Die neusten Horrorfilme getestet: Slasher, Folterfilme, Thriller, Splatterfilme, Gruselfilme. ☣☣☣ Wir stellen Euch die besten Horrorfilme vor ☠☠☠.

Beiträge mit Schlagwort “Horrorthriller 2018

Filmkritik: „Pledge“ (2018)

pledge-2018-poster
 
 
 

PLEDGE

Story

 
 
 

Einige Außenseiter suchen Anschluss auf dem Campus und nehmen an einem Aufnahmeritual teil. Was sie nicht wissen: die Prozedur ist alles andere als schmerzfrei.

 
 
 


 
 
 

PLEDGE – Kritik

 
 
 
Schule kann grausam sein – vor allem dann, wenn Protagonisten im Horrorfilm zum Außenseiter auserkoren werden. Die müssen nicht selten grausame Schikanen über sich ergehen lassen, die sich Mitschüler ausdenken, um für die Betroffenen den täglichen Schulbesuch zum Albtraum zu machen. Doch wer meint, dass es mit dem Schulabschluss getan ist, der irrt. Auch auf dem Campus herrscht ein rauer Ton – zumindest, wenn es nach dem Horrorthriller PLEDGE geht. Der zieht drei Außenseiter in einen Strudel grausamer Umstände und lässt am Ende die Bombe platzen. Klingt nach einer Variation der King-Kurzgeschichte CARRIE, ist aber ne Schippe radikaler und kompromissloser. Versprochen!
 
 
pledge-2018-bild-1
 
 
Für die Freunde David, Justin und Ethan ist das Leben an der Uni alles andere als schön. Die gehören zu den Außenseitern auf dem Campus, weshalb keine Verbindung die Studenten aufnehmen möchte. Dabei würden die Kumpels auch gern zu den coolen Leuten gehören, an aufregenden Partys teilnehmen und von attraktiven Mädels umgarnt werden. Da kommt eine Einladung zu einer dieser Veranstaltungen geradezu gelegen, um endlich den erhofften Anschluss finden zu können. Doch irgendwie scheint hier alles suspekt zu sein. Die attraktiven Leute auf dieser Party verhalten sich ziemlich eigenartig und sind dazu auch noch sonderbar nett. Kein Mobbing, keine Demütigungen, keine Schikanen. Ist das etwa das Paradies? Nun, nicht ganz. Weil PLEDGE immer noch ein Horrorfilm ist, lösen sich bald Träume in Luft auf. So nehmen die Freunde an einem Aufnahmeritual teil mit dem Ziel, in bessere Kreise zu kommen. Leider ist der Weg dahin steinig und blutig.
 
 
pledge-2018-bild-2
 
 
Endlich mal keine Geister, Serienmörder oder Dämonen. Die dominieren zurzeit das Horror-Genre. Beinahe schon als erfrischend anders erweist sich da ein fieser Film, wie PLEDGE. Dessen Handlung ist zwar auch nicht unbedingt eine Sternstunde des Horror-Kinos. Dafür macht der Streifen Nägel mit Köpfen und geht dabei alles andere als zimperlich mit seinen Helden um. Regisseur DANIEL ROBBINS bringt Nachschub für jene, die es dann doch etwas deftiger im Horror-Bereich wünschen. Der Film ist irgendwo im Tortur-Genre beheimatet und lässt gutgläubige Außenseiter durch die Hölle gehen. Die werden im Film körperlich und psychisch von skrupellosen Studenten einer Verbindung zurechtgestutzt, damit Hobby-Masochisten feuchte Hosen bekommen. Zugegeben, die altbekannte Exploitationformel vom Quälen wehrloser Menschen funktioniert auch Jahre nach HOSTEL und Konsorten immer noch tadellos. Im Falle von PLEDGE liegt das wohl in erster Linie daran, weil lang unbeantwortet bleibt, was das denn hier alles soll. Haben hier Studenten aus gutbürgerlichen Kreisen einfach nur Spaß am Schikanieren ahnungsloser Erstsemester? Oder steckt hinter deren Taten doch etwas weitaus Größeres? Die Auflösung treibt die Handlung voran und funktioniert den Zuschauer zum heimlichen Mittäter um. Letzterer ist sich zwar durchaus bewusst, dass die Taten auf der Mattscheibe widerlich sind. Dennoch dürfte sich das Publikum dem Treiben aus Neugierde nicht entziehen können, weil es doch wissen will, wie und ob die Schandtaten ein Ende finden.
 
 
pledge-2018-bild-3
 
 
Unterm Strich ist PLEDGE so etwas, dass man in Filmkreisen eine kleine Überraschung nennt. Die Horror-Zutaten, mit denen Regisseur DANIEL ROBBINS unterhalten will, sind simpel. Dennoch legt er mit seiner dritten Regiearbeit ein rasantes Tempo an den Tag, weshalb dem Zuschauer erst gar nicht auffällt, dass hier ausschließlich niedere Instinkte befriedigt werden sollen. Da werden falsche Fährten gelegt, die zu einem makabren Twist führen. Hektische Morde und panisches Geschrei runden das zynische Kammerspiel ab, das in seinen besten Momenten an so aktuelle Genre-Ware wie THE INVITATION oder GREEN ROOM erinnert. Weil auch noch auf technischer Ebene gute Arbeit geleistet wurde, die Spannung konstant gehalten wird und die Bösewichte mal wieder herrlich hinterlistig in Szene gesetzt werden, gehört PLEDGE schon jetzt zu den besseren Horrorfilmen des Jahres 2019. Da nimmt man als alteingesessener Cineast gern schon mal in Kauf, dass sich dieser glattgebügelte Thriller mit seiner doch schon sehr konventionellen Handlung eher an die Generation NETFLIX richten will. Die mag es bekanntlich wenig fordernd – dafür aber blutig. Das muss nicht immer Schlechtes bedeuten. Auch Filmfans mit Hang zur intellektuellen Arthaus-Kunst haben auch manchmal das Bedürfnis einfach nur schnörkellos-kompromissfreie Gewaltware zu sehen, damit der Kopf wieder frei werden kann.
 
 


 
 
 

PLEDGE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Kompromisslos, fies und bitterböse. Nach der eher durchwachsenen Horrorkomödie UNCAGED gelingt Regisseur DANIEL ROBBINS mit PLEDGE ein Überraschungshit. Fast schon könnte man meinen hier einen Film aus dem horrorfilmerfahrenen Hause BLUMHOUSE zu sehen. Auch wenn PLEDGE mit seinen makellosen Bildern den Eindruck erweckt aus einem größeren Studio zu kommen, handelt es sich hier keineswegs um kostspieliges Mainstreamkino. Der Streifen ist ein waschechter Indie und konnte erst durch Crowdfunding fertiggestellt werden. Darin rechnet Regisseur DANIEL ROBBINS mit alten amerikanischen Traditionen ab. So sind es fragwürdige Aufnahmerituale an amerikanischen Universitäten, die immer mal wieder in den Medien für Furore sorgen. Das hatte bereits HANGOVER-Regisseur TODD PHILLIPS im Jahr 1998 erkannt. Der veröffentlichte mit FRAT HOUSE einen schockierenden Dokumentarfilm, um der Öffentlichkeit zu zeigen, wie brutal der Kampf nach Akzeptanz an amerikanischen Universitäten vonstattengeht. Von genau jenem Stück Zelluloid hat sich auch PLEDGE-Macher DANIEL ROBBINS inspirieren lassen, wenngleich sein Beitrag zum kontroversen Thema dann doch eher aus Unterhaltungszwecken gedreht wurde, statt wachzurütteln. Macht nichts – Horrorfilmfans wird’s gefallen.
 
 
 


 
 
 

PLEDGE – Zensur

 
 
 
PLEDGE ist was die Gewalt angeht so ziemich fies. Zwar hält nicht immer die Kamera explizit darauf und lässt den Streifen so im Blut ersäufen. Weitaus heftiger prasselt hier die Kombination aus psychischer und physischer Gewalt auf den Zuschauer aus. So werden die Opfer gleich zu Beginn mit einem heißen Eisen gebrandet, später schikaniert und am Ende mit Dolchen ermordet. In einer Szene frisst sich sogar eine Ratte durch die Bauchdecke eines der Opfer. Mit etwas Glück gibt es für PLEDGE eine FSK16. Wir gehen aber wegen der doch heiklen Thematik von einer Erwachsenenfreigabe aus. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die FSK mit Streifen gar keinen Spaß versteht, in denen Menschen sinnlos gequält und schikaniert werden.
 
 
 


 
 
 

PLEDGE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Stag Pictures | IFC FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Cruel Summer (2016)
 
The Invitation (2015)
 
Green Room (2015)
 
The Final – Nächste Stunde: Rache! (2010)
 
The Lesson (2015)
 

Advertisements

Filmkritik: „The Ranger“ (2018)

the-ranger-2018-poster
 
 
 

THE RANGER

Story

 
 
 

Jedes Jahr besuchen Millionen Menschen die Nationalparks Amerikas – aber nicht jeder kehrt auch wieder zurück. So auch im Horrorfilm THE RANGER. Darin meint es der Ordnungshüter eines Nationalparks gar nicht gut mit Besuchern, die meinen Regeln brechen zu müssen.

