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Filmkritik: „Crush the Skull“ (2015)

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CRUSH THE SKULL

Story

 
 
 

Ein paar Kleinkriminelle erleben die Hölle auf Erden. Sie steigen in Häuser ein und rauben sie aus. Leider haben sie sich diesmal das falsche Anwesen ausgesucht. Denn hier lebt das personifizierte Böse.

 
 
 


 
 
 

CRUSH THE SKULL – Kritik

 
 
 
Wenn Träume wahr werden. Die Webseite KICKSTARTER hat einmal mehr ein Wünschlein erfüllt und ermöglicht, dass ein Horrorfilm gedreht werden konnte. Der nennt sich CRUSH THE SKULL und wurde vom Newcomer VIET NGUYEN inszeniert, der bereits 2014 auf der bekannten Finanzierungsplattform zum Spenden aufrief und genug Filmfans dazu bewegen konnte mehr als 75.000 US-Dollar zu sammeln. Was jedoch auf der Crowdfunding-Seite als rabenschwarzer Mix aus Komödie und Horrorthriller beworben wurde, ist letzten Endes mehr Horror statt bitterböse Lachnummer. Für eine Komödie sind die eingestreuten Comedy-Elemente zu rar gesät. Tauchen sie dann doch mal auf, funktionieren sie nicht und wirken eher störend, weil CRUSH THE SKULL tatsächlich vorrangig ernster Natur ist. Das ist etwas bedauerlich, weil der Streifen durchaus was kann. CRUSH THE SKULL unterhält – zwar nicht immer helle, dafür kurzweilig. Etwas, dass immer wenigeren Horrorfilmen neueren Datums gelingt.
 
 
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Home-Invasion-Horror wird geboten, der jedoch diesmal nicht aus der Perspektive der Opfer erzählt wird, sondern die Geschehnisse aus den Augen der Bösewichte betrachtet. Ollie (CHRIS DINH) und Blair (KATIE SAVOY) sind eigentlich anständige Leute. Nur ab und an steigen sie in fremde Häuser ein, um sich mit gestohlenem Schmuck über Wasser halten zu können. Doch damit soll nun Schluss sein. Ein letzter Einbruch – danach möchte das Paar die kriminelle Laufbahn an den Nagel hängen. Leider verläuft der Einsatz nicht nach Plan, Ollie landet im Gefängnis und wird von der Liebsten für ein stattliches Sümmchen freigekauft. Neues Geld muss her, denn der Wunsch nach Freiheit hat ein großes Loch in die ohnehin schon leere Haushaltskasse gefressen. Abermals soll es ein Einbruch richten. Doch der wird diesmal für alle Beteiligten zum Verhängnis. Ein schmuckes Haus in einer guten Wohngegend ist nicht, was es zu sein scheint. Statt Kostbarkeiten finden die Hobbyeinbrecher darin Gevatter Tod. Ein wahnsinniger Serienkiller hat aus dem Haus seinen ganz privaten, hochperversen Foltertempel gemacht. Hier quält er ahnungslose Menschen zu Tode und lässt dazu die Kamera rattern. Drinnen ist man schnell – nur Rauszukommen wird zum Problem. Ob die unvorbereiteten Diebe ihren gesetzeswidrigen Fehler überleben werden?
 
 
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CRUSH THE SKULL basiert auf zwei früheren Werken des Regisseurs, die er bereits 2010 bzw. 2013 in Form von Kurzfilmen veröffentlicht hat. Bereits dort konnte der Filmemacher unter Beweis stellen, dass man auch mit kleinem Budget kurzweiligen Nervenkitzel heraufbeschwören kann. Seiner Linie bleibt VIET NGUYEN treu, der schon als Cutter an Serien wie IZOMBIE oder THE FOLLOWING beteiligt gewesen ist und mit dem ersten eigenen Spielfilm zeigt, dass man nicht viel Geld braucht, um durchaus unterhaltsame Filme zu drehen – insofern das Drehbuch überzeugt. Dieses vergleichsweise magere Budget sieht man CRUSH THE SKULL zu keiner Minute an. Ganz im Gegenteil. Regisseur VIET NGUYEN lässt den ersten Langfilm nach deutlich mehr Kohle ausschauen und improvisiert, wenn es der Finanzplan gebietet. So werten erfahrene Schauspieler das Geschehen auf, die bereits in den Kurzfilmen des Machers zu sehen waren. Sie agieren im Filmdebüt sympathisch und sorgen dafür, dass der Zuschauer mitfiebert, wenn es ihnen im Film an den Kragen geht. Damit ist CRUSH THE SKULL vielen Low-Budget-Produktionen gleichen Kalibers Längen voraus, denn oftmals machen dort untalentierte Laiendarsteller das Treiben fürs Publikum ungenießbar und schaffen es, sich seinen Zorn zuzuziehen. Von ungenießbar ist CRUSH THE SKULL also weit entfernt. Der Film kopiert nicht ungeschickt einen der Horror-Geheimtipps von 2009, der unter dem Titel THE COLLECTOR vor allem bei Fans fürs Grobe auf Interesse stieß. Hier musste sich ein Einbrecher durch ein mit Fallen bespicktes Heim vorarbeiten, um wieder in die Freiheit zu gelangen. Ähnliches Prinzip verfolgt auch CRUSH THE SKULL in dem Bösewichte zu Helden umfunktioiert werden und sich vor einem Psychopathen in Acht nehmen müssen, der die Eindringlinge in seinem Folterhaus eingesperrt hat, damit er sie möglichst brutal abschlachten kann. Leider musste auf übertriebenes Gemetzel verzichtet werden, weil Geld knapp war. Schlecht macht das diesen Überlebens-Horror nicht unbedingt, denn der Streifen gleicht dieses Manko anderweitig aus.
 
 
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CRUSH THE SKULL folgt unkonventionellem Wege und überrascht mit souveränem Tempo. So wird die Geschehnisse nie langweilig. Die Machart orientiert sich an gutem Horrorstandard und lässt nacheinander Freunde sterben, bevor auch der wahre Übeltäter sein Leben lassen muss. Aufgelockert wird die eigentlich austauschbare Handlung durch unerwartete Wendungen und einen knackigen Filmtwist. Beides gehört ja im Horrorfilm mittlerweile zum guten Ton, damit man sich an Filme auch noch drei Tage nach der Sichtung erinnern kann. Verübeln kann man die massentaugliche Inszenierung keineswegs. Im Falle von CRUSH THE SKULL sorgt die nämlich für kurzweiliges Popcornkino für das man den Kopf besser ausschaltet. Ohne Schnörkel zum Ziel lautet die Devise, die definitiv für unterhaltsame 90 Minuten sorgt. Nur darauf kommt es beim Schauen von Filmen an, schließlich ist das Unterhalten des Publikums das eigentliche Ziel eines jeden Filmemachers.
 
 
 


 
 
 

CRUSH THE SKULL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Spannender und wendungsreicher Überlebens-Horror im Stile von THE COLLECTOR. CRUSH THE SKULL wurde mit einem Budget gedreht, das man in Hollywood-Kreisen auch als Mikrobudget betitelt. Relativ: Dort bekommt man für das gleiche Geld gerade mal ein Catering geliefert, damit das Filmteam satt über den Tag kommt. Umso überraschender, was Regisseur VIET NGUYEN mit jenem überschaubaren Kapital von gerade einmal 75.000 US-Dollar auf die Leinwand gebracht hat. Sein Spielfilmdebüt bietet ein solides Drehbuch mit Drive und Wendungen. Zudem konnte man trotz kleinem Geld anständige Schauspieler engagieren, die den Zuschauer durch eine bitterböse Geschichte führen und gleichzeitig unterhalten. Da kann sich manch teurer Blockbuster eine Scheibe abschneiden. Viele von denen schaffen es trotz konventioneller Geschichten und üppiger Produktionsgelder nicht einmal, den Zuschauer vom Einschlafen zu bewahren. CRUSH THE SKULL zeigt, wie’s besser gehen kann.
 
 
 


 
 
 

CRUSH THE SKULL – Zensur

 
 
 
Viele bösen Szenen gibt es nicht zu sehen. Ein Kopf wird abgetrennt und Messer werden in Körper gerammt. Zudem kommt gegen Ende auch mal die Pistole zum Einsatz und eine Kehle wird aufgeschnitten. Einige Morde passieren im Off. Das dürfte dafür sorgen, dass CRUSH THE SKULL in Deutschland bereits für Jugendliche geeignet sein wird: FSK16.
 
 
 


 
 
 

CRUSH THE SKULL – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Collector (2009)
 
Haus der Vergessenen (1991)
 
Don’t Breathe (2016)
 
The Collector 2 – The Collection (2012)
 
Tiger House (2015)
 


Filmkritik: „Metal Beast“ (1995)

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METAL BEAST

(PROJECT METALBEAST)

Story

 
 
 
In den Siebzigern hat es ein Duo amerikanischer Geheimdienstsöldner ins ländliche Ungarn verschlagen. Ziel der schwerbewaffneten Todesboten: Werwolfsblut fürs Verteidigungsministerium. Nach Kämpfen kann Butler, einer der Agenten, eine Probe zurück in die Staaten schaffen. Dort pfeift sich der Patriot den Stoff aus Frust über die Bürokratie selbst ein, muss nach Randale gerichtet werden du landet in der Kühltruhe. Schließlich ist er das Behältnis der mühsam besorgten Monsterblutkörperchen. Die Jahre, dann Jahrzehnte vergehen und die Perversität der Waffeningenieure ist selbstverständlich gestiegen. Supersoldaten-Experimente mit einer panzerartigen Stahlhaut und – natürlich – der gefrosteten Leiche Butlers gerate aus dem Ruder, als sich der tote Waffengänger pünktlich zum Vollmond in den stählernen Werwolf METAL BEAST verwandelt.
 
 
 


 
 
 

METAL BEAST – Kritik

 
 
 
Mitte der Neunziger, der europäische Ostblock hatte sich gerade an den Postkommunismus gewöhnt und stand in den Startlöchern zum Kapitalismus. In diesen Flohmarktjahren begann die Praktik der dortigen Staaten, mittelalterliche Kulissen und auch die landeseigenen Filmproduktionsstätten an amerikanische Filmemacher zu vermieten. Die üblichen Independent-Verdächtigen, also Roger Corman, Fred Olen Ray oder Charles Band verlagerten ihre Wirkungsstätten fast gänzlich nach Ungarn, Rumänien, Bulgarien, etc. Die Major Studios zogen erst im Anschluss, nach vorsichtiger Analyse der Erfolge der schmutzigen kleinen Brüder hinterher. Erwähnte Kleinfilm-Ferkel liefen, unterstützt von den kostengünstig aber knallhart geschult und professionell arbeitenden ortsansässigen Mitarbeitern zur Hochzeit auf. Eine zarte Blütezeit, immer als Osteuropa-gedreht erkennbarer B-Horror-Filmkunst fand statt.
 
