Filmkritik: „Prey“ (2019)

prey-2019-poster
 
 
 

PREY

Story

 
 
 

Kein Remake des niederländischen Löwen-Horrors PREY. In diesem Film nimmt ein Teenager an einem Therapieprogramm teil und muss drei Tage allein auf einer verlassenen Insel verharren. Dort bekommt er es nicht unberechtigt mit der Angst zu tun, weil plötzlich seltsame Dinge geschehen.

 
 
 


 
 
 

PREY – Kritik

 
 
 
Man nehme ein paar unverbrauchte Jungdarsteller, werfe diese in eine konventionelle Handlung, mixe das ganze mit etwas Blut und jage das alles durch einen Instagramfilter. Fertig ist aalglatte Horrorunterhaltung der US-amerikanische Filmproduktionsgesellschaft BLUMHOUSE PRODUCTIONS (THE PURGE, INSIDIOUS, SINISTER), die es sich seit dem Jahr 2000 zur Aufgabe gemacht hat, mit wenig finanziellen Mitteln möglichst gewinnbringende Horrorfilme zu produzieren. Knapp 4,5 Millionen US-Dollar stellt das Unternehmen im Schnitt für jede Produktion zur Verfügung. Kapital, das laut Unternehmensgründer JASON BLUM in der Regel wieder eingespielt wird. Ein Erfolgsplan, der sich bisher rentiert hat. Über vier Milliarden US-Dollar (Stand 2018) hat man an den weltweiten Kinokassen seit Unternehmensgründung erwirtschaftet. Doch Kino ist für genanntes Studio schon lange nicht mehr das einzige Standbein. BLUMHOUSE PRODUCTIONS verdient mittlerweile auch mit kleinen Videoproduktionen gutes Geld. Zu einer derer gehört der folgende PREY, der sich – wie hätte es anders sein sollen – mal wieder an eine jüngere Käuferschaft zwischen 16 und 30 richtet. Das Zielpublikum von Produzent JASON BLUM. Leichte Horrorunterhaltung ist somit garantiert.
 
 
prey-2019-bild-5
 
 
Manchmal ist es besser, wenn man das Smartphone zur Seite legt. Genau diese Erfahrung muss auch der Teenager Toby Burns (LOGAN MILLER aus ESCAPE ROOM und THE GOOD NEIGHBOR) machen. Weil der sich zu sehr auf sein Handy konzentriert, bekommt er gar nicht mit, dass der Vater vor dem Haus von Fremden ermordet wird. Wochen später hat der Jugendliche immer noch an den Geschehnissen zu knabbern und wird von Albträumen geplagt. Doch Toby soll erneut zu sich finden und das Trauma verarbeiten. Hierzu nimmt er an einem Therapieprogramm teil, bei dem er für drei Tage und drei Nächte auf eine verlassene Insel gebracht wird. Dort soll er wieder einen klaren Kopf bekommen. Aber so allein, wie vermutet ist der traumatisierte junge Mann nicht. Schnell macht er auf der vermeintlich menschenleeren Insel Bekanntschaft mit der gleichaltrigen Madeleine (KRISTINE FROSETH). Die lebt seit Jahren mit der Mutter im Dschungel und hat sich an das Leben in der Wildnis gewöhnt. Eigentlich eine gute Sache, um die langen Tage in der Natur nicht allein überstehen zu müssen. Doch Idylle schlägt bald in Angst um. Des Nachts wird es auf diesem Eiland gefährlich, denn da streifen unheimliche Schatten durch die Dunkelheit. Als nach drei Tagen auch noch Betreuer tot aufgefunden werden, die den Teenager eigentlich wieder zurück in die Zivilisation bringen sollen, wird es dem jungen Robinson Crusoe ganz anders.
 
 
prey-2019-bild-4
 
 
Lahmer Horror-Mix aus Survival-Horror, Mysterythriller und Kreaturen-Feature, der vor allem deshalb enttäuscht, weil eigentlich auf dem Regiestuhl jemand sitzt, der schon Ahnung von Horrorfilmen hat. Der Franzose FRANCK KHALFOUN hat von der französischen Terrorwelle zu Beginn der 2000er profitiert. Dort entstanden harte Vertreter, wie MARTYRS und HIGH TENSION. In Letzterem ergatterte er eine Hauptrolle und freundete sich während der Dreharbeiten mit Regisseur ALEXANDRE AJA an, der ihm so einige lukrative Arbeiten – darunter die Regie für P2 – SCHREIE IM PARKAUS – verschaffte. So bekam Khalfoun einen Fuß nach Hollywood und inszenierte Filme für größere Studios. Darunter: das Remake des Horrorklassikers MANIAC und AMITYVILLE: THE AWAKENING. Dass da natürlich die Erwartungen dementsprechend groß sind, liegt auf der Hand.
 
 
prey-2019-bild-1
 
 
Leider ist PREY keine Offenbarung. Der Streifen ist kein großes Los, obwohl er mit einer verlassenen Insel gute Voraussetzungen für einen ungewöhnlichen Horrorfilm mitbringt. PREY schwächelt an mangelnder Originalität. Die Abläufe wirken vertraut. So gilt es herauszufinden, was auf dieser Insel vor sich geht. Das erfolgt Schritt für Schritt, wobei man beinahe schon zwanghaft darum bestrebt ist, die Auflösung für mysteriöse Begebenheiten in diesem malerischen Paradies möglichst lang geheim zu halten. Da wird die Geduld des Zuschauers überstrapaziert, der natürlich nicht auf den Kopf gefallen ist. Falsch gelegte Fährten sollen für Verwirrung sorgen, führen jedoch zweifelsohne zur attraktiven Madeleine. Die halt verborgen, was niemand wissen darf. Überflüssige Geheimniskrämerei, denn die Auflösung ist – sagen wir mal so – haarsträubend und einfältig.
 
