FILMCHECKER – Die Seite im Netz für Horror. ☠☠☠ Kritiken zu den besten Horrorfilmen ☣☣☣ Slasher, Folterfilme, Thriller, Splatterfilme, Gruselfilme.

Beiträge mit Schlagwort “Insel

Filmkritik: „Die geheimnisvolle Insel“ (1961)

die-geheimnisvolle-insel-1961-poster
 
 
 

DIE GEHEIMNISVOLLE INSEL

(MYSTERIOUS ISLAND)

Story

 
 
 
Während des amerikanischen Bürgerkriegs Mitte des neunzehnten Jahrhunderts flieht ein zusammengewürfelter Haufen von Nordstaatlern im Heißluftballon vor der Gefangenschaft der Südstaaten-Armee. Sie stranden auf einer gänzlich unbekannten Insel, wo sie auf weitere havarierte Menschen treffen und sich, ganz im Geiste der Pioniere, mit der neuen Welt arrangieren. Bis sie eine große Persönlichkeit treffen: Kapitän Nemo, der sagenumwobene Kommandant der Nautilus, bekannt aus Jules Vernes 20.000 MEILEN UNTER DEM MEER, hat auf der Insel Fuß gefasst und an der Zucht gigantischer Tiere gearbeitet, mit der er das Hungerproblem der Welt in den Griff bekommen möchte.
 
 
 


 
 
 

DIE GEHEIMNISVOLLE INSEL – Kritik

 
 
 
Für Fans von Abenteuerfilmen alter Schule und handgemachten Spezial-Effekten schlicht und ergreifend traumwandlerischer Qualität, sind die Adaptionen von jedem bekannten Märchenstoffen oder der Werke klassischer Phantastik-Autoren wie H.G. Wells oder natürlich Jules Verne der größtmögliche Zelluloid-Glücksfall. Gelingt dieser Kategorie Film doch mühelos, den Betrachter in eine Vergangenheit zu entführen, in der das Kino noch in der Lage war, ohne ein alles zukleisterndes Dauerfeuer an Zynismus und ironischer Brechung das Tor in eine andere Welt zu öffnen. Ein „Match Made In Heaven“ wahrlich, wenn die dem puritanischen Geiste ihrer Entstehungszeit so bewundernswert entkommenden Bücher in Technicolor-Farben-Filmträumen wie DIE GEHEIMNISVOLLE INSEL aufgehen. Da stört es niemanden so wirklich, wenn sich das Studio die eine oder andere Freiheit genommen hat, der Stoff nicht eins zu eins aus den Seiten der Bücher übertragen wurde.
 
 
die-geheimnisvolle-insel-1961-bild-2
 
 
Cy Endfield, der amerikanische Regisseur des Films, war ein weniger prominentes Hexenjagd-Objekt des antikommunistischen Psychopathen Senator McCarthy. Die Regie des Mannes von der Ostküste, dessen populärster Film wohl der hervorragende Afrika-Kolonialismus-Kriegsfilm ZULU ist und auf dessen Kerbholz auch der leicht schräge Sixties-Marquis- De-Sade-Film mit Senta Berger eingeritzt steht, bewegt sich angemessen zurückhaltend und solide durch die Laufzeit. Wie zum Beispiel bei den SINDBAD-Filmen jener Jahre nicht anders, liegt das Hauptaugenmerk auch bei DIE GEHEIMNISVOLLE INSEL auf den legendär gewordenen Stop-Motion-Zaubereien des großen Ray Harryhausen. So liest sich die Besetzung vor der Kamera auch konsequent eher unspektakulär. Einzig Herbert Lom in der Rolle des idealistischen Umweltschutz-Pioniers Kapitän Nemo ist ein Schauspieler mit gewissem Namenswert. Harryhausens Arbeit spricht wie immer für sich. Riesenhafte, die Menschen auf dem Eiland attackierende Tiere, ob mit ihren scharfen Scheren rasselnde Krusten-Ungetümer aus den Fluten des Meeres oder prähistorische Vögel aus der Luft, erstrahlen auf der Leinwand in jener einzigartigen Onkel-Harryhausen-Charme-Offensive, die den Zuseher unversehens wieder zum Kind macht und ihn den Film mit einer Tasse Kakao mit Marshmallows drinne vor der Nase anschauen lassen will. Natürlich stilecht mit der Bettdecke auf den Knien. Cinemagic.
 
 
die-geheimnisvolle-insel-1961-bild-1
 
 
 


 
 
 

DIE GEHEIMNISVOLLE INSEL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein im besten Sinne naiver Abenteuerfilm aus einer längst vergessenen Kino-Zeit. Nicht selten wünscht man sich als Filmfan das Tempo und die Atmosphäre einer Perle wie DIE GEHEIMNISVOLLE INSEL zurück. Kino als purer Eskapismus. Mehr davon.
 
 
 


 
 
 

DIE GEHEIMNISVOLLE INSEL – Zensur

 
 
 
DIE GEHEIMNISVOLLE INSEL erschien am 22. Dezember 1961 in den deutschen Kinos mit einer Freigabe ab 6 Jahren bereits ungeschnitten. Das sieht heute nicht anders aus. Wegen Bonusmaterial, das in Zeiten digitaler Bild- und Tonträger ebenfalls auf die Scheiben gepackt wird, ist die nun erhältliche Blu-ray Disc aber FSK12.
 