 
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Ein weiteres ungeschriebenes Gesetz der Genrefilm-Exploitation dieser Jahre empfahl das Casting eines Stars mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum. Sicher, diese Praktik ist auch in der Gegenwart, mit ihren fünfzig CGI-Monsterhaien im Jahr noch Gang und so weiter. Nur möchte man den vor selbstgerechter, ach so postmoderner Ironie triefenden Produzenten-Zuhältern für das Anheuern von David Hasselhoff, gescheiterten B-Stars oder Pornomops Ix Ypsilon sofort ein paar aufs Maul hauen. In ein paar Jahren wird man den Kopf über PENISPROTHESENSHARK VS. BACKOFENREINIGERWOLF 3 genauso den Kopf schütteln wie über weibische Studenten-Bürschchen mit Zwirbelschnurrbart. Fucking fuck. Zurück zu METAL BEAST, dessen Prominenzwert sich mit Barry Bostwick begnügen muss. Der Gute war einst ein Hauptdarsteller der ROCKY HORROR PICTURE SHOW und dann schnell unter die Räder gekommen, bis ihn die Rolle des eitel-blöden Bürgermeisters in der gelungenen Comedy-Serie CHAOS CITY wieder mit ein wenig Oberwasser versorgen konnte. Hier läuft er planlos durch die Sets und ermurmelt sich sein Honorar. Im Kostüm des blecheren Lupus steckt niemand anderes als Stuntman-Schlachtross und Motorradfan KANE HODDER, der sich 1995 auch nicht gedacht hätte, für ähnlich anspruchsvolle Auftritte in diversen Installments von FREITAG DER 13. ein paar Jahre später zum Stammgast bezahlter Autogramm-Conventions und namhaftem Darsteller zahlloser günstig produzierter Neo-Horror-Vergessenswertigkeiten zu werden. Es sei ihm von Herzen gegönnt.
 
 
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METAL BEAST profitiert vom alles ausgleichenden Faktor Zeit. Hat der Horrorfan der Neunziger – es war die Epoche der VHS-Bootlegs und später sogar offiziellen Veröffentlichungen ungeschnittener Splatter-Klassiker aus Italien und anderswo – bei erscheinen nur im Notfall (also wenn EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL gerade ausgeliehen war) aktuelle Genrefilme in den Rucksack gepackt, betrachtet er sich einen METAL BEAST heute mit der Milde, gemeinsam mit diesem Film zwanzig Jahre älter geworden zu sein. Nicht zu vergessen hat so ziemlich jede Osteuropa-Reise amerikanischer Horror-Häcksler mehr Sympathie und Fanfreundschaft als bereits erwähnte Haischeiße aus dem Computer zu bieten. Der Werwolf an sich ist ja schon ein blutrünstiger Kamerad, die Fetzen in PROJECT: METALBEAST, wie der Film des nur wenig in Erscheinung getretenen Auftragsregisseurs ALESSANDRO DE GAETANO im amerikanischen Original heißt, fliegen ebenso kurzweilige wie ungekürzte achtundachtzig Minuten – mit leichtem Punktabzug für einen schleppenden Mittelteil – tüchtig.
 
 
 


 
 
 

METAL BEAST – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Ironiefreier, sympathischer Neunziger Monsterfilm mit ordentlich Gehacke. Hätte man sich 1995/96 nicht ausgeliehen. Heute aber ist’s die schiere Freude über eine schändlicherweise längst vergangene Genrefilm-Kultur, die METAL BEAST zu einer DVD-Anschaffung erklärt, die man als traditionsbewusster Horrorfilmliebhaber nicht bereuen dürfte.
 
 
 


 
 
 

METAL BEAST – Zensur

 
 
 
Wie bereits die von NEW VISION veröffentlichte Videokassette ist auch die nun erschienene DVD komplett. Wer sich gern umgeschnittene Horrorklassiker ins Regal stellt, kann bedenkenlos zugreifen. METAL BEAST ist angeschnitten – aber erst für Erwachsene freigegeben (keine Jugendfreigabe).
 
 
 


 
 
 

METAL BEAST – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Mig Filmgroup | Eurovideo

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Project: Metalbeast; USA 1995

Genre: Horror, Monster, Thriller

Ton: Stereo 2.0 Deutsch, Stereo 2.0 Englisch, Stereo 2.0 Französisch

Untertitel: Keine

Bild: 1,33:1

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: keine

Release-Termin: 07.04.2016

 
 
 

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METAL BEAST – Trailer

 
 

 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken / Packshot liegen bei MIG FILMGROUP | EUROVIDEO)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Howl (2015)
 
Late Phases (2014)
 
Wolves (2014)
 
Wer – Das Biest in Dir (2013)
 
Xtro II – Die zweite Begegnung (1990)
 
X-Tro 3 (1995)
 


Filmkritik: „Scherzo Diabolico“ (2015)

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SCHERZO DIABOLICO

Story

 
 
 
Einem fleißigen Rechtsanwalt platzt der Kragen. Weil er im Job nur ausgenutzt wird und auch zuhause mit der Familie keinen Frieden findet, schmiedet er einen diabolischen Plan. Mit unvorhersehbaren Folgen.

 
 
 


 
 
 

SCHERZO DIABOLICO – Kritik

 
 
 
Die Sprache des Horrors ist in jedem Land gleich und kennt somit keine Grenzen. So auch in Mexiko, das sich seit einigen Jahren überraschend konstant darin übt, beunruhigende Geschichten in Kinos und Wohnzimmer in aller Welt zu bringen. Dass das Land von Tequila und Tortillas nicht nur Horror-Eintagsfliegen hervorbringt, hat man mit Filmen wie Guillermo Del Toros Debüt CRONOS, THE DEVIL’S BACKBONE oder WIR SIND WAS WIR SIND bewiesen. Letzterer überrumpelte selbst Hollywood, so dass ein amerikanisches Remake her musste, das aber in den heimischen Kinos nicht den erhofften Erfolg brachte. Wen wundert’s? Zuletzt hat Mexiko dank des Regisseurs ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO Horror-Aufsehen erregt. Der Mexikaner landete mit HERE COMES THE DEVIL gleich mal einen Indie-Horror-Hit, der bei anspruchsvollen Festivalbesuchern bleibenden Eindruck hinterließ. Ob das auch mit der bitterbösen Parabel SCHERZO DIABOLICO wiederholt werden kann, für die ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO ebenso verantwortlich zeichnet?
 
 
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Eigentlich ist Rechtsanwalt Aram ein Arbeitnehmer aus dem Bilderbuch. Stets pünktlich am Arbeitsplatz, schuftend wie kein anderer. Vom Chef erhält er keine Anerkennung. Noch nicht mal für Überstunden, die er fast tagtäglich abreißt. Auch zu Hause herrscht nicht gerade eitel Sonnenschein. Arams Ehefrau ist von der Feigheit ihres Gatten alles andere als erfreut und bestraft den Liebsten mit Sexentzug – weil der nicht den Mut besitzt, eine Entlohnung für die Mehrarbeit einzufordern. Doch damit soll nun Schluss sein. Aram schmiedet einen hinterlistigen Plan. Er beschattet die Tochter des Kanzleiboss Granovsky und entführt das ahnungslose Mädchen in der Hoffnung, dass der Vorgesetzte die Arbeit vernachlässigt und entlassen wird. Tatsächlich trägt das fiese Vorhaben Früchte. Granovsky ist psychisch am Ende und muss die Firma verlassen. Seinen Platz nimmt Aram ein, der nun hofft, dass sich das Schicksal zum Besseren wenden wird. Leider kommt natürlich alles anders. Wie im Horrorbereich üblich, haben die Opfer das letzte Wort. Die lassen Arams Demütigungen nicht auf sich sitzen und dürsten nach Rache – am liebsten blutig und kompromisslos.
 
 
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Einmal Horror immer Horror. Ein schnell improvisiertes Sprichwort, dass sich aber immer wieder bewahrheitet. Nach HERE COMES THE DEVIL, THE ABCS OF DEATH und LATE PHASES bleibt der Mexikaner ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO dem Genre treu und unterhält nach gefräßigen Werwölfen, unartigen Kindern und perversen Serienkillern zur Abwechslung mit Rachegelüsten der makabren Sorte. Wie bereits der Titel SCHERZO DIABOLICO vermuten lässt, geht es im gleichnamigen Film selbst reichlich zynisch und schwarzhumorig zu. Im Verlauf der Handlung werden die Rollen neu verteilt und unerwartete Wendungen nehmen ihren Lauf. So brennen dem Filmhelden später die Sicherungen durch. Der anfangs rechtschaffene und sympathische aber bereits desorientierte Hauptcharakter wird zum Handlanger des Bösen. Um eigene Interessen durchsetzen zu können und endlich mal auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen, handelt er gegen das Gesetz. Leider ist und bleibt Protagonist Aram der geborene Pechvogel. Mit seinem Vorhaben setzt er eine Kettenreaktion in Gang, die nur zu Chaos führen kann. Ihm ereilt eine bitterböse Strafe, weil er gewissenlos gehandelt hat. Eine gewisse Ironie lässt sich nicht von der Hand weisen – das gibt SCHERZO DIABOLICO in der letzten halben Stunde auch dem Zuschauer unverblümt zu verstehen.
 
 
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Trotz ambitionierter Machart und bitterböser Geschichte über selbstsüchtiges Streben nach Macht und Erfolg, ist SCHERZO DIABOLICO ein zweischneidiges Schwert. Nach den erwähnten Arbeiten von Regisseur ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO, die auf vielen Filmfesten (darunter auch dem FANTASY FILMFEST) Lob einheimsen konnten, entpuppt sich SCHERZO DIABOLICO als kleine Enttäuschung. Grund: es dauert zu lange, bis es für Horrorfans endlich interessant wird. Zudem ist diese mexikanische Thriller-Produktion nur auf ein möglichst reißerisches Finale aus, in dem viel flüssiges Rot auf Boden und Wände klatscht. Im Gegensatz zu dem, was der Regisseur bisher auf die Leinwand gebracht hat, fehlen SCHERZO DIABOLICO schlichtweg Einzigartigkeit und Raffinesse. Gewalt allein macht eben keinen Horrorfilm herausragend. So geht es im Finale drunter und drüber. Im dort zelebrierten Racheakt wird Exploitation pur gezeigt – quasi so, wie man sie in den deutschen Bahnhofskinos der 1970er und 80er zu sehen bekam. Köpfe werden zermatscht aber auch Waffen und Baseballschläger kommen zum Einsatz. Im Vergleich zur eher zurückhaltend und bedacht inszenierten ersten Filmhälfte ist das Gezeigte äußerst grenzwertig und nicht für jedermann geeignet. Horrorfans wird’s nicht stören. Immerhin: Weil’s übertrieben blutig wird, fällt gar nicht auf, dass Gründe und Auslöser für die im Film dargestellte Selbstjustiz dünn, fadenscheinig und unglaubhaft sind. Psychologen dürften da wohl das kalte Grausen bekommen. Egal – im Horrorfilm ist eben alles möglich und ist es auch noch so dämlich.
 
