Filmkritik: „Viking Vengeance“ (2018)

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VIKING VENGEANCE

(THE HEAD HUNTER | THE HEAD)

Story

 
 
 

Aus dem Leben eines Monsterjägers: Ein namenloser Kopfgeldjäger hat es sich zur Aufgabe gemacht das Königreich von Monstern zu säubern. Bis er auf jenes Monster trifft, mit dem er privat ein Hühnchen zu rupfen hat.

 
 
 


 
 
 

VIKING VENGEANCE – Kritik

 
 
 
Mittelalter, Blut und Horror – das ist stets eine sichere Bank. Nicht ohne Grund erreichen TV-Serien wie GAMES OF THRONES, VIKINGS oder THE LAST KINGDOM enormen Zulauf und bescheren TV-Kanälen so rekordverdächtige Einschaltquoten. Dass sich daran natürlich auch der Videomarkt orientiert, dürfte nicht überraschen. Doch die Sache hat einen Haken. Diese Art Filme kosten Geld, weil sie besondere Kostüme und natürlich auch komplizierte Kulissen voraussetzen. Kein Hindernis für Multitalent und Finanzgenie JORDAN DOWNEY. Der war schon Praktikant von WES CRAVEN und scheint vom Altmeister Tipps bekommen haben, wie man mit kleinem Budget maximalen Horror fabriziert. Entstanden ist so THE HEAD HUNTER – das bisher ehrgeizigste Projekt des Regisseurs, das für den deutschen Markt in VIKING VENGEANCE umgetauft wurde und Downeys Leidenschaft fürs Horrorkino unterstreicht. Der startete seine Karriere als Filmemacher bereits 2009 mit dem ersten Langfilm THANKSKILLING. Die trashige Hommage an die vielen Horrorfilme, mit denen der Regisseur aufgewachsen war, kam so gut bei Horrorfilm-Jüngern an, dass schnell eine Fortsetzung gedreht werden musste. Letztere stellte im Jahr 2012 einen Rekord auf KICKSTARTER auf. Über 100.000 US-Dollar machten begeisterte Filmfans locker, damit das Sequel gedreht werden konnte. Bis dato kam für keine andere Horrorproduktion auf dem Crowdfunding-Portal KICKSTARER so viel Geld zusammen, wie für den Nachfolger genannten Splatter-Ulks.
 
 
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Wir machen eine Reise zurück ins Mittelalter. Irgendwann zu jener Epoche fristet ein Kopfgeldjäger ein jämmerliches Dasein. Der Bursche ist von Hass getrieben und das nicht ohne Grund. Eine boshafte Kreatur hat den Tod der einzigen Tochter auf dem Gewissen. Nun fordert der von Wut getriebene Rächer Vergeltung und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Menschheit vom Bösen zu befreien. Tagein, tagaus reitet er deshalb mit seinem Pferd durchs Land, um das Reich vor Monstern, Drachen und anderen okkulten Gefahren zu schützen. Mit Erfolg, wie die heimische Trophäen-Wand beweist. Dort hat der Rächer die Köpfe all jener Monster gesammelt, mit denen er kurzen Prozess veranstaltet hat. Routiniertes Monsterschlachten also – bis der Krieger auf die Gestalt trifft, die einst die Tochter getötet hat.
 
 
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Unabhängiges Horrorkino auf einem neuen Level. VIKING VENGEANCE zeigt ganz eindrucksvoll, dass Filme mit kleinem Budget nicht zwingend kostengünstig aussehen müssen. Was hier mit gerade einmal 20.000 US-Dollar auf Film gebannt wurde, ist kaum zu glauben. Ob Kulisse, das Schauspiel, Schnitt, Kameraarbeit oder die musikalische Untermalung – nichts zeugt davon, dass beim Produzieren auf Sparflamme geköchelt werden musste. In VIKING VENGEANCE schaut alles nach mehr aus, als es gekostet hat, was auf das Konto von Regisseur JORDAN DOWNEY geht. Der scheint ein talentiertes Händchen fürs Buchhalten zu besitzen. Zuletzt sorgte der noch unbekannte Filmemacher für Furore, als ein von ihm gedrehter achtminütiger Fanfilm zum Kult-Horror CRITTERS im Netz die Runde machte. Auch dort verblüffte der Newcomer mit hohem technischen Standard, den sich sonst nur Produktionen namhafter Studios leisten können.
 
 
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Doch so groß die Freude über technische Fertigkeiten auch ist, so deprimierend die Tatsache, dass VIKING VENGEANCE kein neuer Kultfilm ist. Der Streifen schaut zwar prächtig aus, geizt aber mit Handlung. So folgen wir stets den gleichen Abläufen. Der Krieger bereitet sich auf Einsätze vor, vernimmt ein Warnsignal und reitet los, um den Monstern den Marsch zu blasen. Was genau im Gefecht passiert, erfährt der Zuschauer nicht. Die Handlung setzt erst wieder ein, wenn der namenlose Kämpfer heimkehrt, um die Trophäe seines Einsatzes an die Wand zu nageln. Auf Dauer eine ermüdende Angelegenheit, zumal sich WIKING VENGEANCE so anfühlt, als habe man krampfhaft versucht aus einer Kurzgeschichte einen Spielfilm zu machen. Immerhin wird es im Finale interessant. Dann nämlich versucht der Streifen aus seiner Monotonität auszubrechen. Da steht unser Held plötzlich jenem Feind gegenüber, der ihn zu dem gemacht hat, was er jetzt ist. Da kommt VIKING VENGEANCE endlich mal in Fahrt und zeigt einmal mehr, wie einfach es doch sein kann aus wenigen Mitteln effektives Monsterkino zu machen.
 
 
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VIKING VENGEANCE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Horror-Indie-Kino 2.0: Der handwerklich beeindruckende VIKING VENGEANCE lässt alle bisher gedrehten Low-Budget-Produktionen alt aussehen. Was man mit einem Mini-Budget von gerade einmal 20.000 US-Dollar hier auf die Beine gestellt wurde, verschlägt den Atem. Der Streifen schaut aus, wie die Produktion eines großen Studios und lässt nicht einmal ansatzweise erahnen, das der Film mit kaum finanziellen Mitteln gedreht wurde. Für diese Glanzleistung muss man alle Beteiligten einmal loben. Um gut haushalten zu können, musste gespart werden, wo es nur ging. Deshalb drehte man in einem zweihundert Jahre altem Dorf, in dem gerade einmal drei Menschen leben. Eine derer ist die Großmutter von Kameramann und Drehbuchautor KEVIN STEWART. In deren Obhut befand sich Stewart als Kind so ziemlich oft und vertrieb sich gern mal die Zeit in den zerfallenden Steinhäusern und alten Ruinen des Ortes. Die perfekte Kulisse für VIKING VENGEANCE, der mit kaum Dialog auskommt und stattdessen eine One-Man-Show in den Fokus rückt, die aber etwas unter dem nicht sonderlich umfangreichen Drehbuch leidet. So erfährt man im Film nicht unbedingt viel über den einzigen Protagonisten, der getrieben von Rache nur selten einen Blick hinter die emotionale Fassade zulässt.
 
 
 


 
 
 

VIKING VENGEANCE – Zensur

 
 
 
VIKING VENGEANCE – der im Original eigentlich THE HEAD HUNTER heißt – hat nur wenige Gewaltmomente zu bieten. Man bekommt abgetrennte Monsterhäupter zu sehen und einige von Monstern zugefügte Kratzer, die der Filmheld mit eigensinniger Medizin behandelt. Außerdem bekommt der Zuschauer einen abgeschlagenen Menschenkopf zu sehen, der aufgespießt wird. Hierzulande hat der Streifen einen FSK16 in ungeschnittener Form erhalten. Diese ist gerechtfertigt.
 
 
 


 
 
 

VIKING VENGEANCE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei INDEED FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der 13te Krieger (1999)
 
Beowulf (1999)
 
Outlander (2008)
 

Filmkritik: „Matriarch – Sie will dein Baby“ (2018)

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MATRIARCH – SIE WILL DEIN BABY

(MATRIARCH)

Story

 
 
 

Werdende Eltern geraten im englischen Hinterland an eine ominöse Familie, die nicht sehr ehrenwert mit Durchreisenden umgeht.

 
 
 


 
 
 

MATRIARCH – Kritik

 
 
 
Willkommen im ländlichen England. Da wo sich kleine Ortschaften inmitten wiesenbedeckter Hügellandschaften verstecken und sich malerische Wanderwege verschlafen ihren Weg durch die Natur bahnen, kann die Idylle oft trügerisch sein. Wenn uns Horrorfilme etwas beigebracht haben, dann ist es die Lehre vom falschen Frieden. So passiert es vor allem im Backwood-Horrorfilm nicht selten, dass sich das Böse ausgerechnet dort versteckt hält, wo es einem nach Erholung und Rückzug dürstet. Da verwandeln sich pittoreske Dörfer plötzlich zum Vorhof der Hölle oder traumhafte Waldabschnitte werden in Jagdarenen umfunktioniert, wo ahnungsloses Menschen-Freiwild ums Überleben kämpfen muss. Der britische MATRIARCH reiht sich in jene Reihe fieser Filme ein, die mit genau jenen Filmzutaten Unwohlsein hervorrufen wollen. Da geraten ungläubige Stadtmenschen im Hinterland an bibeltreue Christen, die nach ganz eignen Regeln leben. Dass da schnell Reibungspunkte entstehen, liegt auf der Hand. Filme wie BLUTGERICHT IN TEXAS oder EDEN LAKE lassen grüßen.
 
 
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Die werdenden Eltern Rachel (CHARLIE BLACKWOOD) und Matt Hopkins (SCOTT WICKERS) befinden sich auf der Durchreise. Doch die Reise wird jeher unterbrochen, als ein umgefallener Baum die Fahrbahn kreuzt und man mit dem Fahrzeug genau hineinrast. Das Auto ist zwar Schrott, doch allen geht es gut. Aber was nun? Man sucht nach Hilfe und verirrt sich in einem Gehöft, deren Eigentümer auf den unangemeldeten Besuch nicht gut zu sprechen sind. Das ändert sich aber schnell, als man von der bevorstehenden Schwangerschaft des nach Hilfe suchenden Paares erfährt. Man bietet Rast an und lädt zum Essen ein. Doch die Stimmung kippt, als Rachel plötzlich die Tochter der Wohltäter wiedererkennt. Schnell stellt sich nämlich raus, dass es sich hier um ein Mädchen handelt, das seit Jahren als verschollen gilt. Keine guten Voraussetzungen um Freundschaften zu schließen. Das wollen die Gastgeber auch gar nicht. Die überfallen die werdenden Eltern und halten sie in den eigenen vier Wänden gefangen. Na bravo. Was für eine doofe Situation.
 
