Filmkritik: „Cherry Tree“ (2015)

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CHERRY TREE

Story

 
 
 

Teenager Faith geht einen Pakt mit dem Bösen ein, um das Leben ihres Vaters zu retten. Wie man es sich wohl denken kann, nimmt das kein gutes Ende für alle Beteiligten.

 
 
 


 
 
 

CHERRY TREE – Kritik

 
 
 
Bereits Goethes FAUST hat eindringlich davor gemahnt, besser keinen Pakt mit dem Bösen einzugehen, denn meist ist der Knebelvertrag an Konditionen gebunden, die nicht so leicht zu erfüllen sind. Seit Jahrhunderten wird in der Literatur vorm Bündnis mit der Finsternis gewarnt. Der Horrorfilm bediente sich dieser Situation natürlich auch immer wieder gern, um dem Fan des Gruselgenres schaurig schöne Filmabende zu bescheren. Mit dem Leibhaftigen ist nicht zu spaßen. Das haben Protagonisten vonn Filmen wie AT THE DEVILS DOOR, ANGEL HEART oder HEARTLESS am eigenen Leibe zu spüren bekommen, die leichtsinnig Papiere unterschrieben haben, welche vom Teufel persönlich gegengezeichnet wurden. Die Eingebung kam auf dem Weg, denn wer sich auf okkulte Abkommen mit der Unterwelt einlässt muss damit rechnen, dass er dafür in den meisten Fällen mit dem Leben bezahlen muss. So auch die Heldin des folgenden Horrorstreifens. Die bringt Kummer, Unheil und Tod über die Familie, weil sie sich das Kleingedruckte eines Abkommens nicht durchlesen wollte, das mit Mächten der Dunkelheit abgeschlossen wurde. CHERRY TREE nennt sich der neue Film von Regisseur DAVID KEATING. Der hat sich vor einigen Jahren an der Reanimation der legendären HAMMER STUDIOS beteiligt und mit WAKE WOOD den ersten Kinofilm für das Studio gedreht, das zuvor mehr als 30 Jahre leinwandabstinent gewesen war. Der Film erhielt gute Kritiken und weckte das Interesse der Horrorzuschauer, die nun mit Spannung den neuesten Streich des gebürtigen Iren herbeisehnen dürften. Doch kann CHERRY TREE dem Vorgänger überhaupt das Wasser reichen?
 
 
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Im Film geht es um Schülerin Faith (NAOMI BATTRICK), die kein einfaches Los gezogen hat. Der geliebte Vater ist an Blutkrebs erkrankt und hat nur noch wenige Monate zu leben. Für die Heranwachsende eine Tragödie, die ihren Kummer durch Aggressionen an der Schule äußert. Doch die neue Hockey-Trainerin Sissy Young (ANNA WALTON) weiß Rat. Die verfügt über heilende Kräfte und ist nebenberuflich Hexe. Sie bietet der verzweifelten Teenagerin ihrer Dienste an. Doch wie man sich denken kann, ist die vermeintlich selbstlose Tat nur im eigenen Interesse. Die Sportlehrerin verspricht die Genesung des Vaters, wenn ihr Faith als Gegenleistung ein Baby schenkt. So schläft die kummerbehaftete Schülerin mit der Flamme der besten Freundin und wird tatsächlich schwanger. Doch die Zukunft des Kindes steht unter keinem guten Stern. Zwar wird der Vater von seiner Krankheit geheilt. Doch je näher der Geburtstermin rückt, umso mehr plagen der werdenden Mutter Zweifel. Leider bleibt nicht viel Zeit für Gewissensbisse. Hexe Sissy fordert die vereinbarte Gegenleistung und hat kein Verständnis für Ausreden. Die zeigt ihr wahres Gesicht und das gewinnt keinen Schönheitspreis.
 
