Filmkritik: „We Summon the Darkness“ (2019)

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WE SUMMON THE DARKNESS

Story

 
 
 

Nach einem Heavy Metal Konzert kommen sechs junge Leute sprichwörtlich in Teufels Küche.

 
 
 


 
 
 

WE SUMMON THE DARKNESS – Kritik

 
 
 
Wenn Schauspieler Teenager verkörpern, die schon jenseits der 30 sind und laute Gitarrenmusik aus den Lautsprecher dröhnt, die manch Feingeist die Haare zu Berge stehen lässt, wissen Horrorfilmfans: die 1980er sind zurück. Mittlerweile dürfte jeder Genre-Fan erkannt haben, dass kein Jahrzehnt das Genre so geprägt hat, wie die Ära der Videotheken, der „Neuen Deutschen Welle“ und des Commodore 64. Da waren nicht nur Zombies, Kannibalen und Horrorfilm-Fortsetzungen en vogue. Auch schrille Rockgesänge und düsterer Heavy Metal wurden nicht selten dazu verwendet, um die Gruseltrips jener Zeit akustisch zu unterstreichen. Horror und Gitarrenmusik – eine Kombination, die ganz willkürlich miteinander verknüpft wurde, weil man laute Rockmusik gern mal mit dem Gesang des Teufels gleichsetzte, der die Jugend verderben wollte, was natürlich auch für den Horrorfilm galt. Eine Tatsache, die die Grundlage für den folgenden WE SUMMON THE DARKNESS bildet. Der geht auf das Konto von Regisseur MARC MEYERS, welcher schon mit MY FRIEND DAHMER Aufmerksamkeit erhielt, in welchem er die Jugendtage von Serienkiller JEFFREY DAHMER analysierte. Dessen Filmadaption einer Graphic Novel von JOHN BACKDERF erhielt auf Festivals viel Zuspruch. Daher interessant zu erfahren, ob der zweite Ausflug ins Genre von gleichbleibender Qualität ist.
 
 
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Amerika im Jahr 1988. Drei Freundinnen machen sich auf dem Weg zu einem Heavy Metal Konzert und nehmen Warnungen nicht ernst, die aus dem Radio schallen. Darin wird von Morden berichtet, die auf das Konto einer satanistischen Sekte gehen, welche in der Gegend ihr Unwesen treibt. Für die drei jungen Frauen halb so wild. Die sind mit ihren Gedanken ganz woanders und lernen auf dem Musikevent drei Halbstarke im gleichen Alter kennen, die sie zu einer privaten After-Show-Party zu sich nach Hause einladen. Doch die Sause nimmt sonderbare Wendungen. Da verläuft plötzlich alles ganz anders, als erwartet und die jungen Leute waten im Blut. Sind hier etwa satanistische Mächte im Spiel, die den Musikfans nach dem Leben trachten wollen? Wir verraten an dieser Stelle nichts.
 
 
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Das ist auch besser so, denn WE SUMMON THE DARKNESS lebt vom Überraschungseffekt. Der Thriller nimmt das Wort „Twist“ besonders ernst. Davon gibt es im Film jede Menge. So ist nichts, wie es auf den ersten Blick scheint. Regisseur MARC MEYERS scheint Gefallen daran zu finden, den Zuschauer auf falsche Fährten zu schicken. Immer, wenn man meint den richtigen Weg gefunden zu haben, mischt der Regisseur die Karten neu und treibt die Handlung damit ins Absurdem. So wird Spannung mit fiesen Wendungen bewirkt, die im Zehn-Minuten-Takt über die Mattscheibe flimmern und sich beinahe versuchen selbst zu übertreffen. Eine raffinierte Taktik, um den Zuschauer vor der Glotze halten. Letzterer will wissen, wohin die Geschehnisse des bissigen Thrillers führen werden und dürfte sichtlich Spaß daran haben, wie WE SUMMON THE DARKNESS mit reichlich Zynismus versucht, das konservative Amerika auf die Schippe zu nehmen.
 