 
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Okay, okay – vielleicht mutet es dann doch etwas sehr übertrieben an, wenn man MATRIARCH mit den oben genannten Nervenbrechern vergleicht. Zwischen diesen Filmen und dem doch sehr zurückhaltenden MATRIARCH liegen nämlich Welten. Der Film hat zwar von der MPAA ein Rated R für Gewalt und verstörendes Verhalten erhalten, dennoch sollte man hier keine ultra-brutale Schlachtplatte erwarten. MATRIARCH erinnert eher an so unscheinbare Genre-Perlen wie DARK PARADISE. In diesem zu Unrecht vergessenen Horrorthriller aus dem Jahr 1988 verzichtete man ebenfalls auf reißerische Schauwerte und Gewaltausbrüche. Stattdessen fokussierte man das Erzählen einer grotesken Handlung und bahnte so dem Grauen langsam den Weg durch die Geschichte. Gleicher Verlauf ist auch in MATRIARCH Programm. Mit wenigen finanziellen Mitteln erzählt man hier zurückhaltenden Hinterwäldler-Horror ohne Schnörkel und kaum Filmblut. In Anbetracht des reißerischen Filmplakats irreführend. Das suggeriert nämlich einen Folterfilm aller erste Güte. Perverse Folterspiele bleiben aber aus. Dafür bekommt der Zuschauer einen gradlinigen Überlebenskampf zweier Städter zu sehen, die irgendwie versuchen müssen sich aus den Fängen einer skurrilen Familiensippe zu befreien. Letztere wirkt nicht immer bedrohlich und böse. Das Böse verhält sich teils unbeholfen und tollpatschig. Das nagt an der Glaubwürdigkeit der Geschehnisse, zumal sich auch die Opfer nicht immer klug verhalten und nur selten mit kompromissloser Härte gegen ihre Peiniger vorgehen. Im echten Leben dürfte man da als Überlebender wohl weniger Gnade kennen. Da schlägt man besser noch einmal mit der Schaufel auf den Kopf des Fieslings, wenn der am Boden liegt. Sicher ist sicher.
 
 
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MATRIARCH ist ein waschechter Indie-Horrorfilm, der aus eigenen Mitteln gestemmt wurde. So gehört die Produktion zum ersten Langspielfilm der Produktionsfirma NEW LIGHT FILMS, die Regisseur SCOTT VICKERS zusammen mit STEVEN LITTLE gegründet hatte, um günstige Independent-Film drehen zu können. Beide lernten sich bei Dreharbeiten zur BBC Serie RIVER CITY kennen und wollten eigene Spielfilme drehen. Leider mangelte es bereits beim ersten Streifen an Produzenten, die das Vorhaben unterstützen wollten. Frustriert wollte man den Traum von der eigenen Filmproduktion aufgeben. Da passiert da Unfassbare. Bei einem von Scott geleiteten Film- und Fernsehkurs in Glasgow zeigte ein Teilnehmer Interesse. Der besaß eine Farm und stellte diese für den ersten Spielfilm zur Verfügung. Doch dabei sollte es nicht bleiben. ALAN CUTHBERT sorgte nicht nur für den stimmigen Schauplatz in MATRIARCH. Der ambitionierte Brite gab sogar die Landwirtschaft auf, verkaufte sein Haus und stieg mit ins Filmbusiness ein. In Anbetracht dessen, dass MATRIARCH mit einem Mikrobudget von gerade einmal 60.000 $ gedreht wurde und somit genauso teuer gewesen ist, wie das 1999 inszenierte BLAIR WITCH PROJECT, eine Glanzleistung. MATRIARCH ist keineswegs perfekt. Dennoch ist diese britische Horror-Indie ein Beweis dafür, dass man kein millionenschweres Budget benötigt, um halbwegs gescheite Film zu drehen. Da kann sich das geldgierige Hollywood schon mal eine Scheibe von abschneiden.
 
 
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MATRIARCH – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
In drei Wochen geschrieben und mit gerade einmal 60.000 $ in knapp zwei Wochen auf Film gebannt. Newcomer SCOTT VICKERS ist ein richtiges Arbeitstier. Der hatte den Traum vom eigenen Spielfilm und tat alles daran, diesen zu erfüllen. Keine Hürde war ihm zu hoch, kein Weg war ihm zu weit. Das Ergebnis: MATRIARCH – der erste Langfilm des selbsternannten Filmfans. Dafür schrieb der ambitionierte Filmemacher selbst das Drehbuch, nahm auf dem Regiestuhl Platz und ließ es sich auch nicht nehmen, eine der Hauptrollen im Film zu übernehmen. MATRIARCH (der übrigens anfangs noch MOTHER hieß) ist natürlich kein Vergleich zu so thematisch ähnlichen Schockern wie ESCAPE FROM CANNIBAL FARM oder INBRED. Dafür hat man versucht, den Film nach mehr aussehen zu lassen, als er gekostet hat. Die Schauspieler sind brauchbar und auch die Kulisse des britischen Hinterlands verursacht Unbehagen. Wer demnach eine Vorliebe für Backwood-Horror-Thriller besitzt, kann sich MATRIARCH schon mal geben.
 
 
 


 
 
 

MATRIARCH – Zensur

 
 
 
MATRIARCH hat kaum Gewalt zu bieten. Ein Mann wird lebendig begraben, ein Körper wird von Schrotgewehrkugeln durchbohrt und mit einem Knüppel werden Köpfe eingeschlagen. Weiterhin kommt ein Dolch zum Einsatz und Pistolenmunition tut ihr Übriges. MATRIARCH wird zweifelsohne eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Der Film wird im Sommer 2019 über TIBERIUS FILM ausgewertet.
 
 
 


 
 
 

MATRIARCH – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei New Light Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Inside (2016)
 
Inside (2007)
 
Inbred (2011)
 
Escape from Cannibal Farm (2017)
 

Filmkritik: „Living Among Us“ (2018)

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LIVING AMONG US

Story

 
 
 

Endlich geben sich die Vampire zu erkennen. Nach jahrhundertelangem Versteckspiel trauen sich die untoten Kreaturen an die Oberfläche und wollen einem Reporter-Team beweisen, dass man auch gesittet kann. Statt Menschen zu ermorden, will man Blut aus Blutbanken trinken. Ehrlich gemeint oder nur Schein, um die Weltherrschaft an sich zu reißen? LIVING AMONG US klärt auf.

 
 
 


 
 
 

LIVING AMONG US – Kritik

 
 
 
Vampire im Horror-Kino – das ist immer so eine Sache. Die meisten Zuschauer haben da vermutlich noch romantisierte Vorstellungen in den Köpfen und denken in erster Linie an so Schauspieler wie CHRISTOPHER LEE, die noch eher zurückhaltend und gesittet an den Hälsen junger, nackiger Frauen geknabbert haben. Mittlerweile hat sich auch im Vampirfilm der Wind gedreht. Da wird schon lange nicht mehr nur in Hälse gebissen. Vampire von heute kennen weder Skrupel noch Furcht. Die gehen mittlerweile mindestens genauso skrupellos zugange, wie Kultkiller-Kollegen MICHAEL MYERS oder JASON VOORHEES. Da werden Körper zerfetzt und munter filetiert. Filme wie 30 DAYS OF NIGHT oder BLADE geben den Takt vor. Auch der folgende Vampir-Streifen gehört zu dieser neuen Reihe von Blutsaugerfilmen, die den Staub der klassischen Vampir-Gruselfilmchen abklopfen wollen. Der nennt sich LIVING AMONG US und versucht den Vampirstoff in die Moderne zu transportieren. Das macht man zwar im Found-Footage-Stil – schlecht ist LIVING AMONG US deswegen aber nicht unbedingt.
 
 
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Trügerischer Frieden. In LIVING AMONG US haben sich die Vampire der Öffentlichkeit gestellt. Die haben bisher im Untergrund gelebt, wollen sich jetzt aber nicht mehr verstecken. Damit man nicht unschuldige Menschen töten muss, um Überleben zu können, wird unter den Vampiren die Forderung nach Blutbanken laut. An diesen Blutspendeeinrichtungen sollen sich nichtinfizierte Menschen Blut abzapfen lassen, damit sich die Vampir-Brut davon ernähren kann. Doch die Bevölkerung ist skeptisch, was Vampir-Botschafter Samuel dazu veranlasst Aufklärungsarbeit zu leisten. In Interviews mit der Presse stellt er klar, dass Vampire schon lange nicht mehr mörderisch sind und friedlich neben der Menschheit koexistieren können. Um die These zu bekräftigen, lädt er ein TV-Team in seine heiligen Hallen ein. Das sollen sich selbst ein Bild vom Alltag der Vampire machen. Doch die Einladung – man habe es geahnt – verläuft schnell in katastrophale Bahnen. Nach ersten Interviews mit den Vampiren wird es schnell ernst. Da beginnt plötzlich ein Wettlauf um Leben und Tod, der mal wieder vor Augen führt, dass Draculas Nachfahren noch immer raubtierähnliche Kreaturen sind.
 
 
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Was lange währt, wird irgendwann auf den Videomarkt geworfen. LIVING AMONG US ist ein waschechter Found-Footage-Film und wurde zu den Hochzeiten der Wackelcam-Ära im Jahre 2013 fertiggestellt. Knapp fünf Jahre später hat man den Streifen in Amerika ausgewertet. Alteingesessene Horrorfilmkenner haben da kein gutes Gefühl. Oft haben verzögerte Kinostarts oder verspätete Heimkinoauswertungen ihren Grund. Nicht selten sind nämlich die Leute hinter wenig von der Qualität ihrer Filme überzeugt. Doch an letzterer scheitert LIVING AMONG US nicht zwingend. Der Streifen gehört nämlich zu den besseren Filmen dieser Art. Das sollte dahingehend positiv hervorgehoben werden, weil das Found-Footage-Genre seit Jahren einen zweifelhaften Ruf genießt. Das schlechte Image kommt nicht von ungefähr. Schuld daran ist der fast schon inflationäre Gebrauch jener Stilelemente, die diese Filmgattung seit Anbeginn prägen. Das bedeutet in der Regel, dass man hier pseudodokumentarisches Filmmaterial untergejubelt bekommt, welches dem Zuschauer vorgaukeln will echt zu sein. Quasi: eine Dokumentation, die eigentlich gar keine ist.
 