 
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SCHERZO DIABOLICO – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Auch in Mexiko wird blutig gerächt: Bitterböses Rachefilmchen mit äußerst brutalem Finale, das Liebhabern reißerischer Exploitation-Schocker feuchte Höschen bescheren wird. Splatterfans kommen in SCHERZO DIABOLICO definitiv auf ihre Kosten. Hier wird ein schmuddeliger Mexiko-Look mit deftigen Gewalteskapaden vermengt, welche von klassischen Klavierstücken begleitet werden. Letztere bieten Symbolcharakter und sind Auslöser für eine Tat, die eher zartbesaitete Zuschauer verstört in den Kinosessel pressen wird. Leider tut sich der mexikanische Rachethriller schwer mit dem Erzählen seiner Geschichte. Die braucht lange, bis sie an Fahrt gewinnt und lässt Horrorfans ungeduldig auf das warten, was sich Regisseur ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO für sein Finale hat einfallen lassen. Eine Spirale der Gewalt wird in Gang gesetzt, die schwarzhumorig und grotesk zeigt, was rücksichtloses Gieren nach Macht bewirken kann. Das ist zwar reichlich unglaubwürdig, wird aber den meisten Zuschauern egal sein – schließlich spritzt Blut. Kann man gucken, muss man aber nicht.
 
 
 


 
 
 

SCHERZO DIABOLICO – Zensur

 
 
 
Überraschend blutig geht es in SCHERZO DIABOLICO zu. Das hätte man gar nicht erwartet, weil der Film eher zurückhaltend und behäbig beginnt. Im letzten Akt geht es drunter und drüber. Ein gekidnapptes Opfer dreht vollkommen durch und töte alles, was in die Quere kommt. Da werden Köpfe zermatscht und die Kamera hält drauf. Da die FSK immer große Probleme mit Selbstjustiz in Filmen besitzt, könnte es durchaus Probleme geben. Wir schätzen aber mit einer Erwachsenenfreigabe – ungeschnitten: keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

SCHERZO DIABOLICO – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Quelle der Bilder: scherzodiabolico.com)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bound to Vengeance (2015)
 
I Spit on Your Grave 3 (2015)
 
Evangeline – Rache ist stärker als der Tod (2013)
 
Big Driver (2014)
 
Daddy’s Little Girl (2012)
 


Filmkritik: „Where the Devil Dwells“ (2014)

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WHERE THE DEVIL DWELLS

Story

 
 
 
Der psychisch kranke Sohn (WALTER PEÑA) eines getöteten Serienmörders wird aus der Anstalt entlassen und darf einem geregelten Leben in den eigenen vier Wänden nachgehen – unter strenger Aufsicht und hohen Sicherheitsauflagen versteht sich. Leider passieren dort bald seltsame Dinge.

 
 
 


 
 
 

WHERE THE DEVIL DWELLS – Kritik

 
 
 
Was hätte das bloß für psychische Auswirkungen auf den Nachwuchs, wenn sich herausstellen würde, dass die Eltern unberechenbare Serienmörder wären und ahnungslose Menschen im Namen Satans abgeschlachtet hätten? Wenn es nach Regisseur MARC-ANDRE SAMSON geht, dann nähmen die finsteren Machenschaften der Eltern maßgeblichen Einfluss auf die psychologische Entwicklung und das Leben der Kinder, die im Erwachsenenalter erhebliche Schwierigkeiten bekommen, sich ohne Weiteres in die Gesellschaft einzugliedern. Just diese These bildetet das Fundament des Psychothrillers WHERE THE DEVIL DWELLS. Der wurde mit einem schmalen Budget von 50.000 US-Dollar gedreht und zeigt mal wieder, dass sich Horror nicht nur durch Mordszenen und Publikums-Erschrecken definiert. MARC-ANDRE SAMSON ist eigentlich bekannt für visuelle Effekte teurer Hollywoodproduktionen wie CABIN IN THE WOODS oder I AM LEGEND. Neuerdings dreht er aber auch selbst Filme – mit bedeutend weniger Budget. Dass das nicht zwangsläufig Schlechtes bedeuten muss, haben schon viele Indie-Produktionen gezeigt. Was zählt sind Ideen und Improvisationstalent. Über beides verfügt WHERE THE DEVIL DWELLS reichlich.
 
 
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In WHERE THE DEVIL DWELLS muss sich Protagonist Lenard Vasquez der Vergangenheit stellen. Er ist der Sohn des verstorbenen Serienkillers Oren „The Butcher“ Vasquez (DAVID O’HARA) und leidet an paranoider Schizophrenie. Nachdem er einen Mann fälschlicherweise als Satanisten bezichtigt und ihn körperlich angreift, wandert er in die Psychiatrie. Nach einiger Zeit wird er entlassen und soll die Reststrafe als Hausarrest in der eigenen Wohnung absitzen. Hierfür wird ihm vom diabolischen Sheriff Don Miller (SCOTT ANTHONY LEET) ein Sensor ans Bein geheftet, der es ihm verbietet, das Grundstück zu verlassen. Doch die Freude über die milde Haftstrafe währt nicht von langer Dauer. Satanistische Symbole pflastern bald den Eingangsbereich des Hauses und geopferte Tiere liegen vor der Tier. Zudem passieren allerhand schaurige Dinge, die sich Lenard nicht erklären kann. Spukt es im Haus oder ist hier jemand zu makabren Scherzen aufgelegt? Die seltsamen Ereignisse verunsichern den psychisch gebeutelten Helden zutiefst. Zunehmend fragt er sich, ob die Streiche nur seinem kranken Geist erscheinen oder tatsächlich passieren. Der Zuschauer wird’s erfahren.
 
 
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Was harmlos beginnt, wird immer verwirrender. Das ist Kern dieses psychologischen Horrorstücks, das sich dank gelegter Fährten und geschickt platzierter Anhaltspunkte ziemlich gekonnt in Manipulation übt. So verschwimmen schon bald die Grenzen von Fiktion und Realität. Üble Scherze, ist der Vater von den Toten auferstanden oder sind die Geschehnisse Manifestation eines kranken Kopfes? Die Antwort wird von Regisseur MARC-ANDRE SAMSON gut gehütet, der erst nach und nach lüftet, was er sich da im Drehbuch clever zusammengekritzelt hat. Das hält den Spannungsbogen konstant und fesselt einen vorm Bildschirm, zumal sein Macher das Verwirrspiel mit allerhand Wendungen und Twists gespickt hat, die sich gegen Ende sogar den Rang ablaufen. Bleibt zu erwähnen, dass man sich vom eher gemächlichen Einstieg nicht abschrecken lassen sollte. Gewinnt WHERE THE DEVIL DWELLS an Fahrt, ist er nicht mehr zu bremsen. Ein gutes Beispiel dafür, dass man auch mit kleinem Geld, interessante Horrorfilme drehen kann. Mehr davon!
 
 
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WHERE THE DEVIL DWELLS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Kleines Budget, aber oho. Raffiniertes Psychospiel mit fiesen Wendungen und tatsächlich überraschender Auflösung. Man sollte sich nicht von den gemächlich erzählten ersten dreißig Minuten dieser gemeinen Charakterstudie abschrecken lassen. WHERE THE DEVIL DWELLS hat einige Asse im Ärmel. Im Film ist Figur Lenard Vasquez in einer Art eigenem Fegefeuer gefangen und wird jeden Tag aufs Neue daran erinnert, was für ein Monster der Vater doch war. Der war einer der bösartigsten Serienkiller des Landes und mit dem Satan im Bunde. Psychisch hat das Spuren beim Sohnemann hinterlassen, der nun mit Medikamenten versucht, das missratene Leben wieder in den Griff zu bekommen. Leider neigen die sich die Pillen bald dem Ende, was für allerhand Verwirrung bei Zuschauer und Filmheld sorgen wird. WHERE THE DEVIL DWELLS ist ein taktisch gut durchdachtes Verwirrspiel, das seine Trümpfe in den letzten zwanzig Minuten ausspielt. Dort überschlagen sich die Ereignisse und es kommt zum blutigen Showdown. Regisseur MARC-ANDRE SAMSON spielt hier ein makabres Psychospiel und überzeugt auf ganzer Linie. Da will man sich nicht vorstellen, was aus WHERE THE DEVIL DWELLS geworden wäre, wenn millionenschweres Budget zur Verfügung gestanden hätte und die Hauptrolle von Hollywoods A-Prominenz besetzt gewesen wäre. Vielleicht krallt sich die Traumfabrik die Remakerechte. Macher MARC-ANDRE SAMSON könnte da sicherlich vermitteln. Der war nämlich in der Abteilung „Visuelle Effekte“ an manchem Hollywood-Blockbuster beteiligt.
 
 
 


 
 
 

WHERE THE DEVIL DWELLS – Zensur

 
 
 
WHERE THE DEVIL DWELLS beginnt eigentlich recht harmlos. Erst im Finale geht es kräftig zur Sache. Da werden Hälse aufgeschnitten und von Schusswaffen Gebrauch gemacht. Mit viel Glück gibt es eine FSK16. Eine Erwachsenenfreigabe wäre aber realistischer.
 
 
 


 
 
 

WHERE THE DEVIL DWELLS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Midnight Releasing)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Darling (2015)
 
Enter the Dangerous Mind (2013)
 
Hemorrhage (2012)
 
Simon Killer (2012)
 
Magic Magic (2013)
 
The Babadook (2014)
 


Filmkritik: „Most Likely to Die“ (2015)

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MOST LIKELY TO DIE

Story

 
 
 
Ein Killer im Schulabschluss-Outfit macht Jagd auf befreundete Endzwanziger, die ein Klassentreffen besuchen wollen.

