Filmkritik: „Night Slash – Schrei lauter!“ (2020)

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NIGHT SLASH – SCHREI LAUTER!

(THE LAST LAUGH)

Story

 
 
 
Hinter den Kulissen einer Comedy-Show ersticht ein maskierter Killer die Menschen um Myles Parcs herum, einen erfolglosen Stand-Up-Comedian mit großen Hoffnungen und einer düsteren Vergangenheit.

 
 
 


 
 
 

NIGHT SLASH – Kritik

 
 
Der US-amerikanische Indieslasher „The Last Laugh“ wird in Deutschland unter dem noch generischeren Titel „Night Slash – Schrei Lauter!“ vermarktet und zudem mit der mutigen Pressestimme „Suspiria trifft auf Scream“ versehen. Erwartungen die der 78 Minuten kurze, mittlerweile vierte Genre- Langfilm von Jeremy Berg jedoch weder erfüllen kann, noch möchte – und wenn doch, wurde das Ansinnen zumindest ordentlich an die Wand gefahren.
 
 
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Denn so schmucklos wie die untertitel-, bonusmaterial- und kapitelmenülose Blu-ray daherkommt, gibt sich nämlich auch dieser allzu magere und altbekannte Blick in das Leben des Stand-Up- Comedians Myles Parcs, der mittels seines Agenten versucht einen großen Gig zu landen, dabei aber sowohl für die anderen Charaktere als auch für den Zuschauer unsympathisch und unlustig herüberkommt. Seine selbstbemitleidende Comedy in den ersten Minuten des Films weiß nicht zu überzeugen, direkt danach ist der Ton ganz furchtbar rauschend und amateurhaft abgemischt – doch in die Untiefen filmischer Unbegabtheit stürzt „Night Slash – Schrei Lauter!“ zum Glück trotzdem nicht, fängt sich in den nächsten Szenen sogar wieder einigermaßen, da in der ersten viertel Stunde zumindest zwei hübsche Einstellungen zu finden sind und zudem der erste Kill stattfindet, in dem durch schwarze Handschuhe, einen maskierten Killer, eine phallische Tatwaffe und das Reflektieren des Gesichtes im eigenen Blut, umrandet vom roten Samt der Theatervorhänge, tatsächlich erstmalig Giallo-Stimmung verbreitet wird.
 
 
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Auch das weitere Treiben hinter den Kulissen des Theaters, allein durch das Setting und langsame Umbringen der Beteiligten, weiß natürlich an Argentos „Opera“ zu erinnern – ohne jedoch je dessen Klasse zu erreichen. Die Kills sind dabei nämlich blutig, aber oftmals offscreen und zudem belanglos, die hübschen Dolly-Fahrten, Kameraperspektiven oder Anflüge von motiviertem Dialog werden durch Langeweile, einen oftmals fehlenden Soundtrack, fehlende Spannung und technische Probleme wieder zunichte gemacht. Leichen werden entdeckt aber nicht kommuniziert, Kills sind auf dem Papier überzeugend, in der Ausführung aber fast schon zahm zu nennen.
 
 
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In erster Linie hält unser Protagonist nämlich Gespräche mit der Garderobe, seinem Agenten, den Bühnenarbeitern oder Bühnenmanagern und auch wenn es hier dem Whodunnit-Mystery dienliche Informationen oder Andeutungen gibt und ein paar der Performances nicht schlecht sind, so ziehen sich diese Szenen enorm, da sie keinen anderen Zweck zu verfolgen scheinen bis auf Myles weiter zu charakterisieren und neue Opfer vorzustellen, die kurz darauf dann unspektakulär über die Klinge springen. Optisch sowie schauspielerisch ein kompetenter Film mit einigen motivierten Bildern, der unoriginell aber technisch solide sein Ding macht, auf Sound-Ebene dafür von einigen Problemen sowie unverständlichen Szenen geplagt, im Script unmotiviert, behäbig und aussagelos.
 
 
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Hier und da versucht er auch noch Spannungsmomente durch Fake-Scares oder aber Comedy einzubringen, doch während erstere Versuche überhaupt nicht funktionieren können und zum Glück nur recht kurz gehalten wurden, geht gerade letztere Idee in einer überlangen, überreferenziellen Dialogszene äußerst auf die Nerven, da nichts schlimmer ist als unwitzige Humorversuche. Die teils gallige, zynische Darstellung der Bühnenwelt und Entertainer-Ecke hat seine Pointen und trockenen Beobachtungen, der Protagonist leidlich amüsante Entwicklungen, die subtileren Ideen funktionieren hier und da – doch für wirkliche Comedy sind weder Cast noch Script überzeugend genug.
 
 

„We all have crimes we want to atone for, don’t we?“

 
 
Dass Myles von einem Trauma geplagt sein muss ist auch klar, die Auflösung dieser allzu oft gesehenen, für den Plot kaum einen Unterschied machenden Szenen ist allerdings noch enttäuschender als erwartet. Am Ende zeigt der Film dann effektiv wer hier wirklich den letzten Lacher hat: Der Regisseur und Drehbuchautor selber, der ein Finale oder eine Auflösung quasi verweigert, einsieht wie egal die Chose ist oder war und einfach endet. Soviel Mut muss man erst einmal haben.
 
 


 
 
 

NIGHT SLASH – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
„Night Slash – Schrei Lauter!“ ist ein belangloser Billig-Slasher der halbwegs selbstreflektiert ist und einen grob Giallo-motivierten Killer, sonst aber überhaupt nichts mit „Scream“, „Suspiria“ oder auch nur einem guten Film zu tun hat. Rettet sich durch Kürze und ein paar Grundkompetenzen noch vorm Ärgernis.
 
 


 
 
 

NIGHT SLASH – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Night Slash – Schrei lauter!“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

NIGHT SLASH – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Last Laugh; USA 2020

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.11:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 81 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 22.10.2021

 

Night Slash – Schrei lauter! [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

NIGHT SLASH – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blind – Du bist niemals allein (2019)
 
Bleed (2002)
 
Halloween Haunt (2019)
 
The Strangers: Opfernacht (2018)
 

Filmkritik: „Cat Sick Blues“ (2015)

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CAT SICK BLUES

Story

 
 
 
Ein Katzenmasken tragender, introvertierter Mann startet ein Massaker um seine Katze wieder zu beleben, als sein Weg eine traumatisierte, junge Katzen-Youtuberin trifft.

 
 
 


 
 
 

CAT SICK BLUES – Kritik

 
 
Das Menü schreit bereits nach Indiefilm, bockt durch seinen düsteren, treibenden, metallisch kreischenden Elektrosound zugleich sehr, die ersten sieben Minuten präsentieren sich dann als Opening-Kill in gewohnter Slasher-Manier, nur bereits sehr eigenständig, sehr außergewöhnlich zubereitet: So sind kiffende, junge Frauen, die Youtube-Videos gucken zum Beispiel direkt viel sympathischer, wenn sie die albernen Videos selber enttäuschend und unlustig finden, so ist der Killer in seinem zu kurzen, roten Sweatshirt und mit seiner kindlichen Maske per se erstmal eine lächerliche Figur, die dann aber gnadenlos zuschlägt. Allzu explizit und drastisch wird es nun noch nicht, doch der dreckige, schrille Retro-Grindhouse Synthesizer, die für wenige Sekunden punkig und lautstark explodierende John Carpenter-Score und die bunt aufblinkenden, in Farbklecksen designten Opening Credits mit Gaspar Noé-Vibes, Noise Metal und Stativaufnahme lassen bereits voraus ahnen, dass wir es hier mit einer ungewöhnlichen und wilden Mischung zu tun haben.
 
 
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Und so soll es auch kommen: Die junge Claire hat ihre Katze durch Videos zum Youtube-Star gemacht, doch da ihr feliner Star, „Imelda“, momentan eine Halskrause trägt und keine Lust zu filmen hat, steckt sie in einer kreativen Sackgasse. Ihre Freundin Emma kommt kurz zu Besuch und der Film scheint sich nun seine Zeit zu nehmen, die Charaktere langsam aufzubauen und einen Konflikt zu schaffen, der mit der Katze zu tun hat – doch falsch gedacht, denn nach einer Viertel Stunde Laufzeit betritt ein beunruhigender Fan des Channels das Gebäude, bittet um Einlass, verhält sich undurchsichtig, hat Probleme richtig zu sprechen oder Blickkontakt zu halten – und tötet daraufhin Imelda, nur um die völlig schockierte Claire in diesem Moment der Schwäche auszunutzen, zu vergewaltigen und dies zu filmen.
 
 
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Keine exploitativ ausgebeutete Szene, keine die witzig sein soll, trotzdem eine unerwarteterweise todernste, höchst dramatisch und staubtrocken inszenierte Passage, die mich schwer verwundert hat – ist „Cat Sick Blues“ etwa ein wahrer „Sicko“, „Misery Porn“ zum Mitleiden statt kurzweiliger Indie-Splatterunterhaltung? Es scheint, als sei das filmische Aufweisen beider Inszenierungsweisen solcher Gewalttaten und Täter hier das Ziel gewesen, denn während der Katzenmaske tragende, zu Catgirls im Webcam-Erotikchat masturbierende, sich von einem herrlich bodenständig gespielten Künstler und Handwerker zielgerichtete Katzen-Waffen anrichten lassende, Killer, sehr kurzweilig ist und mit einer haften bleibenden, Synthesizerscore mit Glocken und Ohrwurmmelodie unterlegt wurde, zeigt der Film ebenso die weinende, völlig verstörte Claire, wie sie schluchzend auf dem Boden ihrer Wohnung liegt. Bittere Realität gegen filmische Ikonisierung kranker Gewalttäter, so könnte man den Einstieg in „Cat Sick Blues“ zusammenfassen.
 