 
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Was Ende der 1990er mit BLAIR WITCH PROJECT noch gut funktioniert, ist in Zeiten von Fake-News und alternativen Fakten eigentlich längst kalter Kaffee. Nach gefühlt tausenden Found-Footage-Filmen und den immer wieder gleichen Abläufen, Schreckmomenten und Kameraspielereien verursacht man bei Horrorfilmfans mehr Augenrollen, statt Vorfreude, wenn man über einen Found-Footage-Film berichtet. Eine traurige Entwicklung, die vor allem jene Found-Footage-Produktionen zu Unrecht straft, die dann doch versuchen wollen den Zuschauer zu unterhalten. Dazu gehört freilich auch LIVING AMONG US, der innerhalb erwähnten Subgenres keine üble Figur macht. Regisseur BRAIN A. METCALF legt nämlich ein ordentliches Tempo vor und hetzt den Zuschauer durch einen Film, der dem festgefahrenen Vampirfilm neues Leben einverleiben möchte. Schluss mit angestaubten Vampirklischees. Stattdessen versucht man dem Vampir-Mythos einer Frischzellenkur zu unterziehen in dem man dem Publikum mitteilt, dass Vampire von heute auch zeitgemäß leben können. Wir sehen weder Särge, die zu Betten umfunktioniert wurden, noch Knoblauch oder angebissene Hälse. Stattdessen wird eine moderne Horrorgeschichte erzählt, die grade wegen des Verzichts auf Vampirfilm-Klischees ganz solide unterhält.
 
 
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Eigentlich ganz brauchbare Gruselunterhaltung. Wäre da nicht der Dauerbeschuss nerviger Found-Footage-Stilmittel. Die Kamera bleibt zwar weitestgehend konstant, sodass man der Handlung gut folgen kann. Was aber nervt, ist der übertriebene Einsatz von Störsignalen und Bildrauschen. Die wirken dahingehend unnötig, weil selbst aktuelle Smartphones fehlerfrei in HD aufnehmen können. Wozu dann das Einspielen der ständig gleichen Pixel- und Störeffekte? Wir leben doch nicht mehr in Zeiten qualitativ minderwertiger VHS-Bänder. Ansonsten kann LIVING AMONG US zweifelsohne mehr, als die üblichen Verdächtigen. Der Film hat einige sehenswerte Spezialeffekte zu bieten, die natürlich aus dem Computer stammen und ein letzter Auftritt von JOHN HEARD erfreut. Der Vater von Kevin aus dem Kultstreifen KEVIN – ALLEIN ZU HAUS starb 2017 im Alter von 71 Jahren. Wenige Monate nach seinem Tod brachte man LIVING AMONG US in . Ein Schelm, wer denkt, dass im Zuge der traurigen Umstände noch schnelles Geld verdient werden sollte.
 
 


 
 
 

LIVING AMONG US – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Kurzweiliges Filmvergnügen, mit gelungenen Spezialeffekten. Was ganz harmlos beginnt, entwickelt sich bald zu einem hektischen Überlebenskampf. LIVING AMONG US ist einer der wenigen Found-Footage-Filme, der sich dem Horror-Subgenre des Vampirfilms annimmt. Die Klischees klassischer Vampir-Streifen werden für diese Mockumentary kurz abgelegt, was vor allem jenen gefallen dürfte, die mit so schaurigem Vampir-Grusel gar nichts anfangen können. Von letzterem hat es rein gar nichts in diese Produktion geschafft. Stattdessen gibt es kurzweilige aber auch nicht unbedingt tiefgründige Unterhaltung für die Generation NETFLIX, die sich vor allem durch hektische Schnitte, viel Panik und plakativen Effekten auszeichnet. Regisseur BRAIN A. METCALF macht Nägel mit Köpfen und legt dabei ein ordentliches Tempo an den Tag, vor allem im letzten Drittel auch mal den Puls rasen lässt. Das macht LIVING AMONG US zu einem brauchbaren Wackelcam-Film für ausgehungerte Genrefilm-Fans, die ohne ihre tägliche Ration Horror nicht einschlafen können.
 
 
 


 
 
 

LIVING AMONG US – Zensur

 
 
 
LIVING AMONG US ist trotz Vampir-Thematik jetzt nicht unbedingt zeigefreudig was die Schauwerte betrifft. Es verbrennen einige Vampire durch Sonneneinstrahlung. Ein weibliches, menschliches Opfer wird von Vampiren mit Messern bearbeitet, damit die Kreaturen besser ans Blut kommen. Weiterhin gibt es eine Szene zu sehen in der sich ein Vampir freiwillig den Arm verbrennen lässt, in dem er ihn dem Sonnenlicht aussetzt. LIVING AMONG US dürfte eine FSK16 in ungeschnittener Form erhalten.
 
 
 


 
 
 

LIVING AMONG US – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Red Compass Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Afflicted (2013)
 
The Monster Project (2017)
 
Black Water Vampire – Die Nacht des Grauens (2014)
 

Filmkritik: „The Axiom“ (2018)

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THE AXIOM

Story

 
 
 

Fünf Freunde geraten auf der Suche nach einer vermissten Bekannten in eine Parallelwelt, wo sie ums Überleben kämpfen müssen.

 
 
 


 
 
 

THE AXIOM – Kritik

 
 
 
Mal wieder ein Indie-Filmemacher, der es wissen will. Seit einigen Jahrzehnten bietet das Horror-Genre ambitionierten Nachwuchsregisseuren die Möglichkeit mit Low-Budget-Produktionen im Filmbusiness Fuß zu fassen. Darunter nicht Wenige, denen mit kreativem Schrecken der große Coup gelungen ist und die es damit sogar bis nach Hollywood geschafft haben. Zu solchen Glückspilzen gehören SAM RAIMI oder PETER JACKSON. Die experimentierten in den Anfangsjahren mit Filmblut, Horror und Gewalt. Mittlerweile drehen sie millionenschwere Blockbuster für die ganze Familie, die man hin und wieder auch schon mal mit einem Oscar auszeichnet. Ganz klein und doch noch so viel vor hat auch NICHOLAS WOOD. Der hat mit dem Langfilmdebüt THE AXIOM einen gelungenen Erstling auf Zelluloid gebannt, mit dem der noch unerfahrene Filmemacher seine Leidenschaft zum Horror-Genre ausdrücken möchte. Von Unerfahrenheit spürt man aber im Debütwerk nichts. THE AXIOM glänzt durch sympathische Figuren, einer guten Handlung und souveräner Inszenierung. Das sah man auch auf diversen Filmfestivals so. Dort nahm man den Streifen mit ins Programm – darunter auch die deutschen Kollegen vom HARD:LINE FILMFESTIVAL im Jahr 2018.
 
 
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Schwester wo bist du? Genau jene Frage stellen sich McKenzie und Martin. Seit sich die Schwester der beiden aufgemacht hat, um sich in einem Nationalpark die Füße zu vertreten, hat man nichts mehr vom geliebten Familienmitglied gehört. Ob da etwas passiert ist? Zumindest will man nach dem Rechten sehen und kommt mit einem sonderbaren Landsmann über die sozialen Medien in Kontakt, der angeblich weiß, wo sich die verschollen geglaubte Schwester befinden soll. Ein Grund die Koffer zu packen und mit Freunden zum Cinder Park zu reisen. Hier will der ominöse Leon auf die Suchenden warten. Doch kaum angekommen faselt der mysteriöse Fremde kryptisches Zeug, berichtet von einem geheimnisvollen Portal in den Wäldern und rüstet die Freunde mit seltsamen Fläschchen aus, die angeblich drohendes Unheil abwenden sollen. Brauchbares Equipment oder nur fauler Hokuspokus? Die Antwort auf diese Frage wartet nicht lang. Weil THE AXIOM nun mal ein Horrorfilm ist und dazu auch noch schaurige Gestalten auf dem Filmplakat abgebildet sind, dürfte klar sein, dass diese Suche alles andere als gemütlich werden wird.
 
 
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Handwerklich ganz gut – nur im Finale happerts. Wir von FILMCHECKER haben in den letzten Jahren reichlich Billig-Trash gesehen, der allein schon mit schludrigem Video-Look und schlechten Schauspielern unbeabsichtigt Gänsehaut verursacht hat. THE AXIOM ist zwar auch unabhängiges Horrorkino, das mit kleinem Kapital umgesetzt wurde, kann sich aber immerhin durch eine gewissen Professionalität behaupten. Stimmige Kamerafahrten und eine unheimliche Geschichte treiben diesen Mysteryfilm voran, der nie zu viel verrät, damit das Geheimnis über das Verschwinden der gesuchten Mary lang bewahrt werden kann. Demzufolge tappen Protagonisten und Zuschauer lang im Dunkeln, weil NICHOLAS WOOD immer nur kleine Anhaltspunkte verteilt, um die Katze möglichst lang im Sack zu lassen. Ein geschickter Schachzug, der THE AXIOM über weite Strecken spannend macht. Da tauchen plötzlich seltsame Kreaturen auf, die Sonne will irgendwie nie untergehen und die Freunde verhalten sich plötzlich wie von Sinnen. Was kann das alles für Ursachen haben? Nach dem Abspann ist man nicht unbedingt schlauer.
 
 
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Regisseur und Drehbuchautor NICHOLAS WOOD treibt es nämlich irgendwann zu weit. Nach einem überraschendem Twist gipfeln die absurden Vorkommnisse in einem Finale, das sich nicht nur in effekthascherischen Schocks verrennt. Auch die Erklärungsnot macht dem Zuschauer zu schaffen. Da will plötzlich kaum noch etwas Sinn ergeben und der Filmemacher scheut sich vor Antworten. Offenbar war Wood zu sehr darum bemüht seinen ersten Langfilm mit Pauken und Trompeten zu beenden. Das Resultat ist eine haarsträubende Auflösung, wie man sie in solch abstruser Weise schon lange nicht mehr auf der Mattscheibe hatte. Das schmälert das sonst doch ganz passable Gruselvergnügen, das zumindest über weite Strecken schon irgendwie an EVIL DEAD erinnert.
 