 
 
 


 
 
 

MOST LIKELY TO DIE – Kritik

 
 
 
Autsch! Was für ein herber Rückschlag für Regisseur ANTHONY DIBLASI. Dabei hatte er zuletzt ein gutes Händchen für markerschütternden Horror bewiesen und mit dem schaurigen Okkult-Thriller LAST SHIFT effektiv an den Schock- und Spannungsschrauben gedreht. Demzufolge sind die Erwartungen beim Zuschauer hoch. Der hofft natürlich, dass jetzt ebenso schaurig-unheimlicher Horror nachgeschoben wird. Doch die Enttäuschung ist bereits auf dem Weg. MOST LIKELY TO DIE heißt der nächste Streich des Herrn DIBLASIS, der sich diesmal nicht mit Geistern oder Sektengurus beschäftigt, sondern müde Slasher-Fans glücklich machen möchte. Doch die dürften sich wenig beeindruckt von dieser Schlitzer-Gurke zeigen. Nein, MOST LIKELY TO DIE ist nicht gerade das, was man unter originell oder clever führen würde. Vielmehr wird die ewig gleiche Leier vom maskierten Psychopathen abgespielt, der aus Rachsucht und Horror-Tradition möglichst kreativ und abwechslungsreich zu morden hat. Vergleicht man MOST LIKELY TO DIE mit den unzähligen Meuchelstreifen, die seit dem Slasher-Boom Ende der 1970er in die Lichtspielhäuser und Wohnzimmer gebracht wurden, lassen sich kaum Alleinstellungsmerkmale finden. Alles wie gehabt. Neu ist hier nur die Verkleidung des Killers, der seine Identität nicht hinter Hockeymaske, Kartoffelsack oder William Shatner-Maske verstecken möchte. Der Bösewicht in MOST LIKELY TO DIE hetzt im Schulabschluss-Outfit durchs Szenario und tötet mit einem handelsüblichen Teppichmesser ahnungslose Opfer. Für Beil oder Machete war er sich wohl zu fein. Oder zu pleite.
 
 
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In diesem Horror-Slasher treffen sich ehemalige Schulfreunde zum Klassentreffen. Zehn Jahre ist es nun her, dass sie die Schule verlassen haben. Weil man sich viel zu erzählen hat, versammelt man sich bereits am Abend vor dem Treffen im Haus eines der Ex-Mitschüler. Der scheint mit seiner Freundin wie vom Erdboden verschwunden zu sein, was aber vorerst niemanden stutzig macht. Stattdessen kommt man auf alte Zeiten zu sprechen und kippt sich ein paar hinter die Binde. Beim Durchstöbern des Jahrbuchs kommt das Gespräch auf einen ehemaligen Klassenkameraden. Mit dem meinten es die Freunde nicht gut und machten ihm den Schulalltag zur Hölle. Doch die Retourkutsche folgt sogleich – nö, mit zehnjähriger Verspätung. Eine vermummte Gestalt treibt im Haus ihr Unwesen. Die Benzinleitungen der Autos sind gekappt und ein Killer hat dafür gesorgt, dass kein Handyempfang möglich ist. Die Freunde sitzen in der Falle und müssen nacheinander blutig ihre Leben lassen. Nur, wer ist der stumme Teppichmesser-Schlitzer, der da so unverfroren die Wiedersehensparty stört? Kleiner Tipp: es ist nicht der Gepeinigte, mit dem man vor zehn Jahren Schindluder getrieben hat.
 
 
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Ich weiß, was du vor zehn Jahren getan hast. Horror-Slasher haben die Eigenschaft, nach immer gleichem Schema abzulaufen. Das hat sich über die Jahre so festgefahren – vermutlich, um Horrorfans intellektuell nicht zu sehr zu fordern. Längst haben die immer gleichen Abläufe begonnen zu langweilen, weil man einfach zu viele dieser stets ähnlich gestrickten Filme gesehen hat. So hinterlassen selbst Mord und Totschlag in den wenigsten Fällen Eindruck, was einige Filmemacher dazu veranlasst hat, sich abseits der bekannten Slasher-Pfade zu bewegen. Vorn dabei: WES CRAVEN. Der reanimierte mit SCREAM – SCHREI ein ganzes Subgenre mit – manche sagen zuviel – Ironie und flößte dem doch schon scheintoten Slasher neues Leben ein. Der Erfolg gab ihm recht. Leider ist MOST LIKELY TO DIE weit von den Qualitäten eines SCREAM entfernt. Der Film scheut das Unkonventionelle und verläuft lieber in sattsam bekanntem Bahnen. Das bedeutet, dass hier eben all das passiert, was schon während der ersten Slasher-Welle vor über 30 Jahren im Kino zu sehen war. Ein maskierter Killer macht sich auf, nacheinander Menschen zu töten. Die handeln in den entscheidenden Momenten nicht sonderlich klug und werden effekttechnisch abwechslungsreich in den Filmhimmel befördert. Wer überleben wird, ist keine Überraschung. So bekommen die Protagonisten, die später ohnehin einen grausamen Tod sterben werden, kaum Screentime, während die eigentlichen Helden im Film eine sichtbare Entwicklung durchleben. Im Falle von MOST LIKELY TO DIE sorgt Armors Pfeil sogar dafür, dass zwei Streithähne das Kriegsbeil begraben und im Schlachtfeld erneut zueinander finden. Ist das nicht romantisch?
 
 
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Für MOST LIKELY TO DIE konnte Regisseur ANTHONY DIBLASI einige bekannter Gesichter gewinnen. So gibt es ein Wiedersehen mit GLEE-Serien-Sternchen HEATHER MORRIS, die hier gleich mal die Hauptrolle ergattert hat und als Scream Queen – wenig überraschend – am Ende überleben wird. Ebenso bekannt: Blogger und Reality-TV-Star PEREZ HILTON. Der spielt im Film eine Nebenrolle und wurde vor allem wegen seiner kontroversen Blogbeiträge auf der eigenen Klatsch-Webseite perezhilton.com zum Internetstar. Der verdient mit heißer Luft übrigens geschätzte 800.000 US-Dollar im Monat. Apropos Luft: Trotz prominenter Besetzung bleibt MOST LIKELY TO DIE nicht mehr als ein laues Meuchel-Lüftchen. Zwar können die Schauspieler zur Abwechslung etwas; viel abverlangt wird ihnen trotzdem nicht. Gleiches gilt für die technische Ebene. Der Film schaut bei Weitem besser aus, als der übliche Slasher-Müll für den Videomarkt, der dem Zuschauer tagtäglich zugemutet wird. Die Voraussetzungen hätten nicht besser sein können. Leider wird die Laune vom kopflosen Drehbuch vermasselt. Das macht dem Horrorfan einen Strich durch die Rechnung. Autorin LAURA BRENNAN sollte in Zukunft besser wieder Skripte für triviale TV-Serien schreiben und von Spielfilmen die Finger lassen. Mit ihren langweiligen Geschichten tut sie niemandem einen Gefallen.
 
 
 


 
 
 

MOST LIKELY TO DIE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Bluttriefende Hommage an die Slasher-Filme der 1980er. Hier verbeugt sich jemand ehrfürchtig vor Horrorklassikern wie DIE HORROR-PARTY und MONSTER IM NACHTEXPRESS. Trotz lieb gemeinter Absichten handelt es sich bei MOST LIKELY TO DIE leider doch bloß um einen 08/15-Slasher von jemandem, der sich eigentlich mit Horrorfilmen gut auskennt. Regisseur ANTHONY DIBLASI hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er ein Händchen fürs Angstmachen besitzt. Leider passiert es selbst dem erfahrensten Filmemacher, dass sich unter die vielen Hits auch ein Rohrkrepierer einschleicht. Nach der sehenswerten Clive Barker-Verfilmung DREAD und dem grandiosen Okkult-Grusler LAST SHIFT folgt nun der wenig ambitionierte MOST LIKELY TO DIE – ein eher durchschnittlicher Slasher, der keineswegs das Rad neu erfindet oder gar frischen Wind in das totgefilmte Slasher-Genre pustet. Alles schon mal da gewesen – und sogar besser. Abermals müssen Mittzwanziger ums Überleben bangen, weil sich ein Killer für die Demütigungen rächen will, die ihm die Beschuldigten vor vielen Jahren angedeihen ließen. Klingt nach einer Geschichte, mit der sich gefühlt tausend andere Slasher beschäftigen. Demzufolge ist der Handlungsverlauf vorhersehbar und Spannung kommt kaum auf. Immerhin sind einige Morde recht blutig und das Schauspiel passabel. Zudem ist MOST LIKELY TO DIE auf technischer Ebene vielen anderen günstig produzierten Videoproduktionen um Längen voraus. Ob das allein angesichts so wegweisender Meuchel-Klassiker wie HALLOWEEN oder SCREAM ausreicht, sollte jeder Slasher-Fan für sich selbst entscheiden. Dem FILMCHECKER-Team war dieser Horror-Slasher zu unauffällig, unoriginell und ermüdend.
 
 
 


 
 
 

MOST LIKELY TO DIE – Zensur

 
 
 
Zu sehen gibt es einige Bluteffekte – aber nichts, was man unbedient hervorheben müsste. So bekommt der Zuschauer aufgeschlitzte Kehlen und einen abgerissenen Kopf zu sehen. Weiterhin wird mit einem Teppichmesser in Kopf und Brust gestochen. Außerdem wird ein Eishockeyschläger zweckentfremdet. Erst werden mit dem Schläger Beine zertrümmert. Anschließend wird er in den Mund des Opfers eingeführt und tief in den Hals gerammt. Mit viel Glück könnte es hierzulande für MOST LIKELY TO DIE eine FSK16 geben. Eine Erwachsenenfreigabe ist aber wahrscheinlicher.
 
 
 


 
 
 

MOST LIKELY TO DIE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei MarVista Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Girl in the Photographs (2015)
 
Bastard (2015)
 
Lost After Dark (2015)
 
Hayride – Das Massaker (2012)
 
Hayride 2 (2015)
 
GirlHouse (2014)
 


Filmkritik: „Bite“ (2015)

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BITE

Story

 
 
 
Nachdem einen Frau aus dem Kurzurlaub zurückkehrt, durchlebt sie eine seltsame Verwandlung. Der Biss eines eigenartigen Insekts ruft sonderbare Symptome hervor, was der Leidgeplagten zu schaffen macht und aggressive Laune verursacht.

 
 
 


 
 
 

BITE – Kritik

 
 
 
CHAD ARCHIBALD ist jemand, den man in Filmkreisen als Multitalent bezeichnet. Der schreibt nicht nur Drehbücher und produziert Horrorware (SEPTIC MAN), sondern übernimmt auch schon mal die Regie in Musikvideos, TV-Serien oder Horrorfilmen (THE DROWNSMAN). Doch das ist noch längst nicht alles. Archibald probiert sich gern aus. Demzufolge hat der sympathische Kanadier auch schon einige Male hinter der Kamera Platz genommen oder sogar davor als Schauspieler (ANTISOCIAL) agiert, wenn aus Budgetgründen gespart werden musste. Im Laufe der Jahre hat sich der Filmemacher so reichlich Wissen angeeignet, von dem nun der Body-Horror BITE profitiert. Auch hier hielt Archibald die wichtigsten Zügel in der Hand, damit er absolute Kontrolle über das Filmprojekt erhalten konnte. So zeichnete er neben Story und Regie auch als Produzent verantwortlich, um möglichst ekligen Body-Horror nach eigenen Vorstellungen zu kreieren, der nicht ungeschickt nach einem der ganz großen Körper-Schocker schielt: das Remake zu DIE FLIEGE.
 