 
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So galt Heavy Metal während der 1980er in vielen ländlichen Teilen der Vereinigten Staaten als Teufelsmusik. Um die Jugend zu schützen, machten sich viele selbst ernannte Moralapostel und konservative Geistliche auf, um mit teils absurden Protesten gegen diese Musikrichtung zu wettern. Für Regisseur MARC MEYERS Grund genug, sich die von Vorurteilen geprägten ländliche Areale Amerikas vorzuknöpfen, wo im Namen Gottes selbst heute noch die krudesten Verschwörungstheorien gerechtfertigt werden. Aus der brisanten Thematik ist ein rabenschwarzer Horrorthriller geworden, der sich als solider Genre-Mix entpuppt. Was hier anfängt, wie jeder beliebige Teenager-Horror bedient sich bald Home-Invasion-Rezepturen genauso, wie Slasher-Regeln und Okkult-Horror-Klischees. Unterhaltsam ist der wilde Ritt ganz ordentlich, was vor allem an der undurchsichtigen Geschichte liegt, deren Ausgang man nicht kommen sieht. Dass WE SUMMON THE DARKNESS auch noch von guten Schauspielern getragen wird, ist für diesen Horrorspaß ein Glücksgriff. Hier sticht vor allem ALEXANDRA DADDARIO hervor, die schon in Genre-Werken wie WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE, BEREAVEMENT und TEXAS CHAINSAW 3D beweisen konnte, dass sie sich gut durchs Horrorfilmgeschäft schreien kann. Die durchlebt im Film eine unerwartete Metamorphose und verhilft WE SUMMON THE DARKNESS so über den Durchschnitt. Für Genre-Fans ist dieser Horrorfilm daher ganz brauchbar – zumal es in einer Nebenrolle sogar noch ein Wiedersehen mit Jackass-Star JOHNNY KNOXVILLE gibt.
 
 
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WE SUMMON THE DARKNESS – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Horror-Reminiszenz an die schrillen 1980er. WE SUMMON THE DARKNESS ist ein wilder Ritt vollgepackt mit rabenschwarzen Wendungen. Hier ist nichts, wie es zu Beginn scheint, was für diesen Horrorthriller von Vorteil ist. Wo andere Filmemacher auf eine sichere Bank setzen und einfach Geschehnisse abspielen, wie man sie schon in unzähligen Horrorfilmen gesehen hat, versucht MARC MEYERS Erwartungshaltungen des Zuschauers erst gar nicht zu erfüllen. Man braucht im Falle von WE SUMMON THE DARKNESS auf keine vertrauten Abläufe hoffen. Hier kommt alles anders. Dass sich der Streifen zu keiner Minuten bierernst nimmt und sich mit zynischen Dialogen und bösen Späßen die Zeit vertreibt, dürfte vor allem bei Liebhabern sarkastischer Horrorware gut ankommen.
 
 
 


 
 
 

WE SUMMON THE DARKNESS – Zensur

 
 
 
WE SUMMON THE DARKNESS hat einige kurze Gewaltszenen zu bieten, die aber teils derart zynisch über die Mattscheibe flimmern, dass sich ein humoristischer Unterton nicht von der Hand weisen lässt. Hierzulande steht die FSK-Prüfung noch aus. Man darf aber von eienr FSK16 ausgehen. Der Film wird im August 2020 durch SPLENDID FILM nach Deutschland gebracht.
 
 
 


 
 
 

WE SUMMON THE DARKNESS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Satanic Panic (2019)
 
Der Hexenclub (1996)
 
Der letzte Exorzismus (2010)
 

Filmkritik: „Satanic Panic“ (2019)

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SATANIC PANIC

Story

 
 
 

Verdammt, die Satanisten kommen: Pizza-Lieferantin gerät versehentlich in eine Sitzung versnobter Satanisten und muss neben ihrer Jungfräulichkeit auch noch ums eigene Leben bangen.