 
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THE AXIOM – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Sonntagsfahrt mit Bruchlandung. THE AXIOM ist ein atmosphärischer Haunted-Place-Mysterythriller, der in der ersten Filmhälfte wegen seiner undurchsichtigen Handlung ganz kurzweilig geraten ist. Offenbar scheint Regisseur und Drehbuchautor NICHOLAS WOOD nicht nur eine Schwäche für Horrorfilme zu haben. Auch überraschende Filmwendungen dürften eine Leidenschaft des ambitionierten Regie-Newcomers sein. In Sachen Kreativität kann man Wood nichts vorwerfen. Leider ist die Phantasie im Falle von THE AXIOM mit dem noch jungen Filmemacher durchgegangen. Die Auflösung des vorliegenden Films gehört nämlich mit zum Haarsträubendsten, was man in den letzten Jahren auf der Mattscheibe hatte. Fragen über Fragen und doch so wenige Antworten. Vielleicht hat der kreative Neuling plausiblere Erklärungen für eine Fortsetzung aufgehoben. Irgendwie legt es THE AXIOM darauf an irgendwann fortgesetzt zu werden. Hier wäre weniger mehr gewesen, zumal der sinn- und logikfreie Twist den Eindruck erweckt, als habe man hier versucht zwei verschiedene Filme in eine Handlung pressen wollen. Schade.
 
 
 


 
 
 

THE AXIOM – Zensur

 
 
 
THE AXIOM ist kein harter Horrorfilm. Eine Frau wird mit einer Kette erdrosselt, ein Messer wird in einen Körper gerammt und eine Axt sorgt dafür, dass ein Protagonist seine Gedärme verliert. Hierzulande dürfte THE AXIOM eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE AXIOM – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Curtain (2015)
 
Evil Dead (2013)
 
Bornless Ones (2016)
 
Cabin of the Dead (2012)
 

Filmkritik: „St. Agatha“ (2018)

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ST. AGATHA

Story

 
 
 

Eine schwangere Frau erlebt in einem abgelegenen Kloster die Hölle auf Erden. Mit der hier lebenden Schwesternschaft ist nicht zu spaßen, denn wer hier Zuflucht sucht, hat nach ganz eigenen, grausamen Regeln zu leben.

 
 
 


 
 
 

ST. AGATHA – Kritik

 
 
 
Nonnen im Genre-Kino. Da schwant alteingesessenen Horrorfilmkennern Schlimmes. Dass nicht ohne Grund, sind doch christliche Ordensgemeinschaften im Horrorfilm eng mit so Themen wie Exorzismus, Besessenheit und Dämonologie verwachsen, die in der Vergangenheit beinahe schon inflationär im Genre verwendet wurden. Da erfreut es zu sehen, dass ausgerechnet DARREN LYNN BOUSMAN was anderes ausprobiert. Der ist eigentlich für härtere Filmkost bekannt und hat sich mit den Regiearbeiten zu SAW 2-4 ein Denkmal gesetzt. Wer die gesehen hat, weiß dass hier vor allem der Fokus auf möglichst perfide Gewalt lag. Von der distanziert sich der Regisseur nun mit ST. AGATHA. Eine Wende, die bereits in der Vorgängerarbeit ABATTOIR eingeschlagen wurde. Interessanterweise beweist Bousman auch darin Talent und versucht sich im Nonnen-Horror ST. AGATHA vermehrt in Sachen psychologischer Gewalt. Statt grafisch vor der Linse Gliedmaßen abzutrennen oder Körper zerschneiden zu lassen, versucht er im hier vorgestellten Genrefilm seine Opfer psychisch zu brechen. Damit tritt ST. AGATHA in ähnliche Fußstapfen, wie der kürzlich besprochene GHOSTLAND. Gar nicht mal so übel!
 
 
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Die Wege Gottes sind oft unergründlich. Das muss auch die attraktive Mary erfahren, die das Glück nicht gepachtet hat. Die hat unter tragischen Umständen den jüngeren Bruder verloren und trägt nun auch noch ein Kind im Leib, das so nicht geplant war. Eigentlich keine große Sache, wäre da nicht die Tatsache, dass der Kindesvater ein hinterlistiger Betrüger ist, der der werdenden Mutter rein gar nichts bieten kann. Für die Mittellose ein Grund sich in die Hände Gottes zu begeben. Sie erhält die Adresse eines abgelegenen Klosters, das alleinstehenden schwangeren Frauen Zuflucht bietet. Doch das Frauenhaus entpuppt sich bald als Vorhof zur Hölle. Hier führt Mutter Oberin (CAROLYN HENNESY) ein hartes Regime, das die gestrandeten Frauen vor Angst erzittern lässt. Wer den Regeln nicht folgt, wird bestraft – bitter und grausam. Ein großes Problem für die unwissende Mary. Die ahnt schnell, dass diese Schwesternschaft nicht ehrenhaft handelt. Deshalb gerät sie schnell in den Fokus der Obernonne, die ein talentiertes Händchen dafür hat, rebellische Neuankömmlinge zu brechen.
 
 
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Der Meister blutiger Bilder ist zurück und kann auch überraschend anders. DARREN LYNN BOUSMAN bezeichnet ST. AGATHA selbst als Nunsploitation, was dahingehend aber nur bedingt richtig ist, weil der Film – bis auf eine kurze Einstellung – keinerlei Sex zeigt. Sein neuer Streich ist eine Mischung aus diversen Subgenres des Horrorkinos. So bedient sich der Regisseur von Elementen aus Sektenfilmen, Psychothrillern, Folterfilmen und reißerischen Frauengefängnis-Streifen. Letztere feierten vor allem in den 1970ern Dank so Exploitationkrachern wie ILSA – SHE WOLF OF THE SS oder DAS HAUS DER PEITSCHEN zweifelhafte Erfolge. Natürlich ist ST. AGATHA nicht annähernd aus deren Holz geschnitzt. CAROLYN HENNESY geht zwar als Mutter Oberin im Film mit aller Härte gegen ihre Schützlinge vor und kennt beim Bestrafen weder Gnade noch Erbarmen; Bousman verzichtet aber weitestgehend auf reißerisch zelebriertes Erniedrigen seiner hilflosen Oper und aktiviert stattdessen das Kopfkino des Zuschauers, in dem er nur kurz andeutet oder die grausamen Bestrafungsmethoden im Off abhandelt. Das funktioniert dahingehend ganz gut, weil so mehr Raum für subtile Angstmacherei bleibt. So wird gern mal in der Horror-Klischee-Kiste gekramt, um unheilvolle Stimmung zu erzeugen. Da poltert es ungewöhnlich laut im Obergeschoss, Türen und Treppen knarren und mysteriöses Flüstern erzeugt zusammen mit dem düsteren Set gern mal wohlige Schauer. Schnell entsteht so eine ungemütliche und angespannte Atmosphäre, die zusätzlich durch die Anwesenheit des Filmbösewichts verstärkt wird. Das bereichert den Horrorthriller ungemein.
 
 
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Leider ist nicht alles Gold, was glänzt. Der Nonnen-Grusler hat auch mit vielen Ungereimtheiten zu kämpfen. So bleiben am Ende viele Fragen offen. Woher kommen die geheimnisvollen Stimmen im Keller? Wer ist die Dame im Dachboden, die ständig für lautes Poltern sorgt? Und welche Rolle spielt ein zwielichtiger Priester, der von den Nonnen regelmäßig Geld erhält? Offenbar sind sich da zu viele Drehbuchschreiber in die Quere gekommen und haben den Überblick verloren. Vier Autoren sollen am Skript gearbeitet haben, was dahingehend grotesk anmutet, weil ST. AGATHA dann doch reichlich konventionell und nicht sonderlich tiefgründig abgehandelt wird. Vermutlich brauchte die Filmheldin einen Feinschliff. In Form von zwanghaft eingebundenen Rückblenden erhält die mehr Tiefgang. Darin wird erklärt, was Mary dazu getrieben hat sich in die Hände eines ominösen Klosters zu begeben und wie es zu der ungewollten Schwangerschaft gekommen ist. Weil die wahllos eingefügten Rückblenden gern mal den Spannungsbogen ausbremsen und nicht unbedingt wichtig für das Verständnis der Handlung sind, entpuppen sie sich schnell als Störfaktor in einem sonst gar nicht mal so üblen Horrorfilm. ST. AGATHA gehört daher neben den SAW-Filmen zu den besten Arbeiten, die Regisseur DARREN LYNN BOUSMAN bisher hervorgebracht hat. Mal schauen, wie es in Zukunft mit dem Filmemacher weitergehen wird.
 
 
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ST. AGATHA – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Wenn Nonnen hinter düsteren Klosterwänden gequält, eingeschüchtert und gebrochen werden. Der neue Film von Regisseur DARREN LYNN BOUSMAN ist ein gemeines Stück Horrorkino, das vor allem von seiner beunruhigenden Atmosphäre lebt, die durch ein schauriges Set und einen skrupellosen Oberbösewicht bewirkt wird. ST. AGATHA erinnert stark an die Frauengefängnis-Streifen der 1970er, wo so polarisierende Filme wie ILSA – SHE WOLF OF THE SS oder DAS HAUS DER PEITSCHEN zweifelhafte Erfolge feierten. Darin wurden (meist weibliche) Gefangene von einem Oberschurken aus Freude misshandelt und erniedrigt. Das ist auch in ST. AGATHA Programm, nur mit dem Unterschied, dass Bousman dann doch etwas zurückhaltender die Bestie Mensch thematisiert. Der eher sonst für deftiges Gewaltkino bekannte Filmemacher geht es diesmal etwas subtiler an und setzt vermehrt auf düstere Kulissen und ungemütliche Stimmung. Die fürs Genre-Kino beliebten Schauwerte spielen hier eine untergeordnete Rolle. Stattdessen wird auf psychologische Gewalt gesetzt. Funktioniert ganz gut. ST. AGATHA ist ein stimmungstechnisch und handwerklich souverän inszenierter Thriller, der aber mit Drehbuchschwächen zu kämpfen hat. Wer daher nicht zu viel erwartet, dürfte unterm Strich kurzweilig unterhalten werden.
 