 
 
 


 
 
 

THE RANGER – Kritik

 
 
 
Wenn Überlebende im Horror-Genre auf Gesetzeshüter treffen und um Hilfe betteln, muss man mittlerweile auf alles gefasst sein. Filme wie MICHAEL BAY’S TEXAS CHAINSAW MASSACRE oder LEATHERFACE haben gezeigt, dass sich hinter der Fassade des hilfsbereiten Polizisten gern auch mal das personifizierte Böse verstecken kann. Ganz zum Leidwesen der ahnungslosen Opfer. Die werden in dieser Art von Filmen plötzlich selbst zu Gejagten und werden am Ende doch schon mal vom Ordnungshüter höchstpersönlich zu Wurst verarbeitet. Der Horror-Slasher THE RANGER macht auch von dieser Verwirrungstaktik Gebrauch. Hier ist zwar keine Kannibalensippe im Einsatz deren Familienoberhaupt als Polizist getarnt Hilfesuchende in mundgerechte Häppchen zerteilt. In diesem Horror-Indie nimmt ein Ranger seine Arbeit zu ernst und sorgt mit radikalen Mitteln für Zucht und Ordnung. Handgemachten Splatter gibt’s obendrauf. Das wird ein Spaß.
 
 
the-ranger-2018-bild-1
 
 
Böse Punks: in einem Club werden Chelsea und ihre Clique von der Polizei überrascht. Die führt dort eine Razzia durch und geht dabei alles andere als zimperlich vor. Für einen der Freunde zu viel des Guten. Als der sieht, wie einer der Wachleute die taffe Chelsea festnehmen will, macht er kurzen Prozess. Er zückt ein Messer und sticht den Polizisten nieder. Nun aber nichts wie weg. Gemeinsam flüchtet man in die Wälder zu einer Hütte im Wald. Dort will man erst einmal untertauchen, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Leider hat Chelsea bei diesem Plan gar kein gutes Gefühl. Die Bretterbude gehört nämlich dem verstorbenem Onkel, der unter tragischen Umständen das Zeitliche segnen musste. Weitaus mehr Sorgen als die mysteriöse Familiengeschichte unserer tapferen Filmheldin macht aber ein Ranger. Der sorgt in den Wäldern für Ordnung und will, dass im Naturschutzgebiet Regeln befolgt werden. An die halten sich die rebellischen Kleinganoven aber nicht. So kommt, was kommen muss: der mürrische Ranger sieht rot und bestraft einen nach dem anderen.
 
 
the-ranger-2018-bild-2
 
 
Wenn dein Freund und Helfer ein Psycho ist. THE RANGER ist ein solider Vertreter der Gattung Slasher. Naive Teenager treffen auf einen Killer, der seine grünschnäbeligen Opfer nacheinander abwechslungsreich tötet. Also alles beim Alten, würde diesmal nicht eine Frau auf dem Regiestuhl sitzen, die ihren männlichen Kollegen zeigt, was eine Harke ist. Mit ihrem ersten Langfilm zeigt JENN WEXLER, dass auch Frauen blutige Horrorfilme inszenieren können. Die zitiert fleißig Klassiker wie EVIL DEAD und FREITAG DER 13. und scheint damit so ziemlich viel Spaß zu haben. THE RANGER lässt mit Punkmusik und handgemachten Effekten die 1980ern aufleben. Das hat zur Folge, dass der Streifen den Eindruck erweckt, als wäre er zu dieser Zeit entstanden. Retro-Horrorfilmfans wird das wohl gefallen – auch, wenn THE RANGER das Slasher-Rad nicht neu erfindet. Regisseurin JENN WEXLER daddelt die Verläufe gängiger Horror-Slasher zu unoriginell ab. Wirklich Spannung kann so nicht entstehen, zumal auch die Figuren eher Stickern aus dem Slasher-Sammelalbum entsprechen und nur als Kanonenfutter herhalten müssen, um zumindest den Blutzoll des Zuschauers befriedigen zu können. Letzterer ist für einen Indie-Schlitzer ganz ordentlich. Für den kleinen Slasher-Hunger zwischendurch daher ganz brauchbar. Bleibenden Eindruck hinterlässt THE RANGER aber nicht.
 
 
the-ranger-2018-bild-3
 
 


 
 
 

THE RANGER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Blutiger Slasher, der vor allem durch eines hervorsticht: Retro-Charme und blutige Spezialeffekte. Story und Figuren sind in THE RANGER nebensächlich. Regisseurin JENN WEXLER fügt ihrem ersten Langfilm keine Neuerungen hinzu. Wer hier sein Leben lassen muss, ist so ziemlich schnell klar. Auch ist bereits nach wenigen Minuten ersichtlich, wer es am Ende als Held mit dem Bösen aufnehmen muss. Das dürfte für all jene langweilig erscheinen, die schon mindestens einen Slasher gesehen haben, der nach klassischem Aufbau inszeniert wurde. Was aber Erwähnung finden sollte, sind die hervorragenden Spezialeffekte, die für einen so kleinen Horrorthriller beachtlich heftig und professionell in Szene gesetzt wurden. THE RANGER ist ein solider Vertreter der Gattung Slasher und auch eher nur für jene geeignet, die eine Leidenschaft für diese Art von Filmen besitzen. Kann man sehen, muss man aber nicht.
 
 
 


 
 
 

THE RANGER – Zensur

 
 
 
Ein paar grafische Gemeinheiten gibt es in THE RANGER zu sehen. So reißt sich ein Protagonist den Fuß ab, um aus einer Bärenfalle entkommen zu können, eine Axt kommt zum Einsatz und Gewehrkugeln bohren sich durch Kopf und Körper. Weiterhin wird einer Filmfigur erst mehrmals mit einem Gegenstand ins Gesicht geschlagen bevor sie dann von einem Turm gestoßen wird. Weil alles dann doch schon sehr blutig und zeigefreudig zelebriert wird, dürfte THE RANGER vermutlich von der FSK eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE RANGER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Hood River Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Hitcher (2007)
 
Wolf Creek (2005)
 
Killing Ground (2016)
 
Carnage Park – Willkommen in der Hölle (2016)
 
The Mooring (2012)
 
Desolation (2017)
 


Filmkritik: „Hell Fest“ (2018)

hell-fest-2018-poster
 
 
 

HELL FEST

Story

 
 
 

Wenn die Geisterbahn zur grausamen Realität wird: in einem Horror-Themenpark geht ein Killer um, der Gefallen daran findet junge Menschen zu töten.

 
 
 


 
 
 

HELL FEST – Kritik

 
 
 
Was nur ist mit dem Slasher passiert. Diese Unterart des Horrorfilms flimmert nun seit mehr als über 40 Jahren über die Leinwand – mit Ruhm bekleckert die sich aber seit Jahren nicht mehr. Den letzten wirklich großen Streifen dieser Gattung Film gab es 1996 mit SCREAM. Seither muss man nennenswerte Slasher-Produktionen mit der Lupe suchen. Doch man kann noch hoffen; zumindest wenn man sich den Trailer zum Meuchelstreifen HELL FEST anschaut. Der macht auf den ersten Blick eine gute Figur. Da wird mit rasanten Schnitten, glattgebügelten Bildern, panischer Musikuntermalung und einem furchterregenden Killer geworben. Leider alles heiße Luft. HELL FEST wird Erwartungen nicht gerecht, denn sonderlich spannend oder gar neu ist Gebotenes keineswegs. Ein großes Problem: Regisseur GREGORY PLOTKIN folgt zu engstirnig den Regeln, die der Slasherfilm zu seinen Anfangszeiten festgelegt hat. Wer demzufolge schon mal einen Streifen dieser Art gesehen hat, dürfte ahnen, was ihm blüht. Das hat zur Folge, dass alles absolut vorhersehbar bleibt. Spannung wird demnach zunichtegemacht. Das ist irgendwie ärgerlich.
 
 
hell-fest-2018-bild-3
 
 
Rummelplatz des Grauens. Offenbar sind Horror-Themenparks, Geisterbahnen und Horror-Häuser seit einiger Zeit eine beliebte Kulisse, um dort Protagonisten an Halloween über die Klinge springen zu lassen. So haben wir zuletzt mit BLOOD FEST, THE FUNHOUSE MASSACRE oder TALON FALLS bereits ähnliche Streifen besprochen, in denen auf schaurigen Kirmes-Veranstaltungen das Böse Runden gedreht hat. In HELL FEST passiert etwas ganz ähnliches. Darin machen sich junge Menschen auf zu einer Attraktion, die Ihresgleichen sucht. Auf dem sogenannten „Hell Fest“ können sich Besucher zu Tode erschrecken lassen. Dieser riesige Themenpark hat sich dem Horror-Genre verschrien und entpuppt sich als riesige Freiluft-Geisterbahn, die dem Besucher das Blut in den Adern gefrieren lassen soll. Zumindest erhoffen sich den ultimativen Schock-Trip auch unsere fünf Helden. Die besorgen sich VIP-Bändchen und können es kaum erwarten sich von Zombies, Geistern und Serienmördern durch die Nacht hetzen zu lassen. Leider befindet sich auch unter den vielen Gästen auch einer, der nicht alle Latten am Zaun hat. Der macht nämlich aus Spaß Ernst und beginnt Besucher zu ermorden. Leider kann er auf dieser Veranstaltung ungestört töten. Die meisten der hier Anwesenden glauben nämlich, dass die Leichen zum Programm gehören. Doch Heldin Natalie (AMY FORSYTH) ist clever. Der kommt alles etwas spanisch vor und bringt sich so in große Gefahr. Der Killer will sich nämlich von ihr nicht den Spaß verderben lassen und heftet sich an ihre Fersen, um die neugierige Zeugin einen Kopf kürzer zu machen.
 
 
hell-fest-2018-bild-2
 
 
Joar, ist halt ein Slasher. HELL FEST unterscheidet sich nicht unwesentlich von den üblichen Verdächtigen dieses nicht mehr ganz so frischen Subgenres des Horrorfilms. Der Streifen hakt die wichtigsten Regeln ab, die dieser Art von Filmen zugrunde liegen. Wer hier überleben wird, ist bereits zu Beginn klar. So haben wir die obligatorische Scream-Queen, die es am Ende mit dem Killer aufnehmen wird, vorher aber tatenlos zusehen muss, wie die nicht immer klugen Freunde nacheinander abgeschlachtet werden. Selbstverständlich wird dabei die Identität des Killers bewahrt. Der versteckt sich hinter einer schaurigen Maske und darf am Ende entkommen, damit HELL FEST bei Erfolg in eine zweite Runde gehen kann. Der rudimentäre Ablauf dürfte selbst alteingesessene Slasher-Fans unterfordern, denn eine richtige Handlung besitzt HELL FEST keineswegs. Vielmehr sehen wir, wie dumme junge Menschen von einer Themenpark-Attraktion zur nächsten laufen und dabei nacheinander das Zeitliche segnen. Das ist ermüdend, gerade auch deshalb, weil mehr Wert auf Kulisse gelegt wird, statt die Protagonisten und die Taten des Killers in den Mittelpunkt zu rücken. In HELL FEST ist nämlich der Ort der Geschnehnisse der eigentliche Star. Hier haben Bühnenbildern ganze Arbeit geleistet. Das Set glänzt durch Abwechslungsreichtum, die Masken der Schausteller sehen verdammt gut aus und jede Attraktion in diesem Freizeitpark besticht durch Liebe zum Detail. Das mag löblich sein, kann aber den Slasher nicht vor der Belanglosigkeit retten, weil visuelle Raffinessen allein einen Horrorfilm nicht tragen können.
 
 
hell-fest-2018-bild-1
 
 
Unterm Strich bedeutet das: außen hui, innen pfui. HELL FEST kann nicht halten, was der aussichtsreiche Trailer verspricht. Der Streifen schaut zwar ziemlich gut aus, ist aber bei genauerer Betrachtung keine Spannungsgranate. Die Ereignisse passieren eben und wirkliche Höhepunkte muss man mit der Lupe suchen. Erst im Finale kommt endlich so etwas wie Herzklopfen auf. Dass zudem auch dem Gewaltpegel kaum Beachtung geschenkt wurde, dürfte vielen Slasher-Fans gar nicht gefallen. Mit beinahe schon übertriebener Zurückhaltung geht der Killer in HELL FEST zugange. Da kommen leider zu oft nur unscheinbare Stichwaffen zum Einsatz. Viel Blut fließt demzufolge nicht. Das ist dahingehend enttäuschend, weil deftige Gewalt für viele Zuschauer zum essenziellen Bestandteil in Horrorfilmen geworden ist.
 