 
prey-2019-bild-2
 
 
Doch das ist nicht das eigentliche Problem dieses Genre-Mixes. PREY tut sich – trotz ungewöhnlichem Drehort – schwer damit Horror entstehen zu lassen. Das bedeutet für einen Genrefilm den Untergang. Gruselfaktor? Fehlanzeige! Wird es dann endlich einmal ernst, stört der zurückhaltende Einsatz von Gewalt. Offenbar wollte man auf Biegen und Brechen ein PG-13 kassieren. Böse Szenen sucht man daher vergebens. Die teils schlechten Computereffekte tun da ihr Übriges. Spätestens jetzt dürften die meisten Fans des düsteren Genres PREY von ihrer Filmliste gestrichen haben. Irgendwie verständlich.
 
 
prey-2019-bild-3
 
 


 
 
 

PREY – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Visuell makelloser 08/15-Horror von der Stange, der ganz solide beginnt aber schnell in die Belanglosigkeit abdriftet. PREY folgt der Standardformel für Horrorfilme und ist dabei nicht einmal richtig gut darin. Die generischen Abläufe sind das eine. Was mehr stört, ist der kaum vorhandene Gruselfaktor und die lahme Handlung. Letzteres ist für einen Film aus den BLUMHOUSE PRODUCTIONS ungewöhnlich. Normalerweise wird dort Horror produziert, der durch hektische Schnitte und schnelles Erzählen Epilepsie auslöst. Im Falle von PREY wollte man vermutlich etwas Neues ausprobieren. Das Resultat: Langeweile mit etwas CGI-Matsche. Lange geschieht nichts und wenn dann endlich mal etwas passiert ist es vorhersehbar. Mit diesem Mix verschiedener Horror-Subgenres hat sich der Regisseur von ALEXANDRE AJAS MANIAC keinen Gefallen getan.
 
 
 


 
 
 

PREY – Zensur

 
 
 
PREY hält sich in Sachen Gewalt zurück. Eine Protagonistin wird tot aus dem Wasser gefischt. Wie sie zu Tode gekommen ist, kann man nur erahnen. Weiterhin bohrt sich ein Pfahl in den Körper einer Filmfigur. Hierzulande dürfte das alles für eine FSK16 reichen. Eine Freigabe, die die meisten Filme aus den BLUMHOUSE PRODUCTIONS besitzen.
 
 
 


 
 
 

PREY – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Blumhouse Productions | GEM Entertainment | Cinedigm)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Jungle (2013)
 
Indigenous (2014)
 
Primal (2010)
 
Vinyan (2008)
 

Filmkritik: „Body at Brighton Rock“ (2019)

body-at-brighton-rock-2019-poster
 
 
 

BODY AT BRIGHTON ROCK

Story

 
 
 

Frau gegen Natur: Die Mitarbeiterin eines Nationalparks verläuft sich im Wald und muss eine ganze Nacht dort verweilen, bis Hilfe eintrifft. Da werden wenige Stunde zu einer gefühlten Ewigkeit, weil die Fantasie der Hauptdarstellerin boshafte Streiche spielt.

 
 
 


 
 
 

BODY AT BRIGHTON ROCK – Kritik

 
 
 
Es gibt Regeln, die gilt es zu befolgen – nicht nur im Horrorfilm. Eine derer erlernt man bereits im Kindesalter. Da wird immer wieder davon gepredigt, dass man bei Waldspaziergängen besser nicht vom Wegesrand abkommt, um sich nicht zu verlaufen. Eine wichtige Regel, die im Thriller BODY AT BRIGHTON ROCK missachtet wird. Die Strafe folgt auf dem Fuß. Für den cineastischen Denkzettel zeichnet ROXANNE BENJAMIN. Die scheint eine Leidenschaft für Horror-Anthologien zu besitzen, hatte sie bei jeder wichtigen Kurzgeschichtensammlung der letzten Jahre ihre Hände mit ihm Spiel, die im Horrorfilm-Bereich Erfolg verbuchen konnte. So drehte sie nicht nur Segmente für SOUTHBOUND und den ausschließlich von Frauen inszenierten XX. Auch als Produzentin verdiente sich die Filmemacherin und verhalf so Kult-Horror wie V/H/S und V/H/S 2 zu Ruhm. Mit BODY AT BRIGHTON ROCK muss sie nun unter Beweis stellen, dass sie auch mehr als Episoden für Horror-Anthologien kann. BODY AT BRIGHTON ROCK ist der erste Langfilm der Regisseurin und geht in eine andere Richtung. Statt grafischen Horror auf die Leinwand zu bringen, ergründet die Regisseurin menschliche Ängste. Deftige Schocks und grausame Gewalt haben Sendepause. Dafür wird es leise, zurückhaltend und psychologisch. Ob der Richtungswechsel eine gute Entscheidung war.
 
 
body-at-brighton-rock-2019-bild-3
 
 
Als frisch ausgebildete Mitarbeiterin des Nationalparks Brighton Rock hat man es nicht leicht. Man muss immer pünktlich auf der Arbeit erscheinen und stets höflich seinen Vorgesetzten gegenübertreten. Etwas, mit dem Wendy (KARINA FONTES) so ihre Probleme hat. Die hat zwar bisher wenig Erfahrung in ihrem Beruf sammeln können, will aber allen zeigen, dass sie auch anspruchsvolle Aufgaben bewältigen kann. Sie tauscht einfach den zugeteilten Aufgabenbereich mit einer Mitarbeiterin, sodass letztere in Ruhe mit einem Kollegen flirten kann. Eine Fehlentscheidung, wie sich bald herausstellen wird. Wendy muss nämlich in die Wälder, um dort ein paar Informationsblätter auszutauschen. Eigentlich eine nicht sonderlich schwere Arbeit, würde unsere Heldin nicht so leichtfertig mit ihren Arbeitsutensilien umgehen. Sie verliert nämlich schnell die Orientierung, weil sie ihre Parkkarte verloren hat. So läuft Wendy immer tiefer in den Park hinein und weiß bald nicht mehr wo sie ist. Da ist guter Rat teuer, zumal die junge Frau auch noch auf eine Leiche trifft, die hier wohl schon längere Zeit liegen muss. Gott sei Dank wurde ein Funkgerät eingepackt. Mit dem fordert sie Hilfe an. Die Sache hat nur einen Haken. Bis man die Position geordert hat und eintreffen wird, wird die Nacht hereingebrochen sein. Deshalb will man mit der Suche bis zum nächsten Morgen warten. Eine Tatsache, die von unserer unsicheren Hauptdarstellerin einiges abverlangt. Kaum sieht man die Hand vor Augen nicht, bekommt es Wendy mit der Angst zu tun. Offenbar ist die junge Dame nicht allein in den Wäldern. Da wird aus einem verängstigten Reh plötzlich eine mutige Kampfamazone. Respekt!
 
