Filmkritik: „Head of the Family“ (1996)

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HEAD OF THE FAMILY

(THE BRAIN)

Story

 
 
 

Lance und Loretta haben ein Problem. Das Gangsterpärchen bumst hinter dem Rücken von Lorettas Biker-Ehemann gar ehebrecherisch herum. Dieser, Howard heißt er, ist ein deutlich böserer Hund im Gangsterpark und so müssen die beiden genügend Kohle auftreiben, um die Gegend verlassen zu können. Als sie durch Zufall beobachten, wie vorm Haus der Familie Stackpool offenbar ein Kidnapping stattfindet, erwacht in den Kleinkriminellen der Erpresser-Instinkt. Wenn sie sich da aber nicht die Falschen ausgesucht haben. Stackpools kamen nämlich als mutierte Fünflinge zur Welt und gehorchen den Anweisungen ihres Oberhaupts, das aus einem Riesenhirn mit verkümmerten Gliedmaßen besteht; und diese Anweisungen beinhalten übergeschnappte Experimente an menschlichen Versuchskaninchen im Keller.


 
 
 


 
 
 

HEAD OF THE FAMILY – Kritik

 
 
 
Geile Idee, so zwischen Schwarmintelligenz und außerirdischer Unerklärlichkeit. Manipuliert vom Kopf, beziehungsweise Gehirn des Titels, verfügt jedes Familienmitglied über eine distinktive Eigenschaft. Stärke, erotische Anziehungskraft, besondere Wahrnehmungsfähigkeiten. Jeder Faktor tritt nur in einem der Stackpooles auf und dient dem Mutanten-Familienkollektiv zum Anlocken menschlicher Beute. Perverser Dirigent des Irrsinns ist natürlich das Gehirn, Myron.
 
 
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Wie bereits in vergangenen Kritiken festgestellt, erleben wir im Zuge diverser schöner Heimkino-Veröffentlichungen dieser Tage eine neue, positivere Würdigung der Filme von Charles Band. Nicht, dass man in den schrägen Regiewerken des hauptberuflichen Produzenten und Chefs der Full Moon Studios jetzt plötzlich die Handschrift eines verkannten Genies erkennen würde. Dieser Trend zum Filmgeschichte Umschreiben auf der Grundlage persönlicher Befindlichkeiten und Vorlieben ist eine seltsame Erscheinung, wie sie im postmodernen Internet, gerne in Deutschland, praktisch täglich durchs Dorf getrieben wird. Aber nichtsdestoweniger zu verkennen ist: Band verfügt ohne Zweifel über einen wiedererkennbaren Stil, in dem sich selbstbewusste Genrekenntnis und schwarzer Humor zu verrückten Trashperlen verbinden, die man sich ohne Reue ins Regal stellen darf. Furchtlos-geschmackloser Gaga-Horror, wie er einst etwa in New York bei TROMA FILMS leichthändig vom Band lief. Bei ihrem ersten Erscheinen, in der Endzeit des Mediums Videokassette, ist Bands Filmen bloß das Schicksal belächelter Staubfänger vergönnt. Vermutlich waren die Low-Budget Science-Fiction und Horrorfilme des Kaliforniers nicht deutlich genug einer Sparte zuzuordnen, um den Videothekaren aus den Pranken gerissen zu werden wie vergleichbarer Stoff. THE BRAIN, wie der heute vorliegende THE HEAD OF THE FAMILY auf Video hieß, geht es 1996 nicht anders, war die Kassette doch recht schnell auf den Wühltischen heute nicht mehr existierender Kaufhausketten zu finden.
 
 
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Ungerecht, denn der Film, vom Full-Moon-Direktor unter dem Pseudonym Robert Talbot gedreht, ist mal wieder ein Juwel nach Tradition der beliebten GESCHICHTEN AUS DER GRUFT. Also eine gute, altmodische Moralgeschichte, in deren Verlauf sich dumme Kleinkriminelle mit den falschen Angehörigen des gesellschaftlichen Rands angelegt haben. Meist sind die Opfer, wenn man sie so nennen mag, bevor der Spieß mit Schmackes umgedreht wird, in diesen Stories arm, Einwanderer, geistig nicht ganz auf der Höhe oder einfach Freaks. Bei THE HEAD OF THE FAMILY können wir das Häkchen ruhigen Gewissens hinter dieser letzten Option setzen. Das Superhirn und sein degenerierter Clan sind perfekte Außenseiter, vom ebenso hinterhältigen wie tumben Gaunerpärchen zu finanziellen Melkkühen erklärt. Wie bei den Vorbildern aus der Gruft und deren Ahnen, den EC COMICS des späteren MAD-Magazin-Erfinders William Gaines so üblich, wünscht man nach einer gewissen Zeit den von Raffgier getriebenen Protagonisten ein möglichst grausiges und farbenfrohes Ende. Natürlich enttäuscht auch das Riesenhirn die blutrünstigen Impulse des Publikums nicht. Schließlich steckt in den überdimensionalen Windungen der Denkmaschine genug Bosheit für eine ganze Familie.
 
 
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HEAD OF THE FAMILY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Weiter geht es mit der Wiederentdeckung der Welt der Full Moon Studios. Neben zahlreichen PUPPETMASTER-Episoden und anderen Trash-Franchises, gibt es da auch noch Verrücktheiten wie THE HEAD OF THE FAMILY. 1996 entstanden, dreht Firmenchef Charles Band eine schwarze Komödie mit Horror-Background, die man sich in dieser Form von TROMA in deren bester Verfassung gewünscht hätte. Früher unter ferner liefen im unteren Regal der Videothek versteckt, braucht der Film heute keinen Vergleich mit neueren, teureren Genre-Produktionen mehr zu scheuen.
 
 
 


 
 
 

HEAD OF THE FAMILY – Zensur

 
 
 
HEAD OF THE FAMILY (deutscher Titel: THE BRAIN) wurde in Deutschland von VPS auf VHS veröffentlicht. Danach folgte eine ungeschnittene DVD von CMV LASERVISION, die keine FSK-Freigabe hatte, sondern nur juristisch geprüft wurde. Der Anbieter WICKED VISION ließ den Streifen im Dezember 2019 neu prüfen und erhielt für die ungeschnittene Fassung eine FSK16. Diese wurde nun erstmalig in Deutschland auf Blu-ray veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

HEAD OF THE FAMILY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Wicked Vision Media (Scanavo Box)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Head of the Family; USA 1996

Genre: Horror, Klassiker, Trash, Komödie

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1,78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 72 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Scanavo Box

Extras: Wendecover mit Original-Artwork, Audiokommentar mit Darsteller J. W. Perra, „Bride of the Head”-Promo, Originaltrailer

Veröffentlichung: 06.12.2019

 
 

Head of the Family [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

HEAD OF THE FAMILY – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei Wicked Vision Media)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
The Brain That Wouldn’t Die (1958)
 
They Saved Hitler’s Brain (1968)
 
Re-Animator (1985)
 

Filmkritik: „The Lodge“ (2019)

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THE LODGE

Story

 
 
 

Weihnachten in einem eingeschneiten Ferienhaus irgendwo am Hintern der Welt. Darin müssen zwei Geschwister allein mit der neuen, nicht sonderlich beliebten Freundin des Vaters Zeit verbringen. Als plötzlich Strom und Heizung ausfallen, entwickeln sich die Dinge auf einmal ganz unvorhersehbar.

 
 
 


 
 
 

THE LODGE – Kritik

 
 
 
Seit 1930 ist HAMMER FILMS Garant für wohlige Schauer im Kino. Das Studio verknüpfte als erste Filmgesellschaft die britische Gothic-Tradition mit den blutigen Grausamkeiten des französischen Théâtre du Grand-Guignol. Das Resultat: Zahlreiche Gruselklassiker wie die Dracula-Verfilmungen mit CHRISTOPHER LEE und PETER CUSHING, die bis heute Kultstatus genießen. Doch wie so oft im Filmbusiness nutzen sich neue Ideen schnell ab. Knapp fünfzig Jahre funktionierte der gefeierte Horror-Mix wunderbar. Danach verloren HAMMER FILMS den Anschluss und die Zuschauer das Interesse. 1979 flimmerte der letzte Film über die Leinwand. Danach musste das Unternehmen Konkurs anmelden.
 
 
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Mittlerweile tut sich aber wieder was. Dank „Big Brother“-Erfinder JOHN DE MOL konnte HAMMER FILMS Mitte der 2000er reanimiert werden. Der niederländische Medienmogul und Produzent übernahm das Ruder und half dem einst beliebten Unternehmen wieder auf die Beine. Das Ergebnis: neue, schaurige Horrorfilme, von denen vor allem DIE FRAU IN SCHWARZ beachtliche Erfolge an den Kinokassen einfahren konnte. Nun geht es mit THE LODGE weiter – einem subtilen Psychothriller, der von zwei Österreichern inszeniert wurde. SEVERIN FIALA und VERONIKA FRANZ zeichnen verantwortlich und erhielten mit dem international gefeierten Debüt ICH SEH, ICH SEH jede Menge Aufmerksamkeit. Offenbar ein nicht unwesentlicher Grund, warum die beiden Filmemacher nun Nachschub für HAMMER FILMS liefern sollen.
 