 
 


 
 
 

ST. AGATHA – Zensur

 
 
 
ST. AGATHA mach eher von psychischer Gewalt Gebrauch. Einige Gewaltszenen gibt es aber. So fällt eine der Filmfiguren in eine Bärenfalle, einer anderen wird die Zunge abgeschnitten. Weiterhin wird eine Protagonistin mit einer abgetrennten Nabelschnur (!) erdrosselt und andere sterben durch einen Rattengift-Cocktail. Hierzulande dürfte es für den Film eine FSK16 geben. SPLENDID FILM wird den Streifen im Mai 2019 in Deutschland veröffentlichen.
 
 
 


 
 
 

ST. AGATHA – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Uncork’d Entertainment | Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die unbarmherzigen Schwestern (2002)
 
The Nun (2018)
 
The Bad Man (2018)
 
Ghostland (2018)
 

Filmkritik: „Death House“ (2017)

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DEATH HOUSE – GEFANGEN IN DER HÖLLE

(DEATH HOUSE)

Story

 
 
 

Enttäuschender Low-Budget-Horror: In einem Hochsicherheitsgefängnis bricht das Chaos los, als plötzlich der Strom ausfällt und sich alle Gefangenen aus ihren Zellen befreien können.

 
 
 


 
 
 

DEATH HOUSE – Kritik

 
 
 
Was wäre GUNNAR HANSEN glücklich gewesen, wenn er erfahren hätte, das man sein einziges Drehbuch verfilmt. Der Leatherface-Darsteller aus dem allerersten TEXAS CHAINSAW MASSACRE von 1974 hatte nämlich ein Skript verfasst in dem er alle Schauspiellegenden des modernen Horrorkinos vereinen wollte. Leider machte ihm der Tod einen Strich durch die Rechnung. Im Jahre 2015 verstarb der gebürtige Isländer ganz plötzlich und hinterließ eine Idee, die das Blut vieler Horrorfilmfans in Wallung brachte. Um dem verstorbenen Freund die letzte Ehre zu erweisen, griff Regisseur B. HARRISON SMITH das Projekt neu auf. Der ordnete die Idee über eine Horror-Version von THE EXPANDABLES, schliff am Drehbuch seines Vorgängers und inszenierte das Zusammentreffen der Horror-Ikonen unter dem Titel DEATH HOUSE. Das Resultat ist beachtlich – vor allem vor dem Hintergrund, wer sich da alles die Türklinke in die Hand gibt. Nahezu jeder Horror-Star erhielt eine Nebenrolle im Film. Da stellt sich berechtigterweise die Frage, ob so viele Gastauftritte überhaupt gut für eine Filmhandlung sein können. Im Falle von DEATH HOUSE ist das Ergebnis dann doch mehr schlecht, als recht. Da werden Enttäuschungen vorprogrammiert sein, denn dieses Wiedersehen bekannter Horror-Ikonen entpuppt sich als cineastischer Schnellschuss.
 
 
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Irgendwo in der Wüste Nevadas steht ein geheimes Hochsicherheitsgefängnis, das die Regierung als „Death House“ bezeichnet. Der Grund für die grausige Bezeichnung kommt nicht von ungefähr. Wer hier einsitzt, hat es geschafft und wird sein Lebtag kein Tageslicht mehr sehen. In diesem Knast lungern die gefährlichsten Verbrecher Amerikas, an denen Wissenschaftler obskure Experimente mit neuen Technologien durchführen. Von denen sollen sich zwei Bundesbeamten Toria Boon (CORTNEY PALM) und Jae Novak (CODY LONGO) ein Bild machen. Die erhalten eine exklusive Führung durch die Hallen der schaurigen Gefängnisanlage über die bald die Hölle hereinbrichen wird. Da fällt plötzlich der Strom aus, Knastzellen öffnen sich und die Angestellten werden zu Freiwild. Eine dumme Situation, die auch unsere beiden Besucher an Grenzen bringt. Die müssen sich durch das Gebäude kämpfen und sehen sich mit unzähligen Irren konfrontiert, die nur ein Ziel kennen: töten, töten, töten.
 
 
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Horror-Ikonen sind kein Garant für sehenswerte Horrorware. Zu dieser Einsicht muss man zwangsläufig kommen, wenn man DEATH HOUSE gesehen hat. Hier tummeln sich zwar bekannte Gesichter aus Horrorfilmen vor die Linse, sonderlich sehenswert ist das große Wiedersehen aber nicht. DEATH HOUSE entpuppt sich als günstig gedrehter Horror-Murks, der ohne Genre-Größen wie TONY TOOD, KANE HOODER oder BILL MOSELEY wohl kaum Aufmerksamkeit erhalten hätte. Die Ernüchterung folgt auf dem Fuß. DEATH HOUSE ist vollkommen spannungsfrei und wirr. Die Handlung wirkt an den Haaren herbeigezogen und besitzt keinen roten Faden. Oftmals will man das Gefühl nicht loswerden, als habe man hier wahllos Gedanken zusammengewürfelt und in eine Handlung gepresst, die zu keiner Minute Sinn ergibt. Nun gut, mag man meinen – im Horrorfilm macht selten etwas Sinn. Was aber im Falle von DEATH HOUSE zugemutet wird, ist jenseits von Gut und Böse. Der Film hangelt sich von Gastauftritt zu Gastauftritt. Dazwischen herrscht gähnende Langeweile. Nicht einmal die kurzen und nicht immer professionell in Szene gesetzten Gewaltspitzen können das filmische Desaster vor dem Untergang bewahren. Da will man nicht wissen, was Leatherface-Darsteller GUNNAR HANSEN zuvor geraucht haben muss, als er diesen unschlüssigen Rohrkrepierer zu Papier brachte. Offenbar müssen es Drogen von einem fernen Planeten gewesen sein. Anders lässt sich dieser filmische Totalausfall nicht erklären.
 
 
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DEATH HOUSE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Boah, gar nicht mal so gut. Der Trash-Heuler DEATH HOUSE hätte ein Fest für Horror-Fans werden können. Leider hat man all das vermasselt, was man nur vermasseln kann. Das Drehbuch ist eine Zumutung, der abstrusen Handlung lässt sich nur schwer folgen und auf ein ausuferndes Splatterfest wartet man vergebens. Hinzukommt, dass die Ausleuchtung dunkler Flure und Gänge in der zweiten Filmhälfte derart schlecht ist, dass sich kaum erkennen lässt, was sich da auf der Mattscheibe abspielt. Da hat man nach zähen 45 Minuten Einleitung doch mehr erwartet, zumal auch die Gore-Effekte nicht unbedingt die besten sind. Immerhin bekommt man ein paar Gesichter aus bekannten Horrorfilmen zu sehen, die im Genre Rang und Namen haben. Ob die aber vor den Dreharbeiten geahnt haben, auf was für ein Desaster sie sich hier einlassen, steht auf einem anderen Blatt. Offenbar war für viele der hier Beteiligten Ebbe in der Geldbörse. Um den Lebensunterhalt bestreiten zu können, hat man wohl einfach unterschrieben. So hat man sich ein Klassentreffen der Horror-Ikonen nicht unbedingt vorgestellt.
 
 
 


 
 
 

DEATH HOUSE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von DEATH HOUSE ist ungeschnitten und erst für Erwachsene freigegeben. Im Film gibt es diverse Gewalszenen, die aber für eine FSK18-Freigabe in Ordnung gehen, um dafür im stationären Handel ungeschnitten ausgelegt werden zu können. Sonderlich brutal – wie anfangs gedacht und vom Label KSM beworben – ist DEATH HOUSE nicht. Auch wenn ab und an Menschen das Zeitliche segnen, ist dieser Horror-Trash keine Sternstunde des Gewalt- und Splatterkinos.
 
 


 
 
 

DEATH HOUSE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NewKSM

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Death House; USA 2017

Genre: Horror, Action, Krimi, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: 2 Blu-rays im Keepcase mit Wechselcover und im Schuber

Extras: Trailer, Trailershow, Behind The Scenes, Interviews, Bildergalerie

Release-Termin: 28.03.2019

 

Death House [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DEATH HOUSE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei NewKSM )

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Incident (2011)
 
Aftershock – Die Hölle nach dem Beben (2012)
 
Prison – Rückkehr aus der Hölle (1987)
 

Filmkritik: „The Final Wish“ (2018)

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THE FINAL WISH

Story

 
 
 

Eine alte Urne wird plötzlich zum heiligen Gral. Dieser kann Wünsche erfüllen, macht aber ihren Besitzer alles andere als glücklich.

 
 
 


 
 
 

THE FINAL WISH – Kritik

 
 
 
Mal teures Mainstream-Horrorkino, dann wieder unabhängige Indie-Schauer. Wer oft Horrorfilme schaut, dürfte Schauspielerin LIN SHAYE mit Sicherheit schon begegnet sein. Die gehört nämlich bereits zum Inventar im Genrefilm und tingelt von Horrorstreifen zu Horrorstreifen, um dort Geistern, Monstern und Dämonen die Leviten lesen zu können. Doch damit ist sie nicht allein. Auch Schauspielkollegen wie DANIELLE HARRIS, ROBERT ENGLUND oder TONY TODD sind von Beruf Horrorfilmdarsteller. Die sorgen mit Kurzauftritten in Genrefilmen gern mal dafür, dass selbst unterirdische B-Movies Aufmerksamkeit erhalten. Auch der hier vorgestellte THE FINAL WISH gehört zu dieser Kategorie Film, der in der Videotheken-Ära wohl sein Dasein in den unterstehen Regalen gefristet hätte. Der Grusler leidet unter einem konfusen Drehbuch und hätte wohl kaum Erwähnung gefunden, wenn nicht LIN SHAYE und TONY TODD Nebenrollen übernommen hätten. Das lockt verständlicherweise Genrefans an, sagt aber noch lange nichts über die Qualität eines Horrorfilms aus. Von letzterer ist THE FINAL FISH weit entfernt.
 