 
body-at-brighton-rock-2019-bild-2
 
 
Survival-Thriller mit Verwirrungstaktik. BODY AT BRIGHTON ROCK deklariert mal wieder Urängste zum Mittelpunkt. Da werden Themen wie Angst vor der Dunkelheit, Orientierungslosigkeit und Furcht vor dem Unbekannten in den Fokus gerückt, damit eine verzweifelte Protagonistin über sich hinauswachsen kann. Die erlebt hier die Lektion ihres Lebens und muss eine Nacht voller Terror überstehen, die immerhin den Mut der verschreckten Heldin fordert. Da lassen schaurigen Legenden die Fantasie durchgehen, welche davon berichten, dass es in der Gegend spuken soll. Aber auch Mutter Natur macht es der Heldin nicht leicht. Letztere sieht sich plötzlich mit einem Grizzly konfrontiert, der offenbar seit Tagen nichts mehr gefressen hat. Aber damit soll es nicht enden. Auch ein Fremder schleicht sich unerwartet an und entfacht eine Aura des Bösen. Was der hier mitten in der Wildnis im Schilde führt? Erfahrene Filmkenner haben da gleich den Klassiker BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE im Gedächtnis.
 
 
body-at-brighton-rock-2019-bild-1
 
 
BODY AT BRIGHTON ROCK versucht den Zuschauer an der Nase herumzuführen in dem er einfach verschiedene Genre-Rezepturen vereint. Da werden mehrere Richtungen eingeschlagen, die lang offen lassen, worauf der Film eigentlich hinauswill. Das Regie-Debüt von ROXANNE BENJAMIN lässt sich nicht unbedingt in eine Schublade stecken. Der Überlebensthriller streift Zombie-, Tier-Horror und Geisterstreifen, rückt aber am Ende erst mit der Sprache heraus, was sich hier nun wirklich ereignet. Das lässt den Film hervorstechen, weil er sich so souverän gegen Genre-Konventionen auflehnt. Demzufolge ist BODY AT BRIGHTON ROCK auch nichts fürs Massenpublikum. Der Streifen richtet sich eher an jene, die gern mutiges Indie-Kino sehen wollen, das sich weg von den Produktionen großer Studios bewegt. Dort wird viel zu oft das gedreht, was von der Allgemeinheit einfach verstanden und schnell konsumiert werden kann. Mit sowas gibt sich das Multitalent ROXANNE BENJAMIN nicht zufrieden. Die dreht und produziert das, was sie gern sehen möchte und nicht andere. So sollte es öfters sein.
 
 


 
 
 

BODY AT BRIGHTON ROCK – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Eine Geschichte, die seine Protagonistin dabei begleitet ihre Ängste zu überwinden. BODY AT BRIGHTON ROCK ist einer dieser Filme, die mit der Wahrnehmung seiner Figuren spielen. Was ist hier real und was spielt sich nur im Kopf der Charaktere ab. Mit genauer jener Frage hält sich dieser Survival-Thriller über Wasser für den sich Regisseurin ROXANNE BENJAMIN von den Büchern des CHRISTOPHER PIKE inspirieren ließ. BODY AT BRIGHTON ROCK erzählt nicht nur von einer mutigen Frau, die über sich hinauswächst, sondern verbeugt sich auch gleich mal von den glorreichen 1980ern. Allein das macht den Streifen schon sympathisch – auch, wenn am Ende so einige Fragen offen bleiben und die Hauptfigur doch etwas blass hinter der zugegebenermaßen interessant zusammengeflickten Geschichte bleibt.
 
 
 


 
 
 

BODY AT BRIGHTON ROCK – Zensur

 
 
 
BODY AT BRIGHTON ROCK hat kaum Gewaltmomente zu bieten. Man bekommt kurz eine Leiche zu sehen, die schon längere Zeit auf dem Waldboden liegt. Weiterhin fällt ein Mann von einem Felsen und ein Grizzly verwundet unsere Heldin am Fuß. BODY AT BRIGHTON ROCK hat ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

BODY AT BRIGHTON ROCK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
body-at-brighton-rock-bluray

(c) I-On New Media (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Body at Brighton Rock; USA 2019

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer zum Film, Trailershow

Release-Termin: 27.03.2020

 

Body at Brighton Rock [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

BODY AT BRIGHTON ROCK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei I-On New Media | Magnet Releasing)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Desolation (2017)
 
Backcountry – Gnadenlose Wildnis (2014)
 
Girl in Woods (2016)
 
Borderline (2017)
 
The Ritual (2017)
 

Filmkritik: „Desolation“ (2017)

desolation-2017-poster
 
 
 

DESOLATION

Story

 
 
 
Eine Mutter muss sich mit ihrem Sohn gegen einen Psychopathen zur Wehr setzen, der ihnen in der Wildnis nach dem Leben trachtet.