 
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Der erste englischsprachige Film der beiden Regisseure aus Österreich ist dem Erstling nicht unähnlich. Wieder mal stehen Kind-Eltern-Konflikte auf der Umsetzungsagenda. THE LODGE handelt von den Teenagern Mia und Aidan, die die Familienhölle auf Erden durchleben müssen. Der Vater hat sich von der Mutter getrennt und entschied sich für eine neue Freundin. Grace nennt sich die Gute und wird von den Kindern gehasst. Damit der Nachwuchs mehr Akzeptanz für die neue Partnerin entwickelt, entscheidet sich das Familienoberhaupt zu einer ganz besonderen Therapie. Die Weihnachtsfeiertage sollen gemeinsam verbracht werden. Nicht daheim – sondern im Ferienhaus der Eltern. Doch das liegt weit weg vom Schuss. Dass die Stimmung da im Keller ist, dürfte verständlich sein. Aber es kommt noch schlimmer. Vater Richard muss unerwartet in die Stadt zurück. Die Arbeit ruft. Zurück bleiben Baldstiefmutter Grace und die beiden Kinder, die bald mit großen Problemen zu kämpfen haben. Strom und Heizung fallen aus. Hinzukommt, dass das Haus eingeschneit ist und man in der Hütte ausharren muss. Das zehrt an den Nerven – zumal das neue Familienmitglied Grace plötzlich von der Vergangenheit eingeholt wird. Die war Teil einer mysteriösen Sekte, deren Mitglieder Massenselbstmord begangen haben. Nur Grace überlebte. Bei den Kindern Mia und Aidan läuten da nicht unbegründet die Alarmglocken. Wir wünschen: Merry Christmas!
 
 
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Minimalistisch, unterkühlt und gemächlich. THE LODGE ist kein Film für jedermann. In diesem Kammerspiel steht Langsamkeit im Vordergrund, damit sich Figuren, Geschehnisse und Konflikte entwickeln können. Demzufolge ist es wichtig ausgeschlafen zu sein, denn der stimmungsvolle Paranoia-Thriller nimmt sich viel Zeit, seine unaufgeregte Geschichte zu erzählen. Lang geschieht nichts, wobei bewusst darauf geachtet wird, dass der Zuschauer lange im Unklaren darüber gelassen wird, worum es hier eigentlich geht. Erst nach einer Stunde bahnt sich psychologischer Terror mit leisen Schritten durch die Handlung. Da passieren plötzlich seltsame Dinge und THE LODGE beginnt mit den Erwartungen des Zuschauers zu spielen. Worauf läuft hier alles hinaus? Welches Geheimnis umgibt die Verlobte von Vater Richard? Ist die eisige Behausung verflucht? Oder werden die Eingeschneiten von mysteriösen Dingen draußen in den Wäldern bedroht? Fragen über Fragen und lange keine Antworten in Sicht. Die Filmemacher SEVERIN FIALA und VERONIKA FRANZ sorgen für Verwirrung, indem sie immer wieder falsche Fährten legen und so den Zuschauer im Dunkeln tappen zu lassen. Dass dazu auch noch Filme im Fernseher laufen in denen Menschen vom Schnee umschlossen sind, verstärkt den Verdacht, dass den Protagonisten Schreckliches widerfahren wird. Besser kann man den Zuschauer nicht auf die Folter spannen.
 
 
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THE LODGE ist kein Film für Fans lauter Horrorstreifen. Auf Schreckmomente wird verzichtet. Stattdessen geht man es subtil an. Langsame Kamerafahrten, wenige Dialoge, minimalistisches Set und unterkühlte Atmosphäre lassen die Geschehnisse beinahe schon langweilig erscheinen. Das ist aber gewollt. Ist der Zuschauer nämlich kurz nicht bei der Sache, ziehen die Regisseure dem Publikum den Boden unter den Füßen weg. Eine geniale Taktik – vor allem auch deshalb, weil dadurch die Aufmerksamkeit des Filmfans gewiss ist. Letzterer erlebt in THE LODGE einen Ausflug in die Abgründe des Zwischenmenschlichen. Das Ergebnis ist grandios besetzt und unheimlich gespielt. Unterm Strich eine Empfehlung, denn was uns HAMMER FILMS hier ins (Heim)Kino bringt, ist so unerwartet gruselig, dass man es gesehen haben muss, um es glauben zu können.
 
 


 
 
 

THE LODGE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Klaustrophobisch, beklemmend und eisig – minimalistischen Psychospiel für Feingeister. THE LODGE ist psychologisches Grauen fernab des klassischen Spannungskinos, das nicht für jeden Horrorfilmfan geeignet ist. Der Film definiert den Begriff der Langsamkeit neu und spielt gekonnt mit der Aufmerksamkeitsspanne des Zuschauers. Die ICH SEH, ICH SEH-Regisseure SEVERIN FIALA und VERONIKA FRANZ nehmen sich erschreckend viel Zeit, um ihre Geschichte zu erzählen, und beschwören so das Grauen in leisen Schritten herauf. Action, Spezialeffekte und Jumpscares? Fehlanzeige! Hinzukommt, dass mit Handlung gespart und nur selten gesprochen wird. Das mag vor allem jenen Zuschauern gar nicht passen, die sich gern von hektisch geschnittenen Serien auf NETFLIX berieseln lassen. Für die ist THE LODGE aber auch nicht gemacht. Der fast schon ins Arthaus driftende Psycho-Horror richtet sich an offene Filmfans, die von Genre-Ware einen gewissen Anspruch erwarten. Die werden mit dem untypischsten Streifen der legendären Produktionsfirma HAMMER FILMS ihre Freude haben.
 
 
 


 
 
 

THE LODGE – Zensur

 
 
 
THE LODGE ist eher ein subtiler Psycho-Horror, der sich in Sachen Gewalt weitestgehend zurückhält. Splatterszenen sieht man nicht. Brutale Morde ebenso wenig. Hierzulande hat der Film eine FSK16 in ungeschnittener Form erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE LODGE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei SquareOne Entertainment GmbH)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Others (2001)
 
Shining (1980)
 
Hereditary – Das Vermächtnis (2018)
 

Filmkritik: „Sant Martí“ (2018)

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SANT MARTÍ

Story

 
 
 

Einige Durchreisende erleben im ländlichen Katalonien die Hölle auf Erden.

 
 
 


 
 
 

SANT MARTÍ – Kritik

 
 
 
Barcelona, Madrid und Malaga – moderne Vorzeigestädte mitten in Spanien, die jährlich Millionen Besucher anlocken, um Spaniens Kultur entdecken zu können. Doch im Hinterland geht es weniger zivilisiert zu. Dort wo Menschen in einfachsten Verhältnissen hausen müssen und sich von der spanischen Regierung in Stich gelassen fühlen, herrscht ein rauer Ton. Hier trauen sich keine Touristen hin. Wenn doch, werden diese gejagt, gefoltert und zerteilt – zumindest, wenn es nach den Filmemachern DAVID C. RUIZ und ALBERT VALÈNCIA geht. Die haben mit dem ersten Spielfilm Schubladendenken auf Zelluloid gebannt und wollen mit Backwood-Horror im Genre Fuß fassen. Damit wären sie nicht die Ersten. Mittlerweile hat sich der Horrorfilm etabliert und vielen Regie-Newcomern zu interessanten Arbeiten im Filmgeschäft verholfen. Ob das auch den oben genannten Newcomern mit SANT MARTÍ gelingt?
 
 
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Ein Rockfestival. Das ist das Ziel zweier Freunde. Die können es kaum erwarten das Wochenende über durchzufeiern. Unterwegs gabelt man zwei attraktive Anhalterinnen auf, die ebenfalls zur gleichen Veranstaltung wollen. Doch das Glück meint es nicht gut mit den jungen Leuten. Der Bus gibt den Geist auf und kommt in der Einöde zum Erliegen. Gott sei Dank bringt ein Einheimischer die Gestrandeten in einen kleinen Ort, der zurecht auf keiner Karte zu finden ist. Fluch oder Segen? Horrorfans wissen spätestens seit dem BLUTGERICHT IN TEXAS, dass mit verdorbenen Stadtmenschen in verschlafenen Ortschaften kurzer Prozess gemacht wird. In der Tat wartet der auch auf unsere Freunde. Die verhalten sich alles andere als ehrenwert und bringen sich so in große Gefahr.
 
 
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Atmosphärisch, düster und schmuddelig – aber weit hinter den Möglichkeiten. SANT MARTÍ ist der erste katalonische Backwood-Slasher überhaupt und orientiert sich in der Machart am Bay-Remake zum berüchtigten KETTENSÄGENMASSAKER von 2003. Das bedeutet: gammelige Häuser, dreckige Gassen und einfache Menschen, die fern der Zivilisation eigenen Gesetzen folgen. Eigentlich gute Voraussetzungen für ungemütliche Filmunterhaltung, zumal die Regisseure DAVID C. RUIZ und ALBERT VALÈNCIA penibel darauf achten, dass ihr Langfilmdebüt einen möglichst hochwertigen Eindruck hinterlässt. Leider folgt der ansprechend gefilmte Streifen zu verkrampft den vorhersehbaren Regeln des Hinterwäldler-Genres und lässt so kaum Raum für Neuerungen zu. Das bedeutet: hormongesteuerte Stadtmenschen geraten an ungebildete Leute vom Land, die natürlich im Hinterland nichts anderes kennen, als Durchreisende abzuschlachten. Ganz schön langweilig – vor allem auch deshalb, weil sich die Macher hinter SANT MARTÍ partout nichts einfallen lassen wollen, um irgendwie von bekannten Pfaden abzukommen. Die Folge: sattgesehene Verläufe, vorprogrammierte Klischees und austauschbare Stereotypen. Wer alle Teile der WRONG TURN-Serie und der TEXAS CHAINSAW MASSACRE-Reihe gesehen hat, dürfte sich schnell unterfordert fühlen.
 