 
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Ein eigenartiger Insektenbiss führt hier zu schwerwiegenden Folgen. Kurz vor der Hochzeit treibt es drei aufgedrehte Schönheiten nach Costa Rica, wo der Jungesellinnenabschied von Casey (ELMA BEGOVIC) gefeiert werden soll. Die verfällt dem Alkohol und landet im Bett mit einem attraktiven Unbekannten, was später noch für allerhand Probleme sorgen wird. Doch die Affäre wird zum kleineren Übel. Beim ausgiebigen Bad in einem versteckten See wird sie von einem Insekt gebissen und denkt sich nichts dabei. Die Retourkutsche folgt in den eigenen vier Wänden. Kaum zurück in der Heimat klagt die Gebissene über Übelkeit und Schwindelgefühl. Ein Schwangerschaftstest bestätigt schlimmste Befürchtungen. Die Verlobte ist schwanger, obwohl sie doch dem Liebsten (JORDAN GRAY) Keuschheit bis zur Hochzeitsnacht versprochen hatte. Der bekommt bald mit, dass hier etwas im Argen liegt, denn bald schon durchlebt die Freundin eine schaurige Verwandlung zum Insekt, die sich offenbar nicht aufhalten lässt.
 
 
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Ein Apartment wird zum Nest. BITE ist definitiv kein Film für jene, die es gern sauber und ordentlich in der Wohnung haben. Was hier an Schleim, Erbrochenem und eigenartigen Kokon-Resten auf Boden und Wände verteilt wurde, lässt selbst die pedantischsten Putzfrauen verzweifeln. Macher CHAD ARCHIBALD schwingt nicht die Splatter- oder Gorekeule, um zu schockieren. Vielmehr versucht er durch Ekel Eindruck zu hinterlassen – und das nicht gerade wenig. Wie einst schon DAVID CRONENBERG mit seiner Neuverfilmung zu DIE FLIEGE versucht man in diesem Streifen mittels Körperflüssigkeiten, Insekteneiern und grotesken Verwandlungen die Aufmerksamkeit des Zuschauers für sich zu gewinnen. Das gelingt anfangs ganz gut. Weil aber die Ekelszenen ständig wiederholen werden, hat man sich schnell daran sattgesehen, so dass viele der wirklich unappetitlichen Filmmomente schnell an Reiz verlieren. So werden im Filme regelmäßig Bubble-Tea-Kügelchen zertreten oder verspeist, die dazu noch im Großformat von der Kamera eingefangen werden und die Insektenbrut darstellen sollen. Dazwischen wird erbrochen oder Eiter aus infizierten Wundmalen gedrückt. Etwas mehr Ekel-Abwechslung hätte nicht geschadet.
 
 
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Warum hilft kein Arzt? Wie meist nur im Horrorfilm üblich wird in BITE erst dann medizinischer Rat hinzugezogen, wenn es zu spät ist. Leider erscheint ein Arzt im Film nie, was dem Zuschauer aber recht sein dürfte. Der bekommen so einige ansprechend in Szene gesetzten Verwandlungsstadien zu sehen, die eine Frau langsam zum Insekt mutieren lassen. Weil BITE aber eine kleine Produktion ist, konnte nicht aus den Vollen geschöpft werden. So musste die Verwandlung auf (immerhin gute) Make-up-Effekte und wenige Prothesen reduziert werden. Eine vollständige Metamorphose zum Tier wäre wohl das I-Tüpfelchen gewesen. Leider ist in BITE der Ekel Selbstzweck, denn viel Substanz oder Tiefgang bietet der Streifen nicht. Sieht man von den vielen widerlichen Szenen ab, bleibt bis auf eine lapidare Geschichte über Vertrauensbruch und seine Folge nicht viel übrig, was Erwähnung finden könnte. Das sollte bewusst sein, wenn man sich auf den Film einlassen möchte. Zwar wird im Film Altmeister DAVID CRONENBERG dreist kopiert – die tiefgreifenden Qualitäten des sogenannten Body-Horror-Schöpfers erreicht BITE leider zu keiner Minute. Dafür ist der Streifen einfach nur darauf aus, möglichst vielen Zuschauern Übelkeit zu bescheren.
 
 
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BITE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ekel-Horror wie er im Buche steht. BITE ist kein Film für Horrorfans mit Reizmägen. Was als Found-Footage-Horror beginnt, bekommt Gott sei Dank schnell die Kurve. Nach zehn Minuten unentwegtem Kamerageschüttelt geht es in der herkömmlichen Filmansicht weiter und der Zuschauer bekommt Brechreiz erregenden Körper-Horror zu sehen, der ziemlich unverfroren bei der Neuauflage von DIE FLIEGE (1986!) stibitzt. Körperflüssigkeiten, Schleim und Verwandlungsstadien bilden in BITE das Fundament, das zwar simple zusammengestrickt wurde, aber immerhin die gewünschte Wirkung erzielt. BITE will ausschließlich Ekel hervorrufen und das gelingt dem Film ganz wunderbar. Eine Frau wird hier zum Insekt und legt im Akkord Insekteneier, die sie nach allen Regeln der Horrorkunst beschützen muss. Wer der Brut zu nahe kommt wird ausradiert. Effekttechnisch wird einiges geboten. Leider verdirbt – wie so oft in Indie-Produktionen – das begrenzte Budget den Spaß. Mangelndes Kapital sorgt dafür, dass viele der Ekelmomente wiederholt werden müssen. Schade – eine vollständige Metamorphose mit tadelloser Tricktechnik hätte BITE in eine Trash-Granate verwandelt. Auch wenn der Film hinter den Möglichkeiten zurückbleibt, kann man trotzdem einen Blick riskieren. So übel ist BODY nicht – auch wenn der Film nur auf den schnellen Ekel-Kick aus ist.
 
 
 


 
 
 

BITE – Zensur

 
 
 
Brutale Gewalt gibt es nicht zu sehen. Der Film lebt in erster Linie von den vielen Ekeleffekten, die eindrucksvoll unterstreichen, wie eine Frau zum Insekt mutiert. Im späteren Verlauf kann die Leidgeplagte Magensäure spuken und verätzt damit das Gesicht einer Protagonistin. Zudem tötet sie ihre Freundinnen mit eigenen Körpersäften oder sticht ihnen mit ihrem gewachsenen Stachel in den Hals. Hierzulande wird BITE vermutlich eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

BITE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Breakthrough Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Contracted (2013)
 
Contracted: Phase II (2015)
 
Starry Eyes (2014)
 
Chemical Peel (2014)
 
Thanatomorphose (2012)
 


Filmkritik. „The Horde“ (2016)

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THE HORDE

Story

 
 
 
Deformierte Hinterwäldler kämpfen gegen ahnungslose Studenten und einen Ex-Marinesoldat. Mögen die Schlachkämpfe beginnen.

 
 
 


 
 
 

THE HORDE – Kritik

 
 
 
Vermutlich dürften sich noch viele Horrorfilmliebhaber an den Backwood-Slasher WRONG TURN und das Remake zu THE HILLS HAVE EYES erinnern. Die haben vor knapp zehn Jahren derbes Zeug auf der Leinwand gezeigt und konnten sich dank kruder Spezialeffekte einen Ehrenplatz in den Herzen vieler Genrefans sichern. Mittlerweile gehören beiden Filme zum Bestandteil jeder gut sortierten Horror-DVD-Sammlung und werden stolz hervorgekramt, wenn im Freundeskreis nach harten Horrorfilmen gefragt wird. Eine gute Alternative wird nun mit THE HORDE geboten. Der hat nichts mit dem französischen Zombie-Actioner LA HORDE von 2009 gemein, sondern ist bei genauerer Betrachtung eigentlich ein günstig gedrehter Mix aus anfangs erwähnten Mutanten-Schockern WRONG TURN und THE HILLS HAVE EYES. Deren Erfolgszutaten wurden hier ganz unverfroren für den Videomarkt kopiert, um mit der langsam abebbenden Backwood-Horror-Welle noch schnell etwas Geld verdienen zu können. Entstanden ist dabei kein nachhaltiger Horrorfilm an den man sich auch in zehn Jahren noch erinnern wird. Vielmehr bekommen Freunde fürs Grobe ausschließlich das, was ihnen in Deutschland oft wegen den strengen Zensurauflagen vorenthalten wird. Im Falle von THE HORDE ist das Gewalt, Gewalt und nochmals Gewalt. Zur Freude für jene, die den täglichen Brutalo-Kick im Genre suchen. Die werden wegen der vielen zermatschten Köpfe, abgesägten Gliedmaßen und unzähligen Knochenbrüchen feuchte Höschen bekommen – auch wenn nicht unverborgen bleibt, dass mit kleinem Budget gehaushaltet werden musste. Für genug Schauwerte hat das schmale Kapital dennoch ausgereicht.
 
 
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Hinter dem heftigen Filmchen steckt JARED COHN. Der hat sich bisher an reichlich B-Movie-Futter (u.a. BUDDY HUTCHINS) ausprobiert und auch genug Quatsch für das Filmstudio THE ASYLUM verbrochen, das seit dem Erfolg des Hai-Trash-Horrors SHARKNADO besorgniserregend viel Aufmerksamkeit erhält. Von selbstironischem Trash ist THE HORDE weit entfernt, auch wenn ausgelutschte Horror-Klischees, quälend dumme Stereotypen und penetrantes Overacting anfangs eine Parodie auf Backwood-Slasher vermuten lassen. Der Streifen bekommt jedoch schnell die Kurve. So wird der Action- und Gewaltanteil drastisch erhöht, damit dem Horrorfan nicht sofort auffällt, dass THE HORDE trivial und einfältig zusammengekritzelt wurde. Das Drehbuch zum Film glänzt nämlich nicht gerade durch Einfallsreichtum. Stattdessen wird die obligatorische Schlachtplatte serviert, weil sich nun mal Gewalt und Gore gut verkaufen lassen.
 
 
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In THE HORDE geht es einigen Studenten an den Kragen. Die wollten eigentlich mit Lehrerin Selina Duboix (TIFFANY BROUWER) und ihrem Freund John Crenshaw (PAUL LOGAN – der übrigens auch gleich das Drehbuch zum Film abgeliefert hat) einen Ausflug in die Wälder unternehmen, um dort Nachhilfe in Sachen Fotografie zu erhalten. Doch es kommt alles anders. Einige deformierte Kreaturen und ihre grausamen Anführer treiben in genau jenem Waldstück ihr Unwesen, in dem die Fotosafari stattfinden soll. Wer schon einige Backwood-Slasher gesehen hat, kann sich ausmalen, was passieren wird. Die Schüler werden von der Horde Hinterwäldler überwältigt und in den Unterschlupf verschleppt. Dort wird Menschenfleisch filetiert und verspeist. Gott sei Dank ist Begleiter John Crenshaw ein ehemaliger Soldat und wurde für Kriegseinsätze ausgebildete. Der weiß sich zu verteidigen und wird zum Retter in der Not. Mit puren Fäusten kämpft er sich den Weg zu Freundin Selina frei, die vom Oberbösewicht als neues Begattungsopfer auserkoren wurde. Wetten, dass das blutig wird?
 