 
 
 


 
 
 

DESOLATION – Kritik

 
 
 
Ein weiterer Horrorthriller, der zumindest in Amerika vom Label IFC MIDNIGHT vertrieben wird. Erfahrene Horrorkenner wissen, was sie da zu erwarten haben. Der amerikanische Filmverleih hat sich nämlich auf sehenswerte Genre-Produktionen aus dem Indie-Sektor spezialisiert, die auch gern mal auf einschlägigen Filmfestivals mit Preisen überschüttet werden. Diesmal hatte man aber leider kein Glück bei der Filmauswahl. DESOLATION wirbt zwar mit verheißungsvollem Retro-Poster, ist aber ein waschechter Rohrkrepierer, den man besser meidet, um sich nicht den Tag verderben zu lassen. Doch der Fehlschlag ist keine Überraschung. DESOLATION entpuppt sich nämlich als Debütwerk eines Regisseurs, der sich zuvor als Produktionsassistent an so Filmen wie THE CALL, THE PURGE oder THE DARKNESS verdient gemacht hat. Wer öfter FILMCHECKER liest weiß, dass die ersten Gehversuche ambitionierter Regisseure nur selten glücken. Das ist auch bei DESOLATION der Fall, der kaum Eigenständigkeit besitzt und Unerfahrenheit im Regiefach an den Tag legt. Vielleicht wird’s beim nächsten Film besser. DESOLATION zumindest ist schwach und kaum der Rede wert, denn hier wird der Begriff „Langsamkeit“ zu ernst genommen. Für Survival-Horror der Todesstoß.
 
 
desolation-2017-bild-3
 
 
Manchmal ist es besser auf die eigenen Kinder zu hören, auch wenn sie erst 13 Jahre alt sind. Zumindest hat der kleine Sam das Gefühl, dass ihn seine Mutter gern mal wie ein kleines Kind behandelt. Beide wollen zusammen mit der besten Freundin der Mutter einen Ausflug in die Berge unternehmen, um dort die Asche des verstorbenen Vaters zu verstreuen. Doch der Ausflug wird für alle zur emotionalen aber auch gefährlichen Gratwanderung. Sie werden nämlich schon bald von einem mysteriösen Fremden mit Sonnenbrille verfolgt, der offenbar nichts Gutes im Schilde führt. Für die Frauen ein Albtraum. Die verfallen in Panik und werden zu leichter Beute. Gut, dass Sam einen kühlen Kopf bewahrt. Der weiß wie man sich in einer solchen Situation verhalten muss und nimmt es mit dem personifizierten Bösen auf.
 
 
desolation-2017-bild-1
 
 
DESOLATION hat nicht viel, um das Interesse des Zuschauers für sich beanspruchen zu können. Die Geschichte ist schnell erzählt und deren Ausgang bereits früh ersichtlich. Drei Protagonisten irren im Wald umher und werden von einem Fremden terrorisiert. Das klingt nach einer weiteren Variation von BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE, ist aber bei genauerer Betrachtung ein ermüdender Überlebenstrip auf den man getrost verzichten kann. Dabei hat der Mix aus Drama und Survival-Horror ein großes Problem: Er nimmt sich zu viel Zeit für Nebensächlichkeiten. So wird in DESOLATION zu viel über verletztes Seelenheil und Familienprobleme geschnattert, was dahingehend unnötig ist, weil die Figuren – trotz Entwicklung – dennoch fad und langweilig bleiben. Die eigentliche Überlebenshatz erhält daher nur wenig Aufmerksamkeit und wird in den letzten fünfzehn Minuten per Eiltempo abgehandelt. Dort erst gewinnt DESOLATION an Fahrt und erwacht aus seinem Dornröschenschlaf. Ob das aber Zuschauer interessieren wird, bleibt fraglich. Weil das Angebot an besseren Filmen riesig ist und der Horrorfilmmarkt weitaus deftigere Schocker bereithält, dürften die meisten Horrorfans bereits frühzeitig abgeschalten und einen anderen Horrorstreifen gestartet haben. Manch Filmemacher sollte daher Publikumswünsche genauer analysieren, um in Erfahrung bringen zu können, was Zuschauer denn von einem Horrorfilm erwarten. Mit langweilig inszenierten Gurken und den ewig gleichen und unoriginellen Geschichten macht man sich keine Freunde.
 
 
desolation-2017-bild-2
 
 


 
 
 

DESOLATION – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Perfides Katz- und Mausspiel. DESOLATION ist trotz hinterlistiger Story nur ein weiterer, banaler Survival-Horror, der den Zuschauer müde macht, statt ihn zu schockieren. DESOLATION macht zwar mit reißerischem Poster neugierig, das an das Exploitationkino der 1970er erinnert. Doch von den harten Horrorthrillern dieser Zeit ist dieser Schnarcher weit entfernt. Wer daher Einschlafprobleme besitzt, sollte sich diesen Horrorthriller verschreiben lassen. Es muss nicht immer die Chemiekeule sein. Schlechte und langweilige Filme können ebenso Wunder bewirken. Wir wünschen friedliche Träume.
 
 
 


 
 
 

DESOLATION – Zensur

 
 
 
Sonderlich brutal ist DESOLATION nicht. Erst in den letzten 20 Minuten fließt etwas Lebenssaft. Zu sehen gibt es eine ausgeweidete Leiche, ein Taschenmesser wird in eine Ferse gestochen und ein Zahn gezogen. Hierzulande dürfte der Streifen ohne Probleme eine FSK erhalten.
 
 
 


 
 
 

DESOLATION – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC Midnight)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Killing Ground (2016)
 
Carnage Park (2016)
 
The Mooring (2012)
 
Quarries (2016)
 
Preservation (2014)
 
Beim Sterben ist jeder der Erste (1972)
 

Filmkritik: „Die Beute – Aufspüren. Jagen. Töten.“ (2016)

quarries-2016-poster
 
 
 

DIE BEUTE – AUFSPÜREN. JAGEN. TÖTEN.

(QUARRIES)

Story

 
 
 

Einige Frauen werden bei einem Wanderausflug von Hinterwäldlern attackiert, die ihnen nichts Gutes wollen.