 
 


 
 
 

SDIE GEHEIMNISVOLLE INSEL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
die-geheimnisvolle-insel-1961-bluray

(c) Koch Media Home Entertainment | Explosive Media (KeepCase mit Schuber)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Mysterious Island; Großbritannien | USA 1961

Genre: Abenteuer, Fantasy, Kinder/Familie, Klassiker, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.66:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Erstauflage im Schuber

Extras: Ray Harryhausen über Mysterious Island, Islands of Mystery, Bildergalerie, TV Spots, Original Kinotrailer

Release-Termin: 17.01.2017

 

Die geheimnisvolle Insel / Mysterious Island [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DIE GEHEIMNISVOLLE INSEL – Trailer

 
 

 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei KOCH MEDIA HOME ENTERTAINMENT | EXPLOSIVE MEDIA)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sindbads fünfte Reise (2014)
 
Sindbad und das Auge des Tigers (1977)
 
Sindbads gefährliche Abenteuer (1973)
 
Sindbads siebente Reise (1958)
 
Kampf der Titanen (1981)
 
Die Geheimnisvolle Insel (1973)
 
Herrscher einer versunkenen Welt (1973)
 
Geheimnisvolle Insel (1995)
 
Mysterious Island – Die geheimnisvolle Insel (2005)
 


Filmkritik: „The Rezort“ (2015)

The-Rezort-2015-poster(1)
 
 
 

THE REZORT – WILLKOMMEN AUF DEAD ISLAND

(GENERATION Z)

Story

 
 
 

Auf einer gar malerischen Insel ist der Teufel los. Dort geht der Tod in Form von Zombies spazieren, welche die gutbetuchte Touristen-Elite zum Spaß erledigen dürfen. Leider meinen es die Drehbuchschreiber nicht sonderlich gut mit den schießwütigen Feriengästen. Eine unerwartete Katastrophe verpasst der reichen Gesellschaft einen blutigen Denkzettel.

 
 
 


 
 
 

THE REZORT – Kritik

 
 
 
Wer fleißig Horrorfilme schaut, in denen furchtbare Katastrophen über die Protagonisten hereinbrechen, dürfte mittlerweile verstanden haben, dass die übermütige Menschheit stets das bekommt, was sie auch verdient hat. Am deutlichsten wird das im Zombiegenre deutlich, wo in postapokalyptischen Szenarien immer wieder gern die Unbelehrbarkeit der Menschen an den Pranger gestellt wird. So ähnlich – wenngleich noch nicht so bildgewaltig, wie es bei vielen Hollywood-Produktionen der Fall ist – hat das bereits Zombie-Vater GEORGE A. ROMERO in jungen Jahren getan und wird nicht müde, sich zu wiederholen. In dessen Debütfilm NIGHT OF THE LIVING DEAD hagelte es anno 1968 nicht wenig subtile Gesellschaftskritik. Deshalb hat’s der Streifen auch längst in die Filmsammlung des Museum of Modern Art geschafft und ist seit 1999 als erhaltenswertes Kulturgut in die National Film Registry eingetragen. Kritische Tendenzen sind auch im Zombiefilm THE REZORT zu verzeichnen, der sich aber anders als genannter Kulttitel mehr im Unterhaltungssektor bewegt und viel grausames Zeug auf Zelluloid festhält. Das macht ihn leider weniger kontrovers, als es sich Regisseur STEVE BAKER gewünscht hätte. Der Schocker streift zwar eine brisante Thematik, verirrt sich aber dann doch eher im möglichst grafischen Ausradieren von Zombies. Damit macht es der Horrorthriller vielen neueren Zombiefilmen gleich. Weil’s davon mittlerweile ziemlich viele gibt, dürfte es dem immerhin technisch souverän abgehandelten Streifen schwer fallen, aus der Masse hervorzustechen – denn viel Neues gibt es auch hier nicht zu sehen.
 
 
the-rezort-2015-bild-1(1)
 
 
Wenn Menschen erst jagen und dann selbst zu Gejagten werden. Ein klischeehafter Überlebenskampf flimmert in THE REZORT über die Mattscheibe. Hier macht sich ein junges Paar auf zu einer Insel, auf der es gesetzlich legal ist auf Untote zu schießen. Nach einer verheerenden Katastrophe hat sich die halbe Welt in Zombies verwandelt. Doch die Menschen konnten der Lage Herr werden und die Kreaturen in die Knie zwingen. Zehn Jahre später gibt es nur noch wenige von ihnen. Die wurden auf eine Insel verbannt, wo sich frustrierte Reiche den Frust von der Seele schießen können. Weil nur auf Zombies schießen auf Dauer langweilig sein kann, überrascht THE REZORT selbstverständlich mit unerwarteter Wendung. Ein Computervirus hat sich in das Sicherheitssystem geschlichen und bahnt den Kreaturen den Weg in die Freiheit. Dort angekommen gibt es ein Blutbad. Doch davon wissen einige Leute und besagtes Pärchen nichts. Die campen irgendwo auf dem Eiland und warten ungeduldig auf neue Ziele. Lang warten müssen sie darauf freilich nicht. Die entkommenen Zombies machen Jagd auf alles und jeden. Was bleibt ist davonlaufen. Leider ist das Drehbuch nicht gnädig mit den Protagonisten. Einer nach dem anderen muss sterben. Sonderlich helle ist das natürlich nicht.
 
 
the-rezort-2015-bild-2(1)
 
 
GENERATION Z (so der anfängliche Arbeitstitel) hat alles, was man für einen Zombiefilm benötigt. Neben seltsamen Entscheidungen und unvorsichtigen Fluchtversuchen, sind es vor allem die netten Make-up-Effekte, die WALKING DEAD-Anhänger zum Schwärmen bringen. Zudem wird recht explizit auf Köpfe und Körper geschossen, so dass Liebhaber blutiger Metzelgeschichten auf ihre Kosten kommen. Flüchten und Winseln lautet im Film die Devise, denn THE REZORT orientiert sich beim Erzählen am Zombiestandard. Wer schon einige dieser Filme gesehen hat, wird wissen was gemeint ist. So rückt die Zombiehatz eine Gruppe Menschen in den Mittelpunkt, die nach und nach von fleischlechzenden Kreaturen ausradiert werden, weil sich Figuren so dämlich verhalten, dass man ihnen den Filmtod nur wünschen kann. Immerhin hat man an eine zugängliche Filmheldin gedacht. Die registriert schnell, dass auf dieser Insel einiges im Argen liegt. Flüchtlinge verirren sich hierher. Leider wird denen nicht geholfen, wie man es der Gesellschaft vorgaukelt. Die auf diesem Stück Land ansässige Organisation funktioniert Hilfesuchende in Zombies um, damit reiche Bürger neues Gewehrfutter erhalten. Damit schlägt Macher STEVE BAKER Brücken zum aktuellen Zeitgeschehen und klärt auf, wer vom Kapitalismus profitiert und wer darunter zu leiden hat. So brisant die Debatte von Arm und Reich auch sein mag, sie verpufft im lauten Munitionshagel der Schießeisen. Zu oberflächlich, banal und konventionell wurde der Horrorfilm inszeniert, als das Kritik zum Nachdenken anregt. Demzufolge sollte man sich auf das Wesentliche konzentrieren und unterhalten lassen. Das kann THE REZORT immerhin ganz ordentlich.
 
