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Beiträge mit Schlagwort “Indie-Horror 2016

Filmkritik: „The Creature Below“ (2016)

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THE CREATURE BELOW

Story

 
 
 

Eine Meeresbiologin macht Bekanntschaft mit einem seltsamen Wesen aus dem Meer, das sie im heimischen Keller großzieht. Mit fatalen Folgen.

 
 
 


 
 
 

THE CREATURE BELOW – Kritik

 
 
 
Nicht alles was günstig ist, muss zwangsläufig auch gleich schlecht sein. Low-Budget-Horror eilt in der Regel seinem Ruf voraus, was aber oftmals ungerechtfertigt ist, denn die Vergangenheit hat gezeigt, dass man auch mit überschaubarem Budget sehenswerte Grusler inszenieren kann. THE CREATURE BELOW ist so ein Kandidat, der auf den ersten Blick einen unnötigen Zeiträuber vermuten lässt. Der Trailer zeigt schlechte Computereffekte, die man sonst eigentlich in Produktionen der Trash-Schmieden THE ASYLUM zelebriert und auch das reißerische Plakat zum Film erinnert eher an grauenhaften B-Movie-Trash aus dem Hause SYFY. Doch wer nicht voreingenommen ist, könnte positiv überrascht werden, denn THE CREATURE BELOW verblüfft mit stimmungsvoller Kreaturen-Gruselei, wie man sie gern mal in den 1980ern zu sehen bekommen hat. Zudem hagelt es auch noch Umweltbotschaft – wenngleich eher subtil. Mut soll belohnt werden und den hat dieser britische Horror-Indie zweifelsohne. Der gruselt mit Old-School-Horror und ist darin gar nicht mal so untalentiert. Da schaut man doch gern über kleine Schwächen hinweg, die eben auf Budgetmangel zurückzuführen sind.
 
 
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Meeresbiologin Olive Crown (ANNA DAWSON) hat offenbar keinen guten Tag. Bei einem Tauchgang in den Tiefen des Atlantischen Ozeans macht die Forscherin Bekanntschaft mit einer mysteriösen Wasserkreatur, die ihr Leben verändern wird. Doch kaum gesehen, verliert die Frau das Bewusstsein und muss von der Crew an Bord geholt werden. Weil jegliches Tauchequipment nun auf dem Meeresboden sein Dasein fristet und Olive keinen blassen Schimmer hat, was ihr da im Wasser zugestoßen ist, verliert sie ihren Job und wird nach Hause geschickt. Doch die Wissenschaftlerin findet im Taucherhelm ein seltsames Ei, was sie heimlich aus dem Labor schleust und im Keller der eigenen vier Wände ausbrütet. Was da schlüpft, überrascht nicht. Ein krakenähnliches Wesen macht es sich einem Aquarium bequem und will gefüttert werden. Doch mit Plankton oder Meeresgetier will sich die Kreatur nicht zufriedengeben. Es ist menschliches Blut, was dem Meeresbewohner offenbar zu schmecken scheint, weshalb sich die Biologin überlegen muss, wie sie an den Lebenssaft kommt. Doch je mehr sich Olive mit dem Wesen beschädigt, umso stärker werden die Muttergefühle. Dass da die Katastrophe nicht weit ist, dürfte wohl jeder Leser rasch erahnen.
 
