Filmkritik: „Rapunzels Fluch – Sie will Rache“ (2020)

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RAPUNZELS FLUCH – SIE WILL RACHE

Story

 
 
 

Wenn die Märchenvorlage Rapunzel für einen Horrorfilm herhalten muss, dann sollte man sich auf blutigen Grusel gefasst machen, der für deutsches Genrekino gar nicht mal so schlecht ausfällt.

 
 
 


 
 
 

RAPUNZELS FLUCH – Kritik

 
 
 
Deutschland ist nun wirklich nicht für seine tollen Horrorfilme bekannt. Mal ganz abgesehen vom Amateur-Splatter, gibt es da nicht viel Genreware, die der Rede wert ist. Das wird sich auch mit „Rapunzels Fluch“ kaum ändern, aber der Versuch ist dennoch nicht missglückt. Hier und da macht der Film sogar Spaß, doch im Endeffekt scheitert er daran, dass er nicht genügend bieten kann.
 
 
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Das Intro führt uns zurück ins Jahre 1697. Hier wird an einem französischen Mädchen ein Exorzismus durchgeführt, welcher fehlschlägt. Nun sind wir zurück in der Gegenwart. Alina will gerade ihren Abschlussfilm drehen und bekommt dank ihrer Vorfahren sogar die beste Kulisse dafür. Sie ist nämlich die letzte Verwandte des Mannes, der damals den Exorzismus durchführte. Passend ist auch, dass es sich um einen Horrorfilm drehen soll. Doch als man das Schloss besichtigt, ereignen sich auch schon übernatürliche Phänomene. Das ist eine ganz normale „Haunted House“ Story, dieses Mal eben in einem Schloss. Die Verweise zu Rapunzel sind hanebüchen und haben mit Grimm überhaupt nichts zu tun; abgesehen davon, dass man der Hauptfigur diesen Nachnamen verpasst hat. Allerdings muss das nichts Schlechtes bedeuten. Zwar ist die Hintergrundgeschichte ziemlich lahm und „Rapunzels Fluch“ hat nichts zu bieten, was es zuvor nicht auch schon gab, aber erzählt wird die simple Story dennoch ganz solide. Es war nicht verkehrt, das Ganze mit dem Projekt einer Abschlussarbeit zu kreuzen, denn so bemerkt man doch, dass der Film von Filmliebhabern kommt. Abgesehen davon hätten ein paar eigenständige, originelle Ideen jedoch nicht geschadet, weshalb dieses Drehbuch auch irgendwo im unteren Mittelmaß verpufft.
 
 
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Etwas aufdringlich, aber dennoch sympathisch ist der Einspieler von Regisseur David Brückner bevor der Hauptfilm beginnt. „Rapunzels Fluch“ ist sein vierter Film und man glaubt dem Mann, dass er das, was er da tut, gerne macht. Gerade aus handwerklicher Sicht kann man dem Streifen nur wenig Vorwürfe machen. Man konnte gute Schauplätze für sich gewinnen und dem Zuschauer werden schon ein paar sehr schöne Bilder serviert. Beim Horror verlässt man sich dann leider auf die üblichen Jumpscares, die so beliebt geworden sind, aber man passt sich halt an. Nein, mit subtilem Grusel wird das so nichts, dabei hätte die Kulisse das her gegeben. Trotzdem ist die Inszenierung auf einem guten Niveau und die Darsteller stören ebenfalls nicht. Mit gerade mal vier Hauptdarstellern kommt „Rapunzels Fluch“ aus und diese machen ihre Sache doch allesamt erträglich bis solide. Von deutschem Horrorkino darf man da durchaus weniger erwarten. David Brückner selbst ist ebenfalls in einer etwas kleineren Rolle zu sehen und hier und da konnte man noch ein paar etwas größere Namen gewinnen, die am Ende jedoch kaum eine Rolle spielen. Weiterhin fällt auf, dass die Charaktere erträglich sind. Zwar erfüllt jeder seinen Klischee-Part, aber man durfte in solchen Werken schon deutlich unsympathischeren Figuren zuschauen.
 
