Filmkritik: „Sind wir schon tot? – Death is in da House!“ (2019)

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SIND WIR SCHON TOT? – DEATH IS IN DA HOUSE!

(ARE WE DEAD YET)

Story

 
 
 
Für fünf Freunde endet ein Diebstahl in einem alten Schloss, in dem es zusätzlich auch noch spukt.

 
 
 


 
 
 

SIND WIR SCHON TOT – Kritik

 
 
Horrorkomödien stellen tatsächlich eine hohe Kunst dar, denn besonders die Aufgabe beide Komponenten gleichwertig einzubauen, ist alles andere als leicht. Deshalb gibt es auch gar nicht so viele richtig gute Horrorkomödien. „Sind wir schon tot?“ versucht sich daran und scheitert auf ganzer Linie. Um die positiven Aspekte aufzuzählen, braucht man nicht mal eine komplette Hand, für die negativen reichen hingegen beide nicht aus.
 
 
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Fünf Freunde, die nebenbei als Diebe tätig sind, nehmen einen letzten Job an, aber danach soll endgültig Schluss sein. Leider geht alles ziemlich schief und dann geht den Einbrechern auch noch der Sprit aus. Man flüchtet in die Wälder und findet zum Glück ein altes Schloss, in welchem man nächtigen möchte. Doch hier tummeln sich viele Geister herum. Es geht um einen Fluch und um weitere Irrungen und Wirrungen. Wenn man an der Story etwas Positives finden möchte, dann ist das am ehesten die Tatsache, dass es nicht zu vorhersehbar zur Sache geht. Man hat hinterher einige Wendungen eingebaut und so simpel die Prämisse eigentlich ist, sie wird verschachtelter erzählt, als man anfangs denken könnte. Nur leider bringt das der Handlung so gut wie gar nichts, weil sie trotzdem schlecht aufbereitet wurde. Es gelingt dem Drehbuch niemals ein Interesse für das Geschehen aufzubauen und die meisten Ideen wirken sehr lustlos.
 
 
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Regisseur Fredi Nwaka, mit dem lustigen Zusatznamen „Kruga“, hat mit „Sind wir schon tot?“ seinen ersten Langfilm realisiert und dass die Mittel bescheiden waren, ist nicht zu verschleiern. Schon optisch macht das Ganze kaum Spaß. Die Beleuchtung ist manchmal zu schlecht, die Bilder allgemein zu dunkel und die Schauplätze wirken reichlich langweilig. Auch die Effekte können nicht überzeugen. Das gesamte Make-up der Geister sieht aus, als würde es von einer privaten Halloween-Party stammen. Blut und Splatter braucht man erst gar nicht zu erwarten. Hinzu gesellen sich Darsteller, die echt nicht gut sind. Zum Glück wird hier niemand besonders gefordert, denn so fallen die schlechten Leistungen weniger auf. Allerdings ändert das nichts an der Tatsache, dass die Charaktere reichlich nervig geraten sind. Die deutsche Synchronisation gibt sich erst gar keine große Mühe und macht die doofen Figuren dadurch nicht gerade sympathischer. Wo die vielen bekannten Gesichter sind, die einem ein Spruch auf der Bluray verspricht, ist übrigens auch ein Rätsel, da hier einfach keine großen Namen vorhanden sind.
 
 
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Leider läuft „Sind wir schon tot?“ mit seinen 98 Minuten dann auch noch etwas zu lang. Das fällt natürlich deutlich schwerwiegender ins Gewicht, weil der Streifen von Anfang an langweilig ist. Dass dem so ist, ist aber auch kein Wunder. Die Atmosphäre hätte wunderbar vielseitig sein können, aber jedes Genre wird hier schlecht bedient. So hat man es mit einem Horrorfilm zu tun, der aber keinen Horror entstehen lässt. Über die Geister hier würde sich nicht mal ein 12-jähriger erschrecken. Mit der Komödie wird es aber ebenfalls nichts, weil es einfach keine guten Gags gibt. Selbst wenn Humor Geschmackssache bleibt, so kommt man über ein Schenkel-Klopfer-Niveau nicht hinaus. Am amüsantesten sind da noch die Geister, wenn sie zusammen quatschen. Letztendlich ist eigentlich auch eine gar nicht so kleine Krimi-Komponente vorhanden, doch hier wird ebenfalls jegliches Potenzial verschenkt. Nimmt man alle drei Versuche zusammen bleibt am Ende nur eines übrig: Langeweile!
 
