figur des mürrischen Einzelgängers scheint Rollins wie auf dem Leib geschneidert und macht Lust auf mehr Filme in denen der Sänger als Held mit scharfer Zunge fiese Schurken verprügelt. Wir meinen: HE NEVER DIED ist ein Fest – nicht nur für HENRY ROLLINS-Fans. Unbedingt sehenswert!
 
 
 


 
 
 

HE NEVER DIED – Zensur

 
 
 
Einige böse Momente gibt es zu sehen. Die sind aber nicht sonderlich schlimm anzuschauen. Trotzdem wurde der Film von der FSK erst für Erwachsene (keine Jugendfreigabe) freigegeben. Natürlich ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

HE NEVER DIED – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) I-ON (KeepCase Blu-ray)

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(c) I-ON (limitiertes Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: He Never Died; Kanada 2015

Genre: Horror, Action, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | limitiertes Mediabook

Extras: Trailer | zusätzlich im Mediabook: Film-DVD und Booklet

Release-Termin: 27.05.2016

 

He never died – Limited Mediabook [Blu-ray] auf AMAZON bestellen

He never died – KeeCase Version [Blu-ray] auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

HE NEVER DIED – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Alle Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei I-ON)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
God’s Army (1995)
 
Constantine (2005)
 
Legion (2010)
 


Filmkritik: „Bastard“ (2015)

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BASTARD

Story

 
 
 
Was für ein Zufall: Ein frisch vermähltes und blutgeiles Killer-Duo (DAN CREED und ELLIS GREER) gabelt auf der Fahrt zu einem Liveauftritt ein verliebtes Tramper-Paar (darunter REBEKAH KENNEDY aus HOUSE HUNTING und THE UNDERNEATH) auf der Landstraße auf und nimmt es mit dem Auto mit. Die Anhalter outen sich später als Bruder und Schwester und landen zusammen mit den neuen mordgierigen Freunden in einer Herberge auf der Speisekarte von Kannibalen. Tja, das Leben geht manchmal seltsame Wege.
 
 
 


 
 
 

BASTARD – Kritik

 
 
 
Ein weiterer Streich von AFTER DARK FILMS. Nachdem man sich mit dem AFTER DARK HORRORFEST in Fankreisen einen Namen machen konnte, produziert man seit einigen Jahren selbst Horrorfilme, um Fans der schaurigen Unterhaltung mit immer neuen Horrorprodukten bei Laune halten zu können. Dabei liegt der Fokus vor allem auf Abwechslung, damit dem Publikum nicht langweilig wird. Ob mordende Zwillinge, ausgefuchste Serienmörder, turboschnelle Zombies oder hysterische Sektengurus – unter dem Banner AFTER DARK ORIGINALS wird im Akkord Gruselzeug fürs Heimkino fabriziert, um die gierige Horrormeute mit stets unterhaltsamen Indie-Schockern fernab des Mainstreams zu versorgen. Mittlerweile gehören die hauseigenen Produktionen aus den AFTER DARK-Studios zum Must-See für Horrorfans, denn anders als Horror-Verbrechen aus den Schrottpressen ASYLUM oder SYFY ist man bei AFTER DARK FILMS immer noch um ein gewisses Maß an Qualität und Schrecken bemüht. Trotz sehenswerte Angstmacher haben es leider immer noch nicht alle AFTER DARK ORIGINALS-Filme nach Deutschland geschafft. So warten vor allem ältere Produktionen, wie CHILDREN OF SORROW, RITUAL oder DARK CIRCLES auch weiterhin auf eine deutsche Auswertung und das, obwohl Letztgenannter zu einem der besten Machwerke gehört, die die Schauerschmiede bis heute produziert hat.
 