 
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Nachdem der Täter sich eine seiner Tötungen in verrohender Endlosschleife anguckt wie es schon in „Benny’s Video“ mit dem Schwein geschah und zufrieden schnurrt, was mich immer wieder zum Lachen gebracht hat in diesem kranken Kontext, verfolgt er unser traumatisiertes Vergewaltigungsopfer zu ihrer Bewältigungsgruppe – nur, dass Claire sich abstruserweise entschieden hat, in eine Gruppe für die Verarbeitung verstorbener Haustiere zu gehen, nicht in eine für Vergewaltigungsopfer?! Absurde, böse, Comedy, oder soll ich das ernst nehmen? Der Gipfel der absoluten Unglaubwürdigkeit folgt auf den Schritt, denn nachdem es in einer expliziten sowie grotesk-witzigen Szene in der Gruppe selber, in der Patrick von seiner explodierenden Katze erzählt, wieder recht witzig wurde, fragt unser Killer höchst unbeholfen und sozial inkompetent nach einem Date – und Claire sagt prompt ja. Scheinbar ohne Zweifel im Hinterkopf, ohne böse Vorahnung, ohne sich bei einer Freundin zu melden und abzusichern, oder sich zu bewaffnen, trifft sie sich mit diesem definitiv nicht vertrauenswürdigem Charakter, der am ganzen Körper zittern und stöhnen musste, als sie von ihrer Vergewaltigung erzählt hat, und trifft sich auch noch bei ihm zuhause, nicht bei ihr oder in der Öffentlichkeit.
 
 
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Hat man allerdings auch das „geschluckt“, zu diesem Zeitpunkt nicht frustriert aufgegeben, so hat „Cat Sick Blues“ für den geneigten, und abgehärteten Indie-Fan, dann doch noch einige Highlights und amüsante Schmankerl zu bieten – so versteckt Patrick in einer witzigen Montagesequenz mit hämmerndem Bass die Leichenteile in seiner Wohnung, später werden im Soundtrack psychdelische 70s-Töne angeschlagen, bevor einige höchst amüsante, wenn auch tief zynische Youtuber-Cameos folgen. So amüsant diese Szenen jedoch sind, so belanglos sind sie auch oftmals – zu einem sehr guten Dreampop-Track werden zum Beispiel blutigs vier Backpackerinnen umgebracht, doch da sich keine von ihnen wehrt, wir niemanden davon kennen und bereits wissen, dass alle sterben werden, ist hier nur der halbe Unterhaltungswert gegeben.
 
 
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Der dritte Akt ist es dann allerdings, in dem mich ein paar Zeilen Dialog versöhnlich gestimmt haben: Ohne zu viel vorwegzunehmen war ich nämlich sehr erfreut, dass hier offensichtliche Kritikpunkte, die es hageln könnte, vom Film selber angesprochen und ausgehobelt werden, mehr noch, ein vorher aufgebauter Charakter in wenigen, messerscharfen Zeilen gezielt zugrunde gerichtet wird. Was bleibt nach dieser sehr eigenwilligen, tonalen Achterbahnfahrt also noch zu sagen? „Cat Sick Blues“ ist mir zu sehr in die Länge gezogen, zu zynisch ohne wirklichen Mehrwert oder Aussagekraft, zu erbarmungslos für einen Film der Spaß machen will und zu slashertypisch für einen, der sich ernst nimmt – doch die kreative Inszenierung, der wunderbare Soundtrack, die einmalige Performance und die blutigen Kills sorgen in ihrer Zusammenstellung dann doch für einen fiesen Genre-Bastard, den man sich als Fan definitiv mal angucken kann.
 
 


 
 
 

CAT SICK BLUES – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Bitterböse, gemein, realistisch und unwitzig, dann wieder ziemlich überdreht, kreativ, spaßig und losgelöst von modernen Konventionen – kein überragend guter, sehr wohl aber ein sehr eigenständiger Film.
 
 


 
 
 

CAT SICK BLUES – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung „Cat Sick Blues“ fiel bei der FSK durch. Diese wollte den kontroversen Streifen in seiner ungekürzten Fassung nicht freigeben. Demzufolge ging Rechteinhaber Busch Media Group zur Juristenkommission. Im Gegensatz zur FSK sah diese aber bei genanntem Horrorfilm keine Probleme und vergab das Siegel: keine schwere Jugendgefährdung. Die deutsche Fassung von „Cat Sick Blues“ ist demzufolge ungeschnitten und frei ab 18 Jahren.
 
 
 


 
 
 

CAT SICK BLUES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Busch Media Group (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Busch Media Group (2 Blu-rays im Mediabook – limitiert auf 2000 Exemplare)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Cat Sick Blues; Australien 2015

Genre: Thriller, Horror, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 94 Minuten

FSK: SPIO JK geprüft: keine schwere Jugendgefährdung (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase | Mediabook

Extras: Trailershow | zusätzlich im Mediabook: 24-seitiges Booklet mit Text von Faye Hell (in Kooperation mit dem deadline-Filmmagazin), Musikvideos, Behind-the-Scenes, Webserie, Kurzfilm Cat Sick Blues

Release-Termin: KeepCase + Mediabook: 20.08.2021

 

Cat Sick Blues [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Cat Sick Blues [2 Blu-rays im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

CAT SICK BLUES – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Busch Media Group

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Greasy Strangler (2016)
 
Der goldene Handschuh (2019)
 
100 Tears (2007)
 
Mosquito der Schänder (1977)
 

Filmkritik: „A Young Man with High Potential“ (2018)

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A YOUNG MAN WITH HIGH POTENTIAL

Story

 
 
 
Der isoliert lebende, introvertierte Informatikstudent Piet sehnt sich nach Liebe und Nähe, doch als er eines Tages von seiner Traumfrau zurückgewiesen wird, endet es alsbald drastisch…

 
 
 


 
 
 

A YOUNG MAN WITH HIGH POTENTIAL – Kritik

 
 
Das Vorhaben, sich dem Genre-Langfilm mit begrenzten Mitteln zu nähern, ohne dabei auf selbstironischen Trash, das Kurzfilmformat oder hektische Footage-Kamerafühurng zu setzen, endet oftmals in spartanisch anmutenden, im besten Falle konzentrierten, im schlechtesten Falle gähnend langweiligen und misslungenen Genrebeiträgen, die sich mit sehr wenigen Locations, Darsteller*innen und Handlungsabläufen zufrieden geben müssen. Mit dabei sind Genreperlen oder auch Rohrkrepierer, aus allen Jahrzehnten und Genres – spezifisch im Slasher/Killer-Genre bietet sich nun natürlich ein Charakterportrait oder Folterfilm an, plant man die trauten vier Wände auch mit der Kamera nur selten zu verlassen.
 
 
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Die erste der beiden Optionen hat der gebürtige Hamburger Linus de Paoli gewählt, der mit „A Young Man with High Potential“ seinen zweiten abendfüllenden Spielfilm ins Rennen wirft, nachdem 2011 bereits die schwarz-weiße Dystopie „Dr. Ketel“ in die Welt gesetzt wurde. Und als solches, ein Charakterportät nämlich, ist das Horroretikett bei de Paolis 86-minütiger Stilübung dann auch gänzlich fehl am Platz, da Spannungsmomente oder brutale Splattereinlagen hier keinesfalls an erster Stelle stehen. Was stattdessen aber der wahre Mehrwert oder Fokus dieser allzu klischeehaften, küchenpsychologischen Killer-Trope sein soll, erschließt sich nur leider nicht. Die Geschichte um den hochintelligenten, aber stark introvertierten und vereinsamten IT-Studenten Piet, der in seiner modernen Campuswohnung an Isolation und stark implizierter Jungfräulichkeit zugrunde geht, wurde mit leichten Variationen schon häufig erzählt und auch wenn sich hier bemüht wurde, einen für dieses Genre unüblich unaufgeregten und realistisch anmutenden dritten Akt zu liefern, der Konventionen bricht und auf einer unerwarteten Note endet, so ist der Weg dahin leider eher kurz- denn spielfilmreif.
 
 
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Im Klartext heißt das, dass sich gerne viel Zeit und Bedacht für simple, langsame Storyfortschritte und neue Einsichten gelassen wird, mit dem Pacing deutlich längerer und aussagekräftigerer Film wie „Burning“ z.B. – nur, dass hier natürlich keine Enthüllung, kein subversiver Twist, keine wuchtige Entwicklung in der zweiten oder dritten Stunde folgen kann, da zu diesem Zeitpunkt längst die Credits über den Bildschirm gerollt sind. Technisch kann der Film sich dabei sehen lassen, da sowohl die kräftig gesättigten Farben der freundlichen Sommertage als auch die trostlosen grauem Wohnungskomplexe ansprechend in Szene gesetzt wurden, der zurückhaltende Soundtrack ist schnell vergessen, weiß punktuell aber mit seinen hintergründigen Bässen, angespannten Geigen und vereinzelten Klaviermelodien zu wirken. Doch während der nicht gerade tiefgründig geschriebene, sehr wohl aber nuanciert und facettenreich von Adam Ild Rohweder performte Hauptcharakter sich organisch in sein Umfeld fügt und nie negativ auffällt, so sind die, stets mit starkem Akzent versehenen, Leistungen des Nebencasts leider noch einfältiger geschrieben und immer wieder allzu amateurhaft anmutend.
 
