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Filmkritik: „Viral“ (2016)

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VIRAL

Story

 
 
 

Ein Wurm-Parasit schlüpft in die Köpfe seiner Wirts-Menschen und funktioniert sie in willenlose, aggressive Marionetten um.

 
 
 


 
 
 

VIRAL – Kritik

 
 
 
Man kann den Produzenten BLUMHOUSE und WEINSTEIN unterstellen was man will. Die von ihnen finanzierten Filme sind zwar in der Regel nicht sonderlich helle auf der Nachdenkanzeige; einen Unterhaltungswert kann man den meisten der fabrizierten Popcorn-Steifen aber nicht aberkennen. So wird stets groß aufgefahren, denn was visuell festgehalten wird, ist nicht selten beachtlich. Blickt man jedoch hinter die Fassade, bekommt man das kalte Grausen. Von Originalität oder Eigenständigkeit ist weit und breit keine Spur. Die geheime Geheimrezeptur heißt Horror für den Massenmarkt. Damit konnte man in der Vergangenheit vor allem jugendliche Kinogänger ködern, die sich leider viel zu oft von glatt-makellosen Horrorfilmen wie DER KULT, EXITUS oder JESSABELLE blenden ließen. Um genau jenes Zielpublikum nicht durch Neuerungen zu verwirren, scheut auch der neuste BLUMHOUSE/WEINSTEIN-Film alles Unkonventionelle und peilt den gleichen Erfolgskurs an.
 
 
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Die Welt geht mal wieder unter und die Menschheit ist in Gefahr. Diesmal ist es jedoch kein Virus, der Menschen in unaufhaltsame Killermaschinen verwandelt. Ein Wurm-Parasit der sucher verbreitet wie ein Virus (daher auch der ungewöhnliche Titel) nistet sich im Genick der Leute ein und macht aus freundlichen Nachbarn mordende Furien. Die Regisseure HENRY JOOST und ARIEL SCHULMAN verirren sich nach PARANORMAL ACTIVITY 3 und 4 ins Zombie-Genre und konzentrieren sich in VIRAL auf die kecke Schülerin Emma (SOFIA BLACK-D’ELIA) und ihre größere Schwester STACY (ANALEIGH TIPTON). Beide gehen in die gleiche Schule und werden dort vom eigenen Vater unterrichtet. Letzterer gibt den Schülern eine Lehrstunde zum Thema Parasiten. Die wird auch dringend benötigt, denn schon bald ist in der Gegend die Hölle los. Als erste trifft es die beste Freundin der aufgeweckten Emma. Die leidet plötzlich an blutigen Husten und klappt auf dem Schulhof zusammen. Wenig später ist sie wie viele andere Einwohner des Ortes verschwunden. Doch die mysteriösen Vorkommnisse sind erst der Anfang. Die Kleinstadt wird unter Quarantäne gestellt und den Menschen geraten, in ihren Häusern zu bleiben. Warum dem so ist, leuchtet bald ein. Todbringende Gestalten gieren nach Blut. Sie laufen durch die Gassen und wollen ihre Brut verteilen. Es sind infizierte Menschen, die in ihren Körpern ekelerregende Würmer beherbergen, die den Wirt für eigene Zwecke missbrauchen. Das leuchtet bald auch den beiden Schwestern ein, die ihr Heim allein verteidigen müssen, denn der Vater sucht draußen die Mutter. Was folgt sind Stunden der Angst, denn der Parasit macht auch nicht vor Geschwisterliebe halt. Überleben ist das Ziel – wie ist egal.
 
 
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Makellose Bilder, hanebüchene Handlung und typisch amerikanische Teenager. Mit VIRAL bekleckert sich das Regie-Duo HENRY JOOST und ARIEL SCHULMAN zweifelsohne nicht mit Ruhm. Die Geschichte ist nach dem gleichen Schema aufgebaut wie viele postapokalyptische Horrorfilme neueren Datums. Auch hier gilt es zu überleben – da komme, was wolle. So wird gerannt, geschrieen und sich verteidigt, um bloß selbst nicht mit dem manipulativen Schmarotzer infiziert zu werden. Was jedoch 08/15 vermutet, ist nicht ohne. VIRAL ist trotz bekannter Geschichte wirklich spannend. Sympathische Figuren sind der Grund, warum man wissen will wie’s ausgeht. Die sind „von Nebenan“ und wurden so charakterisiert, dass man ihnen nichts Böses wünscht. Leider ist das den Drehbuchschreibern aus Hollywood egal. Die lassen selbst liebenswerte Schulkameraden und freundliche Nachbarn für kurze Schocks über die Klinge springen, damit dem Zuschauer die Selbstsicherheit vergeht. VIRAL wird zum erschütternden Survival-Drama umfunktioniert, in dem zwei Schwestern Entscheidungen treffen müssen, um zumindest das Überleben einer der beiden zu gewährleisten.
 
 
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So atmosphärisch dicht und packend das alles inszeniert wurde – so dumm sind viele Handlungen der Protagonisten. Denen scheint des Öfteren nicht bewusst zu sein, in welcher Gefahr sie sich befinden. Da wird sich trotz Quarantäne auf Partys herumgetrieben, infizierten Opfern die Hände entgegengestreckt und Operationen in Eigenregie durchgeführt. Tut das nicht, mag man da rufen. Leider bleibt die Warnung wie so oft im Horrorfilm ungehört. Die Konsequenz folgt auf dem Fuß. Hinter der Idee zum Film stecken übrigens die Autoren BARBARA MARSHALL und CHRISTOPHER LANDON. Letzterer sorgte bereits als Regisseur für Lacher. In der Horrorkomödie SCOUTS VS. ZOMBIES tastete er sich langsam ans Zombie-Genre heran. Mit VIRAL gibt’s den Feinschliff. Trotz Klischees und Logiklücken kein übler Vertreter dieser Gattung, dazu ist er einfach zu spannend geraten. Selbst BLUMHOUSE-Gegner und WEINSTEIN-Hasser müssen sich das leider eingestehen.
 
 


 
 
 

VIRAL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Atmosphärisch dichter Parasiten-Albtraum mit gut getricksten Ekeleffekten. Nö, VIRAL erfindet das Rad nicht neu. Der Film ist irgendwo im Zombie-Genre verwurzelt, auch wenn es kein reiner Zombie-Film ist. Ein Parasit benutzt Menschen, um Unheil anzurichten. Die Bevölkerung wird unter Quarantäne gestellt und das Militär versucht der Lage Herr zu werden. Neu ist die Geschichte von VIRAL definitiv nicht. Sie spielt mit der gleichen Angst vor unbekannten Bedrohungen wie viele Epidemie- und Virusfilme zuvor. Trotzdem rast das Herz – vor allem dann, wenn man den Parasiten zu sehen bekommt. Nach den Überwachungskamera-Grusel-Schnarchern PARANORMAL ACTIVITY 3 und 4 können die Regisseure HENRY JOOST und ARIEL SCHULMAN endlich mal ernsthaft unter Beweis stellen, dass sie auch in spannend können. Wenn VIRAL nur der Anfang ist, will man nicht wissen was man zu sehen bekommt, wenn sich die beiden erst mal warmgelaufen haben. VIRAL überzeugt vor allem der beklemmenden Atmosphäre wegen. Die ist ausreichend vorhanden und der eigentliche Pluspunkt in einem Drehbuch, das eigentlich bei genauerer Betrachtung nur aus einer Aneinanderreihung von Klischees und bekannten Handlungssträngen besteht. Wer aber Epidemiestreifen mag, den wird auch das kaum stören. Anschauen dieses Body-Horrorfilms lohnt.
 
 
 


 
 
 

VIRAL – Zensur

 
 
 
Für einen Zombie- oder Epidemiestreifen hält sich VIRAL sehr zurück mit Gewalt. Ein paar Schüsse und Schläge auf Körper gibt es zu sehen. Zudem spuken Infizierte Blut und wirbeln ein paar Menschen unsanft durch die Gegend sobald sie vom Parasit befallen wurden. Der wächst übrigens im Nacken heran und sorgt so für einige Ekelmomente. Hierzulande wird VIRAL mit FSK16 erscheinen. Das entspricht auch der Freigabe der meisten Filme aus dem Hause BLUMHOUSE.
 
 
 


 
 
 

VIRAL – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Capelight Pictures | BLUMHOUSE PRODUCTIONS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Faculty (1998)
 
The Bay – Nach Angst kommt Panik (2012)
 
Hungerford (2014)
 
Die Nacht der Creeps (1986)
 
Splinter (2008)
 
Shivers – Parasitenmörder (1975)
 


Filmkritik: „Scare Campaign“ (2016)

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SCARE CAMPAIGN

Story

 
 
 

Dieses Opfer versteht absolut keinen Spaß! Eine TV-Sendung hat sich das Erschrecken von Menschen auf die Fahnen geschrieben. Doch das neueste auserkorene Opfer ist überhaupt nicht zu Scherzen aufgelegt und rastet vollkommen aus.

 
 
 


 
 
 

SCARE CAMPAIGN – Kritik

 
 
 
Die Gebrüder CAIRNES sind wieder da und versorgen das Horror-Genre mit neuen Ideen. Ehrlich gesagt hat es das auch dringend nötig. Zuletzt waren die Geschwister anno 2012 positiv aufgefallen. Mit ihrem Spielfilmdebüt 100 BLOODY ACRES (kleines Trivia-Bit: einer der am häufigsten illegal heruntergeladenen Filme 2013) lieferten sie den etwas anderen Backwood-Horrorfilm ab und landeten damit auf den üblichen Festivals einen Volltreffer. Seither ist es etwas stiller um die Brüder CAMERON und COLIN CAIRNES geworden. Vermutlich haben sie nur eine kleine Auszeit benötigt, um kreative Gedanken ansammeln zu können. Vier Jahre später kommt nun der neue Geniestreich der beiden Australier, die abermals für Drehbuch sowie Regie verantwortlich zeichnen und mit SCARE CAMPAIGN gleich mal einen Film gemacht haben, den man so mit Sicherheit noch nicht gesehen hat. Statt Horrorfilme und Subgenres wahnwitzig zu persiflieren, wird es diesmal makaber und rabenschwarz. Horror Macabro wird geboten, der zudem ernste Töne anschlägt und nicht davor scheut den Zuschauer an der Nase herumzuführen. SCARE CAMPAIGN ist ein Streifen der definitiv aus der Reihe tanzt. Das wird ein Fest.
 