 
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Trotz simpel zusammengeschusterter Geschichte ist ein gewisser Unterhaltungswert nicht vonn der Hand zu weisen. Das liegt in erster Linie an der temporeichen Inszenierung, die kaum Platz für Längen bietet und den Zuschauer durch ein ungemütliches Szenario hetzt, in dem die vielen Gewaltakte wegen der schmuddelig-dreckigen Atmosphäre gleich doppelt so deftig ausschauen. Viel Zeit für Nebensächlichkeiten wird nicht vergeudet. So geht es nach einer oberflächlichen Charakterisierung auch gleich in den Bau kannibalistisch veranlagter Waldbewohner, die ihre Opfer vergewaltigen, schlachten und fressen. Nacheinander müssen sich die hilflosen Studenten ihrem Schicksal beugen und einen qualvollen Filmtod sterben. Sind die meisten der törichten Opfer tot, rächen sich die wenigen Überlebenden. Dabei erweist sich B-Movie-Darsteller PAUL LOGAN als Glücksgriff, der der sich hier als unkaputtbarer Filmheld durch unzählige Körper schlitzt, schießt und schlägt. Schauspielerisch ist das was in THE HORDE geboten wird ziemlicher Käse. Hier sticht niemand mit herausragenden Qualitäten hervor. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn bis auf schreien, schluchzen und prügeln wird nicht viel abverlangt. THE HORDE ist brutales Fast-Food-Gemetzel ohne Anspruch. Splatterfans und Gorehounds wird das kaum stören. Die werden glücklich darüber sein, dass endlich mal wieder lupenreines Metzelfutter aufgetischt wird, das kompromisslos über den Bildschirm flimmert. Demzufolge sollte man das Hirn ausschalten und ein Bier trinken. Nur so lässt sich das hirnfreie Gewaltspektakel ertragen.
 
 
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THE HORDE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
WRONG TURN meets THE HILLS HAVE EYES. THE HORDE ist ein brutales und kompromissloses Gewaltspektakel, das das Herz eines jeden Horrorfan schneller schlagen lassen wird – insofern man Horrorfilme nur dann genießen kann, wenn es darin auch deftig zur Sache geht. Schauspiel oder Geschichte sind hier nebensächlich. Der Fokus liegt auf Spezialeffekte und Filmgewalt. Letztere kommt recht zeigefreudig zum Einsatz und hält die austauschbare und triviale Handlung zusammen. Trotz hanebüchener Geschichte kann THE HORDE was. Der günstige Videolook deutet darauf hin, dass schnell und günstig produziert werden musste. Dennoch stört die DTV-Optik keineswegs, sondern lässt viele der kruden Morde teilweise noch deftiger ausschauen. Glanzstück ist dabei eine Szene, in der einem der Opfer die Zunge herausgeschnitten und danach die Beine abgesägt werden. Empfindsame Gemüter werden angewidert abschalten – Gorehounds wiederum geraten bei solch rücksichtloser Zeigefreudigkeit ins Schwärmen. Weil Regisseur JARED COHN auf Logik pfeift, das Filmgeschehen mit Leichen pflastert und den Actionanteil erhöht, wird THE HORDE nie langweilig. Das ist doch letztendlich das, worauf es im Filmgeschäft ankommt, schließlich will niemand langweilige Horrorstreifen sehen. Demzufolge sollte man das Hirn abschalten und mit Alkohol betäuben. Nur so macht THE HORDE Laune.
 
 
 


 
 
 

THE HORDE – Zensur

 
 
 
Zermalmte Köpfe, aufgeschnittene Hälse, durchtrennte Achillessehnen, offene Brüche und Nägel, die durch Hände geschlagen werden. THE HORDE geizt nicht mit Gewaltakten und zelebriert diese genussvoll. Weil im Film das möglichst brutale Töten als einziger Ausweg definiert wird, dürfte es THE HORDE schwer haben in Deutschland überhaupt ungeschnitten veröffentlicht zu werden. Hierfür dürfte allein schon jene Szene Probleme bereiten, in der einem Protagonisten die Zunge herausgerissen wird. Wenig später schneidet sich eine Handkreissäge durch dessen Beine. THE HORDE ist definitiv nur für ein erwachsenes Publikum geeignet. Eine mögliche ungeschnittene Fassung dürfte wohl nur über das deutschsprachige Ausland erhältlich sein.
 
 
 


 
 
 

THE HORDE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Gravitas Ventures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bela Kiss: Prologue (2013)
 
Wrong Turn 5 (2012)
 
Wrong Turn 6: Last Resort (2014)
 
Hatchet 3 (2013)
 
No One Lives (2012)
 
Inbred (2011)


Filmkritik: „Decay“ (2015)

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DECAY

Story

 
 
 
Auch Außenseiter brauchen Liebe: Muttersöhnchen Jonathan (ROB ZABRECKY) kommt eines Tages nach Hause und entdeckt im Keller seines Hauses eine tote Frau. Statt die Polizei zu rufen, geht er eine sonderbare Liebesbeziehung mit dem leblosen Körper ein.

 
 
 


 
 
 

DECAY – Kritik

 
 
 
Wenn Filme von der Liebe berichten, dürften sich den meisten Horrorfans die Nackenhaare sträuben. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn im Grunde genommen sollen Horrorfilme in erster Linie Angst verursachen oder schlaflose Nächte bereiten. Mittlerweile haben sich jedoch so viele Subgenres innerhalb des Horrorfilm entwickelt, dass aufgeschlossenen Horrorfans nicht murren und sich auch auf Horror-Kitsch einlassen, der dann auch mal von ungewöhnlichen Liebeskonstellationen berichtet. Eine dieser sonderbaren Beziehungen wird in DECAY thematisiert. Für den speziellen Beitrag zeichnet Regie-Newcomer JOSEPH WARTNERCHANEY verantwortlich, der schon in jungen Jahren mit Horrorfilmen in Berührung kam – wenn auch auf unkonventionelle Weise. Weil ihm die Eltern das Schauen solcher Filme verboten hatten, schlich er sich immer mal wieder heimlich in den Flur, um dort nur den Streifen zu lauschen, welche in der Wohnstube über den Bildschirm flimmerten. Das entfachte die Phantasie des Heranwachsenden, der sich im Kopf ausmalte, was sich da wohl für furchtbare Dinge auf der Mattscheibe abspielen könnten. So soll die King-Verfilmung THE SHINING akustisch besonders geprägt haben. Auch die hat er an Kindertagen nie gesehen. Dafür hat das Lauschen derart Kopfkino verursacht, dass er sich als Erwachsener das Ziel setzte genau diese Film zu drehen, die er als Kind nie sehen durfte. Daraus resultiert die Idee zu DECAY, die – laut Wartnerchaney – angeblich auf wahren Begebenheiten beruhen soll.
 
 
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Hilfe, Herr Nachbar hat nekrophile Neigungen. Im Film geht es um Einzelgänger, Schlüsselsammler und Orchideen-Liebhaber Jonathan (ROB ZABRECKY). Der lebt allein im Haus seiner verstorbenen Mutter, fristet ein routiniertes Dasein und erlebt nicht viel. So verläuft der Tag nach stets gleichem Ablauf. Nur die Arbeit bringt etwas Abwechslung in den ewig gleichen Kreislauf, weil er sich dort stets neue Frauengeschichten seines Arbeitskollegen anhören muss. Doch das pedantisch durchgeplante Leben gerät völlig aus den Fugen, als zwei Frauen in sein Leben treten. Die brechen heimlich in den Keller des Hauses ein und werden vom Hauseigentümer während ihrer Erkundungstour überrascht. Die Eine kann fliehen, wird aber von einem Auto überfahren. Die Andere fällt im Keller unsanft und verletzt sich dabei tödlich. Statt jedoch die Polizei zu unterrichten, hat Jonathan ungewöhnliche Pläne. Zu letzterem Opfer beginnt er eine emotionale Bindung aufzubauen und versteckt den Körper in einer fahrbaren Kiste. Den hieft er jeden Tag in einen Rollstuhl, um mit der ersten Freundin täglich bei Kerzenschein Abendessen zu können. Leider halten tote Frauen nicht ewig. So setzen bald Verwesungsprozesse ein. Doch das ist noch das kleinere Übel. Je länger der Leichen-Casanova die Liebesbeziehung zu seiner Freundin aufrechterhält, umso gravierender verändert sich dessen Geisteszustand. Hat die Liebe etwas den Verstand vernebelt?
 
 
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Was sich hier liest, wie eine urkomische Parodie auf Liebesfilme, ist alles andere als das. Der Film ist weitaus ernster, als man vermuten würde und beschreibt das psychische Ungleichgewicht eines Mannes, dem bereits im Kindesalter eingetrichtert wurde, dass alle Frauen unrein und schlecht sind. So gerät das pedantisch geordnetes Leben des Eigenbrödler just genau dann aus den Fugen, als ausgerechnet eine dieser angeblich triebgesteuerten Geschöpfte in das Leben des noch frauenunerfahrenen Mannes tritt, vor denen die Mutter stets gewarnt hat. Das hat Chaos als Folge, denn der Kontakt zum weiblichen Geschlecht reanimiert Erlebnisse aus dem Unterbewusstsein, die besser dort hätten bleiben sollen. DECAY ist ein trauriges aber auch deprimierendes Psychogramm eines einsames und schizophrenen Menschen, der unter der Fuchtel einer autoritären Mutter leiden musste und demzufolge ein abnormales Verhältnis zu Frauen entwickelt hat. Erfahrene Zuschauer wissen, dass derart Erlebnisse meist den üblichen Werdegang mordgeiler Psychopathen in Horrorfilmen einläuten. Regisseur JOSEPH WARTNERCHANEY schlägt aber andere Richtung ein und hält bewusst Abstand von Klischees. Seine Figur ist kein skrupelloser Bösewicht, der Hass empfindet und morden will. Ganz im Gegenteil. Jonathan wird trotz Neurosen als gebeutelte Kreatur beschrieben, die letztendlich nur eines will: lieben und geliebt werden. Auch wenn in Kopf des Antihelden nicht immer alles richtig läuft, schließt man die ungewöhnliche Filmfigur mit all ihren Ticks ins Herz. Das macht DECAY interessant – vor allem beim Publikum, das sich gern abseits der üblichen Horrorpfade bewegt. Der Film ist mehr psychologisch durchdachtes Drama mit Hintergrund und weniger Genrefilm in dem Blut spritzen muss. Demzufolge ist DECAY gerade wegen des unkonventionellen Erforschens eines psychisch kranken Hirns einen Blick wert.
 