 
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SIND WIR SCHON TOT – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
Abgesehen von einem guten Versuch und ein paar Zutaten, aus denen man etwas machen hätte können, bietet „Sind wir schon tot?“ nichts, was ihn irgendwie sehenswert machen würde. Die wendungsreiche Story wird zu uninteressant erzählt, die Darsteller können nicht viel und die Charaktere sind schrecklich nervig. Wenn Humor nur aus diesen doofen Figuren entstehen soll, wird man vielleicht lachen können, aber richtige Gags gibt es hingegen kaum. Da aber auch keinerlei echter Horror entsteht, hat der Film sein Ziel deutlich verfehlt. Die Effekte bestätigen nur, wie wenig Geld man scheinbar zur Verfügung hatte, aber mit Charme und Herzblut konnte man das hier nicht ausgleichen. Leider ein langweiliger, nicht empfehlenswerter Film!
 
 


 
 
 

SIND WIR SCHON TOT – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „Sind wir schon tot? – Death is in da House!“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung die Einstufung „FSK16“ erhalten.
 
 
 


 
 
 

SIND WIR SCHON TOT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies | Best Entertainment (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Are We Dead Yet; Großbritannien 2019

Genre: Thriller, Horror, History, Komödien, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Original Trailer, Deutscher Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 25.09.2020

 

Sind wir schon tot? – Death is in da House! [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SIND WIR SCHON TOT – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Movies | Best Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Scary Movie 2 (2001)
 
Beetlejuice (1988)
 
Housebound (2014)
 

Filmkritik: „American Zombieland – Angriff der Fettarsch-Zombies“ (2020)

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AMERICAN ZOMBIELAND – ANGRIFF DER FETTARSCH-ZOMBIES

(FAT ASS ZOMBIES)

Story

 
 
 

Wenn in Amerika die Zombie-Apokalypse ausbricht, bedeutet das zwangsläufig, dass es viele fette Zombies geben muss. Deshalb wurde es höchste Zeit, dass es mal einen Film namens „Fat Ass Zombies“ gibt, in dem die Fettarsch-Zombies Jagd auf Menschen machen.

 
 
 


 
 
 

AMERICAN ZOMBIELAND – Kritik

 
 
 
Im Zombie-Genre wurde eigentlich alles gesagt. Selbst die komödiantischen Vertreter haben schon gefühlt jede Prämisse durch und dennoch wird besonders der Heimkino-Markt immer noch mit zahlreichen Varianten bombardiert. Bei einem Titel wie „American Zombieland – Angriff der Fettarsch-Zombies“ oder im Original „Fat Ass Zombies“ ist nun wirklich nicht mit hoher Qualität zu rechnen. Umso überraschender ist, dass dieses kleine Filmchen doch origineller daherkommt, als man erwarten durfte.
 