 


 
 
 

HELL FEST – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
SCREAM auf dem Rummel. HELL FEST besitzt nennenswerte Voraussetzungen für einen guten Horrorfilm. Das Set ist ungewöhnlich und glänzt durch Liebe zum Detail, Kameraarbeit und Schnitt überzeugen und auch den Schauspieler kann man Talent bescheinigen. Ein großes Problem jedoch ist die Handlung selbst. Die passt auf einen Bierdeckel und bietet garantiert nichts Neues, das man nicht schon in über 40 Jahren Slasher-Geschichte zu sehen bekommen hat. HELL FEST ist so vorhersehbar und konventionell gestrickt, dass erfahrene Slasher-Kenner müde von den immer wieder gleichen Abläufen werden. Nun gut, mag man meinen, Regisseur GREGORY PLOTKIN hat Anlaufschwierigkeiten. Der hat mit HELL FEST gerade mal seine zweite Regiearbeit für einen Langfilm abgeliefert. Zuvor saß der Filmemacher für PARANORMAL ACTIVITY: GHOST DIMENSION auf dem Regiestuhl und kümmert sich für die übrigen vier Streifen genannter Grusel-Reihe um den Schnitt. Demzufolge sollte man Erwartungen herunterschrauben. Auch, wenn der Trailer zum Film neues Slasher-Fieber entfacht – ein Slasher-Highlight ist HELL FEST definitiv nicht. Da hat man weitaus Besseres auf dem Schirm gehabt. Vieles davon entstand aber während den Slasher-Hochzeiten in den 1980ern.
 
 
 


 
 
 

HELL FEST – Zensur

 
 
 
Für einen Slasher ist HELL FEST so ziemlich zurückhaltend ausgefallen. Die härteste Szene ist die, in der einem Protagonisten ein spitzer Gegenstand durch das Auge gejagt wird. Ansonsten wird meist nur kurz mit Stichwaffen in Körper gestochen. Hierzulande ist locker eine FSK16 drin.
 
 
 


 
 
 

HELL FEST – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei CBS FILMS / LIONSGATE / GRANVILLE PICTURES INC.)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blood Fest (2018)
 
Bates Haunting – Das Morden geht weiter (2011)
 
The Funhouse Massacre (2015)
 
Scream Park (2013)
 
Dark Ride (2006)
 
Das Kabinett des Schreckens (1981)
 


Filmkritik: „The Cabin“ (2018)

the-cabin-2018-poster
 
 
 

THE CABIN

(A NIGHT IN THE CABIN)

Story

 
 
 

Ein junges Paar fährt zu einer Hütte auf dem Land und muss feststellen, dass der Nachbar kein Engel auf Erden ist.


 
 
 


 
 
 

THE CABIN – Kritik

 
 
 
Ländliche Idylle kann trügerisch sein. Wer regelmäßig Horrorfilme schaut, dürfte mittlerweile erkannt haben, dass es sich das Böse gern auch dort gemütlich macht, wo man meinen würde, dass hier die Welt noch in Ordnung ist. Da werden schnell mal verschlafene Ortschaften, abgelegene Holzhütten oder naturbelassene Wälder zum Ort alles Übels gemacht in denen skrupellose Serienkiller, gemeingefährliche Dämonen oder gefräßige Monster ihr Unwesen treiben. Längst nicht mehr ist man auf dem Lande sicher, was auch der Horrorthriller THE CABIN einmal mehr bekräftigt. Der mahnt zu forsche Stadtmenschen davor, dass sich hinter der Fassade vermeintlich freundlicher Landmenschen auch das abgrundtief Böse verbergen kann.
 
 
the-cabin-2018-bild-5
 
 
Genau jene Erfahrung müssen auch Rose (CAITLIN CROMMETT) und Harry (CRISTOPHER LEE PAGE) machen. So wirklich gut läuft deren Beziehung nicht. Längst hat man den Respekt voreinander verloren und die Liebesbindung steht vor dem Aus. Daran kann auch eine gemeinsame Reise zu einem Haus am See nichts mehr ändern, das Harry unbedingt besuchen möchte, weil er darin die Kindheit verbracht hat. Doch je näher man dem Ziel kommt, umso unentspannter wird die Liebste. Die hat hier draußen keinen Handyempfang und will eigentlich lieber wieder zurück in die Stadt. Daraus wird aber nichts, denn das Schicksal hat andere Pläne mit dem Paar. Kaum angekommen, trifft man auf den Nachbarn und gleichzeitig auch einzigen Bewohner des Orts. Der ist alles andere als freundlich, zeigt den Streithähnen aber, welchen Weg sie einschlagen müssen, um zum Haus der Eltern zu kommen. Doch der Friede hier ist nur von kurzer Dauer. Der Nachbar ist nämlich ein durchtriebener Schlingel und zersägt gern Menschen mit der Kettensäge. Schlecht für die unangemeldeten Besucher. Die stehen nämlich jetzt auf dessen Meuchelliste.
 
 
the-cabin-2018-bild-4
 
 
Fieser Terrorstreifen vor friedlicher Naturkulisse. THE CABIN – Alternativtitel: A NIGHT IN THE CABIN – ist einer dieser Horrorfilme, der aus wenig das Maximum herauskitzelt. Die Handlung ist rudimentär und viel Budget stand wohl auch nicht zur Verfügung. Dennoch ist dieser Thriller weit besser, als es die bescheidene Bewertung in der Filmdatenbank der IMDB vermuten lässt. Der schwedische Regisseur JOHAN BODELL hat mit THE CABIN seinen ersten Langfilm gedreht, der sich auf das Wesentliche konzentriert. Die Geschichte ist schnell erzählt und man fällt auch gleich mit der Tür ins Haus. So vermittelt man dem Zuschauer ohne Umwege, wer hier der Bösewicht ist, damit THE CABIN mit seiner eigentlichen Aufgabe beginnen kann: die Nerven des Publikums zu strapazieren.
 
 
the-cabin-2018-bild-1
 
 
Während sich die erste Hälfte mit dem Herlauf der Geschichte beschäftigt und die Figuren mit ihren Konflikten einführt, geht es nach der Halbzeit wesentlich unbequemer zugange. Dann nämlich entpuppt sich THE CABIN als hinterlistiges Katz- und Mausspiel bei dem die Opfer terrorisiert und verfolgt werden. Die schleichen sich durch die Dunkelheit und müssen dabei versuchen unentdeckt zu bleiben, nur mit dem Ziel: einen Weg zurück in die Zivilisation zu finden. Leider ist Hoffnung auf Hilfe vergebens: die nächste Stadt ist Meilen entfernt. Demzufolge muss man die Konfrontation mit dem Bösen suchen, was für so einige Adrenalinschübe sorgt.
 
 
the-cabin-2018-bild-3
 
 
Überhaupt ist Atmosphäre der größte Pluspunkt von THE CABIN. Das beinahe schon wortkarge Szenario wird von zwei gut gewählten Schauspielern getragen, die auch was können. Die müssen im Verlauf der Geschehnisse erkennen, dass man den Kampf gegen einen Serienmörder nur dann gewinnen kann, wenn man Streitigkeiten beilegt. Ganz nebenbei findet man so sogar wieder zueinander – auch wenn Regisseur JOHAN BODELL am Ende dann doch andere Pläne mit seinen Filmfiguren hat. Unterm Strich ist THE CABIN nichts Großes. Trotz minimalistischer Kulisse und wenig überraschendem Drehbuch hält man hier aber einen düsteren Überlebensthriller in den Händen, der weitaus besser ist, als die vielen schnell und günstig produzierten Horrorfilme in letzter Zeit. Die Kameraarbeit ist hervorragend und Filmemacher JOHAN BODELL beweist ein gutes Gespür für Spannung und Schocks. Wer etwas Herzklopfen sucht ist mit THE CABIN demzufolge gut beraten. Zwar klein, aber oho.
 
 
the-cabin-2018-bild-2
 
 


 
 
 

THE CABIN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Überraschend routiniert inszenierter Indie-Horror mit perfider Atmosphäre und einem gelungenen Spannungsbogen. Der schwedische Regisseur JOHAN BODELL hat die Dreharbeiten seines Erstlings gleich mal nach Schweden verlagert und das tut dem Horrorthriller so ziemlich gut. Die schwedische Kulisse ländlicher Tristesse verursacht mindestens genauso Unbehagen, wie die vermeintliche Idylle im amerikanischen Hinterland. Wieder einmal geraten Durchreisende an böse Hinterwäldler, die in der Abgeschiedenheit unmenschliche Dinge mit Menschen veranstalten. Statt wie sonst in solchen Filmen üblich, die Identität der Übeltäter erst am Ende zu lüften, verrät Regisseur JOHAN BODELL so ziemlich schnell, wer denn in THE CABIN der Böse ist. Da mögen erfahrene Filmkenner die Hände über den Kopf schlagen. Im Falle von THE CABIN hat man sich aber reichlich einfallen lassen, um die Spannung dennoch konstant halten zu können. THE CABIN ist überraschend kurzweilig und sieht auch noch hervorragend aus. Für ein Langfilmdebüt saubere Horrorfilm-Arbeit.
 
 
 


 
 
 

THE CABIN – Zensur

 
 
 
THE CABIN ist eher ein kleiner Psychothriller, der nur wenige Schauwerte zu bieten hat. Ein Kopf wird mit einer Schaufel eingeschlagen, ein Körper wird mit einer Kettensäge zerlegt und eine Heugabel kommt auch zum Einsatz. Klingt reißerisch – die meisten Grausamkeiten passieren aber im Off. Hierzulande dürfte THE CABIN ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE CABIN – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei KW STUDIOS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Funny Games (1997)
 
Next Door – Manche Türen sollten nie geöffnet werden (2005)
 
House at the End of the Street (2012)
 
The Hamiltons (2006)
 
The Ones Below – Das Böse unter uns (2015)
 


Filmkritik: „The Bad Man“ (2018)

the-bad-man-2018-poster
 
 
 

THE BAD MAN

Story

 
 
 

Ein morbider Filmalbtraum aus Sex und Gewalt: Ein Paar bekommt es mit einem Psychopathen zu tun, der sie im eigenen Heim terrorisiert und erniedrigt.