 
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Im zweiten Film der CAIRNES-Brüder treibt ein TV-Team bitterböse Späße mit nichtsahnenden Menschen. In der Fernsehsendung SCARE CAMPAIGN werden fiktive Gruselszenarien erschaffen, um ahnungslose Menschen zu Tode erschrecken zu können. Leider geht der fünften Staffel der beliebten Reihe so langsam die Luft aus. Die Quoten sinken und die Programmchefin fordert einen neuen Kurs. Eine mysteriöse Webseite soll als Vorbild dienen. Dort werden Menschen nicht nur erschreckt, sondern von maskierten Killern auch gleich vor der Kamera ermordet. Für das Team keine Überlegung wert, weshalb man die bekannte Richtung vorerst beibehält. So soll in einem morschen Sanatorium die nächste Sendung aufgezeichnet werden. Leider verläuft die alles andere als geplant. Das potenzielle Opfer scheint über die inszenierte Geisterbahn alles andere als erfreut zu sein. Es zückt eine Axt und läuft Amok. Ob das Fernsehteam diesen unvorbereiteten Twist im Drehbuch heil überstehen wird?
 
 
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Verstehen Sie Spaß? SCARE CAMPAIGN ist mehr oder weniger die cineastische Horrorversion der versteckten Kamera, die Jahrzehnte auf verschiedenen Kanälen zu sehen war. Aber auch auf dem amerikanischen Sci-Fi-Channel lief vor einigen Jahren mit SCARE TACTICS ein unserem Film hier erstaunlich ähnliches Stück Reality-TV, das wohl auch als Vorlage für den Streifen gedient hat – zumindest lässt der Filmtitel darauf schließen. In Interviews ließen die Macher verlauten, dass sie sich auf der Suche nach neuen Ideen durchs Internet bewegt haben und so auf Youtube-Clips gestoßen sind, wo Unwissenden in Fernsehshows böse Streiche gespielt wurden. Beim Betrachten dieser oftmals morbiden Plagen stellten sich die Brüder die Frage, was wohl passieren würde, wenn sich hereingelegte Opfer an den Beteiligten dieser Sendungen rächen. So war der Plot von SCARE CAMPAIGN geboren, der entgegen der Erwartungen doch ziemlich spaßfrei aufgebaut ist und manche Überraschung bereithält. Horrorfans kommen definitiv auf ihre Kosten.
 
 
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SCARE CAMPAIGN ist nicht irgendein Horrorfilm. Er kann gut und gerne auch als einer der cleversten Horrorthriller der letzten Jahre gewertet werden. Virtuos wird mit unerwarteten Wendungen und Überraschungsmomenten gespielt. Twist folgt auf Twist und gerade dann, wenn man glaubt die Auflösung zu kennen, flimmert eine weitere überraschende Filmwendung über die Kinoleinwand. CAMERON und COLIN CAIRNES funktionieren den Zuschauer selbst zum Streich-Opfer um. Er wird hier nicht nur einmal hinters Licht geführt, sondern auch zum stillen Zeugen gemacht, der dank Überwachungskameras zu sehen bekommt, was eigentlich nicht fürs TV bestimmt ist. So läuft SCARE CAMPAIGN schon bald aus dem Ruder. Aus Unterhaltung wird blutroter Ernst und die Grenzen verschwimmen. Ist das Gezeigte nur Show oder will hier doch jemand über Leichen gehen? Die Antwort haben sich die CAIRNES gut überlegt. SCARE CAMPAIGN glänzt durch intelligenten, gut durchdachten Handlungsaufbau, der gerade wegen seiner Undurchsichtigkeit fesselt. Demzufolge ist jeder selbst schuld, wer das verpasst. Auf Festivals zumindest kam der Film gut an und gewann zu Recht Preise. Demnach dürfte SCARE CAMPAIGN so den gleichen Erfolgsweg einschlagen, wie bereits der Erstling 100 BLOODY ACRES von 2012. Man darf gespannt sein, was die kreativen Geschwister noch an Schrecken fürs Kino fabrizieren werden. SCARE CAMPAIGN zumindest ist ein überraschend fieser Horrorfilm.
 
 
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SCARE CAMPAIGN – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Wer Andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Nach 100 BLOODY ACRES schlagen die CAIRNES-Brüder ein weiteres Mal zu und dürften dafür sorgen, dass dem Zuschauer die Kinnlage herunterklappt. Selten hat man in den letzten Jahren einen Horrorfilm gesehen, der den Zuschauer so geschickt hinter das Licht führt wie SCARE CAMPAIGN. Das Wort Twist bekommt hier eine ganz neue Bedeutung und davon gibt es im Film gleich mehrere. Schluss mit dummen Geschichten, die ewig gleiche Handlungsverläufe abspulen. Die Gebrüder CAIRNES waren um Neuerungen bemüht und haben eine simple Idee in makabres Horrorkino umfunktioniert, das gut und gerne noch ein Stündchen hätte länger gehen können. Spannung wird groß geschrieben und ist vor allem deswegen im Dauereinsatz, weil die Geschichte mit falschen Fährten und unerwarteten Wendungen nur so gespickt ist. SCARE CAMPAIGN ist die Slasher-Version der VERSTECKTEN KAMERA oder VERSTEHEN SIE SPASS. Demzufolge sollte man einfach genießen und sich überraschen lassen. Letzteres kann SCARE CAMPAIGN besonders gut.
 
 
 


 
 
 

SCARE CAMPAIGN – Zensur

 
 
 
Auch wenn die Handlung und die Filmbilder zu SCARE CAMPAIGN ein blutiges Schlachtfest vermuten lassen, ist dem nicht so. Kurze Gewaltmomente gibt es trotzdem zu sehen. Eine Frau wird enthauptet und eine Axt kommt auch zum Einsatz. Zudem werden Körper zerstückelt. Klingt hart, aber die Kamera hält nicht zu detailliert drauf. In Deutschland dürfte es ohne Probleme einen roten FSK-Flatschen geben. Keine Jugendfreigabe. Übrigens wird der Film seine Deutschlandpremiere auf dem FANTASY FILMFEST 2016 feiern. Wer ihn schon vor der deutschen Heim-Auswertung sehen möchte, sollte sich ein Ticket sichern.
 
 
 


 
 
 

SCARE CAMPAIGN – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Films Distribution)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Prank – Der Streich (2013)

April, April – Tote scherzen nicht (2008)


Filmkritik: „SneekWeek“ (2016)

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SNEEKWEEK

(SCREAM WEEK)

Story

 
 
 

Ein paar Studenten haben den Tod eines Kommilitonen mitzuverantworten und werden dafür zwei Jahre später von einem maskierten Killer gejagt.

 
 
 


 
 
 

SNEEKWEEK – Kritik

 
 
 
Komischer Titel? Schnell erklärt. Hinter dem Wort SNEEKWEEK verbirgt sich ein Event in Friesland, das alljährlich gefeiert wird und jedes Mal mehr Besucher anlockt. Seit 1934 organisieren hier der königliche Wassersportverein Sneek sowie die Gemeinde Zuidwest-Friesland ein Fest, bei dem Segelwettkämpfe unterschiedlicher Kategorien stattfinden. Begleitet wird das Ereignis von Begleit-Veranstaltungen und lauten Partys, die vor allem vom jüngeren Publikum besucht werden. Genau jene Feierlichkeiten werden den Protagonisten des folgenden Horrorfilms zum Verhängnis. Die verschlägt es genau zu jener Zeit in den Norden zum Feiern, als ein kaltblütiger Killer beim Sneekweek-Fest die Runde macht. Ganz unschuldig sind die neunmalklugen Freunde am Erscheinen des Schlitzers aber nicht, denn wie bereits im Horror-Slasher ICH WEISS, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST haben auch die Figuren dieses holländischen Genre-Beitrags reichlich Dreck am Stecken.
 
 
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Horror aus dem Land der Tulpen. Klingt kitschig – ist aber mutig und lobenswert. Während man in Deutschland auf bekannten Pfaden wandelt und entweder schwermütige Geschichtsdramen, anspruchsvolles Arthouse oder leichte Komödien ins Kino bringt, schauen die Nachbarn über den Tellerrand. Auch in Holland gibt es Horrorfans, die erschreckt werden wollen. So dreht man dort gerne Gruselzeug, das sogar brauchbar ist. So entstanden inländische Produktionen wie THE POOL, SINT, SCHLACHTNACHT oder FRANKENSTEIN’S ARMY, die auch international gehandelt wurden. Anders sieht es da schon in Deutschland aus. Das behandelt das Horror-Genre nach wie vor stiefmütterlich, ließ es aber in den 2000ern kurzzeitig krachen. Während einer kurzen Renaissance der Teen-Slasher, die durch SCREAM entfacht um die ganze Welt ging, entstanden auch deutsche Meuchelkrimis wie ANATOMIE oder FLASHBACK – MÖRDERISCHE FERIEN, die zumindest in Sachen Blutgehalt den amerikanischen Vorbildern in nichts nachstanden. Jene US-Ideale zieht auch der niederländische SNEEKWEEK zum Vergleich heran, der sich auch nicht zu fein ist, dem wohl wichtigsten postmodernen Slasher aus der Hand WES CRAVENS zu huldigen: SCREAM. Der flimmert im Film kurz über einen Fernsehapparat und stellt klar, welcher Horrorklassiker dem Holländer MARTIJN HEIJNE nach wie vor am Herzen liegt.
 
 
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SNEEKWEEK (der übrigens außerhalb Hollands SCREAM WEEK heißt) wandelt auf bekannten Teen-Slasher-Pfaden. Also lässt er junge Darsteller über die Klinge springen. Ein maskierter Bösewicht hat Freude daran, elektronische Handwerkzeuge zu missbrauchen, um damit naiven Studienabgängern die Leben zu verkürzen. Doch seine Taten sind nicht unbegründet. Die Opfer haben Dreck am Stecken. So hat sich vor genau zwei Jahren Tragisches ereignet. Ein Kommilitone ist beim Feiern während der Sneekweek auf schreckliche Weise ums Leben gekommen. Weil man Konsequenzen fürchtete, hat man der Polizei nicht die ganze Wahrheit erzählt. Leider bleibt keine Tat im Horrorfilm ungesühnt. Pünktlich zum erfolgreichen Uni-Abschluss gerät das Ereignis wieder in Erinnerung. Jemand Unbekanntes hat die Freunde von damals in ein schickes Anwesen eingeladen und weiß offensichtlich, was die Bande vor zwei Jahren getan hat. Doch die hat nur Feiern im Kopf. Es ist wieder Sneekweek, der Alkohol kalt und die Nächte laut. Demzufolge bleiben die Schreie ungehört. Leider pflastern schon bald erste Leichen die Wege und Fragen kommen auf, wer hier mit geschärftem Mordwerkzeug einen Denkzettel verpasst bekommen soll. Wie es bei solchen Filmen meist der Fall ist, wird das am Ende nur das „Final Girl“ erfahren. Die schlägt sich wacker, wird den Bösewicht demaskieren, und ihm selbstverständlich das Handwerk legen. Das ist heute so.
 