 
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Bitte mehr Filme mit und über Hexen. Seit Zombies, Foltergesellen und Spukgestalten im Wohnzimmer ihr Unwesen treiben, tut es dem Horrorfanherz gut, wenn Filme sich trauen aus der Reihe zu tanzen. CHERRY TREE ist nichts Großes und über weite Strecken konventionell gestrickt, so dass sich schnell erahnen lässt, wie der Film ausgehen wird. Weil aber Hexenfilmen seit Jahren kaum Beachtung geschenkt wird, sticht CHERRY TREE aus der Masse an immer gleichem Horrorschlamassel hervor. Im Film will eine böse Hexe furchtbare Rituale durchführen, um die Hölle auf Erden zu errichten, wird aber von einem Menschenkind in die Schranken gewiesen und für hinterlistiges Treiben mit dem Tod bestraft. Das liest sich zwar wie ein Märchen aus der Feder der Gebrüder Grimm und ist kein Stoff mit dem sich ein Genre neu erfinden lässt. Trotzdem meistert Regisseur DAVID KEATING seine Sache ganz ordentlich, denn der Film konzentriert sich aufs Wesentliche, hakt die Grusel-Etappen souverän ab und kommt zügig zum Punkt. So kann sich der Zuschauer im effekthascherischen Finale an grotesken Masken erfreuen, die trotz simpler Machart mancherorts die filmischen Albträume eines CLIVE BARKER in Erinnerung rufen. Leider wird man nicht nur einmal das Gefühl nicht los, dass schmales Budget eingeschränkt hat. Vermutlich sollten mehr visuelle Effekte und abwechslungsreiche Schauwerte zum Einsatz kommen. Weil wenig Geld zur Verfügung stand, musste gespart und improvisiert werden. So wurden Tausendfüssler als Ersatz für handgemachte Ekeleffekte eingesetzt und verfehlen ihre Wirkung nicht. Die kleinen Tiere krabbeln in Großaufnahme unaufhaltsam durch Haut und in Körperöffnungen. Zartbesaitete Zuschauer dürften sich angewidert abwenden.
 
 
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CHERRY TREE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Von heimtückischer Hexerei, giftigen Tausendfüsslern und blutigen Ritualen unterm Kirschbaum. Der zweite Horrorfilm von Regisseur DAVID KEATING ist Low-Budget-Horror mit Herz, der sicherlich nicht fehlerfrei ist und sich dem Hexen-Genre zuwendet. Geld hat gefehlt, so dass improvisiert werden musste. Das betrifft in erster Linie Effekte und Masken. Gott sei Dank kommt keine Unterstützung aus dem Computer, was dem Streifen ein charmantes Oldschool-Feeling beschert. Vor allem im Finale erinnern einigen Masken an gute alte CLIVE BARKER-Filmzeiten und heben CHERRY TREE über den Durchschnitt. In Kombination mit guten Schauspielern und temporeichem Drehbuch ist kurzweilige Unterhaltung garantiert. Weil der Film eher konventionell gestrickt ist, dürfte sogar das Mainstream-Publikum auf seine Kosten kommen. Hex, hex.
 
 
 


 
 
 

CHERRY TREE – Zensur

 
 
 
Die Gewaltmomente bewegen sich in CHERRY TREE im überschaubaren Rahmen. Die sind kaum vorhanden. So verbrennt u.a. einer der Protagonisten lebendig und einer Filmfigur wird der Hals aufgeschnitten. Eine FSK16 dürfte für die wenigen Schauwerte ausreichen.
 
 
 


 
 
 

CHERRY TREE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Pakt – The Covenant (2006)
 
Der Hexenclub (1996)
 
Angel Heart (1987)
 
Faust – Love Of The Damned (2000)
 

Filmkritik: „From the Dark“ (2014)

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FROM THE DARK

Story

 
 
 
Bei einer Abkürzung durch die irische Einöde bleibt das Auto im Schlamm stecken, so dass sich Sarah und Mark auf die Suche nach Hilfe begeben müssen und dabei auf eine Kreatur der Finsternis stoßen mit der nicht gut Kirschen essen ist …
 
 
 


 
 
 

FROM THE DARK – Kritik

 
 