 
the-rezort-2015-bild-3
 
 


 
 
 

THE REZORT – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Darf man Zombies töten? Können Zombies fühlen? Und sind das nicht auch nur Menschen? Wie einst schon Zombievater GEORGE A. ROMERO mit DAY OF THE DEAD konfrontiert Regisseur STEVE BAKER im Horrorfilm THE REZORT mit brisanter Thematik und beginnt sogar eine gesellschaftskritische Debatte vom Gegensatz zwischen Arm und Reich. Leider werden diese Gedanken nur angerissen und nicht weitergedacht, denn schnell verliert sich der Film im blutgeilen Gemetzel und schonungslosen Ausradieren. Abermals sind die Spielregeln klar. Menschen töten Zombies und Zombies töten Menschen. So werden nach und nach Statisten und Schauspieler grafisch um die Ecke gebracht, damit Zombiefans was zu sehen bekommen. Immerhin ist THE REZORT technisch ganz ordentlich. Der Film schaut hochwertig aus und hat sogar ganz atmosphärische Landschaftsaufnahmen zu bieten. Zudem gibt kaum Leerlauf. Das ist auch kein Wunder, denn hinter der Zombieflucht steckt jemand, der sich mit dieser Art von Filmen auskennt. Macher STEVE BAKER hat nämlich zuvor bereits den Nazi-Zombie-Splatterer OUTPOST und dessen Fortsetzung OUTPOST: BLACK SUN inszeniert. Somit ist kurzweilige Unterhaltung garantiert – auch wenn man den Streifen wegen seiner austauschbaren Handlung nach wenigen Stunden bereits wieder vergessen haben wird.
 
 
 


 
 
 

THE REZORT – Zensur

 
 
 
In THE REZORT werden Zombies mit Gewehren und Pistolen grafisch in den Filmhimmel befördert. Der Film ist keine Splatter- und Gewaltgranate. Deshalb wude er wohl bereits für Jugendliche freigegeben: FSK16
 
 


 
 
 

THE REZORT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
the-rezort-bluray

(c) Ascot Elite Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Rezort; Belgien | Großbritannien | Spanien 2015

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Keepcase mit Wechselcover und Schuber

Extras: Behind the Scenes, Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 16.09.2016

 

The Rezort [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE REZORT – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei ASCOT ELITE HOME ENTERTAINMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Anger of the Dead (2015)
 
The Dead 2: India (2013)
 
Dead Within (2014)
 
Chrysalis (2014)
 
Day of the Dead (1985)
 


Filmkritik: „Alone“ (2015)

alone
 
 
 

ALONE

(DON’T GROW UP)

Story

 
 
 

Sechs straffällige Jugendliche müssen auf einer Insel feststellen, dass hier Kinder und Teenager in Lebensgefahr sind. Die Erwachsenen scheinen wie vom Erdboden verschwunden zu sein. Kein gutes Omen, wie sich bald herausstellen wird.

 
 
 


 
 
 

ALONE – Kritik

 
 
 
Manch einer muss jetzt tapfer sein, denn auch wenn sich das Team von FILMCHECKER geschworen hat in Zukunft weniger schlechte Zombiefilme zu besprechen, flattern uns hin und wieder solche Streifen ins Postfach, die dann doch eine Kritik rechtfertigen. ALONE (Originaltitel: DON’T GROW UP) ist so ein Fall und sollte allein schon deshalb Erwähnung finden, weil es sich diesmal nicht um unterirdischen Low-Budget-Trash handelt, wie er in den letzten Jahren zu oft von untalentierten Filmemachern gedreht und meist sogar noch in Eigenregie produziert wurde. Mit ALONE wird Qualität geboten, was wohl auch daran liegt, wer da auf dem Regiestuhl Platz genommen hat. Jemand, dessen Herz für Zombiefilme schlägt. Der Franzose THIERRY POIRAUD steckt dahinter und ließ bereits in mehreren Interviews verlauten, dass er mit Vorliebe das Untoten-Genre dazu benutzt, um Gesellschaftskritik zu äußern. Damit tritt er – erfahrene Horrofans werden es ahnen – in die Fußstapfen des legendären GEORGE A. ROMERO. Der Urvater des Zombiefilms hat bereits seinerzeit mit dem Kultwerk NIGHT OF THE LIVING DEAD gesellschaftliche Missstände angeprangert. Ganz nebenbei gelang ihm einer der wichtigsten Beiträge zum modernen Horrorkino.
 
