Filmkritik: „The Evil Next Door“ (2020)

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THE EVIL NEXT DOOR

(ANDRA SIDAN)

Story

 
 
 

Eine kleine Patchwork-Familie muss bemerken, dass in der leerstehenden Doppelhaushälfte neben ihnen etwas nicht mit rechten Dingen zu sich geht.

 
 
 


 
 
 

THE EVIL NEXT DOOR – Kritik

 
 
 
Der simple Gruselhorror hat schon so manch einer Generation das Fürchten gelehrt. Umso subtiler es dabei zur Sache geht, desto besser – Eine Eigenschaft, die erst James Wan mit seinem „Insidious“ wieder massentauglicher gemacht hat. Seitdem boomt der Geisterhorror wie selten zuvor und von diesem Kuchen wollen natürlich nicht nur die Amis etwas abhaben. So bekommt man mit „The Evil Next Door“ einen skandinavischen Vertreter geboten, der stark im Zeichen der Vorbilder schwimmt, dabei jedoch leider kaum eine eigene Handschrift erkennen lässt.
 
 
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Shirin zieht mit ihrem neuen Freund Fredrik zusammen. Er bringt den fünfjährigen Lucas mit in die Beziehung, der erst vor kurzem seine Mutter verloren hat. Zusammen beziehen sie eine Doppelhaushälfte und hier soll das neue Familienleben beginnen, doch von vornherein scheint es so, als wäre etwas Böses in der Luft. Scheinbar ist die andere, leerstehende Doppelhaushälfte doch nicht so leer und es dauert nicht lange, bis Shirin bemerkt, dass etwas hinter Lucas her ist. Ein Kind, das imaginäre Freunde hat, Türen, die sich von alleine öffnen oder schließen, unheimliche Geräusche und Gestalten, die dann doch nicht vorhanden sind, wenn man sie scheinbar gesehen hat. „The Evil Next Door“ erfindet das Rad keineswegs neu und das ist das größte Problem vom Werk. Nicht, dass die Story innovativ sein müsste, aber wenigstens hätte das Drehbuch ein paar mehr eigenständige Ideen haben dürfen. Stattdessen gibt es altbekannte Zutaten, mit denen man mittlerweile sicherlich keinen Freund vom Grusel mehr hinterm Ofen hervorlockt. Genauso abgedroschen ist das Spiel mit der Einblendung „Basierend auf wahren Begebenheiten“. Wen interessiert das mittlerweile noch? Erst recht bei einem solchen Werk fühlt sich das doch arg belanglos an. Hinzu gesellt sich dann noch eine Auflösung, die lange zuvor vorhersehbar ist und sich quasi ankündigt. Hier wird leider dann auch der ansonsten recht bodenständige Ton zerstört. Es bleibt also festzuhalten, dass das Drehbuch nicht gerade die Stärke von „The Evil Next Door“ darstellt.
 
 
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Dafür bekommt man immerhin eine ganz anständige Atmosphäre geboten. Die Skandinavier sind ja eher für ihre düsteren, ruhigen Krimis bekannt. Das Regie-Duo Tord Danielsson und Oskar Mellander, das sich auch für das Drehbuch verantwortlich zeigte, war zuvor eher in Serien involviert und liefert hier seinen ersten Langfilm ab. Der Inszenierung kann man dabei kaum Vorwürfe machen. Das schielt zwar alles sehr offensichtlich auf das große Vorbild der amerikanischen Gruselfilme, ist handwerklich aber dennoch solide gemacht. Die Bilder sind schön düster und die Atmosphäre erzeugt zuweilen schon gut gemachten Grusel. Mit billigen Jumpscares hält man sich zum Glück zurück und erschafft so tatsächlich ein paar nette Schockeffekte mit altmodischen Mitteln. So richtig unheimlich wird das zwar eher selten, aber da es konsequent düster zur Sache geht und der Spuk überwiegend subtil bleibt, kommt man als Fan von solchen Werken schon auf seine Kosten. Dass es kaum Effekte zu sehen gibt, passt da ganz gut. Das ist alles relativ simpel, aber teilweise doch effektiv gestaltet.
 
 
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Dass es nicht spannender wird, liegt vor allen Dingen an mangelnden Hintergründen, denn so richtig tiefgründig mag die Geschichte nicht werden und die Figurenzeichnung nimmt sich ein Beispiel daran. Zwar kann man sich über die Darsteller nicht beklagen, aber die Charaktere erreichen eben keine Tiefe. Dilan Gwyn macht ihre Sache als einzige, echte Hauptrolle solide, Linus Wahlgren ist ebenfalls in Ordnung und der kleine Eddie Eriksson Dominguez kann sogar mehr überzeugen, als man vermuten könnte. Sonstige Rollen sind kaum vorhanden und immer nur sehr klein angelegt. Das Wort „klein“ trifft aber sowieso ganz gut auf „The Evil Next Door“ zu. Langeweile kommt selten auf und dem düsteren Treiben zu folgen, ist schon ganz unterhaltsam, doch es mangelt etwas an Spannung und Highlights kann man fast keine ausmachen. Überwiegend plätschert das gemütlich vor sich hin, wobei das Tempo auf keinen Fall verkehrt ist. Dafür ist die Laufzeit mit nicht mal 90 Minuten auch zu kurz geraten.
Der Score begleitet das Geschehen passend, aber wenig eindrucksvoll.
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THE EVIL NEXT DOOR – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
„The Evil Next Door“ ist der nächste Nachschub für Grusel-Hungrige. Wer vom simplen Spuk nicht genug bekommen kann, wird hier schon fündig, wobei es gar nicht mal so wirkt, als hätte man es mit einem skandinavischen Vertreter zu tun. Das Ergebnis könnte so auch direkt aus Amerika stammen. Genau hier liegt das größte Problem vom Film: „The Evil Next Door“ besitzt keine eigene Handschrift und eifert zu sehr seinen Kollegen nach. Das Ergebnis kann sich aus handwerklicher Sicht sehen lassen, besitzt solide Darsteller und manch eine gekonnt gestaltete Szene, aber insgesamt wird dem Freund solcher Filme hier einfach viel zu wenig Neues geboten. Das fängt bei einer Handlung an, die es so schon zig Male gegeben hat und endet bei Szenen, die man so ebenfalls in gefühlt tausenden von Streifen gesehen hat. Schlecht gemacht, ist das nun wirklich nicht, nur eben so wenig originell, wie der Titel schon vermuten lässt. Wer aber wirklich vollkommen auf solche simplen Grusler abfährt, wird sich wenigstens nicht langweilen!
 
 
 


 
 
 

THE EVIL NEXT DOOR – Zensur

 
 
 
„The Evil Next Door“ wurde von der FSK für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben und ist komplett ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

THE EVIL NEXT DOOR – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) SPLENDID FILM (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Andra sidan; Schweden 2020

Genre: Thriller, Horror, Grusel

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Schwedisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer-Show, Trailer

Release-Termin: KeepCase: 25.06.2021

 
 

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THE EVIL NEXT DOOR – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Abbildungen stammen von SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Insidious (2010)
 
Ring (2002)
 
Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt (1999)
 
Conjuring – Die Heimsuchung (2013)
 

Filmkritik: „Psycho Goreman“ (2020)

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PSYCHO GOREMAN

Story

 
 
 
Was geschieht, wenn Kinder plötzlich über eine uralte, dämonische Macht verfügen, zeigt uns äußerst eindrucksvoll der Funsplatter „Psycho Goreman“.
 
 
 


 
 
 

PSYCHO GOREMAN – Kritik

 
 
Es ist immer erfreulich, wenn man endlich wieder eine gute Horrorkomödie vor sich hat, denn davon gibt es echt viel zu wenige. „Psycho Goreman“ klingt zwar eigentlich mehr nach einem echten Gorefest, bietet im Endeffekt aber erstaunlich harmonische Unterhaltung, die sich einen Dreck um politische Korrektheit schert, schön anarchisch und trotzdem irgendwie süß daherkommt. Ein Fest für jeden, der auf kuriose Unterhaltung steht.
 
 
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Die beiden Geschwister Mimi und Luke entdecken beim Spielen einen seltsamen Edelstein und ein ominöses Gerät in einem Erdloch. Ohne zu wissen, womit sie es da zu tun haben, setzen die Geschwister eine äußerst gefährliche außerirdische Kraft frei, die einst von einem anderen Planeten Lichtjahre entfernt verbannt wurde. Für Mimi ist das jedoch kein Grund, um Angst zu haben, denn mit dem Edelstein lässt sich das gruselige, zerstörerische Monster ganz leicht kontrollieren. Wer im Besitz des Edelsteins ist, hat das Sagen und deshalb richtet Mimi gemeinsam mit Luke so einigen Schaden an. Doch auf einem Planeten in weiter Ferne läuten die Alarmsignale und eine weitere Macht ist auf dem Weg, um dem Ungetüm Einhalt zu gebieten. Was für ein schriller Mix! Bei „Psycho Goreman“ fühlt man sich an unglaublich viele Dinge erinnert. An „Wishmaster“, an „Hellraiser“, an „Masters of the Universe“, an „Flash Gordon“, ja sogar irgendwie etwas an „Krieg der Sterne“ und sogar minimal an „Dragon Ball Z“. Dieser Film mischt sich wirklich von allem etwas zusammen und erscheint im Endeffekt trotzdem recht eigenständig. Man hatte herrlich schräge Ideen und formt diese zu einem kindlich-naiven, albernen und völlig sinnbefreiten Quatsch, welcher jedoch absolut Spaß macht. Das Drehbuch hat schon mal das Zeug zum Kult.
 
 
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Dass das so gut funktioniert, liegt vor allen Dingen an der Atmosphäre, die schrulliger einfach nicht hätte sein können. Wenn ein kleines Mädchen das Sagen über eine Bestie hat, dann kommt man sich fast vor wie in einem Werk von Disney. Im nächsten Moment fliegen dann aber die Gedärme herum. „Psycho Goreman“ ist ein Film der Gegensätze und das macht ihn so heiter. Dabei ist der Grundton überraschend soft und sogar ein wenig Coming-of-Age-Drama schafft es in die Handlung. Der übernatürliche Teil wirkt wie eine abgefahrene Mischung aus Science-Fiction, Fantasy und Horror, während ein Großteil der Laufzeit von der Komödie dominiert wird. Hier gilt wie immer: Humor ist Geschmackssache und nicht jeder wird die Gags gut finden. Viele davon sind nämlich wirklich over-the-top und wirken mächtig albern. Trotzdem ist die Trefferquote angenehm und das gesamte Treiben ist dermaßen locker und schräg, dass man sich sehr gut unterhalten fühlt.
 