 
 
 


 
 
 

THE BAD MAN – Kritik

 
 
 
Man stelle sich vor: es ist Weihnachten, man hat es sich richtig gemütlich zu Hause gemacht und will gemeinsam die Feiertage verbringen. Da klingelt es an der Haustür und ein Fremder bittet um Hilfe. Leider ist der Unbekannte aber nicht auf Frieden aus, sondern verfolgt nur ein Ziel: irgendwie in die Wohnung seines Opfers kommen und es darin terrorisieren. Ein Albtraum, den nun schon so einige Filmschaffende zum Thema ihrer Schocker gemacht haben. Da gab es FUNNY GAMES, der ähnliches Szenario abspielte und ganz nebenbei den Zuschauer als heimlichen Mittäter filmischer Grausamkeiten entlarvte. Aber auch im kommerziellen und glattgebügelten KNOCK KNOCK musste Schauspieler KEANUE REEVES schnell feststellen, dass nicht jede Schönheit ein Engel ist, der um Hilfe bettelnd an der Haustür steht. Der ließ zwei attraktive Damen ins sichere Heim, ohne zu ahnen, dass er da das personifizierte Böse in die eigenen vier Wände geholt hat. Heutzutage kann man eben niemandem mehr trauen.
 
 
the-bad-man-2018-bild-4
 
 
Das Home-Invasion-Genre erlebt seit Jahren ein Revival und scheut nicht davor, den Zuschauer mit polarisierenden Inhalten zu konfrontieren. Dabei gilt die Devise: je härter desto besser, denn offenbar erhalten Filme nur noch dann Aufmerksamkeit, wenn sie mit möglichst kontroversen Inhalten aus der Masse an Horrorkram hervorstechen können. Das gelang einigen Streifen immerhin ganz gut, weshalb nun auch der amerikanische Regisseur SCOTT SCHIRMER versucht mit genannter Erfolgsformel Zuschauer zu gewinnen. Der erhielt durch seinen brutalen Erstling vor einigen Jahren viel Lob in der Horrorszene, weil er mit dem etwas anderen Coming-of-Age-Film FOUND vor allem durch Extreme in Erinnerung blieb. Nun will es das kreative Multitalent ein weiteres Mal wissen und hat einen Horrorfilm gedreht, mit dem er abermals anecken wird. THE BAD MAN nennt sich das Terrorstück, das dem Mainstream-Publikum souverän den Mittelfinger entgegenstreckt und zweifelsohne polarisieren will. Diesmal geht es Schirmer aber etwas anders an. Der verzichtet weitestgehend auf Brutalitäten und macht eher von psychologischer Gewalt Gebrauch. Wer meint, dass das harmlos ist, irrt gewaltig. THE BAD MAN ist kein Kinderfasching.
 
 
the-bad-man-2018-bild-2
 
 
Eine Geschichte über sexuelle Devianz: Eigentlich wollten Mary (ELLIE CHURCH aus HEADLESS und HARVEST LAKE) und PJ (JASON CROWE aus KILL, GRANNY, KILL!) nur das alte Hotel der verstorbenen Großmutter auf Vordermann bringen und das Weihnachtsfest gemeinsam darin feiern. Doch ganz unverhofft kloppt es an der Tür und ein Gast (ARTHUR CULLIPHER aus FOUND) fragt nach einem Zimmer. Kein Problem für Mary. Die lässt den Fremden herein, bezieht ein Bett und kocht für den Durchreisenden Spaghetti. Leider hat man keinen Schimmer, wenn man sich da ins Haus geholt hat. Gast Lawrence ist nämlich ein ganz durchtriebener Psychopath. Der kleistert sich Schminke ins Gesicht, überfällt die neuen Hoteleigentümer und spielt als Clown mit seinen Opfern perverse Spiele. Mary muss sich in ein Puppenkostüm zwängen und PJ soll fortan als Hund sein Dasein fristen. Was folgt, ist für das Paar eine Tortur. Der im Titel angesprochene Peiniger denkt sich nämlich nicht nur abartiger Dinge aus, um den Willen seiner Opfer brechen zu können. Ach die sexuelle Dominanz über die Gepeinigten lässt den Psychopathen zu Hochtouren auffahren. Harter Tobak – nicht nur für die Leidtragenden.
 
 
the-bad-man-2018-bild-1
 
 
Hilfe, ist das ein Amateurfilm? Nicht ganz. Auch wenn THE BAD MAN recht günstig ausschaut, handelt es sich hier um eine routiniert durchinszenierte Produktion von Jemanden, der sein Handwerk versteht. Bei den Darstellern handelt es sich um richtige Schauspieler und auch hinsichtlich psychischer Gewalt hat Regisseur und Drehbuchautor SCOTT SCHIRMER weder Kosten noch Mühen gescheut, um Zuschauer wie Protagonisten durch die Hölle gehen zu lassen. THE BAD MAN ist keine Schlachtplatte. Mit allergrößter Ruhe frisst sich hier psychischer Terror nahezu minütlich durch eine rudimentäre Handlung, die in einem grotesken Finale mündet, wie man es schon lange nicht mehr auf der Mattscheibe zu sehen bekommen hat. Was unsere Helden nämlich nicht wissen ist, dass sie unter den Mitgliedern einer obskuren Fetisch-Organisation versteigert werden sollen. Bis die Handlung jedoch ihren Höhepunkt erreicht hat und die Auktion beginnen kann, werden die Opfer erst einmal ausreichend schikaniert, gedemütigt und psychisch gequält. Eine anstrengende Angelegenheit für die Gequälten genauso wie für den Zuschauer. Weil THE BAD MAN nämlich fast keinen Spannungsbogen besitzt fühlen sich die quasi aneinander gereihten Perversionen ziemlich unerträglich an. Dabei vermischt SCOTT SCHIRMER psychologische Gewalt mit Sex in einem Fetisch-Kontext, der nicht Jedermanns Sache sein dürfte.
 
 
the-bad-man-2018-bild-3
 
 
In Interviews gab Schirmer einige interessante Hintergründe zum Film bekannt, den er mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne auf KICKSTARTER fertigstellen konnte. Wieder einmal besetzte er Rollen mit Schauspielern, mit denen er bereits zuvor gedreht hatte. Eine sichere Bank für den Filmschaffenden, dem nur zehn Tage Drehzeit zur Verfügung standen, um den vierten Langfilm auf Zelluloid bannen zu können. Interessanterweise hat THE BAD MAN trotz Quälthematik Hintergrund. So gab Schirmer zu verstehen, dass er nicht nur im Filmfach, sondern auch Soziologie studiert habe. Schaut man sich dessen Werke mit diesem Hintergrund erneut an, macht vieles Sinn. Fast alle bisherigen Werke handeln von sexuellem Verlangen – meist in Verbindung mit Gewalt. Auf die Frage nach dem Grund, erklärte Schirmer, dass ihn eben beides fasziniert und er es deshalb ergründen möchte. Ein interessanter Ansatzpunkt, der auch in THE BAD MAN aufgegriffen wird. Darin setzt er seine Erkundung der dunklen Seite von Sex und Sexualität fort, die er bereits in FOUND begonnen hatte. Experimentalfilm-Liebhaber und Fans obskurer Filmexperimente wird das freuen. Der breiten Masse ist das aber nix. Die dürfte mit THE BAD MAN so gar nichts anfangen können. Dafür ist der Streifen einfach zu speziell.
 
 
the-bad-man-2018-bild-5
 
 


 
 
 

THE BAD MAN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Obskurer Terrorfilm mit Fetisch-Elementen, der so einige Zuschauer verstören wird. THE BAD MAN ist ein grotesker Psychotrip, der vor allem durch eines in Erinnerung bleibt: der Freude am Demütigen und Quälen von Menschen. Damit verbringt der Film knapp 90 Minuten, bevor er seine Opfer aufatmen lässt. Das mag sich für Fans zweifelhaft brutaler Horrorfilme erstmal interessant anhören. Aber die werden hier so ziemlich enttäuscht die Glotze abschalten. THE BAD MAN besteht fast ausschließlich aus einer Aneinanderreihung von Szenen, in denen die Opfer psychisch gebrochen werden sollen und dadurch dem Wahnsinn verfallen. Dabei fällt vor allem die Kombination aus Sex mit psychologischer Gewalt ins Gewicht. Bis auf das fast schon surreal anmutende Ende, gibt es im Film keine physische Gewalt zu sehen. Stattdessen wird der Zuschauer auf eine beinahe schon befremdliche Reise sexueller Abnormitäten geschickt, die einmal mehr zeigt, dass sich Menschen immer noch wie Tiere verhalten, wenn es um Sex geht.
 
 
 


 
 
 

THE BAD MAN – Zensur

 
 
 
THE BAD MAN ist keine Gewalt- und Ekelgranate. Der Horror und die Folter hier ist eher psychischer Natur. Beide Opfer werden im Film vergewaltigt. Das wird aber nur angedeutet – nicht explizit gezeigt. Erst am Ende fließt etwas Blut. Ein Kopf wird eingeschlagen und Munition eines Gewehrs bohrt sich durch Körper. Hierzulande könnte THE BAD MAN ungeschnitten mit rotem FSK-Flatschen in die Händlerregale kommen. Anbieter INDEED FILM will den Film im Februar 2019 nach Deutschland bringen. Die FSK-Prüfung steht jedoch noch aus.
 
 
 


 
 
 

THE BAD MAN – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei INDEED FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hate Crime (2013)
 
Funny Games (1997)
 
In Their Skin (2012)
 
Kidnapped (2010)
 
Bajo la Rosa (2017)
 


Filmkritik: „The Farm“ (2018)

the-farm-2018-poster
 
 
 

THE FARM

Story

 
 
 

Der etwas andere Backwood-Slasher: Ein junges Paar gerät in die Fänge einer ominösen Sekte, die Verzehr und Handel mit Menschenfleisch betreibt.