 
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Mit dem Horror-Thriller BASTARD probieren die Experten für kurzweiligen Schauer etwas Neues aus. Der Streifen gehört nämlich so jener Art von Filmen, die sich nicht unbedingt in eine Schublade stecken lassen. So vermischen die Regisseure POWELL ROBINSON und PATRICK ROBERT YOUNG (die mit BASTARD übrigens ihr Regiedebüt feiern) zig Subgenres zu einem skurrilen Horror-Mix, der gut startet, aber im haarsträubenden Gewaltrausch vom rechten Weg abkommt. Erzwungen blutig geht es hier zu, denn was als anarchische Bonnie-und-Clyde-Kopie beginnt, wandelt ganz schnell auf Tortur, Slasher- und Kannibalenpfaden – bösem Zynismus inklusive. Was sich jedoch für den Liebhaber deftigeren Filmhandwerks als Offenbarung entpuppt, gerät beim Blick über den Tellerrand zum wirren Horrordebakel, in dem man nicht nach Logik suchen sollte. Glaubwürdigkeit scheint nämlich abhandengekommen zu sein, was BASTARD dann doch immer mal wieder unfreiwillig komisch erscheinen lässt – gewollt war das definitiv nicht. Doch damit nicht genug. Das eifrige Kombinieren unterschiedlicher Subgenres will nicht so recht funktionieren. Oftmals kann man sich dem Gefühl nicht entziehen, als habe man versucht Drehbücher zu unfertigen Filmen in irgendeiner Weise zusammenzuführen, um daraus gewaltigen Horrorquatsch zu machen. Der Verdacht kommt nicht von ungefähr. Schenkt man Interviews der Macher im Netz glauben, so sollte die Idee von einem Killer-Pärchen anfänglich in Form eines Kurzfilmes Verwendung finden, das Drehbuch hierzu war bereits in Arbeit. Letztendlich entschied man sich jedoch dazu, die mordlüsternen Liebenden zusammen mit anderen Protagonisten (aus ebenso selbst geschriebenen, unfertigen Skripten) in einem Film unterzubringen und von bösen Kannibalen schlachten zu lassen. Ob das wirklich so gut gewesen ist, wie es die Regisseure POWELL ROBINSON und PATRICK ROBERT YOUNG in euphorischen Lobgängen bekunden, mag bezweifelt werden, denn Fakt ist: in BASTARD passt irgendwie kaum etwas zusammen.
 
 
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Dabei waren die Ambitionen groß. So orientierte man sich visuell an Klassikern wie FREITAG DER 13. oder CARRIE. Inspirationen für die akustische Untermalung lieferten die Kultwerke HALLOWEEN und SUSPIRIA. BASTARD verbeugt sich als selbsternannter Retro-Slasher mit pumpenden Synthesizer-Klängen, abrupten Schnitten und heftigen Kills (die handgemachten Effekte sehen übrigens klasse aus) vor den bösen Meuchelfilmen der späten 70er und frühen 1980er, von denen viele auch heute noch ihr Dasein auf der Liste für jugendgefährdende Medien fristen. Trotz ähnlicher Machart sollte dennoch unterschieden werden. Während man heutzutage gern an viele der aktuell immer noch beschlagnahmten Filme zurückblickt, dürfte sich in dreißig Jahren wohl kaum jemand an diese AFTER DARK-Produktion erinnern können. BASTARD ist ein komisches Machwerk, über dessen Sinn und Unsinn man sich definitiv streiten kann. Umso mehr lässt der Gedanke erschauern, dass dieser Horror-Thriller in Serien gehen könnte. Über drei mögliche Fortsetzungen und einem Prequel witzeln die Regisseure mit der Fachpresse. Da kann man nur hoffen, dass es auch wirklich beim Spaß bleibt.
 