 
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ICH WEISS WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST auf Niederländisch. SNEEKWEEK weicht erst gar nicht von den Mustern oder Pfaden ab, die das Slasher-Genre so ausgetrampelt hat. Hier wird wie seit jeher gemordet und gestorben – funktioniert bereits über 40 Jahre prima. Dabei sind die holländischen Schreihälse den amerikanischen intellektuell ebenbürtig. Auch denen ist vor allem dreierlei wichtig: Party, Sex und Alkohol. Dass das rigoros bestraft werden muss, weiß jeder Fan des Subgenres. Leider hat SNEEKWEEK ein Problem. Während sich seit Carpenter und HALLOWEEN hinsichtlich der gezeigten Gewalt einiges getan hat, geht diese niederländische Produktion einen Schritt zurück. Zwar zückt der Killer im Film Winkelschleifer, Handkreissäge, Nagelpistole und Bohrmaschine – die Kamera blendet aber in den meisten Fällen weg, sobald es für Horrorfans interessant wird. Angesichts der steigenden Gier nach harter Brutalität in Horrorfilmen, ist das was Regisseur MARTIJN HEIJNE hier an Kills zeigt schon als Enttäuschung zu bezeichnen. Nichtsdestotrotz ist SNEEKWEEK aber weitaus besser, als das Meiste, was man für den US-Videomarkt produziert. Trotz zurückhaltender Zeigefreudigkeit und knapp zwei Stunden Laufzeit wurde die Stundenten-Auslöschung sauber inszeniert. Klischees sind da – ohne Stereotypen geht mal wieder gar nichts; dennoch wurde SNEEKWEEK trotz vorhersehbarer Handlungsverläufe spannend verpackt. Nach so vielen Filmen dieser Art muss man MARTIJN HEIJNE ein Lob aussprechen. Altbewährtes so zu drehen, dass es nicht langweilt, ist eine Kunst für sich.
 
 
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SNEEKWEEK – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Die niederländische Version von ICH WEISS WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST macht gar keine so üble Figur! Da kann sich Deutschland gern mal eine Scheibe abschneiden. Denn während man in Holland Horrorfilme für den Weltmarkt produziert, tritt man hierzulande beim Drehen von Kinofilmen auf der Stelle. Hauptsache staatstragend und intellektuell. Der bis auf wenige Ausnahmen humorfreie SNEEKWEEK (internationaler Titel: SCREAM WEEK) ist typischer Horrorthrill fürs jugendliche Publikum. Zu sehen gibt es schöne Menschen mit wenig Kleidung (vorrangig Soap-Stars aus holländischen Vorabendserien), denen jedoch schreckliches Schicksal vorbestimmt ist. Technisch und auch atmosphärisch kann der Teen-Slasher einiges. Regisseur MARTIJN HEIJNE legt die für Slasher-Filme typischen falschen Fährten, um die Identität des Filmkillers möglichst lange zu bewahren. Gelingt ganz gut – hinsichtlich Spannung bietet der Film einige Höhepunkte. Demzufolge überrascht die Auflösung am Ende doch ziemlich. In Anbetracht der vordiktierten Slasher-Regeln macht SNEEKWEEK fast alles richtig. Nur bei der Gewalt hält sich die NL-Horror-Produktion zurück. Das dürfte den meisten Fans dieser Gattung Film gar nicht schmecken. Ist aber auch nicht weiter schlimm, denn der Film richtet sich ohnehin an all jene, die noch nicht so mit Slasher-Filmen bewandert sind. Die werden gut unterhalten.
 
 
 


 
 
 

SNEEKWEEK – Zensur

 
 
 
SNEEKWEEK (Alternativtitel für den Weltmarkt: SCREAM WEEK) ist ein eher harmloser Vertreter der Gattung Slasher. Zwar geht der Killer mit Bohrmaschine, Nagelpistole und ähnlich kräftigem Werkzeug zu Werke, die Kamera schwenkt aber weg, sobald es blutig wird. FSK16 dürfte gewiss drin sein.
 
 
 


 
 
 

SNEEKWEEK – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Dutch FilmWorks)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
 Bloody April Fools – Los inocentes (2013)
 
Bloody Bloody Bible Camp (2012)
 
The Girl in the Photographs (2015)
 
Lost After Dark (2015)
 


Filmkritik: „Paranormal Drive“ (2016)

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PARANORMAL DRIVE

(MARSHRUT POSTROEN)

Story

 
 
 

Psychothriller oder Geisterdrama? Niemand weiß es so genau. In PARANORMAL DRIVE stimmt was nicht mit dem neu gekauften BMW eines Ehepaares. In dem Wagen spielen sich plötzlich ganz seltsame Dinge ab.

 
 
 


 
 
 

PARANORMAL DRIVE – Kritik

 
 
 
Böse Autos, die mordend über Landstraßen fegen, gibt es im Horror-Genre immer wieder mal zu sehen. Der wohl bekannteste Film dieser Art dürfte die von JOHN CARPENTER inszenierte Stephen-King-Verfilmung CHRISTINE gewesen sein, in der ein gut polierter Oldtimer ein blutiges Eigenleben führt. Doch es geht noch weiter. Nach thematisch ähnlich gelagerten Streifen wie WRECKER, BLOOD CAR, HYBRID oder dem sehr speziellen Tschechoslowaken DER AUTOVAMPIR erweitert nun ausgerechnet Russland die faszinierende Riege unberechenbarer Killerautos im Film um einen weiteren Kandidaten. Der wurde im eigenen Land unter dem Titel MARSHRUT POSTROEN ins Multiplex gebracht und verschlang eine Million Russische Rubel an Produktionsbudget. Zieht man das Einspielergebnis zum Vergleich heran, kann MARSHRUT POSTROEN dann doch schon als finanzieller Erfolg bezeichnet werden. 58 Millionen Russische Rubel Gewinn erzielte der Streifen allein im Entstehungsland. Eine beachtliches Ergebnis, von dem manches Filmstudio in Hollywood nur träumen kann. Garantieren viele Kinogänger auch gleichzeitig einen guten Horrorfilm? Im Falle von PARANORMAL DRIVE (so der ebenso sympathische wie einfallsreiche internationale Titel) dürfte der eine oder andere russische Gruselfan enttäuscht das Kino verlassen haben. Der Grund liegt mal wieder an der Unentschlossenheit der Macher. OLEG ASSADULIN hatte sich vor einiger Zeit schon einmal im Horrorgenre ausprobiert. PHOBOS nannte sich der etwas holprig inszenierte Mysteryt-Triller in dem sich sieben Freunde versehentlich selbst in einem geheimnisvollen Bunker eingeschlossen hatten. Holprig und unüberlegt geht es auch im aktuellen Werk zu. Hier sind nicht die Schauspieler das Problem, sondern das Drehbuch. Die Handlung passt auf einen Bierdeckel, wurde aber mit Effekten und JumpScares auf Spielfilmlänge aufgeblasen. Nur Spuk- und Geisterfans mit Liebe für oberflächliche Schocks könnte das gefallen. Wer’s gut überlegt und atmosphärisch aufgebaut braucht, kommt hier leider zu kurz.
 
 
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Eigentlich will sich das Paar Andrey und Olga (scheinbar gibt es in Russland nur diesen einen Frauennamen) bloß den Wunsch vom neuen Auto erfüllen. Dass der Gatte beim Autohändler mit dem neuen Fahrzeug ein richtiges Schnäppchen macht, kommt natürlich gelegen, denn man will verreisen und benötigt jeden Rubel. Doch das neue Auto bereitet technische Probleme. Erst ist es ein elektrischer Schlag am Lautstärkeregler des Radios. Später kommen ominöse Geräusche und plötzlicher Benzinverlust dazu. Leider treten bald Zweifel auf, ob der Autokauf doch nicht zu übereilt abgeschlossen wurde. Hinzu kommt, dass sich das Paar in einer Ehekrise befindet und man in Erwähnung zieht, nicht doch die Scheidung einzureichen. So kommt, was unweigerlich kommen muss. Die Fahrt zum Flughafen wird zum blanken Horror. Etwas Böses scheint das Steuer übernommen zu haben und will die Beziehung der beiden auseinandertreiben. Was Andrey und Olga nicht wissen: Der Vorbesitzer des Fahrzeugs hat nach einem Ehekrach die Liebste ermordet und deren Einzelteile im Kofferraum durch die Gegend kutschiert. Da liegt der Verdacht nahe, dass es sich der Geist der Ermordeten auf dem Rücksitz gemütlich gemacht hat.
 
 
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Entscheiden Sie sich jetzt. Was Regisseur und Drehbuchautor OLEG ASSADULIN mit PARANORMAL DRIVE abliefert, ist weder Fisch noch Fleisch. Der Gute scheint sich irgendwie nicht so recht schlüssig darüber gewesen zu sein, was er denn nun für einen Film drehen wollte. Was anfänglich einen Geisterstreifen vermuten lässt, verwandelt sich in den letzten zehn Minuten zum Psychothriller. Da werden plötzlich Themen wie Schizophrenie und Wahnsinn gestreift und lassen den bis dato akribisch auf Spuk getrimmten Horrorfilm löchrig und vor allem unplausibel erscheinen. Seit dem Erfolg des Mystery-Thrillers THE SIXTH SENSE gehören unerwartete Filmauflösungen in Horrorstreifen wieder zum guten Ton. Das ist auch gut so, insofern Filmwendungen Hand und Fuß haben. Im Falle des russischen PARANORMAL DRIVE ist das leider nicht so, denn der plötzliche Twist verwirrt unnötig und wirft mehr Fragen auf, als dass er Antworten geben kann. Demzufolge sollte man doch besser einige Kilometer weiter gen Osten schauen. Dort liegt nämlich jenes Land von dem sich der russische Geister-Psycho-was-auch-immer-Streifen hat inspirieren lassen: Japan. Da werden zwar Geisterfilme en masse produziert – tragen aber dann auch wirklich das Prädikat: unheimlich. Meistens. Davon ist PARANORMAL DRIVE leider weit entfernt. Gruselig sind hier nur die ständigen Streitereien zweier Eheleute, deren Beziehung schon bessere Tage erlebt hat. Kann man aber auch günstiger haben. Einfach mal das Ohr an die Wohnungstür des Nachbars halten und aufmerksam lauschen. Spätestens dann ist man garantiert mittendrin statt nur dabei.
 