 
alone-dont-grow-up-bild-1
 
 
ALONE geht das Zombie-Genre etwas anders an und macht ihn deshalb so interessant. Statt Horden Untoter auf ahnungslose Menschen zu hetzen, rückt THIERRY POIRAUD ein postapokalyptisches Szenario in den Mittelpunkt, das sich in erster Linie durch eine beängstigende und beklemmende Stimmung in Gedächtnis brennt. Die Zombies kommen da fast schon etwas zu kurz, was in ALONE aber nicht sonderlich tragisch ist, zehrt zumindest die erste Filmhälfte von der Prämisse, Zuschauer und Protagonisten darüber im Ungewissen zu lassen, was in dieser spanisch-französischen Koproduktion als nächstes passieren wird. Das steigert die Spannung und verursacht Magenschmerzen, denn inmitten Nebel und Dunkelheit schlägt eine Bedrohung ganz unverhofft zu – schonungslos und brutal. Sechs straffällig gewordene Teenager aus Problemfamilien müssen in ALONE ums Überleben kämpfen. Sie müssen eines Morgens feststellen, dass die Aufseher und Erzieher des Heims verschwunden sind, in dem sie wieder auf den rechten Pfad gebracht werden sollen. Die Abwesenheit der Erziehungsberechtigten macht neugierig. So werden Spinde aufgebrochen und Akten durchstöbert. Leider werden die Heranwachsenden bald durstig. Alkohol muss her, weshalb man sich in die Stadt macht, um Hochprozentiges zu kaufen. Was jedoch dort passiert, lässt ihnen das Blut in Adern gefrieren. Die Geschäfte sind menschenleer und von Erwachsenen ist keine Spur. Was ist hier passiert? Die Antwort auf diese Frage lässt nicht lange auf sich warten.
 
 
alone-dont-grow-up-bild-4
 
 
Willkommen zu einem weiteren Weltuntergangsszenario, wo Chaos, Zerstörung und Gewalt eine wesentliche Rolle spielen. Zwischen spektakulären Landschaften und friedlich eingefangener Idylle (der Film wurde auf Teneriffa gedreht) verbirgt sich eine unberechenbare Bedrohung, die hier Blutzoll fordert. Es sind die Erwachsenen, die ähnlich wie in Romeros THE CRAZIES zu tollwütigen Bestien mutiert sind und töten müssen. Auch den sechs Hauptdarstellern blüht gleiches Schicksal. Die müssen erfahren, dass die Verwandlung zur Bestie immer dann eintritt, wenn die Jugendlichen die Schwelle zum Erwachsenwerden betreten haben. Der Verlust von Reinheit und Unschuld sorgt dafür, dass aus artigen Kindern desorientierte Monster werden. Groteskerweise ist das Schicksal für jeden der Protagonisten im Film vorbestimmt – eben so wie im richtigen Leben.
 
 
alone-dont-grow-up-bild-3
 
 
Regisseur THIERRY POIRAUD macht diesmal ernst. Während der Vorgängerfilm GOAL OF THE DEAD mit schwarzem Humor und knapp zwei Stunden Spielzeit viel Sitzfleisch vorausgesetzt hat, ist im Folgefilm alles anders. Trotz des gleichen Subgenres ist ALONE frei von Lachern und mit knapp 70 Minuten sogar etwas kurz geraten. Kurz, knackig und ernst könnte man meinen, doch leider ist dem nicht so. Der Streifen macht zwar anfangs alles richtig und zeigt spannungsgeladenes Überlebenskino mit wenigen Gewalteinlagen. In der Halbzeit weht ein anderer Wind und ALONE wird zum behäbig inszenierten Coming-of-Age-Drama mit zu vielen Längen und reichlich Teenager-Romantik. Zombiefans werden da die Nase rümpfen, vor allem auch deshalb, weil der Richtungswechsel das Tempo drosselt und dem Film die Spannung raubt. So wird eine erzwungene Liebesgeschichte zum Todesurteil für einen Film, der eigentlich stark begonnen hatte, sich am Ende aber selbst im Weg steht. Bleibt zu erwähnen, dass sich Macher THIERRY POIRAUD für seinen Horror-Dramen-Mix von den Filmen des Regisseurs LARRY CLARK inspirieren lies. Der beschäftigt sich in seinen meist kontroversen Kinoerlebnissen stets mit der Weise, wie wir heutzutage in der Gesellschaft Jugendliche wahrnehmen – oder wie zumindest CLARK sie wahrnimmt. Verarbeitet hat der seine Beobachtungen in Werken wie BULLY, KIDS und KEN PARK. Die meisten davon lösten heikle Debatten unter Filmfans aus. Die dürften dem unentschlossenen ALONE wohl verwehrt bleiben.
 
 
alone-dont-grow-up-bild-2
 
 
 


 
 
 

ALONE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Peter-Pan-Syndrom meets Zombies. Oder: Desorientierte Kinder und ihre Zukunft. In ALONE (oder DON’T GROW UP – so wie er auch vermarketet wird) ist die leider nicht sonderlich rosig, denn sobald Kinder im Film die Schwelle zum Erwachsenwerden betreten, verwandeln sie sich zu gewissenlosen Kreaturen – ganz wie im richtigen Leben eben. Der neue Streifen von GOAL OF THE DEAD-Macher THIERRY POIRAUD ist eine Allegorie auf das Erwachsenwerden, beginnt mit einer starken ersten Filmhälfte und verirrt sich nach der Halbzeit im Coming-of-Age-Schmalz. Das ist ärgerlich, weil aus ALONE ein richtig fieses Filmchen hätte werden können, wenn man den anfänglich eingeschlagenen Survival-Horror-Kurs beibehalten hätte. Auch wenn sich aggressive Furien für einen Zombie-Schocker ziemlich rar machen, gelingt es Regisseur THIERRY POIRAUD eine allgegenwärtige Weltuntergangsstimmung zu erzeugen und die Küste von Teneriffa (der Filme wurde dort gedreht) in den Vorhof zur Hölle zu verwandeln. Trotz Gesellschaftskritik ist ALONE trotzdem kein tiefgründiges Filmerlebnis. Um ernstgenommen zu werden, wirkt der Film einfach nicht rund genug und hat mit vielen Logiklöchern zu kämpfen. Hardcore-Zombiefans werden sich von der Gesellschaftskritik im Film ohnehin nicht beeindrucken lassen. Weil sich zelebrierte Gewalt in Grenzen hält, schalten die vermutlich ohnehin nach der Hälfte ab. Damit liegen die gar nicht mal so falsch. Auch wir empfehlen nach der Halbzeit abzuschalten, denn was danach kommt, ist kaum der Rede wert.
 