 
 
 


 
 
 

SATANIC PANIC – Kritik

 
 
 
Dass sich hinter Türen vermeintlich gut gesitteter Menschen gern mal abscheuliche Dinge abspielen, ist im Horror-Genre schon lange nichts Ungewöhnliches mehr. Da verwandeln sich brave Familienväter wie in THE STEPFATHER gern mal in Psychopathen oder unschuldig dreinschauende Kinder werden als Handlanger des Bösen entlarvt – THE PRODIGY oder DAS OMEN lassen grüßen. Irgendwo zwischen genannten Streifen reiht sich SATANIC PANIC ein. Auch hier passieren Dinge in Häusern wohlhabender Bürger, von denen man nie ahnen würde, dass diese Leute Bündnisse mit dem Teufel schließen. Das ist Horror made in America, der den Mut wagt sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Ein gewagtes Unterfangen haben doch seit den Erfolgen der SCARY MOVIE-Streifen mehrfach Filmemacher versucht, Subgenres des Horrorfilms zu persiflieren. Viele derer sind damit gescheitert. Nur eine handvoll Filme sind in Erinnerung geblieben, über die man auch heute noch redet. Da kann man nur hoffen, dass SATANIC PANIC zündende Ideen mitbringt, um bleibenden Eindruck hinterlassen zu können. Mit platten Späßen und Fäkalhumor gewinnt man nämlich schon lange keinen Blumentopf mehr.
 
 
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Shit happens! Eigentlich wollte sich Sam (HAYLEY GRIFFITH) nur etwas Geld dazuverdienen. Die nimmt einen Job als Pizza-Lieferantin an, der sie sprichwörtlich in Teufels Küche bringen wird. Nicht nur, dass die Kunden knauserig sind und kaum Trinkgeld für ausgelieferte Pizzen geben. Auch mit Moral, Respekt und Anstand nehmen es die Bürger einer amerikanischen Kleinstadt nicht sonderlich ernst. Da kommt Sam ganz unfreiwillig einer großen Verschwörung auf die Schliche. In einem noblen Villenviertel werden mysteriöse Rituale abgehalten. Dort bereitet sich ein unheimlicher Okkultisten-Zirkel auf die Niederkunft Baphomets vor. Um das Ritual erfolgreich zu beenden braucht man aber eine Jungfrau. Da erweist sich die naive Sam als ideales Opfer, die nichtsahnend in eine der geheimen Zeremonien genannten Zirkels platzt und die Aufmerksamkeit von Anführerin Danica Ross (REBECCA ROMIJN) auf sich lenkt. Da ist guter Rat teuer, denn das Oberhaupt der Satanisten-Gemeinschaft ist mit allen Wassern gewaschen. Das lässt nichts unprobiert, um das jungfräuliche Objekt der Begierde zu opfern.
 
 
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Abgedrehter Okkultismus-Spaß mit hohem Unterhaltungswert, der überraschenderweise von einer Frau inszeniert wurde. CHELSEA STARDUST zeichnet als Regisseurin verantwortlich und bezeichnet sich selbst als großer Fan des Genres. Die wurde bereits als Kind mit dem Horrorfilm-Virus infiziert, nachdem ihr der Vater im Alter von zehn (!) Jahren Romeros NIGHT OF THE LIVING DEAD und Tod Browning’s DRACULA gezeigt hatte. Mittlerweile hat sie das Hobby zum Beruf gemacht. So konnten erste Erfahrungen im Horrorfilm-Business bei niemand geringerem als JASON BLUM gesammelt werden. Der ist mit seinem BLUMHOUSE PRODUCTIONS in Hollywood erste Anlaufstelle für Horrorfilme und hat wohl beinahe jeden bekannten Mainstream-Schocker mitproduziert, der in den letzten Jahren entweder im Kino oder fürs Heimkino ausgewertet wurde. Für Regie-Neuling CHELSEA STARDUST optimale Lehrjahre. Die Filmemacherin war an der Arbeit von so konventionellen Blumhouse-Filmen wie THE DARKNESS, INCARNATE oder auch JESSABELLE mitbeteiligt. Ein großer Vorteil, der SATANIC PANIC zugutekommt.
 