 
 
 


 
 
 

DIE BEUTE – Kritik

 
 
 
Quäle nie eine Frau zum Scherz, denn die Rache des weiblichen Geschlechts kann gern auch mal tödlich sein. Dass Frauen in Horrorfilmen gern mal über sich hinauswachsen und sich nicht immer nur ihrem Schicksal ergeben wollen, ist auch im Genrefilm längst keine Seltenheit mehr. Auch Frauen lassen sich mittlerweile nicht mehr alles gefallen und bestrafen ebenso kaltblütig, wie ihre männlichen Filmkollegen – wenn es unbedingt sein muss. Zuletzt reißerisch und unnötig hart in der Neuauflage des Schmuddel-Klassikers I SPIT ON YOUR GRAVE zelebriert. Darin rechnete eine traumatisierte Autorin mit der Männerwelt ab und bewies dabei jede Menge Einfallsreichtum, damit jene Männer leiden mussten, die ihr nichts Gutes wollten. Wer meint, dass das aber schon alles gewesen ist, hat den folgenden Streifen noch nicht gesehen. Hier platzt nicht nur einer seelisch gequälten Frau der Geduldspfaden, sondern gleich einer ganzen Gruppe junger Damen. DIE BEUTE (Originaltitel: QUARRIES) nennt sich der Rache-Horror in dem – ungewöhnlich taff – Frauenpower gezeigt wird, der von stumpfsinnigen Blondinen-Klischees, unnötigen Intrigenspielen und nervigen Zickereien Abstand hält. Eine lobende Alternative, die unbedingt Schule machen sollte. Nur ob das den hier besprochenen Film auch gleichzeitig besser macht?
 
 
quarries-2016-bild-3
 
 
Eigentlich sollte sich das Leben für Kat (NICOLE MARIE JOHNSON – hat übrigens auch mit am Drehbuch geschrieben) nun zum Besseren wenden. Die hat sich erst kürzlich von den Ketten ihrer schrecklichen Beziehung befreit in der sie regelmäßig vom Ex-Partner misshandelt wurde. Eine Rucksack-Wandertour mit anderen Frauen durch tiefe Wälder soll die tapfere Frau wieder auf richtige Gedanken bringen. Leider muss wegen wütender Waldbrände eine andere Route genommen werden, die einigen Teilnehmerinnen das Leben kosten wird. Im Schutze der Wildnis treiben hier nämlich gewissenlose Hinterwäldler ein bitterböses Spiel. Die lauern ahnungslosen Wanderern auf und bringen diese kaltblütig um die Ecke. Doch der Spaß am Morden wird den Hobbykillern bald vergehen. Die haben nämlich nicht mit der Schlagfertigkeit jener Frauen gerechnet, an deren Fersen sie sich geheftet haben. Die sind über die stillen Verfolger alles andere als erfreut. Nachdem man erste Verluste beklagt, drehen die Frauen den Spieß einfach um. Was folgt ist nicht sonderlich neu – wurde aber solide inszeniert. Tapfere Frauen werden zu Kampfamazonen und verteidigen ihr Leben – koste es was es wolle. Die greifen zu spitzen Mordwerkzeugen und zahlen es der blutgeilen Bande heim. Männer gegen Frauen und umgekehrt. Wer wird den Überlebenskampf überstehen?
 
 
quarries-2016-bild-2
 
 
Kennst Du noch BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE oder DELIVERANCE – so wie sich der Survival-Thriller im Original schimpft? Wenn ja, dann dürfte DIE BEUTE wohl ein alter Hut sein, denn im Grunde genommen spult Regisseur NILS TAYLOR hier mit dem zweiten Spielfilm gleichen Inhalt ab, den auch schon JOHN BOORMAN zuvor in den 1970ern schockierend auf der Kinoleinwand gebracht hat. Wilderer jagen ahnungslosen Menschen, die in der Natur Erholung vom stressigen Alltag suchen. Das hört sich grausam an und ist es auch, weil man auch in DIE BEUTE mit der Unwissenheit nichtsahnender Wanderer spielt, die plötzlich aus dem Nichts beschossen werden und sich vor einem offenbar unsichtbaren Gegner in Sicherheit bringen müssen. Auch wenn die Ausgangssituation reichlich perfide anmutet, verpufft ein Großteil der psychischen Härte wegen Vorhersehbarkeiten. Wer hier sterben und überleben wird, steht bereits in den ersten Minuten fest, denn auch DIE BEUTE macht sich zu sehr von den Regeln des Genres abhängig. So verwandelt sich die zu Beginn noch eher als zurückhaltend beschriebene Kat im Film zum weiblichen Rambo, die sich nicht minder kaltblütig gegen ihre Gegenspieler zu wehren weiß und Aggressionen freien Lauf lässt, die sich während ihrer gewalttätigen Beziehung angestaut haben. Bis im Film jedoch ausgiebig gerächt, geschrien und getötet wird, wird Geduld vorausgesetzt. DIE BEUTE braucht nämlich etwas bis er seine Richtung gefunden hat und an Tempo zulegt. So vergeudet Macher NILS TAYLOR unnötig Zeit mit der Charakterisierung und einer Geschichte, die lange braucht bis sie endlich zum Punkt kommt. In Anbetracht der Tatsache, dass DIE BEUTE letztendlich nur ein weiterer Film übers Töten ist vergeudeter Aufwand, der in Längen ausartet. Trotzdem will man gnädig sein. Nach vierzig Minuten geht der Überlebenskampf endlich los. Spätestens dann wird kurzweiliges Spannungskino geboten, dem es ab und an sogar gelingt am Nervenkostüm des Zuschauers zu zerren. Bemerkenswerte Suspense-Arbeit sieht aber definitiv anders aus. Dazu fehlt NILS TAYLOR noch nötige Fingerfertigkeit und das richtige Gespür für schnörkellosen Thrill.
 
 
quarries-2016-bild-1
 
 


 
 
 