 
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Womit man leben könnte, würde der Film sich voll und ganz für eine Richtung entscheiden und diese konsequent erkunden – doch für interessante Innenwelten derangierter Individuen gibt es endlose Genrebeiträge mit mehr Spannung oder Unterhaltungswert, wer hingegen einen nahezu dokumentarisch gedrehten, realistischen, stillen Film über den Akt des Mordens an sich selbst sehen möchte, dem kann ich nur „To kill a man“ ans Herz legen. Die letzten 30 Minuten speziell erinnerten mich an die nahezu uninszenierte, authentische Art und Weise, mit der hier mit dem Thema des Films umgegangen wurde – doch dafür lohnt es sich schlichtweg nicht, sich die sehr berechenbaren 40 Minuten bis dahin anzugucken, die weder ein tiefgründiges Charakterporträt, noch einen konventionell spannenden oder unterhaltsamen Genrefilm liefern. Und das „Genre“ ist hierbei trotz ein oder zwei Sekunden Gorespitze definitiv kein „Horror“. Sehr schade um die Effekte, Optik und schauspielerische Leistung also, dass uns weder eine Identifikationsfigur zum Mitfiebern, noch ein interessanter Genrebeitrag im Allgemeinen vergönnt ist. Und darüber, dass es statt stimmungsvoll-düsterem Foreshadowing ungelenke Versuche an unangenehmer Cringe-Comedy gibt, hüllen wir lieber den Mantel des Schweigens.
 
 
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A YOUNG MAN WITH HIGH POTENTIAL – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
Simpel gestricktes, unbequem zwischen den Stühlen sitzendes Charakterdrama, das weder als exploitativer oder spannender Horror, noch als tiefschürfendes oder gehaltvolles Psychogram funktioniert.Technisch und schauspielerisch überdurchschnittlich, hübsch gefilmt und angenehm kurz, inhaltlich zahnlos und verquert.
 
 


 
 
 

A YOUNG MAN WITH HIGH POTENTIAL – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „A Young Man with High Potential“ ist ungeschnitten und frei ab 18 Jahren. Somit ist der Film nur für Erwachsene geeignet.
 
 
 


 
 
 

A YOUNG MAN WITH HIGH POTENTIAL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Forgotten Film Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: A Young Man with High Potential; Deutschland 2018

Genre: Horror, Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Englisch, Französisch, Koreanisch, Portugiesisch, Spanisch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 86 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase im Schuber

Extras: 32-seitiges Booklet mit einem Kommentar von Autor und Regisseur Linus de Paoli, Filmografien, einem Interview mit Paulina Galazka und einem Text von Susanne Heinrich, Filmografien, Interview mit Paulina Galazka und einem Text von Susanne Heinrich; Soundtrack-CD; Kurzfilm: »The Boy Who Wouldn’t Kill«; Featurette »Let the Material Speak«; Portrait »The Art of Linus de Paoli«; Interviews vom Frightfest & FF Straßburg; Audiokommentar mit Linus & Anna de Paoli

Release-Termin: KeepCase im Schuber: 19.03.2021

 

A Young Man with High Potential [Blu-ray im KeepCase + Schuber] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

A Young Man with High Potential [Blu-ray im KeepCase + Schuber] ungeschnitten im Shop von Forgotten Film Entertainment kaufen

 
 


 
 
 

A YOUNG MAN WITH HIGH POTENTIAL – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Forgotten Film Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Scars of Xavier (2017)
 
Simon Killer (2012)
 
Rent-A-Pal (2020)
 

Filmkritik: „Close Calls“ (2017)

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CLOSE CALLS

Story

 
 
 
Die junge Morgan muss auf ihre Oma und das Haus aufpassen, doch nimmt nach einem Haufen Drogen erst einmal den Telefonhörer in die Hand, da ein Unbekannter sie terrorisiert…

 
 
 


 
 
 

CLOSE CALLS – Kritik

 
 
Das Regiedebüt des amerikanischen Indiehorrorproduzenten Richard Stringham ist defintiv ein ungewöhnlicher Film, und zudem einer, der in Deutschland auffällig an genreaffine Fans vermarktet wird: Das Frontcover spricht von einem Film „im Stile Argentos mit einem modernen Twist“, auf dem Backcover findet sich neben viel unspezifischer Lobhubelei direkt noch einmal der Name des italienischen Großmeisters, in Verbindung mit dem Wort „Giallo“. Von hypnotisch drogenvernebelten Trips, Genrehommagen und Surrealismus ist die Rede, die blau-rot beleuchteten Screenshots halbnackter Frauen tun ihr Übriges – nach „Abrakadabra“ also wirklich direkt der nächste gelungene Subgenreausflug? Was als erstes stutzig machen könnte ist die Laufzeit von 128 Minuten, was, zusammen mit der Tatsache, dass dieser Film auch von Stringham selber produziert wurde, spontan aber immerhin für ein Herzensprojekt spricht, das nicht aus Kostengründen für die Industrie auf den Markt gerotzt wurde. Nach einem sympathischen VHS-Kasetten-Synthie-Retrointro von S&Drive startet der Film mit einer angestaubt klingenden, wohligen Klaviermelodie zu altem Bildmaterial und mit 60s/70s- Titlecard über dem Anwesen in dem ein Großteil des Films spielen soll. Newcomerin Jordan Phipps sitzt in der ersten Einstellung nun bereits hosenlos und mit beachtlichem Ausschnitt auf dem Bett und telefoniert, hier direkt fällt die miserable Soundmischung auf, da Soundtrack und gerade Foley- Geräusche, Türen etc. DEUTLICH lauter sind, als der teils unverständliche Dialog. Zwar nimmt sich „Close Calls“ insgesamt eher zurück, was dialoglastige oder relevante Passagen belangt, die auf Hörverstehen angewiesen sind, ohne Untertitel jedoch trotzdem eine punktuell ärgerliche Angelegenheit.
 
 
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Ihr Vater kommt rein und streitet sich mit Morgan, da er nach dem Tod seiner Frau nun ein Date hat, soll Morgan daheim bleiben und auf ihre Großmutter aufpassen. Der Vater fährt weg, zu sanfter Synthiemusik steht Morgan vorm Spiegel, bevor die Steadycam schamlos auf ihren halbnackten Hintern hält und sie auf dem Weg zu einer Box voll Drogen begleitet. Ein Beat setzt ein, sie nimmt Koks und raucht, eine an die 70s anmahnende Rotblende schließt die Szene. POV aus der Sicht des Kühlschranks, der von einem riesigen Dekolleté begrüßt wird, weiße Ranchsoße auf ihrem Essen, ein weiterer Close-Up auf den Hintern – zu diesem frühen Zeitpunkt werde ich bereits davon absehen, es jedes Mal neu zu nennen: Doch dieser Film ist absolut notgeil, gefilmt wie von einem Vierzehnjährigen und cinematographisch bei aller Professionalität und starker Frauenfigur reichlich sexistisch und mehr daran interessiert, die Kurven und Rundungen der Hauptdarstellerin zu filmen, statt Ihrer Mimik oder Gestik. Das Telefon klingelt und kurz kommt erste Spannung auf, Morgan geht ran und hört nichts als ein Atmen und verrücktes Lachen, Erinnerungen an „Black Christmas“ werden wach. Natürlich wird noch etwas Dip verschüttet, damit man sich in Unterwäsche auf den Boden bücken und wischen muss, ist auch diese freizügige Stelle überstanden, geht es aber tatsächlich auf den spinnenwebenbehangenen Dachboden um bei der Großmutter vorbeizugucken, wo das Setdesign durch Kerzen, einen Puppenkopf und eine lebendige Tarantel zwar nicht unbedingt realistisch, dafür aber visuell ansprechend und atmosphärisch angerichtet ist. Oma selber schläft, spuckt dann aber Blut und ahnt ihren baldigen Tod, zudem verlangt sie „Cheese dip soup“, redet kurz mit tieferer, wenn auch nicht ganz dämonischer, Stimme und greift Morgan gar kurz an. Panisch rennt diese durch den Gang, wo zahlreiche Bilder ihrer Mutter sie und ihre hüpfenden Brüste beäugen. Kurz darauf dann der nächste, wieder gemächlich inszenierte Anruf des Unbekannten und er masturbiert am Telefon, Morgan muss sich daraufhin übergeben, zieht mehr Koks, hört die Stimme ihrer Mutter und auf einmal sind auch schon fast 30 Minuten vergangen.
 
 
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Die Laufzeit des Films verwundert mich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, denn nicht nur werden alle genannten Tätigkeiten oder Zwischenszenen gerne mal in die Länge gezogen und mit aller Ruhe erzählt, wie in den Vorbildern wohl oftmals auch, sondern fühle ich mich, tonal völlig verwirrt, endgültig wie in einer Art Russ Meyer-Film, da die Szenen mit der Großmutter definitiv einen überdreht-komödiantischen Ton haben, gleichzeitig aber wohl auch unironischer Schrecken verbreitet werden soll. Ein Werk also, in dem unabhängig vom Gesamtkonzept geschrieben und gefilmt wurde, was spontan Spaß gemacht hat? Morgans Vater diskutiert im Restaurant mit seinem Date, das sich über das Essen beschwert und allgemein genervt ist, keine Lust auf ihre Tochter hat. So, oder so ähnlich jedenfalls, da die Tonspur hier erneut derart desaströs gemischt ist, dass man ihren Dialog leider kaum ausmachen kann. Kristof Waltermire, der recht routiniert Morgans Vater spielt, beschwert sich darüber, dass er gerne hätte, dass seine Tochter auf ihn hört, eine uninspirierte, angedeutete und recht unnötige Sexszene auf der Restauranttoilette später geht’s zurück zu eben jener Tochter, dabei, wie sie offscreen masturbiert, nach dem Orgasmus einen Zug aus ihrem Inhaler nimmt…und dann von einer Gestalt mit Brille angefallen und begrabscht wird. Da es sich trotz des bemühten Pseudo-Jumpscares jedoch um einen Freund handelt, – der sie ganz unverhohlen anmacht und übergriffig wird, was sie jedoch völlig normal zu finden scheint – nimmt Morgan den Besuch einfach hin, zumal er Salvia dabei hat. Zuerst wird zwar noch der Loveletter eines ehemaligen Verehrers gelesen, der mit einer Todesdrohung endet und durchaus nicht unbedrohlich formuliert wurde, doch nur Robbie scheint sich ernsthaft darüber Sorgen zu machen, – oder vielleicht nur seinen Beschützerinstinkt ausleben wollen? – während die zu keinem Zeitpunkt mehr auffallend auf Drogen wirkende Morgan die Situation sehr gelassen sieht. Ein lautes Piepen irritiert den Zuschauer und soll wohl für aufkommende Bedrohung stehen, als es aufhört, folgt der dritte Anruf und Morgan legt den Hörer neben die Anlage. Eine weitere, unangenehme Fußfetisch- Anmache wird abgewehrt, daraufhin, nach etwa 45 Minuten Laufzeit, richtet sich die Aufmerksamkeit wieder dem Salvia und in der Tat wird ziemlich realistisch dargestellt wie Morgan nun Lachen muss und von den mannigfaltigen Eindrücken überfordert ist. Ihr „Freund“ allerdings nutzt dies auf und fängt an sie zu begrabschen, gar auszuziehen…
 