 
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PARANORMAL DRIVE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Wenn die Fahrt zum Flughafen mit dem neuen Auto zum Albtraum wird. PARANORMAL DRIVE ist genauso einfallslos, wie die enervierend plumpe Titelkreation für den internationalen Filmmarkt. PARANORMAL DRIVE heißt im russischen Original eigentlich MARSHRUT POSTROEN. Weil das aber keiner versteht, musste etwas Auffälligeres her. „Paranormal“ heißt das Zauberwort, mit dem sich sichere Umsätze generieren lassen, denn seit PARANORMAL ACTIVITY vor fast zehn Jahren Traumsummen an den Kinokassen erwirtschaftete, geht in der Horrorwelt ohne als paranormal verkaufte Phänomene offensichtlich nur noch wenig. Leider verbirgt sich hinter PARANORMAL DRIVE eine Mogelpackung. Der Film beginnt wie jeder 08/15-Spukhausfilm, nur mit dem Unterschied, dass sich unerklärliche Ereignisse diesmal in einem Auto abspielen. Leider schlägt der Streifen in den letzten Filmminuten eine ganz andere Richtung ein und sorgt so für unangenehme Verwirrung. Nur Regisseur und Drehbuchautor OLEG ASSADULIN allein weiß, warum Protagonisten im Film handeln, wie sie handeln. Da funktionieren plötzlich Bremsen nicht mehr, ist Benzin aus unerklärlichen Gründen knapp und Fahrer schlafen am Steuer ein, fahren aber trotzdem weiter. Normalsterbliche Reisende hätten da wohl gleich den ADAC-Pannennotdienst gerufen oder ein Nickerchen am Rastplatz gemacht. Nicht in PARANORMAL DRIVE. Hier werden mysteriöse Ereignisse von genervten Eheleuten weggestritten. Was für ein Blödsinn.
 
 
 


 
 
 

PARANORMAL DRIVE – Zensur

 
 
 
PARANORMAL DRIVE bzw. MARSHRUT POSTROEN – wie er in Russland vermarktet wird – ist ziemlich harmlos. Es gibt Dutzende plakativ eingesetzte Schockmomente zu sehen. Die Grausamkeiten reduzieren sich auf eine Nagelschere, die einem Protagonisten in den Hals gerammt wird. Zudem wird einer Verkäuferin in den Kopf geschossen und die Heldin verletzt sich am Finger. PARANORMAL DRIVE ist ein sicherer FSK16-Kandidat.
 
 
 


 
 
 

PARANORMAL DRIVE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Christine (1983)
 
Hybrid 3D (2010)
 
The Car – Der Teufel auf Rädern (1977)
 
Der Autovampir (1981)
 
Blood Car (2007)


Filmkritik: „Summer Camp“ (2015)

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SUMMER CAMP

Story

 
 
 

Der Titel lässt einen Slasher-FIlm vermuten, doch SUMMER CAMP ist im Zombiegenre beheimatet: Vier Mittzwanziger wollen ein Sommercamp auf Fordermann bringen. Leider kommt es zu einem Zwischenfall und die Freunde verwandeln sich in reissende Bestien.

 
 
 


 
 
 

SUMMER CAMP – Kritik

 
 
 
Spanien ist immer eine Filmreise wert. Das Land des guten Essens und der feurigen Tänze hat sich über die letzten Jahre zum Eldorado für Grusel – und Horrorfans entwickelt. Was hier entsteht, kann sich mittlerweile mit dem messen, was in Hollywood fabriziert wird. Das hat man wohl auch in der Traumfabrik erkannt und sich die Rechte an diversen spanischen Kinohits gesichert. Der Zweck: Wenig glanzvolle Neuinterpretationen für den amerikanischen Markt produzieren. So auch geschehen mit dem Zombiestreifen [REC]. Weil der auch über die Landesgrenzen hinaus zum Kassenschlager wurde, musste die glattgebügelte Neuauflage her. Mit dem Found-Footage-Schocker QUARANTÄNE bastelte sich Hollywood seine eigene Version der genannten Zombie-Hatz und spielte damit sogar weltweit mehr Scheine ein, als die spanische Vorlage. Damit sich das Filmstudio das Remake sparen und die amerikanischen Zuschauer keine lästigen Untertitel lesen müssen, hat man den SUMMER CAMP direkt in englischer Sprache gedreht. Der bleibt auch gleich beim Thema Zombies – offensichtlich, weil man damit beim Publikum nach wie vor gut landen kann. Anders als bei den üblichen Verdächtigen gibt es in dieser spanischen-amerikanischen Produktion überraschenderweise Neuerungen zu sehen. In SUMMER CAMP verwandeln sich infizierte Menschen nach der Verwandlung zurück in Menschen. Frischer Wind also, der für Abwechslung sorgen soll. Doch, ob das nach gefühlt mehreren Tausend Filmen dieser Art überhaupt noch möglich ist, steht auf einem anderen Blatt.
 
 
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In SUMMER CAMP treffen drei Amerikaner und ein Einheimischer erste Vorbereitungen, um ein spanisches Ferienlager auf Fordermann zu bringen – bevor die Schüler anreisen. Doch die Ferienzeit steht unter keinem guten Stern. Sorge bereitet ein vermeintlich tollwütiger Hund, der im hauseigenen Streichelzoo andere Tiere verletzt und auch sonst ein aggressives Verhalten an den Tag legt. Aber der mutige Will (DIEGO BONETA) kennt sich aus. Er ist mit Tieren aufgewachsen und traut sich in den Käfig des erkrankten Tieres. Keine gute Idee; der Hund beißt zu. Doch der verletzte Arm ist nichts im Vergleich zu dem, was folgen wird. Die Freunde verwandeln sich nacheinander in unaufhaltsame Bestien und wollen den Übrigen an den Kragen. Seltsamerweise ist die Verwandlung nur von kurzer Dauer. Kaum wie eine Furie kreischend durchs Camp geflitzt, findet man sich wenig später verstört und orientierungslos auf dem Grundstück wieder. Lange bleibt die Ursache des Zombiewerdens ungeklärt. Bis man auf einer Wiese vor dem Ferienlager einen verlassenen Wohnwagen entdeckt.
 
 
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DAWN OF THE DEAD trifft auf 28 DAYS LATER. Am besten aber lässt sich der spanische Horrorbeitrag mit dem Epidemie-Streifen THE CRAZIES vergleichen, der vom Zombie-Vater GEORGE A. ROMERO persönlich gedreht und bereits über 40 Jahre auf dem Buckel hat. Dort verseucht ein biochemischer Kampfstoff das Grundwasser einer amerikanischen Kleinstadt und macht aus Bewohner aggressive Killer. Ganz ähnlich handhabt das auch ALBERTO MARINI. Der gibt zwar mit SUMMER CAMP sein Regiedebüt, ist aber in spanischen Filmkreisen kein Unbekannter, weil er schon an mancher Horror-Produkion Spaniens beteiligt gewesen ist. So produzierte er nicht nur die erfolgreiche [REC]-Serie, den sehenswerten Thriller SLEEP TIGHT und den Weltuntergangsfilm LAST DAYS mit. Auch in Filmen wie EXTINCTION, DARKNESS und BEYOND RE-ANIMATOR hatte er seine Finger mit im Spiel. Gut unterhalten wird man mit SUMMER CAMP. Filmemacher ALBERTO MARINI (übrigens gebürtiger Italiener) schafft es tatsächlich ein mittlerweile zu Tode gefilmtes Filmthema so zu inszenieren, dass man gebannt vor der Glotze verharrt. Warum das so ist, lässt sich einfach erklären. Der Regisseur jagt den Zuschauer unermüdlich durch ein hektisch zusammengeschnippeltes Szenario und gibt ihm kaum Gelegenheiten für Verschnaufpausen. Schock folgt auf Schock und gefackelt wird nicht lang. Das erhöht den Herzschlag und drischt auf das Nervenkostüm ein. Da muss man einfach wissen wie es ausgeht!
 
 
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Apropos ausgehen: Makaber, bitterböse und zynisch wird SUMMER CAMP abgeschlossen. Der Auslöser der Verwandlung zieht weite Kreise und lässt das Publikum mit einem mulmigen Bauchgefühl zurück. Auch deshalb, weil Macher Marini Kompromisse scheut. Er meint es alles andere als gut mit seinen Figuren und lässt sie nacheinander gnadenlos über die Klinge springen. Dabei spielt er ganz unverfroren mit der Erwartungshaltung des Zuschauers. So gibt es im Film immer mal wieder genretypische Momente zu sehen, die dann doch andere Wege einschlagen, als man vermuten würde und gewohnt ist. Spätestens hier wird klar, dass es sie trotzdem noch gibt: gute und sehenswerte Zombiefilme, die fesseln. Leider werden die immer rarer.
 
 


 
 
 

SUMMER CAMP – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Schnörkelloser Zombiefilm – adrenalinlastig und packend inszeniert. Wenn sich Helden in aggressive Mörderbestien verwandeln und sich mit ohrenbetäubendem Lärm durch schlecht ausgeleuchtete Szenarien bewegen, kommt nicht nur Gruselstimmung auf. In seinem besten Momenten erinnert SUMMER CAMP atmosphärisch sogar hin und wieder an das Remake zu EVIL DEAD in dem vom Prinzip ähnliche Handlungsverläufe zu sehen waren und sich Freunde vor sich selbst in Acht nehmen mussten. Die amerikanisch-spanische Produktion SUMMER CAMP glänzt durch markerschütternde Hetzjagden, die kaum Zeit zum Verschnaufen geben. Ist erst einmal einer der Protagonisten infiziert, geht es Schlag auf Schlag. Weil sich Regisseur ALBERTO MARINI aufs Wesentliche reduziert und Nebensächlichkeiten außer Acht lässt, bleibt der Überlebenskampf über weite Strecken wirklich spannend. Das soll schon was heißen, in einem Subgenre, das seit Jahren die immer wieder gleichen Geschichten abspult. SUMMER CAMP kann als die spanische Antwort zum Zombiethriller THE CRAZIES gewertet werden. Zombie-Vater GEORGE A. ROMERO hätte da vermutlich nichts einzuwenden. Auf den FANTASY FILMFEST WHITE NIGHTS 2016 zumindest konnte der Streifen manches Horrorfanherz begeistern. Das ist auch kein Wunder, denn SUMMER CAMP ist ein kleiner, dreckiger Zombietrip mit ordentlich Tempo und einer fiesen Schlusspointe obendrein.
 