 
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Was „Rapunzels Fluch“ ein wenig das Bein stellt, ist seine Langatmigkeit, obwohl er nur eine Laufzeit von rund 80 Minuten besitzt. Nach der kleinen Horror-Einleitung gibt es nämlich erst mal deutsches Seifenoper-Feeling, was gar nicht so verkehrt ist, wie es sich anhört. Hier besitzt der Film sogar seine besten Szenen. Dennoch lässt man sich zu viel Zeit. Erst nachdem die Hälfte der Laufzeit verstrichen ist, widmet man sich dem Horror. Geschieht dies anfangs noch passabel, wird es zum Finale hin doch immer beliebiger. Rapunzel hat man leider nicht sonderlich originell gestaltet und die Ähnlichkeit zum asiatischen Horror sehe ich da auch nicht großartig, selbst wenn Brückner das als Fan so sieht. Es entsteht zu wenig Grusel, weil alles nur auf laute Schockeffekte aus ist, was dann aber immerhin handwerklich völlig in Ordnung gestaltet wurde. Die Freigabe ab 18 Jahren ist etwas übertrieben. Der Bodycount ist sehr gering und selbst wenn es mal etwas splattert, so hat die FSK schon deutlich Derberes geringer eingestuft. Immerhin sind die Effekte wirklich von Hand gemacht und sehen nett aus. Alles in einem kann man sich dann doch einigermaßen nett unterhalten lassen ohne jemals den großen Nervenkitzel zu verspüren.
 
 
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RAPUNZELS FLUCH – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
„Rapunzels Fluch“ ist gut gemeinte, deutsche Genrekost, die auch gar nicht mal so kläglich versagt, wie man das vorher hätte meinen können. Dass die Story nichts hergibt, sei geschenkt, weil das bei vielen solcher Filme der Fall ist. Dass die handwerkliche Arbeit aber sehr angenehm geraten ist und die Darsteller allesamt passabel spielen, ist eine schöne Überraschung. Zudem wissen die Kulissen zu überzeugen und ein paar schön getrickste Splattereffekte gibt es ebenfalls noch. Atmosphäre kommt allerdings zu wenig auf und wenn über die Hälfte der Laufzeit nichts mit Horror zu tun hat, ist das auch nicht unbedingt förderlich. Außerdem besitzt der Film keine erkennbare, eigene Handschrift und kann sich von der Flut an Veröffentlichungen (ob nun deutsche oder nicht) einfach nicht abheben. Wer deutschem Horror aber mal wieder eine Chance geben möchte, ist bei „Rapunzels Fluch“ gar nicht mal so sehr an der falschen Adresse!
 
 
 


 
 
 

RAPUNZELS FLUCH – Zensur

 
 
 
„Rapunzels Fluch“ erhielt von der FSK überraschend eine Erwachsenenfreigabe in ungeschnittener Form. Angesichts der überschaubaren Splattermomente zwar etwas übertrieben. Aber Sammler ungekürzter Filme können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

RAPUNZELS FLUCH – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies / daredo (KeepCase – ungeschnittene Fassung)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Rapunzels Fluch; Deutschland 2020

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: 83 Minuten (ungeschnittene Fassung)

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Kurzfilm Claustrophobia (1:38 Min. Min), Behind the Scenes (5:11 Min.), Interviews (4:44 Min.), Outtakes (5:40 Min.), Slideshow, Teaser Trailer, Original Trailer, Trailershow

Veröffentlichung: KeepCase: 07.08.2020

 
 

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RAPUNZELS FLUCH – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei White Pearl Movies / daredo)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
ExitUs – Play it Backwards (2015)
 
Demonic (2015)
 
The Crucifixion (2017)
 
The Dawn (2019)
 

Filmkritik: „Here Comes Hell“ (2019)

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HERE COMES HELL

Story

 
 
 

Stark gespielter Dämonenhorror mit schaurig-kurioser Atmosphäre. Für fünf Bekannte, die sich in einem großen Anwesen treffen, wird die Nacht zum Albtraum, denn als sie versuchen mit der anderen Seite Kontakt aufzunehmen, resultiert daraus dämonischer Besuch.