 
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Mit Steven Kostanski ist sowieso immer wieder zu rechnen. Mit „The Void“ zeigte er seine ernste Seite, aber schon bei Streifen wie „Manborg“, „Father’s Day“ oder der überraschend guten Neuauflage „Leprechauns Returns“ bewies der Mann, dass er amüsanten Horror bestens beherrscht. Die Inszenierung ist kreativ, verspielt und teilweise ziemlich verrückt, nur um in manchen Momenten dann fast wieder kommerziell zu wirken. Hinzu gesellen sich abgefahrene Effekte, die herrlich retro erscheinen, weil sie eben überwiegend von Hand gemacht wurden. Die ganzen Wesen sehen richtig schön kreativ gestaltet aus und auch der Psycho Goreman ist eine Wucht. Die vielen Lichteffekte könnten so direkt aus den 80ern stammen, was hier positiv verstanden werden soll. Außerdem splattert es ab und zu noch schön, wobei die Freigabe ab 16 Jahren hier schon verrät, dass es nicht zu derb wird. Das ist etwas schade, denn mehr wäre definitiv nicht verkehrt gewesen, aber der Blutgehalt geht dennoch in Ordnung und der Soundtrack macht dem Wort „retro“ ebenfalls alle Ehre.
 
 
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Über die Darsteller kann man sich übrigens nicht beklagen. Es ist immer mutig Kinder in Hauptrollen zu stecken, denn viele Filme scheiterten schon daran. Mit der Figur von Mimi macht es sich „Psycho Goreman“ ebenfalls nicht leicht, denn nicht jeder wird etwas mit dem rotzfrechen Gör anfangen können. Da befindet man sich auf einer schmalen Linie zwischen cool und nervig. Nita-Josee Hanna macht ihre Sache aber ganz ordentlich und Owen Myre agiert angenehm zurückhaltend. Die Rollen der Eltern hätten etwas markanter ausfallen dürfen, gehen jedoch in Ordnung und Matthew Ninaber ist in der Rolle des Psycho Goreman einfach herrlich. Zum Glück verfehlt hier auch die deutsche Synchronisation ihren Zweck nicht. Nebenbei bekommt man sogar eine einigermaßen stimmige Figurenzeichnung geboten, die teilweise bewusst kitschig ist, teilweise aber auch erfreulich stark auf gewisse Klischees verzichtet.
 
 


 
 
 

PSYCHO GOREMAN – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
„Psycho Goreman“ besitzt ganz klar seine Schwächen, aber diese können dem Sehgenuss kaum etwas anhaben und man hat es hier mit einem potenziellen Kultfilm zu tun. Die Story ist völlig simpel, aber herrlich kreativ und man hat hier einfach dermaßen viele Zutaten vermischt, dass die Atmosphäre kaum vielseitiger sein könnte. Das geht über Sci-Fi bis hin zu Fantasy und endet in einer albernen Komödie, die manchmal sehr kindlich-naiv wirkt. Mit dem Humor muss man sich arrangieren können, aber das ist einfach Geschmackssache. Auch sollte man auf altmodische Effekte stehen, aber sowieso schreit einfach alles an „Psycho Goreman“ nach retro. Das wurde handwerklich ordentlich gemacht, besitzt einen klasse Unterhaltungswert, gute Darsteller, wunderbare Effekte und ein paar echt gelungene Lacher. Zwar können einem manche Figuren etwas auf den Keks gehen und für mehr Gore wäre man bei dem Titel ebenfalls dankbar gewesen, doch alles in einem ist dieser Film köstlich und dass er mit viel Herz gemacht wurde, bemerkt man ebenfalls. Gerne eine Fortsetzung davon!
 
 


 
 
 

PSYCHO GOREMAN – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Psycho Goreman“ ist ungeschnitten und überraschenderweise bereits für Zuschauer ab 16 Jahren geeignet.
 
 
 


 
 
 

PSYCHO GOREMAN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Koch Films (Mediabook – Cover A – Koch Films Shop exklusiv)

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(c) Koch Films (Mediabook – Cover B – Amazon exklusiv)

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(c) Koch Films (Mediabook – Cover C)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Psycho Goreman; Kanada 2020

Genre: Horror, Komödien, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 95 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover | Mediabooks

Extras: Audiokommentar des Regisseurs, Interview mit Steven Kostanski, Interviews mit Cast & Crew, Deleted Scene, Behind the Scenes, Bildergalerie

Release-Termin: KeepCase: 22.04.2021 | Mediabook: 25.02.2021

 

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PSYCHO GOREMAN – Trailer

 
 



 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wes Craven’s Wishmaster (1997)
 
Hellraiser – Das Tor zur Hölle (1987)
 
Masters of the Universe (1987)
 
Flash Gordon (1980)
 
Turbo Kid (2015)
 

Filmkritik: „Z“ (2019)

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Z

Story

 
 
 

Der imaginäre Kumpel eines kleinen Jungen beginnt aus heiterem Himmel eine Familie zu terrorisieren.

 
 
 


 
 
 

Z – Kritik

 
 
 
Sie sind immer da. Am Tisch muss für sie stets ein Platz freigehalten werden. Sie helfen bei wichtigen Entscheidungen und sind der beste Spielkamerad. Manchmal sind sie aber auch Schuld, wenn sich etwas Schlimmes ereignet hat. Fakt ist jedoch: Sie können nur von Kindern gesehen werden. Imaginäre Freunde sind im Kindesalter nichts Ungewöhnliches und kein Grund zur Beunruhigung. Die unsichtbaren Kumpel dienen als Seelentröster, Berater, Begleiter aber auch als Sündenböcken und treten oft dann in Erscheinung, wenn ein Kind neue Eindrücke und Erfahrungen verarbeiten muss. Fantasiefreunde helfen Kindern dabei, die eigenen Gefühle zu verstehen und zu regulieren. Leider können sie Eltern aber auch zur Verzweiflung treiben, wie der folgende Horrorfilm erklärt.
 
 
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Der geht auf die Kappe von Regisseur BRANDON CHRISTENSEN, welcher Genre-Fans bereits vor einiger Zeit mit dem Psychothriller STILL/BORN beglückte. Darin stiftete der Filmemacher Verwirrung und erzählte die Geschichte einer jungen Frau, die nach der Geburt ihres Kindes dem Wahnsinn verfällt. Psychologischer Horror, der auch den Zweitling dominiert. Letzterer nennt sich Z und ist ebenfalls Genre-Ware, die das Kopfkino aktivieren soll. Leider ist dieser nicht ganz so clever gestrickt, wie das Debütstück. Was schaurig beginnt, verrennt sich im Finale in Sphären, die kein Filmfan versteht. Dazu aber später mehr.
 
 
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Z berichtet von einer Familie, deren Leben aus dem Gleichgewicht gerät. Sohnemann Joshua beginnt sich nämlich plötzlich mit einem geheimnisvollen Freund zu unterhalten, den nur er sehen kann. Z wird er genannt und bestimmt den Alltag des kleinen Jungen. Was anfangs als vorübergehende Phase abgewertet wird, entwickelt bald eine erschreckende Dynamik. Joshua verhält sich in der Schule verhaltensauffällig und auch die Mitschüler beginnen das Kind aus Angst zu meiden. Alarmsignale, die bald auch die Eltern des fehlgeleiteten Jungen ernstnehmen müssen. So ist Schluss mit lustig, als der Nachwuchs einen Klassenkameraden über ein Treppengeländer wirft. Doch damit nicht genug. Vor allem Mutter Elizabeth fühlt sich bald ihres Lebens nicht mehr sicher. Die spürt in den eigenen vier Wänden die unheimliche Präsenz des imaginären Freundes. Alles nur Einbildung oder ist da doch etwas Wahres dran? Die Antwort darauf versucht die zweite Filmhälfte von Z zu ergründen.
 
 
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Dabei wären wir auch schon beim eigentlichen Problem. Was nach konventionellem Grusel-Horror riecht, der einzig darauf aus ist das Publikum mit plumpen Schocks zu unterhalten, geht plötzlich andere Wege. Das mag sich erst mal ganz gut anhören, weil das Horror-Genre Neuerungen nötig hat. Wie Z aber nach Erklärungen ringt, ist nicht sonderlich erbaulich. Da wird plötzlich vom Gaspedal gegangen und in der Psyche von Mutter Elizabeth gegraben. Hä? Waren wir nicht eigentlich gerade beim Sohnemann Joshua, der plötzlich seltsames Verhalten an den Tag legt? Ein Richtungswechsel, der sich erzwungen anfühlt. Offenbar wollte es Regisseur BRANDON CHRISTENSEN dem Erstling gleich machen. Der hielt mit falschen Fährten bei Laune und versuchte durch Doppeldeutigkeit die Interpretationslust des Zuschauers anzukurbeln. Alles nur Manifestation einer traumatisierten Psyche oder doch irgendwo im fantastischen Genre beheimatet? Ein Verwirrspiel, das in STILL/BORN einfallsreich und stimmig über die Mattscheibe flimmert.
 
 
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Z fühlt sich hingegen so an, als hege Filmemacher BRANDON CHRISTENSEN den Anspruch gleichen Überraschungseffekt noch mal wiederholen zu müssen. Das Ergebnis: ein undurchschaubarer Wirrwarr an Erklärungsansätzen, die überhaupt nicht funktionieren wollen und sich wie ein künstlicher Rattenschwanz anfühlen. Hier passt hinten und vorne nichts zusammen. Christensen driftet zu verkrampft ins Psychologische ab und gibt wenig acht auf sein Publikum. Das kann nicht folgen und wird am Ende mit vielen Fragen ratlos vor dem TV-Apparat zurückgelassen. So kann man den Zuschauer auch vergraulen. Vielleicht wäre es im Falle von Z besser gewesen, man hätte es beim konventionellen Horror für jedermann gelassen. So wären alle glücklich gewesen.
 