 
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Handgemachter Glibber und Krakenmonster aus Gummi. Die Effekte in THE CREATURE BELOW sind simpel, dafür aber wirkungsvoll. Regisseur STEWART SPARKE bewirkt mit schlecht ausgeleuchteter Kulisse und dreckig-farblosem Look schnell eine Aura der Bedrohlichkeit, die ein merklich ungutes Magengefühl entstehen lässt. Doch das minimalistisch ausgeleuchtete Szenario hat noch andere Vorteile zu bieten. Wegen Mangel an Licht schaut die Filmkreatur weitaus furchterregender aus, als sie letztendlich ist. Da bekommt der Zuschauer mal ein Krakenbein zu Gesicht oder die Kamera zoomt so stark heran, dass nur ein Monsterauge zu sehen ist. Weil es dem Set an Licht mangelt, fällt so schnell gar nicht auf, dass die Filmkreatur mit einfachsten Mitteln gebaut wurde. Ein raffinierter Taschenspielertrick, der gern in Low-Budget-Produktionen Verwendung findet, um Illusionen vorzugaukeln. Im Falle von THE CREATURE BELOW eine gut funktionierende Prämisse, die den Film nach deutlich mehr aussehen lässt, als er letztendlich gekostet hat. Demzufolge sollte man sich nicht von den missratenen Computereffekten zu Beginn des Streifens blenden lassen. Horrorfan und Filmemacher STEWART SPARKE hat hier eine Lovecraft’sche Symbiose aus BASKET CASE und HELLRAISER mit zynischem Ausgang geschaffen, die – gerade wegen ihrer boshaften Art – an die Folgen der beliebten GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Serie erinnert. Wer eine Vorliebe für handgemachtes Monsterkino besitzt sollte diesem kleinen Creature-Feature daher unbedingt eine Chance geben. Die hat dieser kleinen Grusel-Indie nämlich definitiv verdient.
 
 
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THE CREATURE BELOW – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein düsterer Grusel-Mix aus BASKET CASE und HELLRAISER mit einer Prise H.P.LOVECRAFT. THE CREATURE BELOW stand zwar nicht viel Budget zu Verfügung. Dafür wurde trotzdem genug Herzblut investiert, weshalb der Streifen weit mehr taugt, als die meisten B-Movies neueren Datums. Das Creature-Feature sticht mit ungeschliffenem Indie-Look hervor und zitiert gut und gerne. Darunter Altmeister wie FRANK HENENLOTTER oder JOHN CARPENTER. Letzterer stand hier wohl für den Soundtrack Pate, denn THE CREATURE BELOW erinnert mit seinem monotonen Bass-Grummeln an die Werke des erwähnten Kult-Regisseurs. In Interviews mit der Presse erklärte THE CREATURE BELOW-Filmemacher STEWART SPARKE, dass er eine Leidenschaft für Horrorfilme besitzt, die von starken Frauen getragen werden. So zählte er Filme wie THE SHALLOWS, YOU’RE NEXT, THE BABADOOK und UNDER THE SKIN auf, in denen Frauen nicht von Männern gerettet werden mussten, sondern sich selbst zu helfen wussten. Demzufolge verwundert es nicht, dass die Vorliebe für Frauenpower auch im ersten Langfilm Verwendung findet. So macht es THE CREATURE BELOW genannten Filmen gleich und lässt eine selbstbewusste ANNA DAWSON zur aggressiven Furie mutieren, die im unfreiwilligen Mutter-Wahn den Verstand verliert. Übrigens outete sich Regisseur STEWART SPARKE – wen wundert’s – als großer Fan des Schriftstellers H.P.LOVECRAFT. Mit dessen Büchern kam er zwar erst vor einigen Jahren in Berührung. Diese hatten ihn aber derart fasziniert, dass er die Werke nach eigener Aussage regelrecht verschlungen hat. So kommt es nicht von ungefähr, dass sich THE CREATURE BELOW anfühlt, als würde man ins Lovecraft’sche Albtraum-Universum eintauchen. Wer es ungeschliffen mag, sollte unbedingt einen Blick wagen. Puristen, Erbsenzähler und Fans makelloser Hollywood-Blockbuster werden mit diesem Low-Budget-Horror dagegen wohl gar nichts anfangen können.
 
 
 


 
 
 

THE CREATURE BELOW – Zensur

 
 
 
Gewalt hat THE CREATURE BELOW kaum zu bieten. Einige Protagonisten werden an das Wesen verfüttert. Aber die Kamera blendet weg, wenn das Monster zuschlägt. Man darf davon ausgehen, dass dieses Creature-Feature eine FSK16 erhalten wird – insofern sich überhaupt ein Filmlabel traut diesen kleinen Indie hierzulande zu veröffentlichen.
 