 
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BASTARD – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Eine haarsträubende Geschichte über Inzucht, Kannibalismus und deftigen Morden. BASTARD ist ohne Zweifel ein Fest für Liebhaber der härteren Filmgattung. Leider wurden für diesen AFTER DARK-Film zu viele Subgenres miteinander kombiniert, weshalb sich der Retro-Slasher dann doch in allerhand unglaubwürdigen und konstruiert wirkenden Handlungsverläufen verfängt. Nichts will in BASTARD zusammenpassen, weil hier offensichtlich Ideen gesammelt und unbedacht zusammengeführt wurden. Für den kurzen Adrenalinschub mag das ausreichen. Klammert man jedoch die Gewaltmomente aus, bleibt nur eine löchrige Handlung übrig, die im Grunde genommen kaum Sinn ergibt. Als Horror-Thriller kann man BASTARD nicht ernst nehmen. Trotz dezentem Zynismus und viel unfreiwilliger Komik funktioniert das Machwerk auch als rabenschwarze Horrorkomödie nicht – dazu ist der Film einfach nicht lustig genug.
 
 


 
 
 

BASTARD – Zensur

 
 
 
BASTARD ist kein Film, der sich in Sachen Gewalt zurückhält. Einem Protagonisten wird die Wirbelsäule bei lebendigem Leib herausgerissen, ein Kind wird aus dem Mutterleib einer Heldin herausgeschnitten und in menschlichem Gedärm wird auch herumgewühlt. Das ist teils hart anzuschauen. Demnach könnte es Probleme mit der FSK geben. Man darf gespannt sein.
 
 


 
 
 

BASTARD – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Among the Living (2014)
 
GirlHouse (2014)
 
Awaiting (2015)
 
Starve (2014)
 


Filmkritik: „The Green Inferno“ (2013)

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THE GREEN INFERNO

Story

 
 
 
Grünschnäbelige Umweltaktivisten erleben die Lektion ihres Lebens. Sie stürzen mit einem Flugzeug im Amazonas ab und werden von einem primitiven Waldvolk verspeist.
 
 
 


 
 
 

THE GREEN INFERNO – Kritik

 
 
 
Man muss ELI ROTH an dieser Stelle einmal Lob aussprechen. Nicht nur, dass der HOSTEL-Regisseur mit seinem Schaffen immer wieder für zweifelhaften Gesprächsstoff sorgt; dem Filmemacher gelingt es zudem stets neue dumme Machwerke zu kreieren, die sich vor allem durch eines auszeichnen: selbstzweckhafte und sinnlose Gewalt. Selbstverständlich macht da auch THE GREEN INFERNO keine Ausnahme – ein Kannibalenschocker, der eigentlich schon 2013 in die Kinos gebracht werden sollte. Leider wurde der Streifen nach dem überraschenden Abgang von CHRISTOPHER WOODROW (Ex-CEO bei der Film-Finanzierungsgesellschaft WORLDWIDE) immer wieder auf unbestimmte Zeit verschoben, so dass an eine internationale Auswertung kaum noch zu denken war. Zwei Jahre später hatte man mit Horrorfans Erbarmen und brachte THE GREEN INFERNO doch noch in die Kinos. Ein cleverer Schachzug, feierte Roths missratenes Terror-Remake KNOCK KNOCK parallel im Multiplex Premiere und lockte Fans des aneckenden Regisseurs ohnehin scharenweise in die Lichtspielhäuser.
 
 
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Nichts Neues aus der Welt des ELI ROTH. Der Meister des nicht sonderlich klugen Horrors macht’s wie eh und je. Das bedeutet, dass auch in THE GREEN INFERNO nur jene Zuschauer auf ihre Kosten kommen dürften, denen es im Horrorfilm nicht blutig genug zugehen kann. Die bekommen hier manch deftige Sauerei vor die Linse, die in ihrer radikalen Detailfreudigkeit leider zu keinem Moment jene schockierende und beunruhigende Härte bewirkt, die einst kontrovers diskutierten Filme aus der Mache der Italiener RUGGERO DEODATO, UMBERTO LENZI und JOE D’AMATO erreichen konnten. Vor deren Werke ließ sich Roth inspirieren, wobei herzulande nur wenige junge Zuschauer mit Kannibalenklassikern wie CANNIBAL HOLOCAUST oder CANNIBAL FEROX etwas anzufangen wissen, weil die sich auch dreißig Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung immer noch auf dem Index für jugendgefährdende Medien befinden.
 