 
 


 
 
 

SUMMER CAMP – Zensur

 
 
 
Für einen Zombiefilm hält sich SUMMER CAMP ziemlich zurück mit der Zurschaustellung von Grausamkeiten. In den meisten Fällen blendet die Kamera weg. Einiges gibt es aber zu sehen. Ein Ast bohrt sich durch die Brust, ein Mann wird mit gepfählt und ein Hund beißt sich in einem Arm fest. Hierzulande wird SUMMER CAMP eine Freigabe ab 16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

SUMMER CAMP – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Filmax International)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Hive (2015)
 
The Crazies (1973)
 
The Crazies (2010)
 


Filmkritik: „ClownTown“ (2016)

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CLOWNTOWN

Story

 
 
 

Einige wortlos agierende Psychopathen haben sich als Clowns verkleidet und terrorisieren Ortsfremde, die sich in einer anscheinend menschenleeren Geisterstadt verirrt haben.

 
 
 


 
 
 

CLOWNTOWN – Kritik

 
 
 
Nicht erst seit der Fernsehfilm-Adaption des Stephen-King-Romans ES scheinen Clowns in Horrorfilmen unweigerlich Albträume beim Publikum hervorzurufen. Die geschminkten Spaßmacher sind zwar bereits seit Jahrhunderten zum Wohle der Lachmuskeln im Einsatz, verursachen aber nicht bei Jedermann Freude. So hat eine Studie der englischen University of Sheffield offen gelegt, dass Kinder zwischen 4 und 16 Jahren über die Grimassen jener lustigen Gesellen überhaupt nicht lachen können. Denen bereiten die Kreaturen mit ihrer unwirklichen Gestik und übertriebenen Mimik in erster Linie Angst – etwas, was sich bis ins Erwachsenenalter fortsetzen kann und in Fachkreisen auch als Coulrophobie betitelt wird. Die Furcht vor dem Unbekannten hinter der Maskerade findet auch im folgenden Horrorfilm Verwendung. CLOWNTOWN nennt sich der günstig gedrehte Horrorfilm aus der Mache von TOM NAGEL, der bisher eher als Schauspieler in B-Movies zu sehen war und nun auch mal einen eigenen Low-Budget-Film machen wollte. Sein Debüt erinnert in seiner billigen Machart an die vielen günstig verbrochenen Streifen aus längst vergessenen Videothekenzeiten, wo nahezu regelmäßig mies synchronisierter und bis zum Erbrechen zensierter Horror-Trash ins Regal gestellt wurde, um möglichst viel Leihgebühren vom Filmfan einkassieren zu können. Eigentlich kaum der Rede wert, würde da im Vorspann nicht kurz der Name ROBERT KURTZMAN auftauchen und das Interesse alteingesessener Horrorfans wecken.
 
 
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Kurtzman fungierte in CLOWNTOWN als Co-Producer und dürfte Horror-Kennern noch als talentierter Make-up und Effekt-Künstler in Erinnerung geblieben sein. Auf die Kappe des Mitbegründers der KNB EFX GROUP gehen Splatter-Orgien in Filmen wie FROM DUSK TILL DAWN oder WISHMASTER, für die er Masken- und Ekeleffekte beigesteuert hat. Aber auch in Produktionen neueren Datums hatte Kurtzman oft die Hände im Spiel. So ließ es sich der Effekte-Macher nicht nehmen, seine Matschereien auch in aktuellen Genrestreifen wie TUSK, THE FUNHOUSE MASSACRE oder ALL CHEERLEADERS DIE für die Ewigkeit sichtbar zu machen. Gute Voraussetzungen für CLOWNTOWN also, der mit Kurtzman als beteiligtem Produzenten eigentlich nur gewinnen kann. Doch wie es meist immer ist, kommt die Ernüchterung früh, denn von ausgeklügelten Kills und kreativen Matschmomenten ist weit und breit kaum etwas zu verzeichnen. Dafür flimmert immerhin etwas Terror über die Mattscheibe – Hoopers TEXAS CHAINSAW MASSACRE lässt grüßen.
 
 
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CLOWNTOWN erzählt mal wieder die ewig gleiche Leier von jungen naiven Menschen, die sich mit menschlichen Abgründen konfrontiert sehen. Diesmal sind es psychisch gestörte Persönlichkeiten, die sich wie Clowns geschminkt haben und eine amerikanische Kleinstadt terrorisieren. Die Menschen haben Angst und trauen sich nicht mehr aus dem Haus. Demzufolge bekommen die Bewohner kaum noch davon mit, was vor der eigenen Haustüre passiert. Dumm gelaufen für einige Durchreisende, die auf ihrer Fahrt durchs amerikanische Hinterland eine Autopanne erleiden und auf Hilfe angewiesen sind. Weil die Telefone keinen Empfang haben, macht man sich zu Fuß auf in die nächste Stadt, wo man ein verlorenes Telefon abholen möchte. Doch der vermeintliche Finder lockt die Gruppe in eine Falle. Am verabredeten Ort ist keine Menschenseele anzutreffen. Stattdessen bekommen es die Freunde mit einer Horde Psychopathen zu tun, die ihnen ans Leder wollen. Ein Wettlauf um Leben und Tod beginnt, der natürlich einige Leichen zu verzeichnen hat.
 
 
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Viel Substanz besitzt das Drehbuch von CLOWNTOWN leider nicht. Das ist auch kein Wunder, denn Drehbuchautor JEFF MILLER war bereits vor CLOWNTOWN nicht sonderlich darum bemüht, den Zuschauer mit frischen Geschichten zu verwöhnen. So verraten die ebenfalls von ihm zu Papier gebrachten Filme AXE GIANT oder HELLBLOCK 13 ganz passend, was dem Horrorfan mit CLOWNTOWN blüht. Billiger Fast-Food-Horror wird geboten, der sich am gängigen Horrorstandard orientiert. Auf dass der Zuschauer nicht zu sehr überfordert wird! Das Morden und Überleben steht im Fokus. Opfer werden gejagt und nacheinander ausradiert. Den Innovationspreis gewinnt man damit freilich nicht – vor allem auch deshalb, weil sich die Figuren zu keiner Minute nachvollziehbar oder logisch verhalten. Weil nahezu jeder Terror- und Slasher-Film der letzten 20 Jahre nach gleichem Schema abgelaufen ist und sich Regisseur TOM NAGEL schwer mit dem Spannungsaufbau tut, wird CLOWNTOWN selbst für Liebhaber solcher Streifen zu Bewährungsprobe. Hinzu kommt, dass sich die Schauspieler teils äußerst hölzern und unerfahren vor der Kamera bewegen, was CLOWNTOWN mit Sicherheit einen baldigen Platz auf den Wühltischen hiesiger Fachhändler bescheren dürfte. Letztendlich verspricht das Plakat mal wieder mehr, als der Film bieten kann. CLOWNTOWN ist kein großer Wurf und dürfte bald wieder vergessen sein. Blutige Momente bilden die Ausnahme und die immerhin gelungenen Clownsmasken verlieren aufgrund der beliebigen Machart und der austauschbaren Handlung ziemlich rasch an Reiz. Horrorstimmung will da nur selten aufkommen. Schade ums Zelluloid – oder den digitalen Träger.
 
 
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CLOWNTOWN – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Pennywise‘ kleinen Geschwister. Diese Clowns sind gar nicht lustig, diese Clowns wollen töten – und langweilen. Nicht überall wo bekannte Namen draufstehen, wartet sehenswerte Horrorunterhaltung aufs hungrige Publikum. CLOWNTOWN ist schnell heruntergekurbeltes Videomaterial, dass zwar ab und an so etwas wie Light-Terror versprüht, aber die meiste Zeit langweilt, weil die Handlungsverläufe nicht neu sind. Demzufolge gibt es die ewig gleiche Leier von dummen Opfern und vermeintlich überschlauen Mördern zu sehen, die vom rechten Weg abgekommen sind und schlachten müssen. Auch wenn Effektmaestro ROBERT KURTZMAN als Produzent beteiligt gewesen ist, gehört CLOWNTOWN nicht in die Genre-Königsklasse. Überraschenderweise sind die Morde nämlich recht unblutig und unspektakulär ausgefallen – und das, obwohl mit Kurtzman ein Meister seines Fachs als Geldgeber fungierte. Unterm Strich ist CLOWNTOWN kein Horror-Hit. Der Film ist ein Mix aus Slasher und Terrorfilm, bei dem es an allem mangelt. Das Schauspiel ist mager, die Inszenierung klischeeüberladen und atmosphärische Momente bilden die Ausnahme. Da kann man nur hoffen, dass man nicht über eine Fortsetzung nachdenkt. Die braucht niemand. Besser andere Clown-Schocker in den Player legen, denn da gab es in der Vergangenheit besseres. Neben PLAY – TÖDLICHES SPIEL, STITCHES und CLOWN wäre da natürlich noch die Mutter aller Clown-Horrorstreifen: STEPHEN KINGS ES.
 
 
 


 
 
 

CLOWNTOWN – Zensur

 
 
 
Trotz Mitwirken von Effektmeister ROBERT KURTZMAN ist CLOWNTOWN hinsichtlich der gezeigten Grausamkeiten eine Enttäuschung. Die Morde sind sehr kurz und werden oftmals nur angedeutet. Zudem wurden die Kills auch nicht sonderlich raffiniert umgesetzt und schauen teils sehr billig aus. Im Vergleich zu anderen Slasher- und Terrorfilmen ist der Härtegrad sehr niedrig angesetzt, was CLOWNTOWN hierzulande „nur“ eine rote FSK-Plakette einbringen dürfte: keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

CLOWNTOWN – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Steel House Productions | ITN Distribution)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Clownhouse (1989)
 
Killjoy (2000)
 
Camp Blood (1999)
 


Filmkritik: „Satanic“ (2016)

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SATANIC

Story

 
 
 

Vier Freunde sind am Thema Satanismus interessiert und öffnen durch Neugierde und Unachtsamkeit einer höheren Macht die Pforte zur Welt der Lebenden.

 
 
 


 
 
 

SATANIC – Kritik

 
 
 
Wenn das Drehen von Serien allein irgendwann keine Erfüllung mehr mit sich bringt, macht man eben Horrorfilme – und sind die Drehbücher dahinter auch noch so mies. Ganz ähnlich dürfte sich das Regisseur JEFFREY G. HUNT gedacht haben. Der fabriziert seit 2006 Serienfolgen am Fliessband und hat so Episoden zu TV-Hits wie CSI: NY, HAWAII FIVE-0 oder FRINGE beigesteuert. Offensichtlich hat’s ihn mit der Zeit gelangweilt, weshalb er nun seinen ersten Film gemacht hat. Jetzt kann er auch dem Publikum zeigen, über welche Untiefen der Ozean der Langeweile doch verfügt. Mit SATANIC hat sich der serienerprobte Hunt leider keinen Gefallen getan. Das verfilmte Drehbuch aus der Feder von ANTHONY JASWINSKI muss Ausschuss gewesen zu sein. Hier stimmt leider gar nichts und das von der ersten Minute an. Bei einer so desaströsen Grundlage wundert es schon sehr gewaltig, dass der Drehbuchautor ebenso für die Skripts zu THE SHALLOWS und KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN verantwortlich zeichnet. Zieht man die genannten Horrorempfehlungen zum Vergleich heran, will man irgendwie nicht so recht glauben, dass die gleiche Person auch den äußerst beliebigen SATANIC verbrochen haben soll. Vermutlich litt ANTHONY JASWINSKI aber wohl einfach nur unter einen Schreibblockade und musste unter Zeitdruck abliefern. Nur so lässt sich der Schlamassel erklären, der dem Zuschauer mit SATANIC zugemutet wird.
 