 
 


 
 
 

THE CREATURE BELOW – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Abbildungen liegen bei Dark Rift Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
H.P. Lovecrafts Necronomicon (1994)
 
Dagon (2001)
 
Basket Case – Der unheimliche Zwilling (1982)
 


Filmkritik: „Harvest Lake“ (2016)

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HARVEST LAKE

Story

 
 
 

Eine Geburtstagsfeier läuft aus dem Ruder. Ben will mit Freundin und Kumpels den 26. Jahrestag in einer Hütte am See feiern. Leider werden die Freunde bald zu hilflosen Geiseln ihrer eigenen Triebe. Irgendwas im Wald scheint ihre Lust fremdzusteuern. Doch wer oder was ist dieser gemeine Übeltäter?

 
 
 


 
 
 

HARVEST LAKE – Kritik

 
 
 
In HELLRAISER hat man’s getan, in IT FOLLOWS gehörte es dazu und in den Filmen von DAVID CRONENBERG ist es sowieso Programm. Wer im Filmbusiness polarisieren und prägenden Eindruck hinterlassen will, kombiniert einfach Sex und Horror, damit Filmfans was zu sehen bekommen und sich prüde Sittenwächter dran abarbeiten können. Mit letzteren steht der Regisseur des folgenden Streifens bereits auf Kriegsfuß. Horror-Newcomer SCOTT SCHIRMER bekam mit dem Coming-of-Age-Film FOUND – MEIN BRUDER IST EIN SERIENKILLER in einigen Ländern erhebliche Probleme. Darin vermischte er recht unverfroren Sexualität mit Gewalt und stieß vor allem bei den besorgten Zensurbehörden auf Ungnade, die rigoros Schnitte forderten. Was jedoch zum Schutze der Jugend wohlwollend in Kauf genommen wurde, entwickelte sich zu unfreiwilliger PR. Der Film machte gerade wegen der Zensurproblematik müde Horrorfans munter und erhielt zudem auf Festivals gute Kritiken, so dass die Filmrechte schnell in viele Länder verkauft werden konnten. Vier Jahre sind seither vergangen und SCOTT SCHIRMER scheint sich bewusst viel Zeit für seinen nächsten Streich gelassen zu haben, mit dem er wohl nun beweisen möchte, dass FOUND keine Eintagsfliege gewesen ist. HARVEST LAKE nennt sich der Nachfolger, der zweifelsohne zu den ungewöhnlichsten und bizarrsten Genrebeiträgen gehört, die das Filmjahr 2016 bisher hervorgebracht hat. Der Grund hierfür ist einfach erklärt. Schirmer vermischt abermals Sex mit Horror, entführt den Zuschauer aber diesmal in surreale Sphären, die HARVEST LAKE vor allem für jene Filmfreunde interessant machen dürfte, denen es im Horrorkino nicht absurd und ausgefallen genug zugehen kann.
 
 
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Eine erotische Reise in den Wald der Triebe und Lüste. Was in HARVEST LAKE passiert, hat man wohl bisher so noch nicht auf der Mattscheibe gesehen. Hier fahren einige Mittzwanziger (darunter ELLIE CHURCH aus HEADLESS) in die Wälder, um in einer einsam gelegenen Hütte den Geburtstag einer der Anwesenden zu feiern. Nach anfänglichen Plaudereien und Bädern im See passiert ganz Sonderbares. Sexuelle Energie wird entfacht und die Freunden überkommt es. Während die Hemmungen fallen und sich die kleine Gruppe der Fleischeslust hingibt, wachsen im Wald seltsame Pflanzen. Phallusförmige Gebilde, an Schamlippen erinnernde Pilze und busen-gleiche Blüten durchziehen das Dickicht und scheinen die Sinne der fünf Kumpels zu vernebeln. Die lassen ihrer sexuellen Lust freien Lauf ohne zu ahnen, dass sie dadurch unfreiwillig Teil eines fremdartigen Lebenszyklus werden.
 