 
 
 


 
 
 

HERE COMES HELL – Kritik

 
 
 
Wir schreiben das Jahr 2019 und noch immer erfreut sich der Dämonen-Horror großer Beliebtheit. Mit einem Budget von gerade mal ca. 20.000 Pfund hat sich der Newcomer Jack McHenry dann gleich mal an diesem Horror probiert. Liegt ja auch auf der Hand, denn ein großes Budget braucht man bei solchen Filmen nicht unbedingt. Herzblut und Ambitionen sind da viel wichtiger. Beides merkt man „Here Comes Hell“ an und trotzdem will das Resultat nicht so richtig funktionieren, weil zu viel Leerlauf herrscht und der geneigte Horrorfan auch nicht wirklich etwas Neues zu sehen bekommt.
 
 
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Fünf junge Leute, die allesamt in gewisser Weise miteinander in Verbindung stehen, treffen sich im Anwesen Westwood Manor zusammen, um dort eine Dinner-Party zu zelebrieren. Doch der Gastgeber hat eigentlich andere Pläne. Er will den Vorbesitzer des Anwesens hinaufbeschwören, denn der machte damals wohl Bekanntschaft mit paranormalen Wesen. Sowieso gibt es viele Gerüchte und Legenden über das große Haus und als man dann eine Séance abhält, wird schnell klar, dass an all diesen Gerüchten etwas dran ist. Der ganz normale Dämonenhorror könnte man also sagen. Was „Here Comes Hell“ ein wenig von vielen Genre-Vertretern abhebt, ist die Tatsache, dass er sich in den 1930er Jahren abspielt und man so eine sehr altmodische Stimmung erzeugt. Ansonsten läuft alles nach Schema F ab und die gängigen Klischees fehlen da auch nicht. Am ehesten erinnert das Szenario an „Evil Dead“, nur eben nicht im Wald in einer kleinen Holzhütte, sondern auf dem Land in einem großen Anwesen in älterer Zeit. Leider besitzt das Ganze nur relativ wenig Substanz und besteht nicht gerade aus vielen kreativen Ideen, so dass das Drehbuch, welches ebenfalls Jack McHenry verfasst hat, ein wenig blass bleibt.
 
 
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Eine gute Entscheidung war es allerdings, „Here Comes Hell“ komplett in Schwarz-Weiss zu drehen. Das verleiht dem Werk schon die ideale Stimmung. Die Schauplätze können sich allgemein sehen lassen und wirken authentisch altmodisch. Dazu gesellt sich noch ein recht klassischer Score, der die Atmosphäre ebenfalls verstärken kann. Man kann Jack McHenry nur dafür loben, was er aus dem schmalen Budget gezaubert hat, denn besonders aus handwerklicher Sicht lässt sich der Film gut anschauen. Das ist ambitioniert gemacht, besitzt verspielte Kamerafahrten und zudem einige Effekte, die für diese Preisklasse überraschend gut aussehen. Für diese zeichnete sich ebenfalls McHenry verantwortlich. Zwar wird leider nicht sonderlich viel gesplattert, aber ein paar blutige Effekte gibt es zu sehen und diese sind solide ausgefallen. Daneben schrumpft noch eine Frau und es tauchen Geistergestalten auf. Das sieht alles nicht phänomenal gut aus, aber man durfte solche Effekte selbst in teureren Filmen schon deutlich schlechter sehen.
 
 
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Realisiert wurde „Here Comes Hell“ dann mit eigentlich nur sechs Darstellern und man darf von einer solchen Preisklasse sicherlich nicht die besten Leistungen erwarten, doch überraschenderweise machen die Schauspieler ihre Sache gut. Immer mal ist ein wenig Overacting mit im Spiel, doch das wird glaubwürdig gespielt und ist niemals nervig ausgefallen. Sowieso lässt man sich erstaunlich viel Zeit, um die Charaktere einzuführen. Besonders viel Substanz besitzen sie dadurch nicht, aber leicht verschroben und ein wenig eigenartig wirken sie alle. Obwohl man sich so viel Zeit lässt bei der Einführung, kommen leider dennoch keine großen Sympathien auf.
 