 
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Worin SANT MARTÍ aber am meisten enttäuscht ist der Faktor Gewalt. Während in den letzten Filmen rund um Killer LEATHERFACE das Blut in Strömen floss und im Zuge der französischen Terrorwelle ein neues Kapitel in Sachen Filmgewalt aufgeschlagen wurden, macht SANT MARTÍ die sprichwörtliche Kehrtwende. Wer mit Backwood-Horror Aufmerksamkeit erregen möchte, sollte seine Figuren unmenschlich behandeln und möglichst lang leiden lassen. Da muss die Kamera allgegenwärtig sein und jede Grausamkeit detailliert festhalten. Regeln, die hätten dabei helfen können SANT MARTÍ zum neuen FRONTIER(S) zu machen. Doch die Macher DAVID C. RUIZ und ALBERT VALÈNCIA entscheiden sich – vermutlich auch des Budgets wegen – für eine seichtere Gangart. Das bedeutet, dass selten fiese Gewalteinlagen auf der Leinwand zelebriert werden. Stattdessen wird weggeblendet, wenn es ans Eingemachte geht. Eine Kamerafahrt über abgesägte Beine ist der Höhepunkt dieses spanischen Slasher-Flicks und macht den technisch souverän abhandelten SANT MARTÍ dann eher zu einem austauschbaren Horrorfilm über den Morgen schon niemand mehr sprechen wird. Schade!
 
 
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SANT MARTÍ – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Die katalonische Antwort auf Bays Remake zum legendären TEXAS CHAINSAW MASSACRE. SANT MARTÍ ist eine professionelle Produktion aus Spanien, die atmosphärisch gut vorlegt, aber inhaltlich nichts wagt. Das bedeutet, dass die Newcomer DAVID C. RUIZ und ALBERT VALÈNCIA weder frischen Wind in das mittlerweile angestaubte Backwood-Horror-Genre bringen, noch in Sachen Gewalt neue Maßstäbe setzen. Was folgt, ist Hinterwälder-Horror nach Schema F. Immerhin bringen einige überspitzte Anspielungen auf das ländliche Katalonien hin und wieder zum Schmunzeln. Muss man dennoch nicht unbedingt gesehen haben.
 
 
 


 
 
 

SANT MARTÍ – Zensur

 
 
 
SANT MARTÍ hält sich für einen Backwood-Slasher in Sachen Gewalt sehr zurück. Meist bekommt man nur das Resultat eines Mordes zu sehen oder die Kamera blendet weg, wenn es zu blutig wird. Das dürfte der hiesigen FSK gefallen. SANT MARTÍ dürfte in der ungeschnittenen Form einen roten FSK-Flatschen erhalten. Hierzulande hat sich das Label I-ON NEW MEDIA die Rechte für eine deutsche Auswertung gesichert.
 
 
 


 
 
 

SANT MARTÍ – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Black Mandala | I-ON NEW MEDIA)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
What the Waters Left Behind (2017)
 
Escape from Cannibal Farm (2017)
 
Leatherface – The Source of Evil (2017)
 
Inbred (2011)
 

Filmkritik: „México Bárbaro 2 – In Blut geschrieben“ (2017)

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MÉXICO BÁRBARO 2 – IN BLUT GESCHRIEBEN

(MÉXICO BÁRBARO 2)

Story

 
 
 

„México Bárbaro 2“ bedient den Zuschauer mit acht weiteren Kurzfilmen, die sich mexikanischen Legenden verschrieben haben und inhaltlich sehr verschieden ausgefallen sind.

 
 
 


 
 
 

MÉXICO BÁRBARO 2 – Kritik

 
 
 
„México Bárbaro 2 – In Blut geschrieben“ sprang auf die beliebte Horrorfilm-Anthologie-Welle auf, als diese Filme gerade sehr beliebt waren, wurde in Deutschland aber erst einige Jahre später veröffentlicht. Deshalb hat es nun auch nicht lange gedauert, bis man hier den zweiten Teil serviert bekommt, der auch schon aus dem Jahre 2017 stammt. Dem Stil ist man treu geblieben. Erneut gibt es acht Kurzfilme von neun verschiedenen Regisseuren zu sehen und wieder haben diese miteinander natürlich nichts zu tun, außer dass sie angebliche mexikanische Legenden erzählen. Das darf teilweise stark bezweifelt werden und leider hat man sich erneut nicht die Mühe für eine Rahmenhandlung gemacht. Nun war der erste Teil schon absolut kein Highlight, aber „México Bárbaro 2“ gelingt eine qualitative Steigerung und besitzt zumindest keinen Totalausfall.
 
 
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Nach einem kurzen Vorspann geht es auch gleich los mit der ersten Geschichte „Juan the Soldier„. Hier geht es um einen unschuldigen Soldaten, der hingerichtet wird und dann einen Pakt mit dem Teufel eingeht. Die Wüsten-Kulisse lässt immerhin etwas mexikanischen Flair entstehen, die Schauspieler sind in Ordnung und filmisch ist das durchaus solide gemacht. Leider gibt es kaum eine Pointe und Effekte werden einem auch kaum geboten. So beginnt „México Bárbaro 2“ mit einem durchschnittlichen Beitrag, der aber nach ca. 10 Minuten auch schon wieder vorbei ist.
 
 
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Weiter geht es mit „Paidos Phobos„, dem schwächsten Beitrag der Sammlung. Der Kurzfilm ist recht ruhig aufgemacht und versucht Atmosphäre aufzubauen, bietet im Endeffekt aber eigentlich gar keinen Horror, auch keinerlei Splatter und so werden selbst die ca. 10 Minuten Laufzeit etwas langatmig. Außerdem ist der Twist von Anfang an ziemlich vorhersehbar.
 
 
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Mit dem dritten Beitrag „Potzonalli“ gelingt die Steigerung. Abermals sind religiöse Motive mit im Spiel, aber hier wird das Ganze noch mit Kannibalismus gepaart. Rein thematisch ist das etwas derber und erstmals gibt es hier auch ein paar blutigere Szenen. Außerdem ist der Humor recht eigenwillig und das Ende durchaus interessant. Man kann sich ganz gut unterhalten lassen, wird jedoch nicht vom Hocker gehauen.
 
 
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Das Niveau bleibt auch mit „Fireballs“ auf einem erträglichen Level. Nun geht es um zwei junge Typen, die einen Home-Porno drehen wollen. Nur geraten sie da an die falschen Frauen. Man könnte darin sogar ein wenig Kritik an der Pornobranche erkennen. Allerdings ist die Aufmachung äußerst albern und gewöhnungsbedürftig. Die Inszenierung wirkt aber wenigstens recht experimentell und das Ende ist ganz witzig, weshalb auch dieser Beitrag relativ sehenswert ist.
 
 
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Das Highlight folgt mit „Vitriol„. Hier geht es durchaus ernster zur Sache. Die Atmosphäre ist unangenehm und obwohl man eigentlich gar keinen Horror zu sehen bekommt, entsteht hier eine dichte Atmosphäre, was wohl auch am Aufbau liegt, der in drei Kapitel unterteilt ist. Es gibt nahezu keine Gewalt zu sehen und dennoch fühlt man sich leicht in den Bann gezogen, weil dieser Kurzfilm einfach gut gemacht ist.
 
 
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Ähnliches kann man zum sechsten Beitrag „Do not sleep“ sagen. Die Story, in der es um ein Kind und um Monster geht, wurde doch recht eigenständig umgesetzt. Leider wartet man zwar weiterhin vergeblich auf Splatter, aber zu der ruhigen Aufmachung hätte das auch gar nicht gepasst. Der Beitrag kann unterhalten und enttäuscht dann am Ende nur mit einer schwachen Pointe, die eigentlich gar keine ist.
 
 
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Mit „It’s about time“ wird es wieder deutlich humorvoller. Hier betreiben zwei Girlies eine Teufelsbeschwörung mit nicht so angenehmen Folgen. Das nimmt sich nicht ernst und setzt eher auf Fun-Splatter. Schade, dass man nicht noch etwas mehr die Sau herausgelassen hat, denn hier wäre das durchaus angebracht gewesen. Leider sind auch die Effekte nicht ganz so toll und erbrochenes CGI-Blut sieht wirklich furchtbar aus. Trotzdem ist der Beitrag ganz witzig und angenehm simpel.
 
 
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Den Abschluss macht dann „Exodontia„. Hier verbindet man die Welt der Drogen mit ein paar SM-Szenen, was rein stilistisch wirklich gut gemacht wurde. Außerdem ist dies einer der wenigen Beiträge, die doch härter ausgefallen sind. Zumindest ist die Atmosphäre dreckig und düster. Es gibt einen schön verstörenden Sound, aber da es wieder so gut wie keine sichtbare Pointe gibt, ist man am Ende trotzdem nicht vollkommen zufrieden.
 