 
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Es ist schwer in Worte zu fassen, was sich Regisseur SCOTT SCHIRMER da hat einfallen lassen. Irgendwo zwischen DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN (die 1978er-Adaption) und Cronenbergs SHIVERS reiht der Macher sinnliche Bilder von Menschen beim Geschlechtsakt aneinander, die von einer nicht näher erläuterten Macht manipuliert, gesteuert und für die eigenen Zwecke missbraucht werden. Was sich surreal liest und vermutlich einen tieferen Sinn beherbergt, ist auch definitiv surreal, hat aber laut Schirmer keine besonders tiefgründige oder doppelbödige Aussage. Der Regisseur wollte einfach nur einen abgefahrenen Genrefilm mit viel Sex drehen, dessen Skript er zusammen mit seinem Kollegen und Freund BRIAN K. WILLIAMS verfasst hat. Die beiden hatten schon immer mal vor gemeinsam einen Film zu drehen. Leider fehlte für das Vorhaben stets die Zeit. Als die beiden einige Tage frei hatten, nahm man die Gelegenheit beim Schopfe und steckte die Köpfe zusammen. Einige Gespräche später entstand die Idee zu HARVEST LAKE, der anfangs eigentlich eher in Richtung Sexkomödie im Stil des Teenager-Klamauks PORKY’S gehen und sich im Verlauf zur Spielfilmversion von DEEP DWELLERS (ein Kurzfilm im Vorgängerfilm FOUND) entwickeln sollte. Letztendlich entschied man sich dann doch für einen ernsten Film und schlug die Science-Fiction-Schauerrichtung ein, um den Genreanspruch zu bewahren. Gott sei Dank.
 
 
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Laut Interviews in der Fachpresse ist Schirmer ein großer Fan von Monster-Filmen und erwähnt im gleichen Atemzug einen Horror-Schlocker der späten 1980er: DAS HALLOWEEN MONSTER. Dass es demzufolge am Ende von HARVEST LAKE ebenso ein handgemachtes Monster zu bestaunen gibt, verwundert da wenig. Leider hält sich der Regisseur trotz Plauderlaune in Interviews darüber bedeckt, was die groteske Kreatur im Film denn nun eigentlich genau darstellen soll. Handelt es sich hier um Pflanzen des Waldes, die den Menschen – ähnlich wie Bienen – nutzen, um befruchtet zu werden oder haust in den Wäldern außerirdisches Leben, das menschlichen Samen zu Fortpflanzung benötigt. In HARVEST LAKE wird die Phantasie des Zuschauers gefordert, denn der surreale Bilderrausch bleibt Antworten schuldig. Nichtsdestotrotz ist Schirmers Film nicht übel – man muss sich auf das sonderbare Filmerlebnis einlassen, denn handwerklich wurde die Indie-Produktion trotz kleinem Budget tadellos inszeniert. Die Schauspieler sind gut gewählt, sympathisch und dürfen sich sogar charakterlich entwickeln. Ein geradezu hypnotischer Score brennt sich in den Kopf des Zuschauers ein und unterstreicht die erotische Anziehungskraft der im wahrsten Sinne Lust-vollen Bilder, die über Kinoleinwand oder Mattscheibe flimmern. Wer demzufolge Filme fernab des Kommerzes sucht, darf sich diesen ungewöhnlichen und hochinteressanten Genrebeitrag nicht entgehen lassen. Leider hat Macher SCOTT SCHIRMER damit die Messlatte für den nächsten Film selbst weit nach oben gesetzt. Ob er FOUND und HARVEST LAKE übertreffen kann, bleibt abzuwarten.
 