 
CONOR MCMAHON ist zurück. Dem Horror-Publikum dürfte der Regisseur bereits mit dem unabhängigen Zombie-Streifen DEAD MEAT und dem schwarzhumorigen STITCHES – BÖSER CLOWN in Erinnerung geblieben sein. Letzterer erhielt von Zuschauern und Kritikern durchweg positives Feedback, was MCMAHON dazu anspornte auch weiterhin dem Genre treu zu bleiben. FROM THE DARK heißt sein neuer Streifen, der dem Filmfreund mit subtiler Machart Angst einjagen möchte. Bewirkt wird die mit ganz einfacher Rezeptur. Dunkelheit heißt die Quintessenz, die dem Film zum Erfolg verhelfen soll, gehört doch FROM THE DARK zu jenen Horrorfilmen, die nicht nur die Finsternis zum Thema machen, sondern bevorzugt im Dunkeln angeschaut werden sollten, um ihr gesamtes (Er)Schreckpotenzial entfalten zu können. Im Mittelpunkte des Schauertrips stehen Sarah (NIAMH ALGAR) und Mark (STEPHEN CROMWELL). Die irren durch das ländliches Irland und fahren über holprige Ackerpfade bis das Auto im Matsch stecken bleibt. Nun ist guter Rat teuer. Da der Handyempfang schlecht ist, versucht Mark in der Gegend nach Hilfe zu suchen. In der Ferne entdeckt er ein altes Bauernhaus, das bei näherer Betrachtung nicht sonderlich einladend eingerichtet ist. Darin macht er Bekanntschaft mit dem Hauseigentümer, der sich jedoch alles andere als normal verhält. Stunden zuvor hat der beim Torfstechen versehentlich eine geheimnisvolle Kreatur von ihren Fesseln befreit. Die geistert nun hungrig um die Hütte und beginnt die Durchreisenden zu jagen.
 
 
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Nach dem gelungenen STITCHES macht Macher CONOR MCMAHON einiges anders. Im Gegensatz zum bitterbösen Clown-Horror aus dem Jahre 2012 ist FROM THE DARK frei von Zynismus, Splatter und Ironie. Dafür liegt der Fokus auf Gänsehaut und Gruselatmosphäre. Letztere gelingt ganz gut, wenngleich die jedoch aus dem handzahmen FROM THE DARK keinen guten Horrorfilm macht. Das Problem liegt in der überschaubaren Handlung, die sich in knapp zwei Sätzen zusammenfassen lässt – aber einen ganzen Streifen füllen soll. Einer Herausforderung, die sich der Regisseur zwar stellt. Dennoch scheitert er an der mangelnden Substanz, die gerade mal Stoff für einen Kurzfilm liefert. FROM THE DARK ist ein solider Versuch dem Vampirfilm jenen Schrecken zurückzugeben, den das Blutsauger-Genre einst mit Filmen wie NOSFERATU – EINE SYMPHONIE DES GRAUENS (1922) und NOSFERATU – DAS PHANTOM DER NACHT (1979) eingeflößt hat. CONOR MCMAHON distanziert sich bewusst von der mittlerweile gängigen Romantisierung des Vampirs. Seine Kreatur will nicht verführen und beißen, sie will terrorisieren und zerfetzen. Mit reichlich Make-up ist ein wenig Kunstblut gelingt die Wandlung von der facettenreichen Figur des Draculas hin zur hirnlosen Tötungsmaschine ganz gut – auch wenn sich die lichtscheue Kreatur nur selten vor der Kamera zeigen möchte.
 
