Filmreview: „House of Dust“ (2013)

house-of-dust-2013
 
 
 

HOUSE OF DUST

Story

 
 
 
Einige Teenager verschaffen sich unerlaubten Zutritt in eine verlassene Psychiatrie und ziehen die Aufmerksamkeit eines rachsüchtigen Geistes auf sich …
 
 
 


 
 
 

HOUSE OF DUST – Kritik

 
 
 
Die atmosphärischen Low-Budget-Grusler der 70er und 80er waren’s, die Regisseur A.D.CALVO nachhaltig geprägt haben. Insbesondere jene Filme in denen Zombies und Geister die Leinwand bevölkerten und die Toten in die Welt der Lebenden zurückkehren durften. Besonderen Eindruck hinterließen jedoch Streifen wie THE CHANGELING, THE SHINING und LET’S SCRAE JESSICA TO DEATH, die weniger durch Splatter glänzten, sondern das klassische Schauern zum Mittelpunkt machten. Nach einigen Kurzfilmen macht CALVO nun auch vermehrt Langfilme und hat sich, was für eine Überraschung, im Horror-Genre festgefahren. Nach ersten Gehversuchen mit THE MELANCHOLOY FANTASTIC und THE MIDGNIGHT GAME (beide warten immer noch auf eine deutsche Auswertung) verschlägt es den Filmemacher nun mit HOUSE OF DUST in die Welt der Geister und setzt auf Zutaten, die all den Lieblingsfilmen aus seiner Kindheit zum Erfolg verholfen haben. Mehr subtiler Grusel, weniger schaufreudiges Gemetzel – so die Devise, die CALVO mit seinem Irrenhaus-Horror verfolgt. Inspiration hat ihm ein Artikel aus der NEW YORK TIMES geliefert, wo von einem Abriss einer alten psychiatrischen Klinik in Oregon berichtet wurde in deren Keller man eine immense Sammlung Kupferblechbüchsen fand. Die provisorisch in Urnen umfunktionierten Dosen enthielten die Asche der verstorbenen Psychiatriepatienten, welche im hauseigenen Krematorium verbrannt wurden. Allein die Vorstellung einer der Behälter würde in Folge des Abrisses zu Schaden kommen und die Asche eingeatmet werden, verursachte in CALVO derart Gänsehaut, dass er sich an den Schreibtisch setzte, um am ersten Drehbuchentwurf zu HOUSE OF DUST zu kritzeln. Das Resultat wird aber leider nicht einmal ansatzweise dem gerecht, was CALVO in der Jugend schlaflose Nächte bereitet hat. HOUSE OF DUST ist so mit das Überflüssigste, was die Horrorwelt in der letzten Zeit erlebt hat, denn vom gewollt unheimlichen Gruselvergnügen ist weit und breit keine Spur.
 
Es geht um einige College-Kids, die mal wieder den Warnungen trotzen und auf Erkundungstour in eine verlassene Irrenanstalt gehen. Das Gebäude besitzt eine grauenvolle Vergangenheit und wurde selbstverständlich nicht grundlos geschlossen. Ein Arzt wurde dort auf gar grausige Weise aus dem Leben gerissen, der an seinen Patienten unethische Experimente durchgeführt hat. Bei ihren Schnüffeleien stoßen die neugierigen Teenager auf ein Regal mit geheimnisvollen Behältern in deren Inhalt sie die Asche verbrannter Patienten finden, die im klinikeigenem Krematorium eingeäschert wurden. In ihrer Unachtsamkeit stoßen die Studenten eine Urne aus dem Regal und reißen so die dunkle Seele des besonders wütenden Insassen Levius (JOHN LEE AMES) aus dem wohlverdienten Schlaf, der sich gleich den Körpern der ahnungslosen Eindringlinge bemächtigt und allerhand Unheil auf dem Campus anrichtet. Emma (INBAR LAVI) hat den sechsten Sinn und wittert das Unheil. Sie war selbst einmal Insassin einer psychiatrischen Anstalt und schluckt nun Medikamente, um nicht wieder seltsame Stimmen hören zu müssen. Die introvertierte Schülerin riecht schon bald die Lunte und merkt, dass mit ihren Mitschülern etwas nicht ganz richtig läuft. Als dann auch noch unbeliebte Studenten verschwinden, ergreift Emma Initiative und geht dem Spuk auf den Grund.
 