 
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Sam träumt davon mal ein großer Horror-Regisseur zu werden, aber seine Zombiefilme erreichen nicht mal Amateur-Niveau und deshalb ist es undenkbar, dass ein Festival seine Werke spielen würde. Als aber eines Tages eine echte Zombie-Apokalypse in der Kleinstadt ausbricht, wittert Sam seine große Chance. Zusammen mit weiteren Überlebenden schnappt er sich seine Filmausrüstung und dreht einen neuen Film, nur dieses Mal eben mit echten Zombies. Die Story klingt nicht unbedingt originell, macht aus der simplen Prämisse aber dennoch eine ganze Menge. „American Zombieland“ versteht sich selbst als Komödie und versucht deshalb gar nicht, irgendwie ernst zu wirken, was schon mal ein großer Vorteil ist. Stattdessen wird hier sogar halbwegs brauchbare Satire geboten. Gleich am Anfang bekommen fette Amerikaner ihr Fett weg. Das ist zwar enorm plakativ, passt aber dennoch ganz gut. Auch im weiteren Verlauf gab es ein paar nette Ideen, wie etwa den Redneck-Fond. Wenn man Satire gerne grob hat, bekommt man ein paar Seitenhiebe geboten, die alles andere als unwahr sind. Wirklich gut wird die Geschichte dabei selten erzählt und zwischenzeitlich wirkt alles etwas zu chaotisch, doch der Grundansatz ist gelungen und ein paar Ideen sind überhaupt nicht so ausgelutscht, wie man erwarten durfte.
 
 
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Wobei man schon ein beinharter Trashfan sein muss und nichts gegen günstigere Filme haben darf, um an „American Zombieland – Angriff der Fettarsch-Zombies“ Gefallen finden zu können. Man sieht zu jedem Zeitpunkt, dass kein großes Budget zur Verfügung stand. Die Inszenierung ist holprig, gerade gegen Ende sind die Schnitte teilweise katastrophal und dennoch ist die handwerkliche Arbeit nicht so übel. Man sieht dem Werk nämlich einen gewissen Aufwand an. So gibt es doch ziemlich viele Darsteller, genügend Schauplatzwechsel und selbst die Effekte aus dem Computer sehen gar nicht mal so schlecht aus. Plötzlich gibt es auch eine Comic-Sequenz, die den Stoner-Humor noch etwas verstärkt. Etwas schade ist, dass es nur sehr wenig Splatter zu sehen gibt. Das Make-up der Zombies ist simpel, sieht jedoch in Ordnung aus, aber wenn Blut vergossen wird, dann fließt meistens auch nur rote Farbe, ohne dass es explizit wird. Auch hier sind die Effekte okay, es hätte nur eben gerne derber sein dürfen. Alles in einem ist das für diese Preiskategorie allerdings völlig passabel. Da gibt es etliche Zombiefilme, die es viel weniger kaschieren können, wie billig sie doch sind.
 
 
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Der Unterhaltungswert ist, besonders in der ersten Hälfte, überraschend hoch. Es gibt eine ganz gelungene Einleitung, in der man die vielen verschiedenen Charaktere vorgestellt bekommt. Zwar darf man von den Schauspielern echt nicht viel erwarten, aber immerhin versagt die Figurenzeichnung nicht, selbst wenn die deutsche Synchronisation ziemlich bescheiden klingt. Sympathien kommen hier kaum auf, doch die Charaktere sind herrlich schräg, allesamt verschieden und so schaut man den Idioten tatsächlich ganz gerne zu. Das ist markanter, als in manch einem anderen Vertreter dieser Art. In der zweiten Hälfte kommen ein paar Längen auf und das Finale ist gerade aus inszenatorischer Sicht nicht wirklich gut gelungen, aber die normale Laufzeit von 88 Minuten vergeht doch angenehm kurzweilig. Ein Spannungsaufbau gelingt zwar nicht, aber dafür ist das Ganze auch viel zu albern. Dafür gibt es immer mal wieder Gags, die zwischen peinlich und gelungen jede Qualität bieten. Im Endeffekt ist „American Zombieland“ doch ein ganz amüsanter Spaß geworden und der Soundtrack (der eigentlich nur aus einem Song besteht) passt ebenfalls ordentlich.
 