 
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HARVEST LAKE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein bizarrer Genre-Mix aus DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN und David Cronenbergs SHIVERS, der nicht ungesehen bleiben sollte. HARVEST LAKE ist ein erotisch-surrealer Bilderrausch, der Seinesgleichen sucht und mit nichts zu vergleichen ist. FOUND-Regisseur SCOTT SCHIRMER hat sich hier nach eigener Aussage von Filmen wie Zulawskis POSSESSION, Yuznas SOCIETY aber auch vom atmosphärischen australischen Klassiker PICKNICK AM VALENTINSTAG inspirieren lassen und macht Ur-Instinkte sowie Ur-Ängste zum Thema. HARVEST Lake schildert, wie abhängig doch der Mensch von seinen Trieben ist. Sind die einmal angeworfen und außer Kontrolle, hat man mit der Menschheit einfaches Spiel. So werden im Film Menschen zu willenlosen Sklaven umfunktioniert, die am Ende ein Dasein wie die Tiere des Waldes fristen müssen (dürfen?), weil eine nicht näher erklärte Macht weiß, wie sie die Sinne von Mann und Frau beflügeln muss. Einmal vom Nektar der Liebe gekostet, ist der Mensch willenlos und sitzt in der Venusfalle. Umso erschreckender, was ein Cocktail aus Verlangen, Lust und Liebe mit unseren Köpfen anstellt. Fließt das Gebräu erst mal durch unsere Venen, macht es uns zu Gefangenen der eigenen Triebe. Beängstigend irgendwie.
 
 
 


 
 
 

HARVEST LAKE – Zensur

 
 
 
In HARVEST LAKE gibt es keine Gewalt zu sehen. Würden im Film nicht hin und wieder einige Erotikszenen über die Mattscheibe flimmern, wäre der Streifen ein sicherer FSK12-Kandidat. Vermutlich wird er den blauen FSK-Flatschen wegen einiger freizügigen Szenen erhalten und dürfte so frei für Jugendliche ab 16 Jahren sein.
 
 
 


 
 
 

HARVEST LAKE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Forbidden Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Körperfresser kommen (1978)

Body Snatchers (1993)

Society (1989)

Shivers (1975)

Honeymoon (2014)


Filmkritik: „Bleed“ (2016)

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BLEED

Story

 
 
 

Sechs Freunde erleben den Horror ihres Lebens. Während einer kleinen Feier unter Freunden kommt man auf die Idee, unheimlichen Legenden eines verlassenen Gefängnisses genauer unter die Lupe zu nehmen. Wer schon einige Horrorfilme gesehen hat wird wissen, dass das kein gutes Ende nehmen wird.

 
 
 


 
 
 

BLEED – Kritik

 
 
 
Eigentlich hätte für Sarah (CHELSEY CRISP) und Ehemann Matt (MICHAEL STEGER) alles so schön werden können. Die beiden erwarten ein Baby und beziehen ein neues Haus irgendwo fernab der Großstadthektik, wo ein neues Leben für die noch junge Familie beginnen soll. Um den Anlass feiern zu können, werden Freunde und Sarahs Bruder Eric (RILEY SMITH aus GALLOWWALKERS) übers Wochenende ins neue Heim eingeladen. Letzterer ist ein Draufgänger und Frauenheld, der irgendwie nichts auf die Reihe bekommen will und sich bei der großen Schwester erstmal Geld leihen muss, um überhaupt über die Runden zu kommen. Wie es sich für einen Horrorfilm gehört, werden die Geschehnisse bald eine gruselige Wendung nehmen. Einer der Freunde berichtet von schaurigen Geschichten, die sich um die Gegend ranken. So soll sich in einem Gefängnis ganz in der Nähe Unheimliches ereignet haben. Serienkiller und Kannibale Kane (RAJINDER KALA) soll dort inhaftiert und bei einem Feuer ums Leben gekommen sein. Weil Neugierde größer ist als Verstand, macht sich die Gruppe auf, um den leerstehenden Gebäudekomplex genauer zu erforschen. Wie immer in solchen Filmen ein fataler Fehler, den die naiven Freunde mit dem Leben bezahlen müssen.
 