 


 
 
 

Z – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
Fängt flott und unheimlich an, hat aber am Ende mit Erklärungsnot und Langeweile zu kämpfen. Z ist das beste Beispiel dafür, wenn Filmemacher auf Biegen und Brechen Erfolge wiederholen wollen. Die versuchen Filme nach ähnlichem Konzept zu inszenieren, mit welchem bereits das Erfolgsstück glänzen konnte. Im Falle von Regisseur BRANDON CHRISTENSEN war das STILL/BORN. Der Zweitling mit dem Titel Z ist aus ähnlichem Holz geschnitzt, kann aber nicht ansatzweise dessen Niveau erreichen. Was gradlinig als schauriges Gruselstück über ein unheimliches Kind über die Mattscheibe flimmert, wird nach der Halbzeit holprig und wirr. Die erste Hälfte passt nicht zum restlichen Film. Irgendwie will man da den Eindruck nicht loswerden, als wusste Macher BRANDON CHRISTENSEN zu Beginn selbst nicht so wirklich, wohin die Reise führen soll. Ein Twist im Finale fühlt sich erzwungen, konstruiert und unausgegoren an. Von Geheimtipp ist da keine Spur. Übrigens zeichnete COLIN MINIHAN als Co-Autor am Drehbuch mitverantwortlich. Der hat schon einige Horror-Fantasien auf Papier gebracht. Darunter den Zombie-Horror IT STAINS THE SANDS RED, den Wackelcam-Hit GRAVE ENCOUNTERS 2 und die Alien-Invasion EXTRATERRESTRIAL. Offenbar war bei Z die Puste raus. Anders lässt sich nicht erklären, warum der Streifen einen wenig kreativen Eindruck hinterlässt.

 
 
 


 
 
 

Z – Zensur

 
 
 
Z hat kaum Gewalt zu bieten. Meist wird nur angedeutet oder es passiert im Off. Hierzulande dürfte der Mix aus Gruselfilm und Psychothriller ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

Z – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Digital Interference Productions | Hadron Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Orphan – Das Waisenkind (2009)
 
Teufelskind Joshua (2007)
 
Hide and Seek – Du kannst dich nicht verstecken (2005)
 
Das Omen (1976)
 
Daniel Isn’t Real (2019)
 

Filmkritik: „The Dare“ (2019)

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THE DARE

Story

 
 
 

Vier eingesperrte Menschen müssen um ihr Leben bangen. Ein maskierter Psychopath hält sie gefangen und hat offenbar Spaß am Foltern seiner Opfer.

 
 
 


 
 
 

THE DARE – Kritik

 
 
 
Wenn man im Horror-Genre Aufmerksamkeit erhalten will, muss man sich was einfallen lassen. Da genügen schon lange nicht mehr nur laute Schockeffekte und überraschende Wendungen, um die Gunst des Publikums gewinnen zu können. Der Wind ist rauer geworden und wenn man kaum Einfälle besitzt, um eine frische Geschichte zu erzählen, garniert man sein Machwerk mit kontroverser Gewalt. Je perverser, desto besser. Zuletzt ist das dem chilenischen Horrorthriller TRAUMA gelungen. Genannter Schocker bot reichlich Stoff zum Anecken und war damit ganz erfolgreich. Eine Erfolgsformel, die nun auch GILDES ALDERSON nutzt, um Geld zu verdienen. Der vermischt Themen bei denen Zensurwächter nicht unbegründet Alarm schlagen: Folter, Quälerei und Kinder. Normalerweise sind wir davon keine Freunde. Dennoch macht THE DARE so einiges richtig beim Schockieren. Die Kritik verrät Euch mehr.
 
 
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Eigentlich ist Jay ein glücklicher Vater. Der ist zwar oft nicht zu Hause, liebt aber seine Kinder umso mehr. Da bricht eines Tages ein Mann ins Heim ein und überfällt die Familie. Leider kann das besorgte Oberhaupt nicht eingreifen. Noch bevor Jay helfen kann, wird er zu Boden gebracht und bewusstlos geschlagen. Als er wieder zu sich kommt, findet er sich mit drei anderen Menschen in einem verschlossenen Raum wider. Die werden dort gefangen gehalten und regelmäßig von einem maskierten Fremden gefoltert. Einen der Anwesenden hat es dabei besonders hart getroffen. Dem wurde der Mund zugenäht. Als wäre das nicht bereits schlimm genug, schneidet der Peiniger ihm hin und wieder Fleisch von den Knochen. Kein gutes Omen, zumal Hunger der ständige Begleiter ist und keiner der Opfer eine Ahnung davon hat, wohin das Schicksal die Eingesperrten führen wird. Zartbesaiteten sei versichert: THE DARE ist kein leicht verdauliches Gruselfilmchen.
 
 
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Zwei Handlungssträngen führen zum Ziel. THE DARE erzählt zwei Geschichten. Während die eine von vier Gefangenen berichtet, die ein scheinbar endloses Martyrium in einem Kellerloch durchleben, entführt die andere den Zuschauer in das Leben des kleinen Dominic. Letztgenannter unterzieht sich einer Mutprobe und bricht in das Haus eines Unbekannten ein. Der erwischt den Eindringling und hält ihn über Jahre gefangen. Was hat das alles miteinander zu tun? Erst einmal gar nichts. Regisseur GILDES ALDERSON spannt den Zuschauer sprichwörtlich auf die Folter und hat sichtlich Spaß daran. Da wird reichlich Schmuddelkram auf der Mattscheibe zelebriert, um Gewaltfans bei der Stange zu halten. Vier Menschen gilt es zu quälen. Denen werden Nägel durch die Hände geschlagen oder Rasierklingen in die Speiseröhre geschoben. Reißerischen Inhalt gibt es genug, um den kranken Voyeurismus der Sadisten-Fraktion befriedigen zu können. Weil Folter auf Dauer recht eintönig wird, wechselt die Handlung immer mal wieder zum kleinen Dominic. Dem geht es nicht minder bescheiden. Der muss sich in Gefangenschaft den Regeln eines grausamen Mannes unterwerfen, welcher alles daran tut, damit der Junge von der Außenwelt abgekapselt wird. Kranker Shit, der oft ein unangenehmes Bauchgefühl verursacht. Das liegt vor allem daran, weil der unbekannte Kindesentführer weiß, wie er sein minderjähriges Opfer quälen und bestrafen muss, damit es gefügig wird.
 
 
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THE DARE lässt den Atem stocken. Wo andere getrost wegblenden, hält Macher GILDES ALDERSON schonungslos drauf. Der verschleiert durch die Dauerbeschallung von Gewalt so einige Logiklücken. Je mehr sich nämlich der Film seiner Ziellinie nähert, umso haarsträubender wird der Plot. Der mündet in ein Finale, das zwar beide Handlungslinien zusammenführt, aber nicht immer plausibel erscheint. Feingeister werden da zurecht mit dem Kopf schütteln. Trotzdem muss man Filmemacher GILDES ALDERSON zugestehen, dass der weiß wie man Spannung macht. Immer wenn man meint, dass einer der Handlungsstränge zu lang auf der Stelle verharrt, wechselt er kurz in den anderen und bringt damit Tempo ins Geschehen. Dieses Vorgehen macht THE DARE zu einem der besseren Vertreter des Folter-Genres. Letzteres hatte in den 2000ern mit so deftiger Kost wie HOSTEL oder SAW seine Hochzeiten. Mittlerweile sind die aber schon längst Schnee von gestern.
 
 
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THE DARE – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Kontroverser Shit, der dem Genre der Exploitationfilme alle Ehre macht. THE DARE versucht einzig, die niederen Instinkte des Zuschauers zu stimulieren. Es wird gefoltert, gequält und bestraft. Teilweise ist das ganz schön krank. Trotzdem muss man Regisseur GILDES ALDERSON anerkennen, das er einfachste Rezepturen ansprechend verpackt. Der erzählt mit diesem Folter-Filmdrama eine irrsinnige Geschichte, die bei so Filmen wie CHAINED, CARRIE und SAW klaut. Drei vollkommen verschiedene Streifen. Dennoch funktioniert die ungewöhnliche Symbiose ganz gut. THE DARE ist nämlich recht spannend geraten – auch wenn die Auflösung der Geschehnisse unterm Strich so ziemlicher Blödsinn ist. Fans des groben Handwerks wird das aber weniger stören. Für die ist es die Hauptsache, dass Grenzen überschritten werden. Das tut THE DARE zweifelsohne. Die hiesige FSK wirds freuen.
 
 
 


 
 
 

THE DARE – Zensur

 
 
 
THE DARE ist problematisch. Der Film behandelt zwei Themen, mit denen die FSK so gar keinen Spaß versteht. So erleben wir psychische und physische Gewalt an Minderjährigen durch Erwachsene. Andererseits sehen wir grausame Folterszenen als Mittel zum Selbstzweck. Zwei Gründe, warum die FSK den Folterfilm THE DARE in der ungeschnittenen Fassung die Freigabe verweigert hat. Anbieter LEONINE hat aber eine Lösung für die ungeschnittene Freigabe gefunden. Statt den Streifen ungeprüft im deutschsprachigen Ausland zu veröffentlichen, bewirkte das Label eine Freigabe bei der hiesigen SPIO/JK und erhielt die Einstufung: keine schwere Jugendgefährdung. Demzufolge darf der Film zwar in Deutschland volljährigen Filmzuschauern zugänglich gemacht werden, läuft aber Gefahr, dass THE DARE nachträglich noch indiziert werden kann. Um dadurch mögliche Umsatzverluste zu vermeiden, ließ LEONINE den Streifen ebenso in einer geschnittenen Filmversion von der FSK prüfen und erhielt verständlicherweise die Einstufung: keine Jugendfreigabe. Sollte demnach die ungeschnittene Fassung auf dem Index landen, hat das Label immer noch die Möglichkeit Geld mit der geschnittenen Fassung zu verdienen.
 