 
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Sei vorsichtig, was du dir wünschst! Eigentlich hätte es für Aaron Hammond (MICHAEL WELCH) nicht besser laufen können. Der hat ein Jurastudium absolviert, ist nun Anwalt und träumt vom großen Geld. Leider läuft es nicht so gut, wie gedacht. Einen Job in der großen Stadt zu finden, erweist sich als hart und steinig. Hinzukommt, dass der Vermieter plötzlich streikt, weil die Miete nicht gezahlt wurde. Da steht Aaron plötzlich vor verschlossenen Türen und muss 3.000 Dollar auftreiben, um wieder in seine Wohnung zu kommen. Doch wie soll das gehen so ohne Job? Da klingelt plötzlich das Telefon und neue Baustellen tun sich auf. Der Vater ist gestorben und die Mutter (LIN SHAYE) braucht Unterstützung. Leider verläuft die Zusammenkunft alles andere als rosig. Mutter Kate ist nämlich auf ihren Sohnemann gar nicht gut zu sprechen. Der hat sich schon lange nicht mehr gemeldet und die Familie im Stich gelassen. Doch mit dem Tod des Vaters eröffnen sich für Aaron neue Möglichkeiten seine Schulden abzubauen. Der kramt nämlich alte Antiquitäten aus dem Fundus des Familienoberhaupts hervor und will diese zu Geld machen. Darunter befindet sich auch eine uralte Urne, die Fluch und Segen zugleich ist. Sie erfüllt nämlich Wünsche, sorgt aber auch für jede Menge Probleme.
 
 
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THE FINAL WISH ist kein Reißer. Zwar spielen bekannte Gesichter mit und an düsteren Bildern wir nicht gespart, dennoch hat der Streifen merkliche Probleme damit so richtig gruselig zu sein. Dabei bringt THE FINAL WISH eigentlich gute Voraussetzungen mit. Der Film ist nämlich nichts anderes, als eine weitere Version über ein geheimnisvolles Gefäß, das es nicht gut mit seinem Besitzer meint. Da gehen plötzlich Wünsche in Erfüllung – doch umsonst ist dieses Geschenk nicht. Ein boshafter Djinn zeichnet verantwortlich und meint es mal wieder nicht gut mit der Menschheit. Der lebt in dem Gefäß, handelt eigennützig und richtet damit Chaos an. Alteingesessenen Filmkennern dürfte dieser Verlauf nicht unbekannt sein. Da gab es schon ähnliche Streifen dieser Art, die weitaus besser waren. Der wohl bekannteste dieser fiesen Horrorfilme ist WISHMASTER, der die Erfüllung von Wünschen auf die Spitze trieb. Darin erfüllt ein zynischer Dämon zwar Träume, interpretierte diese aber auf grausame Weise um, damit der Wünschende am Ende auf möglichst blutige Weise sein Leben lassen musste.
 
 
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Ganz so weit geht THE FINAL WISH aber nicht. Regisseur TIMOTHY WOODWARD JR. hält sich mit sarkastischen Splatter-Späßen zurück und setzt vernehmlich auf unheimliche Bilder und ein wirres Zusammenspiel von Figuren. Letztere rauben dem Film die Spannung. Immer dann, wenn nämlich das Mysterium der schaurigen Urne in den Mittelpunkt rückt, tauchen Figuren auf und reißen die Aufmerksamkeit an sich. Da spielt die Urne plötzlich die zweite Geige und gerät schon mal in den Hintergrund. Eine enttäuschende Prämisse – vor allem auch deshalb, weil sich für das eigentlich Böse kaum Zeit genommen wird. Der mysteriöse Bewohner des antiken Gefäßes kommt nämlich kaum zu Wort. Bis auf eine winzige Einstellung im Prolog und kurz während des Finales sieht man den Djinn nicht vor der Kamera. Stattdessen wohnt der Zuschauer allerhand Protagonisten bei, die mit ihren teils sehr konstruiert wirkenden Konflikten schon gern mal den Erzählfluss hemmen.
 
 
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Unterm Strich ist THE FINAL WISH eigentlich kein Film, den man an die große Glocke hängen muss. Die Inszenierung befindet sich auf TV-Niveau, besitzt kaum Höhepunkte und auch in Sachen Gewalt hält man sich sehr zurück. Das schleppende Erzähltempo tut da sein Übriges. Da mutet es schon etwas sehr irreführend an, wenn man auf dem Filmplakat damit wirbt, dass THE FINAL WISH von den Machern des Horror-Hits FINAL DESTINATION kommt. Qualitativ trennen beide Filme nämlich Welten. Übrigens hat man für den Wunsch-Horror Recycling betrieben. Wir meinen aber hier nicht die bereits bekannte Idee über einen bitterbösen Djinn, der mit der Habgier von Menschen handelt. Für THE FINAL WISH hat man kurzum die gleiche Bretterbude als Kulisse verwendet, die auch im Puppen-Grusler ANNABELLE 2 zu sehen war. So konnte man sicher einige Dollar Budget sparen, die wohl letztendlich in die Geldbörsen von LIN SHAYE und TONY TODD geflossen sind, damit man mit bekannten Namen bewerben konnte.
 
 
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THE FINAL WISH – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Technisch top, inhaltlich ein Flop. Wo bekannte Namen draufstehen, muss nicht zwangsläufig Qualität drinstecken. THE FINAL WISH ist trotz Genre-Stars definitv kein Highlight. Hier hätte man mehr draus machen können. Ein Djinn lebt in einer antiken Urne und will Unheil stiften. Klingt eigentlich recht vielversprechend. Das Resultat ist aber nicht das Zelluloid wert, auf das es gebannt wurde. Den Djinn bekommt man nämlich so gut wie gar nicht zu sehen. Das wäre quasi so, als würde man einen Sequel des Splatter-Horrors WISHMASTER drehen und der eigentliche Star der Reihe winkt kurz vorm Abspann mal schnell in die Kamera. Genauso verhält es sich in THE FINAL WISH. Da wird auf Biegen und Brechen eine Geschichte über eine seltsame Wunsch-Urne erzwungen, deren Figuren den Zuschauer kaltlassen. Statt blutige Wunsch-Duelle zu zelebrieren, nerven lieber unzugängliche Protagonisten mit ihren eigensinnigen Problemen. Dass THE FINAL WISH kein Horror-Hit werden würde, war irgendwie abzusehen. Filmemacher TIMOTHY WOODWARD JR. ist eigentlich Schauspieler, hat aber schon trashige Videoware selbst inszeniert. Darunter so geniale Perlen wie 7 FACES OF JACK THE RIPPER oder GNOME ALONE – GARTENZWERG DES GRAUENS. Das allein dürfte schon Grund genug sein, dass beim erfahrenen Publikum die Alarmglocken läuten. Immerhin: im direkten Vergleich, zu dem was der Regisseur bisher gemacht hat, ist THE FINAL WISH schon ein Quantensprung. Doch ein düsterer Tenor, ein paar unheilvolle Bilder und kurze Blutszenen machen noch lange keinen guten Horrorfilm. Da können auch namhafte Genre-Größen nichts mehr reißen, die im Film zu sehen sind.
 
 
 


 
 
 

THE FINAL WISH – Zensur

 
 
 
THE FINAL WISH ist keine Splatter-Granate, wie zu seiner Zeit WISHMASTER. Es sterben zwar Menschen, aber das wird nicht sonderlich brutal zelebriert. Ein Ast bohrt sich durch einen Körper, eine Schusswaffe kommt zum Einsatz, ein Hund wird verstümmelt und eine Protagonistin erhängt sich. Hierzulande dürfte THE FINAL WISH vermutlich eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE FINAL WISH – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Cinedigm Entertainment Group)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wes Craven’s Wishmaster (1997)
 
Djinn (2014)
 
Wish Upon (2017)
 
The Monkey’s Paw (2013)
 

Filmkritik: „Braid“ (2018)

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BRAID

Story

 
 
 

Drei Freundinnen aus Kindertagen finden plötzlich wieder zusammen. Leider haben zwei von ihnen nur ein Ziel: sie wollen an das Vermögen der Dritten.

 
 
 


 
 
 

BRAID – Kritik

 
 
 
Kreative Geister haben es nicht leicht in Hollywood. Was sich nämlich fernab des Mainstreams bewegt, wird einfach nicht von großen Studios produziert, weil sich damit schlecht Geld verdienen lässt. Doch mittlerweile gibt es auch Möglichkeiten unkonventionelle Geschichten auf Zelluloid zu bannen. Eine derer nennt sich Crowdfunding und hat sich in den letzten Jahren zu einem regelrechten Boom entwickelt – vor allem im Genrefilm. Da machen spendable Horrorfilmfans einfach etwas Geld locker, damit die Schocker gedreht werden können, die die privaten Geldgeber sehen wollen. Mittlerweile sind so schon einige Filme entstanden, die in Genre-Kreisen Kultstatus genießen. Ob das auch BRAID gelingen kann?
 
 
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Der amerikanische Psychothriller von Regisseurin MITZI PEIRONE ist nämlich etwas ganz besonderes. Nicht, weil er das Genre revolutioniert. Bei diesem Film handelt es sich um das erste Crowdfunding-Projekt, das allein mittels Kryptowährung finanziert wurde. Alles begann im Jahr 2017. Noch vor dem großen Bitcoin-Durchbruch verkaufte die Filmemacherin Blockchain-Tokens. Deren Käufer beteiligten sich zu 30 Prozent an künftigen Profiten des Streifens. Ein lukratives Angebot, das dafür sorgte, dass binnen weniger Monate knapp 1,7 Millionen Dollar zusammenkamen. Von so einem stattlichen Budget kann manch anderer Indie-Film nur träumen.
 