 
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Wenn sich Horrorfilme nicht ins Gedächtnis einbrennen wollen, hat der Regisseur wohl sein Ziel verfehlt. BLEED (Arbeitstitel war THE CIRCLE bzw. THE HARVESTING) ist einer dieser Filme, die krampfhaft darum bemüht sind anders zu sein, aber es letztendlich trotzdem nicht schaffen, das Interesse des Zuschauers für sich zu gewinnen. Regie-Newcomer TRIPP RHAME hat viele Ideen gesammelt. Das ist eigentlich löblich, denn Neuerungen werden gern in einem Genre gesehen, dem offensichtlich nichts Neues mehr einfallen möchte. Leider ist BLEED förmlich zugemüllt mit zahlreiche Nebenhandlungen und Gedankenblitzen, dass schnell der Überblick verloren geht. TRIPP RHAME erzählt im Spielfilmdebüt von unerklärlichen Phänomenen, einem übernatürlichen Mörder und ominösen Hinterwäldlern, die eine Leidenschaft fürs Okkulte besitzen. Das Fatale: BLEED ist für die Fülle an Informationen einfach zu kurz geraten, so dass kaum einer der diversen Handlungsstränge zufriedenstellend und plausibel abgehandelt werden kann. Das hat am Ende der Macher wohl selbst gemerkt und macht von Taschenspielertricks Gebrauch. Fiese Schreckmomenten und nicht immer überzeugende Spezialeffekte sollen von der konfusen Handlung ablenken und dafür sorgen, dass der Zuschauer keine unbequemen Fragen stellt. Das funktioniert anfangs ganz gut. Doch je näher sich BLEED dem Ende nähert, umso gravierender werden Logiklücken, die sich auch nicht mehr mit kostengünstigen CGI-Effekten verschleiern lassen.
 
 
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BLEED ist kein nennenswerter Horror-Indie. Der Streifen lässt mal wieder Figuren seltsame Dinge tun, an die kein normalsterblicher Mensch denken würde. So bleibt unverständlich, warum Erwachsene ausgerechnet in der Nacht ein verlassenes Gefängnis erkunden und darin sogar noch ein Schäferstündchen halten müssen. Außerdem unklar, wieso einer der Protagonisten die Geisterjagd fortsetzen möchte, nachdem er schwer verletzt wurde und dem Sensenmann noch einmal durch die Lappen gehen konnte. Möchte man in derart Situation nicht besser in einem Krankenhaus versorgt werden? In BLEED rauben ausgelutschte Horrorklischees den letzten Nerv. Das frustriert alteingesessene Horrorfans, die eigentlich Neuerungen im Horrorfilm suchen und sich mit dummen Charakteren und hanebüchenen Hokuspokus auseinandersetzen müssen. Doch das ist noch nicht alles, denn ein verworrener Mix der Subgenres vermasselt den Spannungsbogen, den man in BLEED ohnehin mit der Lupe suchen muss. Was bleibt sind eine Handvoll düstere Momente und ein schaurig geschminkter Bösewicht, der rastlos durch Gefängnisgänge spukt und immerhin für etwas Atmosphäre sorgt. Das allein macht aber noch keinen guten Horrorfilm, denn aufgrund billigem Indie-Looks (der Film hat gerade einmal 550.000 Dollar gekostet) verlieren die meisten gut gemeinten Schauer an Intensität. Demzufolge ist BLEED nur für Allesseher zu empfehlen, die auch jeden Horrorfilm schauen müssen, um mitreden zu können.
 
 
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BLEED – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Große Ziele doch viel zu kleines Budget. Regisseur TRIPP RHAME hat sich in BLEED wohl etwas verzettelt. Der wollte Großes erreichen und hat in seiner Euphorie viel vermasselt. Sein erster Spielfilm ist überladen mit Ideen. BLEED ist ein Mix aus diversen Subgenres und kommt aufgrund der vielen Handlungsstränge ins Taumeln, die leider nur angerissen und oberflächlich zu Ende gebracht werden. So lässt sich nicht so recht einordnen, was BLEED denn nun eigentlich für ein Film ist. Der Streifen streift Spuk, Okkult- und Serienkiller-Genre, macht von minderwertigen Spezialeffekten Gebrauch, verwirrt unnötig und hält den Zuschauer mit unglaubwürdig handelnden Protagonisten für dumm. Leider hat Macher TRIPP RHAM nicht mit der List des Publikums gerechnet. Das hat die Macht über die Fernbedienung und schaltet einfach ab, wenn es zu dämlich wird. Im Falle von BLEED wäre das wohl angebracht, denn der Film ist weder spannend, klug noch sonderlich gruselig. Keine guten Voraussetzungen für einen Horrorfilm.
 