 
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AMERICAN ZOMBIELAND – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Wenn man die billigeren Trashfilme zu schätzen weiß, bekommt man mit „American Zombieland – Angriff der Fettarsch-Zombies“ ein recht gelungenes Exemplar geboten, welches natürlich trotzdem große Geschmackssache darstellt. Die satirischen Spitzen sitzen teilweise ziemlich gut, doch das wird jeder anders sehen, weil Humor stets subjektiv ist. Trotzdem macht der Film auf gewisse Art und Weise Laune. Die Darsteller sind nicht besonders gut und die Inszenierung ist teilweise ganz schön holprig, trotzdem ist die handwerkliche Arbeit solide und besonders die schrägen Charaktere besitzen ihren Wiedererkennungswert. Etwas mehr Splatter und ein besseres Finale hätten nicht geschadet, doch Trashfans dürfen hier dennoch ein Auge riskieren.
 
 
 


 
 
 

AMERICAN ZOMBIELAND – Zensur

 
 
 
Die Zombiekomödie „American Zombieland – Angriff der Fettarsch-Zombies“ erhielt von der FSK eine Erwachsenenfreigabe in ungeschnittener Form. Zombiefilm-Fans und Sammler ungekürzter Filme können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

AMERICAN ZOMBIELAND – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies / daredo (KeepCase – ungeschnittene Fassung)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Fat Ass Zombies; USA 2020

Genre: Horror, Komödie

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 1.77:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: 88 Minuten (ungeschnittene Fassung)

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Original Trailer, Trailershow

Veröffentlichung: KeepCase: 21.08.2020

 
 

American Zombieland – Angriff der Fettarsch-Zombies [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

AMERICAN ZOMBIELAND – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei White Pearl Movies / daredo)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
The Return of the Living Dead (1985)
 
Zombie Fieber (2013)
 
Scouts vs. Zombies – Handbuch zur Zombie-Apokalypse (2015)
 
Zombieland (2009)
 
Shaun of the Dead (2004)
 

Filmkritik: „Come to Daddy“ (2019)

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COME TO DADDY

Story

 
 
 
30 Jahre nachdem sein Vater die Familie verlassen hat, erhält Norval die Karte zu einem entlegenen Haus per Post und entdeckt beim Hausbesuch deutlich mehr, als einen entfremdeten Erzeuger…

 
 
 


 
 
 

COME TO DADDY – Kritik

 
 
Ex-Teeniestar Elijah Wood, der seine Karriere schon beinahe unbemerkt, als Kind in „Zurück in die Zukunft 2“ etwa, begann, als „Frodo“ oder auch nur „bekannt aus der Herr der Ringe-Trilogie“ vorzustellen, war im Kritikertum jahrelang Usus, war eben jene Rolle doch auch nicht nur die größte und erste international wirklich erfolgreiche des mittlerweile 39-Jährigen, sondern auch seine Ikonischste. Doch anno 2020 und somit 19 Jahre nach dem ersten Teil Peter Jacksons legendärer Mittelerde-Trilogie darf es schon als ignorant oder veraltet gelten, diesen versatilen, begabten Darsteller auf seine Leinwandpräsenz mit haarigen Füßen zu reduzieren, hat er sich in den Folgejahren doch immer wieder durch Genreproduktionen profiliert, die oftmals fernab vom Mainstream verlaufen und durch Rollenwahlen, die gerne mal auf Sympathie oder klassische Synchronisierung mit dem Zuschauer verzichten.
 
 
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Und egal ob Wood als frauenschlachtender oder kannibalistischer Psychopath in „Sin City“ oder „Maniac“ Furcht einflösst, in „Hooligans“ den Imagewechsel mit der Brechstange erzwingt und dabei trotzdem noch eine nuancierte Performance bietet, sich in unterschiedlichsten Produktionen als Synchronsprecher bewährt – u.a. für Adult Swim oder „#9“ – oder in Indie-Produktionen wie „The Oxford Murders“, „Grand Piano“ oder „Cooties“ Genrefans erfreut – misslungener oder unpassender als die früheren Rollen ist das keinesfalls, im Gegenteil, ich würde sogar von einem Schauspieler sprechen, der sich gefunden hat und mit großer Freude Nischen ausfüllt, statt dem großen Geld hinterher zu jagen. Spätestens mit seiner eigenen Produktionsfirma, „SpectreVision“, die er zusammen mit den Regisseuren Daniel Noah und Josh C. Waller gestartet hat, unterstützt er seit Jahren tatkräftig den abseitigen, unabhängigen Genremarkt mit Produktionen wie dem absolut einzigartigen „The Greasy Strangler“ oder zuletzt auch dem polarisierenden „Daniel Isn’t Real“.
 