 
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Eine Dreiviertelstunde befinden wir uns im Film und nicht nur gibt es keine Rasierklingen oder Lederhandschuhe, keine Kommissare oder Designer-Wohnungen, auch bleibt ganz allgemein die Frage zu beantworten, in welche Richtung dieser merkwürdige Streifen jetzt eigentlich driften möchte. Ein feministischer Rachefilm über eine im Drogenrasch vergewaltigte sowie gestalkte, junge Frau die sich ähnlich wie in „Revenge“ vom Reize spielen lassenden Blondchen zur männertötenden Furie wird? Ein Film, der genau so plump und schamlos und simpel ist, wie er zu sein scheint und absolut keine Berechtigung hat, zwei Stunden lang zu laufen? Oder ein subversives Genre-Meisterwerk, das nach der liebevollen Exposition direkt in die Vollen geht? Die Antwort, ist, wie so häufig, nicht so einfach und irgendwo zwischen diesen Optionen. Die Vergewaltigung, soviel kann ich vorweg nehmen, scheint nämlich wirklich stattzufinden, doch auch wenn der Film nichts davon explizit zeigt, so ist es schon recht sinnlich und „sexy“ aufbereitet, viel schlimmer aber, absolut unreflektiert und unverständlich wenig von Morgan selber zur Sprache gebracht, die daraufhin freiwillig weiter mit diesem Freund Zeit verbringt. Wie dem auch sei, hat man ihr Verhalten sowie einen manipulativ lauten Jumpscare geschluckt, wird mit dem subtilen und unblutigen Verschwinden des „Freundes“ die zweite Hälfte des Films eingeläutet, in der Morgan erst einmal mit einer absurd riesigen Schüssel Popcorn Fernsehen guckt, ein Holzfällerhemd trägt und nach einem Streit mit ihrem Vater das Haustelefon zerschmettert. Der macht sich derweil Sorgen und will zurück nach Hause fahren, Sorgen die nicht gänzlich unberechtigt sind, da Morgan nun, beim Versuch ihrer Oma ihre Medizin zu geben, angefallen wird und einen apokalyptischen Monolog zu hören kriegt.
 
 
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Etwa 70 statt der üblichen 10-30 Minuten Exposition, Teasing, Vorlauf, Charaktere und Umgebung kennenlernen, Set-Up und, je nach Auslgegung des Wortes „Rumtrödeln“ gilt es für den Genrefan zu genießen, doch dann klopft es – und am zu breiten Lächeln, an der wunderbar langen und realistischen Gesprächsszene mit verschlossener Tür, durch das angespannte Framing mit rotem Pool-Table, grün beleuchteten Zimmerpflanzen und roter Küchentheke merkt man als Zuschauer schnell, das nun tatsächlich so etwas wie eine Bedrohung oder Thrill zu erwarten sind und tatsächlich, aus dem harmlosen Besuch entwickelt sich ein erotisch aufgeladenes, unangenehmes, stellenweise brutales und spannendes Katz- und Maus-Spiel mit einer herrlich eklig-schleimigen Performance von Greg Fallon. Backstory wird noch relevant und sorgt für Spannungsmomente, die Aufbröselung und Konfrontation der Beteiligten erinnert entfernt an absurde Giallifinale, doch in einem deutlich kleineren Maßstab. Verspielte Splitscreens und eine rotierende Kamera kommen zum Einsatz, eine überraschend kaltschnäuzige und brachiale Kampfchoreographie wird zum Besten gegeben und auch wenn das Familiendrama kurz Überhand nimmt, so wissen die handgemachten Effekte, expressionistischen Einblendungen sich drehender Gesichter und der besser werdende Soundtrack zu gefallen – nachdem ich es nämlich fast schon aufgegeben hatte, stellt sich nach 104 Minuten durch den groovigen Soundtrack, die Winkel und das spannende Setting der Gewächshäuser bei Nacht absolutes Giallofeeling ein. Die Einstellungen und Nahaufnahmen sitzen, der Plot ist nicht völlig absurd, Romero- und Argento- Referenzen lassen durch ihre ansprechende Umsetzung freudig grinsen, spätetens dann, wenn sich durch langsame Einstellungen und drastische F/X-Arbeit noch Fulci-Einschläge finden lassen. Ein trippiges, stark inszeniertes Finale wird zwar leider vom Cover gespoilert, doch die Gänsehaut verursachende, letzte Einstellung dürfte jeden Horrorfan trotzdem freudig aus diesen halb billig und routiniert, halb ideenreich und originell wirkenden zwei Stunden leiten.
 
 
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CLOSE CALLS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Technisch ansprechender, farbenfroher Retrothriller mit ausgebeuteter Hauptdarstellerin und ungewöhnlicher Erzählstruktur.
 
 


 
 
 

CLOSE CALLS – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Close Calls“ ist ungeschnitten und frei ab 18 Jahren. Somit ist der Film nur für Erwachsene geeignet.
 
 
 


 
 
 

CLOSE CALLS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) I-On New Media (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Close Calls; USA 2017

Genre: Horror, Thriller, Splatter

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 128 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 27.11.2020

 

Close Calls [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

CLOSE CALLS – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei I-On New Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Abrakadabra (2018)
 
Tulpa (2012)
 
Yellow (2012)
 

Filmkritik: „Blind – Du bist niemals allein“ (2019)

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BLIND – DU BIST NIEMALS ALLEIN

(BLIND)

Story

 
 
 
Eine blinde Frau wird von einem maskierten Verrückten belästigt. Nur bekommt sie das vorerst nicht mit.

 
 
 


 
 
 

BLIND – Kritik

 
 
Ein neuer Film von Marcel Walz – Darauf hat die Welt gewartet! Dem Trashfan und Underground-Filmliebhaber wird der Name zwar vielleicht etwas sagen, aber wer gute Kost sehen möchte, verliert sich eher nicht in einen Film von Walz. Warum das so ist, sieht man perfekt an „Blind“. Es ist wirklich kaum erträglich, wie sehr sich diese Grütze in die Länge zieht und dabei einfach gar nichts zu bieten hat.
 
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Faye war mal eine erfolgreiche Schauspielerin, doch nach einer missglückten Augen-OP ist sie blind und trauert ihrem alten Leben nach. Gut wohnen tut sie immerhin; in den Hollywood Hills und guten Umgang hat Faye auch. So ist ihre Freundin von Geburt an blind und gibt Rückhalt und der Personal Trainer Luke ist scheinbar in Faye verliebt. Allerdings hat da noch jemand ein Auge auf sie geworfen. Ein maskierter Killer beobachtet Faye Tag und Nacht und er drängt sich mehr und mehr in ihr Leben. Man hätte daraus einen ansprechenden Slasher kreieren können, aber das Drehbuch taugt überhaupt nichts. Was hier an Story erzählt wird, würde wirklich auf einen Notizzettel passen. Hintergründe sind nur marginal vorhanden und nicht mal ein Rätseln über die Identität des Verrückten kann stattfinden. So kann dann auch die kleine Schlusspointe nur enttäuschen, weil sie der Geschichte nichts hinzufügen kann. Die Story ist schlecht geschrieben, aber damit könnte man leben, wenn die Umsetzung nicht so gnadenlos zäh wäre.
 
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In „Blind“ passiert nämlich wirklich gar nichts und das ist fast noch untertrieben. Bereits das erste Drittel zieht sich qualvoll in die Länge. Das Schicksal von Faye und Konsorten lässt den Zuschauer gänzlich kalt, weil die Figurenzeichnung nicht funktioniert. Nichts wirkt echt, alles ist völlig konstruiert und wenn man den Personen dann bei ellenlangen Gesprächen zuschauen und zuhören muss, die sowieso zu nichts führen, dann schaltet man ganz schnell in den Auto-Pilot. Aus diesem wird man allerdings nicht mehr herausgerissen, weil Horror hier schlichtweg eine Fehlanzeige ist. Zwar wird der ominöse Killer mit seiner super originellen Maske immer mal wieder gezeigt, aber er verbreitet in seiner Kulisse fast mehr Weihnachtsstimmung, als Bedrohung. Dies liegt an den zahlreichen Lichterketten, die tatsächlich den größten Schauwert ergeben. Diese kann sich aber jeder selbst für ein bisschen Geld auslegen – Dafür bedarf es keinen Film! Ist das lahme, erste Drittel erst mal durchgestanden, geht es auch mal zur Sache, doch selbst dies findet dermaßen lustlos statt, dass einem jegliche Freude vergeht. Brutal wird es überhaupt nicht (der Film könnte fast ab 12 Jahren freigegeben sein) und Effekte gibt es ebenfalls so gut wie keine zu sehen. Die Krönung des Ganzen ist die ungemein langsame Inszenierung von Walz. Jede noch so unbedeutende Szene wird brutal in die Länge gezogen. Der Begriff Slow-Motion scheint für diesen Film erfunden geworden zu sein.
 