 
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Vier Mittzwanziger wollen ein paar okkulte Orte und Sehenswürdigkeiten Amerikas abklappern und bleiben in Los Angeles hängen, wo sie in den Hollywood Hills auch auf den Pfaden der brutalen Manson Morde wandeln. In einem okkultistischen Laden wittern die vier den Höhepunkt ihrer Reise. Der Ladenbetreiber macht einen verdächtigen Eindruck, weshalb die Freunde auf den Ladenschluss warten und ihm folgen. Er führt die Gruppe unwissend zu einem geheimnisvollen Ort, wo Satanisten ein mysteriöses Ritual durchführen, bei dem die attraktive Alice geopfert werden soll. Doch dazu kommt es nicht. Die Freunde unterbrechen versehentlich die Zeremonie und machen die Sektenmitglieder zornig. Was bleibt ist die Flucht, die immerhin heil im Hotelzimmer und mit verlorenem Telefon endet. Am nächsten Tag meldet sich ein ehrlicher Finder zurück. Es ist das vermeintliche Opfer Alice, die viel zu erzählen hat. Prompt werden im Hotelzimmer Beschwörungsrituale gehalten und ein Hexenbrett kommt zum Einsatz. Wenig später öffnet sich das Tor zu Hölle und die gute ist Alice tot. Was folgt braucht hier wohl nicht weiter erläutert werden, denn der Ausgang von SATANIC ist austauschbar. Die neunmalklugen Protagonisten haben durch Neugierde und Unachtsamkeit etwas Böses befreit, dass nun Jagd auf Menschen macht. Wetten, dass keiner der Freunde überleben wird?
 
 
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Mit Sicherheit hat jeder Filmfan schon einmal folgende Streifen im Player gehabt. Filme, die so furchtbar langweilig sind, dass einem deshalb die Augen schwer werden und die einen gegen Ende aus dem Schlaf reißen, weil Tontechniker dreist an den Lautstärkereglern gedreht haben. SATANIC reiht sich in die Reihe jener fiesen Muntermacher ein, die wohl einzig deshalb gemacht wurden, um den Zuschauer zu ärgern. Regisseur JEFFREY G. HUNT macht alles falsch, was man beim Drehen von Horrorfilmen falsch machen kann. Er war wohl um Neuerungen bemüht, verzettelt sich aber ziemlich früh mit seinem Plan, wie er den Zuschauer Unbehagen bescheren möchte. Konfus und unüberlegt geht es nämlich in SATANIC zugange, der nicht nur elendig langweilig ist, sondern ebenso gemein blendet, weil er falsche Erwartungen schürt. So streift der Film früh das Okkult-Fach und lässt das Publikum im Glauben, dass sich hier vier Freunde bei einem skrupellosen Satanismus-Kult unbeliebt machen. Doch während man Satanisten zu Beginn heimlich beim Opferritual über die Schulter schaut, haben die Macher dann doch andere Pläne. SATANIC hat wenig mit Sekten oder Ritualen am Hut. Vielmehr verliert sich der Streifen im Dämonen- und Geistergenre, lässt Protagonisten unbedacht mit Hexenbrettern spielen, damit finstere Mächte den Weg in die Menschenwelt finden. Bekanntes Terrain also, wie es in letzter Zeit erschreckend oft über die Bildschirme geflimmert ist. Leider lässt sich der Film zu lange damit Zeit, um endlich mal in die Gänge zu kommen. Erst nach einer knappen Stunde Laufzeit beginnt das große Sterben und den neugierigen Freunden geht’s an den Kragen. Bis es jedoch soweit ist, wird viel Sitzfleisch und Geduld vorausgesetzt. Für einen Horrorfilm sind das keine guten Voraussetzungen – vor allem dann nicht, wenn langes Warten müde macht. Demzufolge sollte man ausgeschlafen sein und Erwartungen herunterschrauben, denn so satanistisch wie es der Filmtitel suggeriert, ist SATANIC keineswegs. Möge Regisseur JEFFREY G. HUNT für diesen Zeiträuber in der Hölle schmoren und sich beim Satan höchstpersönlich für diesen Schnellschuss entschuldigen.
 
 
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SATANIC – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Hier sparste Dir die Schlaftablette. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn Regisseur JEFFREY G. HUNT einen harten Sektenthriller über einen satanischen Kult auf Film gebannt hätte, wie sie derzeit wieder in Mode kommen. Dann wären alle glücklich gewesen. Doch statt Satanisten beim Opfern zu begleiten und die Geschehnisse im Blut zu ersäufen, wird es mal wieder 08/15. Böse Mächte aus einer anderen Welt wollen vier unschuldigen Mittzwanzigern an den Kragen. Ein Hexenbrett hier, ein paar paranormale Momente dort – fertig ist SATANIC, ein Schnarcher vor dem Herrn. Der Spannungsbogen fehlt gänzlich – Schockmomente ebenso. Die hat man versucht irgendwie in den letzten zehn Minuten abzuhaken. Leider verfehlen die ihre Wirkung, denn offensichtlich geraten Drehbuch und Geschehnisse am Ende vollkommen außer Kontrolle, so dass ein Folgen nahezu unmöglich gemacht wird. Auch wenn SATANIC in visueller Hinsicht vielen billigen Videoproduktionen um Längen voraus ist, kann dieser Film leider gar nichts. Ein treffender Beweis dafür, dass immer noch gute Geschichten und Ideen mehr wert sind, als glattgebügelte Optik und nett getrickste Spezialeffekte.
 
 
 


 
 
 

SATANIC – Zensur

 
 
 
Wer glaubt, dass in SATANIC die Post abgeht, irrt sich gewaltig. Die wohl grausamsten Szenen beschränken sich auf einen Kehlenschnitt sowie einer gebrochenen Nase. Am Ende sieht man in einer Szenen kurz, wie eine Frau mit einer Zimmerdecke verschmolzen ist. Ebenso wurden einer Protagonistin die Arme abgetrennt und der Mund zugenäht. Klingt zwar alles ziemlich reißerisch, ist aber Kinderfasching. SATANIC dürfte in Deutschland eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

SATANIC – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Magnolia Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Demonic (2015)
 
The Ouija Experiment (2011)
 
The Midnight Game (2013)
 


Filmkritik: „Carnage Park“ (2016)

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CARNAGE PARK

Story

 
 
 

Ein schießwütiger Heckenschütze (PAT HEALY aus STARRY EYES, COMPLIANCE und THE INNKEEPERS) schießt im staubigen Kalifornien aus der Ferne auf Menschen. Beim neusten Opfer hat er sich ein besonders zähes Ziel ausgesucht. Das lässt sich nämlich nichts gefallen.

 
 
 


 
 
 

CARNAGE PARK – Kritik

 
 
 
Regisseur MICKEY KEATING goes Exploitation. Wer regelmäßig die Filmvorstellungen auf FILMCHECKER liest und sich auch mit den Filmen auseinandersetzt, die er sich angeschaut hat, wird mittlerweile erkannt haben, dass der noch nicht einmal dreißig Jahre alte Filmemacher und seine Werke zu den ganz großen Geheimtipps im Genre zählen. Sie fallen durch Experimentierfreudigkeit und Einfallsreichtum auf. Keating lässt sich nicht reinreden, bei dem was er tut. Er dreht, worauf er Lust hat und schreibt sogar seine Drehbücher selbst. Warum das so vonstatten geht, verriet er erst kürzlich in einem Interview. So erklärte er, dass er sich nicht vorstellen könne, ein fremdes Skript zu verfilmen, weil er seinem Schaffen gern eine individuelle Note verpassen möchte. Deshalb geht bei ihm – vom Schreiben des Drehbuchs bis hin zum Führen der Regie – stets alles Hand in Hand, um beim Filmemachern alle Zügel selbst halten zu können. Keating bleibt seiner Richtung treu und probiert sich weiter aus. Nach dem Okkultismus-Horror RITUAL, der Sci-Fi-Mystery POD und dem minimalistischen Psycho-Geister-Drama DARLING wird es mit CARNAGE PARK reißerischer. Das Grindhouse-Kino der späten 1970er und frühen 1980er lässt grüßen. CARNAGE PARK besucht eine Zeit, in der es im Kino nicht gerade zimperlich zu ging.
 
 
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CARNAGE PARK beruht angeblich auf wahren Begebenheiten – zumindest wird das im Vorspann zum Film erklärt. Im Film folgt der Zuschauer einem Diebes-Duo, das irgendwo im wüstenartigen Hinterland Kaliforniens vor der Polizei flüchtet, weil es zuvor eine Bank überfallen hat. Doch das letzte Stündlein hat geschlagen. Schüsse fallen und bringen die Kleinganoven zur Strecke. Zurück bleibt eine Geisel (ASHLEY BELL aus THE LAST EXORCISM 2), die bald selbst ums Überleben bangen muss. Ein Vietnamveteran scheint von Sinnen zu sein und schießt auf alles und jeden, der sich auf sein Privatgrundstück verirrt hat. Dumm nur, dass die gekidnappte Bankangestellte Vivian unfreiwillig zum nächsten Ziel wird, weil sie im Kofferraum des Fluchtfahrzeuges eingesperrt war. Leider kennt der durchgeknallte Scharfschütze kein Erbarmen – auch nicht mit Unschuldigen. Er beginnt eine gnadenlose Jagd auf sein verängstigtes Opfer, das dem schießwütigen Militär hilflos ausgeliefert ist. Zartbesaitete Zuschauer halten da lieber Abstand – dieser Überlebenskampf setzt starke Nerven voraus.
 