 
 


 
 
 

ALONE – Zensur

 
 
 
Bei den Zombies im Film handelt es sich um aggressive Erwachsene, die Kinder jagen – Splattermomente bleiben aber aus. Das gilt auch für Gewalt, die sehr sparsam eingesetzt wird.
Das meiste passiert im Off und viele Angriffe tollwütiger Erwachsener gibt es auch nicht zu sehen. Weil Schauwerte überschaubar sind, hat es für ALONE / DON’T GROW UP eine FSK16 geben.
 
 
 


 
 
 

ALONE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
alone-bluray

(c) Capelight Pictures (normale Blu-ray im Keepcase mit O-Card)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Don’t Grow Up; Frankreich | Spanien 2015

Genre: Horror, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 81 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover und im O-Card

Extras: Making-of, Trailer, Trailershow

Release-Termin: 24.03.2017

 

Alone [Blu-ray mit O-Card] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

ALONE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei Capelight Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Terror Z – Der Tag danach (2013)
 
Carriers (2009)
 
The Crazies (1973)
 
The Crazies – Fürchte deinen Nächsten (2010)
 
28 Weeks Later (2007)
 
28 Days Later (2002)


Filmreview: „Cabin Fever 3: Patient Zero“ (2013)

cabin fever 3 - patient zero 2013
 
 
 

CABIN FEVER 3: PATIENT ZERO

Story

 
 
 
Das Prequel CABIN EVER 3: PATIENT ZERO erzählt die Vorgeschichte von Teil eins und führt den Zuschauer auf eine scheinbar unbewohnte Insel, auf der einige Wissenschaftler mit einem aggressiven Virus experimentieren. Vier gutgelaunte Kids, die eigentlich auf dem Eiland einen Junggesellenabschied feiern möchten, ahnen davon nichts und kommen mit der tödlichen Bedrohung in Kontakt – mit fatalen Folgen …
 
 
 


 
 
 

CABIN FEVER 3: PATIENT ZERO – Kritik

 
 
 
Als sich das Zombie-Genre im Jahre 2002 noch einmal neu ausrichtete, schien niemand je geahnt zu haben, welche Folgen das für den Horrorfilm haben würde. Nach Streifen wie 28 DAYS LATER (2002) oder dem DAWN OF THE DEAD-Remake (2004) gewann vor allem das realitätsnahe Szenario an Wichtigkeit. Untote stiegen nun nicht mehr nur aus unerfindlichen Gründen aus ihren Gräbern; in Folge von Pandemien, die durch höchst ansteckende Killerviren verursacht wurden, verwandelten sich scheinbar friedliebende Bürger zu rasenden Bestien, die entgegen der bekannten Zombie-Regeln ab und an sogar von ihrem Leiden geheilt werden konnten. Und gerade weil derart Schreckensszenarien weitaus furchterregender waren, als so manch dusseliger und durch Gassen schlendender Zombie, kam ELI ROTH 2002 auf den Trichter, doch auf den Epidemie-Zug aufzuspringen und sein eigenes Virusfilmchen mit dem viel versprechenden Titel CABIN FEVER zu drehen. Der selbstironische und recht düstere Low-Budget-Indie kam bei Fans überraschend gut an und heimste auf zig Festivals diverse Preise ein. Was folgte dürfte bekannt sein: ROTH drehte drei Jahre später HOSTEL und sicherte sich einen festen Platz in der Horror Hall of Fame.
 
Dass derart erfolgreiches Filmfranchise natürlich fortgesetzt werden musste, lag auf der Hand. Dem damals noch unbekannten TI WEST (THE INNKEEPERS) wurde die schwierige Aufgabe zuteil, die Geschichte um den fleischfressenden Virus fortzuführen. Da es zwischen ihm und den Produzenten Streitigkeiten über die bevorzugte Schnittfassung gab, distanzierte sich der Regisseur nach Veröffentlichung von CABIN FEVER 2: SPRING FEVER (2009) ganz von seinem Projekt. Unbegründet war der Rückzug nicht. Das Sequel wurde von Fans und Presse gnadenlos zerrissen und glänzte vornehmlich durch pubertären Fäkalhumor und spannungsfreiem Goregewitter, das selbst in seinen blutigsten Momenten nur selten Sinn ergab. Immerhin schien es soviel Geld in die Kassen geschwemmt zu haben, dass wenig später sogar über eine weitere Fortsetzung nachgedacht wurde.
 
Die kommt nun fast ein Jahrzehnt nach dem gelungenen Erstling in die internationalen Heimkinos. Die frohe Kunde vom weiteren Ableger dürfte nach dem miserablen Vorgänger nicht bei jedem Fan euphorische Freudentänze verursacht haben. Verständlich; dennoch waren wir überrascht, dass Regisseur KAARE ANDREWS aus den Fehlern des zweiten Teils gelernt und die Filmserie wieder auf den korrekten Pfad geführt hat. CABIN EVER 3: PATIENT ZERO ignoriert die bisherigen Geschehnisse der Reihe und erzählt stattdessen die Vorgeschichte von ROTHS Virusschocker aus dem Jahre 2002. Die Ereignisse beginnen auf einer Insel, wo ein größenwahnsinniger Wissenschaftler (CURRIE GRAHAM) in einem unterirdischen Labor mit einem höchst gefährlichen Virus hantiert, dessen Kontakt binnen weniger Stunden die Zersetzung des menschlichen Körpers zur Folge hat. Patient Zero (SEAN ASTIN) scheint bei den Experimenten eine Schlüsselfunktion einzunehmen. Der trägt den Virus zwar in sich, ist aber immun gegen dessen Symptome. Währenddessen stechen vier Großstadtkids mit einer gecharterten Jacht in See, um den Junggesellenabschied von Marcus (MITCH RYAN) zu feiern. Gut, dass einer der Freunde von einer unbewohnten Insel gehört hat, die irgendwo da draußen im Meer schlummern soll. Der Horrorfan ahnt natürlich, dass es sich bei genau jenem unberührten Stück Natur um jenes Eiland handelt, auf dem das geheimnisvolle Labor errichtet wurde. Dort hat sich der Virus mittlerweile einen Weg nach draußen bahnen können und gleich mal für ein Massenfischsterben an der Küste gesorgt. Selbstverständlich wissen die neunmalklugen Kids nichts davon und gehen erstmal genüsslich tauchen. Als sie wieder an Land kommen, plagt sie ein schrecklicher Ausschlag, der wenig später zum Tod führen wird.
 