 
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BRAID handelt von zwei Drogendealerinnen, die vor der Polizei fliehen müssen. Problem: einen Teil der Dealer-Ware müssen die beiden zurücklassen. Das sehen die Drogenbosse gar nicht gern. Die wollen verständlicherweise ihr Geld zurück, was die Freundinnen vor große Probleme stellt. Doch Tilda (SARAH HAY) und Petula (IMOGEN WATERHOUSE) haben eine Idee. Die besuchen Freundin Daphne (MADELINE BREWER) mit der sie die Kindheit verbracht haben. Letztere hat es in den letzten Jahren zu einem beachtlichen Vermögen gebracht, das nun zum Begleichen der Schulden dienen soll. Doch wie an das Geld kommen? Ganz einfach: man erschleicht sich das Vertrauen der ehemaligen Seelenverwandten und bestiehlt das Opfer in einem günstigen Moment. Leider hat die Sache nur einen Haken. Daphne hat einen an der Klatsche und scheint nicht von Sinnen. Die hat sich in eine Fantasiewelt zurückgezogen in der die drei Freundinnen als Kinder viel Zeit verbrachten. Während Tilda und Petula schon lange den Absprung geschafft und den Weg zurück in die Realität gefunden haben, verharrt die psychotische Daphne immer noch in der seltsamen Traumwelt. Das macht die Suche nach der Kohle nicht gerade einfach.
 
 
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BRAID ist ein eigensinniger und schwer zugänglicher Streifen, auf den man sich einlassen muss. Regisseurin MITZI PEIRONE nutzt die Möglichkeiten des Indie-Kinos aus, um eine Geschichte zu erzählen, die sich große Studios nicht trauen zu verfilmen. Was gezeigt wird, ist ziemlich unkonventionell und deshalb auch nicht jedermanns Sache. So gestaltet sich das Wiedersehen zwischen den Freundinnen als reichlich grotesk. Kaum angekommen verfallen nämlich alle drei Frauen in die gleichen Rollen, in die sie bereits als Mädchen geschlüpft waren. Während die eine einen Arzt verkörpert, sind die beiden anderen fortan Mutter und Tochter. Das wirkt auf den Zuschauer bizarr und befremdlich, hat aber seinen Sinn. Das Spiel der beiden Kleinkriminellen Tilda und Petula ist nur Schein. Die erhoffen sich so Zeit, um den Safe mit dem Vermögen ihrer psychisch labilen Gastgeberin zu finden. Weil BRAID immer noch im Horror-Genre beheimatet ist, dürfte den meisten Zuschauern schwanen, dass der Plan scheitern wird. In der Tat passieren sonderbare Dinge, mit denen man nicht gerechnet hat. Da tun sich Abgründe auf und die fürs Horror-Genre mittlerweile obligatorisch gewordenen Plotwendungen fehlen natürlich ebenso nicht.
 
 
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Bei letzteren wird deutlich, dass Regisseurin MITZI PEIRONE das Spiel mit der Manipulation des Zuschauers ziemlich gut beherrscht. Die hat nicht nur ein ausgeprägtes Gespür für ästhetische Bilder, sondern scheint auch richtig viel Spaß daran zu haben das Publikum an der Nase herumzuführen. In BRAID ist nichts, wie es auf den ersten Blick scheint und der Streifen endet demnach so, wie man es definitiv nicht vorhergesehen hat. Gute Attribute, die diesen kuriosen Psychotrip weit über den Durchschnitt heben. In Interviews gab die in Italien geborene, aber in New York lebende Filmemacherin MITZI PEIRONE interessante Hintergrundinformationen preis. So wurde das Drehbuch bereits im Jahr 2015 geschrieben. Bis aber die Finanzierung sichergestellt und Schauspieler gefunden waren, vergingen drei Jahre. Im Film verarbeitet die Newcomerin eigene Schicksalsschläge. Als die damals 22-jährige von Italien nach Amerika zog, um dort Karriere machen zu können, wurde sie schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die von Erfolg süchtige Italienerin verlor unerwartet ihren Job, stand nun als arbeitsloser Immigrant ohne Geld da und machte sich Gedanken über den Sinn des Lebens, selbstgebaute Fantasiewelten und Träume, die den Blick auf die Realität vernebeln. Komplizierte Gedankengänge, die ins Drehbuch eingeflossen sind und in BRAID Gewichtung erhalten – aber nicht immer plausibel erläutert werden. Je näher der Streifen nämlich seiner Zielgrade entgegensteuert, umso wirrer werden die Ereignisse. Kennt man demzufolge den privaten Background von Newcomerin MITZI PEIRONE nicht, könnte manch einem der Sinn dieses Regiedebüts verborgen bleiben. Ein wesentlicher Kritikpunkt in einem sonst engagierten und gleichzeitig interessanten Filmprojekt.
 
 
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BRAID – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Bizarrer Rollentausch mit bitterbösem Ausgang. BRAID ist der erste Horrorfilm, der allein durch Kryptowährung finanziert wurde. Der psychologischer Thriller stiftet mit seiner teils abstrusen und nicht immer schlüssigen Handlung Verwirrung. Als würde das den Zuschauer nicht schon genug fordern, hält sich Drehbuchautorin und Regisseurin MITZI PEIRONE auch nicht mit plötzlichen Plotwendungen zurück, die das Folgen der verschachtelten Handlung unnötig erschweren. Trotzdem, einen solchen Horrorthriller wie BRAID hat man schon lange nicht mehr auf der Mattscheibe gehabt. Der Film ist mit seinen kuriosen Antiheldinnen und der ungewöhnlichen Handlung so unkonventionell gestrickt, dass sich eine gewisse Abneigung der Filmemacherin gegenüber den kommerziellen und massentauglichen Strukturen Hollywoods nicht von der Hand weisen lässt Vielleicht ist BRAID auch gerade deswegen eine Sichtung wert.
 
 
 


 
 
 

BRAID – Zensur

 
 
 
RAID ist nicht sonderlich brutal. Es wird eine längere Szene gezeigt, in der ein Polizist lang mit Hiebwaffen zusammengeschlagen wird, sodass Blut spritzt. Ansonsten bekommt der Zuschauer zu sehen, wie sich eine Filmfigur erhangen hat, eine andere schneidet sich die Pulsadern auf. Zudem wird eine Filmfigur aus Strafe mit einem Messer bearbeitet, sodass ihr Gesicht nicht mehr ganz so frisch ausschaut. Hierzulande dürfte BRAID eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

BRAID – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Blue Fox Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
68 Kill (2017)
 
Tragedy Girls (2017)
 

Filmkritik: „Rust Creek“ (2018)

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RUST CREEK

Story

 
 
 

Eine Studentin gerät an widerwärtige Hillbillies, die so gar keine Manieren kennen und der jungen Frau nach dem Leben trachten.

 
 
 


 
 
 

RUST CREEK – Kritik

 
 
 
Schöne Landschaft, aber skrupellose Leute: In manchen ländlichen Gegenden der USA herrscht ein rauer Ton – zumindest, wenn es nach so einigen Filmschaffenden geht. Dort leben gern mal jene, die sich von der Regierung vergessen fühlen und deshalb ihre eigenen Gesetzen schaffen. Das ist kassenträchtiger Stoff, den man gern für Horrorfilme nutzt. Darin wird der Zuschauer bevorzugt in ärmere Gegenden Amerikas entführt, wo deren sozial und finanziell schwachen Einwohner es nicht selten gut mit durchreisenden Städtern meinen. Letzteren schwant in dieser Art von Filmen Böses. Die geraten in die Fänge kompromissloser Hillbillies und müssen am Ende ums Überleben kämpfen, während der Rest der Gemeinde stillschweigend zusieht und nichts nach Außen dringen lässt.
 
 
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Terror hinter der Fassade idyllischer Provinz ist ein Thema, mit dem sich auch der Thriller RUST CREEK beschäftigt. Der Streifen ist zwar kein lupenreiner Horrorfilm, was aber nicht bedeuten soll, dass der Film nicht minder unangenehm ist. Darin muss eine College-Studentin eine Lektion in Sachen Überleben machen. Die hat ein wichtiges Vorstellungsgespräch und macht sich auf den Weg nach Washington D.C., um dort den nächsten Karrieresprung abzusichern. Doch die Straßen auf dem Highway sind nicht frei, weshalb Sawyer (HERMIONE CORFIELD) beschließt eine Abkürzung über die Dörfer Kentuckys zu nehmen. Keine gute Idee, denn bald hat sie das Interesse zweier Provinzler auf sich gelenkt, die der Durchreisenden ungefragt auf die Pelle rücken. Die kann sich verletzt in die Wälder flüchten und muss nun einen Weg zurück in die Zivilisation finden. Leider sind ihre Verfolger ziemlich hartnäckig. Die verfolgen die Flüchtige und entfachen dadurch einen Strudel von Umständen, der das Nervenkostüm des Publikums beanspruchen wird.
 
 
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Auf den Spuren von BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE. RUST CREEK ist ein unabhängig produzierter Thriller, der wie ein weiterer Streifen der Marke Survival-Horror beginnt. In der Vergangenheit gab es da so einige unangenehme Vertreter im Heimkino zu sehen, in denen wehrlose Frauen von triebgesteuerten Alpha-Männern so lange missbraucht und erniedrigt wurden, bis ihnen die Sicherungen durchgebrannt sind. Ganz so krude geht Regisseurin JEN MCGOWAN mit seiner Filmheldin nicht ins Gericht. Die lenkt ihren Film dann doch ziemlich schnell in eine andere Richtung und macht es dabei Horror-Autor STEPHEN KING gleich. Letzterer ist dafür berüchtigt, dass er gern Geheimnisse verschlafener Kleinstädte ans Tageslicht bringt. Ein ähnliches Thema ist auch in RUST CREEK Programm. Statt explizite Gräueltaten vor der Kamera zu zelebrieren, will Filmemacherin JEN MCGOWAN dann lieber doch eher dunkle Machenschaften im amerikanischen Hinterland aufdecken. Die entfachen schnell eine Reihe von Umständen, welche am Ende den Bösewichten eine Lehre sein werden. Viel Backwood-Horror-Gematsche wird demnach nicht geboten. Wer’s deftig mag, wird mit diesem Film gar keinen Spaß haben.
 
 
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Starken Frauen, schwache Kerle. RUST CREEK wurde auf einschlägigen Festivals mit Preisen ausgezeichnet. Die sind nicht unberechtigt, denn der Thriller schafft es schnell den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Ein wesentlicher Grund hierfür sind die hervorragenden Darsteller. Für Indie-Verhältnisse agieren die beachtlich souverän vor der Kamera, wobei vor allem die widerlichen Fieslinge Erwähnung finden sollten, von denen eine Aura permanenter Bedrohlichkeit ausgeht. Filmemacherin JEN MCGOWAN hat mit RUST CREEK einen kleinen und zurückhaltenden Thriller inszeniert, der keine ausufernden Gewaltexzesse benötigt, um im Gespräch bleiben zu können. Stattdessen kleistern Plot-Wendungen, Schauspiel und natürlich eine clevere Story den Zuschauer mindestens genauso fest an die Glotze.
 