 
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Und das ist das größte Problem von „Here Comes Hell“. Die erste Hälfte ist einfach ziemlich langweilig. Hier lernt man die fünf Charaktere kennen und wie ihre Beziehung zueinander aussieht, doch dieser Teil fällt zu langatmig aus. Bei einer Laufzeit von nur 75 Minuten (mit Abspann) ist es zu viel, wenn die Hälfte über nichts geschieht. Erst danach häufen sich die Dämonen-Attacken so langsam und ehe man sich dann versieht, ist der Film auch schon wieder zu Ende. Die zweite Hälfte ist relativ unterhaltsam und es wird etwas blutiger, so dass hier von Kurzweil gesprochen werden kann. Doch Horrorkomödie kann man das leider nicht wirklich nennen. Abgesehen davon, dass „Here Comes Hell“ niemals besonders ernst wirkt, besitzt er einfach keine Lacher und ist zu selten wirklich amüsant. Gruselig ist das allerdings auch niemals so richtig. So kann man als Fan von solchen Werken zwar mitunter seinen Spaß haben, weil ein paar wenige Einfälle etwas überraschend kommen, aber größtenteils bekommt man nichts geboten, was man nicht schon origineller gesehen hätte.
 
 


 
 
 

HERE COMES HELL – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Altmodischer Dämonenhorror trifft auf abgedrehte Komödie. „Here Comes Hell“ ist handwerklich wirklich gut gemacht. Das sehr geringe Budget wurde stark genutzt, denn die Optik überzeugt, die Kulissen wirken authentisch, sogar die Darsteller agieren passend und die recht wenigen Effekte sehen für diese Preisklasse sehr gut aus. Daneben wird zusammen mit einem soliden Score eine leicht schaurige, leicht skurrile Atmosphäre erzeugt, die wirklich schön altmodisch wirkt. Leider gibt die Story aber so gut wie nichts her, es mangelt an kreativen Einfällen, die Figurenzeichnung ist langweilig und die erste Hälfte des Filmes ist deutlich zu langatmig geraten. Wenn am Ende nur eine gute, halbe Stunde Dämonen-Horror herausspringt, ist das zu wenig und lustig will es leider auch kaum werden. Fans des gut gemachten, günstigen Horrorfilms sollten ruhig einen Blick riskieren, doch die Erwartungen sollten nicht zu hoch ausfallen!
 
 
 


 
 
 

HERE COMES HELL – Zensur

 
 
 
„Here Comes Hell“ ist ein liebevoll gestalteter Horrorfilm mit kreativen Effekten alter Schule. Er wurde mittels Kickstarter finanziert und hat einige blutige Schmankerl zu bieten. Man darf von einer ungeschnittenen FSK16 ausgehen. Das deutsche Label INDEED FILM wird den Streifen im Herbst 2019 in Deutschland veröffentlichen.
 
 
 


 
 
 

HERE COMES HELL – Trailer

 
 

 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Trashouse Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Tanz der Teufel (1981)
 
Evil Dead (2013)
 
Night of the Demons (1988)
 
Night of the Demons (1994)
 
Ritter der Dämonen (1995)
 

Filmkritik: „We Have Always Lived in the Castle“ (2018)

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WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE

(WIR HABEN IMMER SCHON IM SCHLOSS GELEBT)

Story

 
 
 

Wenn eine heile Welt zerstört wird und dennoch neue Möglichkeiten eröffnet: Zwei Geschwister erleben in einem alten Anwesen die Hölle. Glattgebügelte Romanverfilmung mit guten Darstellern.

 
 
 


 
 
 

WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE – Kritik

 
 
 
Wenn STEPHEN KING in höchsten Tönen über Literatur spricht, dürften Leseratten hellhörig werden. Es kommt nämlich nicht so oft vor, dass sich der Schreiberling so lobend über Schriftsteller äußert und sich von Selbigen auch noch fürs eigene Schaffen inspirieren lässt. In diesem Fall richtet sich das Lob an die bereits 1965 verstorbene Autorin SHIRLEY JACKSON. Die Queen des Horrors – so wie man sie heute oft bezeichnet – veröffentlichte im Jahr 1948 eine Kurzgeschichte mit dem Titel THE LOTTERY im NEW YORKER. Leider kam die düstere Erzählung gar nicht gut an. Viele Leser kündigten ihr Zeitungsabonnement und sendeten der Schriftstellerin Hassbriefe. Doch die Kontroverse spornte die fantasiebegabte Autorin nur weiter an. Das Resultat sind viele Horrorromane und -geschichten, über die man auch heute noch spricht. Neben dem Roman SPUK IN HILL HOUSE – der mittlerweile schon mehrfach verfilmt wurde (unter anderem als Serie von NETFLIX) – hat es auch WIR HABEN IMMER SCHON IM SCHLOSS GELEBT zu beachtlichem Erfolg geschafft. Der Mysterythriller wurde drei Jahre vor dem Tod der Autorin veröffentlicht und gilt bis heute als Jacksons bester Roman. Das sah man offenbar auch in Hollywood so. Weil die NETFLIX-Adaption von SPUK IN HILL HOUSE gute Resonanz erhielt, nahm man sich WIR HABEN IMMER SCHON IM SCHLOSS GELEBT vor und adaptierte das Buch unter dem Originaltitel für die Leinwand.
 