 
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THE GREEN INFERNO nimmt den Besucher mit auf eine Reise voller Gefahren. Die führt direkt in die Tiefen des bewaldeten Amazonasgebiets, wo Studenten (darunter LORENZA IZZO aus THE STRANGER und ARIEL LEVY aus AFTERSHOCK) die Abholzung des Regenwaldes und die Ausrottung von Naturvölkern verhindern wollen. Ein demonstratives Anketten an Baumriesen verläuft nach Plan und das unbedachte Eingreifen des Menschen in die Natur kann erfolgreich gestoppt werden. Doch die Freude der Umweltaktivisten ist nur von kurzer Dauer, denn der Heimflug endet im Desaster. Die Maschine stürzt ab und reißt die Insassen in den Tod. Die Überlebenden werden von Eingeborenen entdeckt, betäubt und in ein Dorf verschleppt, wo man die Gestrandeten wie Vieh in einen Käfig sperrt. Was folgt gleicht einem Albtraum, denn die Studenten landen auf der Speisekarte derer, die sich eigentlich beschützen wollten.
 
 
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Alle Jahre wieder scheint Herr Roth unweigerlich mitteilen zu wollen, dass er zwar einen ausgeprägtem Sinn fürs Visuelle besitzt, dafür kein talentiertes Händchen für guten Horror. Erneut steckt hinter dem Schaffen von ELI ROTH nichts mit Hirn und Tiefsinn. Vielmehr beschäftigt sich der Regisseur wie bisher mit dem Zelebrieren von reißerischem Exploitation, in dem krudes Sterben besonderes Augenmerk erhält. Dabei beginnt THE GREEN INFERNO eigentlich ganz vielversprechend. Der Film besitzt interessante Ansätze und macht sogar von der Moralkeule gebrauch. So versucht man die rigoroses Abholzung des Regenwaldes und die Vernichtung von Lebensräumen zu thematisieren. Leider wird die anfängliche Kritik nur als Alibifunktion missbraucht, um wenig später Protagonisten grausam sterben zu lassen. Das mag zwar der Gewaltfraktion ausreichen – alteingesessenen Horrorliebhabern dürften Splatter und Gore allein nicht ausreichen, damit sich Horrorfilme auf Dauer ins Gedächtnis einbrennen können. Letztendlich verschwendet THE GREEN INFERNO viel Potenzial. Die Landschaftsaufnahmen sind überwältigend und der glatt gebügelte Look überzeugt. Inhaltlich wird auf Sparflame geköchelt und anfängliche Kritik schnell aus den Augen verloren. Bedauerlich, wenn man bedenkt, was für ein brachiales Horrorwerk THE GREEN INFERNO hätte werden können. So bleibt ein austauschbarer Splatterfilm übrig, der vergebens nacheifert, was einst schmuddelige Kannibalen-Reißer vor knapp 40 Jahren bedeutend besser und unbequemer auf Zelluloid gebannt haben.
 
 
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THE GREEN INFERNO – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Gewalt und Blut allein zeichnen noch lange keinen guten Horrorfilm aus. THE GREEN INFERNO ist Roths Antwort auf die vielen italienischen Kannibalenfilme, die in den 1970ern Kinosäle heimsuchten. Während Roths Vorbild RUGGERO DEODATO in CANNIBAL HOLOCAUST noch mit dreckigen Dschungelaufnahmen, für damalige Verhältnisse cleverer Found-Footage-Idee und herber Gesellschaftskritik auf den Magen schlug, macht sich’s ELI ROTH zu einfach und liefert auf Hochglanz gebügelten Kannibalenquatsch ab, der denn einfach nur blutig ist. THE GREEN INFENO ist typischer Horror-Brei, wie man ihn letztendlich aus der Mache des polarisierenden Regisseurs auch erwartet hat. Das bedeutet: geschmackloser und zu keinem Zeitpunkt lustiger Humor, schablonenhafte Charaktere, eine triviale Geschichte und jede Menge Gewaltmomente. Immerhin ist das alles kurzweilig inszeniert, was aber vermutlich auch darauf zurückzuführen sein dürfte, weil das Kannibalen-Genre im Gegensatz zu anderen Subgenres noch relativ unverbraucht ist. Wir meinen: Glotze an, Film rein und Hirn abschalten. Großes Kannibalenkino sieht aber anders aus.
 
