Filmkritik: „Blutnacht – Das Haus des Todes“ (1972)

blutnacht-haus-des-todes-1972-poster
 
 
 

BLUTNACHT – DAS HAUS DES TODES

(SILENT NIGHT, BLOODY NIGHT | NIGHT OF THE DARK FULL MOON)

Story

 
 
 
Ein junger Kerl erbt das Haus seines Großvaters, das schon in dessen Jugend kein schöner Ort war. Noch früher war in dem Kasten gar eine Klapsmühle untergebracht, die maßgeblich forensisch Betroffenen bewachtes Obdach geboten hatte. Opa hat dort dann auch ein schreckliches Ende gefunden. Großbrand, Ursache unbekannt. Jedenfalls übernimmt der geschäftstüchtige Enkel eine ganze Zeit nach dem Unfall die unsympathische Immobilie und will sie zügig verkaufen. Gefällt den Anwohnern überhaupt nicht. Der angegriffene Kasten gilt als verflucht, soll laut deren Meinung aber bitte in Familienbesitz bleiben. Seltsam. Wie bestellt bricht aus der nächsten aktuell in Betrieb befindlichen Psychiatrie ein Schlitzer aus und macht Tabula Rasa in der Gemeinde. Offenbar kennt der wiederum die Hintergründe für die Katastrophen, die auch den Großvater röststeten.
 
 
 


 
 
 

BLUTNACHT – Kritik

 
 
 
BLUTNACHT – DAS HAUS DES TODES (Original: SILENT NIGHT, BLOODY NIGH) ist ein klassischer Fall eines unter dem Radar durchgeflogenen Films. Falsche Zeit, falscher Ort; und das gleich mehrfach. Seine Veröffentlichung auf VHS erlebte der Film mit dem so ungemein austauschbaren deutschen Titel weiland am abebbenden Ende der Slasher-Zeit. Hier liegt auch die Erklärung dafür, dass er maßgeblich von Horror-Fans gesichtet wurde, die sich jeden Film mit maskierten und messerschwingenden Bekloppten plus den Verstümmelungs-Exzessen á la TOM SAVINI im Kopf antun wollten. Da war THEODORE GERSCHUNYS kantiger Seventies-Reißer natürlich völlig vorbei an Trend und Stimmung. Zwar gibt´s hier auch einen übergeschnappten Mörderer und die Splattereffekte lagen deutlich über dem, was zeitgenössische Regisseure den Mägen ihrer Autokino-Zuschauer zumuteten (wenn sie nicht gerade Herschell Gordon Lewis hießen), man ließ der Handlung im Vergleich zu Jason siebenunddreißig aber viel Luft zum atmen. Atmosphärisch lässt sich auch nichts aussetzen – wenn man weiß, was man von einem Independent-Horrorfilm aus den frühen Siebzigern zu erwarten hat, dessen einziger Schauspieler mit gewissem Bekanntheitsfaktor das in seiner Rollenwahl über Jahrzehnte hinweg berüchtigt völlig schmerzfreie Schlachtross JOHN CARRADINE ist. Der Charme eines solchen Kleisterwerks ist krude, wie man so sagt. Poliert ist hier nichts und niemand, keine Kante all zu gerade. Aber stört das?
 
 
blutnacht-haus-des-todes-1972-bild-1
 
 
Mitnichten! Verwirrende Entwicklungen auf jeden Fall, die BLUTNACHT – DAS HAUS DES TODES sowohl den Freunden des klassischen Horrors als auch den Videotheken-Splatter-Fetischisten durch die Lappen gehen ließ. Den einen was zu sudelig, den anderen nicht sudelig genug. Schade. Regisseur THEODORE GERSCHUNY (1933-2007), ansonsten einigen noch bekannt als Mann hinter dem für das frühe TROMA gedrehte gefertigte, an ein Bühnenstück erinnernde Erotik-Lustspiel SUGAR COOKIES, war ein mit Ex-Warhol-Girl und B-Film-Ikone Mary Woronov verheirateter Künstler, der sich nur nebenbei mit dem Medium Film beschäftigte. Seine Credits sind nicht sehr umfangreich. Vielleicht erklärt sich so die so untypische Gestalt seines Horrorfilms hier.
 
 
blutnacht-haus-des-todes-1972-bild-2
 
 


 
 
 

BLUTNACHT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Horrorfilm-historisch interessanter Grindhouse-Schocker, in dessen Verlauf sich altmodisch-atmosphärisch gelungener Spukhaus-Grusel und schweinischer Früh-Splatter immer wieder die Hand reichen. Jetzt findet eine schöne, limitierte Wiedergeburt des Films für den Heimkino-Markt, nachdem die Videokassette in wilden Slasher-Zeiten unverdient untergegangen war, statt. Hat er sich verdient, wie wir finden.
 