 
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Die Horrorkomödie ist derart souverän inszeniert und auf den Punkt gebracht, dass man meinen könnte, hier würde ein schon viele Jahre erfahrener Kenner auf dem Regiestuhl sitzen. Die Witze passen, die Handlung wird zügig abgespult und obendrein gibt es auch noch zig Schauwerte für Horrorfilmfans zu bestaunen, die es in sich haben. SATANIC PANIC hält einen Mix aus Körperflüssigkeiten und Blut parat, der natürlich derart übertrieben über die Mattscheibe flimmert, dass man das alles hier nicht ernst nehmen kann. Da bleibt kein Auge trocken zumal Situationskomik und Wortwitz so genau pointiert wurden, dass man diesen Horror-Spaß einfach liebhaben muss. SATANIC PANIC ist eine freche Verbeugung vor dem Genrekino der Achtzigerjahre, die sich zu keiner Minute ernst nimmt. Hier werden diverse Klischees durch den Kakao gezogen, die man in den vielen Okkult-Horrorfilmen der letzten Jahrzehnte zu sehen bekommen hat. Da dürfen Jungfrauen-Witze ebenso wenig fehlen, wie Dämonenspäße und Ritual-Albernheiten. Wer jetzt aber Bedenken hat, dass SATANIC PANIC in typisch amerikanischen Humor abdriftet, wird positiv überrascht sein. Auf pubertären Fäkalhumor und Gags unter der Gürtellinie wird verzichtet. Dafür gibt es ein Bienchen ins Muttiheft.
 
 
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SATANIC PANIC – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Satanischer Spaß, der gute Laune verbreitet. SATANIC PANIC ist selbstironischer Old-School-Horror mit Charme, Blut und sympathischen Helden. CHELSEA STARDUST schlägt sich wacker als Regisseurin. Die war bereits Assistentin von Hollywoods Meister des Horrors JASON BLUM und bekommt für den zweiten Spielfilm auch gleich noch Verstärkung von der beliebten Horrorzeitschrift FANGORIA. Letztere hat SATANIC PANIC mitproduziert und weiß schließlich, was Horrorfilmfans wollen. Alles gute Voraussetzungen, die ein Fest für Genre-Fans garantieren. SATANIC PANIC macht einfach Spaß, weil er sich niemals zu ernst nimmt und doch Respekt vorm Horror-Genre zollt. Die Gags sitzen, die Handlung ist herrlich überdreht und an blutigen Schabernack hat man auch noch gedacht. So muss eine Horrorkomödie neueren Datums aussehen.
 
 
 


 
 
 

SATANIC PANIC – Zensur

 
 
 
SATANIC PANIC hat schon einige abgefahrene Splatter-Späße zu bieten. Es wird Blut gekotzt und Hälse durchgeschnitten. In einer Szene sehen wir sogar, wie jemand seinen Arm in ein Einschussloch bohrt und im Körper des Opfers nach etwas sucht. Ziemlich grotesk – aber auch sehr lustig. Weil SATANIC PANIC alles halb so ernst nimmt, hätte man eigentlich gedacht, dass der Film hierzulande ohne Probleme eine FSK16 erhalten würde. Weit gefehlt. Kurrioserweise hat SATANIC PANIC eine Erwachsenenfreigabe mit rotem FSK-Sticker bekommen.
 
 
 


 
 
 

SATANIC PANIC – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Satanic Panic; USA 2020

Genre: Horror, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 89 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 08.04.2021

 

Satanic Panic [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SATANIC PANIC – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei RLJE Films | Tiberius Film)

 
 
 
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Tucker & Dale vs Evil (2010)
 
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Zombieland (2009)