 
 


 
 
 

THE DARE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Leonine (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Dare | Bulgarien, Großbritannien, USA 2019

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 96 Minuten

FSK: SPIO JK geprüft: keine schwere Jugendgefährdung (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase

Extras: Original Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 30.07.2021

 

The Dare [Blu-ray im KeepCase] auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE DARE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Dutch FilmWorks)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bereavement – In den Händen des Bösen (2010)
 
Chained (2012)
 
Saw (2004)
 

Filmkritik: „Belzebuth“ (2017)

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BELZEBUTH

Story

 
 
 

Eine Reihe schrecklicher Morde an Kindern bringt einen Special Agent an seine Grenzen.

 
 
 


 
 
 

BELZEBUTH – Kritik

 
 
 
Wenn der Name von Schauspieler TOBIN BELL auf einem Filmplakat zu lesen ist, läuten bei Filmkennern die Alarmglocken. Das muss heftige Filmunterhaltung werden, die sich vor allem durch eines auszeichnet: Gewalt. Der Darsteller hat sich nämlich seit den 2000ern mit der Rolle als JIGSAW in der brutalen SAW-Filmreihe ein Denkmal gesetzt. Seither wird er ausschließlich mit diesen Horrorschockern in Verbindung gebracht. Dabei wird völlig vergessen, dass der Amerikaner in den 1980ern und 1990ern ganz andere Filme gemacht hat, die hochkarätig besetzt waren. Darunter Hollywood-Produktionen wie DIE FIRMA oder GOOD FELLAS. Leider wird Bell gleiches Schicksal zuteil, wie vielen Schauspielern zuvor, die zu oft in derselben Rolle zu sehen waren. Es gelingt nicht mehr aus dem Kreislauf auszubrechen und Angebote für seriöse Filme anderer Genres zu erhalten. Deshalb muss man nehmen, was kommt. Für Bell bedeutet das: neue SAW-Fortsetzungen oder Auftritte in günstigen Horrorproduktionen. Daher folgt nun nach SAW, DARK HOUSE und THE SANDMAN ein weiterer Horrorfilm. Der nennt sich BELZEBUTH, entstand in Mexiko und ist gar nicht übel. Offenbar sah das auch der amerikanische Streaminganbieter SHUDDER so und krallte sich gleich die Rechte des Thrillers.
 
 
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Special Agent Emanuel Ritter ist mit seinem Leben rundum zufrieden. Die Arbeit bei der Polizei ist interessant und auch privat läuft es perfekt. Da kommt es plötzlich zu einer grausamen Mordserie an der Grenze zwischen den USA und Mexiko, die selbst dem erfahrenen Gesetzeshüter an die Nieren gehen. Bei den Opfern handelt es sich nämlich um Kinder, die auf schreckliche Art ihr Leben lassen müssen. Darunter der eigene Nachwuchs des Polizeibeamten. Doch wer ist nur zu solchen Taten fähig? Offenbar übernatürliche Mächte. Das zumindest behauptet ein Vertreter des Vatikans, der in den Morden die Handschrift des alttestamentarischen heidnischen Dämons Beelzebub sieht. Ist da was Wahres dran? Man macht bald gemeinsame Sache und kommt so einem Strippenzieher auf die Spur, der mit allen Wassern gewaschen ist.
 
 
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Wie gewinnt man Horrorfilmzuschauer? Natürlich mit Schockwirkung. So beginnt BELZEBUTH direkt mit schrecklichen Szenen, die sich ins Gedächtnis einbrennen und das Kopfkino aktivieren. Wir sehen, wie eine Krankenschwester unzählige Säuglinge einer Geburtenstation abschlachtet. Außer ein paar Blutspritzern, Geschrei und Chaos ist nichts zu erkennen. Dennoch macht sich ein beklemmendes Angstgefühl breit. Doch das ist noch lange nicht die Spitze des Eisbergs. Es folgen weitere Massaker an unschuldigen Kindern. So sehen wir in einer anderen Szene, wie ein Junge seine Mitschüler in einer Grundschule hinrichtet. Verstörende Gewalt, die in einem weiteren Massenmord gipfelt. Die Putzfrau einer Schwimmhalle handelt von Sinnen. Die schnappt sich diverse Stromkabel und springt in ein Becken planschender Kinder. Gewalt als Mittel zum Selbstzweck. Regisseur EMILIO PORTES weiß wie viel gezeigt werden muss, ohne gleich die Splatterkeule schwingen zu müssen, damit aber trotzdem vor den Kopf stößt. Die Aufmerksamkeit des Publikums ist ihm damit gewiss.
 
 
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In der Tat sitzt man gefesselt vor der Glotze und will wissen, wer für die Taten verantwortlich zeichnet. Terroristen? Ein hasserfüllter Serienkiller? Eine Sekte? Atmosphäre und Spannungsaufbau sind beachtlich. Der Zuschauer folgt einigen Polizisten, die bei ihren Recherchen immer weiter in einen Strudel von Umständen gezogen werden, der sie am Ende in große Gefahr bringt. Der Ton ist rau, die Stimmung düster. Die Hölle allgegenwärtig. Leider kommt BELZEBUTH in der Halbzeit vom rechten Weg ab. Während der Film in der ersten Stunde um Spannung und Atmosphäre bemüht ist, platzen die Geheimnisse sprichwörtlich in der zweiten Hälfte aus ihm heraus. Plumpe Antworten, generische Abläufe, verworrene Handlungsstränge. Regisseur EMILIO PORTES opfert seinen interessanten Genre-Beitrag zugunsten kommerziellen Horrorkinos und verrennt sich zu sehr im totgefilmten Okkult-Fach. Da dürfen Exorzismusszenen ebenso wenig fehlen, wie Dämonengeplapper und plakative Effektemacherei. Die Kamera hält vehement drauf und die anfangs zelebrierte Subtilität mit dem effektiven Kopfkino wird kurzerhand über Bord geworfen. Ärgerlich.
 
 
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BELZEBUTH – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Finchers SIEBEN trifft auf Friedkins DER EXORZIST. Der mexikanische Horrorfilm BELZEBUTH ist eine Granate in Sachen Atmosphäre. Der Zuschauer wird schnell in ein düsteres und ungemütliches Szenario gezerrt, das zum beunruhigendsten gehört, was man in letzter Zeit auf der Mattscheibe hatte. Dabei ganz stark: die erste Hälfte dieses Horrorthrillers. Schreckliche Morde, viele Rätsel und jede Menge Fragen. Dazwischen Kopfkino purr. So hätte es weitergehen können. Regisseur EMILIO PORTES entscheidet sich aber für einen anderen Weg und will lieber konventionell weiter machen. Viel Geschrei, plakative (teils doofe) Effekte und generische Handlungsverläufe sind die Folge. Damit schlittert BELZEBUTH haarscharf am Geheimtipp vorbei. Trotzdem ist BELZEBUTH immer noch ein sehr spannender Horrorfilm mit einem charismatischen TOBIN BELL – diesmal mit übertriebenen Tattooschmuck und langem Bart.
 
 
 


 
 
 

BELZEBUTH – Zensur

 
 
 
Die Gewaltszenen in BELZEBUTH sind heftig. Da werden Kinder ermordet. Wer aber jetzt denkt, dass die Grausamkeiten detailliert zelebriert werden, wird enttäuscht. Die Kamera blendet weg. Meist sieht man nur etwas Blut an Wände oder in Gesichter spritzen. Trotzdem sind die Reaktionen der Beobachter und die Schreie heftig. Weiterhin kommt in der zweiten Filmhälfte etwas Splatter zum Einsatz. Mit etwas Glück dürfte es für BELZEBUTH eine FSK16 geben.
 
 
 


 
 
 

BELZEBUTH – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Videocine / Pastorela Peliculas)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sieben (1995)
 
Speak no Evil (2013)
 
Sinister (2012)
 
Bereavement – In den Händen des Bösen (2010)
 

Filmkritik: „The Prodigy“ (2019)

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THE PRODIGY

Story

 
 
 

Hinter lieben Kinderaugen verbirgt sich das Böse. Miles ist zwar hochintelligent, hat aber auch eine dunkle Seite. Offenbar stimmt was mit dem Jungen nicht, was die Eltern vor große Probleme stellt.

 
 
 


 
 
 

THE PRODIGY – Kritik

 
 
 
Besessene, fehlgeleitete oder einfach nur böse Kinder sind im Horrorfilm schon lange nichts Seltenes mehr. Die lassen sich mindestens genauso oft blicken, wie maskierte Serienkiller, rastlose Geister oder nimmersatte Zombies. Ein großer Unterschied zwischen genannten Konsorten ist aber, dass Kinder die boshaften Gedanken ziemlich gut verbergen können. Da werden schon mal hinter der Fassade von Unschuld und Reinheit perfide Pläne geschmiedet. Bis Erwachsene das hinterlistige Spiel begriffen haben, sind schon die ersten Leichen zu beklagen. Der Horrorfilm THE PRODIGY macht da keine Ausnahme. Die Handlung orientiert sich an so Werken wie DAS OMEN, JOSHUA oder MIKEY. Neu ist Gebotenes demnach nicht. Trotzdem ist THE PRODIGY ganz solide.
 
 
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Endlich haben sich die Sarah (TAYLOR SCHILLING) und John (PETER MOONEY) einen großen Wunsch erfüllt. Sohn Miles (JACKSON ROBERT SCOTT) wird geboren und ist das ganze Glück der noch jungen Familie. Doch je älter Miles wird, um so mehr bereitet der Junge Probleme. In der Schule verprügelt er die Mitschüler und auch sonst verhält sich das Kind alles andere als normal. Der hochbegabte Bursche faselt nachts in fremden Sprachen, malt seltsame Bilder und beginnt die Autorität der Eltern zu missachten. Gott sei Dank gibt es Spezialisten. Die unterziehen Test und setzen Miles sogar in Hypnose. Die Ergebnisse sind besorgniserregend. Was man nämlich in psychologischen Sitzungen über den Jungen herausfindet, lässt nicht nur den Therapeuten das Blut in den Andern gefrieren.
 