 
 


 
 
 

BLEED – Zensur

 
 
 
Am Ende erwacht der Film aus seiner Lethargie und es gibt Mord und Totschlag zu sehen. Neben aufgehängten Körperteilen wird in Köpfe geschossen und Hälse mit spitzem Gegenstand aufgeschlitzt. Klingt brutal, ist es aber nicht sonderlich. Eine FSK16 dürfte ausreichen.
 
 
 


 
 
 

BLEED – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
666 – Paranormal Prison (2013)

Zellblock 11 (2014)

House of Dust (2013)

Driftwood (2006)


Filmkritik: „Deep Dark“ (2015)

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DEEP DARK

Story

 
 
 
Zwischen einem Loch in der Wand und einem talentlosen Künstler (Sean McGrath) entwickelt sich eine etwas andere Liebesbeziehung.

 
 
 


 
 
 

DEEP DARK – Kritik

 
 
 
Es ist immer wieder verblüffend zu sehen, welch mutige Horrorfilme fernab des Massenfilmmarkts gedreht werden. Wo große Filmstudios mit ausreichend Budget die immer gleichen Geschichten nach bekanntem Verlauf herstellen lassen und damit die Hirne nicht sonderlich anspruchsvoller Zuschauer vernebeln, erfreut es umso mehr die alteingesessenen Horrorfans, dass es auch anders geht. Indie-Horror hat 2015 mit originellen Ideen Kritiker überzeugt und Kassen klingeln lassen. So haben Filme wie ICH SEH ICH SEH, WE ARE STILL HERE und SPRING dem allmählich immer geistfreier werdenden Hollywood gezeigt, das es auch dem Publikum von Horrorfilmen nach Neuem dürstet. Originalität ist auch in DEEP DARK Programm. Regie-Newcomer MICHAEL MEDAGLIA kommt dem Wunsch vieler Genre-Fans nach und hat mit seinem Langfilmdebüt eine erfrischende und zugleich surreale Liebesgeschichte in unbequeme Bilder eingefangen, die auf Festivals genug Preise einheimsen konnte, weshalb sie daher auch auf Filmchecker Erwähnung finden soll.
 
 
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Der talentlose Künstler Hermann Haig (SEAN MCGRATH) hat kein einfaches Leben. Nicht nur, dass ihm kreative Gedankenblitze fehlen, um Kunst zu Geld machen zu können. Auch nötige Anerkennung für sein Tun bleibt aus, weshalb er den erfolgreichen Onkel kontaktiert und ihn um Hilfe bittet. Dieser schlägt vor weg vom Nest der Mutter in eines seiner Apartments zu ziehen, damit sich der selbsternannte Kunstexperte dort ungestört seiner Arbeit widmen kann. Leider entpuppt sich die teure Wohnung als heruntergekommene Absteige. Doch Hermann lässt sich nicht entmutigen. Fleißig baut er an Mobiles, um die Inhaberin einer Kunstagentur beeindrucken zu können. Die ist von den Arbeiten des Kunstschaffenden gar nicht begeistert und lässt den Künstler bald an sich selbst zweifeln. Da passiert Sonderbares: aus einem Loch in der Wand seines Apartments rankt ein Faden, an dem sich seltsame Zettelbotschaften befinden. Doch die seltsamen Notizen sind erst der Anfang. Bald dringt eine weibliche Stimme aus der Öffnung, die dem entmutigten Mieter der Wohnung einen Vorschlag unterbreitet. Sie verspricht Talent, Kreativität und Ruhm, wenn Hermann als Gegenleistung mit dem Loch Zeit verbringt. Der willigt ein und entwickelt schnell eine Gier nach Anerkennung. Als die Stimme des Lochs Gefühle für den Künstler entwickelt, überschlagen sich die Ereignisse und eine skurrile Dreiecksbeziehung führt zum Desaster.
 