 


 
 
 

THE GREEN INFERNO – Zensur

 
 
 
Viel böses Zeug wird in THE GREEN INFERNO gezeigt. Das wird reißerisch in Szene gesetzt. Ob eklige Ausweidungen, das Abtrennen von Körperteilen oder das Herausreißen von Augäpfeln – zimperlich geht es in diesem Kannibalenschocker nicht zu. Die FSK hat dem Film eine Freigabe ab 18 attestiert. Überraschenderweise handelt es sich dabei sogar um die ungeschnittene Filmfassung. Das mag dahingegen absurd erscheinen, da THE GREEN INFERNO hinsichtlich der gezeigten Abartigkeiten weitaus blutiger ist, als all die vielen Menschenfresser-Streifen aus den 1970ern. Letztere befindet sich bis heute auf dem Index und dürfen demnach nicht in Deutschland verkauft werden.
 
 
 


 
 
 

THE GREEN INFERNO – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Constantin Film / Highlight Communications

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Green Inferno | Chile, USA 2013

Genre: Thriller, Horror, Splatter

Ton: Deutsch DTS-HD HR 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD HR 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2,40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras:Der Dreh (ca. 1,5 Min.), Die Dorfbewohner (ca. 1,5 Min.), Eli Roth über „The Green Inferno“ (ca. 1 Min.), Lorenza Izzo über die Arbeit im Amazonas (ca. 1 Min.), Lorenza Izzo über die Rolle Justine (ca. 1 Min.), DJ Ashba – Musikvideo (ca. 1,5 Min.), Deutscher Trailer „The Green Inferno“ (ca. 1 Min.), Englischer Trailer „The Green Inferno“ (ca. 1 Min.)

Veröffentlichung: 03.02.2016

 
 
 

The Green Inferno [Blu-ray] ungeschnitten im Director’s Cut auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE GREEN INFERNO – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei CONTANTIN FILM / HIGHLIGHT COMMUNICATIONS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Omnivoros – Das letzte Ma(h)l (2013)
 
Butcher Boys (2012)
 
Nackt und zerfleischt (1980)
 
Mondo Cannibale (1972)
 
Mondo Cannibale 2 – Der Vogelmensch (1977)
 
Cannibal Terror (1981)
 
Lebendig gefressen (1980)
 


Filmkritik: „Awaiting“ (2015)

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AWAITING

Story

 
 
 
Zu Besuch bei komischen Menschen: Anwalt Jake soll sich nach einem Autounfall kurz im Haus von Farmer Morris und dessen Tochter ausruhen. Leider bekommt der Gast schnell davon Wind, dass diese Familie eine Gefahr für jeden unangemeldeten Besucher ist.
 
 
 


 
 
 

AWAITING – Kritik

 
 
 
Blut ist dicker als Wasser – ein bedeutsames Sprichwort, das vor allem im Horrorfilm gern Verwendung findet. Dort ist es keine Seltenheit mehr, dass sich hinter der Fassade glücklicher Familien gern auch mal das Böse verstecken kann. Mit einer sehr speziellen Familie bekommt es der Zuschauer auch im Horror-Thriller AWAITING zu tun, in dem ganz unverfroren mit der Psychokeule geschwungen und dazu rigoros geschockt wird. Für den britischen Genrebeitrag zeichnet MARK MURPHY verantwortlich. Der hat zuvor hauptsächlich Drehbücher für britische TV-Serien geschrieben, die er als Regisseur auch gleich eigenhändig verfilmt hat. Mit AWAITING wechselt er quasi vom TV ins Kinofach über und bannt seine Leidenschaft zum Genre auf Zelluloid. Obwohl er damit Neuland betritt überrascht die souveräne Inszenierung, denn AWAITING ist zur Abwechslung kein Horrorfilm von der Stange. Regisseur MARK MURPHY erweist sich als talentierter Geschichtenerzähler, fesselt mit stetig wachsendem Spannungsbogen und geizt nicht mit blutigen Ideen. Letztere dürften der Gewaltfraktion zusagen. Die bekommt im Finale deftige Schauwerte geboten, welche in ihrer professionellen Machart schmerzhaft anzusehen sind.
 