 
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Als Hommage an die Crime- und Survival-Filme der 1970er beschreibt Regisseur MICKEY KEATING selbst seinen unbequemen Terrorstreifen CARNAGE PARK für den er sich von Werken alteingesessener Filmemacher wie SAM PECKINPAH, PETER WATKINS und angeblich sogar ROBERT ALTMAN hat inspirieren lassen. So erklärte Keating, dass er schon immer mal einen Film im Stile eines GRAF ZAROFF – GENIE DES BÖSEN machen wollte und sich nun endlich mit CARANAGE PARK die Möglichkeit ergeben hat, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen. Selbstverständlich ist sein Ausflug ins Terrorfach nichts im Vergleich zu wegweisenden Klassikern wie BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE oder DIEBE WIE WIR, die den kanadischen Filmemacher beim Schreiben des Drehbuchs beeinflusst haben sollen. Statt Nervenkitzel zu zelebrieren, liegt der Fokus auf schnellen Schocks und ein paar unappetitlichen Szenen. So wird der Zuschauer in erster Linie durch ein absurdes Szenario gejagt, das dann doch mehr an so ruppige Horrorstreifen wie TEXAS CHAINSAW MASSACRE oder THE HILLS HAVE EYES erinnert, die ebenfalls in den 1970ern entstanden sind. Visuell zumindest sind Vergleiche zu genannten Low-Budget-Schockern nicht von der Hand zu weisen, denn auch in CARNAGE PARK dominiert die vor Hitze flirrende Einöde des ländlichen Amerikas, in der die Schreie der verzweifelten Protagonisten ungehört bleiben.
 
 
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Auch wenn das Resultat ambitionierten Vorhabens dann doch mehr plakatives Zur Schau Stellen von Gewalt ist, muss man Macher MICKEY KEATING zu Gute halten, dass er den Terror souverän einfängt. Die Filmheldin wird nahezu unentwegt durch die trostlose Landschaft getrieben und entdeckt auf ihrem Irrweg weitere Opfer, die ganz unerwartet im Kugelhagel ihr Leben lassen müssen. Auf dem mit Leichen gepflasterten Grundstück des Bösewichts wird am Ende in einer verlassenen Mine der Showdown aufgetragen, der das willenstarke Opfer über sich hinauswachsen lässt. Gegen diese rastlose Überlebenshatz voller adrenalinreicher Momente ist eine Geisterbahn ein Scheißdreck. Trotz Lobesgesang auf die harten Überlebensthriller der 1970er gab es in der Vergangenheit schon Besseres zu sehen. Die Idee, von einem scheinbar unsichtbaren menschlichen Gegner attackiert zu werden, haben schon andere Filmemacher effektiv auf Zelluloid gebannt. Einer dieser zu Unrecht kaum beachteten Streifen ist der spanische KING OF THE HILL. Darin wird ebenso auf Unschuldige gefeuert – dort jedoch in den spanischen Bergen und mit einer Prise Gesellschaftskritik. Letztere sucht man in CARNAGE PARK leider vergebens. Logik übrigens auch – manchmal.
 
 
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CARNAGE PARK – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Wenn aus einem Crime-Thriller ein adrenalinreicher Terrorstreifen wird. Ruppiger Terrorfilm, vor dem ungeübte Zuschauer besser einen Bogen machen sollten. CARNAGE PARK lebt von der ungemütlichen Idee, einem scheinbar unsichtbaren Gegner ausgeliefert zu sein und treibt eine ahnungslose Frau rastlos durch staubige Wildnis, die von einem psychopathischen Sniper beschossen wird. Der unfaire Überlebenskampf scheint das Opfer nicht nur an den Rand mentaler Kräfte zu treiben; auch psychisch meint es Regisseur MICKEY KEATING nicht sonderlich gut mit seiner Heldin, die aus Angst beinahe den Verstand verliert, sich aber immerhin stets zu wehren weiß. CARNAGE PARK ist psychologisch nicht sonderlich raffiniert und auch die Beweggründe des Täters, sowie dessen übermenschliche Cleverness haben kaum Hand und Fuß. Das scheint aber auch nicht die eigentliche Intension des kanadischen Filmemachers gewesen zu sein. Der probiert sich in Exploitation aus und versucht mit Terror zu schockieren. Gelungen ist Keating das allemal, denn CARNAGE PARK ist allein schon wegen der bizarren Thematik und dem teils unerwarteten Munitionshagel im Film nichts für Zartbesaitete.
 
 
 


 
 
 

CARNAGE PARK – Zensur

 
 
 
CARNAGE PARK ist nicht einfach zu verdauen. Der Fokus liegt auf Terror. Die Heldin wird ununterbrochen durch den Film gehetzt. Dabei sieht sie übel zugerichtete Leichen und wird selbst von einer Kugel gestreift. Bereits am Boden liegende Opfer werden – insofern sie noch leben – noch einmal mit einem Schuss aus der Ferne in die ewigen Jagdgründe befördert. Weiterhin gibt es eine unappetitliche Szene mit einer Bärenfalle zu sehen. Grafische Kopfschüsse sind hier Standard. Demzufolge wird der Film hierzulande erst für Erwachsene freigegeben werden. Vermutlich mit „keine Jugendfreigabe“.
 
 
 


 
 
 

CARNAGE PARK – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Poster liegen bei TIBERIUS FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
King of the Hill (2007)

Outback – Tödliche Jagd (2011)

Tower Block (2012)

Beim Sterben ist jeder der Erste (1972)


Filmkritik: „Worry Dolls“ (2016)

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WORRY DOLLS

Story

 
 
 

Schwarze Magie und gruselige Talismane führen selten zu etwas Gutem. Auch hier nicht. Ihre Besitzer scheinen von Sinnen und töten alles und jeden. Ob es einen Weg geben wird, diese tickenden Zeitbomben zu vernichten?

 
 
 


 
 
 

WORRY DOLLS – Kritik

 
 
 
2012 war ein großes Jahr für Regisseur PADRAIG REYNOLDS. Er erntete mit seinem Horror-Debüt RITES OF SPRING viel Aufmerksamkeit und konnte genug Interessenten für die internationale Vermarktung finden. Mittlerweile ist es etwas ruhiger um den auf Festivals gefeierten Filmemacher geworden. Offensichtlich hat er sich ausreichend Zeit genommen, den nächsten Streich vorzubereiten. Der ist nun fertig, heißt WORRY DOLLS und kombiniert ebenso wie der Vorgängerstreifen diverse Subgenres miteinander – auch wenn diesmal das Resultat weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Da kann man nur hoffen, dass der Backwoods-Slasher RITES OF SPRING keine Eintagsfliege gewesen ist. WORRY DOOLS hat weitaus mehr gekostet – inhaltlich herrscht jedoch das reinste Durcheinander. Hier mangelt es an allem – vor allem aber an Spannung. Demzufolge ist der neue Film nur was für Ausgeschlafene, denn der Regisseur macht es dem Horrorfan nicht leicht, seinem zähen Flickwerk zu folgen.
 
 
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Böse Puppen, gute Puppen. In WORRY DOLLS sind es die Erstgenannten, die zu Handlanger des Teufels umfunktioniert werden. Voodoo-Puppen sorgen in diesem Horrorfilm für Tod und Verderben, weil auf den geflochtenen Anhängern ein böser Fluch lastet. Eine Spur der Verwüstung ist die Folge. Im Mittelpunkt steht Polizist Matt (CHRISTOPHER WIEHL). Der bringt den kaltblütigen Serienkiller Henry Leonard Bale (MATTY FERRARO aus RED CLOVER) zur Strecke, der zuvor mit Voodoo-Puppen gespielt hat. Die hat er akkurat in eine Kiste verstaut und läuft anschließend dem Gesetzeshüter versehentlich vors Schießeisen. Leider scheint man es in WORRY DOLLS nicht sonderlich ernst mit Beweismitteln zu nehmen. Die geheimnisvolle Kiste mit all den darin enthaltenen Puppen findet einen neuen Besitzer. Der, beziehungsweise die ist acht Jahre alt und die Tochter jenes Polizisten, der das Böse wenige Tage zuvor in die Schranken gewiesen hat. Leider geht es der neuen Eigentümerin bald gar nicht mehr gut. Sie verschönert die erhaltenen Anhänger mit Perlen und Strass, um sie anschließend an höchstbietende Interessenten zu verkaufen. Doch der Fluch der Puppen nimmt bald Besitz von jedem, der eine davon sein Eigen nennt. Die Besessenen verwandeln sich in unaufhaltsame Killermaschinen und ermorden kaltblütig Menschen, die ihnen nahe standen. Wird Cop Matt den Fluch stoppen und die kleine Tochter retten können?
 
 
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Manchmal kann es zum Nachteil sein, wenn man zu eifrig mit Genres experimentiert. Im Falle des Horrorthrillers WORRY DOLLS sorgt die Flut an unterschiedlichen Filmrichtungen für Chaos. Der kunterbunte Schubladen-Mix möchte irgendwie nicht funktionieren. Regisseur PADRAIG REYNOLDS war wohl um Einzigartigkeit bemüht und warf Voodoo-Horror, Besessenheits-Grusel, Slasher-Film und Cop-Thriller in einen Topf. Entstanden ist trotz einer stattlichen Anzahl an Ideen eine regelrechte Schlaftablette, die ihre Potenziale nicht ausschöpft, weil der Macher nichts mit den Stilrichtungen anzufangen wusste. Dabei werden bereits im Prolog große Töne gespuckt. Hier erlebt der Streifen bereits seinen Höhepunkt, wenn der Serienkiller blutig zur Tat schreitet. Mit einem Abbruchhammer durchbohrt er den Schädel seines Opfers. Die Kamera hält drauf und ersäuft die Szene in Blut – Gorehounds wird’s freuen. Leider kann WORRY DOLLS diese Schockwirkung nicht wiederholen. Nach dem zugegebenermaßen derben Beginn verliert der Film seinen roten Faden. Zu wenig Kills, dabei unwichtige Szenen und belanglose Dialoge, die den Zuseher quälen bis zum Abspann. Dazwischen konfuse Handlungsstränge, allerhand Unlogisches und einen der wohl lahmarschigsten Polizisten der Filmgeschichte. Der verpasst um Haaresbreite jeden Mord und hätte mit weitaus mehr Elan manches Verbrechen im Film verhindern können.
 
 
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Immerhin gibt sich Regisseur PADRAIG REYNOLDS als waschechter Slasher-Fan zu erkennen. In einer Filmszene wird eine Frau mit einer Heckenschere bearbeitet. Während dieser Szene gibt es eine Einstellung zu sehen, die dem Poster des 80er Kult-Slashers THE BURNING nachempfunden wurde. Die gut gemeinte Hommage freut zwar das Horrorfanherz, ändert aber nichts an der Tatsache, dass WORRY DOLLS trotz Liebe zum Horrorfilm eine einzige Enttäuschung ist. Tempo wird schmerzlich vermisst und die Geschehnisse dümpeln zwischen den wenigen Morden vor sich hin. Demzufolge sollte man trotz des reißerisch zusammengeschnippelten Trailers nicht zu viel erwarten. Der ist bei weitem besser, als der eigentliche Film. Aus einer Mücke ’nen Elefanten machen – zumindest marketingtechnisch ist WORRY DOLLS Königsklasse.
 