 
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In einem Interview verriet Macher MICHAEL MEDAGLIA, dass der Grundstein zum Film bereits vor mehreren Jahren gelegt wurde. Zu jener Zeit hatte er Schwierigkeiten eine Balance zwischen beruflicher Karriere und Liebesleben zu finden. So erläuterte Medaglia in Gesprächen mit der Fachpresse, dass jene Szene des späteren Films eine der ersten Ideen des Regisseurs war, in der Filmfigur Herman an Fäden festgeknotete Botschaften aus einem Loch in der Wand zog. Nach einigen Kurzfilmen griff er jene Gedanken erneut auf, schrieb darum eine doppeldeutige Geschichte und entwickelte ein komplettes Drehbuch, das Medaglia dank spendabler Produzenten sogar selbst verfilmen durfte. Entstanden ist dabei nicht nur ein gesellschaftskritisches Filmdebüt über Erfolgssucht und Habgier. Die makabre und metaphernreiche Satire über das zwanghafte und eigennützige Streben nach Ruhm und Anerkennung erntete auf diversen Filmfesten vorwiegend positive Resonanz und dürfte MICHAEL MEDAGLIA manche Tür ins stark umkämpfte Filmgeschäft geöffnet haben. Der lies sich für DEEP DARK übrigens nicht nur von ROMAN POLANSKIES Psycho-Horror DER MIETER begeistern. Auch viele alte Universal-Monsterfilme der 1930er und 1940er lieferten nach Aussage des Regisseurs für das Loch in der Wand Inspiration. Wenn das kein Grund ist, dem ungewöhnlichen und doch sehenswerten DEEP DARK eine Chance zu geben. Der entpuppt sich neben IT FOLLOW und dem zu Unrecht von vielen Horrorfans in der Luft zerrissenem THE BABADOOK als einer der besten Indie-Horrorperlen, die das Jahr 2015 hervorgebracht hat. Nach ideenlosem Fortsetzungs-Horror kommerziell erfolgreicher Gruselfilme, sind solch sonderbare Horrorgeschichten wie DEEP DARK sie erzählt gefragter denn je. Schließlich bleiben die länger im Kopf, als überflüssige Pre- und Sequels von so Horrorstreifen, wie CONJURING, INSIDIOUS und Co.
 
 
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DEEP DARK – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
DEEP DARK ist bizarres Indie-Horrorkino, das man so garantiert noch nicht gesehen hat, schließlich kommt es nicht alle Tage vor – pornografische Filme ausgeschlossen – dass ein Mann mit einem Loch in der Wand eine Beziehung eingeht. Die auf Festivals ausgezeichnete Horrorsatire ist mal wieder auf dem Mist eines Regie-Newcomers gewachsen, der mit seiner ungewöhnlichen und zugleich makabren Geschichte an viele der schwarzhumorigen TALES FROM THE CRYPT-Episoden erinnert. Mit erhobenem Zeigefinger prangert er die Erfolgssucht der heutigen Gesellschaft an, die für Ruhm und Anerkennung sogar über Leichen geht. Dank guter Schauspieler, unerwarteter Wendung und bitterbösem Humor ist so eine etwas andere Liebesgeschichte entstanden, die auf jeden Fall am Ende die Interpretationsgabe des Zuschauers entfacht. DEEP DARK bleibt garantiert länger im Kopf, als manch ausgelutschter Horrorschinken aus Hollywood. Demzufolge meinen wir: Kompliment Herr Medaglia für diese ungewöhnliche Leistung und bitte drehen Sie mehr davon!
 
 
 


 
 
 

DEEP DARK – Zensur

 
 
 
DEEP DARK ist nicht sonderlich brutal. Einem Protagonisten wird der Darm aus dem Körper gezogen. Einem andere Charakter werden die Finger an beiden Händen abgetrennt. Hierzulande wird DEEP DARK demzufolge eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DEEP DARK – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Videodrome (1983)
 
Elmer (1988)