DIE BEUTE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
DELIVERANCE mit Frauen. In QUARRIES, der in Deutschland in DIE BEUTE – AUFSPÜREN. JAGEN. TÖTEN umgetauft wurde, hat das weibliche Geschlecht zur Abwechslung mal die Hosen an, denn Frauen können im Horrorfilm auch anders. Statt sich wie in THE DESCENT mit aufbrausendem Zickenkrieg selbst in die ewigen Jagdgründe zu befördern oder sich ihrem Schicksal – wie so oft im Horror-Genre – tatenlos zu fügen, krempeln die Damen in DIE BEUTE die Ärmel hoch. Die geben nicht so schnell auf und kämpfen gegen Widersacher, die sich ihrer Sache zu sichern sind. DIE BEUTE ist ein weiterer Thriller übers Töten, der nicht sonderlich viel Substanz besitzt und einzig auf schnelle Schocks aus ist. Die Protagonisten verhalten sich nicht immer helle und auch mit der Vorhersehbarkeit hat dieser Überlebens-Horror so seine Probleme. Weil sich Regisseur NILS TAYLOR auch noch unnötig viel Zeit nimmt, bis die Überlebens-Achterbahn in die Gänge kommt, werden wohl viele Zuschauer schon frühzeitig den Ausschalter ihres Abspielgerätes drücken. Zu eigentlicher Größe wächst DIE BEUTE erst in den letzten dreißig Minuten heran. Dann zumindest geht es Schlag auf Schlag und die Figuren im Film sterben wie Fliegen. Wer Geduld besitzt wird entschädigt. Ein sonderlich herausragender Horrorthriller ist DIE BEUTE aber nicht.
 
 


 
 
 

DIE BEUTE – Zensur

 
 
 
Vergleicht man die Gewalt im Film mit ähnlichen Vertretern der Gattung Survival-Horror ist Gebotenes nicht sonderlich hart anzuschauen. Protagonisten werden angeschossen oder mit Messern bearbeitet. Oftmals blendet die Kamera weg oder Gewalttaten werden im Off zelebriert. Hier wird das Töten als einziger Ausweg beschrieben, um das eigene Leben retten zu können. Statt leise durchs Gebüsch zu schleichen und so einen Weg hinaus aus dem Wald zu finden, wird Selbstjustiz ausgeübt. Normalerweise versteht die FSK mit sowas keinen Spass. Überraschenderweise gab es aber in ungeschnittener Form eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

DIE BEUTE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
die-beute-bluray

(c) Tiberius Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Quarries; USA 2016

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.00:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 83 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 01.08.2019

 

Die Beute – Aufspüren. Jagen. Töten. [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DIE BEUTE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Tiberius Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Beim Sterben ist jeder der Erste (1972)
 
Carnage Park (2016)
 
Downhill (2016)
 
King of the Hill (2007)
 
Outback – Tödliche Jagd (2011)
 
Tower Block (2012)
 
Preservation (2014)
 
Autumn Blood – Zeit der Rache (2013)
 
The Mooring (2012)
 

Filmkritik: „The Pool“ (2014)

the-pool-de-poel-2014-poster
 
 
 

THE POOL

(DE POEL)

Story

 
 
 

Zwei Familien suchen Erholung in der freien Natur. Doch der erquickliche Campingurlaub wird zum Horrortrip, denn bald mehren sich die unheimlichen Ereignisse.

 
 
 


 
 
 

THE POOL – Kritik

 
 
 
Heute werfen wir mal einen Blick rüber zu unseren holländischen Nachbarn. Dort hat man an einem schönen Beispiel für raffinierten Psycho-Horror getüftelt, der gerade aufgrund seiner einfachen aber umso intelligenteren Machart nicht unerwähnt bleiben sollte. THE POOL (im Original DE POEL) heißt der Ausflug ins Horrorfach, der vor allem deshalb so besonders ist, weil er in den Niederlanden entstanden ist – einem Land also, in dem gefühlt alle zehn Jährchen mal ein Horrorfilm gedreht wird. Zuletzt hat man dort mit FRANKENSTEIN’S ARMY für Aufsehen gesorgt. Das Found-Footage-Spektakel blieb vor allem wegen seiner grotesken Filmmonster in Erinnerung, die sich durch ein bizarres Kriegs-Szenario metzelten, in dem sich meterhohe Leichenberge stapelten. Umso verwunderlicher, dass die ruppige Monsterhatz und der eher psychologische THE POOL mehr Gemeinsamkeiten besitzen, als man anfangs annehmen würde. Hinter THE POOL und FRANKENSTEINS ARMY verbirgt sich nämlich ein und derselbe Autor. Der heißt CHRIS W. MITCHELL und versucht sich nun nach einigen Kurzfilmen und verfassten Drehbüchern auch mal selbst im Filmemachen. Erstaunlich gut ist sein Vorhaben gelungen – auch wenn die Schauspieler des Debüts zur Abwechslung mal nicht den amerikanischen Schönheitsidealen entsprechen. Hier zählt der Inhalt!
 
 
the-pool-de-poel-2014-bild-1
 
 
Zwei Familien und ein See. THE POOL berichtet von zwei Familien, die sich aufmachen, um ihren Urlaub zu genießen. Der soll fernab der gewohnten Großstadthektik stattfinden. Irgendwo im Wald hat man ein schönes Plätzchen Erde, gelegen an einem traumhaften See, entdeckt und die Zelte ausgepackt. Die ersten Stunden versprechen Erholung pur. Es wird gebadet, gekocht und geruht. Doch die Idylle ist trügerisch. Am folgenden Morgen setzt sich ein sonderbarer Strudel bizarrer Ereignisse in Gang. Erst verderben Lebensmittel unter mysteriösen Umständen und Familienmitglieder werden von Albträumen aus dem Schlaf gerissen. Später erkrankt einer der Anwesenden und stirbt. Leider kann keine Hilfe gerufen werden. Die Handys haben keinen Empfang und alle Wege weg vom Camp führen letztendlich zurück ins Camp. Was passiert hier und welch furchtbares Geheimnis umgibt diese friedliche Gegend? Die Antworten darauf sind alles andere als erfreulich.
 