 
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AWAITING erzählt die Geschichte des Anwalts Jake (RUPERT HILL). Der findet sich nach einem Autounfall im Haus von Farmbesitzer Morris (TONY CURRAN) und dessen attraktiven Tochter Lauren (DIANA VICKERS) wieder. Leider lebt man dort nach anderen Regeln. Nicht nur, dass Weihnachten im September gefeiert wird; Gast Jake stellt schnell fest, dass Vater und Tochter ein eher abnormales Verhältnis zueinander pflegen. Als der das Haus nach seiner Genesung verlassen möchte, nehmen die Dinge ihren Lauf. Vater Morris versucht alles daran zu tun, den aufmüpfigen Gast nicht gehen zu lassen. Das hat seine Gründe, denn das Familienoberhaupt behütet ein furchtbares Geheimnis von dem besser niemand erfahren sollte.
 
 
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Schön, dass es sie gibt! Diese kleinen fiesen Indie-Produktionen von denen man wenig erwartet und die letztendlich härter treffen, als Prominent besetzte und hochbudgetierte Dutzendware. Eine Spirale des Schreckens wird hier in Gang gesetzt, die nach und nach zum Vorschein bringt, was lang verborgenen gehalten wurde. Drei hervorragende Darsteller tragen das Horrorstück und glänzen mit beachtlichen Leistungen. Allen voran TONY CURRAN, der als hingebungsvoller Vater schnell offen legt, dass ihn ihm ein unberechenbarer Psychopath schlummert, dem jedes Mittel recht ist, um seine Familie zu schützen. Ihm steht RUPERT HILL als ahnungsloses Opfer gegenüber, der vehement versucht einen Keil zwischen seine Peiniger zu treiben, um einem morbiden Gefängnis entfliegen zu können. Schnell erreicht die Konfrontation ihren Höhepunkt und gipfelt in einem blutigen Albtraum, in dem Macher MARK MURPHY mit einem feinen Gespür fürs Makabre zeigt, wie einfach man dank des Computers menschliche Gliedmaßen verschwinden lassen kann. So wird mit Hilfe eine Gitarrensaite – tricktechnisch beachtlich – ein Fuß abgetrennt und lässt jene Szene aus SAW Revue passieren, in der sich Filmopfer CARY ELWES (TWISTER und SHADOW OF THE VAMPIRE) auf ähnliche Weise seines Fußes entledigen musste, um das eigene Leben retten zu können. Das ist zwar heftiger Tobak und nicht jedermanns Sache. Trotz unappetitlicher Szenen und überflüssiger Schlusspointe ist AWAITING unterm Strich weitaus besser als das, was man sonst im Horrorbereich vorgesetzt bekommt. Dafür darf man Regisseur MARK MURPHY an dieser Stelle Dank aussprechen.
 
 
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AWAITING – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
SAW meets MISERY: Wenn Menschen gegen ihren Willen gefangen gehalten werden und sich im Überlebenskampf ihrer Gliedmaßen abtrennen müssen. AWAITING gehört zweifelsohne zum Besten, was das Horror-Genre im Filmjahr 2015 hervorgebracht hat. Der Psychotrip überzeugt mit unbequemer Spannungsschraube, die Regisseur MARK MURPHY mit gnadenloser Härte minütlich fester dreht. In diesem Psychothriller wird ein vermeintlicher Rettungsversuch zur tödlichen Falle aus der es kein Entkommen gibt. Drei talentierte Schauspieler lassen die Situation eskalieren und sorgen dafür, dass AWAITING packend bis zum Schluss bleibt. Horror aus Großbritannien – hart, fesselnd und nicht so schnell zu durchschauen. Bitte mehr davon!
 