 
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THE PRODIGY erzählt die allseits bekannte Geschichte über einen Jungen, der offenbar von bösen Mächten manipuliert wird. Das ist zweifelsohne nicht gerade etwas, was man zum ersten Mal auf TV oder Kinoleinwand zu sehen bekommt. In der Tat hält sich THE PRODIGY arg an der Checkliste für Filme, in denen Kinder mörderischen Unfug aushecken. Was THE PRODIGY aber ganz passabel macht, ist die Aufklärung des gesamten Spuks. Die Erklärungsansätze sind relativ unverbraucht und sorgen für manch schaurige Szene. Eine derer ist bereits im Trailer zu sehen und sorgt für Puls. Da läuft der kleine Miles in Todesangst auf die Mutter zu und will in ihren Armen Schutz suchen. Die hält die Arme offen und staunt nicht schlecht, als aus dem Sohn plötzlich ein erwachsener Mann wird. Mit dem richtigen Lautstärkepegel vorausgesetzt reisst es dem Zuschauer da aus seinem Sessel.
 
 
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Überhaupt geht Regisseur NICHOLAS MCCARTHY in Sachen Schocks bedacht um. Die sind rar gesät, aber umso intensiver, wenn sie dann doch einmal den Weg in den Film finden. Da zucken selbst alteingesessene Filmkenner wie wir zusammen. Gleiches trifft auch auf die Atmosphäre zu. Schnell entsteht ein unbehagliches Gefühl, was vor allem durch die verstörende Handlung des kleinen Hauptdarstellers entsteht. Der legt sein kindliches Wesen ab und faselt plötzlich wie ein Erwachsener. Als wäre das nicht alles befremdlich genug, beginnt er Intrigen zu spinnen und Menschen zu bedrohen. Dass die Hemmschwelle zum Mord nicht weit ist, dürfte an der nötigen Schockwirkung liegen, auf die solche Art von Filmen hinarbeitet.
 
 
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Dennoch, so technisch bedacht der Film auch ist und so gut die wenigen Akteure vor der Kamera schauspielern – THE PRODIGY kann die bedacht aufgebaute Spannung in der ersten Filmhälfte nicht auf Dauer halten. Während man anfangs noch sehr darum bemüht ist, das Geheimnis über das merkwürdige Verhalten des kleinen Miles zu hüten, wusste man nicht nachdem es gelüftet wurde, wie man THE PRODIGY zu einem befriedigenden Ende bringen sollte. Wir sehen zwar wie und was die bösen Mächte mit dem Jungen veranstalten. Zu was das alles genau führen soll bleibt ungewiss. Offenbar war das auch Regisseur NICHOLAS MCCARTHY bewusst. Der löst das Problem im Eiltempo und verpasst dem Film knapp zehn Minuten vor Schluss einen hektischen und dann doch sehr konsequenten Abschluss. Manch Zuschauer dürfte sich da etwas überfordert fühlen – zumal das Finale nichts für jene ist, die gern alles durch die rosarote Brille sehen wollen.
 
 
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THE PRODIGY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Bitterböser Horrorthriller mit Anlehnung an DAS OMEN, der einige tiefsitzende Schockmomente parat hält. Letztere waren offenbar so krass, dass man einige derer aus dem Film schneiden musste. So zumindest erklärte es Regisseur NICHOLAS MCCARTHY in Interviews mit der amerikanischen Filmpresse kurz vor Kinostart seines Horrorfilms. Bei einer Preview kam es zu furchtbaren Schreiattacken im Publikum, weshalb man sich dazu entschloss einige Schockszenen zu entfernen. Ob der Filmemacher das nur aus PR-Zwecken erwähnte oder ob THE PRODIGY wirklich so viele böse Momente besaß, dürfte wohl allein der Regisseur wissen. Immerhin weiß der britische Filmschaffende was er tut. NICHOLAS MCCARTHY kennt sich nämlich im Genre aus. Der konnte mit THE PACT und AT THE DEVIL’S DOOR bereits beweisen, dass er sich in Sachen Horror gut auskennt. Seine Souveränität im Umgang mit schaurigen Bildern ist auch in THE PRODIGY unverkennbar. Der Film erfindet zwar das Rad nicht neu, ist aber ein solider Vertreter jener Gattung Filme, wo es hinterlistige Gören mit Erwachsenen nicht gut meinen. Aus technischer Hinsicht kann man nicht meckern. Nur im Finale schwächelt der Streifen etwas. Da drücken wir mal ein Auge zu!
 
 
 


 
 
 

THE PRODIGY – Zensur

 
 
 
THE PRODIGY hat kaum Splatterszenen zu bieten. Man bekommt die verwesten Überreste eines Hundes zu sehen. Weiterhin sieht man eine abgetrennte Hand. Ein Mann und zwei Frauen werden zudem erschossen. Hierzulande hat es für die THE PRODIGY eine FSK16 gegeben.
 
 
 


 
 
 

THE PRODIGY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) SPLENDID FILM (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Prodigy; Kanada | USA 2019

Genre: Grusel, Thriller, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2,39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 92 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow, Audiokommentar von Regisseur Nicholas McCarthy, Promos, Galerie

Release-Termin: 07.06.2019

 

The Prodigy [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE PRODIGY – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Teufelskind Joshua (2007)
 
Das Omen (1976)
 
Omen IV: Das Erwachen (1991)
 

Filmkritik: „The Hole in the Ground“ (2019)

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THE HOLE IN THE GROUND

Story

 
 
 

Eine alleinerziehende Mutter erlebt im neuen Heim den Horror auf Erden.

 
 
 


 
 
 

THE HOLE IN THE GROUND – Kritik

 
 
 
Du magst es gruselig und vergräbst Dich gern mal im Kinosessel, während Du dir aus Furcht die Augen zuhältst? Dann haben wir neues Futter für Dich, das dir garantiert schlaflose Nächte bereiten wird. THE HOLE IN THE GROUND nennt sich das unabhängige Horrorstück, das bereits nach seiner Premiere auf dem Sundance Film Festival im Januar 2019 von Kritikern als einer der besten Genre-Filme des Jahres bezeichnet wurde. Das können wir bestätigen. Was hier an psychologischem Grauen über die Leinwand schleicht, ist fesselnd aber auch beängstigend zugleich. Da wird mit fast schon altbackenen Methoden für Unbehagen gesorgt und beim klassischen Angstkino stibitzt. Trotzdem stellen sich die Nackenhaare auf. Eine Kunst für sich, der man an dieser Stelle Respekt zollen muss.
 
 
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THE HOLE IN THE GROUND erzählt eine schaurige Geschichte, die mit Urängsten spielt. Darin zieht es die alleinerziehende Mutter Sarah O’Neill (SEÁNA KERSLAKE) samt Sohnemann (in der zweiten Filmhälfte irgendwie creepy: JAMES QUINN MARKEY) aufs irische Land, wo sie in einem gruseligen Anwesen eine gescheiterte Beziehung hinter sich lassen will. Alles auf Anfang also – doch der Neubeginn hat so seine Tücken. Eines Abends gibt es nämlich Streit mit dem kleinen Chris. Der ist verärgert, flüchtet in die angrenzenden Wälder und scheint plötzlich vom Erdboden verschwunden zu sein. Ein Albtraum, der Mutter Sarah durch die Hölle gehen lässt, denn im Wald hinterm Haus befindet sich ein riesiges Senklock. Doch Gott sei Dank wird alles gut. Das Kind taucht wieder auf und die sind Sorgen vergessen. Leider haben Mütter so ihre Instinkte. Die merken schnell, wenn etwas mit dem Nachwuchs nicht stimmt. So auch unserer Filmheldin. Die stellt plötzlich fest, dass der kleine Chris seit dem mysteriösen Vorfall nicht mehr derselbe ist. Alles nur Einbildung oder Folgen von Stress? Eine beunruhigende Frage, die THE HOLE IN THE GROUND zum wohl gruseligsten Mysterythriller der Saison macht.
 
 
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Jetzt wird es gruselig und das meinen wir auch so. Das Horror-Genre hat nämlich seit einer gefühlten Ewigkeit große Probleme damit dem Zuschauer Gänsehaut zu bereiten. Sei es der Übersättigung wegen oder, weil man Filmzutaten bis zum Erbrechen kopiert, statt mal was Neues auf Zelluloid zu bannen. Wirklich unheimliche Horrorstreifen muss man mit der Lupe suchen. Wohl einer der Gründe, warum LEE CRONIN mit THE HOLE IN THE GROUND zeigt, dass es so einfach sein kann. Der nimmt sich einer kleinen Geschichte an und baut darum ein düsteres Mysterium, das er mit allerhand klassischen Gruselelementen verziert. Da fehlt das bekannte Spiel mit Licht und Schatten ebenso wenig, wie knarrende Dielen, schnell vorbeihuschende Schatten und langsame Kamerafahrten, die von unheimlicher Musik begleitet werden.
 
 
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Horror der alten Schule also, der ganz unschuldig beginnt und den Zuschauer unvorbereitet auf eine Reise des Grauens mitnimmt. THE HOLE IN THE GROUND tut alles daran, dass man ihn nicht so leicht durchschauen kann. Da werden falsche Fährten gestreut, um den Zuschauer lang im Dunkeln tappen zu lassen. Was passiert hier eigentlich? Wurde hier tatsächlich der Sohnemann von außerirdischen Besuchern gegen eine seelenlose Kreatur ausgetauscht oder handelt der Streifen von einer überforderten Frau, die plötzlich dem Mutterdasein nicht mehr gewachsen ist – DER BABADOOK lässt grüßen. Die Antwort darauf verraten wir an dieser Stelle natürlich nicht. Fakt ist aber, dass der Regisseur das Spiel mit dem Schrecken perfekt beherrscht. Der thematisiert die Verlustängste übereifriger Helikoptereltern und vermischt diese mit irischer und keltischer Mythologie. Das Resultat ist ein herrlich beunruhigendes Filmvergnügen, dem vielleicht stets besorgte Eltern besser fernbleiben sollten.
 