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Schade, denn die Optik ist gar nicht mal so schlecht und an sich sehen auch die Kulissen nicht gänzlich mies aus. Das Spiel mit den bereits erwähnten Lichterketten wirkt zwar billig, macht aber irgendwie etwas her. Einen Nutzen zieht „Blind“ daraus nicht. Als hätte man krampfhaft versucht, die eigentlich moderaten (hier aber viel zu langen) 88 Minuten Laufzeit zu füllen, sieht man auch mal minutenlang die blinde Faye herumtanzen. Immerhin sind die paar Songs ganz anhörbar und der Score wäre eigentlich ebenfalls nicht schlecht, wenn er nicht so hemmungslos plakativ und stumpf eingesetzt worden wäre. Fast alles an Horror-Anteil bezieht der Film von seinem Sound. Die Darsteller können dabei nicht viel, sind aber nicht mal ärgerlich. Auch die nicht besonders ambitionierte, deutsche Synchronisation kann man sich noch gefallen lassen. Mit allem Wohlwollen bringt das jedoch überhaupt nichts, weil „Blind“ so gnadenlos langsam und langweilig ist, dass er einem wie mindestens drei Stunden lang vorkommt. Die Sichtung durchzuziehen, stellt sich als echte Geduldsprobe heraus.
 
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BLIND – Fazit

 
 
 
1 Punkt
 
 
Ein weiterer Flop von Marcel Walz, der sich hier mal nicht am brutalen, sondern am subtilen Horror versucht und damit gnadenlos scheitert. „Blind“ besitzt nahezu nichts, was es für einen guten Film benötigt. Die Darsteller sind noch fast okay, Score und Soundtrack lassen sich gut anhören und die hübschen Lichterketten sorgen für nette Bilder. Dem gegenüber steht jedoch ein Unterhaltungswert, der eindeutig in den Minus-Bereich geht. Es gibt nahezu keine Story und es passiert nicht mal etwas, wenn eigentlich etwas geschieht. Morde sind kaum vorhanden, Effekte sowieso nicht und als Horror versagt das kläglich. Dass einem die Charaktere nebenbei völlig egal sind, macht die Sache nicht attraktiver. Teilweise gibt es gar keine Dialoge zu hören – Dann ist „Blind“ grauenvoll langweilig. Teilweise gibt es welche zu hören – Dann ist er sogar noch langweiliger. Viel schlechter geht es eigentlich kaum noch!
 
 


 
 
 

BLIND – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Blind – Du bist niemals allein“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

BLIND – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Blind; USA 2019

Genre: Horror, Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Making Of, Interviews mit Cast & Crew, Geschnittene Szenen, Video zur Premiere in Beverly Hills, Musikvideo, Audiokommentar

Release-Termin: KeepCase: 04.12.2020

 

Blind – Du bist nicht allein [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

BLIND – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Don’t Breathe (2016)
 
Julia’s Eyes (2010)
 
Hush (2016)
 

Filmkritik: „Kumanthong“ (2019)

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KUMANTHONG

(THAT SON TAM LINH)

Story

 
 
 

In „Kumanthong“ wird frei die Geschichte des ersten vietnamesischen Serienkillers nacherzählt.

 
 
 


 
 
 

KUMANTHONG – Kritik

 
 
 
Viele Länder haben so ihre berüchtigten Serienkiller und Namen wie Jack the Ripper, Jeffrey Dahmer etc. werden wohl den meisten etwas sagen. Dass auch Vietnam seine Serienkiller hatte, wird hingegen nicht vielen bekannt sein. In „Kumanthong“ bekommen wir nun die Geschichte des ersten offiziellen Serienmörders dieses Landes erzählt. Das Ergebnis ist allerdings viel mehr ruhiges Drama, als echter Thriller geworden und besitzt leider zahlreiche Längen.
 
 
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Die taubstumme Soi lebt in einem kleinen Dorf und wird von den meisten Bewohnern wie eine minderwertige Behinderte behandelt. Eines Tages kommt der fremde Huynh ins Dorf. Er ist ein Schamane und kann sein Talent gleich unter Beweis stellen, weshalb er auch seine eigene Praxis errichten kann. Außerdem nimmt er Soi zu seiner Frau. Sie könnte damit eigentlich glücklich sein, aber bald muss sie herausfinden, dass Huynh für seinen Kumanthong-Zauber die Knochen von Menschen braucht und um diese zu bekommen, muss er töten. Die Handlung basiert auf wahren Begebenheiten, wurde aber mit der Fantasie der Drehbuchautoren angereichert und erzählt diese Geschichte nun wohl sehr frei nach. Die Zutaten der Story sind definitiv nicht verkehrt und werden soweit auch gut genutzt, nur dauert es viel zu lange, bis die Handlung mal an Fahrt aufnimmt. Das westliche Publikum könnte so seine Probleme haben mit der Herangehensweise warm zu werden.
 
 
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Der Einstieg fällt dabei durchaus interessant aus. Das Dorf, in dem sich alles abspielt, bietet wirklich die reine Natur und ist als Schauplatz eines Serienkiller-Films mal etwas gänzlich anderes. Auch die Tatsache, dass die Hauptfigur taubstumm ist, ist nichts alltägliches in solchen Filmen. Allerdings sorgen gerade diese Faktoren hinterher dafür, dass keine echte Spannung aufkommen will. Man entwickelt als Zuschauer keinen richtigen Draht zu Soi. Dass sie insgesamt schlechte Karten hat, ist glaubwürdig und dennoch will sich der Verlauf der Handlung nicht so richtig erschließen. Nachdem Huynh anfangs als super sympathischer Doktor eingeführt wurde, wandelt er sich zum echten Psychopathen, was ebenfalls nicht so glaubwürdig daherkommt, selbst wenn seine Background-Story die Erklärungen liefert. Nein, die Figurenzeichnung ist in „Kumanthong“ nicht sonderlich gut gelungen, weil sie sich auf der einen Seite bedeutungsschwanger gibt und auf der anderen Seite doch nur oberflächlich bleibt. Die recht überschaubare Anzahl an Darstellern macht dabei einen soliden Job und man kann sich über die Leistungen nicht beklagen, doch so richtig markant will das alles nicht wirken und es wird schnell wieder aus dem Gedächtnis verflogen sein.
 
 
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Für Regisseur Le Binh Giang stellt „Kumanthong“ erst der zweite Film dar, nachdem er mit seinem ersten wohl massive Probleme hatte. Aus handwerklicher Sicht kann man dem Werk nicht viele Vorwürfe machen. Die Kulissen haben durchaus etwas für sich und ein wenig experimentell wird es mit seltsamen Rückblicken/Visionen auch noch. Trotzdem ist der Stil noch ausbaufähig und wirkt manchmal etwas zerfahren. Nach einem sehr zähen Mittelteil, in dem eigentlich viel und dennoch kaum etwas geschieht, gibt es immerhin noch ein halbwegs spannendes Finale zu verfolgen. Trotzdem ziehen sich die rund 100 Minuten Laufzeit ganz schön in die Länge. Es gibt wenig Spannung und viel Drama, welches aber aufgrund des fehlenden Drahts zu den Figuren nicht richtig wirken kann. Hinzu gesellt sich noch ein manchmal viel zu theatralischer Score, der teilweise sehr gut passt, teilweise aber auch echt zu sehr übertreibt.
 
 


 
 
 

KUMANTHONG – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
In seinem Heimatland soll „Kumanthong“ wohl ein Erfolg gewesen sein, aber für ein westliches Publikum ist das nur bedingt empfehlenswert. Auch wenn man gerne mal die „anderen“ Filme schaut, bekommt man hier zu viele Längen geboten, um sich jemals richtig unterhalten zu fühlen. Die Grundzutaten sind dabei echt nicht verkehrt. Sowohl die Story ist interessant, wie auch die handwerkliche Arbeit. Außerdem sind die Darsteller brauchbar. Im Endeffekt gibt es aber zu viel unausgegorenes Drama und zu nichtssagende Charaktere. Wer am vietnamesischen Kino interessiert ist, sollte sich am besten selbst ein Bild davon machen, denn gute Seiten besitzt „Kumanthong“ definitiv, aber er ist nebenbei leider oftmals ziemlich langweilig!
 
 
 


 
 
 

KUMANTHONG – Zensur

 
 
 
In „Kumanthong“ geht es zwar um einen Serienkiller; die Ereignisse sind aber nicht drastisch bebildert. Zwar geht es in ein paar Szenen etwas derber zur Sache, explizit wird es aber kaum. „Kumanthong“ dürfte in Deutschland problemlos ungeschnitten eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

KUMANTHONG – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Galaxy Studio | Galaxy M&E)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bedevilled – Zeit der Vergeltung (2010)
 
Manhole – Bedrohung von unten (2014)
 
The Wailing (2016)
 

Filmkritik: „Minutes to Midnight“ (2018)

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MINUTES TO MIDNIGHT

Story

 
 
 
In den Bergen ziehen drei irre Geschwister umher und wollen einer Gruppe Freunde an den Kragen, die dort in einem Ferienhaus Silvester feiern.