 


 
 
 

AWAITING – Zensur

 
 
 
Die gezeigte Gewalt im Film ist nicht ganz ohne. Vor allem im Finale geht es heftig zur Sache. Höhepunkt ist eine Szene in der ein Fuß mit einer Gitarrensaite abgetrennt wird. Die Kamera hält schonungslos drauf und protokolliert jedes Detail. Weiterhin gibt es einen Kopfschuss zu sehen, Äxte werden in Körper geschlagen und Arme mit einer Säge zurechtgestutzt. Hierzulande dürfte AWAITING deshalb erst für Erwachsene freigegeben werden. Wir rechnen mit: keine Jugendfreigabe.
 
 


 
 
 

AWAITING – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Harvest (2013)
 
American Gothic (1988)
 
The Strange Vengeance of Rosalie (1972)
 
Das düstere Haus (1965)


Filmkritik: „Starve“ (2014)

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STARVE

Story

 
 
 
Drei Mittzwanziger geraten in einer Geisterstadt auf der Suche nach urbanen Legenden in die Hände eines gelangweilten Psychopathen, der mit Durchreisenden abartige Hungerspiele spielt.
 
 
 


 
 
 

STARVE – Kritik

 
 
 
Mit STARVE (zu Deutsch: verhungern) folgt ein Film, der all jene glücklich machen dürfte, die die Qualität von Horrorfilmen an ihrem Blutgehalt und den gezeigten Abartigkeiten festmachen. Die Urangst des Verhungerns muss diesmal als Alibi herhalten, damit sich Menschen gegenseitig töten, um überleben zu können. Das ist Stoff aus dem Horrorfanträume sind – insofern man sich am Leid verzweifelter Protagonisten erfreuen kann und kein Problem damit besitzt, wenn sich Menschen des eigenen Überlebenswillen wegen in Raubtiere verwandeln. Hinter der Kamera hat jemand Platz genommen, der sich mit dem Machen von Horrorfilmen und dem Einsatz blutiger Spezialeffekte auskennt. Multitalent GRUFF FURST ist Schauspieler, Drehbuchautor, Produzent aber auch Regisseur und war schon an viel Horrorschlamassel beteiligt. Seine umfangreiche Vita umfasst Filme wie DEMONIC (Schauspieler), MASK MAKER (Drehbuch/Regie) oder die unnötige Fortsetzung LAKE PLACID 3 (Regie). Letztgenannter Streifen feierte auf dem amerikanischen Sender SYFY Premiere – kein gutes Omen.
 
 
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Im Low-Budget-Horror STARVE geht es zwei Brüdern samt Freundin an den Kragen. Eine urbane Legende führt die drei in eine unheimliche Geisterstadt. Erzählungen von wilden Kannibalenkindern machen hier die Runde und sollen als Inspiration für einen Comic dienen. Doch es kommt alles anders. Als man in einem verlassenen Haus auf Entdeckungsreise geht, gerät man in die Fänge eines gewissenlosen Schurken, der mit neugierigen Durchreisenden abartige Spiele spielt. Die werden in eine leerstehenden Schule gebracht, dort in Zellen gesperrt und auf Diät gesetzt, damit sie sich dann im Hungerwahn gegenseitig an die Gurgel gehen, wenn herzhafte Zwischenmahlzeiten kredenzt werden. Auch unsere Helden bekommen es bald mit dem Hunger zu tun. Der Verstand schaltet sich aus und man wird vor die Wahl gestellt: gegeneinander kämpfen und töten oder sich ergeben und verhungern.
 