 
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THE HOLE IN THE GROUND – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
 
Von mysteriösen Senklöchern und ausgetauschten Kinder. THE HOLE IN THE GROUND ist DIE Gruselüberraschung des Jahres 2019. Nach all den kommerziellen, effektreichen und lauten Blumhouse-Produktionen hätte man nicht daran gedacht, dass klassisches Angstkino überhaupt noch eine Chance hat. Doch THE HOLE IN THE GROUND belehrt eines besseren. Dieser Indie-Trip hat es in sich, weil ihm das gelingt, worin vielen neueren Produktionen versagen. THE HOLE IN THE GROUND ist nämlich trotz überschaubarer Story mindestens genauso gruselig, wie die im Jahr 2001 von ALEJANDRO AMENÁBAR inszenierte Schauermär THE OTHERS. Diese verzichtete auf ausufernde Effekte und konzentrierte sich stattdessen auf unheimliche Stimmung und das Zusammenspiel seiner Figuren. So ähnlich geht es auch Regisseur LEE CRONIN an. Der braucht nicht viel, um Gänsehaut entstehen zu lassen. Trotzdem schafft er es mit Leichtigkeit eine permanent unbehagliche Atmosphäre aufzubauen, die einem die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. Da wird in der Grusel-Requisitenkiste alter Horror-Meister gekramt. Die mit einfachen Mitteln aufgebaute Schauerstimmung ist bemerkenswert. Weil auch die Handlung mit einem Twist aufwartet, sollte man nicht zu viel über THE HOLE IN THE GROUND im Internet lesen. Da wird viel gespoilert und das zerstört den Überraschungseffekt. Wer demnach die Auflösung nicht vorweggenommen haben möchte, sollte möglichst unvorbereitet an den Streifen herangehen. Dann wirkt die Auflösung gleich doppelt so heftig. Geheimtipp!
 
 
 


 
 
 

THE HOLE IN THE GROUND – Zensur

 
 
 
THE HOLE IN THE GROUND ist ein Mysterythriller und hat eigentlich keine Gewaltszenen zu bieten. Es gibt nur eine Szene in der eine Frau mit dem Kopf in die Erde eingegraben wird und dabei erstickt. Mehr Schauwerte hat dieser Gruselfilm nicht zu bieten. Hierzulande hat der Streifen wegen seiner beunruhigenden Stimmung eine FSK16 erhalten. Wer kann, sollte den Gruselfilm im Kino sehen. Dort wird er seine ganze Wirkung vollständig entfalten können.
 
 
 


 
 
 

THE HOLE IN THE GROUND – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Weltkino

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Hole in the Ground; Irland 2019

Genre: Horror, Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1,

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 13.09.2019

 

The Hole in the Ground [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE HOLE IN THE GROUND – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Weltkino Filmverleih)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Babadook (2014)
 
Der fremde Sohn (2008)
 
The Noonday Witch (2016)
 
Die Körperfresser kommen (1978)
 
Das Dorf der Verdammten (1995)
 

Filmkritik: „Summer of 84“ (2018)

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SUMMER OF 84

Story

 
 
 

STRANGER THINGS trifft auf STAND BY ME und FRIGHT NIGHT: In einer amerikanischen Vorstadt der 1984er gehen vier Kids ungelösten Mordfällen auf den Grund, ohne zu ahnen, dass sie sich damit in Teufels Küche bringen.

 
 
 


 
 
 

SUMMER OF 84 – Kritik

 
 
 
Die 1980er sind wieder im Trend – nicht nur in der Mode- und Musikindustrie. Auch im Kino erlebt das schrille Jahrzehnt ein kleines Revival und lässt längst vergangene Zeiten noch einmal aufleben. Da kommen zu Recht Kindheitserinnerungen auf, weil viele alteingesessene Zuschauer zu jener Zeit selbst noch Kind waren, als Filmemacher wie Spielberg, Carpenter und Dante ein ganzes Kinojahrzehnt geprägt haben. Dennoch: So gut der Nostalgie-Ritt auch ist, so nervig wird er aber auch langsam. Mittlerweile finden die Eighties-Vibes nämlich kein Ende mehr. Immer mehr Filme und TV-Serien springen auf den 80er-Hype auf und drehen aktuelle Filme so, als wären sie in jener Zeit entstanden, vor der man sich verbeugen möchte. Die Folge: Retro-Übersättigung. Auch wir von FILMCHECKER haben in den letzten Jahren ziemlich viele dieser Filme besprochen, die versucht haben das Kino der 1980er zu huldigen. Darunter gab es manch Überraschung – vieles ging aber auch in die Hose. Irgendwo dazwischen: der folgende Horrorfilm. SUMMER OF 84 nennt sich ein weiterer Streifen dieser Art, der erfahrenen Horrorfilmkennern Nostalgie-Gefühle vermitteln möchte. Leider blickt der Film dann doch etwas zu zwanghaft durch die Nostalgie-Brille, statt sich mit seiner Geschichte zu beschäftigen. Unmengen Klischees, zu viel Hommage, wenig neue Ideen und mangelnder Drive. Manchmal ist es eben besser nach vorn zu schauen, als in der Vergangenheit zu schwelgen.
 
 
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Der Sommer des Jahres 1984 soll für vier Pubertierende zum Horror werden. Die haben nicht nur mit den Hormonen zu kämpfen, sondern kommen auch einem Serienmörder auf die Schliche, der offenbar Gefallen daran findet, Jungen zu entführen und anschließend zu ermorden. Als ob es der Zufall will, leben die vier Hobbydetektive genau im Revier des Killers. Hier, in der gutbürgerlichen Vorstadt verschwinden nämlich seit Monaten Jungen spurlos und die Gesetzeshüter tappen im Dunkeln. Doch Nachwuchs-Verschwörungstheoretiker Davey (GRAHAM VERCHERE) hat eine Spur. Der vermutet nämlich, dass sein Nachbar Wayne Mackey (RICH SOMMER) der gesuchte Mörder ist. Leider ist der Herr Polizist und das Gesetz auf seiner Seite. Umso schwieriger wird die Überzeugungsarbeit, denn niemand will dem Jungen Glauben schenken. Gott sei Dank halten Freunde zu ihm. Gemeinsam beschattet man den vermeintlichen Killer, bis Zweifel auftreten, ob der Verdächtige auch wirklich verdächtig ist. Weil SUMMER OF 84 immer noch im Horror-Genre beheimatet ist, darf man davon ausgehen, dass hier alles anders kommen wird. Die unerwartete Auflösung trifft nämlich knüppelhart in die Magengegend.
 
 
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Die Leute hinter dem Überraschungshit TURBO KID sind wieder da. Drei Jahre nach dem auf Festivals gefeierten Action-Adventure-Comedy-Superhelden-Film melden sich die Macher zurück. Zu aller Verwunderung haben die aber keine Fortsetzung im Gepäck, sondern kommen mit einem anderen Horror-Abenteuer in die Heimkinos. Nun ja, so vollkommen anders ist es aber dann doch nicht. Die Regisseure bleiben nämlich ihrer Leidenschaft fürs Kino der 1980er treu und verwursteln im neuen Film mit dem Titel SUMMER OF 84 alle Klischees, die man eben von Filmen her kennt, welche in den 80er Jahre entstanden sind. Ob BMX-Räder, Spielautomaten, Walkie-Talkies oder Star Wars – die Detailverliebtheit der Requisiten ist beachtlich. Das ultimative Retro-Gefühl tritt demzufolge schnell ein, zumal das Treiben auch noch von einem authentischen Synth-Soundtrack begleitet wird, der wohlige 80er-Atmosphäre entstehen lässt. Leider ist das Verbeugen vor längst vergangenen Zeiten aber auch Fluch und Segen zugleich. Im flinken Nostalgie-Rausch hat man nämlich ganz außer Acht gelassen, dass man heute Filme anders erzählt, als es noch vor über 30 Jahren der Fall war. Demzufolge ist die Geschichte von SUMMER OF 84 eine zähe Angelegenheit. Das Filmemacher-Kollektiv RKSS – bestehend aus François Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell – konzentriert sich zu lang auf die Charakterisierung der vier stereotypen Kinderhelden, die vor allem durch eines negativ im Gedächtnis bleiben: ihrem pubertärer „Jungs-Humor“. Der wiederholt sich oft und besteht in erster Linie aus „Deine Mutter“-Witze. Zuschauer älteren Semesters rollen da verständlicherweise mit den Augen. Irgendwann muss auch mal gut sein.
 
 
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Aber nicht nur die Figuren aus dem Stickeralbum für 80er-Jahre-Filme haben mit Schwächen zu kämpfen. Auch beim Erzählen seiner einfach gestrickten Handlung bekleckert sich SUMMER OF 84 nicht unbedingt mit Ruhm. Bis die ereignislose Spurensuche nämlich in die Gänge gerät, vergeht ein Großteil der Laufzeit. So hat man Horrorgeschichten in den 1980ern erzählt. Heutzutage bedarf es mehr Action und Abwechslung, damit der Zuschauer dauerhaft bei Laune gehalten werden kann. Rasante Action, hektische Schnitte und flinke Ideen vermisst man in SUMMER OF 84 hingegen schmerzlich, was zur Folge hat, das die Geschichte nur schleppend an Fahrt gewinnt und irgendwie uninteressant bleibt. Generation Netflix dürfte da schnell die Geduld verlieren und abschalten, zumal sich SUMMER OF 84 schwer damit tut, so etwas wie Spannung aufzubauen. Da werden Verschwörungstheorien wie in FRIGHT NIGHT gesponnen und etwas Coming-of-Age inklusive Teenie-Romanze darf natürlich auch nicht fehlen – STAND BY ME lässt grüßen. Zitate über Zitate – doch wo bleibt die Gewalt und der vom hiesigen Verleih beworbene Horror-Einschlag? Darauf muss man lange warten. Immerhin gelingt es mit einer falschen Fährte für Verwirrung zu stiften, bevor der Film nach 70 Minuten Eighties-Overkill endlich seinen Ton ändert und abrupt auf Horror-Pfaden wandelt. Da wird es kurzzeitig spannend, obgleich wenige Minuten später auch schon der Abspann über den Bildschirm flimmert. Zwei kurze Gore-Effektszenen schließen die cineastische Reise in die Vergangenheit ab. Ob die unbedingt hätten sein müssen, bleibt fraglich. Aufgrund des zuvor eher GOONIES-gleichen Einschlags, wirkt der plötzliche Richtungswechsel erzwungen und deplatziert. Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass man aus SUMMER OF 84 hätte mehr machen können. Zwar sieht man dem Streifen zu keiner Weise an, dass er mit überschaubaren Mitteln gedreht wurde. Dennoch hätten dem Film ein temporeicheres Drehbuch mit Neuerungen, cleverer Meta-Wortwitz und vor allem Spannung weit besser gestanden, als eine weitere visuell aufgeblasene Hommage an die schrillen 1980er. Davon gab es in den letzten Jahren schon viel zu viele – zumal SUMMER OF 84 ausschließlich damit glänzen kann. Ein schick verpackter Horrorfilm ist noch lange kein Granat für großartiges Gruselkino.
 