 
 
 


 
 
 

MINUTES TO MIDNIGHT – Kritik

 
 
In den vielen Jahren hat man ja schon einiges an Horrorfilmen gesehen. Da gab es neben wenigen guten Schockern auch jede Menge Unsinn, der die Haare hat zu Berge stehen lassen. Dass es hierbei aber immer noch schlimmer kommen kann, zeigen Streifen wie MINUTES TO MIDNIGHT. Hierbei handelt es sich nicht nur um Filmware, die eigentlich gar keinen Sinn ergibt. Genannte Produktion aus Amerika ist dazu auch noch ein hinterlistiger Zeiträuber, der die Aufmerksamkeit des Zuschauers fordert, ihm aber nichts zu bieten hat. Immerhin war das absehbar. Schaut man sich nämlich an, wer da verantwortlich zeichnet, rollen sich erfahrenen Filmfans die Zehennägel. CHRISOPHER RAY hat es sich auf dem Regiestuhl gemütlich gemacht und blickt auf eine umfangreiche Vita zurück, welche die Crème de la Crème qualitativer Gruselperlen umfasst. Darunter herausragende Filmjuwelen wie CIRCUS KANE, 2-HEADED SHARK ATTACK und MEGACONDA. Daher verwundert es wenig, dass MINUTES TO MIDNIGHT knapp zwei Jahre gebraucht hat, um den Weg von Amiland nach Deutschland zu finden. Ein hiesiges Indie-Label hatte Erbarmen und riskiert nun die Käuferschaft mit genanntem B-Movie in den Wahnsinn zu treiben. Da wird mit vielversprechendem Cover-Entwurf gelockt. Kaum die Blu-ray in den Player gelegt, offenbart sich das gesamte Grauen. Letzteres erhält hier eine ganz neue Bedeutung. Man muss es gesehen haben, um es glauben zu können.
 
 
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Ein paar Mittzwanziger, von denen einige in der gleichen Firma arbeiten, wollen das Neujahr auf ganz besondere Weise begrüßen. Die nisten sich im Ferienhaus ihres Arbeitgebers (Sexidol aus den 1990ern: WILLIAM BALDWIN) ein und ignorieren die Warnung des örtlichen Gesetzeshüters (Mädchenschwarm aus den 1990er: RICHARD GRIECO). Letzterer will die jungen Leute vor drohendem Unheil bewahren. Die Hütte befindet sich in den Bergen und ein Unwetter zieht auf. Doch das ist den Freunden egal. Demzufolge muss betraft werden. Drei irre Geschwister (darunter BILL MOSELEY, der sich vollkommen lächerlich macht) schleichen durch die Gegend und veranstalten kurzen Prozess. Die machen Jagd auf die Unbelehrbaren und machen so klar Schiff mit Erlebnissen aus der Vergangenheit. Als Kind wurden die drei Schurken nämlich gehänselt. Angestauter Frust, dem nun unsere Kumpels ausgesetzt sind. Ein klarer Fall von: Pech gehabt.
 
 
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Wenn drei Alt-Stars in einem Low-Budget-Horrorfilm mitspielen, der ohne großes Tohuwabohu in die Händlerregale gebracht wird, lässt das oft Schlimmes erahnen. Im Falle von MINUTES TO MIDNIGHT bestätigt sich das ungute Bauchgefühl, denn was hier zugemutet wird, ist Genre-Bodensatz. Die Einführung der Charaktere ist rudimentär, ein Spannungsaufbau ist gar nicht zu erkennen und die für Horrorfilme prädestinierten Gewalteffekte bewegen sich auf dem Niveau eines jungen Olaf Ittenbachs. Gut, mag man meinen – Trash sollte mit einem gewissen Augenwinkern genossen werden. Das Problem: MINUTES TO MIDNIGHT gehört nicht zu Kategorie Trash. Der Film nimmt sich zu ernst, stibitzt fleißig bei Hoopers TEXAS CHAINSAW MASSACRE und entpuppt sich trotz bekannter Gesichter als semiprofessioneller Schnellschuss, den sich selbst erfolglose Videothekeninhaber niemals freiwillig ins Regal stellen würden.
 
 
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Keine Spur von Unterhaltung, keine Spur von Spaß. Stattdessen hakt Regisseur CHRISOPHER RAY gelangweilt ausgelutschte Slasher-Klischees ab und unterstreicht Geschehnisse mit teils unpassender Musik. Zwischen unspektakulären Morden handeln Protagonisten dumm. Deren Verhalten wirkt mancherorts derart gekünstelt, dass man sich fragt, ob die Macher hinter dieser Produktion überhaupt daran interessiert gewesen waren, ihr Publikum für voll zu nehmen. Hier wird nichts parodiert oder bewusst auf die Schippe genommen. Alles läuft unter dem Banner Backwood-Slasher. Das macht MINUTES TO MIDNIGHT zum Geduldspiel und dürfte dafür sorgen, dass Zuschauer müde auf die Timer ihrer Abspielgeräte starren. Bis hier jedoch Abspann über die Mattscheibe läuft, vergeht viel Zeit. Zeit in der zwar viel, aber im Grunde auch nichts passiert.
 
 
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Regisseur CHRISOPHER RAY hat sichtlich Freude daran, sein Publikum zu Tode zu langweilen. Die Protagonisten nehmen sich Zeit mit Sterben und führen den Genre-Fan durch einen überraschungsarmen Schnarcher, der vor allem wegen billigem Digitallook Augenkrebs verursacht. Da fragt man sich doch glatt, wie man so bekannte Namen wie BILL MOSELEY, WILLIAM BALDWIN oder RICHARD GRIECO gewinnen konnte. Okay, okay – genannte Schauspieler sind durch die Bank weg erschreckend gealtert und dürften wohl froh über jedes Stellenangebot sein. Dennoch hätte man den drei Darstellern etwas mehr Würde gewünscht. Was das Drehbuch von denen abverlangt, ist weit weg von respektabel. So geht man nicht mit älteren Herrschaften um.
 
 


 
 
 

MINUTES TO MIDNIGHT – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
Teils schon peinlicher Mix aus Hoopers TEXAS CHAINSAW MASSACRE und LAID TO REST, der vor allem durch eines auffällig wird: Semiprofessionalität. Billig lautet das Credo von MINUTES TO MIDNIGHT. Das beginnt beim Filmlook und endet bei den Spezialeffekten. Aber das war nicht anders zu erwarten. Im Intro ist ein Banner von UNCORK’D ENTERTAINMENT zu sehen. Das ist ein amerikanisches Filmunternehmen, das ganz üble Horrorfilmverbrechen vertreibt und mit weniger als wenig Kapital maximalen Reibach erwirtschaften will. Daher Vorsicht bei Filmen, die im Trailer das Logo des Unternehmens zeigen. Meist steckt dahinter unbrauchbarer Unsinn. MINUTES TO MIDNIGHT bestätigt diese Theorie, an dem übrigens zwei (!) Drehbuchautoren beteiligt gewesen waren. Was die jedoch am Schreibtisch wirklich getrieben haben, werden wir wohl nie erfahren.
 
 


 
 
 

MINUTES TO MIDNIGHT – Zensur

 
 
 
MINUTES TO MIDNIGHT hat von der FSK eine Erwachsenenfreigabe mit rotem FSK-Sticker erhalten. Die Gewaltmomente sind schnell geschnitten und nicht immer professionell in Szene gesetzt. Im Finale kommt immerhin etwas Backwood-Slasher-Feeling auf und es wird in Richtung Folter geschielt. Ob die hohe Freigabe wrklich gerechtfertigt ist, steht auf einem anderen Blatt. Für Horrorfilmfans interessant: Die deutsche Fassung von MINUTES TO MIDNIGHT ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

MINUTES TO MIDNIGHT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Classics (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Minutes to Midnight; USA 2018

Genre: Horror, Action

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 19.06.2020

 

Minutes to Midnight [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

MINUTES TO MIDNIGHT – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Classics)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Redwood Massacre (2014)
 
Pinup Dolls on Ice (2013)
 
Hayride – Das Massaker (2012)
 

Filmkritik: „Open 24 Hours“ (2018)

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OPEN 24 HOURS

Story

 
 
 

Wenn sich psychologischer Horror ganz überraschend in einem Blutbad entlädt. Bei einer Nachtschicht in einer Tankstelle muss sich eine schwer traumatisierte Frau eigenen Ängste stellen.

 
 
 


 
 
 

OPEN 24 HOURS – Kritik

 
 
 
Tankstellen sind im Horror-Genre nicht selten Schauplatz des Schreckens. Sind sie in der Nähe, ist das Böse nicht weit. Offenbar ziehen abgelegene Zapfstellen die Bösewichte magisch an. Andererseits findet man darin gern auch schon mal Angestellte, die vor drohendem Unheil warnen. So gab es RHEA-M in dem Maschinen die Herrschaft übernommen hatten und sich Menschen in einer Tankstelle verschanzten. Aber auch in Schockern wie SPLINTER, HIGH TENSION oder dem TEXAS CHAINSAW MASSACRE spülten abgefuckte Benzinstationen ahnungslose Protagonisten direkt in die Hände des Bösen. Der Horrorfilm OPEN 24 HOURS macht sich auch die unheilvolle Atmosphäre von abgeschiedenen Zapfsäulen zunutze und bannt Albträume auf Zelluloid. Dabei herausgekommen ist gelungenes Angstkino mit gut dosierten Schocks, die es in sich haben. Da schauen wir genauer hin.
 
 
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Alles auf null. Denkt sich auch Mary White (VANESSA GRASSE aus LEATHERFACE – THE SOURCE OF EVIL). Die wurde erst aus dem Gefängnis entlassen und ist nun auf Jobsuche. Ein Tankstellenbesitzer hat Erbarmen. Der sucht eine Kassierin, die auch mal nachts den Laden schmeißt. Für die attraktive Mittzwanzigerin ein Hoffnungsschimmer wieder den Fuß ins richtige Leben zu bekommen. Die nimmt an und hat auch gleich den ersten Arbeitstag. Der gestaltet sich aber komplizierter als gedacht, denn die Vergangenheit holt Mary wieder ein. Vor einigen Jahren hat sie nämlich ihren Boyfriend (COLE VIGUE aus THE UNSPOKEN) ins Handwerk gefuscht. Der war ein berüchtigter Frauenmörder und zwang unsere Heldin dazu die grausamen Taten mit anzusehen. Letztere hielt die Psychofolter nicht mehr aus, zündete das Haus an und der schlafende Ex erlitt schwere Verbrennungen. Offenbar fordert der nun Rache. So ziehen bald unheimliche Schatten um den neuen Arbeitsplatz. Alles nur Einbildung oder passiert das in real? So wirklich sicher ist sich die traumatisierte Mary da bald nicht mehr.
 