 
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WORRY DOLLS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Viel Theater um eigentlich nichts. WORRY DOLLS ist ein blutiger Genre-Mix, der sein ganzes Pulver in den ersten zehn Minuten verschießt und danach eine katastrophale Talfahrt hinlegt. Hier herrscht größtenteils Langeweile, weil der Slasher-Fan PADRAIG REYNOLDS viel Neues erzählen wollte, aber mit dem Mix der Horror-Subgenres überfordert ist. Selbstverständlich klingt die Idee Voodoo-, Slasher- und Besessenheits-Thematik miteinander zu vereinen, interessant; die Umsetzung gestaltet sich unterm Strich jedoch alles andere als prächtig. Der Grund: spannende Momente bleiben aus und die blutige Richtung, die zu Beginn eingeschlagen wird, kann leider nicht die gesamte Filmlänge über gehalten werden. Das frustriert, weil der Filmtrailer mehr versprochen hat. Wer sich demzufolge viel Zeit sparen möchte und dennoch mitreden will, sollte es demnach bei diesem Trailer belassen. Der fasst die besten Szenen zusammen und ist gerade einmal zwei Minuten lang. Eine richtige Enttäuschung.
 
 
 


 
 
 

WORRY DOLLS – Zensur

 
 
 
Hart beginnt WORRY DOLLS tatsächlich, denn hier wird ein Bohrer in den Kopf einer Frau gerammt und die Kamera hält reißerisch drauf. Das dürfte wohl auch der einzige Grund sein, weshalb der Film in Deutschland Probleme bekommen könnte. Mit viel Glück ist aber auch eine ungeschnittene Freigabe ab 18 Jahren denkbar, denn die (wenigen) übrigen Morde sind zwar nicht von schlechten Eltern, aber nur halb so hart anzuschauen, wie der Kill in den ersten 10 Minuten. Mal abwarten, was die FSK sagt.
 
 
 


 
 
 

WORRY DOLLS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für das Filmplakat liegen bei Tom Hodge – für Grafiken bei Studiocanal)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Venom – Biss der Teufelsschlangen (2005)

Possession – Das Dunkle in dir (2012)

Needle – Deinem Schicksal entkommst du nicht (2010)


Filmkritik: „The Forgotten“ (2014)

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THE FORGOTTEN

Story

 
 
 

In britischen Sozialwohnungen passieren seltsame Dinge. Dem 14jährigen Tommy bereiten unheimliche Geräusche aus der Nachbarswohnung Angst. Der will in THE FORGOTTEN herausfinden, ob das Gepolter rational erklärbare Ursprünge besitzt oder ob da vielleicht doch höhere Mächte am Werk sind.

 
 
 


 
 
 

THE FORGOTTEN – Kritik

 
 
 
Es müssen nicht immer düstere Friedhöfe, alte Burgen oder englische Herrenhäuser sein, in denen Kreaturen aus dem Jenseits Unruhe stiften. Auch in den Ghettos britischer Großstädte fühlen sich Geister neuerdings heimisch und treiben Besetzer verlassener Sozialwohnungen in den Wahnsinn. Erfahrene Zuschauer wissen natürlich, dass Spuk in den meisten Fällen nicht grundlos stattfindet. Meist wollen Geister den Lebenden Botschaften überbringen oder den eigenen verfrühten Tod rächen, der durch die Hand skrupelloser Zeitgenossen herbeigeführt wurde. In den meisten Fällen löst das unerwartete Kettenreaktionen aus. Ob das auch in THE FORGOTTEN der Fall ist? Hinter dem sensibel orchestrierten Gruselstreifen stecken zwei, die zumindest in England nicht unbekannt sind. OLIVER FRAMTON und JAMES HALL zeichneten für Arbeiten an der langjährigen Polizeiserie THE BILL verantwortlich, die zwischen 1984–2010 eine feste Größe im britischen TV war und unter dem Titel DIE WACHE sogar für Deutschland adaptiert wurde. Für die britische Version steuerten die beiden Autoren Geschichten bei, die dann regelmäßig über die Mattscheibe flimmerten. Mit THE FORGOTTEN hat man zusammen an etwas Eigenem gearbeitet – fernab von Trivialität und Massengeschmack. Ein riskanter Versuch, der sich sehen lassen kann. Über einige wenige Logiklücken sieht man da gern hinweg.
 
 
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Teenager Tommy hat es nicht leicht. Seine Eltern leben getrennt und der Junge hat keine Freunde, weshalb er sich zurückzieht und Bilder malt. Als die Mutter einen Nervenzusammenbruch erleidet, soll der Jugendliche beim Vater wohnen. Der entpuppt sich als Hausbesetzer und plündert abrissreife Gebäude, um sich mit dem Verkauf von Kupferrohren über Wasser halten zu können. Leider ist der Vormund kein unbeschriebenes Blatt, was den Jungen stutzig macht, weil der Vater eigenartiges Verhalten an den Tag legt. Als der von Zuhältern zusammengeschlagen wird und im Krankenhaus landet, ist Tommy auf sich allein gestellt. Nun ist guter Rat teuer. Im neuen Zuhause scheint es nicht mit rechten Dingen zuzugehen. Seltsames Poltern ist im Apartment nebenan zu hören. Leider wohnt dort schon seit Jahren niemand mehr. Das verursacht natürlich Unbehagen. Doch das Leben schlägt manchmal sonderbare Wege ein. Beim Zeichnen auf einer Parkbank lernt er die geheimnisvolle Carmen kennen. Schnell entsteht zwischen den Jugendlichen eine innige Freundschaft, die keine Grenzen kennt. Zusammen versucht man das Geheimnis der unheimlichen Geräusche zu ergründen, die Tommy Nacht für Nacht den Schlaf rauben. Leider ist die Auflösung alles andere als erbaulich.
 
 
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Grusel mit Anspruch. THE FORGOTTEN setzt Köpfchen voraus, was aufgrund der hohen Anzahl an trivial gedrehter Spuk- und Geisterfilme der letzten Jahre schon als Glanzleistung betitelt werden kann. Viele davon machen nämlich das Hirn des Zuschauers zu Brei, wenn mit schlechten Geschichten versucht wird, Unterhaltung vorzugaukeln. Im Grunde besteht das Ergebnis dann aber doch nur aus einer Aneinanderreihung von Klischees. Der englische Regisseur OLIVER FRAMTON macht da einiges anders. Hinter dem Schauerdebüt von der Insel verbirgt sich nämlich ein berührender und zugleich deprimierend-trauriger Geisterfilm, der vor allem durch hervorragend besetzte Jungdarsteller überzeugen kann. Wie im schwedischen SO FINSTER DIE NACHT entsteht hier eine Freundschaft zwischen zwei Jugendlichen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Während der 14jährige Tommy (CLEM TIBBER) als Einzelgänger durchs Leben geht und zurückgezogen in einer ganz eigenen Welt lebt, verschanzt sich die unnahbare Carmen (ELARIA JOHNSON aus AFTERDEATH) hinter dicken Mauern und lässt kaum Schwäche zu. Trotz ihrer Gegensätze erkennen die pubertierenden Protagonisten schnell, dass sie mehr Gemeinsamkeiten besitzen als anfangs vermutet. So machen sich die beiden auf, ein Rätsel zu lösen, das den Zuschauer durch seine unbefriedigende und unerwartete Auflösung leider vor dem Kopf stößt, den Zuschauer aber gleichzeitig da packt, wo es weh tut. Kino kann manchmal ein richtiges Arschloch sein.
 
 
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THE FORGOTTEN ist nichts für Arthouse-Hasser. Dieser Genrestreifen gehört zu jener Gattung Film, die man eigentlich gern im Programmkino sehen würde. Statt plakative Grusel- und Schockeffekte abzuhandeln, waren Drehbuchautor JAMES HALL die Hauptdarsteller wichtig. Demzufolge liegt der Fokus mehr auf Charakterentwicklung und Drama, statt auf Spuk und Erschrecken. Weil es der Film ruhig angeht und so Unheil gemächlich aufgebaut wird, ist THE FORGOTTEN garantiert kein Film für Gegner des langsamen Erzählens. Die sollten besser nach kommerziellem Spukkino Ausschau halten. Der nächste Blödsinn aus Hollywood lässt mit Sicherheit nicht lange auf sich warten. Da sind wir uns sicher.
 
 


 
 
 

THE FORGOTTEN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Authentisch gespieltes Schauerstück vor ungewöhnlicher Gruselkulisse. THE FORGOTTEN beweist, dass es nicht nur in alten Herrenhäusern oder modrigen Kellergewölben spuken kann. Auch in heruntergekommenen Neubaublöcken Großbritanniens finden es Geister gemütlich. Triste Wohnviertel in sozialen Brennpunkten laden ein zu Spuk auf hohem Niveau. THE FORGOTTEN ist keiner dieser konventionell zusammengekleisterten Gruselfilme. Hier nimmt man sich Zeit für Charakter und Emotionen, so dass Spuk und Budenzauber beinahe zu kurz kommen. Ein gute Entscheidung: THE FORGOTTEN berührt – vor allem wegen der Antihelden, die von talentierten Jungdarstellern verkörpert werden. Mehr Drama statt Horror steht auf dem Programm, was den Beitrag aus der Masse hervorstechen lässt. Wer mit dem schwedischen SO FINSTER DIE NACHT was anfangen konnte, wird sich hier gut aufgehoben fühlen. THE FORGOTTEN ist nämlich mehr oder weniger vom gleichen Kaliber. Ungewöhnlich, ergreifend und sehenswert.
 
 
 


 
 
 

THE FORGOTTEN – Zensur

 
 
 
In THE FORGOTTEN gibt es weder Gewalt noch Blut zu sehen. Hierbei handelt es sich um ein Gruseldrama, das eher von seiner unheilvollen Stimmung lebt, als die Geschehnisse in Blut zu ertränken. Weil es doch hin und wieder etwas unheimlich wird, bekommt der Streifen in Deutschland vermutliche eine FSK16. Insofern sich überhaupt ein Label finden lässt, das den Film hierzulande veröffentlichen möchte. THE FORGOTTEN ist nämlich sehr speziell und richtet sich eher an ein Arthaus-erprobtes Publikum. Übrigens: das Filmplakat ist vollkommen irreführend. Hier wird reißerischer Geisterspuk vorgegaukelt. Der Film ist aber ein ganz anderes Kaliber.
 
 
 


 
 
 

THE FORGOTTEN – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
So finster die Nacht (2008)
 
Let Me In (2010)
 
Citadel – Wo das Böse wohnt (2012)
 


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