Geister, die durch verlassene Krankenhäuser und Psychiatrien spuken, scheinen mittlerweile in Mode zu sein. Der Überraschungserfolg GRAVE ENCOUNTERS und dessen Fortsetzung haben trotz Found-Footage-Zutat bewiesen, dass es nicht immer nur knarrende Türen und dunkle Flure alter Herrenhäuser sein müssen, die Unbehagen verursachen. Auch leerstehende Sanatorien mit finsterer Vergangenheit können mit ihren modrigen Operationssälen und vergilbten Gummizellen reichlich Gänsehaut entstehen lassen, vorausgesetzt ein Macher lehrt das Fürchten, der Meister seines Faches ist. So rein gar nicht meisterlich ist HOUSE OF DUST geworden, der nicht nur mit einer überraschungsarmen Handlung quält, sondern kaum Gruselfeeling zu bieten hat. Regisseur A.D.CALVO hat hier eine Schlafpille vor dem Herren gedreht, der es nicht ein einziges Mal gelingt dem Filmfan so etwas wie Schauer einzujagen. Stattdessen gibt es lapidaren Horror von der Stange, der eher rasches Einschlafen garantiert, als packend zu unterhalten. Ex-Psychiatriepatientin und Heldin Emma hört schon bald Stimmen und vermutet, dass die verschrieben Medikamente gegen Wahnvorstellungen nicht mehr wirken wollen. Da passieren komisch Dinge und die verunsicherte Protagonistin scheint den Verstand zu verlieren. Auch der Zuschauer wird reichlich verwirrt, kommt aber bald dahinter, dass hier ein Geist sein Unwesen treibt, der in die Körper aller Beteiligten schlüpft, um grausigen Schabernack zu veranstalten. Das liest sich zwar erfrischend kurzweilig, wurde aber in der Praxis quälend zäh umgesetzt. Um das behäbige Treiben aufzuwerten darf zumindest Emma-Darstellerin INBAR LAVI in sexy Outfits schlüpfen, so dass männliche Zuschauer immerhin einige hübsch verpackte Rundungen zu sehen bekommen. Für eine durchschnittliche Bewertung hat’s dennoch nicht gereicht, auch wenn HOUSE OF DUST in der letzten Szene Gas gibt und etwas Nervenkitzel zu bieten hat. Der dürfte vermutlich ohnehin zu spät über die Mattscheibe flimmern, denn bei so ereignislosem Grusel dürften die meisten Horrorfans schon nach nur wenigen Minuten abgeschalten haben.
 
 
 


 
 
 

HOUSE OF DUST – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Solider Grusel-Nachschub für Fans unheimlicher Geisterfilme mit blutigem Auftakt und nettem Finale. Vier (!) Autoren (darunter der Regisseur selbst) haben am mageren Drehbuch zu HOUSE OF DUST geschrieben; dennoch scheint keinem von ihnen etwas Gescheites eingefallen zu sein. Der Film hat mit permanenter Ideenarmut zu kämpfen und hält sich mit dem Köcheln von Altbewährtem über Wasser. Es werden bekannte Geisterklischees abgeklappert und unsympathische Teenager verschwinden ganz unauffällig von der Bildfläche. Seltsamerweise hat Regisseur A.D.CALVO nicht nur gänzlich auf grafische Gewalt verzichtet, sondern auch den Gruselfaktor aus HOUSE OF DUST gestrichen. Für einen Spukfilm fatal, leben doch derart Filme von atmosphärisch ausgeleuchteten Kulissen, Gänsehautmomenten und deftigen Schockmomenten, die dem Zuschauer das Blut in den Adern gefrieren lassen. Jene Zutaten sucht man in HOUSE OF DUST vergebens, stößt dafür aber auf knapp 90 Minuten Langeweile, die zum vorzeitigen Abschalten animieren. Da fragt man sich doch glatt, was Anbieter ANCHOR BAY bewegt hat, diesen Quatsch zu vertreiben. Dessen Kutter segelt nämlich zu Beginn durchs Bild und wird eigentlich eher mit guten Filmen in Verbindung gebracht. Bei einem derart missglückten Gruselausflug kann man nur hoffen, dass Regisseur A.D.CALVO seine Pläne nicht in die Tat umsetzen wird. Denn glaubt man den Interviews, würde er gern ein Prequel zu HOUSE OF DUST drehen – um Gottes Willen!
 