 
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OPEN 24 HOURS ist ein Mix aus Psychothriller, Stalker-Horror und Slasher, der vor allen handwerklich vieles richtig macht. Der Film ist zwar günstiger Indie-Horror, schaut aber hochwertig aus. Da scheint jemand mit Erfahrung am Werk gewesen zu sein. In der Tat zeichnet jemand verantwortlich, der sich im Genre gut auskennt und einen hervorragenden Riecher hat, wie er Horrorfilme möglichst unterhaltsam für sein Publikum aufbereiten muss. PADRAIG REYNOLDS nennt sich der Gute, der bereits so Horrorstoff wie RITES OF SPRING, DARK LIGHT oder THE DEVIL’S DOLLS auf Zelluloid gebannt hat. Das war solides Genre-Handwerk, das zumindest kurzweilig Gänsehaut bescheren konnte. OPEN 24 HOURS macht da keine Ausnahme, vermeidet Umwege und versucht den Zuschauer mit Verwirrungstaktik zu vernebeln. Das Ergebnis ist konventioneller Horror, der mit der Erwartungshaltung spielt, ohne zu sehr zu überfordern aber stets spannend bleibt.
 
 
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Regisseur PADRAIG REYNOLDS hat offenbar gelernt, wie man Spannung erzeugt und welche Regeln beim Inszenieren von Horrorfilmen beachtet werden müssen. Zu den wichtigsten gehört eine zugängliche Heldin. In Schauspielerin VANESSA GRASSE hat er sie gefunden. Die verkörpert hier eine labile junge Frau, die den erlebten Albtraum immer und immer wieder durchmachen muss. Erst sind es mysteriöse Telefonanrufe und gruselige Kunden, die am Nervenkostüm nagen und die Vergangenheit zurück ins Gedächtnis holen. Später kommen ungemütliche Halluzinationen und grausame Rückblenden dazu, die am eigenen Verstand zweifeln lassen. Filmemacher PADRAIG REYNOLDS will seine Protagonistin einfach nicht zu Ruhe kommen lassen und treibt sie immer weiter in den Wahnsinn. Das macht sich auch am Film selbst bemerkbar. Der verändert seinen Ton, je näher er der Zielgerade entgegenfiebert. Da wird aus psychologischem Grauen plötzlich bluttriefender Horror, der gut und gern auch mal den Vorschlaghammer schwingen lässt. Zartbesaitete Zuschauer zucken hier zurecht zusammen, denn der abrupte Richtungswechsel kommt ganz unvorbereitet. Daher von uns an dieser Stelle eine Warnung. Wer glaubt, dass OPEN 24 HOURS den anfänglichen Kopf-Horror bis zum Ende durchzieht, irrt gewaltig.
 
 
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OPEN 24 HOURS – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Ein wendungsreicher und kompromissloser Horror-Schocker, der von seiner Heldin ziemlich viel abverlangt. Mit den Filmen aus der Werkstatt von PADRAIG REYNOLDS macht man nichts falsch. Das sind kleine Horrorfilme, die man sich an einem Sonntagabend anschauen kann, ohne zu sehr enttäuscht zu werden. Einer derer: OPEN 24 HOURS. Hierbei hält man Psycho-Horror in den Händen, der gekonnt versucht zu manipulieren. Kernthema des Films ist es herauszubekommen, was tatsächlich passiert oder nur dem Geist eines traumatisierten Mädchens entspringt. Sind die Ereignisse im Film Einbildung und Folgen eines schwerwiegenden Traumas? Oder ist hier wirklich ein Killer am Werk, der unserer Heldin eine Lektion erteilen will? Genau das gilt es herauszufinden. Wie des Pudels Kern ergründet wird, ist ohne Zweifel spannend. Da verzeiht man Regisseur PADRAIG REYNOLDS gern, dass der es im Finale mit Wendungen übertreibt und einige Logiklücken übersehen hat.
 
 
 


 
 
 

OPEN 24 HOURS – Zensur

 
 
 
In der zweiten Filmhälfte von OPEN 24 HOURS bekommt man einige Gewaltszenen vor die Linse. Es wird ein Kopf mit einem Vorschlaghammer zermatscht, Stichwunden sind zu sehen und blutige Kopfschüsse runden den Gewaltcocktail ab. Hierzulande passt das alles für eine Freigabe mit rotem FSK-Sticker. In Deutschland ist der Film ungeschnitten erschienen mit der Kennzeichnung: keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

OPEN 24 HOURS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) I-On New Media (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Open 24 Hours; USA 2018

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 102 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Original Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 25.09.2020

 
 

Open 24 Hours [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

OPEN 24 HOURS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Spotlight Pictures | I-On New Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast (1997)
 
Ich weiß noch immer, was du letzten Sommer getan hast (1998)
 
ATM – Tödliche Falle (2012)
 
The Night before Halloween (2013)
 

Filmkritik: „Düstere Legenden“ (1998)

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DÜSTERE LEGENDEN

(URBAN LEGEND)

Story

 
 
 
Auf der Privat-Uni Pendleton, im Bostoner Umland, fällt der cleveren Studentin Natalie (Alicia Witt) auf, dass zwischen einer Serie kruder Morde und dem in dieser Gegend doch erstaunlich allgegenwärtigen Klatsch über „urban legends“ eine Verbindung bestehen muss. Gerade auch, da das College Pendleton selbst eine Generation zuvor zum tragischen Ort einer zur lokalen Folklore mutierten Amoktat geworden ist. Damals tötet ein Professor fünf seiner Studenten.

 
 
 


 
 
 

DÜSTERE LEGENDEN – Kritik

 
 
Klingt mal wieder, als wär’s schon hundert Jahre her. Die späten 1990er sind eine unschuldige Zeit fürs Unterhaltungskino und somit auch für den Horror, unsere Leib- und Magen-Umdreh-Filme also. Mehr oder weniger. Natürlich erreicht der Atem von Wes Cravens SCREAM (1996), ein Atem der Ironisierung und im Kern Verachtung des Horror-Genres auch einen im Anschluss entstandenen Film wie DÜSTERE LEGENDEN – bedeckt aber zum Glück nicht den ganzen Film mit jenem ätzenden Mehltau der Herablassung. Mit der Besetzung etwa von Freddy Krueger höchstselbst als undurchsichtiger Professor Wexler beweist man ein gewisses liebevolles Traditionsbewusstsein – und Brad Dourif geht sowieso immer. Was DÜSTERE LEGENDEN trotzdem in den Kanon der selbst- und geschichtsbewussten Horrorfilme seiner Entstehungszeit einreiht, ist die kunstvolle Verschachtelung der Handlung. Die Universitätsvorlesung über die „urban legends“ bildet eine Ebene der Filmerzählung, die Mordserie in Natalies College-Umfeld ist die zweite und bezieht sich auf eben jene urbanen Legenden des Hörsaals. Wenn in den Gesprächen der Protagonisten oder auch aus dem Radio über weitere lokale Schauergeschichten geredet wird, berührt der Film schon die kunstvoll installierte Meta-Ebene, die etwa der Film-im-Film „Stab“ bei SCREAM darstellt.
 
 
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Gedreht wird DÜSTERE LEGENDEN in Toronto. Die große Zeit der im Vergleich zu Los Angeles steuergünstigen Filmstadt in Kanada nimmt ihren Lauf und hält noch immer an. Das angenehm nicht-kalifornische Setting soll eine Unistadt im tiefsten Lovecraft-Country, dem lauschigen Neu-England sein. Da wirken die schnieken Studentenschönlinge gleich noch exotischer. Apropos: Alicia Witts „girl next door“-Attraktivität ist beinahe unzeitgemäß, tatsächlich bedienen heute, in der Gegenwart, zum Sex-Symbol gehypte Schauspielerinnen wie Jessica Chastain eine ähnliche Ästhetik.
 
 
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Was die Morde angeht, beruft man sich auf den blutrünstigen Detail- und Ideenreichtum des Slasher-Kinos der 1980er, dessen Freude am gnadenlos präsentierten Entleiben unschuldiger Dummköpfe und leichtlebiger College-Mäuschen wiederum dem italienischen Giallo-Kino entliehen ist. Da liegt auch traditionell der Fokus eher auf den Morden und nicht unbedingt der Handlung. Ohne Mario Bava kein John Carpenter und kein ironisch-revisionistisch aufgezogenes Slasher-Revival der späten 1990er. Selbst wenn letztgenannte das gar nicht so sehr als Fan-Service begriffen haben, wie man heute denken könnte. Auch Jungregisseur Jamie Blanks kennt seine Vorbilder auch und bewirbt sich ein Jahr vor DÜSTERE LEGENDEN bei den Produzenten, indem er ihnen einen Kurzfilm zukommen lässt. Eigentlich möchte er für sie den geplanten ICH WEISS, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST drehen, kommt aber ein wenig zu. Unschuldig auch die hilflose Umtitelung des Films. Den Begriff der „urban legend“ hat die deutschsprachige Öffentlichkeit noch nicht im Köcher und so wird das allgemeingültige Adjektiv düster bemüht. Auch bei den – natürlich sukzessive weniger guten – Fortsetzungen bleibt der deutsche Verleih dabei.
 