 
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DECAY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Rendevouz mit einer Leiche. Eine eigensinnige, aber sehenswerte Symbiose aus MANIAC, PSYCHO & NEKROMANTIK. DECAY ist ein ungewöhnlicher Horror-Beitrag, der offensichtlich klarstellen will, dass nicht jede schizophrene und jede in der Kindheit fehlgeleitete Seele unweigerlich auch zum Psychopathen mutieren muss. Der Antiheld in DECAY ist alles andere – nur nicht das. Der erlebt seinen ersten Frühling zwar mit einer Leiche; seine Erfahrungen mit der Liebe führen am Ende die Erkenntnis vor Augen, dass es manchmal doch besser ist, wenn man alleine bleibt. Regisseur JOSEPH WARTNERCHANEY erklärte in Interviews, dass bei ihm nicht die (angeblich von wahren Begebenheiten inspirierte) Geschichte zum Film Magengrummeln verursacht hat, sondern die Tatsache, dass wir oftmals nie wissen, was der gute Nachbar eigentlich hinter verschlossenen Türen treibt. Im Film frönt Figur Jonathan nicht nur seltsamen Hobbys, sondern ist auch psychisch alles andere als gesund. Trotz erschreckendem Leidensweg deklariert Macher JOSEPH WARTNERCHANEY seinen Antihelden nicht zum Bösewicht, sondern bewirkt Mitgefühl und Mitleid. Wer gern in kranke Köpfe schaut und deren Denkweisen ergründen möchte, ist bei DECAY gut aufgehoben, denn Wartnerchaney hat ein gut durchdachtes Drehbuch geschrieben, das weitestgehend von Horrorklischees Abstand hält. Gut gemacht.
 
 
 


 
 
 

DECAY – Zensur

 
 
 
DECAY ist eher ein psychologisches Horror-Drama, das in erster Linie die kranke Psyche eines einsamen Mannes erforscht. Viel brutales Material gibt es nicht zu sehen. Die Leiche wurde ansprechend geschminkt. Die Verwesungsstadien sehen reichlich unappetitlich aus. Zudem fallt eine junge Frau zu beginn unsanft auf den Kopf. Eine andere wird von einem Auto überfahren. Gegen Ende sticht der schizophrene Antiheld des Films auf eine seiner imaginären Persönlichkeiten ein. Sollte DECAY in Deutschland veröffentlicht werden, dürfte er problemlos eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DECAY – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Uncork’d Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Nekromantik (1987)
 
Nekromantik 2 (1991)
 
Psycho (1960)
 
Sado – Stoß das Tor zur Hölle auf (1979)
 


Filmkritik: „Hidden in the Woods“ – Remake (2014)

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HIDDEN IN THE WOODS (REMAKE)

Story

 
 
 

Zwei Mädchen können sich zusammen mit ihrem kleinen Bruder aus den Fängen des tyrannischen Vaters befreien und begeben sich auf eine Reise voller Gefahren.

 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Kritik

 
 
 
Nicht ein einziges Jahr vergeht, in dem mindestens ein Horrorfilm gedreht wird, der die Geister in zwei Lager teilt. Das passiert vor allem immer dann, wenn Filme entstehen, die einzig darauf abzielen, mit möglichst viel Gewalt und polarisierendem Inhalt maximalen Reibach zu machen. So geschehen auch im Falle des chilenischen EN LAS AFUERAS DE LA CIUDAD (internationaler Titel: HIDDEN IN THE WOODS), der 2012 aufgrund seiner recht kontroversen Thematik die Horrorfans gegeneinander aufbrachte. Sein Regisseur, PATRICIO VALLADARES, nutzte geschickt Stilmittel des Exploitationfilms der 1970er und eckte damit vor allem bei den Zensurbehörden an. Auch die deutsche FSK verstand angesichts der Erniedrigung, Demütigung und Vergewaltigung wehrloser Frauen keinen Spaß, was dazu führte, dass der krude Genre-Mix aus Kannibalismus, Rape-and-Revenge und Überlebens-Thriller hierzulande kräftig Federn lassen musste. Trotz der semi-professionellen Machart fand der chilenische Exploitationer trotzdem viele Fans. Zu denen rechnet sich wohl auch der amerikanische Schauspieler MICHAEL BIEHN, der laut der Filmzeitschrift FANGORIA bis dato noch nie einen so heftigen Film gesehen hatte. Wegen seines realen Hintergrunds (das Original beruht angeblich auf wahren Begebenheiten) nahm ihn Biehn nicht einmal als unnötig brutal oder sonst ausbeuterisch wahr. Die weltweit stattfindende Gewalt gegenüber Frauen und deren (sexuelle) Ausbeutung muss gestoppt werden, forderte er in Interviews. Noch immer sei es an der Tagesordnung, dass Frauen sexuell missbraucht würden.
 
 
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Warum er sich mit dieser Kontroverse anschließend nicht tiefgründig in Form eines glaubhaften Dramas beschäftigt hat, weiß wohl nur Biehn selbst. Stattdessen beauftragte er den chilenischen Regisseur PATRICIO VALLADARES, seinen EN LAS AFUERAS DE LA CIUDAD für den amerikanischen Filmmarkt neu zu interpretieren. Die Finanzierung des Streifens kam zwar vom hauseigenen Produktionsstudio, doch das perverse Endprodukt spottet jeglicher Beschreibung. Dem chilenischen Filmemacher PATRICIO VALLADARES gelang das Kunststück aus der ohnehin schon missratenen Vorlage ein noch schlechteres Remake zu inszenieren, das obendrein nur aus einer Aneinanderreihung fragwürdiger Szenen besteht. Das muss ihm erst mal jemand nachmachen.
 
 
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Die Neuverfilmung mit dem Titel HIDDEN IN THE WOODS beginnt für zwei heranwachsende Schwestern nebst kleinem Bruder nicht gerade rosig. Die Mutter ist früh gestorben, weshalb der Vater (MICHAEL BIEHN aus THE VICTIM, ALIENS – DIE RÜCKKEHR oder PSYCH: 9) die Kinder großzieht und sich regelmäßig an ihnen vergeht. Jahre nach den täglichen psychischen und physischen Attacken des Familienoberhaupts soll damit Schluss sein. Die Geschwister wollen sich der Polizei anvertrauen und die Behörden von den gesetzesfernen Machenschaften des Vaters unterrichten. Der missbraucht seine Kinder nicht nur regelmäßig, sondern handelt zudem mit größeren Mengen an Drogen. So wandert der Vormund nach einem blutigen Amoklauf sogar ins Gefängnis, ruft aber das Interesse seines Bruders auf den Plan. Der hat nun Sorge um seine Drogen, die der Inhaftierte bei sich zu Hause verstecken sollte. Ein fleißiges Familienunternehmen. Was folgt wird für die fliehenden Kinder kein Zuckerschlecken. Die sind nun nicht mehr nur auf der Flucht vor dem tyrannischen Vater, sondern müssen sich auch noch vor den Launen des psychopathischen Onkels in Sicherheit bringen, der seine Drogen zurückhaben möchte – koste es was es wolle.
 
 
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Von häuslicher Gewalt, gesetzesfremden Bürgern und einem ernstlich verschobenen Frauenbild. Das Remake zu HIDDEN IN THE WOODS bietet im Grunde viel Zündstoff, der aber durch die exploitationhafte Inszenierung an Schlagkraft verliert. Neben verrohter Sprache und ebensolcher Gewalt hat der Film eines der haarsträubendsten Drehbücher zu bieten, die man in den letzten Jahren zu sehen genötigt wurde. Darin passiert reichlich Willkürliches und Unglaubhaftes. Man schüttelt den Kopf in Fassungslosigkeit. Weil jeder Handlungsstrang ins Extreme abdriften muss, ist das was in HIDDEN IN THE WOODS geboten wird Gewalt-Fetischisierung pur. Der Film schert sich keinen Deut, tiefgründiger in die Seelen von Täter und Opfer zu blicken. Stattdessen zelebriert er Gewalt der Gewalt wegen und um Fans derberer Unterhaltung glücklich zu stimmen. Sonderlich glaubwürdig ist hier gar nichts. Quälend dumme Dialoge gesellen sich zu hündisch schlechten Schauspielleistungen, die aber zumindest das kaum vorhandene Niveau des Streifens noch einmal ganz trefflich unterstreichen. Damit bleibt die amerikanische Version zu HIDDEN IN THE WOODS weit hinter den Erwartungen jener Filmfans zurück, die daran geglaubt haben, dass mit größerem Budget mehr heftige und professionell inszenierte Gewalteffekte umgesetzt würden. Sicher, die Neuauflage bietet genaug brutales Material – zu genüge sogar. Leider verfehlen all die roh zelebrierten Abartigkeiten im Film die nötige Intensität, weil ihnen dieser gewisse semi-professionelle Schmuddel-Charakter fehlt, der manchen Brutalo-Moment im spanisch-sprachigen Original noch unangenehmer zur Geltung kommen ließ. Was bleibt ist ein leidlich spannender True-Crime-Thriller mit Hang zum Extremen, der zwar zahlreiche Gewaltakte abspult, aber den Fan des Groben doch unbeeindruckt vor der Glotze zurücklässt. Alles schon mal gesehen – und das sogar weitaus besser. Wir empfehlen: Abschalten.
 
 
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HIDDEN IN THE WOODS – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Ein Brutalo-Werk sondergleichen. HIDDEN IN THE WOODS ist die Neuverfilmung eines auch schon missratenen Films von 2012, dem das zweifelhafte Kunststück gelingt die miserablen Minus-Qualitäten der Vorlage noch in den Schatten zu stellen. Das Drehbuch ist eine lupenreine Schande, die Dialoge unter aller Kanone und die Schauspielleistungen mit viel gutem Willen als zweckmäßig zu betiteln. HIDDEN IN THE WOODS zielt ausschließlich darauf ab, einem bestimmten Publikum seinen Kick zu liefern. Zuschauer, denen im Genre gar nicht genug Frauen gequält, missbraucht und gefoltert werden können, werden hier definitiv auf ihre Kosten kommen. Weil man aber mittlerweile so viele ähnlich gestrickte Streifen gesehen hat, berührt das Gezeigte keineswegs. Vor allem auch deswegen, weil sich die Figuren so unsinnig verhalten, dass man sich kaum mit ihnen identifizieren kann oder auch nur möchte. So wird Gewaltexzess an Gewaltexzess geklebt und mit reichlich milieugeschädigter Sprache unterstrichen. Betrachtet man die Liste aller inszenierten Remakes der letzten zehn Jahre, ist die Neuverfilmung von EN LAS AFUERAS DE LA CIUDAD die wohl erbärmlichste Neuinterpretation, die überhaupt das Licht der Zelluloid-Welt erblickt hat. Gott sei Dank hat die deutsche FSK wegen der vielen fragwürdigen Szenen einige Schnitte gefordert, so dass dem Zuschauer mehr Lebenszeit bleibt. In solchen Momenten zahlt sich die Arbeit der sonst so oft kritisierten Zensurbehörde endlich mal aus.
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Zensur

 
 
 
Es werden Frauen missbraucht und wild um sich geschossen. Zudem kommt eine Kettensäge zum Einsatz. Was im Film gezeigt wird ist keineswegs für Kinder und Jugendliche geeignet. Das sah auch die FSK so. Die deutsche Fassung wurde zwar erst für Erwachsene freigegeben, ist aber um knapp drei Minuten geschnitten.
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Hidden in the Woods; USA 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1,78:1 (1080p) | 24 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras: Trailer

Veröffentlichung: 02.06.2016

 
 
 

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HIDDEN IN THE WOODS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei Tiberius Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hidden in the Woods (2012)
 
I Spit on your Grave 2 (2013)
 
I’ll never die alone (2008)
 


Filmkritik: „Dead 7“ (2016)

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DEAD 7 – SIE SIND SCHNELLER ALS DER TOD

Story

 
 
 
Da haben sich zwei gefunden: THE ASYLUM produziert mal wieder für SYFY. Im TV-Film DEAD 7 machen sich einige heroische Bösewichte auf, um eine Kleinstadt von Zombies zu säubern. Die werden von einer bösartigen Voodoo-Priesterin und ihrem Handlanger kontrolliert, die nichts Gutes im Schilde führen.