 
the-pool-de-poel-2014-bild-2
 
 
Sind wir hier auf den Privaten? Nein, THE POOL ist keine Horror-Version des ehemaligen Quotenhits DIE CAMPER, der mit tumbem Humor und sattsam bekannten Alltagssituationen auf RTL die Zuschauer erfreute. Ganz im Gegenteil. Zu lachen haben die Protagonisten des besprochenen Filmalbtraums leider herzlich wenig. Ihnen blüht ein schreckliches Schicksal, dem am Ende leider nur einer entgehen kann. Regisseur CHRIS W. MITCHELL geht es in seinem ersten Langfilm clever an. Der hält sich bedeckt, was Erklärungen angeht, gibt nur wenig preis und lässt sich bis kurz vorm Abspann mehrere Interpretationsmöglichkeiten offen. Im Lager kommt rasch schlechte Stimmung auf. Weil Lebensmittel verdorben sind und sich die Eheleute beim Fremdgehen beobachten, gibt es bald Ärger. Aber es kommt noch dicker. Zwei Brüder balzen um ein Mädchen, was zusätzlich Konflikte schürt und die Gemüter erhitzt. Stress bringt die Familien gegeneinander auf die Barrikaden und seltsame Visionen treiben Familienvater Lennaert regelrecht in den Wahnsinn. Der ist bald nicht mehr Herr der eigenen Sinne und legt schrecklich aggressives Verhalten an den Tag. Was folgt erinnert ein wenig an die Stephen-King-Adaption THE SHINING vom Altmeister STANLEY KUBRICK. Der Wald wird zum klaustrophobischen Gefängnis, aus dem es kein Entkommen gibt. Die Tatsache zerrt an den Nerven der Protagonisten, die einander nicht mehr ver- sondern misstrauen. Das ist kein guter Ausgang für ein gemütliches Beisammensein – vor allem dann, wenn Freunde plötzlich zu Feinden werden und sich gegenseitig ausradieren.
 
 
the-pool-de-poel-2014-bild-3
 
 
In THE POOL wird psychologischer Horror mit übernatürlichem Grauen vermischt, was den Zuschauer schon fordert. Der wird im Film ziemlich geschickt auf falsche Fährten geführt und mit immer neuen Informationen gefüttert, die aber irgendwie nicht plausibel erscheinen wollen. Mal streift der Film subtile Mystery, mal wird es psychologisch. Nur, in welche Schublade will der Film gesteckt werden? Für die Antwort darauf muss sich der Zuschauer bis zur letzten Einstellung gedulden. Erst dort ergibt das Puzzle einen Sinn, wenn CHRIS W. MITCHELL mit nur einem Kameraschwenk ohne Brimborium erklärt, warum in THE POOL zuviel Wirbel gemacht wird.
 
 
 


 
 
 

THE POOL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
12 Points goes to The Netherlands. Holland kann nicht nur Käse und Tulpen. Auch im Horrorfach gibt es Potenzial. Das beweisen uns die Nachbarn eindrucksvoll mit THE POOL (Originaltitel: DE POEL), der ziemlich geschickt eine unheimliche Geschichte erzählt, die dezent mit Horrorelementen verfeinert wird und einen gemütlichen Campingausflug zum Albtraum werden lässt. Schwarzer Humor soll auflockern, schlägt einem aber spätestens in der letzten halben Stunde böse auf den Magen. Dort überschlagen sich die Ereignisse und führen zur Katastrophe, was vor allem einem starken Schauspieler-Ensemble zu verdanken ist, dessen Mitglieder im Vergleich zu vielen amerikanischen Berufskollegen zur Abwechslung mal was können. Regisseur CHRIS W. MITCHELL verriet, dass er sich von namhaften Horrorfilmen inspirieren ließ. So haben Klassiker wie THE SHINING, THE BLAIR WITCH PROJECT oder der immer noch sträflich wenig bekannte australische Natur-Thriller LONG WEEKEND maßgeblichen Einfluss beim Schreiben des Drehbuchs genommen. Zwar ist THE POOL noch weit von genannten Kultkandidaten entfernt. Trotzdem stemmt sich der Psychothriller souverän gegen die nicht mehr aufzuhaltende Flut an unnötigen No-Budget-Produktionen, die tagtäglich irgendeinen Weg von Amiland nach Europa suchen. Im Vergleich zu all den miserablen Low-Budget-Gurken aus Übersee kann THE POOL nämlich was – nämlich gruseln. Ein Psycho-Horror-Geheimtipp mit reichlich fies gelegten Fährten! Definitiv sehenswert.
 
 
 


 
 
 

THE POOL – Zensur

 
 
 
THE POOL ist trotz überschaubarer Horror-Elemente eher psychologischer Natur. Ein Hals wird aufgeschnitten. Zudem verwest eine Leiche im Zelt und wird wenig später verbrennt. Außerdem fällt eine Filmfigur mit dem Kopf auf einen Zelthaken und ein faulender Finger wird abgehakt. Hierzulande dürfte es für den holländischen Genre-Beitrag eine FSK16 geben.
 
 
 


 
 
 

THE POOL – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Shining (1980)
 
Darling (2015)
 
Black Mountain Side (2014)
 

Filmkritik: „Man Vs.“ (2015)

man-vs-2015-poster
 
 
 

MAN VS.

Story

 
 
 

Fünf Tage allein in der Wildnis. Ein TV-Star dreht nur mit einer Kamera ausgerüstet eine Reality-Show in den kanadischen Wäldern. Leider bekommt er dort unerwarteten Besuch, der ihn das Fürchten lehren wird.

 
 
 


 
 
 

MAN VS. – Kritik

 
 