 


 
 
 

MÉXICO BÁRBARO 2 – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Wie schon dem ersten Teil, mangelt es auch „México Bárbaro 2 – In Blut geschrieben“ vor allen Dingen an Nachhaltigkeit. Die Stories sind einfach selten wirklich clever und meistens relativ stumpf, haben mit Mexiko im Allgemeinen nicht so viel zu tun, aber trotzdem konnte man sich steigern. Bei acht verschiedenen Kurzfilmen, die im Durchschnitt nur zehn Minuten Laufzeit besitzen, kann es zumindest nicht zur großen Langeweile kommen und da die meisten Beiträge sich tatsächlich leicht über dem Durchschnitt einpendeln, ist man über die Sichtung am Ende auch nicht so enttäuscht. Die handwerkliche Arbeit ist meistens durchaus brauchbar, über die Darsteller kann man sich nicht beklagen und selbst die deutsche Synchronisation ist solide (auch wenn gar nicht so viel gesprochen wird). Außerdem sind die Stimmungen sehr verschieden. Mal geht es düster und mal auch eher humorvoll zur Sache. Nur der richtige Horror bleibt meistens aus und die große Splattergranate sollte hier auch niemand erwarten. Fans der Horrorfilmanthologie können auf jeden Fall mal ein Blick riskieren, denn „México Bárbaro 2“ bietet im Endeffekt zwar nichts Besonderes, ist aber doch ganz kurzweilig und definitiv besser, als der erste Teil!
 
 
 


 
 
 

MÉXICO BÁRBARO 2 – Zensur

 
 
 
Die deutsche Kaufhausfassung von „México Bárbaro 2 – In Blut geschrieben“ mit dem roten FSK-Sticker im KeepCase (DONAU FILM) ist geschnitten. Wer den Streifen unzensiert sehen möchte, muss zum Mediabook von WICKED VISION MEDIA greifen.
 
 
 


 
 
 

MÉXICO BÁRBARO 2 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Donau Film (KeepCase – geschnittene Fassung)

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(c) Wicked Vision Media (limitiertes Mediabook – Cover A – auf 222 Stück limitiert)

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(c) Wicked Vision Media (limitiertes Mediabook – Cover B – auf 222 Stück limitiert)

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(c) Wicked Vision Media (limitiertes Mediabook – Cover C – auf 222 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: México Bárbaro 2; Mexiko 2017

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1), Spanisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 83 Minuten (geschnittene Fassung) | 87 Minuten (ungeschnittene Fassung)

FSK: keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung ) | ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover (cut) | Mediabook (uncut)

Extras: KeepCase: Trailer, Bildergalerie | Mediabook: 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Christoph N. Kellerbach, „Hinter den Kulissen“-Featurettes, Deutscher Trailer Teil 1 und 2, Originaltrailer Teil 1 und 2, Bildergalerie, Hauptfilm auf DVD

Veröffentlichung: KeepCase: 29.11.2019 | Mediabook: 29.11.2019

 
 

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MÉXICO BÁRBARO 2 – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei Rawside Entertainment | Donau Film | Wicked Vision Media)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
México Bárbaro (2014)
 
A Night of Horror: Nightmare Radio (2019)
 
Stories Of The Dead – Die Farm (2019)
 
The ABCs of Death (2012)
 
Holidays (2016)
 
Tales of Halloween (2015)
 
V/H/S Viral (2014)
 
Southbound (2015)
 
Monsterland (2016)
 
P.O.E. Project of Evil (2012)
 
5 Senses of Fear (2013)
 
 

Filmkritik: „Quiet Comes the Dawn“ (2019)

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QUIET COMES THE DAWN

(RASSVET)

Story

 
 
 

Neues Gruselfutter von den Produzenten des russischen Gruselstreifens THE BRIDE. Eine junge Frau erlebt in ihren Träumen den Albtraum auf Erden.

 
 
 


 
 
 

QUIET COMES THE DAWN – Kritik

 
 
 
Träume sind etwas Wunderbares – zumindest wenn man nicht gerade Protagonist in einem Horrorschocker ist. Dort verwandeln sich Träume nämlich schnell mal in Albträume und bringen die Helden jener Filme direkt in Teufels Küche. Bestes Beispiel: die Horror-Reihe rund um Traumdämon FREDDY KRUEGER. Letzterer fand einen kreativen Weg, um Schaden anrichten zu können. Statt aus der Hölle, dem Jenseits oder Parallelwelten Unruhe zu stiften, entpuppte sich der von WES CRAVEN erschaffene Bösewichte als erfinderischer Schurke. Der suchte seine Opfer in deren Träumen heim und machte sie dort einen Kopf kürzer. Auf so eine Idee muss man als Serienkiller erst einmal kommen.
 
 
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Das ist offenbar Stoff, der auch in Russland gefällt. QUIET COMES THE DAWN (Originaltitel: RASSVET) ist nämlich bei näherer Betrachtung ein weiterer, nicht unbedingt guter Aufgruß des beliebten Kultfilms A NIGHTMARE ON ELM STREET – nur ohne Pizzagesicht FREDDY KRUEGER. Darin geht es um die Geschwister Sveta und Anton, die früh die Mutter bei einem Autounfall verloren haben. Ein tragischer Schicksalsschlag, der sich bald wiederholt. An Svetas Geburtstag nimmt sich der geliebte Bruder ganz unerwartet das Leben und springt aus dem Fenster. Offenbar litt Anton unter schrecklichen Albträumen, die bald auch Sveta plagen. Steckt dahinter etwa ein Schema? Das will die junge Frau herausfinden. In einem Institut forscht man zum Thema Schlaf und schlägt der Leidgeplagten vor, an einer kollektiven Schlaftherapie teilzunehmen. Hierbei werden alle Probanten in einem gemeinschaftlichen, bewussten Traum versetzt und irren bald durch eine unheimliche Traumwelt, wo Ängste bittere Realität werden.
 
 
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Außen hui, innen pfui. QUIET COMES THE DAWN schielt gut und gerne mal nach Amerika, wo ästhetische Horrorfilme am Fließband produziert werden. Demnach schaut diese russische Produktion alles andere – nur nicht russisch aus. Zu aalglatten Bildern gesellen sich attraktive Jungdarsteller, die durch teils schaurig ausgeleuchtete Flure schleichen und so für laute Schockmomente sorgen. Alles gut und schön. Nur wo hat sich die Story versteckt? QUIET COMES THE DAWN ist ein undurchsichtiger Wirrwarr an Ideen, die haltlos einandergekleistert wurden und kaum Sinn ergeben wollen. Die Handlung kommt nicht richtig in Schwung und je näher sich der Gruseltrip dem Ende nähert, umso konfuser werden die Geschehnisse. Da werden Protagonisten hypnotisiert und durchleben zusammen einen gemeinsamen Traum. Weil das zu unspektakulär zu sein scheint, wird von Verwirrungstaktik Gebrauch gemacht. Die Folge: Realität und Traumwelt verschmelzen. Ist das, was gerade passiert real oder befinden sich die Protagonisten immer in der Welt der Träume. Eine berechtigte Frage, denn je näher sich QUIET COMES THE DAWN der Zielgerade nähert, umso undurchsichtiger wird diese russische Produktion. Da bleiben ratlose Gesichter zurück, zumal Rechteinhaber EUROVIDEO MEDIEN kein aufschlussreiches Bonusmaterial mit auf die deutsche Heimkinoveröffentlichung gepackt hat. Demnach muss auf klärende Audiokommentare oder einleuchtende Making-ofs verzichtet werden. Die hätten möglicherweise Licht ins Dunkel bringen können.
 
 
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QUIET COMES THE DAWN – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Atmosphärisches Verwirrspiel zwischen Traum und Wirklichkeit. QUIET COMES THE DAWN punktet in Sachen Atmosphäre. Ein unverzichtbares Element, auf das man in Horrorfilmen nicht verzichten kann. Was aber bitter aufstößt, ist die uninteressant aufbereitete Geschichte. Verschiedene Probanten einer Schlaftherapie werden in Schlaf versetzt und befinden sich gemeinsam in einem gleichen Traum. Dort werden sie mit ihren Ängsten konfrontiert und sogar von einem Dämon mit brennendem Gesicht verfolgt. Als wäre das nicht alles schon reißerisch genug, kommt auch noch eine Sekte ins Spiel. Klingt eigentlich nach spannender Genre-Ware. Wie das aber alles an den Zuschauer gebracht wurde, ist quälend langweilig und dazu noch wirr. Daher bleibt nur zu erwähnen, dass es bessere Filme über unheimliche Träume gibt. A NIGHTMARE ON ELM STREET, THE DROWNSMAN und DREAM DEMON gehören dazu – um nur einige zu nennen.
 
 
 


 
 
 

QUIET COMES THE DAWN – Zensur

 
 
 
QUIET COMES THE DAWN hat kaum Gewalt zu bieten. Hier regiert eher der psychologische Horror. Demzufolge hat der Streifen in Deutschland auch eine FSK16 erhalten. Die Filmfassung auf Blu-ray und DVD ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

QUIET COMES THE DAWN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Eurovideo Medien (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Rassvet; Russland 2019

Genre: Horror, Thriller, Mystery, Grusel

Ton: Deutsch (DTS-HD MA 5.1), Russisch (DTS-HD MA 5.1)

Untertitel: Keine

Bild: 2.39:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: FSK16

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 30.01.2020

 

Quiet comes the Dawn [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 
 


 
 

QUIET COMES THE DAWN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Eurovideo Medien)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dream Demon – Der Traumdämon (1980)
 
Nightmare – Mörderische Träume (1984)
 
Nightmare II – Die Rache (1985)
 
Nightmare – Schlaf nicht ein! (2017)
 

Filmkritik: „The Pool“ (2018)

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THE POOL

(NAROK 6 METRE)

Story

 
 
 
Der bessere CRAWL: In diesem Film fallen zwei junge Leute in einen riesigen Pool und kommen nicht mehr heraus. Hinzukommt, dass sie dort auch noch Gesellschaft mit einem Krokodil machen müssen.