 
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SUMMER OF 84 – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Genialer Soundtrack aus der Feder von LE MATOS, eine liebevolle Ausstattung, die jeden Nostalgiker in Verzücken versetzen wird – beim vorhersehbaren Inhalt jedoch scheiden sich die Geister. Dieser von François Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell inszenierte Film ist definitiv nur für jene gemacht, die ein Faible für die 1980er haben. SUMMER OF 84 wurde auf Festivals gelobt und mit viel Applaus ausgezeichnet. Sicher wird der Streifen seine Fans finden, aber auch jene, die den Hype um diesen Mystery-Horror-Thriller-Mix nicht verstehen können. Dem schließen wir uns an, denn klammert man den Retro-Bonus aus, bleibt nicht unbedingt viel, was Erwähnung finden könnte. SUMMER OF 84 lebt von seiner Atmosphäre, die sich ganz auf die 1980er verschrieben hat. Schnell fühlt man sich so, als wäre man mitten drin in diesem Jahrzehnt. Das wirkt mancherorts kitschig, künstlich und vollkommen übertrieben. Dennoch muss man den Machern zugestehen, dass die viel Liebe zum Detail betrieben haben, damit alles so aussieht, als wäre der Film zu jener Zeit entstanden in der der Streifen spielt. Fernseheulen werden da zu Recht argwöhnisch, erinnert doch SUMMER OF 84 mit seinen Jungdarstellern und dem Retro-Setting an die Netflix’sche Erfolgsserie STRANGER THINGS. Schimpftiraden sind hier aber fehl am Platz, beteuern die Regisseure dieses Gruselkrimis vehement in Interviews, dass sie die Idee zum Retro-Horrortrip bereits vor der ersten Staffel genannter Mystery-Reihe zu Papier gebracht haben. Ob das stimmt, wissen wohl nur François Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell. Die hatten weitestgehend Erfolg mit ihrem zweiten Spielfilm und dürften sich darin bestätigt fühlen, dass die Nachfrage an Horrorfilmen im Gewand der 1980er immer noch enorm ist. TURBO KID 2 und SUMMER OF 84 – TEIL 2 ick hör dir trapsen.
 
 


 
 
 

SUMMER OF 84 – Zensur

 
 
 
SUMMER OF 84 hat in Deutschland in der ungeschnittenen Fassung eine FSK16 erhalten. Diese ist auch gerechtfertigt, denn bis auf kurze Gewaltszenen am Ende (u.a. einen Kehlenschnitt) gibt es hier kaum Schauwerte zu bewundern.
 
 
 


 
 
 

SUMMER OF 84 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Pandastorm Pictures (KeepCase-Version)

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(c) Pandastorm Pictures (Sammlerauflage im VHS-Design – limitiert auf 1984 Exemplare)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Summer of 84; Kanada | USA 2018

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.20:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 105 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover | Collectors Edition in Sonderverpackung

Extras: Audiokommentar von RKSS (Englisch ohne Untertitel), Einführung/Grußwort von RKSS (0:28), Originaltrailer (1:17), Original Kinotrailer (1:51), Trailershow, Outtakes (4:23), Faketrailer: Demonitron: The 6th Dimension (4:29) | zusätzlich in der Sammler-Box: Booklet, Soundtrack, Poster, Anstecker, Aushangfotos, Film auf DVD

Veröffentlichung: Collectors Edition: 05.10.2018 | KeepCase Blu-ray: 26.10.2018

 
 
 

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SUMMER OF 84 – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Pandastrom Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Super Dark Times (2017)
 
Die rabenschwarze Nacht – Fright Night (1985)
 
Die Goonies (1985)
 
Stephen Kings Es (1990)
 

Filmkritik: „Our House“ (2018)

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OUR HOUSE

Story

 
 
 

In dieser kanadisch-deutschen Coproduktion öffnen drei Geschwister mit einer selbstgebauten Maschine versehentlich das Tor zu Geisterwelt und richten damit erheblichen Schaden an.

 
 
 


 
 
 

OUR HOUSE – Kritik

 
 
 
Und mal wieder was mit Geistern – hatten wir in diesem Jahr bisher nur gefühlt 1500 Mal. Was diesen Film aber aus der Masse hervorstechen lässt ist die Tatsache, dass man mit OUR HOUSE ein Remake in den Händen hält. Regisseur ANTHONY SCOTT BURNS (HOLIDAYS – Segment: FATHER’S DAY) hat nämlich hier einen Film neu interpretiert, den es vor einigen Jahren schon einmal gab. GHOST FROM THE MACHINE schimpfte sich der auf Filmfestivals gelobte Gruselfilm, der angeblich nur schlanke 25.000 Dollar gekostet haben soll und bei Publikum und Presse wie eine Bombe einschlug. Offenbar waren vom Resultat selbst die Studiobosse von UNIVERSAL PICTURES begeistert. Die sicherten sich die Remake-Rechte und planten einen kommerziellen Schauerangriff in den Lichtspielhäusern. Für den war eigentlich GARY SHORE als Regisseur vorgesehen. Doch der dürfte so seine Gründe gehabt haben, sich letztendlich doch umzuentscheiden und das Regiezepter dem Kollegen ANTHONY SCOTT zu übergeben. Schaut man sich den fertigen OUR HOUSE an, kann man sich schon denken, woran es gelegen haben muss. Der Film ist nämlich weit weg von dem, was sich da Macher MATT OSTERMAN mit einfachen Mitteln für GHOST FROM THE MACHINE im Jahr 2010 ausgedacht hat. In der Neuverfilmung gibt es nämlich Gruselei für die breite Masse zu sehen. Originalität? Fehlanzeige! Da werden schon die Augen nur beim Lesen der Inhaltsangabe schwer. Wo sind nur die cleveren Gruselfilme im Stile eines THE SIXTH SENSE?
 
 
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Hätte Ethan (THOMAS MANN aus AMITYVILLE: THE AWAKENING) doch noch mehr Zeit mit der Familie verbracht. Seit der nicht mehr zu Hause wohnt und auf eigenen Beinen steht, muss er sich überwinden überhaupt mal nach Hause zu fahren, um Eltern und Geschwister zu besuchen. Doch die Schelte folgt auf dem Fuß. Die Eltern sterben bei einem Autounfall und Ethan bekommt einen Denkzettel für sein ignorantes Verhalten. Der muss sich fortan um die Geschwister Becca und Matt kümmern und zieht zurück in das Haus der Eltern. Aller Anfang ist schwer, zumal der junge Mann lernen muss, die Erziehung der Geschwister und den eignen Job auf die Reihe zu bekommen. Doch Ethan strebt Großes an. Mit einer selbstgebauten Maschine will er Glühlampen auch ohne Strom oder Steckdose zum Leuchten bringen. Leider offenbart das Gerät bald andere Stärken. Ist es erst einmal eingeschaltet, öffnet es das Tor zur Geisterwelt. Mit fatalen Folgen.
 
 
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Erst Drama, dann Horror. OUR HOUSE beginnt ganz brauchbar. Wir sehen, wie drei Geschwister nach dem Tod der Eltern irgendwie versuchen über die Runden zu kommen. Der ältere und zuvor noch rebellische Ethan wird zum Vormund. Statt lockeres Gammelleben, muss der nun Struktur in den Alltag bringen, damit aus den beiden jüngeren Geschwistern was Anständiges wird. Doch die Trauer über den Verlust der Eltern muss bald für paranormalen Schabernack weichen. Schnell entwickelt sich OUR HOUSE nämlich zum überraschungsarmen Gruselgroschenroman, der Spuk mit Mystery vermischt und sich dabei nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Hier ein paar falsche Fährten, dort vorhersehbare Schockmomente. Wirklich „scary“ ist OUR HOUSE leider zu keiner Minute, zumal erfahrene Gruselkenner schnell des Pudels Kern wittern werden und den Ausgang der Geschichte vorausahnen. Mehr unkonventionelle Gruselei hätte an dieser Stelle Not getan. Doch statt innovativer Angstmacherei mit frischen Ideen, läuft die in OUR HOUSE zelebrierte Geisterbahn nach altbekannter Schauerrezeptur ab. Erschrecken, schreien, laufen und retten. Geisterfilme sind eben auch nicht mehr das, was sie mal waren. Angesehen und abgehakt – der nächste Gruselfilm wartet bereits.
 
 
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OUR HOUSE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Handwerklich souverän inszenierter Gruseltrip, dem es aber an Originalität mangelt. Was wie ein deprimierendes Familiendrama beginnt, entpuppt sich leider recht schnell als vorhersehbarer Mix aus Hoopers POLTERGEIST, WHITE NOISE und ECHOES – STIMMEN AUS DER ZWISCHENWELT, der zu verkrampft darum bestrebt ist, sein PG-13 zu halten. Das bedeutet unterm Strich: seichte Gruselunterhaltung für die ganze Familie, die mit billigen Taschenspielertricks versucht den Zuschauer zu erschrecken. OUR HOUSE ist ein Remake eines Streifens aus dem Jahr 2010. Leider bringt es hier mal wieder die Film-Weisheit auf den Punkt, dass Neuverfilmungen meist im Schatten ihrer Vorlagen stehen. Während GHOST FROM THE MACHINE (so der Originalfilm) auf Filmfestivals gelobt wurde, dürfte über OUR HOUSE bald niemand mehr sprechen. Der Grund hierfür ist ganz einfach: OUR HOUSE bleibt nicht im Gedächtnis, weil er genau das abspult, was man bereits unzählige Male in gleicher Form im Kino zu sehen bekommen hat. Schade.
 