 
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Bestens in diese Kette aus nicht am generellen Mainstream interessierten Produktionen reiht sich nun auch der vorliegende Film „Come to Daddy“ des Neuseeländers Ant Timpson ein, der bis auf seinen Kurzfilm „Crab Boy“ auch in erster Linie als Produzent oder Schreiberling bekannt sein dürfte, so basiert „The ABCs of Death“ z.B. auf seinem Alptraum. Die 96 Minuten dieser mysteriösen, schwarzhumorigen Thrillererfahrung fangen dabei mit zwei Zitaten über Väter an, die in dieser Juxtaposition bereits ziemlich gut auf das Werk einstimmen: Erst Shakespeare, dann Beyoncé. Ein percussionlastiger Soundtrack generiert schnell einen Retro-Agenten/Spionage-Vibe und sorgt für Anspannung und freudige Erwartungshaltung beim Zuschauer, dazu reist unser Schnauzbart und Hipsterfrisur tragender Elijah Wood als junger, alternativer DJ durch eine bergige Waldlandschaft und einzelne Drohnen/Kranfahrten sehen so künstlerisch aus, dass meine Assoziation glatt „Tree of Life“ war.
 
 
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Die Designer-Wohnung am Berghang ist schick beleuchtet und mit liebevollen Details versehen, eine gruselige Eule hier, ein interessant platzierter Sessel dort, und kurz nach Ankunft des Sprösslings werden dann auch direkt auf logische, nachvollziehbare und realistische Weise gut gespielte Brocken an Backstory und Erklärung geliefert, wieso Sohnemann überhaupt auftauchen soll. Sowohl Comedy, als auch Rätsel- und Verlaufsspannung, leicht mysteriöse Andeutungen und eine aufkochende Diskussion werden nachfolgend bedient, wobei Elijah Wood und sein Gegenüber sich hier bestens die Bälle zuwerfen, ausweichen, nachgeben und nachtreten.
 
 
„Just you know, if you wanna impress me, I like fight stories.“
 
 
Ein Wohnzimmermassaker mit viel Eskalation und Konfrontation wie zuletzt bei „Why don’t you just die?!“ sollte man indes nicht erwarten, da „Come to Daddy“ mehr am Dialogwitz, mehr am sich peu à peu natürlich entfaltendem Plot, mehr am Subtext und der Auflösung einer prinzipiell verwirrenden Situation interessiert ist, denn an Drastik oder Actioneinlagen. Nach den hübschen Panoramas und Landschaftsaufnahmen zu Beginn nehmen sich sowohl Editing als auch Soundtrack nun etwas zurück und schnell kommt Spannung auf, da bei Nacht ein stranges Gespräch belauscht wird – geht es hier etwa nicht mit rechten Dingen zu? „Come to Daddy“ verlangt es mir nach längerer Zeit mal wieder ab, an dieser Stelle bereits mit der Paraphrase bzw. Nacherzählung aufzuhören – denn auch, wenn ich auch in meinen sonstigen Reviews versuche Spoiler zu meiden und nicht zu viel/weit zu erzählen, so beginnt „Come to Daddy“ derart früh und unvermittelt mit höchst amüsant und durchaus realistisch geschriebenen, deswegen aber nicht weniger absurden Überraschungen, dass jede weitere Zeile zur Story den Spaß nur versauen würde.
 