 
 
 


 
 
 

THE POOL – Kritik

 
 
Thriller, die auf begrenztem Raum spielen, erfreuen sich seit einigen Jahren großer Beliebtheit. Einige derer haben sich hierbei zum Geheimtipp gemausert, was einmal mehr beweist, dass es nicht unbedingt teuren Sets oder computeranimierten Galaxien bedarf, um einem Film wahre Größe zu verleihen. So wurden Genre-Produktionen wie BURIED oder PANIC ROOM mit viel Lob überschüttet. Die nutzten allein eine verzwickte Situation dafür aus, um daraus eine spannende Geschichte auf wenigen Quadratmetern zu erzählen. Eine Erfolgsformel, die man offenbar auch in Thailand kennt. Von dort stammt der ultraspannende THE POOL. Auch hier kam man auf die Idee einen Film bewusst in einem begrenzten Raum anzusiedeln. Was daraus entstanden ist, ist nicht minder schweißtreibend.
 
 
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Irgendwie hat Day (THEERADEJ WONGPUAPAN – war schon als Achtjähriger in Kinofilmen zu sehen) so gar kein Glück. Erst macht Freundin Koi (RATNAMON RATCHIRATHAM) Scherze und schockiert ihn mit einer möglichen Schwangerschaft. Wenig später wird das Set eines Schwimmbad-Mode-Shootings geräumt und er schläft auf einer Luftmatratze ein. Wo ist da das Problem? Ganz einfach: Die Luftmatratze treibt auf dem Wasser eines Pools, aus dem es bald kein Entkommen mehr gibt. Jemand hat das Wasser abgelassen und nicht daran gedacht einen Leiter in das tiefe Schwimmbecken zu stellen. Nun kommt der attraktive Mittzwanziger nach dem Schönheitsschlaf nicht mehr heraus und gerät in Panik. Die ist auch gerechtfertigt, denn ein Krokodil verirrt sich ebenfalls in den Swimmingpool und ist alles andere – nur nicht entspannt. Gut, dass Freundin Koi mal nach dem Rechten sieht. Die denkt nicht nach, nimmt Anlauf und springt ebenfalls in das langsam absinkende Wasser des Pools. Da sitzen nun beide in der Falle.
 
 
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Herje, ist das fies. Damit ist nicht unbedingt das Krokodil im Film gemeint. Weitaus zynischer sind da schon die Ideen von Regisseur und Drehbuchautor PING LUMPRAPLOENG, der offenbar richtigen Spaß daran hat, seine zwei Protagonisten in jedes Fettnäpfchen treten zu lassen. Egal, was die unternehmen, um irgendwie aus ihrem Gefängnis zu kommen – sie werden daran gehindert. Das mutet oftmals konstruiert an, versorgt THE POOL aber mit reichlich Adrenalin. So werden nicht nur das Reptil und die Hitze zum Problem. Auch fehlende Medikamente und der Hunger selbst bringen die beiden Helden bald an ihre Grenzen. Probleme über Probleme und keine Hilfe in Sicht. Ob man so was überleben kann?
 
 
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Genau diese Frage ist Filmemacher PING LUMPRAPLOENG egal. Der stattet seinen gemeinen Überlebensthriller mit jeder Menge Wendungen aus, um die Spannung zu halten. Angesichts des beschränkten Sets eine gute Idee, denn THE POOL hat außer zwei Protagonisten, ein paar Fließen und einem Krokodil nicht unbedingt viel, um Eindruck zu hinterlassen. Somit muss aus begrenzten Mitteln das Maximum geholt werden. Dabei ist das Krokodil nicht der Hauptfokus. Stattdessen stehen kleine Nebenquests im Mittelpunkt. Da wird versucht, ein Handy und eine Insulinspritze vom Beckenrand zu angeln. In einer anderen Szene ertrinkt Freundin Koi fast im Zuge strömenden Regens und muss irgendwie gerettet werden. Wenig Set, aber ziemlich viel los – langweilig wird es demnach nicht.
 
 
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THE POOL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Nicht immer helle – aber spannend wie Sau. Der thailändische THE POOL ist ein ästhetischer Mix aus Überlebensthriller und Tier-Horror, der beinahe schon sarkastisch mit seiner Ausgangssituation spielt. Zwei nicht sonderlich clevere Protagonisten fallen in ein riesiges Schwimmbecken und kommen nicht mehr heraus. Als wäre das nicht schon schrecklich genug, schnappt ein nicht immer glaubwürdig animiertes Reptil ab und an zu. Gut, das Budget muss überschaubar gewesen sein, denn einige CGI-Spezialeffekte muten billig an. Doch das ist nicht weiter tragisch. THE POOL besitzt genügend Drive, um sich über diese Kleinigkeiten nicht zu lange den Kopf zerbrechen zu müssen. Drehbuchautor und Regisseur PING LUMPRAPLOENG legt ein derartiges Tempo mit THE POOL an den Tag, dass der Zuschauer kaum Zeit zum Verschnaufen oder Nachdenken hat. Darauf kommt es letztendlich an, denn niemand mag langweilige Horrorfilme.
 
 
 


 
 
 

THE POOL – Zensur

 
 
 
THE POOL hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Diese Freigabe ist gerechtfertigt, denn außer einen abgerissenen Fingernagel, einen unangenehmen Sturz mit dem Kopf auf ein Sprungbrett und ein gebrochenes Bein hat THE POOL kaum Gewaltmomente zu bieten. Wer denkt, es werden blutige Fressszenen mit einem Krokodil zelebriert, wird enttäuscht werden.
 
 
 


 
 
 

THE POOL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Busch Media Group (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Pool; Thailand 2018

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Thailändisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 17.01.2020

 

The Pool [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE POOL – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Busch Media Group)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Crawl (2019)
 
Black Water (2007)
 
Burning Bright – Tödliche Gefahr (2010)
 
The Breed (2006)
 

Filmkritik: „Belzebuth“ (2017)

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BELZEBUTH

Story

 
 
 

Eine Reihe schrecklicher Morde an Kindern bringt einen Special Agent an seine Grenzen.

 
 
 


 
 
 

BELZEBUTH – Kritik

 
 
 
Wenn der Name von Schauspieler TOBIN BELL auf einem Filmplakat zu lesen ist, läuten bei Filmkennern die Alarmglocken. Das muss heftige Filmunterhaltung werden, die sich vor allem durch eines auszeichnet: Gewalt. Der Darsteller hat sich nämlich seit den 2000ern mit der Rolle als JIGSAW in der brutalen SAW-Filmreihe ein Denkmal gesetzt. Seither wird er ausschließlich mit diesen Horrorschockern in Verbindung gebracht. Dabei wird völlig vergessen, dass der Amerikaner in den 1980ern und 1990ern ganz andere Filme gemacht hat, die hochkarätig besetzt waren. Darunter Hollywood-Produktionen wie DIE FIRMA oder GOOD FELLAS. Leider wird Bell gleiches Schicksal zuteil, wie vielen Schauspielern zuvor, die zu oft in derselben Rolle zu sehen waren. Es gelingt nicht mehr aus dem Kreislauf auszubrechen und Angebote für seriöse Filme anderer Genres zu erhalten. Deshalb muss man nehmen, was kommt. Für Bell bedeutet das: neue SAW-Fortsetzungen oder Auftritte in günstigen Horrorproduktionen. Daher folgt nun nach SAW, DARK HOUSE und THE SANDMAN ein weiterer Horrorfilm. Der nennt sich BELZEBUTH, entstand in Mexiko und ist gar nicht übel. Offenbar sah das auch der amerikanische Streaminganbieter SHUDDER so und krallte sich gleich die Rechte des Thrillers.
 
 
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Special Agent Emanuel Ritter ist mit seinem Leben rundum zufrieden. Die Arbeit bei der Polizei ist interessant und auch privat läuft es perfekt. Da kommt es plötzlich zu einer grausamen Mordserie an der Grenze zwischen den USA und Mexiko, die selbst dem erfahrenen Gesetzeshüter an die Nieren gehen. Bei den Opfern handelt es sich nämlich um Kinder, die auf schreckliche Art ihr Leben lassen müssen. Darunter der eigene Nachwuchs des Polizeibeamten. Doch wer ist nur zu solchen Taten fähig? Offenbar übernatürliche Mächte. Das zumindest behauptet ein Vertreter des Vatikans, der in den Morden die Handschrift des alttestamentarischen heidnischen Dämons Beelzebub sieht. Ist da was Wahres dran? Man macht bald gemeinsame Sache und kommt so einem Strippenzieher auf die Spur, der mit allen Wassern gewaschen ist.
 
 
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Wie gewinnt man Horrorfilmzuschauer? Natürlich mit Schockwirkung. So beginnt BELZEBUTH direkt mit schrecklichen Szenen, die sich ins Gedächtnis einbrennen und das Kopfkino aktivieren. Wir sehen, wie eine Krankenschwester unzählige Säuglinge einer Geburtenstation abschlachtet. Außer ein paar Blutspritzern, Geschrei und Chaos ist nichts zu erkennen. Dennoch macht sich ein beklemmendes Angstgefühl breit. Doch das ist noch lange nicht die Spitze des Eisbergs. Es folgen weitere Massaker an unschuldigen Kindern. So sehen wir in einer anderen Szene, wie ein Junge seine Mitschüler in einer Grundschule hinrichtet. Verstörende Gewalt, die in einem weiteren Massenmord gipfelt. Die Putzfrau einer Schwimmhalle handelt von Sinnen. Die schnappt sich diverse Stromkabel und springt in ein Becken planschender Kinder. Gewalt als Mittel zum Selbstzweck. Regisseur EMILIO PORTES weiß wie viel gezeigt werden muss, ohne gleich die Splatterkeule schwingen zu müssen, damit aber trotzdem vor den Kopf stößt. Die Aufmerksamkeit des Publikums ist ihm damit gewiss.
 