 
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FROM THE DARK ist ein zweischneidiges Schwert. Nach einer atmosphärisch dichten, ersten Hälfte erlebt der Streifen eine Talfahrt. Nachdem die Durchreisenden sich in einem Haus vor einem jahrhundertealten Nackenbeißer in Sicherheit gebracht haben, verliert FROM THE DARK den Spannungsbogen aus den Augen. Sarah flüchtet im Lichtschein der Öllampe die Treppe hinauf, Sarah flüchtet im Lichtschein die Treppe hinunter, Sarah flüchtet im Lichtschein nach draußen, um anschließend im oberen Stockwerke der Hütte nach dem rechten zu sehen. Sonderlich packend ist die Aneinanderreihung von immer wieder gleichen Szenen nicht, auch wenn stets ein blutsaugendes Wesen durch die Nacht huscht, das in den gruseligsten Momenten eine gewisse Ähnlichkeit mit den von MAX SCHRECK verkörperten Nosferatu an den Tag legt. Leider wirkt in FROM THE DARK vieles konstruiert, um die kaum vorhandene Handlung künstlich vorantreiben zu können. Dass da ach die obligatorischen Horror-Klischees nicht fehlen dürfen ärgert, weil den beiden Hauptfiguren auch in diesem Film Dinge widerfahren müssen, die wohl nur Protagonisten in Horrorfilmen zustoßen können. Dass beim Überlebenskampf mehrmals hingepurzelt werden muss und die Heldin während ihrer Flucht vor dem Bösen versehentlich in einen spitzen Gegenstand springt verdeutlicht, dass man wohl mehr um gruselige Atmosphäre bemüht gewesen ist, statt die nicht gerade innovative Geschichte um frische Ideen zu bereichern. Immerhin bedient sich Regisseur CONOR MCMAHON des Öfteren alten Taschenspielertricks. Mit einem effektiven Spiel aus Licht und Dunkelheit hält er den Zuschauer bei Laune und lässt Protagonistin Sarah verzweifelt mit Lampen, Kerzen und Scheinwerfern durch dunkle Flure, Sümpfe und Felder irren, damit sie sich ein lichtscheues Wesen vom Hals halten kann. An gruseligen und unheilvollen Momenten wird nicht gespart. Meist ist die Flüchtende nur vom Lichtpegel umgeben und kämpft sich Schritt für Schritt durch endlose Dunkelheit. Bei einem derart sparsamen Einsatz von Beleuchtung werden Erinnerungen an SILENT HILL geweckt. Die Leinwandadaption des Videospiels bediente sich ähnlichen Mechanismen, wurde aber weitaus raffinierter und trickreicher in Szene gesetzt, als der teils äußerst zähe FROM THE DARK. Daher: Durchschnittlicher Kreaturen-Heuler mit guten Ansätzen, aber wenig Story.
 
 
 


 
 
 

FROM THE DARK – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Wer Angst vor der Dunkelheit hat, sollte diesen Film möglichst meiden. FROM THE DARK macht die Finsternis zum Thema eines Gruselausflugs, in dem es oftmals so düster ist, dass man kaum die Hand vor Augen sieht. Demzufolge entfaltet der Streifen auch nur dann seine maximale Wirkung, wenn es auch im Heimkino so richtig dunkel ist. Regisseur CONOR MCMAHON versucht mit seinem Horror-Abenteuer den ursprünglich furchterregenden Vampir-Mythos erneut aufleben zu lassen. Schluss mit zivilisierten und romantisierten Blutsaugern. In FROM THE DARK werden Vampire nicht vermenschlicht, sondern zu reißerischen Bestien der Nacht deklariert. Die Stimmung passt und Gänsehaut ist vorprogrammiert. Leider macht die vorhersehbare Handlung Sorgen, die sich in knapp zwei Sätzen zusammenfassen lässt. FROM THE DARK ist ein durchschnittlicher Kreaturen-Heuler mit vielen stimmigen Grusel- und deftigen Schreckmomenten. Die Ansätze sind gut, wenngleich die zweite Filmhälfte aufgrund mangelnder Ideen kaum der Rede wert ist, weil die Spannung fehlt.
 
 
 


 
 
 

FROM THE DARK – Zensur

 
 
 
FROM THE DARK ist ein eher subtiler Horrorfilm. Ein Bein wird aufgerissen, ein Finger mit einem Schraubendreher abgetrennt und zwei Protagonisten lösen sich in Staub auf. Das ist alles nicht sonderlich grausam, so dass FROM THE DARK bereits für 16-jährige geeignet sein dürfte.
 
 
 


 
 
 

FROM THE DARK – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens (1922)
 
Nosferatu – Phantom der Nacht (1979)
 
Shadow of the Vampire (2000)
 
Stephen King’s The Night Flier (1997)
 
Silent Hill: Revelation (2012)