 
 
 


 
 
 

THE FARM – Kritik

 
 
 
Bei einem Horrorfilm, der sich THE FARM schimpft, dürfte der Titel Programm sein. Der werden schnell mal Filme wie TEXAS CHAINSAW MASSACRE oder WRONG TURN ins Gedächtnis gebracht, in denen ungepflegte Hinterwäldler auf einer Farm Menschen abschlachten und anschließend verspeisen. Wer demzufolge meint, dass der hier vorgestellte THE FARM eine ähnliche Richtung einschlagen wird, liegt nicht unbedingt falsch. Dennoch steckt diesmal mehr dahinter. Newcomer HANS STJERNSWÄRD will eine Botschaft vermitteln und die dürfte nicht jedem Horrorfan schmecken. Statt unerträglichem Splatter-Rausch hat der Regisseur im Spielfilmdebüt Kritik verbaut. Angesichts der Tatsache, dass es sich bei THE FARM um einen Backwood-Slasher handelt ein sonderbares Vorgehen. Dennoch funktioniert’s. Selbst sonst nicht so aufmerksame Zuschauer werden den Tadel an unserer Gesellschaft vernehmen. Irgendwie verrückt!
 
 
the-farm-2018-bild-4
 
 
THE FARM beginnt eigentlich wie jeder Hinterwäldler-Slasher neueren Datums. Ein junges Paar aus der großen Stadt düst mit dem Auto durch scheinbar verlassene Ortschaften. Dabei trifft man auf unfreundliche Provinzmenschen, die gar nicht gut auf Städter zu sprechen sind. Die Warnungen in einem Restaurant nimmt man nicht ernst und so kommt, was kommen muss. Als Nora und Alec in einer ländlichen Jugendherberge absteigen, um Kraft für den Rest der Reise zu tanken, werden Sie von Einheimischen überwältigt auf eine Farm verschleppt und in Käfige gesperrt. Was folgt, ist für die Durchreisenden ein Martyrium, aus dem es offenbar kein Entkommen mehr gibt.
 
 
the-farm-2018-bild-2
 
 
Okay, jetzt wird’s abgedreht. Auf dieser Farm wird verkehrte Welt gespielt. Die entpuppt sich nämlich schnell als skurriler Landwirtschaftsbetrieb in dem die Angestellten Tiermasken tragen und mit der Ware Mensch Geld verdienen. Letztere werden hier wie Tiere gehalten, gemästet und sogar gemolken. Hat man für die Gefangenen keine Verwendung mehr, werden sie geschlachtet und zu Fleisch verarbeitet. Klar, mag man meinen, das hat man schon in einigen Backwood-Slashern gesehen. Diesmal herrscht aber ein kritischer Unterton. Die Protagonisten werden hier sprichwörtlich gehalten wie Tiere. Empathie oder Mitgefühl gibt es nicht. Die Stimmung bleibt nüchtern und kühl, die Morde wenig reißerisch – eher routiniert und abgeklärt. Offenbar will Regisseur HANS STJERNSWÄRD Vergleiche aufstellen. Der tauscht einfach Tiere einer Masthaltung gegen Menschen aus und will damit zeigen, wie sich Tiere in gleicher Situation fühlen müssen. Eine interessante Prämisse, die THE FARM eher zu einem filmischen Experiment macht. Leider dürfte das aber nicht bei allen Fans des düsteren Genres gut ankommen. HANS STJERNSWÄRD verzichtet nämlich weitestgehend auf Charakterentwicklung, Dialoge und Hintergründe. Der Streifen fühlt sich eher an, wie eine auf Horror getrimmte Dokumentation. Die Opfer sind beliebig, verhalten sich ziemlich dämlich und auch deren Mörder bleiben im wahrsten Sinne des Wortes gesichtslos und anonym. Alles passiert einfach – nüchtern und distanziert, eben so wie es sich auch in jeder Tier-Mastanlage tagtäglich abspielt. Dass da kein Platz für Gewissensbisse ist, transferiert THE FARM ganz passend. So verhalten sich die Mörder im Film nicht wie Killer, sondern eben wie Menschen, die Töten müssen, um den eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Angesichts dessen gehört THE FARM mit zu den kontroversesten Titeln des Jahres 2018. Wer mal über den Tellerrand schauen möchte und nicht unbedingt einen klassischen Backwood-Horrorstreifen erwartet, ist mit THE FARM gut bedient – auch wenn die metapherreiche Kritik an der Fleischindustrie und dem beinahe schon übertriebenen Verzehr von Fleisch vermutlich bei den meisten Zuschauern nur wenig Aufmerksamkeit finden wird.
 
 
the-farm-2018-bild-1
 
 


 
 
 

THE FARM – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Kontrovers und grausam: Definitiv der richtige Horrorthriller für Veganer. THE FARM könnte als Werbung der Tierschutzorganisation PETA durchgehen, die mittels Film Kritik an der gewissenlosen Fleischindustrie ausüben und zum bedachteren Genuss von Fleisch appellieren möchte. THE FARM ist zwar im Genre des Backwood-Slashers zuhause, aber kein typischer Vertreter dieser Gattung Film. Der Horror-Anteil hält sich in Grenzen, denn offenbar will hier jemand wachrütteln. Zwar wird blutig geschlachtet. Bei genauerer Betrachtung fällt aber auf, dass in THE FARM keine Kühe in der Wurstmaschine landen, sondern einfach Menschen gegen Tiere ausgetauscht wurden. Offensichtlich will man mit dem ungewöhnlichen Rollentausch deutlicher hervorheben, wie gering der Wert eines Tierlebens ist. So erleben Kühe, Schweine und Schafe tagtäglich Höllenängste und Qualen, bis sie irgendwann den erlösenden Gnadenschuss vom Metzger erhalten, um die Gier nach Billigfleisch befriedigen zu können. Genauso ergeht es in THE FARM nun der menschlichen Mastware. Regisseur HANS STJERNSWÄRD begleitet seine Protagonisten durch die diversen Etappen einer Masthaltung. Da werden Frauen geschwängert, damit man deren Milch abpumpen und vermarkten kann. Für deren Babys findet man keine Verwendung mehr, weshalb sie kurzerhand auf den Boden geworfen werden. Ist die menschliche Ware für nichts mehr zu gebrauchen, wird sie geschlachtet und landet auf dem Teller. Ganz so eben, wie wir es tagtäglich mit unseren Nutztieren machen. Die harsche Kritik hinterlässt – vor allem der unemotionalen, distanzierten und ungeschönten Inszenierung wegen – einen üblen Beigeschmack. Ein Grund mehr diesen Film mal genauer unter die Lupe zu nehmen und über den eigenen Fleischkonsum nachzudenken. Vielleicht gelingt es THE FARM zumindest einige Zuschauer ins Grübeln zu bringen. Wäre das der Fall, hat der kontroverse THE FARM seinen Zweck erfüllt.
 
 
 


 
 
 

THE FARM – Zensur

 
 
 
THE FARM hat nicht sehr viele Gewaltmomente zu bieten. Mit einem Hammer wird auf Köpfe geschlagen, ein Kopf wird mit einem Stein eingeschlagen und einer Filmfigur wird mit einem Messer ein Loch in den Hals geschnitten, damit diese ausbluten kann. Weiterhin wird ein Baby auf den Boden geworfen und eine Figur ausgeweidet. Klingt nicht nach sonderlich viel Gewalt. Dennoch darf man von einer Erwachsenenfreigabe mit rotem FSK-Sticker ausgehen.
 
 
 


 
 
 

THE FARM – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Red Hound Films | Hans Stjernswärd Film Production)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hotel zur Hölle (1980)
 
Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre (2003)
 
Escape from Cannibal Farm (2017)
 
Idylle (2015)
 


Filmkritik: „Haunting on Fraternity Row“ (2018)

haunting-on-fraternity-row-2018-poster
 
 
 

HAUNTING ON FRATERNITY ROW

(THE PARTY CRASHER)

Story

 
 
 

In HAUNTING ON FRATERNITY ROW gerät eine Studentenparty aus dem Ruder, weil ein Dämon das Zepter in die Hand nimmt.

 
 
 


 
 
 

HAUNTING ON FRATERNITY ROW – Kritik

 
 
 
Vermutlich kennt jeder folgendes Phänomen: man sieht einen hektisch zusammengeschnittenen Trailer, bei dem reichlich geschrien und getötet wird. Das macht Lust auf mehr. Hat man dann aber den fertigen Film im Player, ist von angepriesenem Mord- und Totschlag kaum noch etwas zu sehen. Die Filmindustrie schummelt, wo es nur geht, damit im Zuge der immer träger werdenden Kaufbereitschaft des Filmfans überhaupt noch Heimkinomedien und Kinokarten verkauft werden können. Ganz vergönnen kann man die zweifelhaften Marketingmethoden nicht. In einer Zeit, in der der Streaming-Markt boomt und Zuschauer lieber auf der Couch sitzen bleiben, statt Media Markt oder Lichtspielhaus zu besuchen, wird nach Tricks gesucht den Kauf neuer Filme irgendwie schmackhaft zu machen. Leider hat nicht selten der zahlungswillige Zuschauer den Nachteil. Der kauft die Blu-ray oder ein Kinoticket und ist enttäuscht, weil der zuvor im Trailer angepriesene Blut- und Schockrausch nahezu kaum vorhanden ist. Gleiche Erfahrung haben wir mit HAUNTING ON FRATERNITY ROW gemacht. Der Trailer suggeriert einen intensiven Horrortrip mit viel Geschrei. Nach dem muss man im fertigen Film genauer suchen. Offenbar haben schlitzohrige Schnittmeister die besten Szenen in knapp zwei Minuten Werbefilm gepackt. Verflixt und zugenäht.
 
 
haunting-on-fraternity-row-2018-bild-3
 
 
Im Haus einer Studentenverbindung wird eine groß angekündigte „Winter Luau“-Party gefeiert, die vielen Studenten im Gedächtnis bleiben soll. Doch die Vorbereitungen zur Sause offenbaren ein düsteres Geheimnis. Durch einen Unfall entdeckt man im Keller des Wohnheims einen geheimnisvollen Raum, der viele Fragen aufwirft. Wurden hier etwa geheimnisvolle Rituale abgehalten? So in etwa! Was die Studenten nämlich nicht wissen ist, dass sie mit der Öffnung des Zimmers einen Dämon befreit haben, der sich nun unter die Partygäste gemischt hat. Der will nicht feiern, sondern töten. Was folgt, ist ein folgenschweres Massaker, das im Chaos endet. Wer wird diese Party wohl überleben? Wir zumindest verraten es an dieser Stelle nicht.
 