 
 


 
 
 

HOUSE OF DUST – Zensur

 
 
 
HOUSE OF DUST ist nicht nur ein ziemlich lahmer Vertreter des Genres, sondern auch ein sehr blutarmer. Am Anfang bekommt ein Arzt einen Bohrer in den Kopf gerammt und einige Experimente an hilflosen Patienten gibt es ebenfall zu bestaunen. Danach ist Schluss mit lustig und der Film plätschert überraschungsarm daher. Gewalt gibt es leider kaum zu sehen, was HOUSE OF DUST eine ungeschnittene FSK16 bescheren dürfte.
 
 
 


 
 
 

HOUSE OF DUST – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Grave Encounters 2 (2013)
 
Sanitarium (2013)
 
Grave Encounters (2011)

Filmreview: „Underground – Tödliche Bestien“ (2011)

Underground-Tödliche-Bestien-2011
 
 
 

UNDERGROUND – TÖDLICHE BESTIEN

(GATES OF HELL – UNDERGROUND)

Story

 
 
 
Stress während einer Rave-Party: Eine Gruppe Freunde gerät an eine aggressive Straßengang und flüchtet in ein merkwürdiges Tunnelsystem unter der Lokalität. Leider führt die Suche nach einem alternativen Ausgang zu keinem Erfolg, denn bevor überhaupt einer der Freunde das Tageslicht erblicken wird, gilt es den Kampf mit einigen Mutanten aufzunehmen, die in dem komplexen Labyrinth mit leeren Mägen auf die Kids lauern …
 
 
 


 
 
 

UNDERGROUND – Kritik

 
 
 
Man nehme eine handvoll prallbrüstiger Mädels, schütte sie zusammen mit einer Scharr sexy Knaben in einen Topf und würze das ganze mit seltsam deformierten und menschenfleischgeilen Mutanten. Fertig ist UNDERGROUND – TÖDLICHE BESTIEN (in Deutschland neuerdings auch als GATES OF HELL – UNDERGROUND zweitvermarktet) – ein neuer Hochglanzschocker der in seiner Machart stark an den Franka Potente U-Bahn-Horror CREEP aus dem Jahre 2004 erinnert. Um es vorwegzunehmen: UNDERGROUND rockt, keine Frage. Die Inszenierung ist hochwertig und kann als gelungen bezeichnet werden. Regisseur RAFAEL EISENMANN weiß, wie er Horrorfans zufrieden stellen muss. Er führt den Zuschauer in ein düsteres Tunnelsystem, wo ein erbitterter Kampf zwischen Kreatur und Mensch seinen Lauf nehmen wird, an dessen Ende selbstverständlich geistfrei gesplattert werden darf und das nicht gerade wenig. Das Tunnel-Setting ist durchaus stimmig entworfen und beliebte MTV-Videoclip-Ästhetik gefällt durch makellose Optik. Was will der Horrorfan denn mehr?
 
Licht, denn das ist in diesem kleinen Independent-Schocker Mangelware. Ganz zum Leidwesen des horrorerprobten Zuschauers, der dem Geschehen bis auf wenige Ausnahmen, nur leidlich folgen kann, erkennt er in der schlecht ausgeleuchteten Umgebung doch kaum, was da eigentlich auf der Mattscheibe passiert. Stimmung kommt dennoch auf. Gerade dann, wenn entstellte Mutanten zum fröhlichen Abendschmaus laden hat UNDERGROUND – TÖDLICHE BESTIEN seine Momente, wird doch mit blutigen Raffinessen nicht gespart. Großes Lob gilt dabei den Make-up-Künstlern, die beim CREEP-Design hervorragende Arbeit geleistet haben. Die Wesen schauen reichlich grotesk aus und es bereitet Laune den Dingern bei der Suche nach Abendbrot beizuwohnen. Natürlich folgt auch dieser Film den klassischen Horrorregeln. So werden die geistig umnebelten und schablonenhaft skizzierten Kids nach bekanntem Negerlein-Schema um die Ecke gebracht.
 