 


 
 
 

BLUTNACHT – Zensur

 
 
 
Auch BLUTNACHT – DAS HAUS DES TODES – der übrigens 2013 ein äußerst miserables Remake erhielt – hatte es in Deutschland nicht leicht. Er wurde hierzulande Anfang der 1980er erstmals auf VHS ungekürzt veröffentlicht. Doch wie die meisten Horrorfilme zu jener Zeit hatten Zensurwächter auch mit diesem Titel so ihre Probleme. 1983 indizierte die BPjS den seltenen Horrorklassiker. 25 Jahre später wurde er vom Index gestrichen. Das sah das Label SCHRÖDER MEDIA zum Anlass ihn hierzulande noch einmal unter die Leute zu bringen. Die Blu-ray zu BLUTNACHT – DAS HAUS DES TODES ist trotz Kaufhausfassung ungeschnitten. Sammler und Nostalgiker können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

BLUTNACHT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
blutnacht-haus-des-todes-1972-bluray

(c) WGF | Schröder Media (auf 1000 Stück limitiertes BD KeepCase im Schuber)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Silent Night, Bloody Night; USA 1972

Genre: Horror, Klassiker

Ton:Deutsch (DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo), Deutsch (DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo), Englisch (DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo)

Untertitel: Keine

Bild: 1,78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: FSK18 – keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover und Schuber

Extras: Originaltrailer (1:13 Min.)

Release-Termin: 11.08.2016

 

Blutnacht – Das Haus des Todes [Blu-ray im Schuber auf 1000 Stück limitiert] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

BLUTNACHT – Trailer

 
 


 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Packshot, Abbildungen und Szenenbilder liegen bei WGF | Schröder Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Silent Night, Bloody Night: The Homecoming (2013)
 
Vor Morgengrauen (1981)
 
Halloween (1978)
 
Black Christmas (1974)

Filmkritik: „Tanz der Totenköpfe“ (1973)

tanz-der-tötenköpfe (1)
 
 
 

TANZ DER TOTENKÖPFE

Story

 
 
 
Ein gelangweilter Millionär beauftragt den Wissenschaftler Dr. Barrett, ich um die Erforschung des Belasco-Anwesens zu kümmern. In diesem englischen Landhaus hat vor bald dreißig Jahren der Riese Belasco (Michael Gough, der Hammer-Films-Veteran taucht in den Credits aber nicht auf) eine größere Partygesellschaft in Stücke gehackt und ist dann verschwunden. Jetzt gehen Gerüchte über elektromagnetische Störungen und Geistererscheinungen im Gemäuer um. Barrett nimmt ein paar Assistenten mit in die Villa. Darunter übersinnlich begabte Menschen wie der Hellseher Fischer, gespielt vom gewohnt hibbeligen Roddy McDowall, der schon einmal an einer Erforschung des Hauses beteiligt war, die mit dem Tod der restlichen Forscher endete. Auch Doc Barretts Mannschaft muss um ihr Leben bangen, fühlt sich eine wissenschaftlich nicht festzunagelnde Präsenz in den Wänden des Belasco-House doch in ihrer ewigen Ruhe gestört.
 
 
 


 
 
 

TANZ DER TOTENKÖPFE – Kritik

 
 
 
Nachdem die legendäre Exploitation-Schmiede American International Pictures (AIP) zerbrochen war, suchte Firmenchef Samuel Z. Arkoff neue Betätigungsfelder. Ein Gespräch mit einem alten Drehbuch-Bekannten führte zur Idee, in England den Haunted-House-Schocker TANZ DER TOTENKÖPFE in den Kasten zu bringen: Autor der Buchvorlage war nämlich Richard Matheson (1926 – 2013), der sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ganz heimlich still und leise zu einem der meistverfilmten noch lebenden Verfasser fantastischer und Genreliteratur mausern sollte. Weitere seiner zu kleinen und großen Meilensteinen gewordenen Geschichten waren zum Beispiel die Bücher zu DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MR. C (1957), Hammers THE DEVIL RIDES OUT (1968) und einem ganzen Schwung von Roger Cormans Edgar-Allan-Poe-Adaptionen – für eben Arkoffs AIP. Mathesons bekannteste Short Story dürfte I AM LEGEND sein, die viermal verfilmt wurde, zuletzt mit großen Budget und Will Smith in der Hauptrolle.
 