 
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In der Tat sitzt man gefesselt vor der Glotze und will wissen, wer für die Taten verantwortlich zeichnet. Terroristen? Ein hasserfüllter Serienkiller? Eine Sekte? Atmosphäre und Spannungsaufbau sind beachtlich. Der Zuschauer folgt einigen Polizisten, die bei ihren Recherchen immer weiter in einen Strudel von Umständen gezogen werden, der sie am Ende in große Gefahr bringt. Der Ton ist rau, die Stimmung düster. Die Hölle allgegenwärtig. Leider kommt BELZEBUTH in der Halbzeit vom rechten Weg ab. Während der Film in der ersten Stunde um Spannung und Atmosphäre bemüht ist, platzen die Geheimnisse sprichwörtlich in der zweiten Hälfte aus ihm heraus. Plumpe Antworten, generische Abläufe, verworrene Handlungsstränge. Regisseur EMILIO PORTES opfert seinen interessanten Genre-Beitrag zugunsten kommerziellen Horrorkinos und verrennt sich zu sehr im totgefilmten Okkult-Fach. Da dürfen Exorzismusszenen ebenso wenig fehlen, wie Dämonengeplapper und plakative Effektemacherei. Die Kamera hält vehement drauf und die anfangs zelebrierte Subtilität mit dem effektiven Kopfkino wird kurzerhand über Bord geworfen. Ärgerlich.
 
 
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BELZEBUTH – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Finchers SIEBEN trifft auf Friedkins DER EXORZIST. Der mexikanische Horrorfilm BELZEBUTH ist eine Granate in Sachen Atmosphäre. Der Zuschauer wird schnell in ein düsteres und ungemütliches Szenario gezerrt, das zum beunruhigendsten gehört, was man in letzter Zeit auf der Mattscheibe hatte. Dabei ganz stark: die erste Hälfte dieses Horrorthrillers. Schreckliche Morde, viele Rätsel und jede Menge Fragen. Dazwischen Kopfkino purr. So hätte es weitergehen können. Regisseur EMILIO PORTES entscheidet sich aber für einen anderen Weg und will lieber konventionell weiter machen. Viel Geschrei, plakative (teils doofe) Effekte und generische Handlungsverläufe sind die Folge. Damit schlittert BELZEBUTH haarscharf am Geheimtipp vorbei. Trotzdem ist BELZEBUTH immer noch ein sehr spannender Horrorfilm mit einem charismatischen TOBIN BELL – diesmal mit übertriebenen Tattooschmuck und langem Bart.
 
 
 


 
 
 

BELZEBUTH – Zensur

 
 
 
Die Gewaltszenen in BELZEBUTH sind heftig. Da werden Kinder ermordet. Wer aber jetzt denkt, dass die Grausamkeiten detailliert zelebriert werden, wird enttäuscht. Die Kamera blendet weg. Meist sieht man nur etwas Blut an Wände oder in Gesichter spritzen. Trotzdem sind die Reaktionen der Beobachter und die Schreie heftig. Weiterhin kommt in der zweiten Filmhälfte etwas Splatter zum Einsatz. Mit etwas Glück dürfte es für BELZEBUTH eine FSK16 geben.
 
 
 


 
 
 

BELZEBUTH – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Videocine / Pastorela Peliculas)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sieben (1995)
 
Speak no Evil (2013)
 
Sinister (2012)
 
Bereavement – In den Händen des Bösen (2010)
 

Filmkritik: „Villains“ (2019)

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VILLAINS

Story

 
 
 

Die Horror-Version von Bonnie- und Clyde. Zwei Ganoven kommen auf ihrer Reise nach Florida hinter das Geheimnis eines gestörten Ehepaares.

 
 
 


 
 
 

VILLAINS – Kritik

 
 
 
Wenn zwei Schauspieler gemeinsam in einem Genre-Werk zu sehen sind, die zuletzt durch gefeierte Horrorfilme aufgefallen sind, macht das neugierig. Zeichnen dann auch noch Leute auf dem Regiestuhl für genau dieses filmische Schaffen verantwortlich, die sich mit dem Schreiben, Produzieren und Regieführen von Horrorfilmen einen Namen machen konnten, werden Horrorfilmkenner nicht unbegründet hellhörig. DAN BERK und ROBERT OLSEN sind Freunde und haben schon einiges an Grauen auf die Leinwand gebracht. Die beiden Filmemacher hegen eine große Leidenschaft für ungemütliche Unterhaltung und inszenierten Horrorfilme wie BODY oder VAMPIRE NATION – BADLANDS, die sich mit menschlichen Abgründen beschäftigt haben. Regie-Arbeit Nummer drei macht da keine Ausnahme. VILLAINS (übersetzt: Schurken) nennt sich der Spaß und durchforstet einmal mehr das Böse im Menschen. Dafür konnte man zwei gefragte Darsteller engagieren: MAIKA MONROE (aus IT FOLLOWS) und BILL SKARSGÅRD. Letzterer erhielt viel Lob als Pennywise im Remake des Stephen-King-Klassikers ES und wechselt für VILLAINS die Fronten. Statt auf der dunklen Seite zu kämpfen, probiert er es nun als Held. Kein leichtes Unterfangen, assoziiert man den schwedischen Schauspieler immer wieder mit dem grausamen Spaßmacher aus der Neuverfilmung des King-Romans.
 
 
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Ein zynischer Mix aus DON’T BREATHE und ARIZONA JUNIOR, der virtuos mit der Frage spielt, wer in diesem Film denn nun eigentlich der Bösewicht ist. Jules (MAIKA MONROE) und Mickey (BILL SKARSGÅRD) sind ineinander bis über beiden Ohren verliebt und mit dem Gesetz auf Kriegsfuß. Die pfeifen auf Recht und Ordnung und ziehen plündernd durchs Land. An einer Tankstelle hofft man auf fette Beute. Die überfällt man kurzerhand, nur um anschließend feststellen zu müssen, dass man statt Geld hätte besser Benzin stibitzen sollen. Da strandet man nun irgendwo in der Einöde mit dem Auto und guter Rat ist teuer. Doch ein abgelegenes Haus lässt auf Hilfe hoffen. Leider sind die Eigentümer nicht Zuhause, was die Kleinkriminellen dazu veranlasst im Anwesen nach Benzin zu suchen. Doch man wird nicht fündig. Stattdessen entdeckt man im Keller etwas, das den Verliebten das Blut in den Adern gefrieren lässt. Ein kleines Mädchen sitzt angekettet auf dem Boden und scheint verwirrt zu sein. Dazu hat es auch allen Grund. Das Heim gehört einem seltsamen Pärchen, mit dem nicht gut Kirschen essen ist. Eine Einsicht, zu der unsere Einbrecher bald selbst kommen. Kaum vom Schock erholt, treffen die Hauseigentümer Zuhause ein. Da sitzen Jules und Mickey in der Falle.
 
 
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Irgendwie mangelt es diesem vierköpfigen Kammerstück an Boshaftigkeit. Ja, die eigensinnigen Bewohner dieser morschen Hütte ticken nicht richtig. Doch das hat man zuvor schon einige Male gesehen. Filme wie DAS HAUS DER VERGESSENEN oder DARK PARADISE haben gezeigt, dass sich hinter der Fassade vermeintlich anständiger Menschen nicht selten das personifizierte Böse verbirgt. Leider ist aber die Idee von gestörten Familien, die in den eigenen vier Wänden eigenartige Dinge veranstalten, nicht mehr ganz so frisch. Eine Tatsache, die auch im Falle von VILLAINS bitter aufstößt. Die schwarze Horrorkomödie hat zwar gute Schauspieler zu bieten, zeigt aber nichts, was man nicht schon dutzende Male in dieser Art von Filmen zu sehen bekommen hat. So spielt das Böse auch in diesem Streifen mit seinen Opfern. Letztere müssen einen Weg aus ihrem Gefängnis finden und decken gleichzeitig ein dunkles Geheimnis auf, das das kranke Duo im Film nicht unberechtigt vor der Außenwelt versteckt hält. Ein vertrauter Ablauf also, der von permanenter Unentschlossenheit begleitet wird.
 
 
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VILLAINS kann sich nicht so recht entscheiden, was er denn nun eigentlich sein will. Die in Brooklyn lebenden Regisseure und Drehbuchautoren DAN BERK und ROBERT OLSEN wollen ihren Film in keine Schublade stecken. Ständig pendelt die Handlung zwischen unbequemer Ernsthaftigkeit und schwarzem Humor, was zwangsläufig die Frage in den Raum wirft, was das denn hier alles soll. VILLAINS wirkt wie die filmische Adaption eines düsteren Cartoons. Dennoch: Für eine Komödie ist Gezeigtes zu ernst, für Horror zu lustig. Das irritiert, zumal sich der Streifen auch zu geschwätzig gibt und richtige Höhepunkte missen lässt. So kommt es zu Fluchtversuchen, die scheitern und Wendungen, die einzig den Nutzen haben das Geheimnis zu verschleiern, das die bösen Hauseigentümer umgibt. Selbst das ist nicht sonderlich spektakulär. Eine enttäuschende Angelegenheit – vor allem auch deshalb, weil VILLAINS den Mut scheut, mal so richtig böse zu sein. Der Film versucht erst gar nicht, aus seinem seichten Gefängnis auszubrechen. Keine fiesen Kills, keine heimtückischen Schocks. Eine Folge der RTL-Vorabendserie UNTER UNS ist nervenaufreibender.
 