 
haunting-on-fraternity-row-2018-bild-4
 
 
Du hast eine Vorliebe für MTV-Reality-Shows in denen verzogene Gören feiern, saufen und grölen? Dann könnte HAUNTING ON FRATERNITY ROW nach Deinem Geschmack sein. Der Film ist nichts anderes als der hyperaktive Zusammenschnitt einer mehr als dummen Party während der sauf- und paarungsbereite Studenten mit paranormalen Dingen konfrontiert werden. Dabei wird von Found-Footage-Stilmitteln Gebrauch gemacht, die aber im Verlauf schnell an Bedeutung verlieren. So bekommt der Zuschauer anfangs noch das zu sehen, was die Partygänger mit Smartphones und Handkameras filmen. Später scheint sich aber die Kamera aus unerklärlichen Gründen zu verselbständigen, sodass unklar bleibt, wer denn nun eigentlich das Bewegtmaterial zur Party liefert. Regisseur BRANT SERSEN nimmt es mit der Found-Footage-Rezeptur nicht so genau und das ist offenbar auch das Beste, was er machen konnte. Weil sich plötzlich die Kamera löst und die Ego-Perspektive vernachlässigt, ist HAUNTING ON FRATERNITY ROW zumindest einfacher zu verdauen, als manch anderer Streifen dieses Sub-Genres. Gut für den Zuschauer. Dieser muss diesmal weitestgehend auf jene Stilelemente verzichten, die das Found-Footage-Genre so berüchtigt und unbeliebt gemacht haben. Das bedeutet, dass Bild-Ausfälle, Störgeräusche oder Wackelattacken aus dem Drehbuch verbannt wurden. Ist HAUNTING ON FRATERNITY ROW daher auch gleichzeitig sehenswert? Wir meinen: Nein!
 
 
haunting-on-fraternity-row-2018-bild-1
 
 
HAUNTING ON FRATERNITY ROW hat ein großes Problem mit seinen Figuren. Gute Filme zeichnen sich dadurch aus, dass ein sympathischer Protagonist den Zuschauer an die Hand nimmt und durch den Film führt. Von zugänglichen Figuren ist aber in diesem Horrorstreifen weit und breit keine Spur. Der Zuschauer bleibt sich selbst überlassen und muss sich durch eine sperrige Handlung quälen, die in erster Linie mit unwichtigen Szenen gefüllt wurde. Da wird sich die Birne weggekokst, gesoffen und mit Mädels geflirtet. Halbstarke Anmachsprüche runden den Partygau ab. Irgendwie bleibt im Trubel der Gruselfaktor auf der Strecke, der bei genauer Betrachtung erst in den letzten 15 Minuten Gewichtung erhält. Eine enttäuschende Prämisse mit dem sich HAUNTING ON FRATERNITY ROW wohl keine Freunde machen wird. Warum? Der Film ist zu viel PROJEKT X statt PARANORMAL ACTIVITY und hat auch sonst keinerlei Spannungsbogen zu bieten. Bevor hier überhaupt irgendwann der Horror losbricht, dürfte der Zuschauer entweder eingeschlafen sein oder seine Klamotten gepackt haben, um selbst auf der nächsten Party zu tanzen. Ein einfältiges Stück Zelluloid und definitiv nur etwas für Hardcore-Found-Footage-Liebhaber.
 
 
haunting-on-fraternity-row-2018-bild-2
 
 


 
 
 

HAUNTING ON FRATERNITY ROW – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
PROJEKT X trifft auf PARANORMAL ACTIVITY. Klingt gut, oder? Ist es aber nicht. Bei diesem Schnarcher handelt es sich im wahrsten Sinne des Wortes, um die geistloseste Party ever. Durch knapp 80 Minuten Film muss sich der Zuschauer im Falle von HAUNTING ON FRATERNITY ROW quälen, bis hier überhaupt mal etwas Nennenswertes passiert, was der Bezeichnung „Horrorfilm“ gerecht werden kann. Bis dahin muss man Sprüche primitiver Alpha-Männchen und das Gegacker nicht sonderlich heller Blondinen ertragen. Ein paar wenig zeigefreudige Fummelszenen und etwas Party-Pop-Musik gibt’s obendrein. HAUNTING ON FRATERNITY ROW ist typischer Filmschrott für die Generation NETFLIX, der es nach anspruchslosen Filmen dürstet, nur mit dem Ziel, die Zeit irgendwie über die Runden zu bekommen. Dass einem hier Horror untergejubelt wird, der noch nicht mal einen Spannungsbogen oder gar sympathische Figuren besitzt, dürfte wohl jenem Zuschauer-Klientel erst gar nicht auffallen. Nein, HAUNTING ON FRATERNITY ROW ist weit weg davon ein guter Film zu sein. Hier hat alles den Anschein, als haben die Macher eine Villa gemietet, Mucke aufgedreht und die Darsteller sich selbst überlassen. Die Handlung ist rudimentär und selbst Schocks sind Mangelware. Gute Voraussetzungen also, um von HAUNTING ON FRATERNITY ROW die Finger zu lassen. Den hat übrigens Regisseur BRANT SERSEN (SANATORIUM) mit einem für Indie-Horror ordentlichen Budget auf die Beine gestellt. Sage und schreibe fünf Millionen Dollar Produktionsbudget standen zur Verfügung, um was Gruseliges zu inszenieren. Wer den Streifen gesehen hat, dürfte sich zu Recht fragen, in was denn die Kohle investiert wurde. Die für Horrorfilme wichtigen Gewaltszenen fehlen fast gänzlich, die Schauspieler agieren eher zweckmäßig und für das Set hätte eine mit Lichterketten geschmückte Garage ausgereicht. Zum Vergleich: Ein Film, wie CULT OF CHUCKY musste mit gleichem Budget haushalten. Ratet mal, welcher der beiden Filme das Rennen macht.
 
 
 


 
 
 

HAUNTING ON FRATERNITY ROW – Zensur

 
 
 
HAUNTING ON FRATERNITY ROW, der anfangs eigentlich mal THE PARTY CRASHER heißen sollte, ist gewalttechnisch kaum der Rede wert. Am Ende sieht man ein paar Protagonisten, denen vom Dämon die Augen herausgerissen wurden. Das sieht teils aus, als habe man über die Gesichter der Opfer einen Snapchat-Filter gelegt und lockt wohl keinen Horrorfilmfan vorm Ofen hervor. Weiterhin gibt es eine aufgeschnittene Kehle zu sehen und etwas „Kleinkram“. Hierzulande dürfte HAUNTING ON FRATERNITY ROW eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

HAUNTING ON FRATERNITY ROW – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Monster Project (2017)
 
Grave Encounters (2011)
 
The Entity (2015)
 


Filmkritik: „The Inhabitant“ (2017)

the-inhabitant-poster
 
 
 

THE INHABITANT

(EL HABITANTE)

Story

 
 
 
Für das Begleichen von Schulden brechen drei Mädchen in das Haus eines Politikers ein und erleben dort den ultimativen Horror.

 
 
 


 
 
 

THE INHABITANT – Kritik

 
 
 
Der in Uruguay geborene und in Chile beheimatete GUILLERMO AMOEDO ist ein Phänomen, das man in der Filmwelt ganz häufig zu sehen bekommt. Er gehört zu jenen Leuten, die zwar beim Film arbeiten, sich aber vermutlich nie zu Träumen gewagt haben, irgendwann mal selbst bei einem Kinofilm Regie zu führen. So konnte sich Amoedo in erster Linie durch das Schreiben von Drehbüchern einen Namen machen. Von denen profitiere der kontroverse Regisseur ELI ROTH. Mit Amoedo als Drehbuchschreiber an der Seite konnte Roth mit Filmen wie KNOCK KNOCK, AFTERSHOCK und THE GREEN INFERNO international für Furore sorgen. Offenbar gab es zum Dank von Onkel Eli etwas Geld, damit Amoedo auch einen eigenen Film drehen konnte. Der kam mit THE STRANGER im Jahr 2014 auf den Markt und wurde auf einschlägigen Festivals mit Lob überhäuft. Nun hat der Filmemacher Blut geleckt. Nach einigen TV-Filmen folgt nun ein weiterer Kinofilm. Der schimpft sich EL HABITANTE und wurde zum besseren Verständnis für den Weltmarkt in THE INHABITANT umbenannt.
 
 
the-inhabitant-2017-bild-1
 
 
Ein Einbruch mit schwerwiegenden Folgen. Eigentlich sollte es keine große Sache werden. Drei Frauen wollen in das Haus eines Senators einbrechen und dort den Tresor plündern. Doch es kommt mal wieder alles anders. Auf der Suche nach dem Geld findet man Keller ein eingeschlossenes Mädchen. Das wurde auf ein Bett gefesselt, damit es nicht fliehen kann. Schnell vermuten die Einbrecherinnen Missbrauch und wollen das Kind von seinen Qualen erlösen. Man befreit das arme Ding und will es in ein Krankenhaus bringen. Keine gute Idee, denn die Rettungsaktion endet im Desaster. Offenbar wurde das Mädchen nicht grundlos ans Bett gefesselt, denn im Körper des Teenagers schlummert das Böse. Eine Erkenntnis die den Retterinnen zu spät kommt. Die müssen nicht nur bald die Polizei fürchten, sondern auch einen Gegner, der mit allen Wassern gewachsen ist. Dämonen sind eben hinterlistige Kreaturen.
 
 
the-inhabitant-2017-bild-4
 
 
Wenn Dämonen ein ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis besitzen. Vermutlich hat jeder schon mal die Begegnung mit Menschen gemacht, die Reden als gebe es kein Morgen mehr. Einmal im Quasselmodus will sich der Mund partout nicht mehr schließen. Da würde man am liebsten zum Knebel greifen, damit der ungewollte Informationsinput endlich ein Ende findet. So ähnlich dürfte es auch dem Zuschauer von THE INHABITANT gehen. Der bekommt es in diesem Film mit einem redseligen Zeitgenossen zu tun, der irgendwie nicht die Klappe halten will. Hier will ein Dämon sein Gegenüber in Grund und Boden reden mit dem Ziel sein Opfer durch Manipulation in die Knie zu zwingen. Im Film trägt das schnell Früchte. Nur leider hat Regisseur GUILLERMO AMOEDO nicht an seinen Zuschauer gedacht. Der fragt sich nicht unbegründet, warum keiner der Anwesenden endlich die Pläne des Dämons verstanden hat. Die fallen immer wieder auf die Irreführungen des Bösen hinein und katapultieren sich damit sicher in den Tod. Gut für die Opfer – schlecht für das Publikum. Das dürfte wegen der Dauerbeschallung schnell an Kopfschmerzen leiden. Einige Aspirin dürften helfen.
 