 
tanz-der-totenkoepfe-bild-1
 
 
Zu TANZ DER TOTENKÖPFE dürfte dem Amerikaner auch ein wenig Robert Wises großartiger Spukhausfilm …BIS DAS BLUT GEFRIERT (1963) als Inspiration gedient haben, der sich ebenfalls mit dem Konflikt von Wissenschaft und Übersinnlichkeit bei der Erkundung eines parapsychologisch betroffenen Landhauses an der US-Ostküste beschäftigt. Der Film hat das Belasco House allerdings aus Produktionsgründen nach England umziehen lassen. Verzeihlich. Etwas weniger verzeihlich ist die Produzentenentscheidung, ein paar der ruppigeren Elemente der Vorlage und auch ihre entschieden sexuell ausgerichteten Stimmungen herauszustreichen. Man darf davon ausgehen, dass dieser „Zähmungsvorgang“ dem Film den einen oder anderen Zahn gezogen hat. In den drögeren Momenten der 95 Spielminuten kommt dieser Gedanke das eine oder andere Mal zu Kaffee vorbei. Zarkoff und Matheson waren nun mal Amerikaner und hatten logischerweise eine gänzlich andere Auffassung vom Modell des Horrorfilms als die, welche seit den 1950ern in Großbritannien unter Hammer, Amicus, etc., perfektioniert worden war. So leidet TANZ DER TOTENKÖPFE gelegentlich unter der Schizophrenie, ob er nun die Stimmung eines britischen oder amerikanischen Horrorfilmchens verbreiten möchte. Das wirkt leider gar nicht homogen und hindert den Film merklich daran, seine ganze mühevoll orchestrierte Spukhaus-Gruselwirkung zur Entfaltung zu bringen.
 
 
tanz-der-totenkoepfe-bild-2
 
 
Die Musik zu TANZ DER TOTENKÖPFE ist eine gesonderte Erwähnung wert, stecken doch zwei der Köpfe des legendären Radiophonic Workshop des britischen Staatsfernsehens BBC dahinter. Delia Derbyshire und Brian Hodgson waren Soundtüftler in Laborkitteln, die sich mit dem Möglichkeiten elektronischer Klangwelten beschäftigten und ein paar wahnsinnig gute Platten hinterließen. Der Soundtrack zum Film hier, atmosphärische und gruselige Elektro-Stimmungen, wartet noch auf seine Veröffentlichung, die aber im aktuellen akribischen auf den Markt werfen schöner obskurer Filmmusiken nur noch eine Frage der Zeit ist.
 
 
tanz-der-totenkoepfe-bild-3
 
 
 


 
 
 

TANZ DER TOTENKÖPFE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Ein wenig untergegangener Eintrag in den Kanon britischen Horrors. TANZ DER TOTENKÖPFE fühlt sich für den Zuschauer definitiv amerikanischer an als viele der heimischen Zeitgenossen aus GB, leidet daher hier und da unter einer leichten Unentschlossenheit und Unausgegorenheit. Nichtsdestotrotz ein stimmungsvoller Horrorfilm vom alten Schlag, der ein Wiedersehen auf BluRay oder eine Neuentdeckung wert ist.
 
 


 
 
 

TANZ DER TOTENKÖPFE – Zensur

 
 
 
TANZ DER TOTENKÖPFE ist ein relativ harmloser Vertreter des Spukhaus-Genres. Die erhältliche Fassung ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

TANZ DER TOTENKÖPFE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Tanz-der-Totenkoepfe-bluray

(c) Spirit Media

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Legend of Hell House; Großbritannien 1973

Genre: Klassiker, Horror, Grusel

Ton:Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1). Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase

Extras: Trailer

Release-Termin: Erstauflage: 23.03.2012 | Zweitauflage: 04.08.2015

 

Tanz der Totenköpfe [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

TANZ DER TOTENKÖPFE – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

Die Rechte aller Grafiken in dieser Review liegen bei Spirit Media.

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Amityville Horror – Eine wahre Geschichte (2005)
 
Amityville Horror (1979)
 
Bis das Blut gefriert (1963)
 
Das Grauen (1980)