 
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In Interviews erklärten die Macher hinter VILLAINS, wie es zum Film kam. Die hatten 2015 mit gerade einmal 50.000 US-Dollar einen kleinen, aber feinen Thriller namens BODY gedreht, der auf Festivals gut ankam. Umso inniger der Wunsch, einen größeren Film ähnlicher Art zu inszenieren, der das doppelte an Budget verschlingen sollte. So entstand das Drehbuch zu VILLAINS für das man aber von Produzenten den Rat erhielt, besser mit der filmischen Umsetzung zu warten, da der Genre-Mix mehr Kapital und talentierte Schauspieler benötigen würde. Ein Ratschlag, den die Regisseure DAN BERK und ROBERT OLSEN beherzigten. Die drehten daher erst einmal den bierernsten Vampir-Survival-Horror VAMPIRE NATION – BADLANDS und lernten während der Arbeit, wie es ist ein umfangreiches Projekt mit großem Budget zu steuern. Genau diese Erfahrung kommt nun VILLAINS zugute. Zumindest hier erweckt nichts den Eindruck, dass es sich immer noch um Indie-Kino handelt.
 
 
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VILLAINS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Wenn das Psycho-Paar aus TRUE ROMANCE auf das Killer-Duo aus NATURAL BORN KILLERS stößt. Wir sind Horrorfilmfans und mögen es ab und an etwas leichter. Da kann auch gern einmal der Kopf ausgeschaltet und sinnlose Gewalt auf der Mattscheibe zelebriert werden. Etwas, für das VILLAINS prädestiniert gewesen wäre. Ein krankes Ehepaar pfeift auf Moral und veranstaltet weit krankere Dinge hinter verschlossenen Türen. Quasi so etwas wie Familie Firefly aus DAS HAUS DER 1000 LEICHEN oder die Familiensippe aus dem legendären TEXAS CHAINSAW MASSACRE. Was VILLAINS zelebriert, ist aber weit weg von all dem. Beinahe schon brav, wird hier das Geheimnis zweier durchgeknallter Psychos ergründet. Die haben im Keller ihres Hauses ein kleines Mädchen angekettet und veranstalten auch sonst komische Dinge in den eigenen vier Wänden. Mit schwarzem Galgenhumor, bissigen Dialogen und beinahe schon comicgleichen Unterton versucht man das Interesse des Publikums zu gewinnen. Uns war’s leider zu seicht. Wir sind uns aber sicher, dass dieser kurvenreiche, düstere und scharfkantige Comic-Thriller trotzdem seine Fans finden wird.
 
 
 


 
 
 

VILLAINS – Zensur

 
 
 
VILLAINS ist in Sachen Gewalt eher harmlos. Erst am Ende wird einer der Protagonisten in den Filmhimmel geschickt. Wegen der doch etwas bedrohlichen Atmosphäre dürfte VILLAINS hierzulande aber dennoch erst für sechzehnjährige Zuschauer geeignet sein.
 
 
 


 
 
 

VILLAINS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Ones Below – Das Böse unter uns (2015)
 
Haus der Vergessenen (1991)
 
Mum & Dad (2008)
 
Don’t Breathe (2016)
 
Dark Paradise (1988)
 

Filmkritik: „Prey“ (2019)

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PREY

Story

 
 
 

Kein Remake des niederländischen Löwen-Horrors PREY. In diesem Film nimmt ein Teenager an einem Therapieprogramm teil und muss drei Tage allein auf einer verlassenen Insel verharren. Dort bekommt er es nicht unberechtigt mit der Angst zu tun, weil plötzlich seltsame Dinge geschehen.

 
 
 


 
 
 

PREY – Kritik

 
 
 
Man nehme ein paar unverbrauchte Jungdarsteller, werfe diese in eine konventionelle Handlung, mixe das ganze mit etwas Blut und jage das alles durch einen Instagramfilter. Fertig ist aalglatte Horrorunterhaltung der US-amerikanische Filmproduktionsgesellschaft BLUMHOUSE PRODUCTIONS (THE PURGE, INSIDIOUS, SINISTER), die es sich seit dem Jahr 2000 zur Aufgabe gemacht hat, mit wenig finanziellen Mitteln möglichst gewinnbringende Horrorfilme zu produzieren. Knapp 4,5 Millionen US-Dollar stellt das Unternehmen im Schnitt für jede Produktion zur Verfügung. Kapital, das laut Unternehmensgründer JASON BLUM in der Regel wieder eingespielt wird. Ein Erfolgsplan, der sich bisher rentiert hat. Über vier Milliarden US-Dollar (Stand 2018) hat man an den weltweiten Kinokassen seit Unternehmensgründung erwirtschaftet. Doch Kino ist für genanntes Studio schon lange nicht mehr das einzige Standbein. BLUMHOUSE PRODUCTIONS verdient mittlerweile auch mit kleinen Videoproduktionen gutes Geld. Zu einer derer gehört der folgende PREY, der sich – wie hätte es anders sein sollen – mal wieder an eine jüngere Käuferschaft zwischen 16 und 30 richtet. Das Zielpublikum von Produzent JASON BLUM. Leichte Horrorunterhaltung ist somit garantiert.
 
 
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Manchmal ist es besser, wenn man das Smartphone zur Seite legt. Genau diese Erfahrung muss auch der Teenager Toby Burns (LOGAN MILLER aus ESCAPE ROOM und THE GOOD NEIGHBOR) machen. Weil der sich zu sehr auf sein Handy konzentriert, bekommt er gar nicht mit, dass der Vater vor dem Haus von Fremden ermordet wird. Wochen später hat der Jugendliche immer noch an den Geschehnissen zu knabbern und wird von Albträumen geplagt. Doch Toby soll erneut zu sich finden und das Trauma verarbeiten. Hierzu nimmt er an einem Therapieprogramm teil, bei dem er für drei Tage und drei Nächte auf eine verlassene Insel gebracht wird. Dort soll er wieder einen klaren Kopf bekommen. Aber so allein, wie vermutet ist der traumatisierte junge Mann nicht. Schnell macht er auf der vermeintlich menschenleeren Insel Bekanntschaft mit der gleichaltrigen Madeleine (KRISTINE FROSETH). Die lebt seit Jahren mit der Mutter im Dschungel und hat sich an das Leben in der Wildnis gewöhnt. Eigentlich eine gute Sache, um die langen Tage in der Natur nicht allein überstehen zu müssen. Doch Idylle schlägt bald in Angst um. Des Nachts wird es auf diesem Eiland gefährlich, denn da streifen unheimliche Schatten durch die Dunkelheit. Als nach drei Tagen auch noch Betreuer tot aufgefunden werden, die den Teenager eigentlich wieder zurück in die Zivilisation bringen sollen, wird es dem jungen Robinson Crusoe ganz anders.
 
 
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Lahmer Horror-Mix aus Survival-Horror, Mysterythriller und Kreaturen-Feature, der vor allem deshalb enttäuscht, weil eigentlich auf dem Regiestuhl jemand sitzt, der schon Ahnung von Horrorfilmen hat. Der Franzose FRANCK KHALFOUN hat von der französischen Terrorwelle zu Beginn der 2000er profitiert. Dort entstanden harte Vertreter, wie MARTYRS und HIGH TENSION. In Letzterem ergatterte er eine Hauptrolle und freundete sich während der Dreharbeiten mit Regisseur ALEXANDRE AJA an, der ihm so einige lukrative Arbeiten – darunter die Regie für P2 – SCHREIE IM PARKAUS – verschaffte. So bekam Khalfoun einen Fuß nach Hollywood und inszenierte Filme für größere Studios. Darunter: das Remake des Horrorklassikers MANIAC und AMITYVILLE: THE AWAKENING. Dass da natürlich die Erwartungen dementsprechend groß sind, liegt auf der Hand.
 
 
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Leider ist PREY keine Offenbarung. Der Streifen ist kein großes Los, obwohl er mit einer verlassenen Insel gute Voraussetzungen für einen ungewöhnlichen Horrorfilm mitbringt. PREY schwächelt an mangelnder Originalität. Die Abläufe wirken vertraut. So gilt es herauszufinden, was auf dieser Insel vor sich geht. Das erfolgt Schritt für Schritt, wobei man beinahe schon zwanghaft darum bestrebt ist, die Auflösung für mysteriöse Begebenheiten in diesem malerischen Paradies möglichst lang geheim zu halten. Da wird die Geduld des Zuschauers überstrapaziert, der natürlich nicht auf den Kopf gefallen ist. Falsch gelegte Fährten sollen für Verwirrung sorgen, führen jedoch zweifelsohne zur attraktiven Madeleine. Die halt verborgen, was niemand wissen darf. Überflüssige Geheimniskrämerei, denn die Auflösung ist – sagen wir mal so – haarsträubend und einfältig.
 