 
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Die Spielfilmumsetzung mit dem Titel WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE handelt von den Geschwistern Merricat und Constance Blackwood. Die leben nach einem Schicksalsschlag zurückgezogen mit Onkel Julian in einem alten Anwesen weit weg von der Stadt und verlassen so gut wie kaum noch das Haus. Das hat auch seinen Grund. In der Kleinstadt ist man nämlich fest davon überzeugt, dass die ältere Constance die Eltern mit Arsen vergiftet hat. Seither werden die Blackwoods von den Einwohnern verachtet – jeder Besuch der Außenseiter im Städtchen verbreitet bei den Menschen Wut und Hass. Doch damit haben sich die Schwestern über die Jahre abgefunden und beginnen mit der Situation zu leben. Leider kommt bald Unordnung in den zurückgezogenen Alltag. Die introvertierte Merricat wird plötzlich von schrecklichen Vorahnungen geplagt. Letztere Bewahrheiten sich auch schnell. Da klopft es unerwartet an der Tür und Cousin Charles will nach dem Rechten sehen. Von dem hat man seit Ewigkeiten nichts mehr gehört. Umso merkwürdiger sein plötzliches Interesse für die Verwandten. Er beginnt die Schwestern zu manipulieren und sorgt für Probleme, die schnell zu Chaos führen und eine Katastrophe heraufbeschwören.
 
 
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Immer der Nase nach. WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE hält sich erstaunlich nah am Roman und scheut – bis auf eine kleine Änderung in der letzten Szene – Abkürzungen und Umwege. Kenner des Buches werden daher kaum Überraschungen erleben und trotzdem nicht enttäuscht werden. Was die Verfilmung nämlich auszeichnet, ist die Tatsache, dass der Streifen richtig gute Schauspieler besitzt – darunter namhafte Größen Hollywoods wie CRISPIN CLOVER und TAISSA FARMIGA. Letztere hat man nun schon in einigen Genre-Produktionen zu sehen bekommen. Darunter so Filme wie MINDSCAPE, THE NUN und THE FINAL GIRLS. Bereits dort konnte sie mit facettenreichem Schauspiel überzeugen. Das prägt sich auch durch die Rolle der stillen Einzelgängerin in WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE ins Gedächtnis. Anfangs noch in einer Traumwelt verharrend, wird ihre Figur bald aus dem sicheren Kosmos gezogen und in eine ungewisse Zukunft geworfen, die den Filmcharakter über sich hinauswachsen lässt. Da passieren plötzlich Ereignisse die alle Beteiligten an die Grenzen bringen. Die dabei von Regisseurin STACIE PASSON entwickelt Dynamik ist bemerkenswert. Was zu Beginn noch ein verträumtes Familienmärchen vermuten lässt, entwickelt sich schnell zu einem ausgeklügelten Psychothriller über Manipulation und Hass. Das dadurch heraufbeschworene Unheil wird auf die Spitze getrieben und endet mit einem lauten Knall. Weil das cineastische Pulverfass ohne Gewalt auskommt und das Chaos allein durch Dialoge und durch das Miteinander der Protagonisten heraufbeschworen wird, gehört WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE zu einem der interessantesten Genre-Beiträge der letzten Jahre.
 