Leider macht EISENMANN den Fehler und zeigt seine Gestalten zu zeitig. Mit dem Erscheinen der Kreaturen erhält auch der Spannungsbogen einen Dämpfer. Demnach konzentriert sich der Streifen auf das immerhin temporeiche Jagen seiner neunmalklugen Protagonisten, die für einen Slasher mal wieder wenig bedacht handeln. Um Defizite im Drehbuch zu kaschieren wurde der Hetz-Gimmick eingebaut. Immer dann, wenn UNDERGROUND an seine dramaturgischen Grenzen stößt, werden hektische Hetzjagen eingestreut, die kaum Zeit zum Nachdenken ermöglichen. So wird der Zuschauer stets bei Laune gehalten und bemerkt ganz nebenbei erst gar nicht, dass ihm mit UNDERGROUND im Grunde genommen ein arg dünnes Süppchen vorgesetzt wurde. So kriechen „tödlichen Bestien“ aus Wand und Boden und trachten den unvorsichtigen Kids nach dem Leben. Zimperlich geht’s nicht zu Sache, denn die Filmmonster haben sichtlich kein Erbarmen mit ihren menschlichen Opfern. Die werden blutgeil in der Luft zerrissen, damit sich der Zuschauer vor lauter Splatter erst gar nicht mehr an das haarsträubende Ende erinnern kann. Über Letzteres hüllen wir lieber den Mantel des Schweigens, denn Logiklöcher gibt es in UNDERGROUND – TÖDLICHE BESTIEN jede Menge.
 
Trotzdem; auch wenn UNDERGROUND kein geistreicher und intelligenter Film ist, bietet er kurzweilige Unterhaltung für verregnete Tage auf der Couch. Nicht mehr und auch nicht weniger.

 
 
 


 
 
 

UNDERGROUND – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein finsterer Mix aus CREEP und THE DESCENT nur ohne Story, dafür mit reichlich Monstern und Splatter. Hirn aus, TV-Bildschirmhelligkeitsregler auf Turbo dazu Chips und Bier. So lässt es sich leben.
 
 
 


 
 
 

UNDERGROUND – Zensur

 
 
 
UNDERGROUND – TÖDLICHES BESTIEN erhielt den roten FSK-Stempel und ist demnach erst für Volljährige geignet. Der Streifen besitzt die Einstufung: KEINE JUGENDFREIGABE. Aufgrund einiger Splatter-Momente ist die Freigabe gerechtfertigt.
 
 
 


 
 
 

UNDERGROUND – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Schröder Media / Mig Filmgroup (Erstauflage)

 
 
 
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(c) Savoy Film / Intergroove Media (Zweitauflage)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Undergrounds; USA 2011

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailershow, Trailer

Release-Termin: 23.02.2012 (Erstauflage) – 06.06.2014 (Zweitauflage)

 
 
 
UNDERGROUND – TÖDLICHE BESTIEN ist in Deutschland unter zwei verschiedenen Titeln auf Heimkinomedium erhältlich. Während der Streifen bereits im Jahr 2012 auf DVD und Blu-ray Disc unter seinem richtigen Namen veröffentlicht wurde, erhielt der Slasher im Jahr 2014 einen Re-Release und zwar unter dem Titel GATES OF HELL – UNDERGROUND. Hier sollte man sich nicht hinters Licht führen lassen. Der Inhalt ist identisch mit der Erstveröffentlichung. Nur das Cover wurde ausgetauscht.
 
 
 

Underground – Tödliche Bestien [Blu-ray] – Erstauflage auf AMAZON kaufen

 

Gates To Hell [Blu-ray] – Zweitauflage auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

UNDERGROUND – Trailer

 
 
 


 
 

Hellraiser80/ Marcel Demuth

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
The Underneath (2013)
 
Beyond the Darkness (2014)
 
Creep (2004)