 
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Doch das ist nicht das eigentliche Problem dieses Genre-Mixes. PREY tut sich – trotz ungewöhnlichem Drehort – schwer damit Horror entstehen zu lassen. Das bedeutet für einen Genrefilm den Untergang. Gruselfaktor? Fehlanzeige! Wird es dann endlich einmal ernst, stört der zurückhaltende Einsatz von Gewalt. Offenbar wollte man auf Biegen und Brechen ein PG-13 kassieren. Böse Szenen sucht man daher vergebens. Die teils schlechten Computereffekte tun da ihr Übriges. Spätestens jetzt dürften die meisten Fans des düsteren Genres PREY von ihrer Filmliste gestrichen haben. Irgendwie verständlich.
 
 
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PREY – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Visuell makelloser 08/15-Horror von der Stange, der ganz solide beginnt aber schnell in die Belanglosigkeit abdriftet. PREY folgt der Standardformel für Horrorfilme und ist dabei nicht einmal richtig gut darin. Die generischen Abläufe sind das eine. Was mehr stört, ist der kaum vorhandene Gruselfaktor und die lahme Handlung. Letzteres ist für einen Film aus den BLUMHOUSE PRODUCTIONS ungewöhnlich. Normalerweise wird dort Horror produziert, der durch hektische Schnitte und schnelles Erzählen Epilepsie auslöst. Im Falle von PREY wollte man vermutlich etwas Neues ausprobieren. Das Resultat: Langeweile mit etwas CGI-Matsche. Lange geschieht nichts und wenn dann endlich mal etwas passiert ist es vorhersehbar. Mit diesem Mix verschiedener Horror-Subgenres hat sich der Regisseur von ALEXANDRE AJAS MANIAC keinen Gefallen getan.
 
 
 


 
 
 

PREY – Zensur

 
 
 
PREY hält sich in Sachen Gewalt zurück. Eine Protagonistin wird tot aus dem Wasser gefischt. Wie sie zu Tode gekommen ist, kann man nur erahnen. Weiterhin bohrt sich ein Pfahl in den Körper einer Filmfigur. Hierzulande dürfte das alles für eine FSK16 reichen. Eine Freigabe, die die meisten Filme aus den BLUMHOUSE PRODUCTIONS besitzen.
 
 
 


 
 
 

PREY – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Blumhouse Productions | GEM Entertainment | Cinedigm)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Jungle (2013)
 
Indigenous (2014)
 
Primal (2010)
 
Vinyan (2008)
 

Filmkritik: „Stay Out Stay Alive“ (2019)

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STAY OUT STAY ALIVE

Story

 
 
 

Fünf Freunde erleben in einer alten Mine einen Goldrausch und müssen dort um ihr Leben bangen.

 
 
 


 
 
 

STAY OUT STAY ALIVE – Kritik

 
 
 
Schilder auf denen ein „Betreten verboten“ vermerkt ist, sind im Horrorfilm immer so eine Sache. Grundsätzlich handelt es sich dabei um Dekoration, werden die darauf vermerkten Hinweise in der Regel missachtet. Die Einsicht kommt meistens zu spät. Weil die Warnung nicht ernst genommen werden, wird mit dem Tod bestraft. Protagonisten in Genrefilmen lernen eben nicht dazu. Genau diese Erfahrung müssen auch unsere neunmalklugen Helden in STAY OUT STAY ALIVE machen, die sich mal wieder über jedwede Verbote hinwegsetzen und am Ende die Konsequenz dafür erhalten. Die amerikanische Indie-Produktion über Naivität, Moral und Habgier geht auf das Konto von DEAN YURKE. Der zeichnete bisher für unzählige visuelle Effekte in vielen bekannten Hollywood-Streifen verantwortlich. Darunter: THE AVENGERS, diverse STAR WARS- und auch HARRY POTTER-Filme. Als Regisseur betritt er nun Neuland und ist damit nicht allein. Im Horrorfilm-Geschäft ist es mittlerweile keine Seltenheit mehr, dass Kreativlinge der Filmbranche auch in anderen Bereichen Erfahrungen sammeln.
 
 
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In diesem Film geht es um fünf junge Menschen, die sich zu einem Ausflug in einen amerikanischen Nationalpark begeben, um dort ein paar alte Minen zu erkunden. Die Gegend hat eine tragische Vergangenheit. Während der Zeit des Goldrausches in der Mitte des 19. Jahrhundert kam es hier zu Auseinandersetzungen zwischen amerikanischen Ureinwohnern und Minenarbeitern. Seither ist die Gegend verflucht. Doch das kümmert unsere Freunde nicht. Die setzen sich den Anweisungen von Park-Rangerin Susanna hinweg und erkunden trotz Warnungen das Naturschutzgebiet auf eigene Faust. Die Strafe folgt auf dem Fuß. Einer der Freunde verunglückt in einer der Minen. Doch der Unfall hat auch etwas Gutes. In diesem verlassenen Schacht gibt es Gold in Hülle und Fülle. Das spornt die Kumpels an, doch etwas länger zu verweilen. Das Wohl des verletzten Freundes ist schnell Nebensache. Viel wichtiger ist das Gold und vor allem das, was man damit anfangen kann. Ein verhängnisvolles Unterfangen, das den jungen Leuten das Leben kosten wird.
 
 
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STAY OUT STAY ALIVE beruht – so erklärt man im Vorspann – auf wahren Begebenheiten. Der Streifen wurde vom Mariposa-Indianerkrieg und einem daraus resultierenden Fluch inspiriert. Das ist zwar alles weit hergeholt, lässt sich aber besser verkaufen. Weitaus weniger dick aufgetragen ist die Botschaft des Films. Die handelt einmal mehr von der Bestie Mensch, die – sobald mit Extremsituationen konfrontiert – ihr wahres Gesicht offenbart. Genau das passiert auch in STAY OUT STAY ALIVE. Rasch ist man vom schnellen Reichtum fasziniert, der die Protagonisten verändert. Da ist sich bald jeder selbst der Nächste. Freundschaften oder gar ein Menschenleben haben auf einmal kaum noch Gewichtung. Dass das im Chaos enden wird, dürfte abzusehen sein.
 
 
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STAY OUT STAY ALIVE ist kein Horrorfilm im klassischen Sinne. Vielmehr verbirgt sich hinter dem reißerischen Titel ein Psychothriller, der den Zuschauer den Spiegel vor Augen halten will. Ein zynisches Lehrstück über menschliche Schwächen, das vor allem dank gut ausgewählten Jungdarstellern nachwirkt. Frische Gesichter, die dazu auch noch was können. Das ist normalerweise in Indie-Produktionen mit so einem kleinen Budget nicht die Regel. Die talentierten Akteure stemmen das kammerspielartig ausgelegte Survival-Stück allein auf ihren Schultern und bekommen kurz Unterstützung von Horrorikone BARBARA CRAMPTON. Die war in den 1980/90er in einige sehr bekannten Horrorfilmen zu sehen und scheint sich zu ihren Anfängen zurückzubegeben. Zuletzt sah man sie verstärkt in Genre-Produktionen. Darunter: dem gefeierten WE ARE STILL HERE – aber auch im hundsmiserablen Splatter-Trash DEATH HOUSE.
 
 
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STAY OUT STAY ALIVE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Eine ungemütliche Parabel über Habgier, Neid und Raffsucht. Wenn fünf junge Leute alte Minen erkunden, erwartet man eigentlich so Filme wie THE DESCENT in denen boshafte Kreaturen nach dem Leben der Helden trachten. Dass sich Horror aber auch ohne Monster in Höhlen entfalten kann, beweist STAY OUT STAY ALIVE. Darin springen sich Freunde wegen gefundenem Gold an die Gurgel, weil niemand was abgeben möchte. Der Film kommt fast ohne Spezialeffekte aus und geht es weitaus psychologischer an. Regisseur DEAN YURKE streift menschliche Urängste, thematisiert aber auch die dunkle Seite des Menschen, welche in jedem von uns schlummert. Entstanden ist ein kleiner Indie-Beitrag, der vor allem von der Tatsache zerrt, wie und ob das hier alles gut enden wird. Der Film entfaltet eine bemerkenswerte Dynamik. Schnell kippt die Stimmung, es werden Konflikte geschnürt und es kommt zum unausweichlichen Showdown. Angesichts der Tatsache, dass das alles nur für etwas Gold passiert, schockiert – ist aber nicht weit hergeholt. STAY OUT STAY ALIVE ist eine zynische Geschichte, wie sie tagtäglich so ähnlich überall auf der Welt passiert. Da kommt mal wieder zum Vorschein, dass der Mensch für ein paar Taler mehr in der Tasche dem Teufel gern seine Seele verkauft.

 
 
 


 
 
 

STAY OUT STAY ALIVE – Zensur

 
 
 
STAY OUT STAY ALIVE hat eigentlich keine Gewalt zu bieten. Eine Spitzhacke wird in einen Körper gehauen und ein Gewehrschuss wird ausgelöst – das war’s. Ansonsten klemmt sich eine Protagonistin das Bein ein. Der Rest ertrinkt. Hierzulande ist definitiv eine FSK16 möglich. Vielleicht sogar auch eine FSK12. Insofern es der Überlebensthriller überhaupt nach Deutschland schafft.
 
 
 


 
 
 

STAY OUT STAY ALIVE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Brainstorm Motion Pictures LLC)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Hole (2001)
 
Die Höhle – Überleben ist ein Instinkt, keine Wahl (2014)
 
Beneath – Abstieg in die Finsternis (2013)