 
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DÜSTERE LEGENDEN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Über zwanzig Jährchen und schon zwickt die Nostalgie. DÜSTERE LEGENDEN ist ein wichtiger Baustein in der Entwicklung des Horrorgenres zum Ende der VHS-Ära. Geschult in Genre-Historie und Konventionen. Selbstbewusst und nicht ganz so vor Selbstekel strotzend wie SCREAM und doch ironisch, gleichzeitig packend genug, um auch heute noch zwei unterhaltsame Stunden zu bieten. Mit Gesichtern, die man heute noch kennt.
 
 
 


 
 
 

DÜSTERE LEGENDEN – Zensur

 
 
 
DÜSTERE LEGENDEN ritt in den 1990ern auf der wieder auflebenden Teen-Slasher-Welle mit und richtete sich an ein jüngeres Kinopublikum. Dementsprechend züchtig sind auch die Morde ausgefallen. Hierzulande wurde der Streifen bereits für Sechsehnjährige freigegeben. Die deutsche Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

DÜSTERE LEGENDEN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Sony Pictures Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Urban Legend; USA 1998

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch Dolby TrueHD 5.1, Englisch Dolby TrueHD 5.1, Spanisch Dolby TrueHD 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Spanisch, Türkisch

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Regiekommentar, Making Of „Düstere Legenden“, Trailer, BD Live

Release-Termin: 07.08.2008

 

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DÜSTERE LEGENDEN – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei SONY PICTURES ENTERTAINMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast (1997)
 
Anatomie (2000)
 
Düstere Legenden 2 (2000)
 
Ich weiß noch immer, was du letzten Sommer getan hast (1998)
 

Filmkritik: „Trick“ (2019)

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TRICK

Story

 
 
 

Ein Teenager richtet an Halloween ein Blutbad an und wiederholt sein perfides Treiben fortan zu jedem Halloween-Fest.

 
 
 


 
 
 

TRICK – Kritik

 
 
 
Was wäre Halloween nur ohne seine Horrorikonen und vor allem ohne seine bluttriefenden Horrorfilme. Alljährlich buhlen viele neue Genre-Produktionen am Tag vor Allerheiligen um die Gunst der Horrorfilmfans. Da wird massakriert, gemeuchelt und gefoltert – nicht immer erfolgreich. Viele dieser neuen Filme verschwinden danach in der Bedeutungslosigkeit, weil sie über keinerlei Alleinstellungsmerkmale verfügen. Eine Tatsache die Regisseur PATRICK LUSSIER nun ändern möchte. Der will sich nach DRIVE ANGRY und MY BLOODY VALENTINE 3D an den ganz großen Kultwerken des modernen Horrorfilms messen und prophezeit im Trailer zum Film TRICK die „Geburt einer Horror-Legende“. Vielversprechende Worte, die nicht selten Schlimmes erahnen lassen. So hat die Vergangenheit gezeigt, dass genau diese ach so hochgelobten Schocker nicht unbedingt von Qualität zeugen, die bereits beim Marketing den Mund zu voll nehmen. Im Falle von TRICK bestätigt sich dieses Muster. Viel Tamtam und am Ende nur heiße Luft. Eine gesunde Skepsis sollte bei derart Werbegequassel vorausgesetzt werden.
 
 
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Halloween 2015 – irgendwo in Benton, New York. Der 18-jährige Patrick ‘Trick’ Weaver feiert mit seinen Klassenkameraden eine Kostümparty. Doch die Feier endet im Massaker. Der Teenager zückt ein Messer und ermordet seine Mitschüler kaltblütig. Doch der Jugendliche kann überwältigt werden und landet wenig später in einem Krankenhaus, wo er von Gesetzeshütern bewacht wird. Der Friede ist aber nicht von langer Dauer. Trick kann sich losreißen und entkommt schwer verletzt. Ein Jahr später wiederholen sich blutige Morde, die sich auch diesmal haargenau so zutragen, wie bereits an Halloween des Jahres 2015. Für den Polizeibeamten Mike Denver zu viel des Guten. Der stellt Ermittlungen an und kommt bald zur Einsicht, dass es sich bei dem Wiederholungstäter um jenen Teenager handeln muss, der einst Halloween zu einer blutigen Nacht des Schreckens verwandelt hat.
 
 
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Nicht schon wieder ein Teen-Slasher. Zumindest könnte man das meinen, wenn man den ersten zehn Minuten von TRICK folgt. Darin sehen wir wie ein maskierter Teenager an Halloween diverse Mitschüler abschlachtet und anschließend in Polizeigewahrsam genommen wird. Doch der Halbstarke kann entkommen und mordet ein Jahr später erneut – pünktlich an Halloween. Da werden natürlich Erinnerungen an Carpenters Kult-Slasher HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS wach, wo ebenfalls ein von Hass getriebener Killer alljährlich am Abend vor Allerheiligen eine Kleinstadt in Angst versetzt. TRICK macht aber einiges anders. Der Streifen ist nicht unbedingt im Teenager-in-Angst-Genre beheimatet. Schnell schlägt der Streifen eine andere Richtung ein und wandelt auf Pfaden, die eher an so harte Thriller wie THE COLLECTOR und dessen Fortsetzung erinnern. Statt Teenager rücken Polizisten in den Mittelpunkt. Die hetzten einem Mörder hinterher, der stets einen Schritt voraus ist. Letzterer hinterlässt eine blutige Spur der Verwüstung und handelt fast schon übermenschlich. Das mag mancherorts unglaubwürdig und konstruiert erscheinen, bereichert den Thriller aber um eine gewisse Dynamik. Leider hat die Sache nur einen Haken. TRICK mangelt es an Spannung. Der Grund: die Szenenabfolge wiederholt sich zu oft. So wohnen wir den Taten des Killers bei, der anschließend von den Gesetzeshütern verfolgt wird – aber entkommen kann. Gleicher Ablauf wiederholt sich anschließend bis zum Erbrechen. Mit so einem „Trick“ kann man auch Spielfilmlänge erreichen.
 
 
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Immerhin glänzt der Horrorthriller durch blutige Schlachtereien. Der unberechenbare Mörder geht nicht zimperlich vor. Anfangs nur mit Messer bewaffnet, denkt er sich im Verlauf der Handlung perfide Tötungsarten aus, die nicht selten SAW-reske Ausmaße annehmen. Dabei zieht TRICK seinen Reiz daraus, dass lang unklar bleibt, warum das Böse hier Amok läuft. Ist es Rache an Mitschülern, Mobbing oder einfach nur die Lust am Töten? Viel erfährt der Zuschauer nicht über das personifizierte Böse, das vor allem wegen seiner unvorsichtigen Opfer leichtes Spiel hat. Das Kanonenfutter verhält sich reichlich dumm. So kann es schnell und effizient in den Filmhimmel gemeuchelt werden. Demnach ist der Blutzoll hoch – nur mit der Auflösung tut sich TRICK schwer. Die Erklärungen für die Taten haben es in sich. Hier wühlt der Streifen äußerst krampfhaft in der Twistkiste und versucht mit einer unvorhersehbaren Auflösung nach einer Fortsetzung zu schielen. Die wird nicht lange auf sich warten lassen – auch wenn des Rätsels Lösung das wohl dümmste ist, was das Filmjahr 2019 so hergegeben hat.
 
 
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TRICK – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
SAW meets THE COLLECTOR. Blutiger Mix aus Cop-Thriller und Horror-Slasher mit an den Haaren herbeigezogener Auflösung, dummen Figuren und teils üblem Schauspiel. Ein großer Wurf ist Regisseur PATRICK LUSSIER mit seinem TRICK nicht gelungen. Der Filmemacher hat hier vermutlich versucht eine neue Horrorikone à la CHROMESKULL oder GHOSTFACE zu etablieren. Gelungen ist das Vorhaben nicht. Sein Bösewicht ist zwar böse, aber nicht sonderlich interessant und vor allem: austauschbar. Als wäre das schon nicht deprimierend genug, fehlt TRICK dazu auch noch ein Spannungsbogen. Hier wird Mord an Mord gereiht, bis man sich sattgesehen hat. Originell ist das nicht. Filmemacher PATRICK LUSSIER war als Regisseur fast ausschließlich für Videoware oder TV-Produktionen tätig. Genau in diese Schublade passt auch TRICK, der dann doch eher an schnell abgedrehte Low-Budget-Filme erinnert, die seit Jahren schnell und lieblos auf den Markt geworfen werden. Einzig der hohe Gewaltanteil dürfte bei Horrorfans in Erinnerung bleiben. Hier wird schnell, hektisch und oft gemordet. Ein paar fiese Splatterszenen gibt es obendrein. Ob das alles für neuen Horror-Kult ausreicht, steht auf einem anderen Papier. TRICK ist trotz Meuchelparade irgendwie langweilig und das, obwohl man mit SCREAM-Randy JAMIE KENNEDY und TOM ATKINS auch noch zwei bekannte Gesichter gewinnen konnte, die in so einigen gelungenen Genre-Beiträgen zu sehen waren. Offenbar hat das Geld gelockt oder es war ein Freundschaftsdienst. Anders lässt sich nicht erklären, warum sich zwei erfahrene Schauspieler in einem mäßigen Horrorfilm unter Wert verkaufen.
 
 
 


 
 
 

TRICK – Zensur

 
 
 
TRICK ist nicht ohne. Neben Messerstichen, werden ebenfalls Köpfe zermatscht und Kehlen durchgeschnitten. Hierzulande dürfte das zeigefreudige Gewaltspektakel aber erst für Erwachsene freigegeben werden. Man darf mit einer Veröffentlichung mit rotem FSK-Flatschen rechnen.
 
 
 


 
 
 

TRICK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei RLJE Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
ChromeSkull: Laid to Rest 2 (2011)
 
Sieben (1995)
 
Bastard (2015)
 
You’re Next (2011)