Es scheint wie ein Neuanfang, den Regisseur KAARE ANDREWS mit seinem zweiten Aufguss einleiten möchte, um von der minderwertigen Qualität des Vorgängers abzulenken. Er hat es geschafft das Niveau zurück in die Serie zu holen und kurzerhand den humoristischen Unterton aus dem Franchise gestrichen. CABIN EVER 3: PATIENT ZERO nimmt Abstand von platten Albernheiten, geschmacklosen Splatter-Extravaganzen und hyperaktiven Teens in Schuluniformen. Der aktuelle Virus-Ausflug ist erheblich düsterer als die beiden bisherigen Ableger der Reihe, was dem Film selbstverständlich zugute kommt. Während wir es in der ersten Hälfte mit typischen Teenie-Gequassel unter schwül-stechender Sonne zu tun haben, geht es ab Filmmitte erstaunlich rabiat zur Sache. Der Virus fordert seine ersten Opfer und zeigt das talentierte Können kreativer SFX-Künstler. Da werden Arme aus Leibern gerissen und literweise Blut erbrochen. Die Zersetzungsstadien wurden herrlich widerwärtig und detailfreudig in Szene gesetzt, so dass der Filmfreund selbstverständlich das zu sehen bekommt, was er von einem Film wie CABIN FEVER erwartet. Hier zeigt sich auch, dass für Teil drei erheblich mehr Budget zu Verfügung gestanden haben muss. Technisch gibt es nämlich nix zu auszusetzen, was sich vor allem auch an der Spannungsschraube bemerkbar macht. Die findet in der zweiten Filmhälfte überraschenderweise an Bedeutung und sorgt für dezenten Thrill und schaurige Atmosphäre. Leider hapert es mal wieder an den stereotypen Protagonisten, die wieder Horrorfilm-typisch austauschbar und unüberlegt durch die Szenarie hetzen. Die sind sich später bewusst, dass sie es mit einem seltenen Virus zu tun haben, plumpsen aber unvorsichtig über zerfressene Körper, obwohl man sich zuvor geschworen hat nix auf dieser Insel anzufassen. Zudem hinterfragt man nicht selten die Absichten manch eifriger Filmschaffender, die weibliche Wissenschaftler in High-Heels am Arbeitsplatz umherstolzieren und ohne Schutzanzug an höchst infektiösen Probanten herumschnippeln lassen. Alles in allem ist CABIN EVER 3: PATIENT ZERO trotz Mängelliste ein erstaunlich solides und spannendes Prequel geworden, das die Geschichte um den Killervirus konsequent weiterspinnt. Wer einen starken Magen hat und den katastrophalen Vorgänger aus dem Gedächtnis streicht, dürfte gut unterhalten werden und wieder Gefallen am CABIN FEVER-Franchise finden.
 
 
 


 
 
 

CABIN FEVER 3: PATIENT ZERO – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Wer hätte je daran gedacht, dass die CABIN FEVER-Reihe eine Kehrtwende einschlagen wird. Nach dem versemmelten zweiten Teil findet die Serie wieder zu eigentlicher Größe zurück. CABIN EVER 3: PATIENT ZERO ist absolut humorlos und überraschend spannend geworden. Leider sind aber die nervenden Kids geblieben, die jedoch ohnehin durch den aggressiven Virus ihr Leben lassen müssen. Die Krankheitssymptome erhalten hier noch einmal eine Steigerung, denn der Ekelfaktor ist in CABIN FEVER 3 erneut ziemlich hoch angesetzt. Da zeigt sich wieder, wie wichtig erfahrene SFX-Spezialisten für einen Horrorfilm sind, denn im Falle von CABIN FEVER 3 haben die mal wieder ganze Arbeit geleistet. Wer es blutig und düster mag, ist hier genau richtig – laut offenem Ende wird bald ein weiterer Teil folgen. Hoffentlich auf ähnlichem Niveau.
 
 
 


 
 
 

CABIN FEVER 3: PATIENT ZERO – Zensur

 
 
 
CABIN FEVER 3: PATIENT ZERO ist schon recht eklig. Die Stadien der Zersetzung wurden mit viel Liebe zum Detail realisiert. Bei der hiesigen FSK war der Ekelspass eine FSK 18 wert. Teil drei hat den KJ-Flatschen bekommen und ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

CABIN FEVER 3: PATIENT ZERO – Deutsche Blu-ray

 
 
 
cabin fever 3 blu-ray
 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Cabin Fever: Patient Zero; USA 2013

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 7.1, Englisch DTS-HD MA 7.1

Untertitel: keine

Bild: 2,35:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK 18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: nur Trailer in Deutsch und Englisch, Trailershow

 
 
 

Cabin Fever 3 – Patient Zero [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

CABIN FEVER 3: PATIENT ZERO – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Cabin Fever (2002)
 
Cabin Fever 2: Spring Fever (2009)


Filmreview: „Solo“ (2013)

solo-2013
 
 
 

SOLO

Story

 
 
 

Die angehende Feriencampmitarbeiterin Gillian soll auf einer verlassenen Insel ihr Können unter Beweis stellen, muss stattdessen jedoch um ihr (Über)Leben bangen …

 
 
 


 
 
 

SOLO – Kritik

 
 