 
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Es gibt einen wunderbar verwirrenden offbeat-Charakter der gefühlt aus einem Tim & Eric-Sketch in den Film gemorpht wurde, vage Ideen eines romantischen Nebenplots, die absolut hollywood-untypisch verlaufen und trotzdem nie zu gimmicky werden, großartige Comedy-Einlagen die man nicht kommen sieht, dann aber nicht mehr missen möchte, kreativ-überzeichnete Nebencharaktere, von einem Starcast gespielt und punktuell comichaft, ziemlich brutale Konfrontationen, die eine FSK 18 absolut rechtfertigen und mittendrin einen spielfreudigen Elijah Wood, der durch seine Handlungen und Aussagen nicht einmal unbedingt die Sympathie des Zuschauers auf seiner Seite hat, aber trotzdem nie aus der Rolle fällt und darum ein Spaß zu beobachten ist. Lange stand es keinem Film mehr so gut, so lange mit verdeckten Karten zu spielen. Und als wäre all das noch nicht genug, als wäre dieser Film mit Herz am rechten Fleck und einzig einem etwas ungelenkt ausgeführten, pacingtechnisch wenig sinnvollen Finale, noch nicht innerhalb seiner Ansprüche völlig gelungen, so spielt er später dann tatsächlich noch eine sehr bekannte, bittersüße Melodie von einem meiner Lieblingskünstler, die perfekt geklappt und mich im Kontext hat unerwartet emotional werden lassen. Chapeau!
 
 
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COME TO DADDY – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
„Come to Daddy“ hat für absurde Diskussionsthemen in der Runde gesorgt, hat mich selten wirklich lachen, oft aber hämisch breit grinsen lassen und lohnt sich für Fans schwarzer Komödien, interessant aufgebauter Thriller sowie schlicht und ergreifend kurzweiliger Filme mit etwas Blut und Comedy ohne Wenn und Aber.
 
 


 
 
 

COME TO DADDY – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „Come to Daddy“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung die Einstufung „keine Jugendfreigabe“ erhalten. Filmsammler können daher bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

COME TO DADDY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Come to Daddy; Irland | Kanada | Neuseeland | USA 2019

Genre: Horror, Thriller, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Horror DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 29.05.2020

 

Come to Daddy [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

COME TO DADDY – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Botched – Voll verkackt! (2007)
 
Very Bad Things (1998)
 
Stuck (2007)
 
The Cottage (2008)
 

Filmkritik: „Aquaslash“ (2019)

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AQUASLASH

Story

 
 
 

Wasserrutsche des Grauens. Die wird in ein Mordwerkzeug umfunktioniert und zerteilt Planschgäste in kleine Stück.

 
 
 


 
 
 

AQUASLASH – Kritik

 
 
 
Der Regisseur von DISCOPATH ist zurück. Der lieferte vor einigen Jahren mit der Horror-Hommage an die 1970er ungewöhnlichen Genre-Stuff ab, der auf einschlägigen Filmfestivals gut abschnitt. Nachdem der Erstling selbst finanziert werden musste, tat sich der Regisseur diesmal mit den Produzenten von GAME OF DEATH zusammen – offenbar, weil die wissen, wie man Mord und Totschlag gut in Szenen setzen muss. Leider ist das Ergebnis keine Sternstunde des Horrorfilms. Was als spaßige Hommage an das Slasher-Kino der 1980er beginnt, verliert seinen Humor zu schnell aus den Augen und quält sein Publikum mit potenten Macho-Boys und willigen Bikini-Girls. Die wollen nicht schreien, wimmern und sterben, sondern saufen, feiern und durch die Betten hüpfen. Für einen Horrorfilm fatal.
 
 
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Was wäre ein Abschlussjahr ohne Abschlussfeier? Für einige Abiturienten der Grund, die bestandenen Prüfungen in einem Wasserpark zu feiern. Zwar gab es da vor einigen Jahren einen merkwürdigen Unfall, aber das hält die Meute nicht davon ab, den Abschluss mit Party, Sex und Drogen zu feiern. Doch jemand meint es nicht gut mit den Feiernden. Der sabotiert die Wasserrutsche des Parks und sorgt so für ein Blutbad. Da stellt sich glatt die Frage, wer solch boshafte Gedanken hegt. Man sollte gar nicht erst anfangen zu raten. Die Auflösung ist so weit hergeholt, darauf kommt man definitiv nicht.
 