 
 


 
 
 

OUR HOUSE – Zensur

 
 
 
Wer auf Gewaltmomente hofft, wird enttäuscht werden. In OUR HOUSE gibt es keine Schauwerte. Es fließt weder Blut, noch sterben Menschen vor der Kamera. Einige unheimliche Geisterszenen könnte etwas Gänsehaut bewirken. Sonderlich gruselig ist OUR HOUSE aber nicht. In Amerika erhielt der Streifen ein niedriges PG-13. Diese Freigabe ist gerechtfertig. Hierzulande gibt es wohl eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

OUR HOUSE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC MIDNIGHT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt (1999)
 
White Noise (2005)
 
Paranormal Resurrection (2014)
 
The Darkness (2016)
 
Jessabelle (2013)
 

Filmkritik: „Children of the Corn: Runaway“ (2018)

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CHILDREN OF THE CORN: RUNAWAY

Story

 
 
 

Eine junge Mutter wird in einem kleinen amerikanischen Städtchen von der schrecklichen Vergangenheit als Mitglied einer Kindersekte eingeholt.

 
 
 


 
 
 

CHILDREN OF THE CORN: RUNAWAY – Kritik

 
 
 
Nichts wie weg von hier. Vor vielen Jahren passierte im verschlafenen Gatlin das Unfassbare. Kinder schlossen sich einem mysteriösen Kult an und töteten alle Erwachsene. Der schrecklichen Vergangenheit des Ortes will auch die schwangere Ruth (MARCI MILLER aus MOST LIKELY TO DIE) entkommen. Die war selbst Teil der Sekte, will ein neues Leben beginnen und haust unter neuen Namen unentdeckt über Jahre an verschiedenen Orten. Als sie in einer kleinen Stadt in Oklahoma eine Stelle als Automechanikerin annimmt und auf einen Neustart mit Sohn Aaron hofft, holt sie die Vergangenheit trotzdem wieder ein. Offenbar ist ihr das Böse aus Gatlin auf den Fersen, vor dem sie jahrelang geflüchtet ist. Was folgt, sind schreckliche Visionen, die der Traumatisierten den Schlaf rauben. Ob das neue Leben der taffen Alleinerziehenden in Gefahr ist? Erste Vermutungen bewahrheiten sich schon sehr bald.
 
 
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Aber nun muss langsam mal Schluss sein. Film Nummer 10 rund um die zornigen Kinder ist – wie zu erwarten war – kein guter Horrorstreifen. Der Grund hierfür liegt auf der Hand. Die Geschichte rund um eine mysteriöse Kindersekte wurde mittlerweile so oft verfilmt, dass sich Abnutzungserscheinungen bemerkbar machen. Hinzukommt, dass keine der vielen Filme einen roten Faden erkennen lässt. Stattdessen orientieren die sich mehr oder weniger lose an der Kingschen Kurzgeschichte, ohne dass man sich die Mühe macht, die vom Horrormeister geschriebene Erzählung endlich mal konsequent fortzusetzen. Eine richtige Fortsetzung ist der hier besprochene CHILDREN OF THE CORN – RUNAWAY demnach auch nicht. Auch dieses Sequel spielt irgendwo im Universum der wütenden Kinder, besitzt aber – bis auf die Kindersekte – keine direkten Zusammenhänge zu den bisherigen Verfilmungen. Das erleichtert Unwissenden den Einstieg, weil keine Vorkenntnisse vorausgesetzt werden, um CHILDREN OF THE CORN – RUNAWAY verstehen zu können. Doch die fehlenden Verbindungen zu den anderen Fortsetzungen sind Fluch und Segen zugleich. Mal wieder wird nämlich ignoriert und bei null begonnen. Wer die übrigen Filme gesehen hat, dürfte da langsam die Übersicht verlieren. Doch die fehlende Orientierung ist schon lange nicht mehr das einzige Problem der Kinder-des-Zorns-Reihe. Es ist die Grundidee selbst, die kaum noch Spannung entstehen lässt, weil jeder Zuschauer doch weiß, dass in diesem Filmfranchise doch ohnehin nur minderjährige Sektenmitglieder einen Maisgott huldigen, der es gar nicht gut mit Erwachsenen meint. Die Folge: Kinder töten Volljährige und Volljährige weisen fanatische Sektenanhänger in ihre Schranken. Originell ist was anderes.
 
 
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Auch CHILDREN OF THE CORN – RUNAWAY macht keinen Hehl daraus, dass das Konzept der Filmreihe schon längst zu Grabe getragen wurde. Die Geschichte des nunmehr zehnten Films ist wohl die dünnste der gesamten Serie. Drehbuchautor JOEL SOISSON (schrieb auch schon den Bodensatz KINDER DES ZORNS – GENESIS) musste wohl hier schnell was zu Papier bringen, weil DIMENSION FILMS dringend ein weitere Sequel benötigte. Für Ideen war da keine Zeit. Die Eile hatte seinen Grund. Das Filmstudio hatte zuvor die Rechte am HALLOWEEN-Franchise verloren, weil es nicht gelang eine weitere Produktion auf die Beine zu stellen, um eine neue Fortsetzung drehen zu können. Um nicht auch noch die Rechte an den zornigen Kindern abtreten zu müssen, musste schnell gehandelt werden. So entstand quasi heimlich CHILDREN OF THE CORN – RUNAWAY, dessen Dreharbeiten fast unbemerkt von der Öffentlichkeit stattfanden. Erst zwei Wochen vor Drehschluss veröffentlichte man erste Informationen und Bilder. Ein Schelm wer da einen qualitativen Schnellschuss vermutet.
 
 
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In der Tat reiht sich CHILDREN OF THE CORN – RUNAWAY in die schier endlose Reihe überflüssiger Fortsetzungen ein, auf die man getrost verzichten kann. Mal wieder werden Erwachsene von Kindern getötet, die offenbar durch das ultimativ Böse angetrieben ein grausames Spiel mit Erwachsenen spielen. Neu ist jedoch, dass sich Drehbuchautor JOEL SOISSON einen Twist ausgedacht hat, um – zumindest unerfahrene Zuschauer – in die Enge zu treiben. Kalter Kaffee, weil sich quasi jeder Horror- und Gruselstreifen neueren Datums mit einer unerwarteten Wendung abheben will. Immerhin ein Lichtblick in einer Filmreihe, die keine Neuerungen kennt. So ist CHILDREN OF THE CORN – RUNAWAY zwar immer noch Durchschnitt, aber schon mal besser als die letzten sechs Fortsetzungen. Trotzdem hat auch der zehnte Film wegen bekannter Verläufe ein Problem mit der Spannungskurve, besitzt aber mit MARCI MILLER eine talentierte Schauspielerin, der es zumindest halbwegs gelingt, den Zuschauer mit Sympathie durch einen belanglosen Film zu führen. Ob das allein lohnt sich dieses schnell abgedrehte Sequel anzuschauen, muss jeder Zuschauer selbst entscheiden. Mittlerweile ist jedoch einfach die Luft raus, denn die Reihe entwickelt sich einfach nicht weiter.
 
 
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CHILDREN OF THE CORN: RUNAWAY – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
CHILDREN OF THE CORN – RUNAWAY besitzt eine gute Hauptdarstellerin und überrascht mit gut getricksten Zeitlupen-Sequenzen, in denen Menschen das Zeitliche segnen. Zudem sind die Morde diesmal sehr sadistisch ausgefallen und werden erstaunlich lang zelebriert. Dennoch ist auch diese Fortsetzung überflüssig und auch nicht sonderlich spannend. Das Problem: es fehlen Ideen und Neuerungen. Die Geschichte ist quasi die gleiche wie vor über 30 Jahren. Seither hat sich nicht viel Neues im Kinder-des-Zorns-Universum getan. Offenbar musste im Falle von CHILDREN OF THE CORN – RUNAWAY schnell gedreht werden. Wie bereits zuvor bei HELLRAISER: JUDGMENT musste man zügig eine Pflichtfortsetzung inszenieren, um Filmrechte behalten zu können. Dass da für Ideen, Qualität und Fanwünsche kaum Zeit vorhanden war, merkt man auch dem mittlerweile zehnten Film rund um die zornigen Maiskinder an. Das Sequel entpuppt sich als liebloses Video-Futter, das vermutlich niemanden interessieren würde, wenn da nicht ein Zusammenhang mit Horror-Autor STEPHEN KING bestehen würde. Der dürfte vermutlich beim Schreiben seiner Kurzgeschichte über einen mysteriösen Maiskult nicht einmal ansatzweise geahnte haben, welche Wellen seine Ideen noch Jahrzehnte später schlagen würden. Übrigens zeichnet als Regisseur jemand verantwortlich, der sich mit Horror auskennt. JOHN GULAGER hat zuvor Horrorfilme wie die FEAST-Trilogie, PIRANHA 2 oder ZOMBIE NIGHT gedreht. Alles Trash-Horror, für den man das Hirn ausschalten muss. Das wird bei CHILDREN OF THE CORN – RUNAWAY auch nicht sonderlich beansprucht. Dafür ist die Handlung zu rudimentär – trotz Twist am Ende.
 
 
 


 
 
 

CHILDREN OF THE CORN: RUNAWAY – Zensur

 
 
 
Es gibt einige wenige Morde in CHILDREN OF THE CORN: RUNAWAY zu sehen. Diese haben es aber in sich. Nicht nur, dass diese sehr zeigefreudig sind. Sie werden zudem in mehreren Stufen zelebriert, was die Kills lang, sehr hart und vor allem sadistisch erscheinen lässt. Weil hier auch noch ein kleines Mädchen gehörig daran Spaß besitzt Erwachsene zu ermorden, dürfte diese Fortsetzung wohl erst für Erwachsene geeignet sein. Die FSK versteht nämlich mit mordenden Kindern so gar keinen Spaß.
 
 
 


 
 
 

CHILDREN OF THE CORN: RUNAWAY – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Lionsgate Home Entertainment | Dimension Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Speek no Evil (2013)
 
Come Out and Play – Kinder des Todes (2012)
 
Kinder des Zorns (1984)
 
Tödliche Ernte – Kinder des Zorns II (1992)
 
Kinder des Zorns III – Das Chicago-Massaker (1995)
 
Kinder des Zorns 4 – Mörderischer Kult (1996)
 
Kinder des Zorns 5 – Feld des Terrors (1998)
 
Kinder des Zorns 6 – Isaacs Rückkehr (1999)
 
Kinder des Zorns 7 – Revelation (2001)
 
Kinder des Zorns: Genesis – Der Anfang (2011)
 
Stephen Kings Kinder des Zorns (2009)