 
the-inhabitant-2017-bild-3
 
 
THE INHABITANT ist Okkult-Horror aus Mexiko, der sich zweifelsohne vor einem der ganz großen Exorzisten-Filmen verbeugt: DER EXORZIST. Spiderwalk und Suppenkotze fehlen zwar. Dafür sind die üblichen Klischees mit an Bord. Ein Kind ist besessen und die Eltern tun alles dran, den Eindringling zu vertreiben. So kennt der Dämon alle Geheimnisse seiner Opfer, mag Bibelsprüche gar nicht und scheut weder Anstand noch Moral. Alles wie eh und je eben. Damit es dem Zuschauer aber nicht zu eintönig wird, hat man an Wendungen gedacht. Findige Horrorkenner werden da aber schnell ebenfalls bekannte Verläufe erkennen. Das Handlungsgerüst erinnert nämlich stark an den Erfolgshorror DON’T BREATHE, der im Jahr 2016 erfolgreich im Kino lief. Darin schlichen sich ebenfalls Einbrecher in eine Hütte und bekamen es darin mit dem Bösen zu tun. Einbrechen ist eben nicht nur gesetzeswidrig, sondern auch lebensgefährlich.
 
 
the-inhabitant-2017-bild-2
 
 
Auch wenn THE INHABITANT keinen Hehl daraus macht von bekannten und weitaus besseren Filmen zu stibitzen, ist der Streifen aber weit weg von schlecht. Die mexikanische Gruselproduktion hat zweifelsohne Schwächen, fährt aber in Sachen Atmosphäre groß auf. Das Set ist dunkel, einige Schockmomente sitzen genau und Spannung wird dahingehend bewirkt in dem man versucht den Zuschauer zu verwirren. Das Böse im Film konfrontiert seine Opfer mit inneren Dämonen. Die finden sich plötzlich in der eigenen Vergangenheit wieder und durchleben schreckliche Ereignisse erneut. Als wäre das nicht alles schon verwirrend genug, baut der Dämon in diesem Film Scheinwelten auf, die zu Recht die Frage aufwerfen, was denn nun in THE INHABITANT echt ist und was vom Dämon inszeniert, um das Gegenüber manipulieren zu können. Auf diese perfiden Spiele fallen nicht selten nur die gutgläubigen Protagonisten herein. Auch der Zuschauer dürfte sich dabei erwischen sich in einer der vielen Traumwelten zu verlaufen, die das Böse im Film aufbaut, um den Verstand zu vernebeln.

 
 


 
 
 

THE INHABITANT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
THE INHABITANT ist kein Meisterwerk. Dafür aber solide Standard-Ware, die zumindest in der ersten Hälfte ganz spannend geraten ist. Hier weiß man anfangs nicht, worauf der Film hinaus will. Da werden ein paar falsche Fährten gelegt, um die Spannung vorantreiben zu können. Ist das Geheimnis ergründet, werden die üblichen Exorzismus-Klischees abgeklappert. Nichts Neues also aus dem Exorzisten-Lager. Dennoch fährt der uruguayische Regisseur GUILLERMO AMOEDO atmosphärisch groß auf. Der nimmt sich Zeit für seine Figuren und baut schnell ein effektives Bedrohungsszenario auf, das dann doch einige ziemlich unheimliche Momente besitzt. Gruselstimmung ist somit garantiert. Leider ist ab der Halbzeit Schluß mit spannend. Dann nämlich verirrt sich THE INHABITANT zu sehr in Vorhersehbarkeiten und zeigt das, was man eben von Exorzismus-Horrorstreifen her kennt: ständig plappernde Besessene, die trotz Exorzismus einfach nicht aus dem Körper ihres Opfers fahren wollen. Mögen sie doch an einem Kruzifix im Halse ersticken.
 
 
 


 
 
 

THE INHABITANT – Zensur

 
 
 
THE INHABITANT hat kaum Gewalt zu bieten. Man sieht einen Autounfall, eine Protagonistin erhängt sich und einige Schusswunden bekommt man auch zu sehen. In Deutschland wurde THE INHABITANT ungeschnitten ab 16 Jahren freigegeben.
 
 


 
 
 

THE INHABITANT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
the-inhabitant-bluray

(c) Capelight Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: El habitante; Mexiko 2017

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.66:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Keepcase mit Wechselcover und im Schuber

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 26.10.2018

 

The Inhabitant [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE INHABITANT – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei Capelight Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Don’t Breathe (2016)
 
Das Haus der Vergessenen (1991)
 
Der Exorzist (1973)
 


Filmkritik „Habit“ (2017)

habit-2017-poster
 
 
 

HABIT

Story

 
 
 

Der arbeitslose Michael kommt an einen ominösen Job, der so einige Überraschungen parat hält.

 
 
 


 
 
 

HABIT – Kritik

 
 
 
Familien in Horrorfilmen sind immer so ein Ding. Werden die zum Mittelpunkt eines Genre-Streifens gemacht, kann es gut und gerne sein, dass sich hinter der Fassade gut gesitteter Kreise Grausames abspielen wird. Da werden gern mal im Keller ahnungslose Opfer aus Spaß gefoltert und alle aus der Sippe machen mit. Wer regelmäßig Horror-Schocker schaut weiß mittlerweile, dass man engen Familienbanden in dieser Art von Filmen nicht über den Weg trauen kann. Dort hält man zusammen und bewahrt Geheimnisse gut. Nur so lässt sich perfides Treiben unbemerkt hinter verschlossenen Türen fortsetzen, ohne dass Gesetzeshüter Wind davon bekommen. Auch der dritte Langfilm von Regisseur SIMEON HALLIGAN rückt genannte Familien-Thematik in den Fokus. Wie könnte es anders sein, schweißt auch hier ein Geheimnis Menschen zusammen, die sich im Film als „Familie“ bezeichnen. Eigentlich vielversprechende Horror-Ware. Wäre da nicht der inflationäre Gebrauch von Horror-Klischees, der den interessant beginnenden HABIT am Ende doch etwas zu ausgelutscht wirken lässt.
 
 
habit-2017-bild-1
 
 
Familiendrama meets Underground-Horror: Wenn zwei sich finden und sich gleich miteinander verbunden fühlen. Genau jene positiven Erfahrungen muss auch Michael machen. Der hatte bisher so gar kein Glück im Leben. Seit die Mutter sich vor seinen Augen das Leben genommen hat, meint es das Schicksal gar nicht gut mit ihm. Job hat er keinen und Perspektiven sind Mangelware. Da tritt ein Schutzengel in sein Leben. Lee nennt sich die Gute und ermöglicht dem Mittzwanziger den Schritt in ein neues Leben. Weil der sich ihr zugegen erkenntlich zeigt, beschafft die attraktive Fremde dem perspektivlosen Michael einen Job bei ihrem Onkel. Die Sache hat nur einen Haken. Der neue Job ist lebensgefährlich, denn hinter den Mauern eines ominösen Nachtclubs frönt man blutigem Handwerk.
 
 
habit-2017-bild-4
 
 
Horror von jemandem, der sich in Horrorfilm-Kreisen auskennt. Regisseur SIMEON HALLIGAN weiß, was Horrorfans wollen. Der ist nicht nur Regisseur und dreht Filme. Seit zehn Jahren ist der Brite auch Festivalleiter des beliebten Grimmfest in Manchester, wo Zuschauern alljährlich das Fürchten gelehrt werden soll. Da mutet es schon etwas ironisch an, wenn man sieht, was Halligan nun mit HABIT selbst fabriziert hat. Wirklich dolle ist dieser Film nämlich nicht. Irgendwie kommt HABIT nämlich nur schleppend in Fahrt und fällt einzig durch seinen abrupten Richtungswechsel auf. Da wird aus einem Ausflug ins ruppige Rotlichtmilieu plötzlich bluttriefender Okkult- und Kannibalen-Horror, der sich dann doch etwas zu krampfhaft den bekannten Regeln des Horror-Kinos unterwirft. Da muss zwanghaft in Blut gewatet werden und die Kamera hält drauf. Zudem fehlt natürlich ebenso das klischeebehaftete Ende nicht, bei dem die Machenschaften entlarvt und dem Bösen blutig die Leviten gelesen werden. Vorhersehbarkeit ist hier Programm. Offenbar wollte Filmemacher SIMEON HALLIGAN den Erwartungen des Horror-Publikums gerecht werden. Das erwartet nicht zu fordernde Abläufe und eine gewisse Härte von Genre-Ware. Beides wird geboten, um einfache Gemüter glücklich machen zu können. Ein etwas unglücklicher Schachzug, da HABIT so leider nur ein Horrorfilm von vielen ist, den man schnell wieder vergessen hat. Angesichts der wirklich hervorragenden Schauspieler eine Verschwendung. Die machen die rudimentäre Handlung ertragbar, welche sich einzig dadurch auszeichnet Sex und Gewalt miteinander zu vermischen. So bleiben Schicksale auf der Strecke, deren Analyse weitaus interessanter gewesen wäre, als die inflationäre Horror-Schiene bedienen zu müssen. In kurzen Momenten nämlich versucht SIMEON HALLIGAN die dramatischen Erlebnisse seine Hauptdarsteller zu ergründen. Die haben viel Tragisches erlebt, was dazu beiträgt auf die dunkle Seite zu wechseln. Leider ist die Ergründung von Schicksalen nur Vorwand, um später Splatter-Szenen zelebrieren zu können. Alteingesessene Horrorfilm-Kenner werden da nicht unbegründet mit den Augen rollen. Irgendwie sind Genre-Filme neueren Datum so ziemlich durchschaubar geworden. Das hat man alles schon mal gesehen und sieht deshalb Verläufe schon früh kommen.
 
 
habit-2017-bild-3
 
 
In Interviews erklärte Regisseur SIMEON HALLIGAN, dass HABIT ein Heimspiel war. Der Streifen spielt in Manchester und hier lebt der Filmemacher auch. Leider gab es bei den Dreharbeiten große Probleme. So schied einer der Hauptdarsteller im Verlauf des Filmdrehs aus und musste ersetzt werden. Das war dahingehend problematisch, weil viele Szenen bereits im Kasten waren. Da stand man vor der Entscheidung: die Dreharbeiten abbrechen und finanzielle Verluste hinnehmen oder bereits gedrehte Szenen mit einem neuen Darsteller noch einmal drehen. Man entschied sich für letzteres. Entstanden ist modernes britisches Genre-Kino für das sich Filmemacher SIMEON HALLIGAN vom dänischen Regisseur NICOLAS WINDING REFN inspirieren ließ. Sein ONLY GOD FORGIVES hinterließ Eindruck und wird als Referenz genannt. Dennoch, von den Qualitäten des genannten französisch-dänischen Thrillers ist HABIT weit entfernt – auch wenn der eine deutliche Steigerung zu den bisherigen Werken darstellt, die SIMEON HALLIGAN bisher gedreht hat: SPLINTERED und WHITE SETTLERS.
 