 
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RUST CREEK – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Kleiner Indie-Thriller, der mindestens genauso viel Puls verursacht, wie die großen Produktionen aus Hollywood. RUST CREEK ist einer dieser unscheinbaren Thriller, denen zu Unrecht kaum Beachtung geschenkt wird, weil mit keinem bekannten Namen geworben werden kann. Das ist schade, denn gerade deswegen gehen den meisten Cineasten viele Filmperlen durch die Lappen. Zu einer dieser Überraschungen gehört RUST CREEK, der ziemlich konventionell als Survival-Horror im Schlage eines I SPIT ON YOUR GRAVE beginnt, aber dann doch die Kurve bekommt und in eine andere Richtung gelenkt wird. Zwar herrschen in diesem Thriller eher die leisen Töne – dennoch umschweift den Thriller die ganze Zeit über eine Aura merklicher Bedrohung. Thriller-Fans wird’s gefallen – vor allem auch deshalb, weil sich das psychologische Grauen schleichend den Weg durch die Handlung frisst. Spannend, wendungsreich und gut besetzt. Da sollte man mal einen Blick drauf werfen.
 
 
 


 
 
 

RUST CREEK – Zensur

 
 
 
Viel Gewalt hat RUST CREEK nicht zu bieten. Ein spitzer Gegenstand wird in Bein und Bauch gestoßen, eine Nase wird gebrochen und ein Gewehr kommt auch zum Einsatz. Weiterhin gibt es Verbrennung am menschlichen Körper zu sehen. Hierzulande dürfte RUST CREEK dafür eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

RUST CREEK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC FILMS | IFC MIDNIGHT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Keeping Room (2014)
 
Autumn Blood (2012)
 

Filmkritik: „Pledge“ (2018)

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PLEDGE

Story

 
 
 

Einige Außenseiter suchen Anschluss auf dem Campus und nehmen an einem Aufnahmeritual teil. Was sie nicht wissen: die Prozedur ist alles andere als schmerzfrei.

 
 
 


 
 
 

PLEDGE – Kritik

 
 
 
Schule kann grausam sein – vor allem dann, wenn Protagonisten im Horrorfilm zum Außenseiter auserkoren werden. Die müssen nicht selten grausame Schikanen über sich ergehen lassen, die sich Mitschüler ausdenken, um für die Betroffenen den täglichen Schulbesuch zum Albtraum zu machen. Doch wer meint, dass es mit dem Schulabschluss getan ist, der irrt. Auch auf dem Campus herrscht ein rauer Ton – zumindest, wenn es nach dem Horrorthriller PLEDGE geht. Der zieht drei Außenseiter in einen Strudel grausamer Umstände und lässt am Ende die Bombe platzen. Klingt nach einer Variation der King-Kurzgeschichte CARRIE, ist aber ne Schippe radikaler und kompromissloser. Versprochen!
 
 
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Für die Freunde David, Justin und Ethan ist das Leben an der Uni alles andere als schön. Die gehören zu den Außenseitern auf dem Campus, weshalb keine Verbindung die Studenten aufnehmen möchte. Dabei würden die Kumpels auch gern zu den coolen Leuten gehören, an aufregenden Partys teilnehmen und von attraktiven Mädels umgarnt werden. Da kommt eine Einladung zu einer dieser Veranstaltungen geradezu gelegen, um endlich den erhofften Anschluss finden zu können. Doch irgendwie scheint hier alles suspekt zu sein. Die attraktiven Leute auf dieser Party verhalten sich ziemlich eigenartig und sind dazu auch noch sonderbar nett. Kein Mobbing, keine Demütigungen, keine Schikanen. Ist das etwa das Paradies? Nun, nicht ganz. Weil PLEDGE immer noch ein Horrorfilm ist, lösen sich bald Träume in Luft auf. So nehmen die Freunde an einem Aufnahmeritual teil mit dem Ziel, in bessere Kreise zu kommen. Leider ist der Weg dahin steinig und blutig.
 
 
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Endlich mal keine Geister, Serienmörder oder Dämonen. Die dominieren zurzeit das Horror-Genre. Beinahe schon als erfrischend anders erweist sich da ein fieser Film, wie PLEDGE. Dessen Handlung ist zwar auch nicht unbedingt eine Sternstunde des Horror-Kinos. Dafür macht der Streifen Nägel mit Köpfen und geht dabei alles andere als zimperlich mit seinen Helden um. Regisseur DANIEL ROBBINS bringt Nachschub für jene, die es dann doch etwas deftiger im Horror-Bereich wünschen. Der Film ist irgendwo im Tortur-Genre beheimatet und lässt gutgläubige Außenseiter durch die Hölle gehen. Die werden im Film körperlich und psychisch von skrupellosen Studenten einer Verbindung zurechtgestutzt, damit Hobby-Masochisten feuchte Hosen bekommen. Zugegeben, die altbekannte Exploitationformel vom Quälen wehrloser Menschen funktioniert auch Jahre nach HOSTEL und Konsorten immer noch tadellos. Im Falle von PLEDGE liegt das wohl in erster Linie daran, weil lang unbeantwortet bleibt, was das denn hier alles soll. Haben hier Studenten aus gutbürgerlichen Kreisen einfach nur Spaß am Schikanieren ahnungsloser Erstsemester? Oder steckt hinter deren Taten doch etwas weitaus Größeres? Die Auflösung treibt die Handlung voran und funktioniert den Zuschauer zum heimlichen Mittäter um. Letzterer ist sich zwar durchaus bewusst, dass die Taten auf der Mattscheibe widerlich sind. Dennoch dürfte sich das Publikum dem Treiben aus Neugierde nicht entziehen können, weil es doch wissen will, wie und ob die Schandtaten ein Ende finden.
 
 
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Unterm Strich ist PLEDGE so etwas, dass man in Filmkreisen eine kleine Überraschung nennt. Die Horror-Zutaten, mit denen Regisseur DANIEL ROBBINS unterhalten will, sind simpel. Dennoch legt er mit seiner dritten Regiearbeit ein rasantes Tempo an den Tag, weshalb dem Zuschauer erst gar nicht auffällt, dass hier ausschließlich niedere Instinkte befriedigt werden sollen. Da werden falsche Fährten gelegt, die zu einem makabren Twist führen. Hektische Morde und panisches Geschrei runden das zynische Kammerspiel ab, das in seinen besten Momenten an so aktuelle Genre-Ware wie THE INVITATION oder GREEN ROOM erinnert. Weil auch noch auf technischer Ebene gute Arbeit geleistet wurde, die Spannung konstant gehalten wird und die Bösewichte mal wieder herrlich hinterlistig in Szene gesetzt werden, gehört PLEDGE schon jetzt zu den besseren Horrorfilmen des Jahres 2019. Da nimmt man als alteingesessener Cineast gern schon mal in Kauf, dass sich dieser glattgebügelte Thriller mit seiner doch schon sehr konventionellen Handlung eher an die Generation NETFLIX richten will. Die mag es bekanntlich wenig fordernd – dafür aber blutig. Das muss nicht immer Schlechtes bedeuten. Auch Filmfans mit Hang zur intellektuellen Arthaus-Kunst haben auch manchmal das Bedürfnis einfach nur schnörkellos-kompromissfreie Gewaltware zu sehen, damit der Kopf wieder frei werden kann.
 
 


 
 
 

PLEDGE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Kompromisslos, fies und bitterböse. Nach der eher durchwachsenen Horrorkomödie UNCAGED gelingt Regisseur DANIEL ROBBINS mit PLEDGE ein Überraschungshit. Fast schon könnte man meinen hier einen Film aus dem horrorfilmerfahrenen Hause BLUMHOUSE zu sehen. Auch wenn PLEDGE mit seinen makellosen Bildern den Eindruck erweckt aus einem größeren Studio zu kommen, handelt es sich hier keineswegs um kostspieliges Mainstreamkino. Der Streifen ist ein waschechter Indie und konnte erst durch Crowdfunding fertiggestellt werden. Darin rechnet Regisseur DANIEL ROBBINS mit alten amerikanischen Traditionen ab. So sind es fragwürdige Aufnahmerituale an amerikanischen Universitäten, die immer mal wieder in den Medien für Furore sorgen. Das hatte bereits HANGOVER-Regisseur TODD PHILLIPS im Jahr 1998 erkannt. Der veröffentlichte mit FRAT HOUSE einen schockierenden Dokumentarfilm, um der Öffentlichkeit zu zeigen, wie brutal der Kampf nach Akzeptanz an amerikanischen Universitäten vonstattengeht. Von genau jenem Stück Zelluloid hat sich auch PLEDGE-Macher DANIEL ROBBINS inspirieren lassen, wenngleich sein Beitrag zum kontroversen Thema dann doch eher aus Unterhaltungszwecken gedreht wurde, statt wachzurütteln. Macht nichts – Horrorfilmfans wird’s gefallen.
 
 
 


 
 
 

PLEDGE – Zensur

 
 
 
PLEDGE ist was die Gewalt angeht so ziemich fies. Zwar hält nicht immer die Kamera explizit darauf und lässt den Streifen so im Blut ersäufen. Weitaus heftiger prasselt hier die Kombination aus psychischer und physischer Gewalt auf den Zuschauer aus. So werden die Opfer gleich zu Beginn mit einem heißen Eisen gebrandet, später schikaniert und am Ende mit Dolchen ermordet. In einer Szene frisst sich sogar eine Ratte durch die Bauchdecke eines der Opfer. Mit etwas Glück gibt es für PLEDGE eine FSK16. Wir gehen aber wegen der doch heiklen Thematik von einer Erwachsenenfreigabe aus. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die FSK mit Streifen gar keinen Spaß versteht, in denen Menschen sinnlos gequält und schikaniert werden.
 
 
 


 
 
 

PLEDGE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Stag Pictures | IFC FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Cruel Summer (2016)
 
The Invitation (2015)
 
Green Room (2015)
 
The Final – Nächste Stunde: Rache! (2010)
 
The Lesson (2015)