 
Wenn Menschen in die Wildnis reisen, um dort das Abenteuer zu suchen, wissen erfahrene Horrorfilmfans bereits, dass der Ausflug kein gutes Ende nehmen wird. Die Filmwelt hat gelehrt, dass man besser nicht unerforschtes Land betritt oder jenseits der Wanderwege auf Entdeckungsreise geht, denn oftmals lauern in unberührter Natur Gefahren, mit denen man besser nicht konfrontiert werden möchte. So gab es in der Vergangenheit schon manch unerfreuliches Aufeinandertreffen zwischen Mensch und Horrorgestalt in der Natur zu begutachten, das – zur Freude des Zuschauers – nicht immer unblutig zelebriert wurde. Ob mordgierige Teenager in PRESERVATION, aggressiver Bär in BACKOUNTRY oder zornige Waldgeister in EVIL DEAD – dunkle Wälder und verwachsene Wildnis sind im Horrorfilm immer wieder gern verwendete Kulissen, damit maximales Unbehagen bewirkt werden kann. Das hat auch Regisseur ADAM MASSEY erkannt. Der hat im Jahr 2015 erstmalig Horrorluft geschnuppert und offensichtlich Blut geleckt, weshalb er nach DIE EINDRINGLINGE einen weiteren Genrefilm gedreht hat, der unter dem skurrilen Titel MAN VS. veröffentlicht wurde. Schlaue Füchse bemerken, dass in der Titelkreation etwas fehlt. So wird nicht erwähnt, gegen wen oder was der männliche Hauptdarsteller kämpfen wird. Das ist gewollt, denn MAN VS. lässt den Zuschauer im Dunkeln tappen und rückt erst so ziemlich am Ende mit der Sprache heraus, um was für einen Gegenspieler es sich handelt. Ein geschickter Schachzug, um die Spannung halten zu können.
 
 
man-vs-2015-bild-3
 
 
In MAN VS. verirrt sich der Moderator eines sehr erfolgreichen Serienformats in ein einsames Waldstück irgendwo in den Wäldern Nordkanadas, wo er fünf Tage lang nur mit dem Nötigsten ausgerüstet den Zuschauern beweisen möchte, dass der Mensch auch ohne Zelt, Proviant und Wechselkleidung überleben kann. Die Natur gibt all das her, was man benötigt, um fernab der Zivilisation bestehen zu können. So werden Kaninchen gefangen, um den Hunger zu stillen und über einem Feuer geschmort, das mit Hilfe einer Getränkedose gemacht wurde. Leider passieren bald seltsame Dinge. Das Funktelefon verschwindet unter mysteriösen Umständen und an Bäumen aufgehängte Verpflegung ist am nächsten Morgen nicht mehr an Ort und Stelle. Offensichtlich ist Moderator Doug (CHRIS DIAMANTOULOS) nicht allein. Irgendjemand scheint ihn zu beobachten und auf Schritt und Tritt zu verfolgen. Nur wer ist der gemeine Übeltäter, der dem Serienstar nichts Gutes will?
 
 
man-vs-2015-bild-2
 
 
Fieser Survival-Horror mit einer Priese Found-Footage. Keine Sorge, auch wenn im vorhergehenden Satz jenes Subgenre genannt wird, das mittlerweile lautet Stöhnen beim Horrorpublikum verursacht, hält sich der Anteil verwackelter Bilder in Grenzen. So wechselt der Streifen immer dann in die Found-Footage-Ansicht, sobald Filmheld Doug sich selbst mit einer Kamera filmt, um den Zuschauern seiner TV-Show wertvolle Überlebenstipps mit auf dem Weg zu geben. Der Großteil des Überlebens-Thrillers behält die herkömmliche Filmansicht bei und erzählt von der beunruhigenden Verwandlung eines unerschrockenen Pfadfinders, der es plötzlich mit der zu tun Angst bekommt. Dabei erweist sich Schauspieler CHRIS DIAMANTOULOS als Glücksgriff, der bis zum bitteren Ende sympathisch bleibt und den gesamten Film auf seinen Schultern tragen muss, ohne Zuschauer zu langweilen. Die Ein-Mann-Show macht von der Prämisse Gebrauch, dass Antworten möglichst lang hinausgezögert werden. Regisseur ADAM MASSEY vermeidet bewusst Hinweise und spielt mit Held und Publikum ein gemeines Spiel, dessen Auflösung aber nicht sonderlich einfallsreich ist. Während der Spannungsbogen bis kurz vor Ende gehalten werden kann, trübt kurz vor der Zielgeraden das magere Budget den positiven Gesamteindruck. Nicht sonderlich professionelle Computereffekte deuten daraufhin, dass ein Sparkurs gefahren werden musste. Unausgereiftes CGI nimmt Illusionen und raubt dem Streifen die unbequeme Anziehungskraft, welche sich zuvor wie ein roter Faden durch MAN VS. geschlängelt hat. So verliert eine makabre Schlusspointe an Gewichtung, die den Überlebensthriller versucht in eine andere Richtung zu drängen, um einer möglichen Fortsetzung die Tür offen zu halten. Das ist dahingegen bedauerlich, weil der Streifen hätte mit mehr Kapital ein Horror-Hit werden können.
 
 
man-vs-2015-bild-1
 
 
 


 
 
 

MAN VS. – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Packendes Überlebenstraining mit unerwartetem Ausgang. MAN VS. ist eigentlich ein sehenswerter Horrorfilm. Wären am Ende nicht die bescheidenen Computereffekte, die den Streifen in die Knie zwingen. Sicherlich ist der Survival-Thriller immer noch Längen von dem entfernt, was so Filmabfall-Schmieden wie THE ASYLUM oder SYFY mit ihren bewusst missratenen Spezialeffekten dem Publikum zumuten. Weil MAN VS. eigentlich weit entfernt von Trash ist, verursacht die Tatsache Magenschmerzen, dass der kanadische Regisseur ADAM MASSEY mehr wollte aber nicht konnte. Geld kann manchmal ein Arschloch sein. Im Falle von MAN VS. hätten ein paar kanadische Dollar mehr wahre Wunder bewirken und dem Streifen zum Hit verhelfen können. Bedauer- und ärgerlich!
 
 
 


 
 
 

MAN VS. – Zensur

 
 
 
Viele Schauwerte hat MAN VS. nicht zu bieten. Gleich zu Beginn gibt es einen verletzten Finger in Großaufnahme zu sehen und ein Kaninchen wird nach dem Fangen vor der Kamera geschlachtet. Weiterhin gibt es übel zugerichtete Tiere und einige gehäutete Leichen zu sehen. Man darf mit einer ungeschnittenen FSK16 rechnen.
 
 
 


 
 
 

MAN VS. – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Entertainment One)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Predator (1987)
 
Predator 2 (1990)
 
Dark Angel (1990)
 
Split Second (1992)