 
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Was aussieht, wie eine Fortsetzung zum Splatter-Spaß PIRANHA 2 ist gar nicht so spaßig, wie man nach Sichtung des Trailers erwarten würde. AQUASLASH ist ein Slasher, der sein ganzes Pulver erst in den letzten 15 Minuten verschießt. Wo andere Horrorfilme gleichen Kalibers kreative Morde über den gesamten Film verteilen, reduzieren sich diese auf das Finale. Bis dahin herrscht Langeweile. Da wird gebaggert, geknutscht, gefummelt und gekokst. Das ist weder spannend noch unterhaltsam. Regisseur RENAUD GAUTHIER fokussiert zu lang und zu intensiv Teenager-Probleme und macht sich damit bei Horrorfans keine Freunde. Die wollen Blut sehen, werden aber stattdessen mit Alphamännchen-Gehabe und Blondinen-Gegacker genervt. Slasher sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.
 
 
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Immerhin gibt es Rot im Finale und das reichlich. Hier wird dick aufgetragen und es wird zehn volle Minuten gesplattert. Die Effekte sind gelungen und kommen nicht aus dem Computer. Da werden Klingen in einer Wasserrutsche platziert und so Körperteile oder Köpfe abgetrennt. An Zynischmus wird nicht gespart. Leider macht all das den Kohl nicht mehr fett. Der handwerklich professionell getrickste Blutrausch kommt zu spät, denn die meisten Zuschauer dürften wegen Ereignislosigkeit bereits vor der blutigen Krönung abgeschalten haben. Vermutlich enttäuschend für das Spezialeffekte-Team. Das nennt sich BLOOD BROTHERS, macht seinem Namen alle Ehre und hätte sich wohl durch den hausgemachten Blut-Cocktail-Mix mehr Aufmerksamkeit gewünscht. Zuletzt sorgten die mit Gemansche im rasanten Retro-Hit TURBO KID für Aufsehen und zeigten eindrucksvoll, was mit Spezialeffekten alles möglich ist. Im direkten Vergleich dazu ist AQUASLASH eine Schlaftablette.
 
 
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AQUASLASH – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
Blutrote Hommage an die Slasher-Filme der 1980er, die lustig hätte werden können. In AQUASLASH wird eine Wasserrutsche in ein Mordwerkzeug umfunktioniert. Darin werden Menschen zu Fischfutter verarbeitet. Leider nutzt Regisseur RENAUD GAUTHIER die Möglichkeiten nicht aus und zeigt zu viel Gerede um den heißen Brei, statt endlich mal zum Punkt zu kommen. Da bekommt der Zuschauer eine konfuse Handlung aufgetischt, die über weite Strecken völlig die Slasher-Handlung aus den Augen verliert und sich mit Teenager-Problemen beschäftigt. Das Ergebnis: Langeweile. Für einen Film, dessen Handlung auf einen Bierdeckel passt und der eine Laufzeit von etwas mehr als einer Stunde besitzt, ist das schon eine Meisterleistung.
 
 
 


 
 
 

AQUASLASH – Zensur

 
 
 
Bis zum Finale passiert kaum etwas. Es wird hauptsächlich geredet, gefeiert und getrunken. Erst im Finale geht das große Sterben los. Dann wird reichlich gesplattert. Weil aber die Morde sehr übertrieben und teils ironisch zelebriert werden, darf man von einer ungeschnittenen Freigabe ab 16 Jahren ausgehen.
 
 
 


 
 
 

AQUASLASH – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Black Mandala)

 
 
 
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2001 Maniacs (2005)
 
Swimming Pool – Der Tod feiert mit (2000)
 
Piranha 2 (2012)