 
 
 


 
 
 

DEAD 7 – Kritik

 
 
 
Egal was THE ASYLUM anfasst, es wird aus irgendeinem Grund erfolgreich. Es mag ja da draußen immer noch Zuschauer geben, die noch nie etwas von der Trash-Werkstatt THE ASYLUM gehört haben. Hierbei handelt es sich um ein amerikanisches Filmstudio, das sprichwörtlich Stuhlgang in Gold verwandelt. So hat man es sich zur Hauptaufgabe gemacht Hollywood den Rang abzulaufen. Wenn immer in der Traumfabrik an Blockbustern gearbeitet wird, stibitzt THE ASYLUM die Ideen zu diesen Streifen und macht daraus eigene Filme – mit überschaubarem Budget versteht sich. Das hat in der Vergangenheit gut funktioniert und konnte sich in viele Länder verkaufen. Seit einiger Zeit hat man aber das Konzept etwas überarbeitet. Statt einfach nur anderer Ideen zu stehlen, tüftelt man an eigenen „Blockbustern“ und lässt allerhand absurdes Zeug auf den Zuschauer los, mit dem sich mittlerweile sogar ernsthafte Kritiker auseinandersetzen. Das wohl erfolgreichste Resultat dieser neuen Richtung ist zweifelsohne SHARKNADO und seine Fortsetzungen, die in Trash-Fan-Kreisen so etwas wie Kultstatus genießen. Darin nehmen längst verschollen geglaubte Film- und Serienstars den Kampf gegen fliegende Riesenhaie auf und treiben damit Feingeister in den Wahnsinn. Für ehemalige Fernsehstars wie IAN ZIERING (BEVERLY HILLS 902010) oder DAVID HASSELHOFF (KNIGHT RIDER) ein gefundenes Fressen. Die erhielten durch die Erfolge der SHARKNADO-Teile mehr Aufmerksamkeit, als sie wohl zu ihren besten Zeiten in den 90ern ernten konnten.
 
 
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Was jedoch anfänglich belächelt wurde, kam offensichtlich gut an – gerade auch deshalb, weil sich THE ASYLUM traute, längst in der Versenkung verschwundene TV-Sternchen zurück auf die Mattscheibe zu holen. Damit erreichte man neue Zuschauer, welche mit vielen dieser ehemaligen Teenstars (wie RICHARD GRIECO oder SHANNEN DOHERTY) aufwachsen waren, die sich nun mehr schlecht als recht durch haarsträubende ASYLUM-Szenarien schreien. Leider ist es wie so oft bei erfolgreichen Gedankenblitzen: die Kuh muss so lange gemolken werden, bis sie keine Milch mehr gibt. Das sahen wohl auch die Bosse des Produktionshauses THE ASYLUM so. Die dürften wohl emsig alte Fernsehzeitschriften und Musikmagazine durchstöbert haben, um weitere gescheiterte Existenzen für neue Filmprojekte zu finden. Lang mussten sie dafür nicht suchen, denn auch in der Popwelt gab es manch Teenagerschwarm, an den sich heute zu Recht niemand mehr erinnern möchte.
 
 
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BACKSTREET BOYS, O-TOWN, 98 DEGREES und *NSYNC schimpfen sich beliebte Bands, die einst groß im Geschäft waren. Leider sind deren Fans zu schnell erwachsen geworden, weshalb die Jungs genannter Ex-Boygroups arbeitslos geworden sind. Kein Problem für die Macher von THE ASYLUM, die mit dem Elend anderer Leute schnelles Geld verdienen möchten. Die nahmen die mittlerweile nicht mehr ganz so knackigen Kerle unter Vertrag und ließen sie gegen Zombies kämpfen. Leider hört sich die Idee dahinter spaßiger an, als sie letztendlich ist. DEAD 7 heißt der überflüssige Zombie-Schnarcher, der eigentlich nur Daseinsberechtigung besitzt, weil sich hier bekannte Gesichter vor der Kamera zum Obst machen. Klammert man die Tatsache aus, dass ehemalige A-Promis für Geld mittlerweile alles machen, bleibt nicht mehr viel übrig, was den Film ertragbar machen könnte. DEAD 7 ist die Horror-Enttäuschung der Saison, denn der Film besitzt weder einen Spannungsbogen noch unterhaltsame Wortgefechte. Stattdessen wird ein totlangweiliger und unnötig auf „cool“ getrimmter Mix aus THE WALKING DEAD, MAD MAX und DJANGO UNCHAINED geboten, in dem zu lange Dialoge und ständig wiederholende Zombie-Attacken die Geduld begeisterter Horrorfans überstrapazieren. Leider war das abzusehen. Diesmal trifft die Schuld nicht ausschließlich das Studio THE ASYLUM – das DEAD 7 übrigens im Auftrag des amerikanischen TV-Senders SYFY produziert hat. Kein geringerer als NICK CARTER hat sich die Geschichte zum Film einfallen lassen. Der war vor vielen Jahren Mädchenschwarm bei den BACKSTREET BOYS und sollte besser das Schreiben von Horror-Szenarien anderen überlassen.
 
 
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DEAD 7 schleppt sich dahin. Kaum hat man den Kampf gegen Horden Infizierter aufgenommen, wird das Gemetzel von lästigen Dialogen unterbrochen. Einige Gespräche später kommen die Zombies wieder, nur um nach wenige Sekunden durch weitere Dialoge beim Fressen abgehalten zu werden. Mit derart ungeschickter Taktik macht man sich unter Zombiefans keine Freunde – zumal dieses unbedachte Vorgehen den ohnehin kaum vorhandenen Spannungsbogen drosselt. Immerhin gefallen Make-up und Spezialeffekte. Die Zombies wurden ansprechend geschminkt und werden mit blutigen CGI-Kopfschüssen in die ewigen Jagdgründe befördert. Gegen Ende wird es sogar temporeich. Im blutigen Showdown müssen alle Bandmitglieder mit vereinten Kräften gegen eine unaufhaltsame Flut gefräßiger Kreaturen kämpfen und laut Drehbuch nacheinander ihr Leben lassen. Hektische Schnitte und unruhige Kamerafahrten bringen Dynamik in das bis dato behäbige Treiben. Leider rettet das Massensterben im Finale auch nicht vorm Untergang. Weil der Film einzig daraufhin konzipiert wurde, die verschiedenen Mitglieder genannter Musikgruppen möglichst spektakulär auftreten zu lassen, hat man kurzum all das vernachlässigt, auf was es beim Filmemachen eigentlich ankommt. So fehlt nicht nur eine packende Geschichte; auch die für Filme so wichtige Charakterentwicklung der Helden wurde ganz aus dem Drehbuch radiert. Wer sich demnach Unterhaltungswert von DEAD 7 verspricht wird gnadenlos enttäuscht werden. Besser die Zeit nutzen und Musikvideos von 90er-Jahre Bougroups schauen. Die sind zusammen bei weitem gruseliger als DEAD 7.
 
 
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DEAD 7 – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Ein trashiger Mix aus THE WALKING DEAD, DJANGO UNCHAINED und MAD MAX. In DEAD 7 wird der Hund in der Pfanne verrückt. Ex-Backstreet Boy NICK CARTER hat die Geschichte zum Film geschrieben, mitproduziert und tritt im Steifen sogar zusammen mit seinen mittlerweile aufgeschwemmten Bandkollegen als Zombie-Killer in Erscheinung. DEAD 7 ist ganz übler THE ASYLUM-Quark. Nicht weil sich hier gescheiterte Boygroup-Existenzen die Blöße geben für Geld in unteririschem TV-Trash aufzutreten. Der eigentliche Grund liegt darin, dass die Thematik des Streifens so abgedroschen ist, dass man am liebsten das Fernsehgerät ausschalten möchte, sobald sich die ersten Untoten auf der Mattscheibe blicken lassen. Müssen es schon wieder Zombies sein? DEAD 7 vereint all das, was man eigentlich in Zombiefilmen nicht mehr sehen möchte. Zudem fehlt wegen totgefilmten Zombieklischees jegliche Spannung, weil sich Carter auch nicht Neues hat einfallen lassen. So muss im Gefecht gegen Horden infizierter Menschen ein Held nach dem anderen das Leben lassen, um wenig später als Zombie zurückzukehren. Immerhin geht DEAD 7 technisch in Ordnung. Inhaltlich herrscht dagegen gähnende Leere und viele der zwanghaft auf cool getrimmten Wortgefechte verfehlen ihre Wirkung. Nach so einem miesen Zombiestreifen darf man darauf gespannt sein, welche einst erfolgreichen Musiker in den nächsten ASYLUM-Produktionen auftauchen werden. Weil die TV-Ausstrahlung in Amiland gut Quoten hatte, muss das Erfolgskonzept wiederholt werden. Hoffentlich haben die Bosse der Trash-Schmiede Erbarmen und geben keine weiteren Zombie-Gähner im Schlage eines DEAD 7 in Arbeit.
 
 
 


 
 
 

DEAD 7 – Zensur

 
 
 
Wie es sich für einen Zombiefilm gehört, werden auch hier Kreaturen im Akkord in die ewigen Jagdgründe befördert. Meist geschieht das durch CGI-Kopfschüsse. Sonderlich grausam ist das aber für Zombie-Verhältnisse nicht anzuschauen und befindet sich auf TV-Niveau, damit auch zartbesaitete Zuschauer nicht abgeschreckt werden. In Deutschland dürfte es dafür eine Erwachsenenfreigabe (Keine Jugendfreigabe) geben. Der Film kommt im Sommer 2016 über DAREDO MEDIA in die Wohnzimmer.
 
 
 


 
 
 

DEAD 7 – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei SYFY / THE ASYLUM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Dead 2: India (2013)
 
Exit Humanity (2011)
 
Cowboys & Zombies (2011)
 


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