 
Filmfreunde, die vor geraumer Zeit den höchst ansprechenden Trailer zum EVIL DEAD-Remake (2013) gesehen haben, dürften vermutlich die Trailermacher in Grund und Boden verflucht haben. Hier wurde zwar geschickt zusammengeschnitten, aber, wie so oft in den letzten Jahren, die besten Szenen des Splatterwerks vorweggenommen. Ähnlich verhält es sich bei der Vorschau zu SOLO, die im Grunde genommen den ganzen Film in knapp zwei Minuten zusammenfasst. Demzufolge sollte man sich den Trailer möglichst verkneifen, möchte man sich den Spaß am Filmeschauen nicht verderben lassen. Der Thriller SOLO ist wieder mal ein Beispiel dafür, dass es für gute Filme keiner großen Geschichten bedarf. Außer fünf Protagonisten, einer kleinen Insel und Legenden die um die Idylle ranken, benötigt Regie-Neuling ISAAC CRAVIT nicht viel, um rund 90 Minuten zu unterhalten. SOLO lief bereits Oktober 2013 im Rahmen des TORONTO AFTER DARK FILM FESTIVALS, was Genrefans vermutlich hellhörig lassen dürfte, laufen dort meist ausgewählte Gruselstreifen, die nicht selten von hoher Qualität zeugen. Und in der Tat, SOLO ist besser, als das magere Produktionsbudget verspricht.
 
Wir begleiten die TV-erprobte ANNIE CLARK als zwar traumatisierte, aber sich wacker schlagende Gillian „Solo“ in ein kleines Feriencamp irgendwo im Wald. Sie hat in der Vergangenheit ganz schön viel Mist durchgemacht und versucht durch einen neuen Job als Campbetreuerin ihr gewohntes Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Pillen helfen, den Tagesablauf sicher bestreiten und den tragischen Tod ihrer Schwester zu vergessen. Doch bevor Gillian ihre neue Stelle antreten darf, werden ihre Qualifikationen auf die Probe gestellt. Campleiter Fred (RICHARD CLARKIN) bringt sie zu einer kleinen Insel, auf der sie zwei Tage verweilen und Pfadfinderfähigkeiten unter Beweis stellen soll. Doof nur, dass ihr zuvor einige unheimliche Legenden über das vermeintlich idyllische Eiland zu Ohren gekommen sind und ihr bald bange Stunden bescheren werden. Zum Glück ist die geistig instabile Jugendliche immer via Funkgerät in Kontakt zum Festland, so dass ihr auch gleich ein älterer Herr namens Ray (DANIEL KASH) zur Hilfe eilt, der meint, einen hilfesuchenden Funkspruch Gillians erhalten zu haben. Die scheint zwar anfänglich über das Missverständnis verdutzt, ist aber froh darüber nicht ganz so allein auf der gruseligen Insel zu sein. Ganz so verlassen wie an anfänglich gedacht ist der Ort jedoch nicht, denn das verängstigte Mädchen findet bald ein verlassenes Zelt inmitten des Waldes, in dessen Inneren Gillian mysteriöse Farbfotos von Kindern eines Feriencamps entdeckt.
 
Sind wir hier im Camp Crystal Lake oder was? Die Thematik lässt zumindest schwer darauf schließen, denn wenn es um Feriencamps geht, dürfte sich der Zuschauer vermutlich schnell an die berüchtigte FREITAG DER 13.-Reihe zurückerinnert fühlen. Die Route führt dann aber doch in ein ganz anderes Genre und mit bekannten Slasher-Klischees oder gar dem Hockeymaske tragenden Kult-Meuchler JASON VOORHEES hat SOLO rein gar nix am Hut. Regisseur ISAAC CRAVIT hat die wichtigsten Vertreter des Horrorfilms genauestens studiert, so dass der Zuschauer in seinem ersten Langfilm (zumindest am Anfang) ganz schön dreist an der Nase herumgeführt wird. Die Ausgangslage hätte verworrener nicht sein können. Nicht nur, dass Gillian täglich reichlich Medikamente zu sich nehmen muss, um den Tag bestreiten zu können; auch unheimliche Spukgeschichten ranken sich um die verlassene Insel. CRAVIT hält sich viele Optionen offen, wobei (sofern man sich noch nicht den Trailer angeschaut hat) nicht gleich wirklich ersichtlich ist, was SOLO denn nun eigentlich sein soll? Handelt es sich hier um Spuk-Horror von der Stange oder um gar einen knüppelharten Psychothriller, der die erschütternde Vergangenheit der Protagonistin zum Mittelpunkt des Films macht? Ist die Bedrohung rein psychologisch oder tatsächlich greifbar? Antworten die CRAVIT geschickt bis zur Filmmitte zu verschleiern versteht. Umso ernüchternder, dass das raffinierte Rätselraten in der Halbzeit zugunsten der gängigen Horrorregeln an Kreativität missen lässt. Immerhin ist ANNIE CLARK ein wirklicher Pluspunkt dieses kleinen, handwerklich sehenswerten Films. Die hat nämlich nicht nur eine unverkennbare Ähnlichkeit mit dem Teenie-Idol JENNIFER LAWRENCE (HOUSE AT THE END OF THE STREET), sondern überzeugt durch eine Natürlichkeit, die ihren Charakter recht sympathisch erscheinen lässt. Der smarten Schauspielerin gelingt es, den kurzen Wildnis-Schocker fast gänzlich allein zu tragen; ihr Agieren ist stets nachvollziehbar und logisch, was ja bei Teenagern im Horrorfilm selten gegeben ist. Trotz ausreichend Supsense bleibt auch Gillians Hintergrundgeschichte nicht unbeleuchtet. Ihr Schicksal und die Quelle ihrer Albträume werden bruchstückhaft im Verlauf der Geschichte gelüftet, wobei man jedoch auch bei SOLO bemängeln muss, dass die Entwicklung der Charaktere leider etwas oberflächlich abgehandelt wird. SOLO ist zeitgleich ANNIE CLARKS Spielfilmdebüt. Nach diversen TV-Serien fasst sie nun Fuß im Kinofilm und macht dabei gar keine üble Figur. Den Filmfan wird’s freuen, hält er mit SOLO ein ansprechendes und mysteriöses Stück kanadisches Suspensekino in den Händen, das sich auf jeden Fall zu den besseren Vertretern innerhalb des Horrorgenres zählen darf. Wer es kurz, schnörkellos und spannend mag, ist bei SOLO genau richtig. Da darf man gespannt sein, was Regie-Neuling ISAAC CRAVIT demnächst noch so alles an Projekten auf Film bannen wird – dieser Einstieg ins Filmbusiness ist schon einmal ein solider Anfang!
 