 
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Mit Video- und TV-Produktionen ist FURST vertraut, schließlich wurden viele seiner bisherigen Regiearbeiten direkt fürs Fernsehen oder den Heimkinomarkt gemacht. Dennoch, Fursts ausgeprägtes Gespür für schnell abgedrehte Dutzendware bekommt STARVE negativ zu spüren. Der Überlebensschocker erweckt kostengünstigen Eindruck und lässt Schlimmes befürchten. Schmuddelige TV- und Videooptik dominiert. Die unterstreicht aber immerhin den perversen Ton der nicht immer nachvollziehbaren Geschehnisse. Trotzdem, inhaltlich wird kaum Substanz geboten. STARVE folgt dem Einmaleins austauschbarer Horrorfilme, in denen vornehmlich geschrieen und gestorben wird. Logik kommt da nur selten zum Einsatz, Opfer und Täter handeln willkürlich nach Drehbuch – nicht nach Menschenverstand. So häufen sich im Finale Ungereimtheiten und Filmfehler, weil sich Gut und Böse den Gesetzen des Genres unterwerfen müssen. Das frustriert, vor allem deshalb, weil STARVE nicht sonderlich einfallsreich geschrieben wurde und vorhersehbar ist.
 
 
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Die Hungerspiele sind eröffnet: Regisseur GRIFF FURST konfrontiert in STARVE mit der Frage, wie weit Menschen gehen würden, wenn der Magen knurrt. Eine durchaus interessante Thematik, die aber in STARVE zum plakativen Gewaltrausch umfunktioniert wird. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit menschlichen Urängsten gibt es nicht. Stattdessen müssen sich die Protagonisten mit abwechslungsreichem Waffenarsenal die Rübe einschlagen, damit das Publikum – RAZE lässt grüßen – blutige Erwachsenenunterhaltung zu sehen bekommt. Auch wenn es manch böse Momente zu sehen gibt; die reißerische Zurschaustellung von hungrigen Menschen, die alles dafür tun, um etwas essen zu können, langweilt schnell. Wie im genannten RAZE folgen die immer gleichen Szenenverläufe, in denen Menschen gegeneinander antreten müssen, um sich gegenseitig auszulöschen. Wer nicht genug vom stumpfsinnigen Morden bekommen kann, dürfte wohl trotz Logiklöcher auch mit STARVE gut unterhalten werden. All jene, die hungrig nach guten Horrorfilmen sind, sollten stattdessen auf FILMCHECKER nach sehenswerten Horrorperlen mit Hirn Ausschau halten, schließlich macht STARVE nicht hungrig, sondern verdirbt den Magen.
 
 
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STARVE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Hungerst du noch, oder kämpfst du schon? STARVE ist die Erwachsenenversion von DIE TRIBUTE VON PANEM. In diesem Überlebensfilm werden ahnungslose Menschen auf Diät gesetzt und müssen sich für Essen gegenseitig auslöschen. Originalität? Fehlanzeige! STARVE wurde für die Filmfraktion gemacht, die von Horrorfilmen nicht viel erwartet. So liegt der Fokus auf blutigen Spezialeffekten und reißerischen Überlebenskämpfen – Filmfehler inklusive. STARVE ist beliebiges Horrorfutter, das nach Schema F gefertigt wurde. Wer mehr erwartet, ist selber schuld.
 
 


 
 
 

STARVE – Zensur

 
 
 
Einige böse Szene gibt es in STARVE zu sehen. Ein Protagonist verstümmelt sich selbst und reißt sich die gebrochene Hand eigenständig vom Arm. Außerdem bekommt eine Protagonistin einen Elektroschocker in den Hals gerammt. Körper werden zermatscht und Blut gibt es auch zu sehen. Keine Gewaltgranate. Trotzdem gibt es für STARVE in Deutschland wohl die rote FSK-Plakette. Vermutlich immerhin ungeschnitten.
 
 


 
 
 

STARVE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hunger (2009)
 
Raze – Fight or Die! (2013)
 
The Hole (2001)