 
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WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE schafft es, ohne blutige Bilder ein beklemmendes Gefühl zu erzeugen. Mit einem Minimum an Handlung wird ein Maximum an Spannung bewirkt. Das ist große Kunst, die Autorin SHIRLEY JACKSON besonders gut beherrschte. Dennoch geizt der Streifen – wie bereits das Buch – mit Antworten. Die Geschichte nimmt sonderbare Wendungen und auch die wenigen Hauptfiguren scheinen – vermutlich auch der Isolation wegen – nicht immer von Sinnen zu handeln. Die befremdlich wirkende Handlung dürfte manch Zuschauer verwirren. Ein Blick auf die Biografie von Schriftstellerin SHIRLEY JACKSON sorgt für Aufschluss und bringt Licht ins Dunkel. Die macht in ihren Werken oft Außenseiter zum Thema, die von engstirnigen Kleinstadtbewohnern verfolgt werden. Das ist auch in WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE der Fall. Dort entwickelt die Abneigung gegenüber den Außenseitern eine besorgniserregende Wendung. Erst sind es nur Beschimpfungen, die unsere Filmhelden über sich ergehen lassen müssen. Im späteren Verlauf werden die Figuren beinahe schon wie Vieh von den Menschen des Ortes gejagt. Parallelen zum Leben von Autorin SHIRLEY JACKSON sind nicht von der Hand zu weisen. Die lebte einst selbst in einem dieser Kleinode an denen die Menschen nach eigenen Regeln leben. So wurde sie in der Kleinstadt North Bennington im amerikanischen Bundesstaat Vermont regelmäßig selbst mit reflexhaften Antisemitismus und Anti-Intellektualismus konfrontiert. Genau jenes verträumtes Städtchen ist Schausplatz in vielen Werken der Schriftstellerin. Offenbar hatte Jackson so versucht einschneidenden Erlebnisse durch das Schreiben von Romanen zu verarbeiten, wenngleich sie in WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE die Folgen vergifteter Gedanken dann doch befremdlich intensiv auf die Spitze treibt. Immerhin war sie nicht die Erste die Erlebtes in Schriftform aufarbeitet hat.
 
 
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WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Subtiler Psychothriller – hervorragend gespielt. WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE ist eine längst überfällige Romanverfilmung und handelt von einem Mädchen, das in einer Traumwelt lebt, alles Fremde hasst und versucht, die schräge Idylle mit allen Mitteln vor Veränderung zu schützen. WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE entpuppt sich als finsteres Panorama, das Elemente aus Psychodrama, Krimi und Märchen vereint. Statt den Holzhammer zu schwingen, wird das Grauen in erster Linie durch Dialoge und mysteriöse Stimmung erzeugt. Gorebauern kommen hier nicht auf ihre Kosten. Ebenso nicht Leute, die sich gern von unterbelichteter Kommerzware berieseln lassen, die der Streaming-Anbieter NETFLIX am Fließband produziert. Dazu ist der Erzählstil äußerst unkonventionell und manch Frage bleibt am Ende unbeantwortet. Etwas Kopf und ein wenig Fantasie für die Eigeninterpretation sollten schon vorhanden sein, denn im Falle von WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE kommt das Grauen auf leisen und anspruchsvollen Sohlen. Sollte nach der Sichtung dennoch Verwirrung die Folge sein, hält Wikipedia einige Antworten parat. Dabei scheint folgende Information besonders wertvoll für den Aufschluss der Handlung zu sein: „… Typisch für Jacksons Werk ist die Erschaffung einer Atmosphäre des Befremdlichen sowie die tiefe Vertrautheit mit der Alltäglichkeit des Bösen und dessen Auswirkungen auf die Dorfgemeinschaft, die Familie und das Individuum. Was WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE jedoch von ihren anderen Werke unterscheidet, ist die gleichzeitige Ergründung von Liebe und Hingabe, allem die Handlung durchziehendem Unbehagen zum Trotz …“
 
 
 


 
 
 

WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE – Zensur

 
 
 
WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE hat bis auf eine Szene am Ende keine Gewalt zu bieten. Der Streifen fokussiert eher subtile und psychologische Angst. Liebhaber für blutige Handarbeit werden vermutlich enttäuscht sein. Hierzulande dürfte WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE wegen besagter Gewaltszene am Ende eine ungeschnittene FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei One Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bis das Blut gefriert (1963)
 
In einer kleinen Stadt (1993)