 
habit-2017-bild-2
 
 


 
 
 

HABIT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein Mix der Werke des Marquis de Sade und den Alptraum-Fantasien eines Clive Barker. HABIT basiert auf den gleichnamigen Roman aus der Feder von STEPHEN MCGEAGH. In der filmischen Adaption taucht der Zuschauer ein in eine Welt des organisierten Verbrechens, unterirdischer Kulte und blutiger Splatter-Orgien. Handwerklich ist das solide gelöst und auch visuell ist HABIT ansprechend. Was nicht so dolle ist: irgendwie wollen die Ereignisse so gar nicht fesseln oder mitreisen. Nach einem abrupten Richtungswechsel verfällt HABIT in bekannte Horror-Klischees. Das wirkt teils flach und bekannt. Die Figuren verhalten sich, wie sie es eben in Horrorfilmen tun und im Finale triumphiert einmal mehr das Gute über das Böse. Warum muss man denn immer bekannte Formeln und Verläufe auf Zelluloid bannen? Als alteingesessener Horrorfilm-Liebhaber dürstet es dringend nach neuen Ideen. Die vermisst man im Falle von HABIT leider schmerzlich. Blut, Sex und dreckiger Look ist in im Genre-Kino von Heute längst nicht mehr alles.
 
 
 


 
 
 

HABIT – Zensur

 
 
 
HABIT hat ab Filmmitte einige blutige Schmankerl zu bieten. Da werden Menschen sprichwörtlich von Kannibalen „gefressen“ und sich in deren Blut geräkelt. Weiterhin wird ein Messer in einen Bauch gerammt, eine Kehle wird durchgeschnitten und einige Schussverletzungen gibt es auch zu sehen. Wegen der doch sehr zeigefreudigen Kannibalismusszenen dürfte es passieren, dass HABIT erst für Erwachsene freigegeben wird.
 
 
 


 
 
 

HABIT – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Not a Number | Tin Hat Productions)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ravenous – Friss oder stirb (2017)
 
Omnivoros – Das letzte Ma(h)l (2013)
 
Wir sind was wir sind (2010)
 


Filmkritik: „Bajo la Rosa“ (2017)

baja-la-rosa-2017-poster
 
 
 

BAJO LA ROSA

(UNDER THE ROSE)

Story

 
 
 

Du kannst auch FUNNY GAMES 2 zu mir sagen. Eine Familie kämpft um das Überleben der entführten Tochter mit allen Mitteln. Das nutzt der Täter aus, um mit den Angehörigen ein krankes Spiel zu spielen.

 
 
 


 
 
 

BAJO LA ROSA – Kritik

 
 
 
In Zeiten ultra-brutaler Gewalt im Kino scheint es nicht mehr viel zu geben, was das Publikum schockieren könnte. Da wird beinahe schon routiniert gequält, gefoltert und schikaniert, als gäbe es keinen Morgen mehr. Doch immer mehr Zuschauern reicht der stumpfsinnige Gewaltkick allein nicht mehr aus. Offenbar ist man der Meinung schon alles gesehen zu haben und sucht nach neuen Extremen. So müssen größere Tabubrüche und gewagtere Grenzüberschreitungen her, damit die gewünschte Schockwirkung erzielt werden kann. Eine Mammutaufgabe, der mittlerweile nur noch wenige Regisseure gewachsen sind. Viele derer scheitern kläglich. Dennoch gibt es Filmemacher, die mit kontroversen Inhalten verstören wollen und darin so ziemlich gut sind. Zu einem derer gehört JOSUÉ RAMOS. Der ist noch recht neu im Filmbusiness und hat mit BAJO LA ROSA (internationaler Titel: UNDER THE ROSE) gleich mal ein Brett von Film gedreht, das dort trifft, wo es am meisten weh tut. Dabei nutzt er weder ausufernde Gewalt, noch waten die Figuren in Blut. Da fragt sich manch einer zu Recht, wie es BAJO LA ROSA auf die Liste der härtesten Genre-Filme 2018 schaffen kann. Manchmal ist eben weniger mehr.
 
 
baja-la-rosa-2017-bild-3
 
 
Wenn Eltern für das Leben ihres Kindes alles tun. Eigentlich führt Familie Castro ein Bilderbuchleben. Geld ist vorhanden, die Kinder sind strebsam und auch zwischen den Eltern herrscht grenzenlose Harmonie. Bis eines Tages die kleine Sara verschwindet und einen Strudel von Umständen entfacht. Das Mädchen wurde entführt – aber der Kidnapper fordert kein Lösegeld. Stattdessen will der ein Spiel spielen. Wird die Aufgabe binnen sechs Stunden gelöst, lässt man das Kind frei. Ist man der Herausforderung nicht gewachsen, muss Sara ihr Leben lassen. Doch was genau wird im Spiel gespielt? So ganz sicher sind sich die unfreiwilligen Teilnehmer darüber nicht. Man soll sich die Wahrheit sagen. Doch was ist damit gemeint? Eine Frage, die in den nächsten Stunden den Zusammenhalt einer ganzen Familie auf die Probe stellen wird. Harter Stoff – versprochen!
 
 
baja-la-rosa-2017-bild-2
 
 
Let’s talk about your secrets! Viel über den heftigen Plot zu verraten ist im Falle von BAJO LA ROSA fatal. Der Film orientiert sich in seiner Machart an den 1997 gedrehten Psychothriller FUNNY GAMES, wo zwei Fremde eine unschuldige Familie terrorisieren und quälen. Ganz ähnlich geht es auch in dieser spanischen Produktion zu, wobei hier aber hauptsächlich terrorisiert wird und das auf psychischem Wege. JOSUÉ RAMOS hat mit seinem zweiten Spielfilm einen unscheinbaren Plot zu Papier gebracht, dessen kranken Verlauf man anfangs nicht kommen sieht. Was nämlich ganz unscheinbar beginnt, steigert seine Intensität beinahe minütlich. Dabei sucht der geheimnisvolle Fremde aus einem ganz bestimmten Grund diese Familie auf. Es ist nicht die Lust am Töten. Dieser Mann hat andere Intensionen, welche sich nach und nach offenbaren. Da tun sich Abgründe auf, Opfer werden zu Tätern und umgekehrt. Doch nicht nur der Rollentausch kommt unvorbereitet. Auch die Auflösung trifft wie ein Schlag, ist unangenehm aber befreiend zugleich. BAJO LA ROSA ist der ideale Film für jene, die mit der nicht minder kontroversen DVD-Reihe KINO KONTROVERS so ihre Freude hatten. Darin erscheinen anspruchsvolle Genre-Filme, die nur ein Ziel haben: zu polarisieren. Auch dem von JOSUÉ RAMOS geschriebenen und inszenierten Psychothriller gelingt das zweifelsohne spielerisch. Nicht umsonst avancierte dieser Schocker zu einem der erfolgreichsten spanischen Festival-Exporte aller Zeiten. Wer das nicht glaubt, sollte sich diesen Film vormerken. Aber: Wer hier den ultimativen Gewalt-Overkill mit Blutrausch erwartet, dürfte bitter enttäuscht werden.
 
 
baja-la-rosa-2017-bild-1
 
 


 
 
 

BAJO LA ROSA – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Abartig, krank und nichts für sensible Gemüter. BAJO LA ROSA ist ein Brett von Film – und das ganz ohne ausufernde Gewaltausbrüche und Gore-Effekte. Der kontroverse Streifen ist im Psychothriller-Fach zu Hause und überzeugt vor allem durch ein grandioses Zusammenspiel seiner Figuren. Die werden von Schauspielern verkörpert, die so erfahren agieren, dass BAJO LA ROSA unerbittlich authentisch wirkt. Die Gefühlsausbrüche und das Geschrei im Film fühlen sich erschreckend echt an und gehen deshalb durch Mark und Bein. Zuschauer ohne stahlharte Nerven werden da schnell das Weite suchen, zumal Regisseur JOSUÉ RAMOS das Publikum knapp 100 Minuten durch die emotionale Psycho-Hölle gehen lässt und Kompromisse scheut. Überraschenderweise wird hier die Schockwirkung ohne den Holzhammer bewirkt. Im Film wird viel gesprochen, Gewalt wird kaum eingesetzt. Was dadurch aber zutage gefördert wird, ist keineswegs Kinderfasching. BAJO LA ROSA ist ein polarisierendes Stück Kino für jene, die auch im Home-Invasion-Genre einen gewissen Anspruch erwarten. Der Aufbau ist ruhig und lange Kameraeinstellungen ohne Schnitte dürften vor allem Zuschauer überfordern, die es sonst eher hektisch, schnell und reißerisch bevorzugen. Genau dieses Publikum setzt daher mal aus und wartet besser auf den nächsten hier vorgestellten Horrorschocker, denn BAJO LA ROSA sollte ausschließlich von interessierten und aufgeschlossenen Filmfan gesehen werden.
 
 
 


 
 
 

BAJO LA ROSA – Zensur

 
 
 
Schockieren und das ohne Gewalt? BAJO LA ROSA ist so ein Film, der kaum Schauwerte zu bieten hat. Das dialoglastige Schockwerk hat nur wenige Szenen zu bieten, die Lebenssaft zeigen. Zähne werden gezogen, sexuelle Erniedrigung ist Teil einer Szene und ein Protagonist verliert sein Geschlechtsteil. Wer aber jetzt glaubt, dass die Kamera die Gewalt reißerisch einfängt, irrt gewaltig. Die blendet weg, wenn es für Fans deftiger Gewaltszenen interessant wird. So vernimmt man nur Wimmern und Geschrei, während die Grausamkeiten ihren Lauf nehmen. Dabei fokussiert die Kamera die Gesichter der Betroffenen, was das Kopfkino des Zuschauers ankurbelt. Ein perfider aber auch genialer Schachzug, denn gerade durch diese Minimalisierung wirkt Gezeigtes doppelt so hart. Man darf – gerade wegen der polarisierenden Handlung – von einer Erwachsenenfreigabe ausgehen.
 
 
 


 
 
 

BAJO LA ROSA – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei JRS FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Funny Games (1997)
 
Kidnapped (2010)
 
Hate Crime (2013)