 
 


 
 
 

SOLO – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Klein aber oho. SOLO ist kanadisches Supsensekino vom Feinsten und ein gelungener Einstieg ins Filmbusiness für Regie-Newcomer ISAAC CRAVIT. Es muss nicht immer nur Horror mit dem Holzhammer sein. Manchmal sind die kleinen unscheinbaren Streifen die, die es ganz schön in sich haben.
 
 
 


 
 
 

SOLO – Zensur

 
 
 
Bis auf eine kurze Splatterszene am Ende gibt es in SOLO nix, was dem Gewaltfan gefallen dürfte. Demnzufolge wird SOLO mit Sicherheit ungeschnitten ab 16 Jahren in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

SOLO – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Black Rock (2012)

The Mooring (2012)


Filmreview: „Siren“ (2010)

 

 

 

 

 

 

 

Das Pärchen Ken und Rachel wollen zusammen mit Marco, dem Ex-Freund von Rachel, eine hübsche Bootstour unternehmen. Für ein paar Tage etwas abschalten und relaxen. Mitten im Meer stoßen sie auf einen Schiffbrüchigen, der sich mit letzter Kraft an Board retten kann. Er warnt die 3 Reisenden davor weiterzusegeln und fleht sie an schnell wieder umzukehren. Doch bevor die Freunde überhaupt realisieren können in welcher Situation sie sich befinden verstirbt der Fremde an seinen Verletzungen. Da man sich etwaigen Ärger ersparen möchte plant man den Toten auf der unweit entfernten Insel zu begraben. Kaum haben die 3 Freunde jedoch die Insel betreten treffen sie dort auf die scheinbar verstörte „Circle“. Schnell stellen die Freunde fest, dass mit dem doch so netten und schüchternen Mädchen irgendwas nicht stimmt.

 

Wer kennt sie nicht, die Sage der „Sirene“, die einfach nur darauf hinaus ist, mit ihrem melodischen Gesang vorbeifahrende Seemänner auf ihre Insel zu locken, um sie dann kaltblütig zu töten. Genau diese Sage aus der griechischen Mythologie bietet nun die Grundlage für den Stoff des aktuellen Horrorfilms Siren.

Dabei scheint die Ausgangsituation für einen Horrorfilm recht frisch und weckt Potenzial für nervenzereisende Spannung und kreativen Splatter ohne Ende.

Dachte ich mir zumindest – wurde aber recht enttäuscht.

Uns erwarten weder Monster, noch ausufernde Spezialeffekte, noch Blutgematsche, was überhaupt der Rede wert wäre.

„Siren“ geht arg traditionelle Pfade und stellt Story und Charakterausbau in den Vordergrund. Positiv sei an dieser Stelle zu erwähnen, dass uns mit „Siren“ keine nervigen Teenies erwarten. Trotzdem hat man sich wie so oft auch hier, trotz nerviger Teenies, ordentlich der Klischeeschmiede bedient. Der sexbesessene Frauenschwarm fehlt ebenso wenig, wie die mutige Einzelkämpferin und Heldin. Dennoch, die erste Hälfte des Film funktioniert recht prima und verläuft relativ stimmungsvoll, geradlinig und spannend. Doch mit dem Auffinden von „Circle“ rutscht dann auch der Logikfaktor rapide gen Keller. Die Charaktere rennen und finden sich, und teilen sich wieder auf und verlieren sich. Das nervt nach dem 3 Anlauf gehörig und kommt vollkommen unlogisch daher.

Lesen Drehbuchautoren heutzutage eigentlich abschließend ihre eigenen Werke und prüfen sie auf Logik- und Storylücken?

Unfreiwillig komisch wird es natürlich auch dann, als „Circle“ ihren „Sirenengesang“ zum besten gibt. Äh, hallo? Da singt ja meine Oma besser. Natürlich verfallen alle Protagonisten der Möchtegernsängerin vollends, wobei auch hier wieder nicht geklärt wird, warum „Circle“ eher mit der Heldin „Rachel“ harmoniert und Hass gegenüber den männlichen Protagonisten hegt.

Komisch ist auch, dass „Circle“ nie zu Wort kommen darf, um überhaupt irgendwas geistreiches von sich zu geben. Das einzige was sie laut Drehbuchschreibern „darf“ ist nett ausschauen, poppen und schlecht singen – das arme Ding. Fast schon könnte man Mitleid mit ihr haben.

Vollkommen sinnlos verläuft dann letztendlich auch ihre Niederlage – dem wohl unspektakulärsten und schnellsten Tod der Filmgeschichte.

Was bleibt ist ein unbefriedigender Film, den man sich eigentlich auch hätte sparen können.

Wieder einmal ein Beweis dafür, dass man aus einer guten Grundidee Bockmist bauen kann.

Mit ein paar Hardcore – Sex – Szenen angereichert wäre „Siren“ sicher erfolgreicher im Erotikbereich der Videotheken aufgehoben!

 

 

Fazit 5/10 Punkte

 

Durchschnittlicher Light – Horror mit hübschen Darstellern, einer guten Grundlage, aber einer unzureichenden Umsetzung und katastrophalen Storylöchern. Dann doch lieber die 1000. Wiederholung von Odysseus schauen und bei seinem Kampf gegen die Sirene mitfiebern.

 

Hellraiser80